Nibelungensteig Etappe 2 – Schlierbach – Gassbachtal

Nibelungensteig Etappe 2 – Schlierbach – Gassbachtal

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Im Odenwaldstädtchen Lindenfels beginnt die zweite Etappe des Nibelungensteigs. Seit 2010 ist sie Drachenstadt, was ursächlich mit der Nibelungensage zusammenhängt. Wieder geht die Wanderung über die Höhenzüge und Gipfel von Odenwaldbergen, bis sie in Grasellenbach, dem Ort, wo sich alles um Siegfried dreht, zum Abschluss kommt.

Der Morgen nach der Überanstrengung

Ich fühle mich am Morgen nach der anstrengenden ersten Etappe zwar zerschlagen, aber besser, als ich es gestern Abend erwartet habe. Ich hatte in der Nacht Krämpfe in den Beinen und hoffe darauf, dass es in Lindenfels eine Apotheke gibt, in der ich „Sofort-Magnesium“ kaufen kann. Aber erst mal werde ich frühstücken! Ich bekomme an der Rezeption des Terrassencamping Schlierbach einen Kaffee und heißes Wasser für mein Müsli. Während meines Frühstücks kommt die Sonne über den Berg und trocknet mein Zelt. Durch die Bewegung beim Packen und Stopfen des Rucksacks funktionieren meine Muskeln runder als direkt nach dem Aufstehen. Ich verabschiede mich von der zuvorkommend freundlichen Crew des Campingplatzes und laufe gegen halb 10 Uhr los.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Lindenfels

Die Markierung des Nibelungensteigs führt mich links um den Berg herum, durch ein schmales Bachtälchen.

Links ein Bach mit etwas Wasser, rechts davon ein Waldweg und wieder rechts wachsen Bäume einen Hang hinauf
Der Bach führt sogar noch etwas Wasser

Dann geht es bergauf, denn Lindenfels liegt auf einem Berg. Ich komme am Sportplatz vorbei und gehe einen sehr steilen Weg hinauf bis zu einer Straße. An der Mauer gegenüber ist ein Schild „Umleitung“ des Nibelungensteigs. Bevor ich der folge, drehe ich mich um, um die Aussicht zu genießen.

Von einer steilen Ortschaft geht der Blick auf den gegenüberliegenden Berg
Mein Blick geht nach dem Aufstieg aus Schlierbach in Lindenfels zurück zum Krehberg. Hier kannst Du erkennen, wie weit gestern der Weg ins Tal doch noch war, denn Schlierbach liegt links unten (um die Ecke) im Tal. Links an der Mauer ein Umleitungsschild für den Nibelungensteig

Ich wandere um eine Kurve bis zur nächsten Kreuzung, mit wieder einem Umleitungsschild. Das schickt mich mit einer 270° Kehre nach rechts, von der Stadt weg. Allerdings erspähe ich geradeaus, am Ende der Straße eine Apotheke im Städtchen. So folge ich der Umleitung nicht und hoffe, in Lindenfels irgendwo beim Stadtbummel die Markierung wieder zu finden. In der Apotheke bekomme ich, was ich möchte. Ich verweile mich noch kurz an der Hauptstraße, bevor ich der Burgstraße in die Altstadt folge.

Vier aufeinandergetürmte Steine bilden einen Brunnen
Der Brunnen steht bei der Apotheke. Die Straße gegenüber führt zur Burg. Allerdings ist an dieser Straßenkreuzung, über die der Nibelungensteig nach Westen führt, kein Wegweiser aufgestellt

Tatsächlich sehe ich beim Einbiegen in die Burgstraße nicht mal die Markierung mit dem N, da ich so mit dem Betrachten der Häuser beschäftigt bin. Ich komme an einen Platz mit der ersten Ansicht der Burg.

Über eine Wiese sieht man hinten einen Teil der Lindenfelser Burg, davor die Katholische Kirche
Mein Blick geht über das Flachdach des Kurhauses mit einem Drachen darauf zur Ruine der Burg. Rechts ist die kleine Katholische Kirche

Zuerst möchte ich das Bergauf hinter mich bringen und steige weiter zur Burg. Im Alten Rathaus rechts ist das Stadtmuseum untergebracht. Über die Mauer links der gepflasterten Straße kann ich in den Kurgarten schauen.

Ein Steingebäude hinter einer Steinmauer, das schmiedeeiserne Tor steht offen
Im alten Rathaus ist das Stadtmuseum von Lindenfels, allerdings nur am Wochenende geöffnet
Ein dicker Felsbrocken liegt in einem Park, ein silberner Drache daneben
Der 50 bis 80 Tonnen schwere Granitfelsbrocken löste sich am 25. November 2009 aus dem Bergrücken der Lindenfelser Burg. Auf seinem Weg legte er zwei Mauern nieder, hinterließ eine Schneise der Verwüstung und rutschte in den Kurgarten, wo er im feuchten Boden liegen blieb. 2010, als Lindenfels sich mit dem Projekt „Drachenstadt“ befasste, erhielt der Stein seinen Namen und den silbernen Begleiter

Direkt hinter dem ersten Burgtor ist wieder eine Begebenheit der Nibelungensage mit Skulpturen nachgestellt.

Eine Skulptur stellt Siegfried im Kampf mit dem Drachen Fafnir dar
Der Nibelungensage nach tötete Siegfried den Drachen Fafnir. Nach seinem Bad im Blut des Drachens war er unverwundbar. Nur eine Stelle an der rechten Schulter, an der ein Lindenblatt während des Bades klebte, blieb eine verwundbare Stelle, die ihm später zum Verhängnis wurde

Die Burg „Sliburc“ wird 1080 erstmals urkundlich erwähnt. Erbauer war vermutlich Pfalzgraf Konrad von Staufen, der Halbbruder von Kaiser Barbarossa. Als ersterwähnte Burg war sie Zentrum kurpfälzischer Politik im Odenwald. Ab dem 14. Jahrhundert wird die Stadtmauer um Lindenfels errichtet und die Burg in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausgebaut und in keinem der vielen Kriege zerstört. Das wir heute dennoch nur eine Ruine besichtigen können liegt daran, dass die unbewohnte Burg ab dem 18. Jahrhundert als Steinbruch zum Hausbau der Bewohner Lindenfels diente. Erst Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich der historischen Bedeutung und begann mit ersten Erhaltungsmaßnahmen.

Nach meinem Besuch auf der Burg gehe ich zur Kreuzung am Kurhaus zurück. Auf dessen Flachdach auch ein Drache wohnt. In ganz Lindenfels sind bunte Drachen „versteckt“. Das hat den Hintergrund, dass Lindenfels beim hessischen Landeswettbewerb „Ab in die Mitte 2010“ als Landessieger hervorging mit dem Projekt: „Lindenfels – Die Drachenstadt“.

Ein Fachwerkgebäude beherbergt das Drachenmuseum
Das Haus wurde 1727 von Baur de Betaz erbaut. Heute ist das Drachenmuseum darin untergebracht. Samstags, Sonntags und an Feiertage hat es seine Türen von 14 bis 18 Uhr geöffnet

Ich sehe nun wieder meine Markierung, der ich die Straße hinunter folge, an der Betzenkammer, dem ehemaligen Verlies vorbei. Nun liegt das Fürther Tor vor mir, auch hier wieder das charakteristische N für den Nibelungensteig.

Durch das Fürther Tor hindurch sieht man auf die evangelische Kirche
Das Fürther Tor gibt beim Blick zurück den Blick auf die evangelische Kirche frei

So wandere ich der Markierung folgend weiter und wundere mich über die Richtung, in die ich unterwegs bin. Nach einer Rechtskurve im Wald sind weißrote Absperrbänder und wieder ein Umleitungsschild.

Umleitungsschilder und Absperrungen im Wald
Die Schilder und Absperrungen unterhalb der Burg verwirren mich. Ich bewege mich nach Westen, was nicht sein kann, aber eventuell musste die Umleitung mit einem Umweg angelegt werden?, überlege ich

Ich wandere weiter und erkenne, dass ich beinahe wieder am ersten Umleitungsschild angekommen bin. Hä? (Hessisch für „Wie bitte?“) Wo, bitte, geht es nach Osten?? Ich gehe also, wieder unterhalb der Burg, zurück zum Fürther Tor, am Drachenmuseum vorbei. Und jetzt, beim Bergaufgehen, entdecke ich an der Mauer des Kurhauses die Schilder, die meiner Meinung nach an einen Wegweiser-Schilderpfosten gehören. Diese Schilder zeigen aber den Weg nach Zwingenberg und da möchte ich nicht hin.

Das Kurhaus liegt an einer gepflasterten Gasse und hat einen Drachen auf dem Flachdach
An dieser Stelle übersehe ich beim ersten Vorbeilaufen die Schilder in Hüfthöhe an einer Wand. Der Drache auf dem Dach und das die Gasse hinunterliegende Drachenmuseum lenken mich zu sehr ab. Ob ein Wegweiser das verhindert hätte?

Ich schaue mich auf dem Platz um und entdecke an einer Hauswand jenseits des Platzes „meine“ Schilder in Richtung Grasellenbach. Wie blöd! Wäre am ersten Umleitungsschild zusätzlich der Wegverlauf der Umleitung aufgedruckt, könnten sich Wanderer besser orientieren, die Umleitung „verstehen“. Wüssten sie, dass sie quasi durch den „Hintereingang“ in das schöne Städtchen geführt werden. Später, beim Schreiben des Blogs und einer Nachrecherche, finde ich auf der Webseite des Nibelungenlandes eine Seite „Aktuelles“ unter dem Nibelungensteig. Da finde ich die Informationen, die ich gebraucht hätte. Nur, unterwegs im Odenwald hatte ich sehr oft überhaupt kein Netz. Eventuell hätte ich die „Aktuelle Information“ so aktuell gar nicht auf mein Mobiltelefon bekommen?

Die Glocke der evangelischen Kirche läutet zur Mittagszeit, uff, schon wieder so spät! So wandere ich die Burggasse wieder hinunter zur Hauptstraße, an der die Apotheke liegt. Hier gibt es auch keinen Wegweiser-Schilderpfosten. Lange suche ich im Umkreis nach der Markierung, die mich weiterführt, aus Lindenfels hinaus. Endlich, rechts versetzt über die Hauptstraße, an einem Betonsträßchen, das gegenüberliegend bergauf führt, klebt sie an einem Straßenschildpfosten. Das Sträßchen bringt mich zu einem Pfad, der mit einer Überraschung aufwartet.  

Eine Tafel informiert die Besucher über den Insektenpfad
Der Nibelungensteig folgt dem südlichen Teil des Insektenpfades, mit vielen interessanten Informationen
Der Blick geht aus einem Wald über die Stadt Lindenfels mit Stadtturm und Burganlage
Vom Insektenpfad aus habe ich einen schönen Blick zurück nach Lindenfels und nach Osten

Ein Bienenbär steht am Ende des Insektenpfades, den ich freundlich grüße. Es geht noch weiter hinauf bis zu einer Erklärungstafel. Hier auf der Höhe, Köpfchen genannt, hat eine kleinere „Gegenburg“ gestanden, die vermutlich Anfang des 13. Jh., als Lindenberg badisch war, von den Wittelsbachern errichtet worden ist. Nach weiteren Schotterwegen wechselt der Weguntergrund, was ich sehr begrüße.

Ein schmaler Wiesenweg führt durch lichten Wald
Ich bin überaus froh, mal einen so schönen, schmalen Wiesenweg zu gehen

Einkehr leider nicht möglich

Die Stürme und die Trockenheit haben überall im Wald ihre Spuren hinterlassen und bald muss ich mich bücken, um weiter zu kommen.

Ein umgestürzter Baum bildet ein Tor, unter dem die Wanderer hindurch gehen
Der Pfad geht in den Wald und ich muss unter dem umgestürzten Baum durch das natürliche Tor hindurchwandern

Aus dem Wald heraustretend, wandere ich erst auf einem Schotterweg, dann auf Asphalt hinunter zum Gumpener Kreuz. Auf dieser Passhöhe treffen die Bundesstraßen 38 (Darmstadt-Weinheim) und 47 von Worms und Bensheim aufeinander.

Eine Straßenkreuzung liegt unterhalb des geschotterten Wanderweges
Das Gasthaus am Gumpener Kreuz gibt es nicht mehr. Mein Weg führte mich vom gegenüberliegenden Berg zu dieser Straßenkreuzung hinab und den Forstschotterweg steil hinauf

Der Schotterweg geht direkt steil immer nur geradeaus bergauf. Im Wald ändert sich wenig, nur das welke Blätter auf dem Forstweg liegen und es Schatten gibt. Links im Wald fällt mir ein Sandstein auf.

Ein alter Buntsandstein-Grenzstein steht im Wald
Der Buntsandstein markiert die Grenze zwischen dem hessischen Erbach und der Churpfalz, die über Jahrhunderte hier verlief. Der Nibelungensteig folgt dem Grenzweg in der Folge

Der Grenzweg führt ohne Kurve immer steil bergauf, ohne eine Möglichkeit, sich mal sitzend auszuruhen. Als ich schon denke, bald auf gefühlten 3.000 Höhenmetern zu sein, kommt endlich eine ziemlich morsche Rastbank, die den höchsten Punkt markiert. Hier begegnen mir Wanderer, die mir die nächste gastronomische Enttäuschung bescheren. Sie wissen, dass es in Weschnitz auch keine Gaststätte mehr gibt! Wie schade! Aber ich habe vorgesorgt und habe Studentenfutter dabei. Ich verschnaufe Nüsse kauend auf der Bank und genieße Ruhe, Frieden und Vogelgezwitscher. Meine Füße schmerzen in meinen leichten Trekkingschuhen mit den dünnen Sohlen. Ich entschließe mich, die Schuhe zu wechseln und die Trekkingsandalen anzuziehen. Die haben eine dickere und festere Sohle, können dem Schotter mehr Widerstand bieten. Etwas leichter geht es nun auf der Höhe dahin und ich erfreue mich an dem wunderschönen Wald, durch den ich wandere.

Ein Buchenwald mit hohen, silbrig glänzenden Stämmen
Die Buchenwälder des Odenwalds begleiten mich über weite Teile auf dem Nibelungensteig. Sie strahlen majestätische Ruhe aus, die auf den Wanderer übergeht

Am Ende des Waldes biegt der Weg leicht nach rechts ab. Ich habe den Wald rechts und Wiesen links von mir. Ich entdecke in der Wiese eine hellviolette Blume und erfreue mich an der Aussicht.

Eine hellviolette Herbstzeitlose, der Herbstkrokus, auf einer Wiese
Aus dem Wald tretend finde ich oberhalb von Weschnitz die erste Herbstzeitlose – die Vorboten des Herbstes, auch wenn der Tag noch so sommerwarm ist
Über sanft abfallende Wiese liegen Häuser im Tal und Wald auf einem Berg dahinter
Wieder so ein unbeschreiblich schöner Ausblick, hier Richtung Weschnitz. Aber auch hier muss ich ganz runter ins Tal und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinauf

Etwas näher an Weschnitz herankommend, kann ich auf die gegenüberliegende Höhe schauen, die ich heute noch überwinden muss.

Vier Windräder stehen auf dem bewaldeten Berg über Weschnitz
Der Asphaltweg bringt mich in den Ort hinab, dann gegenüber eher Richtung linkem Windrad etwas hinauf zur Walburgiskapelle, die auf halber Höhe zwischen den zwei linken Windrädern steht

Die Wirtschaft in Weschnitz ist tatsächlich geschlossen und ich marschiere zur Bushaltestelle, da das Wartehäuschen eine Rastbank hat. Mir tun die Fußsohlen furchtbar weh, meine Beine sind erschöpft. Ich habe mir mit dem Trekkinggepäck zu viel Gewicht für meine Kondition aufgeladen. Wenn ich heute Nacht wieder Beinkrämpfe bekomme? Im Zelt kann ich mich nicht mal eben aufstellen und den Krampf rausdrücken. Ich muss erst umständlich (mit Krampf) aus dem Zelt – das will ich heute Nacht nicht noch mal haben. Ich fasse den Entschluss, dass ich nicht in Hammelbach auf den Zeltplatz gehen werde. Ich recherchiere im Übernachtungsverzeichnis des Nibelungensteigs und entschließe mich, bis Grasellenbach weiter zu gehen. Nach einem kurzen Anruf habe ich ein Zimmer im Hotel und Café Gassbachtal gebucht. Nur muss ich bis 17.30 Uhr dort sein, wenn ich im Hotel zu Abend essen möchte. Na dann, nix wie los. Die ersten Schritte schmerzen immer höllisch, dann geht es besser. Aber wieder geht es bergauf und der Weg wird für kurze Zeit so, wie ich es am liebsten mag.

Eine Holzbrücke im Wald führt über einen schmalen Bach
Die Brücke über den Osterbach, der schmale Waldweg dazu, lässt mich endlich mal wieder an einen „Steig“ glauben. Der Osterbach, der mit dieser Brücke überquert wird, vereinigt sich später mit dem Mergbach und bildet die Gersprenz

Kulturdenkmal und Energiewende

Der Weg wir wieder ein Waldforstweg, ein Parkplatz liegt links und ich erreiche den Friedhof des Ortes Weschnitz, der unterhalb der Walburgiskapelle liegt.

Holzkreuze stehen auf dem Friedhof in Weschnitz statt Grabsteine
Auf dem Friedhof in Weschnitz wird an die Verstorbenen mit Holzkreuzen erinnert

Durch eine Schneise marschiere ich über Treppen nun auf die Walburgiskapelle zu, die oben auf dem – welch einfallsreicher Namen – Kapellenberg liegt. Es wird davon ausgegangen, dass der Ort schon in vorchristlicher Zeit ein Heiliger Ort war. Der Name bezieht sich auf die Schwester des Missionars Bonifatius, die ihren Bruder im 8. Jahrhundert aus England nach Deutschland begleitete. Die Grabplatte soll ein heilkräftiges Öl absondern, wird erzählt.

Über einer steile Steintreppe thront eine steinerne Kapelle
Die Walburgiskapelle ist über eine steile Treppe zu erreichen

Die Kapelle ist von März bis November an Samstagen und Sonntagen geöffnet. Von Dezember bis Februar nur an Sonntagen. Von Juni bis Oktober finden an jedem ersten Samstag im Monat um 18.30 Uhr heilige Messen statt.

Der Bergvorsprung hat zwar einen eigenen Namen, ist aber nicht der höchste Gipfel. So muss ich den nächsten Berg, den Kahlberg, besteigen. Auf dessen Rücken sind Windräder aufgestellt, die ein Teil der Energiewende sind. Ich höre das Surren des Windrades erst, als ich schon ziemlich nahe bin. Ich gehe unter dem Windrad hindurch und folge der Markierung nach rechts, immer auf dem asphaltierten Bergrücken weiter. So wandere ich an zwei weiteren Windrädern vorbei.

Ein Windrad steht auf einem Hügel im Wald, ein Forstweg geht daran vorbei
Der Wanderweg führt durch den Windpark auf dem Kahlberg. Vor Eisschlag muss ich mich an diesem schönen Sommertag nicht fürchten

Nach dem letzten Windrad dauert er noch eine Weile, bis aus der Asphaltstraße ein Pfad wird, der mich steil bergab führt. Er holt noch weit nach Westen aus, bevor er nach Südosten schwenkt. Vorbei an Heidelbeersträuchern und Heidekraut, so liebe ich den Wald und es erinnert mich an unsere Baltikumreise, wo der Wald meistens so aussieht. Vor einer Wiesenlichtung steht ein Wegweiser.

Ein Wegweiser mit vielen Wanderschildern
Die Wegweiser im Odenwald sind vorbildlich angelegt

Der Wegweiser gibt mir die unterschiedlichsten Informationen. Nach Hammelbach hätte ich heute noch 1,5 km bis zum Campingplatz. Morgen müsste ich die wieder zu diesem Punkt zurück gehen, ist gleich 3 km mehr. Heute habe ich noch 3 km auf dem Nibelungensteig, ich könnte aber auch in 2,5 km am Ziel sein. Beim Weiterwandern verstehe ich den Schlenker, den der Nibelungensteig macht, auch nicht, denn es ist nichts Spektakuläres, unbedingt Sehenswertes, an dem ich vorbeikomme.

Ein Haus am Waldrand mit der Aufschrift Café Bauer
Das Café Bauer bietet leckere Kuchen und kleine Schmankerl. Ich gehe vorbei, denn mein Hotel und das Abendessen sind nicht mehr weit

Der Weg führt mich rechts hinauf am Café vorbei, dann biegt er links ab und später wieder links und mündet in den Kunstpfad. Einige Kunstwerke mit interessanten Titeln stehen am Wegesrand – ich bin zu erschöpft, um die Kunst zu genießen. Eine wunderschöne Kneippanlage ist rechts am Waldrand.

Gemauerte Becken bilden die Kneippanlage im Wald
Auch heute passiere ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit die Kneippanlage nur

Meine Füße mögen nicht mehr laufen. Immer wieder bleibe ich stehen, überprüfe meine Haltung von Kopf bis Fuß und bemühe mich, keine Schonhaltung einzunehmen und nicht zu humpeln. Die Stöcke unterstützen mein Fortkommen und ich gehe mit Nordic-Walking-Bewegungen vorwärts. Ein kleiner Teich links und dahinter ein Tor, ein Kunstwerk – ja, hier mache ich noch ein paar Extra-Meter für ein Foto.

Durch einen Kunstbogen aus Sandstein und Metall ist hinter einer Wiese ein Haus zu sehen
Mein Hotel habe ich durch einen Bogen eines Kunstwerkes fotografiert

Auf der Hotel- oder Caféterrasse sitzen einige Menschen vor lecker aussehenden Kuchenstücken. Ich ziehe meine Mund-Nasen-Maske an und betrete den Verkaufsraum, mit der Rezeption im hinteren Bereich. Meine Unterkunft entpuppt sich als das mehrfach ausgezeichnete Nibelungencafé. Die Konditorenerzeugnisse tragen so klingende Namen wie: Brunhilds Sahnekuppel, Kriemhilds Früchtetraum, die majestätische König Alberich- oder Drachenbluttorte. Oh, ich freue mich schon auf meinen Nachtisch!

Die Wirtin zeigt mir den Treppenaufgang zum Zimmer und betont, dass es auch einen Aufzug gebe, als sie mein entgeistertes Gesicht sieht. Sie weist mich auch nochmal darauf hin, dass ich nur bis 17.30 Uhr ein Abendessen bestellen kann. Mittlerweile ist es 17.10 Uhr. Ich fahre tatsächlich mit dem Aufzug in den ersten Stock und bringe meinen Rucksack in mein Einzelzimmer. Ich stoppe die Komoot-Aufzeichnung und stecke mein Mobiltelefon an den Strom, bevor ich hinunter gehe. Ich bestelle Linsensuppe und ein alkoholfreies Bier und als Nachtisch eine Hessentorte. Ich, als Hessin, muss die probieren!

Nach dem Abendessen gehe ich direkt  aufs Zimmer. Das Blasenpflaster hat sich in den Socken gearbeitet! Ich dusche ausführlich und betrachte meine wehen Füße. Wie dämlich kann man sein, die Wanderschuhe zuhause zu lassen? Wieder frage ich mich das. Und wieder kommt die Antwort: den Weinsteig konnte ich mit diesen leichten Barfuß-Trekkingschuhen von Joe Nimble laufen und da war es kein Problem! Ich verklebe die Blase neu und lege mich hin. Am Mobiltelefon mache ich die YouTube Filme der ersten und zweiten Etappe fertig und veröffentliche sie, bevor ich mich schlafen lege. Ich werde am Morgen entscheiden, ob ich weitergehe oder die Wanderung unterbreche.

Fazit der 2. Etappe

Mit um die 17 km – ohne Umwege – und um die 700 Höhenmetern im Aufstieg ist die Etappe moderat zu gehen. Durch langes Schlafen am Morgen, Zeltabbau und packen bin ich ziemlich spät losgekommen. Da ich mir das Städtchen Lindenfels ausführlich angeschaut habe, bin ich dort erst nach 12 Uhr losgelaufen. Auch diese Etappe hat hauptsächlich festen Weguntergrund in Form von Asphalt und Schotter-Forstwegen. Unterwegs ist viel zu schauen und zu entdecken, landschaftlich und kulturell. Mir haben an schönen Stellen und in den langen Aufstiegen Bänke zum Ausruhen gefehlt. Die gibt es meist nur in unmittelbarer Nähe von Ortschaften, nicht an den langen Strecken dazwischen. Leider gibt es auch keine Einkehrmöglichkeit unterwegs (außer mit Umwegen), daher sollte eine Vesper im Rucksack sein. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Mein Video mit Eindrücken der zweiten Etappe findest Du auf YouTube.

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Nibelungensteig Etappe 1 – Zwingenberg – Schlierbach

Nibelungensteig Etappe 1 – Zwingenberg – Schlierbach

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Ich habe Lust zu Wandern. Einen Fernwanderweg. Möglichst mit Zelt. Der Nibelungensteig steht seit einigen Jahren auf meiner Wanderagenda. In sechs, statt in sieben Etappen möchte ich auf dem zertifizierten Fernwanderweg von Zwingenberg an der Bergstraße über den Odenwald nach Freudenberg am Main wandern. So der Plan.

Planung der Wanderung

Ein Wanderweg, der mir seit Jahren im Wanderherz herumspukt, ist der Nibelungensteig. Er wurde 2008 eröffnet und ist seit 2010 ein zertifizierter Qualitätsweg Wanderbares Deutschland. Die Webseite des Nibelungenlands gibt sehr detaillierte Informationen. So kann ich meine Etappen und Übernachtungsplätze sehr schnell planen. Am Wegrand liegen einige gut ausgestattete Campingplätze. So entschließe ich mich, mein kleines Vaude-Zelt „Refuge“, meine Matte und meinen warmen Schlafsack mitzunehmen. Nur eine Nacht werde ich in einer Pension schlafen. Aus ökologischen Gründen reise ich mit Bus und Bahn an und ab. Dienstags plane ich die Wanderung und Donnerstags geht es bereits los.

Der Nibelungensteig ist eine sportliche Herausforderung. Er führt über die Höhen des Odenwald. Während der über 130 km werden über 4.000 Höhenmeter erstiegen und natürlich wieder abgestiegen. Gleich am Anfang fordert der Melibokus heraus. Er thront über Zwingenberg und ist mit 517 Komma 4 m über Normalnull der höchste Berg an der hessischen Bergstraße.

Mein Marschgepäck

Da das Wetter ohne Regen und tagsüber über 20° warm sein wird, werde ich auf meine Wanderstiefel verzichten. Statt dessen laufe ich in meinen Barfußschuhen von Joe Nimbel. Die haben sich auf dem Weinsteig in der Pfalz bestens bewährt. Mein Steildachzelt von Vaude, meine Ridge-Rest-Matte und mein Hochleistungsschlafsack von Valandre wiegen zusammen knapp 2 kg. Da ich alle Dinge im Rucksack haben möchte, entscheide ich mich für die schwerere Therm-a-Rest-Matte, denn die Rigde-Rest-Matte müsste ich außen dran befestigen. Die Bundeswehrtasse nehme ich als Kochtopf mit, gefüllt mit Beuteln mit Müsli, Milchpulver und Kaffeepulver. Am Campingplatz werde ich in den vorhandenen Küchen mein Frühstück zubereiten. Eine lange „Zip“-Wanderhose von Maul für die kühlen Abende, 1 Ersatz-T-Shirt von Eisbreaker, 1x Ersatzsocken von Falke, 4 Unterhosen, 1 dünner Langarmpullover von Devold, 1 Windstopperjacke von Salewa, 2 Buff, 1 Sonnenhut, 1 Waschbeutel mit Trekkinghandtuch, 1 Schlafanzug bestehend aus langer Wollunterhose von Engel und einem Wolloberteil von Icebreaker, 1 Erste-Hilfe-Beutel, 1 Paar Trekkingstöcke, 2 Trinkflaschen mit insgesamt 1,5 l, 1 Laptop, 1 Powerbank, 1 Mobiltelefon, Stecker und Kabel, Sonnencreme und Blasenpflaster. Gesamtgewicht 14,4 kg ohne Wasser. Wie ich gepackt habe, kannst Du Dir bei YouTube anschauen.

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Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

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Start in Zwingenberg

In Zwingenberg werde ich am Bahnhof von einem lieben Bekannten erwartet. Mit Johannes Fischer vom Busunternehmen „Der Zwingenberger“ war ich über Jahre beruflich verbunden. Sein Unternehmen bietet unter anderem barrierefreie Reisen an. Die Busse haben Einstiegslifte, die Menschen die steilen Bustreppen ersparen. Rollifahrer können so auch in den Bus einsteigen und entweder auf Bussitze umgesetzt oder in ihrem Rolli sicher angeschnallt werden. Rollisportvereine gehören u.a. zu seinen Kunden. Ich habe mit meinen Senioren wunderbare Reisen unternommen, manchmal hatten wir 4-5 Rollstühle und über 20 Rollatoren dabei. Trotz körperlicher Einschränkungen unterwegs zu sein, war mit unserem  „Entschleunigten Reisen“ ohne Überforderung möglich. Von den Erlebnissen haben meine, unsere Gäste lange erzählt und gezehrt.

Die Bloggerin von Reisepunsch und der Busunternehmer „Der Zwingenberger“ posieren für ein Selfie
Ein Selfie mit dem Busunternehmer „Der Zwingenberger“ und der Bloggerin von Reisepunsch

Wegen der Corona-Krise ist sein komplettes Sommergeschäft geplatzt, in dem er das Geld für das ganze Jahr verdient hätte. Sein hauptsächliches Reiseklientel zählt zu den besonders gefährdeten Personen, so ist eine Planung für 2021 nur schwer möglich. So wenige Busunternehmen bieten hochbetagten Gästen noch die Möglichkeit zu reisen. Nur wenige Busunternehmer haben überhaupt einen Lift im Bus. Und die Erfahrung, die Johannes Fischer und seine Fahrer über die Jahre gerade mit Rollstuhlfahrern und Senioren gesammelt haben, haben nur wenige Reisebusunternehmen. Es wäre so ungeheuer schade, wenn „Der Zwingenberger“ und das Reisen von Hochbetagten und Rollstuhlfahrern mit Corona keine Zukunft mehr hätte. Ich wünsche Johannes, der zur Zeit als LKW Fahrer einen Arbeitsplatz gefunden hat, das Allerbeste und einen Fortbestand des Unternehmens.

Ein Wanderwegweiser mit Aufschriften
Der Nibelungensteig ist ab dem Bahnhof ausgeschildert

Johannes macht mit mir eine kleine Stadtführung aus erster Hand, ist er doch seit seiner Geburt hier verwurzelt. So erklärt er mir, dass außerhalb der Stadtmauer die Scheunen (im hessischen Scheuer genannt) lagen, wohl wegen der Brandgefahr, die z.B. von gelagertem Heu ausgeht. In den letzten hundert Jahren wurden diese zu Wohnhäusern umgebaut und die Gasse weißt mit ihrem Namen noch auf den Ursprung hin.

Eine Fachwerkhausstraße, im Hintergrund ein hoher Mittelgebirgsgipfel mit einem Sendemast
Über der Scheuergasse mit ihren Fachwerkhäusern thront der Melibokus, der von Zwingenberg aus zuerst bewältigt werden muss.

Am Ende der Scheuergasse, momentan in der Baustelle der B3, der Bergstraße, steht eine Skulptur.

Eine Bronzefigur eines Mannes mit einem angeleinten Schaf
Dem Buchdrucker und Herausgeber des Bergsträßer Boten, Max Teichmann, ist mit einer Bronzefigur ein Denkmal gesetzt. Das Schaf ist die „Bezahlung“ eines Kunden.

Gegenüber ist die Bäckerei Germann, in dem Du den ersten Stempel in Deinen Wanderpass bekommen kannst und Johannes und ich einen Kaffee trinken. Vom  Stadtrundgang zeige ich Dir hier nur einige der Besonderheiten des 7000 Einwohner zählenden Städtchens.

Links die Stadtmauer mit aufgebauten Häusern, rechts ein Spazierweg
Wir beginnen den Altstadtrundgang mit dem Spaziergang entlang der Stadtmauer
Eine aus mehreren Teilen bestehende Skulptur, mit Masken und Speeren steht vor dem ehemaligen Amtsgericht
Leider gibt es keinen Hinweis an der Skulptur, ob sie bereits etwas mit der Nibelungensage zu tun hat, oder mit dem ehemaligen Amtsgericht dahinter
Über den Fachwerkhäuser auf dem mit Bäumen bestandenen Marktplatz steht die Bergkirche
Über den Marktplatz hinweg schaue ich hinauf zur Bergkirche
Rampen und Stufen führen zur Bogentür des alten Rathauses mit einem Glockenturm
Das alte Rathaus hat einen Turm mit einem Glockenspiel
Das alten Schloss hat einen gemauerten Wohnturm, mit einem Fachwerkanbau
Im alten Schloss befindet sich heute Rathaus und Bürgerbüro
Ein Sandsteinsockel hat ein Löwenmaul, aus dem Wasser in einen Brunnenschale läuft
Der Löwenbrunnen auf dem Löwenplatz trägt das Wappen von Zwingenberg, den hessischen Löwen mit drei Wasserlilien
Von der Ummauerung der Bergkirche geht der Blick über die Dächer der Altstadt in die Rheinebene
Die Bergkirche ist ein Aussichtspunkt mit Blick in die Rheinebene. Wer da nicht an das Göttliche glaubt, wenn er die Kirche besucht??
Ein alter Stadtturm ist hinter einer Grünanlage mit Sitzgelegenheiten
Vor dem einzig erhaltenen Stadtturm, Aul genannt, ist ein Treffpunkt in der Grünanlage
Eine Skulptur aus einem rostigen N und Edelstahlfiguren die Kriemhild und Siegfried darstellen
Der Beginn des Nibelungensteigs ist seit Sommer 2020 mit dieser Skulptur gekennzeichnet

Rechts im Bild ist ein Trinkwasserbrunnen, in dem die Trinkflasche nochmal aufgefüllt werden könnte. Links daneben eine Landkarte mit einem Überblick über die Gesamtlänge und Etappen des Nibelungensteigs und darunter der Wegweiser hinauf zum Melibokus.

Die Vorsitzende des Förderkreises „Kunst und Kultur Zwingenberg“, die Künstlerin Ulrike Fried-Heufel, hat die Skulptur entworfen, das vom Metallbauer Rudolf Müller umgesetzt wurde. Auf einem rostroten „N“ aus Cortenstahl sind die aus Edelstahl gefertigten Silhouetten von Siegfried und Kriemhild, den Hauptfiguren der Nibelungensage aufgebracht. Diese beiden und andere Figuren und Begebenheiten der Nibelungensage werden mich auf der gesamten Wanderung begleiten.

Melibokus, erster Odenwaldgipfel auf dem Nibelungensteig

„Wenn Du erst mal am Steinbruch bist, hast Du das Steilste hinter Dir,“ verabschiedet mich Johannes. Äußerst fröhlich gestimmt mache ich mich auf den Weg. Besser gesagt, die Asphaltstraße hinauf.

Der ehemalige Steinbruch ist an manchen Abbruchkanten bereits mit Gebüsch bewachsen
Der ehemalige Steinbruch ist erreicht, nun geht es nach rechts um die Kurve etwas weniger steil weiter
Weinreben hängen voll mit reifen Trauben
Bergsträßer Wein wird auf etwa 450 ha angebaut. Die Zwingenberger Einzellagen „Alte Burg“ und „Steingeröll“ sind in die Großlage Auerbacher Rott integriert

Ich verweile mich noch beim Schauen in die Ebene. nach Süden nach Bensheim, Heppenheim und Weinheim, fast bis Heidelberg. Über Mannheim, Ludwigshafen und Frankental rüber zur Pfalz, die im Dunst nur zu erahnen ist. So wunderschön ist die Aussicht, dass ich wegträume, meinen Gedanken nachhänge. Nun muss ich mich sputen. Es ist bereits halb 12 und es liegen noch über 25 km vor mir, und etliche Höhenmeter!

Einige Felssteine schauen aus dem Waldboden, Buchen wachsen darauf
Der Gipfelaufbau des Melibokus ist recht felsig
Ein schmaler Pfad im Buchenwald wird schon von welken Blättern teils verdeckt
Es ist zwar Herbst, aber die welken Blätter sind dem trockenen Sommer geschuldet

An der höchsten Stelle des Weges angekommen, folge ich nicht meiner Markierung nach rechts, sondern gehe erst nach links. Zum Gipfel des Melibokus mit seinem Turm, um die Aussicht in die Rheinebene nach Westen, Süden und Norden ein letztes Mal zu genießen..

Ein runder Ruinenturm erhebt sich aus herbstfarbenem Wald, dahinter die Häuser von Hähnlein
Direkt rechts unter mir ist das Hähnleiner Schloss mit dem Ort (Alsbach)-Hähnlein
Über die Absprungschanze der Gleitschirmflieger geht der Blick nach Rheinhessen und in den Taunus
Über die Absprungschanze der Gleitschirmflieger geht der Blick nach Rheinhessen (eher links) und in den Taunus (mittig im Dunst)
Ein Turm vom Fuß bis in den Himmel fotografiert, Der Turm hat ein überkragendes Dach und eine Beschilderung am Turm
Der Turm ist wegen Corona nicht begehbar – aber er hätte sowieso am Donnerstag geschlossen, schade

Mit meiner Markierung, dem roten „N“ auf weißem Grund,  geht es nun nur leicht bergab und dann auf der Höhe, in leichten Wellen und schönen Aussichten weiter.

Über die hügelige Landschaft mit abgemähten Wiesen geht der Blick zu weit hinten liegenden Bergkuppen
Die Höhen im Hintergrund liegen in denn nächsten Tagen auf meinem Weg

Ohlyturm und Felsenmeer

Kurz nachdem ich wieder im Wald bin, taucht der Ohlyturm vor mir auf. Mein Magen knurrt, in der Nähe des Ohlyturms war früher eine Gaststätte, erinnere ich mich.

Ein aus Granit erbauter Steinturm steht in einem Buchenwald
Der 1900/1901 erbaute Turm aus Latertaler Granit ist nach dem Darmstädter Bürgermeister Albrecht Ohly benannt. Leider ist der 27m hohe Turm nicht zugänglich. Er würde einen Ausblick nach Westen auf Donnersberg und Pfalz ermöglichen, nach Norden über die Skyline von Frankfurt in den Taunus und zum Katzenbuckel im Südosten

Leider ist die Gaststätte erst ab 17 Uhr geöffnet. Um diese Uhrzeit möchte ich eigentlich schon am Ziel sein. Ich tauche ab ins Felsenmeer, das ich schon seit meiner Kindheit immer wieder besucht habe.

Ein als Säule behauener Stein liegt auf dem Waldboden
Im 4. Jahrhundert n. Chr. haben die Römer diese Säule bearbeitet. Es gibt zwar Erklärungen, wie diese Werkstücke von der Höhe zu den Bauwerken, irgendwo am Rhein geschafft wurden – für mich ist das dennoch immer wieder eine technische Meisterleistung und ein Wunder
Das Felsenmeer zieht sich mit seinen Felsblöcken von der Ebene hinauf
Wie oft ich hier als Kind und später mit meinen Kindern bereits herumgeklettert bin? Heute wandere ich nur durch das Felsenmeer hindurch
ABU Eine Erklärungstafel beschreibt die Entstehung des Felsenmeeres
Ich bin beeindruckt von der Tafel, die die Entstehung des Felsenmeeres sehr verständlich erklärt

Seit einigen Jahren informiert am Fuß des Felsenmeers ein Info-Zentrum über den Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, die Gemeinde Lautertal und das Felsenmeer.

Das Informationszentrum ist außen mit Holz und Steinplatten der Region verkleidet
Das Felsenmeer-Informationszentrum ist Mittwoch bis Freitag von 13.00-17.00 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.00-17.00 Uhr geöffnet

Ich esse in der naheliegenden Gaststätte zu (Nach-)Mittag und wandere weiter in die Ortsmitte.

Auf einem Platz steht eine Skulptur, die Hagen von Tronje aus der Nibelungensage darstellt
In Reichenbach steht an der vielbefahrenen Kreuzung die Skulptur „Grimmiger Kämpe Hagen“ und im Hintergrund der Pranger der Gemeinde. Er ist heute zum Glück nicht mehr in Gebrauch

Hagen von Tronje war ein Edelmann. Dem Burgunderkönig Gunter, der in Worms residierte, war er treuer Vasall. In der Nibelungensage spielt er eine tragische Rolle, da er aus Ehrerbietung seiner Herrin gegenüber den Mord an Siegfried begeht.

In Reichenbach muss ich des Öfteren meine Markierung suchen. Beim Weg aus Reichenbach hinauf zum Hohenstein verlaufe ich mich und erreiche mit einem kleinen Umweg den Hohenstein. An manchen Stellen würde ich mir auf dem Nibelungensteig hüfthohe Pfosten wünschen, die ich schlechter übersehen würde, als die kleinen Aufkleber an den runden Straßenschilderpfosten. Mir fällt unterwegs auch immer wieder auf, dass zwar vor einer Kreuzung Markierungen mit Miniaturpfeilen die Richtung nach der Kreuzung anzeigen, aber direkt nach dem Abzweig keine Markierung angebracht ist. Andere Wandermarkierungen dagegen schon. Nur die des Nibelungensteigs ist manchmal 50 bis 100 m später erst an einem Baum angebracht. Manchmal verdeckt von Blättern. Das finde ich sehr verwirrend.

Hohenstein und Ausblicke

Kletterer machen sich fertig um an den Felsen des Hohenstein zu klettern
Eine Gruppe von Übungsleitern und Kindern zieht sich am Hohenstein die Gurte an um zu Klettern. Hier bin ich vor vielen Jahren mal eine Siebener-Route im Nachstieg geklettert 😉
Holzstapel stehen am Rande einer Birkenallee
Der Weg geht durch eine Birkenallee, mit wohltuend sandigem Untergrund, weiter zum Hofgut Hohenstein
Über einen kleinen Teil geht der Blick über sanfte Hügel bis zum Melibokus
Vom Hofgut Hohenstein geht der Blick zurück zum Melibokus

Nun geht es wieder bergauf, hinauf zum Knodener Kopf. Da ich weiß, dass ich auch noch über den Krehberg muss, versuche ich, das Tempo zu beschleunigen. Da ich aber mit zu wenig Kondition unterwegs bin, ist das schwierig. Anders formuliert, ich habe zu viel Gepäck für meine schlechte Kondition, denn diese Etappe des Nibelungensteigs ist mit 27 km sehr weit und mit 1.140 m im Aufstieg und 980 m im Abstieg außerdem Kräftezehrend.

Ein geschotterter Forstweg schlängelt sich durch den Wald
Über 50% des Nibelungensteigs gehen über solche Forstwege, also auf hartem Untergrund. Meist kleiner Schotter, manchmal richtig Großschottrig, teilweise von Fahrzeugen sehr rund gefahren. Dieser Weg führt mich hinauf zum Knodener Kopf

Meine leichten Trekkingschuhe haben sich auf dem Weinsteig in der Pfalz bewährt, der meist über Waldpfade führt, die nachfedern. Der harte Untergrund von etwa 80% des Nibelungensteigs, bestehend aus Schotterforstwege, Asphalt und, aufgrund der Trockenheit harten Waldwegen, sind für meine Füße in den leichten Trekkingschuhen leider der Horror. Für den Nibelungensteig wären Bergwanderschuhe die richtige Wahl gewesen. Aber die stehen zuhause, seufz!

In den Aufstiegen stehen selten Rastbänke, es gibt keine Baumstämme oder Felsen, auf denen ich mich mal ausruhen könnte. Erst auf dem felsigen und bewaldeten Gipfel des Knodener Kopfes laden mich einige Felsen zu einer kurzen Rast ein.

Einige Alpakas weiden auf einer Wiese
Kurz vor Schannenbach stehen einige Alpakas auf einer Weide. Leider bin ich kein Alpakaflüsterer, sonst würde ich mich von einem weitertragen lassen…
Über eine vertrocknete Wiese geht der Blick in die Ferne bis in die Pfalz. Die Sonne steht bereits kurz über dem Horizont
Der Dunst hat sich etwas gelegt. So kann ich von Schannenbach aus bei einem Blick nach Westen die Pfalz in der Ferne erahnen

Bald geht die Sonne unter und ich bin noch nicht am Ziel

Mittlerweile ist es 18 Uhr. Ich rufe beim Campingplatz an, bis wann ich spätestens kommen muss, um einen Platz zugewiesen zu bekommen. Alternativ scheint es nämlich in Schannenbach einen Gasthof und eine Pension zu geben…. Ich kann jederzeit kommen, ist die Antwort. Nun denn, auf zum letzten Abschnitt heute. Ich packe all mein mentales Können aus, um mich für die letzten vier, fünf Kilometern zu motivieren. Und es geht nochmal hinauf, denn einer der höchsten Berge des Odenwalds, der Krehberg, muss noch überwunden werden. An seinem östlichen Fuß liegt Schlierbach und der Campingplatz. Nach langem Anstieg erreiche ich eine Rasthütte.

Eine Rasthütte aus Holz steht auf Felsen im Wald
Die Rasthütte Mathildenruh steht beinahe auf dem Gipfel des Krehbergs, mit 576 m Höhe

Gegenüber der Hütte geht es nun lange und teils ziemlich steil bergab, immer weiter ins Tal. Aber auch das geht bei mir heute nicht mehr leichtfüßig, sondern quälend langsam. Ich denke beim Hinabschleichen an Hape Kerkeling und sein Buch: „Ich bin dann mal weg“. Darin beschreibt er die ersten Tage seiner Wanderung auf dem Jakobsweg so, wie ich meine erste Etappe heute erlebe. Als ich das Buch las, durchtrainiert und konditionsstark, konnte ich seine Erschöpfungsbeschreibung nicht nachvollziehen. Heute schon und so entschuldige ich mich bei Hape. Ich habe mich einfach überschätzt! Wir haben während unserer langen Baltikum Reise in diesem Corona Sommer zwar einige Wanderungen und Radtouren gemacht. Aber zum Konditionsaufbau für den Nibelungensteig hat das bei Weitem nicht gereicht. Und einen schweren Rucksack habe ich zum letzten Mal im Mai, bei meiner Trekkingtour mit meinem Neffen getragen, und das ist vier Monate her. Trotzdem freue ich mich am Anblick der Aussicht an der nächsten Rasthütte.

Der Blick geht nach Osten über die Höhen der nächsten Etappen
Von der Rasthütte Elisabethruhe habe ich einen Ausblick nach Osten über die Höhen der nächsten Etappen des Nibelungensteigs

Auf einem ausgewaschenen Pfad, der knochentrocken und hart ist und sehr steil bergab führt, und üblicherweise zu meinen Lieblingsbergabgehwegen zählen würde, quäle ich mich immer weiter ins Tal. Endlich öffnet sich der Blick kurz auf den Ort. Kurze Zeit später passiere ich die Kneippanlage in Schlierbach.

Auf Terrassen stehen auf einem Campingplatz Wohnwagen
Mein Tagesziel ist endlich in Sicht. Der Terrassen-Camping-Platz in Schlierbach, darüber die Burg Lindenfels, links Häuser des Städtchen Lindenfels
Eine Kneippanlage mit Wassertretbecken in einem Waldstück
Wäre es nicht so spät und das Wassertretbecken nicht so veralgt, wäre die Kneippanlage eine Wohltat für meine Füße

Endlich am Campingplatz

Ich klingele den Besitzer, Ralf Bauer, aus seinem wohlverdienten Feierabend, als ich um 19.40 Uhr endlich am Campingplatz ankomme. Er ist nett und zuvorkommend und verhilft mir zuerst zu einem Bier, einem Flens, was aber nicht recht „ploppen“ will beim Aufmachen. Nachdem ich den Meldezettel ausgefüllt habe, fragt er, ob ich einen Hammer für die Heringe dabei habe, denn der Boden sei sehr trocken. „Nee, einen Hammer hammer nich“, antworte ich grinsend. Er reicht mir einen dicken Fäustel und gibt mir einen weichen Wiesenplatz in nähest möglicher Nähe zum Sanitärgebäude. Ich buckle meinen Rucksack ein letztes Mal, nehme den Hammer, meine Bierflasche und noch eine zweite, und humpele über den Weg zu meinem Platz.

Das Zelt ist direkt zuoberst im Rucksack und schnell aus der Hülle. Ich lege es aus, große Tür Richtung Toilette, und spanne die vier Ecken mit den Heringen ab. Nun hämmere ich zwei Heringe etwa einen Meter von den beiden Eingängen in den Boden. Ich schiebe erst am flacheren Zeltende einen Trekkingstock mit seinem Handgriff in die Dachspitze und spanne diese dann am eingeschlagenen Hering ab. Ich richte mich langsam auf, den mein Körper schmerzt, und nehme den nächsten Stock, mit dem ich am „Haupteingang“ das gleiche mache. Ich spanne die Zeltseiten noch ab und mit wenigen Handgriffen ist die Matte im Zelt, Ventil aufgedreht, Schlafsack drauf, Rucksack rein, und die Dinge so sortiert, wie ich sie in den nächsten Minuten benötige.

Ein Steilwandzelt steht in der Abenddämmerung
Im letzten Licht stelle ich mein Zelt auf, leider ist das Bild verwackelt. Doch Du kannst erkennen, dass meine Trekkingstöcke das Zeltgestänge bilden

Waschbeutel in die Hand und meinen Wollschlafanzug, Teva-Sandalen an die Füße und ab in die Dusche. Ich lasse lange das Wasser laufen. Auf Füße und Beine abwechselnd heiß und kalt. Ich reibe Oberschenkel und Waden und die Schultern noch mit Franzbrandwein ein und wasche mir danach gründlich die Hände, putze die Zähne und humpele Richtung Zelt. Im Sitzen schaue ich meine Fußsohlen an. Die linke hat unter dem Ballen eine dicke Blase! Na bravo! Ich hole ein Blasenpflaster aus meinem erste Hilfe Päckchen, reibe es warm und mache dasselbe mit meinem Fuß. Vorsichtig klebe ich das Pflaster gründlich auf und drücke es am Rand gut fest. Ich ziehe meine dünnen Baumwollsocken darüber, damit ich es nicht in den Schlafsack strampele. So, alles soweit erledigt! Zeit für mein zweites Flens. Sollte doch möglich sein, es mit einem Plopp zu öffnen! Aber: sieh selbst…

Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Und das habe ich nach dem ersten Schreck getan. Ich habe ungeheuer schlecht geschlafen in dieser Nacht. Mein Körper war zu erschöpft, Krämpfe in den Beinen haben mich geplagt. Irgendwann bin ich doch eingeschlafen und erst gegen 8 Uhr am nächsten Tag aufgewacht.

Eine Kurzfassung der ersten Etappe kannst Du auf meinem YouTube-Kanal anschauen.

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Mein Fazit meiner ersten Etappe

Mit Wanderschuhen und leichterem Rucksack wäre die Etappe für mich wesentlich weniger anstrengend gewesen. Für Wanderer, die die Gegend überhaupt nicht kennen, ist diese Etappe zu lange. In Zwingenberg lohnt der Stadtrundgang, auf den Gipfeln die Aussicht und das Felsenmeer sollte kletternd erforscht werden. Wer die Gegend kennen lernen möchte, sollte aus meiner 1. Etappe seine erste und zweite Etappe machen. In Reichenbach gibt es unterschiedliche Unterkünfte. So lässt sich die Wanderung, mit ihren vielfältigen Erlebnis-Angeboten unterwegs, mit Genuss erleben. Und Genuss am Natur- und Kulturerlebnis sollte die Hauptmotivation einer solchen Fernwanderung sein. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

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