Trekking in der Südpfalz

Trekking in der Südpfalz

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Schon seit über zehn Jahren gibt es die Trekkingplätze in der Südpfalz. In Deutschlands größtem zusammenhängende Waldgebiet, mit wenigen Ortschaften und großartigen Aussichten. Eine fantastische Sache für eine Trekkingtour in Deutschland oder um Ausrüstung und Kondition für eine große Auslands-Tour zu testen.

Trekking und Corona

In meinem Newsletter April 2020 kündigte ich an, am 4. Mai zur Pfalz-Trekking-Tour zu starten. Mein Neffe hat sein Abitur fast geschafft, alle üblichen Abi-Veranstaltungen fallen aus, er ist wie alle Schüler im Homeschooling. Um sein „Leid“ zu mildern, habe ich ihn zum Pfalz-Trekking eingeladen. Leider kommt die Absage am Abend des 3. Mai per Mail. Wegen Corona bleiben die Trekkingplätze gesperrt. Ich verstehe den Sinn nicht, genauso wenig ich den Sinn verstehe, dass Wohnmobil-Stellplätze gesperrt sind. Wen gefährden wir im Wald beim Wandern oder auf einem Trekkingplatz? Ich halte beim Wandern sowieso Abstand von anderen Wanderern. Auf dem Trekkingplatz würden wir das auch tun. In unserem Wohnmobil sind mein Mann und ich zu zweit zuhause – könnten „stay at home“ praktizieren. Wir kämen mit wenig oder keinen Menschen zusammen, beim Wasser-Ver- und Entsorgen hielten wir Abstand, falls andere Menschen in der Nähe wären und könnten ansonsten die Natur in anderen Gegenden genießen.

Aber bei dieser Krise geht es weniger ums Verstehen von Maßnahmen, sondern um das Befolgen derselben um andere zu schützen. Also halten wir uns an die Regeln.

Am Montag, 4. Mai, wird telefonisch vage Hoffnung gemacht für einen Termin ab 11. Mai. Aber eher wahrscheinlich ist ein Termin ab 18. Mai – allerdings nicht auf den von uns vorgesehenen Trekkingplätzen „Kalmit – Heldenstein – Eußerthal“. So weichen wir auf die Plätze „Heldenstein – Eußerthal – Annweiler“ aus und buchen diese vom 18. bis 21. Mai. Zu meinem eigenen Trost plane ich jeden Abend die eventuell zu wandernden Tagestouren in Komoot vor. Nach der Tour werde ich sie in die tatsächlich gewanderten Routen abändern.

Trekking in der Pfalz

Die Trekkingplätze sind in der Südpfalz 2009 konzipiert worden. Es begann mit sechs Trekkingplätzen zwischen Kalmit im Norden und Burgruine Guttenberg im Süden. Mittlerweile sind weitere Plätze in den nördlichen und westlichen Pfälzerwaldgebieten hinzugekommen. Die Plätze ermöglichen Draußen-Übernachtungen im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen zwischen April und Oktober. Sie liegen etwas versteckt außerhalb der üblichen Wanderwege und sind mit einigen ebenen Plätzen und einer Feuerstelle ausgestattet. Und einer biologischen Toilette. Daher kommt auch das Verbot der Landesregierung, denn in unserer Republik muss jedes Ding in eine Schublade und Trekkingplätze kommen eben in die Campingplatzschublade, denn ein Holzverschlag im Wald, eine Biotoilette, ist ein „Sanitärraum“. Auch wenn Deine feste Notdurft mit etwas Rindenmulch bedeckt in der Biotoilette kompostiert. Nee, das ist kein Jux, sondern Anwendung von Gesetzestexten und Vorschriften.

Auf den einzelnen Trekkingplätzen stehen nur wenige Übernachtungsplätze zur Verfügung, wobei es egal ist, ob Du im Zelt, im Tarp oder in der Hängematte übernachtest. Damit die Plätze nicht überfüllt werden, buchst Du Deinen Platz über den Tourismusverband Südliche Weinstraße, die Gebühr beträgt 10 € pro Nacht pro Platz. Für jedes Trekkingcamp gibt es einen zuständigen Ehrenamtler, der den Platz in Ordnung hält (was eigentlich die Aufgabe der Besucher ist) und dem man Schäden (z.B. umgestürzte Bäume, Vandalismus) melden kann. Alle Angaben zu den Plätzen erhältst Du nach der Buchung.

Trekking in unmittelbarer Umgebung

Vielen Menschen ist bisher nicht bekannt, dass es in der Pfalz diese Trekkingplätze gibt. Meist zieht es die Trekker nach Skandinavien oder auf die großen Fernwanderwege ohne Übernachtungsmöglichkeiten, wie den GR 20 auf Korsika. Die Landschaft, in der die mittlerweile 15 Pfälzer Plätze liegen, ist jedoch sehr abwechslungsreich und teilweise auch spektakulär. Also, warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah. Das sagte ich mir Anfang April, als unsere Kanada-Wohnmobil-Überführung wegen Corona abgesagt wurde. Mein Trekkingpartner würde mein Neffe sein, denn er hatte mit seinem Vater, meinem Bruder, im letzten Jahr eine Tour in Jontunheimen in Norwegen gemacht. David ist ein begnadeter Musiker, der bereits seit seinem 15. Lebensjahr komponiert. Du kannst seine Norwegentour mit seiner Musik als Film auf Youtube anschauen.

Für den jungen Mann, der in diesem Coronajahr das Abitur geschrieben hat, fallen sämtliche Feierlichkeiten aus und dass ist ungeheuer schade. Unsere gemeinsame Trekkingtour sollte ein kleiner Trost und eine Abwechslung sein. Mit Achselzucken nahm er das neue Datum zur Kenntnis und wir verabredeten uns für den 18. Mai.

Packen für die Tour

Am Montagvormittag holten wir meine Trekkingausrüstung aus dem Keller und breiteten alle Dinge im Wohnzimmer aus. Das Wetter hatte es die letzten zweieinhalb Wochen gut mit uns gemeint. Der Regen hat die Waldbrandgefahr sinken lassen. So werden wir „offenes Feuer“ zumindest mit dem Gaskocher machen dürfen. Ich habe „Fix-Nudel-Gerichte“ gekauft, mit sechs Minuten Kochzeit und Kaffee zum Frühstück ist auch möglich. Die nächsten Tage werden überwiegend freundlich, es kann aber nachts recht kalt werden. Daher entscheiden wir uns für das größere Zelt, das ich als „Notzelt“ in Schottland erstanden hatte. Wir nehmen keine Teller mit, wir verwenden die Töpfe des Topfsets stattdessen. Bald liegen zwei Häufchen wohlüberlegtes Material im Zimmer, die wir in die Rucksäcke packen. Mein Gregory – den ich seit meiner Marmolejo-Expedition in Chile besitze – fasst über 80 l. Die will ich aber nicht voll machen, obwohl er sich gut trägt. Davids benutzt den 20-Jahre alten Discounter-Trekkingrucksack seines Vaters, wie in Norwegen. Als Luxus gönnen wir uns jeden Abend, je eine Dose Äppler (Apfelwein). Die steuert David bei, als Hommage an unser Herkunftsland Hessen.

Start des Pfalztrekkings

Wir lassen uns von Bernhard, meinem Mann, am Spätnachmittag zum Parkplatz Lolosruhe am Ende des Edenkobener Tals bringen. Ich habe zwar die voraussichtichen Routen vorgeplant, aber die dienen nur als Idee. Wir wollen uns treiben lassen, zu- und abgeben, wie uns die Kondition, die Landschaft und unsere Laune es vorgeben. Wir haben uns mit den Bedingungen zur Nutzung der Trekkingplätze vertraut gemacht und uns Wegbeschreibungen ab markanten Punkten ausgedruckt. Den heutigen Platz wollen wir ab dem Forsthaus Heldenstein erwandern.

Auf Komoot habe ich unsere Routen aufgezeichnet. So kannst Du unsere Tour nachwandern. Die genaue Lage der Trekkingplätze darf ich aber nicht verraten, die erhältst Du nach einer Buchung bei Südpfalz-Trekking. Da ich die Touren vorab geplant habe, erscheinen die Touren mit dem Planungsdatum hier im Bericht und auf Komoot. Das ändert an der Wegführung jedoch nichts.

Endlich in den Wald eintauchen, unterwegs sein. Wir folgen der Markierung „Rotes Kreuz“, dem europäischen Fernwanderweg 8 von Irland bis zu den Karpaten. Schon bald sind wir am 1874 errichteten Schänzelturm. Er bietet eine spektakuläre Aussicht über die Landschaft, die wir in den nächsten Tagen durchwandern werden. Wir finden in der Ferne den Asselstein. Wir richten die Wanderkarte an ihm aus und schauen die eventuellen Wandermöglichkeiten auf der Karte an.

Schänzelturm Aussicht

Der Schänzelturm steht auf dem 613,5 m hohen Steigerkopf, am Ende des Edenkobener Tals.

Der Schänzelturm auf dem Steigerkopf – ein Wegweiser mit den Wanderzielen steht davor
Der Schänzelturm auf dem Steigerkopf und ein Wegweiser mit den Wanderzielen

Wir folgen vom Schänzelturm dem roten Kreuz nach Westen bis zu den „Heldensteinen“. So oft war ich schon am Schänzelturm, aber die Gedenksteine habe ich noch nicht besucht, sondern bin immer nach Süden, zum Benderplatz, weiter gewandert.

Heldensteine am Steigerkopf

Ein kurzer Rückblick in die Historie. Deutschland bestand bis 1872 aus 37 verschiedenen Herrschaftsgebieten, die sich manchmal in „Bünden“ zusammenschlossen. Nach der französischen Revolution (1789) griff der Freiheitsgedanke auch auf die Pfalz über. Bereits 1793 gründete sich für vier Monate die Mainzer Republik, als erstes bürgerlich-demokratisches Staatswesen auf deutschem Boden. Zwischen 1792 und 1797 führten Frankreich und eine Koalition verschiedener Staaten, hauptsächlich Preußen und Österreich und kleinere deutsche Staaten einen Krieg. Hauptsächlich ging es den Gegnern Frankreichs um die Wiedereinsetzung der französischen Monarchie und das Unterbinden der Verbreitung der revolutionären Ideen der französischen Revolution. 1794 wurde am Steigerkopf eine große Schlacht geschlagen. Zur damaligen Kriegsführung gehörten Schanzen zur Verteidigung und für den Angriff zu errichten. Im Sommer 1794 bauten 4.500 preußische Soldaten Schanzen gegen die anmarschierenden 7.000 Franzosen. Die Preußen wurden von General Pfau befehligt, der am 13. Juli 1794 unterhalb des heutigen Schänzelturm fiel. Das Territorium fiel kurzzeitig an die Franzosen.

Ein Gedenkstein mit einer Inschrift steht, daran sind Felsplatten gelehnt
Der Gedenkstein für General Pfau wurde von seinem Freund und Mitstreiter General Feldmarschall Graf von Wurmser 1796 errichtet

Ein weiterer Kampf fand im Winter 1794 statt. Die österreichische Armee besiegte die Franzosen und erreichte einen kurzzeitigen Waffenstillstand.

Gedenkstein für die österreichische Armee

Bis die Pfalz 1798 endgültig an Frankreich angebunden wurde, ging die Herrschaft über die Pfalz in zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen siebenmal hin und her. Bis 1815 war die Pfalz Französisch. Die Bevölkerung hatte alle bürgerlichen Rechte und Pflichten, die die Revolution in Frankreich errungen hatte. Unter anderem den Code Civil, ein bürgerliches Gesetzbuch, das im Übrigen der Ideengeber unseres BGB geworden ist. Weiter in die Geschichte eintauchen, das ginge für unsere Wanderung (und diesen Blogbeitrag) zu weit.

Bei der Wanderung kannst Du bei genauem Hinschauen die Schanzen heute noch in der Landschaft entdecken. Unterhalb des Schänzelturms, etwa auf halber Strecke zum Forsthaus Heldenstein, sind Gedenksteine für General von Pfau und die Kämpfer der österreichischen Armee aufgestellt. Der Schwedenstein, der ebenfalls auf diesem Plateau steht, erinnert an den Dreißigjährigen Krieg. Truppen von Schweden und des Herzogs von Sachsen-Weimar, kämpften auf französischer Seite gegen Truppen des Deutschen Kaisers und Bayerns. Wir entdecken noch weitere Rittersteine, die der Pfälzer-Wald-Verein zu historischen Ereignissen an bedeutsamen Stellen errichtet hat.

Weiterführende Infos für Interessierte zu den Gedenkstätten am Steigerkopf findest Du unter der Website von „Kultur. Landschaft. Digital.“

Trekkingplatz Heldenstein

Tief in die Erklärungen über die vielfältige pfälzische Geschichte und in der Beantwortung von Davids Fragen versunken, wandern wir weiter bergab zum Forsthaus Heldenstein. Ich habe im Hinterkopf, dass der Trekkingplatz im Südwesten des Forsthauses liegt. Unsere Geschichtsstunde unterbrechend lesen wir die Wegbeschreibung, die wir erhalten haben. Diese spricht vom Wanderweg Nr. 6. So suchen wir ein wenig herum, bis wir herausfinden, dass wir wieder hinauf müssen, fast in der Richtung, die wir gekommen sind. Bald haben wir über den Wanderweg 6 die Heldensteine wieder erreicht. Wir lachen sehr über dieses Missgeschick.und wandern zum Trekkingplatz weiter. Wir verbuchen es unter Erfahrung gemacht und eine wunderschöne Eingehtour am heutigen Spätnachmittag. Wir erreichen den Platz, der malerisch unter hohen Bäumen liegt.

Links steht ein Toilettenhäuschen, geradeaus ein Lagerfeuerplatz
Der Trekkingplatz Heldenstein, links die Biotoilette

Die Feuerstelle bildet auf einer ebenen Fläche den Mittelpunkt; hohe Steine und Baumstämme umgeben sie. Das Toilettenhäuschen liegt abseits etwas links, in der Innentür die Bedienungsanleitung. Eine Beschreibung zur Nutzung des Trekkingplatzes ist an einen Baum genagelt und unter den Bäumen finden wir einen weichen, ebenen Platz für unser Zelt. Nach dem Aufbau richten wir es mit unseren Matten und Schlafsäcken ein. Die Nahrungsmittel aus den Rucksäcken packen wir größtenteils in den Ortliebsack, nur unser Abendessen kommt ins Zelt.

Ein geöffnetes Zelt, daneben in einer Plane verpackte Rucksäcke und ein Nahrungsmittelbeutel
Unsere Rucksäcke sind in der Plane verpackt, der Nahrungsmittelbeutel wartet auf die Reste unseres Abendessens

Der Trekkingplatz liegt am Westhang eines Berges und wir finden einen Baumstamm auf einer Lichtung in der Nähe, auf der wir unseren Sundowner, einen Apfelwein aus dem Odenwald, genießen.

Sundowner am Trekkingplatz Heldenstein

Die Sonne senkt sich in schönen warmen Farben zwischen Bäumen hinter einen Berg und schön wird es merklich kühler. Wir machen kein Feuer an der Feuerstelle. Der Pfälzer Wald ist sehr trocken durch die wenigen Niederschläge 2018 und 2019. Das Jahr 2020 war bisher auch nicht so regenreich und ohne Schneeauflage im Winter, der Waldboden ist ungeheuer trocken. Mir ist die Waldbrandgefahr bei einem Lagerfeuer zu hoch.

Wir essen im Zelt, warm und Insektenfrei zu Abend. Unser restliches Brot kommt danach noch in den Essensack und wir werfen etwas vom Zelt entfernt den Karabiner mit dem Ende unserer Reepschnur über eine Astgabel. Der Karabiner wird in die Ösen des Ortliebsacks eingehakt, der Sack nach oben gezogen und die Schnur an den Stamm geknotet. Das ist nicht sehr gastfreundlich den Wildschweinen und anderen Wildtieren gegenüber, aber Menschessen ist sowieso kein geeignetes Tierfutter. Ich liege mit Beginn der Dunkelheit in meinem Schlafsack, David bleibt noch draußen und telefoniert. Die erste Nacht im Zelt ist ungewohnt, aber ich genieße sie.

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Vom Heldenstein nach Eußerthal

Am Morgen genieße ich die Ruhe im Wald. Vögel zwitschern um mich herum, ansonsten ist nur Stille. Ich suche mir mit unserem Wassersack einen entfernten Platz und wasche mich mit einem Waschlappen. Ich spaziere über den Platz und studiere die Anleitung der Biotoilette, die quasi wie ein Kompost im Garten funktioniert.

Trekkingplatz Heldenstein Morgenstimmung

Ein Wind kommt auf, der mich ins Zelt zum Anziehen treibt. Ich wecke meinen Wanderkameraden und wir packen ein, fürs Frühstück suchen wir uns einen gemütlicheren Platz.

Der Wald ist aufgeräumt
Wir hinterlassen nur leichte Druckspuren und sonst nichts

Wir wandern den uns bereits bekannten Weg zum Forsthaus Heldenstein und folgen von dort der Markierung rotes Kreuz Richtung Kirschbaumhütte. Der schmale Pfad ist wunderbar zu gehen, teils sandig, teils mit kleinen Steinen und Wurzeln durchsetzt. Die Stille ist überwältigend, nur unsere Schritte und das Stockgeklapper machen außer den Vögeln Geräusche. Bald biegen wir nach Süden ab und folgen der Markierung „grün-blauer Balken“. Eine Rastbank mit Tisch am Sandplatz wird unser Frühstücksplatz. Wir stellen den Gaskocher auf den Tisch, füllen Wasser in den größten Topf und das Milchpulver hinzu. David schnippelt den Apfel für unser Müsli, ich bereite meinen Kaffee vor. Ich rühre die Milchsuppe immer wieder um, und als sie kocht, fülle ich zuerst mein Kaffeetöpfchen auf und den Topfdeckel, der meine Müslischale ist, den Topf mit dem Milchsuppenrest bekommt David. Die Suppe füllen wir mit Müsli, Studentenfutter und den Apfelstückchen auf und genießen das leckere, warme Frühstück.

Ein Rucksack liegt auf einem Tisch, an dem zwei Personen sitzen. Auf einem Gaskocher wird Wasser erhitzt
Frühstücksvorbereitung – noch sind Wetter und Kaffeewasser kalt

Leider ist das Milchpulver im Topf etwas angebrannt. So kochen wir nach dem Frühstück noch etwas Wasser auf und lösen mit dem Kochlöffel die Schicht und mit dem Spülschwamm den Rest. Wir lernen: das Milchpulver erst nach dem Siedepunkt in das Wasser einrühren! Wir packen alles zusammen und wandern weiter nach Süden bis zu einer Kreuzung. Ein Kunstwerk an einem gefällten Baum lässt und staunen.

Eine Vielzahl von kleinen Baumpilzen bevölkern die Schnittkante eines Baumstamms
Die Baumpilze bilden eine richtige Siedlung an der Schnittkante des Baumstamms – Baumpilzkunst nenne ich das

Ein Schild zeigt nach Westen zur Böchinger Hütte und wir folgen dem roten Punkt.

Ein Wegweiser erläutert die Entfernungen und Richtungen der Wanderwege
Wir folgen dem Wegweiser zur Böchinger Hütte

Den Weg bin ich letztes Jahr beim Hüttenhopping von Ramberg kommend bereits gewandert. Er ist ab der Kreuzung erst breiter Forstweg und schwenkt mit einem Haken nach rechts, auf schmalem Pfad steil hinab. Einsam liegt die Böchinger Hütte in einem Wiesengrund. Ein fantasievoll gestalteter Spielplatz liegt rechts, Tische und Bänke verteilen sich um die Hütte und links davon. Sie ist an Sonn- und Feiertagen bewirtschaftet – hoffentlich bald wieder. Zwar darf die Gastronomie bereits wieder öffnen, aber nur mit Bewirtung am Tisch. Die Pfälzerwaldhütten, die sehr oft ehrenamtlich von den Mitgliedern der Ortsgruppen des jeweiligen Pfälzerwaldhütten bewirtschaftet werden, sind von alters her als Thekenverkauf organisiert. Und das ist derzeit noch nicht erlaubt!

Die Böchinger Hütte liegt im Pottaschtal in einem Wiesengelände
Die Böchingerhütte liegt malerisch und bietet vielen Gästen Platz

Wir folgen dem roten Punkt das Pottaschtal hinab. Wir stoßen auf den Katzenbach.

Eine Wanderin steht weit unten an einem Bach
Ich klettere die steile Böschung hinab und fülle unsere Wasserflaschen auf

Wir lassen uns von einem Hinweis zur „Friedel-Jung-Aussicht“ bergauf locken. Der Weg ist lange, bietet aber Abwechslung. Ein dicker blauer Käfer kreuzt unseren Weg, den wir einige Zeit beobachten.

Ein blauer Käfer am Waldboden
Ein blauer Käfer auf Nahrungssuche

Faszinierend sind auch die Bäume, die sich auf Felsbrocken links von uns festklammern. Die Wurzeln ziehen sich teils einige Meter oberirdisch zur Seite oder nach unten, bevor sie im Erdreich fest wurzeln.

Die Baumwurzeln suchen durch Felsen den Weg in die Erde
Mich faszinieren die Wurzelgebilde der Bäume in den Felsen am Wegesrand

Nach beinahe 200 Höhenmetern stoßen wir auf eine schön angelegte Terrasse mit Bänken und Tisch.

Eine Holzterrasse mit Tisch und Bänken
Der Friedel Jung Platz wurde 2006 angelegt

David wird in seinem durchgeschwitzten Baumwollshirts kalt und er wechselt die Kleidung. Ich laufe seit Jahren in Merinoshirts, Devold oder Eisbreaker, bei mir ist alles warm, trocken und okay. Von der Aussicht bin ich ein wenig enttäuscht. Das Wort „Aussicht“ signalisiert meinem Hirn die Erwartungshaltung „Weitblick“ und der ist hier nur zu einem Berggipfel gegeben.

Aussicht auf einen Berg über den Mischwald hinweg
Welcher Berg im Hintergrund steht, sagt uns unsere Karte leider nicht

Nach einem Blick in die Karte entscheiden wir, weiter hinauf zum Schwörstein zu wandern. Auch hier erwarte ich einen Aussichtspunkt, aber wieder kommt es anders.

Ein flacher Felsen an einer Wegkreuzung
Der flache Felsen an der Wegkreuzung heißt Schwörstein. Vermutlich ein früherer Versammlungsplatz mit politischer Bedeutung

Hier haben wir endlich mobilen Empfang und David nutzt die Pause an der höchsten Stelle zum Telefonieren. An dieser Wegkreuzung erreichen wir wieder die Markierung „Blau-grüner Balken“, der wir nun nach Südsüdwest folgen. Kurz danach passieren wir eine Stelle, an der der Wind im unten verzweigten Talschluss wohl keinen Ausweg fand und in seiner Wucht mehrere starke Buchen abdrehte.

Eine riesige Buche liegt zersplittert auf dem Wanderweg
Welche Kraft der Wind hat, wird uns bei der abgebrochenen Buche wieder mal bewusst gemacht

Wir erfreuen uns am immer unterschiedlichen Wald, dem abwechslungsreichen Baumbestand, der manchmal skurrilen Gewächsen Raum gibt.

Zwei Buchen wachsen umeinander herum in die Höhe
Die Buchen wachsen verschlungen – um stärker zu sein gegen den Wind, der hier auch schon durchgefegt ist?

Wir sind so in das Schauen vertieft auf Kleinigkeiten und Besonderheiten, dass wir einen Abzweig verpassen. Als das Sanatorium Eußerthal vor uns auftaucht, fällt mir das auf, aber ich weiß ja, dass wir über den Weinsteig auch nach Eußerthal kommen. Ein interessantes Kunstwerk tröstet uns über den Verhauer hinweg.

Auf einem Baumstumpf an einem Hang sind Steine filigran als Kunstwerk aufeinander gesetzt
Kunstwerk oder Statik-Übung?

Wir suchen eine Rastbank für unsere Spätnachmittagsvesper, finden eine aber nur direkt oberhalb der Häuser von Eußerthal. Nach Brot, Käse, Wurst, Paprika und Kohlrabi legen wir unsere Rucksäcke hinter einen Baum und gehen über eine steile betonierte Rampe hinab zur Hauptstraße. Das Grundstück rechts der Rampe beherbergt einen Hund, der sich gar nicht einkriegt und furchtbar laut bellt. Die Hausbewohner stört das nur wenig, nach einem „Sei doch still“ Kommando, auf das der Hund nicht hört, passiert von Hundebesitzerseite nichts mehr.

Wir spazieren an der evangelischen Kirche vorbei und biegen rechts ab, am Klostergarten vorbei zur Kirche. Ich mag diese Kirche sehr. Für mich ist sie ein magischer Ort zur Besinnung, zum Lauschen und zum Lernen. Leider ist die Orgel abgeschlossen. Ich hätte gerne ein Privatkonzert genossen, denn David ist seit letztem Jahr ausgebildeter Organist.

Die Klosterkirche Eußerthal ist aus rotem Sandstein gebaut
Die Klosterkirche Eußerthal, eine Glaubens- und Informationsstätte

Auf anderem Weg wandern wir zurück zu den Rucksäcken, der Hund kann uns immer noch nicht leiden, und nochmal am Hund vorbei zur Hauptstraße, der wir nach rechts folgen. Leider hat der Birkenthaler Hof am Dienstag Ruhetag, sonst müssten wir heute Abend nicht selbst kochen. Bevor wir nach rechts zum Trekkingplatz abbiegen, füllen wir am Bach noch unseren Wassersack.

Am Bach wird der Wassersack gefüllt
Ein Autofahrer rät uns davon ab, das eingefüllte Wasser als Trinkwasser zu nutzen – oberhalb wäre die Forellenzucht und der Sportplatz – also gießen wir es wieder aus

Nun wollen wir keinen Umweg mehr zu einer Quelle laufen und hoffen, mit dem Wasser in den Flaschen und unserm Apfelwein bis zum Frühstück durchzuhalten.

Wir folgen einem kleinen Schild „Trekkingcamp“ einigen Serpentinen hinauf und kommen nach 200 Höhenmetern an mächtigen Felsen heraus, die wir umwandern.

Ein Baum wächst mit vielen Bögen aus einem Fels heraus
Der Baum ist faszinierend gewachsen

Ich bin ziemlich erschöpft – ich merke, dass mir Training fehlt – und so wandere ich langsamer hinter David her. Nach weiteren Felsumgehungen erreichen wir ein Felsplateau. Am liebsten würde ich da Zelten, aber da müssten wir uns über Nacht anseilen und die Gerätschaft dafür habe ich nicht mit. So geht es noch ein wenig bergauf, bis wir am heutigen Ziel sind, nach 21,4 km, 820 Höhenmetern bergab und 580 Höhenmetern bergauf.

Rundumblick Trekkingplatz Eußerthal

Wir stellen auf einem Stein der Feuerstelle unseren Kocher auf, ein Päckchen „Fix-Gericht“ wird heute Abend reichen, ich bin einfach nur müde und nicht hungrig.

Ein Gaskocher steht auf einem Stein, Wasser wird in einem Topf erhitzt
Frau ohne Kopf bedeutet nicht, dass ich kopflos bin – ich habe nur vergessen, dass ich im Vordergrund höher sein werde als David im Hintergrund

Nach meinem Telefonat sinke ich in meinen Schlafsack, nachdem ich meine Therm-a-Rest Matte nochmal fest nachgeblasen habe. Ich wache nachts immer wieder auf, weil die Matte nicht weich, sondern knochenhart ist – also lasse ich ein wenig Luft raus – und weil wir mit dem Fußende bergab stehen. Mein Schlafsack rutscht auf der Matte sehr gut und ich somit immer wieder ins Fußende des Zeltes. Ich robbe mich wie eine Raupe hinauf und das Rutschspiel beginnt von vorne.

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Von Eußerthal nach Wernersberg

Gegen fünf Uhr in der Früh kommt von Osten ein starker Wind auf, der am Zelt rüttelt. Ich schlafe nochmal ein und spaziere nach sieben Uhr mit meinem Waschlappen zum Regenfass am Toilettenhäuschen. Zwar ist das Regenwasser für das Löschen des Lagerfeuers gedacht, aber ich nutze einige Tropfen auf meinem Waschlappen für meine Morgentoilette. Wieder am Zelt ziehe ich mich schnell an und über ein Devold-Hoodie noch die Windstopperjacke und meine Regenjacke. Der Wind ist ungeheuer ungemütlich. So wecke ich David und beginne zu packen, während er sich anzieht. Nein, Frühstück gibt es hier keines, zu kalt, zu ungemütlich und wir haben kein Wasser mehr.

Der Wald sieht unberührt aus, wo vorher das Zelt stand
Wieder sieht keiner, dass wir überhaupt da waren

Wir folgen dem Forstweg und sind bald schon aus dem Wind und es wird gemütlicher. Da wir den kleinen Pfad zum Neubrunnen nicht finden, laufen wir an der Taubensuhlstraße hinauf. Den Abzweig nach links zur Siebeldinger Hütte nehmen wir nicht, da wir uns nun den Tröpfelbrunnen auf der Karte ausgesucht haben, um zu Wasser zu kommen. So wandern wir die Taubensuhlstraße noch drei Kehren hinauf und erfreuen uns an dem sanften Geplätscher, das der Brunnen macht.

Eine gefasste Quelle mit Becken trägt die Inschrift Tröpfelbrunnen
Der Tröpfelbrunnen füllt langsam, aber stetig die Wasserflaschen und den Wassersack

Erst die Wasserflaschen, dann den Wassersack und nochmal die Wasserflaschen, die fast schon wieder leergetrunken sind. Es dauert lange, aber wir habe es ja nicht eilig und ich habe mittlerweile auch schon zwei Schichten ausgezogen und im Rucksack verstaut.

Beinahe gegenüber des Tröpfelbrunnens geht ein schmaler Pfad, mit Markierung roter Punkt, hinab zur Siebeldinger Hütte, dem wir mit gluckerndem Wassersack folgen.

Ein schmaler Pfad führt steil nach unten
Die Markierung roter Punkt führt auf schmalem Pfad steil hinab zur Siebeldinger Hütte

Wieder liegt ein wunderschöner, gesunder, starker Baum über dem Weg, umgeblasen vom Wind. Ich animiere David zu einem gestellten Foto, bevor wir das Hindernis über- äh, unterwinden.

Eine mächtige Buche ist umgestürzt
David hört (noch) auf mich und macht den Quatsch über die Buche klettern zu sollen für das Foto mit
Ein junger Mann unterquert eine umgestürzte Buche
Drunter durch geht es doch einfacher

Auch diese Hütte haben wir für uns, da aber hier wieder der Wind bläst, ziehen wir uns in die Laube vor dem Eingang zurück. Ich stelle den Kocher mit Wasser auf und decke den Tisch. David ist derzeit inspizierend unterwegs und findet eine Kerze mit Adventsaufdruck, die wir uns zum Frühstück entzünden.

Die Siebeldinger Hütte hat viele überdachte Sitzplätze
Die Siebeldinger Hütte liegt malerisch, am Morgen jedoch noch schattig

Wasserrauschen lockt mich unter dem Dach hervor und ich entdecke die Quelle an der Hütte – na, da wäre der Wassersack ja ruckzuck voll gewesen!

Eine Quelle mit breitem Strahl ergießt sich aus einem Drachenkopf ins Laub
Ein dicker Strahl kommt aus dem Drachenkopf aus der Quelle an der Siebeldinger Hütte

Wir genießen unser Frühstück, Müsli, Apfelstücke, Studentenfutter und Milch aus Milchpulver, dazu einen Kaffee.

Zwei Personen sitzen beim Frühstück am Tisch einer Waldhütte
David hat für unser Frühstück ein Kerzchen gefunden und angezündet

Wir sparen danach nicht mit Spülwasser. Selbst der Tisch glänzt sauber, als wir ihn verlassen, denn den Lindenblütenstaub haben wir auch abgewischt. Unseren Müll transportieren wir in einem Müllsack an meinem Rucksack. Der füllt sich auch unterwegs immer mit Unrat, der im Wald nichts zu suchen hat und den wir auch mitnehmen. Von der Hütte könnten wir weiter bergauf, auf dem roten Punkt spazieren und auf der anderen Seite am Bach nach Süden laufen. Wir entschließen uns, auf dem gelben Weg zu bleiben und laufen daher im Schatten, begleitet vom Wind, der das Tal hinunterfegt. Eine Baumbrücke bietet sich nicht wirklich zur Überquerung der „Schlucht“ an.

Ein Baum ist über das Bachtal gestürzt
Ich wage den Sprung zur Baumbrücke auf die Sonnenseite des Eußerbaches nicht

Unten im Tal kommen die Wege wieder zusammen und wir schauen uns unsere weiteren Möglichkeiten auf der Karte an. Wir wollen den roten Punkt weiter verfolgen, denn wir wollen am Aussichtpunkt Almersberg Mittagspause machen. Leider lassen wir uns schon wieder ablenken, denn wir erkunden noch eine malerische Hütte.

Eine kleine Rasthütte in Fachwerkbauweise
Die Dörrenthalhütte steht am Eingang zum Meisenthal in das wir nun wandern

Das wäre auch ein schöner Übernachtungsplatz, aber leider ist abgeschlossen. Wir entdecken das Schild Meisenthal und nehmen den Weg bergauf. Irgendwann, als der Weg eine Serpentine nach links macht, überprüfen wir Weg und Wanderkarte und stellen fest, dass wir schon wieder anders gehen, als wir uns vorgenommen haben. So nehmen wir klar wahrnehmbare, aber nicht in der Karte eingezeichnete Wege weiter hinauf, bis wir wieder den Weg mit dem roten Punkt erreichen. Auf schmalem Pfad geht es weiter bergauf.

Ein Pfad führt bergauf durch den Wald in eine Wiederaufforstung
Der Weg ist wunderschön und abwechslungsreich, gleich wird David in die jungen Buchen eintauchen

Dann folgt wieder ein Abschnitt mit vom Sturm gefällten Bäumen.

Ein junger Mann klettert auf dem Wanderweg über einen Baum
Immer wieder liegen uns Bäume im Weg und fordern sportliche Kletterübungen

Die Förster bemühen sich um die Wiederaufforstung. Der obere Teil des Berges ist sogar eingezäunt, um den jungen Bäumchen zu ermöglichen, ohne Wildverbiss zu wachsen.

Ein Gatter schützt die Wiederaufforstungsfläche am Almersberg
David geht durch das Gatter der Aufforstungsfläche am Almersberg

Wir passieren einen Felsen, der trotz der porösen Unterstruktur noch aufeinandersteht.

Der Sandstein ist porös und gesprungen – hält den Felsen darauf aber noch
Die verschiedenen Schichten des Buntsandsteins halten irgendwie aufeinander, auch wenn die Erosion unterschiedlich voranschreitet

Noch ein wenig Kraxelei und wir erreichen das Plateau des Almersberges.

Die Hochebene vor dem Rastplatz am Almersberg
Die Hochebene vor dem Rastplatz am Almersberg

Diesmal passe ich auf und entdecke den unscheinbaren Pfad, der zu einem der schönsten Aussichtplätze führt, die ich in der Pfalz bisher gesehen habe.

Ein junger Mann sitzt an einem Tisch, der auf einem Felsen steht
Unser Kocher steht auf einem Felsen neben einem Regenwassertümpelchen

Wir bauen unseren Kocher auf einer Felsplatte auf, gleich nebenan ist ein kleiner Regenwassertümpel. Ich bleibe beim Topf hocken und bewache und rühre unser Essen.

Die Bloggerin rührt im Topf auf dem Gaskocher
Die Outdoorküche an einem besonderen Platz

Zwei Päckchen Tütenessen passen gleichzeitig in den Topf, wir setzen gleich noch unser kleines Töpfchen mit Wasser auf, entweder zum Spülen oder für eine dritte Tüte.

Eine Suppe steht auf einem Tisch mit schöner Aussicht über das Wasgau
Welch schöneren Platz könnte es für das Mittagessen geben? Der Blick reicht tief in das Wasgau

Da ein junger Mensch mehr Hunger hat als ich, überlasse ich den 2. Gang beinahe vollständig David und genieße als Nachtisch die Aussicht.

Aussicht vom Rastplatz Almersberg

Ich strecke mich auf dem Felsen aus, um ein wenig zu ruhen, denn so schnell wollen wir hier nicht wieder weg.

Die Sonne scheint durch Eichenblätter
Der letzte Blick vor dem Mittagsschläfchen verleitet zum Träumen

Erst nach vier Uhr trennen wir uns von diesem schönen Platz und wandern auf dem roten Punkt bis Rinnthal. Wir kommen dabei der B 48 immer näher und somit dem Verkehrslärm. Eine gute Einstimmmung, denn die B 48 mündet im Tal in die B 10. Unter der Brücke mündet auch der Weilerbach in die Queich, allerdings ist das Bachplätschern wegen dem Verkehrslärm nicht zu hören.

Der Weilbach schlängelt sich durch Laubwald zur Queichmündung
Der Weilbach schlängelt sich durch Laubwald zur Queichmündung

Der Weg nach und durch Rinnthal ist nicht sehr attraktiv und die Wegmarkierung sehr verwirrend. Ich gehe nach Gefühl und dabei kürzen wir diesmal ab. Vor dem Bahnhof gehen wir über die Gleise und steigen bergauf. Hier finden wir die Markierung roter Punkt auch wieder. Nach einigen Serpentinen gelangen wir wieder zu einem interessanten Felsgebilde. Davor steht ein Wegweiser, der uns am Hang entlang Richtung Westen und mit Markierung Blau-grüner Balken nach Wernersberg leitet. Nun beginnt eine langwierige Kletterei über Baumstämme.

Viele umgestürzte Bäume liegen über dem Wanderweg
Der Weg ist zwar ausgeschildert, aber wohl seit dem letzten Windbruch noch nicht wieder geräumt

Immer der, der wartet, dass der Vordermann das Hindernis überwindet, findet bei der Betrachtung eine einfachere Lösung und wir müssen wieder viel lachen. Durch dichten Ginsterbewuchs führt und der Weg endlich bergab auf eine offene Fläche mit einem Forstweg. Der ganze Nordhang des Talschlusses ist von Ginster überwuchert, einmalig diese Farbintensität.

Der Ginster hat sich über eine Rodungsfläche ausgebreitet
Im Kahlschlag hat sich der Ginster ausgebreitet

Geblendet von dieser Schönheit leisten wir uns noch einen weiteren kurzen Umweg, bevor wir an der Straße zwischen Sarnstall und Lug aus dem Wald herauskommen. Wir müssen nun 100 m rechts auf der Straße wandern und dann links auf einer Brücke über einen Graben und durch ein Wiesengelände zum Rimbach.

Eine Bohlenbrücke führt über den Straßengraben
Brücke über den Straßengraben, geradeaus verläuft der Wanderweg?

Ein Weg war hier mal, aber begangen wurde der schon lange nicht mehr. Am Rimbach zeugt eine sehr marode Brücke davon, dass der Weg wohl nicht instandgehalten wird.

Wackelige Angelegenheit

Im weichen Untergrund am Bach sehen wir Rehspuren, denen wir hinaus zur Wiese folgen und eine Böschung hinauf laufen, um auf einen gangbaren Weg zu kommen. Hier müssen wir laut Landkarte nach links und in einem großen Bogen letztendlich nach rechts zum Trekkingplatz.

Im Wald ist es mittlerweile schon schattig und kühl, die Wiese neben uns ist noch von der Sonne bestrahlt. Wir entschließen und bereits hier, unser Abendessen auf der Wiese in der Abendsonne einzunehmen. Nach einigen hundert Metern macht der Forstweg einen Linksknick und wir haben einige flache Wiesenstücke im Wald links von uns. Es wäre schön, wenn ein Trekkingplatz mal einen Wiesenuntergrund hätte, sage ich gerade zu David, als er das charakteristische Toilettenhäuschen der Trekkingplätze hinter einem Busch entdeckt. Na super! Angekommen. Da es von Stechmücken nur so wimmelt, wollen wir erst das Zelt aufschlagen und einrichten. Die meisten für Zelte vorgesehenen ebenen Plätze werden gerade von Brombeerranken für die Natur zurückerobert. Allerdings vertragen sich die Stacheln der Brombeeren nicht mit meiner Matte, die ist bei Berührung beleidigt und wird platt. So suchen wir lange nach einem brombeerfreien Platz. Dann schlagen wir das Zelt direkt neben dem Forstweg auf, begleitet von Autolärm von der Straße. Idyllisch finden wir das beide nicht.

Rundblick über den Trekkingplatz Wernersberg

Mit unserem Fressbeutel gehen wir zurück zur Wiese und setzen uns auf den unteren Teil eines Hochsitzes, der einen Nottisch bietet, durch ein schmales Brett, das ihn unten quer stabilisiert. Während David Brot schneidet, melde ich mich per Telefon bei Bernhard. Ich möchte am Vatertag nicht mehr weit wandern, die Pfalz wird voll von Ausflüglern sein, so bestelle ich ihn an die Kirche von Wernersberg.

„Wenn ihr morgen nicht weit laufen wollt, warum wollt ihr dann noch dort schlafen?“ fragt er.

Ich habe den Lautsprecher an und schaue auf David, der zurückschaut.

„Ja, ich weiß nicht, wir haben es uns vorgenommen?!“ versuche ich zu antworten, allerdings wohl nicht sehr überzeugend.

„Ich habe hier Bier für euch kalt liegen!“ tönt es aus dem Lautsprecher „Ich könnte euch in einer halben Stunde abholen.“

Bei „Bier kalt“ ist David um mindestens 20 cm gewachsen und er schaut mich bittend an.

„Halbe Stunde wird knapp. Wir müssen zurück zum Platz, Zelt abbauen, alles verstauen und wieder zurück an die Straße. Das wird hektisch!“ Ich schaue beim Sprechen David an. Er nickt und meint: „Kriegen wir hin“.

„Eine Dreiviertelstunde ist realistisch, also um halb neun.“

Auf den Holzstreben eines Hochsitzes sitzt die Bloggerin beim Abendessen
Ein sonniger Platz mit Sitzmöglichkeit zum Abendessen

Ich erkläre die Stelle, an der er oder wir wartenden können und dann wird es plötzlich wirklich hektisch. Im Laufschritt geht es zurück und ein geordneter Rückzug beginnt. Wir hüpfen vom Wald quer über die Wiese zum Rimbach und David nutzt noch die Gelegenheit, Wiesenblumen für sein Mädchen zu pflücken, dass er morgen wieder sehen wird. Die Wiese ist ein Stoppelacker, ich vermute, vor noch nicht allzu langer Zeit gerodet und noch nicht ganz urbar gemacht, so viele Löcher und Stolperfallen wie diese Wiese hat. Wir gehen vorsichtig über die „Knacksbrücke“ und sausen zur Straße. Erster!

Gegen 21 Uhr sind wir zuhause und nach einer Dusche mit einem kalten Bier auf dem Sofa. Als Dankeschön und Erinnerung für David habe ich uns vor der Tour T-Shirts bestellt, die wir nun stolz tragen.

Die Bloggerin und ihr Neffe sitzen geduscht auf einem Sofa beim Abendessen
Als Belohnung für eine schöne Tour habe ich uns T-Shirts bestellt

Wir haben bewiesen, dass social distancing im Wald gar kein Problem ist! Wir sind insgesamt sechs Personen in den drei Tagen begegnet, weil wir uns auch oft abseits der vielbelaufenen Wege gehalten haben.

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Mein Fazit zu den Trekkingplätzen

Generell ist es großartig, dass es die Möglichkeit für Zeltübernachtungen im deutschen Wald offiziell gibt. Ich hätte allerdings keinen der Plätze bei einer „frei gegangenen“ Trekkingtour gewählt, weil alle weit weg von Wasser oder Quellen sind. Es kann allerdings sein, dass somit Verunreinigungen der Bäche vorgebeugt werden soll. Eventuell würden Menschen sonst Wäsche, Geschirr oder sich selbst am Bach direkt mit Seife waschen, statt abseits vom Bach. Die Lage der Trekkingplätze Heldenstein und Eußerthal, mit Ausrichtung nach Westen finde ich sehr gelungen. Der Platz in Wernersberg ist leider zu brombeerig und zu laut durch die naheliegende Straße. Alle Plätze bieten keine Aussicht, was ich auch schade finde.

Üblicherweise hätten wir sicherlich in den Dörfern auch Mittag- oder Abendessen können, aber leider hatte Coronabedingt noch alles zu. Die von uns passierten Hütten sind nur an Sonn- und Feiertagen offen, das Forsthaus Heldenstein zusätzlich am Mittwochnachmittag und Samstag. Wer wenig Nahrung mitschleppen möchte, sollte seine Tour an die Hütten-Öffnungszeiten anpassen.

Aber ich jammere auf hohem Niveau! Es hat uns Spaß gemacht in unserem schönen Wandergebiet mal anders als bei einer Tagestour unterwegs zu sein. Die verschiedenen Stimmungen zu den verschiedenen Tageszeiten zu erleben und die Temperaturschwankungen von Nacht zu Tag zu Nacht hautnah wahrzunehmen.

Vielen Dank an die Initiatoren der Trekkingplätze Pfalz.

Wenn du Tipps für Trekking-Touren, die Ausrüstung oder den Rucksack brauchst, schaue auf meine Outdoor-Tipps unter Praktisches. Dort habe ich kostenlos Tipps, Downloads und Packlisten für Dich bereit gestellt.

Diese Infos habe ich in Videos vertieft und veranschaulicht. Diese findest Du auf meinem YouTube Kanal.

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Newsletter Mai 2020

Newsletter Mai 2020

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Hallo,

dies ist der erste Newsletter, den ich als Reisepunsch.de überhaupt versende. Im monatlichen Newsletter möchte ich Dich über die Neuerungen auf dem Blog Reisepunsch.de informieren und meine Vorhaben für den nächsten Monat kurz skizzieren.

Wir sind am 14. März frühzeitig und völlig überstürzt von unserer Reise in den Osten Spaniens und Kataloniens heimgekehrt. Kurz vor dem Lockdown in Spanien, Frankreich und Deutschland. Seither hat uns alle der Corona-Virus fest im Griff. Meine Aktivitäten sind, wie die von allen Menschen, eingeschränkt. In meiner selbstverordneten Quarantäne im Homeoffice habe ich bis Anfang April meinen Blog fertiggestellt und veröffentlicht.

Nach dem Erscheinen des Blogs habe ich einige der Spanienerlebnisse mit dem Erlebnis-Datum online gestellt und spanische Stellplätze ergänzt.

Ein Parkplatz bei einem Forsthaus auf dem ein Wohnmobil steht
Unser Wohnmobil am Forsthaus Castellfollit

Weinregion La Conca de Barberà

Einer der Beiträge handelt vom Besuch der Weinregion La Conca de Barberà und einer „therapeutischen“ Wanderung in Naturpark Poblet.

Der Naturpark Poblet hat interessante Felsformationen

Der Naturpark Poblet ist geologisch sehr interessant. Wir haben ihn auf einer Wanderung erkundet.

Ein Camper genießt die Aussicht auf die Stadt Morella in Spanien
Ein wunderschöner Stellplatz bei der Stadt Morella in Spanien

Im Blog habe ich unter Praktisches angefangen, unsere besuchten Wohnmobilstellplätze zu beschreiben.

Auch hier in der Pfalz waren wir an manchen Tagen unterwegs.

Die Bloggerin sitzt im Wald und sammelt Bärlauch
Bärlauch, soweit das Auge reicht

Bärlauchpflücken und die Zubereitung von Suppe und Pesto habe ich auf YouTube gestellt.

Eine Bank steht im Park, dahinter die Burg Landeck bei Klingenmünster
Park in Klingenmünster

Eine Wanderung führte uns zu den Burgen rund um Klingenmünster, bei herrlichem Sonnenschein.

Drei Gnus kauen an einem Zweig
Drei Gnus im Afrika-Gehege

Mit der Enkelin haben wir einen Ausflug in den Landauer Zoo unternommen

Reisepunsch.de möchte Menschen Tipps für Reisen, Unternehmungen und Erlebnisse geben. So habe ich unter Praktisches einige Outdoor-Tipps ergänzt und Downloads für Dich bereitgestellt. Zu den Themen habe ich auch Videos gedreht und auf meinem YouTube-Kanal veröffentlicht.

Die Bloggerin packt ihren kleinsten Tagesrucksack
Im einem Video packe ich meinen kleinsten Tagesrucksack aus

Anleitungen fürs Rucksackpacken bei unterschiedlichen Wanderarten.

Die Bloggerin sitzt auf einer Bank und schaut über die Ebene
Rastbank oberhalb Bockenheims, Etappe 0 des Weinsteigs

Die Packlisten und Anleitungen hier als kostenlose Downloads.

Vorschau Mai 2020

Pfalztrekking

Ich habe vom 4. bis 8. Mai beim Tourismusverein Südpfalz e.V. drei Trekkingplätze gebucht. Ich wandere mit meinem Neffen von Maikammer bis Annweiler – wir übernachten auf den gebuchten Plätze. Der Bericht wird im Mai folgen. Live kannst Du uns auf Instagram und Facebook folgen.

Besuch in Österreich

Österreich macht im Mai die Grenzen für Reisende wieder auf. So werden wir Bernhards Enkeltochter und Familie besuchen, nach Salzburg fahren und am Mondsee Golf spielen. Alles natürlich mit dem nötigen Abstand. Da wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind, haben wir unsere eigene Wohnung (stay at home) dabei.

Ich wünsche Dir nun viel Spaß beim Schmökern und Stöbern auf Reisepunsch.de.

Bleib gesund und habe Freude am Leben.

Herzliche Grüße,

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Zoo Landau – ein Ausflug

Zoo Landau – ein Ausflug

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Ein kleiner, aber feiner Zoo liegt nahe des Stadtzentrums in Landau. Immer wieder ein Genuss, den Spaß der Kinder zu sehen, die staunenden Gesichter und fragenden Augen. Kindgerechte Erklärungen mit zu lösenden Rätseln und die sich daraus entwickelnden Gespräche sind auch für Erwachsene lehrreich.

Der Zoo in Landau

Wenn eines der Enkelkinder zu Besuch ist, machen wir gerne Besuche in Tierparks, Wildtiergehegen und Zoos. Sehr gerne gehen wir in den Zoo in Landau. Er ist recht stadtmittig gelegen und in einen Teil der ehemaligen Festungsanlage integriert. Rechts des Eingangs können die Kamele auf der Weide von der Straße aus bereits beobachtet werden. Der Zoo ist flächenmäßig klein, mit einer Auswahl von Tieren von allen Kontinenten. Für größere Kinder, die mit der Weltkugel schon etwas anfangen können, ist das besonders spannend. Die Dreikäsehochs kennen viele der Tiere aus Bilderbüchern und sind erstaunt, dass diese sich nun bewegen, Geräusche machen und manchmal sogar komisch riechen.

Corona

Während des Lockdowns der Coronakrise war der Zoo gesperrt, mittlerweile hat er mit Verhaltensregeln zu Abstand und Hygiene wieder geöffnet. Wichtig für den Zoo, der das Tierfutter und die Tierpflege aus seinen Einnahmen zahlen muss. Ich hatte auch den Eindruck, dass manchen Tiere das Bestaunen der Menschen gefehlt hat. Und die kleinen und großen Menschen sind froh, wieder raus zu dürfen, sich zu bewegen und dabei etwas zu erleben.

Gebotsschilder zur Beachtung während Corona
Genaue Verhaltensregeln für Besucher

Leider fällt das pädagogische Programm wegen Corona aus, das Affenhaus ist gesperrt, der Streichelzoo ist zu und die Tiere dürfen nicht gefüttert werden. Und bei den Tigern ist derzeit Baustelle – wie schade. Aber das wird sich in kleinen Schritten auch wieder normalisieren.

Rundgang

Wir spazieren zum ersten Gehege mit den Wollschweinen – bitte sehe mir nach, dass ich die genauen Namen der Tiere nicht aufführe, obwohl Name, Herkunftsland und einiges mehr an allen Gehegen angebracht ist. Doch die zweieinhalbjährige Enkelin ist noch zu wuselig, da kann die Oma nicht minutenlang vor einem Schild stehen…

Ein Wollschwein im Gehege zupft an einem Zweig
Ein Zweig zum Spielen und Essen

Gleich nebenan sitzt der Pfau auf einem Holzgeländer, lässt sich aber von uns nicht animieren, ein Rad zu schlagen.

Na, wann kommt endlich Frühstück?
Ich liebe das Blau des Pfaus

Bei fast allen Gehegen sind für Kinder – oder eher für den Schutz der Tiere – Felsbrocken aufgehäuft, auf denen die Kinder hochklettern können. So haben alle eine gute Sicht, z.B. auf das Afrika Gehege. Zebras, Gnus und Erdmännchen wohnen in einer Wohngemeinschaft. Mir geht das Herz auf, denn ich rieche förmlich die Luft Afrikas, die so völlig andere Düfte beinhaltet. Wie gerne wäre ich mal wieder dort.

Ein Kind steht auf einem Stein und schaut in das Afrikanische Gehege mit Zebra und Gnu
Klettern und Tiere gucken – doppelt spannend
Drei Gnus essen an einem Ast
Gemeinsam schmeckts besser, die Gnus essen an einem Zweig
Zwei Erdmännchen sitzen auf einem Baumstamm
Na, was ist auf dieser Seite los?

Gegenüber von Afrika ist Australien – fast wie auf der realen Erde, da liegt Afrika auf der gegenüberliegenden Südhälfte der Erdkugel. Die Wallabys haben nach den langen Zooferien noch Mühe, zeitig aufzustehen um für die Kinder „action“ zu machen. Gerade, als ich meinen eigenen Australienfilm in meinem Kopfkino anschalten möchte, muss ich aber schon wieder weiter. Über uns klappert das Storchenpaar um die Wette.

Zwei Wallabys, eines liegt, das andere putzt sich
Uff, da sind schon Kinder! Okay, aufstehen und putzen, gääähn

Denn natürlich wohnen einheimische Tiere auch im Zoo. Das Storchenpaar hat den Storchenbaum mit Nest bezogen und ist bereits am Brüten. Ein Kastanienbaum, der seine weißen „Kerzen“ aufgesteckt hat, beherbergt eine Kolonie Graureiher mit Nestern. Die Nester sind so versteckt, dass ich leider kein brauchbares Foto machen konnte.

Zwei Störche stehen in ihrem Nest
Familie Storch hat ihre Kinderstube eingerichtet

Der Streichelzoo ist normalerweise die Attraktion für die Kinder, die in den meisten Fällen nicht mit Tieren aufwachsen. Die Kinder dürfen über eine hohe Treppe ins Gehege klettern und die Ziegen und Hasen füttern. Die Ziegen haben sich heute beleidigt hinter den Schuppen zurückgezogen. Man hört nur das frustrierte Meckern, weil es aus den Kinderhänden nichts zu fressen gibt, und sie die Kinder nicht beschnuppern und umschubsen dürfen. Die Hasen haben frisches Gemüse zum Frühstück von den Wärtern erhalten und sind derzeit an keiner Blick-Kontaktaufnahme interessiert.

Ein Hase isst Gemüse
Der Hase gehört zum Streichelzoo – der leider nicht geöffnet ist

Ein schauerliches Muh brüllt über den Platz, wir machen uns auf die Suche nach dem Stimmenbesitzer. Ein Rind mit besonders massiven Hörnern wollte mal mitteilen, dass es sich auch über Besucher freut. Aber die Rinder sind für die Enkelin heute nicht so interessant. Gestern war sie beim Milchholen beim Bauern im Kuhstall, da war für die Kleine scheinbar mehr geboten.

Ein Stier und eine Kuh mit besonders massiven Hörnern in einem Pferch
Die Hörner der Tiere sind gigantisch

Wir kommen am Aufsteller mit der Anatomie der Elwedritsche vorbei. Der Keramikkünstler Walter Rupp hat sich die Mühe gemacht, eine Elwedritsche zu skizzieren. Auch die Elwedritsche ist ein einheimisches Tier, dass immer dort lebt, wo auch Pfälzer leben. Das ist amtlich erwiesen, denn bei den Auswandererwellen im 18. und 19. Jahrhundert sind diese Wesen mit nach Amerika ausgewandert und bevölkern einige – hauptsächlich von Pfälzern besiedelte – Bundestaaten. Die Pfälzer Zeitung, die bis 1914 in Pennsylvania erscheinen durfte, turg sogar den Namen „S´Elwedritsch“.

Das Fabelwesen Elwedritsche wird anatomisch erklärt
Selten kann einer Elwedritsche so genau auf die Anatomie geschaut werden. Rechte am Bild: Walter Rupp (www.keramik-elwedritsche.de)

Im Landauer Zoo leben auch einige Raubkatzen, Tiger und Geparde. Die Geparde sind jedoch sehr scheu und genießen lieber die Sonne, als im Gehege herumzuspazieren. Der Vollständigkeit halber – obwohl wir heute nicht zum weitläufigen Tigergehege kommen – zeige ich ein Bild eines Tigers vom letzten Zoobesuch in Landau.

Ein Gepard liegt auf einer Wiese
Ein schöner Rücken, kann auch entzücken
Ein Tiger steht auf einer Wiese in einem Festungsgraben
Das Tigerbild habe ich beim Besuch im Mai 2019 aufgenommen

Der Kiosk und der Grill sind geöffnet, mit Abstandsregel könnten wir uns hier mit Speisen und Getränken versorgen. Wir haben ein kleines Picknick mit, das wir auf einer Bank sitzend verzehren.

Gesättigt betrachten wir die Pinguine, die ihrerseits noch auf die Fütterung warten und ein Schwätzchen halten, bevor die Wärterin kommt. Der Graureiher weiß genau, dass für ihn etwas abfallen wird. Während der Wartezeit beobachtet er den sportlichen Schwimmer unter den Pinguinen.

Pinguine und ein Graureiher warten auf die Fütterung
Na, wann kommt endlich Frühstück?

In Gehegen und Folieren sind Vögel von den unterschiedlichsten Kontinenten untergebracht, die mit ihren Rufen, Trillern, Flötentönen und ungewöhnlichen Geräuschen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber für unsere Kleine anscheinend zu langweilig sind, um stehen zu bleiben. Da die Schildkröte nur langweiligen Salat frisst, ist sie auch kein Grund, mal anzuhalten. Das gerade erst von der Enkelin neu entdeckte Rennen als Fortbewegung, muss geübt und ausgelebt werden. Ich werde wohl zukünftig schneller werden müssen.

Zwei Schildkröten essen einen Salatkopf
Hmmm, lecker! Pfälzer Salat!

Durch die vielen Eindrücke, das Klettern, Staunen und Rennen wird das Enkelkind leider schneller müde als erwartet. Selbst die Affen, die wie wild in ihrem Areal herumklettern und weite Sprünge machen, können die Müdigkeit nicht vertreiben.

Affen klettern in einem Gehege
Zuerst Sport, Leute, dann gibt es Frühstück!

Alles in seinem Maß und mit seiner Zeit. Ich bin gespannt, wenn wir mit ihr in einigen Monaten wiederkommen, welche Erlebnisse wir dann haben werden. Mit den Kinderaugen nehmen wir Erwachsenen die Welt doch nochmal ganz anders war. Gut, dass die Kleine am Affengehege plötzlich schlapp wird, denn dort ist der derzeit einzige Ausgang des Zoos.

Wir hatten viel Spaß mit unserer Enkeltochter. Und mit den Tieren, die uns so interessiert betrachtet haben, wie wir sie.

Kurzfilm Zoo Landau

Einige Einrücke habe ich auch in einem Film zusammengestellt.

Besuch im Zoo

Wer in der Umgebung wohnt oder hier in der Pfalz Urlaub macht, dem ist der Landauer Zoo herzlich empfohlen! Er liegt Zentrumsnah in einem Teil der ehemaligen Festungsanlage und ist über 110 Jahre alt. Er ist mittlerweile nicht nur eine Freizeit- und Erholungseinrichtung, sondern der Zoo Landau engagiert sich auf den Gebieten des Artenschutzes, der Umweltbildung und der Forschung.

Tiere von allen Kontinenten sind zu entdecken und für größere Kinder gibt es in normalen Zeiten ein pädagogisches Programm. Leider sind aufgrund der Corona-Regeln einige Attraktionen nicht erlebbar, z.B. der Streichelzoo und das Affenhaus und bei den Tigern wird gerade umgebaut.

Ein Ausflug wäre ohne Picknick ja kein richtiger Ausflug und so sind Kiosk und Grill geöffnet oder man verzehrt mitgebrachte Speisen.

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