Jūrkalne und die Steilküste

Jūrkalne und die Steilküste

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die Steilküste der Ostsee bei Jūrkalne soll ein besonderer Ort in Lettland sein. Bei unserem Aufenthalt lernen wir sie gut kennen und können das bestätigen. In den zwei Tagen auf dem Campingplatz Zaki bietet das Wetter so ziemlich alle Jahreszeiten und eine große Abendshow.

Fahrt an die Steilküste

Wir flüchten am Morgen nach einer fast schlaflosen Nacht aus Kuldiga. Die nächste Nacht wollen wir an einem ruhigen Ort verbringen. Da ich auch Wäsche waschen muss, wählen wir den Campingplatz „Kemping Zaki“ als Ziel.

Wir fahren über die P 119, eine Asphaltstraße. Wir haben von unserem Weinbauern in Aizpute erfahren, dass die Gegend um Alsunga eine besondere Geschichte hat. Daher wollen wir dort einen Stopp machen. 1372 wurde die Burg Alswangen oder Alschwangen vom Deutschen Orden angelegt. 1623 trat der Gutsherr Graf Johann Ulrich von Schwering wegen seiner Hochzeit mit einer Polin zum Katholizismus über, in einer ansonsten reformierten Gegend. Seine Untertanen mussten nach damalig geltendem Recht ebenfalls konvertieren. Die katholischen Gläubigen sonderten sich von den umliegenden reformierten Gemeinden ab und bildeten die Suiti genannte Volksgruppe. Heute gehören nur noch knapp 3.000 Einwohner dieser Minderheit an. Die alten Frauen bewahren die Sitten, Bräuche und Trachten, die sie auch heute noch tragen. In einem Zentrum sollen die Trachten ausgestellt sein. Dort wird in einem Café das traditionelle Essen der Bewohner, darunter auch „richtiges“ Brot, verkauft. Wir hoffen, dort frühstücken zu können. Leider sind wir zu früh, das Café öffnet erst um 11 Uhr und wir fahren unverrichteter Dinge in Richtung Ortsausgang.

Eine Frau in einer bunten Tracht läuft die Straße entlang
Wir fahren kurz danach an der Frau vorbei, die fröhlich winkt. Sie trägt eine Suiti-Tracht

Nach diesem schönen Erlebnis biegen wir an der Kreuzung in Jūrkalne auf die P 111 nach Norden ab und folgen dem Schild „Kemping Zaki“ kurz danach nach links in den Wald. Nach einigen Sanddurchfahrten erreichen wir unser Ziel. Wir dürfen den Platz selbst wählen, nur, vorne an der Aussicht, sollten wir uns nicht hinstellen. Da der Sturm bläst suchen wir einen windgeschützten Platz, den wir direkt neben dem Spielplatz, sogar von Natur aus eben, finden.

Ein Wohnmobil steht auf einer Wiese, die Markise ist ausgefahren. Ein Fahrrad steht davor, im Hintergrund ist die Ostsee unterhalb der Wiese zu sehen
Unser Platz auf „Kemping Zaki“ ist windgeschützt mit Blick aufs Meer

Ich kann sogar Wäsche waschen, obwohl die Waschmaschine in den Privaträumen der Campingplatzbetreuerin steht. Üblicherweise wäscht sie dort die Wäsche, die in den Vermietungshütten anfällt. Sie bietet mir auch den Trockner an. Da ab und zu Regentropfen fallen, nehme ich das Angebot für einige Wäschestücke an.

Auf einer Wäscheleine unter eine Markise hängt am Wohnmobil gewaschene Wäsche
Ich habe große Wäsche, die im Wind schnell trocknet

Kaum ist die Wäsche trocken, legt sich der Wind. Die Ostsee liegt so zahm da, als wüsste sie gar nicht, wie Wellen machen geht.

Von der Steilküste geht der Blick hinunter zum hellen Sandstrand
Der Blick nach Norden vom Aussichtsbänkchen des Campingplatzes
Von der Steilküste geht der Blick hinunter zum hellen Sandstrand, oberhalb ist ein Wald
Der Blick nach Süden vom Aussichtsbänkchen des Campingplatzes, die Skelette von Bäumen sind deutlich zu erkennen
Die Ostsee unterhalb der Steilküste liegt ganz ruhig da
Die Ostsee ist heute ausgesprochen ruhig, wir genießen ein langes Bad mit sanften Wellen

Wir spazieren mit unseren Badesachen an der Küste entlang nach Norden. Ab und zu nehmen wir ein erfrischendes Bad. Immer wieder treffen wir auf Kunstwerke.

Aus verschiedenfarbigen Steinen sind Kreise ineinander gelegt
Ein unbekannte Künstlerin oder Künstler hat diese Strandkunst geschaffen

Zurück am Wohnmobil kochen wir. Nach dem Essen widme ich mich meinem Blog, sitze draußen unter der Markise am Laptop. Ein Familie kommt mit Fahrrädern am Campingplatz an. Die Erwachsenen haben Packtaschen am Fahrrad. Ein Anhänger hängt an einem Fahrrad, aus dem ein Mädchen aussteigt. Die größere Tochter, die ich auf etwa acht schätze, fährt mit eigenem Fahrrad und hat ebenfalls Packtaschen am Gepäckträger eingehängt. Ganz kurze Zeit später sind alle in Badekleidung und gehen hinunter zur Ostsee.

Am Spätnachmittag gehen wir auch wieder hinunter zum Baden, die Ostsee ist heute ein Traum. Am Wohnmobil angekommen sehen wir über dem Wald im Osten dunkle aufgetürmte Wolken. Na, dann ist ja der Sommertag wieder vorbei, denke ich. Kurz danach höre ich Donner in der Ferne. Okay, Gewitter. Und mein Hirn schaltet sofort an meine Schwedentour mit meiner Tochter um, bei der wir eine Gewitternacht Mutterseelenallein im Zelt am See Lelång verbracht haben. Ich spaziere auf dem Weg zur Toilette zu der Familie, die mittlerweile mit Zeltaufbau fertig ist und gerade das Abendbrot verstaut. Ich biete ihnen an, falls es zu heftig wird mit dem Gewitter, es bei uns im Wohnmobil auszusitzen. Gerne, antworten sie, und das Bernhard sie eben bereits auch eingeladen hat. Er kommt gerade vom Aussichtsbänkchen zurück und sagt, dass ich mir die Gewitterstimmung unbedingt anschauen müsste.

Rechts über der Ostsee der Widerschein des Sonnenuntergangs, links dicke Regenwolken über der Steilküste
Das Gewitter kommt über die Steilküste schnell näher, der Sonnenuntergang fällt ins Wasser

Mit den ersten Regentropfen klopft es an der Wohnmobiltür und die Erfurter Familie betritt, nach eigener Aussage, zum ersten Mal, ein Wohnmobil. Ich finde Filzstifte und Papier für die Mädchen, denen so nicht langweilig wird. Wir servieren den Eltern aus der Pfalz Wein vom Weingut Sohn und selbstgemachten Holundersirup als Schorle für die Mädchen. Wir erfahren, dass sie schon viele Jahre mit dem Rad reisen und bereits früher in Lettland waren. Die große, achtjährige Tochter fährt seit zwei Jahren selbst. Die jüngere Tochter, mit ihren beinahe vier Jahren fährt im Anhänger mit. Die Tagesstrecken liegen höchstens bei 40 Kilometern. Sie lieben die Nächte gemeinsam im Zelt und freuen sich, dass sie autark unterwegs sein können, mit eigener Muskelkraft. Das Gewitter mit Regenprasseln spielt die Hintergrundmusik zu unseren Gesprächen. Erst sehr spät verabschieden wir uns von einem sehr unterhaltsamen, schönen Abend.

Die Regenwolken sind nun rechts, aber noch am regnen, die Sonne ist als kleiner Punkt über dem Meer zu erkennen
Noch im Regen nimmt Bernhard doch noch den Sonnenuntergang auf

Kleine Radtour nach Jūrkalne

Die ganze Nacht gab es immer wieder Regenschauer und am Morgen hat wieder der Wind eingesetzt. Wir fahren am späten Vormittag mit dem Rad in den Ort Jūrkalne. Die Erfurter Familie ist bereits früher aufgebrochen.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

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Wir fahren über die Zufahrtsstraße zur Hauptstraße und folgen ihr wenige hundert Meter. Dann geht links der Straße ein schöner Waldweg bis zum Ort. Wir wollen ihn erkunden und machen so einige Schlenker und Kringel. Auch wollen wir einige Lebensmittel kaufen, aber erst vor der Rückfahrt. Wir biegen an einer Kreuzung nach rechts ab und werden freundlich begrüßt.

Am Ortseingang von Jūrkalne steht eine Figur, die die Reisenden willkommen heißt
Diese Figur heißt und in Jūrkalne willkommen

Bei einem Zebrastreifen ist ein Schild mit einem Pfeil nach rechts zu einem Restaurant. Da wir heute nicht kochen wollen, prüfen wir, ob es geöffnet hat und zu welcher Zeit gekocht wird. Von 12 bis 22 Uhr gibt es Essen, so werden wir nach unserer Erkundungstour und dem Einkauf hier einkehren.

In einem Holzhaus ist ein Hotel und Restaurant
Im Restaurant Pilsberġu krogs haben wir ein wohlschmeckendes Essen in einem schönen Ambiente genossen

Wir radeln Richtung Steilküste und entdecken ein Freizeitgelände und an dessen Ende einen Parkplatz.

Auf einer großen Wiese steht ein rundes Gebäude, mit einem welligen Dach
Auf einem großen Freizeitgelände steht dieses interessante Gebäude
Eine aus Baumstämmen gebaute doppelstöckige Laube mit Sitzplätzen oben und unten
Dieser rustikale Aussichtsturm mit einem lauschigen Sitzplatz im „Erdgeschoss“ steht ebenfalls auf dem Freizeitgelände
Neben eine Aussichtsplateau führt eine Holztreppe hinunter zum Strand
Nach dem Parkplatz geht es über einen Waldweg bis zum Rand der Steilküste. Über die hölzerne Treppe geht es hinunter zum Strand

Vom Parkplatz hinauf zum Ort fahren wir am Friedhof entlang und erreichen den Laden. Von Bettwäsche über Windeln, täglichem Nahrungsbedarf über Dekorationsgegenstände führt der Laden alles.

Ein Holzhaus mit einem Ladengeschäft, zwei Fahrräder parken davor
Wir kaufen im einzigen Laden von Jūrkalne ein

Hinter dem Haus ist ein weiteres Freizeitgelände für Erwachsene und Kinder

Auf einer Wiese stehen Fitnessgeräte für Erwachsene
Hinter dem Einkaufsladen sind auf einer Wiese die Fitnessgeräte für Erwachsene aufgestellt

In allen lettischen Gemeinden, die wir näher kennen gelernt haben, gibt es immer gepflegte Freizeiteinrichtungen. Die Parkanlagen sind mit vielen Blumen bepflanzt und ebenfalls sehr sauber und gepflegt. Nach einem guten Essen im Restaurant radeln wir zurück zum Campingplatz.

Steilküstenschwund

Am Nachmittag spazieren wir ein wenig am Strand entlang nach Süden. Die Füße werden vom Wind ziemlich sandgestrahlt und die Wellen donnern an den Strand. Überall am Strand liegen Gerippe von den Bäumen, die bereits die Steilküste hinabgefallen sind.

Hohe Wellen kommen auf den Strand über dem eine Steilküste mit Bäumen aufragt
Heute bläst der Wind wieder kräftig und die Ostsee ist rau

Im Gegensatz zu Portugal ist an der Ostsee nicht Muschelsammeln, sondern Steinesammeln ein Volkssport. Ich beschränke mich aufs Betrachten und Fotografieren, denn wir haben im Wohnmobil ein zulässiges Gesamtgewicht, dass wir nicht überschreiten wollen…

Ein roter Stein im Sand mit verschiedenfarbigen Einschlüssen
Einer der schönen Steine mit vielen Einschlüssen, den ich am Strand lasse (ein Foto wiegt weniger!)

Wenig später finde ich ein Stillleben, dass ich sowieso nur als Foto mitnehmen kann.

Ein wie ein Augapfel geformter Stein liegt auf schwarzweißem Sand
Diese Künstlerin war die Natur

An einer Stelle, als der Wind wieder zunimmt, betrachte ich den Sand, der von der Steilküste abgetragen wird. Er wird beim runterrieseln einfach nach oben weg geweht.

Ein Regenschauer, der über die Ostsee auf uns zukommt, treibt uns zurück zum Wohnmobil und wir verbringen den stürmischen, immer kälter werden Abend darin. Wir haben die Ostsee hier so zahm erlebt und doch auch gesehen, wie die Steilküste von den Winden stark zerzaust wird. Wer nach Lettland kommt, sollte einen Besuch an der Steilküste bei Jūrkalne nicht versäumen.

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Klaipėda und Kurische Nehrung

Klaipėda und Kurische Nehrung

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Klaipėda, die Kurische Nehrung und das Kurische Haff gehören bei einem Besuch zusammen. In der Touristinfo in der Turgaus g. 7 werden wir über unsere Möglichkeiten für eine Fahrradtour auf der Kurischen Nehrung gut beraten. Die unmittelbare Altstadt Klaipėdas, die in Rechtecken angelegt wurde, entdecken wir zu Fuß.

Radtour in die Stadt

Nach unserer Beratung in der Touristinfo, in der Turgaus g. 7 in Klaipėda, spazieren wir noch über einen kleinen Markt, in dessen Nähe wir unser Wohnmobil geparkt haben. Pfifferlinge und Heidelbeeren kaufen wir von den Marktleuten. Als Übernachtungsplatz wurde uns ein Campingplatz nördlich von Klaipėda empfohlen. Natürlich könnten wir einfach auf einem öffentlichen Parkplatz übernachten. Aber bei zwei Übernachtungen und einem Tag Abwesenheit ziehen wir einen Campingplatz vor. Der Campingplatz liegt in Giruliai, mitten im Wald. Deswegen ist er aber nicht ruhig, denn er liegt an einer Bahnlinie. „Na, die kleinen Bahnbusse fahren so leise, die Bahnstrecke nehmen wir nachts sicherlich nicht wahr!“ Zerstreue ich Bernhards Bedenken, als so ein Schienenbus leise vorbeifährt. Gegen Abend allerdings beginnen Güterzüge zu fahren – und die fahren die ganze Nacht.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht unter hohen Bäumen
Unser Stellplatz in Klaipeda, im Hintergrund ist das Gebäude mit Rezeption und Sanitäranlagen

Wir hatten heute einen Regentag, mit immer wieder starken Schauern. Morgen, an unserem Tag auf der Kurischen Nehrung, soll es noch schlimmer sein, mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 90%. So wollen wir bis zum Morgen abwarten und dann entscheiden, ob wir die Tour per Bus und Schiff machen oder per Fahrrad und Schiff.

Aufzeichnung der Radtour auf Komoot

Die Radtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

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Der Morgen beginnt mit einem grandiosen Regenschutt als ich im Aufenthaltsraum sitze. Ich habe dort freies WiFi und stelle einen Beitrag auf meinem Blog online. Oje! Dann doch wohl Bus? Nach dem Schutt gehe ich zum Frühstücken ins Wohnmobil, blauer Himmel mit leichten weißen Wolken über mir. Wo kam der Regen gerade her? Wir entscheiden, auf jeden Fall bis Klaipėda mit dem Fahrrad zu fahren und dort neu zu entscheiden. Wir haben in einer Gepäcktasche die Regensachen, in der anderen die Badesachen. Diese Tasche würden wir lieber auspacken. Die Radtour nach Klaipėda führt uns vom Campingplatz erst ein kleines Stück nach Norden, zum Bahnhof von Giruliai und dort über die Gleise auf die andere Seite der Bahnlinie. Dort beginnt ein wunderschön angelegter Fahrradweg durch den Wald. Parallel dazu ein Fußweg, der von Nordic-Walkern, Läufern und Spaziergängern genutzt wird. Der Weg schlängelt sich in vielen Kurven, immer wieder unterbrochen von Rastplätzen, Spielplätzen und Sportmöglichkeiten für Erwachsene. Der Weg allein ist schon ein tolles Erlebnis. Uns fällt in Litauen immer wieder auf, dass im Umkreis der größeren Städte viele neue Radwege entstehen. Weiter Tipps zu Litauen findest Du hier.

Ein asphaltierter Fahrradweg in einem Kiefernwald
Der Fahrradweg vom Campingplatz Girulaiai nach Klaipeda ist sehr gut ausgebaut

Nach einem Stadion kommen wir an eine Straße und folgen dem Radweg nach Süden. Einzig an einer Tankstelle fehlt ein Hinweis, denn rechts an dieser vorbei geht der Radweg links an der Straße weiter bis zur Brücke über den Danė. Hier müssten wir nun nach rechts zum Hafen, zur Anlegestelle der Benas. Auf Empfehlung der Dame von der Tourist-Info habe ich die Schiffskarten am Vorabend per Internet gebucht, Zwei Personen und zwei Fahrräder. Alles auf Litauisch , aber problemlos zu verstehen, auch ohne Sprachkenntnisse.

Das Schiff fährt erst um halb elf, so haben wir noch Zeit für einen Linksschwenk zum Binnenhafen. Dort liegt ein Segelschiff, ein Dreimastgaffelsegler, vor Anker. Seit unserem Ausflug auf der Atalanta, muss ich mir jedes Segelschiff einfach anschauen. Außerdem sind an dieser Stelle einige Skulpturen verteilt. (Einen Stadtführer über Denkmäler und Skulpturen für Klaipėda haben wir ebenfalls in der Touristinfo in Deutsche Sprache erhalten, den solltest Du Dir unbedingt aushändigen lassen!).

Das Segelschiff ist mit allen Segeln getakelt
Das Segelschiff Meridianas am Fluss Dane in Klaipeda ist heute ein Restaurant- und Museumsschiff
Auf einem hohen Sockel ist ein Ritter
Die Säule mit dem Ritter erinnert an die 1000-Jährige Bezeichnung Litauen
Eine Figur eines Schornsteinfegers in Frack und Zylinder auf einem Schornstein
Der Schornsteinfeger wünscht der Stadt Klaipeda Glück

Radtour per Schiff

Wir radeln zum Hafen, noch sind keine Mitarbeiter des Schiffes da, wir sind immer noch zu früh. So schauen wir uns die Personen- und Fahrradfähre an, mit der wir von Smiltynė am Abend zurückkommen werden. Direkt nebenan steht noch eine hübsche Skulptur.

Eine Figur eines Mädchens das den Kopf zum Kuss hebt
In der Nähe der Personenfähre steht das Mädchen und „küsst“ einen Jungen, der mit seinem Hund am anderen Ufer des Flusses Dane steht

Da mittlerweile die Sonne von einem mit weißen Tuffwölkchen versehenen Himmel scheint, werden wir unseren Ausflug heute, wie vorgesehen, mit den Rädern machen. Als wir zum Schiff Benas kommen, sind bereits die ersten Fahrräder verladen. Wir sind erstaunt, dass die auf dem Dach des, ja ich würde sagen „Alsterdampfers“, verstaut werden (Bernhards österreichischer Originalton lautet „Schinakel“). Auf dem Schiffsdach sind Fahrradträger, so wie beim Autodachträger, montiert. Die Fahrräder werden vom Kai zum Schiff hinübergehoben. Der Mitarbeiter erfragt das Ausstiegsziel und sortiert die Räder von vornherein nach Juodkrantė und Nida.

Fahrräder sind auf dem Dach eines Personenschiffes festgemacht
Die Fahrräder werden auf dem Dach des Schiffes transportiert

Beim Einsteigen fühlen wir uns wie beim Betreten eines Flugzeuges. Die Sitzreihen sind fast genauso angelegt, nur die Gepäckklappen rechts und links des Ganges über den Sitzen fehlen. Wir wählen einen Platz rechts aus. Auf der Fahrt nach Süden liegt die Kurische Nehrung dann in Sichtrichtung und ist zusätzlich auch der Sonne abgewandt, denn die scheint mittlerweile recht warm.

Im Innenraum eines Schiffes sitzen die Menschen jeweils in Dreierreihen neben dem Gang
Im Schiff sieht es ähnlich aus, wie in einem Flieger

Automatisch will ich mich anschnallen, wie vom Flugzeug gewohnt. Allerdings fehlen die Gurte.

Die Bestuhlung des Schiffs sind ehemalige Flugzeugsitze, mit der Aufschrift
Die Bestuhlung des Schiffs sind ehemalige Flugzeugsitze, mit originaler Aufschrift

Das Schiff legt fast vollbesetzt ab und wir fahren aus dem Hafen. Auch diese Tour kannst du mit Komoot nacherleben.

Die Höhenmeter bei der Schiffsfahrt sind wohl dem Wellengang zu verdanken???

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Links am Außenkai liegt noch ein Dreimaster mit deutscher Flagge, auf den ich durchs Fenster ein Foto schießen kann. Ob man mit der Rostock ebenso wie mit der Atalanta als Gast mitfahren kann?

Ein Dreimast-Segelschiff durch ein Schiffsfenster fotografiert
Der Dreimaster Rostock ist in Klaipeda zu Besuch

Die Dame in der Touristinfo wusste nichts von einem Wohnmobilstellplatz im Yachthafen von Smiltynė. Die Campingplätze auf der Nehrung wären auch teuer und im Moment zu voll, daher hat sie uns den Campingplatz in Giruliai empfohlen. Dass wir doch mit dem Wohnmobil hätten übersetzen können, sehen wir beim Vorbeifahren, denn am Yachthafen stehen nur zwei Mobile.

Wohnmobile stehen bei einem Yachthafen
Der Wohnmobilstellplatz auf der Kurischen Nehrung beim Yachthafen von Smiltyne

Trotzdem das Schiff so flach, aber recht breit ist, fährt es ruhig dahin. Wir hatten mehr Schaukelei erwartet. Gerade heute, denn es ist wieder sehr windig. Nach knapp einer Stunde erreichen wir Juodkrantė. Ich erkenne am Kai einige Sandskulpturen, aber keine Einzelheiten. Einige Fahrgäste steigen aus um sich die Füße zu vertreten und brauchen mehr als eine Aufforderung, um wieder einzusteigen. So starten wir verspätet in Richtung Nida.

Vom Schiff ist der Ort Juodkrante zu sehen
Vom Schiffsfenster aus sehen wir den Ort Juodkrante, den wir später auf dem Fahrrad nicht passieren

Wir fahren an einige hohen Sanddünen vorbei, eine davon muss die „Tote Düne“ sein. Die Wanderdünen der Halbinsel haben den Bewohnern in den letzten Jahrhunderten sehr oft zu schaffen gemacht. Aber davon später mehr.

Nachdem wir noch ein vorstehendes Horn weiträumig umfahren haben, kommen die südlichsten litauischen Orte der Kurischen Nehrung in Sicht. Südlich der weißen Dünen von Nida beginnt Russland. Der nach wie vor von den Russen besetzte Teil mit Kaliningrad, früher Königsberg. Die Grenze ist schwer bewacht, zu Land, zu Wasser und in der Luft. Wer als Segler, Kitesurfer, Schwimmer oder sonst wie im Wasser die Grenze unbewusst passiert, wird sofort verhaftet. Und hat mit einer mindestens halbjährigen Gefängnisstrafe zu rechnen. Dieser Gefahr werden wir uns nicht aussetzen.

Mehrere Ortschaften und links weiße Dünen vom Schiff aus
Die weißen Dünen von Nida, rechts davon Nida, Preila und Pervalka, die südlichen litauischen Orte auf der Kurischen Nehrung

Aufzeichnung der Radtour auf Komoot

Die Radtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

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Es ist bereits kurz vor ein Uhr, als wir in Nida anlegen. Unsere Radtour ab Nida ist mindestens 55 km lang, so wollen wir gleich nach Norden aufbrechen und uns die Dünen südlich von Nida nicht anschauen. Direkt am Hafen ist auch eine Touristinfo, die nach der Mittagspause um 13 Uhr wieder öffnet. Wir bekommen viele Informationen über die kurische Nehrung auf Deutsch. Leider haben wir nur einen Nachmittag Zeit. Ich kann nur jedem empfehlen, mit dem Wohnmobil auf die Nehrung zu fahren und sich mehr als einen Tag Zeit zu nehmen. Obwohl die Fahrt mit dem Schiff Benas auch schön war. Wir haben später auch viele Parkplätze am Strand, hinter den Dünen entdeckt, die für Übernachtung mit dem Wohnmobil nicht gesperrt sind.

Ein Holzgebäude mit offenen Türen
Direkt beim Hafen von Nida ist die Tourist-Info für die Kurische Nehrung, mit Infobroschüren auch auf Deutsch

Direkt bei der Tourist-Info wird Räucherfisch verkauft, sogar Räucher-Flundern. Nida ist eine sehr interessante Ortschaft, die aus vier Einzeldörfern zusammengewachsen ist. Die Familie von Thomas Mann besaß hier in den 1930er Jahren ein Sommerhaus. Heute ist das Gebäude ein Museum und ein Kulturzentrum, in dem in nicht Corona Zeiten, über den Sommer Lesungen stattfinden. Wir können uns leider keine Zeit nehmen, das Örtchen zu erkunden und wollen erst in einem der nächsten Ortschaften zu Mittag einkehren.

An einem Gestell hängen Räucherfische zum Verkauf
Direkt neben der Touristinfo werden Räucherfische verkauft

Kurisches Haff

Der Weg aus Nida führt immer direkt am Kurischen Haff entlang. So wird die Ostsee zwischen der Kurischen Halbinsel und dem Festland genannt. Das Volk der Kuren hatte bereits vor der ersten Jahrtausendwende das ganze Gebiet, bis hinauf ins heutige Lettland besiedelt. Im 13. Jahrhundert nahm der Deutsche Ritterorden weite Gebiete in Besitz, baute Burgen und erhob Steuern, von der weiterhin überwiegend kurischen Bevölkerung. Die kurische Nehrung wurde ausschließlich an der Haffseite besiedelt, denn die Ostsee war viel zu stürmisch und zu rau. Die Bevölkerung lebte hauptsächlich vom Fischfang. Heute sind noch einige der historischen Bauten vorhanden, es überwiegt jedoch Ferienhausbebauung.

Ein Holzhaus in Nida, Rot gestrichen mit blauen Absetzungen und weißen Fensterrahmen, davor Stockrosen
So ein Holzhaus mit Stockrosen davor, beides geheime Träume von mir – ich würde gerne in dieses einziehen

Wir radeln auf dem gut ausgebauten Fahrradweg hinunter zum Wasser und entdecken am Ende des Örtchens eine Bucht, in der unglaublich viele Windfahnen stehen. Seit 1844 musste jedes Fischerboot eine Kennzeichnung haben, die der Administration die Fischereikontrolle im Haff erleichterte. Zuerst waren die Tafeln aus Blech, schwarz-weiß lackiert und mussten an der Mastspitze befestigt sein. Später jedoch haben die Fischer selbst diese Windfahnen „erfunden“, die am Ende des Bootes aufgestellt waren. Die Tafeln waren kunstvoll geschnitzt und symbolisierten das Wohnumfeld der Fischer oder Himmelskörper oder Werkzeuge. Außerdem konnte man erkennen, aus welchem Dorf der Fischer stammt.

Viele verschieden Wetterfahnen stehen auf hohen Posten
Jeder Fischer und jede Gemeinde hat eigene Wetterfahnen. Die Unterschiede sind in den Schnitzereien und Farben für Eingeweihte zu erkennen
Eine geschnitzte Wetterfahne
Hier ein Detailbeispiel für eine Wetterfahne

Nun folgt noch ein Tretbootverleih, und ein Café mit einem besonderen Kunstwerk an einer Hauswand, bevor wir in den Wald eintauchen.

Ein Tretboot im Design eines Oldtimer-Autos fährt auf dem Meer
Im Norden Nidas kann man diese Treetboote ausleihen – ebenso in Klaipeda auf dem Fluss Dane
Ein Kunstwerk aus Schilfstücken zeigt ein Gesicht
Das Gesicht ist aus Schilfstücken gearbeitet

Wir fühlen uns gleich wie in einem Urwald, denn an dieser Stelle ist der Wald sehr grün, feucht und verschlungen. Sogar einen kleinen Teich entdecke ich rechts.

In einem Wald ist ein Teich mit Entengrütze darauf
Kaum sind wir im Wald nach Nida, ist ein Entengrützenteich auf der rechten Seite

Auf dem Radweg sind viele Menschen unterwegs, Familien mit Kindern, schwer bepackte Radreisende und geführte Radtouren. Die höchsten Dünen, die heute bewachsen sind, befinden sich nordwestlich von Nida. Die erste menschgemachte Katastrophe suchte die Menschen nach dem siebenjährigen Krieg heim, der im 16. Jahrhundert stattfand. Die dichten Fichten und Lindenwälder wurden, um Schiffe herzustellen, abgeholzt. Aufgrund der Windverhältnisse an der Ostsee fingen die Dünen an zu wandern. Schnell waren einige Ortschaften unter dem Sand begraben. Die Bewohner bauten neue Ortschaften, die aber bereits nach einigen Jahrzehnten wieder vom Sand bedroht wurden. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts fingen einige Bewohner mit der Anpflanzung von Bäume an. Die Kiefernsetzlinge wurden aus Dänemark importiert, später dann selbst vermehrt.

Ein sandiger Weg führt durch Wald hinauf zu einer Düne
Immer wieder gehen auch Wege zur Ostsee hin ab, mit Bergen und Dünen

Im ersten Örtchen, in Preila, lädt uns ein bestuhlter Garten und ein Holzschild zur Einkehr ein. Wir bekommen einen Patz direkt am Wasser und genießen die Sonne und das Essen.  

Der Garten der Gaststätte Kuršmariᶙ Vila
Der Garten der Gaststätte ist schön angelegt, wir finden einen Platz mit Blick zum Kurischen Haff
Eine geschnitzte Frau mit Lampe begrüßt die Gäste in der Gastwirtschaft Kuršmariᶙ Vila
Die geschnitzte Figur begrüßt die Gäste in der Vila Kuršmariᶙ

Gestärkt radeln wir weiter. Kurz danach lachen wir wieder über uns selbst, denn das Fernglas liegt mal wieder im Wohnmobil, obwohl wir es während der Tour gut gebrauchen könnten.

Ein Holzturm für die Vogelbeobachtung
Zwischen Preila und Pervalka steht direkt am Radweg dieser Vogelbeobachtungsturm

Wir fahren weiter in den Ort Pervilka, der heute überwiegend eine Feriensiedlung ist. Das ist der zuletzt gegründete Ort auf der Nehrung. Er entstand, als der Ort „Neu-Nagliai“, der bereits Nachfolgeort von Nagliai war, vom Sand überweht wurde. Die Bewohner ließen sich 1843 an dieser Stelle am Haff nieder. Eine Erklärung für den Ortsnamen ist das litauische Wort für Hinüberschleppen „pervilkti“, denn die Bewohner bauten die Häuser im alten Dorf ab und schleppten die zerlegten Gebäudeteile zur neuen Siedlungsstelle. Wir folgen dem Radweg zurück bis zur Kreuzung und biegen nach rechts ab, vom Haff weg durch den Wald in Richtung Ostsee. An einer Stelle geht es geradeaus zum Ostseestrand, wir biegen wieder rechts ab, nach Norden.

Radwegbeschilderung und Erklärungstafel im Wald
Die Beschilderung des Radweges und Erklärungen zu den umliegenden Hügeln, wir biegen hier rechts ab

Tote Düne

Wenig später nähern wir uns der Straße und kommen am Parkplatz der „Toten Düne“ aus dem Wald. Wir schließen unsere Fahrräder an. Jetzt verstehen wir die vielen Radfahrer auf der Strecke, Sie sind wegen der Düne hierher unterwegs.

An Holzstangen werden Fahrräder geparkt
Der Fahrradparkplatz am Eingang zur „Toten Düne“

Der Eintritt in den Naturpark kostet 5 € pro Person. Nach einem kurzen Schotterweg folgt ein Bohlenpfad über den mit Pflanzen durchsetzten Sand. Ein Rastplatz mit Bänken und einigen Erklärungstafeln zum Aufbau der Düne unterbrechen den Pfad.

Auf einer Tafel wird der Aufbau der „Toten Düne“ erklärt
Der Aufbau der Düne wird schematisch erklärt

Die Düne hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte stark verändert und etwa 14 Dörfer unter sich begraben. Ob sie daher „Tote Düne“ heißt? Mit modernen Messungen wurde herausgefunden, dass die Küstenlinie des Haffs vor ca. 3.500 Jahren westlich der Düne verlief, also schon immer einer ständigen Veränderung unterworfen war. Die starken Ostwinde tragen den Sand immer weiter Richtung Westen, heute noch mit ca. einem halben bis 15 m im Jahr. Die Landschaft ist ungeheuer empfindlich. Die Bohlenwege und später der Pfad durch den Sand, hinauf auf die Düne, ist mit Schildern abgesperrt.

Am Weg zur Toten Düne sind Verbotsschilder aufgestellt, damit die Menschen nicht vom Weg abgehen
Der Weg zur Toten Düne ist klar eingezäunt. Verbotsschilder sollen die Menschen davon abhalten, die restliche Düne zu betreten

Teilweise wird versucht, den Sand von der Abwanderung zurück zu halten, denn die Düne hat in den letzten 12 Jahren etwa 5,5 bis 8 m an Höhe verloren und sich deutlich Richtung Haff verschoben.

Mit Ästen sind Windschutze aufgestellt, dass der Sand darin haften bleibt
Die Äste dienen wohl dazu, den Sand dort zurückzuhalten

Viele Pflanzen siedeln an und auf der Düne. Diese tragen ebenfalls dazu bei, dass sich die Düne hoffentlich verfestigt. Manche Pflanzen sind nur Vorpioniere. Wenn sie den Sand etwas verfestigt haben, werden sie von längersiedelnden Pionierpflanzen verdrängt.

Strandhafer steht gegen den blauen Himmel
Golden leuchtender Strandhafer vor blauem Himmel

Als wir schon recht hoch auf der Düne sind, kommen wir uns vor wie in Namibia. Dorthin wollen wir auch noch reisen. Wir kennen es bisher nur von Bildern von Freunden. Einer von Bernhards südafrikanischen Freunden war in unserem letzten Winter für acht Wochen dort unterwegs und hatte uns auch Wüstenbilder geschickt.

Die Bloggerin und ihr Mann stehen im Sand der Toten Düne, im Hintergrund die Ostsee
Wir haben das Foto an südafrikanische Freunde geschickt und behauptet, wir wären in Namibia… Im Hintergrund die Ostsee

Er ist ganz überrascht per WhatsApp von unserem „Namibia-Aufenthalt“ zu erfahren – wird aber über die Lage der Düne „at Baltic Sea in Lithuania“ schnell aufgeklärt. Nach dem Ausflug auf die Düne radeln wir endgültig auf die Ostseeseite der Nehrung. Der Fahrradweg hat sich ab der „Toten Düne“ merklich verändert. Er ist nach wie vor asphaltiert, aber mit vielen Schlaglöchern versehen und teils geht er ausgefranst in den Wald über. Wir haben aber Glück, dass der Wind den ganzen Tag bereits aus Südwesten kommt, wir also quasi Rückenwind haben. Im Wald spüren wir den Wind nicht so sehr, aber als wir in Höhe von Juodkrantė direkt an die Ostsee kommen. Kurz darauf erreichen wir die erste Treppe, die über die Dünen zur Ostsee führt.

Kurisches Haff Ostsee

Über die Ostseedüne hinweg ist eine stabile Holztreppe gebaut
An der Ostsee gibt es immer wieder Übergänge über die Dünen

Wir entscheiden uns gegen ein Bad in der Ostsee, denn sie ist wieder ziemlich aufgewühlt. Auch fehlt uns dafür die Zeit, was ich sehr schade finde. An diesem Übergang sind alte Kiefernäste gegen den Sand an der Düne unten gestapelt. Gegen den Sturm?

Kiefernäste sind am Strand aufgestapelt, damit der Wind den Sand nicht wegträgt
Die Düne ist am Fuß mit alten Kiefernästen gegen den Sturm geschützt

Auf manchen Dünenkämmen wachsen diese wunderschönen Strandrosen. Manche in Weiß, andere in Pink.

Eine weiße Rose in der Düne am Ostseestrand
Eine weiße Rose in der Düne am Ostseestrand

Nun biegen wir wieder ab in den Wald, durch den sich der Radweg bergauf und bergab und in Kurven schlängelt. Manchmal über Lichtungen, dann wieder durch dichten Wald. Die rechts liegenden Dünen steigen bis auf über 40 m an, wir erhaschen manchmal einen Blick hinauf. Nach 12 km bergaufbergabkurverei möchten wir eine Pause machen. Wir hoffen auf ein Café auf der Strecke, finden aber nur eine „Snackbude“ unterhalb eines Dünenübergangs.

Eine Snackbude mit roten Plastikstühlen und -tischen
Hier konnten wir einen sehr heißen und leckeren Kaffee und ein Eis genießen

An dieser Stelle geht ein toller Holzverbau über die Düne.

Eine Holztreppe führt hinab zum Strand
Die Holztreppen schützen die Düne und deren Bewuchs

Nun häufen sich die Übergänge an den Ostseestrand, wir merken, dass wir uns Smiltynė nähern. Hier kommen die Klaipeder mit der Fähre schnell auf die Nehrung und zu den Stränden. Ein Schild finde ich sehr beeindruckend.

Ein Schild weißt darauf hin, das links ein Geschlechtsgemischter Strand ist und rechts nur ein Frauenstrand
Sogar mehrere Frauenstrände gibt es an der Ostsee der Kurischen Nehrung

Wir biegen vom Ostseestrand ab nach Osten, wieder durch schönen, dichten Kiefernwald.

Der Boden des Kiefernwalds der kurischen Nehrung ist viel mit Weißmoos bedeckt
Weißmoos bedeckt den Wald an vielen Stellen

In Smiltynė halten wir uns an der Fähre links, denn ich möchte noch bis zur Spitze der Nehrung fahren. Der Radweg ist bis zum Delphinarium okay, danach wird es ein übler Sandpflasterpfad.

Das Gebäude des Delphinariums
Kurz vor der Spitze der Kurischen Nehrung ist ein Delphinarium, das sogar Delphintherapie anbietet

An der Spitze bläst ein ordentlicher Wind, die Füße fühlen sich sehr schnell gesandstrahlt an. Mein Fahrrad wird umgeblasen und die Lenkertasche ist nach wenigen Minuten halb mit Sand gefüllt. Ich staune immer wieder, welche Kraft der Wind hat, aber auch, wie fein der Sand hier an der Ostsee ist.

Die Spitze der Kurischen Nehrung wird mit Betonklötzen geschützt
Die Spitze der Kurischen Nehrung wird mit Betonklötzen geschützt. Rechts das Kurische Haff, links die Ostsee

Gemütlich radeln wir zurück zum Fähranleger, jetzt haben wir Zeit, denn erst um 19.30 Uhr wollen wir die Fähre nehmen. Ein Gebäude auf der Klaipėda-Seite finde ich sehr faszinierend. Erst recht, als wir es wenig später aus einer anderen Perspektive sehen.

Ein Gebäude in Klaipeda sieht aus, als hätte man es auseinander gerissen
Aus dieser Perspektive sieht das Gebäude aus, als wäre es nur ein wenig auseinander gerutscht
Zwei Gebäude in Klaipeda stehen hinter den Hafenkränen
Diese Perspektive zeigt, dass die Gebäude weit auseinander stehen

Wir machen noch einen kurzen Schlenker durch die Stadt, nehmen einen Absacker, bevor wir uns auf den Heimweg zum Campingplatz machen.

Eine doppelte Gaube auf einem Gebäude im Künstlerhof, das obere Fenster ist rund, ebenso der geteilte Fensterladen
Die witzige Gaube ist im Künstlerhof zu bestaunen

Der Tag war anstrengend und wunderschön. KEIN Regen, trotz der Wettervorhersage, sondern einfach nur Sonne, einige Wolken und Wind. Mehr Zeit zum Entdecken hätte ich mir gewünscht, aber bei der kombinierten Schiffs-Fahrradtour, mit Übernachtung in Giruliai haben wir das Beste aus der uns zur Verfügung stehenden Zeit gemacht.

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Fahrradtour durch Usedoms Norden

Fahrradtour durch Usedoms Norden

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Eine Landschaft zu erleben, bedeutet für mich, mit der Haut in der Landschaft zu sein. Auf langsame Art geht das mit Wandern. Der Fortbewegung, mit der das Auge und Gehirn am besten klarkommt, weil in der Evolution am längsten geübt. Heute entscheiden wir uns für die etwas schnellere Art, für das Fahrradfahren.

Fahrradtour Peenemünde-Krummin-Zinnowitz

Wir fahren von unserem Stellplatz auf der Halbinsel Peenemünde mit den Rädern los. Wir haben auf Komoot diese Fahrradtour geplant, die wir – so in etwa – nachfahren wollen.

Aufzeichnung der Radtour auf Komoot

Die Radtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

Inhalt laden

Oder Du folgst mir und dieser Radtour auf meinem Komoot-Account.

Die Halbinsel Peenemünde

Wir radeln um das Historisch Technische Museum herum und dann auf die Naturerbefläche des Mündungsbereichs des Peenestroms. Eine Tafel erklärt die Besonderheit dieser Küstenlandschaft. Fragmente von Verteidigungsanlagen, die auf anderen Hinweistafeln erklärt werden, stehen in der Landschaft herum. Trotz der militärischen Nutzung im 2. Weltkrieg, konnte sich dieser besondere Naturbereich behaupten. Die Küstendynamik der Ostsee, geprägt durch Winde, Wellen, Strömungen, schiebt Küstensand von Ost nach West und lässt Sandwälle und Nehrungen entstehen.

Blick am Anfang der Radtour zurück zur Halbinsel Peenemünde
Blick am Anfang der Radtour zurück zur Halbinsel Peenemünde
Weiße Kühe auf einer Weide, ein Kälbchen saugt am Euter
Glückliche Rindviecher auf der Weide. Der viele Regen hat das Lila abgewaschen 😊
Reste von Verteidigungsanlagen aus dem 2. Weltkrieg
Reste von Verteidigungsanlagen aus dem 2. Weltkrieg

Der ausgeschilderte Radlweg führt uns über holperige Plattenwege, Wege mit dickem Schotter, manchmal geteerte Fahrradwege und schmale Straßen. Felder und Weiden, offene Flächen und Mischwälder wechseln sich ab. Ebene Flächen aber auch einige Steigungen machen diese Tour sehr interessant. Attraktionen für Familien sind unterwegs ausgeschildert, wir passieren sogar „Dinoland“.

Krummin

Wir erreichen unser erstes Ziel, das Dörfchen Krummin am Krumminer Wiek. Wir steuern die Gaststätte mit Laden „Zur Pferdetränke“ an. Verkauft werden regionale Produkte, gebacken und gekocht wird selbst. Wir kaufen Brot, Käse und sogar Straußensalami, die aus Ahlbeck, südlich des Stettiner Haffs, von einer Straußenfarm kommt. Mit einer Sanddornfassbrause verweilen wir im schönen Garten, der mit vielen Dekoartikeln verziert ist. Sogar ein kleiner Streichelzoo und Minispielplatz für Kinder ist im hinteren Gartenteil. Der ehemalige Stall hinter dem Verkaufsraum ist mit großen Fenstern versehen, ein schöner Wintergarten geworden, der Gäste bei unfreundlichem Wetter beherbergt.

Ein mit Blumen bepflanzter Leiterwagen ist mit einem Schild zum Fahrradparkplatz versehen
Liebevoll gestalteter Hinweis zum Fahrrad-Parkplatz beim Eingang in den Garten des Gasthauses und Verkaufsladens Zur Pferdetränke
Der Eingang zum Bistro und Laden zur Pferdetränke. Der Eingang lässt noch erahnen, dass das Gebäude früher ein Stall war
Der Eingang lässt noch erahnen, dass das Gebäude früher ein Stall war
Ein Tisch und zwei Stühle stehen auf einer Holzterrasse, dahinter sind liebevoll Dekogegenstände auf Leiterregalen drapiert
Mit Liebe zum Detail sind die einzelnen Sitznischen dekoriert
Tische und Stühle mit Sonnenschirmen stehen in einem schön bepflanzten Garten
Mit schönen Pflanzen ist der Garten unterteilt und lädt zum Verweilen ein, links geht es zum Streichelzoo

Über die gepflasterte Dorfstraße fahren wir an der Kirche vorbei ans Dorfende und stellen fest, das der Weg zum Hafen vor der Kirche abgezweigt wäre. So rattern wir wieder die Straße hinab. Das Dörfchen Krummin ist wirklich nicht sehr groß. Die Kirche dagegen ist imposant. Die Erklärung dafür ist recht einfach. Die Kirche wurde bereits 1230 urkundlich erwähnt, als ein Teil eines Zisterzienserinnenklosters. Der Ort Krummin lag an einer mittelalterlichen Handelsstraße und das Kloster war sehr bedeutend. Die Kirche ist der einzig übrig gebliebene Klosterbau auf Usedom.

Die Kirche in Krummin
In der Kirche in Krummin finden im Sommer viele Konzerte statt

Uns fällt ein Haus auf, dass einen ganz besonderen Hausschmuck hat.

Aufgefädelte Steine verzieren ein Haus in Krummin
Aufgefädelte Steine verzieren ein Haus in Krummin

Wir radeln über die gepflasterte Straße zum Naturhafen von Krummin. Jede Menge Boote liegen am Steg. Sogar mehrere Hausboote, die ein- oder zweistöckig als Feriendomiziel vermietet werden. Leider sind sie fest vertäut und ohne Motor, so das sie immer an der gleichen Stelle liegen bleiben. Eine Hafenkneipe mit schönem Blick auf die Boote und den See lädt ein, wir aber haben eine andere kulinarische Einkehr vor.

Der Naturhafen von Krummin
Im Naturhafen von Krummin können auch Hausboote als Ferienwohnungen gemietet werden

Direkt an der Kreuzung zur Kirche liegt das Café „Zur Naschkatze“. Auch hier wird täglich selbst gebacken und gekocht. Der Garten ist in vielen verwinkelten Nischen angelegt, Rosen, Kletterpflanzen und viele Blühpflanzen machen sich in ihrer Schönheit Konkurrenz. Die unterschiedlichste Bestuhlung ist in den Nischen verteilt, so dass jeder Gast einen Lieblingsplatz finden kann.

An dieser Theke versorgen sich die Gäste mit Speisen und Getränken
An dieser Theke versorgen sich die Gäste mit Speisen und Getränken
Ein Innenraum lädt bei schlechtem Wetter zum Verweilen ein
Ein Innenraum lädt bei schlechtem oder kühlem Wetter zum Verweilen ein
Im üppigem Grün des Gartens finden die Gäste Plätze zum Verweilen
Im üppigem Grün des Gartens finden die Gäste Plätze zum Verweilen
Nischen im Garten sind mit unterschiedlichen Sitzmöbeln ausgestattet
Die Nischen im Garten sind mit unterschiedlichen Sitzmöbeln ausgestattet
Im hinteren Gartenteil ist ein Spielplatz für Kleinkinder eingerichtet
Im hinteren Gartenteil ist ein Spielplatz für Kleinkinder eingerichtet
Ein weiser Spruch: Einfach mal was von der To-Do-Liste auf die Was-Solls-Liste setzen
Der Spruch hat mich darin bestärkt, vermehrt Urlaub auf unseren Reisen zu machen…

B Krummin Cafe Zur Naschkatze Selbstbedienungstresen

Nach so vielen schönen Pausen radeln wir weiter. Auf einem betonierten Plattenweg mit Blick auf das Krumminer Wiek an Feldern vorbei. Später erst in Mischwald, dann in Kiefernwald eintauchend, erreichen wir Zinnowitz.

Seebad Zinnowitz

Wir fahren bis zur Seebrücke des Seebades. Trotz Corona ist Usedom von überwiegend deutschen Touristen überlaufen, uns ist es insgesamt zu voll hier. Bei einem Stand im Städtchen kaufen wir Kirschen, die wir mit zum Strand nehmen. Die Fahrräder schließen wir vor der Seebrücke ab. Unter der Seebrücke am Strand sitzend essen wir die Kirschen und schauen dem regen Treiben zu. Der Strand geht anscheinend recht flach ins Wasser über, denn die Menschen gehen weit hinaus, bevor sie schwimmen können.

Der Strand von Zinnowitz ist mit vielen Menschen gefüllt, eine Eisverkäuferin fährt mit einem Golfwagen umher
Eisverkäufer, weißer Sandstrand, Meer und Strandkörbe, der Strand von Zinnowitz bietet Urlaub

Die Seebrücke von Zinnowitz war ursprünglich 350 m lang. Die heutige, die 1993 gebaut wurde, ragt 315 m ins Meer. Wir wandeln über der Ostsee bis ans Ende. Dort ist seit 2006 eine Tauchgondel, die erste ihrer Art, installiert worden. An einem zentralen Pfeiler fährt die als Druckkammer ausgelegte Gondel in die Tiefe. Ist das Wasser zu trüb durch den Plankton, werden 3D-Filme gezeigt.

Eine Tauchgondel am Ende der Seebrücke wartet auf Gäste
Mit der Tauchgondel kann man trocken in die Ostsee eintauchen und unter Wasser Beobachtungen machen
Blick zum Seebad Zinnowitz von der Seebrücke
Von der Seebrücke geht der Blick auf das Seebad Zinnowitz

Wir schließen unsere Räder wieder ab und machen an der öffentlichen Toilette noch Halt. An der Promenade entlang ist ein Streifen für Fahrradfahrer gekennzeichnet, dem wir weiter folgen.

Geschnitzte Holzskulpturen an der Promenade in Zinnowitz
Diese Holzskulpturen sind ein Teil der Promenade in Zinnowitz

Weiße Sandstrände

Nach dem Ort nutzen wir den ausgeschilderten Radweg weiter nach Nordwesten. Immer wieder gehen im Kiefernwald Wege zum Strand ab. Die einzelnen Abschnitte sind mit Buchstaben und Zahlen gekennzeichnet. Wenige Strände sind für FKK oder für Hunde vorgesehen. In Trassenheide halten wir für einen Eiskaffee und schieben dann einige hundert Meter unsere Räder über einen Wanderweg durch tiefgründigen Sand. Der Radweg hätte uns um den Ort geführt, wir wollten aber nahe der Küste bleiben. So entdecken wir große Heidelbeerfelder, an denen wir uns gütlich tun.

Viele Heidelbeeren hängen an den Sträuchern
Soo viele Heidelbeeren an den Sträuchern – so haben wir es überall an der Ostsee gesehen!

Wir passieren Karlshagen, mit tollen Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätzen und fahren auf dem Seitenstreifen der Straße weiter Richtung Peenemünde. Mittlerweile hat die Sonne die Wolken zur Seite gedrängt und wir schließen gegenüber eines Parkplatzes die Räder an einen Baum. Mit unseren Packtaschen, in denen die Badsachen verstaut sind, marschieren wir zum Strand. Uns fallen als erstes die Mülltonnen auf, die in Abständen von ca. 50 m regelmäßig den Strand entlang stehen. Und trotzdem liegt noch Müll herum, hauptsächlich Zigarettenkippen! Wir suchen uns ein Plätzchen und ziehen uns um. Na, mit schnell rein ins Wasser zum Schwimmen, ist nicht. Das Wasser ist familienfreundlich sehr seicht über eine weite Strecke. Als wir bis Mitte Oberschenkel im Wasser sind, laufen wir sogar bergauf und die Knie schauen wieder heraus! Dann aber geht es fix, schnell stehen wir bis über die Gürtellinie in der Ostsee und Schwimmen ist möglich. Aber das Wasser ist doch recht frisch und natürlich verdeckt genau jetzt eine Wolke die Sonne! Das Wolken-verdecken-die-Sonne-Spiel geht immer einher mit frischen Windböen. Unter Wasser bleiben und schwimmen oder zurückwaten? Ich entscheide mich für ersteres und so gewöhnt sich mein Körper an die Wassertemperatur. Ich schwimme zurück und die Sonne kommt wieder hervor. Ich schwimme so lange, bis die Knie beim Schwimmen anstupsen. Herrlich!

Feiner weißer Sand bedeckt den Strand bei Karlshagen
Der Sand am Strand von Karlshagen ist ungemein fein und weich

Einfach daliegen und die Sonne genießen, so stellen wir uns das an manchen unserer Reisetage vor.

Doch noch Regen

Aber noch ist dieser Juli wettertechnisch ein April und dicke Wolken türmen sich vor die Sonne. Da wir den Tag bisher regenfrei verbracht haben, packen wir zusammen und radeln an der Straße entlang zurück zum Wohnmobil. Räder auf den Gepäckträger, Markise rein, Tisch und Stühle verstaut… Kaum ist alles erledigt, kommt ein wenig Niesel gefolgt von einem starken Regenguss. Glück gehabt.

Die Radtour war nicht sehr anstrengend. Unsere vielen Pausen konnten wir alle an interessanten Orten machen. Das war ein toller, ein wunderschöner Tag.

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Greifswald – Usedom – Polnische Grenze

Greifswald – Usedom – Polnische Grenze

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Die Hansestadt Greifswald und die Insel Usedom, ganz im Nordosten Deutschlands, standen auf unserem Reiseplan, bevor wir nach Polen weiterreisen wollen. Trotz Aprilwetter im Juli haben wir einen trockenen Tag für eine Radtour erwischt. Museumsbesuche wechselten sich mit Genuss ab, denn Usedom hat viel zu bieten.

Hansestadt Greifswald

Wir richten uns auf dem Stellplatz in Greifswald am Museumshafen ein. Obwohl drohende Regenwolken über uns hängen, spazieren wir Richtung Stadt. Es ist Sonntag und nicht viel los. Uns begeistern die Häuser um den Marktplatz sehr und der naheliegende Dom St. Nicolai.

Der Dom St. Nicolai in Greifswald ist aus Backsteinen gemauert mit schönen Backsteinverzierungen
Blick hinauf zum Kirchturm des Doms St. Nicolai
Am mit Basalt gepflasterten Marktplatz in Greifswald stehen historische Bürgerhäuser
Um den Marktplatz in Greifswald stehen historische Bürgerhäuser. An manchen sind Tafeln zur Geschichte des Gebäudes angebracht
Am Marktplatz stehen wunderschön restaurierte alte Bürgerhäuser. Links eines mit Treppengiebel, das rot gestrichen ist, rechts ein weißes Haus
Gegenüber der ältesten Häuser steht am Marktplatz dieses Ensemble
Ein Haus mit einem wunderschönen Schmuckgiebel steht am Marktplatz 11 in Greifswald
Das Bürgerhaus, das wohl im 15. Jahrhundert erbaut wurde, beherbergt heute ein Café
Der Stufengiebel des ältesten Hauses in Greifswald ist oben mit Türmchen verziert
Dieses Giebelhaus ist das älteste in Greifswald. Aber auch der älteste Giebel eines bürgerlichen Hauses im südlichen Ostseeraum

Mit den ersten Regentropfen, die sich schnell zu einem Schutt ausarten, kommen wir wieder am Wohnmobil an. Am späten Nachmittag reißt der Himmel endlich auf. Ich beende die Tipperei für meinen Blog und wir gehen zum Alten Hafen, Schiffe gucken. Auf der anderen Seite des Kais sind Liegestühle aufgebaut und wir gönnen uns ein Bier, während wir die Sonne genießen.

Endlich scheint am Abend mal wieder die Sonne, die die Segelschiffe im alten Hafen anstrahlt
Ein wunderschöner Abend im alten Hafen in Greifswald und endlich mal Sonnenschein
Die Sonne senkt sich zum Horizont über dem alten Hafen von Greifswald
Endlich können wir mal wieder die Sonne am Horizont untergehen sehen, statt hinter Wolken

Kloster Eldena und das Dorf Wieck

Direkt östlich von Greifswald ist die Klosterruine eines Franziskanerklosters, die hauptsächlich durch einen Maler berühmt wurde. Caspar David Friedrich, der in Greifswald aufgewachsen ist, hat viele Zeit in den damals von Gras und Gebüsch überwucherten Ruinenresten verbracht. Seine Bilder sind bekannt und hängen in Ausstellungen weltweit.

Auf den Aufstellern, die Erklärungen über das Kloster abgeben, sind schematisch einige seiner Bilder genannt und dargestellt. Im Jahr 1199 gegründet, wurde die Klostergründung 1204 von Papst Innocent III. bestätigt. Erst 1248 wird ein Flecken, Oppidum Gripheswald, erwähnt, aus dem sich später Greifswald entwickelte. Das Kloster diente über mehrere Jahrhunderte als Grablege für pommersche Herzöge und Herzoginnen, Weltliche von Rang und Stand und für Ordensbrüder. Einzig der Wirtschaftshof und die Klosterscheune wurden über alle Jahrhunderte hinweg landwirtschaftlich genutzt. Heute finden in der Scheune Veranstaltungen statt. Ich persönlich finde die Baureste ungemein spannend, denn sie lassen die Baukunst vergangener Jahrhunderte erahnen.

Die kunstvoll aus Backstein gemauerten Gebäudeteile ragen hoch hinauf. Heute stehen in den Ruinen hohe Bäume
Die äußere Begrenzung des Ostflügels ist noch in den Außenmauern erhalten
Einige Säulen aus Backstein gemauert im Ostflügel der Ruine von Eldena
Die Säulen gehörten zum Ostflügel des Franziskanerklosters Eldena
Der Weg zum Ostflügel des ehemaligen Klosters ist mit Spitzbögen gebaut
Von der Kirche zum Ostflügel stehen noch Reste des Klosters
Ein hoher Torbogen, hinter dem ein Baum wächst
Ein Tor zum Baum?
Die Fenster waren kunstvoll mit Rosetten verziert
Backstein und Rosetten – kunstvoll gefertigte Fenster

Über den „Studentenweg“ spazieren wir nach Wieck, einen kleinen Ort am „Dänischen Wiek“. Das Dörfchen begrüßt seine Gäste mit einer besonderen Brücke.

Die Holzklappbrücke in Wieck ist zwar ein technisches Denkmal, wird aber heute noch genutzt
Die Holzklappbrücke in Wieck ist zwar ein technisches Denkmal, wird aber heute noch genutzt
Blick von der Mitte der Holzklappbrücke in den Hafen
Blick von der Mitte der Holzklappbrücke in den Hafen

Wir spazieren über die Brücke und am Kai entlang zum Sperrwerk, dass die Ostsee bei den Herbst- und Winterstürmen vom Dorf fernhält. Einige Holzskulpturen sind an der Promenade errichtet.

Eine Holzskulptur stellt einen Fischer dar
Ein Fischer als Holzskulptur
Holzskulpturen in Wieck tragen Mund-Nasen-Masken
Die Skulpturen machen alles richtig: Abstand halten, Masken tragen, einen tollen Platz im Freien suchen mit stimmungsvoller Beleuchtung der Ostsee durch die Sonne

Sonne, dicke, dunkle Wolken und wieder Sonne, wir haben weiterhin Aprilwetter. Beim Spaziergang durch den historischen Ortskern entdecken wir viele Kleinode, zwei Beispiele im Bild.

Ein Fahrrad, das offensichtlich im Meer gelegen hat, ist mit Muscheln bewachsen
Das Fahrrad wurde aus der Ostsee gefischt – und dient nun als Dekoration
Ein Reedgedecktes Haus mit einem üppig blühenden Garten
So stelle ich mir ein typisch norddeutsches Haus vor – und manchmal finde ich diese Exemplare wirklich

Wir sitzen kaum im Wohnmobil, schon prasselt wieder ein Regenschauer herunter. So fahren wir gemütlich nach Wolgast und über die Brücke auf die Insel Usedom. Wir wollen ganz in den Norden, hinauf nach Peenemünde.

Peenemünde

Wir folgen dem Hinweisschild mit dem Stellplatzzeichen für Wohnmobile und fahren auf den großen Wiesen- Wohnmobilplatz. Wir wählen lange aus, um einen für uns passenden Platz zu finden. Der Wind ist sehr böig und dem wollen wir ein wenig aus dem Weg gehen. So stellen wir uns letztendlich hinter eine Hecke und erfreuen uns an der Sonne, die nun wieder scheint. Zum Mittagessen fahren wir sogar die Markise aus, da die Sonne kurzzeitig richtig brennt.

Ein Hinweisschild zum Übernachtungs- und Gastro-Angebot der Halbinsel Peenemünde
Hinweisschild mit dem Angebot der „Halbinsel Peenemünde“

Wir spazieren zur Hafenbar „zum Dürren Hering“ wo wir von einem interessanten Spruch empfangen werden.

Ein guter Hinweis: Wer Meer hat braucht nicht Mehr
Man lernt doch nie aus! Spruch am Eingang zum Hafenrestaurant

Die Sonne genießen wir in einem Strandkorb, zusammen mit Kaffee und Kuchen. Auf der Halbinsel Peenemünde werden nicht nur Stellplätze für Wohnmobile vermietet, sondern auch Kojen in einem Schiff. Hotelzimmer, Appartements und sogar Ferienhäuser sind außerdem im Angebot des weitläufigen Geländes.

In einem an Land liegenden Schiff werden Kojen vermietet
Wanderer und Radtouristen können die Kojen im Schiff zur Übernachtung nutzen

Ich mache später noch einen Spaziergang, um eine schöne Stelle für mein Sonnenuntergangsfoto zu finden. Lange sitze ich auf einer Bank und beobachte einige Kormorane am Wasser.

Die Peene fließt zum Schluss in das Spandower-Hagener-Wieck, bevor sie in die Ostsee mündet
Ein Kormoran trocknet seine Flügel auf einem hohen Pfosten
Der Kormoran übt für eine Statistenrolle als Pleitegeier

Auf dem Rückweg entdecke ich einige der Blockhäuser, die mir nicht nur als Feriendomizil gut gefallen würden.

Blockhäuser werden als Ferienhaus vermietet
Mehrere dieser Blockhäuser werden als Ferienhaus vermietet

Leider wird es mit meinem Sonnenuntergangsfoto wieder nichts, die Wolken überwiegen. Allerdings bekomme ich ein anderes Wetterereignis vor die Linse.

Ein Regenbogen erhebt sich über Bäumen
Kein Regen aber ein Regenbogen

Peenemünde Museen

Nachdem wir den trockenen Tag für eine Radltour genutzt haben, wollen wir uns vor der Abreise noch einige historische Dinge in Peenemünde anschauen. Unser erster Weg führt auf die gegenüberliegende Seite des Hafens.

U-Boot Peenemünde

Dort liegt ein U-Boot der sowjetischen Armee. Die Juliett U461. Das U-Boot wurde ab Oktober 1961 gebaut und lief im Dezember 1962 vom Stapel. In Einsatz ging das Boot erst 1965 bei der 58. U-Boot-Brigade der Baltischen Rotbannerflotte. 1994 wurde das U-Boot als schwimmendes Museum nach Kopenhagen verkauft und von dort 1998 nach Peenemünde.

Außenansicht des verrostenden U-Boots 461
Das U-Boot rostet still vor sich hin… – gut so, denn so kann es keinen Krieg mehr führen!

Das U-Boot kann besichtigt werden, was wir uns nicht nehmen lassen. Durch einen Eingang geht es über einen Steg und eine steile Leiter hinunter in das Innnere des U-Boots. Ich habe keine Probleme mit Enge oder in geschlossenen Räumen, aber hier wird mir mulmig. Kabel, Rohre, Enge, schlechte Luft, wenig Platz und Vorwärtskommen nur durch kleine runde Luken in den nächsten Abschnitt, das beklemmt mich. Die ganze Atmosphäre wirkt auf mich bedrohlich. Panzer und U-Boote sind Dinge in der Kriegsführung, die ich für die Soldaten am unmenschlichsten empfinde. Unabhängig davon, dass ich militärische Einrichtungen sowieso unmenschlich und völlig unnötig empfinde. Im Frieden miteinander leben, jeden so sein lassen, wie er ist und niemand etwas neiden, ist der erste Schritt zur Entmilitarisierung. Aber solange es immer wieder Menschen gibt, die sich selbst oder ihr Volk auf einen Sockel stellen müssen, ist weltweiter Frieden wohl nicht zu erreichen.

Die Bedingungen für die Besatzung unter Bord waren totale Enge und kaum Privatsphäre. Bis zu 90 Tage konnte das Boot autonom fahren und maximal 800 Stunden tauchen. Richtig sauber halten konnten die Männer sich nicht. Es gab zwar zwei Waschbecken und eine Dusche, aber meist kamen die Männer stinkend und ölverschmiert aus den Luken an Land.

Eine Schaufensterpuppe sitzt auf einer der drei Toiletten im U-Boot
Für 78 bis 82 Mann Besatzung gab es zwei Toiletten im U-Boot und eine auf der Brücke.
Einige der Kojen für die Besatzung – mitten in der laufenden Anlage
Einige der Mannschaftskojen – die umschichtig, je nach Dienst benutzt wurden
Die Küche war sehr klein, es wurde laufend gekocht für die verschiedenen Dienstzeiten der Matrosen
Die Küche war sehr klein, es wurde laufend gekocht, da die Matrosen verschiedene Dienstzeiten und somit Essensbedürfnisse hatten
Das U-Boot von Oben vom Sauerstoffwerk aus
Von oben kann man die Größe des U-Bootes erahnen

Ich bin froh, wieder aus dem Ausgang an die frische Luft zu kommen. Ich empfand den Aufenthalt sehr bedrückend und beklemmend. Gibt es Menschen, die sich freiwillig auf so ein U-Boot melden?

Historisch Technisches Museum Peenemünde

An unserem Abreisetag sind wir kurz nach der Öffnung um 10 Uhr am Historisch-Technisches Museum. Hier wurde die die V4, die „Wunderwaffe“ der Nazis im 2. Weltkrieg entwickelt und bis zur Zerstörung der Produktionsanlagen durch die Engländer 1943 auch gebaut.

Auch an diesem Platz fühle ich mich nicht wohl. Die Umwege, die Technikerfindungen so oft über militärische Nutzung gehen müssen, finde ich so unnötig. Die finanziellen Mittel in die technische Entwicklung ausschließlich für zivile Zwecke zu stecken, wäre doch wesentlich kostengünstiger. Technische Entwicklung im Einklang mit der Natur – der Traum könnte wahr werden, wenn die Ressourcen und finanziellen Mittel zivil und nachhaltig eingesetzt würden.

Wir lesen viel während der Besichtigung. Über die politische Entwicklung hin zu Hitlers Machtergreifung und die Jahre bis zur Befreiung vom Faschismus. Über die Träume von Technikern und Schriftstellern, mit Raketen den Mond zu erreichen. In einem Raum sind Spinde eingebaut, die Namen tragen. Öffnet man die Spindtür, befindet sich dahinter die Geschichte der Person. Ob Techniker, Pilot, Zwangsarbeiter, KZ-Häftling, Soldat – über jeden erfährt man ein wenig. Es ist mal wieder unbegreiflich, wie viele Menschen so unnötig und menschenverachtend für das „3. Reich“ unterjocht, ausgebeutet und ermordet wurden. Ich kann den Besuch in diesem Museum nur empfehlen, er ist für alle Altersgruppen interessant.

Blick von Sauerstoffwerk hinab zur Eisenbahn, Rakete und zum Kesselwagen
Vom Sauerstoffwerk, auf das ich mit dem Aufzug hinauffahre, kann ich auf einige der historisch technischen Gebilde hinabschauen
Die Originalzeichnung auf der Rakete zeigt die halbnackte La Luna im Sichelmond mit einer Rakete im Hintergrund
Das ist die Originalzeichnung auf der Rakete
Die Schachfiguren des Spiels sind aus unterschiedlichen Patronen
Makabre Schachfiguren

Als wir um die Mittagszeit aus dem Museum gehen, steht eine lange Menschenlange am Eingang an. Wie überall in der Coronazeit, dürfen auch auf dieses Gelände nur eine bestimmte Anzahl an Personen.

Umfahrung Stettiner Haff

Zurück am Wohnmobil fahren wir noch zur Entsorgung und machen uns auf den Weg nach Süden. Wir wären gerne noch in das Museum der Illusionen gegangen, aber auch da stehen, mittlerweile wieder im Regenwetter, die Menschen Schlange. So fahren wir über Usedom und mit Umfahrung Anklam weiter nach Ueckermünde und südlich des Stettiner Haffs. Wir wollen nach Ahlbeck, östlich von Eggesin zur Straußenfarm. Wir schaffen es gerade noch, zur Öffnungszeit des Ladens einzukaufen. Straußensteaks kennen wir bereits von anderen Käufen, Straußen-Bratwürste werden neu auf unserem Speiseplan stehen. Wir schauen noch einige Zeit den Straußen und Emus auf ihren Weiden zu, bevor wir weiterfahren nach Rieth, zu einem sehr idyllischen Stellplatz.

Rieth

Mittlerweile ist es wieder trocken und wir stellen unser Wohnmobil auf dem privaten Stellplatz ab. Die Sonne scheint, es lohnt sich Tisch und Stühle auszupacken. Wir genießen draußen die Straußensteaks mit Couscous und Salat und einem Rotwein aus der Weinregion La Conca de Barberà in Spanien, die wir im März besucht haben. Es ist so schön, einen Abend mit Würfeln im Trockenen draußen zu verbringen.

Die Bloggerin steht in der Abendsonne am Steg des Neuwarper Sees
Zwar ist es kühl, doch ich genieße die Abendsonne am Neuwarper See
Die Sonne wird bald hinter den Wolken verschwinden, rechts ist der See
Eine wunderbare Abendstimmung

Morgens lacht die Sonne, so stelle ich mir Sommertage vor. Im Nachbarmobil wird ein kleiner Junge geweckt und nach draußen an den Frühstückstisch getragen. Lautes Gejammer begleitet die Aktion. Der Vater klärt uns auf, dass der Sohnemann noch ein wenig Sonne genießen soll, denn die soll nur bis 10 Uhr scheinen, danach wird es wohl zwei Tage regnen.

Die Bloggerin frühstückt in der Sonne
Wir frühstücken noch in der Sonne, bevor für drei Tage Dauerregen einsetzt

Das er recht behalten wird, merken wir, nachdem wir startklar sind und die ersten Tropfen einsetzen. Erst nur wenige und wir machen im Örtchen Rieth eine Rundfahrt. Am Naturhafen ist sogar ein Wohnmobilstellplatz und ein Hafencamping.

Am Naturhafen von Rieth ist eine weitere Campingmöglichkeit
Paddler, Fahrradtouristen und Camper können den Platz am Naturhafen nutzen
Am Naturhafen in Rieth ist ein Haus mit öffentlichen Toiletten
Öffentliche Toiletten am Naturhafen in Rieth
Ein Wohnmobilstellplatz für 4 Mobile mit Stromanschluss
Sogar ein Wohnmobilstellplatz für 4 Mobile mit Stromanschluss gibt es in Rieth

Sogar ein Schloss wurde in Rieth erbaut. Überhaupt ist Pommern ein sehr schlossreicher Landstrich gewesen. Oder sollte man sagen, dass jeder kleine Herrscher seine Behausung früher „Schloss“ nannte. Und die Behausung eines Herrschers unterschied sich allein durch seine Größe von der Behausung der Bevölkerung. Aber ein Schloss bot auch immer Unterkunft und Arbeitsplätze für Viele und musste von daher schon größer sein. Und zum Glück gab es auch immer Herrscher, die auf äußere Schönheit ihrer Schlösser Wert gelegt haben und Nachfahren, die diese Schönheit erhalten. So haben wir heutigen Reisenden und Besucher immer wieder historische Zeugnisse früherer Baukunst, die wir bestaunen können. Wir passieren das Café in Rieth und einige Angebote für Ferienwohnungen und Pensionszimmer. Wer fernab von Hektik, in absoluter Stille, Urlaub machen möchte, ist in Rieth sehr gut aufgehoben.

Das Café in Rieth hat Mittwoch bis Sonntag geöffnet
Das Café in Rieth hat Mittwoch bis Sonntag geöffnet

Wir fahren Richtung Löcknitz um in einem Supermarkt noch unser Pfandflaschen zurückzugeben. Dann wollen wir weiter nach Polen und in die Baltischen Staaten. Stettin ist unser heutiges Ziel. Ein Schild in Rothenklempenow lässt uns bremsen und nach rechts auf einen Parkplatz abbiegen.

Höfegemeinschaft Pommern

Beim Aussteigen sticht mir als erstes ein Schild ins Auge mit der Aufschrift „Weltacker“. Das Gelände dahinter sieht etwas verwahrlost aus, aber es steht schon auf dem Bearbeitungsplan für nächste Woche, bekommen wir im Shop mitgeteilt.

Ein Hinweisschild zu einem Weltacker. Dieser Acker ist bei der Höfegemeinschaft angelegt
Für mich war dieses Schild ein „Aha“-Erlebnis

Die Höfegemeinschaft Pommern besteht aus drei Betrieben. Der ehemaligen LPG Rothenklempenow und den Höfen Landgut Seegrund und Haffwiesenhof. Das Tierwohl steht bei der Höfegemeinschaft im Vordergrund. Im Flyer der Höfegemeinschaft wird der Betriebsleiter Tobias Keye wie folgt zitiert: „Unser Ziel war und ist eine vielseitige ökologische Landwirtschaft. Dabei binden wir die Menschen der Region ein und verstehen Tier und Natur als Teil einer ausgewogenen Kulturlandschaft.“ Im Hofladen, als Biokiste und Deutschlandweit werden die Produkte vertrieben. Wir kaufen im eigentlich geschlossenen Laden ein, aber da heute Biokisten gepackt und ausgefahren werden, können wir die Gelegenheit nutzen. Brot, Eier und Roastbeef gehen über den Ladentisch. „Unsere Kühe stehen über den Sommer auf dem Riether Werder, einer kleinen Insel. Sie werden mit der Fähre hinübergefahren und haben dort totale Freiheit. Wir schlachten nur Färsen, die dick und glücklich von der Insel zurückkommen“, erklärt uns der Herr, der uns bedient. Gestern Straußenfleisch, heute Rindfleisch aus ökologischem Landbau. Wir sind froh, dass wir es tiefgefroren kaufen und in unser kleines Eisfach geben können. Alle paar Tage mal Fleisch, am besten aus solchen Einkäufen, das finde ich vertretbar. Toll, das Schild entdeckt zu haben, so ganz am „Ende“ von Deutschland, in einer wunderschönen und ruhigen Gegend.

Das Eingangsschild zum Shop der Höfegemeinschaft Pommern
Das Schild verlockte uns zum Anhalten und zum Einkaufen von fair produzierten, regionalen Lebensmitteln

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