Tartu

Tartu

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die Universitätsstadt Tartu ist die zweitgrößte Stadt in Estland. Und obwohl sie eine der ältesten Städte im Baltikum ist, ist sie eine junge Stadt. Das spiegelt sich in den Gebäuden, Museen und Parks wieder. Sie ist Einkaufsstadt für die Landbevölkerung und hat ein besonderes Innovationszentrum.

Wellness in Tartu

Für Tartu hatten wir uns den Campingplatz am „Hafen“ ausgesucht. Da es an unserem Ankunftstag regnete und für den nächsten Tag ebenfalls Regen angesagt war, hatten wir im V-Spa Massagetermine ausgemacht. V-Spa ist im Einkaufszentrum in der Riia 2, im oberen Stockwerk, es hat ein Schwimmbad und unterschiedliche Saunen. Perfekt für einen Regentag. An unserem SPA-Tag schien jedoch unerwartet die Sonne. So haben wir uns am Vormittag für einen etwas verkürzten Stadtbummel entschieden und sind um 14.30 Uhr „nur“ zur Massage gegangen. Den Rest des Tages verbrachten wir beim Festival im Aparaaditehas.

Alte Stadt Tartu

Die Stadt Tartu wurde im Jahr 1030 erstmals urkundlich als Tharbatas erwähnt und ist daher eine der ältesten Städte im Baltikum. Der Großfürst von Kiew zerstörte die von vermutlich finno-ugrischen Einwohnern errichtete Holzfestung. Daher kannst Du davon ausgehen, dass diese Siedlungsstelle schon länger bewohnt war. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die neue Burg vom deutschen Schwertbrüderorden erobert, der die Christianisierung im Baltikum vorantreiben wollte. In der Deutschen und später Schwedischen Zeit hieß die Stadt Dorpat, in der russischen Zeit Jurjew. Auch Tartu war ehemals eine Hansestadt, wie wohl alle größeren und älteren Städte im Baltikum.

In Tartu – damals noch Dorpat – wurde der Friede von Dorpat am 2. Februar 1920 zwischen Estland und Sowjetrussland unterzeichnet. Darin wurde Estland Unabhängigkeit „auf alle Zeiten“ zuerkannt. Aber „alle Zeiten“ währte nicht lange, denn bereits 1941 hatten die Russen Estland wieder in die Sowjetunion einverleibt.

Tartu heute

Heute sind etwa ein Fünftel der knapp 100.000 Einwohner Tartus Studenten. Davon etwa 10 % ausländische Gaststudenten. Das merkt man der Stadt auch an. Viele junge Leute, viele Startups, junge Geschäfte und Lokale, ein offenes und fröhliches Miteinander. Wir haben uns bei der Tourist-Info im Rathaus einen Stadtplan auf Deutsch aushändigen lassen, mit dem wir eigenständig zwei unterschiedliche Stadtrundgänge hätten machen können. Wir kombinieren diese ein wenig und lassen auch vieles aus. Um Tartu richtig zu erleben solltest Du Dir ruhig eine Woche oder mehr Zeit nehmen. Weitere Infos zur Stadt findest Du hier. Nachfolgend einige Eindrücke als Bilderfolge, wie Du es von meinen Beiträgen von z.B. Tallin und Riga bereits gewohnt bist.

Die Markthalle ist ein einstöckiges hohes, rechteckiges Gebäude mit bunten Glasfenstern und einen Dacherhöhung
Die Markthalle ist ein architektonisch nicht sehr ansprechendes Gebäude
Das Innere Dach der Markthalle von Tartu. Glasfenster bilden eine Art Galerie
Die Markthalle sieht im Inneren nicht viel attraktiver aus als außen
Über eine Kreuzung ist eine Einkaufsmall zu sehen
Gegenüber der Markthalle sind drei verschiedene Einkaufsmalls. Diese hier wirkt wie eine Häuserzeile. Ganz rechts oben ist das V-Spa
Über eine Straße sind gläserne Gebäude zu sehen
Die Mall gegenüber ist ein großer Glaskomplex
Eine breite, rot gepflasterte Straße mit Blumenständen auf der gegenüberliegenden Seite
In der Küüni, die von der Riia in die Altstadt führt, ist der Blumenmarkt unter freiem Himmel angesiedelt
Vor dem rosa gestrichenen Rathaus ist ein Springbrunnen mit einem küssenden Paar unter einem Regenschirm
Das Rathaus von Tartu. Seit 1998 zieren die küssenden Studenten den Springbrunnen davor. Der Hashtag weist darauf hin, das Tartu 2024 Europäische Kulturhauptstadt sein wird
Der gepflasterte Rathausplatz wird links und rechts von hohen Gebäuden eingerahmt. In der Mitte stehen Tische und Stähle von Lokalen
Der Rathausplatz zieht sich bis zum Emajōgi (Emafluss) hinunter
Ein Gebäude hat Bordürenelemente des Jugendstils um die Fenster
Auch in Tartu am Rathausplatz sind Gebäude aus der Jugendstilzeit
Ein Gebäude ist auf der linken Seite etwas abgesackt und steht schief
An der Kreuzung zur Straße Kompanii steht das Schiefe Haus von Tartu. Das Fundament der hier rechten Hausseite steht auf der alten Stadtmauer, die linke Seite auf Holzpfosten, die im Laufe der Jahre nachgegeben haben
Blick zum Rathaus über den Rathausplatz mit seinen hohen Gebäuden links und rechts
Von der Fußgänger – Bogenbrücke geht der Blick zum Rathaus, in dem links die Tourist-I untergebracht ist
Eine öffentliche Toilette ist in einem runden Bauwerk untergebracht
In Tartu gibt es immer wieder diese kostenlosen öffentlichen Toiletten, meist in der Nähe der vielen Parks. Sauber und mit Toilettenpapier versehen!
Ein renoviertes altes Haus und ein unrenoviertes altes Haus in der Straße Lai
Die Straße Lai war ehemals die Straße, in der die Adligen ihre Häuser erbaut haben. Auch heute noch wunderschöne Bauwerke, aber nicht jeder kann die Unterhaltung und die Renovierung der Gebäude bezahlen – wie schade
Die Bloggerin sitzt zwischen Bronzestaturen von Oscar Wilde und Eduard Vilde auf einer Bank
Diese Skulpturen sitzen vor dem Café Wilde und wurden von der Bildhauerin Tiiu Kirsipuu erschaffen. Der englische Schriftsteller Oscar Wilde und der estnische Schriftsteller Eduard Vilde sind heute meine Banknachbarn. Frau Kirsipuu gestaltete eine Begegnung der zwei Herren, wie sie im Jahr 1892 hätte stattfinden können. Und ich setzte mich im Jahr 2020 dazu
Die Kirchturmspitze der katholischen Kirche ist aus Metallstäben gebaut – rechts davon der zunehmende Mond
Die Kirchturmspitze der Tartuer katholischen Kirche ist sehr interessant gebaut – rechts der zunehmende Mond
Ein rundes Appartementhaus hat eine Art Schneckenhausspitze
Das Appartementhaus hat eine weitere interessante Spitze, die in der Abendsonne rosa leuchtet

Universität Tartu

Tartu ist die älteste Universitätsstadt des Baltikums. An den unterschiedlichsten Orten wurde seither gelehrt, an einigen der Gebäude sind wir auf unserem Rundgang vorbei gekommen.

Ein zweistöckiges Gebäude mit großen Gauben im Giebel und einer Steintreppe
In diesem Gebäude in der Straße Jaani befand sich von 1642 bis 1656 die Universität Tartu, die vom Schwedenkönig Gustav Adolph gegründet wurde (Academia Gustaviana)
Ein Werbeschild für eine Kneipe, die Drinkgeld heißt
Trotz des Namens gibt es den „Alkoholclub“ bereits seit 1924 – gleich neben dem Hauptgebäude der Universität
Ein langgestrecktes Gebäude mit einer breiten Haupttreppe und vielen Säulen
1809 wurde das Hauptgebäude der Universität nach einem Entwurf von J. W. Krause in Tartu eingeweiht. Heute werden darin „nur“ die wichtigen Ereignisse im Studienjahr in der Aula begangen. Diese Aula ist der schönste Saal im Empirestil in ganz Estland. Wegen seiner hervorragenden Akustik wird er auch als Konzertsaal und für Konferenzen genutzt. Im Erdgeschoss ist das Kunstmuseum der Universität, das als ältestes Museum in Estland gilt, denn seit 1803 werden dort Kunstschätze gesammelt und ausgestellt
An einer Giebelseite eines Hauses sind Fenster aufgemalt, aus denen Menschen herausschauen
Das Gemälde an der Hauswand eines Nachbargebäudes der Universität in der Jakobi-Straße ist von A. Madisson mit den Bildern von Professoren bemalt – eine charmante Idee
Ein Backsteingiebelseite eines Hauses ist mit einem Bild des Universitätsgebäudes bemalt
Das von Bock´sche Haus diente fünf Jahre als Universität – die Räume wurden vom Obersten M. J. von Bock kostenlos überlassen. Heute ziert die eine Giebelseite ein Gemälde der Universität und des Universitätsplatzes, das nach einem Stich von L. Höflinger von 1860, gefertigt wurde

Tartuer Betonkunst  

In Tallinn hatten wir die Betonvögel als Betonsperren kennengelernt, die einen Terroranschlag mit einem Fahrzeug verhindern sollen. Auch in Tartu stehen überall an Straßen und Plätzen diese Betonsperren, aber in verschiedenen Motiven, hier einige Beispiele:

Vogelköpfe aus Beton dienen als Straßensperre
Dieses Modell Straßensperre ist ein Vogelkopf
Holzschuhe aus Beton dienen als Straßensperre
Hier stehen Betonholzschuhe als Straßensperren herum
Schildkröten aus Beton dienen als Straßensperre
Die Schriftsteller Wilde werden von Schildkröten aus Beton geschützt

Aparaaditehas

Eine alte Motorenfabrik ist seit 2014 das Kreativzentrum Aparaaditehas in Tartu. Die Fabrik war in der Straße Kastani, südwestlich der Altstadt, angesiedelt. In dem verschachtelten Gebäudekomplex und Innenhof haben sich bildende Künstler, Kreativschulen, Start-Ups, produzierendes Gewerbe und Restaurants angesiedelt. Wir hatten das Glück, dass während unseres Besuchs das zweite Aparaaditehas-Festival stattfand. Im Deutschen würden wir die Veranstaltung eher als „Tag der offenen Tür“ bezeichnen. Ich habe es am Nachmittag leider nicht geschafft, alle Kreativen zu besuchen. Die Vielzahl der Künstler, Designer, Schulen, Produzenten von Taschen, Schmuck, Kleidung, der Upcycler und Shops hat mich sehr beeindruckt. So sehr, dass ich nur wenige Fotos gemacht habe – was ich sehr schade finde, erst recht für Dich. Mit einem Plan und auf den Boden gemalten und geklebten Pfeilen wurden die Besucher durch die Gebäude, Aufgänge und Flure geführt – und ich habe mich erstens trotzdem verlaufen und zweitens daher nicht alles gesehen.

Mein erster Weg führt zu Glara Gymnastics. Ein junges Startup mit Shop für Gymnastikbekleidung und -bedarf und einer Gymnastikschule. Seit ihrem fünften Lebensjahr betreiben die Zwillingsschwestern rhythmische Gymnastik. Gold, Silber und Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften waren das Ergebnis, außerdem waren sie Schiedsrichterinnen bei Gymnastik-Wettbewerben. Heute sind sie Trainerinnen. Sie lebten über 10 Jahre in Kanada, bevor sie nach Estland zurückkehrten. Im Aparaaditehas haben sie ihren Traum vom eigenen Studio und Shop und einer eigenen Produktlinie für Gymnastikbekleidung – die sie selbst herstellen – geschaffen. Ich bewundere Menschen, die ihren Traum leben und wünsche den beiden Schwestern alles Gute für die Zukunft.

Ich komme an einer Schule für Musik, Gesang und Volkstanz, vorbei. Estnische Musik und estnische Tänze haben bei den Esten einen wesentlich höheren Stellenwert als Volkslieder und Volkstänze in Deutschland, wobei das regional unterschiedlich in Deutschland ist.

Die nächste Schule ist eine Handglockenschule, die Arsis Kellade Kool. Diese Art der Musik habe ich in den USA kennen gelernt. Meine Tochter war dort ein Jahr als Au Pair, und in ihrer Kirchengemeinde, in der sie im Chor gesungen hat, wurden die Gottesdienste mit den Handglocken begleitet. Auch in Estland kommt die Idee aus den USA, seit etwa 20 Jahren werden Handglocken in Estland gespielt. Die Schule hat derzeit 100 Schüler, die auch auf Konzerten auftreten. Im kleinen Video kannst Du erkennen, wie Handglocken gespielt werden. Ich habe absichtlich keine Gesichter in das Video gedreht, um den Datenschutz der jungen Menschen zu wahren.

Das Eingangsschild der Glockenschule
Arsis Kellade Kool – Käsikellade Ansamblid – übersetzt: Arsis Glocken Schule – Handglocken Ensemble
Handglocken zum Musizieren liegen auf mit Stoff bezogenen Tischen
Die Handglocken und Noten liegen für die Schülerinnen und Schüler schon bereit
Ein mit rotem Samt ausgeschlagener Koffer, in den die Handglocken nach Tonart sortiert werden
Die Handglocken haben bestimmte Tonarten und im Koffer einen ganz bestimmten Platz


Ich lerne den Künstler Edgar Tedressaar kennen, der in seinem Atelier seine Gäste empfängt. Er hat bereits international ausgestellt.

Der Künstler Edgar Tedresaare sitzt links seiner Stoffkunstwerke
Der Maler Edgar Tedresaar fertigt in seinem Atelier auch Bilder mit verschiedenen Stoffarten, die mit unterschiedlichen Farben (z.B. Ruß) bearbeitet werden.

Im nächsten Studio wird die Marke „Kuul“ produziert. Hauptfarben der Kleidung sind schwarz und weiß, die Stoffe sind aus ökologischem Anbau. Auch Landschaftsfotos werden auf die Jacken gedruckt.

Ich besuche noch eine Designerin, die aus allen möglichen gebrauchten Materialien Kleidung und Taschen herstellt. Die nächste Stoffdesignerin stellt Kleidung, hauptsächlich Jacken und Mäntel, aus Wollstoff her. Die Schafe grasen in Estland und der Stoff wird ebenfalls in Estland produziert.

Im Erdgeschoss der verzweigten Gebäude haben sich mehrere Restaurants angesiedelt, die völlig unterschiedliche Genüsse auf Teller und in Gläser bringen. Wir lassen den Abend im Hof ausklingen, wo ein Tischtennisturnier und ein Wettbewerb von Skateboardern stattfinden.

Museen und Tommeberg

Tartu hat eine unglaubliche Dichte an Museen, insgesamt 20 Stück. Unter anderem das Estnische Nationalmuseum, das erst 2016 in einem neuen Gebäude eröffnet wurde, das estnische Sport- und Olympiamuseum, ein Museum des Stadtbürgers und das Wissenschaftszentrum Ahhaa. Das ist das größte Zentrum im Baltikum, in dem spielerisch Wissenschaft und Technologie ausprobiert werden kann.

Auf dem Toomeberg war ursprünglich die Festung und später der Dom. Heute ist dort eine Sternwarte , die Engels- und die Teufelsbrücke und viele andere Sehenswürdigkeiten und Denkmäler. Diese Entdeckungen heben wir uns für unsere nächste Reise nach Tartu auf. Wir haben nur einen Spaziergang im Südosten des Toomeberg gemacht, als wir vom Abendessen im Pulverturmkeller zum Campingplatz gegangen sind.

Ein hoher aus Backsteinen gemauerter Raum mit Holztischen und Bänken und einer Theke im Hintergrund
Der Püsirohukelder – Pulverturmkeller ist eine Biergaststätte mit tollem Ambiente und köstlichen Speisen

Wir werden Tartu auf jeden Fall noch einmal besuchen. Spätestens 2014, wenn sie Kulturhauptstadt Europas ist!

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