Newsletter August 2020

Newsletter August 2020

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Hallo,
wir sind auf Tour. Unsere Ostseereise hat uns bisher an die deutsche Ostsee, nach Polen und Litauen und Lettland geführt. In Deutschland und Polen waren an der Ostsee so viele Urlauber unterwegs, dass wir lieber ins Landesinnere ausgewichen sind. Auch haben wir somit den Teil Russlands umfahren, der im Baltikum liegt.


Segeltörn auf der Wismarer Bucht

Ein Crewmitglied löst das Tau, mit dem das Focksegel bei Nichtgebrauch zusammengehalten wird
Das Focksegel wird gelöst, damit es aufgezogen werden kann

In Wismar haben wir uns kurzentschlossen für eine Fahrt auf einem Zweimastgaffelschoner, der Atalanta, angemeldet. Das Schiff wird von einem Verein und Ehrenamtlern, die Menschen von der traditionellen Seefahrt begeistern wollen, betrieben.


Stettin und Kolberg

In einem Gewölbekeller mit Kreuzrippengewölbe stehen die Braukessel in Gastraum
Der Keller ist unglaublich schön. Die Braukessel stehen direkt hinter der Theke

Nach einigen Tagen auf Usedom mit Fahrradtour, sind wir nach Polen eingereist. Wegen Corona dachten wir, dass es Kontrollen geben könnte, aber wir konnten uns im offenen Europa frei bewegen. Leider hatten wir für Stettin einen totalen Regentag erwischt. Trotz Schirm und Regenjacke machte die Stadtbesichtigung irgendwann keinen Spaß mehr. (Campingplatz Kolberg)


Polen Naturpark Slowinski

Links die stark wellige Ostsee, in der Mitte dick angezogene Menschen und rechts Dünen
Der Wind ist arktisch kalt und alle Menschen dick eingemummelt

Im Polnischen Naturpark Slowinski an der Ostseeküste waren wir mit dem Rad unterwegs und haben die Aussicht von einem Leuchtturm genossen. (Campingplatz Smolzinski Las)


Litauen – Dusia See

Menschen gehen im flachen Seewasser in der Abendsonne spazieren
Wasserwandern mal anders interpretiert

Nach unserer Einreise nach Litauen haben wir einige Tage am Dusia See verbracht. Mit Radfahren, den See genießen, der Trinkwasserqualität hat, und Flammkuchen in unserem Grill backen. (Campingplatz Dusia-See) Tipps für Litauen


Kaunas und Kurische Nehrung

Kaunas

Der Ritter in der Detailansicht auf seinem Pferd
Nahansicht des Ritters Kanklininkas auf seinem Pferd

Kaunas haben wir mit dem Rad erobert. Leider am Montag, als alle Museen geschlossen hatten. Wir sind an dem sonnigen Tag bis zum Kaunas-Meer, einem Stausee geradelt. Den Ritter Kanklininkas haben wir jedoch an der Burg getroffen. (Campingplatz Kaunas)

Kurische Nehrung

Die Bloggerin und ihr Mann stehen im Sand der Toten Düne, im Hintergrund die Ostsee
Wir haben das Foto an südafrikanische Freunde geschickt und behauptet, wir wären in Namibia… Im Hintergrund die Ostsee

Von Klaipėda sind wir mit dem Schiff Benas zur Kurischen Nehrung gefahren, die Fahrräder auf dem Dach des Schiffs! Trotz 90% Regenwahrscheinlichkeit sind wir bei schönstem Sonnenschein über den litauischen Teil der Halbinsel geradelt. (Campingplatz Klaipėda)


Am Ostseestrand in Lettland

Naturpark Pape

Ein Radfahrer hebt ein Fahrrad über einen umgestürzten Baum
Das war der letzte von unzähligen Bäumen, über den wir die Fahrräder heben mussten

Gleich hinter der Lettischen Grenze liegt an der Ostsee der Naturpark Pape. Er ist wegen des Papesees, einem Sumpfgebiet mit See, entstanden. Wir wollten eine Fahrradtour rundherum machen, stießen aber an unsere Grenzen und die unserer Fahrräder. Da der Campingplatz direkt hinter einer Düne liegt, war der Weg ins Wasser nicht weit. (Pape Campingplatz)

Steilküste bei Jūrkalne

Rechts über der Ostsee der Widerschein des Sonnenuntergangs, links dicke Regenwolken über der Steilküste
Das Gewitter kommt über die Steilküste schnell näher, der Sonnenuntergang fällt ins Wasser

An der Steilküste bei Jūrkalne haben wir – bis auf Schnee – alle Wetterlagen erlebt, in nur zwei Tagen. Wie unterschiedlich die Ostsee sein kann, schäumend bei Sturm und glatt wie ein Spiegel. Während des Gewitters hatten wir eine „Fahrradfamilie“ aus Erfurt im Wohnmobil zu Gast. Das war ein schöner Abend! (Campingplatz Jūrkalne)


Außerdem waren wir in Liepāja, einer Küstenstadt, die die Zeit als sowjetische Militärstadt noch nicht ganz weggesteckt hat, und in Aizpute und Kuldiga, netten Städtchen etwas im Landesinneren. Wobei Kuldiga mit zwei Superlativen aufwartet!


Vīna Darītava Mārtiņš Sants

Der Fruchtweinhersteller Mārtiņš Sants sitzt am Tisch seiner Probierstube. Im Hintergrund die Regale mit Fruchtwein
Mārtiņš Sants sitzt entspannt für ein Foto in seiner Probierstube

In Aizpute haben wir den Jungen Fruchtweinwinzer Mārtiņš Sants besucht und eine informative und lustige Zeit verbracht. Natürlich sind in unserem Wohnmobilkeller auch einige seiner Erzeugnisse eingelagert.


Alle Fahrradtouren, die ich in Komoot aufgezeichnet habe, findest Du in meinem Komoot-Account.

Wohnmobilstell- und Campingplätze

Ein Wohnmobil steht auf einer Wiese, die Markise ist ausgefahren. Ein Fahrrad steht davor, im Hintergrund ist die Ostsee unterhalb der Wiese zu sehen
Unser Platz auf „Kemping Zaki“ ist windgeschützt mit Blick aufs Meer

Die von uns im Juli genutzten Wohnmobilstellplätze und Campingplätze habe ich unter Praktisches, Wohnmobilstellplätze beschrieben.

Vorschau August 2020

Wir haben den Übergang in den August in Ventspils verbracht. Ein wunderschönes Küstenstädtchen in Lettland, etwas unterhalb des Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt im Westen Lettlands, bevor die Rigaer Bucht sich im Osten öffnet. Wir bleiben an der Ostseeküste, mit kleinen Abstechern ins Inland bis wir in Estland an die Russische Grenze stoßen. Der Rückweg wird durch die Baltischen Staaten im Inland führen, einen Plan dafür gibt es aber noch nicht.

Wir haben das Glück, dass in den Baltischen Staaten wenige Menschen leben und wir viel in der Natur sind. Es gibt wegen des Corona-Virus Vorsichtsmaßnahmen, aber keine Maskenpflicht. Wir bemühen uns, uns von Menschenansammlungen fern zu halten und halten sowieso Abstand.

Auf Reisepunsch.de stelle ich meine Beiträge online, wenn Internetverbindung möglich ist. Tagesaktuell informiert bist Du auf meinem Instagram-Account.

Ich wünsche Dir nun viel Spaß beim Schmökern und Stöbern auf Reisepunsch.de. Bleib gesund und genieße Dein Leben,

Klaipėda und Kurische Nehrung

Klaipėda und Kurische Nehrung

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Klaipėda, die Kurische Nehrung und das Kurische Haff gehören bei einem Besuch zusammen. In der Touristinfo in der Turgaus g. 7 werden wir über unsere Möglichkeiten für eine Fahrradtour auf der Kurischen Nehrung gut beraten. Die unmittelbare Altstadt Klaipėdas, die in Rechtecken angelegt wurde, entdecken wir zu Fuß.

Radtour in die Stadt

Nach unserer Beratung in der Touristinfo, in der Turgaus g. 7 in Klaipėda, spazieren wir noch über einen kleinen Markt, in dessen Nähe wir unser Wohnmobil geparkt haben. Pfifferlinge und Heidelbeeren kaufen wir von den Marktleuten. Als Übernachtungsplatz wurde uns ein Campingplatz nördlich von Klaipėda empfohlen. Natürlich könnten wir einfach auf einem öffentlichen Parkplatz übernachten. Aber bei zwei Übernachtungen und einem Tag Abwesenheit ziehen wir einen Campingplatz vor. Der Campingplatz liegt in Giruliai, mitten im Wald. Deswegen ist er aber nicht ruhig, denn er liegt an einer Bahnlinie. „Na, die kleinen Bahnbusse fahren so leise, die Bahnstrecke nehmen wir nachts sicherlich nicht wahr!“ Zerstreue ich Bernhards Bedenken, als so ein Schienenbus leise vorbeifährt. Gegen Abend allerdings beginnen Güterzüge zu fahren – und die fahren die ganze Nacht.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht unter hohen Bäumen
Unser Stellplatz in Klaipeda, im Hintergrund ist das Gebäude mit Rezeption und Sanitäranlagen

Wir hatten heute einen Regentag, mit immer wieder starken Schauern. Morgen, an unserem Tag auf der Kurischen Nehrung, soll es noch schlimmer sein, mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 90%. So wollen wir bis zum Morgen abwarten und dann entscheiden, ob wir die Tour per Bus und Schiff machen oder per Fahrrad und Schiff.

Aufzeichnung der Radtour auf Komoot

Die Radtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

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Oder Du folgst mir und dieser Radtour auf meinem Komoot-Account.

Der Morgen beginnt mit einem grandiosen Regenschutt als ich im Aufenthaltsraum sitze. Ich habe dort freies WiFi und stelle einen Beitrag auf meinem Blog online. Oje! Dann doch wohl Bus? Nach dem Schutt gehe ich zum Frühstücken ins Wohnmobil, blauer Himmel mit leichten weißen Wolken über mir. Wo kam der Regen gerade her? Wir entscheiden, auf jeden Fall bis Klaipėda mit dem Fahrrad zu fahren und dort neu zu entscheiden. Wir haben in einer Gepäcktasche die Regensachen, in der anderen die Badesachen. Diese Tasche würden wir lieber auspacken. Die Radtour nach Klaipėda führt uns vom Campingplatz erst ein kleines Stück nach Norden, zum Bahnhof von Giruliai und dort über die Gleise auf die andere Seite der Bahnlinie. Dort beginnt ein wunderschön angelegter Fahrradweg durch den Wald. Parallel dazu ein Fußweg, der von Nordic-Walkern, Läufern und Spaziergängern genutzt wird. Der Weg schlängelt sich in vielen Kurven, immer wieder unterbrochen von Rastplätzen, Spielplätzen und Sportmöglichkeiten für Erwachsene. Der Weg allein ist schon ein tolles Erlebnis. Uns fällt in Litauen immer wieder auf, dass im Umkreis der größeren Städte viele neue Radwege entstehen. Weiter Tipps zu Litauen findest Du hier.

Ein asphaltierter Fahrradweg in einem Kiefernwald
Der Fahrradweg vom Campingplatz Girulaiai nach Klaipeda ist sehr gut ausgebaut

Nach einem Stadion kommen wir an eine Straße und folgen dem Radweg nach Süden. Einzig an einer Tankstelle fehlt ein Hinweis, denn rechts an dieser vorbei geht der Radweg links an der Straße weiter bis zur Brücke über den Danė. Hier müssten wir nun nach rechts zum Hafen, zur Anlegestelle der Benas. Auf Empfehlung der Dame von der Tourist-Info habe ich die Schiffskarten am Vorabend per Internet gebucht, Zwei Personen und zwei Fahrräder. Alles auf Litauisch , aber problemlos zu verstehen, auch ohne Sprachkenntnisse.

Das Schiff fährt erst um halb elf, so haben wir noch Zeit für einen Linksschwenk zum Binnenhafen. Dort liegt ein Segelschiff, ein Dreimastgaffelsegler, vor Anker. Seit unserem Ausflug auf der Atalanta, muss ich mir jedes Segelschiff einfach anschauen. Außerdem sind an dieser Stelle einige Skulpturen verteilt. (Einen Stadtführer über Denkmäler und Skulpturen für Klaipėda haben wir ebenfalls in der Touristinfo in Deutsche Sprache erhalten, den solltest Du Dir unbedingt aushändigen lassen!).

Das Segelschiff ist mit allen Segeln getakelt
Das Segelschiff Meridianas am Fluss Dane in Klaipeda ist heute ein Restaurant- und Museumsschiff
Auf einem hohen Sockel ist ein Ritter
Die Säule mit dem Ritter erinnert an die 1000-Jährige Bezeichnung Litauen
Eine Figur eines Schornsteinfegers in Frack und Zylinder auf einem Schornstein
Der Schornsteinfeger wünscht der Stadt Klaipeda Glück

Radtour per Schiff

Wir radeln zum Hafen, noch sind keine Mitarbeiter des Schiffes da, wir sind immer noch zu früh. So schauen wir uns die Personen- und Fahrradfähre an, mit der wir von Smiltynė am Abend zurückkommen werden. Direkt nebenan steht noch eine hübsche Skulptur.

Eine Figur eines Mädchens das den Kopf zum Kuss hebt
In der Nähe der Personenfähre steht das Mädchen und „küsst“ einen Jungen, der mit seinem Hund am anderen Ufer des Flusses Dane steht

Da mittlerweile die Sonne von einem mit weißen Tuffwölkchen versehenen Himmel scheint, werden wir unseren Ausflug heute, wie vorgesehen, mit den Rädern machen. Als wir zum Schiff Benas kommen, sind bereits die ersten Fahrräder verladen. Wir sind erstaunt, dass die auf dem Dach des, ja ich würde sagen „Alsterdampfers“, verstaut werden (Bernhards österreichischer Originalton lautet „Schinakel“). Auf dem Schiffsdach sind Fahrradträger, so wie beim Autodachträger, montiert. Die Fahrräder werden vom Kai zum Schiff hinübergehoben. Der Mitarbeiter erfragt das Ausstiegsziel und sortiert die Räder von vornherein nach Juodkrantė und Nida.

Fahrräder sind auf dem Dach eines Personenschiffes festgemacht
Die Fahrräder werden auf dem Dach des Schiffes transportiert

Beim Einsteigen fühlen wir uns wie beim Betreten eines Flugzeuges. Die Sitzreihen sind fast genauso angelegt, nur die Gepäckklappen rechts und links des Ganges über den Sitzen fehlen. Wir wählen einen Platz rechts aus. Auf der Fahrt nach Süden liegt die Kurische Nehrung dann in Sichtrichtung und ist zusätzlich auch der Sonne abgewandt, denn die scheint mittlerweile recht warm.

Im Innenraum eines Schiffes sitzen die Menschen jeweils in Dreierreihen neben dem Gang
Im Schiff sieht es ähnlich aus, wie in einem Flieger

Automatisch will ich mich anschnallen, wie vom Flugzeug gewohnt. Allerdings fehlen die Gurte.

Die Bestuhlung des Schiffs sind ehemalige Flugzeugsitze, mit der Aufschrift
Die Bestuhlung des Schiffs sind ehemalige Flugzeugsitze, mit originaler Aufschrift

Das Schiff legt fast vollbesetzt ab und wir fahren aus dem Hafen. Auch diese Tour kannst du mit Komoot nacherleben.

Die Höhenmeter bei der Schiffsfahrt sind wohl dem Wellengang zu verdanken???

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Links am Außenkai liegt noch ein Dreimaster mit deutscher Flagge, auf den ich durchs Fenster ein Foto schießen kann. Ob man mit der Rostock ebenso wie mit der Atalanta als Gast mitfahren kann?

Ein Dreimast-Segelschiff durch ein Schiffsfenster fotografiert
Der Dreimaster Rostock ist in Klaipeda zu Besuch

Die Dame in der Touristinfo wusste nichts von einem Wohnmobilstellplatz im Yachthafen von Smiltynė. Die Campingplätze auf der Nehrung wären auch teuer und im Moment zu voll, daher hat sie uns den Campingplatz in Giruliai empfohlen. Dass wir doch mit dem Wohnmobil hätten übersetzen können, sehen wir beim Vorbeifahren, denn am Yachthafen stehen nur zwei Mobile.

Wohnmobile stehen bei einem Yachthafen
Der Wohnmobilstellplatz auf der Kurischen Nehrung beim Yachthafen von Smiltyne

Trotzdem das Schiff so flach, aber recht breit ist, fährt es ruhig dahin. Wir hatten mehr Schaukelei erwartet. Gerade heute, denn es ist wieder sehr windig. Nach knapp einer Stunde erreichen wir Juodkrantė. Ich erkenne am Kai einige Sandskulpturen, aber keine Einzelheiten. Einige Fahrgäste steigen aus um sich die Füße zu vertreten und brauchen mehr als eine Aufforderung, um wieder einzusteigen. So starten wir verspätet in Richtung Nida.

Vom Schiff ist der Ort Juodkrante zu sehen
Vom Schiffsfenster aus sehen wir den Ort Juodkrante, den wir später auf dem Fahrrad nicht passieren

Wir fahren an einige hohen Sanddünen vorbei, eine davon muss die „Tote Düne“ sein. Die Wanderdünen der Halbinsel haben den Bewohnern in den letzten Jahrhunderten sehr oft zu schaffen gemacht. Aber davon später mehr.

Nachdem wir noch ein vorstehendes Horn weiträumig umfahren haben, kommen die südlichsten litauischen Orte der Kurischen Nehrung in Sicht. Südlich der weißen Dünen von Nida beginnt Russland. Der nach wie vor von den Russen besetzte Teil mit Kaliningrad, früher Königsberg. Die Grenze ist schwer bewacht, zu Land, zu Wasser und in der Luft. Wer als Segler, Kitesurfer, Schwimmer oder sonst wie im Wasser die Grenze unbewusst passiert, wird sofort verhaftet. Und hat mit einer mindestens halbjährigen Gefängnisstrafe zu rechnen. Dieser Gefahr werden wir uns nicht aussetzen.

Mehrere Ortschaften und links weiße Dünen vom Schiff aus
Die weißen Dünen von Nida, rechts davon Nida, Preila und Pervalka, die südlichen litauischen Orte auf der Kurischen Nehrung

Aufzeichnung der Radtour auf Komoot

Die Radtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

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Oder Du folgst mir und dieser Radtour auf meinem Komoot-Account.

Es ist bereits kurz vor ein Uhr, als wir in Nida anlegen. Unsere Radtour ab Nida ist mindestens 55 km lang, so wollen wir gleich nach Norden aufbrechen und uns die Dünen südlich von Nida nicht anschauen. Direkt am Hafen ist auch eine Touristinfo, die nach der Mittagspause um 13 Uhr wieder öffnet. Wir bekommen viele Informationen über die kurische Nehrung auf Deutsch. Leider haben wir nur einen Nachmittag Zeit. Ich kann nur jedem empfehlen, mit dem Wohnmobil auf die Nehrung zu fahren und sich mehr als einen Tag Zeit zu nehmen. Obwohl die Fahrt mit dem Schiff Benas auch schön war. Wir haben später auch viele Parkplätze am Strand, hinter den Dünen entdeckt, die für Übernachtung mit dem Wohnmobil nicht gesperrt sind.

Ein Holzgebäude mit offenen Türen
Direkt beim Hafen von Nida ist die Tourist-Info für die Kurische Nehrung, mit Infobroschüren auch auf Deutsch

Direkt bei der Tourist-Info wird Räucherfisch verkauft, sogar Räucher-Flundern. Nida ist eine sehr interessante Ortschaft, die aus vier Einzeldörfern zusammengewachsen ist. Die Familie von Thomas Mann besaß hier in den 1930er Jahren ein Sommerhaus. Heute ist das Gebäude ein Museum und ein Kulturzentrum, in dem in nicht Corona Zeiten, über den Sommer Lesungen stattfinden. Wir können uns leider keine Zeit nehmen, das Örtchen zu erkunden und wollen erst in einem der nächsten Ortschaften zu Mittag einkehren.

An einem Gestell hängen Räucherfische zum Verkauf
Direkt neben der Touristinfo werden Räucherfische verkauft

Kurisches Haff

Der Weg aus Nida führt immer direkt am Kurischen Haff entlang. So wird die Ostsee zwischen der Kurischen Halbinsel und dem Festland genannt. Das Volk der Kuren hatte bereits vor der ersten Jahrtausendwende das ganze Gebiet, bis hinauf ins heutige Lettland besiedelt. Im 13. Jahrhundert nahm der Deutsche Ritterorden weite Gebiete in Besitz, baute Burgen und erhob Steuern, von der weiterhin überwiegend kurischen Bevölkerung. Die kurische Nehrung wurde ausschließlich an der Haffseite besiedelt, denn die Ostsee war viel zu stürmisch und zu rau. Die Bevölkerung lebte hauptsächlich vom Fischfang. Heute sind noch einige der historischen Bauten vorhanden, es überwiegt jedoch Ferienhausbebauung.

Ein Holzhaus in Nida, Rot gestrichen mit blauen Absetzungen und weißen Fensterrahmen, davor Stockrosen
So ein Holzhaus mit Stockrosen davor, beides geheime Träume von mir – ich würde gerne in dieses einziehen

Wir radeln auf dem gut ausgebauten Fahrradweg hinunter zum Wasser und entdecken am Ende des Örtchens eine Bucht, in der unglaublich viele Windfahnen stehen. Seit 1844 musste jedes Fischerboot eine Kennzeichnung haben, die der Administration die Fischereikontrolle im Haff erleichterte. Zuerst waren die Tafeln aus Blech, schwarz-weiß lackiert und mussten an der Mastspitze befestigt sein. Später jedoch haben die Fischer selbst diese Windfahnen „erfunden“, die am Ende des Bootes aufgestellt waren. Die Tafeln waren kunstvoll geschnitzt und symbolisierten das Wohnumfeld der Fischer oder Himmelskörper oder Werkzeuge. Außerdem konnte man erkennen, aus welchem Dorf der Fischer stammt.

Viele verschieden Wetterfahnen stehen auf hohen Posten
Jeder Fischer und jede Gemeinde hat eigene Wetterfahnen. Die Unterschiede sind in den Schnitzereien und Farben für Eingeweihte zu erkennen
Eine geschnitzte Wetterfahne
Hier ein Detailbeispiel für eine Wetterfahne

Nun folgt noch ein Tretbootverleih, und ein Café mit einem besonderen Kunstwerk an einer Hauswand, bevor wir in den Wald eintauchen.

Ein Tretboot im Design eines Oldtimer-Autos fährt auf dem Meer
Im Norden Nidas kann man diese Treetboote ausleihen – ebenso in Klaipeda auf dem Fluss Dane
Ein Kunstwerk aus Schilfstücken zeigt ein Gesicht
Das Gesicht ist aus Schilfstücken gearbeitet

Wir fühlen uns gleich wie in einem Urwald, denn an dieser Stelle ist der Wald sehr grün, feucht und verschlungen. Sogar einen kleinen Teich entdecke ich rechts.

In einem Wald ist ein Teich mit Entengrütze darauf
Kaum sind wir im Wald nach Nida, ist ein Entengrützenteich auf der rechten Seite

Auf dem Radweg sind viele Menschen unterwegs, Familien mit Kindern, schwer bepackte Radreisende und geführte Radtouren. Die höchsten Dünen, die heute bewachsen sind, befinden sich nordwestlich von Nida. Die erste menschgemachte Katastrophe suchte die Menschen nach dem siebenjährigen Krieg heim, der im 16. Jahrhundert stattfand. Die dichten Fichten und Lindenwälder wurden, um Schiffe herzustellen, abgeholzt. Aufgrund der Windverhältnisse an der Ostsee fingen die Dünen an zu wandern. Schnell waren einige Ortschaften unter dem Sand begraben. Die Bewohner bauten neue Ortschaften, die aber bereits nach einigen Jahrzehnten wieder vom Sand bedroht wurden. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts fingen einige Bewohner mit der Anpflanzung von Bäume an. Die Kiefernsetzlinge wurden aus Dänemark importiert, später dann selbst vermehrt.

Ein sandiger Weg führt durch Wald hinauf zu einer Düne
Immer wieder gehen auch Wege zur Ostsee hin ab, mit Bergen und Dünen

Im ersten Örtchen, in Preila, lädt uns ein bestuhlter Garten und ein Holzschild zur Einkehr ein. Wir bekommen einen Patz direkt am Wasser und genießen die Sonne und das Essen.  

Der Garten der Gaststätte Kuršmariᶙ Vila
Der Garten der Gaststätte ist schön angelegt, wir finden einen Platz mit Blick zum Kurischen Haff
Eine geschnitzte Frau mit Lampe begrüßt die Gäste in der Gastwirtschaft Kuršmariᶙ Vila
Die geschnitzte Figur begrüßt die Gäste in der Vila Kuršmariᶙ

Gestärkt radeln wir weiter. Kurz danach lachen wir wieder über uns selbst, denn das Fernglas liegt mal wieder im Wohnmobil, obwohl wir es während der Tour gut gebrauchen könnten.

Ein Holzturm für die Vogelbeobachtung
Zwischen Preila und Pervalka steht direkt am Radweg dieser Vogelbeobachtungsturm

Wir fahren weiter in den Ort Pervilka, der heute überwiegend eine Feriensiedlung ist. Das ist der zuletzt gegründete Ort auf der Nehrung. Er entstand, als der Ort „Neu-Nagliai“, der bereits Nachfolgeort von Nagliai war, vom Sand überweht wurde. Die Bewohner ließen sich 1843 an dieser Stelle am Haff nieder. Eine Erklärung für den Ortsnamen ist das litauische Wort für Hinüberschleppen „pervilkti“, denn die Bewohner bauten die Häuser im alten Dorf ab und schleppten die zerlegten Gebäudeteile zur neuen Siedlungsstelle. Wir folgen dem Radweg zurück bis zur Kreuzung und biegen nach rechts ab, vom Haff weg durch den Wald in Richtung Ostsee. An einer Stelle geht es geradeaus zum Ostseestrand, wir biegen wieder rechts ab, nach Norden.

Radwegbeschilderung und Erklärungstafel im Wald
Die Beschilderung des Radweges und Erklärungen zu den umliegenden Hügeln, wir biegen hier rechts ab

Tote Düne

Wenig später nähern wir uns der Straße und kommen am Parkplatz der „Toten Düne“ aus dem Wald. Wir schließen unsere Fahrräder an. Jetzt verstehen wir die vielen Radfahrer auf der Strecke, Sie sind wegen der Düne hierher unterwegs.

An Holzstangen werden Fahrräder geparkt
Der Fahrradparkplatz am Eingang zur „Toten Düne“

Der Eintritt in den Naturpark kostet 5 € pro Person. Nach einem kurzen Schotterweg folgt ein Bohlenpfad über den mit Pflanzen durchsetzten Sand. Ein Rastplatz mit Bänken und einigen Erklärungstafeln zum Aufbau der Düne unterbrechen den Pfad.

Auf einer Tafel wird der Aufbau der „Toten Düne“ erklärt
Der Aufbau der Düne wird schematisch erklärt

Die Düne hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte stark verändert und etwa 14 Dörfer unter sich begraben. Ob sie daher „Tote Düne“ heißt? Mit modernen Messungen wurde herausgefunden, dass die Küstenlinie des Haffs vor ca. 3.500 Jahren westlich der Düne verlief, also schon immer einer ständigen Veränderung unterworfen war. Die starken Ostwinde tragen den Sand immer weiter Richtung Westen, heute noch mit ca. einem halben bis 15 m im Jahr. Die Landschaft ist ungeheuer empfindlich. Die Bohlenwege und später der Pfad durch den Sand, hinauf auf die Düne, ist mit Schildern abgesperrt.

Am Weg zur Toten Düne sind Verbotsschilder aufgestellt, damit die Menschen nicht vom Weg abgehen
Der Weg zur Toten Düne ist klar eingezäunt. Verbotsschilder sollen die Menschen davon abhalten, die restliche Düne zu betreten

Teilweise wird versucht, den Sand von der Abwanderung zurück zu halten, denn die Düne hat in den letzten 12 Jahren etwa 5,5 bis 8 m an Höhe verloren und sich deutlich Richtung Haff verschoben.

Mit Ästen sind Windschutze aufgestellt, dass der Sand darin haften bleibt
Die Äste dienen wohl dazu, den Sand dort zurückzuhalten

Viele Pflanzen siedeln an und auf der Düne. Diese tragen ebenfalls dazu bei, dass sich die Düne hoffentlich verfestigt. Manche Pflanzen sind nur Vorpioniere. Wenn sie den Sand etwas verfestigt haben, werden sie von längersiedelnden Pionierpflanzen verdrängt.

Strandhafer steht gegen den blauen Himmel
Golden leuchtender Strandhafer vor blauem Himmel

Als wir schon recht hoch auf der Düne sind, kommen wir uns vor wie in Namibia. Dorthin wollen wir auch noch reisen. Wir kennen es bisher nur von Bildern von Freunden. Einer von Bernhards südafrikanischen Freunden war in unserem letzten Winter für acht Wochen dort unterwegs und hatte uns auch Wüstenbilder geschickt.

Die Bloggerin und ihr Mann stehen im Sand der Toten Düne, im Hintergrund die Ostsee
Wir haben das Foto an südafrikanische Freunde geschickt und behauptet, wir wären in Namibia… Im Hintergrund die Ostsee

Er ist ganz überrascht per WhatsApp von unserem „Namibia-Aufenthalt“ zu erfahren – wird aber über die Lage der Düne „at Baltic Sea in Lithuania“ schnell aufgeklärt. Nach dem Ausflug auf die Düne radeln wir endgültig auf die Ostseeseite der Nehrung. Der Fahrradweg hat sich ab der „Toten Düne“ merklich verändert. Er ist nach wie vor asphaltiert, aber mit vielen Schlaglöchern versehen und teils geht er ausgefranst in den Wald über. Wir haben aber Glück, dass der Wind den ganzen Tag bereits aus Südwesten kommt, wir also quasi Rückenwind haben. Im Wald spüren wir den Wind nicht so sehr, aber als wir in Höhe von Juodkrantė direkt an die Ostsee kommen. Kurz darauf erreichen wir die erste Treppe, die über die Dünen zur Ostsee führt.

Kurisches Haff Ostsee

Über die Ostseedüne hinweg ist eine stabile Holztreppe gebaut
An der Ostsee gibt es immer wieder Übergänge über die Dünen

Wir entscheiden uns gegen ein Bad in der Ostsee, denn sie ist wieder ziemlich aufgewühlt. Auch fehlt uns dafür die Zeit, was ich sehr schade finde. An diesem Übergang sind alte Kiefernäste gegen den Sand an der Düne unten gestapelt. Gegen den Sturm?

Kiefernäste sind am Strand aufgestapelt, damit der Wind den Sand nicht wegträgt
Die Düne ist am Fuß mit alten Kiefernästen gegen den Sturm geschützt

Auf manchen Dünenkämmen wachsen diese wunderschönen Strandrosen. Manche in Weiß, andere in Pink.

Eine weiße Rose in der Düne am Ostseestrand
Eine weiße Rose in der Düne am Ostseestrand

Nun biegen wir wieder ab in den Wald, durch den sich der Radweg bergauf und bergab und in Kurven schlängelt. Manchmal über Lichtungen, dann wieder durch dichten Wald. Die rechts liegenden Dünen steigen bis auf über 40 m an, wir erhaschen manchmal einen Blick hinauf. Nach 12 km bergaufbergabkurverei möchten wir eine Pause machen. Wir hoffen auf ein Café auf der Strecke, finden aber nur eine „Snackbude“ unterhalb eines Dünenübergangs.

Eine Snackbude mit roten Plastikstühlen und -tischen
Hier konnten wir einen sehr heißen und leckeren Kaffee und ein Eis genießen

An dieser Stelle geht ein toller Holzverbau über die Düne.

Eine Holztreppe führt hinab zum Strand
Die Holztreppen schützen die Düne und deren Bewuchs

Nun häufen sich die Übergänge an den Ostseestrand, wir merken, dass wir uns Smiltynė nähern. Hier kommen die Klaipeder mit der Fähre schnell auf die Nehrung und zu den Stränden. Ein Schild finde ich sehr beeindruckend.

Ein Schild weißt darauf hin, das links ein Geschlechtsgemischter Strand ist und rechts nur ein Frauenstrand
Sogar mehrere Frauenstrände gibt es an der Ostsee der Kurischen Nehrung

Wir biegen vom Ostseestrand ab nach Osten, wieder durch schönen, dichten Kiefernwald.

Der Boden des Kiefernwalds der kurischen Nehrung ist viel mit Weißmoos bedeckt
Weißmoos bedeckt den Wald an vielen Stellen

In Smiltynė halten wir uns an der Fähre links, denn ich möchte noch bis zur Spitze der Nehrung fahren. Der Radweg ist bis zum Delphinarium okay, danach wird es ein übler Sandpflasterpfad.

Das Gebäude des Delphinariums
Kurz vor der Spitze der Kurischen Nehrung ist ein Delphinarium, das sogar Delphintherapie anbietet

An der Spitze bläst ein ordentlicher Wind, die Füße fühlen sich sehr schnell gesandstrahlt an. Mein Fahrrad wird umgeblasen und die Lenkertasche ist nach wenigen Minuten halb mit Sand gefüllt. Ich staune immer wieder, welche Kraft der Wind hat, aber auch, wie fein der Sand hier an der Ostsee ist.

Die Spitze der Kurischen Nehrung wird mit Betonklötzen geschützt
Die Spitze der Kurischen Nehrung wird mit Betonklötzen geschützt. Rechts das Kurische Haff, links die Ostsee

Gemütlich radeln wir zurück zum Fähranleger, jetzt haben wir Zeit, denn erst um 19.30 Uhr wollen wir die Fähre nehmen. Ein Gebäude auf der Klaipėda-Seite finde ich sehr faszinierend. Erst recht, als wir es wenig später aus einer anderen Perspektive sehen.

Ein Gebäude in Klaipeda sieht aus, als hätte man es auseinander gerissen
Aus dieser Perspektive sieht das Gebäude aus, als wäre es nur ein wenig auseinander gerutscht
Zwei Gebäude in Klaipeda stehen hinter den Hafenkränen
Diese Perspektive zeigt, dass die Gebäude weit auseinander stehen

Wir machen noch einen kurzen Schlenker durch die Stadt, nehmen einen Absacker, bevor wir uns auf den Heimweg zum Campingplatz machen.

Eine doppelte Gaube auf einem Gebäude im Künstlerhof, das obere Fenster ist rund, ebenso der geteilte Fensterladen
Die witzige Gaube ist im Künstlerhof zu bestaunen

Der Tag war anstrengend und wunderschön. KEIN Regen, trotz der Wettervorhersage, sondern einfach nur Sonne, einige Wolken und Wind. Mehr Zeit zum Entdecken hätte ich mir gewünscht, aber bei der kombinierten Schiffs-Fahrradtour, mit Übernachtung in Giruliai haben wir das Beste aus der uns zur Verfügung stehenden Zeit gemacht.

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