Liepāja in Lettland

Liepāja in Lettland

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Die Stadt Liepāja liegt im Südwesten Lettlands. Sie ist die Stadt der Linden, des Meeres und der Winde. Die Stadt des Bernsteins und die lettische Hauptstadt der Musik. Eine alte Kurstadt mit vielen neuen Parkanlagen, um Bewohnern und Besuchern ein lebenswertes Umfeld zu schaffen.

Liepāja am Sonntagnachmittag

Wir kommen am Sonntag Nachmittag in Liepāja an. Wir haben einen sonnigen Tag am leeren Strand irgendwo zwischen Pape und Liepāja verbracht. Als sich am frühen Nachmittag der Strand mit Einheimischen füllte, sind wir aufgebrochen. Wir nehmen auf dem auf dem Stadtplan verzeichneten Wohnmobilstellplatz Quartier. Der ist absolut nicht empfehlenswert. Er liegt zwar in Strandnähe, aber für 15 € Übernachtungspreis für zwei Personen und Wohnmobil erwarte ich mehr. Das weiche Sandwiesengelände fordert ein schwereres Fahrzeug sehr heraus. Die Aussicht auf eine Bauruine ist sehr unschön. Die eine Dusche hat sehr brackiges Wasser, das stinkend aus der Leitung kommt und es steht nur eine Toilette zur Verfügung. Wir benötigen weder Dusche noch WC, aber wir sollen für diese Dinge zahlen, auch wenn sie nicht nutzbar sind, das finde ich nicht in Ordnung.

Neben einer Bauruine ist eine ebene Fläche mit Wohnmobilen
Der Ausblick am Stellplatz ist nicht berauschend, einige Türen im Flachbau links, führen einmal zur Dusche und einmal zur Toilette, die anderen Türen sind abgeschlossen

Zu Fuß spazieren wir zuerst an den Strand. Liepāja ist berühmt für seinen feinen weißen Sandstrand, der sich kilometerweit hinzieht. Die Russen haben den Sand aus Liepāja in einer Sanduhrenfabrik ohne weitere Behandlung benutzt, so fein ist er. Aber heute ist das anders. Durch die Stürme der letzten Tage sind abgestorbene Algen an den Strand gespült worden. Bagger stehen herum, die wohl am Samstag angefangen haben, die stinkenden braunen Haufen zu beseitigen. Wir passieren Fahrradständer am Eingang zum Strand, die wir in der gesamten Stadt immer wieder treffen.

Die Fahrradständer in Liepāja sind wie Hochräder gestaltet
Eine witzige Idee für Fahrradständer. In Liepāja sind alle Fahrradständer so gestaltet

Wir spazieren nur ein wenig den Strand in südliche Richtung und biegen dann zum Denkmal für die verunglückten Seefahrer und Fischer ab.

Auf einem weißen Sockel steht eine weibliche Granitfigur, die aufs Meer hinausschaut
Die weibliche Figur schaut auf das Meer hinaus. Das Denkmal für verunglückte Seefahrer und Fischer steht im nördlichen Teil des Parks, am Übergang zum Strand

Nun sind wir bereits in einem Teil des Parks, der die Stadt südlich des Tirdniecības kanāls von der Ostsee trennt. Der Kanal ist der Abfluss des Liepāja Sees, den wir morgen besuchen wollen. Die Parkanlage zieht sich 3 km nach Süden und ist unterschiedlichen Themen gewidmet. Wir gehen nach Osten, Richtung Stadt. Gemächlich, die wunderschönen Rabatten betrachtend spazieren wir weiter bis zu den ersten Häusern..

Der Parkweg ist schön angelegt. Links und rechts Kieswege, in der Mitte Blumenrabatten
Der Park zieht sich über 3 km am Strand entlang und ist sehr ansprechend angelegt und äußerst gepflegt

Wir spazieren das Kūrmājas Prospekt hinunter. Auf der rechten Straßenseite treffen wir auf einige Bronzeskulpturen, die die Stadthymne von Liepāja verdeutlichen sollen. Das Grundmotiv der Hymne handelt von der Stadt, in der der Wind geboren wird. Die Liedzeilen sind auf den folgenden Skulpturen immer in irgendeiner Form mit abgebildet.

Eine Bronzeskulptur klettert auf einen Strommast
Die Skulptur klettert scheinbar auf einen Strommast
Im Schatten von Bäumen steht eine Skulptur – ein Wirtshaustisch mit Bierhumpen und einem Vesperbrett darauf
Die Skulptur steht für einen solch sonnigen Spätnachmittag im kühlen Baumschatten
Ein stilisierter Baum mit Vogelnest und in den Ästen eine Liedzeile
Selbst in der stilisierten Linde haben sich die Zeilen der Stadthymne verfangen
Eine bronzene Skulptur, eine Bank, mit Buchstaben in der Rückenlehne, rechts ein aufgeschlagenes Buch in der Mitte ein Mann mit einer Axt
Auch diese Bank mit dem Zimmermann oder Holzfäller hat wohl eine Bedeutung in der Stadtgeschichte

Wir biegen nach rechts ab und gehen die Graudu iela entlang Richtung Tourist-Info. Liepāja war eine aufstrebende Industriestadt, nachdem 1876 eine Bahnlinie von der Stadt bis in die heutige Ukraine, nach Romny eröffnet wurde. Ende des 19. Jahrhunderts war Liepāja ein Zentrum des Jugendstilbaus in Lettland. Heute noch gibt es über 70 Jugendstielhäuser, Steinhäuser sowie reich geschnitzte und verzierte Holzhäuser. Leider manche in einem sehr schlechten Zustand, da in der Sowjetzeit, die in Liepāja nur die Militärstadt sah, keinen Wert auf die Erhaltung dieser Bauwerke gelegt wurde.

In einem Pfeiler eines Hauses ist ein Rabe gemeißelt
Ein Detail eines Jugendstilhauses, das auch schon bessere, renoviertere Zeiten gesehen hat

Die Stadt ist wie ausgestorben, nur wenige Leute begegnen uns am späten Sonntagnachmittag. Kein Wunder, denke ich, sie sind ja nun alle am Strand und in der Umgebung in der Natur unterwegs. Zu recht, an diesem endlich mal warmen, freundlichen Sommertag. Ein Haus, dass bereits viele Jahrhunderte auf dem Buckel hat, steht in einem Nebensträßchen. Ich bin völlig von der Holzblockbauweise angetan.

Ein langgestrecktes Holzblockhaus mit roten Ziegeln gedeckt
In der Nähe der Tourist-Info steht dieses wunderschöne Holzblockhaus

Nachdem wir nun wissen, ab wann wir uns am Montagmorgen mit Informationsmaterial über die Weiterreise eindecken können, wenden wir uns zur Promenade am Hafen. Dem weiteren Namen der Stadt, den als Bernsteinmetropole, begegnen wir in der Konzerthalle. Wie ein großer runder Bernstein liegt sie in der Nähe des Hafens. Leider ist sie nur von Gruppen zu besichtigen und ein Konzert findet leider auch nicht statt.

Die Konzerthalle ich Rund geformt und mit Bernsteinfarbenen Glasplatten verkleidet
Die Konzerthalle in Liepāja wird „Großer Bernstein“ genannt – zu recht!

Gleich nebenan steht ein Geschenk der Bürger an die Stadt Liepāja. 50 Liter Bernstein wurden von sammelfreudigen Bürgern gespendet, um eine Bernsteinuhr zu gestalten.

In einem Glasbehälter ist eine wie eine Sanduhr geformte Bernsteinuhr
Die Bernsteinuhr rieselt leider nicht wie eine Sanduhr

Wir wollen nun noch gerne irgendwo zum Abendessen einkehren und spazieren die Promenade entlang. Im Stadtplan, den wir bereits in der Touristinfo in Rucava, im Süden Lettlands, nach der Einreise, mitgenommen haben, sind die Lokale mit violetten Zahlen eingezeichnet. Leider sind zwei davon an der Promenade nicht mehr existent. Wir biegen ab in die Friča Brīvzemnieka iela. Dort ist gleich links ein altes Holzgebäude, das uns mit Karibikmusik in den Innenraum lockt. Wir gehen durch das Gebäude durch, in den Garten oder Hinterhof, den verschiedene Speiseanbieter nutzen. Hier essen wir in einem interessanten Ambiente zu Abend, bevor wir zurück zu unserem Wohnmobil gehen.

In einem Innenhof stehen unterschiedliche Bestuhlungen, im Vordergrund bunt gestrichene Sitzmöbel
Die bunten Stühle im Vordergrund gehören zu einer anderen Gastronomie, als die Hängematten
In eine Truhe, die an der Vorderseite geöffnet wurde, ist eine Truhe eingebaut
Ein Truhensofa – eine geniale Idee

Fahrradtour durch Liepāja

Wir machen unser Wohnmobil abreisefertig, können es aber bis zum Mittag noch stehen lassen. Wir wollen die Stadt noch mit dem Rad erkunden und auch zum Liepāja See fahren. Außerdem wollen wir, bevor wir weiterfahren, auf dem Markt einkaufen. So wird die Tour ein wenig von Hin- und Her geprägt.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Fahrt durch den Stadtpark zum See

Vom Stellplatz aus erreichen wir bald den Fahrradweg, der durch den Stadtpakr führt und mal auf andere Weise markiert ist.

Die Markierung für den Fahrradweg ist aus Metall und alle 50 m in den Weg eingelassen
Die Fahrradwegmarkierung ist nicht aufgemalt, sondern aus Metall

Der Park ist weitläufig, führt an Sportstätten vorbei und immer wieder gibt es Bohlenwege nach rechts, die über die Dünen an den Strand führen. Die Rastbänke sind wohl bei einem Designwettbewerb entstanden, nachfolgend zwei Beispiele.

ABU Eine interessant gestaltete Rastbank, An den äußeren Enden sehr breit und in der Mitte sehr schmal, steht an einem Fahrradweg
Bernhard probiert die Bequemlichkeit der interessant geformten Rastbank aus
Eine Bank, die von Holzstücken wie ein Kreis umfangen wird
Liegen oder Sitzen, das ist hier die Frage

Irgendwann biegen wir nach links ab, denn nun müssen wir einfach nur nach Osten, um zum See zu kommen. Wir fahren durch beschauliche Wohngebiete, mit vielen Einfamilienhäusern in Holzbauweise. An den See müssen wir uns durch einige Hochhausbauten vorbeischlängeln und sehen dann den Beobachtungsturm aus dem See ragen. Am Beginn des Bohlenweg schließen wir die Räder an den witzigen Fahrradständern an.

Ein Bohlenweg führt in ein Sumpfgelände. Die Fahrräder müssen vor dem Weg abgestellt werden, da ein Verbotsschild darauf hinweist
Wir parken die Räder, denn den Weg zum Turm müssen wir zu Fuß gehen
Eine Infotafel erklärt die Nutzungsmöglichkeiten des Sees
Auf der Karte sehen wir, dass wir zum stadtnahsten Aussichtsturm geradelt sind
Über einige Grünpflanzen hinweg ist der See mit Inseln zu sehen
Der Blick geht weit über den Liepāja See, der auch einige Inselchen hat
Über ein grünes sumpfiges Wiesenstück geht der Blick zu einer Hochhaussiedlung
Die Hochhaussiedlung liegt direkt am Liepājas Ezers, am Liepāja-See

Mit einigen Schlenkern fahren wir zurück in die Stadt und versuchen, uns nach Nordwesten zu halten. Dabei passieren wir ein Gebäude mit einem Graffiti.

Auf einer Hauswand ist das Bildnis eines Dirigenten aufgesprayt. Der Kopf ist allerdings eine Trompete
Ein hochinteressantes Graffiti – in Liepāja werden die lettischen Musiker nicht nur durch Graffiti, sondern auch durch eine Ruhmesallee verehrt

Mit weiteren Orientierungsschlenkern radeln wir zur Tourist-Information. Dort erfahren wir, dass alle interessanten Gebäude am heutigen Montag geschlossen sind. Auch die Dreifaltigkeitskathedrale mit der größten Orgel der Welt. Wie schade! Denn die Kirche hat noch mehr Besonderheiten zu bieten, wie Bleiglasfenster, die nach Zeichnungen von Albrecht-Dürer gestaltet wurden und sie verfügt über den größten Altar in Lettland.

In einem dreistöckigen neueren Gebäude befindet sich die Tourist-Info, rechts davon ein Backsteingebäude
Im neueren Flachdachgebäude ist im Erdgeschoss die Tourist-Info, im wunderschönen Backsteingebäude daneben ein Hotel

In der Nähe der Tourist-Info ist der Rosenplatz, der auch Treffpunkt für die täglich stattfindenden Stadtführungen ist. In Liepāja hat sich in den letzten hundert Jahren immer wieder die Geschichte gewendet. Beständig ist aber den Liepājaern der Rosenplatz geblieben.

Ein rotgepflasterter Weg führt zu einem Rondell mit Rosen
Über alle Epochen war der Rosenplatz immer der Rosenplatz und ein Treffpunkt der Bewohner

Gleich gegenüber ist die Universität, vor deren Hauptgebäude ein beeindruckendes Blumenarangement steht. Überhaupt ist die Stadt an allen Stellen mit vielen Blumen geschmückt.

Ein Metallgestell in Form eines Schmetterlings ist mit Blumen bepflanzt
Dieser Blumenschmetterling steht vor der Universität in Liepāja

Abschließend wollen wir noch im Markt einkaufen. Liepāja hat eine der schönsten Markthallen Europas, steht im Prospekt der Stadt. Im Jahr 1910 wurde das Jugendstilgebäude eröffnet. Der Architekt Ludwig William Meville musste diese Markthalle zwischen drei Kirchen bauen und hatte somit keine leichte Aufgabe. Das Dach wurde – damals eine sehr innovative Idee – in einem nach innen versetzten Teil angehoben. Hohe Fenster, die Licht in das Innere lassen, wurden in das höhere Dach des Gebäudes eingefügt.  

Marktstände vor einer Markthalle
Über die Marktstände hinweg ist das Gebäude der Peter-Markthalle zu erkennen
Auf einem Markttisch liegen Früchte aufgehäuft
Früchte über Früchte – da können wir nicht vorbei gehen
Das Gebäude der Peter-Markthalle mit dem Westeingang
Die Peter-Markthalle im Abendlicht am Sonntagabend. 1910 wurde sie eröffnet
Der Innenraum der Markthalle ist aus Stahlträgern und Holz. Im Dach gibt es große Oberlichter
Innenansicht der Peter-Markthalle

Ich finde das Gebäude zwar auch schön, in seiner klaren Gliederung und mit seinen Kuppelchen über den Eingängen. Allerdings kommt diese Markthalle auf meiner europäischen Markthallenskala nicht unter die ersten 10.

Wir radeln zurück zum Wohnmobil und machen uns auf den Weg ins Landesinnere. Die nächsten Stationen sind Aizpute und Kuldiga.

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