Ein besonderer Klettersteig

Ein besonderer Klettersteig

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Als meine Tochter Karen in Mantua in Italien im Erasmus-Programm studierte, hatten wir uns Ende April, Anfang Mai am Gardasee zu ein paar Klettersteigtagen verabredet.

An einem frühen Morgen folgten wir dem Wanderweg aus Riva del Garda zur Ruine der Bastione. Auf einem schmalen Bergpfad stiegen wir bis zur Kapelle Santa Barbara, wo wir kurz innehielten.

Durch ein vergittertes Fenster ist eine Statue der Heiligen Barbara. Die Statur steht in der kleinen Kapelle Santa Barbara, die auf einem Wanderweg oberhalb von Riva del Garda liegt. Vor dem Fenster sind Blumen in Schalen gepflanzt und ein kleiner Blumenstrauß abgelegt. Ein Buch, in dem Gäste ihre Wünsche an die heilige Barbara eintragen können, liegt dabei

Kleine Kapelle für die Heilige Barbara mit Blumen und „Gute Wünsche“ Buch

Nach weiteren Serpentinen erreichten wir das Refugio, hinter dem der Einstieg zum Klettersteig Via dell‘ Amicizia ist. Bis dahin waren wir allein unterwegs und nicht mal Wanderern begegnet.

 

In noch bewachsenen Fels kletterten wir über einige Steilstufen an der Seilversicherung hinauf. Und dann begann das Abenteuer. Ewig lange Leitern führen auf die immer nächste Geländestufe, auf der ein Quergang zur nächsten Leiter leitet.

Eine Bergsteigerin steigt eine steil im Fels angebrachte Leiter hinauf. Sie sichert sich mit zwei Karabinern, von denen einer in der Leitersprosse, der andere an einem Drahtseil, das neben der Leiter angebracht ist, eingehängt ist. Unter ihr ist ein weiterer Bergsteiger zu sehen, Felsen und Bäume
Leitern sind Hauptbestandteil des Klettersteigs Dell‘ Amicizia

Schnell waren wir aus der Vegetation draußen und genossen die Aussicht auf Riva del Garda, Torbole, Nago, Malcesine und den Lago di Garda.

Die Bergsteigerin klettert auf griffigem Fels mit guten Trittplätzen für die Füße. Im Fels ist ein Stahlseil angebracht, in dem sich die Bergsteigerin mit zwei Karabinern selbst sichert. Sie ist aus Felsen, die mit Bäumen bestanden sind, herausgeklettert, unter ihr ist der Gardasee zu sehen.
Ausstieg aus dem Fels zum nächsten Band

An jedem Leitereinstieg steht ein Hinweis, dass sich maximal drei Klettersteiggeher auf der Leiter aufhalten dürfen.

An der Leiter im Klettersteig ist ein Schild angebracht, auf dem in italienischer Sprache steht, dass sich maximal drei Personen gleichzeitig auf einer Leiter aufhalten dürfen. Oberhalb des Schildes ist ein Bergsteigerin, die zum Fotografen schaut. Darüber ist Fels und blauer Himmel.
Nur drei Personen dürfen gleichzeitig auf der Leiter sein

An einer Stelle war plötzlich eine Frau über uns zu sehen, die sehr langsam die Leiter hinaufging. Einen Klettersteigkarabiner führte sie am links der Leiter gespannten Drahtseil mit, den anderen Karabiner klinkte sie mit umständlichen Bewegungen an jeder Sprosse ein.

Karen stieg ein, als die Frau etwas über der Mitte der Leiter war. Als sie wiederum die Mitte erreicht hatte, ging ich los.

Auf unserem Alpenvereinsgelände in Weinheim an der Bergstraße haben wir im Klettersteig auch Leitern. So sind wir Leitern im Klettersteig gewöhnt und ich war damals sehr schnell auf Leitern. So kam ich mit Karen fast zeitgleich am Ausstieg an, wo die Frau, die erst kurz vor uns von der Leiter geklettert war, uns argwöhnisch beäugte.

„War das sicher, was Sie da gemacht haben?“ fragte sie mich.

„Äh, warum?“, lautete meine Gegenfrage, während ich meine Karabiner aushängte und mich zu Karen auf den Weg stellte.

„Sie waren so schnell!“

„Ja, das war sicher. Ich bin Leitern gewöhnt. Wir haben auf unserem Übungsgelände auch Leitern im Klettersteig und ich bilde dort Klettersteiggehen aus.“

„Ja Leitern bin ich auch gewöhnt“, antwortete die Frau, immer noch mit kritischem Blick. „Aber ich finde diese hier in Italien so gewöhnungsbedürftig!“

„Oh, warum?“

„Hier sind viele der Leitern für Linkshänder ausgelegt!“

Karen und ich schauten fragend.

„Na, die Seile verlaufen oft links der Leitern. Dann sind das Linkshänderklettersteige. Und mit Links kann ich die Karabiner nicht bedienen und muss mit der rechten Hand immer so umständlich vor meinem Bauch nach links greifen.“

•	Im Klettersteig steigt eine Bergsteigerin eine Leiter hinauf. Das eiserne Sicherungsseil, in dem einer der Karabiner eingehängt wird, ist links an der Leiter angebracht.
„Linkshänderklettersteig“ – das Sicherungsseil läuft links der Leiter

Während Karen anfing zu grinsen und sich zum Weg drehte um weiterzugehen, wendete ich ein: „Alle Kletterkarabiner sollte man mit der linken wie der rechten Hand gleichermaßen bedienen können. Das lernen unsere Sektionsmitglieder in der ersten Kletterstunde.“

Der Blick der Frau wandelte sich von kritisch in erbost und ihre Stimme klang höher als sie antwortete: „Ich bin hier in Urlaub. Ich habe es nicht nötig, mich von Ihnen belehren zu lassen.“ 

Ich drehte mich achselzuckend um und folgte Karen, die mit großen Schritten, von Lachen geschüttelt, der nächsten Leiter zueilte.

Wenig später erreichten wir den Gipfel des Cima SAT auf 1.246 m. Der Ausblick von dort auf den Gardasee mit über tausend Meter Tiefblick ist einfach atemberaubend und ein absoluter Genuss.

Die Bergsteigerin steht fast am Ende der Leiter und muss noch mal die Karabiner umklinken kurz vor deem Ausstieg aus dem Klettersteig Dell' Amicizia. Tief unter ihr ist die Stadt Riva del Garda und ein Teil des Gardasees zu erkennen.
Noch mal die Karabiner umklinken kurz vor deem Ausstieg aus dem Klettersteig Dell‘ Amicizia oberhalb von Riva del Garda

Linkshänderklettersteig ist bei uns mittlerweile ein geflügeltes Wort, das wir immer dann benutzen, wenn beim Klettern oder Klettersteiggehen ein Karabiner mit der linken Hand geklinkt werden muss.

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