Bergwandern mit Kind

Bergwandern mit Kind

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Ich war seit zwei Jahren viel Bergsteigen. Und meine Tochter Lotti lag mir in den Ohren, endlich mal eine Bergtour mit ihr zu machen. Das war nur in den Sommerferien möglich und wir fanden zehn Tage gemeinsame Zeit. Ich hatte das Tauferer Ahrntal als Ziel gewählt und eine Anreise mit dem Zug. Eine Nachtzugfahrt im Liegewagen ist bereits das erste Mutter-Tochter-Erlebnis einer Bergtour.

Leider war die Nacht war sehr unruhig. Einige Mitschläfer standen ständig auf und die Schiebetür ging auf und zu. Und in München stiegen die ersten Mitreisenden unseres Abteils bereits wieder aus. Eine Erholung war das nicht. Nach Innsbruck sind wir auch aufgestanden und schauten während der Fahrt über den Brenner aus dem Fenster. In Franzensfeste stiegen wir sehr müde aus und versuchten, mit einem Frühstück im Bahnhofsbistro unsere Lebensgeister anzukurbeln.

Eine Frau und ein Kind stehen müde, mit Rucksäcken an einem Bahnhof
So richtig fit sind wir nach der Nacht im Liegewagen nicht

Tauferer Ahrntal

Ein weiterer Zug brachte uns nach Bruneck und ein Bus nach Lappach. Von dort wollte ich mit Lotti zur Nevesjochhütte aufsteigen zur ersten Hüttenübernachtung. An der Bushaltestelle zogen wir die Wanderschuhe an und ich übernahm aus Lottis Rucksack noch Gepäck. Nun ging es immer bergauf Richtung Nevesstausee. Die Luft roch sehr würzig, die Sonne schien warm und die Landschaft präsentierte sich unglaublich schön mit wunderbarer Blütenvielfalt und schneebedeckten Berggipfeln. Nur, wir waren beide müde und schlapp. Nach kurzer Zeit erreichten wir ein kleines Gipfelkreuz.

Ein Mädchen steht an einem Gipfelkreuz, links von ihr ein Lärchenbaum
Müde an einem kleinen Gipfel oberhalb Lappachs

Wir rasteten und ich studierte die Landkarte. Allem Augenschein nach hatte ich eine viel zu anspruchsvolle Tour für unser Mutter-Kind-Team ausgesucht. Lotti war konditionell nicht sehr stark, der Rucksack zu ungewohnt und sie zu ungeübt. Ich hatte bei der Planung wohl übersehen, dass sie gerade erst 10 Jahre alt geworden war. Nach der unruhigen Nacht waren auch von mir keine Hochleistungen zu erwarten. Ich besprach meine Gedanken mit Lotti. Ich schlug vor umzukehren und den Urlaub anders zu verbringen. Während meines Vorschlags ging in dem Kindergesicht die Sonne auf, der erschöpfte Blick wurde fröhlich.

Ja, die ganze Stimmung, auch bei mir, kippte sofort ins Positive. Beschwingt marschierten wir zur Bushaltestelle zurück. Wir nahmen nun den Bus nach Sand in Taufers. In der Touristinformation wollten wir für unseren Aufenthalt nun eine Ferienwohnung buchen und von dort aus Wanderungen machen.

Die freundliche Dame konnte uns helfen obwohl alle Appartements besetzt waren. Eine Freundin von ihr vermietete nur noch an langjährige Stammgäste und war nicht mehr in der offiziellen Vermietung gemeldet. Ein kurzer Anruf der Tourist-Dame; die Wohnung wäre derzeit frei. Wir könnten für acht Tage kommen. Wir kauften einige Lebensmittel ein und bestiegen den Bus nach Ahornach. Dem Heimatdorf Hans Kammerlanders, freute ich mich.

Ahornach

Die Gastgeber waren eine junge Familie mit drei Kindern, davon einer Tochter in Lottis Alter. Sie bewirtschafteten einen Bauernhof mit Milchvieh und Almwirtschaft. Die Wohnung lag im ersten Stock mit einer atemraubenden Aussicht zur Riesenfernergruppe. Herzlich wurden wir aufgenommen und Lotti wurde gleich von ihrer neuen Freundin mit in den Kuhstall genommen. Außerdem erhielten wir eine Einladung zum Abendessen.

Dort erfuhren wir, dass die Familie am nächsten Tag eine der steilen Wiesen an einem Hang mähen wollte. Spontan schlossen wir uns an. So hatten wir an unserem ersten Tag viel Spaß, denn die Kinder tollten herum und ich lernte den Umgang mit der Sense wieder. Es ist schon eine unglaubliche Anstrengung, die die Bergbauern im Alpengebiet zur Pflege der Kulturlandschaft unternehmen. Auch an diesem Abend waren wir zum Essen eingeladen. Wir sprachen über unsere Wanderpläne und bekamen einige Tipps für Tageswanderungen, die mit einem Kind geeignet sind. Aber wenn ich auch auf den Großen Moosstock wollte, den Hausberg Ahornachs, dann sollte ich doch mal frühmorgens starten, dann könnte ich am späten Vormittag wieder zurück sein. Lotti dürfte nach dem Aufwachen gerne zum Frühstück und Spielen nach unten kommen. So ein tolles Angebot konnte ich nicht ausschlagen. Direkt nach unserer Rückkehr würde ich meinen Expeditionsrucksack packen und mit meinem Bergkamerad Klaus zum Elbrus fliegen. Hier im Tauferer Ahrntal, mit 80 Berggipfeln über 3.000 n Höhe, wollte ich mit der Akklimatisation schon beginnen.

Großer Moosstock

Gleich am nächsten Morgen ging ich um halb fünf, mit der ersten Dämmerung, los. Ich hatte damals eine super Kondition und rannte förmlich den Berg hinauf, der oben noch große Schneefelder hatte. Außerdem hatte ich die respektlose Angewohnheit, die Gipfelkreuze gleich mit zu ersteigen. Respektlos deshalb, weil die freiwilligen Menschen, die diese Gipfelkreuze dort errichteten, viel Arbeit mit dem Fundament, dem Aufstellen und der Pflege haben. Und wenn Jede und Jeder auch noch das Kreuz erklettern würde, wäre der Pflegeaufwand sicherlich höher. Noch aber war mir das nicht klar und so war ich schlussendlich auf 3.062 Höhenmetern, drei Meter über der eigentlichen Gipfelhöhe und genoss die Rundumaussicht.

Eine Frau steht auf einem Gipfelkreuz
Gipfel Großer Moosstock mit 3.059 m
Über Schuttfelder sieht man das Bergpanorama der Hohen Tauern
Der Ausblick vom Großen Moosstock in Richtung Hohe Tauern

Bergab bin ich im Gebirge sehr schnell. Die Familie war sehr erstaunt, dass ich um halb zehn bereits wieder zurück war. Aber Lotti und ich wollten heute auch eine gemeinsame Wanderung machen. Mit einer Vesper im Rucksack stiegen wir über den Wanderweg 10B bis zur Kreuzung Schlafhaus hinauf. Dort folgten wir der Markierung 10C nach Osten, immer leicht bergauf und bergab. Lotti freute sich an den Pflanzen und war begeistert von der Wollgraswiese. Das erinnert sie an unseren Schweden-Motorrad-Urlaub. Auch später das Heidelbeerfeld. Wir pflückten Unmengen in unsere Berghaferl und Vesperdosen. Abends schenkte uns die Bäuerin Gelierzucker und Gläser und ich kochte Heidelbeermarmelade. Die wunderbar schmackhaftes Andenken an den Urlaub nahmen wir irgendwie in den Rucksack gestopft mit nach Hause.

Ein Mädchen sitzt in einer Wiese mit Wollgras, im Hintergrund hohe Berggipfel
Lotti freut sich über die Wollgraswiese, die sie an unsere Schwedentour erinnert
Ein Mädchen sitzt in Heidelbeerbüschen und pflückt frische Heidelbeeren in ein Töpfchen
Heidelbeeren, welche Wonne, sammeln für zuhause

Speikboden

Eine Empfehlung unserer Wirtsleute war eine Wanderung am Speikboden. Hinauffahren mit der Gondelbahn, absteigen nach Weißenbach und mit dem Bus wieder zurück. Diese Rundtour beinhaltete zwei Gipfel. Der Aufstieg von der Gondel zum Speikbodengipfel war recht steil und landschaftlich uninteressant. Ein Skigebiet sieht im Sommer einfach nicht schön aus. Lotti hatte keinen rechten Spaß und schaute recht mürrisch unter dem Gipfelkreuz. Von dort ging es aber mit toller Aussicht meist bergab und Lottis Laune hatte sich bis zum Gipfel des Seewassernock wesentlich gebessert.

Ein Kind steht vor dem Gipfelkreuz am Speikboden im Tauferer Ahrntal
Lotti am Gipfelkreuz Speikboden auf 2.517 m Höhe
Ein Kind steht am Gipfelkreuz des Seewassernock im Hintergrund ist das Ahrntal zu sehen
Lotti steht am zweiten Gipfelkreuz des Tages, dem Seewassernock mit 2.342 m Höhe

Naturbadeteich als Öffentliches Schwimmbad in Sand in Taufers

Die Busverbindungen im Tauferer Ahrntal sind sehr gut getaktet und aufeinander abgestimmt, so waren wir am späten Nachmittag wieder am Bauernhof und Lotti spielte mit ihrer Freundin im Kuhstall und bei den Hühnern. Zur Abwechslung gingen wir am nächsten Vormittag bergab nach Sand in Taufers, denn heute war Schwimmbadtag angesagt. Das Freibad von Sand in Taufers ist als Naturbadeteich angelegt und somit ohne Chlorwasser. Schwimmen, plantschen, mit der Mama und wieder neuen Kindern spielen, das Leben kann so einfach und schön sein.

Ein Naturbadeteich ist das öffentliche Freibad in Sand in Taufers. Viele Kinder toben im flachen Wasser. Im Hintergrund ist Burg Taufers zu erkennen
Lotti springt über die Begrenzungssteine des Naturbadeteichs

Lenkjöchlhütte

Eine weitere Empfehlung der Wirtsleute, war die Wanderung von Kasern zur Lenkjöchlhütte. So könnten wir eine Berghüttenübernachtung machen und am nächsten Morgen wieder absteigen. Im Windtal weideten viele Ziegen und wir kamen nur langsam voran, weil wir sie beobachteten und sie sich mit uns anfreundeten und die kleinen Zicklein vor unseren Füßen herumsprangen. Die Hüttenwirte der Lenkjöchlhütte hatten auch eine Tochter in Lottis Alter und so war sie am Nachmittag mit ihr draußen unterwegs. Ich kam mit einer Einzelwanderin ins Gespräch. Sie wollte morgen sehr früh auf die Rötspitze steigen. Wie ich sie beneidete!

Beim Abendessen entwickelte sich folgendes Gespräch von ihr mit der Hüttenwirtin:
„Kann ich morgen Vormittag spät frühstücken, ich will erst hinauf zur Rötspitze?“
„Das ist kein Problem, aber allein hinauf finde ich nicht ratsam!“
„Ich bin aber allein.“
Die Hüttenwirtin schaute mich an. „Wolltest du nicht auch hinauf?“
„Das geht mit meiner Tochter nicht!“
„Eh klar! Aber die kann doch hierbleiben und mit unserer Tochter spielen, während ihr die Tour gemeinsam macht!“
Lotti hatte das Gespräch aufmerksam verfolgt und nickte. „Ist okay, Mama. Du bist ja schnell wieder da!“

Rötspitze

Wir packten unsere Sachen am Abend und waren bereits wieder um halb fünf unterwegs. Der Aufstieg auf der Nordseite ist weglos, aber alte Spuren waren deutlich zu sehen. Wir stiegen nördlich des Rötkees auf und kamen bald in den Schnee. Nach einigen leichten Kletterpassagen waren wir schnell auf dem Grat und bald beim Gipfelkreuz auf 3.495 m.

Eine Frau ist auf das Gipfelkreuz der Rötspitze geklettert
Das war für drei Gipfelkreuze meine Masche – hinaufklettern. Nach einigem Nachdenken: undenkbar – aus Respekt den Erbauern des Gipfelkreuzes gegenüber. Hier am Gipfelkreuz der Rötspitze

Auch hier wieder ein unglaubliches Panorama. Rund um das Tauferer Ahrntal stehen über 80 Dreitausender. Da bietet die Aussicht ungeheuer viel. Hinab war ich wieder schnell unterwegs, teilweise zu schnell und die Bergfreundin drückte im richtigen Moment auf den Auslöser.

Eine Frau fällt bei einem Abstieg von einem Berg in den Schnee
Bergab im Schnee gelingt nicht immer – bringt den Umstehenden und der Gefallenen aber viel Spaß

Wir waren bereits um neun Uhr zurück, Lotti schlief noch und ich weckte sie zum Frühstück. „Mama, du wolltest doch bergsteigen“, war ihre erste Reaktion bei meinem Guten-Morgen-Kuss.

Wir spazierten über das Röttal zurück und ich kühlte mich in einem kleinen See unterhalb des Rötkees ab. Es dauerte allerdings, bis Lotti den Auslöser fand und mir wurde kalt. Aber für ein besonderes Bild leide ich gerne mal.

Eine Frau schwimmt in einem kleinen Teich, am Rand des Teichs liegt Schnee
Eisbad im kleinen See des Rötkees – Erfrischung pur

Den letzten Tag verbrachten wir nach dem Abschied von unserer netten Bauersfamilie im Naturbadeteich, sprich Schwimmbad. Am späten Nachmittag nahmen wir den Bus nach Bruneck und schlenderten noch durch das schöne Städtchen. Ab Franzentsfeste stiegen wir wieder in einen Liegewagen und waren am frühen Morgen, diesmal besser ausgeschlafen, zurück in Frankfurt.

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