Australien – West und Nullarbor-Plain bis Melbourne

Australien – West und Nullarbor-Plain bis Melbourne

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Bei unserer Interrail-Tour im April/Mai 1987 lernten Karen und ich auf der Kykladen-Insel Milos einen Australier kennen. Ein älterer Herr, David, der uns in Milos und später in Athen viel Interessantes zeigte und erklärte. Aus dieser Freundschaft wurde nach der Rückkehr in die jeweiligen Heimatländer eine Brieffreundschaft. In einem der Briefe stand die Einladung, ihn und seine Frau June in Australien zu besuchen.

Kannst Du, junge Leserin und junger Leser, Dich ins Vor-E-Mail-Zeitalter versetzen? Die Kommunikation mit Menschen auf anderen Kontinennten war schwierig und kostenintensiv. Ein Brief zu einem anderen Kontinent wurde aus Kostengründen auf sehr dünnes Luftpostpapier geschrieben. Entweder dünnes Papier und dünner Umschlag, alles in hellblau, der Umschlag war mit roten und dunkelblauen Streifen als Luftpostbrief erkennbar. Auf diesen Brief wurden teures Porto und ein Luftpostaufkleber geklebt. Oder ein vorgefertigtes Blatt, das Briefpapier und durch besondere Falt- und Klebtechnik gleichzeitig Umschlag war, bereits mit Luftpostaufkleber und Porto versehen. Nach Versand des Briefes nach Australien konnte man bei einer prompten Antwort des Empfängers mit einer Rückmeldung in circa sechs Wochen rechnen. David und ich schrieben wöchentlich. Ich, um mein Englisch zu trainieren, er, um mir Korrekturen zuzusenden und für Karen Zeichnungen von australischen Pflanzen und Tieren beizufügen.

Nach der Einladung planten und sparten wir. Ich entschied mich, eine so weite Reise nur mit sehr viel Zeit zu machen. Die Idee, mit dem Zug bis Südchina anzureisen – über die Transsibirische Eisenbahn und weiter nach Süden, und mit dem Schiff weiter nach Perth, verwarf ich aus Zeitgründen und weil das sehr viel kostete. Also blieb nur der Flieger. Wir planten sechs Monate Reisezeit ein. Am 29. September 1989 flogen Karen und ich über Dubai, Bangkok, Jakarta und Bali nach Perth. So feierten wir Karens 6. Geburtstag schon in Westaustralien, bei David und June.

Fremantle

Wir lebten einen Monat in ihrem Haus in Fremantle und in ihrem Cottage in York. Auf einer Fahrt dorthin, zeigte uns David die örtlichen Devil Marbles, die nicht so berühmt sind wie die Namensvettern im Norden.

In einem trockenen Gebiet liegen sehr große kugelförmige Steine. Sie werden Teufelsmurmeln genannt
Die Devil Marbles irgendwo zwischen Fremantle und York

Coolgardie und Kalgoorlie

June hatte einen Wochenendtermin in Coolgardie und Kalgoorlie und wir durften sie und David begleiten. Die Goldgräberstädte begeisterten mich sehr. Mit wie viel Mut (der Verzweiflung) die Menschen früher loszogen, in der Hoffnung, ihr Leben zu verbessern. Wenn es mit dem Goldfund klappte. Auf der Rückfahrt machten wir einen Kamelritt. Diese Lasttiere wurden in den späten 1870er Jahren aus Nordafrika nach Australien importiert. In langen Karawanen zogen sie durchs Land und versorgten die Siedler und Farmer im Hinterland mit Waren. Die Karawanenführer und Kameltreiber, die sich mit den Tieren auskannten, wurden gleich mitimportiert. Mit der Erfindung von Lastwägen und später der Trucks, sind die Tiere mehr und mehr „überflüssig“ geworden. Sie wurden in die Freiheit entlassen oder liefen ihren Besitzern davon. In Australien lebt die größte wilde Kamelpopulation der Erde. Heutzutage werden die wilden, gesunden Kamele teilweise eingefangen und zurück nach Nordafrika importiert. Dort werden sie für die Zucht von Rennkamelen für die Kamelrennen der oberen Tausend der arabischen Länder benutzt. Unsere Kamele waren ruhige Tiere und seekrank wurden wir auf unseren Wüstenschiffen auch nicht.

Einige Kamele lagern auf dem Boden. Sie haben Reitsättel aufgelegt. Zwei Betreuer bereiten die Tiere für den Ausritt der Touristen vor
Auf diesen Kamelen wollen wir einen Ritt wagen

Auf den Fahrten mit David und June wurden mir die Dimensionen des Landes langsam bewusst. Trotzdem ich viel gelesen hatte, wusste, wie die Entfernungen sind im Vergleich zu Fahrten innerhalb Europas, dort fühlte ich mich anders. In Deutschland liegen auf 100 Entfernungskilometern Ortschaften, Städte. Gibt es Straßen, Autobahnen, Möglichkeiten anzuhalten und etwas zu erleben oder zu entdecken. In Westaustralien liegen auf 100 Entfernungskilometern mit Glück eine Farm und eine Stadt – die dann allerdings nur 70 Einwohner hat, die weit verstreut auseinander wohnen. Ich hatte geplant, mit Motorrad und Zelt Westaustralien zu erkunden. Für Karen und mich hatte ich die komplette Motorradausrüstung, Helme, Stiefel, Hosen, Jacken und Packtaschen dabei. Diese Reiseart erschien mir nach diesen Eindrücken nicht realisierbar. Motorrad und Zelt würden mir zu wenig Sicherheit und Schutz bieten. Gerade die Versorgung mit Sprit und Wasser wäre schwierig. So entschied ich mich dafür, einen Kleinbus zu kaufen. David half mir bei der Zeitungslektüre der Verkaufsanzeigen und fuhr mich zum Verkäufer, bei dem ich einen „Toyota Hiace Longbase“ entdeckt hatte. In einer Werkstatt ließ ich ihn technisch überprüfen und für eine lange Reise vorbereiten. Das Fahrzeug hatte innen im hinteren Teil zwei langgestreckte, flache Kästen eingebaut. Die Deckel davon, zwischendrin mit einem Brett versehen, ergaben eine große Liegefläche. Das Brett bekam zwei Ansteckfüße, so dass es auch als Tisch fungieren konnte. Matratzen, einen Nachtisch als Schrank, Töpfe, Geschirr und Besteck kaufte ich Second Hand und baute alles ein. Stoff für Vorhänge und Spannvorrichtungen für die Fenster fand ich ebenfalls, June lieh ihre Nähmaschine. Wichtigste Errungenschaft war das Buch: Australia on a Budget. David lieh uns Gartenstühle, Tisch und Schlafsäcke und schon waren wir ausgestattet. Da wir vorhatten, ins Outback zu fahren, hatten wir 80 l Trinkwasser in Plastikkanistern, zwei Ersatzräder und 40 l Ersatzsprit in Stahlkanistern immer an Bord.

Ein weißer Toyota Kleinbus steht auf einer Gravelraod
Unser Toyota – liebevoll Riese Timpetu genannt

Auf dem Fremantle Market deckten wir uns noch mit haltbaren Lebensmitteln ein. Vor kurzem erst hatte ein Deutscher Bäcker seine Backstube eröffnet und wir kauften vier Vollkornbrote. In Handtücher gewickelt, hoffte ich, dass sie drei Wochen haltbar sein würden. An einem Teestand diskutierten Karen und ich über die Teesorten, die wir unterwegs trinken wollten. Und bekamen eine tolle Beratung in deutscher Sprache. Die Teeverkäuferin, Angela, war erst vor wenigen Jahren nach Fremantle ausgewandert. Sie hatte eine Tochter in Karens Alter und wir versprachen, sie zu Weihnachten zu besuchen, wenn wir von unserer Tour wieder zurück wären.

Wildblütenzeit Westaustralien

Am 1. November fuhren wir auf eigene Faust los – Richtung Norden. Ich fuhr bewusst durchs Farmland und entlang der „Wildblütenstrecke“, die ich in einem touristischen Hinweis der Gegend gefunden hatte. Es ist unglaublich, welche Blütenvielfalt im australischen Frühling im Outback zu sehen ist.

Ein Busch mit gelben Dolden, eine Banksia steht am Straßenrand
Auf der Wildblütenstrecke entdeckten wir diese Banksia

Perenjori

Nach nur 345 km hatte unser Fahrzeug eine Motorpanne. Vermutlich hatte die Werkstatt die Ölablassschraube nicht richtig eingedreht und wir verloren während der Fahrt das komplette Öl. Was die Ölanzeige aber nicht anzeigte. Wir standen mitten im Nirgendwo. Kurze Zeit später hielt ein Fahrzeug, ein Aborigine stieg aus und hörte sich das Motorengeräusch an, sehr laut und definitiv ohne Schmiermittel. Im nächsten Städtchen, Perenjori, würde ein Mechaniker wohnen, er würde uns dorthin abschleppen. Der Mechaniker im nächsten Städtchen, Merv, konnte uns leider mit der Reparatur nicht helfen. Er arbeitete mittlerweile als Graderführer und hatte keine Werkstatt oder Werkzeuge mehr. Aber Australier finden immer eine Lösung. Schnell wurde ein Familienausflug nach Morava geplant und wir mit unserem Hiace die 40 km bis zur dortigen Toyota-Werkstatt abgeschleppt. Dort erfuhren wir, dass der Motor Totalschaden war und eine Ersatzbeschaffung zwei Wochen dauern würde. Nein, im Fahrzeug könnten ich und meine Tochter in der Zeit nicht wohnen. Was nun? Fiona und Merv schlossen sich per Blickkontakt kurz. Sie luden uns ein, diese Zeit bei ihrer Familie zu bleiben. So packten wir einige Kleidung zusammen und fuhren zurück nach Perenjori. Eines der vier Kinder zog zu einem Geschwisterkind und wir bekamen das geräumte Kinderzimmer. Fiona freute sich über unseren Austausch von Frau zu Frau und die Unterstützung im Haushalt. Karen hatte sich bisher geweigert Englisch zu sprechen. Sie begründete das mit der Angst, die deutsche Sprache zu verlernen und zuhause dann nicht mehr mit ihren Freunden und ihrem Papa sprechen zu können. Nun hatte sie aber keine Chance. Sie freundete sich schnell mit den Kindern an. Drei Tage später ging sie mit ihnen in den Kindergarten und sprach bald sogar mit mir Englisch. An manchen Tagen brachten wir Merv das Mittagessen irgendwo in den Bush, wo er die Gravelroads der Umgebung mit seinem Grader instand hielt.

Eine große Baumaschine steht im australischen Outback. Ein Kind steht im Fahrhaus beim Graderführer, andere Personen sind vor der Maschine
Karen durfte zu Merv ins Führerhaus klettern

In die Zeit unseres Aufenthalts fiel das Pferderennen Melbourne Race, überall versammeln sich Menschen um das Rennen im Fernsehen zu sehen und zu feiern. Die Frauengemeinschaft in Perenjori traf sich jedes Jahr zu diesem Anlass im Sportzentrum. Pflicht war das Tragen eines selbstgebastelten Hutes und man musste eine selbstgemachte Speise mitbringen. Meine Schwarzwälder Kirschtorte kam sehr gut an. An einem Sonntag wollte Merv uns Bushtucker kochen und dazu fuhren wir zu einem Barbecueplatz in der Umgebung. Auf dem Buschfeuer bereitete er Känguruschwanz schmackhaft zu.

Ein Mann kocht auf einem Buschfeuer Känguruschwanz in einer Pfanne
Merv hat Känguru geschossen und bereitet den Schwanz in einer Pfanne auf dem Buschfeuer zu

Mitte November war unser Fahrzeug fertig. Wir nahmen von der Familie Abschied, es waren fantastische zwei Wochen. Jetzt erst entdeckte ich meine guten Vollkornbrote in einem Staukasten, die mittlerweile total verschimmelt waren. Wie schade! Da wir nicht unentwegt „Lappertoast“ essen wollten, kauften wir Haferflocken und freuten uns täglich auf unser Frühstück. Haferflocken mit Kakao, Zucker und Milch habe ich schon als Kind geliebt.

Ein Kind sitzt auf einer Picknickbank mit einer Müslischale. Auf dem Tisch stehen Haferflocken, Kakao, Milch und ein Wasserbehälter
Karen beim Frühstück, mehr brauchts nicht, um glücklich zu sein

Ursprünglich hatte ich vor, bis in die Kimberleys zu fahren. Bei unserer Reisegeschwindigkeit war das jetzt nicht mehr ratsam. So bogen wir in Meekatharra nach links (Westen) ab, denn wir wollten durchs Outback nach Carnarvon ans Meer fahren.

Ein Kind in einem rot weiß gestreiften Kleid steht auf einer Landstraße vor einem Sandsteingebäude
Karen posiert vor dem Rathaus, Shop und Hotel in Meekatharra

Am gestrigen Tag hatten wir links vor uns dicke schwarze Wolken gesehen. Die hatten starken Regen gebracht und wir waren sehr froh, dass die Straße nicht mehr überflutet war.

Ein Teil der Gravelroad ist vom Regenwasser überflutet
Wir können trotz Teilüberflutung weiterfahren, ansonsten bliebe nur: Abwarten

Mount Gould

Schon bald passierten wir die alte Polizeistation von Mount Gould, die 1888 errichtet worden war. Wie müssen sich die Aboriginestämme gefühlt haben, mit den weißen Eroberern? Ihre jahrtausendalte Kultur wurde missachtet, die herumstreifenden Sippen eingesperrt, auch in diesem kleinen Gefängnis.

Ein Schild im Vordergrund weist darauf hin, dass die Gebäude im Hintergrund die Mount Gould Police Station Station sind
Karen steht vor dem ehemaligen Gefängnis der 1888 errichteten Mount Gould Police Station

Bei der weiteren Fahrt nahm ich neben der Straße eine ungewöhnliche Bewegung wahr und machte eine Vollbremsung. Ich schaute erst lange, bevor wir uns aus dem Auto trauten und den Waran aus gebührende Entfernung betrachteten. Eine in Deutschland beheimatete Eidechse ist ja ein wirklicher Zwerg gegen die australischen Großechsen.

Ein Waran, eine sehr große Eidechse steht auf der roten Erde Australiens
Der Waran ist über einen Meter lang

Station mit Schafzucht

In der Landkarte hatte ich auf der Strecke von Meekatharra nach Carnarvon eine Station, eine australische Farm, eingezeichnet gesehen. Ich traute mich nicht, ganz und gar allein im Nirgendwo zu stehen und hatte vor, dort zu halten. Wir fragten bei dem Stationer, Jack, nach, ob wir irgendwo in der Nähe des Hauses mit unserem Bus stehen könnten. Wir durften und erhielten eine Einladung zum Abendessen. Jack bewirtschaftete die Station allein, hatte nur manchmal einen Gehilfen. Er war richtig glücklich über den überraschenden Besuch. Die Schaffarm versorgte 7.500 Tiere. Leider war das Schafscheren für diese Saison vor einigen Tagen zu Ende gegangen. Wie schade, das wäre bestimmt spannend zu erleben gewesen. So teilte ich Jack meine Gedanken mit. Es würden auf den Weiden bestimmt noch einige Schafe herumwandern, die sich vor dem Scheren gedrückt hätten, die wolle er in den nächsten Tagen noch aussondern. Ob ich Lust hätte, ihm dabei zu helfen? Na klar! Karen und ich hatten Lust und so blieben wir insgesamt 16 Tage dort. Ich half im Haushalt und bei der Farmarbeit. Gleich am nächsten Morgen stiegen wir drei in den Toyota-Pickup und fuhren auf eine entfernte Weide. Jack erklärte, dass er alle paar Tage die Wassertröge auf den Weiden reinigen müsste. In der Hitze veralgen diese sehr schnell. Schafe sind da sehr empfindlich und trinken nur sauberes Wasser, ohne Grünzeug. Mit Bürste und Besen ging er den Algen an den Kragen. Das war einfach und ich machte am zweiten Trog zeitgleich mit. Karen versuchte, die Schafe zu streicheln. Hauptsächlich die Lämmchen hatten es ihr angetan, aber die waren zu fix.

Eine Schafweide mit einem Wassertrog. Ein Mann reinigt den Trog, ein Mädchen schaut zu. Im Hintergrund stehen viele Schafe
Jack reinigt einen Wassertrog, die Schafe warten auf sauberes Wasser

Die Tröge wurden mit Wasser aus großen Tanks versorgt, die immer an einer Kreuzung von vier Schafweiden stehen. Bei diesen Tanks wohnen große Schwärme von Rosellas, wunderschönen Papageien. Die im Sitzen auf dem Tankrand sehr unscheinbar grau aussehen. Fliegen sie los, meist mit viel Gekreische und Spektakel, sieht man die rosa Unterseite der Vögel, die auch Namensgeber waren.

Auf einem betonierten runden Wasserbehälter sitzen auf einem Draht zwei graue Papageien mit Rosa Federbüschen auf dem Kopf
Graues Obergefieder und einen rosa Schopf – Rosellas bei einem Wassertank

Die Schafweiden sind riesig groß und wegen des zerklüfteten Geländes nicht überschaubar. Eine Windmühle pumpt fortwährend Wasser in diese Tanks, wenn sie nicht gerade kaputt ist und repariert werden muss.

Ein Metallgestell mit einer Metallwindmühle. Diese treibt die Pumpe für das Grundwasser an. Oben im Metallkranz sitzt ein Mann und repariert den Antrieb. Ein Kind steht unten und schaut zu
Jack ist oben im Antrieb der Windmill bei der Reparatur nur schwer zu erkennen

Ich lernte in der näheren Umgebung der Station den Landrover fahren, der technisch einige Macken hatte. Bald schaffte ich es sogar durch die trockenen Flussläufe, die in der Regenzeit bis oben gefüllt sein würden.

Ein Landrover fährt durch ein ausgetrocknetes Flussbett mit steilen Ufern
An diesem Flussbett lerne ich Landroverfahren

Jacks Trick, die Schafe auf eine Nachbarweide zu treiben und die ganze Herde zu erwischen, ist recht ausgebufft. Er stellt am Tank die Wasserversorgung um, das Wasser fließt auf der Nachbarweide in den Trog. Den Wasserzulauf zum Trog auf der leergefressenen Weide stellt er aus. Schafe müssen nach spätestens drei Tagen trinken, sind also maximal eineinhalb Schaftagemärsche vom Wasser entfernt. So fährt Jack an drei aufeinanderfolgenden Tagen zur Weidenkreuzung. Die durstigen Schafe stehen am trockenen Trog und warten. Sie riechen das Wasser auf der anderen Seite des Weidezauns. Jack öffnet das Gatter zur Nachbarweide und er und die Hütehunde versuchen, die Schafe durch das Gatter zu bekommen. Aus irgendeinem Grund sehen die das offene Gatter aber nicht, sondern kreiseln ängstlich immer enger umeinander, immer am Zaun entlang. Irgendwann kommt diese kreiselnde Herde zum offenen Gatter und die ersten Tiere fallen in die Öffnung. Erschrocken springen sie auf, machen einen hohen Satz und rennen mit lautem Gemähe los. Sofort springen die anderen mit einem hohen Satz über den nicht vorhandenen Zaun. Dabei geht es sehr laut und sehr staubig zu, aber es sind beeindruckende Bilder.

Eine Schafherde rennt und springt durch ein offenes Gatter. Eine Staubwolke steigt im Abendlicht auf
Die Schafe haben endlich das offene Gatter gefunden. Einige springen, denn der imaginäre Zaun muss überwunden werden. Deutlich sind einige Wollies zu sehen, die den Scherern durchgegangen sind

Dabei versuchte Jack im Vorfeld, die nicht geschorenen Schafe von den geschorenen zu trennen. Dazu durfte ich mit dem Motorrad zwischenrein fahren und die ungeschorenen Schafe von der Herde entfernen. Da hatte es doch ein Gutes, die Motorradausrüstung dabei zu haben!

Ein Motorradfahrer treibt Schafe im Outback zusammen
Meine Motorradausrüstung benötige ich zum Schafetreiben auf der Station

Schafe scheren

Einmal fanden wir ein Schaf, dass sich bereits drei Jahre vor dem Scheren gedrückt hatte. Die Wolle war mittlerweile so lang, dass es, nachdem es sich vollgetrunken hatte, so schwer war, dass es nicht mehr auf die Beine kam. Es wurde von Jack auf dem Motorrad zur Station gefahren. Als wir etwa 100 Woolies zusammen hatten, machten wir einen Schertag. Gleich morgens um sechs Uhr begannen wir. Beim ersten Schaf zeigte mir Jack die Schritte, die er von mir als Schergehilfin erwartete. Er selbst, der in seinen jungen Jahren als Schafscherer durch Australien gezogen war, übernahm das elektrische Schergerät. Ich musste im Pferch neben dem Sheeringshed ein Schaf einfangen, durch die niedere Tür in den Shed ziehen und auf den Hinterbacken vor ihn hinsetzen. Dann schälte er die Wolle des Schafs wie eine Banane ab. Alles in einem Stück. Das abgeschorene Vlies lag in der Form eines zusammengeschlagenen Schaffells da. Nun sollte ich das Bündel an einer bestimmten Stelle als Ganzes aufnehmen und mit einem nach oben gerichteten Wurf auf den Sortiertisch werfen, so dass es sich ausbreitete. Nun wurde die Bauch-, Hinterbein-, Hals- und Popowolle mit fixen Bewegungen abgezupft und in die entsprechenden Sortiersäcke geworfen. Die wertvolle Rückenwolle wurde je nach Qualität sortiert. Damit kam ich klar, auch mit den Qualitätsunterschieden. Ich habe zuhause ein Spinnrad und spinne selbst Schafwolle und habe für die unterschiedliche Wollqualität ein Gefühl in den Fingern.

Ein Mann hat ein großes Wollvlies auf einem Tisch ausgebreitet und begutachtet es
Das Wollvlies eines Schafs, das der Schafschur drei Jahre entgangen war

Nun war der Ablauf klar. Nur, Jack benötigte maximal drei Minuten für das Scheren eines Schafes! Ja, er wäre etwas außer Übung, früher hätte er es unter zwei Minuten geschafft. Uff! Also, Schaf holen und vor ihn setzen, Vlies vom Vorgängerschaf aufnehmen, auf den Tisch werfen, Wolle abzupfen und in Säcke schmeißen, durch die niedere Tür in den Pferch rennen, Schaf holen und wenn Jack ein völlig verdattertes, gefühlt nacktes Schaf, in den Pferch der geschorenen Schafe entließ, musste ich das Schaf bereits auf den Pobacken unter der Schermaschine sitzen haben und gleich das Vlies aufnehmen, auf den Tisch werfen….

Es war stressig, manchmal gab es einen Schluck Wasser, aber wir waren bis mittags fertig. Fix und fertig, staubig, verschwitzt, müde und hungrig. Als letztes Schaf schor er das mit dem drei Jahre gewachsenen Vlies. Das Vlies war so riesig, dass Jack mir helfen musste, es aufzunehmen und auf den Tisch zu werfen.

Karen verbrachte den Vormittag mit den Hunden, versuchte ihnen Kunststücke beizubringen und tröstete die nackten Schafe, dass die Wolle bald wieder wachsen würde und es doch warm genug sei, und sie die Wolle doch gar nicht benötigen würde.

In einem Pferch stehen geschorene Schafe
Diese Schafe hat Jack an einem Vormittag geschoren

Mount Augustus

Nach so anstrengender Arbeit unternahm Jack mit uns einen Ausflug zum wirklich allergrößten Monolithen der Welt, dem Mount Augustus, der nur ungefähr 100 km nördlich von Jacks Station liegt.

Über dem Outback steigt der Mount Augustus auf
Die Westaustralier behaupten, dass Mount Augustus der weltgrößte Monolith ist
Eine Frau steht in einem trockenen Flussbett im Hintergrund der Gebirgszug des Mount Augustus
Der Mount Augustus wirkt nicht so imposant wie der Ayers Rock und ist teilweise bewachsen

Er zeigte uns auch seinen Lieblingsplatz auf seiner Station, einen uralten Whitegumtree.

Ein Kind und ein Mann laufen durch das australische Outback zu einem mächtigen Whitegumtree, einem Eukalyptusbaum mit weißer Rinde
Der Platz am großen Whitegumtree ist Jacks Lieblingsplatz auf seinem Grundstück

Nach einigen Tagen schickte er mich allein auf die weit entfernten Weiden zum Trogreinigen. Ich fuhr gerne mit dem Motorrad, aber in meiner Sommermotorradkleidung wurde mir immer heißer. An der Weide angekommen, legte ich mich der Länge nach in voller Montur in den Trog zum Abkühlen. Leider waren Jacke und Hose vor der Rückfahrt schon wieder trocken. An einem anderen Tag saßen wir im Landrover, als ein Emu auf der benachbarten Weide immer am Zaun entlang vor uns Reißaus nahm. Eine wunderschöne Aufnahme.

Ein Emu rennt in vollem Lauf durch das australische Outback
Ein Emu rennt in vollen Lauf neben unserem Landrover her, statt abzubiegen

Wir übernachteten eine Nacht mit Jack im Bush und hatten abends ein schönes Lagerfeuer. Morgens lernte ich Damper, das australische Fladenbrot zu backen, dass wir uns auf unserer weiteren Reise immer wieder zubereiteten. Am Morgen fanden wir eine frische Felszeichnung vor, gerade erst von der Sonne gemalt.

Die Schatten von drei Personen auf einem Felsen wirken wie Felszeichnungen
Diese „Felszeichnungen“ sind frisch von der Sonne hergestellt

Zum Dank für unsere Hilfe auf der Station füllte uns Jack den Benzintank voll. Er lud uns in seine Flat (Appartement) in Perth ein, dass seiner Großfamilie gehörte und bei Besuchen in Perth genutzt wurde. Er wollte uns mit zur Wollauktion in Fremantle kurz vor Weihnachten mitnehmen, wenn er seine Wolle verkaufte. Wir sagten zu, das Spektakel wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Coral Bay

Von Carnarvon fuhren wir am Meer entlang nach Norden, nach Coral Bay. Vor dem Städtchen liegen wunderbare Korallenriffe, bunte Fische schwimmen im Meer. Mit einem Glasbodenboot fuhren wir hinaus, um die Fische und Korallen im Wasser betrachten zu können.

Durch den gläsernen Boden eines Bootes kann man Fische und Korallen erkennen
Unser Aussicht ins Meer beim Glasbottemboat fahren

Murchison River

Wir machten uns auf den Rückweg nach Fremantle. In Monkey-Mia spielten wir mit den Delfinen im Wasser und machten am Murchison-River eine schöne Wanderung. Die unterschiedlichen Grüntöne der Pflanzen tat uns in den Augen gut.

Ein Flusslauf mit Wasser schlängelt sich durch die karge australische Landschaft
Der Murchison River, sogar mit Wasser und richtigem Grün

Ich kam mit unserer Outdoorküche mittlerweile sehr gut zurecht, Karen half immer mit beim Schnippeln und Damperteig matschen.

Auf einer dreibeinigen Feuerschale stehen über den offenen Flammen zwei Töpfe
Wir haben fast ausschließlich auf offenem Feuer gekocht

Kurz vor Weihnachten kamen wir in der Flat von Jacks Großfamilie an. Wir verbrachten einige Tage mit ihm, seinem Bruder und Schwägerin, die alle zur Wollversteigerung gekommen waren. Weihnachten fuhren wir mit David und Juni in die Margret River Region. Auf dem Rückweg nach Fremantle kam uns dieser großartige Christmastree unter. Der seinen Namen nur deshalb hat, weil er um die Weihnachtszeit blüht.

Ein australischer Baum, der zur Weihnachtszeit mit orangenen Dolden blüht
Der Baum blüht um die Weihnachtszeit und heißt daher Christmastree

Obwohl es zwischenzeitlich immer mal wieder etwas geregnet hatte, waren wir doch sehr erstaunt, im Landesinneren, etwa 30 km von der Küste, dieses Schild am Straßenrand zu entdecken.

Auf einem Verkehrsschild wird in den nächsten 3 km vor Wasservögeln gewarnt
Das Schild hat uns eher verwirrt

Wir quartierten unser Auto im Hof unserer Bekanntschaft vom Teekauf im Fremantle Market, bei Angela und ihrer Familie, ein. Karen konnte mit ihrer neuen Freundin nach Lust und Laune deutsch quatschen und wir hatten mit der Familie eine atemberaubende Silvesterfeier im Fremantle Stadion, auf ins neue Jahrzehnt, die 1990er Jahre.

Karri Wälder

Am 1.1.1990 fuhren Karen und ich zum Flughafen nach Perth, denn mein Lebenspartner Bruno würde die nächsten sieben Wochen mit uns reisen. Wir verbrachten zu seiner Eingewöhnung noch zwei Tage bei unseren neuen Freunden, er lernte auch Jack, David und June kennen und dann machten wir uns auf nach Süden. Die Landschaft Südwestaustraliens ist atemberaubend schön, hat eine gemäßigteres Klima als der Norden und wunderbare Natur. Sehr beeindruckend sind die Wälder mit den Karri-Bäumen. Allein bei der Fahrt durch diese Giganten haben wir gemerkt, wie klein und unbedeutend wir Menschen sind.

Ein Baum, Karri genannt steht in einem Wald. Ein Pfeil zeigt auf ein Kind, das neben dem Baum sehr winzig wirkt
Der Pfeil zeigt auf Karen, die an der Baumwurzel des Karritree steht
Zwei Erwachsene und ein Kind stehen in einem Hohlraum einer Wurzel des Karritree
In der Wurzelhöhle des Baumes kann man ohne weiteres Wohnen, so geräumig ist die Lücke

Wir verbrachten im Süden Westaustraliens bei Albany, in der Region Denmark, zwei Tage am Meer und genossen die Abkühlung.

Eine Frau und ein Kind stehen am Sandstrand in der Meeresdünung
Wir genießen einige Stunden am Meer, in der Region Denmark in Westaustralien

Stirling Ranges

Unser Ziel der Reise lag in Victoria, in Geelong. Brunos Tante war Anfang der 1950er Jahre mit ihrem jugoslawischen Mann nach Australien ausgewandert. Bruno kannte sie von ihren Besuchen in der alten Heimat, hatte aber seinen Cousin und seine Familie noch nie kennen gelernt. Von Albany nach Norden durchquerten wir die Stirling Ranges. Ein Schild wies darauf hin, dass der höchste Berg der Ranges, der Bluff Knoll, bestiegen werden kann. Na dann!

Aus der Ebene erhebt sich die Gebirgskette Stirling Range mit dem Gipfel Bluff Knoll
Den Berg wollen wir besteigen, Bluff Knoll in den Stirling Ranges
Eine Frau und ein Kind steigen einen Bergpfad empor. In der Umgebung wachsen niedrige Pflanzen, Latschenkiefern ähnlich
Mit frohem Mut beginnen wir den Aufstieg auf den Bluff Knoll
Über steile Felsen steigen drei Personen auf den Gipfel. An den Sonnenhüten sind Fliegennetze angebracht
Die letzten Meter zum Gipfel sind steil. Die Fliegennetze schützen uns vor den sehr lästigen Fliegen. Im Hintergrund das platte Weizenland nördlich der Stirling Ranges

Bei der Abfahrt vom Wanderparkplatz wartete ein Wallaby auf Touristen. Brunos Erdnüsse mussten dran glauben. Das Wallaby wusste sogar, wie Erdnüsse aus der Schale gepuhlt werden!

Vor einem Kleinbus hocken eine Frau und ein Kind steht daneben, die ein kleines Känguru, ein Wallaby, füttern
Das Wallaby saß am Straßenrand und hat auf Touristen mit Futter gewartet, im Beutel sitzt ein Joey (Baby), ein Ohr und einen Fuß kann man erkennen

Nullabor Plain Road

Kurz nach Norseman begann der ernstere Teil der Fahrt. Die Durchquerung des Nullarbor Plains war eine echte Herausforderung. Damals fuhren recht wenige Fahrzeuge die Strecke. Die meisten Menschen bewegten sich mit dem Flieger zwischen West- und Ostaustralien, wenige mit dem eigenen Fahrzeug. Telefone waren damals Geräte, mit Wählscheibe oder, sehr modern, mit Tasten, die meist an die Wand geschraubt in Wohnungen oder Telefonhäuschen hingen. Ein Mobiltelefon war ein nicht denkbares Ding.   Etwa alle 150 bis 200 km gibt es auf der Strecke eine Raststätte, ansonsten ist das Gebiet menschenleer. Bei einer Panne musste man also warten, dass ein Fahrzeug kommt und die Insassen hilfsbereit sind.

Ein Kleinbus steht am Straßenrand, rechts von einem Verkehrsschild. Die Entfernung zur nächstgrößeren Stadt Adelaide ist mit 1979 km angegeben
Adelaide ist die nächste Stadt. Balladonia und Eucla sind nur Rasthäuser am Null Arbor

Nullarbor kommt teils aus dem lateinischen, Arbor ist der Baum. Null Arbor somit null Bäume. Aber das stimmt meines Erachtens nicht. Immer wieder tauchen halbhohe Bäume auf, die durch den starken Wind gebogen sind. Ich habe schon von vielen Menschen gehört, dass die Landschaft am Nullarbor sehr eintönig und langweilig sei. Ich persönlich finde sie ausgesprochen spannend. Ich bemühe mich, die Nuancen wahrzunehmen, die unterschiedlichen Pflanzen, die Tiere zu entdecken, die auf großen Schildern angekündigt werden.

Auf einem Verkehrsschild wird vor querenden Kamelen, Wombats und Kängurus die nächsten 88 km gewarnt
Na dann, passen wir die nächste Stunde aber genau auf!

Nach über 600 km erreichten wir die Grenze von Westaustralien zu Südaustralien. Die drei Häuser dort nennen sich stolz Border Village. Die Bewohner haben einen Schilderbaum aufgestellt, der die Dimensionen des Landes und der Entfernungen zu anderen Kontinenten hervorhebt.

Auf einem Schilderbaum sind die unterschiedlichen Entfernungen zu Städten angegeben
Am Roadhouse von Bordervillage, der Grenze zwischen West- und Südaustralien, steht dieser Schilderbaum

Es wurde immer recht früh dunkel und wir lagen im Outback flach auf dem Rücken mit einer Taschenlampe in der Hand. Bruno hatte ein Buch über den südlichen Sternenhimmel gekauft und wir suchten den Himmel nach den gezeigten Sternbildern ab. Die Taschenlampe half dabei sehr, auch wenn das unwahrscheinlich klingt. Es ist am Nullarbor wirklich dunkel, stockfinster. Und ein Taschenlampenstrahl ist dann wirklich ein Strahl in der Dunkelheit, dem man folgen kann, auf dem Weg nach oben. Manchmal nähert sich die Straße der Südküste sehr und von einem Parkplatz hatten wir eine tolle Aussicht auf das brodelnde Meer unter uns. Die Küste, aus weichem Kalk geformt, wird vom Meer immer weiter dezimiert.

Die Südküste Australiens am Nullarbor Plain bricht steil zum Meer hin ab
Bei stürmischen Wetter peitscht die See die Südküste Australiens

Fast täglich hatten wir Reifenpannen. Mal nur Plattfüße, die wir an der nächsten Tankstelle aufpumpen konnten. Mal richtige Reifenschäden, die wir in der nächsten Werkstatt durch neue runderneuerte Räder ersetzten. Ich vermute mal, dass wir grundsätzlich die falschen Räder auf dem langen Fahrzeug hatten.

Ein Mann wechselt an einem Kleinbus einen zerfetzten Reifen, ein Mädchen schaut zu
Reifenwechsel war eine fast tägliche Beschäftigung

Einmal hatten wir die Schrauben der Räder nicht richtig angezogen und nach wenigen Kilometern gab es einen Ruck, das linke Hinterrad überholte uns davonhüpfend im Buschland und das Fahrzeug sackte nach links hinten ab. Ich bremste vorsichtig, um die Bremstrommel und Radaufhängung nicht kaputt zu machen. Wir machten uns auf die Suche nach dem Rad. Als wir es ziemlich schnell fanden, wurde uns das wahre Problem sehr schnell bewusst. Wir hatten keine Radmuttern, außer denen, mit denen das Rad befestigt gewesen war. Und die waren davongeflogen. Ich machte mich mit Karen auf die Suche und wir gingen die Straße entlang zurück. Karen fand tatsächlich drei der fünf Schrauben! So rettete sie die Weiterfahrt bis zum nächsten Rasthof, in dem wir die Bremstrommel und Radaufhängung kontrollieren ließen. Alles war unbeschädigt.

Nach vier Tagen auf dem Nullarbor kamen wir in Ceduna an und fuhren auf den Campingplatz. Endlich Zivilisation und ein kühles Bier im Pub. Ein Besucher fragte nach dem Woher und Wohin und bot sich uns für den nächsten Tag als Fremdenführer für die Sehenswürdigkeiten der Umgebung an. Uns hat auf der Reise das Spontane der Menschen immer begeistert. Die Hilfsbereitschaft und der Stolz auf ihre Heimat. Dankend nahmen wir das Angebot an und fuhren im klimatisierten Auto durch die Landschaft, die vom Weizenanbau geprägt ist. Eine geologische Besonderheit sind Felsformationen, die an überdimensionierte Heustöcke erinnern.

In der Nähe von Ceduna stehen Felsen, die die Einheimischen als versteinerte Heustöcke bezeichnen
Unser Fremdenführer aus Ceduna führt und zur Felsformation Haystacks

Die Fahrt ging weiter an einen Küstenabschnitt, in dem Seehunde ihren Lagerplatz haben. Der Gestank bis hinauf zu uns war atemraubend.

Auf Felsen am Wasser lagern Seehunde
Weitere Attraktion um Ceduna ist die Seehundkolonie

Um die Freundlichkeit des Australiers mit einem eigenen Ereignis zu toppen, rauschte aus dem Nichts eine Windhose auf uns zu, drehte aber kurz vor dem Auto ab.

Über abgeernteten Getreidefeldern hat sich eine Windhose gebildet
Die Hitze begünstigt die Bildung von Windhosen

Gorge Wildlife Park

Wir fuhren, mit Frischwasser und Nahrungsmitteln versorgt, weiter nach Port Augusta, wo kurz vorher ein besonderes Museum, das Wadlata Outback Centre eröffnet hatte. Ein magischer Ort, um die Geschichte der Besiedlung des Kontinents zu begreifen. Der durch die Aborigine vor über 50.000 Jahren und der durch die Weißen, vor erst 200 Jahren. Weiter ging es nach Adelaide. Wir schnupperten ein paar Stunden Großstadtflair und fuhren dann den Pass hinauf zum Gorge Wildlife Park. Dort sind die einheimischen Tiere in großen, von Besuchern begehbaren Gehegen untergebracht. Einige, wie das Wombat mit seinen scharfen Zähnen, sind in Kleingehegen vor neugierigen Kindern geschützt.

Ein Mädchen kniet an einem Gatter und füttert einen Wombat, ein australisches Beuteltier
Karen lässt sich das Wombatfüttern nicht nehmen. Die äußerst beißfreudigen Tiere sind hinter Gittern untergebracht
Ein Kind sitzt in einer Herde Kängurus
Karen möchte die Kängurus dressieren, das endet ein wenig später in einem Boxkampf, den Karen verliert

In einer der Ortschaften, die wir auf dem Weg ins Barossa Valley durchfuhren, war ein Spielplatz angelegt, der nicht nur für Kinder gedacht war. Ausrangierte Lokomotiven, hohe Klettergerüste und besondere Schaukelpferde lockten uns aus dem Auto.

Auf zwei aus Metall gefertigten sehr hohen Schaukelpferden sitzen eine Frau und ein Mädchen
Die witzigsten Schaukelpferde der Welt – für Mutter und Kind geeignet – herrlich

Barossa Valley

Im Ort Hahndorf lernten wir am Freitagabend im Pub ein Ehepaar kennen. Sie luden uns ein, unseren Bus die nächsten drei Tage in ihrem Hof zu parken. Am Wochenende fände die Feier zur Gründung von Hahndorf vor 151 Jahren statt. Das Spektakel ließen wir uns nicht entgehen. 52 Familien, vorwiegend deutsche Lutheraner aus Schlesien, flohen 1839 vor Glaubensverfolgung. Mit einem Schiff, vom dänischen Kapitän Dirk Hahn gesteuert, landeten sie am anderen Ende der Welt, in Adelaide an. Die Siedler bekamen ein Gebiet oberhalb der Stadt zugewiesen. Aus Dankbarkeit für die sichere Überfahrt nannten sie die Siedlung nach dem Kapitän, Hahndorf. Der fruchtbaren Boden eignete sich zum Gemüse- und Obstanbau. Die fleißigen Bewohner bauten ab 1842 bereits Wein an, die Gegend ist heute die weltweit berühmteste australische Weinregion.

Am Samstag fanden landwirtschaftliche Wettkämpfe statt. Ich beteiligte mich am Heuballenweitwurf. Rechteckige Strohballen mussten mit Wurftechnik und Muskelkraft möglichst weit geworfen werden. Die Weite wurde dort gemessen, wo der Strohballen liegen blieb. Mein Strohballen hatte so viel Speed, dass er sich nach dem ersten Landen mehrfach überschlug und so belegte ich den zweiten Platz. Der Preis war eine gläserne, etwa 25 cm hohe Kristallblumenvase aus Italien!

Am Sonntag wimmelte das Örtchen vor Menschen. Wir standen am Straßenrand und winkten den historischen Gefährten und Musikkapellen des Festumzugs zu.

In einer von Pferden gezogenen Kutsche sitzen Frauen in historischer Kleidung
Der Festumzug in Hahndorf zur Gründung der Stadt lockt Besucher von nah und fern

Geelong

Nun mussten wir uns sputen, denn Ende Januar hatten wir uns in Geelong bei Melbourne bei der Verwandtschaft angemeldet. Mit ungemütlich kaltem Regenwetter fuhren wilongr den Great-Ocean-Highway mit den 12 Aposteln entlang und kamen durchgefroren bei der Familie an. Wir wurden herzlich aufgenommen und feierten drei Geburtstage, unter anderem meinen. Den wollte ich dieses mal im heißen Sommer feiern, aber es war regnerisch bei nur 20°. Karen ging für zwei Wochen in den Kindergarten in Geelong, den auch ein japanisches Gastkind aus Hiroshima besuchte. Die Erzieher baten uns Eltern, einen Vormittag mit den Kindern zu kommen und typische Speisen aus der Heimat mitzubringen. Auf der großen Landkarte zeigten die Kinder, wo sie zuhause sind, Karen sang einige deutsche Kinderlieder und das japanische Mädchen führte einen Tanz im Kimono vor.

Kinder sitzen in einem Kinderboden auf dem Boden vor einer Landkarte. Ein Mädchen zeigt auf die Landkarte
Karen erklärt den Kindern auf der Landkarte, wo Deutschland liegt

Ray ging mit uns auf einen Public Golf Course in Australien. Die sind dort so häufig, wie bei uns Minigolfplätze und kosten ähnlich wenig Eintritt. Wir hatten viel Spaß, auch weil wir die Bälle nicht immer trafen.

Eine Frau versucht einen Golfball zu schlagen
Ray nimmt uns mit zu einem Public-Golf-Course und ich schlage meine ersten Golfbälle, versuche es zumindest, aber dieser Schlag ging vorbei

William Ricketts Sanctuary

Ein letzter gemeinsamer Ausflug führte uns zum Mount Dandenong, zum William Ricketts Sanctuary. William Ricketts lebte viele Jahre mit Aborigines im Outback und lernte ihre Kultur schätzen. Er erkannte schon in den 1920er Jahren, dass die so genannte Zivilisation Lebensraum und Leben zerstört. Er wünschte sich ein Australien, in dem nach der Spiritualität der Aborigine, mit Respekt vor der Natur gelebt und gehandelt wird. Seit 1938 töpferte er seine Figuren und platzierte sie überall auf der großen Lichtung mit Riesenfarnen in den Dandenongs. Immer wieder kehrte er für mehrere Monate zu seinem Aboriginestamm zurück, um mit ihm zu leben. Wir lernten ihn in seinem Werkschuppen kennen, er war damals bereits 92 Jahre alt, er starb 95jährig. Ich empfinde seine Botschaft als sehr politisch und immer noch höchst aktuell.

In einem Torbogen sind die Figuren zweier Aborigine zu sehen, in einer Grotte ist im Hintergrund eine weitere Figur
Die Aborigine bewachen die Natur, die die Weißen immer mehr zerstören
Figuren eines Weißen und eines Aborigine stehen gekreuzigt, zwischen ihnen Haufen von toten Tieren. Oben auf dem Kunstwerk ein Mann mit Raubvogelfüssen, seine Haare sind Gewehrläufe
Die Waffenlobby ist verantwortlich für viele tote Menschen und Tiere
Zwei getöpferte Figuren von Aborigine stehen im Unterholz eines Waldes
Überall stehen im Unterholz des Waldes in William Ricketts Sanctuary Figuren

Mein Fazit der Reise: wir hatten ungeheuer schöne Erlebnisse mit unseren Mitmenschen in Australien und haben langjährige Freundschaften geschlossen. Die Natur, die Landschaft hat uns sehr fasziniert, täglich gab es Neues zu entdecken. Eine Vielzahl, die den Beitrag sprengen würde. Wir haben beim Reisen immer eine grobe „Marschrichtung“, aber selten einen sklavischen Zeitplan und können uns so auf die Zufälle und Begegnungen einlassen.

Wie habe ich das mit Wohnung und Job gemacht? Wir hatten unsere Wohnung untervermietet. Ich hatte vor der Reise so viel Geld gespart, dass wir acht Monate kein Einkommen benötigten. Die sechs Monate während der Reise und zwei Monate nach der Rückkehr, während der neuen Jobsuche. Allerdings nahm mein Chef meine Kündigung nicht an, sondern gab mir stattdessen unbezahlten Urlaub, hurra. So hatte ich mehr Reisegeld. Das allerdings der Motorschaden des Hiace aufgefressen hat.

Unseren Hiace habe ich in Melbourne wieder verkauft, zwar mit Verlust gegenüber dem Einkaufspreis, aber er hatte uns fast fünf Monate als Zuhause gedient. Das war auf jeden Fall billiger, als für fünf Monate ein Mobil zu mieten.

Karen kam zuhause mit Kindergarten, Sprache, Papa und ihrem alten Leben wieder gut zurecht. Auch ich war schnell wieder im Alltag. die Eindrücke und Freundschaften begleiten uns aber bis heute!

Jeder und Jedem, der solche Reiseträume hat, kann ich nur empfehlen: planen und machen! Es geht! Und erst recht mit Kind!!

Sehr viel Spaß wünsche ich Dir bei Deiner Umsetzung!

Du möchtest über das Erscheinen neuer Beiträge, Tipps und Infos informiert werden? Abonniere meinen Newsletter, der Anfang jeden Monats erscheint.