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Der Alutaguse Nationalpark ist unser vorletzter in Estland, den wir besuchen werden. Er ist auch der „jüngste“ Nationalpark Estlands und wurde 2018 erst eingerichtet. Die Landschaft wird durch Moor und Sumpf geprägt und im Norden durch den Abbau von Ölschiefer. Das Moor wurde über viele Jahrhunderte von den Menschen genutzt, die Renaturierung ist in vollem Gange.

Lage des Nationalparks

Der Nationalpark Alutaguse liegt im Nordosten Estlands und grenzt an Russland. Die Stadt Jōhvi bildet die nördliche Grenze des Nationalparks. Südlich und westlich der Stadt liegen die Abbaugebiete für Ölschiefer. Hohe Abraumhalden türmen sich in der Landschaft auf. Für die Weiterverarbeitung des Ölschiefers, der auf bis zu 530 ° Celsius erhitzt wird, benötigte es viel Energie. Diese lieferte der Torf des Moorgebiets südlich der Stadt. Seit Errichtung des Nationalparks, wird der Rückbau und die Renaturierung der Moorlandschaft vorangetrieben. Einige der alten Abbau-Anlagen sehen wir bei unserer Wanderung.

Der überwiegende Bevölkerungsanteil in dieser Gegend sind Russen. Teils, da sie in der Ölschieferverarbeitung arbeiten. Aber ein hoher Prozentsatz sind sogenannte Altgläubige. Im 17. Jahrhundert erwirkte die russisch-orthodoxe Kirche einige Reformen, die von den Altgläubigen nicht anerkannt wurden. Sie wurden daher mit Gewalt, Folter und Tod bedroht und flüchteten in die Gegend nördlich des Peipsi Sees in Estland und nach Polen. Daher ist diese estnische Gegend von der Kultur dieser Glaubensgemeinschaft geprägt.

Wir haben uns im Alutaguse Nationalpark die Wanderung Kurtna ausgesucht, die uns in eine Landschaft mit der höchsten Seendichte in Estland führt, was dem Moorabbau geschuldet ist.

Aufzeichnung der Wandertour auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Oder Du folgst mir und dieser Wanderung auf meinem Komoot-Account.

Wanderung entlang der Seen

Am Parkplatz ist – wie bei allen Wanderungen in Nationalparks in Estland – eine Infotafel aufgestellt. Die Wanderung und die Landschaft ist auf Estnisch beschrieben, eine kleine Erläuterung auf Englisch ist auch vorhanden. Sogar einen QR-Code könnte man herunterladen. Ich habe zwischen meine Bilder der Wanderung nur einige kurze Textzeilen eingefügt – so kannst Du mit den Bildern in die Natur „eintauchen“.

Auf einer Tafel ist der Wegverlauf der Wanderung abgebildet
Wir haben von dem Wegverlauf die untere Runde der Acht vor

Wir folgen der Beschilderung einen sehr sandigen Pfad entlang zum ersten See – auf Estnisch Järv. Wir dachten eigentlich, jetzt, nachdem wir von der Ostsee Abschied genommen haben, wäre das Sandwandern vorbei. Aber falsch gedacht, noch sind wir auf uralten Dünen unterwegs, wie wir unterwegs lernen werden. Nach etwa 150 m ist ein Toilettenhäuschen. Zwar – wie immer – nur eine Trockentoilette, aber wieder sauber und mit Toilettenpapier versehen.

Eine Holzhütte mit Toiletten steht rechts eines Waldweges
Wie immer bei RMK Wanderungen vorbildlich – zwischen Parkplatz und Grillplatz eine Toilette

Schon gleich darauf kommen wir an den Nōmmejärv, mit Infotafel, Mülleimern und einem kleinen Sandstrand.

An einem Seeufer stehen Grills und Picknickgelegenheiten
Am Seeufer des Nōmmejärv ist ein Picknick- und Grillplatz

Die Markierungen leiten und nach Norden, erst am Ostrand des Sees entlang und dann nach Westen.

Eine Brücke führt über einen Bachlauf im Wald
Die Brücke führt uns über den Ablauf des Nōmmejärv und geht als Bohlenweg weiter
Ein moorigbrauner Fluss
Von den ehemaligen Nutzungen des Moores steht noch ein Betonbecken im Flüsschen
Ein Bohlenweg führt durch lichten Wald
Der Bohlenweg führt über die sumpfigen Stellen. Hasendraht auf den Bohlen verhindert das Ausrutschen des Wanderers bei Nässe

Der Wald ist ein bunter Mischwald, mit Bäumen und Pflanzen, die auf dem feuchten Moor- und Sumpfuntergrund zurechtkommen.

Auf einer kleinen Lichtung stehen Unmengen grauer Pilze
Die Pilze haben wohl eine Versammlung – oder wachsen sie eher deswegen, weil es nun endlich mal zwei Tage Niederschlag gegeben hat?

Ich bin erstaunt über die Tafel am Nordufer des Nōmmejärv. Nach jedem Gehkilometer steht eine solche Tafel, denn der Fernwanderweg läuft einige Kilometer parallel zu unserem Wanderweg.

Ein Wanderschild für den Fernwanderweg
Am nördlichen Ufer des Nōmmejärv ist der Entfernungswegweiser für den Fernwanderweg von Penijōe nach Kauksi mit einer Gesamtlänge von 615 km

Das der Sommer in Estland sich dem Ende zuneigt, merken wir hauptsächlich daran, dass die Beerensträucher voller Heidel- und Preiselbeeren hängen und ihre Blätter rot färben. Und dass nur noch sehr wenige Blumen blühen.

Eine violette Blüte
Jetzt im Herbst blühen nur wenige Pflanzen, so wie diese hier, deren Name ich nicht kenne

Nach einem kurzen Schlenker erreichen wir den nächsten See und beim Umrunden finden wir eine Libelle, die sich vom wilden Hin- und Herfliegen ausruhen muss.

Ein See mit einem Sandstrand und einer Schilfinsel
Der Mustjärv hat einen flachen Sandstrand
Eine dunkle Libelle hält sich an einem Grashalm fest
Diese dunkle schillernde Libelle hat sich hingesetzt um fotografiert zu werden

Wenige Schritte von der Libelle entfernt steht eine Blume im hohen Gras.

Eine weiße Blüte über dem Gras
Diese weiße Blüte ist wunderschön gezeichnet – der Name ist mir leider nicht bekannt

Der nächste See ist schnell erreicht, denn der Mustjärv ist sehr klein. Am Ufer finde ich die nächste Blühpflanze.

Am anderen Seeufer steht ein Haus
Am anderen Ufer des Niinsaarejärv steht ein Haus
Eine violette Blüte mit einer gelben Lippe
Komplementärfarben an einer Blüte – wie schön – leider kenne ich die Pflanze nicht

Alle Seen wurden ehemals durch Gräben entwässert, um Torf abstechen zu können. Die Wanderwegbauer haben diese Gräben gangbar gemacht.

In einem ehemaligen Entwässerungsgraben lieben Baumstämme, um Wanderern das Queren zu ermöglichen
Die ehemaligen Entwässerungsgräben des Moores wurden am Wanderweg mit Baumstämmen „aufgefüllt“ um die Querung zu erleichtern

Dünenlandschaft

Wir gehen nun immer bergauf. Eine uralte Düne aus alter erdgeschichtlicher Zeit bewirkt das. Oben auf der Höhe ist der Wald völlig anders gestaltet als bisher.

Eine bemooste Birke im Farnwald, dazwischen der Weg
Die bemooste Birke, der Farnwald, die Landschaft hat sich während der Tour mal wieder gewandelt
An einem Baum sind blaue und grün weiße Striche als Markierung
Hier schlängelt sich der Weg als schmaler Pfad steil bergab. Die Wandermarkierungen sind am Baum deutlich zu erkennen

Nach dem Bergab, dass sich länger auf schmalem Pfad hinschlängelt, erreichen wir den kleinsten See. An einem Baum oberhalb des Sees sucht jemand Nahrung.

Ein See liegt in der Sonne, Birken stehen am Rand
Der Laugasjärv ist der nächste See, den die Route passiert
Ein Buntsprecht hämmert an einem Baum
Der Buntsprecht lässt sich durch sein Klopfen lokalisieren

Schon gleich erreichen wir die nächste Düne, die uns, die wir mitten im Wald wandern, nur auffällt, weil wir bergauf gehen müssen.

Ein Wanderer geht einen Pfad im Wald bergauf
Wieder führt uns der Wanderpfad auf eine uralte Düne hinauf

Von der Düne hinab schauen wir auf einen See, der gleich zwei Namen trägt. Wir berühren ihn nur an seinem Südende, denn unser Weg biegt hier nach Osten ab.

Ein See liegt unterhalb eines Fichtenwalds
Den Suurjärv erreicht man bergab über ein steiles Ufer. Er zieht sich weit nach hinten und wird dabei immer breiter

Beerenpflücker

Wir gehen nun auf bequemen breiten Waldwegen weiter und queren die Schotterstraße, die zu den vereinzelt liegenden Häusern führt. Wir beginnen an einer Stelle unsere Dosen mit reifen Preiselbeeren zu füllen. Da uns die Stelle nicht sehr ergiebig erscheint, gehen wir weiter. Nur, danach finden wir keine weitere Stelle mehr, denn heute sind viele Fahrzeuge unterwegs und die Beerensammler im Wald aktiv. Ein Foto von Beerenpflückern aus den 1920er Jahren ist sogar im Begleitheft des Nationalparks abgedruckt. Somit ist das eine alte Tradition. Schön, dass die heute noch gelebt wird. Wieder geht unser Weg zu einem Seeufer hinab.

Wir ändern die Wegrichtung nun nach Süden und sind bereits wieder auf dem Weg zum Wohnmobil.

Auf einem See schwimmen einige Enten
Auf dem Haugjärv schwimmen einige Enten – die ersten Wasservögel auf den Seen, die wir erblicken

Nach dem Haugjärv sind wir vom  Beeren suchen – und nicht finden – so abgelenkt, dass wir den falschen Weg erwischen und uns durch den Wald nach links wieder zum Weg zurück arbeiten. Aber die Beerensucher waren schon überall, nichts mehr zu finden. Aber der Särgjärv liegt wunderschön vor uns und ist mit Seerosen gespickt.

Die Bloggerin steht am Haugjärv
Ich versuche am Särgjärv die wirklich großen, fast goldenen Libellen zu fotografieren – aber die fliegen zu schnell für mich
Im mit Seerosen gespickten See spiegeln sich die Wolken und der Wald
Über dem Wald am Särgjärv türmen sich dicke Wattewolken auf

Wir wandern am breiten Konsu-Kanal entlang bis zur Schotterstraße, der wir noch 600 m bis zum Parkplatz nach Süden folgen müssen. In den vorbeifahrenden Autos sehen wir die Körbe mit Preiselbeeren und strahlende Gesichter.

Das war eine interessante Wanderung. Wie immer war die Beschilderung, die Markierung und die Wegführung sehr gut angelegt. Teils mit Rindenmulch und teils mit Bohlenwegen, die die empfindliche Natur des sich wieder etablierenden Moores vor den harten Tritten der Wanderer schützen. Normale Waldwege und Heidewald befinden sich zwischen den Moor- und Dünenstellen. Eine abwechslungsreiche, eine schöne Wanderung, die ich Dir gerne empfehle – auch die etwas weitere Runde, bei der Du noch drei weitere Seen passierst.

Kloster Kuremäe

Auf unserer Fahrt zum Peipsi Järv, der siebenmal größer ist als der Bodensee, halten wir noch kurz am Nonnenkloster Kuremäe. Heute allerdings sind im Kirchenraum viele Menschen mit Saubermachen beschäftigt, so das wir von einer Innenbesichtigung der Kirche Abstand nehmen müssen. Einige wenige Eindrücke von Außen anhand der nachfolgenden Bilder kann ich Dir aber geben.

Ein Torhaus mit einem Zwiebelturm
Das Tor des Nonnenklosters ist von einer hohen Mauer umgeben. Das Torhaus hat ein sehr steiles Dach mit einem kleinen Zweibeltürmchen
Hinter einem mit roten Blüten bepflanzen Rondell erhebt sich ein hohes Torhaus
Das Tor des Klosters von Innen
Der Grundriss der Kirche ist quadratisch, mit einem Vorbau
Der Grundriss der Kirche ist quadratisch, mit einem Vorbau für die Eingangstüren
Ein Beet mit kleinen Buchspflanzen, die Name und Erbauungsjahr des Klosters preisgeben
Das Kloster Kuremäe wurde 1891 gegründet

Ein schöner Abschluss des Wandertages war der, wenn auch nur kurze, Besuch an den Klostergebäuden dennoch.

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