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An unserem ersten Tag in Estland ergattern wir eine englische Broschüre der „romantischen Küste Estlands“. Beim Studium während der Fahrt, leite ich Bernhard in Uulu von der A 4 auf die A 6, bis zum Dörfchen Allikikivi. Dort ist ein Fruchtweinmacher zuhause, den wir spontan besuchen.

Anfahrt zum Weingut

Über die A 6 von Westen am Städtchen Kilingi-Nõmme vorbei. Etwas nach der Abzweigung der A 92 geht es nach links ins Weingut.

Adresse

Kooli tee 2, Allikukivi, Saarde vald, Pärnumaa, 86201, Eesti, Tel. +372 525 2800, https://www.allikukivi.ee/
GPS Daten
N 58.15138° E 25.01983°
58°09’05.0“ N 25°01’11.4” E

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 20 Uhr

Ein aus Backstein gebautes zweistöckiges Herrenhaus
Das Herrenhaus ist sehr weitläufig mit einer runden Auffahrt

Weingut Allikukivi

Wir fahren in die Einfahrt und den linken Kreisbogen der Auffahrt hoch zu einem Herrenhaus aus Backstein. Ott Hein wartet bereits auf uns, denn wir haben und per Telefon angekündigt. Er ist der älteste Sohn des Hauses und verantwortlich für die englischsprachigen Führungen. Mir fällt die Karte vor der Eingangstreppe ins Auge.

Auf einer Schiefertafel sind in estnischer Sprache Cocktails aufgeführt
Heute sind Cocktails im Angebot 😊

Ott möchte uns erst einen Teil des acht Hektar großen Grundstücks mit eigenem Park zeigen. Der Deutsche Industrielle Albert Zoefeld hatte auf dem Nachbargrundstück eine Kleiderfabrik erbaut – und für sich das Herrenhaus. Nachdem die Fabrik geschlossen war und das Haus leer stand, nutzte die Gemeinde es als Schule. Die Eltern von Ott, Reili und Roman Hein haben das Grundstück mit Haus vor acht Jahren ersteigert, seit fünf Jahren leben sie hier, statt in der Hauptstadt Tallin.

Die Rückseite des Backsteinherrenhauses mit einer Treppe in den Park
Der Parkausgang des Herrenhauses

Auf der unteren Terrasse des Herrenhauses zum Park finden immer wieder Konzerte und andere Veranstaltungen statt, gerade am letzten Wochenende ein Jazzkonzert. Ein australischer Freund, der zu Besuch und von Beruf Barmann ist, kreierte Cocktails aus den Fruchtweinen, was bei den Gästen ungeheuer gut ankam.

Die Besitzerin des Weingutes Raili Hein
Die Besitzerin des Weingutes Raili Hein im Park Ihres Anwesens

Vor 10 Jahren überlegte Raili Hein, dass sie den Fruchtwein, den die Familie gerne trinkt, auch selbst herstellen könnte. So besuchte sie einen Kurs und begann mit der Herstellung von Fruchtweinen. Sie reichte ihre Weine gleich zu Verkostungen ein und gewann damit immer 2. Preise bei den Hobbywinzern. Von Hauptberuf ist sie in der IT-Branche tätig und kann ihre Arbeit von Allikukivi aus im Homeoffice machen. 1 – 2 Mal im Monat muss sie allerdings nach Tallin, zum Arbeitsplatz. Ott führt uns während seiner Erzählung durch den Park und zeigt uns eine Besonderheit in einem Baum.

Wir biegen links ab und gelangen zum Beerengrundstück, das momentan auf einem Hektar bewirtschaftet wird, aber auf 2 Ha erweitert werden kann. Nach dem Kauf des Hauses begannen sie mit dem Pflanzen von Beerensträuchern verschiedener Sorten.

Viele Sträucher mit Schwarzen Johannisbeeren stehen in einer Reihe
Die Ernte der schwarzen Johannisbeeren steht kurz bevor
In den Sträuchern hängen viele dunkle Johannisbeeren
Die Sträucher hängen voller Beeren
Rhabarberstängel bekommen rotes Laub
Zwar keine Beere wird aber auch für Wein angebaut. Der Rhabarber macht sich farblich bereits für den Herbst schön
Am Strauch hängen viele fast schwarze Aroniabeeren
Die Aroniabeeren sind noch nicht ganz reif

Alle Arbeit im Fruchtweingut war bis zum letzten Jahr Handarbeit. Beim Pflücken hat sich das nicht geändert, im Keller schon. Eine neue Fruchtsorte sollte zukünftig hinzukommen. Im letzten Jahr hat die Familie 35 Kirschbäume angepflanzt, die in diesem Jahr aber alle eingegangen sind. Im Herbst wird ein neuer Versuch mit einer robusteren Sorte unternommen. Bis letztes Jahr wurde in einem Raum des Erdgeschosses der Wein gepresst und gekeltert. Erst vor drei Monaten ist der Weinkeller im Keller des Hauses fertig geworden. Die Probierstube muss noch möbliert und dekoriert werden, bevor die ersten Gäste empfangen werden können.

Ein gefliester Kellerboden mit Backsteinwänden
Die zukünftige Weinprobierstube ist erst vor kurzen fertig renoviert worden

An der mittlerweile elektrischen Weinpresse ist Roman Heim die Ernte von gestern am Pressen.

Ein Mann säubert eine Presse von Beerenrückständen
Roman Hein säubert die Presse von den Rückständen der Stachelbeeren

Wir probieren den Saft, der mir zumindest viel zu sauer ist. In mehreren Räumen stehen die Edelstahlfässer, in denen der Fruchtwein reift.

Zwei Edelstahlfässer stehen in einem Backsteinkeller
Die Fenster im Weinkeller gehen in die Probierstube – so können die Gäste später beim „Reifen“ zuschauen
Verschieden große Edelstahltanks stehen im Weinkeller
Je nach Saft- und Weinmenge werden verschieden große Tanks für die Reife und Lagerung benötigt

Im letzten Jahr wurden 4.000 Liter Fruchtwein hergestellt, in diesem Jahr hofft die Familie auf 10.000 Liter.

Der Gärkeller geht zur Vorderseite des Hauses und ist mit einem Flipchart für das Notieren der Messdaten ausgestattet. Um die drei Wochen gären die Früchte, bevor sie In die Fässer zum Reifen umziehen können.

In Plastikfässern gärt Fruchtwein
Die Fruchtweine sind während des Gärens in ständiger Kontrolle

Wir gehen um die andere Seite des Hauses herum, wo für Gäste eine Toilette ist.

Im Garten, unter einem Baum ist eine Trockentoilette und ein Waschbecken
Im Garten, unter einem Baum ist eine Trockentoilette und ein Waschbecken

In einigen Jahren soll das zweite Stockwerk für Gästezimmer mitgenutzt werden. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg. Wir sind mittlerweile wieder auf der Eingangsterrasse, auf der der Probiertisch für uns gedeckt ist. Vier Weine und einen Likör werden wir versuchen, zur Geschmacksneutralisierung steht Käse bereit.

An einem Holztisch stehen Stühle, darauf Gläser für eine Weinprobe
Auf der Eingangsterrasse ist für unsere Weinprobe gedeckt

Unser erster Wein, ein Rhabarberwein, ist mit dem Saft von Birken verfeinert, was eine gewisse Extrasüße gibt. Ich empfinde den Rhabarbergeschmack dadurch allerdings als zu wenig, denn ich mag ihn lieber kräftiger.

Es folgen die Weine Apfel-Quitte, eine neue Kreation, die mir sehr gut schmeckt, den die Quitte sticht leicht hervor. Ein halbtrockenen Johannisbeerwein verkosten wir danach, der sehr fruchtig schmeckt. Der Himbeerwein schmeckt sehr weich und als wenn eine Himbeere im Mund zergeht. Ott bringt uns zwei Liköre, einen Johannisbeer, der dieses Jahr einen 2. Preis gewonnen hat und ausverkauft ist und einen Erdbeerlikör. Auch er schmeckt sehr fruchtig und ich kann ihn mir gut über einem Eis vorstellen.

Nach der Weinprobe zeigt uns Ott noch den Theatersaal, den Herr Zoefeld im Haus integrieren lies. Die Bühne im hinteren Teil des Raumes wäre heute noch nutzbar.

Ein großer Saal mit Holzfußboden und einer Bühne an der hinteren Wand
Im Herrenhaus Theatersaal, während der Schulnutzung Sporthalle, heute Kinderspielzimmer
Ein großer Saal mit Holzfußboden, Turngeräten und einem Basketballkorb
Das war unverkennbar die Sporthalle – mit dem unvermeidlichen Basketballkorb der Esten

Gegenüber liegt der Verkaufsraum, in dem die Weine und Liköre und einige Ware von regionalen Erzeugern angeboten werden.

An einer Wand mit Dunkelroter Tapete stehen dunkle Regale mit Fruchtweinflaschen
Der Verkaufsraum ist geschmackvoll eingerichtet

Hier steht auch der Zweite Preis Gewinner in einem Regal. Die Liköre haben aller Frauennamen, Hermiine, Adeele und Margaret.

Vier Flaschen Johannisbeerlikör mit Namen Hermine
Der Johannisbeerlikör Hermine hat in diesem Jahr bei einer Messe den 2. Preis gewonnen

Verschiedener Fruchtsaft wird natürlich ebenso hergestellt und in lustig bedruckten Boxen verkauft.

Ein Karton mit Saft hat einen Aufdruck mit einem Hirsch mit Früchten im Geweih
Die Saftbox hat einen witzigen Aufdruck

Die Preisliste ist – wie auch bei Gunta Niedra im Weingut Mazburkas und bei Mārtiņš Sants von Vīna Darītava in Lettland – recht einfach gestrickt. Es gibt nur zwei Preise. Allerdings ist es anders als in der Pfalz bei der Weinprobe. Erstens kostet die Weinprobe 12 € und zweitens kostet sie das auch, wenn Wein gekauft wird.

Auf einer Schiefertafel stehen die Wein- und Likörpreise
Die Preisliste des Fruchtweinguts ist recht einfach

Wir durften ausnahmsweise an einem Montag im Weingut vorbeischauen und danken dafür recht herzlich. Die Weine werden uns an eine interessante Familie erinnern und im nächsten Jahr werden wir die neuen Kreationen von diesem Jahr probieren, wenn wir wieder kommen.