Zoo Landau – ein Ausflug

Zoo Landau – ein Ausflug

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Ein kleiner, aber feiner Zoo liegt nahe des Stadtzentrums in Landau. Immer wieder ein Genuss, den Spaß der Kinder zu sehen, die staunenden Gesichter und fragenden Augen. Kindgerechte Erklärungen mit zu lösenden Rätseln und die sich daraus entwickelnden Gespräche sind auch für Erwachsene lehrreich.

Der Zoo in Landau

Wenn eines der Enkelkinder zu Besuch ist, machen wir gerne Besuche in Tierparks, Wildtiergehegen und Zoos. Sehr gerne gehen wir in den Zoo in Landau. Er ist recht stadtmittig gelegen und in einen Teil der ehemaligen Festungsanlage integriert. Rechts des Eingangs können die Kamele auf der Weide von der Straße aus bereits beobachtet werden. Der Zoo ist flächenmäßig klein, mit einer Auswahl von Tieren von allen Kontinenten. Für größere Kinder, die mit der Weltkugel schon etwas anfangen können, ist das besonders spannend. Die Dreikäsehochs kennen viele der Tiere aus Bilderbüchern und sind erstaunt, dass diese sich nun bewegen, Geräusche machen und manchmal sogar komisch riechen.

Corona

Während des Lockdowns der Coronakrise war der Zoo gesperrt, mittlerweile hat er mit Verhaltensregeln zu Abstand und Hygiene wieder geöffnet. Wichtig für den Zoo, der das Tierfutter und die Tierpflege aus seinen Einnahmen zahlen muss. Ich hatte auch den Eindruck, dass manchen Tiere das Bestaunen der Menschen gefehlt hat. Und die kleinen und großen Menschen sind froh, wieder raus zu dürfen, sich zu bewegen und dabei etwas zu erleben.

Gebotsschilder zur Beachtung während Corona
Genaue Verhaltensregeln für Besucher

Leider fällt das pädagogische Programm wegen Corona aus, das Affenhaus ist gesperrt, der Streichelzoo ist zu und die Tiere dürfen nicht gefüttert werden. Und bei den Tigern ist derzeit Baustelle – wie schade. Aber das wird sich in kleinen Schritten auch wieder normalisieren.

Rundgang

Wir spazieren zum ersten Gehege mit den Wollschweinen – bitte sehe mir nach, dass ich die genauen Namen der Tiere nicht aufführe, obwohl Name, Herkunftsland und einiges mehr an allen Gehegen angebracht ist. Doch die zweieinhalbjährige Enkelin ist noch zu wuselig, da kann die Oma nicht minutenlang vor einem Schild stehen…

Ein Wollschwein im Gehege zupft an einem Zweig
Ein Zweig zum Spielen und Essen

Gleich nebenan sitzt der Pfau auf einem Holzgeländer, lässt sich aber von uns nicht animieren, ein Rad zu schlagen.

Na, wann kommt endlich Frühstück?
Ich liebe das Blau des Pfaus

Bei fast allen Gehegen sind für Kinder – oder eher für den Schutz der Tiere – Felsbrocken aufgehäuft, auf denen die Kinder hochklettern können. So haben alle eine gute Sicht, z.B. auf das Afrika Gehege. Zebras, Gnus und Erdmännchen wohnen in einer Wohngemeinschaft. Mir geht das Herz auf, denn ich rieche förmlich die Luft Afrikas, die so völlig andere Düfte beinhaltet. Wie gerne wäre ich mal wieder dort.

Ein Kind steht auf einem Stein und schaut in das Afrikanische Gehege mit Zebra und Gnu
Klettern und Tiere gucken – doppelt spannend
Drei Gnus essen an einem Ast
Gemeinsam schmeckts besser, die Gnus essen an einem Zweig
Zwei Erdmännchen sitzen auf einem Baumstamm
Na, was ist auf dieser Seite los?

Gegenüber von Afrika ist Australien – fast wie auf der realen Erde, da liegt Afrika auf der gegenüberliegenden Südhälfte der Erdkugel. Die Wallabys haben nach den langen Zooferien noch Mühe, zeitig aufzustehen um für die Kinder „action“ zu machen. Gerade, als ich meinen eigenen Australienfilm in meinem Kopfkino anschalten möchte, muss ich aber schon wieder weiter. Über uns klappert das Storchenpaar um die Wette.

Zwei Wallabys, eines liegt, das andere putzt sich
Uff, da sind schon Kinder! Okay, aufstehen und putzen, gääähn

Denn natürlich wohnen einheimische Tiere auch im Zoo. Das Storchenpaar hat den Storchenbaum mit Nest bezogen und ist bereits am Brüten. Ein Kastanienbaum, der seine weißen „Kerzen“ aufgesteckt hat, beherbergt eine Kolonie Graureiher mit Nestern. Die Nester sind so versteckt, dass ich leider kein brauchbares Foto machen konnte.

Zwei Störche stehen in ihrem Nest
Familie Storch hat ihre Kinderstube eingerichtet

Der Streichelzoo ist normalerweise die Attraktion für die Kinder, die in den meisten Fällen nicht mit Tieren aufwachsen. Die Kinder dürfen über eine hohe Treppe ins Gehege klettern und die Ziegen und Hasen füttern. Die Ziegen haben sich heute beleidigt hinter den Schuppen zurückgezogen. Man hört nur das frustrierte Meckern, weil es aus den Kinderhänden nichts zu fressen gibt, und sie die Kinder nicht beschnuppern und umschubsen dürfen. Die Hasen haben frisches Gemüse zum Frühstück von den Wärtern erhalten und sind derzeit an keiner Blick-Kontaktaufnahme interessiert.

Ein Hase isst Gemüse
Der Hase gehört zum Streichelzoo – der leider nicht geöffnet ist

Ein schauerliches Muh brüllt über den Platz, wir machen uns auf die Suche nach dem Stimmenbesitzer. Ein Rind mit besonders massiven Hörnern wollte mal mitteilen, dass es sich auch über Besucher freut. Aber die Rinder sind für die Enkelin heute nicht so interessant. Gestern war sie beim Milchholen beim Bauern im Kuhstall, da war für die Kleine scheinbar mehr geboten.

Ein Stier und eine Kuh mit besonders massiven Hörnern in einem Pferch
Die Hörner der Tiere sind gigantisch

Wir kommen am Aufsteller mit der Anatomie der Elwedritsche vorbei. Der Keramikkünstler Walter Rupp hat sich die Mühe gemacht, eine Elwedritsche zu skizzieren. Auch die Elwedritsche ist ein einheimisches Tier, dass immer dort lebt, wo auch Pfälzer leben. Das ist amtlich erwiesen, denn bei den Auswandererwellen im 18. und 19. Jahrhundert sind diese Wesen mit nach Amerika ausgewandert und bevölkern einige – hauptsächlich von Pfälzern besiedelte – Bundestaaten. Die Pfälzer Zeitung, die bis 1914 in Pennsylvania erscheinen durfte, turg sogar den Namen „S´Elwedritsch“.

Das Fabelwesen Elwedritsche wird anatomisch erklärt
Selten kann einer Elwedritsche so genau auf die Anatomie geschaut werden. Rechte am Bild: Walter Rupp (www.keramik-elwedritsche.de)

Im Landauer Zoo leben auch einige Raubkatzen, Tiger und Geparde. Die Geparde sind jedoch sehr scheu und genießen lieber die Sonne, als im Gehege herumzuspazieren. Der Vollständigkeit halber – obwohl wir heute nicht zum weitläufigen Tigergehege kommen – zeige ich ein Bild eines Tigers vom letzten Zoobesuch in Landau.

Ein Gepard liegt auf einer Wiese
Ein schöner Rücken, kann auch entzücken
Ein Tiger steht auf einer Wiese in einem Festungsgraben
Das Tigerbild habe ich beim Besuch im Mai 2019 aufgenommen

Der Kiosk und der Grill sind geöffnet, mit Abstandsregel könnten wir uns hier mit Speisen und Getränken versorgen. Wir haben ein kleines Picknick mit, das wir auf einer Bank sitzend verzehren.

Gesättigt betrachten wir die Pinguine, die ihrerseits noch auf die Fütterung warten und ein Schwätzchen halten, bevor die Wärterin kommt. Der Graureiher weiß genau, dass für ihn etwas abfallen wird. Während der Wartezeit beobachtet er den sportlichen Schwimmer unter den Pinguinen.

Pinguine und ein Graureiher warten auf die Fütterung
Na, wann kommt endlich Frühstück?

In Gehegen und Folieren sind Vögel von den unterschiedlichsten Kontinenten untergebracht, die mit ihren Rufen, Trillern, Flötentönen und ungewöhnlichen Geräuschen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber für unsere Kleine anscheinend zu langweilig sind, um stehen zu bleiben. Da die Schildkröte nur langweiligen Salat frisst, ist sie auch kein Grund, mal anzuhalten. Das gerade erst von der Enkelin neu entdeckte Rennen als Fortbewegung, muss geübt und ausgelebt werden. Ich werde wohl zukünftig schneller werden müssen.

Zwei Schildkröten essen einen Salatkopf
Hmmm, lecker! Pfälzer Salat!

Durch die vielen Eindrücke, das Klettern, Staunen und Rennen wird das Enkelkind leider schneller müde als erwartet. Selbst die Affen, die wie wild in ihrem Areal herumklettern und weite Sprünge machen, können die Müdigkeit nicht vertreiben.

Affen klettern in einem Gehege
Zuerst Sport, Leute, dann gibt es Frühstück!

Alles in seinem Maß und mit seiner Zeit. Ich bin gespannt, wenn wir mit ihr in einigen Monaten wiederkommen, welche Erlebnisse wir dann haben werden. Mit den Kinderaugen nehmen wir Erwachsenen die Welt doch nochmal ganz anders war. Gut, dass die Kleine am Affengehege plötzlich schlapp wird, denn dort ist der derzeit einzige Ausgang des Zoos.

Wir hatten viel Spaß mit unserer Enkeltochter. Und mit den Tieren, die uns so interessiert betrachtet haben, wie wir sie.

Kurzfilm Zoo Landau

Einige Einrücke habe ich auch in einem Film zusammengestellt.

Besuch im Zoo

Wer in der Umgebung wohnt oder hier in der Pfalz Urlaub macht, dem ist der Landauer Zoo herzlich empfohlen! Er liegt Zentrumsnah in einem Teil der ehemaligen Festungsanlage und ist über 110 Jahre alt. Er ist mittlerweile nicht nur eine Freizeit- und Erholungseinrichtung, sondern der Zoo Landau engagiert sich auf den Gebieten des Artenschutzes, der Umweltbildung und der Forschung.

Tiere von allen Kontinenten sind zu entdecken und für größere Kinder gibt es in normalen Zeiten ein pädagogisches Programm. Leider sind aufgrund der Corona-Regeln einige Attraktionen nicht erlebbar, z.B. der Streichelzoo und das Affenhaus und bei den Tigern wird gerade umgebaut.

Ein Ausflug wäre ohne Picknick ja kein richtiger Ausflug und so sind Kiosk und Grill geöffnet oder man verzehrt mitgebrachte Speisen.

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Wanderung Klingenmünster – Burgruinen und Aussichten

Wanderung Klingenmünster – Burgruinen und Aussichten

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Der Schriftsteller August Becker ist in Klingenmünster aufgewachsen. Seine Romane schildern die Lebensweise der Pfälzer um 1840 so detailliert, ich werde immer Teil der Geschichte, wohne in der Landschaft, arbeite mit den Menschen. Heute wollen wir mal wieder die von ihm beschriebene Landschaft wandernd erleben.

Klingenmünster

Die Gemeinde Klingenmünster liegt beschaulich in der Südpfalz. 626 wurde mit dem Bau eines Klosters begonnen. Ein Kloster zog immer Handwerker und Bauern an und so entstand der Ort. Bedeutende Menschen sind hier aufgewachsen, einige lernen wir während unserer Wanderung kennen.

Wir parken auf dem Parkplatz an der Klingbachhalle in der Mühlgasse dort ist auch ein Wohnmobilstellplatz, allerdings derzeit wegen Corona gesperrt.

GPS
49.139794, 8.014248 oder
49°08’23.3“ N, 8°00’51.3“ E

Die Wanderung habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet. Sie ist aber auch in meinem Wanderführer „Wandern links und rechts der Deutschen Weinstraße“ abgedruckt, die Wanderung 23. Heute gehen wir eine Variante davon, die hauptsächlich auf breiteren Wegen und nicht so steil führt und daher auch für Kinderwagen geeignet ist.  

Vom Parkplatz wandern wir entlang des Klingbachs bergab bis zur Steinstraße und folgen dieser nach rechts. An der Kreuzung zur Weinstraße steht das alte Schulhaus.

An einer Straße steht ein zweistöckiges Gebäude mit grünen Fensterläden, das Geburtshaus August Beckers
Links ist die ehemalige Schule Klingenmünsters, das Geburtshaus August Beckers, rechts am Bildrand der Brunnen, der zu Ehren August Beckers errichtet wurde
Gedenktafel für August Becker, einen pfälzischen Schriftsteller
Auf der Giebelseite des alten Schulhauses ist eine Gedenktafel für August Becker angebracht

Hier ist 1828 August Becker als Sohn des Schulmeisters geboren. Gegenüber, schon in der Straße „Im Stift“ ist ein Gedenkbrunnen zu Ehren August Beckers errichtet. Eine Büste des Schriftstellers und einige Szenen aus seinem Roman „Hedwig“ sind dargestellt.

Wir wandern in der Weinstraße kurz nach Norden und schwenken nach der Bushaltestelle in den Pfad „Am Sauerbrünnel“ an der Klostermauer ein.

Eine Tafel erklärt die Geschichte der Klostermauer
Wir wandern an einem Teil der alten Klostermauer entlang

Wir gehen über die Klingbachbrücke und auf dem Fußweg bis zur Straße. Hier links und an Gärten und Weideland vorbei in nördliche Richtung. Wir überqueren die „Lettgasse“ und gehen durch den „Kahngarten“ zur „Weinstraße“, die wir überqueren. Auf der anderen Seite führt uns eine schmale Straße (im Obstgarten) nach ca. 100 m auf die „Alte Straße“. Hier wenden wir uns nach rechts (bergauf) und erreichen nach etwa 1/2 km, über einen kleinen, aber lohnenden Abstecher nach links, die 1234 erbaute Nikolauskapelle.

Über die austreibenden Weinreben ist die Nikolauskapelle zu sehen
Die Nikolauskapelle gehörte ehemals zur Gemeinde Margaretenhof
Vor der Nikolauskapelle stehen Bänke zum Verweilen
Hier lässt sich Ruhe genießen – Verweilbänke vor der Nikolauskapelle – links an der Kapelle vorbei geht es später weiter

An dieser Stelle lernst Du zwei weitere Klingenmünsterer kennen, die auf Tafeln vor der Kapelle vorgestellt werden. Wir wandern an der Kirche vorbei Richtung weiterer Informationstafeln und aufwärts bis an die westliche Zufahrt der Pfalzklinik (Schranke) und zur Johannaquelle.

Steintröge fangen das Wasser der Johannaquelle auf
Reines, klares Quellwasser aus der Johannaquelle – darf leider aufgrund der deutschen Gesetzgebung nicht als Trinkwasser deklariert werden

Durch den Wald zum Schlössel

Hier wandern wir nach rechts auf dem Weg am Waldrand (Markierung Traube) und biegen mit vielen Wanderschilden nach links in den Wald. Wir gehen auf dem breiten Forstweg mit Holzschilde Schlössel weiter und an der Gabelung bleiben wir heute auf dem rechten breiten Forstweg, wieder mit Holzschild Schlössel. An einem Waldpfad mit Schild Schlössel spazieren wir nach rechts und kommen zur Markierung grünes Dreieck auf weißem Grund. Wir halten uns hier wieder nach rechts und folgen dem Weg bis zum Schlössel. Wir betreten die Anlage von Südosten, wo der Wanderweg den äußeren Wall bei etwa 322 m Höhe kreuzt. Der Verlauf der aus Steinen aufgeschichteten Verteidigungslinie ist hier noch deutlich zu erkennen. Dort ist an einer Erklärungstafel ein QR-Code mit einem Video zur Erklärung der Anlage angebracht.

An einem Baum ist eine Erklärungstafel zur Ruine Schlössel angebracht
An der Ruine Schlössel ist vom Landeckverein e.V. Klingenmünster eine Erklärungstafel angebracht worden – lange ist wohl her
Eine Eidechse wärmt sich an einer hölzernen Rastbank
Rund um das Schlössel wohnen viele Eidechsen, diese sonnt sich auf der Rastbank
An einer Erklärungstafel ist ein QR-Code angebracht, um ein Video zu laden
Der Archäologe Dieter Barz gräbt immer mal wieder rund um die Ruine Schlössel. Per QR-Code kannst Du ein Video über die Geschichte des Schlössel anschauen
Rastbänke mit Tischen stehen im Burgareal
Rastbänke mit Tischen laden am Schlössel zur ausgiebigen Rast ein
Geländer schützen auf einer oberen Plattform an der Ruine Schlössel vor einem Absturz
Über eine Treppe gelangt man zur oberen Plattform, die eine Rundumsicht gewährt

Nach der Zerstörung bedeckte für lange Zeit ein bis zu 6,5 m hoher Steinhaufen die Grundmauern und Überreste der Gebäude. Dadurch wurde die Ruine in gewisser Weise konserviert, wodurch der heutige relativ gute Zustand zu erklären ist.

Fliehburg Heidenschuh

Wir wandern vom Schlössel auf gleichem Weg zurück, zunächst bergab hinter den Burgberg. In der Senke, wo sich die Wege verzweigen, wählen wir halbrechts den Weg Nr. 6, der uns sogleich wieder bergan auf eine kleine Kuppe führt. Hier sehen wir rechts und links des Weges verfallene Laufgräben aus neuerer Zeit. Hinter der Kuppe trifft der Weg nach einer Linkskurve auf den breiten Hauptweg. Wir wenden uns nach rechts und steigen weiter bergauf. Nach etwa 200 m zweigt in einer Linkskurve der Steig Nr. 6 geradeaus ab (Hinweisschild Heidenschuh), der uns dann durch einen steinigen und steilen Hohlweg weiter bergauf bringt. Die Bäume an dieser Wegstrecke sind seltsam gewachsen, mit rechtwinkligen Knicken und manchmal auch Rundungen.

Ein verdreht gewachsener Baum erinnert an einen Korkenzieher
Manche Bäume in der Pfalz wollen auch Werbung für Wein machen – dieser als Korkenzieher

Der Weg wendet sich alsbald nach rechts (Nordost) und wird wieder etwas zahmer. Nach wenigen Minuten zweigt der Weg Nr. 6 erneut nach rechts ab (geradeaus gesperrt!) und wir erreichen kurz darauf den Aussichtspunkt auf der Nordostspitze des Heidenschuhs.

Auf einem gegenüberliegenden Hügel ist eine Burgruine zu sehen
Vom Aussichtpunkt ist die Madenburg zu sehen

Wir folgen dem Pfad bergauf zur Erklärungstafel der Fliehburg Heidenschuh.

Eine Tafel erklärt die Anlage der Fliehburg Heidenschuh
Ebenso wie das Schlössel war der Heidenschuh eine Fliehburg
Mittels eines QR-Codes kann ein Informationsvideo zur Fliehburg angeschaut werden
Der Pfälzer „Burgenpabst“ Rolf Übel persönlich hat ein Informationsvideo zur Fliehburg Heidenschuh gestaltet

Nach eingehender Erforschung der über tausend Jahre alten Mauern wandern wir auf dem Weg Nr. 6 über den Bergrücken weiter in südwestlicher Richtung. Der Wegverlauf auf dem Heidenschuh wird wegen seiner vielen interessanten Aspekte, sowie einer der beeindruckendsten Ausblicke auf Hahnsteine, Rehberg und Trifels, als einer der schönsten Wanderwege im Pfälzerwald beschrieben.

Aussichten

Über einen Ort im Tal hinweg sind weitere Hügel zu erkennen, auf einem die Ruine Münz
Das diesige Wetter erlaubt nur eine Ahnung von der Ruine Münz auf dem hinteren rechten Hügelchen
Ein Blockhaus mit offenem Eingang lädt zur Rast ein
Bei Regen wäre das ein idealer Rastplatz – uns zieht es weiter im Sonnenschein

Dort, wo der Weg nach Waldhambach steil hinunter führt, wenden wir uns wieder leicht ansteigend nach Süden (links), bis wir nach etwa 120 m auf einen breiten Weg treffen. Von hier gehen wir kurz rechts hinauf, wo auf der Ostschulter des Treutelskopfes der Weg zum Martinsturm links (westlich) abzweigt (Wegweiser). Nach weiteren 50 Höhenmetern, die wir in etwa 5 anstrengenden Minuten bewältigen, kommen wir zu einer Sandsteinplattform mit Aussicht.

Unterhalb des Martinsturms ist ein Aussichtfels mit Blick nach Waldrohrbach und Waldhambach und in den Pfälzerwald
Unterhalb des Martinsturms ist ein Aussichtfels mit Blick nach Waldrohrbach und Waldhambach und in den Pfälzerwald

Martinsturm

Noch einige Meter weiter hinauf und wir haben den Martinsturm erreicht, den mit 503 m höchsten Punkt der Gemarkung Klingenmünster (TP), der eine beeindruckende Rundumsicht bietet.

Ein Sandsteinturm mit einer überdachten Brüstung
Der Martinsturm wurde als touristischer Turm erbaut – nur, damit Wanderer die Aussicht genießen können

Wir gehen zurück zum Hauptweg und folgen der Beschilderung Marthaquelle auf dem Forstweg bergab. Ein schmaler Pfad führt links von Forstweg zum Rastplatz an der Quelle, von dort leicht hinauf wieder zum Forstweg. Wir folgen der weiß-blauen Markierung immer weiter Richtung Burg Landeck, wir nehmen den kürzeren Weg zur Burg, immer weiter auf dem breiten Forstweg. Mit Schild „Burg Landeck“ geht es kurz auf einem schmalen Pfad weiter und über einige Stufen auf den unteren Forstweg.

Burg Landeck

Dort weiter geradeaus, bis die Burg Landeck vor uns liegt. (Heute wegen Corona geschlossen). So wandern wir nach links und folgen den Wandermarkierungen nach rechts in den Burggraben.

Durch Bäume hindurch ist der Zugang zur Burg Landeck zu erkennen
Der Eingang zur Burg Landeck, eine Brücke führt heutzutage über den Burggraben
Die Burg ist auf gewachsenen Fels gebaut und erhebt sich in mehreren Reihen hintereinander
Vom Burggraben im Norden wirkt die Burg sehr mächtig. An den Balken vorne, können Wanderreiter ihre Pferde anbinden

Wer mit Kinderwagen unterwegs ist, sollte hier der Fahrstraße wieder hinab zum Pfalzklinikum folgen. Wir wandern mit der Weinsteigmarkierung bergab, an der T-Kreuzung nach links, nehmen die Serpentine nach rechts und gehen dann geradeaus um den Burgberg herum und mit einer Serpentine nach links hinunter zur Landstraße und zum Klingbachhof. Wir queren die Landstraße am Klingbachhof und gehen gleich links, auf dem rechten Weg in den Park. Mit einem Spaziergang am Klingbach entlang und eventuell einem Verweilen auf der Rastbank mit Aussicht kommen wir wieder zum Parkplatz.

Ein Bach windet sich durch einen Park
Der Klingbach begleitet den Wanderweg vom Klingbachhof durch den Park zum Parkplatz
Über einer Ruhebank am Klingbachweiher thront die Burg Lande
Über einer Ruhebank am Klingbachweiher thront die Burg Lande

Wieder hat die Wanderung in der Heimat von August Becker Spaß gemacht. Wir waren etwa 3,5 Stunden unterwegs, haben 390 Höhenmeter bergauf und bergab zurückgelegt und sind knapp 10 km gewandert.

Die Gegend um Klingenmünster und im Bad-Bergzabener Land ist ein Wanderparadies und die Wegmarkierungen vorbildlich. Am Parkplatz ist eine große Wanderkarte angebracht und über einen QR- Code lassen sich diese auch auf das Mobiltelefon laden.

Ein QR-Code enthält Infos zu allen Wanderwegen
Das Bad-Bergzaberner Land und Annweiler sind auf modernstem Stand für Wanderer – alle Wanderwege mit nur einem QR-Code

Ich freue mich auf die Zeit, wenn wir die Pfälzer Gastfreundschaft wieder genießen können.

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Reisepunsch.de geht online

Reisepunsch.de geht online

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Hurra, endlich ist es soweit! Reisepunsch.de geht online.

Reisepunsch.de steht für Unterwegs sein, Spaß haben, Genießen.
Unterwegs sein im Frühling 2020 ist wegen der Corona-Thematik leider praktisch nicht möglich. Doch in der Theorie können wir reisen, wohin wir wollen. Wie? Na, „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten…“ – war schon meiner Mutters Lieblingslied.

Rechts eines rötlichen Felsens fliegt mit ausgebreiteten Schwingen ein Condor
Ein Condor – aufgenommen bei der Marmolejo-Tour

Ich nehme Dich jetzt mit auf Reisen. Virtuell. Mit schönen Bildern, kleinen Anekdötchen, Erzählungen vom Unterwegssein, kurzen historischen Details. Gebe Dir Tipps zur Umsetzung Deiner eigenen Träume.

Corona

Es wird eine Zeit nach Corona geben! Es hat in der Erdgeschichte und in der Geschichte der Menschheit immer eine Zeit danach gegeben. Ein Zeit nach der Pest, nach der Spanischen Grippe, nach dem 2. Weltkrieg. Ja, es gibt auch in jedem einzelnen Leben eine Zeit danach. Nach dem Auszug aus dem Elternhaus, nach der Trennung von einem Partner, nach einer Kündigung…

Ein Ende ist immer der Anfang von etwas Neuem.


Wer das gesagt hat, weiß ich nicht, aber dieser Mensch hatte recht.

Damit ein Neuanfang aber gelingt, muss ich selbst den Neuanfang gestalten. Ich muss überlegen, wie ich mein (einziges) Leben für mich selbst positiv gestalten möchte. Und das dann aktiv (selbst gestaltend) umsetzen. Das „Alte“ wirklich hinter mir lassen und auf eigenen Füßen stehen (wollen). Einfach einen neuen Weg suchen.

In einem Felsen ist ein Drahtseil gespannt und Krampen eingefügt. Es geht steil bergauf
Neue Wege suchen, manchmal schwierig, aber immer machbar – Bild aufgenommen am Mindelheimer Klettersteig

Mit und nach Corona

So wird es auch mit der Zeit nach, und in nächster Zeit MIT dem Coronavirus sein. Denn das ist keine Sache, die in einigen Wochen vorbei ist!
Wir alle werden unser Verhalten ändern müssen. Es wird lange nicht mehr so sein wie „Früher“. Ein Früher, dass nur wenige Wochen hinter uns liegt!

Nach dem Auszug aus dem Elternhaus beginnt das neue eigenständige Leben. Nach der Trennung von einem Partner beginnt die Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen, wer bin ich, wo stehe ich? Nach einer Kündigung kann ich mit meinen Erfahrungen und meinem „Wissen, wohin ich selbst will“, den Arbeitsplatz finden, der gut für mich ist. Nach Sonnenuntergang kommt Sonnenaufgang.

Die Sonne geht hinter Hügeln unter, im Vordergrund Weinreben
Abschied nehmen kann manchmal sooo schön sein!

Nach und mit Corona müssen wir uns gegenüber unseren Mitmenschen anders verhalten. Abstand halten! Distanziert sein! So, wie es früher schon mal war. Körperlich und sprachlich.

In den letzten Jahrzehnten sind wir uns näher gerückt – manchmal übergriffig nahe. Viele busseln sich heutzutage ab – auch wenn sie erstmals einander vorgestellt werden. In alter Zeit verhielt man sich distanziert. Man trat sich nicht zu nahe, man wahrte Abstand zum Gegenüber. Die Herren zogen den Hut zur Begrüßung und die Damen machten einen Knicks. Alle trugen Handschuhe. Nicht nur weil es schick war, sondern weil die Haut auch Distanz wahrte.
In völliger sprachlicher Entgleisung und ohne jegliche Ethik gibt’s heutzutage Shitstorms. Früher bewahrte man Contenance oder behielt die eigene Meinung für sich, wenn diese nichts Neues mehr zur Sache beitrug.

Früher war es nicht besser, sondern anders. Und jetzt müssen wir von Gewohntem Abschied nehmen und es mal wieder anders machen. Das macht die Menschheit seit vielen Jahrtausenden, immer wieder. Deswegen sitzen wir nicht mehr nachts auf dem Baum oder in einer Höhle.

Gehen wir doch bitte wieder zu einer höflichen Distanz über, statt übergriffig zu sein.

Die Bloggerin sitzt in einer Birke
Oder doch wieder auf den Baum?

Wir alle suchen einen Weg mit dem Umgang mit dem Corona-Virus, mit der Kontaktsperre. Mit unseren Ängsten um die Krankheit, die zu viele Arbeit in manchen Bereichen und dem verordneten Nichtstun in anderen Fällen. Mit der Belastung von Homeoffice, Kinderbetreuung, Haushalt und Einkauf und eventuell noch der Pflege von Angehörigen.

Mir hilft in allen Fällen von Anspannung die Natur, die aber momentan nur eingeschränkt zur Verfügung steht. So greife ich gerne auf eigene Videos zurück, die mich erden. Falls Du mit Wasserplätschern und Bachrauschen Ruhe findest, schaue mal auf mein Bachgeflüster des Naturparks Poblet.

Entstehung von Reisepunsch.de

Reisepunsch.de ist ein Projekt, mit dem ich mich seit 44 Jahren beschäftige. Äh, da gab es doch noch gar kein Internet!? Stimmt! Aber die Grundidee, von meinen eigenen Reisen zu berichten, habe ich seit meinem 14. Lebensjahr. Das Internet ermöglicht es mir nur, die Idee selbständig umzusetzen.

Schon im Jahr 2000 wollte ich mit Reisejournalismus durchstarten, habe einen Artikel in der Zeitschrift Motorrad veröffentlicht und meine erste Website, gestalten lassen: www.Reisepunsch.de. Wegen anderer beruflicher und ehrenamtlicher Prioritäten habe ich die Website aufgegeben. Upps, das ist 20 (!) Jahre her!

Ja! 20 Reisejahre! 20 Erfahrungsjahre! 20 Unterwegsjahre!

Nun habe ich mir die Zeit genommen, einen rechtskonformen Blog zu gestalten, der Reisehungrige satt macht.

Diese mit Ziegenkäse gefüllten Knödel auf Wildkräutersalat mit Roten Beeten haben mich bei einer Rast auf dem E5 satt gemacht
Diese mit Ziegenkäse gefüllten Knödel auf Wildkräutersalat mit Roten Beeten haben mich bei einer Rast auf dem E5 satt gemacht

Geplatzte Reiseträume

Die geplatzten Reiseträume werden jede Leserin und jeden Leser auf Reisepunsch.de betreffen. Wir alle hatten Pläne. Unsere sahen so aus:
Von 26.-29. März wären Bernhard frühere Stammtischfreunde von Mühldorf am Inn, etwa 20 Personen in der Pfalz zu Gast gewesen. Ausflüge und eine Weinprobe bei unserem Winzerfreund Weingut Sohn in Frankweiler waren geplant – fand aber nicht statt. Aber die Weinprobe! Wie? Winzer dürfen keinen Wein persönlich verkaufen, nur versenden. Manuela Sohn schickte Bernhard die verschiedenen Weine und wir zeichneten die Weinprobe für die Mühldorfer Freunde auf. Hier zu sehen.
Bernhard und ich haben während unserer Ostspanien-Runde vom 9. Februar bis 14. März 2020 bei Explorer Reisen eine Wohnmobilüberführung von Toronto nach Vancouver gebucht, vom 24. April bis 27. Mai. Dann wollte Bernhard zum 50-jährigen Matura-Treffen nach Salzburg, ich hätte dort eine Sommergeschichte mit Wanderungen schreiben wollen. Und dann wäre die große Ostseetour losgegangen. Einmal komplett die Ostsee umrunden – so lange, wie es eben gedauert hätte. Alles Geschichten für meinen Blog! Un nu? Ja, dann erzähle ich euch in nächster Zeit eben „alte Geschichten“.

Eine Bärin und ihre Kinder sitzen auf Mülltonnen
Die Bärenmama zeigt ihren Kindern das Einkaufen bei „Mülltonne“ – Bild in Kanada 2014 aufgenommen

Werden Reisegeschichten jemals alt?

Unter Anfänge auf meinem Blog habe ich einen Teil meiner Reiseanfänge geschildert. Klar, bei der Interrailtour hatten wir ein Kursbuch mit, statt einer Handyapp. Aber sonst? Ach ja, Freunden und Familie haben wir Postkarten von unterwegs geschrieben, statt einen Post auf Facebook oder Instagram!
Heute würden wir genauso im Zug reisen, in Hostels übernachten, nette Menschen und ein wenig die Kultur der bereisten Länder kennen lernen.

Nein, Reisegeschichten und Abenteuergeschichten werden nicht alt. Lesen und in Gedanken in fremde Länder reisen, die Tour miterleben, mitfiebern, mitlachen, mitfühlen, dafür sind Reisegeschichten da!

Schneebedeckte Berge im Hintergrund, ein blauer See in der Mitte, mit einer mit Häusern bestandenen Halbinsel, und grüne Birken
Großartige Landschaften bleiben großartig

Wie geht es bei Reisepunsch.de ohne aktuelle Reisen weiter?

Wie so viele andere arbeite ich im Homeoffice. Meine Reisetagebücher und Kisten voller unterwegs gesammelter Informationen warten in meinem Kämmerlein.

In den nächsten Wochen erzähle ich vom Kilimanjaro, von Bolivien, von Kanada und Norwegen. Vom Lippischen Land, von der Pfalz, der ostfriesischen Nordsee. Vom E5, von Schottland und von Südafrika.

Ich werde Videos zum Rucksackpacken, zur Trittsicherheit, Wohnmobilreisen und so weiter veröffentlichen. Outdoor-Tipps und Downloads mit Packlisten für Wander-, Trekking,- Fahrrad- und Motorradtouren auf den Blog stellen. In Wohnmobil-Tipps und unter Wohnmobil-Stellplätzen kannst Du von unseren Erfahrungen profitieren. Ich gebe Dir Kauftipps für Bücher und unter Empfehlungen zu Ausrüstungsgegenständen.

Und dann sind da noch meine E-Books zu schreiben, in denen ich ausführlichere Geschichten veröffentlichen möchte.

Freu Dich aufs Unterwegs sein

Mit Reisepunsch kannst Du nun in Gedanken verreisen. Meine Geschichten lesen, in meinem Bildern wegträumen, Dich von meinen Tipps inspirieren lassen. Trotz Corona.
Und wenn es wieder los gehen wird mit Ausflügen und Reisen, möchte ich Dir zum sicheren Reisen Tipps geben.

Du merkst, Langeweile kommt bei mir nicht auf.
Ich freu mich drauf!
Ich freu mich über Dich auf meinem Blog!
Ich freu mich endlich neu durchstarten zu können!

Herzliche Reisegrüße von

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Weinregion La Conca de Barberà

Weinregion La Conca de Barberà

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Peitschender Regen und starke Windböen halten uns von unserer geplanten Wanderung im Naturpark Poblet ab. Aber wir haben ja noch die Weinregion Barberà vor der Wohnmobiltür. So wollen wir unseren regionalen Einkauf tätigen und machen uns auf Entdeckungsreise zu den Winzern.

Naturpark Poblet

Nach meiner gestrigen kurzen Wanderung hier im Naturpark Poblet zur Ruine des Torre del Moro freue ich mich heute auf die Geologische Wanderung Itinerario. Als ich meinen Blog vor dem Frühstück auffrische, erscheint der Himmel im Dämmerlicht wolkenlos. Aber schon kurz danach fallen die ersten Tropfen und kurz darauf wird es richtig ungemütlich. Regen peitscht gegen die Scheiben, das Wohnmobil wackelt in den starken Böen, Blätter sausen draußen vorbei. Upps, im Bad ist das Dachfenster offen – und der Boden nass. Na, macht nix, wische ich nach dem Duschen eh trocken.

Bernhard schaut auf den Wetterbericht. Heute soll es weiter regnen und Windböen über 100 km/h geben. Nein, bei dem Wetter möchte ich weder durch den Wald wandern noch über die ausgesetzten Gipfel marschieren. Also Plan B. Unser Weinvorrat ist zur Neige gegangen und wir wollen in der Umgebung die Winzer, Genossenschaften und Weine entdecken. Auf der CMT im Januar hatten wir am Spanienstand eine „Mapa turistic“ der Costa Daurada mitgenommen. Darin sind Weingüter mit Verkauf eingezeichnet. La Conca de Barberà

Wir befinden uns in der Weinregion La Conca de Barberà. In Vimbodi, nur einige Kilometer von unserem Stellplatz im Naturpark entfernt, soll es einen Weinverkauf geben. So folgen wir der TV 7003 und entdecken das Castell de Riudabella. Das hat leider nur nach Voranmeldung offen, ist dann aber auch ein Restaurant.

Ein hohes Haus seht hinter Olivenbäumen
Castell de Riudabella und die Olivenbäume trotzen dem Sturm und den Besuchern
Gemauerten Weintrauben sind am Eingangstor des Castell de Riudabella
Der Eingang zum Castell ist mit diesen Weintrauben geschmückt

Wir folgen der Straße weiter und parken in Vimbodi am Ortseingang.

Vimbodi

Eine Karte am Parkplatz erklärt die Sehenswürdigkeiten des Örtchens. Wir stellen recht schnell fest, dass es keinen Weinverkauf gibt. Wir spazieren ein wenig herum und entdecken die schmalste Straße der Region. So erklärt es zumindest das nebenbei stehende Schild. Sie wird die Straße der Umarmungen genannt. Denn zwei Menschen können sich in dieser Straße nicht passieren, ohne einander zu umarmen.

Die Bloggerin geht durch eine schmale Gasse
Das ist die schmalste Gasse der Region – und nach oben wird sie immer schmäler

Auf dem Rückweg zum Parkplatz entdecke ich noch einen jahrhundertealten Torbogen. Auf die alte Bausubstanz ist erst vor kurzem ein neues Haus gebaut worden.

Auf einen alten Torbogen wurde ein neues Haus gebaut
Der alte Torbogen mit einer Holz- und Steinkonstruktion ist für den Neubau als statisch sicher erachtet worden

Auf der Weiterfahrt biegen wir auf die TV 7002 Richtung Poblet ab und werden am Flussbett an einer Baustelle umgeleitet. Am 20. Januar 2020 waren in Spanien starke Unwetter mit Überschwemmungen. Diese müssen hier gewütet haben. Das Flüsschen, das sehen wir an den Schäden in weiteren Orten, wurde wohl ein reißender Strom.

Eine Umleitung auf einer Straße, die alte Straße ist von einem Unwetter zerstört
Wieder fahren wir über eine Behelfsstraße. Die Brücke ist vom Unwetter zerstört worden

Wir sind nun wieder am Kloster in Poblet. Das haben wir gestern nicht besucht, weil uns die Dame in der Tourist-Info in Montblanc mitteilte, dass am Sonntag alles geschlossen hat. Wir lernen: nicht auf Informationen vertrauern, sondern selbst ausprobieren.

Monastir de Poblet – Kloster Poblet

Vor dem ersten Tor des Monastir de Poblet ist ein kleiner Wein- und regionale Spezialitäten-Laden, Fet a la Conca. Er ist geöffnet und wir lassen uns beraten. Die typische Rotweintraube ist die Rebe Trebat. Wir kaufen zwei Flaschen und noch Chardonnay und Muskateller. Einer der Weine ist in der Tonamphore gereift. Ein Wein von 2014 ist im Sonderangebot, den wollen wir heute Abend gleich kosten.

Links ein Tor und rechts davon ein Geschäft
Hier werden wir fündig, das Lädchen Fet a la Conca hat geöffnet und bietet regionale Spezialitäten

Durch das Tor hindurch ist gleich links eine großzügige Toilettenanlage und rechts eine Tourist-Info und ein Verkaufsladen mit weiteren regionalen Produkten. Ich durchstöbere die Prospekte und finde einige in Englisch und sogar einen Prospekt auf Deutsch. Eine spanische Faltkarte beschreibt „La Ruta del Trepat“ der Weinregion La Conca. Darin lesen wir, dass alle Weinverkostungen der Kooperativen und Winzer am Sonntag geöffnet haben! Am Montag aber geschlossen! Und nun? Bernhard möchte unbedingt in den Ort Barberà de la Conca fahren und hofft, dass der Plan ein Fehldruck ist. Das Kloster Poblet interessiert uns heute nicht, wir spazieren nur über den Hof, um ein Foto zu machen und entdecken die offene Tür des Weinkellers.

Links eine Glastür, die zur Tourist-Info führt, rechts hinten ein Klostereingang
Rechts geht’s in die Information und weiter hinten ins Kloster Poblet
Links ist das I der Tourist-Info im Hintergrund Regale mit Waren. Der Raum ist von gemauerten Bögen unterteilt
Heute ist die Tourist-Info nicht besetzt, aber wir können uns mit Prospektmaterial eindecken
Die gemauerten Bögen durchziehen den Verkaufsraum, in dem Keramik, Bücher und Wein angeboten werden
Der Verkaufsraum, in dem Keramik, Bücher und Wein angeboten werden ist geschmackvoll eingerichtet
Das Kloster Monastir de Poblet ist ein großer Gebäudekomplex
Eine riesige Anlage, leider heute nicht zugänglich, das Monastir de Poblet
Durch eine offene Tür sind Weinfässer zu sehen
Durch die offene Tür können wir einen Blick in den Weinkeller erhaschen

Espluga de Francoli

Wir folgen der T 700 und fahren nach Espluga de Francoli. Dort wenden wir uns Richtung Tarragona. Vor der Winzergenossenschaft parken Autos und ein Mann kommt mit einer Weinkiste heraus. Na, das sieht doch gut aus! Wir parken und schauen uns im Verkaufsraum um. Bernhard entdeckt die Weine und ich suche andere regionale Erzeugnisse aus. Reis aus dem Ebrodelta, Kräutertee aus den umliegenden Bergen und Nüsse aus der Umgebung. Wie gut, dass der Plan nicht recht hat.

Das Gebäude der Espluga de Francoli
Nicht nur Winzergenossenschaft und Weinverkauf, sondern auch Museum. Das hat leider nur in der Saison geöffnet
In einen gemauerten Torbogen sind Regalbretter für Weine eingefügt
Der Verkaufsraum ist geschmackvoll eingerichtet
Der Verkaufsraum der Winzergenossenschaft in L’Espluga de Francoli mit Regalen und Tischen
Bernhard schaut sich die Weinauswahl an

Wir fahren auf die N 240 und biegen bei der Ausfahrt der C 14 ab Richtung Barberà. Direkt beim Kreisel ist eine Firma mit einem Outletverkauf. Mir kommt der Brand bekannt vor und so halten wir auf dem Parkplatz.

An einem Fabrikgebäude wird der Warenverkauf angepriesen
Wir halten, denn mir kommt der Brand bekannt vor – ich tippe auf Olivenöl – und tippe völlig daneben!
Im Verkaufsraum wird die Ware, Gebäck und Öle, präsentiert
Falsch gedacht – Gebäck wird von Rifacli hergestellt. Da lassen wir uns nicht bitten

Barberà de la Conca

Von der C 14 fahren wir auf die C 241d und kurz danach auf die T 242 nach Barberà de la Conca. Dort soll es zwei Winzergenossenschaften oder Verkaufsstellen geben. Bei der auf der Hauptstraße halten wir an. Aus dem Obergeschoss teilt uns ein Mann mit, dass die Genossenschaften montags geschlossen sind, aber wir auf dem Parkplatz stehen bleiben können. Wir wollen den Ort erkunden und, da es Mittagszeit ist, im örtlichen Lokal essen. Direkt gegenüber der Winzergenossenschaft geht es eine Treppe hinauf und links in den Ort. An einem der ersten Häuser hängt ein altertümliches Leuchtschild mit Estrella Werbung und dem Schriftzug Bar Cooperativa. Bernhard ist bereits am Gebäude vorbei, dass recht ungepflegt und nicht sehr einladend aussieht. Ich rufe ihn zurück, wir gehen durch die Eingangstür an einigem Gerümpel – oder Flohmarktartikeln vorbei – und kehren ein. Wir haben beide ein Déjà-vu denn wir tauchen in einen Gastraum unserer Kindheit ein. Ein großer Saal bildet den Gastraum. Die Theke links, davor gusseiserne Barhocker, die Thekenfront mit spanischen Fließen gekachelt. Links der Theke ein Süßwarenregal. Der Gastraum hat gusseiserne Tischgestellen mit Marmorplatten, ein elektrisches Dartgerät und einen Flipper und den ewig lärmenden Fernseher. (Das gehört nicht zur Erinnerung). Rechts trennt ein Vorhang den Saal ab. Hinter dem Vorhang befindet sich ein Nahversorgerladen. Im Gastraum sitzen an einem Tisch drei Frauen, an einem anderen drei Männer. Ich bin von der Atmosphäre begeistert. Ein Treffpunkt im Ort, in dem die Menschen soziale Kontakte haben, den täglichen Einkaufsbedarf decken und Mittagessen können.

Das Gebäude der Bar der Cooperativa sieht nicht sehr einladend aus
Bernhard war bereits am Eingang vorbei. Ich wollte herausfinden, was es mit der Bar auf sich hat
Die Theke in der Bar der Cooperativa mit Barhockern, davor gusseiserne Tische und Holzstühle
Die Theke ist Vorne mit einem schönen Muster gefliest und mit Barhockern versehen
Der Gastraum ist mit gusseisernen Tischen mit Marmorplatten eingerichtet, einige Leute sitzen an den Tischen
Die Menschen aus dem Ort nutzen die Bar als Treffpunkt
In Regalen sind Waren des täglichen Bedarfs eingeräum
Hinter einem Vorhang ist der „Tante-Emma-Laden“ des Dorfes eingerichtet

Das Tagesmenü kostet 11 € und hat jeweils zwei Gerichte als Auswahl. Wir genießen unser Essen im Flair des Gastraums und beobachten das Geschehen. Leute kommen zum Einkaufen, ein Händler, um die Bestellung für Waren aufzunehmen, Arbeiter zum Mittagessen und Kinder, die ihr Taschengeld in Süßigkeiten im Nahversorgerladen anlegen. Bevor die Gäste gehen, kaufen sie ebenfalls noch im Lädchen ein, die Wirtin ist dort auch die Verkäuferin. Nachfolgend die Bilder unseres Menüs – ungewöhnlich, aber lecker.

Ein Risotto und ein Salat mit Bacalhau stehen auf dem Tisch als Vorspeise
Unsere Vorspeisen nach den Oliven und Brot sind ein Risotto und ein Salat mit Bacalhau
Die Hauptspeisen sind eine Wurst mit weißen Bohnen und ein Entrecote mit Kartoffeln
Die Hauptspeisen sind eine Wurst mit weißen Bohnen und ein Entrecote mit Kartoffeln
Die Nachspeisen, eine Eiscreme und ein Flan
Die Nachspeisen, eine Eiscreme und ein Flan

Gesättigt setzten wir unsere Besichtigungstour des Städtchens fort.

Über einige Stadthäuser schweift der Blick zur Kirche
Der Blick geht von der Tür der Bar der Cooperativa zur Kirche St. Maria
Eine hölzerne Haustür mit Schnitzereien
Eine wunderschön gearbeitete Haustür
Ein Haus aus Bruchsteinen ist das Castello. Eine breite Treppe führt hinauf
Leider ist das Castello geschlossen
Eine Kirche mit Schäden an Putz und Mauerwerk
Die Kirche hat Schäden am Putz und Mauerwerk
Der Eingang zur Kirche ist mit Steinmetzarbeiten reich verziert
Der Kircheneingang ist mit Steinmetzarbeiten sehr schön und aufwendig gestaltet
In einem Gebäude mit einem Turm ist die Weingenossenschaft
Im vorderen Gebäude ist die Bar der Cooperative, im hinteren Gebäude die heute leider geschlossene Winzergenossenschaft

Auf dem Weg zurück zum Naturpark Poblet probieren wir unser Weinglück noch bei der Cooperative von Montblanc.

Das Gebäude der Winzergenossenschaft von Montblanc
Wir parken direkt vor dem Eingang von Clos Montblanc, leider ist auch diese Türe zu, öffnet sich aber nach unserem mutigen Klingeln

Wir wollen nun hoch zum Forsthaus im Naturpark fahren, denn die Sonne scheint und wir wollen noch eine kleine Runde wandern.

Casa Forestal de Castellfolit – Forsthaus von Castellfolit

Wir fahren die geteerte Forststraße hinauf und parken unser Wohnmobil unter hohen Bäumen für die Nacht.
GPS
N 41.33775° E 1.05590° oder
41°20’15.9“N 1°03’21.2“E

Ein gemauertes Haus steht auf einem ebenen Platz im Wald. Das Wohnmobil der Bloggerin steht links daneben. Im Vordergrund das Schild mit dem Namen Casa Forestal de Castellfolit
Wir stehen auch hier am Forsthaus gut – leider ohne jegliches „Netz“

Wohnmobilisten bringen den Übernachtungsbetrieben keine Umsätze, aber den regionalen Produzenten und Bewirtungsbetrieben. So haben wir das heute auch wieder praktiziert. Bevor wir die Einkäufe verstauen, möchte ich Dich an unserem Einkauf teilhaben lassen.

Auf einem Tisch stehen Weinflaschen, Gebäckverpackungen und eine Reispackung
Das sind unsere heutigen regionalen Einkäufe, wobei ich den Tee vergessen habe und wir manche doppelte Weinflaschen im Wohnmobilkeller lagern. Die Weinetiketten sind zum Teil sehr interessant gestaltet

Nationalpark Poblet – Wanderweg 9

Der Wanderweg 9 nennt sich auch „Therapeutischer Waldspaziergang“. Er startet am Forsthaus. Der Spaziergang wird uns gut tun, obwohl wir keinen Therapiebedarf spüren. Aber wir haben Bewegungsdrang.

Die Wanderung habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet.
Ich lasse für Dich die Bilder sprechen:

Ein Schild zeigt nicht nur die Karte der Wanderung, sondern gibt auch Erklärungen auf Spanisch
So schön sind alle Wanderungen in der Region erklärt. Hinweistafel am Anfang der Wanderung „Therapeutische Waldwanderung“
Ein Wanderer sitzt auf einer Rastbank im Wald
Eine der schönen Rastbänke auf dem wunderschönen Wanderweg
Zwischen unbelaubten Bäumen ist eine Steinbrücke zu erkennen
Über die Steinbrücke werden wir gleich wandern
Ein Miniaturwasserfall leitet den Bach über ein felsiges Bachbett weiter
Ein kleiner Wasserfall und wunderschön klares Wasser im felsigen Bachbett
Sonnenstrahlen brechen durch den Wald, in dem ein Wanderweg verläuft
Schmal, mit Steinen durchzogen verläuft der Wanderweg auf dieser beschaulichen Runde
Ein umgestürzter Baum hat die Brücke, die der Wanderer quert, verschont
Der Baum ist so umgefallen, dass er weder Brücke noch Wanderweg zerstört hat
Eine Wanderin geht über eine hölzerne Brücke
Ich gehe über die Brücke beim umgestürzten Baum
Eine Kiefer ist von Efeu eng umschlungen
Der Efeu hat die Kiefer fest umschlungen
Ein Spielplatz vor einem Haus im Wald
Ein Spielplatz mit Quelle beim Forsthaus. Der Picknickplatz ist unterhalb des Parkplatzes

Wir genießen diesen Spaziergang im Wald. Der Frühlingsduft ist noch nicht sehr ausgeprägt, steigt uns an manchen Stellen zaghaft in die Nase. Therapeutischer Waldspaziergang heißt diese Runde. Unterwegs frage ich mich einige Male, ob ein Waldspaziergang nicht immer eine Therapie ist? Frische Luft, von Sauerstoff gefüllt. Düfte, die ständig wechseln. Die unterschiedlichsten Grüntöne und viele bunte Farbtupfer. Eine Vielfalt an Formen, Mustern und Strukturen. Rauschen von Ästen, das säuseln des Windes in Büschen und Gräsern, ein plätschernder Bach, ein Knacken. Junge Bäume, die sich ihren Weg hoch zu den alten Wipfeln bahnen und majestätische Bäume, mit verwitterten Rinden, Narben am Stamm und ausladenden Ästen, die viele Jahrzehnte, manchmal sogar Jahrhunderte bereits an dieser Stelle stehen. Wer achtsam, mit offenen Sinnen für die Umgebung durch einen Wald spaziert, wird seiner Seele wohl immer etwas Gutes tun.

Anders in einer Gruppe, mit der man im Wald unterwegs ist. Da nimmt man diese verschiedenen Sinneseindrücke vielleicht nicht so wahr. Oder ein Aufmerksamer macht andere auf einzelne Sinneseindrücke aufmerksam. Außerdem ist für die Seele das Zusammensein in der Gruppe, der Austausch von Gedanken, Lachen und Gemeinsamkeit erleben die „Therapie“.

Während der Wanderung hat der Wind wieder zugenommen. Als wir am Forsthaus ankommen rauschen starke Böen in den Baumwipfeln. Unser Wohnmobil steht unter hohen, teils sehr alten Bäumen. Der Platz erscheint uns für unser Wohnmobil zu unsicher und wir fahren den Berg hinunter, zum unteren Stellplatz am Picknickplatz.

Área recreativa de la Roca de l’Abella
GPS
N 41.36307° E 1.06113° oder
41°21’47.1“ N 1°03’40.1“ E 

Du bist mit dem Wohnmobil unterwegs. Dann ist der WoMo-Reiseführer Ost-Spanien genau der richtige Begleiter für Dich. In meinen Empfehlungen erfährst Du mehr oder Du bestellst ihn hier.

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Naturpark Poblet Torre del Moro

Naturpark Poblet Torre del Moro

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Wanderung Torre del Moro

Ich mache mich am Spätnachmittag noch auf eine kleine Wanderrunde. Diese Wanderung habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet. Am Parkplatz beginnt die kleine Runde zum Torre del Moro auf 782 m. Laut Hinweistafel dauert sie zwei Stunden, so lange ist es noch hell.  Ich packe nur eine kleine Trinkflasche mit Wasser ein und los geht’s.

Ein Bild der Wanderkarte aus dem Flyer
Die Karte der Wanderung 5 Itinerario, habe ich vom Flyer fotografiert. Rechte: Generalitat de Catalunya

Diese Tour habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie nachwandern.

Ich folge dem Wegweiser „Schlucht“ und laufe an der Familie, die an der Grillhütte Essen zubereitet, vorbei zum Bach und mache ein Selbstauslöserfoto, dass leider unscharf ist.

Über Trittsteine quert die Bloggerin das Bächlein am Picknickplatz
Noch hat das Bächlein Wasser genug, um die Trittsteine zu nutzen. Im Hintergrund die Grillhütte des Picknickplatzes

Das Wort Schlucht ist etwas übertrieben, aber der Bach hat sich im Laufe der Jahrtausende seinen Weg durch die Felsen gebahnt.

Ein kleiner Wasserfall in einer Schlucht, die Bloggerin steht am Bach
Die Schlucht mit dem Wasserfall gleich beim Picknickparkplatz – zumindest ist noch Wasser im Bach

Ein kleines Stück geht der Weg über die Forststraße bergauf und dann wieder hinab zum Fluss. Über die Steine einer Furt geht es wieder über das Bächlein und direkt am Bachbett entlang. Vor kurzem wäre der Weg noch nicht gangbar gewesen, denn da nutzte der Bach die gesamte breite seines Bettes aus. In einem jetzt trockenen Bachbett geht es nun bergauf, dann wieder auf einem schönen Wanderweg, stetig bergauf, zum Teil in steilen Serpentinen. Dann komme ich aus dem Wäldchen ein wenig heraus und habe eine Felswand links von mir.

Eine Stelle des Weges ist mit einer Kette am Fels gesichert, an der sich Wanderer festhalten können
Die Kettensicherung am Fels sieht spektakulär aus, aber der Weg am Felsen ist etwa einen halben Meter breit

Schnell ist die Stelle überwunden und es geht ein Stück eben weiter. Eine großer Platz öffnet sich, mit der Ruine einer Hütte. Direkt daneben ist der gemauerte Brunnen noch mit Wasser gefüllt. Das war ein sehr einsames Leben – aber bestimmt ruhig und stressfrei.

Reste eines Hauses und eines Brunnens auf einer ebenen Gebirgsfläche
Ein schöner versteckter Platz mit Brunnen, Hausruinen auf halbem Weg zum Turm

Hinter dem Brunnen geht es rechts steil bergauf, die Stelle ist wieder mit einer Kette gegen Absturz gesichert, eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Eine Kette ist als Absicherung am Weg gespannt. Die Bloggerin steigt an der Kette bergauf
Gleich hinter der Ruine ist der Weg mit einer Kette gesichert. Aufgenommen mit Selbstauslöser, leider ist das Bild nicht „scharf“

Weiter geht es auf einem schmalen Bergpfad hinauf zum Wegweiser.

Ein Wegweiser mit drei Hinweisschildern
Die Wegweiser sind wieder vorbildlich

Über Felsen kletternd komme ich zu einem schönen Aussichtspunkt.

Über die felsige Landschaft geht der Blick in die Eben mit Weinfeldern
Unten in der Ebene wächst der Wein des Anbaugebietes Barberà
Ein bewaldetes Tal zieht sich bergauf
Der Blick geht am höchsten Punkt frei ins Tal hinauf
Aussicht am höchsten Punkt der Wanderung zum Torre del Moro

Über Felsen und durch eng zusammenstehende Bäume wandere ich Richtung Turm. Ein Stück des Weges ist sogar als Mauer aufgesetzt.

Eine Senke ist mit Steinen aufgefüllt, um den Weg zu ebnen
Wegebau kurz vor dem Turm

Nun geht es über einen bewachsenen Miniaturgrat und ich stehe vor dem verfallenen Turm. Welchen Zweck der wohl mal hatte?

Die Turmruine auf dem Gipfel wird von der Sonne beschienen
Die Reste des Turms im Sonnenuntergang

Die Sonne wird bald hinter dem Berg verschwinden, ich mache mich an den Abstieg. Erst zurück zum Wegweiser und dann steil bergab auf dem ausgetretenen, vorgegebenen Pfad.

Ein steiniges Bachbett ist der Wanderweg
Das Bachbett ist manchmal gleichzeitig der Wanderweg – Trittsicherheit erforderlich

Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob der Wanderweg nicht auch das Bachbett ist, aber es ist jedenfalls ein schöner, wenn auch steiler Weg. Auch hier ist Trittsicherheit eine gute Eigenschaft und ein flüssiges, in den Knien weiches Bergabgehen, wie ich es in meinen Trittsicherheitsseminaren immer lehre. Nach einigem Bergab zeigt die die Komoot Wanderapp keinen Weg mehr an. Aber er ist scheinbar neu angelegt und führt zu einem Schild über die Geologie dieser speziellen Stelle. Hier wurden früher Steine abgebaut, die unter anderem für Straßenpflaster verwendet wurden.

Eine Tafel erklärt die Geologie der Gegend
Die Erklärungstafel weist auf die Geologie und den Steinabbau und die Bearbeitung in früherer Zeit hin

Es geht nun kurz an der Forststraße entlang und dann wieder runter zum Bach. Der Berg über mir wird von der Abendsonne in Orange getaucht und spiegelt sich im Bach. Oder ist Gold im Bach? Schade, dass ich meine Schürfpfanne nicht dabei habe.

Im Bach spiegelt sich das Sonnenlicht
Leider kein Gold im Bach, sondern nur die Spiegelung des von der Abendsonne bestrahlten Berges darüber

Ich bleibe ein wenig am Bach und lausche dem Bachgeflüster. Für mich hat das eine ungemein entspannende und beruhigende Wirkung.

Wieder geht’s hinauf zum Forstweg und ich entdecke den Stein, der den Flyer auf der Vorderseite ziert. Auch nur eine Frage der Zeit, bis der kleine Stein, der den Großen hält, keine Lust mehr hat oder wegerodiert ist.

Ein Stein steht sehr fragil auf einem Felsen
Der Stein hält noch mutig Wacht auf seinem Aussichtsfelsen

Ein Wegweiser schickt mich wieder runter zur „Schlucht“, über einige Steine im Wasser und zurück zum Parkplatz.

Wasser des Baches fällt in eine kleine Schlucht
Auf dem Rückweg passiere ich die kleine Schlucht von oben

So ein schöner Tagesausklang. Morgen machen wir die große Runde „Itinerario geológico del Bosque de Poblet“ – die geologische Wanderung. Ich freue mich sehr drauf.

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Von Arc de Bara zum Naturpark de Poblet

Von Arc de Bara zum Naturpark de Poblet

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Die Weingegend Santa Barberà beherbergt auch einen Naturpark mit einem schönen Picknick-Parkplatz, den wir als Stellplatz nutzen. Unsere Pläne für die nächsten Tage sind Wandern und Winzer besuchen. Das wir auch wieder unvorhergesehene Entdeckungen machen, ist mittlerweile irgendwie schon Programm.

Fahrt vom Campingplatz Arc de Bara Richtung Valls

Wir fahren bei sonnigem Sonntagswetter kurz Richtung Tarragona und biegen auf der TV 2041 ins Landesinnere ab. Wir wollen in die Weingegend „De Barberà“, etwa 40 km nordwestlich. Der Hauptort heiß Montblanc – allein dieser Name ist Besuchsgrund genug.

Wir fahren am Städtchen Bonastre vorbei und sehen nach einigen Kilometern ein interessantes Bauwerk kurz durch die Bäume blitzen. Kurze Zeit später weißt ein braunes Schild auf „Virgen de Montserrat de Montferri“ hin. Wir nehmen den Abzweig und parken auf dem großzügigen Parkplatz.

Das Heiligtum Jungfrau von Montserrat in Montferri

Ein schmales Bauwerk mit vielen Dreiecken und runden Erhebungen wird in der Mitte von einem hohen schmalen Turm überragt
Der Architekt Josep Maria Jujol hat dieses Bauwerk erdacht

Das Heiligtum Jungfrau von Montserrat in Montferri, wurde vom Jesuit Daniel Maria Vives initiiert. Seiner Familie aus Montferri gehörte das Land, auf dem zu Ehren der Jungfrau Maria eine Kapelle gebaut werden sollte. Der Architekt Josep Maria Jujol zeichnete die Pläne und begann 1926 mit dem Bau. Die kostengünstigen Baumaterialien Portlandzement und Sand waren einfach zu verbauen. Die Bewohner des nahegelegenen Ortes Montferri arbeiteten ohne oder für geringen Lohn regelmäßig bis 1928. Dann wurden die Bauarbeiten unregelmäßiger und 1930 ganz eingestellt. Nach dem Krieg inspizierte Jujol den Zustand des Heiligtums und war vom Zustand so enttäuscht, dass er die Arbeiten nicht wieder aufnahm.

Ab 1987 wurden Restaurierungs- und Konsolidierungsarbeiten durchgeführt. Die Leitung hatte der Architekt Joan Bassegoda I Nonell, Bauleiter war Josep Cendrés.

Der Hang des Hügels wurde in den Bau mit seinen Parabolbögen einbezogen. Ein Konglomerat von Dreiecken bildet die gesamte Anlage. Die Kuppel ist zentriert über dem Presbyterium, dass den Kirchenraum ausfüllt. Die Bögen sind mit bunten Glasscheiben in Herzform gefüllt.

Öffnungszeiten Virgen de Montserrat de Montferri:
Besichtigungen: samstags und sonntags von 10.30 bis 13.30 Uhr. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 10.30 bis 13.30 Uhr.

Die Öffnungszeiten können willkürlich geändert werden. Nachfrage und Buchung von Führungen von Heiligtum, Kirche von Sant Bartomeu und historisches Dorf unter E-Mail: santuari@montferri.altanet.org oder Telefon: 621223815 (von 10.30 bis 13.30 Uhr Und von 15 bis 17 Uhr).

Das Bauwerk ist durchbrochen
Die Eingänge der Eremitage
Viele hohe Streben steigen zu einer hohen Kuppel auf
Der Blick zur Kuppel ist ungewöhnlich. Die Durchbrüche erscheinen wie Herzen
Bögen und Streben bilden Seitenkapellen
Die hohen Bögen setzten sich in die Seitenkapellen fort

Unterhalb des Kirchengebäudes ist eine Grotte im Berg eingelassen, die Cova de la Mare de Déu de Montserrat a Montferri. Der Blick über die Weinberge ist wunderschön von dieser Stelle.

In einer Grotte sitzt eine goldene Madonna auf einem Felssockel. Grünpflanzen stehen drum herum
Blick durch die Gitterstäbe des Grotteneingangs
Über Weinberge im Vordergrund geht der Blick über sanfte bewaldete Hügel
Von der Grotte geht der Blick Richtung Masllorenç

Montblanc Spanien

Die Stadt Montblanc wurde um 1080 gegründet noch als „Duesaigües“ und an anderer Stelle. 1163 wurden die Bewohner auf Befehl Alfons I. zum Hügel Santa Bárbara umgesiedelt, der strategisch besser lag. Schon 1170 wurde mit dem Bau der Festung und der Stadtmauer mit vielen Toren und Wehrtürmen begonnen. Die Festung wurde bereits im 13. und 14. Jahrhundert wieder verlassen und die Steine für den Bau der Häuser unterhalb des Hügels genutzt.

Wir konnten unser Wohnmobil hinter der Tourist-I abstellen. Auf der Route des Stadtplans aus der Tourist-Info passieren wir den ersten Stadtturm und den Schriftzug der Stadt.

Ein Stadtturm und ein Teil der Stadtmauer ragen in den Himmel
Der „Torre der fünf Kantone“ ragt an Stadtmauer in die Höhe
Geschmiedete Buchstaben bilden den Schriftzug Montblanc
Der Stadtname vor der Stadtmauer

Entlang der Carrer Major und später rechts und links durch die verwinkelten Gassen, lassen wir die alten Bauwerke auf uns wirken.

Eine schmale Straße mit alten hohen Häusern. Ab dem ersten Stockwerk zieren viele Balkone die Häuser
Die Carrer Major in Montblanc
In einem Stein an einem Haus ist eine kleine Darstellung von einem knienden Ritter, der um die Hand eines Fräuleins anhält
Ein kleines Detail an einem Haus in der Carrer Major

Die Kirche Sankt Miquel wurde im 14. Jahrhundert auf einer Vorgängerkirche erbaut. Eigentlich, um im geräumigen Kirchenschiff Regierungsversammlungen abzuhalten. Die Seitenkapellen wurden von vornehmen Familien des Ortes finanziert und als Grablegen genutzt. Der Künstler Guillem Seguer aus Montblanc erschuf im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts die Wandmalereien im Presbyterium.

Eine schmale hohe Kirche aus Naturstein, rechts ist der Turm angebaut
Die Kirche wurde im 14. Jahrhundert erbaut, um Regierungsversammlungen abzuhalten

Wir durchqueren das Castla Gate und halten uns direkt rechts, außen an der Stadtmauer um zur Kirche Francesco zu kommen.

Am Ende der Gasse steht ein altes Stadttor mit Stadtturm, das heute als privates Wohnhaus genutzt wird
Der Turm Castla Gate wird heute als private Wohnung genutzt
Die alte Kirche aus Naturstein hat rechts davon einen neueren Anbau
Die Kirche Francesco

Die Stadtmauer ist fast noch vollständig erhalten, auf die Stadtmauer kann man mit einer Führung klettern, der Eingang ist im Norden von außen.

Eine Stadtmauer mit vielen Türmen
Die Stadtmauer hat ungeheuer viele Türme und einige Tore

Am Plaza Major sind alle Gaststätten geöffnet und die Außenbestuhlungen belegt. Der Geräuschpegel ist enorm. Am Rathaus ist ein Transparent angebracht.

Auf einem Transparent an einem Balkon wird die Pressefreiheit und die Freiheit der Politiker im Exil gefordert
Katalonien ist momentan in einem politischen Kampf

Die Kirche „Maria la Major“ ist eine gotische Kirche, die auf einer romanischen Kirche aufgebaut wurde. 1333 wurde eine katalanische Regierungsversammlung darin abgehalten.

Die Kirche St. Maria hat einen monumentalen Eingang, mit Doppeltor und vielen steinernen Säulen
Der Eingang in die Kirche St. Maria
Der Kirchplatz vor St. Maria ist mit verschiedenen Mustern gepflastert
Eines der schönen Pflastermuster auf dem Kirchplatz von St. Maria

Wir nehmen den Durchgang St Christofol und spazieren zurück zum Wohnmobil.

Durch eine niedriges Tor führt ein schmaler Durchgang zur nächsten Gasse BU Der Durchgang St. Christofól führt zur nächsten Gasse
Der Durchgang St. Christofól führt zur nächsten Gasse

Paratge Natural d’Interès Nacional de Poblet

Wir fahren auf der N 240 Richtung Lleida und über die TV 7001 und T 700 bis etwa Kilometer 6,5. Dort geht links ein Sträßchen zum Área recreativa de la Roca de l’Abella, dem wir etwa 500 m hinauf folgen. Von diesem Parkplatz wollen wir einige Wanderungen machen und somit auch übernachten.

Abzweig von der T700 in das Vall de Castellfollit
Abzweig von der T700 in das Vall de Castellfollit

Área recreativa de la Roca de l’Abella
GPS
N 41.36307° E 1.06113° oder
41°21’47.1“ N 1°03’40.1“ E 

Ich mache mich am Spätnachmittag noch auf eine kleine Wanderrunde.

So ein schöner Tagesausklang. Morgen machen wir die große Runde „Itinerario“ – die geologische Wanderung. Ich freue mich sehr drauf.

Du bist mit dem Wohnmobil unterwegs. Dann ist der WoMo-Reiseführer Ost-Spanien genau der richtige Begleiter für Dich. In meinen Empfehlungen erfährst Du mehr oder Du bestellst ihn hier.

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Tarragona

Tarragona

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Ein sonniger Tag ist besonders gut für einen Stadtbesuch. Gerade Tarragona, mit direkter Meerlage und uraltem Flair, ist an einem warmen Frühlingstag ein Genuss. Viele römischen Ruinen und modernes Stadtleben sind homogen vereint. Leider nahmen wir das aufziehende Unwetter in den schmalen Gassen nicht wahr.

Wohnmobilparkplatz in Tarragona

Mit der Satelliteneinstellung der Navigation sah es ganz leicht aus, einen Parkplatz für unseren Tagesausflug mit Wohnmobil in Tarragona zu finden. Die Realität holt uns schnell ein und wir fahren durch enge Gassen bis zum Hafen. Beim Wenden sehen wir in der Ferne einige Wohnmobile stehen und steuern darauf zu. In der Passeig Marítim de Rafael de Casanova ist ein öffentlicher und kostenloser Parkplatz
GPS
41°06’50.9″N 1°15’59.8″E oder
N 41.114150, E 1.266600

Auf einem Platz stehen Autos und Wohnmobile
Wir haben einen stadtnahen Parkplatz gefunden
Buschwerk im Vordergrund, eine Bucht mit Strand im mittleren Bild. Links am Bildrand der Hafen von Tarragona, nach rechts zieht sich die Stadt hin
Unterhalb des Parkplatzes führt eine Straße mit Unterführung zur Stadt

Unseren kleinen Stadtrundgang habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet.

Wir laufen am Strand entlang, an einer überdachten, gesperrten Fußgängerbrücke vorbei. Auch hier, am Ende der Passeig Marítim de Rafael de Casanova wäre Platz für Wohnmobile.

Unter einer Brücke sind Autos geparkt
Unter dieser Brücke sind die Parkplätze für Wohnmobile hoch genug

Am Ende der Brücke laufen wir rechts die Straße hinauf, die unter der Bahnlinie hindurchführt und gehen zwischen Bahnlinie und Häusern mit schönem Blick auf das Mittelmeer weiter. Die Sonne scheint, es ist warm und wir haben die Jacken im Wohnmobil gelassen. Endlich Frühling, endlich Kurzarmshirts und Sonne auf der Haut. Unser Fußweg endet direkt vor dem Amphitheater und geht in die Treppe über, die zum Park des Amphitheaters führt.

Tarragona Amphitheater

Mit Spielgeräten, Spazierwegen und Grünanlagen lädt der Park zum Verweilen ein. Eine Infotafel klärt uns über die Anlage auf. Der Park bezieht sich in seiner Gestaltung auf die Anlage des Amphitheaters. Die Grünanlage ist in elliptische Zonen unterteilt, die sich wie konzentrische Wellen vom Theater entfernen.

Pflanzen, die in der Römerzeit wuchsen, finden sich in den Beeten wieder. Tafeln an den Beeten erklären, wie die Römer die Pflanzen nutzten. Zum Beispiel früchtetragende Bäume, duftende Pflanzen, Wein und kulinarische und gesundheitliche Kräuter. Andere Zonen erklären Religion und den Umgang mit Toten im Römischen Reich.

Im unteren Park ist der Zugang zum Amphitheater, das im 2. Jahrhundert erbaut wurde. Der Eintritt ist frei, die Tribüne und die Arena dürfen allerdings nicht betreten werden. Die Öffnungszeiten entnimm bitte der aktuellen Website Tarragonas. Hier kannst Du auch einen Audioführer über das Amphitheater anhören.

Das ovale Amphitheater liegt in unmittelbarer Meeresnähe. die steinernen Sitzreihen sind noch relativ gut erhalten
Den oberen Zuschauern bot sich nicht nur Sicht auf das Geschehen in der Arena, sondern auch ein fantastischer Blick aufs Meer

Das Oval misst 109,5 x 86,5 Meter und bot bis zu 14.000 Menschen Platz. In Amphitheatern fanden Gladiatoren- und Raubtierkämpfe und öffentliche Hinrichtungen statt. Bischof Fructuós und seine Diokonate Auguri und Eulogi wurden im Jahr 259 bei lebendigem Leib verbrannt.

Die Bühne des Amphitheaters ist nur noch schwer zu erkennen. Dahinter befindet sich ein weiter Fensterbogen, der den Blick aufs Meer freigibt
Die Bühne ist nur noch rudimentär zu erkennen

Bereits Anfang des 6. Jahrhunderts wurde auf einigen Grundmauern des Theaters eine christliche Kirche, eine westgotische Basilika, erbaut. Anfang des 12. Jahrhunderts, nach der Vertreibung der Mauren, wurde eine neue, romanische, Kirche auf den Grundmauern der alten Kirche errichtet. Sie ist 1154 erstmal als Kirche Santa Maria der Wunder urkundlich erwähnt.

Auf einem Teil des Amphitheaters stehen die Ruinen einer Kirche
Auch von der Kirche Heilige Maria der Wunder sind nur noch Ruinen übrig

Wir spazieren über die Kreuzung Richtung Stadt und ich frage mich, was sich in den hohen Mauern verbergen könnte? Schon gleich naht die Auflösung! Deutsche Schulklassen auf Studienreise stehen mit den ermahnenden Lehrern vor dem ehemaligen Zirkus. Wir schleichen uns vorbei und haben noch etwas Ruhe bei der Besichtigung.

Mediterrane Pflanzen stehen vor zwei Gebäudeteilen der ehemaligen Wagenrennbahn
Die beiden steinernen Gebäude sind Teile der ehemaligen römischen Wagenrennbahn

Im Jahr 70 unserer Zeitrechnung wollte der neue Kaiser Vespasian seine Macht in der spanischen Provinz demonstrieren. Die römische Stadt sollte die Anlage der üblichen römischen Städte bekommen. Große Plätze und Freizeiteinrichtungen, die zum römischen Leben dazu gehörten. Teile der Plätze und Verbindungstreppen werden heute noch genutzt. Der monumentalste römische Zirkus außerhalb Roms, in dem Wagen- und Pferderennen stattfanden, wurde auf zwei Terrassen erbaut. Oberirdisch ist vom Zirkus heute nicht mehr viel erhalten.

Der Gang, der als Sektor Oriental der ehemaligen römischen Wagenrennbahn erhalten geblieben ist
Dieser Gang ist beinahe 2000 Jahre alt – ehrfürchtig erforschen wir die ober- und unterirdische Anlage der Wagenrennbahn

Unterirdisch bekommen wir einen faszinierenden Eindruck von der monumentalen Anlage. Pferde- und Pferdewagenrennen benötigen einiges an Platz. Im sogenannten Provinzforum, mit einer Länge von 325 Metern und einer Breite von 115 Meter, fanden 30.000 Zuschauer Platz. Die Anlage war sehr praktisch durchdacht, um einen effizienten Ablauf der Rennen zu gewährleisten. Das fiel mir besonders bei den „Pferdeboxen“ auf. Die Bauzeit hat nur etwa 15 Jahre gedauert. Wie wieviel Sklaven hier ihr Leben ließen? Andererseits sind die noch intakten Gebäudeteile bereits 2000 Jahre alt, auf den unterirdischen Gängen lastet seit 2000 Jahren Gewicht und heute das Gewicht der modernen mehrstöckigen Häuser! Ich bewundere die konstruktive Bauweise und die Statik der Römer.

Hinter einem Türbogen ist eine Kammer, die bei den Römern als Pferdestall diente
Vom Gang weg gingen einzelne Pferdeställe. Von außen waren diese mit Heu zu versorgen, den Schacht kannst Du im Bild hinten erahnen
Der unterirdischer Gang, verläuft nach wie vor unter den Neubauten des heutigen Tarragona
Einer der unterirdischer Gänge der römischen Wagenrennbahn zieht sich 93 m weit unter die im 19. Jahrhundert erbauten Gebäude der heutigen, modernen Stadt

Bei den Wagenrennen traten zwei oder vier Pferderennwagen gegeneinander an. Das Spektakel war für die Besucher kostenlos und wurde von römischen Reichen gesponsort. Diese unterstützten auch die Rennmannschaften. Sehr viel anders als heute die Formel 1 war ein Wagenrennen damals vermutlich nicht organisiert. Es war ebenso laut, es stank auf andere Art und Weise, es war auch Feinstaub in der Luft und die Leute hatten ebenso wie heute riesigen Spaß, ihren favorisierten Teams zuzujubeln. Auch zum Zirkus kannst du auf der Tarragonaseite Informationen finden.

Vom höchsten Punkt der erhaltenen Zirkusgebäude geht der Blick über die Stadt bis zum Hafen. In den Ruinen des Zirkus sind neue Häuser erbaut
Die Ruinen sind heute Teil der Stadt, die neuen Häuser stehen auf den unterirdischen Gängen.
Vom höchsten Punkt der erhaltenen Zirkusgebäude geht der Blick über die Stadt bis zur Kathedrale, die auf dem höchsten Berg der Stadt liegt
Die Kathedrale liegt auf dem höchsten Hügel der Stadt

Wir biegen nach dem Zirkus das erste Gässchen rechts ab, gehen links und finden uns nach der nächsten Kreuzung in der Carrer Major, der Hauptstraße wieder. Gleich rechts ist die Tourist-Information, wie praktisch. Wir erhalten einen Stadtplan mit Informationen auf Deutsch. Der nette junge Mann kreist die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ein – davon haben wir schon zwei erkundet – und informiert uns sogar über Öffnungszeiten. Dass wir an unserm Tarragonatag ja nichts verpassen, gell!. Herzlichen Dank!

Die Hauptstraße führt direkt auf die Kathedrale hin
Die Tourist-Info ist in der Carrer Major, der Hauptstraße, die direkt zur Kathedrale führt

Wir spazieren auf den Platz „Plaça de Santiago Rossinyol“ von dem es in breiten Stufen zum Vorplatz der Kathedrale weitergeht. Einige der Altstadthäuser am Platz sind mit Arkaden versehen, was mich an Meran oder Salzburg erinnert.

Im Erdgeschoss von Steinhäusern befinden sich Arkaden, die früher Marktstände überdacht haben
Unterhalb der Treppe zur Kathedrale sind Altstadthäuser mit Arkaden versehen, unter denen früher Marktstände vor Regen geschützt wurden

Die Treppe hinauf ist gleich links ein wunderschönes Café, das Café Sha. Die Sonne scheint auf den Außenbereich, ein Geiger im Eingangsportal der Kathedrale spielt schöne Musik – der richtige Platz, um die Seele baumeln zu lassen.

Ein Café ist in einem Altstadthaus eingerichtet. Säulen tragen die überstehenden Obergeschosse. Die Außenbestuhlung ist von einigen Menschen besetzt.
Vor der Kathedralentreppe genießen wir die Sonne und einen Kaffee
Durch einen schmalen Gang, in dem zwei Stühle und ein Tischchen stehen, kann man in die Gaststube eintreten
Aber auch bei Regenwetter ließe es sich im Café Sha aushalten, so liebevoll, wie es gestaltet ist

Wir entschließen uns, die Kathedrale und das Klostergelände nur zu umrunden. Das liegt nur am endlich schönen Wetter und nicht am Eintritt, der erhoben wird. Das Eingangsportal ist sehr beeindruckend und ich entdecke noch eine wunderschöne Steinmetzarbeit neben der Pforte.

Das Eingangsportal der Kathedrale ist mit Heiligenfiguren geschmückt. Eine Rosette thront über dem Spitzbogen
Das Eingangsportal ist ungeheuer mächtig. Heiligenfiguren ziehen sich auf einer Balustrade von der Innenpforte um die Portalecke
Eine Steinmetzarbeit an der Kathedrale zeigt eine biblische Jesusszene
In der wundervollen Steinmetzarbeit rechts des Kathedraleneingangs sind biblische Jesusszenen festgehalten

Die Runde um Kathedrale und Kloster bringt uns zu den Resten der Stadtmauer, die heute in einige Häuser integriert ist. Eine Ecke entzückt mich sehr, weil sie so liebevoll harmonisch für diese Stelle gestaltet ist.

Eine kleiner Eckplatz mit Stadtmauer ist von den Bewohnern liebevoll gestaltet. ein kleiner Brunnen ist mit Motivfliesen verschönert, eine Amphore ist bepflanzt – der ganze Platz wirkt anheimelnd
Wer aufmerksam spaziert, kann sich an solchen wunderschönen Ecken erfreuen

Wenig später treten wir kurz aus der Stadtmauer, um das Portal Roser zu betrachten.

Links der von Römern errichteten Stadtmauer befindet sich ein Eingangstor
Auch das Eingangstor “Roser“ in die von Römern erbaute Stadtmauer ist mit einer Erklärungstafel versehen

Wir spazieren am Maqueta de Tàrraco vorbei und schauen kurz hinein. Im Maßstab 1:500 haben fleißige Hände die römische Stadt im 2. Jahrhundert nachgebaut. Auch das Aquädukt, mit dem die Stadt mit Wasser versorgt wurde. Mir fällt auf, dass die heutige Altstadt um die Kathedrale rund um die ehemalige römische Tempelanlage erbaut wurde. Bei den Römern war das ein eher freier Platz. Die alte römische Stadt wurde hingegen von den nachfolgenden Stadtplanungen nicht für den Stadtneubau genutzt. Aber wahrscheinlich als Steinbruch.

Uns zieht es nun in die modernere Zeit. Vor allem wollen wir heute in der Markthalle Mittagspause machen. Wir spazieren bergab bis zur Rambla Nova, der Prachtstraße und Einkaufsmeile Tarragonas. Heute ist hier außerdem Flohmarkt – gut, dass wir im Wohnmobil keinen Mitnehmeplatz haben!

Flohmarktstände sind in der Rambla Nova aufgebaut
Flohmarktstände sind in der Rambla Nova aufgebaut

In jeder spanischen Stadt gibt es einen überdachten zentralen Markt. Meist eine wunderschöne Halle. Hier in Tarragona ist es nicht anders. Der Hauptmarkt, der Mercado Central wurde ab 1915 von Josep M. Pujol im Stil Moderne erbaut. Wir treten ein und schwelgen, genießen und kaufen für die nächsten Tage regional ein.

Der Zentrale Markt in Tarragona ist in einem Gebäude der Moderne. Große Bögen tragen die Hallenkonstruktion und sind außen in steinernen Bögen zu erkennen
Der Zentrale Markt in Tarragona hat im oberen Teil Marktgeschehen und im Keller einen Supermarkt
Das Hallengebäude ist mit schmiedeeisernen Lampengestellen mit blühenden Geranien schöne dekoriert
Im Jugendstilgebäude des zentralen Marktes ist noch wenig los

Als wir aus dem Marktgebäude wieder herauskommen überwiegen dunkle Wolken am Himmel und es hat merklich abgekühlt. Gut, dass ich ein dünnes Pulloverchen in meiner Umhängetasche habe. So eilen wir am Fòrum Local romà vorbei, dass sowieso geschlossen hat und wenden uns wieder zur Rambla Nova.

In einem umzäunten Innenstadtbereich sind Teile der römischen Stadt ausgegraben, einige Säulen und Gebäudereste
Leider ist die Ausgrabungsstätte geschlossen, aber einige Säulen und Gebäudereste der alten römischen Stadt sind durch den Zaun zu sehen

Auf unserer Todo Liste steht nur noch der Balcó del Mediterrani. Kurz bevor wir den Aussichtspunkt erreichen, entdecke ich das moderne Theater Tarragonas. Es ist geschmackvoll eingepasst.

Das modern Theater Tarragonas ist zwischen zwei Altstadthäuser gebaut
Auch die heutigen Tarragoner suchen Freizeitzerstreuung. Das Theater der Stadt ist einer moderner Bau zwischen zwei Altstadthäusern

Auf dem Balcó del Mediterrani pfeift ein kalter Wind, es hat mindestens um 10 ° gegenüber dem Vormittag abgekühlt. Wir genießen einen kurzen Blick zum Hafen und entdecken unser Wohnmobil auf seinem Parkplatz.

Von einem Aussichtsplatz geht der Blick über den Hafen von Tarragona
Der Balcó del Mediterrani ist ein Aussichtspunkt in Tarragona. Rechts liegt der Bahnhof und der Hafen
Von einem Aussichtsplatz geht der Blick über den Strand bis hin zum Wohnmobilparkplatz der Bloggerin
Vom Balcó del Mediterrani aus können wir sogar bis zum Wohnmobil schauen

Wir spazieren nun von oben kommend durch den Park des Amphitheaters, mit schönem Blick auf den Strand der Wunder, den Badestrand Tarragonas. Kurz vor einem Regenschutt erreichen wir unser Daheim und sind froh über die Wärme, die es nach der Sonneneinstrahlung des Vormittags für uns vorhält.

Ich bin mir sicher, dass ich nach Tarragona wiederkommen werde, um weitere Schönheiten dieser alten Stadt mit geballter Geschichte zu entdecken. Auch in Tarragona ist mir aufgefallen, dass die Stadt ungeheuer barrierefrei gestaltet ist. Überall Rampen, Aufzüge und ebene Platten im Straßenpflaster. Wenn Du Lust hast, ein wenig auf Stöbertour in der Stadt zu gehen, die Website Tarragonas bietet Dir die Möglichkeit.

Du bist mit dem Wohnmobil unterwegs. Dann ist der WoMo-Reiseführer Ost-Spanien genau der richtige Begleiter für Dich. In meinen Empfehlungen erfährst Du mehr oder Du bestellst ihn hier.

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Ebrodelta

Ebrodelta

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Das Ebrodelta ist mit seinen Brachwasserflächen ein wichtiger Überwinterungsplatz für Zugvögel und ein idealer Brutplatz für heimische Vögel. Um die Vögel nicht zu stören, sind an vielen Stellen vorbildlich angelegte Aussichtsplattformen aufgebaut. Weniger vogelkundige Besucher können anhand lehrreicher Tafeln das Geschehen einordnen.

Vogelbeobachtung im Ebrodelta

Am Morgen verlassen wir unseren Übernachtungsplatz und fahren mit dem Wohnmobil am Strand entlang, der hier von vielen Fahrzeugen festgefahren ist.

Das Ebrodelta mit seinen Brachwasserflächen ist ein wichtiger Überwinterungsplatz für Zugvögel und eine interessante Stelle für Beobachtungen von Ornithologen. Verschiedene Aussichtsplatzformen sind aufgebaut und vorbildlich angelegt. Wir halten am Mirador de la Tanara, leider sind keine Vögel für uns zu erkennen.

Hütte des Vogelbeobachtungsstandes La Tanara
Das Gebäude des Vogelbeobachtungsstandes La Tanara

Ein wenig später haben wir Glück und können einige Tiere beobachten. Erklärungstafeln geben einen Überblick über die Landschaft, die Lebensweise der früheren Bevölkerung und über die Vögel mit dem hauptsächlichen Vorkommen.

Eine Erklärungstafel am Aussichtspunkt Mirador La Tancada
Eine Erklärungstafel am Aussichtspunkt Mirador La Tancada
Das Wohnmobil der Bloggerin steht am Parkplatz des Beobachtungspostens La Tancada
Die Parkplätze an den Beobachtungsposten sind schön angelegt
Vier Flamingos stehen in einer Wasserfläche
Flamingos sind heute die hauptsächlichen Akteure – leider nicht so schön rosa, wie in der Camargue
Ein Silberreiher spaziert durch eine Lagune
Ein Silberreiher spaziert durch eine Lagune
Ein Flamingo spiegelt sich im Brackwasser
Der Flamingo findet im Brackwasser Nahrung

Wohnmobilstellplatz in Riumar

Im Internet haben wir einen Stellplatz in Riumar gefunden, auf dem wir übernachten wollen. Die Beschreibung ist sehr wohlwollend. Der Stellplatz beim Restaurant Tamariu in Riumar ist ohne Ver- und Entsorgung, die Sanitäranlagen verdienen den Namen nicht. Da wir aber gerne einen ausgiebigen Strandspaziergang bis in den Abend hinein machen wollen, arrangieren wir uns mit dem versifften Platz und dem hohen Preis dafür.
Zusammengefasste Beschreibung

GPS:
N 40.73164° E 0.83100° oder
40°43’53.9“N 0°49’51.6“E

Ein handgeschriebenes Schild erklärt die Bedingungen des Stellplatzes
Keine Ver- und Entsorgung, aber 10 € ohne Strom
Ein Holzhaufen liegt im Hof eines ungepflegten Hauses, rechts ist eine Baumallee, die zu weiteren Gebäuden im Hintergrund führt
Am Holzhaufen vorbei geht es zu den Sanitäranlagen
Gerümpel steht hinter einem Haus
Zu den Sanitäranlagen geht’s an diesem Gerümpel vorbei
In einem Häuschen befinden sich 3 Stahltüren
Kaputt oder dreckig – das sind die Alternativen der Sanitäranlagen
Am Holzhaufen links vorbei ist der Stellplatz mit Wohnmobilen
Wir stehen am Holzhaufen links

Vom Wind lassen wir uns den Kopf freiblasen und genießen die Schönheit der Natur.

Zerrissene Wolken am Himmel
Der Wind zerreißt die Wolken am Himmel über dem Meer
Eine zusammengebalte Wolke, die wie ein Schildkrötenpanzer aussieht, steht über Bergen, im Vordergrund Meer und eine Sandbank
In Richtung Berge ist eher ein Schildkrötenpanzer am Himmel
Auf einer Sandbank sind Wasservögel auf der Futtersuche
Auf einer Sandbank sind Wasservögel auf der Futtersuche
Ein Fischskelett am Strand ist teilweise von Sand bedeckt
Welcher Fisch das wohl war?
Ein Fischskelett am Strand ist teilweise von Sand bedeckt
Für einen Delphin ist der Kopf zu dick, irgendein kleiner Hai?
Eine Glasflasche mit Bügelverschluss steht am Strand
Jetzt finden wir mal eine Flaschenpost und dann ist keine Schatzkarte darin, wie schade!

Uns fällt auf, das überall am Strand jede Menge Müll herumliegt. Kanister mit Totenkopfaufdrucken, Plastikreste von allem Möglichen und jede Menge geschredderte Bambushütten oder Bambustrennwände. Der Sturm bringt den Müll übers Meer, eine Sisyphusaufgabe den Strand immer wieder zu reinigen.

Entsorgung Grauwasser in Deltebre

Auf der Weiterfahrt wollen wir in Deltebre an der Brücke nach St. Jaume unser Grauwasser entsorgen. Leider ist das nur ein Stellplatz direkt am Ebro ohne Ver- und Entsorgung.
GPS:
N 40.71440° E 0.71554° oder
40°42’51.8“ N 0°42’55.9“

Bei der Weiterfahrt in Richtung Tarragona entdecken wir noch Hinweisschilder auf Wohnmobilentsorgung in Deltebre. Als wie den Entsorgungsplatz bei der Landwirtschaftlichen Genossenschaft finden, sind die Schächte zubetoniert. Schade! Da sind die Gemeinden im Hinterland besser auf Wohnmobilisten eingestellt.

Golfclub Costa Daurada

Unsere Freunde haben uns vom Golfclub Costa Daurada in El Cattlar erzählt. Sie hatten dort eine Monatsmitgliedschaft für zwei Personen für 320 €. Wohnmobillisten können im Überlaufparkplatz hinter dem eigentlichen Parkplatz stehen. Strom, Ver- und Entsorgung gibt es keine. Dafür muss man in den Ort El Catllar fahren. Duschen und Toiletten im Golfclub zu nutzen ist natürlich möglich. Es gibt auch ein kleines Restaurant im Golfclub. Hier wollen wir für zwei Tage bleiben und unseren Golfschlägern ein wenig Tageslicht gönnen.

Golfclub Costa Daurada, El Catllar
Km 2,7, Ctra. Catllar, 43007 Tarragona
GPS:
N41.154372 E1.323632
41°09’15.7”N °19’25.1”E

Wir bezahlen für das Greenfee nach 14.30 Uhr pro Person 30 € für 18 Loch. Der Platz ist wunderschön in die abfallende waldige Landschaft integriert. Es geht bergab und bergauf, ein wenig Kondition ist notwendig, gerade wenn man läuft und nicht mit dem Cart fährt. Die Greens sind auch sehr wellig angelegt und ziemlich schnell. Gerade wenn man etwas oben auf das Grün spielt und nach unten ins Loch putten möchte, ist es sehr spannend. Ich mag das gerne, denn das Berechnen der Laufbahn des Balls macht mir Spaß. Meistens läuft der Ball dann doch anders, als berechnet, so ist halt Golf.

Eine Golferin steht am Abschlag, das Fairway zieht sich hinauf, ein Gebäude steht im Hintergrund
Auf dem Gelände steht auch ein Gebäude, das maurisch anmutet, leider wird es nicht genutzt und verfällt

Du bist mit dem Wohnmobil unterwegs. Dann ist der WoMo-Reiseführer Ost-Spanien genau der richtige Begleiter für Dich. In meinen Empfehlungen erfährst Du mehr oder Du bestellst ihn hier.

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Von Morella ins Ebrodelta

Von Morella ins Ebrodelta

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Die Stadt Morella hat eine völlig intakte Stadtmauer mit einem imposanten Tor. Die Stadt ist mit drei Seiten um den hohen Festungsberg angelegt. In den engen Gassen des Städtchens fühlen sich heute noch über 2.000 Bewohner und deren Besucher wohl. Ein Panoramaweg umgibt den Festungsberg im Norden.

Wohnmobil-Stellplatz Morella

Stadtrundgang Morella

Am Morgen radeln wir zum Aquädukt im Westen der Stadtmauer. Es wurde im Jahr 1318 errichtet und versorgte die in Terrassen angelegten Felder rund um die Stadt mit Wasser. Von dieser Stelle blickt man zu den Felsen, an der die erste Stadt Morella gelegen hat, bevor sie an diesen Berg umgesiedelt wurde. Hinter dieser Morella Primera liegen die Höhlenmalereien von Morella la Vella.

Das Aquädukt mit der Eremitenkirche, dahinter ein Hügel mit einem Sendemast
Unterhalb des Aquädukts ist rechts eine Eremitenkirche angesiedelt
Durch das Aquädukt ist der Felsen zu sehen, um den die erste Stadt Morella lag
Durch das Aquädukt ist der Felsen zu sehen, um den die erste Stadt Morella lag
Durch einen Bogen des Aquädukts ist das Stadttor in der Stadtmauer zu erkennen
Das mächtige Stadttor in der Stadtmauer durch einen Bogen des Aquädukts

Wir fahren zum mächtigen Tor der Stadtmauer und orientieren uns auf dem Stadtplan, der neben einer öffentlichen Toilette angebracht ist.

Der Stadtplan von Morella auf einer öffentlich zugänglichen Schautafel
Vor dem großen Stadttor ist der Stadtplan von Morella auf einer Schautafel

Meine Brille ist am Nasenbügel kaputt und eine nette Einwohnerin der 2.000 Einwohner Stadt möchte uns zum Optikerladen bringen. Auf einer breiten Promenade spazieren wir mit spektakulären Aussichten im Norden um die Stadt. Links der Promenade zieht sich Wald zur Festung hinauf. Unterhalb der Promenade, beinahe beim westlichen Eingangstor sind die Schulen und Kindergärten der Stadt in den Berghang eingefügt.

Die Stadt Morella von Norden. Links ist das Stadttor, die zugewandte Nordseite des Berges ist bewaldet
Morella von Norden. Links das Stadttor und rechts in den Berg eingefügt die Schulen von Morella

Durch das westliche Doppeltor Tor gelangen wir in die Altstadt.

Das kleine Stadttor im Westen ist durch ein vorderes Tor extra geschützt
Von der Nordpromenade kommt man durch das doppelte westliche Stadttor in die Stadt

Eine Sonnenuhr auf dem Platz hinter dem Tor ist modern gestaltet.

Auf einem Platz ist eine Stahlkonstruktion als Zeiger der Sonnenuhr. Weißgemalte Stadthäuser mit Balkonen stehen um den Platz
Die Sonnenuhr ist ein modernes Kunstwerk

Wir passieren ein mächtiges Tor in einer Hausmauer und können einen Blick hinter das Tor erhaschen.

Ein rundgebogenes hölzernes Eingangstor, ein Flügel ist geöffnet und erlaubt den Blick in das Innere, das im Schatten verborgen bleibt
Trotzdem das Tor offen ist, bleibt das Innere im Schatten verborgen
Dieser Vorraum verbirgt sich hinter dem hölzernen Eingangstor. Geschnitzte weitläufige Haustüren, über einer ein Balkon, darüber eine Balkendecke. Große Tonvasen sind mit Trockenblumen versehen
Dieser Vorraum verbirgt sich hinter dem hölzernen Eingangstor

Unsere nette Führerin bringt uns zum Optiker. In wenigen Minuten ist mein Brillenproblem für zwei Euro behoben.

Ein Optikerladen in der Stadt Morella
Die nette Optikerin hat mein Brillenproblem beseitigt. Der Laden liegt an der Plaza in der Nähe des westlichen, kleinen Stadttores

Ein Platz mit Bistro, öffentlicher Toilette und Spielplatz ist neu angelegt. Die Toilette ist mit einem Hinweisschild versehen.

Ein Hinweisschild erklärt die Benutzung der Toilette
Es gibt anscheinend Erklärungsbedarf

Wir schlendern auf der unteren Straße durch die Stadt. Unsere Eindrücke nun als Bilderfolge:

Eine Straßenecke mit steilen, treppenartigen Straßen bergab
Die Straßenecken sind spannend angelegt
Die Traufe am Dach ist mit Schnitzereien versehen
Der Blick nach oben offenbart die schönen Schnitzereien der Dachtraufen
Eine schöne geschnitzte Haustür unter einer Arkade
Die Betrachtung aller schön geschnitzten Haustüren alleine würde einen Stadtrundgang in Morella lohnen
Die Decke der Laubengänge sind unterschiedlich gestaltet. Im Vordergrund mit schön bemaltem Gips, im Hintergrund eine einfache Balkenkonstruktion
Auch in den Laubengängen lohnt sich der Blick nach oben
Eine enge Innenstadtgasse. Die Häuser bilden Arkaden über dem Gehweg. In jedem Stockwerk der Häuser ragen Balkone über die Straße
Eine typische Altstadtgasse in Morella. Arkaden überdachen die Gehwege und Eingänge in die Geschäfte
Gewebte Ponchos, die in Morella hergestellt werden, sind in einem Schaufenster ausgestellt
Die Ponchos nennen sich Manzas Morellanas – mich erinnern sie an südamerikanische Ponchos
In einem Geschäftsregal sind versteinerte Fossilien zum Verkauf ausgestellt
Morella lag ehemals im Meer – vor vielen Millionen Jahren. Die Fossilienfunde machen das deutlich
In einem Geschäftsregal sind versteinerte Fossilien zum Verkauf ausgestellt
Ob bei den Preisen die Fossilien echt sind?
Unterschiedliche Baustile in der Altstadtgassenecke von Morella
Alte und neue Häuser ergänzen sich sehr gut
Blick in einen Kräuterladen in der Altstadt von Morella. Davor stehen Wannen und Körbe mit unterschiedlichen Kräutern
Der Eingang in den Kräuterladen in Morella
Inmitten der engen Altstadtgasse liegt sogar ein Möbelgeschäft
Wie das Möbelgeschäft inmitten der engen Gassen an seine Waren kommt?
Eine steile Treppe verbindet die Altstadtgassen
Die Verbindungen zwischen den Gassen sind steile Treppen, hier die Traversia Meson
Eine reich geschnitzte Dachtraufe, darunter ein Balkon. Rechts davon das Giebelkreuz auf einer kleinen Kirche
Wieder lohnt der Blick wegen der Traufverzierung nach oben. Und ich entdecke die kleine rotgestrichene Kirche inmitten der Häuserzeile

Im Rathaus entdecken wir einige Figuren, die beim Fest „Corpus Christi“ in der Prozession getragen werden. In Valencia haben wir solche Figuren schon im Museum „Museo del Corpus“ gesehen. Die Figuren stehen auf Holzgestellen. Bei der Prozession schlüpfen Männer unter die Kleidung der Puppen und tragen diese mithilfe der Holzgestelle auf ihren Schultern. Die Schilder informieren uns, dass die Figuren hier in Morella zwischen 47 und 62 kg wiegen. Eine körperliche Herausforderung für die Träger.

Die Figuren für die Prozession beim Fest „Corpus Christi“ sind im Eingangsbereich des Rathauses ausgestellt
Die Figuren für die Prozession beim Fest „Corpus Christi“ sind im Eingangsbereich des Rathauses ausgestellt

Beinahe am Stadttor angekommen entdecken wir in einer Bäckerei noch eine weitere Spezialität der Stadt.

Eine Markise schützt das Schaufenster der Spezialitätenbäckerei vor der Sonne
In dieser Bäckerei gibt es Spezialitäten aus Morella
In einer Bäckerei werden die Backspezialitäten Morellas im Schaufenster ausgestellt
Die gebackene Spezialität – Baiser mit Haselnüssen – nennt sich Hechas con Horno de Leña

Wir kaufen die Spezialität und sind am mächtigen Stadttor angekommen.

Das Stadttor mit zwei Türmen von der Stadt aus
Von der Bäckerei präsentiert sich das Stadttor auch sehr mächtig

Wir radeln zurück zum Wohnmobilstellplatz und machen noch einen Ausflug nach Morella la Vella zu den Höhlenmalereien. Der Weg dorthin ist nicht asphaltiert und wir sind mal wieder froh über unser nur 3,5 t leichtes und unter 6 m langes Wohnmobil.

Eine unbefestigte Straße wird von einem in die Straße gelassenen Weidegitter unterbrochen
Weidegitter unterbrechen die Gravelroad nach Morella La Vella
Die unbefestigte Straße teilt sich. Ein Stein mit einem roten aufgemalten Pfeil zeigt nach links zur Zufahrt Morella la Vella
Der Pfeil zeigt den Weg nach Morella la Vella
Ein Schild im Vordergrund zeigt den Weg zu den Anlagen mit den Felszeichnungen Morella La Vella, die im Hintergrund liegen
Vom Parkplatz ist die Anlage Morella La Vella zu sehen
In Morella La Vella führt eine Stahlgitterkonstruktion an den oberen Felsen entlang
Über die Stahlgitterkonstruktion an den oberen Felsen gelangt man eventuell in die Höhlen?

Die GPS-Koordinaten der Anlage Morella La Vella:
N 40.62325° W 0.09248° oder
40°37’23.7“N 0°05’32.9“W

Leider sind wir außerhalb der Saison da und die Anlage geschlossen. Da die Touristinformation am Montag ebenfalls geschlossen hatte, konnten wir das nicht erfragen. Die Fahrt hat sich trotzdem gelohnt, allein wegen der Aussicht zurück nach Morella von Norden aus.

Fahrt über die Weinregion Do Terra Alta

Bernhard hat die Weiterreise über die Weinregion „Do Terra Alta“ zum Ebrodelta geplant. Wir fahren auf der N 232 nach Norden. Am höchsten Punkt, dem Puerte Torre Miro auf 1.204 m, meine ich, die schneebedeckten Pyrenäen zu erkennen.

Bergab ist die Gegend wie auch bergauf von Viehzucht geprägt, einige Wursträuchereien zeugen davon ebenso wie die Verkehrsschilder mit Warnungen vor Weidevieh. Wir biegen auf die A 1414 und fahren über Valderrobres weiter nach Nordosten. In der Nähe von Horta de St. Joan finden wir eine Bodega, die leider am Montag Ruhetag hat. Nun folgen wir der T 334 und fahren an wunderschönen Gebirgsketten vorbei. Laut Landkarte ist das die Sierra de l’Espina mit beeindruckenden Felsen.

Hinter blühenden Bäumen sind Berggipfel
Blühende Landschaften mit felsigen Gipfeln, so wie ich es mag. Die Berge der Sierra de l’Espina von Westen
Hohe Felsberge erscheinen glatt geschliffen
Sieht nach „Big Wall“ aus – Berge der Sierra de l’Espina

In Bot führt die Hauptstraße an der Winzergenossenschaft vorbei. Wir dagegen halten an, denn wir wollen unseren Weinvorrat auffüllen.

Aus Fliesen ist die Werbetafel an der Mauer der Winzergenossenschaft Josep gefertigt
Eine schöne Fliesenarbeit ist die Werbetafel der Winzergenossenschaft Josep
Das Wohnmobil der Bloggerin parkt vor der Winzergenossenschaft in Bot
Das Wohnmobil der Bloggerin parkt vor der Winzergenossenschaft in Bot

In der Winzergenossenschaft wird nicht nur Wein verkauft, sondern die Weinbauern haben alle außerdem Olivenbäume. Eine eigene Mühle der Genossenschaft presst das Öl heraus. So werden die Oliven und Olivenöl ebenso angeboten. Wir decken uns mit den leckeren regionalen Köstlichkeiten ein. Der tägliche Tafelwein kann auch in Kanister abgefüllt werden, wir kaufen den Wein aber lieber in kleineren Mengen in Flaschen.

Der Verkaufsraum der Winzergenossenschaft in Bot
Es werden überwiegend Produkte der Winzergenossenschaft angeboten
Der Verkaufsraum der Winzergenossenschaft mit Probierecke und Kasse
Die Theke ist die Weinprobierecke
Eine Abfüllanlage für Kunden, die eigene Kanister mit Wein füllen wollen
Statt in Flaschen, könnten wir den Wein auch in Kanistern mitnehmen

Über Gandesa biegen wir nach Südosten ab und folgen erst der C 43 bis zum Ebro, dann der C 12 bis Amposta am Beginn des Ebrodeltas. Unterwegs haben wir einen schönen Blick auf die andere Seite der Sierra de l’Espina.

Über die landwirtschaftlich genutzte Ebene geht der Blick zur Sierra de l'Espina
Von Osten präsentiert sich die Sierra de l’Espina in anderer Blickweise

Wir wollen auf den Campingplatz in Eucaliptus im Südosten des Ebrodeltas und folgen der TV 3405 bis zum Ziel. Der Platz hat leider geschlossen und so stellen wir uns direkt unter das Verbotsschild 21-9 Uhr für Campingfahrzeuge, zu den etwa 20 anderen Wohnmobilisten. Außerhalb der Saison scheint das erlaubt zu sein.

Stellplatz in Sichtweite des geschlossenen Campingplatzes
GPS:
N 40.65588° E 0.78203° oder
40°39’21.2“N 0°46’55.3“E

Beschreibung „Stellplatz“

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Von Onda über El Maestrat nach Morella

Von Onda über El Maestrat nach Morella

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Wir reisen durch die Region Alt Maestrat, nordöstlich von Valencia. Mittelalterliche Städte, in denen die Zeit stehengeblieben scheint, liegen auf unserem Weg. In Culla ist uns das Glück besonders hold. Genau an unserem Besuchssonntag findet das Festival des Schwarzen Trüffel statt, der reichlich in dieser Region Spaniens wächst.

Fahrt von Onda nach Culla

Am Sonntag fahren wir von Onda auf der CV 191 Richtung Ribesalbes. Es geht durch blühende Mandelhaine in der Ebene dahin.

Blühende Mandelbäume stehen vor niedrigen bewaldeten Bergen
Rosa Wolken bedecken die Landschaft – blühende Mandelbäume
Ein Stausee zieht sich hinter Bäumen in den Hintergrund
Bei Ribesalbes passieren wir einen Stausee

Wir passieren den Stausee und folgen der Straße CV 188 nach Alcora. In der Gegend werden viele Fliesen gefertigt, es gibt etliche Fabriken und somit Arbeitsplätze für die Bevölkerung. In Alcora halten wir uns Richtung Cortes und Llucena und nach circa 4 km auf der CV 165 Richtung Azeneta des Maestrat und folgen dem kurvigen Verlauf des Bergsträßchens.

Eine felsige mit niederem Gesträuch bewachsene Schlucht
Diese Schlucht passieren wir hinter Costur

Einige Motorradfahrer sind unterwegs, weniger Fahrradfahrer als gestern. Wir fahren auf der CV 165/CV 171 durch Atzeneta und folgen wieder der CV 165 Richtung La Torre de en Bescora durch Mandel- und Olivenhaine.

Ein Turm auf einem Berg ist von Häusern auf der Kuppe umgeben. Unterhalb der Stadt sind terrassierte Felder angelegt
Die Stadt Atzeneta del Maestrat passieren wir nur
Blühender Ginster und blühende Mandelbäume vor einem bewaldeten Hügel
Die Mandelbäume blühen mit dem Ginster um die Wette
Über bewaldete Hügel ist rechts eine Stadt und links hinten ein hoher Berg zu sehen
Unser Blick schweift nach Benafigos und einem Gebirgszug dahinter

Wir biegen auf die CV 166 Richtung Culla ab, mit dem Schild „Parc miner el Maestrat“.

Culla

Aus Naturstein gemauert erhebt sich die Stadt Culla rund um einen kleinen Felsberg. Der Kirchturm ragt darüber hinaus
Ansicht der Stadt Culla von unserem Parkplatz

Unseren Stadtrundgang von unseren Parkplatz habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet.

In Culla ist viel los, es sind an diesem dritten Wochenende im Februar 2020 die Tage des schwarzen Trüffel. Die Region Alt Maestrat ist für ihren schwarzen Trüffel bei den Kennern berühmt. Eigentlich wollten wir nur die historische Altstadt mit der Festungsanlage besichtigen. So aber kommen wir in den Genuss, Trüffelhunden beim Suchwettbewerb zuzuschauen und einige regionale Köstlichkeiten zu probieren.

Galerie

Eingeschweißte Würste und Schinken, Brotaufstriche und Schokoladen werden an einem Marktstand der „Schwarzen Trüffel Messe“ verkauft
Regionale Spezialitäten werden beim Markt des Schwarzen Trüffels angeboten
Schwarzer Trüffel liegt aufgehäuft auf einer Glasplatte. Zwei Schwarze Trüffel sind unter Glashauben
Schwarzer Trüffel ist eine Spezialität der Region Alt Maestrat. Die Trüffel unter den Glashauben kosten 37 € (links) und 25 € (rechts)
Schwarze Trüffelknollen werden auf silberfarbenen Deckeln zum Verkauf präsentiert
Schwarzer Trüffel – die Messe am 3. Februarwochenende zeigt und verkauft schöne Exemplare
Parzellen sind mit Plastikzäunen abgeteilt. In den Parzellen sind schwarze Trüffel vergraben, die von Trüffelhunden und ihren Besitzern gefunden werden müssen
In den Parzellen müssen Trüffelhunde die versteckten Trüffel suchen. Leider sind die zwei Suchhunde beinahe von den vielen Menschen verdeckt

Die gesamte Gegend des „El Maestrat“ gehörte geschichtlich zu den Tempelrittern, die Festungen auf den Berggipfeln im Rund zeugen davon.

Wir durchstreifen die Stadt bei einem Spaziergang. Überall im Ort gibt es Hinweistafeln zur Geschichte und Stadtpläne, die auf die Besonderheiten der Stadt hinweisen.

Der Stadtplan von Culla mit interessanten Sehenswürdigkeiten auf einer öffentlich zugänglichen Schautafel
Mit den Erläuterungen des Stadtplans lässt sich Culla gut entdecken
In Culla stehen an geschichtlich interessanten Stellen Informationstafeln
Erklärungstafeln an interessanten Stellen informieren Besucher über die Geschichte der Stadt Culla

Wir durchstreifen die Stadt und mit ihren kleinen Gässchen und verwunschenen Winkeln.

Eine gepflasterte Altstadtgasse in Culla mit hohen aus Naturstein gemauerten Häusern
Eine der typischen gepflasterten Altstadtgassen in Culla
Eine steile Natursteintrappe als Durchgang durch die Stadthäuser führt zur oberhalb gelegenen Gasse
Durchgangstreppen ermöglichen den kurzen Zugang zur oberen Gasse
Der Altar in der Kirche von Culla hat ein helles Altarbild mit einer Heiligenfigur in der Mitte
Der Altar in der Kirche in Culla
Die Kuppel der Kirche ist mit Heiligenfiguren bemalt
Die Kirchenkuppel in Culla ist mit Heiligenfiguren bemalt
Eine Dachtraufe ist reich verziert nach außen gemauert. Unterhalb des Daches ein mit geschmiedeten Eisengittern verzierter Balkon
Ein Blick nach oben lohnt in spanischen Städten fast immer. Die Dachtraufen sind so oft sehr kunstvoll gestaltet
Ein Torbogen und eine aus Naturstein gemauerte Gewölbedecke
Der gotischer Torbogen ist eines der ältesten erhaltenen Gebäudeteile Cullas
Mit kleinen Steinen ist ein Muster in die Plaza gepflastert
Die Pflasterer in früherer Zeit haben sich für die Plaza ein schönes Muster ausgedacht
Eine Regenrinne an einem aus Naturstein gemauerten Haus endet in einem Gartenschlauch mit drei Ausgängen
Die Regenrinne erinnert an ihrem Ende an einen dreiköpfigen Drachen

Wir steigen hinauf zu den Resten der Festung. Die Dächer der Stadt breiten sich unter uns aus. Der Blick schweift weit über das Land. Weit im Norden liegt Ares del Maestrat, das Städtchen wollen wir später am Tag erkunden.

Unterhalb des Burgbergs von Culla liegt die verschachtelte Altstadt mit roten Ziegeldächern
Vom Burgberg ist die verschachtelte Anlage der Stadt gut zu erkennen
Von einem Berg geht der Blick über terrassierte Kulturlandschaft über die Ebene. Im Hintergrund weitere hohe Berge
Vom Burgberg in Culla können wir den Burgberg von Ares de Maestrat bereits sehen
Auf einem Platz vor einem Gebäude stehen geparkte Autos und das Wohnmobil der Bloggerin. Im Hintergrund karge Berge
Trotz Trüffelmesse haben wir unterhalb der Stadt Culla einen Parkplatz für unser Wohnmobil gefunden

Fahrt von Culla nach Ares del Maestrat

Von Culla folgen wir der Straße CV 166 weiter und halten im mittlerweile recht unbewohnten Ort „La Font d´en Segures“. viele Hotels, Appartementhäuser und selbst die Therme sind geschlossen. Wir finden die Ursache nicht heraus. Nur einen Kilometer später passieren wir Benassal und folgen der Straße tief hinab in die Ebene. Dort folgen wir links der CV 15, nun wieder steil hinauf, durch dicht blühenden Ginster nach Ares del Maestrat.

Ein Berghang ist mit brühendem Ginster bewachsen. In der Bildmitte zieht sich eine Straße durch, darüber verliert sich der Ginster in Felsen
Die Straße wird von blühendem Ginster gesäumt

Ares del Maestrat

Die Stadt Ares liegt unterhalb des Festungsberges
Der Festungsberg ragt über die an den Berg geschmiegte Stadt Ares hinaus
Sicht gedrängt stehen die meist weiß getünchten Häuser auf dem Bergrücken, der sich nach links vom Festungsberg zieht
Sogar an die Felsen sind einige Häuser angebaut

Auch hier spazieren wir durch die Stadt mit Aufzeichnung in Komoot und hinauf zur Festungsanlage. Hier sind nur mehr zwei Mauerreste der alten Festung übrig.

Ein roter Hinweispfeil zeigt in eine schmale Altstadtgasse zur Burg
Hier geht’s zur Burg in Ares el Maestrat
Eine eisenbeschlagene Tür mit genieteten Mustern ziert die Kirche von Ares
Die Kirchentür von Ares de Maestrat
Vor einem Hauseingang ist etwa einen Meter hoch ein Brett gegen die Haustür gelegt
In den meisten Altstädten sind die Haustüren so oder ähnlich abgesichert. Wir wissen nicht warum?
Denkmal für König Jaume I in Ares
Die Stadt verdankt König Jaume I viel – ein wunderschönes modernes Denkmal
Unter den Resten der Burganlage liegt der Eingang zum Museum von Ares
Das Museum liegt unter den Resten der Burganlage und hat leider geschlossen
Eine Treppe aus Eisen überwindet die erste Felsenstufe zur Burg
Die Eisentreppe wirkt sehr martialisch und führt über die erste Stufe des Festungsberges
Auf einem steinigen Plateau steht ein alter Mauerrest, der von einer Stützmauer gehalten wird. Reste der ehemaligen Burganlage
Viel ist von der Festung in Ares de Maestrat nicht übrig
Terrassierte Hänge führen in ein Tal. Im Hintergrund Bergketten. Auf einem Berg liegt die Stadt Culla
Blick zurück nach Culla. Die kurvige Straße ist rechts im Bild zu erkennen

Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, die Berghänge sind überall terrassiert. Aber jetzt im Februar ist es sehr trocken, die Bäche und kleinen Flüsse führen kein Wasser. Auf einer Tafel werden die Bewässerungsanlagen der früheren Zeit dargestellt, die heutzutage außer Betrieb sind. Die wunderschöne Landschaft liegt auf immerhin über 1.100 Höhenmetern.

Wir entschließen uns, weiter nach Morella zu fahren. Kurz folgen wir der CV 15 Richtung Villafranca und dann der CV 12 nach Morella. Viehzucht prägt die Hochebene, vereinzelt sehen wir Kühe mit Glöckchen und einmal sogar Schafe. Aber auch hier herrscht eine enorme Trockenheit, obwohl wir an manchen Stellen Schneereste sehen. Sicherlich sollte jetzt im Februar noch viel Schnee liegen, der später die Bäche füllt. Wir treffen auf die N 232, der wir nach links Richtung Morella folgen, mit spektakulären Ausblicken auf die mittelalterliche Stadt. Die Stadtmauer ist noch komplett erhalten, oben auf dem Berg thront wieder eine Festung.

Morella

Die Stadt Morella zieht sich um einen Festungsberg. Die Stadtmauer ist noch komplett erhalten
Die mittelalterlich anmutende Stadt Morella. Die Stadtmauer ist völlig intakt und neue Häuser befinden sich darin
Die Stadt Morella zieht sich um einen Festungsberg. Die Stadtmauer ist noch komplett erhalten
Die Windräder im Hintergrund verweisen auf die Neuzeit der mittelalterlichen Stadt Morella
Die Sonne ist hinter Morella untergegangen und umhüllt die Stadt mit einem orangen Lichtkranz
Abendstimmung mit der Stadt und dem Aquädukt

Direkt gegenüber der Altstadt, rechts der N 232 ist der Wohnmobilstellplatz ausgeschildert. Wir finden einen Platz an einem blühenden Mandelbäumchen. Gegenüber die Altstadt, rechts davon das Aquädukt von 1318, das für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen zuständig war.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht an der Begrenzungsmauer des Wohnmobilstellplatzes. Ein blühendes Bäumchen verdeckt ein wenig die Aussicht auf die Festungsstadt
Wir genießen die Aussicht auf die Altstadt mit einem spanischen Bier

Wohnmobilstellplatz Morella

Stellplatzbeschreibung zusammengefasst

Kostenloser, sehr schön angelegter fast ebener Platz mit Kies und Grasbelag. Ent- und Versorgung vorhanden, ohne Kosten.

GPS:
N 40.62325° W 0.09248° oder
40°37’23.7“N 0°05’32.9“W

Vom Stadttor aus ist der Wohnmobilstellplatz auf einem gegenüberliegenden Hügel
Vom Stadttor aus präsentiert sich der Wohnmobilstellplatz auf einem gegenüberliegenden Hügel
Der Wohnmobilstellpatz in Morella ist eben mit Bäumen angelegt und gekiest. er liegt gegenüber der Stadt
Der kostenlose Wohnmobilstellplatz in Morella ist wunderschön angelegt
Das Wohnmobil der Bloggerin steht am Entsorgungsplatz in Morella
Die Stellfläche des Entsorgungsplatzes ist leider etwas zu schmal gestaltet, wenn wir vorschriftsmäßig stehen, fließt unser Grauwasser leider nicht ab

Morgen werden wir uns das Städtchen anschauen – heute ist erst mal relaxen angesagt!

Du bist mit dem Wohnmobil unterwegs. Dann ist der WoMo-Reiseführer Ost-Spanien genau der richtige Begleiter für Dich. In meinen Empfehlungen erfährst Du mehr oder Du bestellst ihn hier.

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Von Valencia nach Onda

Von Valencia nach Onda

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Onda ist als die Stadt mit der „Burg der 300 Türme“ bekannt. Dies verdankt sie der gut erhaltenen Festung, die sich über die Stadt erhebt. Bereits 1967 ist die Altstadt von Onda als kulturhistorisches Denkmalensemble und Kulturgut erklärt worden. Diese Attribute locken uns zu einem Besuch.

Morgenstimmung am Meer

Ein schöner Sonnenaufgang bietet sich uns von unserem Stellplatz. Wir betrachten die Sonne, bis sie richtig am Horizont steht und machen uns zur Abreise fertig.

Die Sonne schiebt sich aus dem Meer, auf dem große Schiffe schwimmen hinauf. Im Vordergrund ist ein runder Festungsbau zu erkennen
Die Sonne schiebt sich aus dem Meer – unser Stellplatz bietet uns eine wunderbare Aussicht
Die Sonne ist bereits über dem Horizont und taucht die Schiffe in rosa Licht
Kaum ist die Sonne über dem Horizont, taucht sie die Schiffe in rosa Licht

Anreise von Valencia nach Onda

Wir wollen heute ins Inland nach Onda zur mittelalterlichen Burganlage. Um Valencia fahren wir links herum über die V 30 bis zur Ausfahrt 321. Hier nehmen wir die CV 310 Richtung Bétera. Vorbildliche Fahrradstraßen laufen parallel zur Autostraße – und auf den Radwegen ist richtig viel los. In Bétera biegen wir auf die CV 333 Richtung Segobre und Olocau. Die landschaftlich schöne Straße wird von Fahrradfahrern stark genutzt, die nun keinen eigenen Fahrradweg mehr haben. Die Hinweise für die Autofahrer sind eindeutig, nehmt Rücksicht.

Eine Bergstraße rechts macht eine Linkskurve. Über den felsigen Bergen sind die Kondensstreifen von Flugzeugen zu sehen
Die Kondensstreifen am Himmel ergänzen die Schönheit der Landschaft mit geometrischen Mustern
Im Vordergrund rechts ein Mandelbaum mit wenigen Blüten, im Hintergrund klebt rechts eine Stadt an einem Berghang, links zieht sich ein bewaldeter Berg hinauf
Blick zur Stadt Marines el Viejo an der CV 25

Wir schrauben uns mit vielen Serpentinen immer weiter den Berg hinauf auf die Sierra Calderona. Kurz vor dem Ort Olocau heißt die Straße nun CV 25 und wir erreichen die Passhöhe „Porte del Chirivilla“ auf 711 hm.

Bewaldete Berge, die Straße, auf der zum Parkplatz gefahren wurde, ist als kurviges Band zu erkennen
Vom Pass Chirivilla auf 711 m Höhe geht der Blick zurück nach Süden
Hinter Nadelbäumen im unteren Vordergrund sind mit Gras bewachsene Berge zu sehen. Im weiteren Hintergrund eine Gebirgskette hinter einem Tal
In Richtung Norden fahren wir weiter
Ein Rosmarinstrauch in voller Blüte
Im blühenden Rosmarin summen die Bienen. Wir nehmen einen Zweig für unser Mittagessen mit
Eine Bergstraße führt bergab. Im Hintergrund zieht sich nach rechts ein Berghang hinauf, auf dem einzelne Bäume in Reihe stehen. Der Himmel ist von Kondensstreifen durchzogen
Nun geht es vom Pass Chirivilla hinab zum Städtchen Altura

Bergab geht es noch kurviger als vorher weiter, das Display des Navigationsgerätes ist überwiegend orange mit dem Streckenverlauf.

Der Straßenverlauf im Navigationsgerät ist sehr kurvig abgebildet
Diese Kurven liegen bergab noch vor uns

Die Gegend ist ungeheuer trocken und karg, bietet uns aber immer wieder wunderbare Ausblicke.

Eine trockene Berglandschaft mit einer Straße, die hindurchführt
Ständig neue Ausblicke in die Berglandschaft

Kurz danach durchfahren wir eine ehemaliges Waldbrandgebiet bevor wir hinab nach Altura fahren. Nun lassen wir immer wieder Fahrradfahrer passieren, die bergab schneller sind als wir.

Verkohlte Baumstümpfe und Bäume zeugen von einem ehemaligen Waldbrandgebiet. Im Vordergrund blüht Ginster
Der Ginster blüht wieder im ehemaligen Waldbrandgebiet

In Altura fahren wir auf die A 23 Richtung Segorbe und bei der Ausfahrt 24, fahren wir wieder ab nach Soneja und auf der CV  230 nach Azuebar, mit dem Schild „Nationalpark Sierra d`Espòdan“. 3 km nach Azuebar folgen wir rechts der CV 219 nach Chóvar und Eslida, wieder ein wunderbar kurviges Sträßchen.

Ruinen einer Festung auf einer Bergkuppe, im Tal die Stadt
Eine Festung auf einem Berg, die Stadt liegt unterhalb im Tal

Über diese Passsträßchen fahren vermutlich die verschiedenen spanischen Radrennen. Auf dem Asphalt sind immer wieder Mutmachsprüche für die Rennfahrer aufgepinselt.

Mittagspause Nähe Coll oder Port Eslida

Wir finden ein wunderbares ebenes Plätzchen für unsere Mittagspause. Der Platz wird bei Fahrradrennen sicherlich von Zuschauern genutzt, denn die Serpentinenstraße ist in beide Richtungen gut einsehbar.

Mittagspausenplatz GPS
N 39.86178° W 0.32091° oder
39°51’42.4“N 0°19’15.3“W

Ein Wohnmobil steht unter Olivenbäumen. Auf der Straße fahren Fahrradfahrer am Platz vorbei
Unser Rastplatz wird sicherlich von Fans bei Fahrradrennen genutzt. Wir können viele Radfahrer bergab fahren sehen
Auf zwei Tellern ist Mittagessen angerichtet- Aus dem Fenster sind Serpentinen der Straße zu erkennen
Beim Mittagessen können wir die Radfahrer bergab in den Serpentinen beobachten

Eine andere Möglichkeit zur Rast ist einige Kilometer später der Coll oder Port Eslida auf 620 m Höhe.

Bergab nach dem Port Eslida macht die Straße einen richtigen Kreis, der durch einen Tunnel möglich wird. So eine Streckenführung kenne ich bisher nur von der Zugfahrt von Tirano auf über den Bernina bei der Interrailtour mit meiner Tochter.

Auf dem Display des Navigationsgerätes ist der Kreis, den die Straße bergab durch einen Tunnel macht, zu erkennen
Ein Tunnel ermöglicht der Straße, diesen Kreis zu machen

Im Dorf Eslinda fahren wir links auf die CV 223 nach Onda. Wir beenden unsere Wohnmobilwanderung auf dem

Wohnmobilstellplatz Onda

Stellplatzbeschreibung zusammengefasst

Calle Fanzara, Onda, Spanien
GPS
N 39.96824° W 0.27158° oder
39°58’05.7“N 0°16’17.7“W

Neu angelegt, kostenlos mit etwa 16 Plätzen, Ver- und Entsorgung, ohne Strom

Wohnmobile stehen auf dem neu angelegten Platz in Onda
Der Wohnmobilstellplatz in Onda in der Calle Fanzara
Auf einem betonierten Platz ist die Ver- und Entsorgung des Wohnmobils möglich
Die Ver- und Entsorgungsstelle des Wohnmobilstellplatzes Onda ist neu angelegt

Stadtspaziergang Onda

Wir spazieren zur „Burg der 300 Türme“ durch die Altstadt mit engen Straßen.

Vor der Burg in Onda ist eine deutsche Erklärungstafel zur Historie aufgestellt
Zum ersten Mal finden wir eine deutsche Erklärungstafel auf unserer Reise
Der Grundriss der Burg mit heutiger Nutzung wird auf dem Schild erklärt
Grundriss der Burg mit maurischer Festung an höchster Stelle
Eine Übersichtskarte der Altstadt von Onda mit nummerierten Sehenswürdigkeiten
Die Sehenswürdigkeiten der Altstadt sind nummeriert

Die Anlage wird durch Tafeln sehr gut erklärt. Wir bekommen am Eingang den Hinweis, dass man für uns gerne im Museum auf dem Burgberg die Multivisionsshow in englischer Sprache abspielen würde. Einen Flyer erhalten wir sogar erstmals bei unserer Spanienreise in deutscher Sprache.

Feste rundgemauerte Türme, teils mit Zinnen bewehrt, stehen in kurzem Abstand in die Festungsmauer eingelassen
Die Festungstürme sind zum Teil noch gut erhalten

Die Burg wurde während der Herrschaftszeit der Mauren im 10. und 11. Jahrhundert erbaut und hatte auf dem höchsten Punkt den maurischen Palast Alcazaba. Der Offizier des Sultans nutzte ihn vorwiegend für das Protokoll, also Empfänge von Gesandtschaften und zum Regieren.

Auf dem fotografierten Grundriss ist die maurische Anlage Alcazaba in der Festung erklärt
Die maurische Festung Alcazaba ist auf dieser Schautafel erklärt
Die Erklärungen des Grundrisses sind in englischer Sprache
Die Erklärungen der Nummern sind in Englisch
Einige Grundmauern des Festungsgebäudes Alcazaba mit dem Innenhof sind übrig geblieben
Mit viel Fantasie ist die maurische Anlage der Burg zu erkennen

Vom Burgberg aus haben wir einen guten Blick auf die Altstadt.

Von der Festung geht der Blick über die Altstadt mit der Kuppelkirche Mariä Himmelfahrt über die neue Stadt ins Gebirge im Hintergrund
Die Kirche Mariä Himmelfahrt hat zwei sechseckig-runde Kuppeln, die mit ihren blauen Ziegeldächern typisch für die Gegend sind

Nach so viel Gelehrsamkeit spazieren wir durch die Altstadt.

Eine schmale Gasse mit hohen Häusern, alle mit kleinen Balkonen versehen in der Altstadt von Onda
Typische Altstadtgasse und immer kleine Balkone vor den Fenstern
Eine schmale Gasse mit hohen Häusern, alle mit kleinen Balkonen versehen in der Altstadt von Onda
Die meisten Balkone sind auf der Unterseite mit hübschen Motiven gefliest
Ein neugestalteter Platz in der Altstadt Ondas. Ein Haus im Hintergrund ist verfallen
Der San Cristóbal Platz ist neu gestaltet. Die Häuserlücke im Hintergrund wird durch Stahlträger gestützt
Am Haus am Ende der Gasse ist ein gefliestes Heiligenbild, im Hintergrund ein Teil des Kirchturms
An manchen Häusern in Ondas Altstadt sind Heiligenfiguren aus Fliesen angebracht

Auf dem Rückweg zu unserem Stellplatz passieren wir den Plaza Sancho. Wir sind beeindruckt von der Wanderkarte, die nicht nur die Entfernungen und Wanderzeichen, sondern auch die Höhenangaben und Schwierigkeiten der jeweiligen Wanderungen darstellt. Die Wanderwegbeschilderung ist ebenfalls vorbildlich.

Eine Wanderkarte mit Entfernungs- und Höhenerklärungen
Die Wanderkarte steht am Plaza Sancho. Entfernungen, Höhenmeter und Wanderzeichen sind erklärt
Schilder mit Entfernungen und Richtungen von Wanderwegen und Wanderzielen
Die Wanderwegbeschilderung in Onda ist vorbildlich, die Entfernungen bis auf den Meter genau

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Valencia

Valencia

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Valencia ist eine sehr alte und doch auch ungeheuer moderne Stadt. Wir planen drei Tage für unseren Besuch ein, um uns einen Eindruck verschaffen. Da wir bei unseren Spaziergängen so viel Sehenswertes entdecken, wird uns die Zeit doch zu kurz. Obwohl die Stadt vom Campingplatz aus per Fahrrad oder Bus schnell zu erreichen ist.

Von Benicassim zum Campingplatz „Coll Vert“ südlich Valencias

Von Benicassim fahren wir auf der N340 und N340a nach Süden Richtung Valencia. Später auf AP7 (E15) ohne Maut bis zur Ausfahrt 51, dann auf der V21 / V23 Richtung Valencia. Wir passieren das Stadion des FC Valencia und nach der Brücke über den Park des ehemaligen Turiaflusses biegen wir scharf nach links auf die V15 ab. Vor uns sehen wir die futuristischen Gebäude des Stadtteils der Naturwissenschaften und Kunst, die wir rechts passieren. Auf der CV500 nehmen wir die 4. Ausfahrt „El Saler“ und folgen der Beschilderung Pinedo. Kurz nach der Tankstelle ist die Zufahrt zum Campingplatz „Coll Vert“ links.

Campingplatz Coll Vert

Wir bekommen einen ruhigen Wiesenschotterplatz, hinter den Hecken führt allerdings die vielbefahrene Straße entlang. Die Sanitäranlagen sind ziemlich oldfashion und nicht sehr sauber. Der ganze Platz wirkt irgendwie vergammelt. Die kleine Boutique der Rezeption bietet ab morgens 9 Uhr frische Backwaren und andere Lebensmittel.

GPS:
N 39.39694° W 0.33302° oder
39°23’49.0“N 0°19’58.9“O

Direkt vor dem Platz fährt der Bus 25 etwa alle halbe Stunde in circa 25 Minuten für 1,50 € nach Valencia. Ausstieg entweder bei der Wissenschaftsstadt oder der Altstadt. Bis 22 Uhr bringt der Bus Fahrgäste zurück. Mit dem Fahrrad sind es nur 10 km in die Stadt. Am Campingplatz links, am Kreisel rechts bis zu den beschilderten Fahrradwegen am Strand und wieder links der Beschilderung folgend nach Valencia. Die Fahrradwege sind vorbildlich angelegt, teilweise mit eigenen Fahrspuren und Ampeln an den Kreuzungen, und sehr guter Beschilderung.

Valencia erste Orientierung

Wir fahren mit dem Bus am Nachmittag bis zur „Entstation“, dem Plaza Porta del Mar. Heute wollen wir nur ein wenig durch die Altstadt schlendern, uns orientieren und ins Seidenmuseum gehen. Direkt nach der Bushaltestelle fallen uns am Jardins de la Glorieta ungeheure Bäume auf.

Ein breiter Baum mit kurzem Stamm und mächtigen Ästen drückt seine Wurzeln durch eine Mauer
Unglaublich monumental stehen mehrere Ficus Macrophylla im Jardin de la Glorieta
Ein Schild erklärt das Baummonument im Park, Botanischer Name Ficus Macrophylla
Das Schild erklärt das Baummonument

Wir spazieren die Carrer de la Paz entlang, dort ist links direkt eine Tourist-Info. Wir decken uns mit Karten und Informationen ein. Beim weiterspazieren biegen wir mal rechts und mal links in die Gassen ein. Auf der Plaça de Rodrigo Botet lädt uns die Außenbestuhlung der Taberna las Meninas zum Bleiben ein. Da es anfängt zu regnen bestellen wir drinnen eine Paella Marisca, mit Meeresfrüchten.

Links ein Brunnen, rechts davon ein Baum im Hintergrund die Außenbestuhlung der Taberna las Meninas
Die Taberna las Meninas am Plaça de Rodrigo Botet
In einer großen Pfanne ist eine Paella mit Meeresfrüchten
Eine Paella Marisca ist unser kulinarischer Start in Valencia

Kalter Wind begleitet uns zum Plaça Ajuntamiento. Leider ist der Brunnen wegen Restaurierungsarbeiten gesperrt. Der ganze Platz hat im Sommer sicherlich mehr Flair, wenn die vielen Stände mit den Blumenverkäufern aufgebaut sind. Heute sind nur vereinzelte Stände da, die Verkäuferinnen frieren. Das Postgebäude wurde während des ersten Weltkrieges gebaut und verschiedene Baustile miteinander vermischt. Es ist beeindruckend, allein wegen seiner Größe.

Ein Blumenstand am Platz der Blumen, rechts davon eine Palme, im Hintergrund das Postgebäude mit seinem Metallturm
Rund um die Plaça Ajuntamiento sind Blumenstände. Das Postgebäude leuchtet in der Abendsonne
Ein Gebäude aus dem Eklektizismus, mit einem hohen viereckigen Portal, darauf an den Ecken Figuren und darüber ein hoher eiserner Turm. Rechts auf der Ecke ein Turm mit einer sechseckig-runden Kuppel
Das alte Post- und Telegrafengebäude am Plaça del Ayuntamiento – Gebäude aus dem Eklektizismus, hier wurden Baustiele vergangener Epochen gemischt
Im Rundbogen des Eingangs sitzen fünf Damen, allegorische Figuren
Im Rundbogen des Gebäudes sitzen fünf Damen als allegorische Figuren 1915 Baubeginn, 1922 abgeschlossen
Der filigran gestaltete Eisenturm des Postgebäudes ist mit stilisierten Brieftauben und um die Erdkugel verlaufenen Nachrichtenbändern versehen
Der Turm auf dem Postgebäude weist mit Brieftauben und den um die Erdkugel verlaufenen Nachrichtenbändern auf die Funktion des Gebäudes hin

Valencia Seidenmuseum

Von wandernden Mönchen sollen Seidenraupen von China in den Wanderstäben bereits im 8. Jahrhundert nach Europa geschmuggelt worden sein. Auch rund um Valencia wurden Maulbeerbäume angepflanzt und Seidenraupen gezüchtet. Einiges über die Geschichte der Seidenherstellung in Valencia wird im Seidenmuseum erklärt. Leider kommen mir die eigentliche Produktion und die damaligen Arbeiterinnen und Arbeiter in den Erklärungen zu kurz. Beeindruckt bin ich von der Qualität der ausgestellten, teils 900 Jahre alte Stoffteile. Und der Kunstfertigkeit der Weber, die diese von Generation zu Generation verfeinert haben.

Ein gewebtes Damaststück aus dem 11. Jh. mit arabischen Mustern
Welch filigrane Kunst die Seidenweber schon im 11. Jahrhundert beherrschten. Ein Stück aus einem Damaststoff aus dem 11. Jahrhundert

Valencia Altstadt

Unseren Stadtrundgang habe ich für dich in Komoot eingestellt.

Am nächsten Morgen steigen wir an der Haltestelle Pont d‘ Aragó aus dem Bus und schlendern durch das trocken gelegte Flussbett des Turia. Nachdem 1957 der Fluss wieder die Stadt überschwemmte und 100 Menschenleben kostete, wurde der Turia kurzerhand 3 km aus der Stadt verlegt. Das alte Flussbett wurde als 10 km lange Parklandschaft gestaltet. Sportanlagen, Gärten und Kultureinrichtungen wechseln sich ab. Die Brücken, die ehemals über den Fluss führten, sind meist außergewöhnlich. Gerade, die nach der zerstörenden Überschwemmung neu erbauten.

Eine alte steinerne gepflasterte Brücke mit Türmchen in der Mitte
Die Puente de Mer ist noch aus alter Zeit übrig geblieben
Eine mit Geranien geschmückte Brücke
Die Puente Flores macht mit den roten Geranien ihrem Namen alle Ehre
Eine Spannbetonbrücke verläuft in einem Bogen
Die Puente de la Exposición ist ein Bauwerk des Architekten Santiago Calatrava

Der Spaziergang durch den Jardin del Turia bietet immer wieder unerwartete Überraschungen. Die Wege werden streng nach Joggern, Radfahrern und Spaziergängern getrennt. So stehen wir beim Schlendern den Sportlern nicht im Weg.

Vom Jardin del Turia geht der Blick zu den Türmen der Altstadt
Vom Jardin del Turia geht der Blick zu den Türmen der Altstadt
Ein Wald von Baobabs, den Flaschenbäumen wächst im ehemaligen Flussbett des Turia, der in einen Garten umgewandelt wurde
Ein Wald von Baobabs, den Flaschenbäumen wächst im ehemaligen Flussbett des Turia, der in einen Garten umgewandelt wurde
Der Stamm des Baobabs schützt sich mit spitzen Stacheln
Der Stamm des Baobabs schützt sich mit spitzen Stacheln – zum Glück sind im Jardin del Turia keine Löwen unterwegs, vor denen ich mích auf den Baum flüchten müsste

Wir machen einen kurzen Abstecher über eine Verlängerung des Jardin del Turia nach Norden, in die Jardines del Real.

Ein Schild erklärt die Anlage des Jardines del Real
Das Schild erklärt die Gartenanlage „Jardines del Real“
Aus einer Wurzel wachsen 5 Palmen, eine 6. wurde bereits entfernt
Ursprünglich wuchsen sechs Palmen aus der einen Wurzel
In einem kreisrunden Becken Becken stehen zwei nackte weibliche Figuren mit Wasserkrügen
Ein wunderschöner Brunnen im Jardines del Real

Wir queren kurze Zeit später wieder zurück in das alte Flussbett. Die Alleebäume an der Straße sind für uns eher ungewöhnlich.

Ein Orangenbaum als Alleebaum in der Stadt, im Hintergrund das Stadttor Serranos
Orangenbäume sind Alleebäume in der Stadt. Im Hintergrund die Türme des Stadttores Serranos

Vor dem Stadttor „del Serranos“ stehen eine Frau mit ihrem Kind in einer alten Tracht.

Eine zufällige Begegnung, eine Frau und ein Kind in der Tracht der Region
Eine zufällige Begegnung – Mutter und Tochter in der Tracht Valencias

Von den Stadttoren Valencias sind noch zwei sehr beeindruckende übrig geblieben. Im Torres del Serranos sollen noch Kanonenkugeln von den Kriegen gegen die Mauren stecken!

Ein Stadttor Valencias, das Torres del Serranos. Zwei Türme flankieren ein hohes Tor
Torres del Serranos, eines der erhaltenen Stadttore Valencias
Von der Innenstadtseite ist das Torres del Serranos offen und die Treppen, die auf die Türme zur Verteidigung führen, zu sehen
Von der Stadtseite sind die Torres del Serranos offen

Wir wenden uns in der Altstadt nach rechts und entdecken zufällig das Museo del Corpus. Alleine das Gebäude beeindruckt uns sehr und so gehen wir hinein. Seit dem 14. Jahrhundert finden in Valencia die Prozessionen zum Fest „Corpus Christi“ am 8. Sonntag nach Ostern statt. Die Gegenstände, Festwagen, Giganten und Kostüme werden seit Mitte des 14. Jahrhunderts in diesem extra dafür errichteten Gebäude aufbewahrt. Ein Multimediafilm in einem der oberen Stockwerke erklärt die Geschichte und lässt uns am Fest teilhaben.

Ein Plakat lädt ein, das Museum „Carpus Christi“ zu besuchen
In der Calle de Roteros 8 werden seit dem 14. Jahrhundert die Wagen und Figuren für die Prozession „Corpus Christi“ aufbewahrt
In einem Museum sind die Wagen und Figuren der Prozession „Corpus Christi“ seit dem 14. Jahrhundert ausgestellt
Die Figuren werden am 8. Sonntag nach dem Osterfest durch die Straßen getragen und gefahren und haben jede ihre eigene Bedeutung
Intarsienarbeiten in Seitenfeldern des Prunkwagens bilden die Tradition der Prozession ab
Die Intarsienarbeiten in den Seitenfeldern des Prunkwagens bilden die Tradition der Prozession ab

Nach diesen Eindrücken spazieren wir in einem Bogen durch die Altstadtgassen. Schmal gebaut mit sehr hohen, meist fünfstöckigen Häusern wohnen viele Menschen in der Altstadt. Leider sind viele Häuser am verfallen, die Restaurierungskosten sind sicherlich immens. Es gibt einige Baulücken und an anderer Stelle werden die wunderschönen alten Häuser saniert und restauriert.

Ein Baugerüst steht um die Fassaden eines Altstadthauses. Im entkernten Haus wird gebaut
Die Fassade bleibt stehen und im entkernten Haus wird neu gebaut. Ob das mit Denkmalschutz zu tun hat?
Schmale Gassen mit hohen Stadthäusern, zur Gasse hin immer Balkone
Typische Altstadtgasse in Valencia
An einer Straßenecke mit 270 Grad Winkel ist ein Eckhaus erstellt, rot gestrichen mit blauen Fensterrahmen
Eckhaus-Carrer del Abaixadors-Calle en Bou. Wie mag man die Möbel in den Eckzimmern stellen?

Wir erreichen das Jugendstilgebäude des Mercado Central, des Zentralmarktes, das ab 1916 errichtet wurde. Die architektonischen und kulinarischen Details zu entdecken macht großen Spaß. Nur bis 15 Uhr haben die Händler ihre Stände geöffnet, Für alle kulinarischen Geschmacksrichtungen und Ernährungsgewohnheiten ist gesorgt.

Über jedem Eingang in den Zentralen Markt sind Bogenfenster mit Glasarbeiten
Über jedem Eingang in den Zentralen Markt sind Bogenfenster mit Glasarbeiten
Die Kuppel des Mercado Central ist mit Glasfenstern und Malereien versehen
Im Markt sollten nicht nur die Auslagen, sondern auch die Schönheit des Gebäudes, hier die Kuppel, beachtet werden
Verschiedene Fische liegen in der Auslage eines Fischhändlers
Ein Teil der Fischauslage
Verschiedene Fische liegen in der Auslage eines Fischhändlers
Weiteres Fischangebot
In Papiersäcken werden Hülsenfrüchte und verschiedene Reissorten angeboten
Die Region Valencia ist seit vielen Jahrhunderten Anbaugebiet für Reis. Dieser Stand bietet Reis aus der Region und die verschiedensten Hülsenfrüchte an
Eingelegte Oliven und Meeresgetier in einer Auslage
Oliven, Meeresgetier, Käse, alles in Öl eingelegt
Fischgebisse sind über einem Marktstand präsentiert
Diesen Fischen hätte ich im Meer als Schwimmerin nicht begegnen wollen

Nach dem Einkauf im Markt halten wir uns nach Nordwesten zum Museum der Modernen Kunst, abgekürzt IVAM. Ich stelle zum wiederholten Mal fest, dass es in der Kunst Dinge gibt, die sich mir nicht erschließen. Muss ja auch nicht sein. Solange ein Mensch sich an einem Kunstgegenstand erfreut, hat er seine Berechtigung.

Ein hohes modernes Gebäude mit untergliederter Glasfront am Eingang, mit Ankündigungen versehen. Eingan ins Museum der modernen Kunst
Eingang in das Museum der modernen Kunst – IVAM

Über das zweite erhaltene Stadttor kehren wir zurück in die Altstadt und trinken an einem sonnigen Fleckchen einen Kaffee. Dabei fällt mir auf, wie schmal die Altstadthäuser meist gebaut sind.

Zwei hochgemauerte Türme bilden das Stadttor Torres del Quart. Zur Stadt hin sind die Türme mit bogenförmien Einlässen versehen, in denen schmale Treppen verlaufen. Verbunden sind die Türme durch ein Mittelhaus. Obenauf wehen die spanische und valencinische Fahne
Stadtseite des Torres del Quart
Ein schmales Altstadthaus, pro Stockwerk nur ein Zimmer
Pro Stockwerk nur ein Zimmer, aber immer mit Balkon

In Städten lohnen sich immer auch die Blicke nach oben. Die Verzierungen der Häuser, Türmchen und die verschiedenen Bauweisen der Giebel und viele andere Dinge sind zu entdecken. So auch hier in Valencia.

Ein Balkon im obersten Stockwerk eines Altstadthauses ist mit Schirmen, Hüten und weiteren Gegenständen an der Außenseite verziert
Ein Blick nach oben lohnt in Valencia immer – manchmal nur um Surreales zu entdecken

Der Nordbahnhof und die Stierkampfarena in Valencia liegen dicht beieinander. Beide Bauwerke sind beeindruckend, jede auf ihre eigene Art. Die Stierkampfarena von Valencia wurde zwischen 1850 und 1860 erbaut und bietet mit 52 m Durchmesser im Innenraum, in vier Stockwerken bis zu 13.000 Zuschauern Platz.

Der Nordbahnhof von Valencia wurde zwischen 1906 bis 1917 errichtet
Der Nordbahnhof kann als eigenes Kunstwerk gesehen werden. Er wurde zwischen 1906 bis 1917 im Wiener Jugendstil errichtet und mit Keramikarbeiten, die Bezug zu Valencia und der Umgebung herstellen, verziert

Bevor wir an der Plaça de la Mar wieder in unseren Bus steigen, wollen wir in der Fundación Bancaja, die Wechselausstellung macht, noch die Picasso-Ausstellung besuchen. Wie unglaublich produktiv dieser Künstler war.

Ein Jugendstilgebäude, vierstöckig mit Türmen mit runden Hauben an den Flanken, beherbergt die wechselnden Ausstellungen der Fundación Bancaja
In der Nähe der Porta de la Mar, am Plaza Tetuán liegt das Gebäude der Fundación Bancaja mit Wechselausstellungen

Valencia Stadt der Künste und der Naturwissenschaften

Heute fahren wir über den Fahrradweg, anfänglich am Strand entlang nach Valencia. Diese Tour habe ich für Dich in Komoot eingestellt. Die Fahrradwege sind vorbildlich angelegt und nachts sogar beleuchtet.

Eine Extrabrücke für Fahrradfahrer führt über den Fluss Turia
Die Fahrradwege sind wunderbar ausgebaut. Eine eigene Brücke führt über den Fluss Turia

Die Bauwerke der Stadt der Künste und der Naturwissenschaften sind vom Architekten Santiago Calatrava erdacht und erbaut worden. Alleine für die Entdeckung aller architektonischer Details könnte man Tage verbringen. Unsere Fahrräder parken wir im Parkhaus unterhalb des Palmengartens und beginnen unseren Rundgang im Palmengarten. Wir schlendern durch die Anlage und lassen für Dich die Bilder sprechen.

Ein einziger Brückenpfeiler links, dem sich ein Bogenpfeiler von rechts nähert, und ie an der Spitze zusammenlaufen, hält die Stahlverspannungen, mit denen die Brücke gehalten wird. rechts, die Brücke zum Teil verdeckend, ein Gebäude, das wie eine aufgestellte Brücke aussieht
Die Seilspannbrücke überquert den heutigen Turiagarten zwischen dem Naturwissenschaftlichen Museum und der Multifunktionshalle
Starke Stahlverspannungen halten die Brücke
Die Brücke hat in der Mitte eine Fußgänger- und Fahrradspur und auf den Außenseiten drei Spuren für Autos
Hinter dem künstlichen See ist die Brücke Assud D‘or und die Halle Àgora, links ein Teil des Wissenschaftsmuseums
Ein Teil der Konstruktion des Naturwissenschaftsmuseums mit See und Brücke Assud D‘or und Àgora
Eine runde lange Stahlkonstruktion überspannt verschiedene Palmen im künstlich gestalteten Palmengarten
Das Umbracle, der Palmengarten, erstreckt sich über dem Parkhaus. Skulpturen und mediterrane Pflanzen ergänzen die Anlage
Die Bloggerin steht am oberen Ende einer Treppe, die nierendwohin führt. Im Hintergrund der Palmengarten
Treppe wohin?
Die Stahlkonstruktion des Palmengarten ist ein geometrisches Meisterwerk
Der Palmengarten von außen
In einer Spitzpyramide befindet sich der Eingang zum Aufzug der Tiefgarage
Darin befindet sich der Eingang zum Aufzug der Tiefgarage
Palau de les Arts Reina Sofía heißt das Opernhaus in Valencia, die Architektur ist unglaublich
Palau de les Arts Reina Sofía heißt das Opernhaus in Valencia, die Architektur ist unglaublich
Die Dachkonstruktion des Opernhauses wird in Teilen nach außen versetzt
Offene Überspannungen des Opernhauses vermitteln Leichtigkeit
Unter einem Dachvorsprung des Opernhauses befindet sich die Außenbestuhlung des Restaurants
Dort unten nehmen wir einen Kaffee
Verschiedene Bauelemente des Daches des Opernhauses werden von hinten von er Sonne beschienen
Sonnenspielereien in der Dachkonstruktion des Opernhauses
Ein gläserner langgestreckter Kuppelbau, links davon die Oper im Hintergrund der Palmengarten
Das Hemisfèric, gläserner langgestreckter Kuppelbau berherbergt ein digitales 3D-Kino. Es ist von außen auch eine Augenweide
Über einen künstlichen See ist hinten links das Opernhaus, rechts davon das Hemisfèric und ganz rechts ein Teil der Konstruktion des Naturwissenschaftlichen Museums zu sehen
Links das Opernhaus, rechts davon das Hemisfèric und ganz rechts ein Teil der Konstruktion des Naturwissenschaftlichen Museums
Ein verzahntes Betongebilde mit Ecken und Streben ist das Gebäude des Naturwissenschaftlichen Museums
Das Motto des Naturwissenschaftlichen Museums Príncipe Felipe ist „Nicht anfassen verboten“. Zahlreiche Experimente, die die Besucher selbst machen, erklären Naturwissenschaft im Alltäglichen
Der Sichtbeton der Dachkonstruktion sieht verzahnt aus
Ein Detail der Dachkonstruktion des Naturwissenschaftliches Museums
Im Wasser spiegelt sich der Schriftzug des Naturwissenschaftlichen Museums
Vor dem Naturwissenschaftliches Museum ist ein See
Wie eine aufgestellte blaue Muschel ist die Multifunktionshalle Àgora gebaut
Die Multifunktionshalle Àgora ist nur bei Veranstaltungen geöffnet
Die Dachkonstruktion des Àgora ist mit einzelnen Pfeilern versehen
Ein Teil der Dachkonstruktion des Àgora in der Vergrößerung

Wir besuchen ausgiebig das Wissenschaftsmuseum. In diesem Ausprobiermuseum machen wir viele eigene Experimente und ungeahnten Entdeckungen. Vor der Heimfahrt zum Wohnmobil radeln wir noch zum Hafen, um dort dem Treiben ein wenig zuzuschauen.

Valencia Oceanogràfic

Der dritte Tag steht im Zeichen des Oceanogràfic. Wir radeln wieder am Meer entlang über die perfekt ausgebauten Fahrradwege. Die Tour habe ich für Dich in Komoot eingestellt.

In riesigen Meeresaquarien, die von gläsernen Tunneln durchzogen sind, können die Besucher die Meereslebewesen betrachten. Von den Lebensräumen der Tropen bis Arktis und Antarktis leben über 45.000 Tiere und 500 Pflanzenarten auf dem Gelände.

Die Dächer des Oceanogràfic Gebäudes sehen wie Damenhauben früherer Jahrhunderte aus
Im Oceanogràfic erleben die Besucher die Welt der sieben unterschiedlichen Ozeane und ihrer Bewohner
Eine runde Stahlkonstruktion beherbergt die Voliere im Oceanografic
In dieser riesigen Voliere wohnen einige exotische Wasservögel
Rote Vögel sitzen auf einem Baum in der Voliere
Die roten Vögel sind wunderbare Farbtupfer auf dem Bild
Verschiedene Meerestiere schwimmen im Wasser
Durch Tunnel gehend können wir die Meerestiere in ihrem Element beobachten
Rechts die weiße runde Stahlvoliere, dahinter die blaue Àgora und dahinter die weiße Brücke Assud D’or
Unterschiedliche Geometrie in künstlerischem Einklang

Unser Fazit: Valencia ist eine tolle Stadt die Besuchern ungeheure Vielfältigkeit bietet. Die Valencia Tourist Card bietet Gästen viele Vorteile. Uns hat auch die Barrierefreiheit aller Einrichtungen, der Straßen und Gärten beeindruckt.

Du bist mit dem Wohnmobil unterwegs. Dann ist der WoMo-Reiseführer Ost-Spanien genau der richtige Begleiter für Dich. In meinen Empfehlungen erfährst Du mehr oder Du bestellst ihn hier.

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Wohnmobilanreise Frankreich Ostspanien

Wohnmobilanreise Frankreich Ostspanien

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Obwohl wir diesmal keinen richtigen Winter in der Pfalz haben, wollen wir dem Frühling entgegenfahren. Unser Ziel ist der Osten Spaniens, von den Ostpyrenäen bis Valencia. Für die Anreise nehmen wir uns drei Tage Zeit und nutzen in Frankreich und Spanien mautfreie Straßen, bis auf eine Ausnahme.

Der Sturm Sabine verzögert unsere Abfahrt um einen Tag. Unser Wohnmobil, ein Karmann Ontario 580 ist nur 5,80 m kurz, dafür aber 3,20 m hoch, bietet also viel Windangriffsfläche. Auch als wir am Dienstagvormittag losfahren, hat Bernhard bis Mulhouse noch mit starken Windböen zu rechnen.

Anreise Landau bis Chalon sur Saône

Unser erstes Etappenziel und Übernachtungsort ist Chalon sur Saône in der Bourgogne-France-Comté. Von der Pfalz aus nehmen wir die A 65 bis zur Ausfahrt 22 und folgen den Schildern nach Straßbourg. Auf der französischen Autobahn A35 fahren wir an Straßbourg vorbei und entlang der Weinberge des Elsass zur Ausfahrt 28 hinter Colmar. Wir biegen auf die D8 ab bis Rouffach und folgen der D83 allmählich nach Westen. Nördlich von Belfort nehmen wir den Abzweig der D1083 zur Auffahrt auf die mautfreie A 36 bis zur Ausfahrt 1, hinter Dole. D976 und D673 bringen uns weiter südwestlich nach Chalon sûr Saône.

Wohnmobilstellplatz Chalon sur Saône

Direkt an einer Einfallstraße in die Stadt, an der Promenade Sainte Marie, liegt der öffentliche Wohnmobilstellplatz. Kostenlos, mit Ver- und Entsorgungsstation. Hohe Bäume beschatten den unebenen erdigen Platz mit Kiesauflage. Jetzt in der Vorsaison nutzen wir ihn nur bei der Abfahrt am nächsten Morgen zur Entsorgung.
GPS:
N 46.78420, E 4.86306 oder
N 46°47‘03‘‘, E 4°51‘47‘‘

Die Einfahrt zum Wohnmobilstellplatz in Chalon sur Saône ist beschildert
Die Einfahrt ist beschildert, der Platz erstreckt sich rechts der Ver- und Entsorgungsstation
Die Ent- und Versorgungsstation von Chalon sur Saône. Zwei Mülleimer und die Station zur Versorgung mit Frischwasser und der Entsorgung von Grauwasser und Toilette
Nicht schön, aber zweckmäßig ist die Ver- und Entsorgungsstation von Chalon sur Saône

Stellplatzangaben zusammengefasst.

Chalon sur Saône

Wir selbst parken etwa 200 m weiter, am Maison du Vin, im hinteren Teil eines Parkplatzes. GPS-Position: N 46.78466, E 4.86288.

Ein zweistöckiges Gebäude beherbergt unten den Weinverkauf des Anbaugebiets der Côte Chalonaisse und oben ein Restaurant
Wir stehen links des Maison du Vin, des Weinhauses

Die Boutique des Maison du Vin hat täglich bis 19 Uhr geöffnet. Im Obergeschoss ist ein Restaurant. Das Haus ist recht neu und der Verkaufsraum sehr ansprechend eingerichtet. Die Weine der Côte Chalonaisse werden dort präsentiert und verkauft. Wir entscheiden uns für eine Flasche Pinot Noir.

Ein Verkaufsraum, mit Holzelementen als Raumtrenner, präsentiert den Wein
Der Verkaufsraum ist geschmackvoll eingerichtet
Eine Landkarte zeigt das Anbaugebiet Côte Chalonaisse
Die Landkarte zeigt das Anbaugebiet Côte Chalonaisse

Chalon sur Saône ist eine Stadt der Kunst und Geschichte, so verrät es zumindest France-Voyage.com. Wer sich die Zeit nehmen möchte und interessiert an Fotografie ist, sollte das Fotomuseum besichtigen. Das ist dem Erfinder der Fotografie, Nićephore Niépce, gewidmet, der aus dieser Stadt stammt. Etwa 6.000 Fotoapparate, optische Geräte und mehr als 3 Millionen Bilder sind ausgestellt.

Wir vertreten uns nur die Beine und entdecken bei einem Spaziergang einige Schönheiten der Stadt.

Um einen Platz sind Fachwerkhäuser in verschiedenen Farben gebaut. Am Rand steht eine Kugel als Brunnen
Der Marktplatz von Chalon sur Saône ist sehr schön gestaltet und von Fachwerkhäusern eingerahmt
Eine rundgeschliffene ca. 2 m hohe Steinkugel ist in ihrer Mitte als Treppe gestaltet
Der Brunnenstein ist als Treppe zum Himmel gestaltet?
Die Fassaden von zwei Häusern sind mit Gemälden verziert, echt und unecht ist schwer zu unterscheiden
Was ist real und was ist irreal an Deiner Wahrnehmung der Häuser?

Um mit dem Gaumen in Frankreich anzukommen, starten wir gerne mit einem Ricard in einem Café.

Auf einem Tisch stehen zwei Gläser mit dem Anisschnaps Ricard, der mit Wasser aus einer Karaffe aufgegossen wird
Ein Gläschen Ricard, dazu Knabbereien, unser Gaumen kommt in Frankreich an

Wir kaufen ein Baguette und französischen Käse, dazu der Pinot Noir und schon ist unser regionales Abendessen im Wohnmobil auf dem Tisch.

Auf einem Tisch liegt ein Baguette, etwas dunkler und mit spitz zugedrehten Enden
Ein besonders knuspriges Baguette mit spitz zugedrehten Enden

Anreise Chalon sur Saône bis Leucate Plage

Wir folgen der E607 (N80) nach Westen. Die E607 wir zur N70, auf der wir bis Molinet bleiben. Dort geht es weiter auf der D994, um Lapalisse kurz westlich auf die N7 und gleich wieder nach Südwesten auf die D907. Wir umrunden Vichy westlich auf der D67 und D6 und folgen bei Bellerive sur Allier der D984, ab Aigueperse der D9009, östlich an Châtel-Guyon vorbei bis kurz vor Clermont-Ferrand. Hier folgen wir der Beschilderung zur A75, „La Meridienne“ genannt, die uns mautfrei weiter nach Süden bringt. Rechts von uns erblicken wir manchmal das verschneite Massiv Central mit seinen wilden Ausläufern. Die Autobahn schwingt sich bis über 1.100 Höhenmetern hinauf. In Frankreich sind wunderschöne Rastplätze angelegt, immer auch mit Ver- und Entsorgung für Wohnmobile, Picknicktischen und Toiletten. Wir entdecken das Schild zum Rastplatz Viadukt Garabit kurz nach der Ausfahrt 30 und halten für einen Snack an. Aber es erwartet und ein phänomenaler Ausblick auf eine ungeheuer filigrane Autobahnbrücke.

Eine rotgestrichene Metallbrücke erhebt sich über den Fluss
Schlank und filigran erhebt sich die Brücke über den Fluss

Diese Brücke wurde 1884 für die Bahnverbindung von Béziers nach Neussargues fertiggestellt und wird heute noch genutzt, jedoch sehr wenig. Der Vordenker und Erbauer war Gustave Eiffel, die statischen Berechnungen des einfachen, unbestimmten Zweigelenkbogens stammen von Maurice Kechlin und Émile Nouguier. Ein Informationszentrum über die Gegend „Le Cantal plus Grand Volcan d’Europe“ ist offen.

Ein Glasgebäude beherbergt das Besucherzentrum Le Cantal plus Grand Volcan de Europe
Besucherzentrum: Le Cantal plus Grand Volcan d’Europe

Bei der Ausfahrt 45 möchte unser Navigationsgerät uns von der Autobahn 75 ableiten, damit wir der D911 und D809 folgen. Das ist ein ziemlicher Umweg und würde uns tief hinab nach Millau, zum Fluss Tarn führen und wieder hinauf zur Autobahn. Wir entscheiden uns für Zeitersparnis und kommen kurz danach zur Zahlstelle. Unser Wohnmobil ist aufgrund der Höhe „Klasse 3“ und die Überfahrt des Viaduc de Millau kostet uns 30 €. Von 2001 bis 2004 wurde an der weltweit längsten Schrägseilbrücke gebaut, die sehr eindrucksvoll das Tal der Tarn überspannt. Wir fahren aufgrund der Windböen auf der etwa 2,5 km langen Brücke recht langsam und genießen den Ausblick.

Die weltgrößte Schrägseilbrücke überspannt das Tal der Tarn
Sehr eindrucksvoll liegt die Brücke vor uns

An der Ausfahrt 63, kurz vor Beziers fahren wir ab und folgen der D612 und D609, die später D6009 heißt und der Beschilderung Richtung Perpignan. Wir wollen den Wohnmobilstellplatz von Leucate Plage nutzen und folgen kurz der D627 und durch den Ort und dann der Beschilderung zum Platz. Nun wissen wir, wo wir hinwollen, aber erst wollen wir mit dem Gaumen am Mittelmeer ankommen.

So fahren wir weiter nach Leucate Port, biegen nach der Brücke rechts ab, denn dort sind einige Buden aufgestellt, in denen wir Meeresfrüchte essen wollen. Wir entscheiden uns für „La Maison bleu“ und essen leckere Austern und Crevetten und einen regionalen Rosé dazu.

Auf einem Tisch steht eine Weinflasche mit Rosé, davor sind auf einem Teller Austern und auf einem anderen Crevetten
Nun sind wir auch kulinarisch am Mittelmeer angekommen

Wohnmobilstellplatz Leucate Plage

Stellplatzangaben zusammengefasst

Aire de Camping-Car Mouret Leucate Plage
GPS:
N 42.90019, E 3.05280
N 42°54’01’’, E 3°03’10’’

Eine Schranke sperrt den Platz ab. Eine Anleitung für die Überwindung der Schranke und die Gebühren – allerdings die für 2019 – sind am Zahlterminal angebracht.

Wir zahlen jetzt im Februar 2020 10,90 € und stellen uns auf einen Platz hinter dem Sanddeich am Meer. Auf der Quittung ist ein Aus- und Einfahrtscode angebracht, falls man mehrere Tage stehen und dennoch das Gelände verlassen möchte.

Ein sandiger Platz, auf dem einige Wohnmobile stehen, wird durch Holzbalken am Boden in Parzellen unterteilt
Die Parzellen auf dem großzügigen Platz sind mit Holzbalken am Boden eingeteilt und für einen Strandurlaub in Ordnung

Nachdem alles für die Nacht bereit ist spazieren wir noch am Strand entlang. Das Wasser ist handwarm, aber zum Baden für mich noch zu kalt. Ein wunderschöner Sonnenuntergang über den Bergen taucht unser Wohnmobil in rosa Licht.

Eine Frau hockt am Strand und fasst mit der Hand ins Wasser
Erst mal traue ich mich nur mit der Hand ins Wasser, dass reicht für heute Abend auch
Über den Bergen geht die Sonne unter, im Vordergrund sind Wohnmobile hinter einem Deich
Der Sonnenuntergang beleuchtet das Wohnmobil

Morgens entsorgen wir noch Grauwasser und machen uns auf unsere dritte Etappe nach Spanien, nach Benicassim, wo wir mit neuseeländischen Freunden verabredet sind.

Die Ver- und Entsorgungsanlage auf dem Stellplatz in Leucate Plage
Die Ver- und Entsorgungsanlage auf dem Stellplatz in Leucate Plage

Anreise Leucate Plage bis Benicassim

Im örtlichen Supermarkt beim Kreisverkehr tanken wir noch einige Liter, denn wir werden erst wieder in Spanien volltanken, da der Diesel dort günstiger ist. Wir folgen der D627, die in die D900 mündet, der wir nach Süden folgen. Die Stadt Le Perthus bildet die Grenze und wird in der Bebauung bereits spanisch, obwohl die Grenzanlagen erst nach der Stadt sind.

Im Internet haben wir gelesen, dass die Autobahnen in Spanien innerhalb der nächsten Jahre mautfrei werden sollen. Wir vertrauen unserem Navigationsgerät und folgen der N11 bis Figueras. Hier biegen wir auf die N 260 nach Westen ab bis Olot – teilweise mit schönen Aussichten durch die Wolken auf die schneebedeckten Pyrenäen, dort nach Süden auf die C63 und weiter auf die C37. Laut Landkarte ist das ein unscheinbares, sehr kurviges Sträßchen, entpuppt sich aber als neugebaute Höhenstraße mit vielen Tunneln. Nach Vic fahren wir auf der C25 an Artés vorbei nach Manresa und folgen der C37. Gerne würden wir mittlerweile eine Mittagsrast machen, aber einen Parkplatz haben wir noch nicht entdeckt.

Links vor uns tauchen aus dem Nebel eine wilde Gebirgskette mit bizarren Berggipfeln auf, fast wie ein Raubtiergebiss. Sie baut sich aus der Ebene hoch hinauf auf, mit Zacken und Zinnen. Muntanya de Montserrat ergibt bei der Internetrecherche mehrere Treffer. Steineichenwälder bedecken neben 1.250 anderen Pflanzenarten den unteren Teil des Gebirges aus Sedimentgestein. Kalkiger Naturzement hält ein Agglomerat aus Kieselsteinen zusammen, dass von der Erosion vielfältig so geformt wurde. Wegen der Greifvogeldichte kommen viele Ornithologen zur Beobachtung in den Parc Natural de Montserrat. Vielleicht halten wir auf dem Rückweg für eine Wanderung?

Eine Gebirgskette erhebt sich hinter trockenem Gras aus der Ebene, Die Gipfel ragen wie ein spitzes Gebiss in die Höhe
Mit wilden Zacken und Zinnen erhebt sich das Gebirge Montserrat aus der Ebene

In Igualada fahren wir auf die C15 und halten bei einem Straßenabzweig einfach zur Pause an. Bei Vilafranca del Penedès folgen wir der N340 und der Beschilderung Tarragona. Hier nun wird die Straße autobahnähnlich und wir kommen flott voran. Irgendwann vor dem Ebrodelta wird die breite Straße wieder zur Landstraße. Wir verfolgen die Route zusätzlich zu Landkarte und Wohnmobilnavigation mit Google Maps. Das will uns nun ständig auf die AP7 schicken, die laut der Beschilderung aber Maut kostet. Oder doch nicht? Erst bei l‘Ametlla de Mer probieren wir die Auffahrt zur AP7 aus. Obwohl auf allen Schildern noch Péage steht, sind die Kassenautomaten zugeklebt und mit der Aufforderung „Don’t Stop“ versehen. Okay, also ist die Autobahn mautfrei, prima.

Bis zur Ausfahrt 45 folgen wir der Autobahn, dort biegen wir auf die N340 bis ins Städtchen Benicassim. Dort checken wir auf dem Campingplatz „Bonterra Park“ ein, um Zeit mit unseren Freunden zu verbringen.

Du bist mit dem Wohnmobil unterwegs. Dann ist der WoMo-Reiseführer Ost-Spanien genau der richtige Begleiter für Dich. In meinen Empfehlungen erfährst Du mehr oder Du bestellst ihn hier.

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Salzburg im Advent

Salzburg im Advent

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Salzburg ist zu jeder Jahreszeit schön. In der Adventszeit ist ein Bummel über die verschiedenen Weihnachtsmärkte ein besonderes Erlebnis. Die geschmückte Alt- und Neustadt, schön dekorierte Geschäfte, begleitende Musikveranstaltungen und die Landschaft um die Stadt laden zum Verweilen und Genießen ein.

Ich kenne Salzburg seit zehn Jahren zu allen Jahreszeiten. Das Heimweh von Bernhard, meinem Mann, der in Salzburg aufgewachsen ist, spült uns immer wieder in die wunderschöne Stadt. Eine besondere Zeit für einen Salzburgbesuch ist die Adventszeit. Die Stadt ist festlich geschmückt und es gibt viele verschiedene Weihnachtsmärkte, die fußläufig beieinander liegen. Spaziergänge an der Salzach, mit Glück mit etwas Neuschnee, runden unser Adventsprogramm ab.

Der Fluss Salzach in silberner Farbe zerschneidet die Häuserzeilen. Links die behäbig großen Bürgerhäuser, rechts die Kirchen der Altstadt über denen die Festung thront.
Das Silberband der Salzach – rechts oben die Festung unten die Altstadtkirchen

Wir reisen gerne Anfang der Woche an, dann haben Hotels, Hostels und Pensionen freiere Kapazitäten. Der Wohnmobilstellplatz in Salzburg, mit perfekter ÖPNV-Anbindung in die Stadt, ist ebenfalls sehr zu empfehlen. In Salzburg, mit seinen vielen traditionsreichen Kaffeehäusern und auch neuen alternativen Cafés ist es ratsam, eine Übernachtungsmöglichkeit ohne Frühstück zu buchen. Sie schaffen es sonst nicht, einige der Café zu besuchen, die das Salzburger Leben einfach ausmachen. Gerne bleiben wir bis Donnerstag, denn da ist der Schrannelmarkt, in dem wir uns mit Salzburger Spezialitäten für zuhause eindecken.

Anreise nach Salzburg

Die Anreise ist problemlos mit dem Zug möglich. Salzburg zu entdecken ist zu Fuß und mit dem Öffentlichen Personennahverkehr wunderbar möglich. Die innerstädtischen Busverbindungen funktionieren seit langem Klimafreundlich mit O-Bussen. Über Oberleitungen werden die Fahrzeuge mit Strom versorgt und angetrieben. Die Tarife und Tickets für die Busse bekommst Du in jeder Trafik, so heißen die Kioske in Österreich. Oder du nutzt die SalzburgCard. Sie ist für 24, 48 oder 72 Stunden erhältlich und bietet einmaligen Gratis-Eintritt in alle Sehenswürdigkeiten und Museen, freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (ausgenommen S-Bahn!), attraktive Ermäßigungen bei kulturellen Veranstaltungen und Konzerten, zusätzliche Vergünstigungen bei vielen Ausflugszielen und teilweise Schnellzugang ohne Anstellen an der Kasse. Die Salzburgcard ist auch online buchbar.

Wir fahren mit unserem Bus bis zum Hanuschplatz, einem Knotenpunkt verschiedener Buslinien. Wir queren die Straße und finden zuerst den Bäcker Peter Pföss mit einem wunderschön geschmückten Schaufenster zur Weihnachtszeit.

Im Schaufenster einer Bäckerei sind Lebküchen und Weihnachtsplätzchen dekorativ ausgestellt
Die Weihnachtsbäckerei Peter Pföss in der Nähe des Sternbräu – auch im Sommer lockt leckeres Gebäck

Sternadvent

Gleich rechts von der Bäckerei Peter Pföss geht es zum Sternbräu mit seinen Arkaden. Das Sternbräu wurde 2013 und 2014 für 25 Millionen Euro aufwändig saniert und bietet 1.400 Gästen einen Platz. Trotzdem vieles neu gestaltet wurde, ist der alte österreichische Gasthausflair in einigen Bereichen erhalten worden. Teile der 1542 n. Chr. erstmals erwähnten Sternbräu-Gasträume standen unter Denkmalschutz und bei den Renovierungen sind sogar Teile der Stadtmauer zum Vorschein gekommen. Neue moderne Gaststuben sind hinzugekommen. So kann jeder Gast im Ambiente seines Geschmacks speisen, ein Vorreservierung zu Stoßzeiten empfehle ich sehr. In den neuen Arkaden des Sternbräus und im Biergarten ist ein wunderschöner Weihnachtsmarkt.

Der hohe Torbogen der Sternarkaden ist mit Engelsflügeln geschmückt
Der Eingang in den Weihnachtsmarkt der Sternarkaden

Handwerker, Landwirte, Imker und Kunsthandwerker bestücken diesen Markt und bieten viele regionale Spezialitäten an.

In einem Holzhäuschen im Stil einer Alm werden heiße Maroni angeboten
Heiße Maroni sind in der Winterzeit in Salzburg allgegenwärtig
Der Weihnachtsbaum der Sternarkaden ist mit großen roten Kugeln geschmückt, an den kahlen Laubbäumen hängen versilberte Engelsflügel
Der Weihnachtsbaum der Sternarkaden
Der Innenhof des Sternbräu – im Sommer der Biergarten – ist mit goldenen Engelsflügeln geschmückt
Der Innenhof des Sternbräu – im Sommer der Biergarten – ist mit goldenen Engelsflügeln geschmückt

Wir verlassen den Weihnachtsmarkt durch das Durchhaus Richtung Getreidegasse. Einige Straßen der Altstadt sind sehr lang und haben keine Querstraßen. Damit Fußgänger auf kurzem Weg zur Parallelstraße gelangen können, wurden fast alle Häuser in diesen Bereichen als sogenannte Durchhäuser gebaut, mit einem ebenerdigen Durchgang durch das Gebäude zur Parallelstraße. Die Getreidegasse ist festlich mit Lichtern geschmückt und ein Blick nach oben lohnt in dieser bekanntesten Einkaufsstraße Salzburgs immer. Die Schilder der Geschäfte dürfen keine Leuchtreklame haben und müssen im alten Stil gehalten sein. Die Fassaden der wuchtigen Bauten sind außerdem sehenswert. Oben auf dem Mönchsberg thront das Naturfreundehaus.

Der Weihnachtslichterschmuck der Getreidegasse scheint unspektakulär. Sie ist die berühmte Häuserzeile und Einkaufsstraße in Salzburg. Blick nach oben zu der Weihnachtsbeleuchtung, im Hintergrund das Naturfreundehaus auf dem Mönchsberg.
Der Weihnachtslichterschmuck der Getreidegasse scheint unspektakulär

Die Bosna

Unser Weg am Vormittag führt immer über das Bosnastandl. Die Bosna ist eine Delikatesse, die zu jedem Salzburgbesuch dazugehört. Der Bulgare Zanko Todoroff servierte 1949 im Mühlnerbräu die Bratwurst nach seinem Geheimrezept. Wegen ihres besonderen Geschmacks wurde sie schnell stadtbekannt. 1950 eröffnete Todoroff den heutigen Balkangrill im Durchhaus der Getreidegasse 33. Die Eingangstür zum Grill ist gleichzeitig die Speisenausgabe. Der Arbeitsplatz der Grillmeisterinnen hat nur circa drei Quadratmeter Fläche und hat sich – außer bei den Preisen – in all den Jahren wenig verändert. Der Name der Wurst leitet sich vom bulgarische Wort für Jause „Bosa“ ab, das vom ersten Werbe-Plakatmaler kurzerhand in Bosna umgewandelt wurde. Heute betreibt die Fleischerei Walter, die die Würste selbst herstellt, den Bosnagrill.

In einem Durchgang eines Hauses stehen Menschen an einem Bosnastand an
Der Bosnagrill im Durchhaus beim Dantendorfer in der Getreidegasse 33

Was, liebe Leserin, lieber Leser, unterscheidet eine übliche Bratwurst von einer Bosna? Erstens die Gewürze in der Wurst und zweitens die Gewürzmischung auf der Wurst. Ich empfehle die Nummer zwei, die Ursprüngliche, die Originale. Zwei Würsteln kommen in das lange, getoastete Brotweck. Eine Zwiebel-Senf-Petersilienmischung und das spezielle Curry werden hinzugefügt. In ein Papier gewickelt in Empfang nehmen, kurz die Hitze wegpusten, abbeisen und der Aufstieg ins kulinarische Bosnaparadies beginnt.

Die Bosna, eine Delikatesse, die zu jedem Salzburgbesuch dazugehört. Ein Brötchen mit zwei speziellen dünnen Würstchen, mit einer Zwiebel-Senf-Petersilienmischung und speziellem Curry, eingewickelt in ein Papier – ein besonderer kulinarischer Genuss
Die Bosna, eine Delikatesse, die zu jedem Salzburgbesuch dazugehört

Die Durchhäuser

Kauend spazieren wir den Durchgang weiter und kommen in der Herbert-von-Karajan-Straße, fast beim Universitätsplatz heraus und wenden uns nach links. Wir wollen heute einige Durchhäuser zwischen Getreidegasse und Universitätsplatz durchstreifen und uns an der weihnachtlichen Dekoration erfreuen. In den Gängen, die an manchen Stellen breite Passagen sind, sind kleine Manufakturen, Geschäfte und Lokale. Eine der Gänge sind komplett überbaut, andere wieder münden in Innenhöfen.

Im Erdgeschoss der großen Salzburger Altstadthäuser befinden sich Durchgänge, in denen Schaufenstern auf das Warenangebot hinweisen. Die Durchgänge sind hier mit Weihnachtsbäumen geschmückt
Die Durchhäuser verbinden die Getreidegasse mit dem Universitätsplatz und sind weihnachtlich dekoriert
Die Weihnachtsdekoration ist ungewöhnlich. An in Spalierobstweise arrangierten Weihnachtsbäumen sind weiße Tischlampenschirme befestigt
Ungewöhnliche Weihnachtsdekoration in der Herbert-von Karajan-Straße
Ein schmaler Gang mit Schaufenstern links und rechts in der Mitte ist ein Innenhof
Manche Durchhäuser haben auch Innenhöfe
Eine Kuh mit einem Tisch dient als Tisch in einem Wirtshaus im Durchhaus in dem Salzburger Nockerln angeboten werden
Salzburger Nockerln – Angebot im Durchhaus – die Kuh dient als Stehtisch

Universitätsplatz

Wir unterbrechen unseren Streifzug am Universitätsplatz, denn die Marktstände dort sind immer gut sortiert und bieten die unterschiedlichsten österreichischen Spezialitäten. Der Markt auf dem Universitätsplatz hat werktäglich bis gegen 14 Uhr geöffnet

In einem Marktstand auf dem Universitätsplatz sind die frischen Obstsorten schön arrangiert
Obst soweit das Auge reicht und farblich wunderschön arrangiert.
In einem Marktstand auf dem Universitätsplatz sind die frischen Gemüse schön arrangiert
Die Gemüseauswahl lässt keine Wünsche offen

Wir wollen uns kurz vor der Mittagszeit mit einem Getränk erfrischen und steigen hinab in den Gewölbekeller von Mozarts Geburtshaus, in die Hagenauerstuben am Universitätsplatz. Hier hat mein Mann Bernhard einige Jugendzeit verbracht und die Einkehr dort am Vormittag gehört für uns zum Salzburgbesuch.

Die Tonnengewölbedecke des Hagenbucher Gasthauses ist üppig mit Weihnachtsschmuck dekoriert – die Aufschrift „Gebirgsstädter“ schmückt eine Wand
Üppiger Weihnachtsschmuck im Hagenbucher – mit einem dezenten Hinweis, als was sich Salzburger empfinden
Die Tonnengewölbedecke des Hagenbucher Gasthauses ist üppig mit Weihnachtsschmuck dekoriert
Der komplette Gewölbekeller ist mit Weihnachtsschmuck dekoriert

Die Rückseite von Mozarts Geburtshaus schaut zum Universitätsplatz. Ob Mozarts Mutter damals schon den Markt direkt vor der rückwärtigen Haustür hatte und der Vater die Hagenauerstuben besuchte?

Vor der Rückseite von Mozarts Geburtshaus am Universitätsplatz ist der werktägliche Markt aufgebaut
Vor der Rückseite von Mozarts Geburtshaus am Universitätsplatz ist der werktägliche Markt aufgebaut

Wir wenden uns am Würstlstand in den Durchgang zum Alten Markt hin. Mein Blick fällt dabei in die Wiener-Philharmoniker-Gasse, die Du bei einem Stadtspaziergang sowieso nicht außer Acht lassen solltest.

Vor einem Café sind die Stühle mit Schaffellen belegt, die Gäste vor der Kälte schützen
Das Cafe Herr Leopold in der Wiener-Philharmoniker-Gasse 1, mit kuschliger Außenbestuhlung

Café Tomaselli und Café Fürst

Durch die Churfürstenstraße spazieren wir heute am Café Tomaselli vorbei. In echtem österreichischen Kaffeehausambiente sitzt man dort zusammen, liest die Zeitung oder führt tiefsinnige Gespräche. Die Bedienung kommt mit einem riesigen Tablet mit der Kuchenauswahl an den Tisch, und da ist jedes Stück schöner anzuschauen als das nächste.

Das es im wahren Österreich wirklich oft so zugeht, konnte ich in Wien erfahren. Bei unserem Frühstück in einem Wiener Kaffeehaus, marschierte Bundeskanzler Kurz ohne große Entourage mit drei Besuchern herein und setzte sich zum Kaffee und Gespräch an den Nachbartisch.

Das traditionsreiche Café Tomaselli hat echtes österreichisches Kaffeehausambiente. Die Fassade des Caféhaus Tomaselli. Über dem Eingang ein Balkon, der im Sommer von Gästen genutzt wird
Das traditionsreiche Café Tomaselli hat echtes österreichisches Kaffeehausambiente
Auf großen Platten wird das Kuchenangebot des Café Tomaselli präsentiert, die die Bedienung in Café bei einem Rundgang an die Tische anbietet
Ein Blick auf einen Teil des Kuchenangebots des Café Tomaselli

Uns reizt der Kuchen nach der leckeren Bosna noch nicht und wir spazieren weiter zum Café Fürst. Dort kaufen wir Mozartkugeln für unsere Nachbarn, die sich um unsere Post kümmern. Bereits im Jahre 1890 kreierte der Salzburger Konditor Paul Fürst die heute weltbekannte Salzburger Mozartkugel. Seine feine Schöpfung aus Marzipan mit Pistazien, umhüllt von Nougat und dunkler Schokolade wurde rasch zur berühmtesten Praline der Stadt und Weltbekannt. Bei einer Pariser Ausstellung wurde er 1905 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Natürlich gibt es beim Fürst auch leckere Kuchen, Frühstück und Lunch in österreichischer Kaffeehauskultur und im Sommer ein besonders leckeres Eis.

Zwei Frauen gehen durch die Eingangstür ins Café und Konditorei Fürst
Der Eingang zu Café und Konditorei Fürst in der es die Originalen Mozartkugeln gibt

Christkindlmarkt Salzburg

Rechts am Café Fürst vorbei sind wir schon gleich auf dem Residenzplatz, beim größten Salzburger Weihnachtsmarkt, der natürlich Christkindlmarkt heißt. Hier wird ein buntes Gemisch von Waren angeboten, teils echte österreichische Handwerkskunst, teils made in China oder sonst wo. Kulinarisch geht es ebenso inländisch wie international zu. Bei diesem Eingang zum Christkindlmarkt beginnt eine Krippenausstellung, die sich nach links hin weiterzieht. Welch filigrane Handarbeit in den Krippen steckt!

Plakat Salzburger Christkindlmarkt
Plakat Salzburger Christkindlmarkt
Auf dem Residenzplatz vor dem Salzburger Dom beginnt der innerstädtische Christkindlmarkt
Auf dem Residenzplatz vor dem Salzburger Dom beginnt der innerstädtische Christkindlmarkt
In einer Vitrine am Salzburger Christkindlmarkt ist eine Weihnachtskrippe aufgebaut
Eine Krippenausstellung bereichert den Christkindlmarkt in Salzburg

Wir spazieren weiter über den Domplatz, auf dem im Sommer immer der „Jedermann“ aufgeführt wird und kommen auf den Kapitelplatz, auf dem der Mann auf der goldenen Kugel steht. Er gehört zum Gesamtkunstwerk Sphaera des Künstlers Stephan Balkenhol. Der Mann auf der goldenen Kugel ist das auffälligere Stück, auf einem markanten Platz. Das Gegenstück, die Frau im Fels, ist eher klein und unscheinbar. Sie steht in einer Felsnische des Mönchsbergs im Toscaninihof.

Blick über den Mann auf der goldenen Kugel zur Festung Salzburg
Blick über den Mann auf der goldenen Kugel zur Festung Salzburg

Sankt Peter

Wir biegen nach rechts ab zum Stift St. Peter. Auch das gehört immer zu unserem Salzburgrundgang, denn in St. Peter gibt es noch einige, mir liebe, „altertümliche“ Dinge. Erstens die Bäckerei des Stifts, die unglaublich gute Brote und Hefegebäcke herstellt. Zweitens die Wassermühle, die heute noch von den Petersbäckern dazu genutzt wird, die Kornmühle anzutreiben. Und drittens der Friedhof St. Peter, der innerlichen Frieden stiftet. Wir lauschen kurz dem Klappern der Mühle und steigen hinab in die Backstube mit Verkaufsraum. Als wir wieder ans Tageslicht kommen, kauen wir ein backwarmes Rosinenbrötchen. Es ist so schade, dass Geruch und Geschmack immer noch nicht über das Internet transportiert werden können. So musst Du selbst nach Salzburg fahren, um den typischen Bäckereigeruch des Petersbäckers und den weichen, flaumigen Geschmack der Rosinenbrötchen zu genießen.

Eine große von Wasser angetriebene Mühle dreht sich im Hof von St. Peter
Die Wassermühle wird heute noch zum Kornmahlen in St. Peter genutzt
Eine Steintreppe führt hinunter in den Verkaufsraum der St. Peter Bäckerei
Vor dem Mühlrad geht es links hinunter zur Bäckerei St. Peter
Der Verkaufsraum der St. Peter Bäckerei ist klein und fast in der Backstube gelegen. Die Brote und Stückchen riechen wunderbar und schmecken unglaublich lecker
Schade, dass ich Duft und Geschmack nicht fotografieren kann – Brot und Süßgebäck sind unglaublich lecker
Ein wunderschönes schmiedeeisernes Tor mit verschließt über Nacht den Friedhof St. Peter
Der Eingang zum Friedhof St. Peter vom Mühlrad und der Bäckerei aus

Wir spazieren gemütlich durch den Friedhof von St. Peter, der sich eng an den Mönchsberg schmiegt. Hoch in den Felsen sind einige Katakomben eingemeißelt, die ursprünglich als Einsiedeleien dienten, später aber auch als Grabstätten. Viele berühmte Menschen sind auf diesem Friedhof begraben. Aber auch die Marterl, die Grabinschriften, der anderen Gräber verdienen Deine Beachtung.

Die typischen Grabstellen im Friedhof St. Peter sind mit eisernen Marterln geschmückt
Die typischen Grabstellen im Friedhof St. Peter sind mit eisernen Marterln geschmückt
In die Felsen des St. Peter Friedhof sind Katakomben eingemeißelt. Hoch über St. Peter thront die Festung
Katakomben im Fels des St. Peters Friedhof in Salzburg

Nach der Stille des Friedhofs wenden wir uns am anderen Ende nach rechts, zum Peterskeller. Bereits seit 803 n. Chr. werden hier Gäste kulinarisch verwöhnt. Wir besuchen ihn üblicherweise nur in der Adventszeit, denn im Gewölbe im Hof ist eine wunderschöne holzgeschnitzte Krippe aufgebaut. Die Preise für den Glühwein sind „Salzburgnormal“ und nicht so übertrieben hoch, wie die sonstigen Preise des Peterskeller. Im letzten Sommer hat mich Bernhard am Spätnachmittag mal zu einem Achtel (Wein) dort hingeführt. Im romantischen Ambiente des Innenhof ist es wesentlich kühler als im Rest der Stadt. Für uns, die wir in der Pfalz wohnen, ist ein Achtel, also 125 ml, Wein, eher eine Weinprobe, die der Winzer kostenlos ausschenkt. Der Pfälzer würde gehässig sogar Schluckimpfung zu dieser Menge sagen. Der Ober beriet Bernhard zu den Ausschankweinen, ohne dass wir eine Karte sahen. Für die zwei österreichischen Achtel, die unseren Geschmack eher nicht trafen, bezahlte er fast 30 €! Er war fassungslos, denn das waren die Weine nicht wert – vermutlich war der Name Peterskeller eingepreist! Der Glühwein im Peterskeller hat normalen „Salzburgpreis“, schmeckt sehr lecker und die Sitzgelegenheit ist gar zu kuschelig.

Die Flagge des Stiftskulinariums, genannt Peterskeller. Den gibt es seit 803 n. Chr.
Den Peterskeller gibt es seit 803
Um eine Säule im Innenhof des Peterskellers sind als Sitzgelegenheit Schaffelle auf Bänken drapiert
Warme Sitzgelegenheiten im Innenhof des Peterskellers, direkt neben dem Glühweinstand
Die aus Holz geschnitzten menschengroßen Figuren der Weihnachtskrippe stehen hinter einem Zaun im Gewölbe des Peterskellers
Die menschengroßen Figuren sind eine Holzschnitzarbeit
Der Ein- und Ausgang des Peterskellers ist weihnachtlich dekoriert
Der Ein- und Ausgang des Pelterskelers ist weihnachtlich dekoriert

Kirchen in Salzburg

Wir spazieren durch den festlich geschmückten Torausgang des Peterskellers und gehen geradeaus zur Franziskanergasse, wo wir uns nach links wenden. Ja, auch hier steht wieder eine Kirche, die Franziskanerkirche. In Salzburg gibt es rund 50 Kirchen, das ist eine Kirchendichte wie in Rom! Die vielen Kirchen sind der Geschichte der Stadt geschuldet, die eine große Anzahl bauwütige Fürstbischöfe hatte. Du erinnerst dich an den „Skandal“ 2013 in Limburg an der Lahn, mit den Bauausgaben des Bischofs Tebarz van Elst? Seit diesem Skandal wird Limburg von Städtetouristen überrollt. In den Luxuswohnräumen des Bischofs eröffnete die Diozöse 2019 ein Museum. Ich will keine Lanze für van Elst brechen, aber er hat nichts anderes getan als viele Erz- und Fürstbischöfe in Salzburg über mehrere Jahrhunderte. Groß und protzig bauen, meist für den privaten Gebrauch. Schloss Mirabell zum Beispiel wurde 1606 für die Konkubine, bzw. heimliche Ehefrau des Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, erbaut, mit der er 15 Kinder hatte. Diese Bauwut wird in Salzburg seit den 1950er Jahren gut vermarktet.

Die heutige Beliebtheit der Stadt, der Flair, das, ich nenne es mal Gesamtkunstwerk Salzburg, ist nur der Bauwut der Salzburger Erz- und Fürstbischöfe zu verdanken. Auch wenn frühere Generationen von Gläubigen dafür sicherlich finanziell ausgeblutet wurden. Die heutige Generation hat wirtschaftliche Vorteile, da der Tourismus etliche Arbeitsplätze schafft. Leider hat die Beliebtheit der Stadt aber auch dahin geführt, dass die Immobilienpreise in einer Höhe sind, die sich normale Verdiener nicht mehr leisten können. Der größte Grundstücksanteil der Salzburger Altstadt gehört heute noch der katholischen Kirche.

Geheime Specerey

Wir biegen an der Franziskuskirche nach rechts ab, in die Siegmund-Haffner-Gasse. An der Kirchentür sind keine Thesen, aber die Konzerte in der Adventszeit angeschlagen. Falls Du ein Mensch bist, der sich treiben lässt, dann lohnt es sich, die Plakate zu lesen, denn oft genug finden am helllichten Tag kulturelle Veranstaltungen statt, die spontan besucht werden können. Wir steuern auf die „Geheime Specerey“ zu, in der wir unsere Abschlussrast machen wollen. Im vorderen Teil des Lokals sind nur wenige Tische, hier sitzt Du auf Barhockern oder stehts mit Deinen Freunden im Gespräch. Im hinteren Teil ist mittlerweile Restaurantbestuhlung. Die Weinauswahl ist unglaublich groß, dazu einige kleine Köstlichkeiten zum Schmausen, nette Gespräche, so schön kann das Leben sein. Wir haben Glück, wir erwischen eine Zeit, in der nicht viel los ist und können auf Barhockern vor einem Regal mit Köstlichkeiten Platz nehmen. Du möchtest die Toilette aufsuchen? Das kannst du hier wortwörtlich. Hinab in den Gewölbekeller, durchs Weinlager hindurch findest du sie.

Die „Geheime Specerey“ ist ein kleines kulinarisches Lokal. Der Eingang mit Markise und Stühlen davor
Ein Geheimtipp ist die „Geheime Specerey“ nicht mehr unbedingt
Genießerkleinigkeiten der Geheimen Specerey in einer Vitrine
Kleinigkeiten passend zum Gas Wein sind im Angebot
Im Regal hinter dem Tisch stehen allerlei Köstlichkeiten, zum Verkauf und Verzehr
Direkt beim Tisch kann man das Angebot in Augenschein nehmen
Durch einen Gewölbegang führt der Weg durch das Weinlager zur Toilette
Die Toilette ist hinter dem Weinlager versteckt

Mozarts Geburtshaus

Auf dem Rückweg zum Hanuschplatz passieren wir die Vorderseite von Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse. Davor sind immer Trauben von Menschen, die mit Stadtführerinnen und Stadtführern unterwegs sind. Eine Besonderheit Salzburgs ist, dass es Nahversorger in der Innenstadt gibt. In Mozarts Geburtshaus zum Beispiel ist ein „Spar“ im Erdgeschoss.

Die Ansicht von Mozarts Geburtshaus aus der Getreidegasse, gelb gestrichen mit vielen weißen Sprossenfenstern
Die Ansicht von Mozarts Geburtshaus aus der Getreidegasse

Wir wenden uns am Geburtshaus nach rechts und laufen Richtung Staatsbrücke. Der letzte Laden vor dem Durchhaus links ist das Käslöchl. Ein putziger kleiner Käseladen, der seit Urzeiten dort ist. Er hat nur eine Breite von etwa 3 m. Die Eingangstür steht offen, im Hintergrund ist die Käsetheke in einem Gewölbekeller zu erkennen. Wer Salzburg besucht, sollte sich die Zeit nehmen, alle Gassen und Gässchen zu durchschreiten. Überall kannst Du kleine, aber feine Läden entdecken, die kulinarisches, kunsthandwerkliches oder ungewöhnliches bieten.

Der Käseladen Käslöchl hat nur eine Breite von etwa 3 m. Die Eingangstür steht offen, im Hintergrund die Käsetheke in einem Gewölbekeller
Das Käslöchl ist ein kleiner traditioneller Käseladen im Durchhaus von der Getreidegasse zur Staatsbrücke

Spaziergang an der Salzach

Eine mit rot-weiß-roten geschmückte Brücke, die Staatsbrücke, führt über die Salzach und verbindet Salzburgs Altstadt mit der Neustadt
Die Staatsbrücke verbindet die Altstadt mit der Neustadt

Wir haben genug vom städtischen Treiben, queren die Straße und laufen auf der linken Seite über die Staatsbrücke. Am Ende biegen wir rechts ab und spazieren auf dem Fußweg an der Salzach entlang. Nach etwa 100 m liegt rechts oberhalb das Café Bazar, eines der traditionellen Kaffeehäuser in Salzburg. In den 1880ern gegründet, war es lange Zeit ein Künstlertreffpunkt. Wir passieren den Markartsteg, der mittlerweile als „Liebessteg“ von denen gefeiert wird, die meinen, ihre Liebe öffentlich mit einem Vorhängeschloss zu präsentieren. Wie viele schöne, neue und historische Brückenbauwerke mittlerweile durch die rostigen Dinger weltweit verschandelt sind, ist unfassbar. Mal vom Umweltgedanke abgesehen, weil wertvolle Rohstoffe so blödsinnig verbraucht werden, werden auch die unter den Brücken liegenden Flüsse mit dem Metall belastet, weil die Schlüssel feierlich dem Wasser übergeben werden. Wenn wenigstens die Paare, die sich trennen, ihr Schloss wieder abzwicken würden!

Eine Fußgängerbrücke, der Markartsteg, spannt über den Fluss Salzach. Oben auf dem Mönchsberg steht das Museum der Moderne
Der Markartsteg über die Salzach. Oben auf dem Mönchsberg thront das Museum der Moderne

Wir marschieren weiter, genießen die Sonne, die Ruhe und die schönen Gebäude rechts und links der Salzach. Vom Müllnersteg aus kann man hinten rechts die Wallfahrtskapelle oben auf dem Plainberg sehen. Die Wanderung hinauf ist lohnenswert, aber heute für uns nicht mehr.

Die Salzach im Vordergrund, der Stadtteil Elisabeth Vorstadt in der Bildmitte im Hintergrund rechts die Wallfahrtskirche Maria Plein
Vom Müllner Steg aus blickt man über die Elisabeth Vorstadt zur Wallfahrtskirche Maria Plein

Wir gehen über die Brücke zur Mönchsbergseite, spazieren Flussabwärts mit Blick auf die Altstadt und Festung zurück zum Hanuschplatz.

Der Fluss Salzach in silberner Farbe zerschneidet die Häuserzeilen. Links die behäbig großen Bürgerhäuser, rechts die Kirchen der Altstadt über denen die Festung thront
Das Silberband der Salzach – rechts oben die Festung unten die Altstadtkirchen

Hellbrunner Adventszauber

Auf einem hölzernen Gartentisch vor einer hölzernen Gartenbank liegt ein verschneiter Adventskranz. Die Worte Hellbrunner Adventszauber sind auf Hölzernen Tafeln gemalt
Hellbrunner Adventszauber sogar mit Schnee auf dem Adventskranz

Um uns für den Adventszauber in Schloss Hellbrunn zu stärken, frühstücken wir im Café 220° in der Chiemseegasse. In diesem Rösthaus und Café kommen Kaffeekenner auf ihre Kosten. Die umfängliche Kaffeekarte ist beinahe ein Lehrbuch über Kaffeeanbau. Leckere Tees, Frühstück traditionell, international, vegetarisch und vegan wird dort ansprechend serviert.

Ein flaches Gebäude, dessen Tür von grün gestrichenen Holzlden flankiert wird, beherbergt das Das Rösthaus und Café 220° in der Chiemseegasse
Das Rösthaus und Café 220° in der Chiemseegasse lohnt unbedingt einen Besuch

Auf unserem Weg zur Bushaltestelle passieren wir in der Getreidegasse 3 die Konditorei und Confiserie Schatz. Das Schaufenster ist mit einer aus Zuckerwerk gestalteten Stille-Nacht-Kapelle geschmückt. Oberndorf liegt Salzachaufwärts nur etwa 20 km von Salzburg entfernt. Hier textete 1816 Joseph Mohr, Hilfspriester der Schiffergemeinde, die Worte des Liedes. Erst zwei Jahre später, am Nachmittag des 24. Dezember 1818 übergab er den Text seinem mittlerweile zum Freund gewordenen Aushilfsorganist Franz Xaver Gruber, von Hauptberuf Lehrer. Dieser vertonte den Text sogleich. Am Abend nach der Christmette trugen die beiden Männer die Komposition der Gemeinde vor, zweistimmig und von der Gitarre begleitet. Das Lied ist das weltweit bekannteste an Weihnachten gesungene Lied. Zur Erinnerung an die beiden Männer wurde die „Stille-Nacht-Kapelle“ in Oberndorf errichtet.

Die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf aus Zuckerwerk schmückt die Auslage der Confiserie Schatz
Die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf aus Zuckerwerk schmückt die Auslage der Confiserie Schatz

Mit dem Bus fahren wir hinaus in den Süden der Stadt. Auch Schloss Hellbrunn wurde im Auftrag eines Fürsterzbischofs, Markus Sittikus von Hohenems, in den Jahren 1613–1615 erbaut. Es ist ein Schloss in italienischer Art und diente nur der Erholung und dem Vergnügen des Fürsterzbischofs, seiner Gäste und Konkubinen. Seine Wasserspiele sind die weltweit am besten erhaltenen der Spätrenaissance. Zahlreiche Wasserscherze, verschiedene beweglichen Figuren und Grotten beeindrucken die Besucher. Aber nur im Sommer, denn im Winter ist es für Wasserspiele zu kalt. Für uns präsentiert sich Hellbrunn heute leicht verschneit, bei der Busfahrt sehen die Stadt und die wunderschöne Landschaft drumherum verzaubert aus. Wir spazieren zuerst in den Schlosspark, denn der Budenzauber lockt uns noch nicht so sehr. Am Weiher im Park ist der Friedensengel im Wasser aufgebaut. Der Engel als Lichtskulptur im Nebelkleid ist zu Weihnachten ein Symbol für Liebe, Frieden, Brauchtum und Kultur. Auf mich wirkt der Engel am Vormittag bereits sehr imposant. Die aus verzinktem und lackierten Stahl gebaute Skulptur ist mit 55 Wasserdampfdüsen ausgestattet, die den Engel als Nebel umhüllen. Viele Künstler haben daran mitgearbeitet, die Projektleitung hatte Markus Anders. Im Lichterschein am Abend wird der Engel sicherlich zauberhaft erscheinen.

Im Hellbrunner Schlosspark ist im Teich der Hellbrunner Weihnachtsengel. Zwei Einhornskulpturen stehen rechts und links im Bild
Im Schlosspark steht der Hellbrunner Weihnachtsengel

Während des Adventszaubers, von Montag bis Donnerstag, ist der Besuch des Salzburger Tiergartens kostenlos. Auch in diesem Tiergarten werden einige aussterbende Tierarten erhalten und gezüchtet. Einheimische Tierarten, wie Gämsen und Steinböcke finden am Berghang ideales Gelände.

Am Eingang zum Schloss empfängt uns ein aus Weitenruten gebautes Rentierkarrengespann, in dem der Weihnachtsmann bereits für Heiligabend übt.

Aus Zweigen sind Rentiere gestaltet, die vor den Karren des Weihnachtsmanns gespannt sind
Der Weihnachtsmann im Schlosspark Hellbrunn übt mit einem Karren und Zweige-Rentieren

Die Wege zum Schloss, dass Gelände und das Schloss selbst sind weihnachtlich geschmückt. Die Buden des Adventszaubers bieten wieder wunderschöne Kleinigkeiten, Tand, heimische Spezialitäten und viel kunsthandwerkliche Dinge. Das Begleitprogramm ist eher auf das Wochenende fokussiert.

Viele mit roten Kugeln geschmückte Weihnachtsbäume stehen vor dem Schloss Hellbrunn
Weihnachtsbaumwald vor dem Schloss Hellbrunn
Eine Budenstraße des Adventszaubers führt zum Schloss Hellbrunn
In den Buden beim Adventszauber wird Kunsthandwerk, Tand und Kulinarisches geboten
Ein Verkaufsstand bietet auf einer Holztafel Spiralkartoffeln an. Die Kartoffel wird spiralig aufgeschnitten, gewürzt, dann geröstet und zum Verzehr verkauft
Spiralkartoffeln sind einfach mal was anderes als Pommes – hmmmm

Eine Tradition des Salzburger Landes sind die Krampusse oder Perchten. Diese Tradition stammt noch aus vorchristlicher Zeit. Während der Inquisition wurde der Bauch unter Todesstrafe verboten, da Hexen und Teufel verfolgt wurden. In den unzugänglichen Bergtälern überlebte der Brauch. Mitte des 17. Jahrhunderts begannen am Abend des 5. Dezember Einkehrbräuche, die von Schreckgestalten begleitet wurden. Brave Kinder wurden vom Nikolaus belohnt, unartige vom Krampus bestraft. Heute noch gibt es in vielen Orten Krampusumzüge, bei denen die Gestalten Lärm mit den umgehängten Glocken machen. Auf dem Schlossgelände sind diese Schreckgestalten in einer Freiluftausstellung zu sehen. Die Krampusgemeinschaft des naheliegenden Ortes Anif, sorgen für den Gruselfaktor und leihen ihre Kostüme für die Ausstellung her. Am 21. Dezember findet der Rauchnachtslauf zur Wintersonnenwende statt, das ist ein Brauchtumsspektakel mit Perchtengruppen der Umgebung.

Traditionelle Krampusse aus Anif sind in einer Ausstellung vor dem Schloss zu sehen
Traditionelle Krampusse aus Anif sind in einer Ausstellung vor dem Schloss zu sehen
Der Krampusbrauch wird für die Touristen auf einer Tafel erklärt
Der Krampusbrauch wird für die Touristen erklärt

An die Krampusausstellung schließt sich das Wichteldorf an. Im Wichteldorf können Kinder in die Häuschen klettern und an manchen Tagen werden dort Märchen erzählt oder gebastelt. In kleinen Gehegen nebenbei sind einige Tiere ausgestellt, die die meisten Kinder wohl nur aus dem Bilderbuch kennen. Die Gehege gewähren den Tieren größtmöglichen Abstand und sind nicht als Streichelzoo gedacht. Ein Bähnchen für die ganz Kleinen lädt ein zur winterlichen Rundfahrt. Die Anifer Pfadfinder haben einen Unterstand errichtet, der die Lagerfeuer vor Schnee und Regen schützt. Am Lagerfeuer können Würstchen oder Marshmallows gegrillt werden, die Sitzgelegenheiten sind mit Schaffellen bedeckt. Kinderpunsch und Erwachsenen-Glühgetränke werden ebenfalls ausgeschenkt. Welches Kind möchte nicht in dem Thronsessel Platz nehmen?

Ein kleiner Thronsessel steht beben einer Baumwurzel, die den Eingang zum Wichteldorf bildet
Das Wichteldorf ist der Anziehungspunkt für Kinder beim Adventszauber im Schloss Hellbrunn

Schrannenmarkt

Unser Frühstück fällt donnerstags in Salzburg immer sehr klein aus. Das ist dem Schrannenmarkt in der Neustadt geschuldet. Rund um die Kirche St. Andräe, die gegenüber des Schloss Mirabell liegt, findet dieser Markt statt. Typisch österreichische Spezialitäten, Speisen oder Zutaten zu Speisen, die wir Deutschen so nicht kennen, werden dort angeboten. Ich schätze die österreichische Küche seit vielen Jahren, aber so richtig kennen gelernt habe ich sie erst mit Bernhard und auf dem Schrannenmarkt. Landwirte aus der Region bieten ihre Waren feil. Ebenso Manufakturen, die die Lebensmittel weiterverarbeiten oder Hausfraueninitiativen, wie jetzt zur Adventszeit die Keksbäckerinnen. Und überall kann man probieren, soo lecker!

Donnerstags ist der Schrannenmarkt vor um die Kirche St. Andräe, ein Würstlstand darf nicht fehlen
Donnerstags ist der Schrannenmarkt vor um die Kirche St. Andräe, ein Würstlstand darf nicht fehlen
Ein Kleiner Marktstand aus Holz verkauft Käse
Die Hofkäserei St. Wolfgang hat den kleinsten Stand am Schrannenmarkt
In einer Wanne liegen ausgebackene Kaspressknödel und Leberknödel. Das sind typische Suppeenbeilagen in Österreich
Typische österreichische Suppenbeilagen sind Kaspressknödel und Leberknödel
Auf einem Markttisch werden Marmeladen, Eier, Gebäck und Gestecke angeboten
Typisch am Schrannenmarkt ist die Vielfalt der einzelnen Verkaufsstände
Obst und Gemüse sind farblich kunstvoll arrangiert und herrlich frisch
Obst und Gemüse sind farblich kunstvoll arrangiert und herrlich frisch
Der Grünkohl auf dem Markt ist schneebedeckt
Grünkohl oder Weißkohl isthier die Frage
Ein Marktstand bietet hausgemachte Kekse aus dem Hausruckviertel
Hausgemachte Kekse aus dem Hausruckviertel

Das schönste am Schrannenmarkt ist aber das Fachsimpeln mit den Händlern und der österreichische Schmäh, der Witz, die Freude am Debattieren, am Wortgefecht. Diese Art der Unterhaltung zwischen Kunde und Verkäufer ist mir in Deutschland nicht bekannt und ich finde sie herzerfrischend.

Satt, glücklich und erschöpft, die Rucksäcke voll mit Spezialitäten, spazieren wir über die Straße zum Weihnachtsmarkt am Mirabellplatz und schauen uns dort noch die Buden an.

Ein Transparent weist auf den Weihnachtsmarkt am Mirabellplatz hin
Weihnachtsmarkt am Mirabellplatz

Durch den herrlichen Schlosspark wandern wir hinaus zum Landestheater und wenden uns am Hotel Sacher vorbei wieder zur Salzach. Da es sehr kalt ist, können die Nahrungsmittel in unserem Gepäck nicht verderben und wir laufen die Salzach flussaufwärts, Richtung Mozartsteg. Dort wechseln wir die Flussseite und steigen diesmal am Justizgebäude in den Bus und machen uns mit unseren Schätzen auf den Heimweg in die Pfalz.

Die Brücke Mozartsteg in Salzburg. Im Hintergrund auf dem Kapuzinerberg steht das Kapuzinerkloster
Der Mozartsteg mit Kapuzinerkloster im Hintergrund auf dem Kapuzinerberg

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Motorrad + Kind

Motorrad + Kind

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Können Kinder auf dem Motorrad mitfahren? Kann das Erwachsenen und Kindern Spaß machen? Ist das nicht zu gefährlich? Diese Fragen beschäftigen jede neue Generation von Motorradfahrern, wenn sie Eltern werden.

Der Beitrag über Lottis und meine vierwöchige Motorradtour nach Dänemark und Schweden zeigt: Motorradfahren mit Kindern ist wunderbar möglich.

Meine Vorbilder für diese und andere Motorradtouren mit meinen Kindern sind Hjalte Tin und Nina Rasmussen. Das dänische Paar hat weltweit große Touren mit ihren zwei Kindern gefahren. Solange sie klein waren (ab etwas über einem Jahr!), saßen sie vor einem Elternteil auf der Sitzbank, sicher umringt von dessen Armen und Beinen. Als sie dafür zu groß waren, haben sie hinter einem Elternteil gesessen, gut umhüllt und geschützt von Packtaschen und Gepäckrollen.

Die Anzahl von Kindern, die bei einem Elternteil auf dem Motorrad mitfahren hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Einerseits liegt das sicherlich daran, das Jahr für Jahr mehr Motorräder zugelassen werden. Andererseits geben viele Motorradfahrer nach Familiengründung ihr Hobby nicht auf. Sondern sie weiten es auf die ganze Familie aus. Da das Budget durch Kinder ohnehin geschmälert ist, wird das in der Garage stehende Motorrad weiter benutzt und nicht von einem Gespann ersetzt.

Wie sicher kann ein Kind auf einem Motorrad mitfahren? Wie bereitet man eine Tour mit einem Kind vor? Wie weit kann man mit einem Kind täglich fahren? Wie sollte die Ausrüstung beschaffen sein? Welche Touren sind zu empfehlen? Diese und andere Fragen wurden unter meiner Leitung in den Jahren 2001 und 2002 bei zwei verlängerten Wochenenden in der Jugendherberge in Bonndorf im Schwarzwald behandelt. Die Veranstaltungen liefen unter dem Namen MiKiMoTo (MitKindernMotorradTouren) und wurden von mir entwickelt. Sie wendeten sich an Motorradfahrende mit älteren Kindern, etwa ab sechs Jahren. Oder mit entsprechender Größe, für die der Platz hinter dem Fahrer gewählt werden muss.

Eine Checkliste mit allen Tipps von dieser Seite habe ich als exklusiven Service für Dich zusammengestellt. Du kannst sie hier kostenlos downloaden. Viel Spaß damit!

Wie sicher kann ein Kind auf einem Motorrad mitfahren?

Eigene Fahrweise

Meiner Meinung nach kann ein Kind auf einem Motorrad ebenso sicher mitfahren, wie in einem Auto. Es kommt auf die eigene Fahrweise an. Ich selbst bin eine äußerst defensive Fahrerin – erst recht mit Kind auf dem Sozius. Ich fahre vorausschauend, ich gehe davon aus, dass mir jeder andere Verkehrsteilnehmer „an den Kragen“ will. Ich fahre immer mit Licht, im Wald, mit Sonne-Schattenwechsel sogar mit Fernlicht. Ich bin immer bremsbereit und bestehe beim Fahren, auch auf Vorfahrtsstraßen, nie auf meinem Recht. So werde ich auch nicht umgefahren. Viele Aufprallunfälle passieren, da Autofahrer beim Abbiegen den Motorradfahrer übersehen. Der Abbieger aus der Seitenstraße, der Einfahrt oder der Entgegenkommende auf der Linksabbiegerspur. Ich rechne damit, nicht gesehen zu werden, verlangsame die Geschwindigkeit und bin bremsbereit. Erst wenn ich Augenkontakt mit dem Fahrer habe, beschleunige ich wieder.

Wer vorhat, mit Kind zu fahren, sollte sein Motorrad beherrschen und ein Sicherheitstraining besuchen, ab besten jährlich. Du trainierst Dein Reaktionsvermögen, lernst Dein Motorrad besser kennen. Ein Sicherheitstraining gibt Dir auch weiteres Handwerkszeug zur Motorradbeherrschung.

Wo sitzt das Kind?

Wichtig für die Sicherheit ist nicht nur die Schutzkleidung (siehe „Wie sollte die Ausrüstung beschaffen sein?“) sondern auch der Sitzplatz des Kindes. Die Fußraste sollte natürlich vom Kinderfuß erreicht oder passend umgebaut werden.

Kleine Touren am Nachmittag mit einem aufmerksamen, wachen Kind, brauchen vielleicht keinen Seitenhalt. Bei einer Tour, die über mehrere Tage oder über längere Strecken geht, sollte das Kind seitlich und am Rücken einen Halt haben. Dies wird, ggf. durch Seitentaschen und darauf aufgeschnallte kleinere Gepäckrollen und Topcase oder Gepäckrolle erreicht.

Ein mit Packtaschen beladenes Motorrad. Ein Kind sitzt auf dem Beifahrersitz, davor ist ein schmaler Platz für die Fahrerin.
Der Beifahrersitz wird mit dem Rucksack verkleinert. Ich habe vor dem Kind noch genug Platz. Rutsche ich ein wenig zurück kann ich das Kind wenn nötig einklemmen

Kindersitz und Haltemöglichkeiten

Ich persönlich halte nichts von Kindersitzen mit Anschnallvorrichtung auf dem Motorrad. Im Falle eines Unfalls ist das Kind unwiderruflich fest mit dem Motorrad verbunden. Das wollte ich nie. Ich selbst möchte auch lieber „vom Motorrad weg“, als mit Motorrad irgendwo gegenprallen, eingeklemmt werden etc.

Um den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich festzuhalten, reicht es, wenn Du einen Gürtel anziehst. An dem sollten Schlaufen befestigt sein, an denen sich das Kind mit Motorradhandschuhen auch festhalten kann. Ich hatte immer eine Bauchtasche, an deren Gurt sich Lotti festhalten konnte. Sie saß immer rundum geschützt, hatte Halt durch das Gepäck.

Vorher Abläufe üben für den Fall eines Unfalls

In Sicherheitstrainings habe ich gelernt, dass es besser sein kann „abzufliegen“, statt aufzuprallen. Falls ein Aufprall bevorsteht (z.B. Auto), in den Fußrasten aufstellen und „flugbereit machen“. So kommt man mit Glück über das Auto. Bei der Landung nicht wie ein Sack aufkommen, sondern geschmeidig wie eine Katze. Leicht gesagt, aber wie getan? Üben! Aufstellen in den Fußrasten üben. Körper fit und geschmeidig halten. Sei dir klar über die Kraft der Fliehkräfte! Und natürlich: vorausschauend fahren.

Mit Lotti habe ich geübt:

Aufprall droht: Während langsamen Fahrens: Aufstehen in den Fußrasten – beide, nach Zuruf. Festhalten an Mama. Mama greift nach linkem Kinderarm – im Glücksfall landet das Kind auf mir. Wir haben es nie in der Praxis probiert – ich bremse lieber!

Seitliches ausrutschen: Arme und Beine bleiben am Körper bzw. Motorrad. Da ich mit Packtaschen und Tanktaschen gefahren bin, wären wir auf den Taschen gerutscht, aber nicht auf unseren Gliedmaßen. Schultern und Kopf ragen zwar über dem Motorrad und Gepäck raus, aber die haben (hoffentlich) gute Protektoren und einen guten Helm.

Schlechtes Beispiel

Als Lotti und ich anfingen Motorrad zu fahren, hat ein Motorradfahrer aus einer Nachbargemeinde sein Kind auf der Autobahnauffahrt verloren! Wie das? Nun, er hatte ein sehr hochmotorisiertes Motorrad, mit einem erhöhten Soziussitz. Die Füße des Kindes reichten nicht bis zu den Fußrasten. Der Papa war recht korpulent, die Goretexjacke lag eng am Körper an. Der Siebenjährige hatte Gummistiefel, eine Sommerjacke, Mamas Helm und Winterhandschuhe an! Aber keine Möglichkeit, sich festzuhalten. Er konnte sich nur mit den Schenkeln am Sitz festklemmen.

In der Autobahnauffahrt gab der Papa – so wie immer – richtig Gas, und der Junior rutschte hinten vom Motorrad. Und der Papa hat das noch nicht mal gemerkt! Ein nachfolgender PKW bremste und brachte den Junior zur nächsten Polizeistelle!

Wie sollte die Ausrüstung beschaffen sein?

Schutzkleidung

Ich selbst fahre immer in kompletter Schutzkleidung Motorrad – denn ich habe nur die eine Haut, die ich „zu Markte“ trage und nur einen Kopf auf meinem Hals. Selbst die Motorradstiefel fehlen nicht auf kleinsten Ausflügen. Das, was für mich wichtig ist, ist erst recht für (m)ein Kind wichtig.

Noch in den 1990er Jahren musste man, wollte man für den Sprössling protektierte Schutzkleidung erwerben, auf die Anbieter von Motocross-Bekleidung zurückgreifen. Heutzutage gibt es in einem guten Motorradzubehörladen Kinderbekleidung mit Protektoren ab Größe 110 in allen Stilrichtungen des Motorradfahrens. Da Kinder schnell aus der Ausrüstung herauswachsen hat sich jedoch mittlerweile ein guter Secondhand-Markt im Internet, in den einschlägigen Zeitschriften und bei Motorradclubs etabliert.

Beim Helm würde ich immer auf einen Neuen Helm für das Kind zurückgreifen, einen der Kopf und Gesicht vollständig schützt.

Gegensprechanlage

Ich empfehle eine Gegensprechanlage. So bist Du immer über das Empfinden des Kindes informiert. Du weißt ob es friert, Pipi muss, ein Eis essen will oder sonst was auf dem Herzen hat. Dem Kind wird nicht langweilig, denn ihr könnt in normaler Lautstärke miteinander reden. Deine Aufmerksamkeit bleibt auf der Straßen und bei den anderen Verkehrsteilnehmern.

Gepäck (Achtung, hier folgt Werbung!)

Ich selbst habe nur Packtaschen von Ortlieb. Die passen auf jedes Motorrad. Bei einem seitlichen Sturz, wenn ein Bein zwischen Straße und Gepäck gerät, gibt eine weiche Packtasche anders nach als ein harter Koffer oder eine Alubox.

Auf der weichen Packtasche von Ortlieb lässt sich prima ein Packsack befestigen
Auf der weichen Packtasche von Ortlieb lässt sich prima ein Packsack befestigen

Die Packtaschen werden über die Sitzbank gelegt, durch Klettband lassen sie sich der Breite des Sitzes anpassen. Mit Spanngurten werden sie rechts und links vom Sozius, z.B. an der Fußraste, angebracht. Auf den Packtaschen befestige ich Gepäckrollen, gefüllt z.B. mit den Schlafsäcken.

Ein Motorrad ist von der Seite zu sehen. Auf dem Gepäckträger ist eine rote große Gepäckrolle. Vom Sitz lehnt ein gelber Rucksack dagegen. An den Beifahrersitzen sind schwarze Packtaschen, darauf blaue Gepäckrollen befestigt. Am Tank ist obenauf eine Tanktasche und an der Seite eine rote Packtasche befestigt
So sieht das gepackte Motorrad von der Seite aus

Ist zwischen dem Kind und Topcase oder Gepäckrolle noch Platz, befestige hinter dem Kind mit einem Netz einen Rucksack, den ihr z.B. bei Wanderungen benötigt. Lotti saß immer bequem wie in einem Lehnstuhl mit hohen Armlehnen. Sie hätte nicht seitlich oder hinten vom Motorrad rutschen können.

Ein Motorrad bei der Abfahrt von hinten. Über das Gepäck ragt von einem Kind nur der Helm hinaus
Durch das Gepäck ist das Kind rundum geschützt, bis hinauf zum Nacken

Als Gegengewicht für die Gepäckrolle hatte ich meine Ortlieb-Fahrradtaschen zu Tanktaschen umfunktioniert. Auf meine Befestigungsplatte des Tankrucksacks habe ich ein stabiles Drahtgestell aufgelegt, sozusagen als Fahrradgepäckträgersimulation. Dieses Drahtgestell wurde vom aufgesteckten Tankrucksack gehalten. An das Gestell habe ich die Fahrradtaschen eeingehängt, der Ortliebverschluss hält die Packtaschen am Drahtbügel fest. Zur Redundanz habe ich aber noch einen Gurt unter dem Tankrucksack gespannt, der die beiden Taschen am Verschluss festgehalten hat. Je ein weiterer Gurt spannte nach unten an den Motorradrahmen jede Packtasche ab. Auch bei einem Sturz wären sie nicht davongeflogen, sondern hätten unsere Beine vor der Straße geschützt.

Gurte halten die Fahrradtaschen an Ort und Stelle

Wie bereitet man eine Tour mit einem Kind vor?

Will das Kind überhaupt Motorrad fahren?

Nur wenn das Kind wirklich mitfahren möchte, sollte man überhaupt darüber nachdenken, mit Kind Motorrad zu fahren. Fange mit geliehener Ausrüstung und einem kleinen Ausflug zum übernächsten Spielplatz, Wald, Sportplatz oder Eisdiele an.

Mit dem Kind über die Gefahren beim Motorradfahren reden

Das Kind muss wissen, dass es von einem Motorrad herunterrutschen kann. Das es gefährlicher als beim Auto sein kann, wenn die Eltern abgelenkt werden. Eltern und Kind müssen sich für das Fahren Verhaltensregeln auferlegen. Es darf während der Fahrt kein Streit darüber entstehen. Die miteinander aufgestellten Verhaltensregeln sind bindend!

Pausen

Spätestens nach einer Stunde sollte eine kurze Pause und nach zwei Stunden eine mindestens halbstündige Pause eingeplant werden. Während der Pause sollten sich alle bewegen. Ein Frisbee oder Fußball, ein toller Spielplatz mit Klettermöglichkeiten oder sonstige Bewegung tut allen Reisenden gut!

Motorräder stehen geparkt auf einem Weg. Die Motorradfahrer und Kinder ziehen ihre Jacken aus
MiKiMoTo – Ein schöner Pausenplatz ist gefunden, alle steigen ab

Keine Langeweile für das Kind auf dem Sozius

Über die Gegensprechanlage haben meine Tochter und ich viel gesungen, Matheaufgaben gelöst, Geschichten erzählt, Rätsel geraten und vieles mehr. Während der Fahrt haben beide Zeit für Gespräche miteinander. Bitte darauf achten, dass es keine Streitthemen sind, schließlich wollt ihr positive Zeit miteinander verbringen.

Lotti war immer für die Navigation zuständig. Wir fuhren noch „10 Jahre vor Navi oder Google Maps“. Landkarte und Roadbook lesen war noch dran. Morgens haben Lotti und ich die Tour mit der Landkarte besprochen. Ich habe das Roadbook leserlich geschrieben, weil Lotti es lesen sollte. Die Landkarte hatte ich auf dem Tankrucksack. Das Roadbook hing in einem Wanderkarten-Klarsichtteil auf meinem Rücken. Also vor Lottis Nase. Sie musste Straßenschilder lesen, mit dem Roadbook vergleichen und mir die Richtung angeben. „Mama, an der Kreuzung da vorne nach links, nach Växjö,“ zum Beispiel. Da die angegebene Entfernung kleiner wurde, hat sie gleich noch ausgerechnet, wie weit wir bereits gefahren sind und wie weit wir noch fahren wollen.

Da die Landkarte und das Roadbook immer mal am „Ende der Seite waren“, mussten wir zum Umblättern Pausen machen. Auch diese Plätze hat Lotti angewiesen. Und natürlich die Stellen zur Mittagspause.

Kinder und Erwachsene sitzen auf Holzbänken und essen ihre Vesper
Die Vesper schmeckt – danach Frisbeespiel auf der großen Wiese

Ich hatte natürlich die Tour im Kopf, bin aber Lottis Anweisungen gefolgt, auch wenn sie sich vertan hat. Sie hat es ja kurze Zeit später gemerkt und mich zum Umkehren aufgefordert.

Lotti war am Spätnachmittag auch zuständig, einen Campingplatz zu finden. Da wir meist nicht wussten, wie weit wir an jedem Tag fahren würden, hatten wir diese nicht vorausgeplant. So blieb ihre Aufmerksamkeit bei allen Fahrten hoch und – das ist das Wesentlichste – sie war mit diesen Aufgabenstellungen für das Gelingen der Reise wichtig.

Wie weit kann man mit einem Kind täglich fahren?

Das kommt auf das Kind und die Beschaffenheit der Tour an. Um bei An- und Abreise Strecke zu machen habe ich maximal 400 km pro Tag auf der Autobahn verbracht. Mit zwei kleinen und einer großen Pause. Das haben wir nach Möglichkeit morgens abgespult und uns am Nachmittag was (für Kinder) Tolles angeschaut, waren schwimmen oder haben Freunde besucht.

Diese Autobahnfahrten habe ich vor der Tour oft mit dem Kind besprochen, ihr die Notwendigkeit des langen Stillsitzens, erklärt. Ich habe ihren Einwänden und Fragen zugehört und bin darauf eingegangen. Wir haben uns auch für die Fahrt etwas vorgenommen. Beispielsweise eine Geschichte aus dem aktuellen Lieblingsbuch zu erzählen oder weiterzuspinnen.

Unsere kürzeste Tour auf der Schwedenreise waren 37 km. Nicht geplant, aber voll in Ordnung.

Welche Touren sind zu empfehlen?

Touren mit Kindern sind anders vorzubereiten. Kinder haben andere Bedürfnisse. Ein zufriedenes Kind, das auf seine Kosten kommt, ist der Garant für eine erholsame, spannende, abenteuerreiche Familientour.

Für Kinder ist die schönste kurvenreiche Straße oder der höchste Pass mit der Zeit uninteressant, wenn zwischendurch nicht auch ihre Interessen zur Geltung kommen. Hier ein toller Spielplatz, da eine große Wiese zum Frisbeespielen, dort ein Tierpark oder Schwimmbad. Der kindliche Bewegungsdrang sollte befriedigt werden. Beachte bitte die Hinweisschilder auf der Strecke, sei selbst neugierig, werde wieder Kind!

Im Hintergrund der Rheinfall von Schaffhausen. Im Vordergrund sitzen Motorradfahrer und Kinder auf den Bänken der Uferpromenade und Vespern
Ein lohnendes Ziel ist der tosende Rheinfall in Schaffhausen. Dort machten wir unsere Vesperpause, bevor es mit dem Schiff in das Wasserinferno ging

Große Touren eventuell unter ein Motto stellen und lange vor der Tour mit dem Kind vorbereiten. Wir haben ab Januar über Wikinger gelesen und alle Bücher von Astrid Lindgren. Im Juli haben wir eine Woche in Dänemark alle möglichen Wikingerstätten besucht und in Schweden alles, was mit Astrid Lindgren zu tun hat.

Mit der richtigen Vorbereitung und aufmerksamen Unterwegssein können so für Fahrer und Kind unvergessliche Touren unternommen werden.

Motorräder stehen in einer Reihe, die Fahrer und Kinder stehen dabei. Gruppenfoto der Veranstaltung MiKiMoTo
Die MiKiMoTo Gruppe im Hof der Jugendherberge in Bonndorf

Tipps zum Download

Eine Checkliste mit allen Tipps von dieser Seite habe ich als exklusiven Service für Dich zusammengestellt. Du kannst sie hier kostenlos downloaden. Viel Spaß damit!

Ich wünsche Dir und deinem Kindern wunderbare, erlebnisreiche und abenteuerliche Motorradtouren. Viel Spaß!

Deine

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Astrid Lindgren und die Wikinger

Astrid Lindgren und die Wikinger

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Eine große Motorradtour sollte es sein mit vielen kindgerechten Attraktionen. Bei meiner Tochter waren Astrid-Lindgren-Bücher top angesagt. Die Wikinger hatte sie in einer anderen Buchreihe entdeckt. Und die Protagonisten der Bücher lebten in Dänemark und Schweden – somit war das Ziel klar.

Das Auto vor ihr sortiert sich auf der Linksabbiegerspur ein, sie selbst bleibt auf der Rechtsabbiegerspur. Ein kurzer Seitenblick, von links ist frei, also gibt sie Gas. Rumms, der Linksabbieger hat es sich jetzt doch anders überlegt und Lotti beim rechts abbiegen gerammt. Zum Glück fahren die Autos nicht schnell und haben dicke Gummistoßstangen rundum, es passiert also nichts.

„Jetzt musst du nur noch ein Kindermotorrad kaufen, dann kann ich selbst fahren, Mama“, ruft sie glücklich, als sie mit ihrem Legoland-Führerschein angerannt kommt. Kann ich aber nicht und so muss sie während unserer großen Dänemark-Schweden-Motorradtour bei mir als Sozia mitfahren.

Ein Kind sitzt in einem roten Elektroauto und fährt einen Parcours
Die Fahrprüfung macht große Freude im Legoland

Dänemark liegt eigentlich nicht auf dem direkten Weg nach Schweden, denn durch die verschiedenen Fährverbindungen ist die Anfahrtszeit recht kurz geworden. Aber ich hatte seit zwei Jahren den Besuch von Legoland in Billund versprochen und wir planten daher die Anreise durch Dänemark. Wir hatten bei der Anreise zwei etwa vierstündige Autobahnetappen. Wir hatten über diese „langweiligen“ Etappen gesprochen, Lotti war die Notwendigkeit des langen Stillsitzens klar. Wir haben uns unterwegs Geschichten von Astrid Lindgren erzählt, gesungen und gerechnet. Die Nachmittage verbrachten wir bei Freundinnen mit Kindern, die praktischerweise bei Hannover und bei Flensburg wohnen. Spielen, bewegen, lachen, toben – der richtige Ausgleich für die Achtjährige.

Ein Motorrad steht an einer Tankstelle. Im Vordergrund sitzt ein Mädchen an einem Tisch und packt ein Eis aus. Halme liegen auf dem Tisch davor.
In den Tankpausen unterwegs gab es natürlich ein Eis!

Legoland Billund

Ich mag eigentlich keine Freizeitparks, aber das Legoland in Billund ist faszinierend. Überall, teils unverhofft, stehen Gebäude, Tiere oder Menschen aus Legosteinen. Stadt- oder Landschaftsteile, Flughafen, Bahnhof, Schleusenanlagen und Häfen sind aufgebaut und in Bewegung. Schiffe fahren und schleusen, LKW transportieren Waren, auf einer Ölplattform wird gearbeitet und Züge halten an Bahnhöfen.

Steinböcke und Geier aus Legosteinen gebaut in einer Alpenlandschaft
Die Tiere sind aus Legosteinen

Selbst die Fahrattraktionen sind in die Legowelt integriert. Kann man sich vorstellen, dass bei einigen der Gebilde bis zu 4,5 Mio. Legosteinen verbaut sind? Wir trennen uns abends nur schwer von der Legowelt, aber wir sind bei Freunden auf Langeland angemeldet und müssen noch zwei Stunden fahren.

Wikinger live – nicht nur im Bilderbuch

Unsere nächste Tagesetappe führt uns nur über die Ostküste von Fünen bis zum wunderschön gelegenen Campingplatz von Nyborg. Trotzdem das Meer mit herrlichem Sandstrand lockt, fahren wir nach dem Zeltaufbau ohne Gepäck zur Schiffsetzung nach Ladby, unserer dritten Wikingerstätte. In der Nähe von Schleswig haben wir schon das Museum Haithabu besucht. Die ausgestellten Fundstücke, die die Lebensgewohnheiten der Wikinger veranschaulichen, stammen aus der teilweise ausgegrabenen Handelsstadt aus der Zeit um 900 bis 1100 n. Chr. An der dänischen Nordseeküste, nahe dem schönen Städtchen Ribe ist ein Freilichtmuseum, in dem „Berufswikinger“ den Besuchern das Leben der damaligen Zeit vorführen. Derzeit wird dort mit alten Handwerksmethoden der Stadtkern aus dem Jahre 825 n. Chr. neu errichtet. Lotti half mit, indem sie Holznägel für die Häuser herstellte, die, ganz ohne Eisen, nur aus Holz, Leder, Gras und Schilf gebaut werden. Bei einem Wikingerjungen, der Fladenbrot backte, stärkten wir uns.

Ein Kind schlägt einen kleinen Holzscheid mit einem großen Holzhammer durch ein Metallring und stellt so einen Holznagel her
Die Holznägel werden für den Hausbau benötigt
Ein Junge backt kleine Brotfladen am offenen Feuer, wir dürfen probieren
Ein Junge backt kleine Brotfladen am offenen Feuer, wir dürfen probieren

Hier in Ladby, in der Nähe von Kerteminde, wurde ein altes Schiffsgrab entdeckt und so konserviert, dass man es heute besichtigen kann. Wir haben Glück und erleben eine Ferienfreizeit, die sich mit dem Thema Wikinger beschäftigt. Die verkleideten Kinder und Betreuer, versuchen das Leben von damals nachzuspielen. Die Mädchen spinnen, weben oder sammeln Kräuter, die Jungen schärfen Schwerte oder schauen dem Schmied zu. Auf einem Wiesengelände folgt Kampfausbildung, mit der anschließenden Versorgung von „Verletzten“ und das ist spannend anzuschauen.

Eine Frau in Kleidung der Wikinger gestikuliert mit einem Mann. Kinder in Wikingerkleidung stehen herum, auf dem Boden liegt eine Trage
Die Kinder und Betreuer spielen das Leben der Wikinger nach

Begrenztes Gepäck und trotzdem alles mit

Eine gelbe Strndmuschel steht an einem Sandstrand
Die Strandmuschel schützt vor dem Wind und spendet Schatten

Den Rest des Tages verbringt Lotti in Sichtweite des Zeltes am Strand. Ich habe große Wäsche, denn der Campingplatz ist mit Waschmaschine ausgestattet und unsere Wäschevorräte fast verbraucht.

Unser gepacktes Motorrad mit Sitzplatz für Zwei

Gepäck auf dem Motorrad

Auf dem Motorrad haben wir ja nur begrenzte Mitnahmemöglichkeiten für alle auf der Reise benötigten Dinge: In dem großen Gepäcksack sind das Zelt und die Therm-a-Rest-Matten, die Strandmatten und die Strandmuschel (zugegeben ein Luxusartikel bei unserem Packvolumen), ein Armeeponcho für vielfältige Aufgaben (Tarp, Sitzunterlage, Regenschutz, Motorradgarage etc.), ein Brändi-Grill (ein, an einem in die Erde gerammten Stab befestigter, höhenverstellbarer Rost), ein „Anti-Plattfuß-Spray“ für eine schnelle Reifenreparatur, Lottis Wanderschuhe und Spielrucksack, mit Mandala-Malkarten, Walkman und Kassetten, Lesebuch und Sandspielzeug. Die Schlafsäcke, -anzüge und kleinen Kopfkissen sind in den blauen Packsäcken, die Lotti umgeben. Die Küchentaschen beinhalten den Benzinkocher, Topfset, Pfanne, Teller, Bestecke, Gewürze, Öl, Bouillon, 110 g Beutel mit Basmatireis, Haferflocken, „Allradbecher“ (spezielle Gefäße, in denen man auch kochen kann), Wassersack, Milchpulver, Müsli, usw. Die Schwierigkeit ist, beim Einkaufen unterwegs die Vorräte mit entsprechend kleinen Mengen wieder aufzufüllen. In den schwarzen Ortlieb-Packtaschen sind die Kleidung, T-Shirts, Vliesjacken und Hosen, Unterwäsche und Socken, je eine lange Hose und ein Sweat-Shirt, die erste Hilfe-, Arznei und Kulturbeutel, Handtücher, Seile und Klammern, Filmmaterial und die Motorradersatzteile sowie Öl und Kettenspray untergebracht. Im Tankrucksack sind die Regen- und Fotoausrüstung, Ersatzhandschuhe und die Trinkflaschen. Hinter Lotti steht ein Rucksack, in dem tagsüber eventuell benötigte Dinge (wie Schwimmsachen), die Teva-Sandalen und Wertsachen sind, den wir bei einer Besichtigung oder einem Einkauf einfach mitnehmen. Meine Tipps habe ich für Dich auf einer eigenen Seite zusammengestellt und als Download. Lese auch meinen Artikel zum Thema Mit Kindern Motorrad Touren machen.

Als die Wäsche auf der Leine flattert, gehe ich zu Lotti an den Strand. Ich stürze mich in die kühlen Fluten der Ostsee, der Wellengang ist mäßig, die Erfrischung maximal. Lotti ist zu wasserscheu. Nur ihre Füße, bis Mitte Waden und der Po in der Hocke dürfen das kühle Meer spüren. Wir bauen noch eine tolle Sandburg. Während der Dekorationsarbeiten von Lotti, genieße ich die Aussicht auf die Storebæltbrücke, über die wir morgen nach Seeland fahren. In der Mitte werden wir 60 m über dem Meer sein!

Storebæltbrücke im Abendlicht – das wird eine spannende Überfahrt
Storebæltbrücke im Abendlicht – das wird eine spannende Überfahrt

Diese Fahrt genießen wir am nächsten Tag mit Tempo 60 da nur wenig Verkehr ist. Wider Erwarten ist es fast windstill und wir bedauern, dass kein Ozeanriese unter der Brücke durchfährt. Heute ist noch mal „Wikingertag“ und wir besuchen die Trelleborg bei Slagelse. Von diesen Burgen wurden, wahrscheinlich unter König Harald Blauzahn, einige errichtet. Der hohe, kreisrunde Außenwall war innen symmetrisch in 4 x 4  Häuser eingeteilt, darin konnten etwa 500 Menschen geschützt leben. Das Museum hierzu ist etwa 300 m davon entfernt. Auf dem Gelände dazwischen findet jedes Jahr ein großer Wikingermarkt statt, der gerade von „Hobbywikingern“ aufgebaut wird. Alle möglichen Händler errichten ihre wunderschönen Leinenzelte die teils mit Ornamenten bemalt sind. Hier kann man Pfeil und Bogen erwerben, dort ein neues Gewand, oder die unerlässlichen Tunika-Schließen aus Silber und anderen Schmuck. Plötzlich schreckt uns Kampfeslärm, zwei gestandene Wikinger messen ihre Kräfte mit Schwertern und Schilden. Auch ein Baby, dass im Schatten eines Zeltes auf einem kuscheligen Schaffell schlief, fängt nun an zu schreien und die Männer werden von der Mutter ohne Waffe vertrieben.

Zwei Männer, die Wikinger darstellen, stehen sich mit gezückten Schwertern gegenüber
Die Freizeitwikinger üben mit echten Schwertern

Nachmittags fahren wir nach Roskilde und besuchen dort das Schiffsmuseum, um auch die seefahrerische Seite des Wikingerlebens zu studieren. Es ist schon erstaunlich, mit welchen Booten sie bis nach Neufundland und ins Schwarze Meer kamen. In einem halben Handelsschiff darf Lotti probesitzen ehe es zur Fähre nach Helsingør geht.

Zwei Wikingerboote im Hafen von Roskilde
Zwei Wikingerboote im Hafen von Roskilde

Überfahrt nach Schweden

Wir werden gleich auf die Fähre gewunken. Ich fahre mit unsicherem Gefühl auf das Schiff. Es ist für mich das erste Mal mit Motorrad, ich bin mir unsicher, ob wir es irgendwie festzurren müssen. Es kümmert sich keiner um uns und schon geht die Bugklappe zu. Da der Seitenständer der Honda CB 450 S nur unter Belastung die Maschine hält, kann schon ein leichtes Wackeln der Fähre das Motorrad umkippen lassen, ich will also zumindest auf dem Hauptständer parken. Mitsamt dem Gepäck bekomme ich das aber nicht mehr hin, ein freundlicher Herr hilft jedoch. Ehe wir uns recht besinnen, sind wir schon in Schweden, denn die Überfahrt dauert nur 15 Minuten!

Was für ein Knöpfchen muss ich drücken, um Benzin aus dem Zapfhahn herauszulocken? Entnervt gehe ich zur Kasse und frage auf englisch nach. Ach so, Kassa bedeutet Barzahlung oder, falls möglich, mit Scheckkarte, die anderen Zapfhähne sind für Tankkarteninhaber oder für Geldscheine. Andere Länder, andere Sitten, aber jetzt wissen wir es. Vor dieser Reise haben wir uns ein Sprechfunkgerät für unsere Motorradhelme zugelegt und können uns so während des Fahrens die Arbeit teilen. Ich halte Lotti auf dem Laufenden, wohin die Reise gehen soll, sie sucht dann bei den Abzweigungen die Schilder und weist mir die Richtung, sie hält nach den Campingplätzen Ausschau und ab sofort an den Tankstellen nach den richtigen Zapfsäulen. Wenn wir an Ampeln halten müssen, kann ich entspannen, denn Lotti sagt mir, wenn es grün wird. Auch wenn ich selbst schaue, fahre ich erst nach Lottis Information los, sonst fühlt sie sich nicht ernst genommen. Diese Aufgaben sind deshalb wichtig, da sie dann nicht „nur“ hinten draufsitzt, sondern ebenfalls Verantwortung hat. Sie dirigiert mich nach etwa 30 km auf unseren ersten schwedischen Campingplatz. Heute machen wir uns nur ein dünnes Süppchen und essen Brot dazu. Bei schönem Sonnenuntergang schreiben wir Postkarten und spielen “Mensch-Ärgere-Dich-Nicht”. Erst mit der Dämmerung um 22.30 Uhr krabbeln wir müde in unsere Schlafsäcke.

Postkarten-Schwedenidylle

Kurz vor Kristianstad finden wir den richtigen Abzweig nach Österlöv, dort aber leider nicht das kleine Motorradmuseum. Wir haben uns für heute den Campingplatz Galaxen nordöstlich von Vilshult ausgesucht. Kleine Sträßchen führen uns durch eine „Mama-Muh oder Petterson-Landschaft“. Wälder, von Seen durchbrochen, zwischendrin kleine, rote Bauernhöfe mit Kuhweiden, die mit Felsbrocken übersät sind. Der Zeltplatz liegt an einem wunderschönen See, in dem sich die Hitze herrlich ertragen lässt. Lotti lernt einen älteren Herrn kennen, der sie mit zum Angeln nimmt, zum Abendessen gibt es aber doch Reistopf mit Hackfleisch, da die Fische lieber weiter leben wollen.

Ein Mann rudert im Abendlicht ein Boot auf einem See. Ein kleines Mädchen sitzt im Bug.
Lottis erster Angelausflug auf dem See Galaxen

Blekinge

Wir folgen am nächsten Tag einer Straßenbeschreibung aus der Blekinge-Broschüre: „Von Halahult folgen Sie dem Kulturvägen, einer romantischen Naturstraße, nach Süden. Auf dieser Fahrt können Sie nachvollziehen, was Selma Lagerlöff mit ihrem Begriff „die drei Stufen“, mit denen sie die Provinz Blekinge beschreibt, in ihrem Buch „Nils Holgersson“ meint.“ Diese Naturstraße ginge bei uns höchstens unter „guter Wanderweg“ in die Landkarten ein. Das Schottersträsschen, in der Mitte der Fahrspur grasbewachsen, schlängelt sich ganz unbedarft durch schönsten Mischwald. Als ich anhalte, um zu fotografieren, ist Lotti nach meinem Ausruf „Hier gibt’s jede Menge Heidelbeeren!“ so schnell vom Motorrad, wie sonst auf der ganzen Reise nicht.

Ein Kind sitzt links von einem Motorrad auf dem Waldboden. Um es herum stehen viele Heidelbeersträucher, von denen das Kind genascht hat.
Die Heidelbeeren sind fast kirschgroß und die Lippen trotz Sommerhitze blau

Mit blauen Lippen, trotz Sommerhitze, steigen wir auf zur idyllischen Weiterfahrt. Den Abend verbringen wir am Strand von Ekenäs bei Ronneby, das Wasser der Ostsee wäscht die Heidelbeertatoos davon.

Auf einem Felsen sind zwischen 1500-500 v. Chr. alltägliche Begebenheiten eingraviert worden, die mit roter Farbe nachgezeichnet sind
Wir machen einen Abstecher nach Torhamnslandet, wo Felszeichnungen aus der Zeit um 1500-500 v. Chr. zu bewundern sind.

Småland

Nach der Grenze zu Småland lassen wir uns Zeit zum Schauen und steuern über eine Landstraße mit wenig Verkehr. „Da  steht eine braune Kuh im Wald, Mama“, Lotti deutet nach rechts. Erst nachdem wir ein „Elchwarnschild“ passiert haben realisieren wir, dass sie vielleicht einen Elch gesehen hat. Das irgendwo Leute leben müssen, merkt man nur an den Ortsschildern, aber vor und hinter den Ortschildern sieht der Wald gleich aus.

Briefkästen sind vor einem Busch angebracht
Manchmal sieht man Briefkästen am Straßenrand stehen, vermutlich gibt es dann auch Bewohner…

Begeisterung erweckt bei Lotti der Ortsname Yxnanäs, da sie die Buchstaben Y und X bisher zwar gelernt, aber noch nicht oft gebraucht hat. Der See in Linneryd bietet für den Rest des Tag alles, was wir brauchen. Sonne, Sand, Wasser, Campingplatz und die leider schlechteste Minigolf-Bahn der Welt. Bretter mit Dachpappe benagelt bilden den Parcours, der sicherlich schon etliche Jahre auf den „Buckeln“ hat.

Växjö – Abenteuer Physik im Experimentierhaus

Vorsichtig zieht Lotti die Drähte auseinander und erzeugt eine Riesenseifenblase, die etwa 5 m hoch ist! Später hebt sie sich mit Hebelkraft selbst in die Höhe! Der Besuch des Xperiment Huset in Växjö lohnt sich, da Physik ganz nebenbei „begriffen“ wird, eine deutsche Anleitung der Versuche wird ganz selbstverständlich ausgehändigt.

Auf einer Empore steht ein Kind und zieht Drähte auseinander, die nach unten verlaufen. Zwischen diesen Drähten ist Seifenlauge. Wenn das Kind hin die Lauge Pustet, entsteht eine Riesenseifenblase
Zwischen zwei Drähten bildet sich eine Seifenblase, in die Lotti reinpustet
Ein Kind zeiht mit einem großen Ring Seifenlauge hoch über sich
Lotti zieht die Seifenwand weit nach oben

Astrid-Lindgrens-World

Die 150 km nach Vimmerby sind nach so viel Gelehrsamen die reinste Entspannung. Die Strecke führt uns durch eine Landschaft, die Astrid Lindgren in ihren Büchern so treffend beschreibt. Seit Februar haben wir nur noch ihre Bücher gelesen: Bullerbü, Pippi, Karlsson vom Dach, Lotta aus der Krachmacherstraße, Madita und Michel. In Vimmerby in „Astrid-Lindgrens-Värld“ wollen wir in die Geschichten eintauchen. Im Freiluftpark werden einige der Geschichten über die Sommermonate von Schauspielern in Szene gestellt.

Gleich am Anfang sind wir in der Krachmacherstraße und entdecken Lottas und Tante Bergs Haus. Mit viel Getöse kommt uns ein Mann in blauer Latzhose entgegen, Karlsson, der mal eben einen „Rundflug“ macht, um zu gucken, wieviel Leute heute kommen. Wir folgen ihm in die Stockholmer Straßenzeile bis in sein Häuschen auf dem Dach, das durch eine Rutschbahn verlassen werden muß und landen in der Nähe von Pippis „Nicht-den-Boden-berühren-Parcours“. Dort steht ein Schild das Erwachsenen ausdrücklich erlaubt, den Parcours zu benutzen. Trotzdem bin ich die einzige Mama, die hinter ihrem Kind herturnt.

Während unserer Reise lesen wir das Ronja-Räubertochter-Buch und interessieren uns am meisten für die „Mattisborgen“ im Mattiswald. Ja, da ist sie, sogar mit Höllenschlund.

Mattis schaut nach den Borkaräubern aus, Räuberhauptmann Borka und sein Sohn Birk schleichen sich von der Seite an
Mattis schaut nach den Borkaräubern aus, Räuberhauptmann Borka und sein Sohn Birk schleichen sich von der Seite an

Trotzdem die Schauspieler nur schwedisch reden, können wir der Handlung folgen. Lovis und Ronja, Birk, Mattis, Glatzen-Peer und Knutas kann Lotti später „anfassen“ und mit Ronja sogar ein wenig deutsch reden.

Die Figur Glatzen Peer geht über den Platz
Glatzen-Peer ist unverkennbar
Matthis, der Räuberhauptmann redet mit Lotti
Mattis unterhält sich mit Lotti – so eine Ehre, dass macht sie ganz schüchtern
Ronja Räubertochter und Lotti sitzen auf einer Bank
Mit Ronja kann Lotti auf Deutsch reden und ist ungemein stolz

In der Pause des Stückes auf der Mattisborgen gehen wir nach „Bullerbü“. Auf dem Weg dorthin treten unverhofft Kling und Klang, die Polizisten aus der Pippi-Geschichte, aus dem Wald und erschrecken uns.

Die Polizisten Kling und Klang erschrecken ein Kind auf einem Weg
Die Polizisten Kling und Klang erschrecken uns

Bei der Fortsetzung der Ronja-Geschichte, sind dicke schwarze Wolken und Donnergrollen über uns und wir versuchen rennend, die Astrid-Lindgren-Ausstellung, eines der wenigen festen Häuser des Geländes, zu erreichen, aber auf halbem Weg erwischt uns der Wolkenbruch. Platschnaß, von vielen weinenden Kindern umringt erleben wir im Haus ein schweres Gewitter. Aber wir nutzen die Zeit, um durch die Ausstellung zu gehen und Leben und Werk der Schriftstellerin kennenzulernen. Die Sonne lacht plötzlich wieder, und wir entschließen uns, noch das „Heckenrosental“ zu besichtigen. Dort auf der Bühne sind alle Schauspieler versammelt und singen die Lieder, die in den Filmen vorkommen. Teils sind die Melodien unseren deutschen „Übersetzungen“ ähnlich, teils können wir nur an den Figuren erkennen, welche Geschichten besungen werden.

Eine Zeichnung von Pipi auf dem Kleinen Onkel. Durch ein Loch am Kopf können Menschen Pipi das eigene Gesicht leihen
Lotti leiht Pippi ihr Gesicht

Die Filmschauplätze sind keine Kulissen

Am Vormittag besuchen wir das „richtige Bullerbü“, das Örtchen Sevedstorp. Außer dem Bullerbyn-Express, einer Pferdekutsche mit der es sich Lotti nicht nehmen lässt zu fahren, gibt es noch eine geheimnisvolle Scheune, in der Kinder mit Eltern verschwinden, aber nur Eltern wieder herauskommen. Lotti und ich wollen das Rätsel lösen. Von einer etwa 3 m hohen Empore können die Kinder ins duftende, weiche Heu springen und erst wenn sie genug haben, an der Rückseite der Scheune wieder herauskommen.

Die drei Häuser in Bullerbü sehen aus wie die im Film – sie sind ja auch die Häuser aus dem Film
Die drei Häuser in Bullerbü sehen aus wie die im Film – sie sind ja auch die Häuser aus dem Film
Vom Heuboden springen macht Riesenspaß

Auf unserer Weiterfahrt liegt noch Gibberyd, wo der Katthulthof steht, in dem die Michel-Filme gedreht wurden. Lotti möchte am liebsten im Tischlerschuppen bleiben, denn sie schnitzt so gerne.

Obwohl sie nichts ausgefressen hat, lässt Lotti es sich nicht nehmen, im Holzschuppen von Michel Platz zu nehmen
Obwohl sie nichts ausgefressen hat, lässt Lotti es sich nicht nehmen, im Holzschuppen von Michel Platz zu nehmen

Wir haben aber für heute Gränna als Etappenziel und so folgen wir mal diesem, mal jenem Sträßchen, irgendwie Richtung Westnordwest. Die schmalen Straßen sind teilweise aus Schotter, auf denen ich mich mit dem Fahren immer noch schwer tue. Ich habe immer das Gefühl, im nächsten Moment rutscht die Maschine weg. Theoretisch kann das mit gleichmäßiger Geschwindigkeit nicht passieren, aber Motorradtheorie und meine Psyche passen irgendwie nicht zusammen!

Die Stadt Gränna ist durch die Witwe Amalia Eriksson bekannt geworden, die im vorigen Jahrhundert anfing Polkagris, herrlich schmeckende Zuckerstangen, herzustellen.

Viele Arbeitsschritte sind notwendig, bis Zuckerstangen spiralförmig rot-weiß sind

Auch der Ballonfahrer Salomon August Andrée, der 1897 versuchte den Nordpol mit dem Ballon zu erreichen, stammt aus dieser Stadt am Vätternsee. Am Abend kochen wir in der 4-Sterne Küche des Campingplatzes Kartoffeln mit Rührei und Spinat und genießen danach einen tollen Sonnenuntergang.

Fahrradtour auf Visingsö

Herrgott, da ist ja keine Bremse am Lenker, bis ich mich auf die Rücktrittsbremse besinne, ist es schon zu spät, ich pralle gegen Lottis Leihfahrrad und wir behalten blaue Flecken als Souvenir. Hier auf der Insel Visingsö, die wir als Fußgänger mit der Fähre von Gränna aus erreicht haben, spielt Lotti den ganzen Tag, ihr Fahrrad wäre ein Motorrad. So kommen wir durch Eichenwälder, die 1830 gepflanzt wurden um die Marine mit Bauholz zu versorgen, flott voran. Die Kumlaby-Kirche ist innen mit schönen Wandmalereien versehen und wir genießen den Ausblick, nachdem wir die Stufen des engen Kirchturmes erklommen haben. Vom Braheschloss ist nach einem Brand 1718 bis auf den Südflügel nichts mehr übriggeblieben, aber dessen Ruine lässt die Großartigkeit der Anlage erahnen.

Der Kirchturm der Kumlaby-Kirche kann bestiegen werden
Der Kirchturm der Kumlaby-Kirche kann bestiegen werden
Ein Kind fährt auf einem Fahrrad einen Kiesweg durch eine Alle entlang
Lotti genießt die eigene Fortbewegung

Wir erreichen den Göta-Kanal bei Motala, der uns mit einer Hebebrücke, die uns zum Anhalten zwingt, begrüßt. Die Straße klappt hoch und wir können die obersten Wimpel des durchfahrenden Ausflugsschiffes sehen.

Der Fahrdamm links öffnet sich bereits
Die Fahrbahnen derr Brücke sind vollständig geöffnet. Die Wimpel eines Ausflugsdampfers sind noch zu sehen
Die Wimpel des Ausflugsdampfers sind noch zu sehen

Ansonsten ist die viel befahrene Straße 50 um den Vätternsee, der dreieinhalbmal so groß ist wie der Bodensee, nach Norden sehr langweilig. Spannend wird es erst wieder nach Askersund, als wir einem schmalen, buckligen Asphaltstreifen südwestlich zum Tiveden Nationalpark folgen. Über eine Schotterstraße erreichen wir den See Fagertärn, aber die roten Seerosen, die ihn so berühmt gemacht haben, sind schon zugegangen. Schade!

Wanderung im Tived-Urwald

Den heutigen Sonntag verbringen wir auf einer eindrucksvollen Wanderung durch den Urwald des Tived. In der Tourist Info haben wir eine kleine Routenbeschreibung erhalten. Der Pfad, den man nicht verlassen sollte, ist total verwunschen. Von bunten Moosen und Flechten umgeben führt er über Felsplatten und große Geröllbrocken, vorbei an Baumriesen und auf Stegen über moorigen Untergrund.

Eine typisch schwedische Waldlandschaft mit Nadelbäumen, Felsen und viel Moos
Wir erwarten jeden Moment einen Rumpelwicht der uns fragt „was tust du?“
Mutter und Tochter stehen auf einem Felsen, Heidekraut und Nadelwald sind im Hintergrund zu sehen
Gut ausgerüstet zur Wanderung im Tived-Urwald

Vänersee

Ein kleines Faltblatt belehrt uns über die zu sehenden Besonderheiten. Auf der Rückfahrt stellen wir fest, dass unser Sprechgerät einen Wackelkontakt hat, den wir reparieren müssen. Aber am nächsten Morgen ist die Anlage tot und nicht zu reparieren. Wir vermissen auf der Weiterfahrt die Gespräche und Spiele und meine Nieren müssen unter Lottis Schlägen, wenn sie auf sich aufmerksam machen will, leiden. Weder in Kristinehamn, wo wir die 15 m hohe Picasso-Skulptur bestaunen, noch in Karlstad ist Ersatz für das kaputte Teil zu bekommen. Frustriert, da wir den Tag mit der Suche nach Motorradzubehörläden verplempert haben, fahren wir weiter bis Åmål. Der Campingplatz zieht sich über einen Hügel und wir schlagen unser Zelt mit Blick auf den Vänernsee auf. Beim Abendessen hören wir ein Tuckern auf dem See. Es rührt von einer schwimmenden Terrasse her, die mit einem Außenbordmotor angetrieben wird, auf der zwei Männer in Gartenstühlen vor einem Grill sitzen. Unglaublich, hat uns da der Sandmann einen Streich gespielt und die Traumbilder vor dem Einschlafen geschickt? Aber nach Entwicklung der Fotos bestätigt sich das Gesehene.

Eine Terrasse mit Personen, Picknicktisch und Grill schwimmt, von einem Außenbordmotor angetrieben, auf einem See
Wir trauen unseren Augen nicht – eine schwimmende Terrasse

Morgens besuchen wir das Ronja-Museum, in dem der Aufwand der Dreharbeiten des Filmes durch Fotos veranschaulicht wird. Teile der Requisiten, die Modelle der Mattisburg und auch „Steine“ der im Sörknatten-Nationalpark extra für den Film errichteten Burg sind ausgestellt. 

Abenteuer beim Paddeln

„Lotti paddel links, links!“ Warum um alles in der Welt dreht sich dieses Boot denn nicht nach rechts? Der See Lelång hat an dieser Stelle eine Breite von 2 km, es stürmt, die Wellen kommen von schräg rechts vorne. Nichts zu machen, wir driften nach links ab und paddeln, gezwungen von der Strömung, zurück. Nach einer Stunde Schinderei landen wir wieder an unserem Schlafplatz, einer mit Kiefern bestandenen felsigen Halbinsel, auf dem wir die Nacht im Gewitter verbracht haben. Wir versuchen es nochmals und paddeln nah an der Küstenlinie entlang und erreichen einen Steg, oberhalb dessen einige Häuser stehen. Wir schaffen es nach mehreren Anläufen, das über 5 m lange Aluminiumboot aus dem See zu ziehen und schleppen das Gepäck auf die Anhöhe. Dort bietet uns ein Herr seine Hilfe an und zieht auf der vom Regen sumpfigen, mit Schafskötteln übersäten Wiese das Boot auf dem Bootswagen hinauf. Übers Handy informieren wir den Bootsverleiher, der nach einer halben Stunde in einem heftigen Regenschauer ankommt. Nein, es hat nichts mit mangelnder Erfahrung zu tun, wenn man bei so einem Wetter nicht weiterpaddelt, bestätigt er mir, sondern die auf dem See Gebliebenen handeln unklug. Und wir hatten uns die drei Tage beim Paddeln so schön vorgestellt.

Eine Aluminiumkanu liegt am Seeufer der aus Felsen besteht. ein Kind hält das Kanu fest
Unsere Ortlieb-Packtaschen sind wasser- und staubdicht – super geeignet für die Paddeltour!

Dalsland

Statt dessen gönnen wir uns zwei Tage Rast in Laxsjöns Friluftsgård, wo Lotti die 30 Tage jüngere, fast 8-Jährige Bettina kennenlernt. Sie sind sich sehr ähnlich und daher für zwei Tage ein unzertrennliches Team. Bettina schaut uns, als das Motorrad fertig gepackt ist, ungläubig beim Anziehen zu. Über unsere Radlerhosen ziehen wir die Motorradhosen, dann stehen wir weder beim An- noch Ausziehen in Unterhosen da. Dann folgen die Stiefel, das Halstuch, der Nierengurt, die Jacke der Helm und die Handschuhe. Auf dieser Reise wurden wir oft angeglotzt, was Lotti sehr gestört hat, aber diesmal nervt es nicht. Ein letztes Winken, wir sind wieder auf dem Weg.

Ein Kind schaut zu, wie die Autorin und ihre tochter das Motorrad und sich selbst fahrbereit machen und die vielen Kleidungsstücke anziehen.
Bettina kann nicht fassen, was wir trotz der Sommerhitze anziehen

Håverud

Die Schlucht vor Håverud wird von fünf verschiedenen Verkehrswegen auf fünf verschiedenen Ebenen überquert. Wir stehen 50 m über den Stromschnellen des Upperud Flusses (1), auf der Straßenbrücke (2), über die wir eben den Parkplatz erreicht haben. Etwa 15 m unter uns verläuft die Eisenbahnbrücke (3), unterhalb kreuzt das Aquädukt (4) des Dalslandkanals, gefolgt von drei Schleusen, die Stromschnellen. Diese Fahrrinne aus Stahl wird seit 1868 von Schiffen benutzt. Zuunterst quert eine Fußgängerbrücke (5) den Upperud.

In Haverud sind fünf Brücken für verschiedene Verkehrsmittel übereinander angebracht.
Vier Brücken übereinander – auf der Straßenbrücke stehe ich beim fotografieren

Die Atmosphäre lädt zum Bleiben ein und als Hamfri, ein Dampfschiff, tutet, schaut mich Lotti bittend an. Wir fahren zum kleinen Hafen und erfahren, dass in einer halben Stunde das Dampfschiff für heute zum letzten Mal ablegt. Ja, ein Zeltplatz sei gleich dort drüben am See. Wir fahren schnell hin und bauen in Windeseile alles auf. Mittlerweile sind die Abläufe nach Ankunft klar. Packsack runter, Zelt heraus, Stangen einstecken und aufstellen – das machen wir im Team. Innenzelt einhängen und Schlafplätze einrichten, sind Lottis Aufgaben, während ich die restlichen Taschen abpacke und im großzügen Vorzelt verstaue. Motorrad auf den Hauptständer stellen, Benzinhahn zu, abschließen. Schnell noch raus aus den Klamotten und umziehen, Trinkflaschen in den Rucksack und schon laufen wir fröhlich zum Anleger.

Das Motorrad steht halb abgepackt rechts. Ein Kind steckt Zeltstangen zusammen und das Zelt, das platt auf dem Boden liegt, aufzubauen
Wenn wir fix sind, sind wir in 20 Minuten ausgepackt und aufgebaut
Humfri ist die Verballhornung des Namens Humphry (Bogard), wegen des Dampfschiffs im Film „Africa Queen“

Das Schiffchen liegt noch, und der Kessel wird vom Kapitän mit Holzscheiten gefüttert. Sind nun alle eingestiegen und haben die Dampfmaschine bewundert? Ja, dann geht die Fahrt los.

Eine Dampfmaschine ist auf einem Schiff als Antriebsmotor eingebaut. Eine Kiste mit kleinen Holzscheiten steht daneben, der Käitän stochert gerade den Ofen der Maschine an.
Die blankpolierte Dampfmaschine verträgt nur kleine Holzscheite

Gleichmäßig tuckernd erreichen wir Upperud und wandern entlang der Landstraße zurück. An der unteren Schleuse liegt ein Kanu, in das gerade Eltern mit ihren drei kleinen Töchtern einsteigen. Jetzt haben wir mal etwas zu glotzen. Sie haben Gepäck für drei Wochen mit und es trotzdem gemütlich, versichern die Mädchen.

Zu den Drehorten von Ronja Räubertochter

Unseren heutigen Ausflug machen wir ohne Gepäck, so sparen wir uns auch Ab- und Aufbau. Die Dalsländische Landschaft ist meines Erachtens in Südschweden die spektakulärste, von tollen Felsformationen zerklüftet, unendlich viele Seen und farbenfrohe Wiesen zwischen den Wäldern, unterbrochen von roten Häusertupfen. Über Schotterstraßen, die ohne das Gepäck leichter zu bewältigen sind, erreichen wir den Sörknatten Nationalpark und tauschen mal wieder Wanderschuhe gegen Motorradstiefel. Hier versuchen wir die Stellen herauszufinden, die als Filmkulisse für Ronja Räubertochter gewirkt haben.

Von diesem See starten die Wildtruden in der Gewitternacht – oder etwa nicht? 

Wir steigen hinauf auf die Felsen und versucehn herauszufinden, wo die Mattisborgen gestanden hat. Wir versuchen uns zu erinnern, wie der Blick aus dem Burgfenster ausgesehen hat und vergleichen diese Bilder mit dem Ausblick. Und, war das hier nicht die Stelle, wo Ronja dem verletzten Pferd mit dem Weißmoos das Blut gestillt hat? Nach einer Mittagsrast locken uns die Felszeichnungen von Högsbyn am Nachmittag. Dort wurden unter anderem Salto rückwärts springende Figuren und jede Menge Füße eingeritzt.

Ein Felsen mit Felszeichungen ist in eine Wiese eingebettet
Die Bilder zu interpretieren macht Spaß

Anschließend folgen wir bewusst zum zweiten Mal der schmalen Straße nach Håverud, denn die Geländeform wurde beim Straßenbau bewahrt. Steile Gefälle und Steigungen mit urplötzlichen, teils 120° Kurven und Buckel, die an Achterbahn erinnern, wechseln in rasanter Folge. Fast könnte ich zum Spaß nochmals umdrehen, aber die Sozia streikt, genug gesessen!

Auf der Fahrt an die Westküste wird es so kalt, dass ich die Vliesjacken und warmen Handschuhe rauskrame. Die Festung Bohus in Kungälv begrüßt uns mit Sturm, der uns bei der Besichtigung beinahe von den Zinnen weht.

Trutzig steht die Feste Bohus in Küstennähe
Trutzig steht die Feste Bohus in Küstennähe

Bis Åså wird es etwas wärmer, dort auf dem Campingplatz bekommen wir den Platz, den die Motorradfahrer lieben, denn er ist nur steil bergauf, über Felsen, Geröll und Sand zu erreichen. Ich gebe Gas, das Motorrad schlingert erst vorwärts dann plötzlich nur noch rückwärts. Irgendwas habe ich falsch gemacht, zu wenig Gas oder Kupplung gezogen. Als wir zum Stillstand kommen, ist uns bloß das Herz in die Hose gerutscht, aber die vollgepackte Maschine nicht umgekippt. Das passiert erst später, als sie geparkt auf dem Hauptständer parallel zu einem leichten Abhang steht und der Sand unter der Last einfach nachgibt! Von da an weiß ich, dass ich mein Motorrad nicht alleine hochheben kann, denn ausprobieren konnte ich es noch nie. Der Bremshebel ist geknickt, aber noch funktionstüchtig.

Am Abend ist die Stimmung am Strand mit dicken Regenwolken, durch die Sonnenstrahlen brechen, gespenstisch, ja fast bedrohlich. Am nächsten Morgen jedoch treibt uns die warme Sonne aus dem Zelt. Gestern abend habe ich meinen Brötchenteig mit Hefe angesetzt, er hat in einer Schüssel mit Deckel in meinem Schlafsack die „warme“ Nacht verbracht und ist nun ausgiebig gegangen. Ich forme die Brötchen, die ich in ganz wenig Öl in der Pfanne auf unserem Brändigrill backe – mit etwas Abstand zur Flamme des Benzinkochers.

Ein Mädchen hockt an einer Kochstelle und betrachtet die Brötchen, die in der Pfanne backen. Links steht das Zelt, Kochutensilien und Packtaschen
Frische Brötchen zum Frühstück – sooo lecker!

Heute ist richtiges Strandwetter und das möchte ich bei Schloss Tjolöholm genießen, im Reiseführer als, wie ein englischer Herrensitz wirkend beschrieben. Aber Lotti hat keine Lust auf Schloss, so fahren wir über die landschaftlich reizlose, verkehrsreiche E 6 weiter bis Falkenberg. Kleine Küstenstraßen führen uns zu Haverdals Strand, aber die bis zu 12 m hohen Dünen im Naturreservat locken Lotti auch nicht, sie will nur Sand buddeln und plantschen.

Ein bild zeigt Füße im Meer, von oben herunter fotografiert. Die Gischt umspielt die Füße
Beim planschen sind wir gut – und beim Füße im Meer versinken lassen erst recht
Lotti springt über den Höllenschlund am Strand

Landskrona in Brasilien?

Gegen Ende Juli findet der Karneval „Rio de Landskrona“ statt, eine Veranstaltung, die mit den Abbildungen von Salsa-Tänzerinnen wirbt. So fahren wir voller Erwartungen auf der eng an die Küste geschmiegten, schmalen Straße in die Festungsstadt. Im Zentrum sind etliche Verkaufsstände und ein lärmender Rummelplatz aufgebaut. Auf einem Karussell entdeckt Lotti eine Harley und fährt stolz ihre Runden.

Ein Kind sitzt auf einem Karusell, auf einer Harley und dreht fröhlich Runden
Endlich selbst Motorrad „fahren“

Um dem Lärm zu entfliehen besuchen wir das Museum und tauchen in die örtliche Geschichte ein. Eine Sonderausstellung ist einer Tochter der Stadt, Nell Walden, gewidmet, einer avantgardistischen Künstlerin, die Anfang des 20. Jahrhunderts lebte. Nun ist später Nachmittag und von „Rio“ und Salsa keine Spur zu sehen. So verlagern wir unsere Hoffnungen auf die Eröffnungsfeier in der Zitadelle, einer der besterhaltenen Befestigungsanlagen in Skandinavien. Tatsächlich wird dort eine dunkelhäutige Schöne mit dem Boot „Kristian III“ über den, uns von der „Bühne“ trennenden, Wallgraben gerudert und das ortsansässige Blasorchester intoniert dazu Sambarhythmen.

In einem Boot sitzt eine Frau in einem Sambatanzkostüm, ein Mann rudert das Boot über den See
Die Tänzerin wird zum Schauplatz gerudert
Eine Blaskapelle spielt auf ihren Instrumenten, eine Sambatänzerin in einem knappen weißen Köstum tanz dazu
Die Blaskapelle intoniert den Samba

Nach einigem Redenschwingen tritt, für den Veranstalter selbst überraschend, noch kurz die Sambaschule auf und dann verläuft sich die Zuschauermenge. Das war alles!?

Mädchen in Sambakostümen tanzen vor einer Burgmauer zur Musik
Mit viel Spaß und tollen Kostümen versucht die Gruppe Stimmung zu machen

Morgens beim Zeltabbau entdecke ich direkt unter Lottis Bett Maulwurfsgänge und drei Haufen, die er während wir schliefen gegraben hat. Sie hatte mich deswegen nachts geweckt, aber ich glaubte ihr nicht!

In einem Zelt ist Gras zu sehen und direkt an der Grasnarbe deutlich die Gräben, die eine Mauswurf nachts gegraben hat
Der Maulwurf empfand Lottis Matte als Erdboden und hat seinen Gang direkt darunter gegraben

Skåne

Auf dem Weg nach Trelleborg durchqueren wir Skåne nun gemütlich, passieren die malerischen Städtchen der überwiegend durch Ackerbau geprägten Provinz, die sich in prächtigster Sommerstimmung präsentiert. In der Hafenstadt knüpfen wir an unsere Reiseanfänge an und besichtigen die „Trelleborg” die der Stadt ja den Namen gab. Hier wurde ein Viertel des Burgkreises inmitten eines Wohngebietes rekonstruiert und das Gelände davor mit den damals in der Landschaft üblichen Pflanzen rekultiviert. Ein großes, den Langhäusern nachempfundenes Zelt aus Eichenbalken und Leinenbahnen runden die Stimmung ab.

Eine Wikingerburg, die Trelleborg. Der Eingang ist von starken aufrechtstehenden Baumstämmen gesichert. Darunter ist ein Erdwall. Zwischen den Baumstämmen ist ein Torhaus aus Holz, darunter konnte der Eingang von Fußgängern und Wagen benutzt werden
Der Eingang zur Trelleborg war gut gesichert
Die Rückseite des Eingangtores. Über dem starken Tor ist ein Haus aufgesetzt, vermutlich ein Wächterhaus. der Erdwall erhebt sich langsam aus dem umschlossenen Kreis, so dass die Krieger leicht zur Verteidigung auf den Wall hinauflaufen konnten
Ob das ein Unterstand für die Wächter gewesen ist?
Ein aus handgewebter Leinwand aufgestelltes Zelt ist wie ein Wikingisches Häuptlingshaus geformt. Starke Holzbalken sind schräg in die Erde gerammt, um die Leinwand zu spannen
Das Leinwandzelt ist wie ein Häuptlingshaus geformt

Einen Ausflug nach Ystad über die idyllische Küstenstraße machen wir an unserem letzten „Schwedentag“. Nach einem Stadtbummel gehen wir dort an den Strand, welcher, im Gegensatz zu Trelleborgs, sehr sauber ist. Bei Sonnenaufgang sind wir schon beim Zeltabbau, denn nun geht es auf die Fähre, die uns über Rostock und endlose Autobahnen, nach insgesamt 4500 km wieder nach Hause bringt.

Die Autorin und ihrre Tochter stehen bei ihrem gepackten Motorrad. Im Hintergrund ist die Fähre zu sehen, die sie wieder nach Hause bringen wird
Ein letztes Foto von uns und unserem treuen Motorrad vor der Fähre

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