Nibelungensteig Etappe 3 – Gassbachtal – Erbach-Bullau

Nibelungensteig Etappe 3 – Gassbachtal – Erbach-Bullau

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die offizielle 3. Etappe des Nibelungensteigs führt von Grasellenbach nach Erbach-Bullau. Landschaftlich wunderschön, über immer andere Odenwaldhöhen. Spannende Aussichten und kulturhistorische Besonderheiten säumen die beinahe 30 Entfernungskilometer. Für mich ist das der Entscheidungstag.

Das Trekkinggepäck muss nach Hause

Auch an diesem Morgen erwache ich mit weniger „Körperschmerzen“ als ich es gestern Abend vermutet hätte. Da ich seit frühester Kindheit Sport gemacht habe, kann mein Körper schnell auf „Belastung“ umstellen und sich anscheinend immer noch schnell regenerieren. Der Körper schon – aber nicht die Füße! Die tun weh. Die Fußsohlen hauptsächlich. Das kenne ich überhaupt nicht!

Das Frühstück muss ich um 8 Uhr einnehmen, da wegen Corona nur eine begrenzte Anzahl Menschen im Frühstücksraum des Hotels und Cafés Gassbachtal sein dürfen. Es gibt ein Buffet, an dem man sein Frühstück zusammenstellen kann. Die Brötchen werden in einem Körbchen an den Tisch gebracht, ebenso ein Frühstücksei. Den Kaffee kann ich am Automaten selbst drücken.

In kleinen Weck-Gläsern sind die unterschiedlichsten Müslisorten, Nüsse und Samen in kleinen Portionen verpackt, ebenso verschiedene Yoghurts. Ich stelle mir ein leckeres Müsli zusammen, nehme mir Frischmilch in einer kleinen Flasche dazu und noch einen mit Frischhaltefolie versiegelten Teller mit Käse. Nach dem Müsli kann ich nur noch eines der Brötchen essen. Auf die zwei anderen lege ich mir den Käse und wickele sie in die Frischhaltefolie ein, die um die Käseteller war. So habe ich eine kleine Vesper um die Mittagszeit.

Ich habe meinen Rucksack bereits umgepackt. In eine Stofftasche habe ich den Schlafsack und die Müslischale mit Müsli gestopft, oben im Rucksack habe ich Zelt und Schlafmatte, um sie im Paketshop schnell entnehmen zu können. In Grasellenbach gibt es ein Drogerie mit einem DHL-Shop, ich hoffe, dort ein Paket nach Hause aufgeben zu können.

Ich wandere in den frischen Morgen hinaus. Die Sonne wird heute nochmal alle Sommerkraft entfalten, aber im Moment ist es gut, das ich den dünnen Langarmpullover von Devold trage. Meine Füße müssen den Schmerz erst weglaufen. Als ich an der Drogerie ankomme, laufe ich schon runder. In ein DHL-Packset „L“ passen meine drei Dinge gut hinein und das Zurücksenden kostet mich 7,41 € und das Packset 2,42 €. So günstig hätte ich mir die Lasterleichterung nicht vorgestellt!

Ein gelbes Postpaket steht auf einer Waage, die 4.570 kg anzeigt
Meine Trekkingausrüstung passt in das Postpaket und ich wandere mit über 4,5 kg weniger Gepäck weiter

Ich kaufe mir auch noch Tape von Hansaplast, um das Blasenpflaster zu verkleben. Gestern hatte es sich in den Socken gelaufen, dass soll heute nicht wieder passieren. Und dann geht es richtig los mit meiner 3. Etappe auf dem Nibelungensteig. Heute bereits um kurz nach 9 Uhr. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Siegfriedbrunnen in Grasellenbach

Ich bin froh über meine Entscheidung und kann nun wesentlich leichter weiterwandern. Ohne Trekkinggepäck habe ich nicht nur weniger zu tragen. Ich habe es auch bequemer, weil ich in Pensionen schlafe und kein Zelt auf- und abbauen muss. Bei den langen Etappen ist das auch immer ein „Zeitfresser“. Obwohl ich sehr gerne im Zelt schlafe und mir das ursprüngliche, das nur mit mir sein, das draußen schlafen, unmittelbar in der Natur sein, auch sehr gut tut.

Der Weg führt aus Grasellenbach hinaus und ich studiere gerade eine altertümliche Tafel, die auf den Siegfriedbrunnen hinweist, als eine geführte Gruppe Mountainbiker an mir vorbeifährt. Alles Männer, alle älter als ich. Ich strecke meinen Daumen raus, da sie offensichtlich auch zum Siegfriedbrunnen fahren, aber ich ernte nur Gelächter und lustige Sprüche, die ich erwidere. So ein erfrischendes Geplänkel finde ich schön und noch beschwingter steige ich durch die Äcker in Richtung Wald.

Im Vordergrund ein umgepflügter Acker, dahinter ein Dorf, dahinter ein Wald und auf dem Berg Windräder
Der Blick geht über Grasellenbach und rechts den Kahlberg mit seinen Windrädern

Nun geht es wieder in schönen Mischwald, der im Schatten noch recht kühl ist. Die Tafeln am Wegrand erzählen in chronologischer Reihenfolge die Sage der Nibelungen.

Ein Waldweg in einem Mischwald
Der Weg zum Siegfriedbrunnen führt durch Mischwald bergauf

Wieder muss ich genau aufpassen, denn der Weg zum Siegfriedbrunnen geht plötzlich auf einem schmalen Wurzelweg nach rechts weiter. Die Mountainbiker verlassen die Quelle bereits wieder, so habe ich sie für mich.

Ein Gedenkstein mit einem Kreuz im Wald, links davon einige Steine mit einer Quelle
Links aus der Siegfriedquelle tröpfelt es in diesem trockenen Sommer nur, rechts der Gedenkstein mit einer Inschrift

„Do der herre Sifrid ob dem brunnen tranch,
er schoß in durch das chruze das von den wunden spranch
das blut von dem herzen vast an du Hagenen mat.
So großer missewende ein held nu nimmer begat“

Zitat auf dem Stein

Rund um die Quelle stehen Tafeln, die die Geschichte weiter erzählen. Kriemhild, die Schwester des Burgunderkönigs Gunter und Frau des Nibelungenkönigs Siegfried, hatte sich mit ihrer Schwägerin Brunhild überworfen, die sich gedemütigt fühlte und auf Rache sann. Hagen von Tronje war ein treuer Vasall seiner Herrin Brunhild und wollte ihre Rache ausführen. Er erfuhr von Kriemhild, die ihm seit ihren Kindertagen vertraute, die verletzliche Stelle Siegfrieds und erklärte ihr, dass sie die Stelle auf dem Gewand von Siegfried kennzeichnen solle. So könne er Siegfried im Kampf besser schützen. Als beide bei der Jagd an dieser (oder einer anderen Stelle) im Odenwald tranken, stieß Hagen Siegfried den Speer in die gekennzeichnete, verwundbare Stelle. Eine Tragik, die später ihre Fortsetzung fand, aber das musst Du selbst lesen, wenn Du unterwegs bist. Aber auch bei diesem Streit ging es nur um Liebe und Hass, Treue und Mord, Macht und Magie, Eitelkeit und Eifersucht und kostete viele Menschenleben. Irgendwie habe ich das Gefühl, das Menschen aus der Geschichte doch keine Rückschlüsse auf ihr Leben ziehen können?

Ich verklebe auf einer Bank sitzend noch meine Füße. Das Blasenpflaster fixiere ich damit und eine druckempfindliche Stelle am rechten Fuß schütze ich so – meine ich…

Mein Wanderweg zieht sich nun wieder bergauf durch den schönen Wald und gewährt mir manchmal einen Ausblick.

Auf einer Waldhöhe sind im Hintergrund andere Bergrücken zu sehen
Auf den Odenwaldhöhen habe ich selten Ausblick. Hier schaue ich nach Norden, im Dunst ist der Spessart zu erkennen

Nach langem Bergauf bin ich auf der Höhe, die sogar eine Picknickgelegenheit bietet. Da mein Frühstück aber erst kurz zurückliegt, nehme ich das Angebot nicht an. Allerdings verrät mir der Name, dass das Gebirge bei der Aussicht zuvor doch der Spessart gewesen sein muss.

Eine Rastbank mit Tisch seht in einem Wald, an einem Baum hängt ein Holzschild mit Spessartkopf
Auf dem Spessartkopf mit 547 m Höhe ist eine Picknickbank

Rote Wasser von Olfen

Nun geht es wieder hinab und ich erreiche das Hochmoor oberhalb von Olfen. Es nennt sich „die Roten Wasser von Olfen“, Braunalgen sorgen für diesen Namen. Allerdings ist das Moor in diesem langen, heißen und trockenen Sommer 2020 ausgetrocknet.

Ein Weg im Hochmoor mit Heidegewächsen links und rechts
Dieser Weg ist total schädlich für das Moor, aber die Obere Naturschutzbehörde aus Darmstadt leitet Wanderer auf diesem wilden Weg durch das Moor

Auf einem Schild vor der Umleitung, werden Wanderer darauf hingewiesen, dass sie aufpassen sollen, im Moor nichts zu zerstören. Man soll auf dem Weg bleiben (der allerdings gesperrt ist) oder den als Umleitung gekennzeichneten Weg benutzen. Dieser Umleitungs-Weg hat aber das Moor vom Waldrand mittlerweile völlig getrennt und zerstört. Im Baltikum haben wir viele Hochmoore durchwandert, aber immer waren Bohlenwege angelegt, die einen minimalen Eingriff in den Untergrund darstellen, weil die Besucher darauf „geleitet“ werden und das Moor mit seinen Rändern intakt bleibt. Nachlesen kannst Du das zum Beispiel bei meinem Blogbeitrag über den Soomaa Nationalpark in Estland.

Die Umleitung ist ausgeschildert durch das Moor
Die Umleitung ist am Waldrand ausgeschildert, völlig ohne Wegebau. Da ich dieses Bild mache, weil mich diese Ignoranz der Oberen Naturschutzbehörde so ärgert, achte ich nicht auf meine Markierung und gehe prompt in die falsche Richtung
Der Blick geht über ein trockenes Hochmoor mit unterschiedlichen Moosfarben
Die “Roten Wasser von Olfen“ sind ein Hochmoor, das im Sommer 2020 völlig ausgetrocknet ist

Allerdings hätte ich den Blick über das Moor verpasst, wenn ich nicht  falsch abgebogen wäre.

Ein Bohlenweg führt durch einen Teil des Hochmoores, links und rechts Gräser
An dieser Stelle ist auch ein Bohlenweg im Moor, von dem ich mich zusätzlich habe ablenken lassen. Der Nibelungensteig biegt bei den „Umleitung“-Schildern links ab, wer rechts 50 m hinunter geht, hat diesen Ausblick auf das Moor

Als ich merke, dass ich mal wieder falsch laufe, gehe ich zurück und suche die letzte Markierung. Nun geht es bergauf und um die Kurve zu einem schönen Blick über ein Tal.

Der Wald öffnet sich und ins Tal hinunter liegen Wiesen und versteckt hinter Bäumen Häuser
Der Ort Olfen liegt versteckt hinter Bäumen im Tal

Weiter geht es hinauf zu einer Straße, die ich queren muss. An dieser Stelle steht wieder eine kulturhistorische Besonderheit.

Ein leerer Bildstock auf einer kleinen Anhöhe
Das Olfer Bild ist ein heute leerer Bildstock an einer Straßenkreuzung. In früheren Jahrhunderten haben die Kirchgänger von Olfen, die nach Güttersbach zum Gottesdienst gingen, hier Rast gemacht. Seine für den Odenwald ungewöhnlich Höhe von 3 m macht den Bildstock so besonders

Gütterbach und Hüttenthal

Ich wandere weiter in leichten Wellen bergauf und bergab durch dichten Wald und als ich aus dem Wald herauskomme habe ich erstens einen schönen Blick und werde zweitens von Kühen begrüßt.

Kühe stehen auf einer Weide, im Tal das Dörfchen Güttersbach und auf der bewaldeten Höhe dahinter Windräder
Der Ausblick oberhalb von Güttersbach

Der Nibelungensteig führt durch den gesamten (kleinen) Ort. In der Nähe der Kirche ist ein Brunnen, der im Gewölbekeller des heutigen Pfarrhauses entspringt. Vermutet wird, das iroschottische Mönche an dieser Quelle, der früher Heilkräfte nachgesagt wurden, die erste Kirche bauten. Noch heute ist Güttersbach ein Heilkurort mit Spa-Hotels. Sogar das kleine Freischwimmbad hat am 19.09.2020 noch geöffnet.

Nach dem Ort geht es mal wieder auf Asphalt steil bergauf bis zum Wald, in dem der Weg in einen Schotterweg übergeht. Ich entdecke wieder Tafeln, diesmal von einem Vogelkundlichen Lehrpfad, die mir schöne Hinweise auch über die Landschaft geben. Wie zum Beispiel beim nachfolgenden Bild.

Ein Fichtenwald
Oberhalb von Güttersbach komme ich an einem Fichtenhain mit einer Erklärungstafel vorbei. Der Wald wurde 1909 gepflanzt, 3 Jahre bevor die Titanic unterging

Weitere Erklärungstafeln folgen entlang des schönen Waldwegs, der auch immer mal wieder Ausblicke in die Umgebung gewährt, weiter hinunter Richtung Hüttenthal. Auch dieser Ort hat einen „Lindelbrunnen“, also eine Stelle, an der Hagen von Tronje Siegfried erschlagen haben soll. Der Ort ist mit den Eisenschmelzen entstanden und wurde 1366 erstmal urkundlich erwähnt. Heutzutage ist Hüttenthal wegen seiner Molkerei bekannt. Die ehemalige Genossenschaftsmolkerei ist mittlerweile in Familienbesitz und die kleinste Molkerei Südhessens. Sie bezieht ihre Milch von 19 Bauernhöfen in unmittelbarer Umgebung. Das ist mal wirklich regional!

Eine Werbetafel weißt auf die Molkerei Hüttenthal hin
Die Werbetafel der Molkerei ist nicht zu übersehen

Viele Familien mit Kindern sind auf dem schönen Spielgelände unterwegs, sitzen auf einer übergroßen Bank zum Picknick oder im Milchgarten. Da am Laden sehr viele Menschen anstehen, mache ich hier keine Mittagspause, sondern wandere weiter. Von meinen beinahe 30 km heute, habe ich erst etwas über 12 zurück gelegt. Wieder geht es bergauf, auf Teer und Schotter, bis ich mit schöner Aussicht an einem Waldrand entlang laufe.

Eine geschwungene Liegerastbank steht im Wald oberhalb eines Weges
Hätte ich gewusst, was mich am Marbachstausee erwartet, hätte ich diese schattige Rastbank benutzt

Die Aussicht geht über das Tal bis zur Staumauer des Marbachstausees.

Über Baumwipfel hinweg ist die Staumauer des Marbachstausees zu erkennen
Über Baumwipfel hinweg ist die Staumauer des Marbachstausees im Tal zu erkennen

Marbachstausee

In großen Serpentinen führt mich der Wanderweg hinunter zum See, der als Hochwasserschutz von 1978 bis 1982 erbaut wurde. Mittlerweile freue ich mich auf eine Rast. Eine Pause vom Gehen, mal Sitzen, Essen und Trinken und Ausruhen. Leider ist die Wiese mit Picknickbänken mit Bauzäunen abgesperrt! So ist keine Rast möglich. Wie ärgerlich!

Eine Picknickbank steht links eines Bauzauns, rechts des Bauzauns verläuft der Wanderweg
Ich kann an einer Stelle durch die Absperrung, um mich endlich mal zu setzen, auszuruhen und meine Brötchen zu essen

Viele Spaziergänger schauen mich verwundert an. Ich komme mir vor wie im Zoo, ‚bitte nicht füttern‘, denke ich mir still. Obwohl es nicht still ist, denn Motorradfahrer dröhnen mit ihren Maschinen auf der gegenüberliegenden Straße dahin. Aber mir tut die Pause sehr gut. Erholt mache ich mich auf die zweite Hälfte meines heutigen Weges. Als ich an der Staumauer ankomme, erhalte ich die Hinweise, die mir, als Wanderer am anderen Seeende ankommend, gefehlt haben.

An einem Bauzaun hängen unterschiedliche Warnhinweise
Am für mich „Ende“ des Sees, bei der Staumauer ist ein Bauzaun mit vielen Warnhinweisen

Da der Marbachstausee in diesem Jahr Blaualgen hat, wurde das „Badegelände“ gesperrt. Aber warum alle Rastbänke auch eingezäunt worden sind? Wegen Corona, wird mir auf das Fragen bei der DLRG erklärt. Aber verstehen kann ich das nicht, gerade als müder Wanderer auf einem Fernwanderweg nicht.

Ich habe bereits gesehen, das der Nibelungensteig einen mir unverständlichen Haken links vor Ebersberg macht. Vermutlich wird so die Straßenkreuzung weiträumig umgangen? Der Verkehrslärm begleitet mich insgesamt etwa 8 km, so lange wird der „Steig“ in Straßennähe geführt. Heute am Samstag ist natürlich erst recht viel Verkehr. Ich stelle beim Bergaufgehen an einer Kreuzung fest, dass mir mal wieder meine Markierung fehlt. Bei einem Blick auf Komoot stelle ich fest, das der Weg, auf dem ich gehe, wieder in den Nibelungensteig mündet. Da war ich wohl mal wieder mit „auf den Boden schauen um dicken Schotterbrocken auszuweichen“ beschäftigt und habe den klitzekleinen Pfeil nach links unter einer Markierung verpasst. Ich mache an der Einmündung ein Foto bergauf.

Ein geschotterter Waldweg führt aus bergauf den Bäumen hinaus auf ein Feld
Von dort oben wäre ich eigentlich gekommen, wenn ich den Abzweig nicht verpasst hätte. So habe ich etwa 500 m „abgekürzt“

Ich hätte also einen noch weiteren Umweg mit noch mehr Höhenmetern gehabt, wenn ich auf dem Nibelungensteig gewandert wäre. Ich finde meine „Abkürzung“ nicht schlimm, verpasst habe ich wahrscheinlich nichts. Nun geht es steil hinab nach Ebersberg und an der B 45 entlang. Motorradfahrer brausen auch hier vorbei. Ich bin selbst früher Motorrad gefahren, aber ich habe immer darauf geachtet, leise zu fahren. Die meisten Motorradfahrer schalten zu spät einen Gang höher, fahren hochtourig und machen daher solchen Lärm. Oder haben Drosselklappen ausgebaut, um Krach zu machen. Anwohner möchte ich hier nicht sein! Ich freue mich auf einen Kaffee im Ort. Aber die einzige Möglichkeit ist von Motorradfahrern okkupiert, die dicht an dicht auf Bänken sitzen. Da möchte ich nicht anhalten. Picknickbänke auf einer Wiese sind wegen Corona gesperrt und an so einer Stelle sitzen die Leute eng beieinander?!

Himbächel Viadukt

Wieder geht es lange auf Dorfstraßen bergauf und auf einem Schotterweg in südliche Richtung. Immer noch begleitet mich der Verkehrslärm, dann geht es endlich bergab. Vor mit sehe ich das Himbächel Viadukt. Unter diesem biege ich nach links in ein endlich wieder ruhiges Tal, in dem der Himbachel fließt.

Mit 10 aus Ziegelsteinen erbauten Bögen überspannt das Himbächel Viadukt das Tal
Mit 10 aus Ziegelsteinen erbauten Bögen überspannt das Himbächel Viadukt das Tal

Das eingleisiges Viadukt wird noch heute von der Odenwaldbahn zwischen Erbach und Hetzbach, genutzt, die über das Tal des Himbachel führt. Die Brücke entwarf der Ingenieur Justus Kramer für die Hessische Ludwigsbahn. Die Bauzeit erstreckte sich von Mai 1880 bis November 1881. (Ich will nicht unken, aber eine Bauzeit für eine Brücke von nur 19 Monaten und dann kann man 140 Jahre später immer noch mit Zügen darüber fahren, ist bei unseren heutigen „modernen“ Brücken undenkbar!) Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wollten Pioniere der Wehrmacht die Brücke sprengen, doch einige Dorfbewohner entfernten die Sprengladungen an den zwei mittleren Pfeilern, als die Soldaten Richtung Erbach abmarschierten.

Die Brücke war zu ihrer Zeit eine herausragende Ingenieurleistung und die bedeutendste Eisenbahnbrücke Hessens. Heute ist sie ein Kulturdenkmal, steht unter Denkmalschutz und ist von der Bundesingenieurkammer und der Ingenieurkammer Hessen als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet.

Verschlungenes Bergauf

Nun geht es nur noch hinauf. Beinahe sechs Kilometer stetig leicht bergauf. Dabei macht der Nibelungensteig ein interessantes Muster. In der Landkarte ist mir das schon aufgefallen, es sieht ein wenig nach „Malen nach Zahlen“ aus und bildet den Kopf und Oberkörper eine Rehkitzes. Ich erinnere mich wieder an meine Nordic-Walking-Bewegungen und laufe fast schon meditativ den geschotterten Forstweg hoch. Immer wieder wechsele ich von der einen zur anderen Seite, immer von der Seite weg, die gerade sehr abfallend, schräg ist. Manchmal, wenn keine großen Schotterbrocken in der grasigen Mitte liegen, gehe ich dort. Ich werde dreimal von Fahrzeugen überholt. Forstbesitzer wohl, die sich ihren vertrocknenden Wald anschauen.

In einem Wald liegt ein kleiner Teich, der von Entengrütze bedeckt ist
Hier muss eine sehr feuchte Waldstelle sein, denn der kleine Teich mit Entengrütze existiert noch

Bei Entengrütze denke ich an Alfred Jokocus Kwak und die Kinderoper von Herman van Veen. So singe ich mehrere Lieder vor mich hin, während ich weiterwandere. Wenn ich gleichmäßig weiterlaufe spüre ich die Schmerzen in den Füßen nicht so sehr, die mein Wandervergnügen immer mehr überschatten.

Unter einem Baum hervor geht der Blick über Wiesen auf eine gegenüberliegende Höhe mit Windrädern
In einer Kurve ergibt sich wieder ein schöner Ausblick nach Westen

Im Wald links von mir liegen plötzlich viele Buntsandsteinbroken. Bei einem Blick auf meine Komoot Aufzeichnung sehe ich, dass etwas später ein Abzweig kommt, im schmalen Weg nach links hat ein anderer Komoot-Nutzer mal ein Foto gemacht. Da ich weiß, dass das Ebersberger Felsenmeer vor mir liegt, schaue ich aufmerksam auf die Markierungen. Ich hätte mich wieder verlaufen, denn nur ein klitzekleiner Pfeil nach links unter der Markierung führt in einen unscheinbaren, kleinen Waldweg.

Im Buchenwald liegen bemooste Buntsandsteinbrocken
Die Felsbrocken deuten darauf hin, dass ich bald am Ebersberger Felsenmeer bin

Auf einem wunderschönen Waldpfad geht es durch immer mehr Felsen weiter bergauf.

Viele Felsenbrocken sind übereinander getürmt und von Bäumen bestanden
Der Wanderweg führt mich durch die malerischen Felsen des Ebersberger Felsenmeeres. Eine schöne Abwechslung nach dem langen eintönigen Aufstieg über den Forstweg

Endlich geht es, wenn auch sanft, auf einem von Tannennadeln bedeckten Weg bergab. Nun kann es nicht mehr weit sein bis Bullau. Der Ort ist zwar offizielles Etappenziel, aber der Nibelungensteig führt laut Karte und Beschreibung trotzdem etwa eine Kilometer entfernt daran vorbei. Ich bin gespannt, ob es einen beschilderten Abzweig gibt. Während dieser Überlegungen treffe ich in der Nähe einer Kreuzung auf einen Hund und gehe nur langsam weiter und auf ihn zu. Die Besitzer sind bereits da und leinen den Collie an, der noch recht jung ist. Beim Gespräch raten sie mir, an dieser Stelle nach links abzubiegen, wenn ich nach Bullau wolle. Der normale Weg würde mich in der Sonne und an der Straße entlang führen, der andere Weg dagegen wäre schattig. Da das laut Karte kein Umweg ist, folge ich dem Vorschlag.

Ein sandiger Waldweg, an dem gefällte Bäume liegen
Hundebesitzer haben mir diesen Weg nach Bullau empfohlen, da ich hier länger im Schatten gehen kann. Der Bodenbelag aus Sand deutet darauf hin, dass dieser Bergrücken aus Sandstein besteht

Das ich in der Nähe eines Ortes kurz vor der Abendessenszeit bin, wird durch die Anwesenheit vieler Hundebesitzer bestätigt. Lange gehe ich geradeaus, dann rechts und trete an einer Wegkreuzung aus dem Wald. Welch schöne und hauptsächlich weite Aussicht.

Lange Schatten des Waldes liegen über einem Feld. Links von der Sonne beschienene Bäume und rechts im Hintergrund ein Bergrücken
Der nächste Hundebesitzer erklärt mir, als wir aus dem Wald heraustreten, dass der Höhenzug rechts im Hintergrund schon die „Badischen Höhen“ seien. Links unterhalb der Bäume versteckt sich das Dörfchen Bullau, mein Tagesziel

Bullau und die Entscheidung

Ein Schlenker nach links, wieder nach rechts und an Kuhweiden vorbei geht es leicht bergab. Kälbchen und Kühe stehen zusammen auf der Weide, welche glückliche Familienbande. Später erfahre ich, dass die Muttertierhaltung zu meiner Pension Schumbert gehört. Ich komme in den Ort, gehe weiter bergab und muss nur noch wenig bergauf in den Schöllenbacher Weg wandern, bevor ich die Pension mit Gasthaus Schumbert erreiche.

Es ist bereits kurz vor 18 Uhr  und das Gartenlokal „Unter den Linden“ erst seit kurzem geöffnet. Herr Schumbert zeigt mir mein Zimmer, Abendessen bekomme ich bis 21 Uhr, erklärt er. Na, so lange werde ich nicht warten. Nach dem Duschen inspiziere ich meine Füße und stelle fest, dass ich mir eine Riesenblase unter dem rechten Ballen gelaufen habe, die sich bis zwischen den großen und den angrenzenden Zeh hinzieht. Das Tape, das den Fuß schützen sollte, hat wohl die Zehenfreiheit begrenzt und die haben aneinander gerieben! Und die Blase ist bereits offen. Ich verpflastere die Stelle mit zwei Blasenpflastern und humpele zum Essen. Ich fühle mich im Gastraum angenommen. Das Wirtspaar Schumbert hat Herz und Zunge auf dem rechten Fleck. Sie sind fürsorglich, ohne aufdringlich zu sein. Ich bestelle mein kleines Abendessen und dazu noch einen besonderen Nachtisch.

Auf einem Teller sind kleine Marillenknödel mit einem Eis angerichtet und mit Schokoladen- und Cranberrysoße verziert
Mein Nachtisch, leckere Marillenknödel mit einem Eis angerichtet und mit Schokoladen- und Cranberrysoße verziert

Als ich wieder im Zimmer bin, rufe ich meinen Mann an und frage, ob er nicht am nächsten Tag einen Ausflug in den Odenwald machen möchte. Zum Glück sagt er ja! Mit meinen wehen Füßen ist eine Weiterwanderung völliger Unsinn. Ich muss mich so aufs Gehen an sich konzentrieren. Auf die Beschaffenheit des Weges, dem dicken Schotter und groben Unebenheiten ausweichen. Ich empfinde ein solches Wandern nicht als Genuss. Auch habe ich mir die Etappen in zu weite Entfernungen eingeteilt. Ich bin ziemlich schlapp, körperlich erschöpft. Ich werde mich zuhause erholen und im Oktober die Wanderung fortsetzen – mit besserer Kondition und Wanderschuhen.

Fazit 3. Etappe

Auch hier empfehle ich Wanderern aus entfernten Regionen, die Etappe zu teilen. Beispielsweise in Güttersbach mit Wellness zu übernachten? Für mich war die Etappe mit meiner wenigen Kondition zu lange, ähnlich wie die erste Etappe. Mein Hauptproblem waren aber meine Füße, ebenso wie auf der zweiten Etappe. Trotzdem ich nun weniger Last hatte, da ich meine Trekkingausrüstung nach Hause geschickt habe, hat sich an meinem Schuhwerk nichts geändert. So habe ich meine Entscheidung getroffen. Ich werde die Wanderung hier unterbrechen. Meine Füße zuhause heilen lassen und mit weniger Gepäck und meinen Wanderschuhen in einigen Wochen wiederkehren. Und dann die Etappen genießen. Auch, weil ich sie kürzer einteile. Da soll mal einer sagen, im „Alter“ wäre man nicht lernfähig! Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Ein Kurzes Video mit meinen Eindrücken der dritten Etappe findest Du auf meinem YouTube-Kanal.

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Eindrücke von der dritten Etappe auf dem Nibelungensteig

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Nibelungensteig Etappe 2 – Schlierbach – Gassbachtal

Nibelungensteig Etappe 2 – Schlierbach – Gassbachtal

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Im Odenwaldstädtchen Lindenfels beginnt die zweite Etappe des Nibelungensteigs. Seit 2010 ist sie Drachenstadt, was ursächlich mit der Nibelungensage zusammenhängt. Wieder geht die Wanderung über die Höhenzüge und Gipfel von Odenwaldbergen, bis sie in Grasellenbach, dem Ort, wo sich alles um Siegfried dreht, zum Abschluss kommt.

Der Morgen nach der Überanstrengung

Ich fühle mich am Morgen nach der anstrengenden ersten Etappe zwar zerschlagen, aber besser, als ich es gestern Abend erwartet habe. Ich hatte in der Nacht Krämpfe in den Beinen und hoffe darauf, dass es in Lindenfels eine Apotheke gibt, in der ich „Sofort-Magnesium“ kaufen kann. Aber erst mal werde ich frühstücken! Ich bekomme an der Rezeption des Terrassencamping Schlierbach einen Kaffee und heißes Wasser für mein Müsli. Während meines Frühstücks kommt die Sonne über den Berg und trocknet mein Zelt. Durch die Bewegung beim Packen und Stopfen des Rucksacks funktionieren meine Muskeln runder als direkt nach dem Aufstehen. Ich verabschiede mich von der zuvorkommend freundlichen Crew des Campingplatzes und laufe gegen halb 10 Uhr los.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

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Lindenfels

Die Markierung des Nibelungensteigs führt mich links um den Berg herum, durch ein schmales Bachtälchen.

Links ein Bach mit etwas Wasser, rechts davon ein Waldweg und wieder rechts wachsen Bäume einen Hang hinauf
Der Bach führt sogar noch etwas Wasser

Dann geht es bergauf, denn Lindenfels liegt auf einem Berg. Ich komme am Sportplatz vorbei und gehe einen sehr steilen Weg hinauf bis zu einer Straße. An der Mauer gegenüber ist ein Schild „Umleitung“ des Nibelungensteigs. Bevor ich der folge, drehe ich mich um, um die Aussicht zu genießen.

Von einer steilen Ortschaft geht der Blick auf den gegenüberliegenden Berg
Mein Blick geht nach dem Aufstieg aus Schlierbach in Lindenfels zurück zum Krehberg. Hier kannst Du erkennen, wie weit gestern der Weg ins Tal doch noch war, denn Schlierbach liegt links unten (um die Ecke) im Tal. Links an der Mauer ein Umleitungsschild für den Nibelungensteig

Ich wandere um eine Kurve bis zur nächsten Kreuzung, mit wieder einem Umleitungsschild. Das schickt mich mit einer 270° Kehre nach rechts, von der Stadt weg. Allerdings erspähe ich geradeaus, am Ende der Straße eine Apotheke im Städtchen. So folge ich der Umleitung nicht und hoffe, in Lindenfels irgendwo beim Stadtbummel die Markierung wieder zu finden. In der Apotheke bekomme ich, was ich möchte. Ich verweile mich noch kurz an der Hauptstraße, bevor ich der Burgstraße in die Altstadt folge.

Vier aufeinandergetürmte Steine bilden einen Brunnen
Der Brunnen steht bei der Apotheke. Die Straße gegenüber führt zur Burg. Allerdings ist an dieser Straßenkreuzung, über die der Nibelungensteig nach Westen führt, kein Wegweiser aufgestellt

Tatsächlich sehe ich beim Einbiegen in die Burgstraße nicht mal die Markierung mit dem N, da ich so mit dem Betrachten der Häuser beschäftigt bin. Ich komme an einen Platz mit der ersten Ansicht der Burg.

Über eine Wiese sieht man hinten einen Teil der Lindenfelser Burg, davor die Katholische Kirche
Mein Blick geht über das Flachdach des Kurhauses mit einem Drachen darauf zur Ruine der Burg. Rechts ist die kleine Katholische Kirche

Zuerst möchte ich das Bergauf hinter mich bringen und steige weiter zur Burg. Im Alten Rathaus rechts ist das Stadtmuseum untergebracht. Über die Mauer links der gepflasterten Straße kann ich in den Kurgarten schauen.

Ein Steingebäude hinter einer Steinmauer, das schmiedeeiserne Tor steht offen
Im alten Rathaus ist das Stadtmuseum von Lindenfels, allerdings nur am Wochenende geöffnet
Ein dicker Felsbrocken liegt in einem Park, ein silberner Drache daneben
Der 50 bis 80 Tonnen schwere Granitfelsbrocken löste sich am 25. November 2009 aus dem Bergrücken der Lindenfelser Burg. Auf seinem Weg legte er zwei Mauern nieder, hinterließ eine Schneise der Verwüstung und rutschte in den Kurgarten, wo er im feuchten Boden liegen blieb. 2010, als Lindenfels sich mit dem Projekt „Drachenstadt“ befasste, erhielt der Stein seinen Namen und den silbernen Begleiter

Direkt hinter dem ersten Burgtor ist wieder eine Begebenheit der Nibelungensage mit Skulpturen nachgestellt.

Eine Skulptur stellt Siegfried im Kampf mit dem Drachen Fafnir dar
Der Nibelungensage nach tötete Siegfried den Drachen Fafnir. Nach seinem Bad im Blut des Drachens war er unverwundbar. Nur eine Stelle an der rechten Schulter, an der ein Lindenblatt während des Bades klebte, blieb eine verwundbare Stelle, die ihm später zum Verhängnis wurde

Die Burg „Sliburc“ wird 1080 erstmals urkundlich erwähnt. Erbauer war vermutlich Pfalzgraf Konrad von Staufen, der Halbbruder von Kaiser Barbarossa. Als ersterwähnte Burg war sie Zentrum kurpfälzischer Politik im Odenwald. Ab dem 14. Jahrhundert wird die Stadtmauer um Lindenfels errichtet und die Burg in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausgebaut und in keinem der vielen Kriege zerstört. Das wir heute dennoch nur eine Ruine besichtigen können liegt daran, dass die unbewohnte Burg ab dem 18. Jahrhundert als Steinbruch zum Hausbau der Bewohner Lindenfels diente. Erst Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich der historischen Bedeutung und begann mit ersten Erhaltungsmaßnahmen.

Nach meinem Besuch auf der Burg gehe ich zur Kreuzung am Kurhaus zurück. Auf dessen Flachdach auch ein Drache wohnt. In ganz Lindenfels sind bunte Drachen „versteckt“. Das hat den Hintergrund, dass Lindenfels beim hessischen Landeswettbewerb „Ab in die Mitte 2010“ als Landessieger hervorging mit dem Projekt: „Lindenfels – Die Drachenstadt“.

Ein Fachwerkgebäude beherbergt das Drachenmuseum
Das Haus wurde 1727 von Baur de Betaz erbaut. Heute ist das Drachenmuseum darin untergebracht. Samstags, Sonntags und an Feiertage hat es seine Türen von 14 bis 18 Uhr geöffnet

Ich sehe nun wieder meine Markierung, der ich die Straße hinunter folge, an der Betzenkammer, dem ehemaligen Verlies vorbei. Nun liegt das Fürther Tor vor mir, auch hier wieder das charakteristische N für den Nibelungensteig.

Durch das Fürther Tor hindurch sieht man auf die evangelische Kirche
Das Fürther Tor gibt beim Blick zurück den Blick auf die evangelische Kirche frei

So wandere ich der Markierung folgend weiter und wundere mich über die Richtung, in die ich unterwegs bin. Nach einer Rechtskurve im Wald sind weißrote Absperrbänder und wieder ein Umleitungsschild.

Umleitungsschilder und Absperrungen im Wald
Die Schilder und Absperrungen unterhalb der Burg verwirren mich. Ich bewege mich nach Westen, was nicht sein kann, aber eventuell musste die Umleitung mit einem Umweg angelegt werden?, überlege ich

Ich wandere weiter und erkenne, dass ich beinahe wieder am ersten Umleitungsschild angekommen bin. Hä? (Hessisch für „Wie bitte?“) Wo, bitte, geht es nach Osten?? Ich gehe also, wieder unterhalb der Burg, zurück zum Fürther Tor, am Drachenmuseum vorbei. Und jetzt, beim Bergaufgehen, entdecke ich an der Mauer des Kurhauses die Schilder, die meiner Meinung nach an einen Wegweiser-Schilderpfosten gehören. Diese Schilder zeigen aber den Weg nach Zwingenberg und da möchte ich nicht hin.

Das Kurhaus liegt an einer gepflasterten Gasse und hat einen Drachen auf dem Flachdach
An dieser Stelle übersehe ich beim ersten Vorbeilaufen die Schilder in Hüfthöhe an einer Wand. Der Drache auf dem Dach und das die Gasse hinunterliegende Drachenmuseum lenken mich zu sehr ab. Ob ein Wegweiser das verhindert hätte?

Ich schaue mich auf dem Platz um und entdecke an einer Hauswand jenseits des Platzes „meine“ Schilder in Richtung Grasellenbach. Wie blöd! Wäre am ersten Umleitungsschild zusätzlich der Wegverlauf der Umleitung aufgedruckt, könnten sich Wanderer besser orientieren, die Umleitung „verstehen“. Wüssten sie, dass sie quasi durch den „Hintereingang“ in das schöne Städtchen geführt werden. Später, beim Schreiben des Blogs und einer Nachrecherche, finde ich auf der Webseite des Nibelungenlandes eine Seite „Aktuelles“ unter dem Nibelungensteig. Da finde ich die Informationen, die ich gebraucht hätte. Nur, unterwegs im Odenwald hatte ich sehr oft überhaupt kein Netz. Eventuell hätte ich die „Aktuelle Information“ so aktuell gar nicht auf mein Mobiltelefon bekommen?

Die Glocke der evangelischen Kirche läutet zur Mittagszeit, uff, schon wieder so spät! So wandere ich die Burggasse wieder hinunter zur Hauptstraße, an der die Apotheke liegt. Hier gibt es auch keinen Wegweiser-Schilderpfosten. Lange suche ich im Umkreis nach der Markierung, die mich weiterführt, aus Lindenfels hinaus. Endlich, rechts versetzt über die Hauptstraße, an einem Betonsträßchen, das gegenüberliegend bergauf führt, klebt sie an einem Straßenschildpfosten. Das Sträßchen bringt mich zu einem Pfad, der mit einer Überraschung aufwartet.  

Eine Tafel informiert die Besucher über den Insektenpfad
Der Nibelungensteig folgt dem südlichen Teil des Insektenpfades, mit vielen interessanten Informationen
Der Blick geht aus einem Wald über die Stadt Lindenfels mit Stadtturm und Burganlage
Vom Insektenpfad aus habe ich einen schönen Blick zurück nach Lindenfels und nach Osten

Ein Bienenbär steht am Ende des Insektenpfades, den ich freundlich grüße. Es geht noch weiter hinauf bis zu einer Erklärungstafel. Hier auf der Höhe, Köpfchen genannt, hat eine kleinere „Gegenburg“ gestanden, die vermutlich Anfang des 13. Jh., als Lindenberg badisch war, von den Wittelsbachern errichtet worden ist. Nach weiteren Schotterwegen wechselt der Weguntergrund, was ich sehr begrüße.

Ein schmaler Wiesenweg führt durch lichten Wald
Ich bin überaus froh, mal einen so schönen, schmalen Wiesenweg zu gehen

Einkehr leider nicht möglich

Die Stürme und die Trockenheit haben überall im Wald ihre Spuren hinterlassen und bald muss ich mich bücken, um weiter zu kommen.

Ein umgestürzter Baum bildet ein Tor, unter dem die Wanderer hindurch gehen
Der Pfad geht in den Wald und ich muss unter dem umgestürzten Baum durch das natürliche Tor hindurchwandern

Aus dem Wald heraustretend, wandere ich erst auf einem Schotterweg, dann auf Asphalt hinunter zum Gumpener Kreuz. Auf dieser Passhöhe treffen die Bundesstraßen 38 (Darmstadt-Weinheim) und 47 von Worms und Bensheim aufeinander.

Eine Straßenkreuzung liegt unterhalb des geschotterten Wanderweges
Das Gasthaus am Gumpener Kreuz gibt es nicht mehr. Mein Weg führte mich vom gegenüberliegenden Berg zu dieser Straßenkreuzung hinab und den Forstschotterweg steil hinauf

Der Schotterweg geht direkt steil immer nur geradeaus bergauf. Im Wald ändert sich wenig, nur das welke Blätter auf dem Forstweg liegen und es Schatten gibt. Links im Wald fällt mir ein Sandstein auf.

Ein alter Buntsandstein-Grenzstein steht im Wald
Der Buntsandstein markiert die Grenze zwischen dem hessischen Erbach und der Churpfalz, die über Jahrhunderte hier verlief. Der Nibelungensteig folgt dem Grenzweg in der Folge

Der Grenzweg führt ohne Kurve immer steil bergauf, ohne eine Möglichkeit, sich mal sitzend auszuruhen. Als ich schon denke, bald auf gefühlten 3.000 Höhenmetern zu sein, kommt endlich eine ziemlich morsche Rastbank, die den höchsten Punkt markiert. Hier begegnen mir Wanderer, die mir die nächste gastronomische Enttäuschung bescheren. Sie wissen, dass es in Weschnitz auch keine Gaststätte mehr gibt! Wie schade! Aber ich habe vorgesorgt und habe Studentenfutter dabei. Ich verschnaufe Nüsse kauend auf der Bank und genieße Ruhe, Frieden und Vogelgezwitscher. Meine Füße schmerzen in meinen leichten Trekkingschuhen mit den dünnen Sohlen. Ich entschließe mich, die Schuhe zu wechseln und die Trekkingsandalen anzuziehen. Die haben eine dickere und festere Sohle, können dem Schotter mehr Widerstand bieten. Etwas leichter geht es nun auf der Höhe dahin und ich erfreue mich an dem wunderschönen Wald, durch den ich wandere.

Ein Buchenwald mit hohen, silbrig glänzenden Stämmen
Die Buchenwälder des Odenwalds begleiten mich über weite Teile auf dem Nibelungensteig. Sie strahlen majestätische Ruhe aus, die auf den Wanderer übergeht

Am Ende des Waldes biegt der Weg leicht nach rechts ab. Ich habe den Wald rechts und Wiesen links von mir. Ich entdecke in der Wiese eine hellviolette Blume und erfreue mich an der Aussicht.

Eine hellviolette Herbstzeitlose, der Herbstkrokus, auf einer Wiese
Aus dem Wald tretend finde ich oberhalb von Weschnitz die erste Herbstzeitlose – die Vorboten des Herbstes, auch wenn der Tag noch so sommerwarm ist
Über sanft abfallende Wiese liegen Häuser im Tal und Wald auf einem Berg dahinter
Wieder so ein unbeschreiblich schöner Ausblick, hier Richtung Weschnitz. Aber auch hier muss ich ganz runter ins Tal und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinauf

Etwas näher an Weschnitz herankommend, kann ich auf die gegenüberliegende Höhe schauen, die ich heute noch überwinden muss.

Vier Windräder stehen auf dem bewaldeten Berg über Weschnitz
Der Asphaltweg bringt mich in den Ort hinab, dann gegenüber eher Richtung linkem Windrad etwas hinauf zur Walburgiskapelle, die auf halber Höhe zwischen den zwei linken Windrädern steht

Die Wirtschaft in Weschnitz ist tatsächlich geschlossen und ich marschiere zur Bushaltestelle, da das Wartehäuschen eine Rastbank hat. Mir tun die Fußsohlen furchtbar weh, meine Beine sind erschöpft. Ich habe mir mit dem Trekkinggepäck zu viel Gewicht für meine Kondition aufgeladen. Wenn ich heute Nacht wieder Beinkrämpfe bekomme? Im Zelt kann ich mich nicht mal eben aufstellen und den Krampf rausdrücken. Ich muss erst umständlich (mit Krampf) aus dem Zelt – das will ich heute Nacht nicht noch mal haben. Ich fasse den Entschluss, dass ich nicht in Hammelbach auf den Zeltplatz gehen werde. Ich recherchiere im Übernachtungsverzeichnis des Nibelungensteigs und entschließe mich, bis Grasellenbach weiter zu gehen. Nach einem kurzen Anruf habe ich ein Zimmer im Hotel und Café Gassbachtal gebucht. Nur muss ich bis 17.30 Uhr dort sein, wenn ich im Hotel zu Abend essen möchte. Na dann, nix wie los. Die ersten Schritte schmerzen immer höllisch, dann geht es besser. Aber wieder geht es bergauf und der Weg wird für kurze Zeit so, wie ich es am liebsten mag.

Eine Holzbrücke im Wald führt über einen schmalen Bach
Die Brücke über den Osterbach, der schmale Waldweg dazu, lässt mich endlich mal wieder an einen „Steig“ glauben. Der Osterbach, der mit dieser Brücke überquert wird, vereinigt sich später mit dem Mergbach und bildet die Gersprenz

Kulturdenkmal und Energiewende

Der Weg wir wieder ein Waldforstweg, ein Parkplatz liegt links und ich erreiche den Friedhof des Ortes Weschnitz, der unterhalb der Walburgiskapelle liegt.

Holzkreuze stehen auf dem Friedhof in Weschnitz statt Grabsteine
Auf dem Friedhof in Weschnitz wird an die Verstorbenen mit Holzkreuzen erinnert

Durch eine Schneise marschiere ich über Treppen nun auf die Walburgiskapelle zu, die oben auf dem – welch einfallsreicher Namen – Kapellenberg liegt. Es wird davon ausgegangen, dass der Ort schon in vorchristlicher Zeit ein Heiliger Ort war. Der Name bezieht sich auf die Schwester des Missionars Bonifatius, die ihren Bruder im 8. Jahrhundert aus England nach Deutschland begleitete. Die Grabplatte soll ein heilkräftiges Öl absondern, wird erzählt.

Über einer steile Steintreppe thront eine steinerne Kapelle
Die Walburgiskapelle ist über eine steile Treppe zu erreichen

Die Kapelle ist von März bis November an Samstagen und Sonntagen geöffnet. Von Dezember bis Februar nur an Sonntagen. Von Juni bis Oktober finden an jedem ersten Samstag im Monat um 18.30 Uhr heilige Messen statt.

Der Bergvorsprung hat zwar einen eigenen Namen, ist aber nicht der höchste Gipfel. So muss ich den nächsten Berg, den Kahlberg, besteigen. Auf dessen Rücken sind Windräder aufgestellt, die ein Teil der Energiewende sind. Ich höre das Surren des Windrades erst, als ich schon ziemlich nahe bin. Ich gehe unter dem Windrad hindurch und folge der Markierung nach rechts, immer auf dem asphaltierten Bergrücken weiter. So wandere ich an zwei weiteren Windrädern vorbei.

Ein Windrad steht auf einem Hügel im Wald, ein Forstweg geht daran vorbei
Der Wanderweg führt durch den Windpark auf dem Kahlberg. Vor Eisschlag muss ich mich an diesem schönen Sommertag nicht fürchten

Nach dem letzten Windrad dauert er noch eine Weile, bis aus der Asphaltstraße ein Pfad wird, der mich steil bergab führt. Er holt noch weit nach Westen aus, bevor er nach Südosten schwenkt. Vorbei an Heidelbeersträuchern und Heidekraut, so liebe ich den Wald und es erinnert mich an unsere Baltikumreise, wo der Wald meistens so aussieht. Vor einer Wiesenlichtung steht ein Wegweiser.

Ein Wegweiser mit vielen Wanderschildern
Die Wegweiser im Odenwald sind vorbildlich angelegt

Der Wegweiser gibt mir die unterschiedlichsten Informationen. Nach Hammelbach hätte ich heute noch 1,5 km bis zum Campingplatz. Morgen müsste ich die wieder zu diesem Punkt zurück gehen, ist gleich 3 km mehr. Heute habe ich noch 3 km auf dem Nibelungensteig, ich könnte aber auch in 2,5 km am Ziel sein. Beim Weiterwandern verstehe ich den Schlenker, den der Nibelungensteig macht, auch nicht, denn es ist nichts Spektakuläres, unbedingt Sehenswertes, an dem ich vorbeikomme.

Ein Haus am Waldrand mit der Aufschrift Café Bauer
Das Café Bauer bietet leckere Kuchen und kleine Schmankerl. Ich gehe vorbei, denn mein Hotel und das Abendessen sind nicht mehr weit

Der Weg führt mich rechts hinauf am Café vorbei, dann biegt er links ab und später wieder links und mündet in den Kunstpfad. Einige Kunstwerke mit interessanten Titeln stehen am Wegesrand – ich bin zu erschöpft, um die Kunst zu genießen. Eine wunderschöne Kneippanlage ist rechts am Waldrand.

Gemauerte Becken bilden die Kneippanlage im Wald
Auch heute passiere ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit die Kneippanlage nur

Meine Füße mögen nicht mehr laufen. Immer wieder bleibe ich stehen, überprüfe meine Haltung von Kopf bis Fuß und bemühe mich, keine Schonhaltung einzunehmen und nicht zu humpeln. Die Stöcke unterstützen mein Fortkommen und ich gehe mit Nordic-Walking-Bewegungen vorwärts. Ein kleiner Teich links und dahinter ein Tor, ein Kunstwerk – ja, hier mache ich noch ein paar Extra-Meter für ein Foto.

Durch einen Kunstbogen aus Sandstein und Metall ist hinter einer Wiese ein Haus zu sehen
Mein Hotel habe ich durch einen Bogen eines Kunstwerkes fotografiert

Auf der Hotel- oder Caféterrasse sitzen einige Menschen vor lecker aussehenden Kuchenstücken. Ich ziehe meine Mund-Nasen-Maske an und betrete den Verkaufsraum, mit der Rezeption im hinteren Bereich. Meine Unterkunft entpuppt sich als das mehrfach ausgezeichnete Nibelungencafé. Die Konditorenerzeugnisse tragen so klingende Namen wie: Brunhilds Sahnekuppel, Kriemhilds Früchtetraum, die majestätische König Alberich- oder Drachenbluttorte. Oh, ich freue mich schon auf meinen Nachtisch!

Die Wirtin zeigt mir den Treppenaufgang zum Zimmer und betont, dass es auch einen Aufzug gebe, als sie mein entgeistertes Gesicht sieht. Sie weist mich auch nochmal darauf hin, dass ich nur bis 17.30 Uhr ein Abendessen bestellen kann. Mittlerweile ist es 17.10 Uhr. Ich fahre tatsächlich mit dem Aufzug in den ersten Stock und bringe meinen Rucksack in mein Einzelzimmer. Ich stoppe die Komoot-Aufzeichnung und stecke mein Mobiltelefon an den Strom, bevor ich hinunter gehe. Ich bestelle Linsensuppe und ein alkoholfreies Bier und als Nachtisch eine Hessentorte. Ich, als Hessin, muss die probieren!

Nach dem Abendessen gehe ich direkt  aufs Zimmer. Das Blasenpflaster hat sich in den Socken gearbeitet! Ich dusche ausführlich und betrachte meine wehen Füße. Wie dämlich kann man sein, die Wanderschuhe zuhause zu lassen? Wieder frage ich mich das. Und wieder kommt die Antwort: den Weinsteig konnte ich mit diesen leichten Barfuß-Trekkingschuhen von Joe Nimble laufen und da war es kein Problem! Ich verklebe die Blase neu und lege mich hin. Am Mobiltelefon mache ich die YouTube Filme der ersten und zweiten Etappe fertig und veröffentliche sie, bevor ich mich schlafen lege. Ich werde am Morgen entscheiden, ob ich weitergehe oder die Wanderung unterbreche.

Fazit der 2. Etappe

Mit um die 17 km – ohne Umwege – und um die 700 Höhenmetern im Aufstieg ist die Etappe moderat zu gehen. Durch langes Schlafen am Morgen, Zeltabbau und packen bin ich ziemlich spät losgekommen. Da ich mir das Städtchen Lindenfels ausführlich angeschaut habe, bin ich dort erst nach 12 Uhr losgelaufen. Auch diese Etappe hat hauptsächlich festen Weguntergrund in Form von Asphalt und Schotter-Forstwegen. Unterwegs ist viel zu schauen und zu entdecken, landschaftlich und kulturell. Mir haben an schönen Stellen und in den langen Aufstiegen Bänke zum Ausruhen gefehlt. Die gibt es meist nur in unmittelbarer Nähe von Ortschaften, nicht an den langen Strecken dazwischen. Leider gibt es auch keine Einkehrmöglichkeit unterwegs (außer mit Umwegen), daher sollte eine Vesper im Rucksack sein. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Mein Video mit Eindrücken der zweiten Etappe findest Du auf YouTube.

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Nibelungensteig Etappe 1 – Zwingenberg – Schlierbach

Nibelungensteig Etappe 1 – Zwingenberg – Schlierbach

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Ich habe Lust zu Wandern. Einen Fernwanderweg. Möglichst mit Zelt. Der Nibelungensteig steht seit einigen Jahren auf meiner Wanderagenda. In sechs, statt in sieben Etappen möchte ich auf dem zertifizierten Fernwanderweg von Zwingenberg an der Bergstraße über den Odenwald nach Freudenberg am Main wandern. So der Plan.

Planung der Wanderung

Ein Wanderweg, der mir seit Jahren im Wanderherz herumspukt, ist der Nibelungensteig. Er wurde 2008 eröffnet und ist seit 2010 ein zertifizierter Qualitätsweg Wanderbares Deutschland. Die Webseite des Nibelungenlands gibt sehr detaillierte Informationen. So kann ich meine Etappen und Übernachtungsplätze sehr schnell planen. Am Wegrand liegen einige gut ausgestattete Campingplätze. So entschließe ich mich, mein kleines Vaude-Zelt „Refuge“, meine Matte und meinen warmen Schlafsack mitzunehmen. Nur eine Nacht werde ich in einer Pension schlafen. Aus ökologischen Gründen reise ich mit Bus und Bahn an und ab. Dienstags plane ich die Wanderung und Donnerstags geht es bereits los.

Der Nibelungensteig ist eine sportliche Herausforderung. Er führt über die Höhen des Odenwald. Während der über 130 km werden über 4.000 Höhenmeter erstiegen und natürlich wieder abgestiegen. Gleich am Anfang fordert der Melibokus heraus. Er thront über Zwingenberg und ist mit 517 Komma 4 m über Normalnull der höchste Berg an der hessischen Bergstraße.

Mein Marschgepäck

Da das Wetter ohne Regen und tagsüber über 20° warm sein wird, werde ich auf meine Wanderstiefel verzichten. Statt dessen laufe ich in meinen Barfußschuhen von Joe Nimbel. Die haben sich auf dem Weinsteig in der Pfalz bestens bewährt. Mein Steildachzelt von Vaude, meine Ridge-Rest-Matte und mein Hochleistungsschlafsack von Valandre wiegen zusammen knapp 2 kg. Da ich alle Dinge im Rucksack haben möchte, entscheide ich mich für die schwerere Therm-a-Rest-Matte, denn die Rigde-Rest-Matte müsste ich außen dran befestigen. Die Bundeswehrtasse nehme ich als Kochtopf mit, gefüllt mit Beuteln mit Müsli, Milchpulver und Kaffeepulver. Am Campingplatz werde ich in den vorhandenen Küchen mein Frühstück zubereiten. Eine lange „Zip“-Wanderhose von Maul für die kühlen Abende, 1 Ersatz-T-Shirt von Eisbreaker, 1x Ersatzsocken von Falke, 4 Unterhosen, 1 dünner Langarmpullover von Devold, 1 Windstopperjacke von Salewa, 2 Buff, 1 Sonnenhut, 1 Waschbeutel mit Trekkinghandtuch, 1 Schlafanzug bestehend aus langer Wollunterhose von Engel und einem Wolloberteil von Icebreaker, 1 Erste-Hilfe-Beutel, 1 Paar Trekkingstöcke, 2 Trinkflaschen mit insgesamt 1,5 l, 1 Laptop, 1 Powerbank, 1 Mobiltelefon, Stecker und Kabel, Sonnencreme und Blasenpflaster. Gesamtgewicht 14,4 kg ohne Wasser. Wie ich gepackt habe, kannst Du Dir bei YouTube anschauen.

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Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Oder Du folgst mir und dieser Wanderung auf meinem Komoot-Account.

Start in Zwingenberg

In Zwingenberg werde ich am Bahnhof von einem lieben Bekannten erwartet. Mit Johannes Fischer vom Busunternehmen „Der Zwingenberger“ war ich über Jahre beruflich verbunden. Sein Unternehmen bietet unter anderem barrierefreie Reisen an. Die Busse haben Einstiegslifte, die Menschen die steilen Bustreppen ersparen. Rollifahrer können so auch in den Bus einsteigen und entweder auf Bussitze umgesetzt oder in ihrem Rolli sicher angeschnallt werden. Rollisportvereine gehören u.a. zu seinen Kunden. Ich habe mit meinen Senioren wunderbare Reisen unternommen, manchmal hatten wir 4-5 Rollstühle und über 20 Rollatoren dabei. Trotz körperlicher Einschränkungen unterwegs zu sein, war mit unserem  „Entschleunigten Reisen“ ohne Überforderung möglich. Von den Erlebnissen haben meine, unsere Gäste lange erzählt und gezehrt.

Die Bloggerin von Reisepunsch und der Busunternehmer „Der Zwingenberger“ posieren für ein Selfie
Ein Selfie mit dem Busunternehmer „Der Zwingenberger“ und der Bloggerin von Reisepunsch

Wegen der Corona-Krise ist sein komplettes Sommergeschäft geplatzt, in dem er das Geld für das ganze Jahr verdient hätte. Sein hauptsächliches Reiseklientel zählt zu den besonders gefährdeten Personen, so ist eine Planung für 2021 nur schwer möglich. So wenige Busunternehmen bieten hochbetagten Gästen noch die Möglichkeit zu reisen. Nur wenige Busunternehmer haben überhaupt einen Lift im Bus. Und die Erfahrung, die Johannes Fischer und seine Fahrer über die Jahre gerade mit Rollstuhlfahrern und Senioren gesammelt haben, haben nur wenige Reisebusunternehmen. Es wäre so ungeheuer schade, wenn „Der Zwingenberger“ und das Reisen von Hochbetagten und Rollstuhlfahrern mit Corona keine Zukunft mehr hätte. Ich wünsche Johannes, der zur Zeit als LKW Fahrer einen Arbeitsplatz gefunden hat, das Allerbeste und einen Fortbestand des Unternehmens.

Ein Wanderwegweiser mit Aufschriften
Der Nibelungensteig ist ab dem Bahnhof ausgeschildert

Johannes macht mit mir eine kleine Stadtführung aus erster Hand, ist er doch seit seiner Geburt hier verwurzelt. So erklärt er mir, dass außerhalb der Stadtmauer die Scheunen (im hessischen Scheuer genannt) lagen, wohl wegen der Brandgefahr, die z.B. von gelagertem Heu ausgeht. In den letzten hundert Jahren wurden diese zu Wohnhäusern umgebaut und die Gasse weißt mit ihrem Namen noch auf den Ursprung hin.

Eine Fachwerkhausstraße, im Hintergrund ein hoher Mittelgebirgsgipfel mit einem Sendemast
Über der Scheuergasse mit ihren Fachwerkhäusern thront der Melibokus, der von Zwingenberg aus zuerst bewältigt werden muss.

Am Ende der Scheuergasse, momentan in der Baustelle der B3, der Bergstraße, steht eine Skulptur.

Eine Bronzefigur eines Mannes mit einem angeleinten Schaf
Dem Buchdrucker und Herausgeber des Bergsträßer Boten, Max Teichmann, ist mit einer Bronzefigur ein Denkmal gesetzt. Das Schaf ist die „Bezahlung“ eines Kunden.

Gegenüber ist die Bäckerei Germann, in dem Du den ersten Stempel in Deinen Wanderpass bekommen kannst und Johannes und ich einen Kaffee trinken. Vom  Stadtrundgang zeige ich Dir hier nur einige der Besonderheiten des 7000 Einwohner zählenden Städtchens.

Links die Stadtmauer mit aufgebauten Häusern, rechts ein Spazierweg
Wir beginnen den Altstadtrundgang mit dem Spaziergang entlang der Stadtmauer
Eine aus mehreren Teilen bestehende Skulptur, mit Masken und Speeren steht vor dem ehemaligen Amtsgericht
Leider gibt es keinen Hinweis an der Skulptur, ob sie bereits etwas mit der Nibelungensage zu tun hat, oder mit dem ehemaligen Amtsgericht dahinter
Über den Fachwerkhäuser auf dem mit Bäumen bestandenen Marktplatz steht die Bergkirche
Über den Marktplatz hinweg schaue ich hinauf zur Bergkirche
Rampen und Stufen führen zur Bogentür des alten Rathauses mit einem Glockenturm
Das alte Rathaus hat einen Turm mit einem Glockenspiel
Das alten Schloss hat einen gemauerten Wohnturm, mit einem Fachwerkanbau
Im alten Schloss befindet sich heute Rathaus und Bürgerbüro
Ein Sandsteinsockel hat ein Löwenmaul, aus dem Wasser in einen Brunnenschale läuft
Der Löwenbrunnen auf dem Löwenplatz trägt das Wappen von Zwingenberg, den hessischen Löwen mit drei Wasserlilien
Von der Ummauerung der Bergkirche geht der Blick über die Dächer der Altstadt in die Rheinebene
Die Bergkirche ist ein Aussichtspunkt mit Blick in die Rheinebene. Wer da nicht an das Göttliche glaubt, wenn er die Kirche besucht??
Ein alter Stadtturm ist hinter einer Grünanlage mit Sitzgelegenheiten
Vor dem einzig erhaltenen Stadtturm, Aul genannt, ist ein Treffpunkt in der Grünanlage
Eine Skulptur aus einem rostigen N und Edelstahlfiguren die Kriemhild und Siegfried darstellen
Der Beginn des Nibelungensteigs ist seit Sommer 2020 mit dieser Skulptur gekennzeichnet

Rechts im Bild ist ein Trinkwasserbrunnen, in dem die Trinkflasche nochmal aufgefüllt werden könnte. Links daneben eine Landkarte mit einem Überblick über die Gesamtlänge und Etappen des Nibelungensteigs und darunter der Wegweiser hinauf zum Melibokus.

Die Vorsitzende des Förderkreises „Kunst und Kultur Zwingenberg“, die Künstlerin Ulrike Fried-Heufel, hat die Skulptur entworfen, das vom Metallbauer Rudolf Müller umgesetzt wurde. Auf einem rostroten „N“ aus Cortenstahl sind die aus Edelstahl gefertigten Silhouetten von Siegfried und Kriemhild, den Hauptfiguren der Nibelungensage aufgebracht. Diese beiden und andere Figuren und Begebenheiten der Nibelungensage werden mich auf der gesamten Wanderung begleiten.

Melibokus, erster Odenwaldgipfel auf dem Nibelungensteig

„Wenn Du erst mal am Steinbruch bist, hast Du das Steilste hinter Dir,“ verabschiedet mich Johannes. Äußerst fröhlich gestimmt mache ich mich auf den Weg. Besser gesagt, die Asphaltstraße hinauf.

Der ehemalige Steinbruch ist an manchen Abbruchkanten bereits mit Gebüsch bewachsen
Der ehemalige Steinbruch ist erreicht, nun geht es nach rechts um die Kurve etwas weniger steil weiter
Weinreben hängen voll mit reifen Trauben
Bergsträßer Wein wird auf etwa 450 ha angebaut. Die Zwingenberger Einzellagen „Alte Burg“ und „Steingeröll“ sind in die Großlage Auerbacher Rott integriert

Ich verweile mich noch beim Schauen in die Ebene. nach Süden nach Bensheim, Heppenheim und Weinheim, fast bis Heidelberg. Über Mannheim, Ludwigshafen und Frankental rüber zur Pfalz, die im Dunst nur zu erahnen ist. So wunderschön ist die Aussicht, dass ich wegträume, meinen Gedanken nachhänge. Nun muss ich mich sputen. Es ist bereits halb 12 und es liegen noch über 25 km vor mir, und etliche Höhenmeter!

Einige Felssteine schauen aus dem Waldboden, Buchen wachsen darauf
Der Gipfelaufbau des Melibokus ist recht felsig
Ein schmaler Pfad im Buchenwald wird schon von welken Blättern teils verdeckt
Es ist zwar Herbst, aber die welken Blätter sind dem trockenen Sommer geschuldet

An der höchsten Stelle des Weges angekommen, folge ich nicht meiner Markierung nach rechts, sondern gehe erst nach links. Zum Gipfel des Melibokus mit seinem Turm, um die Aussicht in die Rheinebene nach Westen, Süden und Norden ein letztes Mal zu genießen..

Ein runder Ruinenturm erhebt sich aus herbstfarbenem Wald, dahinter die Häuser von Hähnlein
Direkt rechts unter mir ist das Hähnleiner Schloss mit dem Ort (Alsbach)-Hähnlein
Über die Absprungschanze der Gleitschirmflieger geht der Blick nach Rheinhessen und in den Taunus
Über die Absprungschanze der Gleitschirmflieger geht der Blick nach Rheinhessen (eher links) und in den Taunus (mittig im Dunst)
Ein Turm vom Fuß bis in den Himmel fotografiert, Der Turm hat ein überkragendes Dach und eine Beschilderung am Turm
Der Turm ist wegen Corona nicht begehbar – aber er hätte sowieso am Donnerstag geschlossen, schade

Mit meiner Markierung, dem roten „N“ auf weißem Grund,  geht es nun nur leicht bergab und dann auf der Höhe, in leichten Wellen und schönen Aussichten weiter.

Über die hügelige Landschaft mit abgemähten Wiesen geht der Blick zu weit hinten liegenden Bergkuppen
Die Höhen im Hintergrund liegen in denn nächsten Tagen auf meinem Weg

Ohlyturm und Felsenmeer

Kurz nachdem ich wieder im Wald bin, taucht der Ohlyturm vor mir auf. Mein Magen knurrt, in der Nähe des Ohlyturms war früher eine Gaststätte, erinnere ich mich.

Ein aus Granit erbauter Steinturm steht in einem Buchenwald
Der 1900/1901 erbaute Turm aus Latertaler Granit ist nach dem Darmstädter Bürgermeister Albrecht Ohly benannt. Leider ist der 27m hohe Turm nicht zugänglich. Er würde einen Ausblick nach Westen auf Donnersberg und Pfalz ermöglichen, nach Norden über die Skyline von Frankfurt in den Taunus und zum Katzenbuckel im Südosten

Leider ist die Gaststätte erst ab 17 Uhr geöffnet. Um diese Uhrzeit möchte ich eigentlich schon am Ziel sein. Ich tauche ab ins Felsenmeer, das ich schon seit meiner Kindheit immer wieder besucht habe.

Ein als Säule behauener Stein liegt auf dem Waldboden
Im 4. Jahrhundert n. Chr. haben die Römer diese Säule bearbeitet. Es gibt zwar Erklärungen, wie diese Werkstücke von der Höhe zu den Bauwerken, irgendwo am Rhein geschafft wurden – für mich ist das dennoch immer wieder eine technische Meisterleistung und ein Wunder
Das Felsenmeer zieht sich mit seinen Felsblöcken von der Ebene hinauf
Wie oft ich hier als Kind und später mit meinen Kindern bereits herumgeklettert bin? Heute wandere ich nur durch das Felsenmeer hindurch
ABU Eine Erklärungstafel beschreibt die Entstehung des Felsenmeeres
Ich bin beeindruckt von der Tafel, die die Entstehung des Felsenmeeres sehr verständlich erklärt

Seit einigen Jahren informiert am Fuß des Felsenmeers ein Info-Zentrum über den Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, die Gemeinde Lautertal und das Felsenmeer.

Das Informationszentrum ist außen mit Holz und Steinplatten der Region verkleidet
Das Felsenmeer-Informationszentrum ist Mittwoch bis Freitag von 13.00-17.00 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.00-17.00 Uhr geöffnet

Ich esse in der naheliegenden Gaststätte zu (Nach-)Mittag und wandere weiter in die Ortsmitte.

Auf einem Platz steht eine Skulptur, die Hagen von Tronje aus der Nibelungensage darstellt
In Reichenbach steht an der vielbefahrenen Kreuzung die Skulptur „Grimmiger Kämpe Hagen“ und im Hintergrund der Pranger der Gemeinde. Er ist heute zum Glück nicht mehr in Gebrauch

Hagen von Tronje war ein Edelmann. Dem Burgunderkönig Gunter, der in Worms residierte, war er treuer Vasall. In der Nibelungensage spielt er eine tragische Rolle, da er aus Ehrerbietung seiner Herrin gegenüber den Mord an Siegfried begeht.

In Reichenbach muss ich des Öfteren meine Markierung suchen. Beim Weg aus Reichenbach hinauf zum Hohenstein verlaufe ich mich und erreiche mit einem kleinen Umweg den Hohenstein. An manchen Stellen würde ich mir auf dem Nibelungensteig hüfthohe Pfosten wünschen, die ich schlechter übersehen würde, als die kleinen Aufkleber an den runden Straßenschilderpfosten. Mir fällt unterwegs auch immer wieder auf, dass zwar vor einer Kreuzung Markierungen mit Miniaturpfeilen die Richtung nach der Kreuzung anzeigen, aber direkt nach dem Abzweig keine Markierung angebracht ist. Andere Wandermarkierungen dagegen schon. Nur die des Nibelungensteigs ist manchmal 50 bis 100 m später erst an einem Baum angebracht. Manchmal verdeckt von Blättern. Das finde ich sehr verwirrend.

Hohenstein und Ausblicke

Kletterer machen sich fertig um an den Felsen des Hohenstein zu klettern
Eine Gruppe von Übungsleitern und Kindern zieht sich am Hohenstein die Gurte an um zu Klettern. Hier bin ich vor vielen Jahren mal eine Siebener-Route im Nachstieg geklettert 😉
Holzstapel stehen am Rande einer Birkenallee
Der Weg geht durch eine Birkenallee, mit wohltuend sandigem Untergrund, weiter zum Hofgut Hohenstein
Über einen kleinen Teil geht der Blick über sanfte Hügel bis zum Melibokus
Vom Hofgut Hohenstein geht der Blick zurück zum Melibokus

Nun geht es wieder bergauf, hinauf zum Knodener Kopf. Da ich weiß, dass ich auch noch über den Krehberg muss, versuche ich, das Tempo zu beschleunigen. Da ich aber mit zu wenig Kondition unterwegs bin, ist das schwierig. Anders formuliert, ich habe zu viel Gepäck für meine schlechte Kondition, denn diese Etappe des Nibelungensteigs ist mit 27 km sehr weit und mit 1.140 m im Aufstieg und 980 m im Abstieg außerdem Kräftezehrend.

Ein geschotterter Forstweg schlängelt sich durch den Wald
Über 50% des Nibelungensteigs gehen über solche Forstwege, also auf hartem Untergrund. Meist kleiner Schotter, manchmal richtig Großschottrig, teilweise von Fahrzeugen sehr rund gefahren. Dieser Weg führt mich hinauf zum Knodener Kopf

Meine leichten Trekkingschuhe haben sich auf dem Weinsteig in der Pfalz bewährt, der meist über Waldpfade führt, die nachfedern. Der harte Untergrund von etwa 80% des Nibelungensteigs, bestehend aus Schotterforstwege, Asphalt und, aufgrund der Trockenheit harten Waldwegen, sind für meine Füße in den leichten Trekkingschuhen leider der Horror. Für den Nibelungensteig wären Bergwanderschuhe die richtige Wahl gewesen. Aber die stehen zuhause, seufz!

In den Aufstiegen stehen selten Rastbänke, es gibt keine Baumstämme oder Felsen, auf denen ich mich mal ausruhen könnte. Erst auf dem felsigen und bewaldeten Gipfel des Knodener Kopfes laden mich einige Felsen zu einer kurzen Rast ein.

Einige Alpakas weiden auf einer Wiese
Kurz vor Schannenbach stehen einige Alpakas auf einer Weide. Leider bin ich kein Alpakaflüsterer, sonst würde ich mich von einem weitertragen lassen…
Über eine vertrocknete Wiese geht der Blick in die Ferne bis in die Pfalz. Die Sonne steht bereits kurz über dem Horizont
Der Dunst hat sich etwas gelegt. So kann ich von Schannenbach aus bei einem Blick nach Westen die Pfalz in der Ferne erahnen

Bald geht die Sonne unter und ich bin noch nicht am Ziel

Mittlerweile ist es 18 Uhr. Ich rufe beim Campingplatz an, bis wann ich spätestens kommen muss, um einen Platz zugewiesen zu bekommen. Alternativ scheint es nämlich in Schannenbach einen Gasthof und eine Pension zu geben…. Ich kann jederzeit kommen, ist die Antwort. Nun denn, auf zum letzten Abschnitt heute. Ich packe all mein mentales Können aus, um mich für die letzten vier, fünf Kilometern zu motivieren. Und es geht nochmal hinauf, denn einer der höchsten Berge des Odenwalds, der Krehberg, muss noch überwunden werden. An seinem östlichen Fuß liegt Schlierbach und der Campingplatz. Nach langem Anstieg erreiche ich eine Rasthütte.

Eine Rasthütte aus Holz steht auf Felsen im Wald
Die Rasthütte Mathildenruh steht beinahe auf dem Gipfel des Krehbergs, mit 576 m Höhe

Gegenüber der Hütte geht es nun lange und teils ziemlich steil bergab, immer weiter ins Tal. Aber auch das geht bei mir heute nicht mehr leichtfüßig, sondern quälend langsam. Ich denke beim Hinabschleichen an Hape Kerkeling und sein Buch: „Ich bin dann mal weg“. Darin beschreibt er die ersten Tage seiner Wanderung auf dem Jakobsweg so, wie ich meine erste Etappe heute erlebe. Als ich das Buch las, durchtrainiert und konditionsstark, konnte ich seine Erschöpfungsbeschreibung nicht nachvollziehen. Heute schon und so entschuldige ich mich bei Hape. Ich habe mich einfach überschätzt! Wir haben während unserer langen Baltikum Reise in diesem Corona Sommer zwar einige Wanderungen und Radtouren gemacht. Aber zum Konditionsaufbau für den Nibelungensteig hat das bei Weitem nicht gereicht. Und einen schweren Rucksack habe ich zum letzten Mal im Mai, bei meiner Trekkingtour mit meinem Neffen getragen, und das ist vier Monate her. Trotzdem freue ich mich am Anblick der Aussicht an der nächsten Rasthütte.

Der Blick geht nach Osten über die Höhen der nächsten Etappen
Von der Rasthütte Elisabethruhe habe ich einen Ausblick nach Osten über die Höhen der nächsten Etappen des Nibelungensteigs

Auf einem ausgewaschenen Pfad, der knochentrocken und hart ist und sehr steil bergab führt, und üblicherweise zu meinen Lieblingsbergabgehwegen zählen würde, quäle ich mich immer weiter ins Tal. Endlich öffnet sich der Blick kurz auf den Ort. Kurze Zeit später passiere ich die Kneippanlage in Schlierbach.

Auf Terrassen stehen auf einem Campingplatz Wohnwagen
Mein Tagesziel ist endlich in Sicht. Der Terrassen-Camping-Platz in Schlierbach, darüber die Burg Lindenfels, links Häuser des Städtchen Lindenfels
Eine Kneippanlage mit Wassertretbecken in einem Waldstück
Wäre es nicht so spät und das Wassertretbecken nicht so veralgt, wäre die Kneippanlage eine Wohltat für meine Füße

Endlich am Campingplatz

Ich klingele den Besitzer, Ralf Bauer, aus seinem wohlverdienten Feierabend, als ich um 19.40 Uhr endlich am Campingplatz ankomme. Er ist nett und zuvorkommend und verhilft mir zuerst zu einem Bier, einem Flens, was aber nicht recht „ploppen“ will beim Aufmachen. Nachdem ich den Meldezettel ausgefüllt habe, fragt er, ob ich einen Hammer für die Heringe dabei habe, denn der Boden sei sehr trocken. „Nee, einen Hammer hammer nich“, antworte ich grinsend. Er reicht mir einen dicken Fäustel und gibt mir einen weichen Wiesenplatz in nähest möglicher Nähe zum Sanitärgebäude. Ich buckle meinen Rucksack ein letztes Mal, nehme den Hammer, meine Bierflasche und noch eine zweite, und humpele über den Weg zu meinem Platz.

Das Zelt ist direkt zuoberst im Rucksack und schnell aus der Hülle. Ich lege es aus, große Tür Richtung Toilette, und spanne die vier Ecken mit den Heringen ab. Nun hämmere ich zwei Heringe etwa einen Meter von den beiden Eingängen in den Boden. Ich schiebe erst am flacheren Zeltende einen Trekkingstock mit seinem Handgriff in die Dachspitze und spanne diese dann am eingeschlagenen Hering ab. Ich richte mich langsam auf, den mein Körper schmerzt, und nehme den nächsten Stock, mit dem ich am „Haupteingang“ das gleiche mache. Ich spanne die Zeltseiten noch ab und mit wenigen Handgriffen ist die Matte im Zelt, Ventil aufgedreht, Schlafsack drauf, Rucksack rein, und die Dinge so sortiert, wie ich sie in den nächsten Minuten benötige.

Ein Steilwandzelt steht in der Abenddämmerung
Im letzten Licht stelle ich mein Zelt auf, leider ist das Bild verwackelt. Doch Du kannst erkennen, dass meine Trekkingstöcke das Zeltgestänge bilden

Waschbeutel in die Hand und meinen Wollschlafanzug, Teva-Sandalen an die Füße und ab in die Dusche. Ich lasse lange das Wasser laufen. Auf Füße und Beine abwechselnd heiß und kalt. Ich reibe Oberschenkel und Waden und die Schultern noch mit Franzbrandwein ein und wasche mir danach gründlich die Hände, putze die Zähne und humpele Richtung Zelt. Im Sitzen schaue ich meine Fußsohlen an. Die linke hat unter dem Ballen eine dicke Blase! Na bravo! Ich hole ein Blasenpflaster aus meinem erste Hilfe Päckchen, reibe es warm und mache dasselbe mit meinem Fuß. Vorsichtig klebe ich das Pflaster gründlich auf und drücke es am Rand gut fest. Ich ziehe meine dünnen Baumwollsocken darüber, damit ich es nicht in den Schlafsack strampele. So, alles soweit erledigt! Zeit für mein zweites Flens. Sollte doch möglich sein, es mit einem Plopp zu öffnen! Aber: sieh selbst…

Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Und das habe ich nach dem ersten Schreck getan. Ich habe ungeheuer schlecht geschlafen in dieser Nacht. Mein Körper war zu erschöpft, Krämpfe in den Beinen haben mich geplagt. Irgendwann bin ich doch eingeschlafen und erst gegen 8 Uhr am nächsten Tag aufgewacht.

Eine Kurzfassung der ersten Etappe kannst Du auf meinem YouTube-Kanal anschauen.

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Mein Fazit meiner ersten Etappe

Mit Wanderschuhen und leichterem Rucksack wäre die Etappe für mich wesentlich weniger anstrengend gewesen. Für Wanderer, die die Gegend überhaupt nicht kennen, ist diese Etappe zu lange. In Zwingenberg lohnt der Stadtrundgang, auf den Gipfeln die Aussicht und das Felsenmeer sollte kletternd erforscht werden. Wer die Gegend kennen lernen möchte, sollte aus meiner 1. Etappe seine erste und zweite Etappe machen. In Reichenbach gibt es unterschiedliche Unterkünfte. So lässt sich die Wanderung, mit ihren vielfältigen Erlebnis-Angeboten unterwegs, mit Genuss erleben. Und Genuss am Natur- und Kulturerlebnis sollte die Hauptmotivation einer solchen Fernwanderung sein. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

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Fahrradtour durch Usedoms Norden

Fahrradtour durch Usedoms Norden

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Eine Landschaft zu erleben, bedeutet für mich, mit der Haut in der Landschaft zu sein. Auf langsame Art geht das mit Wandern. Der Fortbewegung, mit der das Auge und Gehirn am besten klarkommt, weil in der Evolution am längsten geübt. Heute entscheiden wir uns für die etwas schnellere Art, für das Fahrradfahren.

Fahrradtour Peenemünde-Krummin-Zinnowitz

Wir fahren von unserem Stellplatz auf der Halbinsel Peenemünde mit den Rädern los. Wir haben auf Komoot diese Fahrradtour geplant, die wir – so in etwa – nachfahren wollen.

Aufzeichnung der Radtour auf Komoot

Die Radtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

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Oder Du folgst mir und dieser Radtour auf meinem Komoot-Account.

Die Halbinsel Peenemünde

Wir radeln um das Historisch Technische Museum herum und dann auf die Naturerbefläche des Mündungsbereichs des Peenestroms. Eine Tafel erklärt die Besonderheit dieser Küstenlandschaft. Fragmente von Verteidigungsanlagen, die auf anderen Hinweistafeln erklärt werden, stehen in der Landschaft herum. Trotz der militärischen Nutzung im 2. Weltkrieg, konnte sich dieser besondere Naturbereich behaupten. Die Küstendynamik der Ostsee, geprägt durch Winde, Wellen, Strömungen, schiebt Küstensand von Ost nach West und lässt Sandwälle und Nehrungen entstehen.

Blick am Anfang der Radtour zurück zur Halbinsel Peenemünde
Blick am Anfang der Radtour zurück zur Halbinsel Peenemünde
Weiße Kühe auf einer Weide, ein Kälbchen saugt am Euter
Glückliche Rindviecher auf der Weide. Der viele Regen hat das Lila abgewaschen 😊
Reste von Verteidigungsanlagen aus dem 2. Weltkrieg
Reste von Verteidigungsanlagen aus dem 2. Weltkrieg

Der ausgeschilderte Radlweg führt uns über holperige Plattenwege, Wege mit dickem Schotter, manchmal geteerte Fahrradwege und schmale Straßen. Felder und Weiden, offene Flächen und Mischwälder wechseln sich ab. Ebene Flächen aber auch einige Steigungen machen diese Tour sehr interessant. Attraktionen für Familien sind unterwegs ausgeschildert, wir passieren sogar „Dinoland“.

Krummin

Wir erreichen unser erstes Ziel, das Dörfchen Krummin am Krumminer Wiek. Wir steuern die Gaststätte mit Laden „Zur Pferdetränke“ an. Verkauft werden regionale Produkte, gebacken und gekocht wird selbst. Wir kaufen Brot, Käse und sogar Straußensalami, die aus Ahlbeck, südlich des Stettiner Haffs, von einer Straußenfarm kommt. Mit einer Sanddornfassbrause verweilen wir im schönen Garten, der mit vielen Dekoartikeln verziert ist. Sogar ein kleiner Streichelzoo und Minispielplatz für Kinder ist im hinteren Gartenteil. Der ehemalige Stall hinter dem Verkaufsraum ist mit großen Fenstern versehen, ein schöner Wintergarten geworden, der Gäste bei unfreundlichem Wetter beherbergt.

Ein mit Blumen bepflanzter Leiterwagen ist mit einem Schild zum Fahrradparkplatz versehen
Liebevoll gestalteter Hinweis zum Fahrrad-Parkplatz beim Eingang in den Garten des Gasthauses und Verkaufsladens Zur Pferdetränke
Der Eingang zum Bistro und Laden zur Pferdetränke. Der Eingang lässt noch erahnen, dass das Gebäude früher ein Stall war
Der Eingang lässt noch erahnen, dass das Gebäude früher ein Stall war
Ein Tisch und zwei Stühle stehen auf einer Holzterrasse, dahinter sind liebevoll Dekogegenstände auf Leiterregalen drapiert
Mit Liebe zum Detail sind die einzelnen Sitznischen dekoriert
Tische und Stühle mit Sonnenschirmen stehen in einem schön bepflanzten Garten
Mit schönen Pflanzen ist der Garten unterteilt und lädt zum Verweilen ein, links geht es zum Streichelzoo

Über die gepflasterte Dorfstraße fahren wir an der Kirche vorbei ans Dorfende und stellen fest, das der Weg zum Hafen vor der Kirche abgezweigt wäre. So rattern wir wieder die Straße hinab. Das Dörfchen Krummin ist wirklich nicht sehr groß. Die Kirche dagegen ist imposant. Die Erklärung dafür ist recht einfach. Die Kirche wurde bereits 1230 urkundlich erwähnt, als ein Teil eines Zisterzienserinnenklosters. Der Ort Krummin lag an einer mittelalterlichen Handelsstraße und das Kloster war sehr bedeutend. Die Kirche ist der einzig übrig gebliebene Klosterbau auf Usedom.

Die Kirche in Krummin
In der Kirche in Krummin finden im Sommer viele Konzerte statt

Uns fällt ein Haus auf, dass einen ganz besonderen Hausschmuck hat.

Aufgefädelte Steine verzieren ein Haus in Krummin
Aufgefädelte Steine verzieren ein Haus in Krummin

Wir radeln über die gepflasterte Straße zum Naturhafen von Krummin. Jede Menge Boote liegen am Steg. Sogar mehrere Hausboote, die ein- oder zweistöckig als Feriendomiziel vermietet werden. Leider sind sie fest vertäut und ohne Motor, so das sie immer an der gleichen Stelle liegen bleiben. Eine Hafenkneipe mit schönem Blick auf die Boote und den See lädt ein, wir aber haben eine andere kulinarische Einkehr vor.

Der Naturhafen von Krummin
Im Naturhafen von Krummin können auch Hausboote als Ferienwohnungen gemietet werden

Direkt an der Kreuzung zur Kirche liegt das Café „Zur Naschkatze“. Auch hier wird täglich selbst gebacken und gekocht. Der Garten ist in vielen verwinkelten Nischen angelegt, Rosen, Kletterpflanzen und viele Blühpflanzen machen sich in ihrer Schönheit Konkurrenz. Die unterschiedlichste Bestuhlung ist in den Nischen verteilt, so dass jeder Gast einen Lieblingsplatz finden kann.

An dieser Theke versorgen sich die Gäste mit Speisen und Getränken
An dieser Theke versorgen sich die Gäste mit Speisen und Getränken
Ein Innenraum lädt bei schlechtem Wetter zum Verweilen ein
Ein Innenraum lädt bei schlechtem oder kühlem Wetter zum Verweilen ein
Im üppigem Grün des Gartens finden die Gäste Plätze zum Verweilen
Im üppigem Grün des Gartens finden die Gäste Plätze zum Verweilen
Nischen im Garten sind mit unterschiedlichen Sitzmöbeln ausgestattet
Die Nischen im Garten sind mit unterschiedlichen Sitzmöbeln ausgestattet
Im hinteren Gartenteil ist ein Spielplatz für Kleinkinder eingerichtet
Im hinteren Gartenteil ist ein Spielplatz für Kleinkinder eingerichtet
Ein weiser Spruch: Einfach mal was von der To-Do-Liste auf die Was-Solls-Liste setzen
Der Spruch hat mich darin bestärkt, vermehrt Urlaub auf unseren Reisen zu machen…

B Krummin Cafe Zur Naschkatze Selbstbedienungstresen

Nach so vielen schönen Pausen radeln wir weiter. Auf einem betonierten Plattenweg mit Blick auf das Krumminer Wiek an Feldern vorbei. Später erst in Mischwald, dann in Kiefernwald eintauchend, erreichen wir Zinnowitz.

Seebad Zinnowitz

Wir fahren bis zur Seebrücke des Seebades. Trotz Corona ist Usedom von überwiegend deutschen Touristen überlaufen, uns ist es insgesamt zu voll hier. Bei einem Stand im Städtchen kaufen wir Kirschen, die wir mit zum Strand nehmen. Die Fahrräder schließen wir vor der Seebrücke ab. Unter der Seebrücke am Strand sitzend essen wir die Kirschen und schauen dem regen Treiben zu. Der Strand geht anscheinend recht flach ins Wasser über, denn die Menschen gehen weit hinaus, bevor sie schwimmen können.

Der Strand von Zinnowitz ist mit vielen Menschen gefüllt, eine Eisverkäuferin fährt mit einem Golfwagen umher
Eisverkäufer, weißer Sandstrand, Meer und Strandkörbe, der Strand von Zinnowitz bietet Urlaub

Die Seebrücke von Zinnowitz war ursprünglich 350 m lang. Die heutige, die 1993 gebaut wurde, ragt 315 m ins Meer. Wir wandeln über der Ostsee bis ans Ende. Dort ist seit 2006 eine Tauchgondel, die erste ihrer Art, installiert worden. An einem zentralen Pfeiler fährt die als Druckkammer ausgelegte Gondel in die Tiefe. Ist das Wasser zu trüb durch den Plankton, werden 3D-Filme gezeigt.

Eine Tauchgondel am Ende der Seebrücke wartet auf Gäste
Mit der Tauchgondel kann man trocken in die Ostsee eintauchen und unter Wasser Beobachtungen machen
Blick zum Seebad Zinnowitz von der Seebrücke
Von der Seebrücke geht der Blick auf das Seebad Zinnowitz

Wir schließen unsere Räder wieder ab und machen an der öffentlichen Toilette noch Halt. An der Promenade entlang ist ein Streifen für Fahrradfahrer gekennzeichnet, dem wir weiter folgen.

Geschnitzte Holzskulpturen an der Promenade in Zinnowitz
Diese Holzskulpturen sind ein Teil der Promenade in Zinnowitz

Weiße Sandstrände

Nach dem Ort nutzen wir den ausgeschilderten Radweg weiter nach Nordwesten. Immer wieder gehen im Kiefernwald Wege zum Strand ab. Die einzelnen Abschnitte sind mit Buchstaben und Zahlen gekennzeichnet. Wenige Strände sind für FKK oder für Hunde vorgesehen. In Trassenheide halten wir für einen Eiskaffee und schieben dann einige hundert Meter unsere Räder über einen Wanderweg durch tiefgründigen Sand. Der Radweg hätte uns um den Ort geführt, wir wollten aber nahe der Küste bleiben. So entdecken wir große Heidelbeerfelder, an denen wir uns gütlich tun.

Viele Heidelbeeren hängen an den Sträuchern
Soo viele Heidelbeeren an den Sträuchern – so haben wir es überall an der Ostsee gesehen!

Wir passieren Karlshagen, mit tollen Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätzen und fahren auf dem Seitenstreifen der Straße weiter Richtung Peenemünde. Mittlerweile hat die Sonne die Wolken zur Seite gedrängt und wir schließen gegenüber eines Parkplatzes die Räder an einen Baum. Mit unseren Packtaschen, in denen die Badsachen verstaut sind, marschieren wir zum Strand. Uns fallen als erstes die Mülltonnen auf, die in Abständen von ca. 50 m regelmäßig den Strand entlang stehen. Und trotzdem liegt noch Müll herum, hauptsächlich Zigarettenkippen! Wir suchen uns ein Plätzchen und ziehen uns um. Na, mit schnell rein ins Wasser zum Schwimmen, ist nicht. Das Wasser ist familienfreundlich sehr seicht über eine weite Strecke. Als wir bis Mitte Oberschenkel im Wasser sind, laufen wir sogar bergauf und die Knie schauen wieder heraus! Dann aber geht es fix, schnell stehen wir bis über die Gürtellinie in der Ostsee und Schwimmen ist möglich. Aber das Wasser ist doch recht frisch und natürlich verdeckt genau jetzt eine Wolke die Sonne! Das Wolken-verdecken-die-Sonne-Spiel geht immer einher mit frischen Windböen. Unter Wasser bleiben und schwimmen oder zurückwaten? Ich entscheide mich für ersteres und so gewöhnt sich mein Körper an die Wassertemperatur. Ich schwimme zurück und die Sonne kommt wieder hervor. Ich schwimme so lange, bis die Knie beim Schwimmen anstupsen. Herrlich!

Feiner weißer Sand bedeckt den Strand bei Karlshagen
Der Sand am Strand von Karlshagen ist ungemein fein und weich

Einfach daliegen und die Sonne genießen, so stellen wir uns das an manchen unserer Reisetage vor.

Doch noch Regen

Aber noch ist dieser Juli wettertechnisch ein April und dicke Wolken türmen sich vor die Sonne. Da wir den Tag bisher regenfrei verbracht haben, packen wir zusammen und radeln an der Straße entlang zurück zum Wohnmobil. Räder auf den Gepäckträger, Markise rein, Tisch und Stühle verstaut… Kaum ist alles erledigt, kommt ein wenig Niesel gefolgt von einem starken Regenguss. Glück gehabt.

Die Radtour war nicht sehr anstrengend. Unsere vielen Pausen konnten wir alle an interessanten Orten machen. Das war ein toller, ein wunderschöner Tag.

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Greifswald – Usedom – Polnische Grenze

Greifswald – Usedom – Polnische Grenze

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Die Hansestadt Greifswald und die Insel Usedom, ganz im Nordosten Deutschlands, standen auf unserem Reiseplan, bevor wir nach Polen weiterreisen wollen. Trotz Aprilwetter im Juli haben wir einen trockenen Tag für eine Radtour erwischt. Museumsbesuche wechselten sich mit Genuss ab, denn Usedom hat viel zu bieten.

Hansestadt Greifswald

Wir richten uns auf dem Stellplatz in Greifswald am Museumshafen ein. Obwohl drohende Regenwolken über uns hängen, spazieren wir Richtung Stadt. Es ist Sonntag und nicht viel los. Uns begeistern die Häuser um den Marktplatz sehr und der naheliegende Dom St. Nicolai.

Der Dom St. Nicolai in Greifswald ist aus Backsteinen gemauert mit schönen Backsteinverzierungen
Blick hinauf zum Kirchturm des Doms St. Nicolai
Am mit Basalt gepflasterten Marktplatz in Greifswald stehen historische Bürgerhäuser
Um den Marktplatz in Greifswald stehen historische Bürgerhäuser. An manchen sind Tafeln zur Geschichte des Gebäudes angebracht
Am Marktplatz stehen wunderschön restaurierte alte Bürgerhäuser. Links eines mit Treppengiebel, das rot gestrichen ist, rechts ein weißes Haus
Gegenüber der ältesten Häuser steht am Marktplatz dieses Ensemble
Ein Haus mit einem wunderschönen Schmuckgiebel steht am Marktplatz 11 in Greifswald
Das Bürgerhaus, das wohl im 15. Jahrhundert erbaut wurde, beherbergt heute ein Café
Der Stufengiebel des ältesten Hauses in Greifswald ist oben mit Türmchen verziert
Dieses Giebelhaus ist das älteste in Greifswald. Aber auch der älteste Giebel eines bürgerlichen Hauses im südlichen Ostseeraum

Mit den ersten Regentropfen, die sich schnell zu einem Schutt ausarten, kommen wir wieder am Wohnmobil an. Am späten Nachmittag reißt der Himmel endlich auf. Ich beende die Tipperei für meinen Blog und wir gehen zum Alten Hafen, Schiffe gucken. Auf der anderen Seite des Kais sind Liegestühle aufgebaut und wir gönnen uns ein Bier, während wir die Sonne genießen.

Endlich scheint am Abend mal wieder die Sonne, die die Segelschiffe im alten Hafen anstrahlt
Ein wunderschöner Abend im alten Hafen in Greifswald und endlich mal Sonnenschein
Die Sonne senkt sich zum Horizont über dem alten Hafen von Greifswald
Endlich können wir mal wieder die Sonne am Horizont untergehen sehen, statt hinter Wolken

Kloster Eldena und das Dorf Wieck

Direkt östlich von Greifswald ist die Klosterruine eines Franziskanerklosters, die hauptsächlich durch einen Maler berühmt wurde. Caspar David Friedrich, der in Greifswald aufgewachsen ist, hat viele Zeit in den damals von Gras und Gebüsch überwucherten Ruinenresten verbracht. Seine Bilder sind bekannt und hängen in Ausstellungen weltweit.

Auf den Aufstellern, die Erklärungen über das Kloster abgeben, sind schematisch einige seiner Bilder genannt und dargestellt. Im Jahr 1199 gegründet, wurde die Klostergründung 1204 von Papst Innocent III. bestätigt. Erst 1248 wird ein Flecken, Oppidum Gripheswald, erwähnt, aus dem sich später Greifswald entwickelte. Das Kloster diente über mehrere Jahrhunderte als Grablege für pommersche Herzöge und Herzoginnen, Weltliche von Rang und Stand und für Ordensbrüder. Einzig der Wirtschaftshof und die Klosterscheune wurden über alle Jahrhunderte hinweg landwirtschaftlich genutzt. Heute finden in der Scheune Veranstaltungen statt. Ich persönlich finde die Baureste ungemein spannend, denn sie lassen die Baukunst vergangener Jahrhunderte erahnen.

Die kunstvoll aus Backstein gemauerten Gebäudeteile ragen hoch hinauf. Heute stehen in den Ruinen hohe Bäume
Die äußere Begrenzung des Ostflügels ist noch in den Außenmauern erhalten
Einige Säulen aus Backstein gemauert im Ostflügel der Ruine von Eldena
Die Säulen gehörten zum Ostflügel des Franziskanerklosters Eldena
Der Weg zum Ostflügel des ehemaligen Klosters ist mit Spitzbögen gebaut
Von der Kirche zum Ostflügel stehen noch Reste des Klosters
Ein hoher Torbogen, hinter dem ein Baum wächst
Ein Tor zum Baum?
Die Fenster waren kunstvoll mit Rosetten verziert
Backstein und Rosetten – kunstvoll gefertigte Fenster

Über den „Studentenweg“ spazieren wir nach Wieck, einen kleinen Ort am „Dänischen Wiek“. Das Dörfchen begrüßt seine Gäste mit einer besonderen Brücke.

Die Holzklappbrücke in Wieck ist zwar ein technisches Denkmal, wird aber heute noch genutzt
Die Holzklappbrücke in Wieck ist zwar ein technisches Denkmal, wird aber heute noch genutzt
Blick von der Mitte der Holzklappbrücke in den Hafen
Blick von der Mitte der Holzklappbrücke in den Hafen

Wir spazieren über die Brücke und am Kai entlang zum Sperrwerk, dass die Ostsee bei den Herbst- und Winterstürmen vom Dorf fernhält. Einige Holzskulpturen sind an der Promenade errichtet.

Eine Holzskulptur stellt einen Fischer dar
Ein Fischer als Holzskulptur
Holzskulpturen in Wieck tragen Mund-Nasen-Masken
Die Skulpturen machen alles richtig: Abstand halten, Masken tragen, einen tollen Platz im Freien suchen mit stimmungsvoller Beleuchtung der Ostsee durch die Sonne

Sonne, dicke, dunkle Wolken und wieder Sonne, wir haben weiterhin Aprilwetter. Beim Spaziergang durch den historischen Ortskern entdecken wir viele Kleinode, zwei Beispiele im Bild.

Ein Fahrrad, das offensichtlich im Meer gelegen hat, ist mit Muscheln bewachsen
Das Fahrrad wurde aus der Ostsee gefischt – und dient nun als Dekoration
Ein Reedgedecktes Haus mit einem üppig blühenden Garten
So stelle ich mir ein typisch norddeutsches Haus vor – und manchmal finde ich diese Exemplare wirklich

Wir sitzen kaum im Wohnmobil, schon prasselt wieder ein Regenschauer herunter. So fahren wir gemütlich nach Wolgast und über die Brücke auf die Insel Usedom. Wir wollen ganz in den Norden, hinauf nach Peenemünde.

Peenemünde

Wir folgen dem Hinweisschild mit dem Stellplatzzeichen für Wohnmobile und fahren auf den großen Wiesen- Wohnmobilplatz. Wir wählen lange aus, um einen für uns passenden Platz zu finden. Der Wind ist sehr böig und dem wollen wir ein wenig aus dem Weg gehen. So stellen wir uns letztendlich hinter eine Hecke und erfreuen uns an der Sonne, die nun wieder scheint. Zum Mittagessen fahren wir sogar die Markise aus, da die Sonne kurzzeitig richtig brennt.

Ein Hinweisschild zum Übernachtungs- und Gastro-Angebot der Halbinsel Peenemünde
Hinweisschild mit dem Angebot der „Halbinsel Peenemünde“

Wir spazieren zur Hafenbar „zum Dürren Hering“ wo wir von einem interessanten Spruch empfangen werden.

Ein guter Hinweis: Wer Meer hat braucht nicht Mehr
Man lernt doch nie aus! Spruch am Eingang zum Hafenrestaurant

Die Sonne genießen wir in einem Strandkorb, zusammen mit Kaffee und Kuchen. Auf der Halbinsel Peenemünde werden nicht nur Stellplätze für Wohnmobile vermietet, sondern auch Kojen in einem Schiff. Hotelzimmer, Appartements und sogar Ferienhäuser sind außerdem im Angebot des weitläufigen Geländes.

In einem an Land liegenden Schiff werden Kojen vermietet
Wanderer und Radtouristen können die Kojen im Schiff zur Übernachtung nutzen

Ich mache später noch einen Spaziergang, um eine schöne Stelle für mein Sonnenuntergangsfoto zu finden. Lange sitze ich auf einer Bank und beobachte einige Kormorane am Wasser.

Die Peene fließt zum Schluss in das Spandower-Hagener-Wieck, bevor sie in die Ostsee mündet
Ein Kormoran trocknet seine Flügel auf einem hohen Pfosten
Der Kormoran übt für eine Statistenrolle als Pleitegeier

Auf dem Rückweg entdecke ich einige der Blockhäuser, die mir nicht nur als Feriendomizil gut gefallen würden.

Blockhäuser werden als Ferienhaus vermietet
Mehrere dieser Blockhäuser werden als Ferienhaus vermietet

Leider wird es mit meinem Sonnenuntergangsfoto wieder nichts, die Wolken überwiegen. Allerdings bekomme ich ein anderes Wetterereignis vor die Linse.

Ein Regenbogen erhebt sich über Bäumen
Kein Regen aber ein Regenbogen

Peenemünde Museen

Nachdem wir den trockenen Tag für eine Radltour genutzt haben, wollen wir uns vor der Abreise noch einige historische Dinge in Peenemünde anschauen. Unser erster Weg führt auf die gegenüberliegende Seite des Hafens.

U-Boot Peenemünde

Dort liegt ein U-Boot der sowjetischen Armee. Die Juliett U461. Das U-Boot wurde ab Oktober 1961 gebaut und lief im Dezember 1962 vom Stapel. In Einsatz ging das Boot erst 1965 bei der 58. U-Boot-Brigade der Baltischen Rotbannerflotte. 1994 wurde das U-Boot als schwimmendes Museum nach Kopenhagen verkauft und von dort 1998 nach Peenemünde.

Außenansicht des verrostenden U-Boots 461
Das U-Boot rostet still vor sich hin… – gut so, denn so kann es keinen Krieg mehr führen!

Das U-Boot kann besichtigt werden, was wir uns nicht nehmen lassen. Durch einen Eingang geht es über einen Steg und eine steile Leiter hinunter in das Innnere des U-Boots. Ich habe keine Probleme mit Enge oder in geschlossenen Räumen, aber hier wird mir mulmig. Kabel, Rohre, Enge, schlechte Luft, wenig Platz und Vorwärtskommen nur durch kleine runde Luken in den nächsten Abschnitt, das beklemmt mich. Die ganze Atmosphäre wirkt auf mich bedrohlich. Panzer und U-Boote sind Dinge in der Kriegsführung, die ich für die Soldaten am unmenschlichsten empfinde. Unabhängig davon, dass ich militärische Einrichtungen sowieso unmenschlich und völlig unnötig empfinde. Im Frieden miteinander leben, jeden so sein lassen, wie er ist und niemand etwas neiden, ist der erste Schritt zur Entmilitarisierung. Aber solange es immer wieder Menschen gibt, die sich selbst oder ihr Volk auf einen Sockel stellen müssen, ist weltweiter Frieden wohl nicht zu erreichen.

Die Bedingungen für die Besatzung unter Bord waren totale Enge und kaum Privatsphäre. Bis zu 90 Tage konnte das Boot autonom fahren und maximal 800 Stunden tauchen. Richtig sauber halten konnten die Männer sich nicht. Es gab zwar zwei Waschbecken und eine Dusche, aber meist kamen die Männer stinkend und ölverschmiert aus den Luken an Land.

Eine Schaufensterpuppe sitzt auf einer der drei Toiletten im U-Boot
Für 78 bis 82 Mann Besatzung gab es zwei Toiletten im U-Boot und eine auf der Brücke.
Einige der Kojen für die Besatzung – mitten in der laufenden Anlage
Einige der Mannschaftskojen – die umschichtig, je nach Dienst benutzt wurden
Die Küche war sehr klein, es wurde laufend gekocht für die verschiedenen Dienstzeiten der Matrosen
Die Küche war sehr klein, es wurde laufend gekocht, da die Matrosen verschiedene Dienstzeiten und somit Essensbedürfnisse hatten
Das U-Boot von Oben vom Sauerstoffwerk aus
Von oben kann man die Größe des U-Bootes erahnen

Ich bin froh, wieder aus dem Ausgang an die frische Luft zu kommen. Ich empfand den Aufenthalt sehr bedrückend und beklemmend. Gibt es Menschen, die sich freiwillig auf so ein U-Boot melden?

Historisch Technisches Museum Peenemünde

An unserem Abreisetag sind wir kurz nach der Öffnung um 10 Uhr am Historisch-Technisches Museum. Hier wurde die die V4, die „Wunderwaffe“ der Nazis im 2. Weltkrieg entwickelt und bis zur Zerstörung der Produktionsanlagen durch die Engländer 1943 auch gebaut.

Auch an diesem Platz fühle ich mich nicht wohl. Die Umwege, die Technikerfindungen so oft über militärische Nutzung gehen müssen, finde ich so unnötig. Die finanziellen Mittel in die technische Entwicklung ausschließlich für zivile Zwecke zu stecken, wäre doch wesentlich kostengünstiger. Technische Entwicklung im Einklang mit der Natur – der Traum könnte wahr werden, wenn die Ressourcen und finanziellen Mittel zivil und nachhaltig eingesetzt würden.

Wir lesen viel während der Besichtigung. Über die politische Entwicklung hin zu Hitlers Machtergreifung und die Jahre bis zur Befreiung vom Faschismus. Über die Träume von Technikern und Schriftstellern, mit Raketen den Mond zu erreichen. In einem Raum sind Spinde eingebaut, die Namen tragen. Öffnet man die Spindtür, befindet sich dahinter die Geschichte der Person. Ob Techniker, Pilot, Zwangsarbeiter, KZ-Häftling, Soldat – über jeden erfährt man ein wenig. Es ist mal wieder unbegreiflich, wie viele Menschen so unnötig und menschenverachtend für das „3. Reich“ unterjocht, ausgebeutet und ermordet wurden. Ich kann den Besuch in diesem Museum nur empfehlen, er ist für alle Altersgruppen interessant.

Blick von Sauerstoffwerk hinab zur Eisenbahn, Rakete und zum Kesselwagen
Vom Sauerstoffwerk, auf das ich mit dem Aufzug hinauffahre, kann ich auf einige der historisch technischen Gebilde hinabschauen
Die Originalzeichnung auf der Rakete zeigt die halbnackte La Luna im Sichelmond mit einer Rakete im Hintergrund
Das ist die Originalzeichnung auf der Rakete
Die Schachfiguren des Spiels sind aus unterschiedlichen Patronen
Makabre Schachfiguren

Als wir um die Mittagszeit aus dem Museum gehen, steht eine lange Menschenlange am Eingang an. Wie überall in der Coronazeit, dürfen auch auf dieses Gelände nur eine bestimmte Anzahl an Personen.

Umfahrung Stettiner Haff

Zurück am Wohnmobil fahren wir noch zur Entsorgung und machen uns auf den Weg nach Süden. Wir wären gerne noch in das Museum der Illusionen gegangen, aber auch da stehen, mittlerweile wieder im Regenwetter, die Menschen Schlange. So fahren wir über Usedom und mit Umfahrung Anklam weiter nach Ueckermünde und südlich des Stettiner Haffs. Wir wollen nach Ahlbeck, östlich von Eggesin zur Straußenfarm. Wir schaffen es gerade noch, zur Öffnungszeit des Ladens einzukaufen. Straußensteaks kennen wir bereits von anderen Käufen, Straußen-Bratwürste werden neu auf unserem Speiseplan stehen. Wir schauen noch einige Zeit den Straußen und Emus auf ihren Weiden zu, bevor wir weiterfahren nach Rieth, zu einem sehr idyllischen Stellplatz.

Rieth

Mittlerweile ist es wieder trocken und wir stellen unser Wohnmobil auf dem privaten Stellplatz ab. Die Sonne scheint, es lohnt sich Tisch und Stühle auszupacken. Wir genießen draußen die Straußensteaks mit Couscous und Salat und einem Rotwein aus der Weinregion La Conca de Barberà in Spanien, die wir im März besucht haben. Es ist so schön, einen Abend mit Würfeln im Trockenen draußen zu verbringen.

Die Bloggerin steht in der Abendsonne am Steg des Neuwarper Sees
Zwar ist es kühl, doch ich genieße die Abendsonne am Neuwarper See
Die Sonne wird bald hinter den Wolken verschwinden, rechts ist der See
Eine wunderbare Abendstimmung

Morgens lacht die Sonne, so stelle ich mir Sommertage vor. Im Nachbarmobil wird ein kleiner Junge geweckt und nach draußen an den Frühstückstisch getragen. Lautes Gejammer begleitet die Aktion. Der Vater klärt uns auf, dass der Sohnemann noch ein wenig Sonne genießen soll, denn die soll nur bis 10 Uhr scheinen, danach wird es wohl zwei Tage regnen.

Die Bloggerin frühstückt in der Sonne
Wir frühstücken noch in der Sonne, bevor für drei Tage Dauerregen einsetzt

Das er recht behalten wird, merken wir, nachdem wir startklar sind und die ersten Tropfen einsetzen. Erst nur wenige und wir machen im Örtchen Rieth eine Rundfahrt. Am Naturhafen ist sogar ein Wohnmobilstellplatz und ein Hafencamping.

Am Naturhafen von Rieth ist eine weitere Campingmöglichkeit
Paddler, Fahrradtouristen und Camper können den Platz am Naturhafen nutzen
Am Naturhafen in Rieth ist ein Haus mit öffentlichen Toiletten
Öffentliche Toiletten am Naturhafen in Rieth
Ein Wohnmobilstellplatz für 4 Mobile mit Stromanschluss
Sogar ein Wohnmobilstellplatz für 4 Mobile mit Stromanschluss gibt es in Rieth

Sogar ein Schloss wurde in Rieth erbaut. Überhaupt ist Pommern ein sehr schlossreicher Landstrich gewesen. Oder sollte man sagen, dass jeder kleine Herrscher seine Behausung früher „Schloss“ nannte. Und die Behausung eines Herrschers unterschied sich allein durch seine Größe von der Behausung der Bevölkerung. Aber ein Schloss bot auch immer Unterkunft und Arbeitsplätze für Viele und musste von daher schon größer sein. Und zum Glück gab es auch immer Herrscher, die auf äußere Schönheit ihrer Schlösser Wert gelegt haben und Nachfahren, die diese Schönheit erhalten. So haben wir heutigen Reisenden und Besucher immer wieder historische Zeugnisse früherer Baukunst, die wir bestaunen können. Wir passieren das Café in Rieth und einige Angebote für Ferienwohnungen und Pensionszimmer. Wer fernab von Hektik, in absoluter Stille, Urlaub machen möchte, ist in Rieth sehr gut aufgehoben.

Das Café in Rieth hat Mittwoch bis Sonntag geöffnet
Das Café in Rieth hat Mittwoch bis Sonntag geöffnet

Wir fahren Richtung Löcknitz um in einem Supermarkt noch unser Pfandflaschen zurückzugeben. Dann wollen wir weiter nach Polen und in die Baltischen Staaten. Stettin ist unser heutiges Ziel. Ein Schild in Rothenklempenow lässt uns bremsen und nach rechts auf einen Parkplatz abbiegen.

Höfegemeinschaft Pommern

Beim Aussteigen sticht mir als erstes ein Schild ins Auge mit der Aufschrift „Weltacker“. Das Gelände dahinter sieht etwas verwahrlost aus, aber es steht schon auf dem Bearbeitungsplan für nächste Woche, bekommen wir im Shop mitgeteilt.

Ein Hinweisschild zu einem Weltacker. Dieser Acker ist bei der Höfegemeinschaft angelegt
Für mich war dieses Schild ein „Aha“-Erlebnis

Die Höfegemeinschaft Pommern besteht aus drei Betrieben. Der ehemaligen LPG Rothenklempenow und den Höfen Landgut Seegrund und Haffwiesenhof. Das Tierwohl steht bei der Höfegemeinschaft im Vordergrund. Im Flyer der Höfegemeinschaft wird der Betriebsleiter Tobias Keye wie folgt zitiert: „Unser Ziel war und ist eine vielseitige ökologische Landwirtschaft. Dabei binden wir die Menschen der Region ein und verstehen Tier und Natur als Teil einer ausgewogenen Kulturlandschaft.“ Im Hofladen, als Biokiste und Deutschlandweit werden die Produkte vertrieben. Wir kaufen im eigentlich geschlossenen Laden ein, aber da heute Biokisten gepackt und ausgefahren werden, können wir die Gelegenheit nutzen. Brot, Eier und Roastbeef gehen über den Ladentisch. „Unsere Kühe stehen über den Sommer auf dem Riether Werder, einer kleinen Insel. Sie werden mit der Fähre hinübergefahren und haben dort totale Freiheit. Wir schlachten nur Färsen, die dick und glücklich von der Insel zurückkommen“, erklärt uns der Herr, der uns bedient. Gestern Straußenfleisch, heute Rindfleisch aus ökologischem Landbau. Wir sind froh, dass wir es tiefgefroren kaufen und in unser kleines Eisfach geben können. Alle paar Tage mal Fleisch, am besten aus solchen Einkäufen, das finde ich vertretbar. Toll, das Schild entdeckt zu haben, so ganz am „Ende“ von Deutschland, in einer wunderschönen und ruhigen Gegend.

Das Eingangsschild zum Shop der Höfegemeinschaft Pommern
Das Schild verlockte uns zum Anhalten und zum Einkaufen von fair produzierten, regionalen Lebensmitteln

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Segeln mit dem Zweimastgaffelschoner Atalanta

Segeln mit dem Zweimastgaffelschoner Atalanta

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Unsere Ostsee-Reise bis in die Baltischen Staaten soll uns möglichst an der Ostseeküste entlang führen. Wir wollen den Wechsel der Küstenlandschaft Richtung Norden erleben. Wandern, Radfahren, Baden und Orte und Menschen kennen lernen. Unser Ostseeerlebnis beginnen wir auf der Ostsee. Bei einem Segeltörn auf dem Traditionssegler Atalantis.

Besuch in Wismar

Bei dem Besuch von lieben Bekannten nördlich von Schwerin, haben wir einen Ausflug nach Wismar gemacht. Die alte Hansestadt bietet u.a. viel Backsteinromantik, einen Kirchhof, der als Filmkulisse für die Soko-Wismar dient und einen Verein, der sich der traditionellen Seefahrt verschrieben hat. Wir entdecken die Atalantis beim Spaziergang im Hafen. Vor dem Zweimaster steht ein Aufsteller, dass Gäste bei einer Ausfahrt mitfahren können. Auf einem richtigen Segelschiff mitfahren, das wollte ich schon immer.

Ein Zweimastsegler liegt am Kai. Menschen stehen davor und betrachten das Segelboot
Die Atalanta am Kai in Wismar. Eine leichte Brise und das schöne Wetter verleiten uns, Bordkarten für den nächsten Tag zu kaufen

Nun muss ich wohl definieren, was ich für ein „richtiges“ Segelschiff halte. Ich meine damit die alten, traditionellen Holzschiffe, die früher eine Aufgabe z.B. als Handelsschiffe hatten. Segel aus Wolle oder Leinwand, Taue aus Hanf, wenig Komfort und viel Handarbeit. Wahrscheinlich sehe ich das sehr romantisch, denn die Arbeit an Bord war hart und es waren selten lustige Sommertörns. Nun, hier lag so ein Schiff und wir buchten eine Ausfahrt für den nächsten Tag. Zum anheuern bekamen wir eine schöne Bordkarte.

Die Bordkarte für die Segeltour
Unsere Bordkarte für die Segeltour. Ob wir so unter vollen Segeln auf der Ostsee sein werden?

Die Atalanta

Wir waren am Segeltag früh in Wismar, denn ich wollte einiges über den Verein und die Menschen, mit denen wir unterwegs sein würden, erfahren. Mit einem Spaziergang um den Alten Hafen näherten wir uns dem Schiff.

Der Zweimaster liegt am gegenüberliegenden Ufer am Kai. Dahinter sind Backsteingebäude
Seitenansicht der Atalanta an unserem Segeltag vom gegenüberliegenden Kai

Die Atalanta wurde 1901 als Elblotsenschoner N° 1 „Cuxhaven“ in Wevelsfleth an der Stör vom Schiffbaumeister Jürgen Peters vom Stapel gelassen. Bis 1929 tat sie ihren Dienst und leitete die großen Handelssegelschiffe von der Nordsee durch die Fahrrinne der Elbe in den Hamburger Hafen. Die aus Hamburg stammenden Mannschaften der Großsegler, die auf den Weltmeeren unterwegs waren, sahen als letztes und auch wieder als erstes heimisches Schiff die Lotsenschoner.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Großsegler und Lotsensegler schnell von maschinengetriebenen Schiffen abgelöst. Die Elblotsenschoner hatte eine außerordentliche Wendigkeit, sehr gute Segeleigenschaften und eine hohe Seetüchtigkeit. Sie waren bei Käufern beliebt, die sie als Segelyachten oder Segelschulschiffe nutzten. Die Elbe N° 5 liegt noch beinahe im Originalzustand in Hamburg.

Die Elbe N° 1, die „Cuxhaven“, wurde von Arthur Otto, einem Berliner Unternehmer gekauft. Nebenbei war er Vorsitzender der Segler-Vereinigung (SV 03) in Berlin. Er lies das Schiff auf der Schlichting-Werft in Travemünde zur Kreuzeryacht „Atalanta“ umbauen. Das bedeutete den Umbau der Räume unter Deck, in Eigner- und Damenkammer, Toiletten und Bad, Salon und Küche. Schlafplätze für die angestellte, sechsköpfige Besatzung (Kapitän, zwei Matrosen, ein Maschinist, ein Koch, einen Jungen). Auch eine Maschine als Hilfsantrieb wurde eingebaut. An Deck wurde ein Deckshaus und eine Radsteuerung installiert. Die Masten wurden fast gerade gestellt und damit wurden weitere Segel notwendig. Die Namen und Funktionen sagen mir als Landratte nichts, wenn Du Dich tiefer mit dem Schiff befassen möchtest, kannst Du hier auf der Seite der Atalanta weiterlesen.

Wir haben bei unserem Spaziergang nun das Ende des Hafens nahe dem Wassertor in Wismar erreicht und laufen den Kai zur Atalanta hinauf. In der Bordkarte wurde zu Recht auf wetterfeste Kleidung hingewiesen. Wir haben für heute Aprilwetter, mit allem außer Schnee, im Wetterbericht des MDR angesagt bekommen.

Ein Pirat steht in einem Mastkorb und schaut mit einem Fernglas in die Ferne
Der Pirat hat die Atalanta fest im Visier. Zum Glück ist sein Schiff eine Fischimbissbude und fest an der Mole vertäut

Wir gehen über die Gangway aufs Schiff, suchen uns ein Plätzchen und orientieren uns. Coronabedingt gilt unter Deck ein Einbahn-System und auch, dass nur die Hälfte der sonst üblichen Gäste mitfahren kann. Ich kaufe die Broschüre über die Atalanta, die mir, ebenso wie die Website als Quelle über die Informationen über die Atalanta hier in diesem Artikel dient.

Blick hinauf zu den zwei Masten mit ihren vielen Tauen, Wanten und Salingen
Mich verwirrt allein der Blick nach oben zu den Mastspitzen. Das die Seeleute wissen, welches Tau für was benötigt wird, bewundere ich

Als kletternde Bergsteigerin interessieren mich Seile und Taue und alles was mit Schnüren zu tun hat. Und auf so einem Schiff sind jede Menge Seile vonnöten.

Die dicken Taue aus Hanf sind erst gedreht und dann mit einer speziellen Methode geflochten
Die dicken Taue aus Hanf sind erst gedreht und dann mit einer speziellen Methode geflochten

Früher waren alle Taue aus Hanf, heute sind sie aus vielen verschiedenen Materialien, die miteinander verbunden werden. Ich kann mich daran gar nicht satt sehen.

Die Befestigung für das Focksegel ist aus Stahl, ummantelt mit Stahl- und Kunststoffgarn
Die Fockschot ist für mich ein Schnur-Kunstwerk, das den auf sie wirkenden Kräften standhalten muss

Ein Stoffteil in der Nähe des vorderen Masts interessiert mich besonders. Mir erschließt sich nicht, was dieser runde Stoffsack, der untern spitz zuläuft, für eine Bedeutung hat. Am oberen Ende ist der Stoffumschlag mit einem eingearbeiteten Taustück verstärkt und viele Schnüre sind daran befestigt. Jürgen von der Mannschaft, den ich frage, erklärt, dass wäre der Sack, um Regenwasser als Trinkwasser für die Mannschaft aufzufangen. ,Haha‘, denke ich. „Seefahrergarn“, sage ich laut. „Das ist eher ein Harry-Potter-Zauberhut, damit ihr die Gäste, ähnlich wie in Hogwarts in verschiedene Gruppen einteilen könnt?“ – „Auch eine gute Erklärung“, erwidert Jürgen und gibt dann die richtige Bedeutung wieder.

Ein Trichterförmiger oder wie ein umgekehrter Zauberhut aussehender schwarzer Kegel aus Stoff wird zur Markierung genutzt, wenn der Schoner unter Segel und Motorhilfe fährt
In den Unterlagen zur Segelprüfung heißt er „schwarzer Kegel aus Stoff“, ich nenne ihn Zauberhut. Er muss aufgezogen werden, wenn der Schoner unter Segel und Motorhilfe fährt. Ansonsten haben große Segler immer Vorrang vor Motorschiffen.

Erst 1930, nach dem erneuten Stapellauf als Hochseejacht wurde das Schiff auf den Namen einer griechischen Göttin getauft. Atalanta war der Sage nach eine schnelle Läuferin. Den ersten Törn mit der damals größten Privatjacht Deutschlands, unternahm der Eigner im Sommer 1930 nach Dänemark. Nach der Machtergreifung der Nazis musste er das Schiff verkaufen. Käufer war der Deutschen Hochseesportverband (DHH) in Glücksburg, der als Ziel die Ausbildung in Segeln und Seefahrt und die Pflege des Hochseesegelns hat. Die bis dahin zum Verband gehörenden Schiffe waren Ausbildungsschiffe und nicht für Segeltörns mit Bequemlichkeit geeignet. Die aber waren der Wunsch vieler Vereinsmitglieder und wichtig, um neue, zahlungskräftige Mitglieder zu gewinnen.

Das ist auch der Grund, warum die Atalanta heute noch ausläuft, aber dazu später. Jetzt wollen wir gleich auslaufen und die Crew findet sich zusammen.

Sechs Personen, die Crew der Atalanta, macht vor dem Ablegen eine Lagebesprechung
Lagebesprechung der Crew vor dem Ablegen. Die Windverhältnisse und Einteilung der Positionen werden besprochen

Ablegen der Atalanta

Alle Gäste sind an Bord. Wir bekommen eine kurze Einweisung, wie wir uns auf dem Schiff verhalten sollen und können und müssen. Nun kann abgelegt werden. Wir starten mit dem Hilfsmotor, denn die Hafenfahrrinne ist sehr eng. Eine Seglerin am Kai, die zufällig da ist, löst das letzte Docktau.

Ein Docktau wird ordentlich auf Deck hingelegt
Das Docktau muss auf Deck ordentlich hingelegt werden, damit es beim Anlegen wieder gut abläuft

Das Schiff legt ab und nimmt Fahrt auf. Wie das vor den Zeiten von Hilfsmotor war? Musste das erste Stück gerudert werden? Ich vergesse, diese Frage zu stellen, sie kommt mir erst, als ich den Artikel schreibe. Das Wasser liegt ganz ruhig da, seekrank kann heute keiner werden.

Ich spreche Uta, ein Crewmitglied, an, die ganz vorne sitzt, auf einem „Gummiball“, der am Hafen außer Bords ist, um das Schiff vor der Hafenmauer zu schützen. Sie kam zum Förderverein Schoner Atalanta e.V. durch einen Bekannten. Der nahm sie in einem Jahr mit zum abtakeln. Das ist im Herbst, wenn der Schoner klar für den Winter gemacht wird. Die Kameradschaft, die Stimmung und vor allem das Schiff haben es ihr seither angetan und sie wurde Mitglied. So verbringt sie einige ihrer Urlaubswochen nun in Wismar mit der Pflege des Schiffes und ist Crewmitglied bei den Ausfahrten. In den letzten Jahren hat sie über das Schiff und das Segeln viel gelernt und ist nun vollwertiges Crewmitglied. Andere Crewmitglieder sind erfahrene Seeleute, die einen Beruf auf einem Schiff ausgeübt haben. Maschinist, Steuermann, Kapitän und weitere Berufe. Viele können ihren erlernten Beruf, den sie mit Herzblut gewählt und gelebt haben, nicht mehr ausüben, weil deutsche Berufsseeleute „zu teuer“ sind. Sie sind von billigeren Arbeitskräften aus anderen Ländern verdrängt worden. Die meisten arbeiten nun in berufsverwandten Stellen an Land. Mit dem Ehrenamt auf der Atalanta können sie in einer Mannschaft wieder auf See gehen und sich um ein Schiff kümmern, also eine WinWin Situation für alle.

Als wir an der Halle vorbei gefahren sind, in der für eine Chinesische Reederei das größte Kreuzfahrtschiff der Welt für 9.500 Passagiere gebaut wird, kommen einige Crewmitglieder nach vorne und machen sich am Focksegel zu schaffen.

Ein Crewmitglied löst das Tau, mit dem das Focksegel bei Nichtgebrauch zusammengehalten wird
Das Focksegel wird gelöst, damit es aufgezogen werden kann

Als das Segel vom wenigen Wind ein wenig gebläht wird, macht sich Jürgen an dem Tau des „Zauberhuts“ zu schaffen.

Das Focksegel ist aufgezogen, das Schiff fährt unter Motor, so muss der schwarze Kegel aufgezogen werden
Das wir unter Motor fahren und das Focksegel aufgezogen ist, muss auch der schwarze Kegel aufgezogen werden

Ich schaue zu den anderen Segeln und nach oben in die Masten. Das wird heute nichts, sagt Jürgen mit einem bedauernden Grinsen zu mir. So bleibt mir nur, das Bild der Atalanta unter vollen Segeln auf der Broschüre zu betrachten. Mit freundlicher Genehmigung des Vereins darf ich das nachfolgende Bild von der Broschüre und der Website zeigen.

Die Atalanta unter vollen Segeln – Bild: Website Förderverein Atalanta, mit freundlicher Genehmigung
Die Atalanta unter vollen Segeln – Bild: Website Förderverein Atalanta, mit freundlicher Genehmigung

Die Atalanta im zweiten Weltkrieg

Das Schiff wurde im zweiten Weltkrieg dienstverpflichtet! So kam der Segler an die Seefliegerschule nach Lobbe auf Rügen. Als Begleitfahrzeug für Flieger, die auch eine seemännische Ausbildung erhielten, unterstand sie anfänglich der Marine. Später der Luftwaffe und um den Wechsel dorthin gibt es Berichte, die auch Seemannsgarn sein könnten. Bei einem Manöver der Seeflieger soll Hermann Göring mit an Bord gewesen sein. Und die Matrosen sollen sich einen Spaß daraus gemacht haben, das Schiff mehr als nötig gewesen wäre, dem Seegang auszusetzen. Göring wurde ziemlich seekrank und in der Folge wurden die Seeflieger seinem Kommando unterstellt, als Oberbefehlshaber der Luftwaffe. Im Frühjahr 1945 flüchtete die Atalanta mit anderen Schiffen nach Westen, der genaue Weg ist unbekannt. Sie wurde von der Royal Air Force beschlagnahmt, an die Elbe verlegt und von britischen Offizieren als Freizeitschiff verwendet.

Wir werden aufgefordert unter Deck zu gehen, Kaffee ist gekocht und der Kuchen für die Gäste aufgeschnitten.

Blick in die Kombüse. Links eine Arbeitsfläche, geradeaus der Herd, auf dem Absperrungen das Verrutschen der Töpfe verhindern
In der Kombüse werden Kaffee und Kuchen für die Segelgäste vorbereitet

Wir sitzen auf Deck und lassen uns den wenigen Wind um die Nase pusten. Segeln bei Flaute war früher ein sehr schwieriges Unterfangen, heute mit dem Hilfsmotor können wir wenigstens in der Wismarer Bucht umherfahren. Nur ein wenig Wind bläht das Focksegel. Während ich so die Masten hochschaue, fragt Jürgen, wie es uns geht. Ich antworte ihm, dass ich auf der einen Seite froh bin, dass wir so ruhiges Wasser haben, auf der anderen Seite hatte ich mir die Fahrt mit einem Zweimaster, eben mit aufgezogenen Segeln vorgestellt. Und gehofft, mithelfen zu dürfen. Jürgen meint, dass das wirklich schade sei, morgen wäre Windstärke 5 gemeldet, mit Böen bis 7. Ich weiß nicht, ob mir das lieber wäre? Und das Schiff sei nicht nur ein Zweimaster, sondern ein Zweimastgaffelschoner. Als ich fragend schaue, erklärt er, dass die Segel oben und unten an einem „Baum“ angebracht seien, d.h. an einem Holz, an dem das Segel befestigt ist. Andere Segelschiffe hätten den oberen „Baum“ nicht, der „Gaffel“ genannt würde. So habe ich schon wieder was dazugelernt. Später schaue ich mir die Abbildung „Atalanta“ – Das Rigg mit seinen Hauptbestandteilen“ an. Nun kann ich nachvollziehen, was Jürgen erklärt hat. Wirklich schade, dass wir das Schiff nicht in vollen Segeln sehen konnten.

Blick über den Klüverbaum in die Wismarer Bucht. Unter dem Klüverbaum ist ein Stahlnetz gespannt, darauf liegt verpackt das Klüversegel
Blick über den Klüverbaum in die Wismarer Bucht. Das Wasser ist fast ohne Wellen

Die Atalanta als Privatjacht

1950 wurde die Atalanta vom Bankhaus Warburg, Brinckmann, Wirtz & Co. gekauft.  Offizieller Besitzer bis dahin war der DHH, der nach dem Krieg kein Geld für die Instandhaltung seiner Schiffe hatte. Der eigentliche Käufer war Eric Warburg, dessen jüdische Familie 1938 durch die Nazis enteignet worden war. Als amerikanischer Offizier war er zum Ende des Krieges wieder nach Deutschland gekommen. Erst 1956 lies er sich „trotz allem“ wieder in Deutschland nieder und übernahm die Leitung des rückübereigneten Bankhauses, das 1798 gegründet wurde, in 5. Generation.

Die Atalanta wurde nach Kiel überführt, hatte eine festangestellte Besatzung und war regelmäßig auf der Kieler Förde unterwegs. Freunde und Geschäftspartner des Bankhauses, genauer gesagt von Eric Warburg, waren immer wieder dabei und segelten bis Skandinavien. Ein recht enger Freund Eric Warburgs und ebenfalls leidenschaftlicher Segler war Helmut Schmidt, der daher auch häufig an Bord war. In seiner Amtszeit als Bundeskanzler von 1974 bis 1982 wurde die Atalanta zum inoffiziellen Botschafter der BRD. Schmidt segelte z.B. nach Dänemark zum Besuch beim dänischen Ministerpräsidenten. An diesem Törn nahm auch der spätere kanadische Ministerpräsident und ebenfalls begeisterter Segler Trudeau teil. Sogar ein Besuch in Polen, dem ersten eines westdeutschen Regierungschefs, im August 1979, wurde mit der Atalanta ermöglicht.

Wir sind mittlerweile durch die Fahrrinne, die im Zickzack links der Insel Poel verläuft, aus der Wismarer Bucht herausgefahren. Rechts von uns sehen wir den Leuchtturm bei Timmendorf. Bei klarer Sicht könnten wir in der Ferne im Nordwesten die Schleswig-Holsteinische Küste sehen. Heute aber sehen wir nur grau in grau. Das Grau bestäubt uns nun sogar mit leichtem Nieselregen. Wir drehen um und fahren wieder zurück.

Der Förderverein Schoner Atalanta e.V.

Eric Warburg verstarb 1990 mit 90 Jahren. Ein Jahr später wurde das Schiff außer Dienst gestellt und noch ein Jahr später in der Königs-Werft in Rendsburg aufgelegt. Die Reparaturarbeiten, die nach vielen Jahren Segeln anstanden beliefen sich auf etwa 2,5 Millionen DM. So trennte sich das Bankhaus von der Atalanta und suchte einen neuen Eigner. Es war zwei Jahre nach der Wende. In Wismar sollte die maritime Tradition der alten Hansestadt durch ein Schiff repräsentiert werden. Die Verantwortliche der Stadt, waren auf der Suche nicht nur nach einem Schiff, sondern nach einem Objekt, in den das Arbeitsamt Wismar als Projekt Umschulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen durchführen könnte. Die Atalanta war für beide Zwecke geeignet. So gründete sich 1994 der Förderverein Schoner „Atalanta“ und das Bankhaus Warburg übereignete für den symbolischen Preis von 1 € das Schiff. Eine Auflage beim Verkauf gab es; der Verein sollte das Schiff im Rahmen gemeinnütziger Jugendarbeit nutzen. Erster Vorsitzender des Vereins wurde Joachim Tesmer, der in den nächsten Jahren auch die Arbeiten zur Restaurierung und Wiederinstandsetzung plante und koordinierte. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt wurde Ehrenmitglied des Vereins.

Die Ausbildungsberufe, die Langzeitarbeitslose und Umschüler erlernten, waren Bootsbauer, Segelmacher, Schiffszimmerer, Mechaniker für Bootstechnik und Schiffselektroniker. Das Schiff veränderte sich im Inneren komplett, so wie es heute noch beschaffen ist. An Deck verschwand das Deckhaus, dafür wurde ein Fahrstand installiert und weitere Dinge verändert. Die Rigg (alles oberhalb des Decks) und der Rumpf blieben so, wie ursprünglich als Lotsenschoner gebaut.

Wir sehen in der Ferne schon die Hafengebäude, so wird das Focksegel wieder eingeholt. Nachdem es mehr oder weniger „unten liegt“ muss es noch aufgenommen und verzurrt werden.

Das Focksegel wird wieder eingeholt
Das Focksegel wird wieder eingeholt und verzurrt

Inbetriebnahme Atalanta durch den Förderverein

Mittlerweile kann die Sonne ein wenig Licht machen und erzeugt eine besondere Stimmung auf dem Wasser. Die Wellen gleiten gleichmäßig vom Rumpf weg, ich schaue gebannt zu, wie rhythmisch die Bewegungen der Wellen sind.

1997 verlies die Atalanta die Reederei in Kirchdorf und fuhr auf eigenem Kiel nach Wismar. Dort wurden die Arbeiten fortgesetzt. Zum 100. Geburtstag des Schoners wurde er 2001 wieder in Dienst gestellt. Unter die politische Prominenz hatte sich auch Helmut Schmidt gemischt. Eine ehrenamtliche Crew pflegt und segelt das Schiff seither. Mit den Ausfahrten wird das Geld verdient, das zum Erhalt des Schiffes notwendig ist. In diesem Winter und während der Coronazeit wurden ca. 80.000 € ausgegeben, da z.B. das Unterschiff überholt werden musste, und viele Taue erneuert wurden. Ausfahrten mit interessierten Jugendlichen werden unternommen und Jugendaustausche mit anderen europäischen Ländern, meist Ostseeanrainerstaaten werden durchgeführt. Jugendgruppen können das Schiff – auch ohne jegliche Segelerfahrung – für Törns mieten. Sei es um Spaß miteinander zu haben, sei es, um danach Seemannsgarn spinnen zu können oder um Gruppen zu Teams zusammen zu bringen. Der Ansatz ist immer erlebnispädagogisch. Auch andere Gruppen können das Schiff für einige Tage mieten. Natürlich steht es jedem Menschen frei, auch Mitglied im Förderverein zu werden, nur zahlend oder auch aktiv. Die wesentliche Aufgabe des Vereins ist die Erhaltung des maritimen, kulturellen Erbes, das die Atalanta darstellt. Dazu gehört der Betrieb des Schiffes mit traditionellen Fertigkeiten des Segelns mit einem Gaffelsegler und der Navigation ebenso, wie der Schiffspflege.

Wir fahren langsam wieder in das Hafengelände von Wismar ein. Die alte Hansestadt grüßt mit ihren zwei Kirchtürmen über das Wasser. Die Kräne am Hafen zeugen davon, dass selbst im Moment Ware gelöscht, bzw. verladen wird.

Die Stadt- und Hafenansicht von Wismar aus der Bucht. Viele Kräne und zwei Kirchtürme überragen die Stadt
Zwei Kirchtürme prägen die Stadt heute, die vielen Kräne gehören nur zum Tail zum Hafen

Erlebnisse der Atalanta

Für die Crew und das Schiff sind das Hafenfest in Hamburg, die Kieler Woche und die Teilnahme an anderen Segelregatten sicherlich jährliche Höhepunkte. Die ehrenamtlichen Crewmitglieder nehmen dafür Urlaub, um mit ihrem Schiff, ihrem Herzensanliegen unterwegs zu sein. Andere Crewmitglieder, die in und um Wismar wohnen oder schon im Ruhestand sind, kümmern sich täglich um das Schiff. Auch hier ist Teamgeist gefragt und wird das Miteinander in einer Kameradschaft gepflegt. Diesen Spirit, dieses Miteinander, haben die Gäste bei unserem Segeltörn, oder soll ich besser Flautentörn (?), deutlich gespürt.

Uns hat die Fahrt Freude bereitet. Wir wünschen der Atalanta, dem Gaffelsegelschoner, noch viele aktive Jahre auf See. Noch viele begeisterte Gäste an Bord und Vereinsmitglieder, die mit immer neuen Ideen das Schiff am Laufen halten.

Die Informationen für den Bericht habe ich zum größten Teil aus der Broschüre und von der Website über die Atalanta entnommen. Mit freundlicher Genehmigung des Fördervereins Lotsenschoner „Atalanta“ e.V.

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Die Wartburg bei Eisenach

Die Wartburg bei Eisenach

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Unser Weg von der Rhön zur Ostsee führt durch Thüringen. So nutzen wir die Gelegenheit, die Wartburg in Eisenach zu besuchen. Die Wanderung beginnt aufgrund der schlechten Beschilderung holperig. Der schmale Pfad mit schönen Aussichten und einem überraschenden Burganblick entschädigt.

Parken bei der Wartburg

Wir erreichen die Wartburg über die B19 von Bad Salzungen. Rechts der Straße stehen einige Fahrzeuge und das Parken dort ist erlaubt. So lassen wir uns verleiten, stellen unser Wohnmobil unter die Bäume am Straßenrand. Der Tag ist sonnig, so wird sich der Innenraum nicht so sehr aufheizen. Ich hatte bei der Anfahrt die Burg bereits links über uns erspäht. Wir laufen die Straße entlang, auf der Suche nach einem Weg, der links hinauf führt. An der nächsten Querstraße finden wir einen Schotterweg nach links, rechts ein Aufsteller mit einer gemalten Wanderkarte. Aber kein Hinweis, wo unser Standort sein könnte. Ein Lieferwagen kommt den Weg heruntergerauscht und staubt uns ein, so versuchen wir unser Glück weiter nach links und spazieren eine gepflasterte Straße hinauf, Google Maps folgend. Ein Tor weist darauf hin, das der Weg über Privatgrund führt. Ich verstehe Google Maps nicht, dass es privat und öffentlich nicht unterscheidet. Frustriert schalte ich Google Maps aus. Wir gehen zurück zur Straße, passieren eine Bushaltestelle und folgen rechts der Straße einem kleinen Waldweg. So gelangen wir zum Parkplatz P3 mit Schild zurück zum Shuttlebus. Also wieder zurück, denn der soll immer um 5 oder 35 fahren. Wir warten bis 45 und entschließen uns dann, nochmal an dem Schotterweg unser Glück zu versuchen. Dort, wo vorhin der Lieferwagen stand, ist nun am Baum ein kleines Schild „Zur Wartburg“ zu erkennen. Na toll! Auf beiden Seiten am Weg ein Schild und eine Einzeichnung des Standortes in der Karte, wäre eine mächtige Verbesserung!

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

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Oder Du folgst mir und dieser Wanderung auf meinem Komoot-Account.

Wanderung zur Wartburg

Nachdem wir nun endlich auf dem richtigen Weg sind, geht es am Ende des Schotterwegs, der an einigen Häusern vorbeiführt, auf einem kleinen Pfad recht steil bergauf, durch schönen Mischwald. Das Burgen immer so hoch auf den Bergen liegen müssen! Ich denke wieder daran, wie viele Generationen Untergebene mit schweren Lasten täglich diese Berge hinaufsteigen mussten. Wir machen die Wanderung in unserer Freizeit aus sportlichen und hier sogar aus kulturellen Gründen.

Eine Rastbank aus Stein auf dem Weg zur Wartburg
Nach dem ersten Steilstück ist eine wunderschone steinerne Rastbank

Nun steigt der Weg nur noch allmählich an und wir erfreuen uns an der Natur.

Ein abgestorbener Baumstamm mit Baumpilzbewuchs
Am Weg steht dieser alte Baum, mit viel Pilzbewuchs
Weißer und Lila Fingerhut neben dem Wanderweg
Sogar weißer Fingerhut blüht auf dem Wanderweg zur Wartburg
Vor einem Taleinschnitt sind mächtige Felsen im Wald
Die mächtigen Felsen stehen vor dem Taleinschnitt, an den sich der Wartburgfelsen anschließt
Eine Holzskulptur ist in einen abgestorbenen Baumstamm eingearbeitet
In einem abgestorbenen Baumstamm ist eine Holzskulptur eingeschnitzt

Wir marschieren nochmal steiler hinauf auf einen Felseinschnitt zu und bleiben sofort stehen.

Aus dem Wald hinaustretend ein erster Anblick der Wartburg von Süden
Aus dem Wald hinaustretend, haben wir einen ersten Anblick der Wartburg von Süden, auf Palas und Bergfriedturm

Die Wartburg

Nun geht es noch rechts herum zur Burg und einigen Wanderwegtafeln.

Die Tafel erklärt den Lutherwanderweg von Eisenach nach Möhra, dem Lutherstammort
Die Tafel erklärt den Lutherwanderweg von Eisenach nach Möhra, dem Lutherstammort
Holzskulpturen stehen unterhalb der Burg. Sie sind der Beginn des Pummpälzweges, der bis zur Burg Frankenstein bei Bad Salzungen führt
Holzskulpturen stehen unterhalb der Burg. Sie sind der Beginn des Pummpälzweges, der bis zur Burg Frankenstein bei Bad Salzungen führt

Laut einer Sage, die Ludwig Bechstein (1801-1860) aufgeschrieben hat, wurde die Wartburg folgendermaßen erbaut: Graf Ludwig (mit Beinamen Springer), ein mächtiger Herr in Thüringen war auf der Jagd.  Er verfolgte einen Hirschen, erst am Flüsschen Hörsel, später schnitt er ihm vermeintlich den Weg ab und ritt einen Berg auf einen Felsen hinauf. Während er auf dem Felsen so wartete und die Gegend betrachtete, soll er gesagt haben: „Wart, Berg, Du sollst mir eine Burg werden.“ Allerdings gehörte der Felsen, sowie das Gebiet darum, den Herren von Frankenstein. So erdachte Ludwig eine List. Er holte mit den ihn begleitenden 12 Rittern in der Nacht mit Körben Erde von seinem eigenen Land und verteilte sie auf dem Felsen. Bald darauf kamen die Herren von Frankenstein um für ihr Eigentum zu kämpfen, gegen die sich Ludwig mit seinen Rittern verteidigte. So verklagten sie ihn bei Kaiser und Reich. Bei der Befragung erklärte Ludwig, er habe die Burg auf das Seine gebaut. Daraufhin musste er mit seinen 12 Rittern auf dem Felsen die Schwerter in den Lehm stecken. Sie schworen, bei ihren Leibschwertern, dass der Boden, in dem diese Schwerten stecken würden, schon seit Alters her zur Herrschaft von Thüringen gehören würden. Daraufhin durfte Ludwig den Berg behalten. Unter großen Opfern, des durch eine Hungersnot ohnehin notleidenden Volkes, musste das thüringische Volk die Burg erbauen.

Über eine Treppe erreichen wir das mächtige Burgtor. Coronabedingt sind Abstandhalten, Anstehen und nur wenige Menschen gleichzeitig bei der Besichtigung zugelassen. So bleibt Zeit, sich vom Platz in der Schlange umzusehen und die Burg mit Ihrer Geschichte auf sich wirken zu lassen.

Der erste Innenhof nach dem Burgtor hat links verschachtelte Fachwerkhäuser
Dieses Fachwerkensemble im Innenhof wirkt auf mich einfach anheimelnd
Ein aus Stein gemeißelter, verzierter Ziehbrunnen mit kunstschmiedeeisernen Überbau
Der Brunnen steht im ersten Burghof, in der Nähe des Museumsshops
Der Bergfried hat ein goldenes Kreuz und eine Deutschlandflagge auf der Spitze
Auf dem Turm Bergfried symbolisiert das goldene Kreuz das Christentum im Allgemeinen und die Deutschlandfahne erinnert an die Bedeutung der Wartburg für die Demokratiebewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts

1817 fand auf der Wartburg im Gedenken an das 300. Reformationsjubiläum und den Sieg der Völkerschlacht bei Leipzig ein Fanal der Jenaer Burschenschaften statt. Diese erste freiheitlich-bürgerliche Nationalbewegung, die ein deutsches Reich forderte, nutzte bereits die Farben Schwarz-Rot-Gold. Zu dieser Zeit bestand Deutschland noch nicht als ein Reich oder Land, sondern noch aus 37 Kleinstaaten, die alle eigene Gesetzgebung hatten und meist keine Verfassung und keine Bürgerrechte für die Bevölkerung.

Endlich können wir unser Ticket lösen und werden im Einbahnstraßenverkehr in den zweiten Burghof geleitet. Dort steht die Schlange um die Zitadelle zum Palas an.

Das Wartburgmodell von der Nordseite
Das Modell der Wartburg von der Nordseite
Die Wartburg im Modell von der Westseite
Das Modell der Wartburg von der Westseite
Blick in das Ritterbad. Ein großes Becken ist in einen Raum mit hohen Säulen eingelassen
Das Ritterbad wirkt auf mich eher wie ein Minischwimmbad

Ab 1838 wurde die Wartburg wieder in Schuss gebracht. Der Restaurator und Architekt Hugo von Ritgen (1811-1889) erhielt bestehende Gebäude. Die verloren gegangenen Burgteile, die historisch bekannt waren, wurden in historischen Formen neu erbaut. Nach den alten urkundlichen Erwähnungen war bekannt, dass eine Badestube auf der Wartburg existiert hatte. Und vermutlich in südlicher Anbindung an den Palas in der Nähe der Zisterne. Das Ritterbad im neoromanischen Stil wurde erst nach 1887, nach dem Bau einer Wasserleitung zur Wartburg, realisiert.

Der Südturm mit einer Markanten Holz-Außentreppe
Der Südturm wurde schon von Goethe beschrieben. Heute sieht er noch genauso aus, wie August von Wille ihn 1869 mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt hat. Sein Gemälde hängt im Palas

Aus hygienischen Gründen werden keine Audioguides verliehen. Stattdessen laden die Besucher das zu Hörende auf das eigene Smartphone herunter. Je nach Station hören sich die Besucher die Beschreibungen am eigenen Gerät an. Das will ich nun nicht vertiefen, denn auch Du kannst Dir die Stationen im Palas und zur Burg dort anhören und bei einem 360° Rundgang anschauen.

1999 wurde die Wartburg wegen ihrer heraus­ragenden kultur­ge­schichtlichen Bedeutung von der UNESCO zum „Welterbe der Mensch­heit“ erklärt. Nachfolgend einige Bilder aus dem Inneren.

Eine Aus Holz mit Eisenbeschlägen und Verzierungen gebaute Tür zur Kapelle BU Diese Tür führt in die Kapelle
Diese Tür führt in die Kapelle
Der Festsaal der Wartburg ist mit Holzstühlen mit Weinroten Samtpolstern bestücke. Eine Holzgetäfelte Decke und Wandmalereien schmücken den Raum
Der Festsaal der Wartburg – allein der Saal selbst ist bereits ein Kulturerlebnis

Der Saal ist von Hugo von Ritgen so gestaltet worden, wie man sich im 19. Jahrhundert einen mittelalterlichen Prunkt-Saal vorstellte.

In einer Glasvitrine liegt aufgeschlagen die von Luther in Deutsche übersetzte Bibel
Ein Exemplar der gedruckten Lutherbibel von 1541

Ich habe den Besuch in der Wartburg trotz Coronaeinschränkungen als sehr wohltuend empfunden. Nicht nur wegen der geschichtlichen Bedeutung, sondern auch, weil mir die Burganlage, die handwerklichen Arbeiten der einzelnen Gewerke so gut gefallen. An der Burg finden wir auch heraus, dass nur an Wochenenden und Feiertagen der Shuttlebus fährt. Da der Regenschauer niederging, als wir in der Burg zur Besichtigung waren, spazieren wir auf gleichem Weg – nun mit anderen Aussichten, zu unserem Wohnmobil zurück.

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Ein Tag in der Hochrhön

Ein Tag in der Hochrhön

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die Hochrhön, das ist sicherlich die Wasserkuppe mit ihren 950 m Höhe. Der Heidelstein und das Rote Moor gehören für mich auch dazu. Wandernd die Landschaft genießen, die Natur beobachten, Blumen, Insekten, einen fantastischen Tag erleben. Und wenn dann auch noch das Wetter passt, steht einem Sonnenuntergang am Wachtküppel nichts im Weg?

Wanderung zum Heidelstein und am Roten Moor

Die Hochrhön bietet viele spannende Ziele. Der Heidelstein und das Rote Moor gehören seit meiner frühen Kindheit dazu. Bei unseren anfänglichen Familienurlauben war der Torfabbau am Roten Moor sogar noch aktiv. Erst 1986 wurde der Abbau ganz eingestellt und ein Renaturierungsprojekt begonnen.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Früher Vogel macht das Foto

Manchmal ist es nervig, wenn ich morgens sehr früh auf die Toilette muss. Heute war das ein Highlight. Wir können unser Wohnmobil ziemlich gut verdunkeln, aber es gibt kleine Ritze, durch die Licht dringen kann. Und heute war es der gleisende Sonnenaufgang, der mich statt zur Toilette, mit dem Smartphone nach draußen lockte. Barfuss im nassen Gras, ohne Brille habe ich den Augenblick genossen und dabei noch an das Foto gedacht.

Sonnenaufgang am Wohnmobilstellplatz Kreuzberg
Um halb sechs habe ich den Sonnenaufgang fotografiert und danach nochmal gut geschlafen

Als wir richtig aufstehen, sendet die Sonne schon fleißig Wärme, so können wir draußen frühstücken und uns den Plan für den heutigen Tag überlegen. Von unserer Kreuzbergwanderung haben wir auf den Heidelstein und die Wasserkuppe geschaut. So werden sie heute unsere Ziele sein. Wandernd und mit dem Auto.

Wanderung zum Heidelstein

Um Heidelstein und Rotes Moor zu erwandern, bietet sich der Parkplatz Moordorf an. Wir entsorgen am Wohnmobilstellplatz in Haselbach Grauwasser und Toilette und fahren mit den Touristikschildern „Rotes Moor“ bis zum Wanderparkplatz.

Der Parkplatz Moordorf zwischen Rotem Moor und Heidelstein ist großzügig angelegt
Für unsere Wanderung zum Heidelstein und zum Roten Moor parken wir auf dem Parkplatz Moordorf

Die Parkgebühr beträgt 2 € für ein Tagesticket. Am Parkplatz ist das Nabu-Haus mit einem Informationszentrum und ein Bistro. Das Gebäude ist sehr nachhaltig errichtet, eine Inspirationsquelle für jeden Häuslebauer!

Am Parkplatz Moordorf ist das Nabu-Haus Rotes Moor mit einer Gaststätte und einem Infozentrum eingerichtet
Das Nabu-Haus informiert über das Rote Moor

Wir studieren die aufgehängten Wanderkarten, die aber alle keine Aussage zu den Rundwanderwegen vom Parkplatz aus haben. Eine Wanderkarte beschreibt eine 18 km-Tour, die nächste die Loipen und die nächste einen Rhönradweg. So wandern wir mit unserer Naturparkkarte Rhön. Die ist zwar schon älter, aber der Heidelstein und das Rote Moor sind noch an der selben Stelle! Zum Heidelstein ist sowieso easy, denn es geht vom Parkplatz nur geradeaus den Berg hinauf. Anfänglich ist links im Wald eine Fichtenschonung, die sehr „rostig“ aussieht. Dort hat wohl die Trockenheit und der Borkenkäfer bereits zugeschlagen. Der hohe Fichtenbestand, durch den wir danach laufen, zeigt keine ungesunden Anzeichen – soweit ich das erkennen kann. Schon gleich bei der nächsten Kreuzung ist ein wunderschöner Rastplatz.

Rastbänke und Tische werden von geschnitzten Eulen gesäumt
Ein schöner Rastplatz auf dem Weg zum Heidelstein

Wir wandern durch gemischten Buchen- Fichtenwald weiter und kommen auf den freien Beginn der Kuppe des Heidelsteins. Einige Rhöngipfel haben obenauf nur Wiesengelände, mit wunderschönen Wiesenblumen. Man sollte hier nicht vom Weg abkommen, denn die Pflanzen sollen sich endlich wieder ungestört vom Menschen entfalten. Wir bleiben oft stehen, um uns an den Blumen und ihren Nektarbesuchern zu erfreuen.

Ein weißer Schmetterling mit wunderschöner schwarzer Zeichnung saugt Nektar an einer Blume
Der wunderschön gezeichnete Schmetterling und der Käfer vertragen sich

Mäßig steil geht es bergauf. Anfänglich ist der Weg schottrig, später ein Feldweg. Die Wanderung ist mit Kinderwagen möglich, mit etwas Armkraft. Da wir aber keine Enkelkinder dabei haben, spazieren wir, bereits mit Aussicht ins Umland und auf den Gipfel weiter.

Ein großer Sendemast steht auf dem Heidelstein
Dieser Sendemast steht auf dem Gipfel des Heidelsteins

Eine Bank steht beim Wegweiser vorm Gipfel. Setzen, schauen, genießen. Was braucht der Mensch mehr? Und damit Du nachvollziehen kannst, wie schön die Aussicht ist, hier einige Inspirationen.

Vom Heidelstein geht der Blick hinüber zum Kreuzberg
Vom Heidelstein geht der Blick hinüber zum Kreuzberg
Die Wasserkuppe erhebt sich in der Ferne
Über die Blütenwiese der Hochebene geht der Blick zur Wasserkuppe
Die Kuppel der Wasserkuppe
Die Kuppel auf der Wasserkuppe, rechts der Segelflugplatz

Einige Radfahrer schnaufen den Berg hoch, obwohl sie elektrisch unterstützt werden. Da wir zu Beginn unserer Wanderung über den Begriff „Rhönradweg“ gestolpert sind, erklärt Bernhard dem verdutzten Radfahrer, dass er auf dem Radweg gar nicht fahren darf. Dieser verteidigt sich sofort, dass sei ein offizieller Radweg, er würde sich immer an die Regeln halten und hätte mit Wanderern keine Konflikte. Bernhard grinst und sagt, der Radweg sei aber nur für das Fahren mit Rhönrädern erlaubt. Nach kurzem Stutzen geht auch ein Lächeln über das Gesicht des Radfahrers. Das wären doch die großen runden Dinger, in denen man so ähnlich wie radschlagend drinstehen würde? Ja genau, antwortet Bernhard, der Radweg wäre wohl für diese angelegt. Und dann ergehen wir uns darüber, welche Muskelkraft ein Mensch haben müsste, um mit einem Rhönrad auf den Heidelstein zu kommen. Und wie das bergab erst gehen müsste…

Wir spazieren auf dem gleichen Weg zurück, nun mit freiem Blick nach Osten, ein fantastischer Ausblick. Mittlerweile sind mehr Insekten unterwegs, es geht auch auf die Mittagszeit zu, da muss noch schnell Nektar gesammelt werden.

Ein Käfer links und ein bräunlicher Schmetterling rechts sitzen auf einer Blume
Käfer und Schmetterling auf einer Blume zeigen, dass die Natur noch in Ordnung ist
Ein Weiß-schwarzer Schmetterling an einer Blume
Sogar kopfüber wird der Nektar aus den Blüten gesaugt

Die Heidelbeersträucher am Heidelstein haben keine einzige Beere dranhängen. Vermutlich haben die Sträucher während der Eisheiligen geblüht, wo keine Insekten unterwegs waren? Wir haben am 22. Juni in der Pfalz bereits 1,8 kg Heidelbeeren gesammelt – für die Rhönwanderer wird das in diesem Jahr schwierig werden. Statt Heidelbeeren finde ich Naturkunst, die mich auf andere Weise erfreut.

Ein Stein ist wie ein Herz geformt und liegt auf einem bemoosten Baumstumpf
Ein Herz aus Stein – so fein…

Ein Fleck der Wiese leuchtet mich an. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Farben und Formen die Natur hervorbringt.

Blüten in Pink stechen aus dem Gras hervor
Die pinken Blüten stechen aus dem Gras hervor

Das Rote Moor

Wir wandern über den Parkplatz, über die Straße geradeaus zum Roten Moor. Bald ist rechts eine kurze Erklärung zum Moor. Dort führt ein schmaler Pfad an einem niedrigen Palisadenzaun entlang. Die Aussicht auf den Moorsee, der rötlichbraun still daliegt ist wunderschön.

Auf einem von Bäumen umstandenen Moorsee schwimmen einige Enten
Nur wenige Enten bevölkern den Moorsee

Mich wundert, dass es nicht mehr Wasservögel gibt. Ob es an der chemischen Zusammensetzung des Moorwassers liegt? Viele Libellen in den verschiedensten Farben sind unterwegs. Allerdings in Höchstgeschwindigkeit und fast nicht mit dem Foto einzufangen.

Rechts unten über dem Moorsee fliegt eine Libelle, links in der Pflanze ist ein Spinnennetz
Schwierig, eine Libelle mit dem Foto im Flug zu erwischen – recht unten ist eine zu erkennen – und viele andere Insekten, die herumschwirren

Aber mit Geduld erreicht man vieles und so auch eine gemütlich dahinfliegende Libelle.

Der Wald spiegelt sich im Moorsee, eine Libelle schwirrt vorbei
Diese Libelle hatte es beim Überqueren des Moorsees nicht so eilig

Der schmale Weg geht bald wieder in die Schotterstraße über und nach kurzer Strecke geht es nach rechts ab.

Ein Wegweiser und eine Weg zur Roten Moor Infohütte, die im Hintergrund steht
Der Wegweiser schickt uns zur Roten Moor Infohütte und zum Bohlenweg

Die Informationen beschäftigen sich mit den Unterschieden von Hoch- und Niedermooren und der Bedeutung für Pflanzen und Tiere, die den Lebensraum Moor benötigen. Das Rote Moor ist ein Hochmoor, denn es liegt über 800 m hoch. Die ganze Strecke durch das Moor ist barrierefrei angelegt, Radfahrer sollten ihr Fahrrad schieben. 

Ein Bohlenweg führt durch das Rote Moor
Auf dem Bohlenweg geht der barrierefreie Wanderweg durch das Rote Moor

Eine Besonderheit bei den Pflanzen ist, dass unsere üblichen Birken kaum vorkommen. Die Karpatenbirke ist im Roten Moor vorherrschend. So genießen wir nicht nur den Spaziergang im Roten Moor, sondern auch noch einen Ausflug in die Karpaten. Die stehen eigentlich erst auf der Weiterfahrt auf dem Donauradweg auf unserem Programm…

Die Karpatenbirken sind im Stamm dunkler als die uns sonst bekannten Birken
Unsere Birken sind am Stamm eher Weiß, die Karpatenbirken dagegen dunkel
Eine Erklärungstafel über die Karpatenbirken, die im Roten Moor heimisch sind
Auf der Tafel wird erklärt, warum die Karpatenbirken im Roten Moor heimisch sind

Die Rauschbeeren und die Heidelbeeren, die den leider trockenen Moorgrund bedecken, haben weder Blüten noch Früchte. Ich kann mich erinnern, dass bei unseren Wanderungen in meiner Kindheit immer Wasser unter dem Bohlenweg stand. Rötlich schimmerndes Wasser, was einen torfig-moorigen Geruch hatte. Das machte die Wanderung am Roten Moor auch aus. Nach den letzten trockenen und heißen Sommern und den wenigen Niederschlägen im vergangenen Winter, leidet das Moor sichtlich. Wir erreichen bald den Aussichtsturm, von dem wir auf unser letztes Ziel blicken können.

Vom Roten Moor geht der Blick hinauf zum Sendemasten des Heidelsteins
Der Sendemast des Heidelsteins vom Roten Moor aus gesehen

Kaskadenschlucht

Wir entschließen uns, einen Rundweg zu wandern und spazieren auf dem Bohlenweg weiter. Wir biegen wieder auf einen Forstweg ab, es summt und brummt in den Wiesenblumen am Wegesrand. Ein Schild weißt darauf hin, dass die Kaskadenschlucht nur einen Kilometer entfernt ist, ein nächstes warnt vor den Gefahren.

Ein Warnschild weist auf die Gefahren des Weges durch die Kaskadenschlucht hin
Ein Warnschild am Zugang zur Kaskadenschlucht – vermutlich gilt das an nassen Tagen

Wir wechseln auf einen schönen Waldpfad, der sich bergab schlängelt. Wir begegnen keinen Schwierigkeiten, die Pfade im Pfälzerwald sind anspruchsvoller. Nachdem wir eine Brücke gequert haben kommen wir mit einer nächsten Brücke über ein sehr schmales fließendes Bächlein. Nun erschließt sich uns der Begriff „Kaskadenschlucht“, die wir somit erfolgreich durchwandert haben.

Die Kaskadenschlucht führt nur wenig Wasser, daher sind nur wenige Kaskaden zu sehen
Leider macht die Kaskadenschlucht ihrem Namen aufgrund von Wassermangel keine Ehre

Wir verschaffen uns auf Komoot einen Überblick. Wir müssen nicht den gleichen Weg zurück, sondern können einen Rundweg aus dieser Wanderung machen. So spazieren wir links weiter und stoßen auf diesen sinnvollen Wegweiser.

Ein aus Zweigen gelegter Wegweiser weißt am Boden um die Ecke
Na, wie lange dieser Wegweiser wohl seinen Dienst tun darf?

Noch zweimal biegen wir halblinks ab und wandern auf einem Forstweg, von den unterschiedlichsten Wiesenblumen gesäumt, hinauf. Aufmerksam entdecken wir viele Kleinigkeiten.

Zwei orangeschwarz gestreifte Käfer kopulieren auf einer Blüte
Da werden “kleine Käfer“ produziert

An einer Wegkreuzung stoßen wir auf einen weiteren schön angelegten Rastplatz. Die gibt es in der Pfalz auch, aber selten so großzügig angelegt. Dafür sind im Pfälzerwald die Pfälzerwaldhütten verbreiteter, wo die Wanderer einkehren. In der Rhön ist noch eigene Rucksackverpflegung gefragt und die nimmt man an solch schönen Rastplätzen sicher gerne ein.

Ein großzügig angelegter Rastplatz beim Roten Moor mit Tischen und Bänken auf einer gemähten Wiese
In der Nähe des Informationshütte Rotes Moor ist dieser großzügig angelegte Rastplatz

Ich entdecke beim Weitergehen noch einen Schmetterling. Oder ist es ein Falter? Ich muss mich doch mal beschlauen, was der Unterschied ist!

Ein weißer Schmetterling oder ein Falter?
Ein weißer Schmetterling oder ein Falter?

Am Parkplatz zurück entschließen wir uns, zur Wasserkuppe zu fahren und dort ein Mittagessen zu uns zu nehmen.

Wasserkuppe

Das Parken mit dem Wohnmobil auf der Wasserkuppe kostet 5 € für 24 Stunden. Auch für eine halbe Stunde, denn es gibt nur Tageskarten. Im Preis inbegriffen ist aber dennoch keine öffentliche Toilette – da sind wir in Deutschland wirklich unterentwickelt. PKW zahlen für das Tagesticket 2 € – mir erschließt sich der Preisunterschied nicht wirklich, denn wir benötigen nicht mehr Parkplatz als ein PKW. Hauptsächlich gilt der nicht für 24 Stunden, sondern bis 24 Uhr – auf dem Parkticket sogar nur bis 23.59 Uhr. Es gibt kein Verbot, über Nacht dort zu stehen, aber um 0.00 sollte man das nächste Parkticket ziehen?

Da wir nur einen kurzen Spaziergang um die Kuppe machen wollen, haben wir das Problem nicht. Wir kehren am „Flughafen“ ein, essen eine Kleinigkeit und beobachten Segelflieger und Motorflieger, die Rundflüge anbieten.

Ein Motorflieger mit Platz für 4 Personen steht auf einem Flugfeld
Mit diesem 4-Sitzigen Flieger werden Rundflüge angeboten

Für Kinder gibt es eine ähnliche Attraktion.

Kinder können mit Tretflugzeugen auf der Wasserkuppe „fliegen“
Fliegen oder Treten, dass ist hier keine Frage…

Wir wandern links um die Kuppe herum und kommen erst an einem Fluggelände für Modellflieger vorbei und später am Abflugplatz der Gleitschirmflieger.

Gleitschirmflieger unterhalb des Wasserkuppengipfels versuchen zu starten
Leider hat das mit dem Starten der Gleitschirmflieger nicht geklappt. Es war einfach zu wenig Thermik

Der Platz für die Gleitschirmflieger ist unterhalb des einzig übriggebliebenen Kuppelgebäudes. In meiner Kindheit waren drei Kuppeln auf der Wasserkuppe.

Die Kuppel auf der Wasserkuppe beherbergt eine Radaranlage
In der übrig gebliebenen Kuppel ist noch eine Radaranlage, das Gebäude wird Radom genannt

Mit schönen Aussichten in alle Richtungen wandern wir weiter, erbeuten im Gebäude des „Bauernmarktes“ noch Rhöner Kümmelbrot und Bioeier, so können wir uns den Einkauf im Supermarkt sparen. Die Wasserkuppe bietet viele Freizeitattraktionen, nicht nur eine Sommerrodelbahn, sondern auch einen Kletterwald. Sogar eine Ferienanlage mit Ferienhäusern gibt es dort, die Sommers wie Winters sicherlich attraktiv sind.

Ein Kletterwald mit verschiedenen Elementen ist auf der Wasserkuppe angelegt worden
Ein Kletterwald bietet eine weitere Kinderattraktion

Wir fahren über Poppenhausen zum Wachtküppel, denn dort will ich den Sonnenuntergang heute erleben.

Wachtküppel

Der Wachtküppel wird auch der Lausbub (oder Spitzbub) der Rhön bezeichnet. Er liegt oberhalb des Ortsteil Gackenhof der Gemeinde Poppenhausen in der Kuppenrhön. Unterhalb des Wachtküppel ist die Wendlinuskapelle, ein wunderschöner Platz, in dem gerne Hochzeiten gefeiert werden. Wir fahren zum Wanderparkplatz Wachtküppel, um einen kurzen Weg zurück zum Wohnmobil am Spätabend zu haben.

Wir packen Abendessen und Bier ein, das Getränkefach im Kühlschrank läuft seit zuhause über, Gläser, Besteck und Sitzkissen und machen uns auf den kurzen Weg.

Der Wachtküppel ist ein kleiner Felsengipfel mit einem Gipfelkreuz darauf
Der 705 m hohe Wachtküppel ist mein Kindheitslieblingsberg

Kurz bevor der Gipfelaufstieg beginnt, fällt mir ein, dass wir kein Brot mithaben und ich kehre nochmal um. Als ich auch den Gipfel erreiche, hat Bernhard bereits die Bank, auf der wir Abendessen wollen, von Brennnesseln befreit, allerdings nicht vom Ziegengeruch. Der Wachtküppel wird von Ziegen als Weide genutzt.

Links das Gipfelkreuz des Wachtküppels, rechts Ziegen, die den Bewuchs kurzhalten
Die Ziegen halten den Bewuchs des Wachtküppels kurz – hinterlassen aber auch ihre stinkenden Köttel

Ich sitze mit schönster Aussicht später unterhalb des Gipfels, bearbeite auf meinem Laptop die Bilder des heutigen Tages für den Blog und verweile oft mit dem Blick in die Umgebung. Die Rhön ist so schön und an einem so lauen Sommerabend erst recht. Leider klappt das mit dem Sonnenuntergang nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte, denn im Westen liegt eine dicke Wolkenbank, hinter der die Sonne verschwindet. Die orangerote Stimmung auf den im Osten liegenden Bergkuppen kommt somit nicht auf, schade, aber kein Beinbruch, denn der Tag war soo wunderschön.

Links ein Gipfelkreuz, rechts unten ein von der untergehenden Sonne orangerot gefärbter Streifen
Leider verhindert das Wolkenband den Sonnenuntergang direkt im Westen. Ich bin happy mit dem Gebotenen hinter dem Gipfelkreuz des Wachtküppels

Wir fahren noch hinunter zum Stellplatz in Poppenhausen, parken mit einem wutsch ein und lassen das Erlebte bei einem Gläschen Pfälzerwein noch sacken.

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Kleine Wanderung zum Kreuzberg (Rhön)

Kleine Wanderung zum Kreuzberg (Rhön)

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Die Rhön liegt nicht unmittelbar an der Ostsee, aber auf dem Weg dorthin. So starten wir unsere große Sommerreise bis ins Baltikum mit ein paar Tagen Wandern in diesem Drei-Länder-Mittelgebirge. Der Kreuzberg ist unser erstes Ziel, denn dort lockt das leckere Bier der Klosterbrauerei.

Kindheitserinnerungen

Ich war in meiner Kindheit mit meinen Eltern, Bruder und Schwester öfters in der Rhön. Immer für drei Wochen in einer Ferienwohnung auf dem Bauernhof, was ja schon an sich die Attraktion war. Abwechselnd wurde einen Tag gewandert, den anderen Tag waren wir im Schwimmbad oder machten Entdeckungen in den Rhönstädtchen. Besuche bei Verwandten standen ebenfalls auf dem Programm, denn mein Papa ist in der Rhön aufgewachsen. Es waren immer wunderschöne Ferien. Das Wandern war bei uns Kindern nicht immer beliebt, aber die Landschaft, die Tiererlebnisse und das Pflücken und Essen von Heidelbeeren und Himbeeren haben es immer rausgerissen. Sowieso auch das Klettern in den Hainbuchen und auf den Felsen zum Beispiel des Wachtküppels. Als meine Eltern Enkelkinder hatten, haben wir uns mit allen Kindern und Enkeln einige Male in Wildflecken große Ferienhäuser gemietet und dort vier Tage gemeinsam über Fronleichnam verbracht. Und dazu gehörte einfach immer die Wanderung hinauf zum Kreuzberg. Die Enkel hatten mit den Großeltern, den eigenen Eltern, Onkels und Tanten auf dem Heimweg viel Spaß, denn das Klosterbier ist ja nicht alkoholfrei. Diese Erinnerungen möchte ich heute auffrischen und Bernhard daran teilhaben lassen.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

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Vom Wohnmobilstellplatz Gasthof Roth zum Kreuzberg

Wir haben Hunger, als wir um halb zwei Uhr am Wohnmobilstellplatz des Gasthofes Roth am Kreuzberg ankommen. Leider ist Donnerstags Ruhetag im Gasthof und wir benötigen eine Alternative. So stellen wir das Wohnmobil nur auf die Keile, machen das Gas an für den Kühlschrank, füllen die Anmeldung am Gasthof am Wohnmobilisten-Briefkasten aus und machen uns auf den Weg.

Der Wohnmobilstellplatz beim Gasthaus Roth ist einfach eine Wiese
Die Wiese ist der Wohnmobilstellplatz beim Gasthaus Roth unterm Kreuzberg

Ich weiß, dass ganz in der Nähe die Haflinger Alm ist, die wir als Kinder – schon wegen der Haflinger-Pferde, die dort auf der Weide standen – geliebt haben. Wir marschieren, dem Schild „Gemünderner Hütte“ folgend den steilen Fahrweg hinauf und passieren den Parkplatz für die PKW. Denken wir. Weit gefehlt. Die Bequemwanderer fahren natürlich bis zur Hütte und stauben uns auf der Schotterpiste mächtig ein. Bald schon haben wir einen ersten Blick zum Funkmast des Kreuzbergs.

Über einer bunte Blumenwiese ist der Funkmast des Kreuzbergs und die Skipiste zu erkennen
Der Funkmast des Kreuzbergs und der Schlepplift der Skipiste

Mit schönen Aussichten steigen wir weiter. Aber leider ist die Haflingeralm geschlossen und mit einem Schild Privatgrundstück versehen. Trotzdem gehe ich (verbotenerweise) bis auf die Terrasse und mache ein Foto. Der Heidelstein war, ebenso wie der Kreuzberg, jedes Mal auf der Wanderliste während der Familienferien. Und am Heidelstein gab es immer Heidelbeeren satt!

Von der Terrasse des Haflingershaus blickt man zum Heidelstein
Der Heidelstein ist links zu sehen, der Berg mit dem Funkmast, im Tal Bischofsheim

Das mit dem satt wäre jetzt was. Aber bisher grummelt der Magen noch. Und noch vertrauen wir dem Schild, das unten an der Straße stand: „Gemündener Hütte – geöffnet“ und marschieren weiter. Zur Mittagszeit ist hier viel Fahrzeugverkehr, und kein paralleler Wanderweg, etwas vom Fahrweg entfernt. Nach rechts geht ein Abzweig zum Kreuzberggipfel, der uns jetzt aber nicht lockt. Es ist zur Gemündener Hütte auch nur noch 300 m. Und schon kommt sie in Sicht und aufgespannte Sonnenschirme und Menschen auf der Terrasse lassen uns wissen, dass sie geöffnet ist.

Ein Wanderer geht den Fahrweg zur Gemündener Hütte hinauf
Auf dem stark befahrenen Fahrweg gehend, kommen wir an der Gemündener Hütte an

Vor dem Eingang stehen wir in der Coronaschlange. Erst hier fällt uns auf, dass wir in Bayern sind, hier also wieder andere Corona-Vorschriften gelten als in Hessen, das wir durchquert haben und Rheinland-Pfalz, wo wir herkommen.  Ich vertreibe mir die Wartezeit und fotografiere eine Besonderheit.

Eine aus massivem Holz gefertigte, einem Strandkorb nachempfundene, Sitzgelegenheit
Der Rhönkorb erinnert mich an eine Sitzgelegenheit, an welche wohl? Radfahrer sind echt geschafft, wenn sie die Gemündener Hütte erreichen

Die Anmeldung und Tischverteilung ist sehr gut organisiert. Name und Telefonnummer werden von der Angestellten notiert und wir bekommen den Tisch mit einem Tischplan zugewiesen. Dieser Plan hat auf der Rückseite die Speisekarte. Zusätzlich erhalten wir einen kleinen Papierabschnitt, den wir beim Weggang abgeben sollen, damit die Dauer des Aufenthalts genau notiert werden kann. Wir gehen durch den vorgeschriebenen Eingang und studieren beim Warten den Speiseplan. Bernhard geht weiter zur Theke zur Bestellung und ich durch den Raum zu unserem Tisch auf die Terrasse. Mit unseren Getränken und einem Brummgerät kommt Bernhard an den Tisch und wir genießen die Sonne und die Aussicht über die Ostrhön. Nach kurzer Wartezeit brummt das Gerät und wir können unser Essen an der Theke abholen. Bernhard hatte sich für ein Rhön-Schnitzel entschieden, ich für eine Erbsensuppe. Eine Gruppe Wanderreiten hat mit den Pferden ebenfalls an dieser Hütte zur Mittagsrast Halt gemacht. Während die Reiterinnen und Reiter essen, stehen die Pferde im Wald im Schatten und dösen ein wenig vor sich hin. Nach dem Essen geben wir unser Zettelchen ab und wandern Richtung Kreuzberggipfel. Eine Rastbank steht gleich am Weganfang, hat eine schöne Aussage und am „Tisch“ davor eine Schnitzarbeit mit dem Kloster.

Vor dem Gemündener Haus steht eine Rastbank mit dem Spruch „Die Rhön – einfach erhebend“. Ein Holzklotz davor hat als Schnitzmotiv das Kloster Kreuzberg
Der Spruch der Bank ist einfach nur richtig!

Gleich oberhalb hat sich ein Musiker auf einer Bank niedergelassen. Da muss ich mich doch gleich dazu setzen.

Auf einer Bank sitzt eine geschnitzte Figur mit einer Ziehharmonika und die Bloggerin daneben
Wo Musik ist, da lass Dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder … Diesem Liedanfang habe ich mal vertraut…

Über eine Wiese, biegen nach rechts ab, wo der Weg von der Fahrstraße auf unseren trifft. Weiter wandern wir durch einen schönen Buchenwald wir zum Hochplateau. Die Preiselbeerbüsche haben anscheinend zur Unzeit geblüht, denn es hängen nur wenige kleine Beeren dran. Der riesige Funkmast taucht über uns auf, der mit starken Betonankern fixiert ist. Das kleinere Gipfelkreuz auf 928 m fällt daneben fast nicht auf.

Ein Funkmast und ein Gipfelkreuz stehen auf dem Gipfel des Kreuzbergs
Irgendwie schräg, die Perspektive mit Funkmast und Gipfelkreuz auf dem Kreuzberg

Wir folgen dem Wegweiser nach rechts zum Kloster. Kurz danach kommen die drei Kreuze, das Wahrzeichen des Kreuzbergs, in Sicht. Die Liegestühle, die wir zuerst passieren, interessieren uns an unserem ersten Reisetag aber mehr. Die gute Luft, die Fahrt und das Mittagessen fordern Tribut.

Zwei hölzerne Liegestühle stehen vor den drei Kreuzen des Kreuzbergs
Die Liegestühle haben wir für ein Schläfchen okkupiert. Im Hintergrund die drei Kreuze von Golgota oberhalb des Klosters Kreuzberg, über eine lange Treppe mit Kreuzweg vom Kloster zu erreichen

Eine dicke schwarze Wolke verdeckt die Sonne und es wird empfindlich kalt, davon werden wir wach. Beim Weitergehen entdecke ich die Wasserkuppe, die mit 950 m Höhe nicht nur der höchste Berg der Rhön, sondern auch Hessens ist. In meiner Kindheit waren noch mehr Kuppeln darauf. Aber der eiserne Vorhang ist ja Gott sei Dank gefallen, die militärische Nutzung der Wasserkuppe vorbei und die Überwachung „des Ostens“ nicht mehr notwendig.

Die Wasserkuppe, der höchste Berg der Rhön ist im Hintergrund hinter anderen Berggipfeln
Die Wasserkuppe, der höchste Berg der Rhön, ist hinten in der Mitte noch zu erkennen

Unterhalb der drei Kreuze ist eine Aussichtstafel angebracht, die die Gipfel der Aussicht erklärt. Im Hintergrund ist sogar schemenhaft der Vogelsberg zu erkennen.

Auf einer Tafel wird die Aussicht erklärt
Die Tafel erklärt die Gipfel der zu genießenden Aussicht

Die Treppe führt uns an den Stationen des Kreuzweges vorbei und an einer tollen Lupinenwiese. Ich liebe diese Blumen. Jede einzelne Blüte an den Dolden ist so wunderbar geformt.

Eine Lupinenwiese
Ich liebe Lupinen – sie sind so wunderschön!

Eine besonders dicke Pusteblume fasziniert mich ebenfalls. Leider weiß ich nicht, wie die Blüte ausgesehen haben könnte. Die Schirmchen sind so exakt geformt, die Härchen so filigran…

Eine schöne Pusteblume
Diese Pusteblume ist kein Löwenzahn!

So, nun aber losreißen von den Pflanzen. Eine andere Pflanzenspezialität wartet im Kloster. Gersten-Hopfensaft, auch bekannt als Bier. Im Kloster Kreuzberg wird schon seit 1731 Bier gebraut, da wurde den Mönchen die Braurechte verliehen und es ist sooo lecker und süffig. Auch hier wird der Corona-Einlass zur Gaststätte ähnlich geregelt wie in der Gemündener Hütte.

Das Eingangstor ist mit dem Schriftzug Kloster Kreuzberg versehen
… das Klosterbier ruft….

Ich hole uns zwei Halbe mit Klosterbier. Leider sitzen wir mit unserem Tisch im Schatten. Aber  Coronabedingt können wir den Platz nicht wechseln, da die Tischnummern ja notiert worden sind. An uns vorbei werden Haxen, Schweinsbraten und Obazda getragen – aber wir sind leider satt. Eventuell kommen wir morgen nochmal her? Vom Stellplatz aus sind es nur ein knapper Kilometer bis zum Kloster.

Der Grundstein zum Franziskanerkloster wurde 1681 gelegt. Die Barockkirche ist sehr sehenswert. Der Kreuzberg kam zu seinem Namen, als 1681 ein Stadthauptmann aus Bischofsheim dem Kloster einen Holzspan vom Kreuz Chrisi von einer Pilgerreise mitbrachte und diesen als Reliquie der Klosterkirche zur Verfügung stellte. Zuvor hieß der Berg Eschenberg und noch früher, bei den Germanen, Asenberg

Wir wandern auf dem Wanderweg „Roter Tropfen“ den Berg hinunter. Wieder durch einen schönen Buchenwald, später auch durch Fichtenwald. Diese sind allerdings noch grün. Unterwegs auf unserer Fahrt hierher haben wir viele „rostige“ Fichtenwälder gesehen, die durch Trockenheit und Borkenkäfer abgestorben sind. Ob die Hochrhön um genau die wenigen Grade kühler ist, dass die Fichten überleben? Nach einer Wiese kommen wir nochmal in ein Wäldchen, in dem eine Hainbuche steht.

Eine verzweigte Hainbuche
Ein Kletterbaum meiner Kindheit – eine Hainbuche

Direkt nach dem Wäldchen sehen wir rechts oberhalb von uns den Berggasthof Roth. Kurz danach auch einen Trampelpfad durch die Wiese rechts hinauf zum Stellplatz. Noch lange sitze ich draußen mit meinem Laptop, schreibe und genieße den Blick über die wunderschönen Kuppen der Rhön. Ein schöner Sonnenuntergang rundet unseren ersten Reisetag ab.

Die Sonne geht über einem Rhöngipfel unter
Ein schöner Tag geht mit einem fantastischen Sonnenuntergang geht am Stellplatz über dem Arnsberg (?) zu Ende

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Wanderung zum Feldberg im Taunus

Wanderung zum Feldberg im Taunus

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Bereits seit meiner frühesten Kindheit sehe ich den Feldberg im Taunus aus der Ferne. Je nach Wohnort von immer einer anderen Richtung. Da eine meiner Töchter seit längerem in Oberursel wohnt, wollte ich gerne hinaufwandern. Mit Tochter und Enkelin habe ich mich auf den Weg gemacht.

Abkürzung mit der U-Bahn

Da die Füße meiner Enkelin erst 2 ½ Jahre alt sind, kürzen wir unsere Wanderung mit der U-Bahn ab. Wir fahren bis zur Endhaltestelle Hohemark. Ich habe mir vorgenommen, nicht über den „üblichen“ Wanderweg zum Feldberg zu wandern, sondern erst mit der Markierung „Roter Punkt“ bis zum Sandplacken. Unterwegs würden wir auf die Markierung „Greifvogel“ treffen und ab dem Sandplacken zur Markierung „Fuchs“ wechseln bis zum Gipfel. Meine Tochter hat die Kraxe dabei, um den kleinen Füßen der Enkelin ab und zu eine Pause zu gönnen.

Aufzeichnung der Wanderung in Komoot

Die Wanderung habe ich in Komoot aufgezeichnet.

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Start beim Taunus-Informationszentrum

Wir gehen von der U-Bahn-Haltestelle in Richtung Taunus-Informationszentrum und zur großen Wandertafel. Leider gibt es bei der Tafel keinen Wegweiser. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass der Wanderweg über den Kreisel der verkehrsreichen Straße geführt wird, gehen wir auf gut Glück an der Tafel geradeaus vorbei. Nachdem wir parkende Autos passiert haben, sehen wir einen Fahrradwegweiser Richtung Sandplacken. Wir folgen ihm und gelangen so über eine Brücke über die Hohemarkstraße. Bevor wir in den Wald eintauchen, begrüßt uns eine große Infotafel.

Eine Infotafel informiert, wie die keltische Stadt am Taunus früher ausgesehen haben mag
Die Infotafel informiert, wie die keltische Stadt am Taunus früher ausgesehen haben mag

Die Infotafel macht auf den Rundwanderweg Keltenstadt aufmerksam. Im 1. und 2. Jahrhundert v. Chr. war hier die größte europäische Keltenstadt angesiedelt. Sie hatte eine 10 km lange Stadtmauer und bedeckte eine Fläche von 130 ha. Der Rundwanderweg hat eine Länge von 4,3 km bei einem Höhenunterschied von 160 hm. Er ist sehr interessant gestaltet, mit vielen Fragen und Antworten.

Wir finden nach wenigen Metern unsere Markierung und müssen für Radfahrer und Trailrunner öfter zur Seite gehen. Die Enkelin lässt sich in der Kraxe tragen – die Sehperspektive ist hoch oben einfach besser als nur einen knappen Meter über dem Boden. Eine weitere Tafel informiert uns.

Auf einer Infotafel wird die Grablegung eines Keltenkriegers erklärt
Auf dem Keltenrundweg wird auch über die Toten der Kelten informiert

Wir biegen ab auf den in der Landkarte als „Felsenweg/Förster-Eigenbrodt-Weg“ bezeichneten Forstweg. Die Bezeichnung ändert sich später in „Felsenweg/Panoramaweg“. Die Enkelin möchte nun doch aus der Kraxe, um auf Baumstämmen zu balancieren. Kaum fertig, ist sie wieder auf dem Rücken der Mama. Eine Infotafel etwas später erklärt uns, wie die Keltische Siedlung angelegt war. Etwas später ist ein Fernglas im Wald installiert, dahinter einige Pfosten im Wald aufgestellt.

Eine Tafel erklärt, wie die Keltenhäuser gebaut waren
Hunderte Häuser, Hütten und Vorratsspeicher standen vermutlich locker gruppiert innerhalb der Stadtmauer
Einige Holzpfosten stehen in Abständen im Wald und bilden das Grundgerüst eines Keltenhauses
Die Pfosten zeigen an, wie das Fachwerkskelett des Keltenhauses verankert war
Durch ein Fernglas erkennt der Betrachter, wie das Haus früher ausgesehen haben könnte
Beim Blick (Foto) durch das Fernglas erkennt man, wie die Pfosten im fertigen Haus eingebaut waren

Unbeständiges Wetter

Das Wetter heute ist bedeckt und schwülwarm, am Nachmittag soll es regnen. Beim Bergaufgehen wird uns ziemlich warm und wir halten an, um die dünnen Langarmpullover auszuziehen. Dabei entdecke ich diese ulkige Baumwurzel, die sich perfekt zum Klettern für Enkelkinder eignet.

Eine ulkig gewachsene Baumwurzel schaut aus der Erde
Die Baumwurzel ist sehr interessant gewachsen

Der Waldweg lässt sich wunderbar laufen, der Wald selbst ist nicht so abwechslungsreich an der Stelle hier, wie in der Pfalz. Aber nun geht unser Weg über eine weite Strecke recht eben weiter und manchmal sogar leicht bergab. Wir entdecken unterschiedliches Moos und die Enkelin steigt aus der Kraxe, um es zu streicheln. Wir finden krabbelnde Käfer, eine Spinne, die im Waldgras schaukelt und einen uralten Baumstumpf, von dem es sich nach dem Hinaufklettern gut herunterspringen lässt. Der Weg geht nun bergauf, und wir folgen unserer Markierung bei einer Weggabelung rechts, auf einen schmaleren Pfad, der vielleicht mal gepflastert war.

Einige dicke Steine auf dem Weg deuten darauf hin, dass er in Vorzeit gepflastert war
Einige dicke, flache Steine auf dem Weg deuten darauf hin, dass er in Vorzeit gepflastert war

Wenig später können wir durch die lichten Fichten hindurch einen Blick zum Feldberg werfen.

Durch einzelstehende Fichten geht der Blick gegenüber zu einem Berg
Der Feldberg im Hintergrund verbirgt sich im Dunst und hat eine Nebelhaube

Brachflächen durch Borkenkäfer und Trockenheit

Unser Weg mündet in den „Unteren Goldgrubenweg“ und nun geht es sogar Bergab. Da können die kleinen Beinchen rennen. In den Flächen, die vom Borkenkäfer stark heimgesucht wurden, stehen Borkenkäferfallen, die mit Duftaromen arbeiten. Die Brachstellen stehen voll von blühendem Fingerhut, ich kann mich gar nicht satt sehen.

Dort, wo durch Windbruch und Borkenkäferfällungen Lichtungen entstanden sind, besiedelt der Fingerhut sehr schnell die Fläche
Dort, wo durch Windbruch und Borkenkäferfällungen Lichtungen entstanden sind, besiedelt der Fingerhut sehr schnell die Fläche
Ein Fingerhut mit einer sehr großen Blütentraube
Dieser Fingerhut hat eine sehr große, dichte Blütentraube
Die Blüte des Fingerhuts ist im Inneren gefleckt
Das Innere eines Fingerhutkelchs ist individuell gefleckt

Keine Bank zum Rasten

Gerne würden wir mal eine Pause machen, aber eine Rastbank, ein Tisch mit Bank oder eine Wandererhütte ist nirgends vorhanden. Da bin ich von der Pfalz doch mehr „Komfort“ gewohnt. Es wird nun beim Bergab wieder kühl, wir ziehen die Jacken an. Die Enkeltochter kann sich hinsetzen – und zwar wieder in die Kraxe, denn nun geht es wieder bergauf. Wir passieren den Grenzstein Viermärker und treffen kurze Zeit später auf den „Limes-Erlebnispfad“.

Eine Infotafel zum Limes-Erlebnispfad
Nicht nur über keltische Geschichte, auch über Römische können wir uns bei unserer Wanderung informieren

Wir müssen wieder die Kleidung wechseln, denn es wird wieder zu warm, da es ständig bergauf geht, zum Teil ziemlich steil. Ich bewundere mal wieder einen Stamm und das Wurzelwerk eines Baumes.

Über einer bemoosten Wurzel erhebt sich eine stattliche Buche
Eine wuchernde, bemooste Wurzel, über der sich eine stattliche Buche erhebt

Endlich entdecken wir eine Bank für unsere Mittagspause. Sie ist relativ morsch und steht an einer sehr windigen Stelle. So ziehen wir alle verfügbaren Pullover und Jacken an und ich zippe die Hosenbeine an meine Shorts. Gemütlich ist es nicht, aber wir drei Damen haben Hunger. Die Pause ist recht kurz und wir marschieren flotten Schritts weiter, um wieder warm zu werden. Das Kind ist wieder in der Kraxe und kämpft mit gegen den Mittagschlaf, ein aussichtsloser Kampf.

Selbst am Sandplacken gibt es außer Wirtshäusern und Bushaltestellen keine Bank zum Rasten. Aber die würden wir nun ohnehin nicht mehr benötigen. Der Himmel zieht sich immer mehr zu und der Wind wird kräftiger. Wir wollten eigentlich der Wegmarkierung Fuchs folgen, aber die geht anfänglich entlang der Straße. So folgen wir dem „blauen Kreuz“, das den Europäischen Fernwanderweg 1 markiert, der vom Nordkap nach Sizilien führt. Bald erreichen wir einen Wegweiser, von dem weg wir dem „Fuchs“ folgen können.

Ein Wegweiser mit Wanderwegmarkierungen und Kilometerinformationen
Die Wegweiser am Feldberg sind informativ, mit Wanderwegmarkierungen, Kilometerangaben und Hinweisen auf Bushaltestellen. Nun folgen wir dem Fuchs.

Der Weg wird hier zum schönen Wanderpfad, dem wir in Kurven weiter hinauf folgen.

Feldberggipfel

Wir treten aus dem Wald heraus und kommen zur offenen Wiese, nordöstlich des Gipfels. Wie schön, die Türme endlich aus der Nähe zu sehen.

Der Fernmeldeturm markiert den BU Der Fernmeldeturm markiert den Großen Feldberg im Taunus. Er ist von weithin sichtbar und begleitet mich seit meiner KinGroßen Feldberg im Taunus. Er ist von weithin sichtbar und begleitet mich seit meiner Kin
Der Fernmeldeturm markiert den Großen Feldberg im Taunus. Er ist von weithin sichtbar und begleitet mich seit meiner Kindheit

Beinahe könnte man das Foto an die Nordsee verlegen. Ein trüber, windiger Tag, eine weite Wiese vor einem „Leuchtturm“ und einem Sendemasten. Das Kite-Segel würde dann zu einem Surfer gehören, nicht zu einem Kite-Drachen, der im Wind gut aufsteigt. Wir freuen uns auf einen heißen Tee oder Kaffee oder eine heiße Suppe im Lokal am Feldberg, dass meine Tochter von ihren Motorradausflügen kennt. Aber leider ist die Gastronomie geschlossen. Passanten meinen, dass der Pachtvertrag nicht verlängert worden wäre. Ein Kiosk am Spielplatz bietet Kaffee und Kuchen feil, die wir an einer einigermaßen windgeschützten Stelle verspeisen. Das noch müde Kind ist aufgewacht und unleidlich. Es ist so kalt hier oben, denn der eisige Wind hat nichts mit dem lauen Frühsommertag zu tun, mit dem wir in Kurzen Hosen und mit T-Shirt in Oberursel gestartet sind. Selbst der Spielplatz zieht beim Kind nicht und auch nicht das Gipfelkreuz.

Das Gipfelkreuz des Feldbergs, dahinter die Bushaltestelle
Ein interessant gestaltetes Gipfelkreuz markiert den höchsten Punkt im Taunus. Hinter dem Gipfelkreuz ist die Bushaltestelle. Die Busse fahren die U-Bahn-Haltestelle Hohemark in Oberursel an
Ein Gipfelbuch ist in einem Metallkasten vor Witterung geschützt, das Feldbergkreuz wird beschrieben mit einer Höhe von 879,5 m
Wir sind bis auf eine Höhe von 879,5 m gewandert. Sogar ein Gipfelbuch wird beim Gipfelkreuz im Metallkasten vor Witterungseinflüssen geschützt

Zum Glück kommt der Bus wenige Minuten später, mit dem wir warm und bequem ins – hoffentlich warme – Tal zurückfahren können. Uns drei hat diese Wanderung großen Spaß gemacht. Wir haben knapp 10 km zurückgelegt und 620 Höhenmeter. Da viele Wege auf den Feldberg führen, werden wir uns ein anderes Mal einen wetterstabilen sonnigen und warmen Tag aussuchen, um den Feldberggipfel auch zu genießen.

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Donau-Radtour mit Wohnmobil – 8. Etappe

Donau-Radtour mit Wohnmobil – 8. Etappe

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die achte und letzte Etappe unserer Donauradtour starte ich allein in Metten, einem Ort kurz vor Deggendorf. Bernhard treffe ich in Vilshofen, da er unser Wohnmobil zuerst zum Ziel bringt. Die letzten deutschen Donaukilometer wollen wir gemeinsam in die Drei-Flüsse-Stadt Passau radeln.

8. Etappe von Metten nach Passau

Bernhard bringt mich mit dem Wohnmobil an den Ortseingang Metten. Dort ist ein Verkehrskreisel mit anschließendem Parkplatz gleich neben dem Donauradweg. Wir machen schnell, schnell, denn er fährt unser Wohnmobil nach Passau. Dort muss er selbst sein Fahrrad vom Gepäckträger holen, das Gas für den Kühlschrank anstellen und zum Bahnhof radeln. Er will den Zug um kurz vor 9 nach Vilshofen noch erwischen, dass wird recht sportlich.

Touraufzeichnung in Komoot

Die Etappe von Ingolstadt nach Regensburg habe ich wieder in komoot aufgezeichnet.

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Wir benutzen den Radwanderführer von Bikeline, den Du hier bestellen kannst, eine Beschreibung findest Du hier.

Donauzuflüsse und Donauufer

Mich führt der Radweg etwas unterhalb der Straße mit schönem Blick auf die Sandbänke der Donau.

Sandbänke gehen flach in die Donau
Die Sandbänke laden Schwimmer zum Verweilen auf, denn das Ufer geht flach in die Donau über

Vor der Autobahnbrücke durchfahre ich den Donaupark, der sehr schön angelegt ist. Da ich noch am Campingplatz vorbeifahre, halte ich mich danach an die Radwegeschilder Zentrum.

Ein schön angelegter Spielplatz im Donaupark in Deggendorf, das Fahrrad der Bloggerin lehnt am Treppengeländer zur öffentlichen Toilette
Der Spielplatz im Donaupark ist für Abenteurer angelegt, die öffentliche Toilette befindet sich die Treppe runter im Parkhaus

Im Zentrum mache ich eine Rundfahrt über den Luitpoldplatz und Oberen Stadtplatz und finde es schade, dass noch nicht Mittagessenzeit ist. Auf unserer Tour in den Bayerischen Wald – irgendwann nach Corona – werden wir Deggendorf nochmal ausführlich (über die Mittagszeit) besuchen.

Auf dem Luitpoldplatz ist ein Riesenrad aufgebaut
Auf dem Luitpoldplatz in Deggendorf ist ein Riesenrad aufgebaut
Das Gasthaus heißt Zur Knödelwerferin
Leider habe ich direkt nach dem Frühstück das Gasthaus auf dem Stadtplatz in Deggendorf nicht ausprobiert, obwohl der Name schon gelockt hat

Der Donauradweg führt nicht an der Isar-Mündung vorbei, das finde ich schade. Die Zuflüsse machen doch einen Fluss erst zu dem, was er ist. Und erst recht, wenn diese Zuflüsse selbst bekannte Flüsse sind. So entscheide ich mich mal wieder für eine eigene Variante, die mich an die Isarmündung bringt.

Die Isar mündet in die Donau
Hinter der Kiesbank kommt die Isar in die Donau (im Vordergrund). Ob diese den Kies aufgeschwemmt hat?

Ich fahre auf unebenem Weg weiter an der Donau entlang. Einige Wohnmobilisten haben hier die Nacht verbracht, Angler, Schwimmer und Sonnenanbeter nutzen diesen Feldweg ebenso mit ihren Autos. Die Autobahn A3 läuft etwa parallel, aber die Natur entschädigt für den Lärm. Als sich mein Radweg von der Autobahn entfernt, stößt der Donauradweg dazu. Kurz danach radele ich zwischen Donau und einem Weiher, Wasser überall, einfach nur schön. Vor Niederalteich ist der Radweg zum Teil Baustelle bis in den Ort hinein. Die Kirche des Ortes soll eine Besonderheit sein.

Die Kirchtürme der Klosterkirche der Benediktinerabtei von Niederalteich
Die Kirchtürme der Klosterkirche der Benediktinerabtei von Niederalteich, leider derzeit geschlossen

Umleitung für Radler

An der Personen-Fähranlegestelle in Niederalteich, von der eine eingezeichnete Variante im Radführer ausgeht, stehen viele Radler, auch einige Familien. Der Radwegweiser in Richtung Passau ist von Klebebändern zugeklebt, also gesperrt. Eine Alternativroute über die Autostraße ist ausgeschildert, bedeutet aber einen großen Umweg und Fahren auf einer Landstraße. Das Gros der Radler entscheidet sich, mit der Personenfähre überzusetzen und die Variante des Radführer zu befahren. Einige Radeler nehmen die ausgeschilderte Umleitungs-Route und ich, mit wenigen anderen, fahre auf dem laut Schild gesperrten, aber wunderbar neu asphaltierten Donauradweg weiter. Kurze Zeit später frage ich eine Dame, die ihren Hund ausführt, ob man auf dem Radweg bis Winzer durchkommt. Sie antwortet mir, dass der Weg bereits seit zwei Wochen wieder freigegeben ist. Warum dann das Fahrradschild noch abgeklebt ist, sinniere ich laut. Oh, der Fährmann hat so mehr zu tun, antwortet sie mir mit einem Grinsen. Aha, hatte ich also den richtigen Riecher und es war gut, gegen ein „Verbot“ zu handeln. Mein kurzer Ärger verfliegt recht schnell, denn die Landschaft entschädigt für alle Unbilden.

Ein Mohnblumenfeld leuchtet rot
Wieder so ein beeindruckendes Mohnblumenfeld – diesmal nach Niederalteich

Während meiner Fotosession ruft mich Bernhard an. Er hat den Zug erwischt und ist in 25 Minuten in Vilshofen. Oh! Ich schaue auf der Karte nach und rechne. Ich habe noch 20 Kilometer, das schaffe ich nicht in einer halben Stunde. Also muss er einen Kaffee trinken gehen nach der Ankunft. Ich sauße auf dem wunderbaren Radweg weiter und mache vor Winzer den Fehler, dass ich dem Schild Passau nach rechts hinauf auf die Brücke folge. Eigentlich wollte ich ja links der Donau, auf dem Hauptweg, bleiben. Allerdings könnte ich so die Alternativroute rechts der Donau nutzen. Gesagt, getan und weiter geht’s. Anfänglich auf Schotter, dann immer mehr zu Wiesenwegen mutierend, komme nicht mehr so schnell voran. Da liegt auch daran, dass ich an der Donau bleiben möchte.

Ein Wiesenweg führt an der Donau entlang
Ich wähle die Variante direkt an der Donau und gelange dabei auf einen schlechten Wiesenweg – bin aber an der Donau und nicht Kilometer davon entfernt

Kurz vor Pleinting habe ich den Radweg mit Beschilderung wieder, die aber nur an der ersten Kreuzung steht, an der zweiten nicht mehr. Ich überlege mit anderen Radfahrern, welchen der vielen Abzweige man wählen müsse und fahre prompt in die falsche Richtung. In der Komoot-Landkarten-Aufzeichnung sehe ich meinen Fehler recht schnell und fahre wieder zurück und in den Ort hinein, dessen komplette Hauptstraße Baustelle ist. Am Ortsende entdecke ich denn Wegweiser wieder und fahre rechts der Bahn auf dem Radweg bis Vilshofen. Bernhard wartet direkt hinter dem Stadttor in einem Café. Wir hatten uns mit der Zeit, die ich für die 42 km benötigen würde, völlig verrechnet. Wäre er ohne Eile eine Stunde später mit dem Zug gefahren, wäre es für uns beide weniger hektisch gewesen. Mein schnelles Fahren verbuche ich unter „sehr sportliche Aktivität“ und genieße meine Apfelschorle, die schon auf mich wartet.

Der Stadtturm von Vilshofen hat neun Stockwerke
Der Stadttorturm von Vilshofen hat eine beeindruckende Höhe
Der Stadtplatz in Vilshofen
Der Stadtplatz von Vilshhofen mit der Stadtpfarrkirche St. Johannes

Gemeinsam zum Ende der Deutschen Donau

Trotzdem es uns komisch vorkommt, fahren wir mit dem Wegweiser durch eine Unterführung und an der Donau rechts. Gleich danach stellen wir fest: dies ist die Auffahrt zur Brücke und somit richtig. Wir wechseln wieder auf die linke Donauseite und haben beim Segelflugplatz einen guten Blick in Richtung Vilsmündung.

Nach Vilshofen mündet die Vils in die Donau
Nach Vilshofen mündet die Vils in die Donau, leider von einer Brücke überbaut

Gemeinsam gemütlicher als vorher allein radeln wir direkt an der Donau, in deren Mitte immer wieder Inselchen liegen. Ich würde, nachdem ich heute früh die vielen Sandbänke bei Deggendorf und die Schwimmer gesehen habe, auch gerne noch in der Donau schwimmen. Leider ist die Donau hier mit anderen Ufern versehen und wir entdecken keinen geeigneten Platz, wie schade.

An einem Seil wird die Personenfähre bei Besensandbach über die Donau gezogen
An einem Seil wird die Personenfähre bei Besensandbach über die Donau gezogen

Wir bleiben auf der linken Donauseite, mittlerweile grummelt es aber in meinem Bauch und ich informiere Bernhard, dass ich mit dem Mittagessen nicht bis Passau warten möchte. In Gaishofen entdecken wir eine Gaststätte, die aber geschlossen ist. Kurz danach, an einer Stelle, an der der Donauradweg sehr schmal ist, ist das Donaustüberl angesiedelt. Es wirbt mit frischem Fisch, hat im Schatten noch einen Tisch für uns frei – mehr brauche ich im Moment nicht, um glücklich zu sein.

In der Gaststätte Donaustüberl wird frischer Fisch serviert
Im Donaustüberl in Gaishofen wird frischer Fisch serviert

Nach dieser wunderbaren Rast beginnen die letzten Kilometer an der Deutschen Donau. Die Gaißa-Mündung verpasse ich zu fotografieren. Sie fällt mir unter der Brücke, über die wir radeln gar nicht auf. Wir müssen noch hinauf nach Maierhof und dort hinunter zum Schleusenanlage und zum Wasserkraftwerk Kachlet. Eine spannende Industrieanlage.

Die Donau wird vor Passau durch eine Schleusenanlage und ein Wasserkraftwerk gebremst
Die Schleuse vor Passau rechts und das Wasserkraftwerk Kachlet links

Passau, die Dreiflüssestadt

Die letzten Kilometer an der Donau in Deutschland würde ich mir „romantischer“ wünschen. Aber in Passau sind rechts wie links der Donau Bundesstraßen und der Radweg führt rechts der Donau an einer entlang.

Die Veste Oberhaus thront über Passau
Links der Donau thront die Veste Oberhaus über Passau

Wir radeln nach der Luitpoldbrücke weiter, nun mit schönem Blick und verkehrsberuhigt bis zu einem Schild. Die Altstadtspitze, an der die Ilz von links und der Inn von rechts in die Donau fließen, ist nur zu Fuß erreichbar. So schieben wir die Räder bis zum östlichsten Punkt unserer Radeltour an der Donau.

Die Ilz mündet unter einer Straßenbrücke in die Donau
Die Ilz mündet an der Veste Unterhaus unter einer Straßenbrücke in die Donau
So einfach kann es sein – eine behindertengerechte öffentliche Toilette, die sogar geöffnet hat!
Wir stehen an der Altstadtspitze, die in die Mündung des Inn (rechts) in die Donau (links) hineinragt

Von links fließt die dunkle Ilz an der Veste Unterhaus in die blaue Donau, etwas später, hier an der Spitze der Altstadt, fließt der grüne Inn in die Donau. Dem Betrachter erscheint es, als ob der Inn die Wasser der Donau beiseite drängt. Das Phänomen erklärt sich so, dass der Inn nur eine Tiefe von ca. 2 m hat und die Donau, die beinahe 7 m Tiefe hat, „überströmt“. Das Wasser des Inn ist grün, da es von den Schweizer Zentralalpen kommt, die Ilz kommt aus einem Moorgebiet und erscheint daher schwarz. An manchen Tagen ergibt das Luftbild eine strenge Teilung von schwarz, blau und grün der Donau kurz nach dem Zusammenfluss der Flüsse.

Bis hierher hat die Donau 647 km von Ihrer Ursprungsquelle, dem Flüsschen Breg zurückgelegt – auf meinem Tacho erscheinen 622 km.  Wir verweilen einige Zeit an dieser Stelle und spazieren dann auf der südlichen Altstadtspitze weiter. Wir haben Glück und entdecken eine geöffnete Öffentliche Toilette an der Innpromenade.

Die Innstadt von Passau erhebt sich über dem Innzufluss zur Donau
Der Vorort Innstadt gehört zu Passau, rechts im Bild der Schaiblingsturm
An der Innpromenade in Passau ist ein öffentliches WC geöffnet
So einfach kann es sein – eine behindertengerechte öffentliche Toilette, die sogar geöffnet hat!

Nun schieben und fahren wir noch ein wenig durch die Altstadt, nachfolgend einige Impressionen.

Die Domturmspitze von Passau
Der Dom hat drei Türme – der hintere davon mit Uhr in Großaufnahme
Der Dom zu Passau
Der Dom zu Passau, davor ein Denkmal von König Ludwig I. von Bayern

Ich habe fest vor, irgendwann bis zum Schwarzen Meer mit dem Fahrrad zu fahren. Inwieweit wir das Wohnmobil als Übernachtungsbegleitung mitnehmen werden, müssen wir genau planen. Mein Traum ist es, mit dem Schiff auf der Donau zurück zu reisen. Allerdings muss dieser Traum warten, bis Corona vorbei ist.

Hier geht’s zur 1. Etappe Donauradweg: von Donaueschingen nach Beuron.

Hier geht’s zur 2. Etappe Donauradweg: von Beuron nach Riedlingen.

Hier geht’s zur 3. Etappe Donauradweg: von Riedlingen nach Ulm.

Hier geht’s zur 4. Etappe Donauradweg: von Ulm zum Hofgut Bäldleschwaige.

Hier geht’s zur 5. Etappe Donauradweg: vom Hofgut Bäldleschwaige nach Ingolstadt.

Hier geht’s zur 6. Etappe Donauradweg: von Ingolstadt nach Regensburg.

Hier geht’s zur 7. Etappe Donauradweg: von Regensburg nach Metten.

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Donau-Radtour mit Wohnmobil – 7. Etappe

Donau-Radtour mit Wohnmobil – 7. Etappe

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Die siebte Etappe unserer Donauradtour beginnt in Regensburg. Auf dem Weg liegt das Highlight Walhalla, errichtet in den 1840er Jahren. Bernhard wird „nur“ bis Straubing radeln, und mit der Bahn zurückfahren, um das Wohnmobil in Regensburg abzuholen. Geplant ist, uns in Deggendorf wieder zu treffen.

7. Etappe Regensburg nach Metten

Wir sind wieder früh unterwegs, denn auch heute habe ich wieder beinahe 100 km zu radeln. So haben wir es im bikeline-Radführer errechnet. Bis Straubing sind es nur knapp 50 km, also zur Mittagszeit wird Bernhard in den Zug steigen können. Nach Straubing wird die Bahnverbindung nach Regensburg zu kompliziert, mit zwei- bis dreimaligem Umsteigen, dass muss nicht sein. Wir wissen auch noch nicht, wo wir in Deggendorf, unserem Etappenziel, einen Wohnmobilstellplatz finden, bzw. wie voll es dort sein wird.

Die Etappe 7 als Komoot-Aufzeichnung

Ich habe die Etappe in Komoot aufgezeichnet.

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Wir benutzen den Radwanderführer von Bikeline, den Du hier bestellen kannst, eine Beschreibung findest Du hier.

Geografie- und Geschichtsunterricht

Wir starten in Regensburg am Europakanal, fahren links über die Brücke und an der nächsten Ampel rechts und überqueren den Regen. In der 6. Etappe habe ich beschrieben, was die Flüsse Altmühl, Naab und Regen in meinem Kopf machen. Es bildet sich sofort das Sätzchen: „Altmühl, Naab und Regen, fließen ihr entgegen“ – dass Du wahrscheinlich aus dem Erdkundeunterricht kennst.

Der Regen mündet in die Donau
Wir überqueren den Regen, der etwas weiter vorne, am dicken Busch rechts, in die Donau mündet

Wir biegen rechts ab und wieder rechts und kommen genau an der Regenmündung an die Donau. Nun geht es wieder, mit etwas Abstand und mit Bäumen am Ufer, an der Donau entlang. Einige Jogger sind unterwegs, einige Spaziergänger mit Hunden, sonst sind wir ziemlich allein auf dem kombinierten Fuß-Radweg. Wir unterqueren eine Schnellstraße und werden immer weiter weg von der Donau geleitet. Schon kurz nach Tegernheim haben wir den ersten Blick auf die Burg Stauf bei Donaustauf und die Walhalla, am Ostende von Donaustauf, oberhalb der Donau.

Auf einem Hügel links liegt die Burg Stauf auf einem Hügel rechts die Walhalla
Links auf dem Hügel liegt Burg Stauf – ganz rechts ist schemenhaft die Walhalla zu erkennen

Wer zur Walhalla hinaufradeln und sie besichtigen möchte, muss dem Wegweiser VOR Donaustauf folgen. Es gibt zwar an den Schiffsanlegestellen nochmal die Möglichkeit, per Unterführung die Straße zu queren, dann ist die Anfahrt aber sehr steil. Es besteht natürlich die Möglichkeit, die Fahrräder abzuschließen und zu Fuß hinauf zu marschieren. Wir unterqueren eine Straßenbrücke und fahren jetzt wieder unmittelbar an der Donau weiter. Wir haben die Walhalla 2017 bei einer Recherchereise für einen Seniorenurlaub besucht, daher zieht es uns heute nicht hinauf.

Die Walhalla erhebt sich über der Donau bei Donaustauf
Die Ehrenhalle für bedeutende Persönlichkeiten „teutscher Zunge“ wurde 1842 eröffnet und von König Ludwig I. von Bayern in Auftrag gegeben

Wir haben wieder einen herrlichen Tag erwischt. Viel Sonne (gegen die wir uns diesmal im Voraus eingecremt haben, nachdem wir das gestern vergessen hatten), kein Wind, ein „Blauer Tag“, wie ich diese einfach nur schönen Sommertage nenne. Selbst die Donau liegt ganz ruhig in ihrem Bett.

Der Ort Demling spiegelt sich in der glatten Donaufläche
Der Ort Demling spiegelt sich in der glatten Donaufläche

Enten-, Blesshuhn und Schwangeschnatter, Froschgequake, Möwengeschrei, das sind die einzigen Geräusche außer dem Rollgeräusch unserer Reifen. So still und friedlich, ein Genuss.

Der Ort Friesheim spiegelt sich in der glatten Donaufläche
Die Donau fließt ruhig ohne Wellen, der Kirchturm von Friesheim spiegelt sich im Wasser

Nun passieren wir eine spannende Stelle. Den Ort Bach an der Donau, in dem Wein angebaut wird. Für uns, in der Pfalz wohnende, sind die Rebzeilen nichts Ungewöhnliches. Aber für die Donau in Deutschland schon. Sogar ein Weinbaumuseum soll es im Ort geben.

Im Ort Bach an der Donau liegt Deutschlands kleinstes Weinanbaugebiet
Im Ort Bach an der Donau liegt Deutschlands kleinstes Weinanbaugebiet. Die Rebzeilen ziehen sich am Hügel eentlang,

Wir unterqueren kurze Zeit später die A3 und verlassen mal wieder die Donau, um über Land zu fahren in Richtung Wörth. Dazu fahren wir in wenig Entfernung zur Autobahn – wie laut der Verkehr doch ist!

Das Schloss Wörth leuchtet weiß aus den grünen Bäumen, im Vordergrund leuchtet gelber Raps
Das Schloss Wörth erhebt sich auf einem Hügel westlich der Stadt

Mittlerweile wäre eine Kaffeepause recht und wir radeln nach Wörth hinein. Das einzige Café, dass wir entdecken, ist nur am Donnerstag, Samstag, Sonntag und Montag geöffnet. Heute ist Dienstag. Na, dann nicht!

Auf der Landkarte wird ersichtlich, wie die Donau vor der Begradigung durch die Landschaft mäandert ist.

Nach Wörth darf die Donau wieder in ihren Schleifen durch die Landschaft fließen
Nach Wörth geht der Blick auf einen Donaualtarm, der eine weite Schleife in der Landschaft macht

Wir sind noch weit von der Donau entfernt und fahren direkt neben der A3 auf dem Radweg. Ein erschreckter Fasan fliegt in der ersten Gerstenzeile auf und landet in der vierten wieder – und ist nicht mehr zu sehen. Als wir endlich wegdürfen von der Autobahn, wieder hin zur Donau, lockt uns ein Schild zu einem Biergarten unter der Autobahn hindurch in den Ort Hofdorf. Statt des Biergartens entdecken wir zuerst die Bäckerei, in der wir prompt Kunden werden.

Ein Bäckergeschäft in Hofdorf
Wir weichen kurz vom Fahrradweg ab und fahren nach Hofdorf. Dort gibt es nicht nur einen Biergarten, sondern auch eine Bäckerei. Ein Kaffee und ein frischer Erdbeerkuchen sind uns am Vormittag auch lieber ist als ein Bier

Zurück auf dem Radweg werden wir in Sichtweite der Autobahn weiter geführt. Schade, denn die Streckenführung liese sich über den Ort Niederachdorf gut verlegen und wir könnten die Schleifen der Donau auskosten. Dafür haben wir einen ersten Blick auf den Bayerischen Wald mit seinen Gipfeln, die ein weiteres Reiseziel sind.

Der Bayerische Wald erhebt sich im Hintergrund mit seinen Bergen
Der Bayerische Wald mit seinen Gipfeln taucht in der Ferne auf

Über Pondorf sind wir bald zurück an der Donau und genießen Tierwelt und relative Ruhe ohne Autobahn.

Schwäne nutzen einen alten Baumstamm in der Donau zum Rasten
Alte Treibgutbäume, die sich im Untergrund der Donau verhakt haben, bieten Wasservögeln sichere Nistplätze

Als wir wieder von der Donau weggeführt werden, entscheiden wir uns, nach einem Blick auf die Landkarte und auf die vergrößerte Kartenansicht bei Komoot, an der Donau weiter zu fahren. So kommen wir nicht durch die Orte Pittrich und Kößnach, müssen nicht an befahrenen Autostraßen entlang fahren. Sondern wir radeln gemütlich immer am Deich entlang bis zur Staustufe Straubing. Auf der Brücke muss ich mehrmals anhalten, die Aussicht ist gar zu schön.

Eine Nixenstatue ist auf der Staustufe in Straubing montiert
Die Nixe bewacht die Staustufe der Donau in Straubing
Die Nixe auf der Staumauer blickt zur Kirche Reibersdorf und zum Bayerischen Wald
Die Nixe auf der Staumauer blickt zur Kirche Reibersdorf und zum Bayerischen Wald

Wir essen gemeinsam in Straubing am Theresienplatz zu Mittag, in einem Restaurant mit Schatten und freier Außenbestuhlung,.

Der Theresienplatz in Straubing mit Brunnen und Dreifaltigkeitssäule
Der Theresienplatz in Straubing mit Brunnen und Dreifaltigkeitssäule

Bernhard fährt zum Bahnhof, ich über den Ludwigsplatz weiter. Dort ist noch Markt und ich kaufe mir Erdbeeren für eine Nachmittagsjause. Die stelle ich in meiner Packtasche auf die Regenklamotten, so dass sie es schön weich haben. Wieder fahre ich über eine Donauinsel und auf der linken Donauseite weiter.

Nach Straubing vereinen sich das Flussbett der alten und der neuen Donau wieder
Nach Straubing vereinen sich das Flussbett der alten und der neuen Donau wieder

Ich radele auf einer weiteren, eigenen Variante unter der B20 hindurch nach Reibersdorf, wo mich ein Kirchenfenster fasziniert.

Das Kirchenfenster in Reibersdorf ist mit Kupfer versehen
Das Kirchenfenster in Reibersdorf ist interessant gestaltet

Nach Reibersdorf folge ich einem Radfahrer, der rechts des Deiches weiterfährt. Als er aber an der Donau ankommt, um Schwimmen zu gehen, erkenne ich, dass das eine Sackgasse war. Aber da alle Umwege ja immer einen Hintersinn haben, erfreue ich mich an der Blütenpracht auf dem Deich und mir gelingt ein schönes Foto.

Eine Biene fliegt von links in lila Blüten
Eine Biene ist im Anflug zu den leuchtenden Blüten am Donaudeich

Wieder zurück am Donauradweg, der geteert auch einfacher zu fahren ist, als der Schotter zuvor. Wo die „Alte Kinsach“ in die Donau fließt ist ein Schleusenhaus, was ich sehr eindrucksvoll finde. Ich setzte mich auf dem Deich auf eine Bank und nasche an den Erdbeeren. Die erste Lage ist okay, bei der zweiten Lagen tauchen viele verschimmeltte Erdbeeren auf. Das kann nicht vom Transport kommen, da bin ich einfach nur übers Ohr gehauen worden. Schade!

Für die Schleusenbedienung bei Hochwasser wurden Schleusenhäuser errichtet
Für die Schleusenbedienung bei Hochwasser wurden Schleusenhäuser errichtet

Der Radweg leitet mich durch die Gemeinde Bogen, und dann am Radweg entlang der Hauptstraße weiter bis Pfelling.

Bogen Rathaus und Brunnen
Das Rathaus der Gemeinde Bogen hat einen wunderschönen Giebelaufbau

Nach dem Örtchen Pfelling geht es wieder an die Donau, allerdings links des Deichs, denn der ist nicht befahrbar. Wieder ist eine Schafherde auf dem Donaudeich unterwegs, die mich aber eher verwirrt. Ein Pickup fährt auf dem Radweg unterhalb des Deiches, die zwei Hütehunde laufen um das Auto rund herum. Die Schafe rennen unentwegt vorwärts, kaum dass sie mal ein Maulvoll Fressen rupfen können. Am Ende der Herde fährt ein Quad, das die Schafe vorantreibt, alles in Schafgaloppgeschwindigkeit. Einigen der Schafe hängt die Zunge weit aus dem Hals und sie blöken unaufhörlich. In meinen Augen werden die Tiere nicht richtig behandelt, aber ich unternehme nichts.

Auf dem Donaudeich weiden Schafe
Nach Mariapoching sind wieder Schafe auf dem Donaudeich, die in ständiger Bewegung gehalten werden.

Ich passiere die Vogelfreistätte und Graureiherkolonie Kleinschwarzach und sehe schon von weitem die Brücke über die A3. Ich nähere mich ihr auf dem Donaudeich, der wieder befahrbar ist.

Die Autobahnbrücke der A3 vor Metten
Die A3 führt über diese interessant gebaute Brücke vor Metten

Mein Handyakku und meine Powerbar sind nun bald leer. Ich habe auch noch nichts von Bernhard gehört, daher entschließe ich mich, nach Metten hineinzufahren, in der Hoffnung auf eine Eiscafé. Meine Hoffnung wird zuerst enttäuscht, denn das örtliche Eiscafé ist geschlossen. Aber am Marktplatz ist ein Gasthof geöffnet und einen Eiskaffee gibt es dort auch.

Bernhard meldet sich telefonisch. Er hat in Deggendorf keinen schönen Stellplatz für unser Wohnmobil gefunden und ist nach Fischerdorf auf einen Privaten Stellplatz ausgewichen. Er will mich abholen kommen, also ist meine Etappe hier in Metten zu Ende. Da es wieder 95 km waren, wehre ich mich nicht dagegen. Morgen lasse ich mich von Bernhard wieder in Metten absetzen. Deggendorf muss bis morgen warten.

Hier geht’s zur 1. Etappe Donauradweg: von Donaueschingen nach Beuron.

Hier geht’s zur 2. Etappe Donauradweg: von Beuron nach Riedlingen.

Hier geht’s zur 3. Etappe Donauradweg: von Riedlingen nach Ulm.

Hier geht’s zur 4. Etappe Donauradweg: von Ulm zum Hofgut Bäldleschwaige.

Hier geht’s zur 5. Etappe Donauradweg: vom Hofgut Bäldleschwaige nach Ingolstadt.

Hier geht’s zur 6. Etappe Donauradweg: von Ingolstadt nach Regensburg.

Hier geht’s zur 8. Etappe Donauradweg: von Metten nach Passau.

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Donau-Radtour mit Wohnmobil – 6. Etappe

Donau-Radtour mit Wohnmobil – 6. Etappe

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Die sechste Etappe unserer Donauradtour führt uns von Ingolstadt nach Regensburg. Das Wohnmobil steht bereits in Regensburg, so fahren wir mit der Bahn zum Ausgangspunkt. Unterwegs erwartet uns der Donaudurchbruch bei Weltenberg, denn wir mit einer Schifffahrt erleben wollen.

6. Etappe von Ingolstadt nach Regensburg

Das wird eine lange Etappe. Mit dem bikeline-Radführer haben wir errechnet, dass wir beinahe 100 km vor uns haben. Um die Strecke relativ gemütlich zu radeln, sitzen wir bereits kurz vor 8 Uhr in der Bahn, um gegen 9 Uhr in Ingolstadt zu starten.

Die Bloggerin fährt mit ihrem Fahrrad in der Bahn nach Ingolstadt
Maskenpflicht in Öffentlichen Verkehrsmitteln – wir fahren an Pfingstmontag von Regensburg mit der Bahn nach Ingolstadt

Wir blättern heutige die Route in unserem Radwanderführer nochmal durch. Dabei kommt uns die Idee zu überprüfen, ob die Personenschifffahrt durch den Donaudurchbruch heute bereits möglich ist. Wir schauen im Internet nach. Der Rat auf der Website lautet: Online die Tickets reservieren. Das machen wir auch und müssen nun um 13 Uhr in Weltenberg am Schiffanleger eingestiegen sein. Kaum ist das erledigt, werden die Fahrkarten kontrolliert. Die Schaffnerin verlangt die Fahrradkarten. Wir schauen verständnislos? Sie erklärt, dass man in Bayern bei einer Fahrradmitnahme in der Bahn ein Fahrradticket haben muss. Wir haben keines! Bernhard erklärt, dass er unsere Tickets online, in der Bahn-App, gebucht hat. Er hat Fahrradmitnahme in der Bahn angeklickt, um nur die Züge mit Fahrradmitnahme angezeigt zu bekommen. Er hat weder einen Hinweis auf ein Fahrradticket bekommen, noch ist er beim Buchen unserer Tickets drauf hingewiesen worden. Er erzählt auch, dass er auf allen Strecken der Donauradtour in Baden-Württemberg kontrolliert worden ist, aber keine Fahrradkarte verlangt wurde.

Das sei eine Besonderheit in Bayern, erklärt uns die Schaffnerin. In Bayern kostet die Mitnahme von Fahrrädern im Zug. Sie allerdings, in der Privatbahn mit der wir fahren würden, dürfe keine Tickets verkaufen. Sie dürfe nicht kassieren, daher sollten wir bitte beim nächsten Mal am Fahrscheinautomat im Bahnhof Fahrradtickets kaufen. Leider gäbe es diese Tickets in der Bahn-App nicht.

Armes Bayern, denken wir uns, nachdem sie gegangen ist. Wie wollen wir in Deutschland eine Verkehrswende hinbekommen, wenn ausgerechnet im reichsten Bundesland Fahrradmitnahme im Zug etwas kostet? Bayern kann an vielen Stellen mit seiner Landschaft bei Touristen punkten. Aber ein umweltbewusster Mensch wird eher in den Schwarzwald fahren, in dem in der Kurtaxe am Urlaubsort ein Freifahrtschein im gesamten Schwarzwald mit Fahrradmitnahme im öffentlichen Personennahverkehr inbegriffen ist. Da wird für eine Verkehrswende zumindest im Urlaub stark geworben. Vermutlich ist es in anderen Regionen der Bundesrepublik genauso? Wir haben bereits viele Radtouren mit Zugbegleitung, Zuganreise oder Rückreise gemacht, aber ein Fahrradticket war bisher nicht dabei, höchstens eine Reservierung für das Fahrrad in Schnellzügen. Mit diesen Gedanken und einigen Blicken auf die Donau erreichen wir Ingolstadt.

Touraufzeichnung in Komoot

Die Etappe von Ingolstadt nach Regensburg habe ich wieder in komoot aufgezeichnet.

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Start am Bahnhof in Ingolstadt

Wir fahren gegenüber des Bahnhofs die Straße auf dem Radweg hinauf, dann rechts durch einen Park und links in ein Wohngebiet bis hinauf zur Donau. Wir wollen hinein in die Altstadt von Ingolstadt und folgen der Radwegbeschilderung Zentrum.

Ein Radfahrer wartet auf einer geschwundgenen, gespannten Brücke
Eine interessant gebaute Brücke führt vom Bahnhof kommend über die Donau in die Innenstadt

Bayern hat erst vorgestern (Pfingstsamstag) den Corona-Lockdown ein wenig gelockert. Ausflüge sind wieder möglich, die Freizeiteinrichtungen, Übernachtungsbetriebe und Wohnmobilstellplätze sind wieder geöffnet. Aber so früh am Feiertag sind noch wenige Menschen unterwegs, so kann ich das „social distancing“ gut einhalten.

Die Bloggerin steht vor dem Rathaus mit Brunnen in Ingolstadt
An Pfingstmontag habe ich den Rathausplatz für mich allein

Wir radeln langsam durch einen Teil der Altstadt und finden unsere Radwanderweg-Beschilderung „Deutsche Donau“, der wir weiter folgen wollen.

Das neue Schloss in Ingolstadt, Turm
Die Sonne kündigt über dem Neuen Schloss in Ingolstadt von einem heißen Tag

Ab neuem Schloss fahren wir links der Donau, die sich teilweise hinter Bäumen versteckt. Wir fahren auf einer Straße, die eigentlich „nur“ für militärische Zwecke benutzt werden darf. Sie ist breit, schön geteert und die Räder rollen gut, das finden auch die Inliner, die die Straße benutzen. An manchen Stellen ist das Gelände zur Donau abgeflacht, hier werden wohl die Pioniere Brückenbau und anderes üben. Wir machen einen kleinen Schlenker, weil ich nicht glaube, dass es am Ende dieser Straße keinen Abzweig nach links auf den eigentlichen Radweg gibt – tja, verschätzt!

Nach einem Kraftwerk fahren wir nach links, an einem See entlang, queren die B16a und erreichen Kleinmehring, an dessen Ortsrand wir bis zur Donaubrücke vorfahren.

Links und Rechts der Donau

Wieder radeln wir auf die rechte Donauseite und durch einen Auenwald, immer wieder Altarme der Donau querend bis zum Donaudeich. Mit schönem Blick auf die gemächlich links von uns fließende Donau erreicht wir schnell Vohburg, eine alte Stadt mit einem Burgberg. Es wird Zeit für eine kurze Pause und einen Kaffee.

Der Burgberg von Vohburg ist von einer Mauer umgeben
Der Burgberg von Vohburg ist von einer Mauer umgeben

Direkt an der Donaubrücke gibt es ein Café. Wir entscheiden uns jedoch, in die Stadt hineinzufahren und im Ort etwas weniger touristisches zu suchen.

Das Stadttor von Vohburg liegt in einer Senke
Durch das Stadttor radeln wir hinauf zum Burgberg

Zuerst zieht es uns hinauf auf den Berg (ziehen wäre schön gewesen, treten war angesagt) allerdings befindet sich dort „nur“ die Kirche und der Friedhof. Und: eine geöffnete öffentliche Toilette, super!

Auf dem Burgberg in Vohburg ist der Friedhof angelegt
Auf dem Burgberg in Vohburg ist der Friedhof angelegt

Wir entdecken am Marktplatz einen Italiener, der auch Außenbestuhlung hat. Kompliziert ist es nur, an den Kaffee zu kommen. Bernhard bestellt den Kaffee, während er fragt, ob er seinen Fahrradakku an die Steckdose stecken kann. (Der schafft 100 km nicht mehr – ähh, der Akku). Ich möchte meinen Handy-Akku auch noch aufladen und gehe nachfragen, ob das auch möglich ist. Leider nein, es gibt nur eine Steckdose – aber unseren Kaffee könnte ich mitnehmen. Ich schaue fragend? Serviert wird nicht, wegen Corona, erhalte ich als Antwort. Aha, denke ich und mache mich mit zwei lauwarmen, also trinkfähigen Kaffee auf den Weg über die Straße. Es ist schon erstaunlich, wie viele unterschiedliche Interpretationen es für die verschiedenen Tätigkeiten wegen Corona gibt! Kurz danach sausen wir bergab und beobachten auf der Donaubrücke die Wassersportler.

Unter der Donaubrücke in Vohburg steigen Paddler in ihre Boote
Unter der Donaubrücke in Vohburg steigen Paddler in ihre Boote

Nach der Brückenquerung ist die Donau erst mal wieder NICHT zu sehen. Wir fahren durch den Ort Dünzing und kurz vor Wackerstein wieder an die Donau. Danach an einer Straße entlang nach Pförring und wieder zur Donau, wo wir auf dem Deich, eigentlich einem Deich im Land, weiterradeln.

Schafe weiden auf dem Donaudeich
Schafe halten das Gras des Donaudeichs kurz und verhelfen uns Radlern zu einer unvorhergesehenen Rast

Wir hören uns einige Zeit das Gemalme der Schafe beim Grasrupfen und Kauen an. Vor Neustadt an der Donau queren wir die Donau wieder auf einer Brücke und befinden uns nun an der Deutschen Limesstraße. Wir wohnen in der Nähe von Neustadt an der Weinstraße, wo ich manchmal als Gästeführerin unterwegs bin, daher möchte ich gerne in die Stadt hineinfahren.

Die Stadtgründung ist in Neustadt Donau an einem Haus aufgemalt
An der Rathausmauer in Neustadt Donau wird die Stadtgründung erwähnt

Neustadt an der Donau hat die Stadtrechte zwei Jahre vor Neustadt an der Weinstraße (ehemals Neustadt an der Haardt) erhalten, dafür ist das Städtchen insgesamt kleiner und hat noch etwas mehr Reste seiner mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die Erbauer der damals neu gegründeten Stadt waren aber bei der Namensfindung ebenso fantasielos, wie die in Neustadt an der Weinstraße und weiteren 35 Neustadts im deutschsprachigen Gebiet.

Donauradweg – ohne Donau

Entlang der Straße, teils auf einem Radweg, fahren wir durch Bad Gögging und Sittling, mittlerweile müssen wir etwas aufs Tempo drücken, das Schiff wird nicht auf uns warten. Seit Vohburg haben wir in der Ferne immer wieder Felder mit langen Stangen darauf gesehen. Wir befinden uns mitten in einem Hopfenanbaugebiet und endlich führt unser Radweg genau an einem vorbei, Zeit für einen Fotostopp muss nochmal sein.

Die Bloggerin steht vor einem Hopfenfeld
Nach Neuburg Donau radeln wir an vielen Hopfenfeldern entlang

Kurz geht es an dem Flüsschen Abens entlang, der bei Einig in die Donau mündet. Wir radeln wieder weg von der Donau und über den Ausläufer des Sandbergs, allerdings mit einem leuchtenden Feld als Ansporn bergauf.

Ein Mohn- und Kornblumenfeld
Ein Mohn- und Kornblumenfeld leuchtet in rot und blau um die Wette

Bald geht es wieder hinab und nochmal hinauf und auf der Höhe weiter streng nach Norden durch ausgedehnte Felder.

Donaudurchbruch bei Weltenberg

Allmählich geht’s bergab nach Staubing mit Blick zur Donau und an ihr weiter nach Weltenburg.

Paddler auf der Donau vor Weltenburg
Paddler begleiten uns auf der Donau kurz vor Weltenburg

Statt mit dem Schiff durch den Donaudurchbruch zu fahren, hätten wir auch mit der Personenfähre übersetzen und – wieder weitab der Donau – nach Kelheim fahren können. Ich finde es aber auch mal spannend, nicht nur an der Donau, sondern auch auf der Donau zu sein – und das außerdem an dieser besonderen Stelle.

Ein langer hölzerner Kahn ist die Personenfähre vor Weltenburg
Wer mit dem Fahrrad nach Kelheim fährt, muss mit der Personenfähre übersetzen und über den Hirschberg fahren

Je näher wir dem Schiffsanleger und dem Kloster kommen umso mehr Menschen sind unterwegs. Kind und Kegel, Alt und Jung, mit Kinderwagen, Leiterwagen, Rollator, Rollstuhl, E-Scooter, zu Fuß, auf dem Skateboard und mit dem Fahrrad. Ein Gewurle – wir sind diese Menschenmengen nicht mehr gewohnt. Distanz zu halten ist absolut unmöglich und wir sind froh, uns nicht in die lange Schlange an der Kasse des Schiffsanlegers stellen zu müssen. So ziehen wir unsere Mund-Nasen-Schutzmasken auf und können uns direkt an der Warteschlange der Einsteigenden einreihen. Gerade hat das Schiff angelegt und die Fahrgäste steigen von Bord. Es geht wirklich zivilisiert zu, alle bemühen sich um Abstand, allein die Masse der Menschen verhindert das. Ein Besuch des Klosters ist für uns aus Zeitgründen und aufgrund der Menschendichte leider ausgeschlossen.

Ein Personenschiff liegt am Anleger vor dem Donaudurchbruch
Wir stehen in der Schlange der Wartenden vor dem Personenschiff durch den Donaudurchbruch

Da das Schiff nur einen Bruchteil der üblichen Passagiermenge befördern darf, ist für die Fahrräder unter Deck genügend Platz. Wir ergattern für uns noch zwei Plätzchen auf Deck und genießen die Fahrt. Die Donau ist an dieser Stelle sehr tief, das Tal eng, wir könnten beinahe zu beiden Seiten die Felsen berühren. Über uns gibt es Gipfelkreuze auf den Höhen und jede Menge Menschen, die auf den Zu- und Abwegen unterwegs sind.

Ein Schiff passiert den Donaudurchbruch zwischen Weltenberg und Kelheim
Die Fahrt mit dem Schiff durch den Donaudurchbruch zwischen Weltenberg und Kelheim ist beeindruckend

Ein Crewmitglied erklärt die Beschaffenheit des Donaudurchbruchs, während  Getränke auf der 20-minütigen Fahrt serviert werden. Wir hören Geschichten über die Felsen und Höhlen und werden auf die Befreiungshalle, die am Ende des Donaudurchbruchs oberhalb steht, hingewiesen.

Über dem Wald des Hirschbergs erhebt sich die Befreiungshalle
Die Befreiungshalle wurde von König Ludwig I. von Bayern zur Erinnerung an die Kriege gegen Napoleon beauftragt

Leider fehlt uns am Anleger in Kelheim ein eindeutiger Fahrradwegweiser und wir irren mal wieder ein wenig herum. Wir fahren nicht zur Befreiungshalle, denn die Heerscharen der Menschen bewegen sich in diese Richtung. Wir hoffen, in der Stadt einen Mittagessensplatz zu bekommen und finden einen Griechen am Marktplatz. Erst später sehen wir die Brauerei, aber da sind wir schon satt. Dabei wäre ich gerne dorthin gegangen, denn das Brauhaus hat eine interessante Geschichte.

Vom Marktplatz in Kelheim sieht man durch alte Bürgerhäuser hindurch zur Befreiungshalle
Vom Marktplatz in Kelheim sieht man durch alte Bürgerhäuser hindurch zur Befreiungshalle

In Kelheim mündet die Altmühl in die Donau. Sowie ich das Wort „Altmühl“ höre, läuft bei mir im Gehirn der Satz: „Altmühl, Naab und Regen, fließen links entgegen“ … wer kennt den nicht aus dem Erdkundeunterricht? Die Mündung der Altmühl ist auch von keiner Brücke überbaut und gut zu erkennen.

Die Altmühl fließt in die Donau
Ein Motorboot vor dem Zufluss der Altmühl in die Donau

Nun radeln wir ohne Zeitdruck an der Donau weiter, manchmal durch kleine Auwälder, öfter an landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbei, Kiesseen, Campingplätzen und Sportboothäfen. Es wird beim Schauen also nicht langweilig. Aufmerksam muss man nur manchmal sein, wenn der Fahrradweg entlang einer Straße führt. In Poikam wechseln wir wieder die Donauseite und kommen an eine Straßenbauhistorisch interessante Stelle.

Ein Radler steht auf dem Fahrradweg neben der Bundesstraße vor Bad Abbach, auf einem steinernen Sockel ist ein gemeißelter Löwe zu erkennen
Der Donauradweg führt vor Bad Abbach entlang der heutigen Bundestraße. Die Straße wurde unter hartnäckigem Einsatz ab 1792 unterhalb des Teufelsfelsens errichtet. Die Löwen sind zu Ehren des Bauherrn Carl Theodor, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog und Kurfürst von Bayern errichtet worden

Kurze Zeit später haben wir einen kurzen Blick auf Bad Abbach, tangieren die Stadt aber nur.

Die Kirche von Bad Abbach, hinter Bäumen ist der Schlossturm versteckt
Die Kirche von Bad Abbach – der Schlossturm versteckt sich hinter Bäumen

Ich erfreue mich daran, dass der Radweg wirklich bis Regensburg immer entlang der Donau führt. Die Donau ist auf diesem Teilstück auch nicht (sehr) reguliert, sie fließt in ihrem kurvenreichen Bett. Das macht die Tour zwar länger, aber auch spannender, weil sich die Blickrichtung immer wieder ändert. – Außerdem – und das stellen wir erst am Abend fest – bekommen wir so überall Sonnenbrand. Die Sonne kann durch den ständigen Richtungswechsel alle Stellen der Arme und Beine erreichen. Wir hatten zwar unterwegs ans Eincremen mit Sonnenschutz gedacht, aber doch nicht gemacht. Wie blöd!

Wir tangieren nur einzelne kleine Ortschaften ansonsten nur Donau, Boote, Landschaft. Wie schön! Hinter der Ortschaft Pentling schaue ich angestrengt nach links, die Naab muss bald gegenüber in die Donau münden. (… Altmühl, Naab und Regen…) Bei unserem nächsten Regensburgbesuch werden wir mal eine Radtour an der Naab machen, nehme ich mir vor.

Die Naab mündet in die Donau
Links der Boote mündet die Naab in die Donau

Wir fahren unter der Autobahn durch und wenig später verdichten sich die Fußgänger und Radfahrer auf dem kombinierten Rad- und Fußweg, wir nähern uns Regensburg.

Über der Donau sind die ersten Kirchen von Regensburg zu erkennen
Über der Donau sind die ersten Kirchen von Regensburg zu erkennen

Recht langsam kommen wir nun voran und bleiben bis zur Steinernen Brücke auf dem Donauradweg.

Über die Steinerne Brücke ist links der Regensburger Dom
Menschenmengen schieben sich über die Steinerne Brücke, der Dom überragt die Altstadt von Regensburg
Der Turm ist ein Teil der ehemaligen Stadtmauer in Regensburg
Der Turm der alten Stadtmauer erinnert mich ein wenig an Rapunzel

An der Steinernen Brücke ist unser Abschluss der heutigen Tour. Anstrengend, weit und superschön war sie. Ein fantastisches Erlebnis an der regulierten, der „wilden“ und der gemütlichen Donau.

Hier geht’s zur 1. Etappe Donauradweg: von Donaueschingen nach Beuron.

Hier geht’s zur 2. Etappe Donauradweg: von Beuron nach Riedlingen.

Hier geht’s zur 3. Etappe Donauradweg: von Riedlingen nach Ulm.

Hier geht’s zur 4. Etappe Donauradweg: von Ulm zum Hofgut Bäldleschwaige.

Hier geht’s zur 5. Etappe Donauradweg: vom Hofgut Bäldleschwaige nach Ingolstadt.

Hier geht’s zur 7. Etappe Donauradweg: von Regensburg nach Metten.

Hier geht’s zur 8. Etappe Donauradweg: von Metten nach Passau.

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Donau-Radtour mit Wohnmobil – 5. Etappe

Donau-Radtour mit Wohnmobil – 5. Etappe

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Die fünfte Etappe unserer Donauradtour führt mich vom Hofgut Bäldleschwaige über Donauwörth nach Neuburg an der Donau. Dort treffe ich Bernhard, der unser Wohnmobil nach Ingolstadt gefahren hat. Mit dem Zug und dem Fahrrad kommt er zurück nach Neuburg, gemeinsam fahren wir nach der Mittagspause weiter nach Ingolstadt.

5. Etappe vom Hofgut Bäldleschwaige nach Ingolstadt

Die Kaltfront, die sich mit der Wolkenbildung gestern Abend schon angekündigt hat, ist da. Sicherheitshalber fülle ich meine Packtasche mit der Regenkleidung, obwohl der Wetterbericht den Regen weiter östlich und südlich meldet. Wieder habe ich meine Handschuhe an, denn die Kaltfront macht ihrem Namen alle Ehre, es ist nur um die 8° beim Losfahren. Ich genieße die sehr frische Morgenluft und die Wolkenbildung am Himmel.

Sonnenstrahlen brechen durch dunkle Wolken und bestrahlen eine Birke am Wegesrand
Die Abfahrt von Bäldleschwaige wird von Wolkenspielereien der Kaltfront begleitet

5. Etappe in Komoot

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Donauradweg – endlich wieder an der Donau

Der Donauradweg geht über die wenig befahrene Landstraße weiter, so wie er gestern aufhörte. Das ist soweit in Ordnung, nur in den Kurven muss ich höllisch aufpassen, da viel Kies auf der Straße liegt, der rutschig sein kann. Endliche nähere ich mich wieder der Donau, die hier einem See gleicht.

Die Donau wird vor dem Laufwasserkraftwerk Donauwörth gestaut
Die Donau wird vor dem Laufwasserkraftwerk Donauwörth gestaut

Der Donauradweg führt unter der Bundesstraße durch und eigentlich geradeaus in die Stadt. Allerdings kommen von der Bundesstraße sehr viele Autos, die den gleichen Weg auf der schmalen Straße mit Gegenverkehr haben. Ein Hinweisschild mit einem Fahrrad und der Schrift „Zentrum“ weist nach links. So folge ich lieber diesem Radweg, abseits von Autoverkehr, als dem offiziellen Donauradweg. Ich erreiche einen Kreisel, dessen Zierde mich sehr beeindruckt.

In einem Kreisel in Donauwörth ist ein Hubschrauber aufgebaut
Ein Hubschrauber ist auf einem Kreisel auf dem Weg in die Stadt Donauwörth aufgebaut

Nun schickt mich der Radweg nach Nordosten unter den Bahnschienen hindurch, aus dem Stadtteil hinaus. Rechts von mir liegt die Altstadt, davor ein Steg, so wende ich mich nach Osten.

Von Westen führt eine hölzerne Brücke über die Wörnitz nach Donauwörth
Ich radle mit dem Wegweiser Stadtmitte Donauwörth über die Holzbrücke über die Wörnitz, die in Donauwörth in die Donau mündet

Ich radle kurz am Mühlkanal entlang und biege rechts ab, hinauf in die Altstadt. Ich bin beeindruckt von der Anlage der Reichsstraße und der Gebäude, die daran liegen.

Ein Adler wacht über einen Brunnen an der Reichsstraße in Donauwörth
Links wacht ein Adler über den Brunnen an der Reichsstraße in Donauwörth

Auf Höhe der Touristinfo erreiche ich wieder den Donauradweg. Er führt mich rechts hinab, ich stoppe aber gleich wieder wegen eines Fotomotivs.  

Am Trauzimmer der Stadt Donauwörth ist ein schmiedeeiserner Doppeladler angebracht
Ein geschmiedeter Doppeladler ist am Gebäude mit dem Trauzimmer angebracht

Regentropfen, die auf meinen Helm klopfen…

Der Himmel wird immer dunkler, als ich auf dem Radweg entlang der Bundesstraße weiterfahre. Auf Höhe Schweizerhof fängt es an zu regnen und ich halte unter hohen Bäumen, um mir die Regenkleidung anzuziehen. Ich habe eine Regenhose, die auf beiden Beinseiten Reißverschlüsse hat. Diese sind von unten nach oben zu öffnen und an Oberschenkel-, in Knie-, Waden und Knöchelhöhe sind außerdem Klettverschlüsse. Ich mag das sehr, denn so lasse ich den Reißverschluss ab dem oberen Oberschenkel offen und mache nur die Klettverschlüsse zu, so kann bei jedem Pedaltritt Luft zirkulieren und Schwitzfeuchtigkeit wegnehmen. Ich kann die Regenhose über die Schuhe ziehen, was auch praktisch ist, wenn es schnell gehen muss. Meine Unterarmzipps an der Regenjacke habe ich auch offen. Ich wäre ansonsten unter der Regenbekleidung ähnlich nass, als würde ich sie nicht anhaben. Mein Fahrradhelm passt perfekt über die Kapuze. Und weiter geht es. Nach Altisheim geht es bergauf, rechts im Tal ist die Donau versteckt und ich erreiche Leitheim.

Ein Schloss im Hintergrund, im Hof rechts die Rezeption des Hotels
Noch ist Coronabedingt kein Betrieb im Schlosshotel Leitheim

Die Radwegschilder sind in Leitheim in einem Gebüsch versteckt und so dauert es ein wenig hin- und herfahren, bis ich wieder auf dem Donauradweg bin, der nun steil hinab nach Graisbach führt und gleich wieder hinauf nach Lechsend und weiter bergauf nach Marxheim. Der Regen hat aufgehört, ich hänge meine Regenhose zum Trocknen an den Lenker, die Regenjacke packe ich mit den nassesten Stellen nach außen auf den Gepäckträger. Der Fahrtwind kann sie trocknen.

Nach einer Bergabfahrt zur Donau entdecke ich ein braunes Hinweisschild, das mich zum Fotostopp inspiriert.

Ein Straßenschild mit dem Schriftzug romantische Straße
Der Schriftzug “Romantische Straße“ ist auch in asiatischer Schrift – an meinem Lenker trocknet die Regenhose

Endlich biegt der Radweg wieder ab und führt an der Donau entlang.

Der Radweg führt über den Deich vor Bertholdsheim, von bunten Wiesenblumen begleitet
Der Radweg führt über den Deich, immer mit Blick über bunte Wiesenblumen auf die Donau

Ich folge dem Radweg vor der Staustufe Bertoldsheim nicht nach links, sondern bleibe bis zur Staumauer auf dem Deich und biege dann erst ab zur Landstraße.

Vor der Staustufe Bertoldsheim erweitert sich die Donau wieder in einen See
Vor der Staustufe Bertoldsheim erweitert sich die Donau wieder in einen See

Hätte ich besser in die Landkarte geschaut, wäre ich auf dem Radweg rechts der Straße weiter geradeaus gefahren. So aber entscheide ich mich, hinauf in den Ort zu fahren, durch den der Donauradweg führt. Im Ort werden Radfahrer sehr originell in einen Biergarten eingeladen.

Auf einer kleinen gepflasterten Fläche steht ein altes Fahrrad mit dem Hinweis Biergarten mit Donaublick
Das Fahrrad lädt in den naheliegenden – am Vormittag noch geschlossenen – Biergarten ein

Mehr hat der Ort aber nicht zu bieten, außer dem steilen Hügel hinauf und hinab. Ich fahre am Schloss (Privat)vorbei und wieder hinab und auf ähnlich schmalen Landstraßen, wie am Morgen ab Bäldleschwaige, fahre ich weiter. Hinter Stepperg wird der Donauradweg anders geführt als im Radwanderführer eingezeichnet. So mache ich in fröhlichem Bergabsaußen eine Vollbremsung und biege wieder zur Donau ab und dort auf den Deich. Wie schön!

Über Kornblumen ist die Donau im Hintergrund zu sehen
Der Donauradweg bei „Donau km 2.485,6“ von Kornblumen und Margeriten gesäumt. Die Kilometerangaben der Donau werden von der Quelle bis zur Mündung immer kleiner

Mein Mobiltelefon ist in einer Halterung am Lenker angebracht, so dass ich die Komootaufzeichnung überwachen kann und eine zusätzliche Orientierung habe. So kann ich mein Telefon außerdem bedienen, ohne anzuhalten. Bernhard meldet sich per Telefon. Er ist mittlerweile mit der Bahn in Neuburg angekommen. Da es Mittagszeit ist, sucht er uns ein Restaurant. Ich genieße noch Kleinigkeiten am Wegesrand, die mir vor die Fotolinse kommen.

Zwei kleine Inseln sind mit einem Treibgutbaum verbunden
Der Baum bildet eine natürliche Brücke zwischen den Inseln

Idyllisch an der Donau fahrend, mittlerweile wieder im Sonnenschein, erreiche ich die Brücke, die nach Neuburg hineinführt. Ich soll durch das Stadttor geradeaus bergauf fahren, habe ich mittlerweile mitgeteilt bekommen und gegenüber der Kirche anhalten.

Mittagspause

In einem Haus mit geschwundenen Giebel ist in Neuburg an der Donau das Restaurant zur Laterne
Bernhard erwartet mich zum Mittagessen in Neuburg an der Donau im Restaurant zur Laterne.

Eine vorzüglich Pizza mit frischem Salat belegt bringt neue Kräfte. Das Restaurant Laterne hat an diesem Mittwoch als einziges in Neuburg an der Donau in der Stadtmitte zur Mittagszeit geöffnet. Eine sehr gute Wahl, denn wir wurden zuvorkommend bedient und hatten ein sehr leckers Essen. (Ristorante Il Lampione / Zur Laterne, Amalien Straße A 53, 86633 Neuburg an der Donau, Tel. 08431-64 23 996)

Donauradweg – unsere Variante

Fröhlich und gesättigt fahren wir die gepflasterte Straße hinunter durch das Stadttor und biegen nach links zur Donau ab. Vor der Donau führt uns der Radweg rechts, durch den Englischen Garten, am Industriegebiet vorbei in einen Auenwald. Wir folgen ihm bis zur Staustufe Bergheim und entscheiden uns dann wieder für eine eigene Variante, immer entlang des Deichs, entlang der Donau. Der offizielle Radweg führt weg von der Donau, über das Jagdschloss Grünau und den Ort Weichering und kommt bei Ingolstadt erst an die Donau zurück. Ich hatte heute noch nicht genug Donau und so fahren wir auf dem Deich weiter. Das Wetter hat sich mittlerweile wieder umentschieden und bildet einen interessanten Himmel.

Sonnenstrahlen dringen durch dunkle und weiße Wolken an den blauen Himmel
Manchmal ist der Himmel ein wahrer Künstler

Wir entdecken mehrere „Kindergärten“ von Wasservögeln und eine besonderes Nest, mitten auf dem Fluss.

Ein Wasservogel hat ein filigranes Nest auf der Donau verankert
Ob das Nest auch dem nächsten Regen und erhöhter Fliesgeschwindigkeit standhält?

Der Deichweg endet und ein Verbotsschild zur Weiterfahrt mit dem Fahrrad ist am weiterführenden Weg aufgestellt. So fahren wir wieder in Richtung Donauradweg und passieren dabei einen Altarm der ursprünglichen Donau.

Bäume liegen im Donau-Altarm bei Weichering
Der ursprüngliche Lauf der Donau ist in ihren Altarmen noch zu erkennen. Ob Biber oder Sturm die Bäume gefällt hat?

In der Landkarte entdecke ich das Fort Rosenschwaig, das wir aber leider nicht finden und auch keinen ausgeschilderten Hinweis. Wir nähern uns Ingostadt. Zu erkennen ist das daran, dass immer mehr Radfahrer und Fußgänger jetzt am Nachmittag in der Nähe der Stadt unterwegs sind, da heißt es Rücksicht nehmen. Wir fahren nur bis zum Wohnmobil, das Bernhard am Stadtrand direkt am Radweg geparkt hat. Ingolstadt wollen wir uns erst beim Start der nächsten Etappe anschauen. Die 6. Etappe muss fünf Tage warten, denn der Werkstatttermin zum Austausch der Wohnmobilsitze im Fond und Familienbesuche in München und Regensburg unterbrechen unsere Radeltour.

Hier geht’s zur 1. Etappe Donauradweg: von Donaueschingen nach Beuron.

Hier geht’s zur 2. Etappe Donauradweg: von Beuron nach Riedlingen.

Hier geht’s zur 3. Etappe Donauradweg: von Riedlingen nach Ulm.

Hier geht’s zur 4. Etappe Donauradweg: von Ulm zum Hofgut Bäldleschwaige.

Hier geht’s zur 6. Etappe Donauradweg: von Ingolstadt nach Regensburg.

Hier geht’s zur 7. Etappe Donauradweg: von Regensburg nach Metten.

Hier geht’s zur 8. Etappe Donauradweg: von Metten nach Passau.

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Donau-Radtour mit Wohnmobil – 4. Etappe

Donau-Radtour mit Wohnmobil – 4. Etappe

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Die vierte Etappe unserer Donauradtour führt uns von Ulm zum Hofgut Bäldleschwaige. Die ersten 10 km sind in stadtnahem Verkehr, trotz Radwegen nicht sehr schön zu fahren. Später öffnet sich wieder die Landschaft und wir passieren weitflächige Felder, Wiesen und Donauauen.

4. Etappe von Ulm zum Hofgut Bäldleschwaige

Bernhard parkt morgens das Wohnmobil auf dem Wohnmobilstellplatz in Ulm so, dass die Sonne später prall auf unsere Solarkollektoren scheinen wird. So wollen wir prüfen, ob die Aufbaubatterien sich aufladen oder die Verbindung einen Wackler hat oder die Aufbaubatterien einfach altersschwach sind.

4. Etappe in Komoot

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Mit den Rädern starten wir durch den Freizeitpark Friedrichsaue und sind bald wieder auf dem Donauradweg unterwegs. Anfänglich noch im Grünen, aber bald an einer Schnellstraße entlang, mit dem normalen städtischen Morgenverkehr. Zwar auf Radwegen, aber laut und unattraktiv. Kurz vor Thalfingen passieren wir die Grenze zu Bayern.

Ein Schild markiert die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern
Wir verlassen Baden-Württemberg und erreichen Bayern – mit anderen Corona-Maßnahmen als bisher

Für uns ist das Passieren der Grenze von daher wichtig, weil in Bayern andere Corona-Bestimmungen gelten als in Baden-Württemberg. Beispielsweise sind in Bayern noch Stellplätze, Campingplätze, Übernachtungsbetriebe und Freizeiteinrichtungen gesperrt. Daher ist uns noch nicht endgültig klar, wo wir am Abend sein werden. Vorläufig ist der Plan, bis Donauwörth zu radeln und von dort mit der Bahn, beiden Wohnmobilpassagieren und Fahrrädern zurück nach Ulm (Baden-Württemberg) zu fahren und noch mal auf dem Stellplatz am Stadion zu übernachten.

Wir fahren auf der Bundesstraße durch den Ort Thalfingen und danach auf der anderen Seite der Bundestraße und Bahnstrecke weiter. Kurz vorm Autobahnkreuz Ulm-Elchingen, dass wir von vielen Anfahrten nach Österreich und in die Alpen mit dem Auto kennen, werden wir auf dem Radweg in die Landschaft geleitet. An Badeseen entlang und später durch schönen Auenwald fahren wir nach Leipheim. Unter einer Brücke dort ist eine Radlerpausenstelle mit Kiosk (Radlertankstelle), aber uns ist es für eine Pause noch zu früh.

Der Kirchturm von Leipheim ist durch die Ufergewächse der Donau zu sehen
Die Stadt Leipheim taucht aus dem Ufergrün der Donau auf

Wir lassen Leipheim rechts der Donau liegen und radeln auf der linken Donauseite weiter, immer noch im Schatten der Bäume. Wieder bin ich froh um meine Handschuhe und meine winddichte Jacke. Über den Radweg an der Brücke wechseln wir die Donauseite, um in Günzburg eine Rast zu machen. Das Legoland hat leider auch noch zu, sonst wäre auch das eine schöne Abwechslung zum Radeln gewesen und hätte sich sicherlich auch als Übernachtungsplatz angeboten. Auch in Günzburg ist wieder eine Marktstraße mit ungeheuer schönen alten Häusern, ich liebe das. Wir setzen uns in die Sonne, ich muss noch etwas auftauen.

Links und rechts der Marktstraße ziehen sich bunt gestrichene alte Häuser entlang
Am Marktplatz in Günzburg trinken wir einen Cappuccino – der Sonnenschein trügt, erst hier ziehen ich die Handschuhe aus

Corona – Verständnisschwierigkeiten

Wir wählen ab Günzburg die Variante auf der rechten Donauseite zur Weiterfahrt. Wir fahren auf einen schönen Hügel hinauf, der auf höchster Stelle mit einem Aussichtsturm zu einer Rundumsicht lockt. Leider ist er aber wegen Corona gesperrt. Das ist eine Massnahme, die ich nicht verstehe. Wir fügen uns aber und gucken halt nicht über die Bäume hinweg nach Norden…

Oberhalb des Ortes Offingen steht am Waldrand ein Aussichtsturm
Leider war der Aussichtsturm oberhalb Offingens wegen Corona gesperrt

Im Abwärtsfahren kommen die Kühltürme von Grundremmingen in Sicht, die uns einige Zeit begleiten. Wir fahren in Offingen wieder über die Donau und folgen direkt an der Donau dem Donaudamm. Dass ist eine eigene Variante, denn der eigentliche Donauradweg ist ca. 2 km westlich der Donau ausgeschildert. So haben wir einen tollen Blick auf die Donau, wegen der wir ja radeln, auf Flora und Fauna. Gundelfingen taucht links von uns auf, wir bleiben aber direkt auf dem Damm. Die Donau breitet sich immer weiter aus und wir verlassen den Damm zum Ort Faimingen hin.

Bei der Donaustaustufe Faimingen ist die Donau sehr breit
Die Donau weitet sich in ihrem Bett vor der Staustufe Faimingen

Geschichtsexkursion

Ein kleines Hinweisschild „Römertempel“ macht uns neugierig und wir entdecken eine schöne und gepflegte Anlage.

Ein Lageplan und Ruinen des Römertempels Faimingen
Am Beginn der Ausgrabungsstätte des Römertempels Faimingen ist ein Lageplan
Ruinen des Römertempel Faimingen werden von einem Besucher betrachtet
Die Überreste des Römertempels

Sogar die öffentliche Toilette am Tempel ist geöffnet, was wollen wir mehr? Fast nahtlos geht der Ort in das Städtchen Lauingen über. Am Ortseingangsschild erhasche ich den Namen Albertus Magnus und denke spontan an meine Tochter, die in ein gleichnamiges Gymnasium gegangen ist. Wir radeln auf der Hauptverkehrsstraße in die Ortsmitte, die von einem schönen Kirchturm markiert wird.

Der Kirchturm von Lauingen ist in interessanten Stufen erbaut
Unten in viereckingen Stufen, später sechseckig – der Kirchturm von Lauingen

Auf dem Marktplatz entdecke ich ein Denkmal von Albertus Magnus, jetzt erschließt sich der anfängliche Hinweis.

Ein Denkmal ist dem Heiligen Albertus-Magnus gewidmet
Albertus Magnus, einer der größten Gelehrten des Mittelalters, ist um 1200 in Lauingen geboren

Wir radeln auf offiziellem Donauradweg aus Lauingen hinaus Richtung Ludwigsau und genießen die Fahrt durch den Wald bis Dillingen. Die Hauptstraße durch den Ort ist von riesigen, alten Gebäuden gesäumt.

Die Studienkirche und Universität in Dillingen
Die Universität (rechts) in Dillingen wurde 1549 gegründet, links die Studienkirche

Wieder geht’s hinunter zur Donau, endlich sind wir am Fluss unserer Begierde zurück! Der Radweg ist wieder beschaulich, links der Wald, rechts die Donau, auf dem Damm bunte Blumen und im Wasser allerlei Brutgeschäft – wie schön! Das einzige was stört, ist das Grummeln des Magens. Nein, bis Donauwörth halten wir ohne Mittagessen nicht durch. Am Marktplatz in Höchstädt locken Sonnenschirme von Restaurant und Eiscafé die hungrigen Besucher. Wir entscheiden uns für das griechische Lokal Poseidon und essen vorzüglich. Ein Aperitif zu Beginn, eine Hauptspeise von der Tageskarte und ein inkludierter Nachtisch – eine sehr gelungene Pause.

Am Marktplatz in Höchstädt stehen große Bürgerhäuser
Das Vogteihaus in Höchstädt hat eine beeindruckende Größe mit seinen beiden Eckerkern. Wir blicken von unserem Mittagstisch beim Restaurant Poseidon auf die schönen Bürgerhäuser

Donauradweg – ohne Donau

Wir folgen der neuen Donauradwegbeschilderung erst mal zum Schlößchen und eine Parallelstraße wieder zurück, komische Wegführung. Nördlich der Baggerseen führt der Radweg durch Sonderheim und Blindheim. Wir fahren auf Radwegen entlang von sehr wenig befahren Landstraßen, weitab der Donau und genießen die Aussichten auf die Dörfer, Wiesen und Felder. Nach Gremheim queren wir die Donau und radeln nun rechts, wieder weitab der Donau weiter. Links von uns liegen einzelne Gehöfte, die mit „Nachnamen“ „Schwaige“ heißen. Circa einen Kilometer vor Pfaffenhofen geht es direkt auf der Landstraße nach Norden. Wenige motorisierte Fahrzeuge begegnen uns, dafür viele Fahrradfahrer, die den sonnigen Tag draußen genießen. Wir freuen uns auf das Hofgut Bäldleschwaige, auf Kaffee und Kuchen. Mit einem anderen Schwung Radfahrer erreichen wir das Hofgut. Die Parkplätze für Radler und Autofahrer sind sehr großzügig angelegt, die Bewirtungsmöglichkeiten des Hofgutes ebenso. Das scheint in normalen Zeiten ein absoluter Ausflugsmagnet zu sein. Einige Familien mit Kleinkindern genießen Spielplatz und Streichelzoo, Eis, Kuchen und Softgetränke. Ich entdecke einen Flyer von „Landlust“, dem Handbuch für Wohnmobilisten, die gerne bei Landwirten, Manufakturen, Künstlern und Handwerker nächtigen. So keimt in uns die Idee auf, ob wir eventuell doch heute bereits in Bayern nächtigen können. Wir fragen nach, die Besitzerin sagt, der Wohnmobilstellplatz wäre zwar noch gesperrt, aber auf dem normalen Parkplatz könnten wir gerne stehen. So entscheiden wir, dass Bernhard noch bis Tapfheim zum Bahnhof radelt und nach Ulm zurückfährt, um das Wohnmobil nachzuholen. Ich bleibe am Hofgut, schneide bei einem erfrischenden Apfelmost meinen Film für meinen Instagram-Account, sortiere Fotos und genieße die Sonne und Rast.

Der Spielplatz beim Hofgut Bäldleschwaige ist wie eine Burg errichtet
Der Spielplatz vor dem Streichelzoo beim Hofgut Bäldleschwaige

Bernhard ist lange vor der Abfahrt seines Zuges am Bahnhof in Tapfheim und hat dort ein besonderes Erlebnis. Das Bahnhofsgebäude ist von Privatleuten gekauft, restauriert und renoviert worden. Ein Café und eine Schmuckmanufaktur sind eingezogen, es finden Workshops und Veranstaltungen statt. Die Einrichtung ist nostalgisch und nachhaltig, da überwiegend recycelte Möbel verwendet wurden. Aus einer Sektlaune im sommer 2015 heraus entstand der Gedanke, den alten, ungenutzten Bahnhof in eine Begegnungsstätte für Alte und Junge, für Einheimische und Gäste umzugestalten. Das Projektteam hat bis zur Eröffnung des Café Bruno im Frühjahr 2018 ganz Arbeit geleistet und ein wahres Schmuckstück gestaltet, mit viel Liebe zum Detail. Bernhard war von der Herzlichkeit, dem Ambiente und dem Kaffee, den er getrunken hat, völlig begeistert. (Öffnungszeiten: Mi + Do 8.30-18.00 Uhr, Fr+Sa 8.30-22 Uhr, So+Feiertag 9-18 Uhr, Mo+Di IMMER geschlossen – Reservierungen: 09070-9609720)

Das Bahnhofsgebäude in Tapfheim ist frisch renoviert
Das Bahnhofsgebäude in Tapfheim ist frisch renoviert und in ein Café und Schmuckmanufaktur umgewandelt worden
Die Außensitzplätze am Gleis im Café Bruno sind mit recycelten Stühlen ausgestattet
Der Außenbereich des Cafés am Gleis ist mit recycelten Sitzmöbeln gestaltet – das zeugt von nachhaltigem Handeln
Zwei Frauen stehen im Café Bruno im alten Bahnhof von Tapfheim
„Wie drapiert man Coronamasken, so dass sie schick aussehen?“ Würde ich als Sprechblase über das Bild der beiden Besitzerinnen im Café Bruno gerne schreiben
Der Speiseraum im Café Bruno an der hinteren Wand steht eine Jukebox
Mich begeistert die Jukebox im Speiseraum beim Fotogucken am meisten
Unter alten Bäumen ist das Gartencafé gemütlich gestaltet
Links des Bahnhofes lädt das Gartencafé unter alten Bäumen zum Verweilen ein

Um halb acht am Abend ist Bernhard erst wieder zurück im Hofgut Bäldleschwaige, das war ein langer Tag für ihn. Wir vespern noch im Hofgut, bevor wir den Sonnenuntergang draußen genießen.

Der Sonnenuntergang hinter den Büschen des Hofguts Bäldleschwaige
Der Sonnenuntergang unterhalb der Kaltfrontbewölkung beim Hofgut Bäldleschwaige

Hier geht’s zur 1. Etappe Donauradweg: von Donaueschingen nach Beuron.

Hier geht’s zur 2. Etappe Donauradweg: von Beuron nach Riedlingen.

Hier geht’s zur 3. Etappe Donauradweg: von Riedlingen nach Ulm.

Hier geht’s zur 5. Etappe Donauradweg: vom Hofgut Bäldleschwaige nach Ingolstadt.

Hier geht’s zur 6. Etappe Donauradweg: von Ingolstadt nach Regensburg.

Hier geht’s zur 7. Etappe Donauradweg: von Regensburg nach Metten.

Hier geht’s zur 8. Etappe Donauradweg: von Metten nach Passau.

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Donau-Radtour mit Wohnmobil – 3. Etappe

Donau-Radtour mit Wohnmobil – 3. Etappe

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die dritte Etappe unserer Donauradtour führt uns von Riedlingen nach Ulm. Anfänglich ist das Donautal noch sehr eng und hat oftmals keinen Platz für den Radweg. So strampeln wir hinauf auf die Höhen und werden mit den Aussichten auf die sich verändernde Landschaft für die Mühen entschädigt.

3. Etappe von Riedlingen nach Ulm

Am Morgen ist der Himmel blankgewischt, die Wolken verschwunden und die Sonne strahlt vom blauen Firmament. Aber es ist noch kühl als wir uns auf den Weg machen. Der Donauradweg liegt gleich hinter dem Parkplatz mit dem Wohnmobilstellplatz und wir genießen einen letzten Blick auf die Kulisse der Altstadt von Riedlingen.

Hinter Büschen und Bäumen ragt ein Kirchturm hervor
Der Blick vom Parkplatz zur Riedlinger Kirche

3. Etappe in Komoot

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Wir benutzen den Radwanderführer von Bikeline, den Du hier bestellen kannst, eine Beschreibung findest Du hier.

Wir unterfahren die Brücke der B 312 und kurz danach ist wieder nur Stille, Vogelgezwitscher und Froschquaken um uns herum. Immer wieder tauchen aus der Uferbewachsung Kirchtürme auf.

Über den schmalen Fluss hinweg ist im Grün der Büsche der Kirchturm von Daugendorf zu erkennen
Anfänglich schlängelt sich die junge Donau durch viel Grün. Der Kirchturm von Daugendorf schaut heraus

Vor Daugendorf überqueren wir die Donau und fahren linksseitig durch die Felder. In Zell queren wir wieder die Donau und verweilen an der Brücke, um der Storchfamilie zuzuschauen.

Hinter einer Straßenbrücke ist ein Herrschaftshaus und ein Kirchturm zu erkennen
Auf dem Herrschaftshaus ist ein Storchennest mit Jung- und Altstörchen

Hinauf und Hinunter – die Donau bleibt im Tal

Die Donauschleife bei Zell wird vom Radweg nicht ausgefahren und wir erreichen Zwiefaltendorf, das am Ortsende sogar ein kleines Schlösschen hat. In einer Mächtigen Tanne brütet in der Spitze auch ein Storch, allerdings so weit weg, dass uns nur der weiße Kot auf der Baumspitze über das Nest belehrt.

Über ein Gerstenfeld geht der Blick zum Dorf mit Kirchturm rechts und kleeinem Schloss links
Zwiefaltendorf liegt malerisch zwischen Feldern

Nun geht es sehr steil bergauf und ich bin froh über meinen Elektromotor, den ich auf dem Steilstück zuschalten kann. Trotzdem komme ich außer Puste oben an und erfreue mich an der Pause, um die Werbetafel zu fotografieren.

Auf einem Plakat mit der Aufschrift „Vollmilch statt Promille“ werden die Vorzüge von Milch angepriesen
Nach einem sehr steilen Bergauf steht diese Milchwerbung in Datthausen

Nach Datthausen halten wir Ausschau nach einem Wegweiser oder Hinweis, denn dort soll es eine Keltische viereckschanze geben. Leider ist am Radweg nichts zu finden und wir radeln bergab, immer steiler und erreichen den Ort Rechtenstein, in dem wir wieder auf die linke Donauseite wechseln.

Oberhalb von Donau und Kirche thront die Burg
Rechtenstein ist ein weiteres Kleinod an der Donau

Kaum aus dem Ort heraus öffnet sich der Blick zum Kloster Obermarchtal. Unser Radführer bietet eine Variante durch den Ort an, aber Coronabedingt ist noch keine Besichtigung möglich. So folgen wir der Hauptroute des Donauradwegs.

Das Kloster Obermarchtal liegt hinter Wiesen und Büschen
Der Donauradweg biegt nach links ab, im Hintergrund das Kloster Obermarchtal

Nach Untermarchtal geht es wieder steil bergauf. Auf der Höhe ist ein Rastplatz im Schatten von drei großen, stattlichen Linden mit Tischen und Bänken eingerichtet. Wir nutzen ihn zum Verschnaufen und um mittlerweile zu warme Kleidung auszuziehen.

Eine Tafel erklärt die Bedeutung der Friedenslinden
Drei große Linden erinnern an den Friedenschuss nach dem 1871/1872 Krieg zwischen Frankreich und Deutschland

Wir bleiben erst mal auf der Höhe und genießen die Aussicht ins Land und über die Felder und Wiesen.

Lila Blumen stehen vor gelben Raps
Die Farbenpracht der Wiesenblumen – hier lila und gelb

Wieder geht es ohne Muskelkraft allein durch die Steilheit des Radweges bergab nach Munderkingen. Der ursprüngliche Ort lag in einer engen Donauschleife, vermutlich recht gut geschützt vor feindlichen Angriffen.

Rechts ein Stadtbrunnen im Hintergrund links das Rathaus mit einem brütenden Storch
Auch auf dem Rathaus von Munderkingen brütet ein Storchenpaar
Das Rathaus in Munderkingen hat ein an der rechten Fassade angebrachtes Glockenspiel und einen vierstöckigen Giebel
Der Giebel am Rathaus in Munderkingen ist sehr beeindruckend

Die folgende Strecke führt uns durchs Rottenacker Ried, an hinter Büschen versteckten Bade- oder Kiesseen recht flach bis Ehingen. Hier steigt Bernhard in den Zug nach Riedlingen. Wir werden uns in Ulm wiedersehen. Auf meinem Weg durch Ehingen freue ich mich, das heute Markttag ist.

Markttag

In Ehingen stehen Marktstände vor dem Rathaus
Ich lasse mich vom Markt inspirieren und kaufe Honig und Erdbeeren

Nach Ehingen geht es steil bergauf und durch einen Park mit vielen Rastbänken und toller Aussicht nach Süden und über die Donau. Dabei entdecke ich den Radfahrer, der vor Freude über die Aussicht das Radfahren völlig vergessen hat.

Ein als Radfahrer gebautes Drahtgestell ist von Efeu überwuchert
Ich bin froh, dass ich nicht so langsam bin auf dem Rad, dass mich das Efeu überwuchert

Wieder geht es sehr steil bergab und zurück an die Donau und rechts von ihr weiter, allerdings in einem weiten Bogen über Griesingen. Auf dem Weg nach Öpfingen begegnet mir ein andersfarbiges Blütenfeld.

Roter Mohn, blaue Kornblumen, gelber Raps
Die Blütenfarben begeistern mich, Mohn, Kornblume und Raps

Links vom Radweg gibt es einige Altarme der Donau, das kann ich aber nur auf der Landkarte erkennen, denn die Uferränder sind sehr dicht und breit mit Büschen und Bäumen bestanden. Allerdings tönt Geschnatter und Gequake von dort, es sind wahrscheinlich viele Kinderstuben an den versteckten Stellen untergebracht.

Über ein Feld geht der Blick durch Bäume hindurch nach Öpfingen
Öpfingens Kirchturm grüßt aus dem Grün der Bäume an der Donau

Am Stauwehr hinter Ersingen setze ich mich mit Blick auf die einen der Stauseen zur Mittagspause und genieße auch die in Ehingen gekauften Erdbeeren. Während meiner Pause kommt ein kalter Wind auf, es bewölkt sich Zusehens und die Sonne wird immer öfter verdeckt. Ich ziehe wieder alle Kleidung an und radle weiter, um warm zu werden. Die weiteren Stauseen, die Anglern und Schwimmern ein Freizeitangebot machen, laden mich daher nicht nochmal zum Verweilen ein. Auf Höhe von Donaustetten steht ein breiter hölzerner Liegestuhl, aber auch der lockt mich nicht, es ist zu kalt.

Eine breite Liegestuhlbank steht oberhalb der Donau
Die wunderbare Rastbank steht mit dem Rücken zur Donau

Nach Göggingen führt der Fahrradweg an einem großen Industriegebiet entlang, in dem namhafte Firmen und Speditionen ihren Firmensitz haben. Ich muss höllisch aufpassen, denn die LKW-Fahrer, manche davon anscheinend ortsfremd, sind mit Adressen suchen beschäftigt. Nach einigen heiklen Situationen und weil die Sonne wieder vom Himmel brennt, entdecke ich ein Café der Firma Seeberger, mit Sitzgelegenheiten auf der Wiese. Ich mache dort eine Rast, trinke einen Kaffee und esse einen Rhabarber-Walnusskuchen, sehr lecker. Außerdem ziehe ich die warmen Sachen wieder aus. Bernhard meldet sich, er ist am Wohnmobilstellplatz in Ulm angekommen und hat unterwegs Kuchen gekauft. Okay, dann muss ich mal schnell radeln, um das zweite Kuchenstück zu verdienen!

Nach dem Industriegebiet führt der Radweg durch einen Park und dann auf einem engen Radweg, eingeklemmt zwischen steilem Donauufer und Eisenbahn in die Stadt. An einem Turm der alten Stadtmauer erhasche ich den ersten Blick aufs Ulmer Münster. Der Donauradweg führt direkt unterhalb der teils noch vorhandenen Stadtmauer entlang. Ein Kunstwerk animiert mich zu einem kleinen Stopp.

Über die Ulmer Stadtmauer ragt eine „Himmelsleiter“ als Kunstwerk in die Höhe
Stearway to Heaven – leider nicht begehbar ist diese Himmelsleiter direkt am Radweg oberhalb der Stadtmauer

Unser Übernachtungsplatz – das eigene Wohnmobil

Der Wohnmobilstellplatz ist direkt neben dem Stadion am Rande des Parks Friedrichsaue, etwas abseits des Donauradwegs. Nach einer erfrischenden Dusche im Wohnmobil und einem Stück Erdbeertorte spazieren wir zu Fuß in die Altstadt und machen einen kleinen Rundgang.

Ein Fachwerkhaus hat in der Dachmitte eine dreistöckige Gaube
Die Gaube ist beinahe höher als das darunter liegende Haus
Das Ulmer Münster ragt in einen bewölkten Himmel
Der Himmel über den Ulmer Münster betont die gewaltige Höhe

Wir entdecken die Hausbrauerei Ulmer Barfüßer und genießen dort erst ein Bier und dann ein sehr leckeres Abendessen.

In einem Holzgestell stehen drei verschiedene Bierproben der Privatbrauerei Barfüßer
Ich liebe hausgebrautes Bier und genieße eine Bierprobe der Privatbrauerei Barfüßer

Zurück im Wohnmobil stellen wir fest, dass unsere Aufbaubatterien, die von der Lichtmaschine und den Solarpanelen geladen werden, mit der Aufladung meines Fahrradakkus wohl überfordert sind. Die Aufbaubatterien sind nun vier Jahre alt und kommen anscheinend an ihre Leistungsgrenze. Morgen soll es sehr sonnig sein, so werden wir das Wohnmobil in der Sonne parken um zu überprüfen, ob die Batterien von den Solarpanelen noch geladen werden.

Hier geht’s zur 1. Etappe Donauradweg: von Donaueschingen nach Beuron.

Hier geht’s zur 2. Etappe Donauradweg: von Beuron nach Riedlingen.

Hier geht’s zur 4. Etappe Donauradweg: von Ulm zum Hofgut Bäldleschwaige.

Hier geht’s zur 5. Etappe Donauradweg: vom Hofgut Bäldleschwaige nach Ingolstadt.

Hier geht’s zur 6. Etappe Donauradweg: von Ingolstadt nach Regensburg.

Hier geht’s zur 7. Etappe Donauradweg: von Regensburg nach Metten.

Hier geht’s zur 8. Etappe Donauradweg: von Metten nach Passau.

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