Stadtwanderung nach Hellbrunn

Stadtwanderung nach Hellbrunn

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Salzburg verleitet nicht nur zu einem Kulturbesuch, sondern auch zum Wandern. Salzburg liegt im Grünen, an der Salzach und zwischen Bergen. Die Wanderung beginnt direkt in der Altstadt. Bereits kurze Wege führen in Anwohnerstraßen, in Parks, Randbezirke, über Wiesen und Felder. Oder bergauf durch Wald mit schönen Stadtansichten oder Aussichten in die umliegende Gebirgswelt.

Planänderung

Eigentlich habe ich während meines Salzburgbesuchs im September eine Überschreitung des Untersberg geplant. Drei Tage wollte ich mir Zeit lassen. Montag Aufstieg über den Dopplersteig zum Zeppezauerhaus, Dienstag die Überschreitung mit einigen Gipfeln zum Stöhrhaus und Mittwoch Abstieg nach Bischofswiesen oder Berchtesgaden und Rückfahrt nach Salzburg. Bereits bei unserer Anreise Donnerstags regnet es und es bleibt zwei weitere Tage regnerisch. Da es auch noch kalt wird, schneit es in den höheren Lagen. Der Sonntag ist ein strahlend schöner Tag mit reiner Luft und grandioser Fernsicht. Ab Montag, dem geplanten Beginn meiner Überschreitung, regnet es wieder. Aber den Überschreitungsplan habe ich bereits in die Schublade gelegt, denn der Untersberg ist voller Schnee.

Der langgezogene Untersberg ist bis zur Hälfte herunter beschneit
So schön der Untersberg an diesem Sonntag auch aussieht, eine Überschreitung ist mir bei diesen Verhältnissen zu gefährlich

So ändere ich meine Pläne und mache am nächsten morgens regenfreiesten Tag eine Wanderung vom Haus der Natur zum Schloss und Berg Hellbrunn und zurück.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Die Wanderung beginnt in der Altstadt

Ich beginne meine Wanderung am Haus der Natur in der Salzburger Altstadt. Das ist in der Nähe des Hanusch Platzes, einem Bus-Verkehrsknotenpunkt, und somit verkehrsgünstig gelegen. Außerdem ist das Haus der Natur und Technik eines der Museen in Salzburg, das unseren alltäglichen Umgang mit Natur, Umwelt, Technik und Physik verständlich vermittelt. Jeder kann mitmachen, ausprobieren und Zusammenhänge verstehen.

Eine Glastür ist der Eingang zum Haus der Natur und Technik in Salzburg
Der verglaste Eingang des Hauses der Natur und Technik mit den Öffnungszeiten. Täglich von 9 bis 17 Uhr, außer am 25.12.

Ich spaziere auf der wohl bekanntesten Salzburger Straße, der Getreidegasse, durch die Altstadt. Sie ist die Einkaufsstraße schlechthin. Mich faszinieren die Häuser mit ihrer gewaltigen Wucht aber mehr als Shoppen. Bei vielen gibt es einen Durchschlupf, einen Gang, der die Altstadtplätze und -straßen untereinander verbindet. Die sogenannten Durchhäusern machen die Dimension dieser Gebäude anschaulich.

Alte vier- bis fünfstöckige Häuser stehen eng aneinander gebaut in der Straße
In der Getreidegasse ist morgens Anlieferverkehr. Die Werbeschilder sind alle schmiedeeisern und ohne Leuchtreklame

Ich spaziere am Beginn der Judengasse nicht geradeaus, sondern rechts über den alten Markt und biege an dessen Ende nach links ab.

Auf einem Platz stehen Verkaufsstände mit Schirmen, links ist eine alte sechsstöckige Häuserzeile
Der alte Markt in Salzburg hat meist einige Verkaufsstände

Schon befinde ich mich auf dem Residenzplatz mit seinem schönen Brunnen. Auf dem Platz sollte im Moment eigentlich der Ruperti-Kirtag stattfinden. Aber er ist wegen Corona abgesagt.

Ein großer Platz mit einem Springbrunnen links und im Hintergrund der Seitenansicht des Doms
Vom Residenzplatz wirkt der Dom mit seinem Natursteinmauerwerk eher „gewöhnlich“

Einige Schritte weiter spaziere ich über den Mozartplatz. Die Tourist-Info ist aus meinem Blickwinkel links, das Salzburger Museum rechts des Platzes.

Das Mozartdenkmal ist links, der Gaisberg im Hintergrund
Das Mozartdenkmal steht zentral auf dem Mozartplatz. Der Gaisberg bildet den Hintergrund

Ich spaziere heute durch die Pfeifergasse bis zum ersten Platz mit einem wunderschönen Brunnen.

Ein Junge mit einer Flöte und Vögeln aus Bronze steht als Figur auf einem Brunnensockel
Der Papagenobrunnen am Papagenoplatz über den die Pfeifergasse führt

Weiter geht es rechts bis zur Kaigasse, über den Kajetanplatz und die Schanzlgasse bis beinahe zur Petersbrunner Straße. Kurz vor der Straßenkreuzung biege ich rechts ab, gehe einige Meter durch den kleinen Park, in dem mich ein Kleinod links zum Fotografieren verlockt.

Eine bronzene Entenmama mit zwei Küken speit Wasser in einen Brunnen
Die meisten Trinkwasserbrunnen in Salzburg sind wunderschön gearbeitet

Die Petersbrunner Straße rechts bis zur Kreuzung der Erzabt-Klotz-Straße und geradeaus in die Akademiestraße. Ab nun bin ich ohne Straßenverkehr unterwegs und kann Ruhe und Natur genießen. Vor dem Sportplatz biege ich rechts auf den Freisaalweg und nun muss ich eigentlich nur noch die Richtung halten und hauptsächlich umherschauen beim Wandern.

Durch Felder und Wiesen

Im Vordergrund eine Wiese und eine Wetterstation darauf, im Hintergrund der Untersberg mit Schnee und in Wolkenfetzen
Ich bin noch früh genug, um einen Blick auf den Untersberg zu erhaschen, der sich bereits wieder in Wolken hüllt und den ganzen Tag nicht zu sehen sein wird

Auf dem Weg nach Hellbrunn passiere ich viele Schlösschen in unterschiedlichen Bauweisen. Schloss Freisaal wirkt auf mich, als wäre es unbewohnt. Eine Scheibe im Obergeschoss ist eingeschlagen, Wildkräuter wachsen im Hof – schade. Das wäre ein toller Ort um ein „Wohnen mit Freunden“ zu realisieren, aber dazu fehlt mir der Lottogewinn.

Hinter Bäumen steht ein kleines Schlösschen im Wasser
Schloss Freisaal steht in einem länglichen See. Das Bild habe ich am sonnigen Sonntag aufgenommen

Nach der nächsten Straßenquerung befinde ich mich bereits auf der Hellbrunner Allee, die beinahe schnurgerade bis zum Schloss Hellbrunn führt. Die Allee erweitert sich bei Siedlungen parkähnlich, meist bietet sie aber freien Blick in die Umgebung. So umwandere ich die Festung Hohensalzburg, mit immer wieder anderen Anblicken auf den Festungsberg und die Burg.

Eine Kiesweg in einer Alle, rechts davon eine Wiese, rechts hinten ein Gebirge in Wolken
Die Hellbrunner Allee ist an vielen Stellen ein Kiesweg, der relativ gerade zwischen den alten Bäumen nach Hellbrunn führt

Spätestens hier wundere ich mich jedes Mal, dass ich eigentlich mitten im Stadtgebiet Salzburg bin. Die ländliche Umgebung, nur vereinzelt Häuser in Siedlungen, so richtig städtisch ist es, bis auf die gute Busanbindung an den Straßenkreuzungen, nicht. Das Schloss Frohnburg steht zum Glück nicht leer. Im vorderen Gebäude sind im Obergeschoss alle Fenster geöffnet und ich bleibe stehen, um zu lauschen.

Eine gelbgestrichenen Mauer wird von einem alten Haus überragt
Das Schloss Frohnburg wird vom Mozarteum genutzt. Ich komme in den Genuss eines Klavierkonzerts, das gerade geübt wird

Die bewirtschafteten Felder links und rechts der Hellbrunner Allee, gehören zu mehreren Bauernhöfen, die auch heute noch im Stadtgebiet beheimatet sind.

Hinter einer Wiese mit Sonnenblumen sind Kühe auf einer Weide, rechts davon ein Bauernhaus
In der Nähe von Schloss Hellbrunn ist noch ein aktiver Milchbauer. Ein Milchautomat liefert 24 Stunden täglich frische Milch für Kaufwillige

Park Hellbrunn

An der Fürstenstraße spaziere ich über den Parkplatz, fotografiere den Eingang zum Schloss gehe hindurch und halte mich zuerst links in den Park.

Zwei gleichgebaute Häuser flankieren die Einfahrt mit Zufahrt zum Schloss Hellbrunn
Die gleichgebauten Häuser bilden den Eingang zum Schloss Hellbrunn
In einem Haus ist die öffentliche Toilette untergebracht
Nach dem Eingang gleich links und wieder links – dort ist eine der kostenlosen öffentlichen Toiletten auf dem Schlossgelände
Ein Lageplan von Park und Schloss Hellbrunn
Anhand des Übersichtsplans kannst Du Dir die Highlights für Deinen Besuch heraussuchen

Ich erspähe hinter einer Nadelholzhecke bunte Blüten und mache einen Abstecher dorthin zu einem wunderschönen Dahlienbeet. Mich faszinieren diese Blumen, die es in so vielen Farben und Wuchsformen gibt.

Ein Beet mit verschiedenen Dahliensorten
Hinter einer Baumgruppe entdecke ich das Dahlienbeet, an dem ich mich lange mit Schauen verweile
Eine Dahlie, innen Gelb und an den Blütenblätterspitzen rosa
An Dahlien gefallen mir die unterschiedlichen Blütenformen und vor allem die Farben
Eine Hummel sammelt Nektar auf einer offenen Dahlie
Die Blüte sieht schon etwas verwaschen aus, nach dem langen Regen. Das stört die Hummel aber nicht, solange der Nektar Nahrung verspricht

Beim Spaziergang durch den Park Hellbrunn ist vielerlei zu entdecken. Ich lasse mir Zeit beim Schauen.

Zwei steinerne Paarfiguren stehen im Park
Im Park sind an vielen Stellen Figuren aufgestellt
Das Laub an den Parkbäumen beginnt sich zu färben
Das der Herbst kommt zeigt die Färbung der Bäume – wie schön

Berg Hellbrunn

Noch nie war ich auf dem Berg Hellbrunn. Das will ich heute nachholen und wandere im Park auf breitem Weg weiter. Erst nach Osten, dann Süden und wieder nach Westen, so verschaffe ich mir schöne Ein- und Ausblicke. Am Berg angekommen geht es mit Beschilderung steil bergauf.

Ein Wegweiser zeigt den Waldweg hinauf zum Steintheater
Der Wegweiser führt mich weiter hinauf zum Steintheater

Ich genieße den Wald, die Luft, die nach dem nächtlichen Regen so frisch riecht. Durch ein Felsentor gelange ich in den Zuschauerraum des Steinernen Theaters. Die natürliche Felsgrotte selbst ist nicht von Menschen bearbeitet. Aber darüber und rundherum sind die Felswände behauen und geformt worden. Auch hinter der Bühne haben die Nutzer den Raum nach ihrem Bedürfnis gestaltet. Das ist ein toller Platz für Aufführungen in der Corona Krise, überlege ich.

Eine Tafel besagt, dass die erste Theateraufführung 1617 im Steinernen Theater stattfand
Das es bereits 1617 die erste Aufführung im Steinernen Theater gab, überrascht mich sehr
Eine natürliche hohe Felsgrotte ist von Menschen zu einer Bühne erweitert worden
Ein Jogger, der unterwegs eine Thai Chi Einheit einlegt, ist auf der Bühne aktiv
In der rückwärtigen Felsgrotte sind die Öffnungen zur Bühne zu sehen
Die Rückseite der Bühne lässt erkennen, welch vielfältigen Zugänge es zur Bühne gibt

Ich steige hinter der Bühne weiter hinauf und folge dem Abzweig zum Watzmannblick. Das ist mein ausgesprochener Lieblingsberg. Seine Form, seine Wucht, sein „Familienleben“, seine Schwierigkeit. Das Vielfältige ist es, was mich am Watzmann begeistert. Auch bei seiner Überschreitung, die ich vor vielen Jahren gemacht habe.

Auf einer grünen Tafel ist das Alpenpanorama mit Gipfeln aufgedruckt
Die Tafel erklärt die sichtbaren Berge (wenn sie zu sehen wären), der rote Pfeil markiert, den hinten liegenden Watzmann
Über einen Herbstwald und ein Tal sind dahinter die wolkenverhangenen Berge
Mein Ausblick war ein anderer – und doch so schön! Nur der Watzmann ist völlig in den Wolken versteckt

Längs über den Berg Hellbrunn spaziere ich zum Volkskundemuseum. Das hat vom 28. März bis 1. November täglich geöffnet, von 10 bis 17 Uhr.

Das Gebäude des Volkskundemuseums ist zweistöckig, gelb gestrichen und liegt im Wald
Das Volkskundemuseum ist nur nach einem anstrengenden Spaziergang zu besichtigen

Vor dem Volkskundemuseum folge ich einem Wegweiser zum Aussichtspunkt Stadt. Unter mir Schloss Hellbrunn und der Park, kann ich den Weg zur Stadt, den Kapuziner-, Festungs- und Mönchsberg gut überblicken. Aber auch das kommende Wetter.

Von einem Aussichtspunkt liegt links unten Schloss Hellbrunn mit Park und hinten rechts die Festung Hohensalzburg
Bei meinem Ausblick auf Schloss und Park Hellbrunn kann ich den Regen von links über den Mönchsberg Richtung Festung Hohensalzburg und Kapuzinerberg ziehen sehen

Zoo Hellbrunn

So mache ich mich an den steilen Abstieg. In einer Kurve sticht mir ein animalischer Geruch in die Nase. Ich befinde mich hier oberhalb des Zoos Hellbrunn und sogar oberhalb der Wildkatzengehege. Leider spaziert gerade keine am oberen Zaun herum. Ich mache einen kleinen Abstecher zum Zooeingang, links davon ist das Alpengehege.

Eine Mauer links hinter der auf einem Felsen ein Steinbock steht, rechts der Weg, der zum Haus mit den Zootickets führt
Am Zooeingang begrüßt mich ein Steinbock
Ein Steinbock steht auf einem Felsen
Der Steinbock kann in seinem Element, den Felsen, leben, wenn auch nur in einem Gehege

Ich spaziere zum Park Hellbrunn zurück, einen Eingang in den Park ziert eine interessante Skulptur.

Ein aufrecht stehender Hirsch in römischer Legionärskleidung steht auf einem Torborgen
Dieser römische Legionärshirsch steht auf einem Eingangstorbogen in den Park

Der Park Hellbrunn erinnert mich an einen englischer Park. Er ist weitläufig angelegt, an manchen Stellen geometrisch und mit Wasserbecken. Dazwischen immer wieder Anpflanzungen zu einem bestimmten Thema.

Eine Holzbank steht unter einem Baum, in der Bildmitte der künstliche Teich und im Hintergrund das gelbe Schloss Hellbrunn
Der Nieselregen verzaubert das Bild mit einem dünnen Schleier
Ein künstlich angelegter Teich mit Blumenrabatten, die darauf zulaufen und Einhornskulpturen rechts und links
Die Einhörner vor dem künstlichen Teich Wasserparterre. Im Winter steht dort der beleuchtete Engel

Schloss Hellbrunn

Da der Nieselregen mittlerweile in Salzburger Schnürlregen übergegangen ist, freue ich mich auf die Mittagsrast im Parkcafé in Hellbrunn.

Der Eingang zum Parkcafé steht offen, Regentropfen fallen auf die Außenbestuhlung
Die Gartenbestuhlung des Parkcafés lockt, doch der Regen treibt mich in den Innenraum
In einer Schale liegen verschiedene Salatarten mit Samen
Der Avokadosalat schmeckt so himmlisch, wie er aussieht

Der Regen wird so schnell nicht aufhören! So spanne ich erneut meinen Schirm auf und gehe durch den Hof des Schlosses Hellbrunn in Richtung Straße. Dabei passiere ich die Infotafeln zu den Wasserspielen des Schlosses. Heute wäre der richtige Tag um sie zu besuchen, denn ich bin relativ wasserfest angezogen. Aber ich habe sie bereits an einem heißen Sommertag besucht und damals die Abkühlung genossen. Im Winter lockt mich immer wieder der Hellbrunner Adventszauber in Schloss und Park Hellbrunn, den ich bereits bei meinem Bericht über Salzburg im Advent beschrieben habe.

Eine Tafel und Fotos erklären die Besonderheiten der Wasserspiele von Schloss Hellbrunn
Die Infos zu den Wasserspielen sind in der Nähe des Ticketverkaufs

Kurz überlege ich, ob ich wegen des Dauerregens mit dem Bus zurückfahren soll. Da ich noch über den Kommunalfriedhof und am Almkanal entlang zum Mönchsberg wandern möchte, entscheide ich mich dagegen.

Die Bushaltestelle an der Straße beim Schloss Hellbrunn
Diese Bushaltestelle kann zur Rückfahrt in die Stadt genutzt werden

Kommunalfriedhof

Leider sind auf dem Rückweg einige Wege mit einem Schild „Privat“ versehen und so muss ich für kurze Zeit an der Morzger Straße entlang marschieren. Schnell biege ich wieder nach Westen in ein Wohngebiet ab und gehe weiter nach Norden und über den Kommunalfriedhof. Stadtwandern hat den Nachteil, dass immer Menschen unterwegs sind und das „Kleine Geschäft“ hinter einem Busch schwierig möglich ist. Am Kommunalfriedhof kenne ich allerdings zwei Toiletten, um meinem dringenden Bedürfnis nachzugehen. Dann genieße ich die Stille dieser Ruhestätte.

Auf dem Salzburger Kommunalfriedhof ist eine Skulptur Namens Engel der Vergessenen, die an die vergessenen Toten erinnert, die keine Trauernden mehr haben
Auf dem Salzburger Kommunalfriedhof ist eine Skulptur Namens Engel der Vergessenen, die an die vergessenen Toten erinnert, die keine Trauernden mehr haben. Die Blumen und Kränze von Urnenbeisetzungen werden dort abgelegt

Salzburger Almkanal

Ein kleiner Schlenker nach dem Südwestausgang des Friedhofs bringt mich zum Almkanal. Die Geschichte des Kanals reicht bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das Domkapitel und das Kloster St. Peter begannen mit einem Wasserleitungsstollen durch den Mönchsberg. Ihre Gebäude, Betriebe und Mühlen in der Stadt sollten vom Riedenburgerbach versorgt werden. Schon 20 Jahre später wurde ein Kanal durch das Leopoldskroner Moos angelegt, da der Wasserbedarf höher war, als der Riedenburgerbach decken konnte. Der Rosittenbach speiste diesen Kanal, die Schwankungen der Wassermenge waren aber unkalkulierbar und störten die Abläufe und Versorgung mit Wasser. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde der Kanal bis zur Königseeache (im Volksmund Albe genannt) verlängert. Damit war eine gleichmäßige und ausreichende Wasserzufuhr geschaffen. So entstand zuerst der Name Albenkanal, der sich später in Almkanal änderte. Ich vermute mal, dass noch heute die Wassermühle in St. Peter davon angetrieben wird. Sie wird zum Getreidemahlen für die leckeren Backwaren der St. Peter Bäckerei benutzt.

Unter einer Weide fließt grünliches Wasser in einem Kanal, im Hintergrund Häuser
Der Almkanal fließt mit grünlichen Wassern Richtung Salzburg
Links der Almkanal, rechts davon ein schmaler Fußpfad, rechts davon Holzpaletten mit Kürbissen im Hintergrund die Festung Salzburg
Am Almkanal (links) werden Kürbisse verkauft, der Herbst hält Einzug. Im Hintergrund die Festung

Mönchsberg

Kurz vor dem Mönchsberg, an der Kreuzung zum Otto-Kokoschka-Weg, studiere ich eine Tafel mit den Wegen über den Mönchsberg. Ich möchte im Osten den Mönchsberg überschreiten bis zum Haus der Moderne, mit Aussicht auf die Altstadt. Von dort mit dem Mönchsbergaufzug in die Stadt fahren, und am Spielzeugmuseum vorbei die paar Schritte zum Haus der Natur und Technik gehen. Diesen Plan kann ich aber leider nicht ausführen, stelle ich oberhalb des Toscaniniplatzes fest.

Auf einem Berg liegt links ein Haus mit Turm, das Haus der Moderne, Museum für Moderne Kunst und rechts schaut die Kuppel der Universitätskirche über eine Mauer
Nach dem ersten Mönchsberggipfel sehe ich mein Ziel, das Haus der Moderne, das Kunstmuseum für Moderne Kunst, links oben, auf einem anderen Teil des Mönchsbergs stehen. Rechts schaut die Kuppel der Kollegienkirche über die Mauer
Über regennasse Dächer ragen die weißen Domtürme heraus
Über die Gebäude der Erzabtei St. Peter hinweg ragen Domtürme und Kuppel in den verregneten Himmel
Ein Bauzaun mit Verbotsschild versperrt den Weg
Mein Weg zum Haus der Moderne ist leider gesperrt, er wird saniert

Leider war auf der Tafel am Otto-Kokoschka-Weg kein Hinweis auf die Sperrung, sonst hätte ich den Weg über den westlichen Mönchsberg gewählt. So entschließe ich mich, in die Stadt abzusteigen. Als ich die Treppen hinuntergewandert bin, entdecke ich das Schild mit der Umleitung.

Ein großes Schild weist auf die Sperrung der Clemens-Holzmeister-Stiege hin
Das Schild steht unten am Ende der Treppe beim Toscanininplatz

Wanderabschluss in der Altstadt

Beim Schild Toscaniniplatz fällt mir das versteckte Kunstwerk in den Felsen ein, das ich bereits in meinem Blogbeitrag über die Adventsmärkte in Salzburg beschrieben habe.

In einer Mauernische steht eine Skulptur einer Frau in einem roten Kleid
Die Frau im Fels (des Toscaniniplatzes) ist das Pendant zum Mann auf der Kugel (Sphaera) auf dem Kapitelplatz

Beide Kunstwerke sind von Stepfan Balkenhol erschaffen und gehören zur Sammlung Würth. Weil beide Figuren so alltäglich aussehen, dem Betrachter mit ihrer Kleidung irgendwie bekannt vorkommen, lassen sie dem Kunstsinnigen aufgrund ihrer Standorte und Präsentation Interpretationsspielraum

Der Regen plätschert weiter und ich mache den Ausklang meiner Wanderung im Café Fürst. Der Konditormeister Paul Fürst erfand hier Ende des 19. Jahrhunderts die Original Salzburger Mozartkugel, die nur in silbernen Papier mit dem Fürst Aufdruck auch Original ist!

Schaufenster und die Eingangstür zum Café Fürst nehmen beinahe die ganze Hausbreite ein
Der Eingang zum Café Fürst, auch der zartrosa Hausanstrich machen das Regenwetter nicht schöner
Ein Stück Trüffelrahmtorte und Kaffee stehen auf einem Kaffeehaustisch
Konditorkunst in Form einer Trüffelrahmtorte auf dem Teller und ein frischgebrühter Kaffee, eine Möglichkeit von Glück

Über den Universitätsplatz und das Durchhaus mit dem Bosnastandl geht es zurück zum Haus der Natur, wo ich meine Wanderung abschließe.

Fazit der Salzburger Stadtwanderung

Salzburg bietet mehr als Shopping, hervorragende Gastronomie und vielfältiges Kulturerlebnis. Die Natur rund um Salzburg lässt sich hervorragend zu Fuß erwandern oder mit dem Fahrrad erkunden. Der Vorteil der Stadtwanderung ist, dass Du jederzeit abbrechen könntest, da das öffentliche Personennahverkehrsnetz in Salzburg ausgezeichnet ist und Du problemlos zum Ausgangspunkt zurück kommst.

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Nibelungensteig Etappe 3 – Gassbachtal – Erbach-Bullau

Nibelungensteig Etappe 3 – Gassbachtal – Erbach-Bullau

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Die offizielle 3. Etappe des Nibelungensteigs führt von Grasellenbach nach Erbach-Bullau. Landschaftlich wunderschön, über immer andere Odenwaldhöhen. Spannende Aussichten und kulturhistorische Besonderheiten säumen die beinahe 30 Entfernungskilometer. Für mich ist das der Entscheidungstag.

Das Trekkinggepäck muss nach Hause

Auch an diesem Morgen erwache ich mit weniger „Körperschmerzen“ als ich es gestern Abend vermutet hätte. Da ich seit frühester Kindheit Sport gemacht habe, kann mein Körper schnell auf „Belastung“ umstellen und sich anscheinend immer noch schnell regenerieren. Der Körper schon – aber nicht die Füße! Die tun weh. Die Fußsohlen hauptsächlich. Das kenne ich überhaupt nicht!

Das Frühstück muss ich um 8 Uhr einnehmen, da wegen Corona nur eine begrenzte Anzahl Menschen im Frühstücksraum des Hotels und Cafés Gassbachtal sein dürfen. Es gibt ein Buffet, an dem man sein Frühstück zusammenstellen kann. Die Brötchen werden in einem Körbchen an den Tisch gebracht, ebenso ein Frühstücksei. Den Kaffee kann ich am Automaten selbst drücken.

In kleinen Weck-Gläsern sind die unterschiedlichsten Müslisorten, Nüsse und Samen in kleinen Portionen verpackt, ebenso verschiedene Yoghurts. Ich stelle mir ein leckeres Müsli zusammen, nehme mir Frischmilch in einer kleinen Flasche dazu und noch einen mit Frischhaltefolie versiegelten Teller mit Käse. Nach dem Müsli kann ich nur noch eines der Brötchen essen. Auf die zwei anderen lege ich mir den Käse und wickele sie in die Frischhaltefolie ein, die um die Käseteller war. So habe ich eine kleine Vesper um die Mittagszeit.

Ich habe meinen Rucksack bereits umgepackt. In eine Stofftasche habe ich den Schlafsack und die Müslischale mit Müsli gestopft, oben im Rucksack habe ich Zelt und Schlafmatte, um sie im Paketshop schnell entnehmen zu können. In Grasellenbach gibt es ein Drogerie mit einem DHL-Shop, ich hoffe, dort ein Paket nach Hause aufgeben zu können.

Ich wandere in den frischen Morgen hinaus. Die Sonne wird heute nochmal alle Sommerkraft entfalten, aber im Moment ist es gut, das ich den dünnen Langarmpullover von Devold trage. Meine Füße müssen den Schmerz erst weglaufen. Als ich an der Drogerie ankomme, laufe ich schon runder. In ein DHL-Packset „L“ passen meine drei Dinge gut hinein und das Zurücksenden kostet mich 7,41 € und das Packset 2,42 €. So günstig hätte ich mir die Lasterleichterung nicht vorgestellt!

Ein gelbes Postpaket steht auf einer Waage, die 4.570 kg anzeigt
Meine Trekkingausrüstung passt in das Postpaket und ich wandere mit über 4,5 kg weniger Gepäck weiter

Ich kaufe mir auch noch Tape von Hansaplast, um das Blasenpflaster zu verkleben. Gestern hatte es sich in den Socken gelaufen, dass soll heute nicht wieder passieren. Und dann geht es richtig los mit meiner 3. Etappe auf dem Nibelungensteig. Heute bereits um kurz nach 9 Uhr. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

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Siegfriedbrunnen in Grasellenbach

Ich bin froh über meine Entscheidung und kann nun wesentlich leichter weiterwandern. Ohne Trekkinggepäck habe ich nicht nur weniger zu tragen. Ich habe es auch bequemer, weil ich in Pensionen schlafe und kein Zelt auf- und abbauen muss. Bei den langen Etappen ist das auch immer ein „Zeitfresser“. Obwohl ich sehr gerne im Zelt schlafe und mir das ursprüngliche, das nur mit mir sein, das draußen schlafen, unmittelbar in der Natur sein, auch sehr gut tut.

Der Weg führt aus Grasellenbach hinaus und ich studiere gerade eine altertümliche Tafel, die auf den Siegfriedbrunnen hinweist, als eine geführte Gruppe Mountainbiker an mir vorbeifährt. Alles Männer, alle älter als ich. Ich strecke meinen Daumen raus, da sie offensichtlich auch zum Siegfriedbrunnen fahren, aber ich ernte nur Gelächter und lustige Sprüche, die ich erwidere. So ein erfrischendes Geplänkel finde ich schön und noch beschwingter steige ich durch die Äcker in Richtung Wald.

Im Vordergrund ein umgepflügter Acker, dahinter ein Dorf, dahinter ein Wald und auf dem Berg Windräder
Der Blick geht über Grasellenbach und rechts den Kahlberg mit seinen Windrädern

Nun geht es wieder in schönen Mischwald, der im Schatten noch recht kühl ist. Die Tafeln am Wegrand erzählen in chronologischer Reihenfolge die Sage der Nibelungen.

Ein Waldweg in einem Mischwald
Der Weg zum Siegfriedbrunnen führt durch Mischwald bergauf

Wieder muss ich genau aufpassen, denn der Weg zum Siegfriedbrunnen geht plötzlich auf einem schmalen Wurzelweg nach rechts weiter. Die Mountainbiker verlassen die Quelle bereits wieder, so habe ich sie für mich.

Ein Gedenkstein mit einem Kreuz im Wald, links davon einige Steine mit einer Quelle
Links aus der Siegfriedquelle tröpfelt es in diesem trockenen Sommer nur, rechts der Gedenkstein mit einer Inschrift

„Do der herre Sifrid ob dem brunnen tranch,
er schoß in durch das chruze das von den wunden spranch
das blut von dem herzen vast an du Hagenen mat.
So großer missewende ein held nu nimmer begat“

Zitat auf dem Stein

Rund um die Quelle stehen Tafeln, die die Geschichte weiter erzählen. Kriemhild, die Schwester des Burgunderkönigs Gunter und Frau des Nibelungenkönigs Siegfried, hatte sich mit ihrer Schwägerin Brunhild überworfen, die sich gedemütigt fühlte und auf Rache sann. Hagen von Tronje war ein treuer Vasall seiner Herrin Brunhild und wollte ihre Rache ausführen. Er erfuhr von Kriemhild, die ihm seit ihren Kindertagen vertraute, die verletzliche Stelle Siegfrieds und erklärte ihr, dass sie die Stelle auf dem Gewand von Siegfried kennzeichnen solle. So könne er Siegfried im Kampf besser schützen. Als beide bei der Jagd an dieser (oder einer anderen Stelle) im Odenwald tranken, stieß Hagen Siegfried den Speer in die gekennzeichnete, verwundbare Stelle. Eine Tragik, die später ihre Fortsetzung fand, aber das musst Du selbst lesen, wenn Du unterwegs bist. Aber auch bei diesem Streit ging es nur um Liebe und Hass, Treue und Mord, Macht und Magie, Eitelkeit und Eifersucht und kostete viele Menschenleben. Irgendwie habe ich das Gefühl, das Menschen aus der Geschichte doch keine Rückschlüsse auf ihr Leben ziehen können?

Ich verklebe auf einer Bank sitzend noch meine Füße. Das Blasenpflaster fixiere ich damit und eine druckempfindliche Stelle am rechten Fuß schütze ich so – meine ich…

Mein Wanderweg zieht sich nun wieder bergauf durch den schönen Wald und gewährt mir manchmal einen Ausblick.

Auf einer Waldhöhe sind im Hintergrund andere Bergrücken zu sehen
Auf den Odenwaldhöhen habe ich selten Ausblick. Hier schaue ich nach Norden, im Dunst ist der Spessart zu erkennen

Nach langem Bergauf bin ich auf der Höhe, die sogar eine Picknickgelegenheit bietet. Da mein Frühstück aber erst kurz zurückliegt, nehme ich das Angebot nicht an. Allerdings verrät mir der Name, dass das Gebirge bei der Aussicht zuvor doch der Spessart gewesen sein muss.

Eine Rastbank mit Tisch seht in einem Wald, an einem Baum hängt ein Holzschild mit Spessartkopf
Auf dem Spessartkopf mit 547 m Höhe ist eine Picknickbank

Rote Wasser von Olfen

Nun geht es wieder hinab und ich erreiche das Hochmoor oberhalb von Olfen. Es nennt sich „die Roten Wasser von Olfen“, Braunalgen sorgen für diesen Namen. Allerdings ist das Moor in diesem langen, heißen und trockenen Sommer 2020 ausgetrocknet.

Ein Weg im Hochmoor mit Heidegewächsen links und rechts
Dieser Weg ist total schädlich für das Moor, aber die Obere Naturschutzbehörde aus Darmstadt leitet Wanderer auf diesem wilden Weg durch das Moor

Auf einem Schild vor der Umleitung, werden Wanderer darauf hingewiesen, dass sie aufpassen sollen, im Moor nichts zu zerstören. Man soll auf dem Weg bleiben (der allerdings gesperrt ist) oder den als Umleitung gekennzeichneten Weg benutzen. Dieser Umleitungs-Weg hat aber das Moor vom Waldrand mittlerweile völlig getrennt und zerstört. Im Baltikum haben wir viele Hochmoore durchwandert, aber immer waren Bohlenwege angelegt, die einen minimalen Eingriff in den Untergrund darstellen, weil die Besucher darauf „geleitet“ werden und das Moor mit seinen Rändern intakt bleibt. Nachlesen kannst Du das zum Beispiel bei meinem Blogbeitrag über den Soomaa Nationalpark in Estland.

Die Umleitung ist ausgeschildert durch das Moor
Die Umleitung ist am Waldrand ausgeschildert, völlig ohne Wegebau. Da ich dieses Bild mache, weil mich diese Ignoranz der Oberen Naturschutzbehörde so ärgert, achte ich nicht auf meine Markierung und gehe prompt in die falsche Richtung
Der Blick geht über ein trockenes Hochmoor mit unterschiedlichen Moosfarben
Die “Roten Wasser von Olfen“ sind ein Hochmoor, das im Sommer 2020 völlig ausgetrocknet ist

Allerdings hätte ich den Blick über das Moor verpasst, wenn ich nicht  falsch abgebogen wäre.

Ein Bohlenweg führt durch einen Teil des Hochmoores, links und rechts Gräser
An dieser Stelle ist auch ein Bohlenweg im Moor, von dem ich mich zusätzlich habe ablenken lassen. Der Nibelungensteig biegt bei den „Umleitung“-Schildern links ab, wer rechts 50 m hinunter geht, hat diesen Ausblick auf das Moor

Als ich merke, dass ich mal wieder falsch laufe, gehe ich zurück und suche die letzte Markierung. Nun geht es bergauf und um die Kurve zu einem schönen Blick über ein Tal.

Der Wald öffnet sich und ins Tal hinunter liegen Wiesen und versteckt hinter Bäumen Häuser
Der Ort Olfen liegt versteckt hinter Bäumen im Tal

Weiter geht es hinauf zu einer Straße, die ich queren muss. An dieser Stelle steht wieder eine kulturhistorische Besonderheit.

Ein leerer Bildstock auf einer kleinen Anhöhe
Das Olfer Bild ist ein heute leerer Bildstock an einer Straßenkreuzung. In früheren Jahrhunderten haben die Kirchgänger von Olfen, die nach Güttersbach zum Gottesdienst gingen, hier Rast gemacht. Seine für den Odenwald ungewöhnlich Höhe von 3 m macht den Bildstock so besonders

Gütterbach und Hüttenthal

Ich wandere weiter in leichten Wellen bergauf und bergab durch dichten Wald und als ich aus dem Wald herauskomme habe ich erstens einen schönen Blick und werde zweitens von Kühen begrüßt.

Kühe stehen auf einer Weide, im Tal das Dörfchen Güttersbach und auf der bewaldeten Höhe dahinter Windräder
Der Ausblick oberhalb von Güttersbach

Der Nibelungensteig führt durch den gesamten (kleinen) Ort. In der Nähe der Kirche ist ein Brunnen, der im Gewölbekeller des heutigen Pfarrhauses entspringt. Vermutet wird, das iroschottische Mönche an dieser Quelle, der früher Heilkräfte nachgesagt wurden, die erste Kirche bauten. Noch heute ist Güttersbach ein Heilkurort mit Spa-Hotels. Sogar das kleine Freischwimmbad hat am 19.09.2020 noch geöffnet.

Nach dem Ort geht es mal wieder auf Asphalt steil bergauf bis zum Wald, in dem der Weg in einen Schotterweg übergeht. Ich entdecke wieder Tafeln, diesmal von einem Vogelkundlichen Lehrpfad, die mir schöne Hinweise auch über die Landschaft geben. Wie zum Beispiel beim nachfolgenden Bild.

Ein Fichtenwald
Oberhalb von Güttersbach komme ich an einem Fichtenhain mit einer Erklärungstafel vorbei. Der Wald wurde 1909 gepflanzt, 3 Jahre bevor die Titanic unterging

Weitere Erklärungstafeln folgen entlang des schönen Waldwegs, der auch immer mal wieder Ausblicke in die Umgebung gewährt, weiter hinunter Richtung Hüttenthal. Auch dieser Ort hat einen „Lindelbrunnen“, also eine Stelle, an der Hagen von Tronje Siegfried erschlagen haben soll. Der Ort ist mit den Eisenschmelzen entstanden und wurde 1366 erstmal urkundlich erwähnt. Heutzutage ist Hüttenthal wegen seiner Molkerei bekannt. Die ehemalige Genossenschaftsmolkerei ist mittlerweile in Familienbesitz und die kleinste Molkerei Südhessens. Sie bezieht ihre Milch von 19 Bauernhöfen in unmittelbarer Umgebung. Das ist mal wirklich regional!

Eine Werbetafel weißt auf die Molkerei Hüttenthal hin
Die Werbetafel der Molkerei ist nicht zu übersehen

Viele Familien mit Kindern sind auf dem schönen Spielgelände unterwegs, sitzen auf einer übergroßen Bank zum Picknick oder im Milchgarten. Da am Laden sehr viele Menschen anstehen, mache ich hier keine Mittagspause, sondern wandere weiter. Von meinen beinahe 30 km heute, habe ich erst etwas über 12 zurück gelegt. Wieder geht es bergauf, auf Teer und Schotter, bis ich mit schöner Aussicht an einem Waldrand entlang laufe.

Eine geschwungene Liegerastbank steht im Wald oberhalb eines Weges
Hätte ich gewusst, was mich am Marbachstausee erwartet, hätte ich diese schattige Rastbank benutzt

Die Aussicht geht über das Tal bis zur Staumauer des Marbachstausees.

Über Baumwipfel hinweg ist die Staumauer des Marbachstausees zu erkennen
Über Baumwipfel hinweg ist die Staumauer des Marbachstausees im Tal zu erkennen

Marbachstausee

In großen Serpentinen führt mich der Wanderweg hinunter zum See, der als Hochwasserschutz von 1978 bis 1982 erbaut wurde. Mittlerweile freue ich mich auf eine Rast. Eine Pause vom Gehen, mal Sitzen, Essen und Trinken und Ausruhen. Leider ist die Wiese mit Picknickbänken mit Bauzäunen abgesperrt! So ist keine Rast möglich. Wie ärgerlich!

Eine Picknickbank steht links eines Bauzauns, rechts des Bauzauns verläuft der Wanderweg
Ich kann an einer Stelle durch die Absperrung, um mich endlich mal zu setzen, auszuruhen und meine Brötchen zu essen

Viele Spaziergänger schauen mich verwundert an. Ich komme mir vor wie im Zoo, ‚bitte nicht füttern‘, denke ich mir still. Obwohl es nicht still ist, denn Motorradfahrer dröhnen mit ihren Maschinen auf der gegenüberliegenden Straße dahin. Aber mir tut die Pause sehr gut. Erholt mache ich mich auf die zweite Hälfte meines heutigen Weges. Als ich an der Staumauer ankomme, erhalte ich die Hinweise, die mir, als Wanderer am anderen Seeende ankommend, gefehlt haben.

An einem Bauzaun hängen unterschiedliche Warnhinweise
Am für mich „Ende“ des Sees, bei der Staumauer ist ein Bauzaun mit vielen Warnhinweisen

Da der Marbachstausee in diesem Jahr Blaualgen hat, wurde das „Badegelände“ gesperrt. Aber warum alle Rastbänke auch eingezäunt worden sind? Wegen Corona, wird mir auf das Fragen bei der DLRG erklärt. Aber verstehen kann ich das nicht, gerade als müder Wanderer auf einem Fernwanderweg nicht.

Ich habe bereits gesehen, das der Nibelungensteig einen mir unverständlichen Haken links vor Ebersberg macht. Vermutlich wird so die Straßenkreuzung weiträumig umgangen? Der Verkehrslärm begleitet mich insgesamt etwa 8 km, so lange wird der „Steig“ in Straßennähe geführt. Heute am Samstag ist natürlich erst recht viel Verkehr. Ich stelle beim Bergaufgehen an einer Kreuzung fest, dass mir mal wieder meine Markierung fehlt. Bei einem Blick auf Komoot stelle ich fest, das der Weg, auf dem ich gehe, wieder in den Nibelungensteig mündet. Da war ich wohl mal wieder mit „auf den Boden schauen um dicken Schotterbrocken auszuweichen“ beschäftigt und habe den klitzekleinen Pfeil nach links unter einer Markierung verpasst. Ich mache an der Einmündung ein Foto bergauf.

Ein geschotterter Waldweg führt aus bergauf den Bäumen hinaus auf ein Feld
Von dort oben wäre ich eigentlich gekommen, wenn ich den Abzweig nicht verpasst hätte. So habe ich etwa 500 m „abgekürzt“

Ich hätte also einen noch weiteren Umweg mit noch mehr Höhenmetern gehabt, wenn ich auf dem Nibelungensteig gewandert wäre. Ich finde meine „Abkürzung“ nicht schlimm, verpasst habe ich wahrscheinlich nichts. Nun geht es steil hinab nach Ebersberg und an der B 45 entlang. Motorradfahrer brausen auch hier vorbei. Ich bin selbst früher Motorrad gefahren, aber ich habe immer darauf geachtet, leise zu fahren. Die meisten Motorradfahrer schalten zu spät einen Gang höher, fahren hochtourig und machen daher solchen Lärm. Oder haben Drosselklappen ausgebaut, um Krach zu machen. Anwohner möchte ich hier nicht sein! Ich freue mich auf einen Kaffee im Ort. Aber die einzige Möglichkeit ist von Motorradfahrern okkupiert, die dicht an dicht auf Bänken sitzen. Da möchte ich nicht anhalten. Picknickbänke auf einer Wiese sind wegen Corona gesperrt und an so einer Stelle sitzen die Leute eng beieinander?!

Himbächel Viadukt

Wieder geht es lange auf Dorfstraßen bergauf und auf einem Schotterweg in südliche Richtung. Immer noch begleitet mich der Verkehrslärm, dann geht es endlich bergab. Vor mit sehe ich das Himbächel Viadukt. Unter diesem biege ich nach links in ein endlich wieder ruhiges Tal, in dem der Himbachel fließt.

Mit 10 aus Ziegelsteinen erbauten Bögen überspannt das Himbächel Viadukt das Tal
Mit 10 aus Ziegelsteinen erbauten Bögen überspannt das Himbächel Viadukt das Tal

Das eingleisiges Viadukt wird noch heute von der Odenwaldbahn zwischen Erbach und Hetzbach, genutzt, die über das Tal des Himbachel führt. Die Brücke entwarf der Ingenieur Justus Kramer für die Hessische Ludwigsbahn. Die Bauzeit erstreckte sich von Mai 1880 bis November 1881. (Ich will nicht unken, aber eine Bauzeit für eine Brücke von nur 19 Monaten und dann kann man 140 Jahre später immer noch mit Zügen darüber fahren, ist bei unseren heutigen „modernen“ Brücken undenkbar!) Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wollten Pioniere der Wehrmacht die Brücke sprengen, doch einige Dorfbewohner entfernten die Sprengladungen an den zwei mittleren Pfeilern, als die Soldaten Richtung Erbach abmarschierten.

Die Brücke war zu ihrer Zeit eine herausragende Ingenieurleistung und die bedeutendste Eisenbahnbrücke Hessens. Heute ist sie ein Kulturdenkmal, steht unter Denkmalschutz und ist von der Bundesingenieurkammer und der Ingenieurkammer Hessen als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet.

Verschlungenes Bergauf

Nun geht es nur noch hinauf. Beinahe sechs Kilometer stetig leicht bergauf. Dabei macht der Nibelungensteig ein interessantes Muster. In der Landkarte ist mir das schon aufgefallen, es sieht ein wenig nach „Malen nach Zahlen“ aus und bildet den Kopf und Oberkörper eine Rehkitzes. Ich erinnere mich wieder an meine Nordic-Walking-Bewegungen und laufe fast schon meditativ den geschotterten Forstweg hoch. Immer wieder wechsele ich von der einen zur anderen Seite, immer von der Seite weg, die gerade sehr abfallend, schräg ist. Manchmal, wenn keine großen Schotterbrocken in der grasigen Mitte liegen, gehe ich dort. Ich werde dreimal von Fahrzeugen überholt. Forstbesitzer wohl, die sich ihren vertrocknenden Wald anschauen.

In einem Wald liegt ein kleiner Teich, der von Entengrütze bedeckt ist
Hier muss eine sehr feuchte Waldstelle sein, denn der kleine Teich mit Entengrütze existiert noch

Bei Entengrütze denke ich an Alfred Jokocus Kwak und die Kinderoper von Herman van Veen. So singe ich mehrere Lieder vor mich hin, während ich weiterwandere. Wenn ich gleichmäßig weiterlaufe spüre ich die Schmerzen in den Füßen nicht so sehr, die mein Wandervergnügen immer mehr überschatten.

Unter einem Baum hervor geht der Blick über Wiesen auf eine gegenüberliegende Höhe mit Windrädern
In einer Kurve ergibt sich wieder ein schöner Ausblick nach Westen

Im Wald links von mir liegen plötzlich viele Buntsandsteinbroken. Bei einem Blick auf meine Komoot Aufzeichnung sehe ich, dass etwas später ein Abzweig kommt, im schmalen Weg nach links hat ein anderer Komoot-Nutzer mal ein Foto gemacht. Da ich weiß, dass das Ebersberger Felsenmeer vor mir liegt, schaue ich aufmerksam auf die Markierungen. Ich hätte mich wieder verlaufen, denn nur ein klitzekleiner Pfeil nach links unter der Markierung führt in einen unscheinbaren, kleinen Waldweg.

Im Buchenwald liegen bemooste Buntsandsteinbrocken
Die Felsbrocken deuten darauf hin, dass ich bald am Ebersberger Felsenmeer bin

Auf einem wunderschönen Waldpfad geht es durch immer mehr Felsen weiter bergauf.

Viele Felsenbrocken sind übereinander getürmt und von Bäumen bestanden
Der Wanderweg führt mich durch die malerischen Felsen des Ebersberger Felsenmeeres. Eine schöne Abwechslung nach dem langen eintönigen Aufstieg über den Forstweg

Endlich geht es, wenn auch sanft, auf einem von Tannennadeln bedeckten Weg bergab. Nun kann es nicht mehr weit sein bis Bullau. Der Ort ist zwar offizielles Etappenziel, aber der Nibelungensteig führt laut Karte und Beschreibung trotzdem etwa eine Kilometer entfernt daran vorbei. Ich bin gespannt, ob es einen beschilderten Abzweig gibt. Während dieser Überlegungen treffe ich in der Nähe einer Kreuzung auf einen Hund und gehe nur langsam weiter und auf ihn zu. Die Besitzer sind bereits da und leinen den Collie an, der noch recht jung ist. Beim Gespräch raten sie mir, an dieser Stelle nach links abzubiegen, wenn ich nach Bullau wolle. Der normale Weg würde mich in der Sonne und an der Straße entlang führen, der andere Weg dagegen wäre schattig. Da das laut Karte kein Umweg ist, folge ich dem Vorschlag.

Ein sandiger Waldweg, an dem gefällte Bäume liegen
Hundebesitzer haben mir diesen Weg nach Bullau empfohlen, da ich hier länger im Schatten gehen kann. Der Bodenbelag aus Sand deutet darauf hin, dass dieser Bergrücken aus Sandstein besteht

Das ich in der Nähe eines Ortes kurz vor der Abendessenszeit bin, wird durch die Anwesenheit vieler Hundebesitzer bestätigt. Lange gehe ich geradeaus, dann rechts und trete an einer Wegkreuzung aus dem Wald. Welch schöne und hauptsächlich weite Aussicht.

Lange Schatten des Waldes liegen über einem Feld. Links von der Sonne beschienene Bäume und rechts im Hintergrund ein Bergrücken
Der nächste Hundebesitzer erklärt mir, als wir aus dem Wald heraustreten, dass der Höhenzug rechts im Hintergrund schon die „Badischen Höhen“ seien. Links unterhalb der Bäume versteckt sich das Dörfchen Bullau, mein Tagesziel

Bullau und die Entscheidung

Ein Schlenker nach links, wieder nach rechts und an Kuhweiden vorbei geht es leicht bergab. Kälbchen und Kühe stehen zusammen auf der Weide, welche glückliche Familienbande. Später erfahre ich, dass die Muttertierhaltung zu meiner Pension Schumbert gehört. Ich komme in den Ort, gehe weiter bergab und muss nur noch wenig bergauf in den Schöllenbacher Weg wandern, bevor ich die Pension mit Gasthaus Schumbert erreiche.

Es ist bereits kurz vor 18 Uhr  und das Gartenlokal „Unter den Linden“ erst seit kurzem geöffnet. Herr Schumbert zeigt mir mein Zimmer, Abendessen bekomme ich bis 21 Uhr, erklärt er. Na, so lange werde ich nicht warten. Nach dem Duschen inspiziere ich meine Füße und stelle fest, dass ich mir eine Riesenblase unter dem rechten Ballen gelaufen habe, die sich bis zwischen den großen und den angrenzenden Zeh hinzieht. Das Tape, das den Fuß schützen sollte, hat wohl die Zehenfreiheit begrenzt und die haben aneinander gerieben! Und die Blase ist bereits offen. Ich verpflastere die Stelle mit zwei Blasenpflastern und humpele zum Essen. Ich fühle mich im Gastraum angenommen. Das Wirtspaar Schumbert hat Herz und Zunge auf dem rechten Fleck. Sie sind fürsorglich, ohne aufdringlich zu sein. Ich bestelle mein kleines Abendessen und dazu noch einen besonderen Nachtisch.

Auf einem Teller sind kleine Marillenknödel mit einem Eis angerichtet und mit Schokoladen- und Cranberrysoße verziert
Mein Nachtisch, leckere Marillenknödel mit einem Eis angerichtet und mit Schokoladen- und Cranberrysoße verziert

Als ich wieder im Zimmer bin, rufe ich meinen Mann an und frage, ob er nicht am nächsten Tag einen Ausflug in den Odenwald machen möchte. Zum Glück sagt er ja! Mit meinen wehen Füßen ist eine Weiterwanderung völliger Unsinn. Ich muss mich so aufs Gehen an sich konzentrieren. Auf die Beschaffenheit des Weges, dem dicken Schotter und groben Unebenheiten ausweichen. Ich empfinde ein solches Wandern nicht als Genuss. Auch habe ich mir die Etappen in zu weite Entfernungen eingeteilt. Ich bin ziemlich schlapp, körperlich erschöpft. Ich werde mich zuhause erholen und im Oktober die Wanderung fortsetzen – mit besserer Kondition und Wanderschuhen.

Fazit 3. Etappe

Auch hier empfehle ich Wanderern aus entfernten Regionen, die Etappe zu teilen. Beispielsweise in Güttersbach mit Wellness zu übernachten? Für mich war die Etappe mit meiner wenigen Kondition zu lange, ähnlich wie die erste Etappe. Mein Hauptproblem waren aber meine Füße, ebenso wie auf der zweiten Etappe. Trotzdem ich nun weniger Last hatte, da ich meine Trekkingausrüstung nach Hause geschickt habe, hat sich an meinem Schuhwerk nichts geändert. So habe ich meine Entscheidung getroffen. Ich werde die Wanderung hier unterbrechen. Meine Füße zuhause heilen lassen und mit weniger Gepäck und meinen Wanderschuhen in einigen Wochen wiederkehren. Und dann die Etappen genießen. Auch, weil ich sie kürzer einteile. Da soll mal einer sagen, im „Alter“ wäre man nicht lernfähig! Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Ein Kurzes Video mit meinen Eindrücken der dritten Etappe findest Du auf meinem YouTube-Kanal.

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Eindrücke von der dritten Etappe auf dem Nibelungensteig

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Nibelungensteig Etappe 2 – Schlierbach – Gassbachtal

Nibelungensteig Etappe 2 – Schlierbach – Gassbachtal

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Im Odenwaldstädtchen Lindenfels beginnt die zweite Etappe des Nibelungensteigs. Seit 2010 ist sie Drachenstadt, was ursächlich mit der Nibelungensage zusammenhängt. Wieder geht die Wanderung über die Höhenzüge und Gipfel von Odenwaldbergen, bis sie in Grasellenbach, dem Ort, wo sich alles um Siegfried dreht, zum Abschluss kommt.

Der Morgen nach der Überanstrengung

Ich fühle mich am Morgen nach der anstrengenden ersten Etappe zwar zerschlagen, aber besser, als ich es gestern Abend erwartet habe. Ich hatte in der Nacht Krämpfe in den Beinen und hoffe darauf, dass es in Lindenfels eine Apotheke gibt, in der ich „Sofort-Magnesium“ kaufen kann. Aber erst mal werde ich frühstücken! Ich bekomme an der Rezeption des Terrassencamping Schlierbach einen Kaffee und heißes Wasser für mein Müsli. Während meines Frühstücks kommt die Sonne über den Berg und trocknet mein Zelt. Durch die Bewegung beim Packen und Stopfen des Rucksacks funktionieren meine Muskeln runder als direkt nach dem Aufstehen. Ich verabschiede mich von der zuvorkommend freundlichen Crew des Campingplatzes und laufe gegen halb 10 Uhr los.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Lindenfels

Die Markierung des Nibelungensteigs führt mich links um den Berg herum, durch ein schmales Bachtälchen.

Links ein Bach mit etwas Wasser, rechts davon ein Waldweg und wieder rechts wachsen Bäume einen Hang hinauf
Der Bach führt sogar noch etwas Wasser

Dann geht es bergauf, denn Lindenfels liegt auf einem Berg. Ich komme am Sportplatz vorbei und gehe einen sehr steilen Weg hinauf bis zu einer Straße. An der Mauer gegenüber ist ein Schild „Umleitung“ des Nibelungensteigs. Bevor ich der folge, drehe ich mich um, um die Aussicht zu genießen.

Von einer steilen Ortschaft geht der Blick auf den gegenüberliegenden Berg
Mein Blick geht nach dem Aufstieg aus Schlierbach in Lindenfels zurück zum Krehberg. Hier kannst Du erkennen, wie weit gestern der Weg ins Tal doch noch war, denn Schlierbach liegt links unten (um die Ecke) im Tal. Links an der Mauer ein Umleitungsschild für den Nibelungensteig

Ich wandere um eine Kurve bis zur nächsten Kreuzung, mit wieder einem Umleitungsschild. Das schickt mich mit einer 270° Kehre nach rechts, von der Stadt weg. Allerdings erspähe ich geradeaus, am Ende der Straße eine Apotheke im Städtchen. So folge ich der Umleitung nicht und hoffe, in Lindenfels irgendwo beim Stadtbummel die Markierung wieder zu finden. In der Apotheke bekomme ich, was ich möchte. Ich verweile mich noch kurz an der Hauptstraße, bevor ich der Burgstraße in die Altstadt folge.

Vier aufeinandergetürmte Steine bilden einen Brunnen
Der Brunnen steht bei der Apotheke. Die Straße gegenüber führt zur Burg. Allerdings ist an dieser Straßenkreuzung, über die der Nibelungensteig nach Westen führt, kein Wegweiser aufgestellt

Tatsächlich sehe ich beim Einbiegen in die Burgstraße nicht mal die Markierung mit dem N, da ich so mit dem Betrachten der Häuser beschäftigt bin. Ich komme an einen Platz mit der ersten Ansicht der Burg.

Über eine Wiese sieht man hinten einen Teil der Lindenfelser Burg, davor die Katholische Kirche
Mein Blick geht über das Flachdach des Kurhauses mit einem Drachen darauf zur Ruine der Burg. Rechts ist die kleine Katholische Kirche

Zuerst möchte ich das Bergauf hinter mich bringen und steige weiter zur Burg. Im Alten Rathaus rechts ist das Stadtmuseum untergebracht. Über die Mauer links der gepflasterten Straße kann ich in den Kurgarten schauen.

Ein Steingebäude hinter einer Steinmauer, das schmiedeeiserne Tor steht offen
Im alten Rathaus ist das Stadtmuseum von Lindenfels, allerdings nur am Wochenende geöffnet
Ein dicker Felsbrocken liegt in einem Park, ein silberner Drache daneben
Der 50 bis 80 Tonnen schwere Granitfelsbrocken löste sich am 25. November 2009 aus dem Bergrücken der Lindenfelser Burg. Auf seinem Weg legte er zwei Mauern nieder, hinterließ eine Schneise der Verwüstung und rutschte in den Kurgarten, wo er im feuchten Boden liegen blieb. 2010, als Lindenfels sich mit dem Projekt „Drachenstadt“ befasste, erhielt der Stein seinen Namen und den silbernen Begleiter

Direkt hinter dem ersten Burgtor ist wieder eine Begebenheit der Nibelungensage mit Skulpturen nachgestellt.

Eine Skulptur stellt Siegfried im Kampf mit dem Drachen Fafnir dar
Der Nibelungensage nach tötete Siegfried den Drachen Fafnir. Nach seinem Bad im Blut des Drachens war er unverwundbar. Nur eine Stelle an der rechten Schulter, an der ein Lindenblatt während des Bades klebte, blieb eine verwundbare Stelle, die ihm später zum Verhängnis wurde

Die Burg „Sliburc“ wird 1080 erstmals urkundlich erwähnt. Erbauer war vermutlich Pfalzgraf Konrad von Staufen, der Halbbruder von Kaiser Barbarossa. Als ersterwähnte Burg war sie Zentrum kurpfälzischer Politik im Odenwald. Ab dem 14. Jahrhundert wird die Stadtmauer um Lindenfels errichtet und die Burg in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausgebaut und in keinem der vielen Kriege zerstört. Das wir heute dennoch nur eine Ruine besichtigen können liegt daran, dass die unbewohnte Burg ab dem 18. Jahrhundert als Steinbruch zum Hausbau der Bewohner Lindenfels diente. Erst Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich der historischen Bedeutung und begann mit ersten Erhaltungsmaßnahmen.

Nach meinem Besuch auf der Burg gehe ich zur Kreuzung am Kurhaus zurück. Auf dessen Flachdach auch ein Drache wohnt. In ganz Lindenfels sind bunte Drachen „versteckt“. Das hat den Hintergrund, dass Lindenfels beim hessischen Landeswettbewerb „Ab in die Mitte 2010“ als Landessieger hervorging mit dem Projekt: „Lindenfels – Die Drachenstadt“.

Ein Fachwerkgebäude beherbergt das Drachenmuseum
Das Haus wurde 1727 von Baur de Betaz erbaut. Heute ist das Drachenmuseum darin untergebracht. Samstags, Sonntags und an Feiertage hat es seine Türen von 14 bis 18 Uhr geöffnet

Ich sehe nun wieder meine Markierung, der ich die Straße hinunter folge, an der Betzenkammer, dem ehemaligen Verlies vorbei. Nun liegt das Fürther Tor vor mir, auch hier wieder das charakteristische N für den Nibelungensteig.

Durch das Fürther Tor hindurch sieht man auf die evangelische Kirche
Das Fürther Tor gibt beim Blick zurück den Blick auf die evangelische Kirche frei

So wandere ich der Markierung folgend weiter und wundere mich über die Richtung, in die ich unterwegs bin. Nach einer Rechtskurve im Wald sind weißrote Absperrbänder und wieder ein Umleitungsschild.

Umleitungsschilder und Absperrungen im Wald
Die Schilder und Absperrungen unterhalb der Burg verwirren mich. Ich bewege mich nach Westen, was nicht sein kann, aber eventuell musste die Umleitung mit einem Umweg angelegt werden?, überlege ich

Ich wandere weiter und erkenne, dass ich beinahe wieder am ersten Umleitungsschild angekommen bin. Hä? (Hessisch für „Wie bitte?“) Wo, bitte, geht es nach Osten?? Ich gehe also, wieder unterhalb der Burg, zurück zum Fürther Tor, am Drachenmuseum vorbei. Und jetzt, beim Bergaufgehen, entdecke ich an der Mauer des Kurhauses die Schilder, die meiner Meinung nach an einen Wegweiser-Schilderpfosten gehören. Diese Schilder zeigen aber den Weg nach Zwingenberg und da möchte ich nicht hin.

Das Kurhaus liegt an einer gepflasterten Gasse und hat einen Drachen auf dem Flachdach
An dieser Stelle übersehe ich beim ersten Vorbeilaufen die Schilder in Hüfthöhe an einer Wand. Der Drache auf dem Dach und das die Gasse hinunterliegende Drachenmuseum lenken mich zu sehr ab. Ob ein Wegweiser das verhindert hätte?

Ich schaue mich auf dem Platz um und entdecke an einer Hauswand jenseits des Platzes „meine“ Schilder in Richtung Grasellenbach. Wie blöd! Wäre am ersten Umleitungsschild zusätzlich der Wegverlauf der Umleitung aufgedruckt, könnten sich Wanderer besser orientieren, die Umleitung „verstehen“. Wüssten sie, dass sie quasi durch den „Hintereingang“ in das schöne Städtchen geführt werden. Später, beim Schreiben des Blogs und einer Nachrecherche, finde ich auf der Webseite des Nibelungenlandes eine Seite „Aktuelles“ unter dem Nibelungensteig. Da finde ich die Informationen, die ich gebraucht hätte. Nur, unterwegs im Odenwald hatte ich sehr oft überhaupt kein Netz. Eventuell hätte ich die „Aktuelle Information“ so aktuell gar nicht auf mein Mobiltelefon bekommen?

Die Glocke der evangelischen Kirche läutet zur Mittagszeit, uff, schon wieder so spät! So wandere ich die Burggasse wieder hinunter zur Hauptstraße, an der die Apotheke liegt. Hier gibt es auch keinen Wegweiser-Schilderpfosten. Lange suche ich im Umkreis nach der Markierung, die mich weiterführt, aus Lindenfels hinaus. Endlich, rechts versetzt über die Hauptstraße, an einem Betonsträßchen, das gegenüberliegend bergauf führt, klebt sie an einem Straßenschildpfosten. Das Sträßchen bringt mich zu einem Pfad, der mit einer Überraschung aufwartet.  

Eine Tafel informiert die Besucher über den Insektenpfad
Der Nibelungensteig folgt dem südlichen Teil des Insektenpfades, mit vielen interessanten Informationen
Der Blick geht aus einem Wald über die Stadt Lindenfels mit Stadtturm und Burganlage
Vom Insektenpfad aus habe ich einen schönen Blick zurück nach Lindenfels und nach Osten

Ein Bienenbär steht am Ende des Insektenpfades, den ich freundlich grüße. Es geht noch weiter hinauf bis zu einer Erklärungstafel. Hier auf der Höhe, Köpfchen genannt, hat eine kleinere „Gegenburg“ gestanden, die vermutlich Anfang des 13. Jh., als Lindenberg badisch war, von den Wittelsbachern errichtet worden ist. Nach weiteren Schotterwegen wechselt der Weguntergrund, was ich sehr begrüße.

Ein schmaler Wiesenweg führt durch lichten Wald
Ich bin überaus froh, mal einen so schönen, schmalen Wiesenweg zu gehen

Einkehr leider nicht möglich

Die Stürme und die Trockenheit haben überall im Wald ihre Spuren hinterlassen und bald muss ich mich bücken, um weiter zu kommen.

Ein umgestürzter Baum bildet ein Tor, unter dem die Wanderer hindurch gehen
Der Pfad geht in den Wald und ich muss unter dem umgestürzten Baum durch das natürliche Tor hindurchwandern

Aus dem Wald heraustretend, wandere ich erst auf einem Schotterweg, dann auf Asphalt hinunter zum Gumpener Kreuz. Auf dieser Passhöhe treffen die Bundesstraßen 38 (Darmstadt-Weinheim) und 47 von Worms und Bensheim aufeinander.

Eine Straßenkreuzung liegt unterhalb des geschotterten Wanderweges
Das Gasthaus am Gumpener Kreuz gibt es nicht mehr. Mein Weg führte mich vom gegenüberliegenden Berg zu dieser Straßenkreuzung hinab und den Forstschotterweg steil hinauf

Der Schotterweg geht direkt steil immer nur geradeaus bergauf. Im Wald ändert sich wenig, nur das welke Blätter auf dem Forstweg liegen und es Schatten gibt. Links im Wald fällt mir ein Sandstein auf.

Ein alter Buntsandstein-Grenzstein steht im Wald
Der Buntsandstein markiert die Grenze zwischen dem hessischen Erbach und der Churpfalz, die über Jahrhunderte hier verlief. Der Nibelungensteig folgt dem Grenzweg in der Folge

Der Grenzweg führt ohne Kurve immer steil bergauf, ohne eine Möglichkeit, sich mal sitzend auszuruhen. Als ich schon denke, bald auf gefühlten 3.000 Höhenmetern zu sein, kommt endlich eine ziemlich morsche Rastbank, die den höchsten Punkt markiert. Hier begegnen mir Wanderer, die mir die nächste gastronomische Enttäuschung bescheren. Sie wissen, dass es in Weschnitz auch keine Gaststätte mehr gibt! Wie schade! Aber ich habe vorgesorgt und habe Studentenfutter dabei. Ich verschnaufe Nüsse kauend auf der Bank und genieße Ruhe, Frieden und Vogelgezwitscher. Meine Füße schmerzen in meinen leichten Trekkingschuhen mit den dünnen Sohlen. Ich entschließe mich, die Schuhe zu wechseln und die Trekkingsandalen anzuziehen. Die haben eine dickere und festere Sohle, können dem Schotter mehr Widerstand bieten. Etwas leichter geht es nun auf der Höhe dahin und ich erfreue mich an dem wunderschönen Wald, durch den ich wandere.

Ein Buchenwald mit hohen, silbrig glänzenden Stämmen
Die Buchenwälder des Odenwalds begleiten mich über weite Teile auf dem Nibelungensteig. Sie strahlen majestätische Ruhe aus, die auf den Wanderer übergeht

Am Ende des Waldes biegt der Weg leicht nach rechts ab. Ich habe den Wald rechts und Wiesen links von mir. Ich entdecke in der Wiese eine hellviolette Blume und erfreue mich an der Aussicht.

Eine hellviolette Herbstzeitlose, der Herbstkrokus, auf einer Wiese
Aus dem Wald tretend finde ich oberhalb von Weschnitz die erste Herbstzeitlose – die Vorboten des Herbstes, auch wenn der Tag noch so sommerwarm ist
Über sanft abfallende Wiese liegen Häuser im Tal und Wald auf einem Berg dahinter
Wieder so ein unbeschreiblich schöner Ausblick, hier Richtung Weschnitz. Aber auch hier muss ich ganz runter ins Tal und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinauf

Etwas näher an Weschnitz herankommend, kann ich auf die gegenüberliegende Höhe schauen, die ich heute noch überwinden muss.

Vier Windräder stehen auf dem bewaldeten Berg über Weschnitz
Der Asphaltweg bringt mich in den Ort hinab, dann gegenüber eher Richtung linkem Windrad etwas hinauf zur Walburgiskapelle, die auf halber Höhe zwischen den zwei linken Windrädern steht

Die Wirtschaft in Weschnitz ist tatsächlich geschlossen und ich marschiere zur Bushaltestelle, da das Wartehäuschen eine Rastbank hat. Mir tun die Fußsohlen furchtbar weh, meine Beine sind erschöpft. Ich habe mir mit dem Trekkinggepäck zu viel Gewicht für meine Kondition aufgeladen. Wenn ich heute Nacht wieder Beinkrämpfe bekomme? Im Zelt kann ich mich nicht mal eben aufstellen und den Krampf rausdrücken. Ich muss erst umständlich (mit Krampf) aus dem Zelt – das will ich heute Nacht nicht noch mal haben. Ich fasse den Entschluss, dass ich nicht in Hammelbach auf den Zeltplatz gehen werde. Ich recherchiere im Übernachtungsverzeichnis des Nibelungensteigs und entschließe mich, bis Grasellenbach weiter zu gehen. Nach einem kurzen Anruf habe ich ein Zimmer im Hotel und Café Gassbachtal gebucht. Nur muss ich bis 17.30 Uhr dort sein, wenn ich im Hotel zu Abend essen möchte. Na dann, nix wie los. Die ersten Schritte schmerzen immer höllisch, dann geht es besser. Aber wieder geht es bergauf und der Weg wird für kurze Zeit so, wie ich es am liebsten mag.

Eine Holzbrücke im Wald führt über einen schmalen Bach
Die Brücke über den Osterbach, der schmale Waldweg dazu, lässt mich endlich mal wieder an einen „Steig“ glauben. Der Osterbach, der mit dieser Brücke überquert wird, vereinigt sich später mit dem Mergbach und bildet die Gersprenz

Kulturdenkmal und Energiewende

Der Weg wir wieder ein Waldforstweg, ein Parkplatz liegt links und ich erreiche den Friedhof des Ortes Weschnitz, der unterhalb der Walburgiskapelle liegt.

Holzkreuze stehen auf dem Friedhof in Weschnitz statt Grabsteine
Auf dem Friedhof in Weschnitz wird an die Verstorbenen mit Holzkreuzen erinnert

Durch eine Schneise marschiere ich über Treppen nun auf die Walburgiskapelle zu, die oben auf dem – welch einfallsreicher Namen – Kapellenberg liegt. Es wird davon ausgegangen, dass der Ort schon in vorchristlicher Zeit ein Heiliger Ort war. Der Name bezieht sich auf die Schwester des Missionars Bonifatius, die ihren Bruder im 8. Jahrhundert aus England nach Deutschland begleitete. Die Grabplatte soll ein heilkräftiges Öl absondern, wird erzählt.

Über einer steile Steintreppe thront eine steinerne Kapelle
Die Walburgiskapelle ist über eine steile Treppe zu erreichen

Die Kapelle ist von März bis November an Samstagen und Sonntagen geöffnet. Von Dezember bis Februar nur an Sonntagen. Von Juni bis Oktober finden an jedem ersten Samstag im Monat um 18.30 Uhr heilige Messen statt.

Der Bergvorsprung hat zwar einen eigenen Namen, ist aber nicht der höchste Gipfel. So muss ich den nächsten Berg, den Kahlberg, besteigen. Auf dessen Rücken sind Windräder aufgestellt, die ein Teil der Energiewende sind. Ich höre das Surren des Windrades erst, als ich schon ziemlich nahe bin. Ich gehe unter dem Windrad hindurch und folge der Markierung nach rechts, immer auf dem asphaltierten Bergrücken weiter. So wandere ich an zwei weiteren Windrädern vorbei.

Ein Windrad steht auf einem Hügel im Wald, ein Forstweg geht daran vorbei
Der Wanderweg führt durch den Windpark auf dem Kahlberg. Vor Eisschlag muss ich mich an diesem schönen Sommertag nicht fürchten

Nach dem letzten Windrad dauert er noch eine Weile, bis aus der Asphaltstraße ein Pfad wird, der mich steil bergab führt. Er holt noch weit nach Westen aus, bevor er nach Südosten schwenkt. Vorbei an Heidelbeersträuchern und Heidekraut, so liebe ich den Wald und es erinnert mich an unsere Baltikumreise, wo der Wald meistens so aussieht. Vor einer Wiesenlichtung steht ein Wegweiser.

Ein Wegweiser mit vielen Wanderschildern
Die Wegweiser im Odenwald sind vorbildlich angelegt

Der Wegweiser gibt mir die unterschiedlichsten Informationen. Nach Hammelbach hätte ich heute noch 1,5 km bis zum Campingplatz. Morgen müsste ich die wieder zu diesem Punkt zurück gehen, ist gleich 3 km mehr. Heute habe ich noch 3 km auf dem Nibelungensteig, ich könnte aber auch in 2,5 km am Ziel sein. Beim Weiterwandern verstehe ich den Schlenker, den der Nibelungensteig macht, auch nicht, denn es ist nichts Spektakuläres, unbedingt Sehenswertes, an dem ich vorbeikomme.

Ein Haus am Waldrand mit der Aufschrift Café Bauer
Das Café Bauer bietet leckere Kuchen und kleine Schmankerl. Ich gehe vorbei, denn mein Hotel und das Abendessen sind nicht mehr weit

Der Weg führt mich rechts hinauf am Café vorbei, dann biegt er links ab und später wieder links und mündet in den Kunstpfad. Einige Kunstwerke mit interessanten Titeln stehen am Wegesrand – ich bin zu erschöpft, um die Kunst zu genießen. Eine wunderschöne Kneippanlage ist rechts am Waldrand.

Gemauerte Becken bilden die Kneippanlage im Wald
Auch heute passiere ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit die Kneippanlage nur

Meine Füße mögen nicht mehr laufen. Immer wieder bleibe ich stehen, überprüfe meine Haltung von Kopf bis Fuß und bemühe mich, keine Schonhaltung einzunehmen und nicht zu humpeln. Die Stöcke unterstützen mein Fortkommen und ich gehe mit Nordic-Walking-Bewegungen vorwärts. Ein kleiner Teich links und dahinter ein Tor, ein Kunstwerk – ja, hier mache ich noch ein paar Extra-Meter für ein Foto.

Durch einen Kunstbogen aus Sandstein und Metall ist hinter einer Wiese ein Haus zu sehen
Mein Hotel habe ich durch einen Bogen eines Kunstwerkes fotografiert

Auf der Hotel- oder Caféterrasse sitzen einige Menschen vor lecker aussehenden Kuchenstücken. Ich ziehe meine Mund-Nasen-Maske an und betrete den Verkaufsraum, mit der Rezeption im hinteren Bereich. Meine Unterkunft entpuppt sich als das mehrfach ausgezeichnete Nibelungencafé. Die Konditorenerzeugnisse tragen so klingende Namen wie: Brunhilds Sahnekuppel, Kriemhilds Früchtetraum, die majestätische König Alberich- oder Drachenbluttorte. Oh, ich freue mich schon auf meinen Nachtisch!

Die Wirtin zeigt mir den Treppenaufgang zum Zimmer und betont, dass es auch einen Aufzug gebe, als sie mein entgeistertes Gesicht sieht. Sie weist mich auch nochmal darauf hin, dass ich nur bis 17.30 Uhr ein Abendessen bestellen kann. Mittlerweile ist es 17.10 Uhr. Ich fahre tatsächlich mit dem Aufzug in den ersten Stock und bringe meinen Rucksack in mein Einzelzimmer. Ich stoppe die Komoot-Aufzeichnung und stecke mein Mobiltelefon an den Strom, bevor ich hinunter gehe. Ich bestelle Linsensuppe und ein alkoholfreies Bier und als Nachtisch eine Hessentorte. Ich, als Hessin, muss die probieren!

Nach dem Abendessen gehe ich direkt  aufs Zimmer. Das Blasenpflaster hat sich in den Socken gearbeitet! Ich dusche ausführlich und betrachte meine wehen Füße. Wie dämlich kann man sein, die Wanderschuhe zuhause zu lassen? Wieder frage ich mich das. Und wieder kommt die Antwort: den Weinsteig konnte ich mit diesen leichten Barfuß-Trekkingschuhen von Joe Nimble laufen und da war es kein Problem! Ich verklebe die Blase neu und lege mich hin. Am Mobiltelefon mache ich die YouTube Filme der ersten und zweiten Etappe fertig und veröffentliche sie, bevor ich mich schlafen lege. Ich werde am Morgen entscheiden, ob ich weitergehe oder die Wanderung unterbreche.

Fazit der 2. Etappe

Mit um die 17 km – ohne Umwege – und um die 700 Höhenmetern im Aufstieg ist die Etappe moderat zu gehen. Durch langes Schlafen am Morgen, Zeltabbau und packen bin ich ziemlich spät losgekommen. Da ich mir das Städtchen Lindenfels ausführlich angeschaut habe, bin ich dort erst nach 12 Uhr losgelaufen. Auch diese Etappe hat hauptsächlich festen Weguntergrund in Form von Asphalt und Schotter-Forstwegen. Unterwegs ist viel zu schauen und zu entdecken, landschaftlich und kulturell. Mir haben an schönen Stellen und in den langen Aufstiegen Bänke zum Ausruhen gefehlt. Die gibt es meist nur in unmittelbarer Nähe von Ortschaften, nicht an den langen Strecken dazwischen. Leider gibt es auch keine Einkehrmöglichkeit unterwegs (außer mit Umwegen), daher sollte eine Vesper im Rucksack sein. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Mein Video mit Eindrücken der zweiten Etappe findest Du auf YouTube.

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Nibelungensteig Etappe 1 – Zwingenberg – Schlierbach

Nibelungensteig Etappe 1 – Zwingenberg – Schlierbach

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Ich habe Lust zu Wandern. Einen Fernwanderweg. Möglichst mit Zelt. Der Nibelungensteig steht seit einigen Jahren auf meiner Wanderagenda. In sechs, statt in sieben Etappen möchte ich auf dem zertifizierten Fernwanderweg von Zwingenberg an der Bergstraße über den Odenwald nach Freudenberg am Main wandern. So der Plan.

Planung der Wanderung

Ein Wanderweg, der mir seit Jahren im Wanderherz herumspukt, ist der Nibelungensteig. Er wurde 2008 eröffnet und ist seit 2010 ein zertifizierter Qualitätsweg Wanderbares Deutschland. Die Webseite des Nibelungenlands gibt sehr detaillierte Informationen. So kann ich meine Etappen und Übernachtungsplätze sehr schnell planen. Am Wegrand liegen einige gut ausgestattete Campingplätze. So entschließe ich mich, mein kleines Vaude-Zelt „Refuge“, meine Matte und meinen warmen Schlafsack mitzunehmen. Nur eine Nacht werde ich in einer Pension schlafen. Aus ökologischen Gründen reise ich mit Bus und Bahn an und ab. Dienstags plane ich die Wanderung und Donnerstags geht es bereits los.

Der Nibelungensteig ist eine sportliche Herausforderung. Er führt über die Höhen des Odenwald. Während der über 130 km werden über 4.000 Höhenmeter erstiegen und natürlich wieder abgestiegen. Gleich am Anfang fordert der Melibokus heraus. Er thront über Zwingenberg und ist mit 517 Komma 4 m über Normalnull der höchste Berg an der hessischen Bergstraße.

Mein Marschgepäck

Da das Wetter ohne Regen und tagsüber über 20° warm sein wird, werde ich auf meine Wanderstiefel verzichten. Statt dessen laufe ich in meinen Barfußschuhen von Joe Nimbel. Die haben sich auf dem Weinsteig in der Pfalz bestens bewährt. Mein Steildachzelt von Vaude, meine Ridge-Rest-Matte und mein Hochleistungsschlafsack von Valandre wiegen zusammen knapp 2 kg. Da ich alle Dinge im Rucksack haben möchte, entscheide ich mich für die schwerere Therm-a-Rest-Matte, denn die Rigde-Rest-Matte müsste ich außen dran befestigen. Die Bundeswehrtasse nehme ich als Kochtopf mit, gefüllt mit Beuteln mit Müsli, Milchpulver und Kaffeepulver. Am Campingplatz werde ich in den vorhandenen Küchen mein Frühstück zubereiten. Eine lange „Zip“-Wanderhose von Maul für die kühlen Abende, 1 Ersatz-T-Shirt von Eisbreaker, 1x Ersatzsocken von Falke, 4 Unterhosen, 1 dünner Langarmpullover von Devold, 1 Windstopperjacke von Salewa, 2 Buff, 1 Sonnenhut, 1 Waschbeutel mit Trekkinghandtuch, 1 Schlafanzug bestehend aus langer Wollunterhose von Engel und einem Wolloberteil von Icebreaker, 1 Erste-Hilfe-Beutel, 1 Paar Trekkingstöcke, 2 Trinkflaschen mit insgesamt 1,5 l, 1 Laptop, 1 Powerbank, 1 Mobiltelefon, Stecker und Kabel, Sonnencreme und Blasenpflaster. Gesamtgewicht 14,4 kg ohne Wasser. Wie ich gepackt habe, kannst Du Dir bei YouTube anschauen.

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Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Start in Zwingenberg

In Zwingenberg werde ich am Bahnhof von einem lieben Bekannten erwartet. Mit Johannes Fischer vom Busunternehmen „Der Zwingenberger“ war ich über Jahre beruflich verbunden. Sein Unternehmen bietet unter anderem barrierefreie Reisen an. Die Busse haben Einstiegslifte, die Menschen die steilen Bustreppen ersparen. Rollifahrer können so auch in den Bus einsteigen und entweder auf Bussitze umgesetzt oder in ihrem Rolli sicher angeschnallt werden. Rollisportvereine gehören u.a. zu seinen Kunden. Ich habe mit meinen Senioren wunderbare Reisen unternommen, manchmal hatten wir 4-5 Rollstühle und über 20 Rollatoren dabei. Trotz körperlicher Einschränkungen unterwegs zu sein, war mit unserem  „Entschleunigten Reisen“ ohne Überforderung möglich. Von den Erlebnissen haben meine, unsere Gäste lange erzählt und gezehrt.

Die Bloggerin von Reisepunsch und der Busunternehmer „Der Zwingenberger“ posieren für ein Selfie
Ein Selfie mit dem Busunternehmer „Der Zwingenberger“ und der Bloggerin von Reisepunsch

Wegen der Corona-Krise ist sein komplettes Sommergeschäft geplatzt, in dem er das Geld für das ganze Jahr verdient hätte. Sein hauptsächliches Reiseklientel zählt zu den besonders gefährdeten Personen, so ist eine Planung für 2021 nur schwer möglich. So wenige Busunternehmen bieten hochbetagten Gästen noch die Möglichkeit zu reisen. Nur wenige Busunternehmer haben überhaupt einen Lift im Bus. Und die Erfahrung, die Johannes Fischer und seine Fahrer über die Jahre gerade mit Rollstuhlfahrern und Senioren gesammelt haben, haben nur wenige Reisebusunternehmen. Es wäre so ungeheuer schade, wenn „Der Zwingenberger“ und das Reisen von Hochbetagten und Rollstuhlfahrern mit Corona keine Zukunft mehr hätte. Ich wünsche Johannes, der zur Zeit als LKW Fahrer einen Arbeitsplatz gefunden hat, das Allerbeste und einen Fortbestand des Unternehmens.

Ein Wanderwegweiser mit Aufschriften
Der Nibelungensteig ist ab dem Bahnhof ausgeschildert

Johannes macht mit mir eine kleine Stadtführung aus erster Hand, ist er doch seit seiner Geburt hier verwurzelt. So erklärt er mir, dass außerhalb der Stadtmauer die Scheunen (im hessischen Scheuer genannt) lagen, wohl wegen der Brandgefahr, die z.B. von gelagertem Heu ausgeht. In den letzten hundert Jahren wurden diese zu Wohnhäusern umgebaut und die Gasse weißt mit ihrem Namen noch auf den Ursprung hin.

Eine Fachwerkhausstraße, im Hintergrund ein hoher Mittelgebirgsgipfel mit einem Sendemast
Über der Scheuergasse mit ihren Fachwerkhäusern thront der Melibokus, der von Zwingenberg aus zuerst bewältigt werden muss.

Am Ende der Scheuergasse, momentan in der Baustelle der B3, der Bergstraße, steht eine Skulptur.

Eine Bronzefigur eines Mannes mit einem angeleinten Schaf
Dem Buchdrucker und Herausgeber des Bergsträßer Boten, Max Teichmann, ist mit einer Bronzefigur ein Denkmal gesetzt. Das Schaf ist die „Bezahlung“ eines Kunden.

Gegenüber ist die Bäckerei Germann, in dem Du den ersten Stempel in Deinen Wanderpass bekommen kannst und Johannes und ich einen Kaffee trinken. Vom  Stadtrundgang zeige ich Dir hier nur einige der Besonderheiten des 7000 Einwohner zählenden Städtchens.

Links die Stadtmauer mit aufgebauten Häusern, rechts ein Spazierweg
Wir beginnen den Altstadtrundgang mit dem Spaziergang entlang der Stadtmauer
Eine aus mehreren Teilen bestehende Skulptur, mit Masken und Speeren steht vor dem ehemaligen Amtsgericht
Leider gibt es keinen Hinweis an der Skulptur, ob sie bereits etwas mit der Nibelungensage zu tun hat, oder mit dem ehemaligen Amtsgericht dahinter
Über den Fachwerkhäuser auf dem mit Bäumen bestandenen Marktplatz steht die Bergkirche
Über den Marktplatz hinweg schaue ich hinauf zur Bergkirche
Rampen und Stufen führen zur Bogentür des alten Rathauses mit einem Glockenturm
Das alte Rathaus hat einen Turm mit einem Glockenspiel
Das alten Schloss hat einen gemauerten Wohnturm, mit einem Fachwerkanbau
Im alten Schloss befindet sich heute Rathaus und Bürgerbüro
Ein Sandsteinsockel hat ein Löwenmaul, aus dem Wasser in einen Brunnenschale läuft
Der Löwenbrunnen auf dem Löwenplatz trägt das Wappen von Zwingenberg, den hessischen Löwen mit drei Wasserlilien
Von der Ummauerung der Bergkirche geht der Blick über die Dächer der Altstadt in die Rheinebene
Die Bergkirche ist ein Aussichtspunkt mit Blick in die Rheinebene. Wer da nicht an das Göttliche glaubt, wenn er die Kirche besucht??
Ein alter Stadtturm ist hinter einer Grünanlage mit Sitzgelegenheiten
Vor dem einzig erhaltenen Stadtturm, Aul genannt, ist ein Treffpunkt in der Grünanlage
Eine Skulptur aus einem rostigen N und Edelstahlfiguren die Kriemhild und Siegfried darstellen
Der Beginn des Nibelungensteigs ist seit Sommer 2020 mit dieser Skulptur gekennzeichnet

Rechts im Bild ist ein Trinkwasserbrunnen, in dem die Trinkflasche nochmal aufgefüllt werden könnte. Links daneben eine Landkarte mit einem Überblick über die Gesamtlänge und Etappen des Nibelungensteigs und darunter der Wegweiser hinauf zum Melibokus.

Die Vorsitzende des Förderkreises „Kunst und Kultur Zwingenberg“, die Künstlerin Ulrike Fried-Heufel, hat die Skulptur entworfen, das vom Metallbauer Rudolf Müller umgesetzt wurde. Auf einem rostroten „N“ aus Cortenstahl sind die aus Edelstahl gefertigten Silhouetten von Siegfried und Kriemhild, den Hauptfiguren der Nibelungensage aufgebracht. Diese beiden und andere Figuren und Begebenheiten der Nibelungensage werden mich auf der gesamten Wanderung begleiten.

Melibokus, erster Odenwaldgipfel auf dem Nibelungensteig

„Wenn Du erst mal am Steinbruch bist, hast Du das Steilste hinter Dir,“ verabschiedet mich Johannes. Äußerst fröhlich gestimmt mache ich mich auf den Weg. Besser gesagt, die Asphaltstraße hinauf.

Der ehemalige Steinbruch ist an manchen Abbruchkanten bereits mit Gebüsch bewachsen
Der ehemalige Steinbruch ist erreicht, nun geht es nach rechts um die Kurve etwas weniger steil weiter
Weinreben hängen voll mit reifen Trauben
Bergsträßer Wein wird auf etwa 450 ha angebaut. Die Zwingenberger Einzellagen „Alte Burg“ und „Steingeröll“ sind in die Großlage Auerbacher Rott integriert

Ich verweile mich noch beim Schauen in die Ebene. nach Süden nach Bensheim, Heppenheim und Weinheim, fast bis Heidelberg. Über Mannheim, Ludwigshafen und Frankental rüber zur Pfalz, die im Dunst nur zu erahnen ist. So wunderschön ist die Aussicht, dass ich wegträume, meinen Gedanken nachhänge. Nun muss ich mich sputen. Es ist bereits halb 12 und es liegen noch über 25 km vor mir, und etliche Höhenmeter!

Einige Felssteine schauen aus dem Waldboden, Buchen wachsen darauf
Der Gipfelaufbau des Melibokus ist recht felsig
Ein schmaler Pfad im Buchenwald wird schon von welken Blättern teils verdeckt
Es ist zwar Herbst, aber die welken Blätter sind dem trockenen Sommer geschuldet

An der höchsten Stelle des Weges angekommen, folge ich nicht meiner Markierung nach rechts, sondern gehe erst nach links. Zum Gipfel des Melibokus mit seinem Turm, um die Aussicht in die Rheinebene nach Westen, Süden und Norden ein letztes Mal zu genießen..

Ein runder Ruinenturm erhebt sich aus herbstfarbenem Wald, dahinter die Häuser von Hähnlein
Direkt rechts unter mir ist das Hähnleiner Schloss mit dem Ort (Alsbach)-Hähnlein
Über die Absprungschanze der Gleitschirmflieger geht der Blick nach Rheinhessen und in den Taunus
Über die Absprungschanze der Gleitschirmflieger geht der Blick nach Rheinhessen (eher links) und in den Taunus (mittig im Dunst)
Ein Turm vom Fuß bis in den Himmel fotografiert, Der Turm hat ein überkragendes Dach und eine Beschilderung am Turm
Der Turm ist wegen Corona nicht begehbar – aber er hätte sowieso am Donnerstag geschlossen, schade

Mit meiner Markierung, dem roten „N“ auf weißem Grund,  geht es nun nur leicht bergab und dann auf der Höhe, in leichten Wellen und schönen Aussichten weiter.

Über die hügelige Landschaft mit abgemähten Wiesen geht der Blick zu weit hinten liegenden Bergkuppen
Die Höhen im Hintergrund liegen in denn nächsten Tagen auf meinem Weg

Ohlyturm und Felsenmeer

Kurz nachdem ich wieder im Wald bin, taucht der Ohlyturm vor mir auf. Mein Magen knurrt, in der Nähe des Ohlyturms war früher eine Gaststätte, erinnere ich mich.

Ein aus Granit erbauter Steinturm steht in einem Buchenwald
Der 1900/1901 erbaute Turm aus Latertaler Granit ist nach dem Darmstädter Bürgermeister Albrecht Ohly benannt. Leider ist der 27m hohe Turm nicht zugänglich. Er würde einen Ausblick nach Westen auf Donnersberg und Pfalz ermöglichen, nach Norden über die Skyline von Frankfurt in den Taunus und zum Katzenbuckel im Südosten

Leider ist die Gaststätte erst ab 17 Uhr geöffnet. Um diese Uhrzeit möchte ich eigentlich schon am Ziel sein. Ich tauche ab ins Felsenmeer, das ich schon seit meiner Kindheit immer wieder besucht habe.

Ein als Säule behauener Stein liegt auf dem Waldboden
Im 4. Jahrhundert n. Chr. haben die Römer diese Säule bearbeitet. Es gibt zwar Erklärungen, wie diese Werkstücke von der Höhe zu den Bauwerken, irgendwo am Rhein geschafft wurden – für mich ist das dennoch immer wieder eine technische Meisterleistung und ein Wunder
Das Felsenmeer zieht sich mit seinen Felsblöcken von der Ebene hinauf
Wie oft ich hier als Kind und später mit meinen Kindern bereits herumgeklettert bin? Heute wandere ich nur durch das Felsenmeer hindurch
ABU Eine Erklärungstafel beschreibt die Entstehung des Felsenmeeres
Ich bin beeindruckt von der Tafel, die die Entstehung des Felsenmeeres sehr verständlich erklärt

Seit einigen Jahren informiert am Fuß des Felsenmeers ein Info-Zentrum über den Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, die Gemeinde Lautertal und das Felsenmeer.

Das Informationszentrum ist außen mit Holz und Steinplatten der Region verkleidet
Das Felsenmeer-Informationszentrum ist Mittwoch bis Freitag von 13.00-17.00 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.00-17.00 Uhr geöffnet

Ich esse in der naheliegenden Gaststätte zu (Nach-)Mittag und wandere weiter in die Ortsmitte.

Auf einem Platz steht eine Skulptur, die Hagen von Tronje aus der Nibelungensage darstellt
In Reichenbach steht an der vielbefahrenen Kreuzung die Skulptur „Grimmiger Kämpe Hagen“ und im Hintergrund der Pranger der Gemeinde. Er ist heute zum Glück nicht mehr in Gebrauch

Hagen von Tronje war ein Edelmann. Dem Burgunderkönig Gunter, der in Worms residierte, war er treuer Vasall. In der Nibelungensage spielt er eine tragische Rolle, da er aus Ehrerbietung seiner Herrin gegenüber den Mord an Siegfried begeht.

In Reichenbach muss ich des Öfteren meine Markierung suchen. Beim Weg aus Reichenbach hinauf zum Hohenstein verlaufe ich mich und erreiche mit einem kleinen Umweg den Hohenstein. An manchen Stellen würde ich mir auf dem Nibelungensteig hüfthohe Pfosten wünschen, die ich schlechter übersehen würde, als die kleinen Aufkleber an den runden Straßenschilderpfosten. Mir fällt unterwegs auch immer wieder auf, dass zwar vor einer Kreuzung Markierungen mit Miniaturpfeilen die Richtung nach der Kreuzung anzeigen, aber direkt nach dem Abzweig keine Markierung angebracht ist. Andere Wandermarkierungen dagegen schon. Nur die des Nibelungensteigs ist manchmal 50 bis 100 m später erst an einem Baum angebracht. Manchmal verdeckt von Blättern. Das finde ich sehr verwirrend.

Hohenstein und Ausblicke

Kletterer machen sich fertig um an den Felsen des Hohenstein zu klettern
Eine Gruppe von Übungsleitern und Kindern zieht sich am Hohenstein die Gurte an um zu Klettern. Hier bin ich vor vielen Jahren mal eine Siebener-Route im Nachstieg geklettert 😉
Holzstapel stehen am Rande einer Birkenallee
Der Weg geht durch eine Birkenallee, mit wohltuend sandigem Untergrund, weiter zum Hofgut Hohenstein
Über einen kleinen Teil geht der Blick über sanfte Hügel bis zum Melibokus
Vom Hofgut Hohenstein geht der Blick zurück zum Melibokus

Nun geht es wieder bergauf, hinauf zum Knodener Kopf. Da ich weiß, dass ich auch noch über den Krehberg muss, versuche ich, das Tempo zu beschleunigen. Da ich aber mit zu wenig Kondition unterwegs bin, ist das schwierig. Anders formuliert, ich habe zu viel Gepäck für meine schlechte Kondition, denn diese Etappe des Nibelungensteigs ist mit 27 km sehr weit und mit 1.140 m im Aufstieg und 980 m im Abstieg außerdem Kräftezehrend.

Ein geschotterter Forstweg schlängelt sich durch den Wald
Über 50% des Nibelungensteigs gehen über solche Forstwege, also auf hartem Untergrund. Meist kleiner Schotter, manchmal richtig Großschottrig, teilweise von Fahrzeugen sehr rund gefahren. Dieser Weg führt mich hinauf zum Knodener Kopf

Meine leichten Trekkingschuhe haben sich auf dem Weinsteig in der Pfalz bewährt, der meist über Waldpfade führt, die nachfedern. Der harte Untergrund von etwa 80% des Nibelungensteigs, bestehend aus Schotterforstwege, Asphalt und, aufgrund der Trockenheit harten Waldwegen, sind für meine Füße in den leichten Trekkingschuhen leider der Horror. Für den Nibelungensteig wären Bergwanderschuhe die richtige Wahl gewesen. Aber die stehen zuhause, seufz!

In den Aufstiegen stehen selten Rastbänke, es gibt keine Baumstämme oder Felsen, auf denen ich mich mal ausruhen könnte. Erst auf dem felsigen und bewaldeten Gipfel des Knodener Kopfes laden mich einige Felsen zu einer kurzen Rast ein.

Einige Alpakas weiden auf einer Wiese
Kurz vor Schannenbach stehen einige Alpakas auf einer Weide. Leider bin ich kein Alpakaflüsterer, sonst würde ich mich von einem weitertragen lassen…
Über eine vertrocknete Wiese geht der Blick in die Ferne bis in die Pfalz. Die Sonne steht bereits kurz über dem Horizont
Der Dunst hat sich etwas gelegt. So kann ich von Schannenbach aus bei einem Blick nach Westen die Pfalz in der Ferne erahnen

Bald geht die Sonne unter und ich bin noch nicht am Ziel

Mittlerweile ist es 18 Uhr. Ich rufe beim Campingplatz an, bis wann ich spätestens kommen muss, um einen Platz zugewiesen zu bekommen. Alternativ scheint es nämlich in Schannenbach einen Gasthof und eine Pension zu geben…. Ich kann jederzeit kommen, ist die Antwort. Nun denn, auf zum letzten Abschnitt heute. Ich packe all mein mentales Können aus, um mich für die letzten vier, fünf Kilometern zu motivieren. Und es geht nochmal hinauf, denn einer der höchsten Berge des Odenwalds, der Krehberg, muss noch überwunden werden. An seinem östlichen Fuß liegt Schlierbach und der Campingplatz. Nach langem Anstieg erreiche ich eine Rasthütte.

Eine Rasthütte aus Holz steht auf Felsen im Wald
Die Rasthütte Mathildenruh steht beinahe auf dem Gipfel des Krehbergs, mit 576 m Höhe

Gegenüber der Hütte geht es nun lange und teils ziemlich steil bergab, immer weiter ins Tal. Aber auch das geht bei mir heute nicht mehr leichtfüßig, sondern quälend langsam. Ich denke beim Hinabschleichen an Hape Kerkeling und sein Buch: „Ich bin dann mal weg“. Darin beschreibt er die ersten Tage seiner Wanderung auf dem Jakobsweg so, wie ich meine erste Etappe heute erlebe. Als ich das Buch las, durchtrainiert und konditionsstark, konnte ich seine Erschöpfungsbeschreibung nicht nachvollziehen. Heute schon und so entschuldige ich mich bei Hape. Ich habe mich einfach überschätzt! Wir haben während unserer langen Baltikum Reise in diesem Corona Sommer zwar einige Wanderungen und Radtouren gemacht. Aber zum Konditionsaufbau für den Nibelungensteig hat das bei Weitem nicht gereicht. Und einen schweren Rucksack habe ich zum letzten Mal im Mai, bei meiner Trekkingtour mit meinem Neffen getragen, und das ist vier Monate her. Trotzdem freue ich mich am Anblick der Aussicht an der nächsten Rasthütte.

Der Blick geht nach Osten über die Höhen der nächsten Etappen
Von der Rasthütte Elisabethruhe habe ich einen Ausblick nach Osten über die Höhen der nächsten Etappen des Nibelungensteigs

Auf einem ausgewaschenen Pfad, der knochentrocken und hart ist und sehr steil bergab führt, und üblicherweise zu meinen Lieblingsbergabgehwegen zählen würde, quäle ich mich immer weiter ins Tal. Endlich öffnet sich der Blick kurz auf den Ort. Kurze Zeit später passiere ich die Kneippanlage in Schlierbach.

Auf Terrassen stehen auf einem Campingplatz Wohnwagen
Mein Tagesziel ist endlich in Sicht. Der Terrassen-Camping-Platz in Schlierbach, darüber die Burg Lindenfels, links Häuser des Städtchen Lindenfels
Eine Kneippanlage mit Wassertretbecken in einem Waldstück
Wäre es nicht so spät und das Wassertretbecken nicht so veralgt, wäre die Kneippanlage eine Wohltat für meine Füße

Endlich am Campingplatz

Ich klingele den Besitzer, Ralf Bauer, aus seinem wohlverdienten Feierabend, als ich um 19.40 Uhr endlich am Campingplatz ankomme. Er ist nett und zuvorkommend und verhilft mir zuerst zu einem Bier, einem Flens, was aber nicht recht „ploppen“ will beim Aufmachen. Nachdem ich den Meldezettel ausgefüllt habe, fragt er, ob ich einen Hammer für die Heringe dabei habe, denn der Boden sei sehr trocken. „Nee, einen Hammer hammer nich“, antworte ich grinsend. Er reicht mir einen dicken Fäustel und gibt mir einen weichen Wiesenplatz in nähest möglicher Nähe zum Sanitärgebäude. Ich buckle meinen Rucksack ein letztes Mal, nehme den Hammer, meine Bierflasche und noch eine zweite, und humpele über den Weg zu meinem Platz.

Das Zelt ist direkt zuoberst im Rucksack und schnell aus der Hülle. Ich lege es aus, große Tür Richtung Toilette, und spanne die vier Ecken mit den Heringen ab. Nun hämmere ich zwei Heringe etwa einen Meter von den beiden Eingängen in den Boden. Ich schiebe erst am flacheren Zeltende einen Trekkingstock mit seinem Handgriff in die Dachspitze und spanne diese dann am eingeschlagenen Hering ab. Ich richte mich langsam auf, den mein Körper schmerzt, und nehme den nächsten Stock, mit dem ich am „Haupteingang“ das gleiche mache. Ich spanne die Zeltseiten noch ab und mit wenigen Handgriffen ist die Matte im Zelt, Ventil aufgedreht, Schlafsack drauf, Rucksack rein, und die Dinge so sortiert, wie ich sie in den nächsten Minuten benötige.

Ein Steilwandzelt steht in der Abenddämmerung
Im letzten Licht stelle ich mein Zelt auf, leider ist das Bild verwackelt. Doch Du kannst erkennen, dass meine Trekkingstöcke das Zeltgestänge bilden

Waschbeutel in die Hand und meinen Wollschlafanzug, Teva-Sandalen an die Füße und ab in die Dusche. Ich lasse lange das Wasser laufen. Auf Füße und Beine abwechselnd heiß und kalt. Ich reibe Oberschenkel und Waden und die Schultern noch mit Franzbrandwein ein und wasche mir danach gründlich die Hände, putze die Zähne und humpele Richtung Zelt. Im Sitzen schaue ich meine Fußsohlen an. Die linke hat unter dem Ballen eine dicke Blase! Na bravo! Ich hole ein Blasenpflaster aus meinem erste Hilfe Päckchen, reibe es warm und mache dasselbe mit meinem Fuß. Vorsichtig klebe ich das Pflaster gründlich auf und drücke es am Rand gut fest. Ich ziehe meine dünnen Baumwollsocken darüber, damit ich es nicht in den Schlafsack strampele. So, alles soweit erledigt! Zeit für mein zweites Flens. Sollte doch möglich sein, es mit einem Plopp zu öffnen! Aber: sieh selbst…

Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Und das habe ich nach dem ersten Schreck getan. Ich habe ungeheuer schlecht geschlafen in dieser Nacht. Mein Körper war zu erschöpft, Krämpfe in den Beinen haben mich geplagt. Irgendwann bin ich doch eingeschlafen und erst gegen 8 Uhr am nächsten Tag aufgewacht.

Eine Kurzfassung der ersten Etappe kannst Du auf meinem YouTube-Kanal anschauen.

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Mein Fazit meiner ersten Etappe

Mit Wanderschuhen und leichterem Rucksack wäre die Etappe für mich wesentlich weniger anstrengend gewesen. Für Wanderer, die die Gegend überhaupt nicht kennen, ist diese Etappe zu lange. In Zwingenberg lohnt der Stadtrundgang, auf den Gipfeln die Aussicht und das Felsenmeer sollte kletternd erforscht werden. Wer die Gegend kennen lernen möchte, sollte aus meiner 1. Etappe seine erste und zweite Etappe machen. In Reichenbach gibt es unterschiedliche Unterkünfte. So lässt sich die Wanderung, mit ihren vielfältigen Erlebnis-Angeboten unterwegs, mit Genuss erleben. Und Genuss am Natur- und Kulturerlebnis sollte die Hauptmotivation einer solchen Fernwanderung sein. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

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Nationalpark Alataguse – Wanderung Kurtna

Nationalpark Alataguse – Wanderung Kurtna

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Der Alutaguse Nationalpark ist unser vorletzter in Estland, den wir besuchen werden. Er ist auch der „jüngste“ Nationalpark Estlands und wurde 2018 erst eingerichtet. Die Landschaft wird durch Moor und Sumpf geprägt und im Norden durch den Abbau von Ölschiefer. Das Moor wurde über viele Jahrhunderte von den Menschen genutzt, die Renaturierung ist in vollem Gange.

Lage des Nationalparks

Der Nationalpark Alutaguse liegt im Nordosten Estlands und grenzt an Russland. Die Stadt Jōhvi bildet die nördliche Grenze des Nationalparks. Südlich und westlich der Stadt liegen die Abbaugebiete für Ölschiefer. Hohe Abraumhalden türmen sich in der Landschaft auf. Für die Weiterverarbeitung des Ölschiefers, der auf bis zu 530 ° Celsius erhitzt wird, benötigte es viel Energie. Diese lieferte der Torf des Moorgebiets südlich der Stadt. Seit Errichtung des Nationalparks, wird der Rückbau und die Renaturierung der Moorlandschaft vorangetrieben. Einige der alten Abbau-Anlagen sehen wir bei unserer Wanderung.

Der überwiegende Bevölkerungsanteil in dieser Gegend sind Russen. Teils, da sie in der Ölschieferverarbeitung arbeiten. Aber ein hoher Prozentsatz sind sogenannte Altgläubige. Im 17. Jahrhundert erwirkte die russisch-orthodoxe Kirche einige Reformen, die von den Altgläubigen nicht anerkannt wurden. Sie wurden daher mit Gewalt, Folter und Tod bedroht und flüchteten in die Gegend nördlich des Peipsi Sees in Estland und nach Polen. Daher ist diese estnische Gegend von der Kultur dieser Glaubensgemeinschaft geprägt.

Wir haben uns im Alutaguse Nationalpark die Wanderung Kurtna ausgesucht, die uns in eine Landschaft mit der höchsten Seendichte in Estland führt, was dem Moorabbau geschuldet ist.

Aufzeichnung der Wandertour auf Komoot

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Wanderung entlang der Seen

Am Parkplatz ist – wie bei allen Wanderungen in Nationalparks in Estland – eine Infotafel aufgestellt. Die Wanderung und die Landschaft ist auf Estnisch beschrieben, eine kleine Erläuterung auf Englisch ist auch vorhanden. Sogar einen QR-Code könnte man herunterladen. Ich habe zwischen meine Bilder der Wanderung nur einige kurze Textzeilen eingefügt – so kannst Du mit den Bildern in die Natur „eintauchen“.

Auf einer Tafel ist der Wegverlauf der Wanderung abgebildet
Wir haben von dem Wegverlauf die untere Runde der Acht vor

Wir folgen der Beschilderung einen sehr sandigen Pfad entlang zum ersten See – auf Estnisch Järv. Wir dachten eigentlich, jetzt, nachdem wir von der Ostsee Abschied genommen haben, wäre das Sandwandern vorbei. Aber falsch gedacht, noch sind wir auf uralten Dünen unterwegs, wie wir unterwegs lernen werden. Nach etwa 150 m ist ein Toilettenhäuschen. Zwar – wie immer – nur eine Trockentoilette, aber wieder sauber und mit Toilettenpapier versehen.

Eine Holzhütte mit Toiletten steht rechts eines Waldweges
Wie immer bei RMK Wanderungen vorbildlich – zwischen Parkplatz und Grillplatz eine Toilette

Schon gleich darauf kommen wir an den Nōmmejärv, mit Infotafel, Mülleimern und einem kleinen Sandstrand.

An einem Seeufer stehen Grills und Picknickgelegenheiten
Am Seeufer des Nōmmejärv ist ein Picknick- und Grillplatz

Die Markierungen leiten und nach Norden, erst am Ostrand des Sees entlang und dann nach Westen.

Eine Brücke führt über einen Bachlauf im Wald
Die Brücke führt uns über den Ablauf des Nōmmejärv und geht als Bohlenweg weiter
Ein moorigbrauner Fluss
Von den ehemaligen Nutzungen des Moores steht noch ein Betonbecken im Flüsschen
Ein Bohlenweg führt durch lichten Wald
Der Bohlenweg führt über die sumpfigen Stellen. Hasendraht auf den Bohlen verhindert das Ausrutschen des Wanderers bei Nässe

Der Wald ist ein bunter Mischwald, mit Bäumen und Pflanzen, die auf dem feuchten Moor- und Sumpfuntergrund zurechtkommen.

Auf einer kleinen Lichtung stehen Unmengen grauer Pilze
Die Pilze haben wohl eine Versammlung – oder wachsen sie eher deswegen, weil es nun endlich mal zwei Tage Niederschlag gegeben hat?

Ich bin erstaunt über die Tafel am Nordufer des Nōmmejärv. Nach jedem Gehkilometer steht eine solche Tafel, denn der Fernwanderweg läuft einige Kilometer parallel zu unserem Wanderweg.

Ein Wanderschild für den Fernwanderweg
Am nördlichen Ufer des Nōmmejärv ist der Entfernungswegweiser für den Fernwanderweg von Penijōe nach Kauksi mit einer Gesamtlänge von 615 km

Das der Sommer in Estland sich dem Ende zuneigt, merken wir hauptsächlich daran, dass die Beerensträucher voller Heidel- und Preiselbeeren hängen und ihre Blätter rot färben. Und dass nur noch sehr wenige Blumen blühen.

Eine violette Blüte
Jetzt im Herbst blühen nur wenige Pflanzen, so wie diese hier, deren Name ich nicht kenne

Nach einem kurzen Schlenker erreichen wir den nächsten See und beim Umrunden finden wir eine Libelle, die sich vom wilden Hin- und Herfliegen ausruhen muss.

Ein See mit einem Sandstrand und einer Schilfinsel
Der Mustjärv hat einen flachen Sandstrand
Eine dunkle Libelle hält sich an einem Grashalm fest
Diese dunkle schillernde Libelle hat sich hingesetzt um fotografiert zu werden

Wenige Schritte von der Libelle entfernt steht eine Blume im hohen Gras.

Eine weiße Blüte über dem Gras
Diese weiße Blüte ist wunderschön gezeichnet – der Name ist mir leider nicht bekannt

Der nächste See ist schnell erreicht, denn der Mustjärv ist sehr klein. Am Ufer finde ich die nächste Blühpflanze.

Am anderen Seeufer steht ein Haus
Am anderen Ufer des Niinsaarejärv steht ein Haus
Eine violette Blüte mit einer gelben Lippe
Komplementärfarben an einer Blüte – wie schön – leider kenne ich die Pflanze nicht

Alle Seen wurden ehemals durch Gräben entwässert, um Torf abstechen zu können. Die Wanderwegbauer haben diese Gräben gangbar gemacht.

In einem ehemaligen Entwässerungsgraben lieben Baumstämme, um Wanderern das Queren zu ermöglichen
Die ehemaligen Entwässerungsgräben des Moores wurden am Wanderweg mit Baumstämmen „aufgefüllt“ um die Querung zu erleichtern

Dünenlandschaft

Wir gehen nun immer bergauf. Eine uralte Düne aus alter erdgeschichtlicher Zeit bewirkt das. Oben auf der Höhe ist der Wald völlig anders gestaltet als bisher.

Eine bemooste Birke im Farnwald, dazwischen der Weg
Die bemooste Birke, der Farnwald, die Landschaft hat sich während der Tour mal wieder gewandelt
An einem Baum sind blaue und grün weiße Striche als Markierung
Hier schlängelt sich der Weg als schmaler Pfad steil bergab. Die Wandermarkierungen sind am Baum deutlich zu erkennen

Nach dem Bergab, dass sich länger auf schmalem Pfad hinschlängelt, erreichen wir den kleinsten See. An einem Baum oberhalb des Sees sucht jemand Nahrung.

Ein See liegt in der Sonne, Birken stehen am Rand
Der Laugasjärv ist der nächste See, den die Route passiert
Ein Buntsprecht hämmert an einem Baum
Der Buntsprecht lässt sich durch sein Klopfen lokalisieren

Schon gleich erreichen wir die nächste Düne, die uns, die wir mitten im Wald wandern, nur auffällt, weil wir bergauf gehen müssen.

Ein Wanderer geht einen Pfad im Wald bergauf
Wieder führt uns der Wanderpfad auf eine uralte Düne hinauf

Von der Düne hinab schauen wir auf einen See, der gleich zwei Namen trägt. Wir berühren ihn nur an seinem Südende, denn unser Weg biegt hier nach Osten ab.

Ein See liegt unterhalb eines Fichtenwalds
Den Suurjärv erreicht man bergab über ein steiles Ufer. Er zieht sich weit nach hinten und wird dabei immer breiter

Beerenpflücker

Wir gehen nun auf bequemen breiten Waldwegen weiter und queren die Schotterstraße, die zu den vereinzelt liegenden Häusern führt. Wir beginnen an einer Stelle unsere Dosen mit reifen Preiselbeeren zu füllen. Da uns die Stelle nicht sehr ergiebig erscheint, gehen wir weiter. Nur, danach finden wir keine weitere Stelle mehr, denn heute sind viele Fahrzeuge unterwegs und die Beerensammler im Wald aktiv. Ein Foto von Beerenpflückern aus den 1920er Jahren ist sogar im Begleitheft des Nationalparks abgedruckt. Somit ist das eine alte Tradition. Schön, dass die heute noch gelebt wird. Wieder geht unser Weg zu einem Seeufer hinab.

Wir ändern die Wegrichtung nun nach Süden und sind bereits wieder auf dem Weg zum Wohnmobil.

Auf einem See schwimmen einige Enten
Auf dem Haugjärv schwimmen einige Enten – die ersten Wasservögel auf den Seen, die wir erblicken

Nach dem Haugjärv sind wir vom  Beeren suchen – und nicht finden – so abgelenkt, dass wir den falschen Weg erwischen und uns durch den Wald nach links wieder zum Weg zurück arbeiten. Aber die Beerensucher waren schon überall, nichts mehr zu finden. Aber der Särgjärv liegt wunderschön vor uns und ist mit Seerosen gespickt.

Die Bloggerin steht am Haugjärv
Ich versuche am Särgjärv die wirklich großen, fast goldenen Libellen zu fotografieren – aber die fliegen zu schnell für mich
Im mit Seerosen gespickten See spiegeln sich die Wolken und der Wald
Über dem Wald am Särgjärv türmen sich dicke Wattewolken auf

Wir wandern am breiten Konsu-Kanal entlang bis zur Schotterstraße, der wir noch 600 m bis zum Parkplatz nach Süden folgen müssen. In den vorbeifahrenden Autos sehen wir die Körbe mit Preiselbeeren und strahlende Gesichter.

Das war eine interessante Wanderung. Wie immer war die Beschilderung, die Markierung und die Wegführung sehr gut angelegt. Teils mit Rindenmulch und teils mit Bohlenwegen, die die empfindliche Natur des sich wieder etablierenden Moores vor den harten Tritten der Wanderer schützen. Normale Waldwege und Heidewald befinden sich zwischen den Moor- und Dünenstellen. Eine abwechslungsreiche, eine schöne Wanderung, die ich Dir gerne empfehle – auch die etwas weitere Runde, bei der Du noch drei weitere Seen passierst.

Kloster Kuremäe

Auf unserer Fahrt zum Peipsi Järv, der siebenmal größer ist als der Bodensee, halten wir noch kurz am Nonnenkloster Kuremäe. Heute allerdings sind im Kirchenraum viele Menschen mit Saubermachen beschäftigt, so das wir von einer Innenbesichtigung der Kirche Abstand nehmen müssen. Einige wenige Eindrücke von Außen anhand der nachfolgenden Bilder kann ich Dir aber geben.

Ein Torhaus mit einem Zwiebelturm
Das Tor des Nonnenklosters ist von einer hohen Mauer umgeben. Das Torhaus hat ein sehr steiles Dach mit einem kleinen Zweibeltürmchen
Hinter einem mit roten Blüten bepflanzen Rondell erhebt sich ein hohes Torhaus
Das Tor des Klosters von Innen
Der Grundriss der Kirche ist quadratisch, mit einem Vorbau
Der Grundriss der Kirche ist quadratisch, mit einem Vorbau für die Eingangstüren
Ein Beet mit kleinen Buchspflanzen, die Name und Erbauungsjahr des Klosters preisgeben
Das Kloster Kuremäe wurde 1891 gegründet

Ein schöner Abschluss des Wandertages war der, wenn auch nur kurze, Besuch an den Klostergebäuden dennoch.

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Soomaa Nationalpark

Soomaa Nationalpark

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Der Soomaa Nationalpark liegt im Südwesten Estlands. Der übersetzte Name Soomaa bedeutet Sumpfland, Moorland. Wir wollen dort einige Wanderungen machen und diese besondere Landschaft genießen. Im Naturparkzentrum informieren wir uns und erhalten deutsche Beschreibungen und Wanderkarten.

Nationalpark Soomaa

Da der Name Soomaa Sumpf bedeutet, ist es nicht verwunderlich, dass ein großer Teil des Gebietes „unsicheren“ Boden hat. So steht es in einer Beschreibung des Nationalsparks. Das Gebiet des1993 gegründeten Nationalparks umfasst 396 m². In Teilen davon wohnen Menschen und bewirtschaften die Landschaft. Der größte Teil ist aber unbewohnt und die Natur in den Hochmooren ist intakt. Das besondere an Soomaa ist die sogenannte fünfte Jahreszeit. Im Frühjahr, nach der Schneeschmelze stehen 175 km² unter Wasser. Das höchste Hochwasser sei langem war im Mai 2011, wie Du später auf den Bildern beim Ingatsi-Wanderweg sehen kannst. Tõnu von Metste Talu hatte uns erzählt, dass die Landwirte früher Kräne in den Ställen hatte, um die Kühe während der Überflutung im oberen Stockwerks des Stalles unterzubringen. Die Landschaft ist vielfältig und beeindruckend. Auwälder, Moor- und Talsohlewälder, Au- und Gehölzwiesen wechseln sich ab. An den nasstesten Stellen sind Moorkolke oder auch Moorseen. Die Gegend ist von der Forstverwaltung mit Wanderwegen versehen, um den Menschen den Lebensraum Moor und was damit zusammenhängt näher zu bringen. Viele Pflanzen- und Tierarten die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, sind hier heimisch. So hoffen wir auf schöne Entdeckungen.

Das Naturparkzentrum Soomaa

Wir fahren vom Chili-Garten Metste Talu zur Hauptstraße mit der Nummer 92 und folgen ihr bis Köpu, Dort biegen wir mit der Beschilderung Nationalparkzentrum nach links ab und fahren auf der wunderbar gewalzten Schotterstraße bis zu einem Abzweig, an dem es nach rechts noch über einen schlechteren Schotterweg etwa 400 m zum Nationalparkzentrum geht. Der Parkplatz ist auch ein Offizieller RMK Parkplatz der Forstverwaltung, der Übernachtungen erlaubt. Wir sind noch rechtzeitig dran, das Naturparkzentrum hat noch geöffnet.

Ein Haus steht hinter Bäumen
Das Nationalparkzentrum des Soomaa Nationalparks

Im Zentrum werden Seminare angeboten, Mitarbeiter geschult, Schulklassen betreut und Touristen wie wir beraten. Meris, eine junge Frau, gibt uns kompetent Auskunft. Sie rät uns von der Benutzung einer Straße mit unserem Wohnmobil ab, da sie in sehr schlechtem Zustand sei. Da wir nach den Wanderungen in Richtung Pärnu weiterwollen, wählen wir mit ihrer Hilfe drei Wanderungen aus. Die Biberwanderung direkt am Nationalparkzentrum. Eventuell könnten wir die Biberfamilie heute in der Dämmerung auch an ihrem Bau beobachten. Morgen könnten wir den Ingatsi Wanderweg machen, da gäbe es die Möglichkeit, in einem Moorsee zu schwimmen. Wir sollten bis zum hinteren Parkplatz fahren, das wäre mit dem Wohnmobil kein Problem. Wenn wir sehr früh morgen losgingen, könnten wir vielleicht Elche sehen. Derzeit ist es sehr heiß, so dass sich diese tagsüber tief in die Wälder zurückziehen. Auf dem Weg nach Pärnu könnten wir auch noch den Riisa Wanderweg machen, der an den Fluss Navesti jögi führt. Wir danken für die Fürsorge und schauen uns im Treppenhaus noch die Bilder der großen Überschwemmungen 2010 und 2011 an.

Die Wanderungen beschreibe ich Dir hauptsächlich mit Bildern und deren Bildunterschriften.

Biberpfad – Kop Rarada

Der 1,8 km lange Biberpfad führt durch verschiedene Waldtypen. Druch dunklen Fichtenwald, lichten Farn-Bilkenwald und nassen Bruchwald hin zum Mardu Bach, wo sich eine Biberfamilie angesiedelt hat. Interessante Naturobjekte sind mit Tafeln unterwegs erklärt.

Aufzeichnung der Wanderung Biberpfad auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Hier beginnt der Biberpfad, ein Holztorbogen mit einem Steg dahinter
Durch das Tor geht es zur Toilette und zum Biberpfad
Am Anfang des Pfades ist eine geschmitzte Holzfigur eines Biebers vor einem Toilettenhäuschen
Der Biber zeigt Wanderern, wo die Toilette ist, die an keinem Parkplatz oder Wanderwegbeginn in Estland fehlt
Eine Tafel erklärt mit Bildern den Wanderweg Riisa
Am Wanderweg Riisa erklärt eine mit Bildern illustrierte Tafel den Wanderweg
Auf einer Tafel ist der Pflanzenname aufgedruckt
Entlang des Wanderpfads sind Tafeln mit den Pflanzennamen aufgestellt
Auf einer Tafel ist der Pflanzenname aufgedruckt
Wer möchte, kann nicht nur Pflanzennamen sondern auch estnisch lernen
Auf einem mit Hackspänen bedeckten Wanderpfad wachsen Pilze
Die Pilze lassen sich nicht davon beirren, dass der Wanderweg mit Hackspänen bestreut ist
Ein dunkler Bach fließt durch einen Fichtenwald
Anfänglich führt der Wanderweg durch den Fichtenwald, durch den der Mardu Bach fließt
Ein Steg führt über einen Bach, rechts und links stehen Birken
Der Steg führt uns wieder über den Mardu Bach, allerdings im Birkenwald
In einem breiten Bach liegen Stämme uns Äste übereinander für einen Biberbau
Die Biberfamilie hat ihren den Bau quer zum Bach errichtet. Auch in der Abenddämmerung lassen sie sich nicht blicken
Eine Tafel erklärt den Aufbau einer Biberburg
Auf der Tafel in der Nähe des Biberbaus wird der Aufbau erklärt und dass die Hauptfeinde der Biber der Wolf und der Luchs sind. Der Hauptfeind „Mensch“ wird leider nicht erwähnt
Zwischen Baumästen hindurch ist der Bach und der Biberbau zu erahnen
Beim Weitergehen höre ich Geräusche vom Biberbau, den ich durch Äste sogar erspähen kann – aber leider ist das nur ein Enterich, der sich über irgendetwas erzürnt
Am Bachufer sind Birken vom Biber gefällt worden
Am Bachufer sind die Birken zu erkennen, die die Biber gefällt haben. Hinter dem Wald geht die Sonne bereits unter
Durch die Bäume ist die untergehende Sonne zu sehen
Ab und zu blendet mich die untergehende Sonne wie ein Scheinwerfer durch die Bäume – sogar ein Foto klappt
Auf einer Tafel wird erklärt, welche Nahrung der Elch zu sich nimmt
An den Bäumen, die in der Nähe der Tafel stehen, ist zu erkennen, das Elche junge Baumtriebe der Zweige im Frühjahr konsumieren

Mit der letzten Dämmerung treten wir aus dem Wald heraus und genießen eine völlig stille Nacht in der Einsamkeit in unserem Wohnmobil.

Ingatsi Wanderweg – Ingatsi Ōpperada

Der Ingatsi Wanderweg ist 3,6 km lang. Er beginnt in einem Bruchwald bevor er einen Moorhang hochsteigt zu einem Aussichtsturm. Der steht am Beginn des Kuresoo Hochmoors, in dem ein offenes Alpen-Rasenbinsen- und Schwingrasen-Hochmoor vorherrscht. In der Beschreibung steht außerdem: Im Unterwald des Hochmoors wachsen mehrere Zwergsträucher, unter anderem auch der für ostestnische Hochmoore typische Torfgränke. Das Netz von Gewässern formt Schlenken, hunderte von Moorkolken und Moortrichtern, kleine unterirdische Bäche und Bäche, die das Wasser aus dem Moor herausführen. Zu Zeiten des Vogelzugs, meisten sim Herbst, sind die großen, offenen Gebiete und Moorkolkflächen gute Rastplätze für Tausende von durchziehenden Gänsen.

Aufzeichnung der Ingatsi Wanderung auf Komoot

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Über einem mit Büschen bestandenen Fluss steigt der Frühnebel auf
Wir sind sehr früh unterwegs und die Nacht war kalt. So steigt der Nebel über dem Fluss bei der Anfahrt auf
An der Einstiegsstelle für Kanus am Parkplatz geht die Sonne hinter den Bäumen auf
An der Einstiegsstelle für Kanus am Parkplatz geht die Sonne hinter den Bäumen auf
Ein Wohnmobil am Parkplatz, dahinter eine Toilette
An jedem Parkplatz ist eine Toilette! Hier der erste Parkplatz für den Ingatsi Wanderweg
Ein Steg geht über eine feuchte Stelle, an einem Baumstamm sind Markierungen
Über feuchte Stellen ist immer ein Bohlenweg gebaut. Die Markierungen links an der Birke zeigen die Hochwasser an, die der Sumpf im Frühjahr und Herbst haben kann. Das höchste wurde im Mai 2011 gemessen
Die Bloggerin läuft auf einem mit Hackschnitzel bestreuten Wanderweg
Der Wanderweg ist im Wald mit Hackschnitzel bestreut
Ein Fliegenpilz steht im Wald
Der Fliegenpilz sieht wie aus dem Lehrbuch aus
Am Waldrand steht ein Aussichtsturm
Nachdem wir aus dem Bruchwald hinausgetreten sind, steht der Aussichtsturm am Rande des Kuresoo Hochmoores vor uns
Vom Aussichtsturm geht der Blick weit über das Moor hinweg, die Bloggerin geht auf einem Steg, der durch das Moor führt
Ein Steg führt durch das Moor und zu den Moorkolken
Ein Schmetterling sitzt auf einem Holzbrett
Der Schmetterling sonnt sich auf einem Brett des Bohlenweges
Ein Spinnennetz zwischen Grashalmen gespannt, ist von Tau benetzt
Die unterschiedlichen Farben im Moor faszinieren mich. Eine Spinne sammelt den Morgentau in ihrem Netz
Ein dunkler Moorsee, in dem sich Wolken und Himmel spiegeln
Wir passieren mehrere Moorkolke oder Moorseen, in denen sich der Morgenhimmel spiegelt
In einem Moorsee spielen sich die dahinter stehenden Bäume
Die klare Stimmung am Morgen, der ruhige Moorsee und die Spiegelung der Bäume, einfach nur schön
In einem Moorsee spielen sich die dahinter stehenden Bäume
Der gleiche See von der anderen Seite mit Blick zum Wald – eine ganz andere Stimmung
Ein Geländer auf einer Plattform mit einer Öffnung zum Einsteigen in den See
Plattformen mit Bänken stehen an manchen Kolken. Dort ist immer eine Öffnung im Geländer mit einer Holzleiter, um im Moorsee baden zu gehen
Die Bloggerin badet in einem Moorsee
Das Wasser ist durch die vergangen Sonnentage angenehm warm und „weich“ – ein absoluter Genuss, dieses Morgenbad
Unter grünen Blättern sitzt ein grüner Frosch
Wieder zurück im Wald hüpft dieser Frosch über den Weg und „versteckt“ sich in beinahe der Bildmitte
Rote Beeren hängen an Sträuchern
Im Wald wachsen auch diese roten Beeren, die ich leider nicht kenne
Auf einer Tafel wird der Wanderweg und seine Besonderheiten auf Bildern erklärt
Wir kommen am eigentlichen Parkplatz des Wanderwegs an, mit der Tafel, die den Wanderweg wieder Bildreich „erklärt“

Am zweiten Prakplatz angekommen wandern wir etwa 500 m auf der Schotterstraße zu unserem Wohnmobil zurück. Wir Duschen und Frühstücken, bevor wir zum Riisa Wanderweg weiterfahren. Leider waren wir zwar früh, aber der Elch war schon im Wald oder hatte heute keine Lust auf Touristen.

Riisa Wanderweg – Riisa Ōpperada

Der Riisa Wanderweg ist 4,8 km lang und auch wieder ein Lehrpfad. Tafeln über Pflanzen, Tiere oder Zusammenhänge im Moor stehen in der Landschaft oder auf Plattformen. Er führt durch das malerische Riisa Moor und durch die Wälder des Navesti Flusses.

Autos stehen auf einem Parkplatz hinter einem Holzzaun
Der Wanderweg Riisa ist der einzige im Soomaa Nationalpark, der an einer Hauptstraße beginnt. Entsprechend gut ist er von Wanderern frequentiert

In der Wanderwegbeschreibung heißt es: Die Entstehung aller heutigen estnischen Moore begann nach der letzten Eiszeit. Das Riisa-Hochmoor wird allein von Regenwasser gespeist. Die Torfschicht des Hochmoores wächst langsam in die Höhe. Der Wasserspiegel des Hochmoores liegt über dem der umliegenden Gebiete, weswegen Bäche immer aus dem Moor heraus fließen. Den stilen Hochmoorrand nennt man Hochmoorhang. In größeren Hochmooren verteilt sich das Wasser auf kleinere Kleinstgewässer, Moorkolke , die zusammen mit Bulten und Schlenkern die charakteristische Landschaft des Hochmoores ausmachen. Die Pflanzen- und Tierwelt des Hochmoores ist artenarm.

Aufzeichnung der Riisa Wanderung auf Komoot

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Ein hölzernes Toilettenhäuschen steht im Wald
Am Beginn des Wanderwegs ist wie immer in Estland eine Toilette
Eine Pflanzentafel steht im Bewuchs
Anfänglich ist der Riisa Wanderweg auch ein Pflanzenlehrpfad. Zahlreiche Tafeln sind aufgestellt
Der Bohlenweg führt durch niedriges Nadelgehölz
Am Beginn der Wanderung steht am Riisa Naturpfad noch niedriges Nadelgehölz
Ein Wanderweg mit Hackschnitzeln bestreut führt durch einen Nadelwald
Nach kurzer Zeit folgt ein Weg durch den Nadelwald. Die Wege im Soomaa Naturpark sind meist mit Hackschnitzel ausgestreut
Eine Brücke führt über eine manchmal feuchte Vertiefung und geht in einem Bohlenweg über
Da das Gebiet des Soomaa Nationalparks im Frühjahr und Herbst oft überschwemmt ist, sind an manchen, jetzt trockenen Stellen, Brücken. Diese hier geht in einen Bohlenweg über, der uns weiter durch den Wald leitet
Zwei umgestürzte Bäume liegen auf dem Waldboden, die Baumscheiben stehen in die Höhe
Wie flach die Fichten wurzeln ist hier an den Baumscheiben deutlich zu erkennen
Ein Fluss liegt von Gras umgeben in seinem Bett
Der Wanderweg führt uns zum Flüsschen Navesti jögi und einem Picknickplatz. Der Navesti ist einer der wassereichsten Flüsse Estlands und mündet am Ende seines 100 km Flusslaufes in den Pärnu Fluss
Zwei Bohlenwege kreuzen sich vor einer Terrasse an einem See
Als wir aus dem Wald herauswandern und ins Moor kommen, führen manchmal Abzweigungen um einen See
Eine hölzerne Plattform an einem See mit einem Badeeinstieg
Bei dieser Plattform ist eine Bank mit einem Badeeinstieg in den See
Im dunklen Moorwasser steigen Blasen auf, die sich teils auch im grünen Bewuchs fortsetzen
Das das Moor gesund ist zeigt es an dieser Stelle, auch wenn ich das Blubbern eher nicht so mag
Eine blaue Libelle hält sich an einem Grashalm fest
Die blaue Libelle lässt sich an einem Grashalm sehr gut fotografieren
Vor einem Moorsee steht Sumpfgras und blühende Heide
Mit aufmerksamen Augen sehe ich viele Kleinigkeiten, wie die blühende Heide vor dem dunklen Moorsee
Eine blühende weiße Seerose auf einem Moorsee
Mittlerweile steht die Sonne hoch und wärmt, die Seerosen blühen auf und machen weiße Klekse auf die dunklen Seen
Der Moorsee liegt ganz ruhig da, eine Wolke spiegelt sich darin
Die Moorseen liegen beinahe ohne Wellen da, die Wolke spiegelt sich mit nur wenigen Kräuseln
Eine Eidechse klettert von einem Holzbrett
Sogar eine Eidechse sonnt sich auf einem Holzbrett des Bohlenweges und klettert rasch ins Gras der Umgebung, als wir kommen
Blühende Heide und Rostbraunes Moos
Die blühende Heide und das rotbraune Moos deuten darauf hin, dass die Natur schon langsam in den Herbstmodus übergeht
Eine Libelle sitzt auf einem Brett eines Bohlenstegs
Diese Libelle sonnt sich auf dem Bohlenweg
Auf der blühenden Heide sitzt ein kleiner blauer Schmetterling
Der blaue kleine Schmetterling ließ sich nur sehr schwer mit der Kamera einfangen
Ein im verwelken begriffenes Seerosenblatt formt in gelbes Herz
Ein Herzgruß im See – is des net schee – versuchtes Südhessisch, damit es sich reimt
Ein hölzerner Aussichtsturm erhebt sich in der Ferne im Moor
Etwa nach zweidrittel der Wanderung steht der Aussichtsturm
Auf einer Plattform steht eine Bank und eine Tafel, die einige Pflanzen erklärt
Immer wieder passieren wir Plattformen mit Bänken, auf denen sich die Natur genießen lässt. An manchen sind auch Erklärungstafeln installiert
Der Blick vom Aussichtsturm geht über die Moorlandschaft mit dem Bohlenweg
Mein Blick vom Aussichtsturm geht hinüber zum Wald, hinter dem der Parkplatz liegt
Zwei blaue Libellen paaren sich und halten sich dabei an einem Grashalm fest
Beinahe am Ende des Weges entdecke ich noch diese zwei Libellen bei der Paarung
Ein großer Baum ist in eine Plattform integriert und wirft Schatten auf eine Rastbank
Die Rastbank bietet sogar immer einen Schattenplatz. Liebevoll ist der Baumstamm in die Plattform integriert

Meine Meinung zum Soomaa Nationalpark

Der Park ist fantastisch angelegt. Die Parkplätze, die Toiletten und die Wege sind super gepflegt. Mülltonnen stehen überall und werden genutzt. Die Erklärungen sind schlüssig, auch wenn man weder estnisch noch englisch versteht. Die Mitarbeiter helfen gerne und im Naturparkzentrum gibt es neben kompetenten Auskünften auch jede Menge Prospekte und Karten in vielen Sprachen. Ich danke den Verantwortlichen und Mitarbeitern ganz herzlich für die Mühe und Arbeit, die sie in den Park und seine Einrichtungen stecken.

Wir haben die Wanderungen im Soomaa Nationalpark sehr genossen. Am Beginn aller Wanderwege und an anderen Plätzen sind Parkplätze eingerichtet. Immer mit Toilette, sehr oft mit Picknickbänken. Einige haben Wasserstellen und Lagerfeuerplätze und alle sind offen für Übernachtungen. Viele Esten verbringen in den Nationalparks ihre Ferien oder längere Auszeiten, mit Zelt oder Wohnwagen oder Wohnmobil. Unsere Forstverwaltungen könnten von der touristischen Organisation noch einige Dinge lernen. Gerade die Bio-Trenntoiletten, die an jedem Parkplatz aufgestellt und immer sauber sind, mit Toilettenpapier versehen, verhindern, dass rund um die Parkplätze Taschentuchfetzen und „Schei..haufen“ herumliegen und unschön die Natur verschandeln, bzw. einfach zum Himmel stinken.

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Kap Kolka

Kap Kolka

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Das Kap Kolka liegt in Lettlands Westen, am Übergang von Ostsee in Rigaer Bucht. Fast der gesamte Wasseraustausch zwischen Rigaer Bucht und Ostsee findet über die Meerenge dort statt. Die Strömung ist so stark, das Schwimmen untersagt ist. Unverständlich sind die Parkgebühren am Informationszentrum.

Parken am Kap Kolka

Wir fahren über die Straße P 124 bis zum letzten Kreisel vor dem Kap Kolka. Der ist einfach zu erkennen.

Auf einem Kreisel stehen Runde Kreise mit bunten Fischen darin
Die Fische erinnern mich an unseren Nachbarort, Kleinfischlingen

Ich habe mich über die Fische auf dem Kreisel sehr gefreut, denn in unserer Heimatnachbargemeinde Kleinfischlingen stehen im ganzen Ort bunte Holzfische als Dorfdekoration herum. Auf diesem Kreisel sollen sie jedoch nur darauf hindeuten, dass der Ort Kolka seit Alters her ein Fischerdorf war und ist.

Wir entschließen uns geradeaus zu fahren, zum Infozentrum am Kap Kolka. Ein junger Mann, der auf einem Stuhl unter einem Sonnenschirm sitzt, hält uns an. Er überreicht Bernhard einen selbstgestrickten kleinen Zettel mit einem Stempel und der Uhrzeit, die wir aktuell haben. Wir sollen unser Auto parken und bevor wir fahren, im Infozentrum pro angefangener Parkstunde 3 € zahlen. Wir überlegen: wenn wir nun die Wanderung machen, ggf. den Leuchtturm anschauen und uns eventuell verweilen wollen, dann ist das schlicht sehr teuer. Vom Kreisel ging es doch noch zu einem anderen Parkplatz? Wir wollen erst dort schauen, welcher Preis dort verlangt wird fürs Parken. Wir drehen eine (kostenlose) Runde über den Platz und geben dem jungen Mann den Zettel zurück.

Eine Tafel mit der Parkgebühr pro Fahrzeugkategorie steht in einem Fenster
Die Parkgebühren für den Parkplatz am Infozentrum

Wir fahren 150 m zum Kreisel mit den Fischen zurück und 170 m zum anderen Parkplatz und der kostet nichts! Die Parkscheibe muss eingelegt werden und damit darf man 24 Stunden stehen. Selbst eine Übernachtung mit dem Wohnmobil wäre kein Problem!

Der Parkplatz vom Aussichtsturm aus
Dieser Parkplatz ist kostenfrei – Blick von Aussichtsturm

Wir ziehen unsere Laufschuhe an und verlassen den Parkplatz in entgegengesetzter Richtung zum Aussichtsturm. Dort beginnt der Pine-Trail mit einer Erklärungstafel.

Links steht ein Holzhäuschen, eine Toilette, in der Mitte ein Pfad, rechts eine Umzäunung mit einem Wegweiser nach rechts davor
Am Parkplatz ist immer eine Toilette in Lettland. Hier am Beginn des Pine-Trails

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

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Wanderung auf dem Nadelbaumweg „Pine-Trail“

Der Weg ist etwa 1,2 km lang und führt in Kurven durch den Nadelwald. Wir wandern immer wieder bergauf und bergab, so wie die Dünen gestaltet sind.

Heidelbeersträucher hängen voller Heidelbeeren
Auch am Kap Kolka hängt der Wald voller reifer Heidelbeeren. Hier finden wir auch unsere ersten Pfifferlinge im Wald (statt auf dem Markt)

Wir wandern auch über die älteste Düne, die von den Nadelbäumen, überwiegend Kiefern, gehalten und befestigt wird. Der Sand hat manche Stämme der hunderte Jahre alten Kiefern bereits über zwei Meter mit Sand bedeckt. Auf dem mageren Boden können nur besondere Arten gedeihen. Unter anderem wächst hier die in Europa sehr seltene Sandnelke (Dianthus arenarius). Zwischen dem Wald und dem Meer liegen Vordünen. Die Dünen direkt am Meer sind den starken Ostseewinden ausgesetzt und verändern sich ständig.

Ein Waldpfad mündet in einer Plattform, im Hintergrund ist die Ostsee zu erkennen
Nach einigem Bergauf, Bergab mündet der Waldweg in einer Plattform mit Aussicht auf die Ostsee

Wer möchte, könnte nun direkt an den Strand gehen, der Pine Trail geht im Wald noch etwas weiter.

Ein Zedernskelett steht in den Dünen
Gerne hätte ich die Zeder über ihre Geschichte interviewt. Leider verstehe ich kein „Zederisch“
An einem verdorrten Ast hängt Moos
Der „Elchbart“ am Zedernast verrät, dass es hier hin und wieder ziemlich feucht ist
Rosa blühendes Heidekraut
Es ist erst Anfang August und die Heide blüht am Kap Kolka
Auf einer Tafel wird die geologische Situation am Kap Kolka erklärt
Beinahe am Ende des Pine Trails im Wald wird auf einer großen Tafel die geologische Bedeutung des Küstenwalds erklärt

Hier am Kap Kolka befinden wir uns mittlerweile im Slītere Nationalpark. Die Küstenlinie dieses Nationalparks ist eine der jüngsten geologischen Formationen in Lettland. Der Untergrund der Ostsee und des Küstenstreifens an dieser Stelle (Litorina), hat eine sehr magere, sandige  Erde. Die Neuanpflanzung von Kiefernwälder zum Schutz und als Barriere zwischen Ostsee, deren Winden und bewirtschaftetem Land, begann erst kurz vor dem ersten Weltkrieg. 1930 noch wurden 11,5 ha Sand als Dünen jährlich verweht, von den 142 ha, die das heutige Schutzgebiet umfasst. Durch die kontinuierliche Aufforstung, gibt es heute keine Wanderdünen im Naturpark mehr. Die Küstenwälder schützen seit Alters her die Landschaft im Hinterland. Das Abholzen der Küstenbäume war 1643 bereits vom Herzog von Kurland verboten worden. Aber Siedlungsbau und Waldbrände hatte große Lücken im Küstenwald hinterlassen. Durch die kontinuierliche Aufforstung ist das Hinterland mittlerweile von den Unbilden der Ostsee und deren Winde wieder gut geschützt und Landverluste durch Verwehung gibt es keine mehr.

Kap Kolka

Schon kurz nach der Tafel erreichen wir den Strand und folgen ihm nach Norden, zum Kap.

Sandstrand links, eine Holzplattform in der Bildmitte und die Ostsee im Hintergrund
An der zweiten Plattform führt der Pine-Trail an den Strand
Auf einem Treibgutast hat sich die Bloggerin am Strand niedergelassen
Die Treibgutbaumwurzel ist ein recht bequemer Strandsitz

Kurz vor dem Kap stehen im Wald interessante Gästebehausungen. Die würde ich gerne mal ausprobieren. Na, vielleicht im nächsten Jahr, trotz Wohnmobil mal „fremdschlafen“.

Beinahe beim Kap Kolka stehen oberhalb des Strandes runde Tonnen als Gästebehausungen. Die der Ostsee zugewandte runde Seite besteht aus Glas
Rechts sind „Gästetonnen“, deren der Ostsee zugewandte runde Seite aus Glas besteht
Beinahe beim Kap Kolka stehen oberhalb des Strandes runde Tonnen als Gästebehausungen. Die der Ostsee zugewandte runde Seite besteht aus Glas
Rechts sind „Gästetonnen“, deren der Ostsee zugewandte runde Seite aus Glas besteht
Der „Boden“ einer Gästetonne ist zu zweidritteln aus Glas – die Gäste können so die Aussicht aufs Meer genießen
Ob bei Sonne, bei stürmischer See oder bei Nacht – die Aussicht im Bett ist sicherlich phänomenal

Ja, und schon sind wir am Kap. Hier endet für uns erst mal die Ostsee, denn wir fahren an den Wassern der Rigaer Bucht weiter. Erst auf den Estnisschen Inseln werden wir wieder an der Ostsee sein.

Auf einer kleinen Felsformation stehen Leute. Links die Ostsee im Hintergrund das Wasser der Rigaer Bucht
Kap Kolka ist heutzutage eine mit Beton unterfütterte Felsenansammlung. Die Ostsee -links- vereinigt sich hier mit dem Wasser der Rigaer Bucht
Die Bloggerin steht auf den Felsen des Kap Kolka
Reisepunsch.de hat das Kap Kolka in Form von meiner Person „erklommen“
Am Strand liegen schwarze Haufen von angeschwemmten Wasserpflanzen
Am Strand der Rigaer Bucht am Kap Kolka liegen wieder schwarze Haufen der stinkenden Algen

Der Strand von der Ostsee – weiß, mit Muscheln und Steinen, aber sauber und dem der Rigaer Bucht – schwarze stinkende Algen und jede Menge Treibgut, ist frappierend. Ich vermute, dass die Strömungen für den Unterschied verantwortlich sind.

Auf einer Tafel wird erklärt, wie sich das Kap in den letzten Hundert Jahren verändert und vom Fleck bewegt hat
Diese Tafel ist beeindruckend. Wie doch die Ostsee und der Wind die Lage des Kap Kolka verändern

Auf der Tafel, die die Veränderung des Kaps erklärt, ist auch der Warnhinweis für Schwimmer. Ich kann mir denken, dass ein kleiner Mensch gegen diese Strömungen machtlos ist, wenn selbst das Kap sich nicht an einer Stelle behaupten kann

Wir passieren auf dem Weg zum Infozentrum einen Pfosten. Kann es sein, dass die Letten bereits 1836 wussten, in welchen Staatsgrenzen sie ihr Land in die Selbstbestimmung führen wollten?

Etwas später kommt eine Interessante Bronzetafel, die meine geografischen Kenntnisse prüft.

Eine Bronzetafel mit den Umrissen Europas und Kal Kolka als geografischer Mittelpunkt
Kap Kolka ist der Geografische Mittelpunkt Europas – wenn Europa bis zum Ural gerechnet wird

Bis wohin geht Europa? Bis zum Ural? Diese Frage hat mich schon bei der Elbrus Besteigung umgetrieben. Der Elbrus gehört ja zu den Seven Summits. Ist also einer der sieben höchsten Gipfeln auf den sieben Kontinenten. Somit ist der Mont Blanc als höchster Berg Europas „raus“, was wiederum die Schweizer ärgert. Und somit ist Kap Kolka in Lettland der geografische Mittelpunkt Europas. Beim Weiterwandern trennt ein Tor den Weg vom Strand – ich kann leider nicht herausfinden, ob es neu oder alt ist.

Drei Steinblöcke sind als Tor in den Sand gestellt, Kiefern wachsen rundherum
Das Tor sieht sehr archaisch aus

Den Weg hinauf passieren wir den Parkplatz des Infozentrums, der so teure Parkgebühren hat. Neben einer Picknickbank stehen einige Infotafeln über die Gegend.

Unter reinem halbrunden Dach sind Infotafeln über die Umgebung angebracht
Die Infotafeln über die Umgebung sind Wettergeschützt

Nun bin ich gespannt auf das Infozentrum. Neben einer öffentlichen Toilette gibt es Prospekte, Souvenirs und Kleinigkeiten zu essen und trinken. Was den hohen Parkplatzpreis rechtfertigt, erschließt sich mir nicht. So wandern wir auf eigene Faust durch den Wald zum Aussichtsturm. Hier finden wir unsere ersten Pfifferlinge im Wald. Bisher haben wir sie immer nur auf dem Markt gefunden. Für einen Frühstückstoast mit Ei und Pfifferlingen reicht die Menge. Der Aussichtsturm ist ziemlich hoch und bietet Aussicht über den endlosen Küstenwald und die Ostsee.

Ein aus Holz konstruierter hoher Aussichtsturm
Der Aussichtsturm ist aus Holz, die Stufen aus Metallgitter

Zurück am Parkplatz und Wohnmobil entdecke ich den Müllcontainer, den ich mit unseren gesammelten Recyclingsbehältern gleich fülle.

Ein Container mit verschiedenfarbigen Öffnungen wird für die Mülltrennung genutzt
Am Parkplatz beim Kap Kolka steht dieser Container für die Mülltrennung. Das finde ich eine gute Variante. Der neue Container kann als Ganzes abgestellt werden und der „gefüllte“ geht als Ganzes zur Entsorgung

Eine interessante Stelle und eine wunderschöne kurze Wanderung, die auch Kindern Spaß machen wird.

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Wanderung um den Pēterezeru – Peter-See

Wanderung um den Pēterezeru – Peter-See

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Der Slītere Nationalpark ist der kleinste der vier lettischen Nationalparks. Er liegt im Nordwestlichen Teil der Region Kurteme. Viele Naturwanderwege an verschiedenen Stellen des Parks zeigen den Besuchern die Besonderheit dieser Landschaft, die sehr unterschiedlich ist. Wir haben uns den Pēterezeru dabas taka ausgewählt.

Anfahrt zur Wanderung am Peter-See

Wir fahren vom Campingplatz in Miķeļtornis über die P 124 nach Norden bis zum Abzweig der P 126 und folgen dieser nach Südwesten in Richtung Dundaga. Bereits nach etwa 5 km weist ein braunes Touristikschild zum Pēterezeru dabas taka. Wir parken unser Wohnmobil. Auch hier wäre es kein Problem mit dem Wohnmobil über Nacht stehen zu bleiben.

Am Parkplatz ist eine große Tafel aufgestellt, die über alle Wanderwege im Slītere Nationalpark informiert. Uns interessiert die des heutigen „Pēterezers Nature Trails“. Ein QR-Code auf der Tafel leitet zu einer Webseite, die weitere Informationen gibt.

Eine Informationstafel erklärt den Wanderweg
Die Informationstafel erklärt nicht nur den Wanderweg, sondern auch Hintergründe

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Einmalige Dünenlandschaft in Europa

Ein schöner Waldweg führt in den Wald, Schilder hängen an den Bäumen.

Holzschilder markieren den Beginn des Wanderwegs
Diese Holzschilder markieren den Beginn des Wanderwegs

Am Anfang führt der Wanderweg parallel zur Straße. Der Weg ist recht eben, denn er verläuft auf der ehemaligen Trasse der „Gauge“-Bahn. Die Schmalspurbahn mit einer Spurbreite von 60 cm wurde während des ersten Weltkrieges im Bezirk Kurzeme gebaut. Die Deutsche Armee nutzte sie für Holztransporte. Ab den 1920er Jahren wurde die Trasse auch für den Personen- und Güterverkehr genutzt und stolz „Kurzeme-Express“ genannt. Die Fahrtzeit für die 70 km Strecke von Mazirbe bis Ventspils betrug sechs Stunden. Ein anderer Strang verband Mazirbe mit Dundaga. 1962 wurde der Eisenbahnverkehr eingestellt. 

Die Landschaft durch die wir wandern, hat sich vor etwa 6000 Jahren gebildet und ist einzigartig in Europa. Der „Petersee“ und der „Ententeich“ sind Überbleibsel der sich zurückziehenden Ostsee. Die Abfolge von Dünen und Tälern, Viga genannt, ist die einzige im Slītere Naturpark. In der Viga von Pēterezers leben Pflanzen und Tiere, die auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen. Hier ist z.B. der Teichfrosch Rana esculenta zu finden, vermutlich eine Kreuzung von Seefrosch und Wasserfrosch. Verschiedene Orchideenarten sind hier heimisch. Das diese Arten hier vorkommen, zeugt von einer hohen Umweltqualität.

Eine pinkfarbene Blüte mit kugelrunden, silbrigen Blütenansätzen
Die Blüte erinnern mich an eine Distel, aber das Blatt am Stängel nicht
Ein violette Blütenrispe
Auch diese Blüte erfreut mich, obwohl ich den Namen nicht kenne
Ein orangebrauner Schmetterling mit schwarzen Flecken auf einer gelben Blüte
Nicht nur dem Schmetterling schmeckt der Nektar, auch zwei Käfer auf der anderen Blüte stärken sich

Während unserer Wanderung ändert sich die Waldlandschaft ständig, in Unterbewuchs und Landschaftsform. Die Wanderung ist zwar kurz, nur 3,5 km, aber hochinteressant.

In sanften Wellen ist der Walduntergrund geformt. Der Kiefernwaldboden ist von Moos und Heidesträuchern bedeckt
Die Dünen sind als sanfte Wellen im Wald wahrnehmbar

Kurz danach werden die „Berge“ höher, die Dünen steiler. Wurzeltreppen erleichtern das Vorwärtskommen, aber manchmal ist der Weg recht steil und, nach dem Regen der letzten Tage, auch glitschig. In den „Tälern“ kann sich Wasser sammeln und bildet andere Biotope als die bisher gesehenen.

Viele Farne stehen als Unterholz im Kiefernwald, ein Bohlenweg führt hindurch
Die Farne erinnern an Urwald. Sie und der Bohlenweg deuten auf hohe Feuchtigkeit hin
Schachtelhalm steht an einer feuchten Stelle im Wald
Ich würde sagen, dass die feuchte Stelle von Schachtelhalm erobert worden ist oder irre ich?

Nach kurzer Weiterwanderung immer steiler bergauf, erreichen wir die höchsten Dünen.

Eine Holztreppe führt über eine von Wald bewachsene Düne
Die Dünen werden durch die Holztreppen geschützt, die viele Wanderer sonst zerstören würden

Nach der Düne ist der Wald wieder anders geartet, denn er nähert sich nun allmählich dem See.

Ein schmaler mit Kiefernadeln bedeckter Pfad führt in Kurven durch den Wald
Der Pfad ist schmal, weich und wunderschön zu gehen
Der Waldboden ist von verschiedengrünfarbigem Moos bedeckt
Hier sieht der Waldboden wieder ganz anders aus

Dann passieren wir wieder eine sumpfige Stelle.

Ein Steg führt über eine sumpfige Stelle im Wald
Feuchte Stellen werden von Holzstegen überspannt

Immer weiter geht es bergab und wir kommen an den Piļu Diķis, den Ententeich.

Eine dunkle kleine Seefläche
Der dunkle See wird Ententeich genannt – auch wenn wir keine Enten sehen

Nun geht es auf einem Bohlenweg weiter durch die Sumpflandschaft, die sich zwischen den beiden Seen gebildet hat. Genau diese Stelle ist so ganz und gar besonders für Amphibien und Pflanzen. Leider kenne ich mich zu wenig damit aus. Aber erfreuen kann ich mich an dem unterschiedlichen Bewuchs.

Ein Bohlenweg führt am Seeufer lange entlang
Der Bohlenweg führt uns lange am Seeufer entlang. So können die Sumpfpflanzen aus der Nähe betrachtet werden
Rote und schwarze Beeren wachsen an einer Pflanze
Diese Beeren wachsen im Sumpf beim Petersee – auch die kenne ich nicht

Der erste Anblick des Petersees ist wunderschön, allein wegen des Bäumchens davor.

Ein abgestorbener schiefer Baum vor einer kleinen Seefläche
Der Blick öffnet sich zum Peter-See
Der Petersee liegt heute sehr still da, rechts steht hohes Schilf
Der Petersee liegt heute sehr still da – Libellen sausen herum, fast zu schnell fürs Auge und erst recht zu schnell zum Fotografieren

Die Libellen schwirren nur so herum, über den See, durch das Schilf, hin und her in einer ziemlich hohen Geschwindigkeit. Ich bewundere die Naturfotografen, die diesen Insekten mit einer Filmkamera zu folgen vermögen. Aber auch wir haben Glück.

Eine Libelle sitzt auf einem Holzgeländer
Eine Libelle hat sich doch mal hingesetzt für das Fotoshooting
Eine Libelle sitzt auf einem Holzgeländ
Eine rötliche Libelle möchte nun auch fotografiert werden

Wir verweilen uns noch am See bevor wir weiterwandern.

Vom See führt eine Treppe über eine Düne wieder hinauf in den Wald
Nach dem See wird über eine Treppe wieder eine Düne erklommen

Immer wieder nehmen wir irgendwo eine Handvoll Heidelbeeren, die mit ihrer blauen Farbe nur so locken. Für professionelle Beerenpflücker ist dieser Wald tabu, ich hoffe, dass eine Handvoll erlaubt ist.

Ein Wanderer spaziert auf einem schmalen Pfad durch den Wald, im Unterholz Beerensträucher
Wir wandern durch den wunderschönen Beerenwald

Der Weg geht nun über sanftere Wellen weiter. Und nun gesellen sich auch Preiselbeeren zum Beerengesträuch dazu. Die herumliegenden hellen Birkenäste, das Weißmoos und das leuchtende rot der Beeren bildet eine wunderschöne Farbkombination.

Ein einem Strauch hängen rote Preiselbeeren, Weißmoos liegt darüber
Die Preiselbeeren sind an manchen Stellen schon reif

Wir werden von den kleinen Pfaden wieder auf einen breiteren Weg geleitet, der uns bald zurück zum Parkplatz führt. Diese Wanderung hat großen Spaß gemacht, denn die Landschaft ist voller Überraschungen, wenn man die Augen offenhält.

Ein Mann mit Rucksack wandert auf einem Waldweg
Der Wanderweg am Petersee ist wunderschön angelegt

Wir fahren weiter zum Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt in Kurzeme und dem Zusammenfluss von Ostsee und Rigaer Bucht.

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Die Wartburg bei Eisenach

Die Wartburg bei Eisenach

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Unser Weg von der Rhön zur Ostsee führt durch Thüringen. So nutzen wir die Gelegenheit, die Wartburg in Eisenach zu besuchen. Die Wanderung beginnt aufgrund der schlechten Beschilderung holperig. Der schmale Pfad mit schönen Aussichten und einem überraschenden Burganblick entschädigt.

Parken bei der Wartburg

Wir erreichen die Wartburg über die B19 von Bad Salzungen. Rechts der Straße stehen einige Fahrzeuge und das Parken dort ist erlaubt. So lassen wir uns verleiten, stellen unser Wohnmobil unter die Bäume am Straßenrand. Der Tag ist sonnig, so wird sich der Innenraum nicht so sehr aufheizen. Ich hatte bei der Anfahrt die Burg bereits links über uns erspäht. Wir laufen die Straße entlang, auf der Suche nach einem Weg, der links hinauf führt. An der nächsten Querstraße finden wir einen Schotterweg nach links, rechts ein Aufsteller mit einer gemalten Wanderkarte. Aber kein Hinweis, wo unser Standort sein könnte. Ein Lieferwagen kommt den Weg heruntergerauscht und staubt uns ein, so versuchen wir unser Glück weiter nach links und spazieren eine gepflasterte Straße hinauf, Google Maps folgend. Ein Tor weist darauf hin, das der Weg über Privatgrund führt. Ich verstehe Google Maps nicht, dass es privat und öffentlich nicht unterscheidet. Frustriert schalte ich Google Maps aus. Wir gehen zurück zur Straße, passieren eine Bushaltestelle und folgen rechts der Straße einem kleinen Waldweg. So gelangen wir zum Parkplatz P3 mit Schild zurück zum Shuttlebus. Also wieder zurück, denn der soll immer um 5 oder 35 fahren. Wir warten bis 45 und entschließen uns dann, nochmal an dem Schotterweg unser Glück zu versuchen. Dort, wo vorhin der Lieferwagen stand, ist nun am Baum ein kleines Schild „Zur Wartburg“ zu erkennen. Na toll! Auf beiden Seiten am Weg ein Schild und eine Einzeichnung des Standortes in der Karte, wäre eine mächtige Verbesserung!

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Wanderung zur Wartburg

Nachdem wir nun endlich auf dem richtigen Weg sind, geht es am Ende des Schotterwegs, der an einigen Häusern vorbeiführt, auf einem kleinen Pfad recht steil bergauf, durch schönen Mischwald. Das Burgen immer so hoch auf den Bergen liegen müssen! Ich denke wieder daran, wie viele Generationen Untergebene mit schweren Lasten täglich diese Berge hinaufsteigen mussten. Wir machen die Wanderung in unserer Freizeit aus sportlichen und hier sogar aus kulturellen Gründen.

Eine Rastbank aus Stein auf dem Weg zur Wartburg
Nach dem ersten Steilstück ist eine wunderschone steinerne Rastbank

Nun steigt der Weg nur noch allmählich an und wir erfreuen uns an der Natur.

Ein abgestorbener Baumstamm mit Baumpilzbewuchs
Am Weg steht dieser alte Baum, mit viel Pilzbewuchs
Weißer und Lila Fingerhut neben dem Wanderweg
Sogar weißer Fingerhut blüht auf dem Wanderweg zur Wartburg
Vor einem Taleinschnitt sind mächtige Felsen im Wald
Die mächtigen Felsen stehen vor dem Taleinschnitt, an den sich der Wartburgfelsen anschließt
Eine Holzskulptur ist in einen abgestorbenen Baumstamm eingearbeitet
In einem abgestorbenen Baumstamm ist eine Holzskulptur eingeschnitzt

Wir marschieren nochmal steiler hinauf auf einen Felseinschnitt zu und bleiben sofort stehen.

Aus dem Wald hinaustretend ein erster Anblick der Wartburg von Süden
Aus dem Wald hinaustretend, haben wir einen ersten Anblick der Wartburg von Süden, auf Palas und Bergfriedturm

Die Wartburg

Nun geht es noch rechts herum zur Burg und einigen Wanderwegtafeln.

Die Tafel erklärt den Lutherwanderweg von Eisenach nach Möhra, dem Lutherstammort
Die Tafel erklärt den Lutherwanderweg von Eisenach nach Möhra, dem Lutherstammort
Holzskulpturen stehen unterhalb der Burg. Sie sind der Beginn des Pummpälzweges, der bis zur Burg Frankenstein bei Bad Salzungen führt
Holzskulpturen stehen unterhalb der Burg. Sie sind der Beginn des Pummpälzweges, der bis zur Burg Frankenstein bei Bad Salzungen führt

Laut einer Sage, die Ludwig Bechstein (1801-1860) aufgeschrieben hat, wurde die Wartburg folgendermaßen erbaut: Graf Ludwig (mit Beinamen Springer), ein mächtiger Herr in Thüringen war auf der Jagd.  Er verfolgte einen Hirschen, erst am Flüsschen Hörsel, später schnitt er ihm vermeintlich den Weg ab und ritt einen Berg auf einen Felsen hinauf. Während er auf dem Felsen so wartete und die Gegend betrachtete, soll er gesagt haben: „Wart, Berg, Du sollst mir eine Burg werden.“ Allerdings gehörte der Felsen, sowie das Gebiet darum, den Herren von Frankenstein. So erdachte Ludwig eine List. Er holte mit den ihn begleitenden 12 Rittern in der Nacht mit Körben Erde von seinem eigenen Land und verteilte sie auf dem Felsen. Bald darauf kamen die Herren von Frankenstein um für ihr Eigentum zu kämpfen, gegen die sich Ludwig mit seinen Rittern verteidigte. So verklagten sie ihn bei Kaiser und Reich. Bei der Befragung erklärte Ludwig, er habe die Burg auf das Seine gebaut. Daraufhin musste er mit seinen 12 Rittern auf dem Felsen die Schwerter in den Lehm stecken. Sie schworen, bei ihren Leibschwertern, dass der Boden, in dem diese Schwerten stecken würden, schon seit Alters her zur Herrschaft von Thüringen gehören würden. Daraufhin durfte Ludwig den Berg behalten. Unter großen Opfern, des durch eine Hungersnot ohnehin notleidenden Volkes, musste das thüringische Volk die Burg erbauen.

Über eine Treppe erreichen wir das mächtige Burgtor. Coronabedingt sind Abstandhalten, Anstehen und nur wenige Menschen gleichzeitig bei der Besichtigung zugelassen. So bleibt Zeit, sich vom Platz in der Schlange umzusehen und die Burg mit Ihrer Geschichte auf sich wirken zu lassen.

Der erste Innenhof nach dem Burgtor hat links verschachtelte Fachwerkhäuser
Dieses Fachwerkensemble im Innenhof wirkt auf mich einfach anheimelnd
Ein aus Stein gemeißelter, verzierter Ziehbrunnen mit kunstschmiedeeisernen Überbau
Der Brunnen steht im ersten Burghof, in der Nähe des Museumsshops
Der Bergfried hat ein goldenes Kreuz und eine Deutschlandflagge auf der Spitze
Auf dem Turm Bergfried symbolisiert das goldene Kreuz das Christentum im Allgemeinen und die Deutschlandfahne erinnert an die Bedeutung der Wartburg für die Demokratiebewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts

1817 fand auf der Wartburg im Gedenken an das 300. Reformationsjubiläum und den Sieg der Völkerschlacht bei Leipzig ein Fanal der Jenaer Burschenschaften statt. Diese erste freiheitlich-bürgerliche Nationalbewegung, die ein deutsches Reich forderte, nutzte bereits die Farben Schwarz-Rot-Gold. Zu dieser Zeit bestand Deutschland noch nicht als ein Reich oder Land, sondern noch aus 37 Kleinstaaten, die alle eigene Gesetzgebung hatten und meist keine Verfassung und keine Bürgerrechte für die Bevölkerung.

Endlich können wir unser Ticket lösen und werden im Einbahnstraßenverkehr in den zweiten Burghof geleitet. Dort steht die Schlange um die Zitadelle zum Palas an.

Das Wartburgmodell von der Nordseite
Das Modell der Wartburg von der Nordseite
Die Wartburg im Modell von der Westseite
Das Modell der Wartburg von der Westseite
Blick in das Ritterbad. Ein großes Becken ist in einen Raum mit hohen Säulen eingelassen
Das Ritterbad wirkt auf mich eher wie ein Minischwimmbad

Ab 1838 wurde die Wartburg wieder in Schuss gebracht. Der Restaurator und Architekt Hugo von Ritgen (1811-1889) erhielt bestehende Gebäude. Die verloren gegangenen Burgteile, die historisch bekannt waren, wurden in historischen Formen neu erbaut. Nach den alten urkundlichen Erwähnungen war bekannt, dass eine Badestube auf der Wartburg existiert hatte. Und vermutlich in südlicher Anbindung an den Palas in der Nähe der Zisterne. Das Ritterbad im neoromanischen Stil wurde erst nach 1887, nach dem Bau einer Wasserleitung zur Wartburg, realisiert.

Der Südturm mit einer Markanten Holz-Außentreppe
Der Südturm wurde schon von Goethe beschrieben. Heute sieht er noch genauso aus, wie August von Wille ihn 1869 mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt hat. Sein Gemälde hängt im Palas

Aus hygienischen Gründen werden keine Audioguides verliehen. Stattdessen laden die Besucher das zu Hörende auf das eigene Smartphone herunter. Je nach Station hören sich die Besucher die Beschreibungen am eigenen Gerät an. Das will ich nun nicht vertiefen, denn auch Du kannst Dir die Stationen im Palas und zur Burg dort anhören und bei einem 360° Rundgang anschauen.

1999 wurde die Wartburg wegen ihrer heraus­ragenden kultur­ge­schichtlichen Bedeutung von der UNESCO zum „Welterbe der Mensch­heit“ erklärt. Nachfolgend einige Bilder aus dem Inneren.

Eine Aus Holz mit Eisenbeschlägen und Verzierungen gebaute Tür zur Kapelle BU Diese Tür führt in die Kapelle
Diese Tür führt in die Kapelle
Der Festsaal der Wartburg ist mit Holzstühlen mit Weinroten Samtpolstern bestücke. Eine Holzgetäfelte Decke und Wandmalereien schmücken den Raum
Der Festsaal der Wartburg – allein der Saal selbst ist bereits ein Kulturerlebnis

Der Saal ist von Hugo von Ritgen so gestaltet worden, wie man sich im 19. Jahrhundert einen mittelalterlichen Prunkt-Saal vorstellte.

In einer Glasvitrine liegt aufgeschlagen die von Luther in Deutsche übersetzte Bibel
Ein Exemplar der gedruckten Lutherbibel von 1541

Ich habe den Besuch in der Wartburg trotz Coronaeinschränkungen als sehr wohltuend empfunden. Nicht nur wegen der geschichtlichen Bedeutung, sondern auch, weil mir die Burganlage, die handwerklichen Arbeiten der einzelnen Gewerke so gut gefallen. An der Burg finden wir auch heraus, dass nur an Wochenenden und Feiertagen der Shuttlebus fährt. Da der Regenschauer niederging, als wir in der Burg zur Besichtigung waren, spazieren wir auf gleichem Weg – nun mit anderen Aussichten, zu unserem Wohnmobil zurück.

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Ein Tag in der Hochrhön

Ein Tag in der Hochrhön

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Die Hochrhön, das ist sicherlich die Wasserkuppe mit ihren 950 m Höhe. Der Heidelstein und das Rote Moor gehören für mich auch dazu. Wandernd die Landschaft genießen, die Natur beobachten, Blumen, Insekten, einen fantastischen Tag erleben. Und wenn dann auch noch das Wetter passt, steht einem Sonnenuntergang am Wachtküppel nichts im Weg?

Wanderung zum Heidelstein und am Roten Moor

Die Hochrhön bietet viele spannende Ziele. Der Heidelstein und das Rote Moor gehören seit meiner frühen Kindheit dazu. Bei unseren anfänglichen Familienurlauben war der Torfabbau am Roten Moor sogar noch aktiv. Erst 1986 wurde der Abbau ganz eingestellt und ein Renaturierungsprojekt begonnen.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

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Früher Vogel macht das Foto

Manchmal ist es nervig, wenn ich morgens sehr früh auf die Toilette muss. Heute war das ein Highlight. Wir können unser Wohnmobil ziemlich gut verdunkeln, aber es gibt kleine Ritze, durch die Licht dringen kann. Und heute war es der gleisende Sonnenaufgang, der mich statt zur Toilette, mit dem Smartphone nach draußen lockte. Barfuss im nassen Gras, ohne Brille habe ich den Augenblick genossen und dabei noch an das Foto gedacht.

Sonnenaufgang am Wohnmobilstellplatz Kreuzberg
Um halb sechs habe ich den Sonnenaufgang fotografiert und danach nochmal gut geschlafen

Als wir richtig aufstehen, sendet die Sonne schon fleißig Wärme, so können wir draußen frühstücken und uns den Plan für den heutigen Tag überlegen. Von unserer Kreuzbergwanderung haben wir auf den Heidelstein und die Wasserkuppe geschaut. So werden sie heute unsere Ziele sein. Wandernd und mit dem Auto.

Wanderung zum Heidelstein

Um Heidelstein und Rotes Moor zu erwandern, bietet sich der Parkplatz Moordorf an. Wir entsorgen am Wohnmobilstellplatz in Haselbach Grauwasser und Toilette und fahren mit den Touristikschildern „Rotes Moor“ bis zum Wanderparkplatz.

Der Parkplatz Moordorf zwischen Rotem Moor und Heidelstein ist großzügig angelegt
Für unsere Wanderung zum Heidelstein und zum Roten Moor parken wir auf dem Parkplatz Moordorf

Die Parkgebühr beträgt 2 € für ein Tagesticket. Am Parkplatz ist das Nabu-Haus mit einem Informationszentrum und ein Bistro. Das Gebäude ist sehr nachhaltig errichtet, eine Inspirationsquelle für jeden Häuslebauer!

Am Parkplatz Moordorf ist das Nabu-Haus Rotes Moor mit einer Gaststätte und einem Infozentrum eingerichtet
Das Nabu-Haus informiert über das Rote Moor

Wir studieren die aufgehängten Wanderkarten, die aber alle keine Aussage zu den Rundwanderwegen vom Parkplatz aus haben. Eine Wanderkarte beschreibt eine 18 km-Tour, die nächste die Loipen und die nächste einen Rhönradweg. So wandern wir mit unserer Naturparkkarte Rhön. Die ist zwar schon älter, aber der Heidelstein und das Rote Moor sind noch an der selben Stelle! Zum Heidelstein ist sowieso easy, denn es geht vom Parkplatz nur geradeaus den Berg hinauf. Anfänglich ist links im Wald eine Fichtenschonung, die sehr „rostig“ aussieht. Dort hat wohl die Trockenheit und der Borkenkäfer bereits zugeschlagen. Der hohe Fichtenbestand, durch den wir danach laufen, zeigt keine ungesunden Anzeichen – soweit ich das erkennen kann. Schon gleich bei der nächsten Kreuzung ist ein wunderschöner Rastplatz.

Rastbänke und Tische werden von geschnitzten Eulen gesäumt
Ein schöner Rastplatz auf dem Weg zum Heidelstein

Wir wandern durch gemischten Buchen- Fichtenwald weiter und kommen auf den freien Beginn der Kuppe des Heidelsteins. Einige Rhöngipfel haben obenauf nur Wiesengelände, mit wunderschönen Wiesenblumen. Man sollte hier nicht vom Weg abkommen, denn die Pflanzen sollen sich endlich wieder ungestört vom Menschen entfalten. Wir bleiben oft stehen, um uns an den Blumen und ihren Nektarbesuchern zu erfreuen.

Ein weißer Schmetterling mit wunderschöner schwarzer Zeichnung saugt Nektar an einer Blume
Der wunderschön gezeichnete Schmetterling und der Käfer vertragen sich

Mäßig steil geht es bergauf. Anfänglich ist der Weg schottrig, später ein Feldweg. Die Wanderung ist mit Kinderwagen möglich, mit etwas Armkraft. Da wir aber keine Enkelkinder dabei haben, spazieren wir, bereits mit Aussicht ins Umland und auf den Gipfel weiter.

Ein großer Sendemast steht auf dem Heidelstein
Dieser Sendemast steht auf dem Gipfel des Heidelsteins

Eine Bank steht beim Wegweiser vorm Gipfel. Setzen, schauen, genießen. Was braucht der Mensch mehr? Und damit Du nachvollziehen kannst, wie schön die Aussicht ist, hier einige Inspirationen.

Vom Heidelstein geht der Blick hinüber zum Kreuzberg
Vom Heidelstein geht der Blick hinüber zum Kreuzberg
Die Wasserkuppe erhebt sich in der Ferne
Über die Blütenwiese der Hochebene geht der Blick zur Wasserkuppe
Die Kuppel der Wasserkuppe
Die Kuppel auf der Wasserkuppe, rechts der Segelflugplatz

Einige Radfahrer schnaufen den Berg hoch, obwohl sie elektrisch unterstützt werden. Da wir zu Beginn unserer Wanderung über den Begriff „Rhönradweg“ gestolpert sind, erklärt Bernhard dem verdutzten Radfahrer, dass er auf dem Radweg gar nicht fahren darf. Dieser verteidigt sich sofort, dass sei ein offizieller Radweg, er würde sich immer an die Regeln halten und hätte mit Wanderern keine Konflikte. Bernhard grinst und sagt, der Radweg sei aber nur für das Fahren mit Rhönrädern erlaubt. Nach kurzem Stutzen geht auch ein Lächeln über das Gesicht des Radfahrers. Das wären doch die großen runden Dinger, in denen man so ähnlich wie radschlagend drinstehen würde? Ja genau, antwortet Bernhard, der Radweg wäre wohl für diese angelegt. Und dann ergehen wir uns darüber, welche Muskelkraft ein Mensch haben müsste, um mit einem Rhönrad auf den Heidelstein zu kommen. Und wie das bergab erst gehen müsste…

Wir spazieren auf dem gleichen Weg zurück, nun mit freiem Blick nach Osten, ein fantastischer Ausblick. Mittlerweile sind mehr Insekten unterwegs, es geht auch auf die Mittagszeit zu, da muss noch schnell Nektar gesammelt werden.

Ein Käfer links und ein bräunlicher Schmetterling rechts sitzen auf einer Blume
Käfer und Schmetterling auf einer Blume zeigen, dass die Natur noch in Ordnung ist
Ein Weiß-schwarzer Schmetterling an einer Blume
Sogar kopfüber wird der Nektar aus den Blüten gesaugt

Die Heidelbeersträucher am Heidelstein haben keine einzige Beere dranhängen. Vermutlich haben die Sträucher während der Eisheiligen geblüht, wo keine Insekten unterwegs waren? Wir haben am 22. Juni in der Pfalz bereits 1,8 kg Heidelbeeren gesammelt – für die Rhönwanderer wird das in diesem Jahr schwierig werden. Statt Heidelbeeren finde ich Naturkunst, die mich auf andere Weise erfreut.

Ein Stein ist wie ein Herz geformt und liegt auf einem bemoosten Baumstumpf
Ein Herz aus Stein – so fein…

Ein Fleck der Wiese leuchtet mich an. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Farben und Formen die Natur hervorbringt.

Blüten in Pink stechen aus dem Gras hervor
Die pinken Blüten stechen aus dem Gras hervor

Das Rote Moor

Wir wandern über den Parkplatz, über die Straße geradeaus zum Roten Moor. Bald ist rechts eine kurze Erklärung zum Moor. Dort führt ein schmaler Pfad an einem niedrigen Palisadenzaun entlang. Die Aussicht auf den Moorsee, der rötlichbraun still daliegt ist wunderschön.

Auf einem von Bäumen umstandenen Moorsee schwimmen einige Enten
Nur wenige Enten bevölkern den Moorsee

Mich wundert, dass es nicht mehr Wasservögel gibt. Ob es an der chemischen Zusammensetzung des Moorwassers liegt? Viele Libellen in den verschiedensten Farben sind unterwegs. Allerdings in Höchstgeschwindigkeit und fast nicht mit dem Foto einzufangen.

Rechts unten über dem Moorsee fliegt eine Libelle, links in der Pflanze ist ein Spinnennetz
Schwierig, eine Libelle mit dem Foto im Flug zu erwischen – recht unten ist eine zu erkennen – und viele andere Insekten, die herumschwirren

Aber mit Geduld erreicht man vieles und so auch eine gemütlich dahinfliegende Libelle.

Der Wald spiegelt sich im Moorsee, eine Libelle schwirrt vorbei
Diese Libelle hatte es beim Überqueren des Moorsees nicht so eilig

Der schmale Weg geht bald wieder in die Schotterstraße über und nach kurzer Strecke geht es nach rechts ab.

Ein Wegweiser und eine Weg zur Roten Moor Infohütte, die im Hintergrund steht
Der Wegweiser schickt uns zur Roten Moor Infohütte und zum Bohlenweg

Die Informationen beschäftigen sich mit den Unterschieden von Hoch- und Niedermooren und der Bedeutung für Pflanzen und Tiere, die den Lebensraum Moor benötigen. Das Rote Moor ist ein Hochmoor, denn es liegt über 800 m hoch. Die ganze Strecke durch das Moor ist barrierefrei angelegt, Radfahrer sollten ihr Fahrrad schieben. 

Ein Bohlenweg führt durch das Rote Moor
Auf dem Bohlenweg geht der barrierefreie Wanderweg durch das Rote Moor

Eine Besonderheit bei den Pflanzen ist, dass unsere üblichen Birken kaum vorkommen. Die Karpatenbirke ist im Roten Moor vorherrschend. So genießen wir nicht nur den Spaziergang im Roten Moor, sondern auch noch einen Ausflug in die Karpaten. Die stehen eigentlich erst auf der Weiterfahrt auf dem Donauradweg auf unserem Programm…

Die Karpatenbirken sind im Stamm dunkler als die uns sonst bekannten Birken
Unsere Birken sind am Stamm eher Weiß, die Karpatenbirken dagegen dunkel
Eine Erklärungstafel über die Karpatenbirken, die im Roten Moor heimisch sind
Auf der Tafel wird erklärt, warum die Karpatenbirken im Roten Moor heimisch sind

Die Rauschbeeren und die Heidelbeeren, die den leider trockenen Moorgrund bedecken, haben weder Blüten noch Früchte. Ich kann mich erinnern, dass bei unseren Wanderungen in meiner Kindheit immer Wasser unter dem Bohlenweg stand. Rötlich schimmerndes Wasser, was einen torfig-moorigen Geruch hatte. Das machte die Wanderung am Roten Moor auch aus. Nach den letzten trockenen und heißen Sommern und den wenigen Niederschlägen im vergangenen Winter, leidet das Moor sichtlich. Wir erreichen bald den Aussichtsturm, von dem wir auf unser letztes Ziel blicken können.

Vom Roten Moor geht der Blick hinauf zum Sendemasten des Heidelsteins
Der Sendemast des Heidelsteins vom Roten Moor aus gesehen

Kaskadenschlucht

Wir entschließen uns, einen Rundweg zu wandern und spazieren auf dem Bohlenweg weiter. Wir biegen wieder auf einen Forstweg ab, es summt und brummt in den Wiesenblumen am Wegesrand. Ein Schild weißt darauf hin, dass die Kaskadenschlucht nur einen Kilometer entfernt ist, ein nächstes warnt vor den Gefahren.

Ein Warnschild weist auf die Gefahren des Weges durch die Kaskadenschlucht hin
Ein Warnschild am Zugang zur Kaskadenschlucht – vermutlich gilt das an nassen Tagen

Wir wechseln auf einen schönen Waldpfad, der sich bergab schlängelt. Wir begegnen keinen Schwierigkeiten, die Pfade im Pfälzerwald sind anspruchsvoller. Nachdem wir eine Brücke gequert haben kommen wir mit einer nächsten Brücke über ein sehr schmales fließendes Bächlein. Nun erschließt sich uns der Begriff „Kaskadenschlucht“, die wir somit erfolgreich durchwandert haben.

Die Kaskadenschlucht führt nur wenig Wasser, daher sind nur wenige Kaskaden zu sehen
Leider macht die Kaskadenschlucht ihrem Namen aufgrund von Wassermangel keine Ehre

Wir verschaffen uns auf Komoot einen Überblick. Wir müssen nicht den gleichen Weg zurück, sondern können einen Rundweg aus dieser Wanderung machen. So spazieren wir links weiter und stoßen auf diesen sinnvollen Wegweiser.

Ein aus Zweigen gelegter Wegweiser weißt am Boden um die Ecke
Na, wie lange dieser Wegweiser wohl seinen Dienst tun darf?

Noch zweimal biegen wir halblinks ab und wandern auf einem Forstweg, von den unterschiedlichsten Wiesenblumen gesäumt, hinauf. Aufmerksam entdecken wir viele Kleinigkeiten.

Zwei orangeschwarz gestreifte Käfer kopulieren auf einer Blüte
Da werden “kleine Käfer“ produziert

An einer Wegkreuzung stoßen wir auf einen weiteren schön angelegten Rastplatz. Die gibt es in der Pfalz auch, aber selten so großzügig angelegt. Dafür sind im Pfälzerwald die Pfälzerwaldhütten verbreiteter, wo die Wanderer einkehren. In der Rhön ist noch eigene Rucksackverpflegung gefragt und die nimmt man an solch schönen Rastplätzen sicher gerne ein.

Ein großzügig angelegter Rastplatz beim Roten Moor mit Tischen und Bänken auf einer gemähten Wiese
In der Nähe des Informationshütte Rotes Moor ist dieser großzügig angelegte Rastplatz

Ich entdecke beim Weitergehen noch einen Schmetterling. Oder ist es ein Falter? Ich muss mich doch mal beschlauen, was der Unterschied ist!

Ein weißer Schmetterling oder ein Falter?
Ein weißer Schmetterling oder ein Falter?

Am Parkplatz zurück entschließen wir uns, zur Wasserkuppe zu fahren und dort ein Mittagessen zu uns zu nehmen.

Wasserkuppe

Das Parken mit dem Wohnmobil auf der Wasserkuppe kostet 5 € für 24 Stunden. Auch für eine halbe Stunde, denn es gibt nur Tageskarten. Im Preis inbegriffen ist aber dennoch keine öffentliche Toilette – da sind wir in Deutschland wirklich unterentwickelt. PKW zahlen für das Tagesticket 2 € – mir erschließt sich der Preisunterschied nicht wirklich, denn wir benötigen nicht mehr Parkplatz als ein PKW. Hauptsächlich gilt der nicht für 24 Stunden, sondern bis 24 Uhr – auf dem Parkticket sogar nur bis 23.59 Uhr. Es gibt kein Verbot, über Nacht dort zu stehen, aber um 0.00 sollte man das nächste Parkticket ziehen?

Da wir nur einen kurzen Spaziergang um die Kuppe machen wollen, haben wir das Problem nicht. Wir kehren am „Flughafen“ ein, essen eine Kleinigkeit und beobachten Segelflieger und Motorflieger, die Rundflüge anbieten.

Ein Motorflieger mit Platz für 4 Personen steht auf einem Flugfeld
Mit diesem 4-Sitzigen Flieger werden Rundflüge angeboten

Für Kinder gibt es eine ähnliche Attraktion.

Kinder können mit Tretflugzeugen auf der Wasserkuppe „fliegen“
Fliegen oder Treten, dass ist hier keine Frage…

Wir wandern links um die Kuppe herum und kommen erst an einem Fluggelände für Modellflieger vorbei und später am Abflugplatz der Gleitschirmflieger.

Gleitschirmflieger unterhalb des Wasserkuppengipfels versuchen zu starten
Leider hat das mit dem Starten der Gleitschirmflieger nicht geklappt. Es war einfach zu wenig Thermik

Der Platz für die Gleitschirmflieger ist unterhalb des einzig übriggebliebenen Kuppelgebäudes. In meiner Kindheit waren drei Kuppeln auf der Wasserkuppe.

Die Kuppel auf der Wasserkuppe beherbergt eine Radaranlage
In der übrig gebliebenen Kuppel ist noch eine Radaranlage, das Gebäude wird Radom genannt

Mit schönen Aussichten in alle Richtungen wandern wir weiter, erbeuten im Gebäude des „Bauernmarktes“ noch Rhöner Kümmelbrot und Bioeier, so können wir uns den Einkauf im Supermarkt sparen. Die Wasserkuppe bietet viele Freizeitattraktionen, nicht nur eine Sommerrodelbahn, sondern auch einen Kletterwald. Sogar eine Ferienanlage mit Ferienhäusern gibt es dort, die Sommers wie Winters sicherlich attraktiv sind.

Ein Kletterwald mit verschiedenen Elementen ist auf der Wasserkuppe angelegt worden
Ein Kletterwald bietet eine weitere Kinderattraktion

Wir fahren über Poppenhausen zum Wachtküppel, denn dort will ich den Sonnenuntergang heute erleben.

Wachtküppel

Der Wachtküppel wird auch der Lausbub (oder Spitzbub) der Rhön bezeichnet. Er liegt oberhalb des Ortsteil Gackenhof der Gemeinde Poppenhausen in der Kuppenrhön. Unterhalb des Wachtküppel ist die Wendlinuskapelle, ein wunderschöner Platz, in dem gerne Hochzeiten gefeiert werden. Wir fahren zum Wanderparkplatz Wachtküppel, um einen kurzen Weg zurück zum Wohnmobil am Spätabend zu haben.

Wir packen Abendessen und Bier ein, das Getränkefach im Kühlschrank läuft seit zuhause über, Gläser, Besteck und Sitzkissen und machen uns auf den kurzen Weg.

Der Wachtküppel ist ein kleiner Felsengipfel mit einem Gipfelkreuz darauf
Der 705 m hohe Wachtküppel ist mein Kindheitslieblingsberg

Kurz bevor der Gipfelaufstieg beginnt, fällt mir ein, dass wir kein Brot mithaben und ich kehre nochmal um. Als ich auch den Gipfel erreiche, hat Bernhard bereits die Bank, auf der wir Abendessen wollen, von Brennnesseln befreit, allerdings nicht vom Ziegengeruch. Der Wachtküppel wird von Ziegen als Weide genutzt.

Links das Gipfelkreuz des Wachtküppels, rechts Ziegen, die den Bewuchs kurzhalten
Die Ziegen halten den Bewuchs des Wachtküppels kurz – hinterlassen aber auch ihre stinkenden Köttel

Ich sitze mit schönster Aussicht später unterhalb des Gipfels, bearbeite auf meinem Laptop die Bilder des heutigen Tages für den Blog und verweile oft mit dem Blick in die Umgebung. Die Rhön ist so schön und an einem so lauen Sommerabend erst recht. Leider klappt das mit dem Sonnenuntergang nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte, denn im Westen liegt eine dicke Wolkenbank, hinter der die Sonne verschwindet. Die orangerote Stimmung auf den im Osten liegenden Bergkuppen kommt somit nicht auf, schade, aber kein Beinbruch, denn der Tag war soo wunderschön.

Links ein Gipfelkreuz, rechts unten ein von der untergehenden Sonne orangerot gefärbter Streifen
Leider verhindert das Wolkenband den Sonnenuntergang direkt im Westen. Ich bin happy mit dem Gebotenen hinter dem Gipfelkreuz des Wachtküppels

Wir fahren noch hinunter zum Stellplatz in Poppenhausen, parken mit einem wutsch ein und lassen das Erlebte bei einem Gläschen Pfälzerwein noch sacken.

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Kleine Wanderung zum Kreuzberg (Rhön)

Kleine Wanderung zum Kreuzberg (Rhön)

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Die Rhön liegt nicht unmittelbar an der Ostsee, aber auf dem Weg dorthin. So starten wir unsere große Sommerreise bis ins Baltikum mit ein paar Tagen Wandern in diesem Drei-Länder-Mittelgebirge. Der Kreuzberg ist unser erstes Ziel, denn dort lockt das leckere Bier der Klosterbrauerei.

Kindheitserinnerungen

Ich war in meiner Kindheit mit meinen Eltern, Bruder und Schwester öfters in der Rhön. Immer für drei Wochen in einer Ferienwohnung auf dem Bauernhof, was ja schon an sich die Attraktion war. Abwechselnd wurde einen Tag gewandert, den anderen Tag waren wir im Schwimmbad oder machten Entdeckungen in den Rhönstädtchen. Besuche bei Verwandten standen ebenfalls auf dem Programm, denn mein Papa ist in der Rhön aufgewachsen. Es waren immer wunderschöne Ferien. Das Wandern war bei uns Kindern nicht immer beliebt, aber die Landschaft, die Tiererlebnisse und das Pflücken und Essen von Heidelbeeren und Himbeeren haben es immer rausgerissen. Sowieso auch das Klettern in den Hainbuchen und auf den Felsen zum Beispiel des Wachtküppels. Als meine Eltern Enkelkinder hatten, haben wir uns mit allen Kindern und Enkeln einige Male in Wildflecken große Ferienhäuser gemietet und dort vier Tage gemeinsam über Fronleichnam verbracht. Und dazu gehörte einfach immer die Wanderung hinauf zum Kreuzberg. Die Enkel hatten mit den Großeltern, den eigenen Eltern, Onkels und Tanten auf dem Heimweg viel Spaß, denn das Klosterbier ist ja nicht alkoholfrei. Diese Erinnerungen möchte ich heute auffrischen und Bernhard daran teilhaben lassen.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Vom Wohnmobilstellplatz Gasthof Roth zum Kreuzberg

Wir haben Hunger, als wir um halb zwei Uhr am Wohnmobilstellplatz des Gasthofes Roth am Kreuzberg ankommen. Leider ist Donnerstags Ruhetag im Gasthof und wir benötigen eine Alternative. So stellen wir das Wohnmobil nur auf die Keile, machen das Gas an für den Kühlschrank, füllen die Anmeldung am Gasthof am Wohnmobilisten-Briefkasten aus und machen uns auf den Weg.

Der Wohnmobilstellplatz beim Gasthaus Roth ist einfach eine Wiese
Die Wiese ist der Wohnmobilstellplatz beim Gasthaus Roth unterm Kreuzberg

Ich weiß, dass ganz in der Nähe die Haflinger Alm ist, die wir als Kinder – schon wegen der Haflinger-Pferde, die dort auf der Weide standen – geliebt haben. Wir marschieren, dem Schild „Gemünderner Hütte“ folgend den steilen Fahrweg hinauf und passieren den Parkplatz für die PKW. Denken wir. Weit gefehlt. Die Bequemwanderer fahren natürlich bis zur Hütte und stauben uns auf der Schotterpiste mächtig ein. Bald schon haben wir einen ersten Blick zum Funkmast des Kreuzbergs.

Über einer bunte Blumenwiese ist der Funkmast des Kreuzbergs und die Skipiste zu erkennen
Der Funkmast des Kreuzbergs und der Schlepplift der Skipiste

Mit schönen Aussichten steigen wir weiter. Aber leider ist die Haflingeralm geschlossen und mit einem Schild Privatgrundstück versehen. Trotzdem gehe ich (verbotenerweise) bis auf die Terrasse und mache ein Foto. Der Heidelstein war, ebenso wie der Kreuzberg, jedes Mal auf der Wanderliste während der Familienferien. Und am Heidelstein gab es immer Heidelbeeren satt!

Von der Terrasse des Haflingershaus blickt man zum Heidelstein
Der Heidelstein ist links zu sehen, der Berg mit dem Funkmast, im Tal Bischofsheim

Das mit dem satt wäre jetzt was. Aber bisher grummelt der Magen noch. Und noch vertrauen wir dem Schild, das unten an der Straße stand: „Gemündener Hütte – geöffnet“ und marschieren weiter. Zur Mittagszeit ist hier viel Fahrzeugverkehr, und kein paralleler Wanderweg, etwas vom Fahrweg entfernt. Nach rechts geht ein Abzweig zum Kreuzberggipfel, der uns jetzt aber nicht lockt. Es ist zur Gemündener Hütte auch nur noch 300 m. Und schon kommt sie in Sicht und aufgespannte Sonnenschirme und Menschen auf der Terrasse lassen uns wissen, dass sie geöffnet ist.

Ein Wanderer geht den Fahrweg zur Gemündener Hütte hinauf
Auf dem stark befahrenen Fahrweg gehend, kommen wir an der Gemündener Hütte an

Vor dem Eingang stehen wir in der Coronaschlange. Erst hier fällt uns auf, dass wir in Bayern sind, hier also wieder andere Corona-Vorschriften gelten als in Hessen, das wir durchquert haben und Rheinland-Pfalz, wo wir herkommen.  Ich vertreibe mir die Wartezeit und fotografiere eine Besonderheit.

Eine aus massivem Holz gefertigte, einem Strandkorb nachempfundene, Sitzgelegenheit
Der Rhönkorb erinnert mich an eine Sitzgelegenheit, an welche wohl? Radfahrer sind echt geschafft, wenn sie die Gemündener Hütte erreichen

Die Anmeldung und Tischverteilung ist sehr gut organisiert. Name und Telefonnummer werden von der Angestellten notiert und wir bekommen den Tisch mit einem Tischplan zugewiesen. Dieser Plan hat auf der Rückseite die Speisekarte. Zusätzlich erhalten wir einen kleinen Papierabschnitt, den wir beim Weggang abgeben sollen, damit die Dauer des Aufenthalts genau notiert werden kann. Wir gehen durch den vorgeschriebenen Eingang und studieren beim Warten den Speiseplan. Bernhard geht weiter zur Theke zur Bestellung und ich durch den Raum zu unserem Tisch auf die Terrasse. Mit unseren Getränken und einem Brummgerät kommt Bernhard an den Tisch und wir genießen die Sonne und die Aussicht über die Ostrhön. Nach kurzer Wartezeit brummt das Gerät und wir können unser Essen an der Theke abholen. Bernhard hatte sich für ein Rhön-Schnitzel entschieden, ich für eine Erbsensuppe. Eine Gruppe Wanderreiten hat mit den Pferden ebenfalls an dieser Hütte zur Mittagsrast Halt gemacht. Während die Reiterinnen und Reiter essen, stehen die Pferde im Wald im Schatten und dösen ein wenig vor sich hin. Nach dem Essen geben wir unser Zettelchen ab und wandern Richtung Kreuzberggipfel. Eine Rastbank steht gleich am Weganfang, hat eine schöne Aussage und am „Tisch“ davor eine Schnitzarbeit mit dem Kloster.

Vor dem Gemündener Haus steht eine Rastbank mit dem Spruch „Die Rhön – einfach erhebend“. Ein Holzklotz davor hat als Schnitzmotiv das Kloster Kreuzberg
Der Spruch der Bank ist einfach nur richtig!

Gleich oberhalb hat sich ein Musiker auf einer Bank niedergelassen. Da muss ich mich doch gleich dazu setzen.

Auf einer Bank sitzt eine geschnitzte Figur mit einer Ziehharmonika und die Bloggerin daneben
Wo Musik ist, da lass Dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder … Diesem Liedanfang habe ich mal vertraut…

Über eine Wiese, biegen nach rechts ab, wo der Weg von der Fahrstraße auf unseren trifft. Weiter wandern wir durch einen schönen Buchenwald wir zum Hochplateau. Die Preiselbeerbüsche haben anscheinend zur Unzeit geblüht, denn es hängen nur wenige kleine Beeren dran. Der riesige Funkmast taucht über uns auf, der mit starken Betonankern fixiert ist. Das kleinere Gipfelkreuz auf 928 m fällt daneben fast nicht auf.

Ein Funkmast und ein Gipfelkreuz stehen auf dem Gipfel des Kreuzbergs
Irgendwie schräg, die Perspektive mit Funkmast und Gipfelkreuz auf dem Kreuzberg

Wir folgen dem Wegweiser nach rechts zum Kloster. Kurz danach kommen die drei Kreuze, das Wahrzeichen des Kreuzbergs, in Sicht. Die Liegestühle, die wir zuerst passieren, interessieren uns an unserem ersten Reisetag aber mehr. Die gute Luft, die Fahrt und das Mittagessen fordern Tribut.

Zwei hölzerne Liegestühle stehen vor den drei Kreuzen des Kreuzbergs
Die Liegestühle haben wir für ein Schläfchen okkupiert. Im Hintergrund die drei Kreuze von Golgota oberhalb des Klosters Kreuzberg, über eine lange Treppe mit Kreuzweg vom Kloster zu erreichen

Eine dicke schwarze Wolke verdeckt die Sonne und es wird empfindlich kalt, davon werden wir wach. Beim Weitergehen entdecke ich die Wasserkuppe, die mit 950 m Höhe nicht nur der höchste Berg der Rhön, sondern auch Hessens ist. In meiner Kindheit waren noch mehr Kuppeln darauf. Aber der eiserne Vorhang ist ja Gott sei Dank gefallen, die militärische Nutzung der Wasserkuppe vorbei und die Überwachung „des Ostens“ nicht mehr notwendig.

Die Wasserkuppe, der höchste Berg der Rhön ist im Hintergrund hinter anderen Berggipfeln
Die Wasserkuppe, der höchste Berg der Rhön, ist hinten in der Mitte noch zu erkennen

Unterhalb der drei Kreuze ist eine Aussichtstafel angebracht, die die Gipfel der Aussicht erklärt. Im Hintergrund ist sogar schemenhaft der Vogelsberg zu erkennen.

Auf einer Tafel wird die Aussicht erklärt
Die Tafel erklärt die Gipfel der zu genießenden Aussicht

Die Treppe führt uns an den Stationen des Kreuzweges vorbei und an einer tollen Lupinenwiese. Ich liebe diese Blumen. Jede einzelne Blüte an den Dolden ist so wunderbar geformt.

Eine Lupinenwiese
Ich liebe Lupinen – sie sind so wunderschön!

Eine besonders dicke Pusteblume fasziniert mich ebenfalls. Leider weiß ich nicht, wie die Blüte ausgesehen haben könnte. Die Schirmchen sind so exakt geformt, die Härchen so filigran…

Eine schöne Pusteblume
Diese Pusteblume ist kein Löwenzahn!

So, nun aber losreißen von den Pflanzen. Eine andere Pflanzenspezialität wartet im Kloster. Gersten-Hopfensaft, auch bekannt als Bier. Im Kloster Kreuzberg wird schon seit 1731 Bier gebraut, da wurde den Mönchen die Braurechte verliehen und es ist sooo lecker und süffig. Auch hier wird der Corona-Einlass zur Gaststätte ähnlich geregelt wie in der Gemündener Hütte.

Das Eingangstor ist mit dem Schriftzug Kloster Kreuzberg versehen
… das Klosterbier ruft….

Ich hole uns zwei Halbe mit Klosterbier. Leider sitzen wir mit unserem Tisch im Schatten. Aber  Coronabedingt können wir den Platz nicht wechseln, da die Tischnummern ja notiert worden sind. An uns vorbei werden Haxen, Schweinsbraten und Obazda getragen – aber wir sind leider satt. Eventuell kommen wir morgen nochmal her? Vom Stellplatz aus sind es nur ein knapper Kilometer bis zum Kloster.

Der Grundstein zum Franziskanerkloster wurde 1681 gelegt. Die Barockkirche ist sehr sehenswert. Der Kreuzberg kam zu seinem Namen, als 1681 ein Stadthauptmann aus Bischofsheim dem Kloster einen Holzspan vom Kreuz Chrisi von einer Pilgerreise mitbrachte und diesen als Reliquie der Klosterkirche zur Verfügung stellte. Zuvor hieß der Berg Eschenberg und noch früher, bei den Germanen, Asenberg

Wir wandern auf dem Wanderweg „Roter Tropfen“ den Berg hinunter. Wieder durch einen schönen Buchenwald, später auch durch Fichtenwald. Diese sind allerdings noch grün. Unterwegs auf unserer Fahrt hierher haben wir viele „rostige“ Fichtenwälder gesehen, die durch Trockenheit und Borkenkäfer abgestorben sind. Ob die Hochrhön um genau die wenigen Grade kühler ist, dass die Fichten überleben? Nach einer Wiese kommen wir nochmal in ein Wäldchen, in dem eine Hainbuche steht.

Eine verzweigte Hainbuche
Ein Kletterbaum meiner Kindheit – eine Hainbuche

Direkt nach dem Wäldchen sehen wir rechts oberhalb von uns den Berggasthof Roth. Kurz danach auch einen Trampelpfad durch die Wiese rechts hinauf zum Stellplatz. Noch lange sitze ich draußen mit meinem Laptop, schreibe und genieße den Blick über die wunderschönen Kuppen der Rhön. Ein schöner Sonnenuntergang rundet unseren ersten Reisetag ab.

Die Sonne geht über einem Rhöngipfel unter
Ein schöner Tag geht mit einem fantastischen Sonnenuntergang geht am Stellplatz über dem Arnsberg (?) zu Ende

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Wanderung zum Feldberg im Taunus

Wanderung zum Feldberg im Taunus

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Bereits seit meiner frühesten Kindheit sehe ich den Feldberg im Taunus aus der Ferne. Je nach Wohnort von immer einer anderen Richtung. Da eine meiner Töchter seit längerem in Oberursel wohnt, wollte ich gerne hinaufwandern. Mit Tochter und Enkelin habe ich mich auf den Weg gemacht.

Abkürzung mit der U-Bahn

Da die Füße meiner Enkelin erst 2 ½ Jahre alt sind, kürzen wir unsere Wanderung mit der U-Bahn ab. Wir fahren bis zur Endhaltestelle Hohemark. Ich habe mir vorgenommen, nicht über den „üblichen“ Wanderweg zum Feldberg zu wandern, sondern erst mit der Markierung „Roter Punkt“ bis zum Sandplacken. Unterwegs würden wir auf die Markierung „Greifvogel“ treffen und ab dem Sandplacken zur Markierung „Fuchs“ wechseln bis zum Gipfel. Meine Tochter hat die Kraxe dabei, um den kleinen Füßen der Enkelin ab und zu eine Pause zu gönnen.

Aufzeichnung der Wanderung in Komoot

Die Wanderung habe ich in Komoot aufgezeichnet.

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Start beim Taunus-Informationszentrum

Wir gehen von der U-Bahn-Haltestelle in Richtung Taunus-Informationszentrum und zur großen Wandertafel. Leider gibt es bei der Tafel keinen Wegweiser. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass der Wanderweg über den Kreisel der verkehrsreichen Straße geführt wird, gehen wir auf gut Glück an der Tafel geradeaus vorbei. Nachdem wir parkende Autos passiert haben, sehen wir einen Fahrradwegweiser Richtung Sandplacken. Wir folgen ihm und gelangen so über eine Brücke über die Hohemarkstraße. Bevor wir in den Wald eintauchen, begrüßt uns eine große Infotafel.

Eine Infotafel informiert, wie die keltische Stadt am Taunus früher ausgesehen haben mag
Die Infotafel informiert, wie die keltische Stadt am Taunus früher ausgesehen haben mag

Die Infotafel macht auf den Rundwanderweg Keltenstadt aufmerksam. Im 1. und 2. Jahrhundert v. Chr. war hier die größte europäische Keltenstadt angesiedelt. Sie hatte eine 10 km lange Stadtmauer und bedeckte eine Fläche von 130 ha. Der Rundwanderweg hat eine Länge von 4,3 km bei einem Höhenunterschied von 160 hm. Er ist sehr interessant gestaltet, mit vielen Fragen und Antworten.

Wir finden nach wenigen Metern unsere Markierung und müssen für Radfahrer und Trailrunner öfter zur Seite gehen. Die Enkelin lässt sich in der Kraxe tragen – die Sehperspektive ist hoch oben einfach besser als nur einen knappen Meter über dem Boden. Eine weitere Tafel informiert uns.

Auf einer Infotafel wird die Grablegung eines Keltenkriegers erklärt
Auf dem Keltenrundweg wird auch über die Toten der Kelten informiert

Wir biegen ab auf den in der Landkarte als „Felsenweg/Förster-Eigenbrodt-Weg“ bezeichneten Forstweg. Die Bezeichnung ändert sich später in „Felsenweg/Panoramaweg“. Die Enkelin möchte nun doch aus der Kraxe, um auf Baumstämmen zu balancieren. Kaum fertig, ist sie wieder auf dem Rücken der Mama. Eine Infotafel etwas später erklärt uns, wie die Keltische Siedlung angelegt war. Etwas später ist ein Fernglas im Wald installiert, dahinter einige Pfosten im Wald aufgestellt.

Eine Tafel erklärt, wie die Keltenhäuser gebaut waren
Hunderte Häuser, Hütten und Vorratsspeicher standen vermutlich locker gruppiert innerhalb der Stadtmauer
Einige Holzpfosten stehen in Abständen im Wald und bilden das Grundgerüst eines Keltenhauses
Die Pfosten zeigen an, wie das Fachwerkskelett des Keltenhauses verankert war
Durch ein Fernglas erkennt der Betrachter, wie das Haus früher ausgesehen haben könnte
Beim Blick (Foto) durch das Fernglas erkennt man, wie die Pfosten im fertigen Haus eingebaut waren

Unbeständiges Wetter

Das Wetter heute ist bedeckt und schwülwarm, am Nachmittag soll es regnen. Beim Bergaufgehen wird uns ziemlich warm und wir halten an, um die dünnen Langarmpullover auszuziehen. Dabei entdecke ich diese ulkige Baumwurzel, die sich perfekt zum Klettern für Enkelkinder eignet.

Eine ulkig gewachsene Baumwurzel schaut aus der Erde
Die Baumwurzel ist sehr interessant gewachsen

Der Waldweg lässt sich wunderbar laufen, der Wald selbst ist nicht so abwechslungsreich an der Stelle hier, wie in der Pfalz. Aber nun geht unser Weg über eine weite Strecke recht eben weiter und manchmal sogar leicht bergab. Wir entdecken unterschiedliches Moos und die Enkelin steigt aus der Kraxe, um es zu streicheln. Wir finden krabbelnde Käfer, eine Spinne, die im Waldgras schaukelt und einen uralten Baumstumpf, von dem es sich nach dem Hinaufklettern gut herunterspringen lässt. Der Weg geht nun bergauf, und wir folgen unserer Markierung bei einer Weggabelung rechts, auf einen schmaleren Pfad, der vielleicht mal gepflastert war.

Einige dicke Steine auf dem Weg deuten darauf hin, dass er in Vorzeit gepflastert war
Einige dicke, flache Steine auf dem Weg deuten darauf hin, dass er in Vorzeit gepflastert war

Wenig später können wir durch die lichten Fichten hindurch einen Blick zum Feldberg werfen.

Durch einzelstehende Fichten geht der Blick gegenüber zu einem Berg
Der Feldberg im Hintergrund verbirgt sich im Dunst und hat eine Nebelhaube

Brachflächen durch Borkenkäfer und Trockenheit

Unser Weg mündet in den „Unteren Goldgrubenweg“ und nun geht es sogar Bergab. Da können die kleinen Beinchen rennen. In den Flächen, die vom Borkenkäfer stark heimgesucht wurden, stehen Borkenkäferfallen, die mit Duftaromen arbeiten. Die Brachstellen stehen voll von blühendem Fingerhut, ich kann mich gar nicht satt sehen.

Dort, wo durch Windbruch und Borkenkäferfällungen Lichtungen entstanden sind, besiedelt der Fingerhut sehr schnell die Fläche
Dort, wo durch Windbruch und Borkenkäferfällungen Lichtungen entstanden sind, besiedelt der Fingerhut sehr schnell die Fläche
Ein Fingerhut mit einer sehr großen Blütentraube
Dieser Fingerhut hat eine sehr große, dichte Blütentraube
Die Blüte des Fingerhuts ist im Inneren gefleckt
Das Innere eines Fingerhutkelchs ist individuell gefleckt

Keine Bank zum Rasten

Gerne würden wir mal eine Pause machen, aber eine Rastbank, ein Tisch mit Bank oder eine Wandererhütte ist nirgends vorhanden. Da bin ich von der Pfalz doch mehr „Komfort“ gewohnt. Es wird nun beim Bergab wieder kühl, wir ziehen die Jacken an. Die Enkeltochter kann sich hinsetzen – und zwar wieder in die Kraxe, denn nun geht es wieder bergauf. Wir passieren den Grenzstein Viermärker und treffen kurze Zeit später auf den „Limes-Erlebnispfad“.

Eine Infotafel zum Limes-Erlebnispfad
Nicht nur über keltische Geschichte, auch über Römische können wir uns bei unserer Wanderung informieren

Wir müssen wieder die Kleidung wechseln, denn es wird wieder zu warm, da es ständig bergauf geht, zum Teil ziemlich steil. Ich bewundere mal wieder einen Stamm und das Wurzelwerk eines Baumes.

Über einer bemoosten Wurzel erhebt sich eine stattliche Buche
Eine wuchernde, bemooste Wurzel, über der sich eine stattliche Buche erhebt

Endlich entdecken wir eine Bank für unsere Mittagspause. Sie ist relativ morsch und steht an einer sehr windigen Stelle. So ziehen wir alle verfügbaren Pullover und Jacken an und ich zippe die Hosenbeine an meine Shorts. Gemütlich ist es nicht, aber wir drei Damen haben Hunger. Die Pause ist recht kurz und wir marschieren flotten Schritts weiter, um wieder warm zu werden. Das Kind ist wieder in der Kraxe und kämpft mit gegen den Mittagschlaf, ein aussichtsloser Kampf.

Selbst am Sandplacken gibt es außer Wirtshäusern und Bushaltestellen keine Bank zum Rasten. Aber die würden wir nun ohnehin nicht mehr benötigen. Der Himmel zieht sich immer mehr zu und der Wind wird kräftiger. Wir wollten eigentlich der Wegmarkierung Fuchs folgen, aber die geht anfänglich entlang der Straße. So folgen wir dem „blauen Kreuz“, das den Europäischen Fernwanderweg 1 markiert, der vom Nordkap nach Sizilien führt. Bald erreichen wir einen Wegweiser, von dem weg wir dem „Fuchs“ folgen können.

Ein Wegweiser mit Wanderwegmarkierungen und Kilometerinformationen
Die Wegweiser am Feldberg sind informativ, mit Wanderwegmarkierungen, Kilometerangaben und Hinweisen auf Bushaltestellen. Nun folgen wir dem Fuchs.

Der Weg wird hier zum schönen Wanderpfad, dem wir in Kurven weiter hinauf folgen.

Feldberggipfel

Wir treten aus dem Wald heraus und kommen zur offenen Wiese, nordöstlich des Gipfels. Wie schön, die Türme endlich aus der Nähe zu sehen.

Der Fernmeldeturm markiert den BU Der Fernmeldeturm markiert den Großen Feldberg im Taunus. Er ist von weithin sichtbar und begleitet mich seit meiner KinGroßen Feldberg im Taunus. Er ist von weithin sichtbar und begleitet mich seit meiner Kin
Der Fernmeldeturm markiert den Großen Feldberg im Taunus. Er ist von weithin sichtbar und begleitet mich seit meiner Kindheit

Beinahe könnte man das Foto an die Nordsee verlegen. Ein trüber, windiger Tag, eine weite Wiese vor einem „Leuchtturm“ und einem Sendemasten. Das Kite-Segel würde dann zu einem Surfer gehören, nicht zu einem Kite-Drachen, der im Wind gut aufsteigt. Wir freuen uns auf einen heißen Tee oder Kaffee oder eine heiße Suppe im Lokal am Feldberg, dass meine Tochter von ihren Motorradausflügen kennt. Aber leider ist die Gastronomie geschlossen. Passanten meinen, dass der Pachtvertrag nicht verlängert worden wäre. Ein Kiosk am Spielplatz bietet Kaffee und Kuchen feil, die wir an einer einigermaßen windgeschützten Stelle verspeisen. Das noch müde Kind ist aufgewacht und unleidlich. Es ist so kalt hier oben, denn der eisige Wind hat nichts mit dem lauen Frühsommertag zu tun, mit dem wir in Kurzen Hosen und mit T-Shirt in Oberursel gestartet sind. Selbst der Spielplatz zieht beim Kind nicht und auch nicht das Gipfelkreuz.

Das Gipfelkreuz des Feldbergs, dahinter die Bushaltestelle
Ein interessant gestaltetes Gipfelkreuz markiert den höchsten Punkt im Taunus. Hinter dem Gipfelkreuz ist die Bushaltestelle. Die Busse fahren die U-Bahn-Haltestelle Hohemark in Oberursel an
Ein Gipfelbuch ist in einem Metallkasten vor Witterung geschützt, das Feldbergkreuz wird beschrieben mit einer Höhe von 879,5 m
Wir sind bis auf eine Höhe von 879,5 m gewandert. Sogar ein Gipfelbuch wird beim Gipfelkreuz im Metallkasten vor Witterungseinflüssen geschützt

Zum Glück kommt der Bus wenige Minuten später, mit dem wir warm und bequem ins – hoffentlich warme – Tal zurückfahren können. Uns drei hat diese Wanderung großen Spaß gemacht. Wir haben knapp 10 km zurückgelegt und 620 Höhenmeter. Da viele Wege auf den Feldberg führen, werden wir uns ein anderes Mal einen wetterstabilen sonnigen und warmen Tag aussuchen, um den Feldberggipfel auch zu genießen.

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Trekking in der Südpfalz

Trekking in der Südpfalz

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Schon seit über zehn Jahren gibt es die Trekkingplätze in der Südpfalz. In Deutschlands größtem zusammenhängende Waldgebiet, mit wenigen Ortschaften und großartigen Aussichten. Eine fantastische Sache für eine Trekkingtour in Deutschland oder um Ausrüstung und Kondition für eine große Auslands-Tour zu testen.

Trekking und Corona

In meinem Newsletter April 2020 kündigte ich an, am 4. Mai zur Pfalz-Trekking-Tour zu starten. Mein Neffe hat sein Abitur fast geschafft, alle üblichen Abi-Veranstaltungen fallen aus, er ist wie alle Schüler im Homeschooling. Um sein „Leid“ zu mildern, habe ich ihn zum Pfalz-Trekking eingeladen. Leider kommt die Absage am Abend des 3. Mai per Mail. Wegen Corona bleiben die Trekkingplätze gesperrt. Ich verstehe den Sinn nicht, genauso wenig ich den Sinn verstehe, dass Wohnmobil-Stellplätze gesperrt sind. Wen gefährden wir im Wald beim Wandern oder auf einem Trekkingplatz? Ich halte beim Wandern sowieso Abstand von anderen Wanderern. Auf dem Trekkingplatz würden wir das auch tun. In unserem Wohnmobil sind mein Mann und ich zu zweit zuhause – könnten „stay at home“ praktizieren. Wir kämen mit wenig oder keinen Menschen zusammen, beim Wasser-Ver- und Entsorgen hielten wir Abstand, falls andere Menschen in der Nähe wären und könnten ansonsten die Natur in anderen Gegenden genießen.

Aber bei dieser Krise geht es weniger ums Verstehen von Maßnahmen, sondern um das Befolgen derselben um andere zu schützen. Also halten wir uns an die Regeln.

Am Montag, 4. Mai, wird telefonisch vage Hoffnung gemacht für einen Termin ab 11. Mai. Aber eher wahrscheinlich ist ein Termin ab 18. Mai – allerdings nicht auf den von uns vorgesehenen Trekkingplätzen „Kalmit – Heldenstein – Eußerthal“. So weichen wir auf die Plätze „Heldenstein – Eußerthal – Annweiler“ aus und buchen diese vom 18. bis 21. Mai. Zu meinem eigenen Trost plane ich jeden Abend die eventuell zu wandernden Tagestouren in Komoot vor. Nach der Tour werde ich sie in die tatsächlich gewanderten Routen abändern.

Trekking in der Pfalz

Die Trekkingplätze sind in der Südpfalz 2009 konzipiert worden. Es begann mit sechs Trekkingplätzen zwischen Kalmit im Norden und Burgruine Guttenberg im Süden. Mittlerweile sind weitere Plätze in den nördlichen und westlichen Pfälzerwaldgebieten hinzugekommen. Die Plätze ermöglichen Draußen-Übernachtungen im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen zwischen April und Oktober. Sie liegen etwas versteckt außerhalb der üblichen Wanderwege und sind mit einigen ebenen Plätzen und einer Feuerstelle ausgestattet. Und einer biologischen Toilette. Daher kommt auch das Verbot der Landesregierung, denn in unserer Republik muss jedes Ding in eine Schublade und Trekkingplätze kommen eben in die Campingplatzschublade, denn ein Holzverschlag im Wald, eine Biotoilette, ist ein „Sanitärraum“. Auch wenn Deine feste Notdurft mit etwas Rindenmulch bedeckt in der Biotoilette kompostiert. Nee, das ist kein Jux, sondern Anwendung von Gesetzestexten und Vorschriften.

Auf den einzelnen Trekkingplätzen stehen nur wenige Übernachtungsplätze zur Verfügung, wobei es egal ist, ob Du im Zelt, im Tarp oder in der Hängematte übernachtest. Damit die Plätze nicht überfüllt werden, buchst Du Deinen Platz über den Tourismusverband Südliche Weinstraße, die Gebühr beträgt 10 € pro Nacht pro Platz. Für jedes Trekkingcamp gibt es einen zuständigen Ehrenamtler, der den Platz in Ordnung hält (was eigentlich die Aufgabe der Besucher ist) und dem man Schäden (z.B. umgestürzte Bäume, Vandalismus) melden kann. Alle Angaben zu den Plätzen erhältst Du nach der Buchung.

Trekking in unmittelbarer Umgebung

Vielen Menschen ist bisher nicht bekannt, dass es in der Pfalz diese Trekkingplätze gibt. Meist zieht es die Trekker nach Skandinavien oder auf die großen Fernwanderwege ohne Übernachtungsmöglichkeiten, wie den GR 20 auf Korsika. Die Landschaft, in der die mittlerweile 15 Pfälzer Plätze liegen, ist jedoch sehr abwechslungsreich und teilweise auch spektakulär. Also, warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah. Das sagte ich mir Anfang April, als unsere Kanada-Wohnmobil-Überführung wegen Corona abgesagt wurde. Mein Trekkingpartner würde mein Neffe sein, denn er hatte mit seinem Vater, meinem Bruder, im letzten Jahr eine Tour in Jontunheimen in Norwegen gemacht. David ist ein begnadeter Musiker, der bereits seit seinem 15. Lebensjahr komponiert. Du kannst seine Norwegentour mit seiner Musik als Film auf Youtube anschauen.

Für den jungen Mann, der in diesem Coronajahr das Abitur geschrieben hat, fallen sämtliche Feierlichkeiten aus und dass ist ungeheuer schade. Unsere gemeinsame Trekkingtour sollte ein kleiner Trost und eine Abwechslung sein. Mit Achselzucken nahm er das neue Datum zur Kenntnis und wir verabredeten uns für den 18. Mai.

Packen für die Tour

Am Montagvormittag holten wir meine Trekkingausrüstung aus dem Keller und breiteten alle Dinge im Wohnzimmer aus. Das Wetter hatte es die letzten zweieinhalb Wochen gut mit uns gemeint. Der Regen hat die Waldbrandgefahr sinken lassen. So werden wir „offenes Feuer“ zumindest mit dem Gaskocher machen dürfen. Ich habe „Fix-Nudel-Gerichte“ gekauft, mit sechs Minuten Kochzeit und Kaffee zum Frühstück ist auch möglich. Die nächsten Tage werden überwiegend freundlich, es kann aber nachts recht kalt werden. Daher entscheiden wir uns für das größere Zelt, das ich als „Notzelt“ in Schottland erstanden hatte. Wir nehmen keine Teller mit, wir verwenden die Töpfe des Topfsets stattdessen. Bald liegen zwei Häufchen wohlüberlegtes Material im Zimmer, die wir in die Rucksäcke packen. Mein Gregory – den ich seit meiner Marmolejo-Expedition in Chile besitze – fasst über 80 l. Die will ich aber nicht voll machen, obwohl er sich gut trägt. Davids benutzt den 20-Jahre alten Discounter-Trekkingrucksack seines Vaters, wie in Norwegen. Als Luxus gönnen wir uns jeden Abend, je eine Dose Äppler (Apfelwein). Die steuert David bei, als Hommage an unser Herkunftsland Hessen.

Start des Pfalztrekkings

Wir lassen uns von Bernhard, meinem Mann, am Spätnachmittag zum Parkplatz Lolosruhe am Ende des Edenkobener Tals bringen. Ich habe zwar die voraussichtichen Routen vorgeplant, aber die dienen nur als Idee. Wir wollen uns treiben lassen, zu- und abgeben, wie uns die Kondition, die Landschaft und unsere Laune es vorgeben. Wir haben uns mit den Bedingungen zur Nutzung der Trekkingplätze vertraut gemacht und uns Wegbeschreibungen ab markanten Punkten ausgedruckt. Den heutigen Platz wollen wir ab dem Forsthaus Heldenstein erwandern.

Auf Komoot habe ich unsere Routen aufgezeichnet. So kannst Du unsere Tour nachwandern. Die genaue Lage der Trekkingplätze darf ich aber nicht verraten, die erhältst Du nach einer Buchung bei Südpfalz-Trekking. Da ich die Touren vorab geplant habe, erscheinen die Touren mit dem Planungsdatum hier im Bericht und auf Komoot. Das ändert an der Wegführung jedoch nichts.

Endlich in den Wald eintauchen, unterwegs sein. Wir folgen der Markierung „Rotes Kreuz“, dem europäischen Fernwanderweg 8 von Irland bis zu den Karpaten. Schon bald sind wir am 1874 errichteten Schänzelturm. Er bietet eine spektakuläre Aussicht über die Landschaft, die wir in den nächsten Tagen durchwandern werden. Wir finden in der Ferne den Asselstein. Wir richten die Wanderkarte an ihm aus und schauen die eventuellen Wandermöglichkeiten auf der Karte an.

Schänzelturm Aussicht

Der Schänzelturm steht auf dem 613,5 m hohen Steigerkopf, am Ende des Edenkobener Tals.

Der Schänzelturm auf dem Steigerkopf – ein Wegweiser mit den Wanderzielen steht davor
Der Schänzelturm auf dem Steigerkopf und ein Wegweiser mit den Wanderzielen

Wir folgen vom Schänzelturm dem roten Kreuz nach Westen bis zu den „Heldensteinen“. So oft war ich schon am Schänzelturm, aber die Gedenksteine habe ich noch nicht besucht, sondern bin immer nach Süden, zum Benderplatz, weiter gewandert.

Heldensteine am Steigerkopf

Ein kurzer Rückblick in die Historie. Deutschland bestand bis 1872 aus 37 verschiedenen Herrschaftsgebieten, die sich manchmal in „Bünden“ zusammenschlossen. Nach der französischen Revolution (1789) griff der Freiheitsgedanke auch auf die Pfalz über. Bereits 1793 gründete sich für vier Monate die Mainzer Republik, als erstes bürgerlich-demokratisches Staatswesen auf deutschem Boden. Zwischen 1792 und 1797 führten Frankreich und eine Koalition verschiedener Staaten, hauptsächlich Preußen und Österreich und kleinere deutsche Staaten einen Krieg. Hauptsächlich ging es den Gegnern Frankreichs um die Wiedereinsetzung der französischen Monarchie und das Unterbinden der Verbreitung der revolutionären Ideen der französischen Revolution. 1794 wurde am Steigerkopf eine große Schlacht geschlagen. Zur damaligen Kriegsführung gehörten Schanzen zur Verteidigung und für den Angriff zu errichten. Im Sommer 1794 bauten 4.500 preußische Soldaten Schanzen gegen die anmarschierenden 7.000 Franzosen. Die Preußen wurden von General Pfau befehligt, der am 13. Juli 1794 unterhalb des heutigen Schänzelturm fiel. Das Territorium fiel kurzzeitig an die Franzosen.

Ein Gedenkstein mit einer Inschrift steht, daran sind Felsplatten gelehnt
Der Gedenkstein für General Pfau wurde von seinem Freund und Mitstreiter General Feldmarschall Graf von Wurmser 1796 errichtet

Ein weiterer Kampf fand im Winter 1794 statt. Die österreichische Armee besiegte die Franzosen und erreichte einen kurzzeitigen Waffenstillstand.

Gedenkstein für die österreichische Armee

Bis die Pfalz 1798 endgültig an Frankreich angebunden wurde, ging die Herrschaft über die Pfalz in zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen siebenmal hin und her. Bis 1815 war die Pfalz Französisch. Die Bevölkerung hatte alle bürgerlichen Rechte und Pflichten, die die Revolution in Frankreich errungen hatte. Unter anderem den Code Civil, ein bürgerliches Gesetzbuch, das im Übrigen der Ideengeber unseres BGB geworden ist. Weiter in die Geschichte eintauchen, das ginge für unsere Wanderung (und diesen Blogbeitrag) zu weit.

Bei der Wanderung kannst Du bei genauem Hinschauen die Schanzen heute noch in der Landschaft entdecken. Unterhalb des Schänzelturms, etwa auf halber Strecke zum Forsthaus Heldenstein, sind Gedenksteine für General von Pfau und die Kämpfer der österreichischen Armee aufgestellt. Der Schwedenstein, der ebenfalls auf diesem Plateau steht, erinnert an den Dreißigjährigen Krieg. Truppen von Schweden und des Herzogs von Sachsen-Weimar, kämpften auf französischer Seite gegen Truppen des Deutschen Kaisers und Bayerns. Wir entdecken noch weitere Rittersteine, die der Pfälzer-Wald-Verein zu historischen Ereignissen an bedeutsamen Stellen errichtet hat.

Weiterführende Infos für Interessierte zu den Gedenkstätten am Steigerkopf findest Du unter der Website von „Kultur. Landschaft. Digital.“

Trekkingplatz Heldenstein

Tief in die Erklärungen über die vielfältige pfälzische Geschichte und in der Beantwortung von Davids Fragen versunken, wandern wir weiter bergab zum Forsthaus Heldenstein. Ich habe im Hinterkopf, dass der Trekkingplatz im Südwesten des Forsthauses liegt. Unsere Geschichtsstunde unterbrechend lesen wir die Wegbeschreibung, die wir erhalten haben. Diese spricht vom Wanderweg Nr. 6. So suchen wir ein wenig herum, bis wir herausfinden, dass wir wieder hinauf müssen, fast in der Richtung, die wir gekommen sind. Bald haben wir über den Wanderweg 6 die Heldensteine wieder erreicht. Wir lachen sehr über dieses Missgeschick.und wandern zum Trekkingplatz weiter. Wir verbuchen es unter Erfahrung gemacht und eine wunderschöne Eingehtour am heutigen Spätnachmittag. Wir erreichen den Platz, der malerisch unter hohen Bäumen liegt.

Links steht ein Toilettenhäuschen, geradeaus ein Lagerfeuerplatz
Der Trekkingplatz Heldenstein, links die Biotoilette

Die Feuerstelle bildet auf einer ebenen Fläche den Mittelpunkt; hohe Steine und Baumstämme umgeben sie. Das Toilettenhäuschen liegt abseits etwas links, in der Innentür die Bedienungsanleitung. Eine Beschreibung zur Nutzung des Trekkingplatzes ist an einen Baum genagelt und unter den Bäumen finden wir einen weichen, ebenen Platz für unser Zelt. Nach dem Aufbau richten wir es mit unseren Matten und Schlafsäcken ein. Die Nahrungsmittel aus den Rucksäcken packen wir größtenteils in den Ortliebsack, nur unser Abendessen kommt ins Zelt.

Ein geöffnetes Zelt, daneben in einer Plane verpackte Rucksäcke und ein Nahrungsmittelbeutel
Unsere Rucksäcke sind in der Plane verpackt, der Nahrungsmittelbeutel wartet auf die Reste unseres Abendessens

Der Trekkingplatz liegt am Westhang eines Berges und wir finden einen Baumstamm auf einer Lichtung in der Nähe, auf der wir unseren Sundowner, einen Apfelwein aus dem Odenwald, genießen.

Sundowner am Trekkingplatz Heldenstein

Die Sonne senkt sich in schönen warmen Farben zwischen Bäumen hinter einen Berg und schön wird es merklich kühler. Wir machen kein Feuer an der Feuerstelle. Der Pfälzer Wald ist sehr trocken durch die wenigen Niederschläge 2018 und 2019. Das Jahr 2020 war bisher auch nicht so regenreich und ohne Schneeauflage im Winter, der Waldboden ist ungeheuer trocken. Mir ist die Waldbrandgefahr bei einem Lagerfeuer zu hoch.

Wir essen im Zelt, warm und Insektenfrei zu Abend. Unser restliches Brot kommt danach noch in den Essensack und wir werfen etwas vom Zelt entfernt den Karabiner mit dem Ende unserer Reepschnur über eine Astgabel. Der Karabiner wird in die Ösen des Ortliebsacks eingehakt, der Sack nach oben gezogen und die Schnur an den Stamm geknotet. Das ist nicht sehr gastfreundlich den Wildschweinen und anderen Wildtieren gegenüber, aber Menschessen ist sowieso kein geeignetes Tierfutter. Ich liege mit Beginn der Dunkelheit in meinem Schlafsack, David bleibt noch draußen und telefoniert. Die erste Nacht im Zelt ist ungewohnt, aber ich genieße sie.

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Vom Heldenstein nach Eußerthal

Am Morgen genieße ich die Ruhe im Wald. Vögel zwitschern um mich herum, ansonsten ist nur Stille. Ich suche mir mit unserem Wassersack einen entfernten Platz und wasche mich mit einem Waschlappen. Ich spaziere über den Platz und studiere die Anleitung der Biotoilette, die quasi wie ein Kompost im Garten funktioniert.

Trekkingplatz Heldenstein Morgenstimmung

Ein Wind kommt auf, der mich ins Zelt zum Anziehen treibt. Ich wecke meinen Wanderkameraden und wir packen ein, fürs Frühstück suchen wir uns einen gemütlicheren Platz.

Der Wald ist aufgeräumt
Wir hinterlassen nur leichte Druckspuren und sonst nichts

Wir wandern den uns bereits bekannten Weg zum Forsthaus Heldenstein und folgen von dort der Markierung rotes Kreuz Richtung Kirschbaumhütte. Der schmale Pfad ist wunderbar zu gehen, teils sandig, teils mit kleinen Steinen und Wurzeln durchsetzt. Die Stille ist überwältigend, nur unsere Schritte und das Stockgeklapper machen außer den Vögeln Geräusche. Bald biegen wir nach Süden ab und folgen der Markierung „grün-blauer Balken“. Eine Rastbank mit Tisch am Sandplatz wird unser Frühstücksplatz. Wir stellen den Gaskocher auf den Tisch, füllen Wasser in den größten Topf und das Milchpulver hinzu. David schnippelt den Apfel für unser Müsli, ich bereite meinen Kaffee vor. Ich rühre die Milchsuppe immer wieder um, und als sie kocht, fülle ich zuerst mein Kaffeetöpfchen auf und den Topfdeckel, der meine Müslischale ist, den Topf mit dem Milchsuppenrest bekommt David. Die Suppe füllen wir mit Müsli, Studentenfutter und den Apfelstückchen auf und genießen das leckere, warme Frühstück.

Ein Rucksack liegt auf einem Tisch, an dem zwei Personen sitzen. Auf einem Gaskocher wird Wasser erhitzt
Frühstücksvorbereitung – noch sind Wetter und Kaffeewasser kalt

Leider ist das Milchpulver im Topf etwas angebrannt. So kochen wir nach dem Frühstück noch etwas Wasser auf und lösen mit dem Kochlöffel die Schicht und mit dem Spülschwamm den Rest. Wir lernen: das Milchpulver erst nach dem Siedepunkt in das Wasser einrühren! Wir packen alles zusammen und wandern weiter nach Süden bis zu einer Kreuzung. Ein Kunstwerk an einem gefällten Baum lässt und staunen.

Eine Vielzahl von kleinen Baumpilzen bevölkern die Schnittkante eines Baumstamms
Die Baumpilze bilden eine richtige Siedlung an der Schnittkante des Baumstamms – Baumpilzkunst nenne ich das

Ein Schild zeigt nach Westen zur Böchinger Hütte und wir folgen dem roten Punkt.

Ein Wegweiser erläutert die Entfernungen und Richtungen der Wanderwege
Wir folgen dem Wegweiser zur Böchinger Hütte

Den Weg bin ich letztes Jahr beim Hüttenhopping von Ramberg kommend bereits gewandert. Er ist ab der Kreuzung erst breiter Forstweg und schwenkt mit einem Haken nach rechts, auf schmalem Pfad steil hinab. Einsam liegt die Böchinger Hütte in einem Wiesengrund. Ein fantasievoll gestalteter Spielplatz liegt rechts, Tische und Bänke verteilen sich um die Hütte und links davon. Sie ist an Sonn- und Feiertagen bewirtschaftet – hoffentlich bald wieder. Zwar darf die Gastronomie bereits wieder öffnen, aber nur mit Bewirtung am Tisch. Die Pfälzerwaldhütten, die sehr oft ehrenamtlich von den Mitgliedern der Ortsgruppen des jeweiligen Pfälzerwaldhütten bewirtschaftet werden, sind von alters her als Thekenverkauf organisiert. Und das ist derzeit noch nicht erlaubt!

Die Böchinger Hütte liegt im Pottaschtal in einem Wiesengelände
Die Böchingerhütte liegt malerisch und bietet vielen Gästen Platz

Wir folgen dem roten Punkt das Pottaschtal hinab. Wir stoßen auf den Katzenbach.

Eine Wanderin steht weit unten an einem Bach
Ich klettere die steile Böschung hinab und fülle unsere Wasserflaschen auf

Wir lassen uns von einem Hinweis zur „Friedel-Jung-Aussicht“ bergauf locken. Der Weg ist lange, bietet aber Abwechslung. Ein dicker blauer Käfer kreuzt unseren Weg, den wir einige Zeit beobachten.

Ein blauer Käfer am Waldboden
Ein blauer Käfer auf Nahrungssuche

Faszinierend sind auch die Bäume, die sich auf Felsbrocken links von uns festklammern. Die Wurzeln ziehen sich teils einige Meter oberirdisch zur Seite oder nach unten, bevor sie im Erdreich fest wurzeln.

Die Baumwurzeln suchen durch Felsen den Weg in die Erde
Mich faszinieren die Wurzelgebilde der Bäume in den Felsen am Wegesrand

Nach beinahe 200 Höhenmetern stoßen wir auf eine schön angelegte Terrasse mit Bänken und Tisch.

Eine Holzterrasse mit Tisch und Bänken
Der Friedel Jung Platz wurde 2006 angelegt

David wird in seinem durchgeschwitzten Baumwollshirts kalt und er wechselt die Kleidung. Ich laufe seit Jahren in Merinoshirts, Devold oder Eisbreaker, bei mir ist alles warm, trocken und okay. Von der Aussicht bin ich ein wenig enttäuscht. Das Wort „Aussicht“ signalisiert meinem Hirn die Erwartungshaltung „Weitblick“ und der ist hier nur zu einem Berggipfel gegeben.

Aussicht auf einen Berg über den Mischwald hinweg
Welcher Berg im Hintergrund steht, sagt uns unsere Karte leider nicht

Nach einem Blick in die Karte entscheiden wir, weiter hinauf zum Schwörstein zu wandern. Auch hier erwarte ich einen Aussichtspunkt, aber wieder kommt es anders.

Ein flacher Felsen an einer Wegkreuzung
Der flache Felsen an der Wegkreuzung heißt Schwörstein. Vermutlich ein früherer Versammlungsplatz mit politischer Bedeutung

Hier haben wir endlich mobilen Empfang und David nutzt die Pause an der höchsten Stelle zum Telefonieren. An dieser Wegkreuzung erreichen wir wieder die Markierung „Blau-grüner Balken“, der wir nun nach Südsüdwest folgen. Kurz danach passieren wir eine Stelle, an der der Wind im unten verzweigten Talschluss wohl keinen Ausweg fand und in seiner Wucht mehrere starke Buchen abdrehte.

Eine riesige Buche liegt zersplittert auf dem Wanderweg
Welche Kraft der Wind hat, wird uns bei der abgebrochenen Buche wieder mal bewusst gemacht

Wir erfreuen uns am immer unterschiedlichen Wald, dem abwechslungsreichen Baumbestand, der manchmal skurrilen Gewächsen Raum gibt.

Zwei Buchen wachsen umeinander herum in die Höhe
Die Buchen wachsen verschlungen – um stärker zu sein gegen den Wind, der hier auch schon durchgefegt ist?

Wir sind so in das Schauen vertieft auf Kleinigkeiten und Besonderheiten, dass wir einen Abzweig verpassen. Als das Sanatorium Eußerthal vor uns auftaucht, fällt mir das auf, aber ich weiß ja, dass wir über den Weinsteig auch nach Eußerthal kommen. Ein interessantes Kunstwerk tröstet uns über den Verhauer hinweg.

Auf einem Baumstumpf an einem Hang sind Steine filigran als Kunstwerk aufeinander gesetzt
Kunstwerk oder Statik-Übung?

Wir suchen eine Rastbank für unsere Spätnachmittagsvesper, finden eine aber nur direkt oberhalb der Häuser von Eußerthal. Nach Brot, Käse, Wurst, Paprika und Kohlrabi legen wir unsere Rucksäcke hinter einen Baum und gehen über eine steile betonierte Rampe hinab zur Hauptstraße. Das Grundstück rechts der Rampe beherbergt einen Hund, der sich gar nicht einkriegt und furchtbar laut bellt. Die Hausbewohner stört das nur wenig, nach einem „Sei doch still“ Kommando, auf das der Hund nicht hört, passiert von Hundebesitzerseite nichts mehr.

Wir spazieren an der evangelischen Kirche vorbei und biegen rechts ab, am Klostergarten vorbei zur Kirche. Ich mag diese Kirche sehr. Für mich ist sie ein magischer Ort zur Besinnung, zum Lauschen und zum Lernen. Leider ist die Orgel abgeschlossen. Ich hätte gerne ein Privatkonzert genossen, denn David ist seit letztem Jahr ausgebildeter Organist.

Die Klosterkirche Eußerthal ist aus rotem Sandstein gebaut
Die Klosterkirche Eußerthal, eine Glaubens- und Informationsstätte

Auf anderem Weg wandern wir zurück zu den Rucksäcken, der Hund kann uns immer noch nicht leiden, und nochmal am Hund vorbei zur Hauptstraße, der wir nach rechts folgen. Leider hat der Birkenthaler Hof am Dienstag Ruhetag, sonst müssten wir heute Abend nicht selbst kochen. Bevor wir nach rechts zum Trekkingplatz abbiegen, füllen wir am Bach noch unseren Wassersack.

Am Bach wird der Wassersack gefüllt
Ein Autofahrer rät uns davon ab, das eingefüllte Wasser als Trinkwasser zu nutzen – oberhalb wäre die Forellenzucht und der Sportplatz – also gießen wir es wieder aus

Nun wollen wir keinen Umweg mehr zu einer Quelle laufen und hoffen, mit dem Wasser in den Flaschen und unserm Apfelwein bis zum Frühstück durchzuhalten.

Wir folgen einem kleinen Schild „Trekkingcamp“ einigen Serpentinen hinauf und kommen nach 200 Höhenmetern an mächtigen Felsen heraus, die wir umwandern.

Ein Baum wächst mit vielen Bögen aus einem Fels heraus
Der Baum ist faszinierend gewachsen

Ich bin ziemlich erschöpft – ich merke, dass mir Training fehlt – und so wandere ich langsamer hinter David her. Nach weiteren Felsumgehungen erreichen wir ein Felsplateau. Am liebsten würde ich da Zelten, aber da müssten wir uns über Nacht anseilen und die Gerätschaft dafür habe ich nicht mit. So geht es noch ein wenig bergauf, bis wir am heutigen Ziel sind, nach 21,4 km, 820 Höhenmetern bergab und 580 Höhenmetern bergauf.

Rundumblick Trekkingplatz Eußerthal

Wir stellen auf einem Stein der Feuerstelle unseren Kocher auf, ein Päckchen „Fix-Gericht“ wird heute Abend reichen, ich bin einfach nur müde und nicht hungrig.

Ein Gaskocher steht auf einem Stein, Wasser wird in einem Topf erhitzt
Frau ohne Kopf bedeutet nicht, dass ich kopflos bin – ich habe nur vergessen, dass ich im Vordergrund höher sein werde als David im Hintergrund

Nach meinem Telefonat sinke ich in meinen Schlafsack, nachdem ich meine Therm-a-Rest Matte nochmal fest nachgeblasen habe. Ich wache nachts immer wieder auf, weil die Matte nicht weich, sondern knochenhart ist – also lasse ich ein wenig Luft raus – und weil wir mit dem Fußende bergab stehen. Mein Schlafsack rutscht auf der Matte sehr gut und ich somit immer wieder ins Fußende des Zeltes. Ich robbe mich wie eine Raupe hinauf und das Rutschspiel beginnt von vorne.

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Von Eußerthal nach Wernersberg

Gegen fünf Uhr in der Früh kommt von Osten ein starker Wind auf, der am Zelt rüttelt. Ich schlafe nochmal ein und spaziere nach sieben Uhr mit meinem Waschlappen zum Regenfass am Toilettenhäuschen. Zwar ist das Regenwasser für das Löschen des Lagerfeuers gedacht, aber ich nutze einige Tropfen auf meinem Waschlappen für meine Morgentoilette. Wieder am Zelt ziehe ich mich schnell an und über ein Devold-Hoodie noch die Windstopperjacke und meine Regenjacke. Der Wind ist ungeheuer ungemütlich. So wecke ich David und beginne zu packen, während er sich anzieht. Nein, Frühstück gibt es hier keines, zu kalt, zu ungemütlich und wir haben kein Wasser mehr.

Der Wald sieht unberührt aus, wo vorher das Zelt stand
Wieder sieht keiner, dass wir überhaupt da waren

Wir folgen dem Forstweg und sind bald schon aus dem Wind und es wird gemütlicher. Da wir den kleinen Pfad zum Neubrunnen nicht finden, laufen wir an der Taubensuhlstraße hinauf. Den Abzweig nach links zur Siebeldinger Hütte nehmen wir nicht, da wir uns nun den Tröpfelbrunnen auf der Karte ausgesucht haben, um zu Wasser zu kommen. So wandern wir die Taubensuhlstraße noch drei Kehren hinauf und erfreuen uns an dem sanften Geplätscher, das der Brunnen macht.

Eine gefasste Quelle mit Becken trägt die Inschrift Tröpfelbrunnen
Der Tröpfelbrunnen füllt langsam, aber stetig die Wasserflaschen und den Wassersack

Erst die Wasserflaschen, dann den Wassersack und nochmal die Wasserflaschen, die fast schon wieder leergetrunken sind. Es dauert lange, aber wir habe es ja nicht eilig und ich habe mittlerweile auch schon zwei Schichten ausgezogen und im Rucksack verstaut.

Beinahe gegenüber des Tröpfelbrunnens geht ein schmaler Pfad, mit Markierung roter Punkt, hinab zur Siebeldinger Hütte, dem wir mit gluckerndem Wassersack folgen.

Ein schmaler Pfad führt steil nach unten
Die Markierung roter Punkt führt auf schmalem Pfad steil hinab zur Siebeldinger Hütte

Wieder liegt ein wunderschöner, gesunder, starker Baum über dem Weg, umgeblasen vom Wind. Ich animiere David zu einem gestellten Foto, bevor wir das Hindernis über- äh, unterwinden.

Eine mächtige Buche ist umgestürzt
David hört (noch) auf mich und macht den Quatsch über die Buche klettern zu sollen für das Foto mit
Ein junger Mann unterquert eine umgestürzte Buche
Drunter durch geht es doch einfacher

Auch diese Hütte haben wir für uns, da aber hier wieder der Wind bläst, ziehen wir uns in die Laube vor dem Eingang zurück. Ich stelle den Kocher mit Wasser auf und decke den Tisch. David ist derzeit inspizierend unterwegs und findet eine Kerze mit Adventsaufdruck, die wir uns zum Frühstück entzünden.

Die Siebeldinger Hütte hat viele überdachte Sitzplätze
Die Siebeldinger Hütte liegt malerisch, am Morgen jedoch noch schattig

Wasserrauschen lockt mich unter dem Dach hervor und ich entdecke die Quelle an der Hütte – na, da wäre der Wassersack ja ruckzuck voll gewesen!

Eine Quelle mit breitem Strahl ergießt sich aus einem Drachenkopf ins Laub
Ein dicker Strahl kommt aus dem Drachenkopf aus der Quelle an der Siebeldinger Hütte

Wir genießen unser Frühstück, Müsli, Apfelstücke, Studentenfutter und Milch aus Milchpulver, dazu einen Kaffee.

Zwei Personen sitzen beim Frühstück am Tisch einer Waldhütte
David hat für unser Frühstück ein Kerzchen gefunden und angezündet

Wir sparen danach nicht mit Spülwasser. Selbst der Tisch glänzt sauber, als wir ihn verlassen, denn den Lindenblütenstaub haben wir auch abgewischt. Unseren Müll transportieren wir in einem Müllsack an meinem Rucksack. Der füllt sich auch unterwegs immer mit Unrat, der im Wald nichts zu suchen hat und den wir auch mitnehmen. Von der Hütte könnten wir weiter bergauf, auf dem roten Punkt spazieren und auf der anderen Seite am Bach nach Süden laufen. Wir entschließen uns, auf dem gelben Weg zu bleiben und laufen daher im Schatten, begleitet vom Wind, der das Tal hinunterfegt. Eine Baumbrücke bietet sich nicht wirklich zur Überquerung der „Schlucht“ an.

Ein Baum ist über das Bachtal gestürzt
Ich wage den Sprung zur Baumbrücke auf die Sonnenseite des Eußerbaches nicht

Unten im Tal kommen die Wege wieder zusammen und wir schauen uns unsere weiteren Möglichkeiten auf der Karte an. Wir wollen den roten Punkt weiter verfolgen, denn wir wollen am Aussichtpunkt Almersberg Mittagspause machen. Leider lassen wir uns schon wieder ablenken, denn wir erkunden noch eine malerische Hütte.

Eine kleine Rasthütte in Fachwerkbauweise
Die Dörrenthalhütte steht am Eingang zum Meisenthal in das wir nun wandern

Das wäre auch ein schöner Übernachtungsplatz, aber leider ist abgeschlossen. Wir entdecken das Schild Meisenthal und nehmen den Weg bergauf. Irgendwann, als der Weg eine Serpentine nach links macht, überprüfen wir Weg und Wanderkarte und stellen fest, dass wir schon wieder anders gehen, als wir uns vorgenommen haben. So nehmen wir klar wahrnehmbare, aber nicht in der Karte eingezeichnete Wege weiter hinauf, bis wir wieder den Weg mit dem roten Punkt erreichen. Auf schmalem Pfad geht es weiter bergauf.

Ein Pfad führt bergauf durch den Wald in eine Wiederaufforstung
Der Weg ist wunderschön und abwechslungsreich, gleich wird David in die jungen Buchen eintauchen

Dann folgt wieder ein Abschnitt mit vom Sturm gefällten Bäumen.

Ein junger Mann klettert auf dem Wanderweg über einen Baum
Immer wieder liegen uns Bäume im Weg und fordern sportliche Kletterübungen

Die Förster bemühen sich um die Wiederaufforstung. Der obere Teil des Berges ist sogar eingezäunt, um den jungen Bäumchen zu ermöglichen, ohne Wildverbiss zu wachsen.

Ein Gatter schützt die Wiederaufforstungsfläche am Almersberg
David geht durch das Gatter der Aufforstungsfläche am Almersberg

Wir passieren einen Felsen, der trotz der porösen Unterstruktur noch aufeinandersteht.

Der Sandstein ist porös und gesprungen – hält den Felsen darauf aber noch
Die verschiedenen Schichten des Buntsandsteins halten irgendwie aufeinander, auch wenn die Erosion unterschiedlich voranschreitet

Noch ein wenig Kraxelei und wir erreichen das Plateau des Almersberges.

Die Hochebene vor dem Rastplatz am Almersberg
Die Hochebene vor dem Rastplatz am Almersberg

Diesmal passe ich auf und entdecke den unscheinbaren Pfad, der zu einem der schönsten Aussichtplätze führt, die ich in der Pfalz bisher gesehen habe.

Ein junger Mann sitzt an einem Tisch, der auf einem Felsen steht
Unser Kocher steht auf einem Felsen neben einem Regenwassertümpelchen

Wir bauen unseren Kocher auf einer Felsplatte auf, gleich nebenan ist ein kleiner Regenwassertümpel. Ich bleibe beim Topf hocken und bewache und rühre unser Essen.

Die Bloggerin rührt im Topf auf dem Gaskocher
Die Outdoorküche an einem besonderen Platz

Zwei Päckchen Tütenessen passen gleichzeitig in den Topf, wir setzen gleich noch unser kleines Töpfchen mit Wasser auf, entweder zum Spülen oder für eine dritte Tüte.

Eine Suppe steht auf einem Tisch mit schöner Aussicht über das Wasgau
Welch schöneren Platz könnte es für das Mittagessen geben? Der Blick reicht tief in das Wasgau

Da ein junger Mensch mehr Hunger hat als ich, überlasse ich den 2. Gang beinahe vollständig David und genieße als Nachtisch die Aussicht.

Aussicht vom Rastplatz Almersberg

Ich strecke mich auf dem Felsen aus, um ein wenig zu ruhen, denn so schnell wollen wir hier nicht wieder weg.

Die Sonne scheint durch Eichenblätter
Der letzte Blick vor dem Mittagsschläfchen verleitet zum Träumen

Erst nach vier Uhr trennen wir uns von diesem schönen Platz und wandern auf dem roten Punkt bis Rinnthal. Wir kommen dabei der B 48 immer näher und somit dem Verkehrslärm. Eine gute Einstimmmung, denn die B 48 mündet im Tal in die B 10. Unter der Brücke mündet auch der Weilerbach in die Queich, allerdings ist das Bachplätschern wegen dem Verkehrslärm nicht zu hören.

Der Weilbach schlängelt sich durch Laubwald zur Queichmündung
Der Weilbach schlängelt sich durch Laubwald zur Queichmündung

Der Weg nach und durch Rinnthal ist nicht sehr attraktiv und die Wegmarkierung sehr verwirrend. Ich gehe nach Gefühl und dabei kürzen wir diesmal ab. Vor dem Bahnhof gehen wir über die Gleise und steigen bergauf. Hier finden wir die Markierung roter Punkt auch wieder. Nach einigen Serpentinen gelangen wir wieder zu einem interessanten Felsgebilde. Davor steht ein Wegweiser, der uns am Hang entlang Richtung Westen und mit Markierung Blau-grüner Balken nach Wernersberg leitet. Nun beginnt eine langwierige Kletterei über Baumstämme.

Viele umgestürzte Bäume liegen über dem Wanderweg
Der Weg ist zwar ausgeschildert, aber wohl seit dem letzten Windbruch noch nicht wieder geräumt

Immer der, der wartet, dass der Vordermann das Hindernis überwindet, findet bei der Betrachtung eine einfachere Lösung und wir müssen wieder viel lachen. Durch dichten Ginsterbewuchs führt und der Weg endlich bergab auf eine offene Fläche mit einem Forstweg. Der ganze Nordhang des Talschlusses ist von Ginster überwuchert, einmalig diese Farbintensität.

Der Ginster hat sich über eine Rodungsfläche ausgebreitet
Im Kahlschlag hat sich der Ginster ausgebreitet

Geblendet von dieser Schönheit leisten wir uns noch einen weiteren kurzen Umweg, bevor wir an der Straße zwischen Sarnstall und Lug aus dem Wald herauskommen. Wir müssen nun 100 m rechts auf der Straße wandern und dann links auf einer Brücke über einen Graben und durch ein Wiesengelände zum Rimbach.

Eine Bohlenbrücke führt über den Straßengraben
Brücke über den Straßengraben, geradeaus verläuft der Wanderweg?

Ein Weg war hier mal, aber begangen wurde der schon lange nicht mehr. Am Rimbach zeugt eine sehr marode Brücke davon, dass der Weg wohl nicht instandgehalten wird.

Wackelige Angelegenheit

Im weichen Untergrund am Bach sehen wir Rehspuren, denen wir hinaus zur Wiese folgen und eine Böschung hinauf laufen, um auf einen gangbaren Weg zu kommen. Hier müssen wir laut Landkarte nach links und in einem großen Bogen letztendlich nach rechts zum Trekkingplatz.

Im Wald ist es mittlerweile schon schattig und kühl, die Wiese neben uns ist noch von der Sonne bestrahlt. Wir entschließen und bereits hier, unser Abendessen auf der Wiese in der Abendsonne einzunehmen. Nach einigen hundert Metern macht der Forstweg einen Linksknick und wir haben einige flache Wiesenstücke im Wald links von uns. Es wäre schön, wenn ein Trekkingplatz mal einen Wiesenuntergrund hätte, sage ich gerade zu David, als er das charakteristische Toilettenhäuschen der Trekkingplätze hinter einem Busch entdeckt. Na super! Angekommen. Da es von Stechmücken nur so wimmelt, wollen wir erst das Zelt aufschlagen und einrichten. Die meisten für Zelte vorgesehenen ebenen Plätze werden gerade von Brombeerranken für die Natur zurückerobert. Allerdings vertragen sich die Stacheln der Brombeeren nicht mit meiner Matte, die ist bei Berührung beleidigt und wird platt. So suchen wir lange nach einem brombeerfreien Platz. Dann schlagen wir das Zelt direkt neben dem Forstweg auf, begleitet von Autolärm von der Straße. Idyllisch finden wir das beide nicht.

Rundblick über den Trekkingplatz Wernersberg

Mit unserem Fressbeutel gehen wir zurück zur Wiese und setzen uns auf den unteren Teil eines Hochsitzes, der einen Nottisch bietet, durch ein schmales Brett, das ihn unten quer stabilisiert. Während David Brot schneidet, melde ich mich per Telefon bei Bernhard. Ich möchte am Vatertag nicht mehr weit wandern, die Pfalz wird voll von Ausflüglern sein, so bestelle ich ihn an die Kirche von Wernersberg.

„Wenn ihr morgen nicht weit laufen wollt, warum wollt ihr dann noch dort schlafen?“ fragt er.

Ich habe den Lautsprecher an und schaue auf David, der zurückschaut.

„Ja, ich weiß nicht, wir haben es uns vorgenommen?!“ versuche ich zu antworten, allerdings wohl nicht sehr überzeugend.

„Ich habe hier Bier für euch kalt liegen!“ tönt es aus dem Lautsprecher „Ich könnte euch in einer halben Stunde abholen.“

Bei „Bier kalt“ ist David um mindestens 20 cm gewachsen und er schaut mich bittend an.

„Halbe Stunde wird knapp. Wir müssen zurück zum Platz, Zelt abbauen, alles verstauen und wieder zurück an die Straße. Das wird hektisch!“ Ich schaue beim Sprechen David an. Er nickt und meint: „Kriegen wir hin“.

„Eine Dreiviertelstunde ist realistisch, also um halb neun.“

Auf den Holzstreben eines Hochsitzes sitzt die Bloggerin beim Abendessen
Ein sonniger Platz mit Sitzmöglichkeit zum Abendessen

Ich erkläre die Stelle, an der er oder wir wartenden können und dann wird es plötzlich wirklich hektisch. Im Laufschritt geht es zurück und ein geordneter Rückzug beginnt. Wir hüpfen vom Wald quer über die Wiese zum Rimbach und David nutzt noch die Gelegenheit, Wiesenblumen für sein Mädchen zu pflücken, dass er morgen wieder sehen wird. Die Wiese ist ein Stoppelacker, ich vermute, vor noch nicht allzu langer Zeit gerodet und noch nicht ganz urbar gemacht, so viele Löcher und Stolperfallen wie diese Wiese hat. Wir gehen vorsichtig über die „Knacksbrücke“ und sausen zur Straße. Erster!

Gegen 21 Uhr sind wir zuhause und nach einer Dusche mit einem kalten Bier auf dem Sofa. Als Dankeschön und Erinnerung für David habe ich uns vor der Tour T-Shirts bestellt, die wir nun stolz tragen.

Die Bloggerin und ihr Neffe sitzen geduscht auf einem Sofa beim Abendessen
Als Belohnung für eine schöne Tour habe ich uns T-Shirts bestellt

Wir haben bewiesen, dass social distancing im Wald gar kein Problem ist! Wir sind insgesamt sechs Personen in den drei Tagen begegnet, weil wir uns auch oft abseits der vielbelaufenen Wege gehalten haben.

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Mein Fazit zu den Trekkingplätzen

Generell ist es großartig, dass es die Möglichkeit für Zeltübernachtungen im deutschen Wald offiziell gibt. Ich hätte allerdings keinen der Plätze bei einer „frei gegangenen“ Trekkingtour gewählt, weil alle weit weg von Wasser oder Quellen sind. Es kann allerdings sein, dass somit Verunreinigungen der Bäche vorgebeugt werden soll. Eventuell würden Menschen sonst Wäsche, Geschirr oder sich selbst am Bach direkt mit Seife waschen, statt abseits vom Bach. Die Lage der Trekkingplätze Heldenstein und Eußerthal, mit Ausrichtung nach Westen finde ich sehr gelungen. Der Platz in Wernersberg ist leider zu brombeerig und zu laut durch die naheliegende Straße. Alle Plätze bieten keine Aussicht, was ich auch schade finde.

Üblicherweise hätten wir sicherlich in den Dörfern auch Mittag- oder Abendessen können, aber leider hatte Coronabedingt noch alles zu. Die von uns passierten Hütten sind nur an Sonn- und Feiertagen offen, das Forsthaus Heldenstein zusätzlich am Mittwochnachmittag und Samstag. Wer wenig Nahrung mitschleppen möchte, sollte seine Tour an die Hütten-Öffnungszeiten anpassen.

Aber ich jammere auf hohem Niveau! Es hat uns Spaß gemacht in unserem schönen Wandergebiet mal anders als bei einer Tagestour unterwegs zu sein. Die verschiedenen Stimmungen zu den verschiedenen Tageszeiten zu erleben und die Temperaturschwankungen von Nacht zu Tag zu Nacht hautnah wahrzunehmen.

Vielen Dank an die Initiatoren der Trekkingplätze Pfalz.

Wenn du Tipps für Trekking-Touren, die Ausrüstung oder den Rucksack brauchst, schaue auf meine Outdoor-Tipps unter Praktisches. Dort habe ich kostenlos Tipps, Downloads und Packlisten für Dich bereit gestellt.

Diese Infos habe ich in Videos vertieft und veranschaulicht. Diese findest Du auf meinem YouTube Kanal.

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Wanderung Klingenmünster – Burgruinen und Aussichten

Wanderung Klingenmünster – Burgruinen und Aussichten

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Der Schriftsteller August Becker ist in Klingenmünster aufgewachsen. Seine Romane schildern die Lebensweise der Pfälzer um 1840 so detailliert, ich werde immer Teil der Geschichte, wohne in der Landschaft, arbeite mit den Menschen. Heute wollen wir mal wieder die von ihm beschriebene Landschaft wandernd erleben.

Klingenmünster

Die Gemeinde Klingenmünster liegt beschaulich in der Südpfalz. 626 wurde mit dem Bau eines Klosters begonnen. Ein Kloster zog immer Handwerker und Bauern an und so entstand der Ort. Bedeutende Menschen sind hier aufgewachsen, einige lernen wir während unserer Wanderung kennen.

Wir parken auf dem Parkplatz an der Klingbachhalle in der Mühlgasse dort ist auch ein Wohnmobilstellplatz, allerdings derzeit wegen Corona gesperrt.

GPS
49.139794, 8.014248 oder
49°08’23.3“ N, 8°00’51.3“ E

Die Wanderung habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet. Sie ist aber auch in meinem Wanderführer „Wandern links und rechts der Deutschen Weinstraße“ abgedruckt, die Wanderung 23. Heute gehen wir eine Variante davon, die hauptsächlich auf breiteren Wegen und nicht so steil führt und daher auch für Kinderwagen geeignet ist.  

Vom Parkplatz wandern wir entlang des Klingbachs bergab bis zur Steinstraße und folgen dieser nach rechts. An der Kreuzung zur Weinstraße steht das alte Schulhaus.

An einer Straße steht ein zweistöckiges Gebäude mit grünen Fensterläden, das Geburtshaus August Beckers
Links ist die ehemalige Schule Klingenmünsters, das Geburtshaus August Beckers, rechts am Bildrand der Brunnen, der zu Ehren August Beckers errichtet wurde
Gedenktafel für August Becker, einen pfälzischen Schriftsteller
Auf der Giebelseite des alten Schulhauses ist eine Gedenktafel für August Becker angebracht

Hier ist 1828 August Becker als Sohn des Schulmeisters geboren. Gegenüber, schon in der Straße „Im Stift“ ist ein Gedenkbrunnen zu Ehren August Beckers errichtet. Eine Büste des Schriftstellers und einige Szenen aus seinem Roman „Hedwig“ sind dargestellt.

Wir wandern in der Weinstraße kurz nach Norden und schwenken nach der Bushaltestelle in den Pfad „Am Sauerbrünnel“ an der Klostermauer ein.

Eine Tafel erklärt die Geschichte der Klostermauer
Wir wandern an einem Teil der alten Klostermauer entlang

Wir gehen über die Klingbachbrücke und auf dem Fußweg bis zur Straße. Hier links und an Gärten und Weideland vorbei in nördliche Richtung. Wir überqueren die „Lettgasse“ und gehen durch den „Kahngarten“ zur „Weinstraße“, die wir überqueren. Auf der anderen Seite führt uns eine schmale Straße (im Obstgarten) nach ca. 100 m auf die „Alte Straße“. Hier wenden wir uns nach rechts (bergauf) und erreichen nach etwa 1/2 km, über einen kleinen, aber lohnenden Abstecher nach links, die 1234 erbaute Nikolauskapelle.

Über die austreibenden Weinreben ist die Nikolauskapelle zu sehen
Die Nikolauskapelle gehörte ehemals zur Gemeinde Margaretenhof
Vor der Nikolauskapelle stehen Bänke zum Verweilen
Hier lässt sich Ruhe genießen – Verweilbänke vor der Nikolauskapelle – links an der Kapelle vorbei geht es später weiter

An dieser Stelle lernst Du zwei weitere Klingenmünsterer kennen, die auf Tafeln vor der Kapelle vorgestellt werden. Wir wandern an der Kirche vorbei Richtung weiterer Informationstafeln und aufwärts bis an die westliche Zufahrt der Pfalzklinik (Schranke) und zur Johannaquelle.

Steintröge fangen das Wasser der Johannaquelle auf
Reines, klares Quellwasser aus der Johannaquelle – darf leider aufgrund der deutschen Gesetzgebung nicht als Trinkwasser deklariert werden

Durch den Wald zum Schlössel

Hier wandern wir nach rechts auf dem Weg am Waldrand (Markierung Traube) und biegen mit vielen Wanderschilden nach links in den Wald. Wir gehen auf dem breiten Forstweg mit Holzschilde Schlössel weiter und an der Gabelung bleiben wir heute auf dem rechten breiten Forstweg, wieder mit Holzschild Schlössel. An einem Waldpfad mit Schild Schlössel spazieren wir nach rechts und kommen zur Markierung grünes Dreieck auf weißem Grund. Wir halten uns hier wieder nach rechts und folgen dem Weg bis zum Schlössel. Wir betreten die Anlage von Südosten, wo der Wanderweg den äußeren Wall bei etwa 322 m Höhe kreuzt. Der Verlauf der aus Steinen aufgeschichteten Verteidigungslinie ist hier noch deutlich zu erkennen. Dort ist an einer Erklärungstafel ein QR-Code mit einem Video zur Erklärung der Anlage angebracht.

An einem Baum ist eine Erklärungstafel zur Ruine Schlössel angebracht
An der Ruine Schlössel ist vom Landeckverein e.V. Klingenmünster eine Erklärungstafel angebracht worden – lange ist wohl her
Eine Eidechse wärmt sich an einer hölzernen Rastbank
Rund um das Schlössel wohnen viele Eidechsen, diese sonnt sich auf der Rastbank
An einer Erklärungstafel ist ein QR-Code angebracht, um ein Video zu laden
Der Archäologe Dieter Barz gräbt immer mal wieder rund um die Ruine Schlössel. Per QR-Code kannst Du ein Video über die Geschichte des Schlössel anschauen
Rastbänke mit Tischen stehen im Burgareal
Rastbänke mit Tischen laden am Schlössel zur ausgiebigen Rast ein
Geländer schützen auf einer oberen Plattform an der Ruine Schlössel vor einem Absturz
Über eine Treppe gelangt man zur oberen Plattform, die eine Rundumsicht gewährt

Nach der Zerstörung bedeckte für lange Zeit ein bis zu 6,5 m hoher Steinhaufen die Grundmauern und Überreste der Gebäude. Dadurch wurde die Ruine in gewisser Weise konserviert, wodurch der heutige relativ gute Zustand zu erklären ist.

Fliehburg Heidenschuh

Wir wandern vom Schlössel auf gleichem Weg zurück, zunächst bergab hinter den Burgberg. In der Senke, wo sich die Wege verzweigen, wählen wir halbrechts den Weg Nr. 6, der uns sogleich wieder bergan auf eine kleine Kuppe führt. Hier sehen wir rechts und links des Weges verfallene Laufgräben aus neuerer Zeit. Hinter der Kuppe trifft der Weg nach einer Linkskurve auf den breiten Hauptweg. Wir wenden uns nach rechts und steigen weiter bergauf. Nach etwa 200 m zweigt in einer Linkskurve der Steig Nr. 6 geradeaus ab (Hinweisschild Heidenschuh), der uns dann durch einen steinigen und steilen Hohlweg weiter bergauf bringt. Die Bäume an dieser Wegstrecke sind seltsam gewachsen, mit rechtwinkligen Knicken und manchmal auch Rundungen.

Ein verdreht gewachsener Baum erinnert an einen Korkenzieher
Manche Bäume in der Pfalz wollen auch Werbung für Wein machen – dieser als Korkenzieher

Der Weg wendet sich alsbald nach rechts (Nordost) und wird wieder etwas zahmer. Nach wenigen Minuten zweigt der Weg Nr. 6 erneut nach rechts ab (geradeaus gesperrt!) und wir erreichen kurz darauf den Aussichtspunkt auf der Nordostspitze des Heidenschuhs.

Auf einem gegenüberliegenden Hügel ist eine Burgruine zu sehen
Vom Aussichtpunkt ist die Madenburg zu sehen

Wir folgen dem Pfad bergauf zur Erklärungstafel der Fliehburg Heidenschuh.

Eine Tafel erklärt die Anlage der Fliehburg Heidenschuh
Ebenso wie das Schlössel war der Heidenschuh eine Fliehburg
Mittels eines QR-Codes kann ein Informationsvideo zur Fliehburg angeschaut werden
Der Pfälzer „Burgenpabst“ Rolf Übel persönlich hat ein Informationsvideo zur Fliehburg Heidenschuh gestaltet

Nach eingehender Erforschung der über tausend Jahre alten Mauern wandern wir auf dem Weg Nr. 6 über den Bergrücken weiter in südwestlicher Richtung. Der Wegverlauf auf dem Heidenschuh wird wegen seiner vielen interessanten Aspekte, sowie einer der beeindruckendsten Ausblicke auf Hahnsteine, Rehberg und Trifels, als einer der schönsten Wanderwege im Pfälzerwald beschrieben.

Aussichten

Über einen Ort im Tal hinweg sind weitere Hügel zu erkennen, auf einem die Ruine Münz
Das diesige Wetter erlaubt nur eine Ahnung von der Ruine Münz auf dem hinteren rechten Hügelchen
Ein Blockhaus mit offenem Eingang lädt zur Rast ein
Bei Regen wäre das ein idealer Rastplatz – uns zieht es weiter im Sonnenschein

Dort, wo der Weg nach Waldhambach steil hinunter führt, wenden wir uns wieder leicht ansteigend nach Süden (links), bis wir nach etwa 120 m auf einen breiten Weg treffen. Von hier gehen wir kurz rechts hinauf, wo auf der Ostschulter des Treutelskopfes der Weg zum Martinsturm links (westlich) abzweigt (Wegweiser). Nach weiteren 50 Höhenmetern, die wir in etwa 5 anstrengenden Minuten bewältigen, kommen wir zu einer Sandsteinplattform mit Aussicht.

Unterhalb des Martinsturms ist ein Aussichtfels mit Blick nach Waldrohrbach und Waldhambach und in den Pfälzerwald
Unterhalb des Martinsturms ist ein Aussichtfels mit Blick nach Waldrohrbach und Waldhambach und in den Pfälzerwald

Martinsturm

Noch einige Meter weiter hinauf und wir haben den Martinsturm erreicht, den mit 503 m höchsten Punkt der Gemarkung Klingenmünster (TP), der eine beeindruckende Rundumsicht bietet.

Ein Sandsteinturm mit einer überdachten Brüstung
Der Martinsturm wurde als touristischer Turm erbaut – nur, damit Wanderer die Aussicht genießen können

Wir gehen zurück zum Hauptweg und folgen der Beschilderung Marthaquelle auf dem Forstweg bergab. Ein schmaler Pfad führt links von Forstweg zum Rastplatz an der Quelle, von dort leicht hinauf wieder zum Forstweg. Wir folgen der weiß-blauen Markierung immer weiter Richtung Burg Landeck, wir nehmen den kürzeren Weg zur Burg, immer weiter auf dem breiten Forstweg. Mit Schild „Burg Landeck“ geht es kurz auf einem schmalen Pfad weiter und über einige Stufen auf den unteren Forstweg.

Burg Landeck

Dort weiter geradeaus, bis die Burg Landeck vor uns liegt. (Heute wegen Corona geschlossen). So wandern wir nach links und folgen den Wandermarkierungen nach rechts in den Burggraben.

Durch Bäume hindurch ist der Zugang zur Burg Landeck zu erkennen
Der Eingang zur Burg Landeck, eine Brücke führt heutzutage über den Burggraben
Die Burg ist auf gewachsenen Fels gebaut und erhebt sich in mehreren Reihen hintereinander
Vom Burggraben im Norden wirkt die Burg sehr mächtig. An den Balken vorne, können Wanderreiter ihre Pferde anbinden

Wer mit Kinderwagen unterwegs ist, sollte hier der Fahrstraße wieder hinab zum Pfalzklinikum folgen. Wir wandern mit der Weinsteigmarkierung bergab, an der T-Kreuzung nach links, nehmen die Serpentine nach rechts und gehen dann geradeaus um den Burgberg herum und mit einer Serpentine nach links hinunter zur Landstraße und zum Klingbachhof. Wir queren die Landstraße am Klingbachhof und gehen gleich links, auf dem rechten Weg in den Park. Mit einem Spaziergang am Klingbach entlang und eventuell einem Verweilen auf der Rastbank mit Aussicht kommen wir wieder zum Parkplatz.

Ein Bach windet sich durch einen Park
Der Klingbach begleitet den Wanderweg vom Klingbachhof durch den Park zum Parkplatz
Über einer Ruhebank am Klingbachweiher thront die Burg Lande
Über einer Ruhebank am Klingbachweiher thront die Burg Lande

Wieder hat die Wanderung in der Heimat von August Becker Spaß gemacht. Wir waren etwa 3,5 Stunden unterwegs, haben 390 Höhenmeter bergauf und bergab zurückgelegt und sind knapp 10 km gewandert.

Die Gegend um Klingenmünster und im Bad-Bergzabener Land ist ein Wanderparadies und die Wegmarkierungen vorbildlich. Am Parkplatz ist eine große Wanderkarte angebracht und über einen QR- Code lassen sich diese auch auf das Mobiltelefon laden.

Ein QR-Code enthält Infos zu allen Wanderwegen
Das Bad-Bergzaberner Land und Annweiler sind auf modernstem Stand für Wanderer – alle Wanderwege mit nur einem QR-Code

Ich freue mich auf die Zeit, wenn wir die Pfälzer Gastfreundschaft wieder genießen können.

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Naturpark Poblet Geologische Wanderung

Naturpark Poblet Geologische Wanderung

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Im Naturpark Poblet sind spannende, abwechslungsreiche Wanderrouten angelegt. Sie tangieren auf vielfältigen Wanderwegen unter anderem verlassene Erzstollen, Steineichenwälder, geologisch abwechslungsreiche Schluchten, seltsame Steinformationen, dichten Wald, spektakuläre Aussichten, frische Quellen und zum besseren Verständnis des Gesehenen viele Erklärungstafeln.

Geologische Route Bosque de Poblet

In der Tourist-Info in Montblanc habe ich Prospekte des Naturparks Poblet mitgenommen. Heute wollen wir die größte Wanderung machen. Die Geologische Wanderung durch den Poblet-Wald. Obwohl die Region zum Küstengebiet Spaniens gehört, ist das Gestein eher charakteristisch für die Pyrenäen. Die Geologie des Tals hat für die Gegend ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Wanderung habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet.

Der Startpunkt der Wanderung ist die Área recrativa de la Roca de l’Abella.
GPS
N 41.36307° E 1.06113° oder
41°21’47.1“ N 1°03’40.1“ E 

Ein Rastplatz im Wald ist mit Toilettenanlagen, Spielplatz und Grillmöglichkeit ausgestattet. Rastbänke laden zum Sitzen ein
Der Rastplatz Área recrativa de la Roca de l’Abella im Naturpark Poblet ist mit Toilettenanlagen, Spielplatz und Grillmöglichkeit ausgestattet. Rastbänke laden zum Verweilen ein

An dieser Stelle beginnen mehrere Wanderungen, wie auf einer großen Hinweistafel erklärt wird. Die von uns ausgewählte Wanderung trägt die Nummer 5, hat laut Plan 385 Höhenmeter, 8,1 Entfernungskilometer und eine Dauer von 4-5 Stunden.

Ein Bild der Wanderkarte aus dem Flyer
Die Karte der Wanderung 5 Itinerario, habe ich vom Flyer fotografiert. Rechte: Generalitat de Catalunya

Wir wandern – wie bei meiner Runde zum Torre de Moro – auf den Trittsteinen über den Bach und füllen am Brunnen noch unsere Trinkflaschen. Über einen schmalen Waldpfad gelangen wir zur Schlucht und über das Geröll im Wasser über den Bach. Eine Treppe führt hinauf zu Fahrstraße, die am Forsthaus endet, an dem wir nicht übernachtet haben.  

Wir gehen weiter bergauf und bald schon öffnen sich Blicke auf Felsformationen, deren Gestalt unterschiedlich interpretierbar ist.

Über einer Straße im Wald stehen schmale Felsgebilde
Direkt über der Straße stehen diese interessanten Felsgebilde

Diese Felsformationen haben Ursache in der Geologie des Gebirgsstocks und Tales. Die Mulde besteht hauptsächlich aus den Granitgesteinen Granodiorite und Leukogranite. Die sind magmatischen Ursprungs und unterschiedlich witterungsbeständig. Sie bilden den Sockel des Gebirges. Zusätzlich sind eisenhaltige Erze eingelagert, Quarze und Feldspate. Da die Erosion je nach Gestein anders arbeitet, sind diese, ja ich möchte sagen, Naturskulpturen, in jahrhundertewährender Arbeit erschaffen worden.

Einzelstehende hohe Felsen stehen in Gesträuch
Interessante Felsformationen begleiten den Anfang der Wanderung

Kurz darauf führt uns ein Wegweiser auf schmalem Pfad wieder hinab zum Bach.

In einen Bach sind Steine gelegt, über die ein Wanderer geht
Wir müssen zum dritten Mal über den Bach, hier mit einer gebauten Furt

Nun geht es bergauf bis zu einem Plateau, dass früher den Steinmetzen zur Bearbeitung der Pflastersteine diente. Die Maße der Steine waren je nach Region unterschiedlich. Für Rigola musste das Oberflächenmaß 30 x 15 cm betragen. Für Adoquí 20 x 15 cm, für Tac 9 x 15 cm, Saragossa hatte das Maß 10 x 15 cm und Pitcolí 9 x 9 cm.

Ein Steinbruch liegt auf einer kleinen Hochebene, links geht es bergab
Wir passieren den Steinbruch, in dem früher Steine für Pflasterarbeiten gebrochen wurde

Durch Steineichenwald wandern wir weiter bergauf bis zu einem enormen Geröllfeld mit dicken Steinen. Hier führt der Weg hindurch und hinauf. Aha, denke ich, das ist die Stelle im Flyer die mit „Tramo de dificultad alta“ markiert ist.

Auf über 200 Höhenmetern geht es durch Blockgestein bergauf. Für diese Passage sind alpine Erfahrung und Trittsicherheit unabdingbar. Die Steine sind ungeheuer wackelig und die Orientierung ist nicht leicht. Wir müssen nach oben, das ist als einziges klar. Aber mit meiner Gebirgs-Erfahrung und meinem Blick für Blockgestein finde ich den leichtesten Weg. So müssen wir nicht über die hohen und gefährlichen Steinstufen klettern.

In großen Gesteinsbrocken steht ein Wegweiser. Der Weg geht durch das Gestein bergauf
Hier beginnt der Weg durch das Blockgestein für circa 200 Höhenmeter, bis zum Gipfel, der rechts hervorlugt

Die Steilheit ist immens und so wandern wir im Zickzack langsam bergauf und verweilen ab und zu mit einer schönen An- bzw. Aussicht.

Auf felsigem Untergrund wachsen Hyazinthen
Direkt am Rande des Blockgesteins wachsen einige Hyazinthen
Über bewaldete Hügel ist weit hinten ein Gebäude zu sehen
Das kleine Castello La Pena hinten im Tal ist gut zu erkennen.

Mittlerweile ist der Himmel wieder ziemlich dunkel geworden und starke Böen blasen von oben das Geröll hinunter. Das macht die Kraxelei nicht gerade einfacher. Hinzu kommt, dass es immer kälter wird, Handschuhe, Buff und Mütze haben wir schon lange angezogen. In sehr weiten Abständen sind bei genauem Suchen Wegzeichen zu erkennen.

In großen Gesteinsblöcken steht weit oben eine Wegmarkierung
Immer weiter geht es hinauf im Blockgestein. Ganz oben ist eine Pfosten mit Wegmarkierung zu erkennen. Das bedeutet für uns, dass wir weitersteigen müssen

Öfter denken wir, es ist geschafft, aber um den nächsten Felsblock herum, der die Sicht nach oben versperrt, geht es immer noch steil weiter hinauf. Endlich ist das Blockgelände überwunden und eine atemberaubende Aussicht öffnet sich, die ich vom kleinen Gipfel fotografiere.

Die Aussicht geht über felsiges Gestein in die Ebene
Eine wundervolle Aussicht nach Süden

Wir spazieren immer noch dem Wind ausgesetzt auf einem Kamm weiter bergauf.

Eine Tafel erklärt die geologischen Besonderheiten der Landschaft
Die Geologie in dieser Region ist hochinteressant. Ich kann die Tafel zwar nicht lesen, aber die Steine und Steinformationen offenbaren das auch

Wenig später ist der Steineichenwald etwas zurückgewichen und wir haben einen weitern Blick in die Ebene, mit anderer Perspektive.

Blick von der Höhe in die Ebene, In Bildmitte das Kloster Poblet
Etwa in der Bildmitte ist das Kloster Poblet zu erkennen

Wir gehen immer mäßig bergauf, mittlerweile durch einen Mischwald mit Birken, Kiefern und Gesträuch, alles dick mit Weißmoos und Flechten bewachsen. Eine Steinsäule steht auf dem Weg. Ist das eine Markirung des höchsten Punktes?

Eine Steinsäule steht auf einem Wanderweg, ein Wanderer blickt in die Ferne
Wir sind nicht sicher, ob wir nun am höchsten Punkt der Wanderung angekommen sind

Kurz darauf erklärt eine Hinweistafel den Aufbau der Gesteinsschichten und die Faltung von Gebirgen und wir erkennen schon das Dach eines Unterstandes. Zuvor passieren wir jedoch eine beeindruckende Schlucht, die mit einem Holzgeländer abgesichert ist.

Eine Hinweistafel am Wanderweg
Auf der Hinweistafel wird eine geologische Besonderheit erklärt. Hinten links ist das Dach eines Unterstands zu sehen
Eine Schlucht hat links rötlichen Fels und rechts eher grauen mit Bewuchs
Diese Schlucht wird vermutlich auf der Hinweistafel erklärt

Am Unterstand ist zwar keine Rastbank aber ein Brunnen. Im Sommer ist das sicherlich eine schöne Sache, denn aus dem Brunnen kann man frisches, sehr kaltes Wasser schöpfen – uns wäre ein Tee im Moment lieber. Aber die Thermoskanne steht ungenutzt im Wohnmobilschrank.

Ein gemauerter Brunnen ist mit einem Gitter geschützt. An einer Kette ließe sich ein Gefäß zum frischen Wasser ablassen
Ein Gitter schützt den Brunnen, so können größere Tiere nicht hineinfallen. An der Kette könnten wir mit einem Gefäß Wasser hochziehen

Im beginnenden Nieselregen ist ein aufgeregter Greifvogel mit seinen Rufen immer wieder zu hören und so schaue ich mich um.

Nach diesem schönen Erlebnis schlängelt sich der Weg ein wenig bergab durch einen Wald mit einem alten Kiefernbestand.

Der Wanderweg schlängelt sich durch einen alten Kiefernwald
Ein schöner Weg durch stattliche Kiefern

Es duftet nach Harz, der Wind rauscht heimelig in den Kronen der Kiefern – fast schon wieder therapeutisch, so wie der Weg Nr. 1, den wir gestern nach dem Besuch der Weingegend La Conca de Barberà noch spaziert sind. Der Weg mündet in eine Fahrstraße, die zum Forsthaus „La Pena“ führt.

Ein Wanderer geht von einem schmalen Pfad zu einer Fahrstraße
Wir wandern für einige Meter auf der Forststraße „La Pena“

Nach wenigen Metern ist ein weiteres Highlights der Wanderung vor uns. Die Felsformation der „Frares Encantats“. Es gibt sicherlich eine Sage dazu, leider kann ich trotz intensiver Recherche keine herausfinden.

Eine Erklärungstafel erklärt die Geschichte der Felsen im Hintergrund
Liebende Brüder heißen die Felsen im Hintergrund

Direkt neben der Erklärungstafel ist ein Geländer, das den Weiterweg markiert.

Eisengeländer bei einer Treppe markieren den Abstiegsweg
Hier geht es gesichert hinunter. Bernhard fotografiert die Grotte

Bernhard wartet unten auf mich und hat beim Hinaufsehen erst gemerkt, dass im Felsen eine Grotte eingefügt ist.

In einem Felsen ist eine kleine Grotte eingelassen
Die Grotte liegt versteckt am Weg bergab
In einer Grotte steht eine Marienstatue, von Gittern geschützt
Eine kleine Marienstatur wacht in der Grotte

Kurze Zeit später passieren wir ein Häuschen, in das wir nur hineinschauen.

Eine gemauerte Schutzhütte an einem flachen Abhang
Der Schutzhütte fehlt die Tür, ein Gitter schützt die Öffnung vor der Benutzung durch Tiere
Ein niedriger Raum mit einem Kamin in der hinteren Ecke. Zwei Steine zum Sitzen liegen davor, rechts ist Brennholz aufgestapelt
Die Schutzhütte bietet eine Wärmequelle. Für das Kaminfeuer ist sogar Brennholz aufgestapelt

Weiter geht es bergab und wir kommen in die Region des eisenhaltigen Gesteins. Eine Tafel erklärt das Minenwesen an einem der Stolleneingänge. Vermutlich wurde bis 1944 hier Eisenerz gefördert.

Eine Erklärungstafel auf Spanisch erläutert das Minenwesen der Region
Die Tafel erklärt den Abbau des Eisens im danebenliegenden Stollen
Ein Loch in der Erde markiert den Stollen. Dort wurde ehemals Eisenhaltiges Gestein abgebaut
Durch den Stolleneingang wurden Tonnen von eisenhaltigem Gestein gefördert

Beim weiteren Bergab auf einem mittlerweile breiten in weiten Zickzackbögen angelegten Weg, ist das Gestein sehr rötlichbraun.

Rötlich durchzogenes Gestein, darüber wachsen Pflanzen
Das Gestein ist deutlich von Eisen durchzogen
Ein Wanderweg führt links an einem Stolleneingang vorbei
Wir passieren beim Bergabgehen einen weiteren Stolleneingang

Wir erreichen das Tal, in dem es nun mit einer langen Rechtskurve zum Kloster Poblet gehen würde. Wir aber wollen dem 5er Weg weiter folgen, zurück zum Wohnmobil. Der Wegweiser führt uns deshalb nach links.

Ein Wegweiser steht auf einem grasbewachsenen Weg. Er zeigt nach links in einen Wald
Hier wandern wir nun um den Berg herum zum Parkplatz, der dahinter liegt

Schon bald sind wir am Rand des Naturparks und an den Weinbergen des Klosters angelangt.

Über noch kahle Weinberge geht der Blick über die Ebene. Im Hintergrund ein Castell
Über Weinberge und Olivenhaine erkennen wir das Castell de Riudabello, wo wir gestern keinen Einlass fanden. Wir haben den tiefsten Punkt unserer Wanderung erreicht

Wir werden nun manchmal von Sonnenstrahlen mit etwas Wärme verwöhnt, das folgende Bergauf vertreibt die restliche Kälte.

Ein Wanderer wandert durch Bäume auf einem Pfad bergauf
Durch den Steineichenwald geht es nochmal Bergauf

Wir erreichen eine Stelle, von der wir den Abzweig von der Straße ins Tal Castellfollit erkennen können.

Abzweig von der T700 in das Vall de Castellfollit
Abzweig von der T700 in das Vall de Castellfollit

Wir steigen weit hinauf und können unter uns den Parkplatz und wenig später sogar das Wohnmobil sehen.

Der Wanderweg geht leicht bergab. Im Tal ist der Parkplatz als freier Platz in den Bäumen zu erkennen
Wir sind wieder hoch hinaus gestiegen. Unten am freien Fleck liegt der Parkplatz
Im Tal ist der Parkplatz als freier Platz in den Bäumen zu erkennen
Unser Wohnmobil auf dem Parkplatz im Naturpark Poblet ist weit unterhalb des Wanderwegs

Trotzdem wir schon einige Stunden unterwegs sind, lässt meine Aufmerksamkeit für die Besonderheiten am Wegesrand nicht nach.

Ein Mischwald mit einer abgestorbenen alten Kiefer, der steinige Wanderweg führt vorbei
Die alte Kiefer hat viel gesehen, nun steht sie abgestorben und verwittert am steinigen Bergabweg

Nach einigen Windungen bergab kommen wir kurz vor der Schlucht wieder auf den Weg, den wir am Anfang benutzt haben. Es war eine wunderschöne Wanderung, die alle Jahreszeiten beinhaltete und unser Können gefordert hat.

Wir waren 4,5 Stunden unterwegs, mit 520 Höhenmetern, da Komoot auch die Zwischenanstiege aufzeichnet und haben 8,36 km zurückgelegt.

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Weinregion La Conca de Barberà

Weinregion La Conca de Barberà

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Peitschender Regen und starke Windböen halten uns von unserer geplanten Wanderung im Naturpark Poblet ab. Aber wir haben ja noch die Weinregion Barberà vor der Wohnmobiltür. So wollen wir unseren regionalen Einkauf tätigen und machen uns auf Entdeckungsreise zu den Winzern.

Naturpark Poblet

Nach meiner gestrigen kurzen Wanderung hier im Naturpark Poblet zur Ruine des Torre del Moro freue ich mich heute auf die Geologische Wanderung Itinerario. Als ich meinen Blog vor dem Frühstück auffrische, erscheint der Himmel im Dämmerlicht wolkenlos. Aber schon kurz danach fallen die ersten Tropfen und kurz darauf wird es richtig ungemütlich. Regen peitscht gegen die Scheiben, das Wohnmobil wackelt in den starken Böen, Blätter sausen draußen vorbei. Upps, im Bad ist das Dachfenster offen – und der Boden nass. Na, macht nix, wische ich nach dem Duschen eh trocken.

Bernhard schaut auf den Wetterbericht. Heute soll es weiter regnen und Windböen über 100 km/h geben. Nein, bei dem Wetter möchte ich weder durch den Wald wandern noch über die ausgesetzten Gipfel marschieren. Also Plan B. Unser Weinvorrat ist zur Neige gegangen und wir wollen in der Umgebung die Winzer, Genossenschaften und Weine entdecken. Auf der CMT im Januar hatten wir am Spanienstand eine „Mapa turistic“ der Costa Daurada mitgenommen. Darin sind Weingüter mit Verkauf eingezeichnet. La Conca de Barberà

Wir befinden uns in der Weinregion La Conca de Barberà. In Vimbodi, nur einige Kilometer von unserem Stellplatz im Naturpark entfernt, soll es einen Weinverkauf geben. So folgen wir der TV 7003 und entdecken das Castell de Riudabella. Das hat leider nur nach Voranmeldung offen, ist dann aber auch ein Restaurant.

Ein hohes Haus seht hinter Olivenbäumen
Castell de Riudabella und die Olivenbäume trotzen dem Sturm und den Besuchern
Gemauerten Weintrauben sind am Eingangstor des Castell de Riudabella
Der Eingang zum Castell ist mit diesen Weintrauben geschmückt

Wir folgen der Straße weiter und parken in Vimbodi am Ortseingang.

Vimbodi

Eine Karte am Parkplatz erklärt die Sehenswürdigkeiten des Örtchens. Wir stellen recht schnell fest, dass es keinen Weinverkauf gibt. Wir spazieren ein wenig herum und entdecken die schmalste Straße der Region. So erklärt es zumindest das nebenbei stehende Schild. Sie wird die Straße der Umarmungen genannt. Denn zwei Menschen können sich in dieser Straße nicht passieren, ohne einander zu umarmen.

Die Bloggerin geht durch eine schmale Gasse
Das ist die schmalste Gasse der Region – und nach oben wird sie immer schmäler

Auf dem Rückweg zum Parkplatz entdecke ich noch einen jahrhundertealten Torbogen. Auf die alte Bausubstanz ist erst vor kurzem ein neues Haus gebaut worden.

Auf einen alten Torbogen wurde ein neues Haus gebaut
Der alte Torbogen mit einer Holz- und Steinkonstruktion ist für den Neubau als statisch sicher erachtet worden

Auf der Weiterfahrt biegen wir auf die TV 7002 Richtung Poblet ab und werden am Flussbett an einer Baustelle umgeleitet. Am 20. Januar 2020 waren in Spanien starke Unwetter mit Überschwemmungen. Diese müssen hier gewütet haben. Das Flüsschen, das sehen wir an den Schäden in weiteren Orten, wurde wohl ein reißender Strom.

Eine Umleitung auf einer Straße, die alte Straße ist von einem Unwetter zerstört
Wieder fahren wir über eine Behelfsstraße. Die Brücke ist vom Unwetter zerstört worden

Wir sind nun wieder am Kloster in Poblet. Das haben wir gestern nicht besucht, weil uns die Dame in der Tourist-Info in Montblanc mitteilte, dass am Sonntag alles geschlossen hat. Wir lernen: nicht auf Informationen vertrauern, sondern selbst ausprobieren.

Monastir de Poblet – Kloster Poblet

Vor dem ersten Tor des Monastir de Poblet ist ein kleiner Wein- und regionale Spezialitäten-Laden, Fet a la Conca. Er ist geöffnet und wir lassen uns beraten. Die typische Rotweintraube ist die Rebe Trebat. Wir kaufen zwei Flaschen und noch Chardonnay und Muskateller. Einer der Weine ist in der Tonamphore gereift. Ein Wein von 2014 ist im Sonderangebot, den wollen wir heute Abend gleich kosten.

Links ein Tor und rechts davon ein Geschäft
Hier werden wir fündig, das Lädchen Fet a la Conca hat geöffnet und bietet regionale Spezialitäten

Durch das Tor hindurch ist gleich links eine großzügige Toilettenanlage und rechts eine Tourist-Info und ein Verkaufsladen mit weiteren regionalen Produkten. Ich durchstöbere die Prospekte und finde einige in Englisch und sogar einen Prospekt auf Deutsch. Eine spanische Faltkarte beschreibt „La Ruta del Trepat“ der Weinregion La Conca. Darin lesen wir, dass alle Weinverkostungen der Kooperativen und Winzer am Sonntag geöffnet haben! Am Montag aber geschlossen! Und nun? Bernhard möchte unbedingt in den Ort Barberà de la Conca fahren und hofft, dass der Plan ein Fehldruck ist. Das Kloster Poblet interessiert uns heute nicht, wir spazieren nur über den Hof, um ein Foto zu machen und entdecken die offene Tür des Weinkellers.

Links eine Glastür, die zur Tourist-Info führt, rechts hinten ein Klostereingang
Rechts geht’s in die Information und weiter hinten ins Kloster Poblet
Links ist das I der Tourist-Info im Hintergrund Regale mit Waren. Der Raum ist von gemauerten Bögen unterteilt
Heute ist die Tourist-Info nicht besetzt, aber wir können uns mit Prospektmaterial eindecken
Die gemauerten Bögen durchziehen den Verkaufsraum, in dem Keramik, Bücher und Wein angeboten werden
Der Verkaufsraum, in dem Keramik, Bücher und Wein angeboten werden ist geschmackvoll eingerichtet
Das Kloster Monastir de Poblet ist ein großer Gebäudekomplex
Eine riesige Anlage, leider heute nicht zugänglich, das Monastir de Poblet
Durch eine offene Tür sind Weinfässer zu sehen
Durch die offene Tür können wir einen Blick in den Weinkeller erhaschen

Espluga de Francoli

Wir folgen der T 700 und fahren nach Espluga de Francoli. Dort wenden wir uns Richtung Tarragona. Vor der Winzergenossenschaft parken Autos und ein Mann kommt mit einer Weinkiste heraus. Na, das sieht doch gut aus! Wir parken und schauen uns im Verkaufsraum um. Bernhard entdeckt die Weine und ich suche andere regionale Erzeugnisse aus. Reis aus dem Ebrodelta, Kräutertee aus den umliegenden Bergen und Nüsse aus der Umgebung. Wie gut, dass der Plan nicht recht hat.

Das Gebäude der Espluga de Francoli
Nicht nur Winzergenossenschaft und Weinverkauf, sondern auch Museum. Das hat leider nur in der Saison geöffnet
In einen gemauerten Torbogen sind Regalbretter für Weine eingefügt
Der Verkaufsraum ist geschmackvoll eingerichtet
Der Verkaufsraum der Winzergenossenschaft in L’Espluga de Francoli mit Regalen und Tischen
Bernhard schaut sich die Weinauswahl an

Wir fahren auf die N 240 und biegen bei der Ausfahrt der C 14 ab Richtung Barberà. Direkt beim Kreisel ist eine Firma mit einem Outletverkauf. Mir kommt der Brand bekannt vor und so halten wir auf dem Parkplatz.

An einem Fabrikgebäude wird der Warenverkauf angepriesen
Wir halten, denn mir kommt der Brand bekannt vor – ich tippe auf Olivenöl – und tippe völlig daneben!
Im Verkaufsraum wird die Ware, Gebäck und Öle, präsentiert
Falsch gedacht – Gebäck wird von Rifacli hergestellt. Da lassen wir uns nicht bitten

Barberà de la Conca

Von der C 14 fahren wir auf die C 241d und kurz danach auf die T 242 nach Barberà de la Conca. Dort soll es zwei Winzergenossenschaften oder Verkaufsstellen geben. Bei der auf der Hauptstraße halten wir an. Aus dem Obergeschoss teilt uns ein Mann mit, dass die Genossenschaften montags geschlossen sind, aber wir auf dem Parkplatz stehen bleiben können. Wir wollen den Ort erkunden und, da es Mittagszeit ist, im örtlichen Lokal essen. Direkt gegenüber der Winzergenossenschaft geht es eine Treppe hinauf und links in den Ort. An einem der ersten Häuser hängt ein altertümliches Leuchtschild mit Estrella Werbung und dem Schriftzug Bar Cooperativa. Bernhard ist bereits am Gebäude vorbei, dass recht ungepflegt und nicht sehr einladend aussieht. Ich rufe ihn zurück, wir gehen durch die Eingangstür an einigem Gerümpel – oder Flohmarktartikeln vorbei – und kehren ein. Wir haben beide ein Déjà-vu denn wir tauchen in einen Gastraum unserer Kindheit ein. Ein großer Saal bildet den Gastraum. Die Theke links, davor gusseiserne Barhocker, die Thekenfront mit spanischen Fließen gekachelt. Links der Theke ein Süßwarenregal. Der Gastraum hat gusseiserne Tischgestellen mit Marmorplatten, ein elektrisches Dartgerät und einen Flipper und den ewig lärmenden Fernseher. (Das gehört nicht zur Erinnerung). Rechts trennt ein Vorhang den Saal ab. Hinter dem Vorhang befindet sich ein Nahversorgerladen. Im Gastraum sitzen an einem Tisch drei Frauen, an einem anderen drei Männer. Ich bin von der Atmosphäre begeistert. Ein Treffpunkt im Ort, in dem die Menschen soziale Kontakte haben, den täglichen Einkaufsbedarf decken und Mittagessen können.

Das Gebäude der Bar der Cooperativa sieht nicht sehr einladend aus
Bernhard war bereits am Eingang vorbei. Ich wollte herausfinden, was es mit der Bar auf sich hat
Die Theke in der Bar der Cooperativa mit Barhockern, davor gusseiserne Tische und Holzstühle
Die Theke ist Vorne mit einem schönen Muster gefliest und mit Barhockern versehen
Der Gastraum ist mit gusseisernen Tischen mit Marmorplatten eingerichtet, einige Leute sitzen an den Tischen
Die Menschen aus dem Ort nutzen die Bar als Treffpunkt
In Regalen sind Waren des täglichen Bedarfs eingeräum
Hinter einem Vorhang ist der „Tante-Emma-Laden“ des Dorfes eingerichtet

Das Tagesmenü kostet 11 € und hat jeweils zwei Gerichte als Auswahl. Wir genießen unser Essen im Flair des Gastraums und beobachten das Geschehen. Leute kommen zum Einkaufen, ein Händler, um die Bestellung für Waren aufzunehmen, Arbeiter zum Mittagessen und Kinder, die ihr Taschengeld in Süßigkeiten im Nahversorgerladen anlegen. Bevor die Gäste gehen, kaufen sie ebenfalls noch im Lädchen ein, die Wirtin ist dort auch die Verkäuferin. Nachfolgend die Bilder unseres Menüs – ungewöhnlich, aber lecker.

Ein Risotto und ein Salat mit Bacalhau stehen auf dem Tisch als Vorspeise
Unsere Vorspeisen nach den Oliven und Brot sind ein Risotto und ein Salat mit Bacalhau
Die Hauptspeisen sind eine Wurst mit weißen Bohnen und ein Entrecote mit Kartoffeln
Die Hauptspeisen sind eine Wurst mit weißen Bohnen und ein Entrecote mit Kartoffeln
Die Nachspeisen, eine Eiscreme und ein Flan
Die Nachspeisen, eine Eiscreme und ein Flan

Gesättigt setzten wir unsere Besichtigungstour des Städtchens fort.

Über einige Stadthäuser schweift der Blick zur Kirche
Der Blick geht von der Tür der Bar der Cooperativa zur Kirche St. Maria
Eine hölzerne Haustür mit Schnitzereien
Eine wunderschön gearbeitete Haustür
Ein Haus aus Bruchsteinen ist das Castello. Eine breite Treppe führt hinauf
Leider ist das Castello geschlossen
Eine Kirche mit Schäden an Putz und Mauerwerk
Die Kirche hat Schäden am Putz und Mauerwerk
Der Eingang zur Kirche ist mit Steinmetzarbeiten reich verziert
Der Kircheneingang ist mit Steinmetzarbeiten sehr schön und aufwendig gestaltet
In einem Gebäude mit einem Turm ist die Weingenossenschaft
Im vorderen Gebäude ist die Bar der Cooperative, im hinteren Gebäude die heute leider geschlossene Winzergenossenschaft

Auf dem Weg zurück zum Naturpark Poblet probieren wir unser Weinglück noch bei der Cooperative von Montblanc.

Das Gebäude der Winzergenossenschaft von Montblanc
Wir parken direkt vor dem Eingang von Clos Montblanc, leider ist auch diese Türe zu, öffnet sich aber nach unserem mutigen Klingeln

Wir wollen nun hoch zum Forsthaus im Naturpark fahren, denn die Sonne scheint und wir wollen noch eine kleine Runde wandern.

Casa Forestal de Castellfolit – Forsthaus von Castellfolit

Wir fahren die geteerte Forststraße hinauf und parken unser Wohnmobil unter hohen Bäumen für die Nacht.
GPS
N 41.33775° E 1.05590° oder
41°20’15.9“N 1°03’21.2“E

Ein gemauertes Haus steht auf einem ebenen Platz im Wald. Das Wohnmobil der Bloggerin steht links daneben. Im Vordergrund das Schild mit dem Namen Casa Forestal de Castellfolit
Wir stehen auch hier am Forsthaus gut – leider ohne jegliches „Netz“

Wohnmobilisten bringen den Übernachtungsbetrieben keine Umsätze, aber den regionalen Produzenten und Bewirtungsbetrieben. So haben wir das heute auch wieder praktiziert. Bevor wir die Einkäufe verstauen, möchte ich Dich an unserem Einkauf teilhaben lassen.

Auf einem Tisch stehen Weinflaschen, Gebäckverpackungen und eine Reispackung
Das sind unsere heutigen regionalen Einkäufe, wobei ich den Tee vergessen habe und wir manche doppelte Weinflaschen im Wohnmobilkeller lagern. Die Weinetiketten sind zum Teil sehr interessant gestaltet

Nationalpark Poblet – Wanderweg 9

Der Wanderweg 9 nennt sich auch „Therapeutischer Waldspaziergang“. Er startet am Forsthaus. Der Spaziergang wird uns gut tun, obwohl wir keinen Therapiebedarf spüren. Aber wir haben Bewegungsdrang.

Die Wanderung habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet.
Ich lasse für Dich die Bilder sprechen:

Ein Schild zeigt nicht nur die Karte der Wanderung, sondern gibt auch Erklärungen auf Spanisch
So schön sind alle Wanderungen in der Region erklärt. Hinweistafel am Anfang der Wanderung „Therapeutische Waldwanderung“
Ein Wanderer sitzt auf einer Rastbank im Wald
Eine der schönen Rastbänke auf dem wunderschönen Wanderweg
Zwischen unbelaubten Bäumen ist eine Steinbrücke zu erkennen
Über die Steinbrücke werden wir gleich wandern
Ein Miniaturwasserfall leitet den Bach über ein felsiges Bachbett weiter
Ein kleiner Wasserfall und wunderschön klares Wasser im felsigen Bachbett
Sonnenstrahlen brechen durch den Wald, in dem ein Wanderweg verläuft
Schmal, mit Steinen durchzogen verläuft der Wanderweg auf dieser beschaulichen Runde
Ein umgestürzter Baum hat die Brücke, die der Wanderer quert, verschont
Der Baum ist so umgefallen, dass er weder Brücke noch Wanderweg zerstört hat
Eine Wanderin geht über eine hölzerne Brücke
Ich gehe über die Brücke beim umgestürzten Baum
Eine Kiefer ist von Efeu eng umschlungen
Der Efeu hat die Kiefer fest umschlungen
Ein Spielplatz vor einem Haus im Wald
Ein Spielplatz mit Quelle beim Forsthaus. Der Picknickplatz ist unterhalb des Parkplatzes

Wir genießen diesen Spaziergang im Wald. Der Frühlingsduft ist noch nicht sehr ausgeprägt, steigt uns an manchen Stellen zaghaft in die Nase. Therapeutischer Waldspaziergang heißt diese Runde. Unterwegs frage ich mich einige Male, ob ein Waldspaziergang nicht immer eine Therapie ist? Frische Luft, von Sauerstoff gefüllt. Düfte, die ständig wechseln. Die unterschiedlichsten Grüntöne und viele bunte Farbtupfer. Eine Vielfalt an Formen, Mustern und Strukturen. Rauschen von Ästen, das säuseln des Windes in Büschen und Gräsern, ein plätschernder Bach, ein Knacken. Junge Bäume, die sich ihren Weg hoch zu den alten Wipfeln bahnen und majestätische Bäume, mit verwitterten Rinden, Narben am Stamm und ausladenden Ästen, die viele Jahrzehnte, manchmal sogar Jahrhunderte bereits an dieser Stelle stehen. Wer achtsam, mit offenen Sinnen für die Umgebung durch einen Wald spaziert, wird seiner Seele wohl immer etwas Gutes tun.

Anders in einer Gruppe, mit der man im Wald unterwegs ist. Da nimmt man diese verschiedenen Sinneseindrücke vielleicht nicht so wahr. Oder ein Aufmerksamer macht andere auf einzelne Sinneseindrücke aufmerksam. Außerdem ist für die Seele das Zusammensein in der Gruppe, der Austausch von Gedanken, Lachen und Gemeinsamkeit erleben die „Therapie“.

Während der Wanderung hat der Wind wieder zugenommen. Als wir am Forsthaus ankommen rauschen starke Böen in den Baumwipfeln. Unser Wohnmobil steht unter hohen, teils sehr alten Bäumen. Der Platz erscheint uns für unser Wohnmobil zu unsicher und wir fahren den Berg hinunter, zum unteren Stellplatz am Picknickplatz.

Área recreativa de la Roca de l’Abella
GPS
N 41.36307° E 1.06113° oder
41°21’47.1“ N 1°03’40.1“ E 

Du bist mit dem Wohnmobil unterwegs. Dann ist der WoMo-Reiseführer Ost-Spanien genau der richtige Begleiter für Dich. In meinen Empfehlungen erfährst Du mehr oder Du bestellst ihn hier.

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