Tartu

Tartu

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die Universitätsstadt Tartu ist die zweitgrößte Stadt in Estland. Und obwohl sie eine der ältesten Städte im Baltikum ist, ist sie eine junge Stadt. Das spiegelt sich in den Gebäuden, Museen und Parks wieder. Sie ist Einkaufsstadt für die Landbevölkerung und hat ein besonderes Innovationszentrum.

Wellness in Tartu

Für Tartu hatten wir uns den Campingplatz am „Hafen“ ausgesucht. Da es an unserem Ankunftstag regnete und für den nächsten Tag ebenfalls Regen angesagt war, hatten wir im V-Spa Massagetermine ausgemacht. V-Spa ist im Einkaufszentrum in der Riia 2, im oberen Stockwerk, es hat ein Schwimmbad und unterschiedliche Saunen. Perfekt für einen Regentag. An unserem SPA-Tag schien jedoch unerwartet die Sonne. So haben wir uns am Vormittag für einen etwas verkürzten Stadtbummel entschieden und sind um 14.30 Uhr „nur“ zur Massage gegangen. Den Rest des Tages verbrachten wir beim Festival im Aparaaditehas.

Alte Stadt Tartu

Die Stadt Tartu wurde im Jahr 1030 erstmals urkundlich als Tharbatas erwähnt und ist daher eine der ältesten Städte im Baltikum. Der Großfürst von Kiew zerstörte die von vermutlich finno-ugrischen Einwohnern errichtete Holzfestung. Daher kannst Du davon ausgehen, dass diese Siedlungsstelle schon länger bewohnt war. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die neue Burg vom deutschen Schwertbrüderorden erobert, der die Christianisierung im Baltikum vorantreiben wollte. In der Deutschen und später Schwedischen Zeit hieß die Stadt Dorpat, in der russischen Zeit Jurjew. Auch Tartu war ehemals eine Hansestadt, wie wohl alle größeren und älteren Städte im Baltikum.

In Tartu – damals noch Dorpat – wurde der Friede von Dorpat am 2. Februar 1920 zwischen Estland und Sowjetrussland unterzeichnet. Darin wurde Estland Unabhängigkeit „auf alle Zeiten“ zuerkannt. Aber „alle Zeiten“ währte nicht lange, denn bereits 1941 hatten die Russen Estland wieder in die Sowjetunion einverleibt.

Tartu heute

Heute sind etwa ein Fünftel der knapp 100.000 Einwohner Tartus Studenten. Davon etwa 10 % ausländische Gaststudenten. Das merkt man der Stadt auch an. Viele junge Leute, viele Startups, junge Geschäfte und Lokale, ein offenes und fröhliches Miteinander. Wir haben uns bei der Tourist-Info im Rathaus einen Stadtplan auf Deutsch aushändigen lassen, mit dem wir eigenständig zwei unterschiedliche Stadtrundgänge hätten machen können. Wir kombinieren diese ein wenig und lassen auch vieles aus. Um Tartu richtig zu erleben solltest Du Dir ruhig eine Woche oder mehr Zeit nehmen. Weitere Infos zur Stadt findest Du hier. Nachfolgend einige Eindrücke als Bilderfolge, wie Du es von meinen Beiträgen von z.B. Tallin und Riga bereits gewohnt bist.

Die Markthalle ist ein einstöckiges hohes, rechteckiges Gebäude mit bunten Glasfenstern und einen Dacherhöhung
Die Markthalle ist ein architektonisch nicht sehr ansprechendes Gebäude
Das Innere Dach der Markthalle von Tartu. Glasfenster bilden eine Art Galerie
Die Markthalle sieht im Inneren nicht viel attraktiver aus als außen
Über eine Kreuzung ist eine Einkaufsmall zu sehen
Gegenüber der Markthalle sind drei verschiedene Einkaufsmalls. Diese hier wirkt wie eine Häuserzeile. Ganz rechts oben ist das V-Spa
Über eine Straße sind gläserne Gebäude zu sehen
Die Mall gegenüber ist ein großer Glaskomplex
Eine breite, rot gepflasterte Straße mit Blumenständen auf der gegenüberliegenden Seite
In der Küüni, die von der Riia in die Altstadt führt, ist der Blumenmarkt unter freiem Himmel angesiedelt
Vor dem rosa gestrichenen Rathaus ist ein Springbrunnen mit einem küssenden Paar unter einem Regenschirm
Das Rathaus von Tartu. Seit 1998 zieren die küssenden Studenten den Springbrunnen davor. Der Hashtag weist darauf hin, das Tartu 2024 Europäische Kulturhauptstadt sein wird
Der gepflasterte Rathausplatz wird links und rechts von hohen Gebäuden eingerahmt. In der Mitte stehen Tische und Stähle von Lokalen
Der Rathausplatz zieht sich bis zum Emajōgi (Emafluss) hinunter
Ein Gebäude hat Bordürenelemente des Jugendstils um die Fenster
Auch in Tartu am Rathausplatz sind Gebäude aus der Jugendstilzeit
Ein Gebäude ist auf der linken Seite etwas abgesackt und steht schief
An der Kreuzung zur Straße Kompanii steht das Schiefe Haus von Tartu. Das Fundament der hier rechten Hausseite steht auf der alten Stadtmauer, die linke Seite auf Holzpfosten, die im Laufe der Jahre nachgegeben haben
Blick zum Rathaus über den Rathausplatz mit seinen hohen Gebäuden links und rechts
Von der Fußgänger – Bogenbrücke geht der Blick zum Rathaus, in dem links die Tourist-I untergebracht ist
Eine öffentliche Toilette ist in einem runden Bauwerk untergebracht
In Tartu gibt es immer wieder diese kostenlosen öffentlichen Toiletten, meist in der Nähe der vielen Parks. Sauber und mit Toilettenpapier versehen!
Ein renoviertes altes Haus und ein unrenoviertes altes Haus in der Straße Lai
Die Straße Lai war ehemals die Straße, in der die Adligen ihre Häuser erbaut haben. Auch heute noch wunderschöne Bauwerke, aber nicht jeder kann die Unterhaltung und die Renovierung der Gebäude bezahlen – wie schade
Die Bloggerin sitzt zwischen Bronzestaturen von Oscar Wilde und Eduard Vilde auf einer Bank
Diese Skulpturen sitzen vor dem Café Wilde und wurden von der Bildhauerin Tiiu Kirsipuu erschaffen. Der englische Schriftsteller Oscar Wilde und der estnische Schriftsteller Eduard Vilde sind heute meine Banknachbarn. Frau Kirsipuu gestaltete eine Begegnung der zwei Herren, wie sie im Jahr 1892 hätte stattfinden können. Und ich setzte mich im Jahr 2020 dazu
Die Kirchturmspitze der katholischen Kirche ist aus Metallstäben gebaut – rechts davon der zunehmende Mond
Die Kirchturmspitze der Tartuer katholischen Kirche ist sehr interessant gebaut – rechts der zunehmende Mond
Ein rundes Appartementhaus hat eine Art Schneckenhausspitze
Das Appartementhaus hat eine weitere interessante Spitze, die in der Abendsonne rosa leuchtet

Universität Tartu

Tartu ist die älteste Universitätsstadt des Baltikums. An den unterschiedlichsten Orten wurde seither gelehrt, an einigen der Gebäude sind wir auf unserem Rundgang vorbei gekommen.

Ein zweistöckiges Gebäude mit großen Gauben im Giebel und einer Steintreppe
In diesem Gebäude in der Straße Jaani befand sich von 1642 bis 1656 die Universität Tartu, die vom Schwedenkönig Gustav Adolph gegründet wurde (Academia Gustaviana)
Ein Werbeschild für eine Kneipe, die Drinkgeld heißt
Trotz des Namens gibt es den „Alkoholclub“ bereits seit 1924 – gleich neben dem Hauptgebäude der Universität
Ein langgestrecktes Gebäude mit einer breiten Haupttreppe und vielen Säulen
1809 wurde das Hauptgebäude der Universität nach einem Entwurf von J. W. Krause in Tartu eingeweiht. Heute werden darin „nur“ die wichtigen Ereignisse im Studienjahr in der Aula begangen. Diese Aula ist der schönste Saal im Empirestil in ganz Estland. Wegen seiner hervorragenden Akustik wird er auch als Konzertsaal und für Konferenzen genutzt. Im Erdgeschoss ist das Kunstmuseum der Universität, das als ältestes Museum in Estland gilt, denn seit 1803 werden dort Kunstschätze gesammelt und ausgestellt
An einer Giebelseite eines Hauses sind Fenster aufgemalt, aus denen Menschen herausschauen
Das Gemälde an der Hauswand eines Nachbargebäudes der Universität in der Jakobi-Straße ist von A. Madisson mit den Bildern von Professoren bemalt – eine charmante Idee
Ein Backsteingiebelseite eines Hauses ist mit einem Bild des Universitätsgebäudes bemalt
Das von Bock´sche Haus diente fünf Jahre als Universität – die Räume wurden vom Obersten M. J. von Bock kostenlos überlassen. Heute ziert die eine Giebelseite ein Gemälde der Universität und des Universitätsplatzes, das nach einem Stich von L. Höflinger von 1860, gefertigt wurde

Tartuer Betonkunst  

In Tallinn hatten wir die Betonvögel als Betonsperren kennengelernt, die einen Terroranschlag mit einem Fahrzeug verhindern sollen. Auch in Tartu stehen überall an Straßen und Plätzen diese Betonsperren, aber in verschiedenen Motiven, hier einige Beispiele:

Vogelköpfe aus Beton dienen als Straßensperre
Dieses Modell Straßensperre ist ein Vogelkopf
Holzschuhe aus Beton dienen als Straßensperre
Hier stehen Betonholzschuhe als Straßensperren herum
Schildkröten aus Beton dienen als Straßensperre
Die Schriftsteller Wilde werden von Schildkröten aus Beton geschützt

Aparaaditehas

Eine alte Motorenfabrik ist seit 2014 das Kreativzentrum Aparaaditehas in Tartu. Die Fabrik war in der Straße Kastani, südwestlich der Altstadt, angesiedelt. In dem verschachtelten Gebäudekomplex und Innenhof haben sich bildende Künstler, Kreativschulen, Start-Ups, produzierendes Gewerbe und Restaurants angesiedelt. Wir hatten das Glück, dass während unseres Besuchs das zweite Aparaaditehas-Festival stattfand. Im Deutschen würden wir die Veranstaltung eher als „Tag der offenen Tür“ bezeichnen. Ich habe es am Nachmittag leider nicht geschafft, alle Kreativen zu besuchen. Die Vielzahl der Künstler, Designer, Schulen, Produzenten von Taschen, Schmuck, Kleidung, der Upcycler und Shops hat mich sehr beeindruckt. So sehr, dass ich nur wenige Fotos gemacht habe – was ich sehr schade finde, erst recht für Dich. Mit einem Plan und auf den Boden gemalten und geklebten Pfeilen wurden die Besucher durch die Gebäude, Aufgänge und Flure geführt – und ich habe mich erstens trotzdem verlaufen und zweitens daher nicht alles gesehen.

Mein erster Weg führt zu Glara Gymnastics. Ein junges Startup mit Shop für Gymnastikbekleidung und -bedarf und einer Gymnastikschule. Seit ihrem fünften Lebensjahr betreiben die Zwillingsschwestern rhythmische Gymnastik. Gold, Silber und Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften waren das Ergebnis, außerdem waren sie Schiedsrichterinnen bei Gymnastik-Wettbewerben. Heute sind sie Trainerinnen. Sie lebten über 10 Jahre in Kanada, bevor sie nach Estland zurückkehrten. Im Aparaaditehas haben sie ihren Traum vom eigenen Studio und Shop und einer eigenen Produktlinie für Gymnastikbekleidung – die sie selbst herstellen – geschaffen. Ich bewundere Menschen, die ihren Traum leben und wünsche den beiden Schwestern alles Gute für die Zukunft.

Ich komme an einer Schule für Musik, Gesang und Volkstanz, vorbei. Estnische Musik und estnische Tänze haben bei den Esten einen wesentlich höheren Stellenwert als Volkslieder und Volkstänze in Deutschland, wobei das regional unterschiedlich in Deutschland ist.

Die nächste Schule ist eine Handglockenschule, die Arsis Kellade Kool. Diese Art der Musik habe ich in den USA kennen gelernt. Meine Tochter war dort ein Jahr als Au Pair, und in ihrer Kirchengemeinde, in der sie im Chor gesungen hat, wurden die Gottesdienste mit den Handglocken begleitet. Auch in Estland kommt die Idee aus den USA, seit etwa 20 Jahren werden Handglocken in Estland gespielt. Die Schule hat derzeit 100 Schüler, die auch auf Konzerten auftreten. Im kleinen Video kannst Du erkennen, wie Handglocken gespielt werden. Ich habe absichtlich keine Gesichter in das Video gedreht, um den Datenschutz der jungen Menschen zu wahren.

Das Eingangsschild der Glockenschule
Arsis Kellade Kool – Käsikellade Ansamblid – übersetzt: Arsis Glocken Schule – Handglocken Ensemble
Handglocken zum Musizieren liegen auf mit Stoff bezogenen Tischen
Die Handglocken und Noten liegen für die Schülerinnen und Schüler schon bereit
Ein mit rotem Samt ausgeschlagener Koffer, in den die Handglocken nach Tonart sortiert werden
Die Handglocken haben bestimmte Tonarten und im Koffer einen ganz bestimmten Platz


Ich lerne den Künstler Edgar Tedressaar kennen, der in seinem Atelier seine Gäste empfängt. Er hat bereits international ausgestellt.

Der Künstler Edgar Tedresaare sitzt links seiner Stoffkunstwerke
Der Maler Edgar Tedresaar fertigt in seinem Atelier auch Bilder mit verschiedenen Stoffarten, die mit unterschiedlichen Farben (z.B. Ruß) bearbeitet werden.

Im nächsten Studio wird die Marke „Kuul“ produziert. Hauptfarben der Kleidung sind schwarz und weiß, die Stoffe sind aus ökologischem Anbau. Auch Landschaftsfotos werden auf die Jacken gedruckt.

Ich besuche noch eine Designerin, die aus allen möglichen gebrauchten Materialien Kleidung und Taschen herstellt. Die nächste Stoffdesignerin stellt Kleidung, hauptsächlich Jacken und Mäntel, aus Wollstoff her. Die Schafe grasen in Estland und der Stoff wird ebenfalls in Estland produziert.

Im Erdgeschoss der verzweigten Gebäude haben sich mehrere Restaurants angesiedelt, die völlig unterschiedliche Genüsse auf Teller und in Gläser bringen. Wir lassen den Abend im Hof ausklingen, wo ein Tischtennisturnier und ein Wettbewerb von Skateboardern stattfinden.

Museen und Tommeberg

Tartu hat eine unglaubliche Dichte an Museen, insgesamt 20 Stück. Unter anderem das Estnische Nationalmuseum, das erst 2016 in einem neuen Gebäude eröffnet wurde, das estnische Sport- und Olympiamuseum, ein Museum des Stadtbürgers und das Wissenschaftszentrum Ahhaa. Das ist das größte Zentrum im Baltikum, in dem spielerisch Wissenschaft und Technologie ausprobiert werden kann.

Auf dem Toomeberg war ursprünglich die Festung und später der Dom. Heute ist dort eine Sternwarte , die Engels- und die Teufelsbrücke und viele andere Sehenswürdigkeiten und Denkmäler. Diese Entdeckungen heben wir uns für unsere nächste Reise nach Tartu auf. Wir haben nur einen Spaziergang im Südosten des Toomeberg gemacht, als wir vom Abendessen im Pulverturmkeller zum Campingplatz gegangen sind.

Ein hoher aus Backsteinen gemauerter Raum mit Holztischen und Bänken und einer Theke im Hintergrund
Der Püsirohukelder – Pulverturmkeller ist eine Biergaststätte mit tollem Ambiente und köstlichen Speisen

Wir werden Tartu auf jeden Fall noch einmal besuchen. Spätestens 2014, wenn sie Kulturhauptstadt Europas ist!

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Tallinn

Tallinn

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Tallinn, die Hauptstadt Estlands – einigen noch als Reval bekannt – ist eine alte und auch moderne Stadt, in der jeder Besucher etwas für sich Interessantes findet. Wir haben alle Museen ausgelassen und uns nur für Gebäude, Parks und Kulinarik interessiert. Unterwegs waren wir zu Fuß und per Fahrrad.

Tallinn

Wir haben uns für den Euro-Parkplatz in der Kalasadama 8 in Tallinn für unser Wohnmobil entschieden, der nur 400 m von der Altstadt direkt an der Ostsee liegt. Die Stadthalle, Linnahall genannt, liegt in der Nähe. Der Parkplatz ist auf der Abrissfläche eines Industrie- oder Hafengebäudes entstanden und wartet auf neue Bebauung. Der Parkautomat funktionierte aber nicht. Nachdem Bernhard die Servicenummer gewählt hat, ist 10 min. später ein Servicetechniker da und wir können unseren Parkschein für 48 Std. für 4 € ziehen. Uns ist das lieber, als einen Strafzettel zu riskieren. Wir hatten in Norwegen damals ein sehr teures Erlebnis.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht auf einem Schotter-Wiesengelände, dahinter eine Mauer
Wir stehen an der Mauer einer Ruine auf dem Parkplatz am Kalasadama
Die Aida liegt vor Anker
Ein Aida-Kreuzfahrtschiff liegt vor Anker und darf anfänglich nicht am Hafen anlegen. Für uns ein Glück, denn in „normalen Jahren“ sind täglich bis zu 10.000 Kreuzfahrttouristen in der Stadt unterwegs
Hinter dem Parkplatz erhebt sich eine wuchtige Arena
Du schaust über den Parkplatz zur Linnahall, einer Multifunktionshalle. Sie wurde für die olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau erbaut, die Segelwettbewerbe fanden damals in Tallinn statt. Heute wird über die Weiternutzung gestritten – das sieht man dem Bauwerk deutlich an!

Wir haben uns entschieden, den 20. August, Tag der Unabhängigkeit der Esten, in Tallinn zu verbringen. Wir hoffen darauf, dass die Stadt recht leer sein wird, weil die Tallinner das gute Wetter und den Brückentag nutzen werden, um außerhalb der Stadt die Natur zu genießen. Ja, wir sind im Baltikum auch vorsichtig wegen des Corona-Virus.

Unseren ersten Abend in Tallinn verbringen wir mit einem Spaziergang an der Dicken Margarete (einem Stadtturm) vorbei, durch die unteren Altstadtstraßen zum Muschelrestaurant „Love Mussels“. Nach einem vorzüglichen Abendessen spazieren wir durch die Altstadt zurück. In der „Champagner Bar“ nehmen wir noch einen Absacker auf dem Weg zum Wohnmobil.

Den Feiertag der Esten nutzen wir für eine Fahrradtour zur Tourist-Info.

Ein Gebäude hinter Bäumen mit der Aufschrift Tourist-I
Die Tourist-Info ist in der Niguliste, etwa 50 m vom Rathausplatz entfernt und etwas unter Linden versteckt

Dort erwischen wir eine exklusive deutschsprachige Stadtführung zu Fuß. Später fahren wir mit dem Rad weiter zum Markt, in den Stadtteil Kalamaja, zum Neubaugebiet im Yachthafen und über das Wasserflugzeugmuseum zurück zum Wohnmobil. Am Spätnachmittag fahren wir mit dem Rad zum Stadtteil, Park und Schloss Kadriorg und genießen den Park, bevor wir am Tallinstrand entlang zurück zum Wohnmobil fahren. Diese Touren habe ich in Komoot aufgezeichnet.

Den Freitagvormittag nutzen wir zum Fotografieren und Einkaufen auf dem Markt. Und wir machten eine Entdeckung, die uns ungemein glücklich machte und dass über die nächsten Tage!

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrrad- und Spaziertour Altstadt – Kalamaja kannst Du hier auf meinem Komoot-Account nacherleben:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

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Die Fahrrad- und Spaziertour Kadriorg kannst Du hier auf meinem Komoot-Account nacherleben:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

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Altstadt Tallinn

Ich möchte Dir mit diesem Blogbeitrag einige Eindrücke von Tallinn geben. Die Stadt hat eine so ausufernde Geschichte und so viele unterschiedliche Sehenswürdigkeiten. All das zu erläutern sprengt den Rahmen eines Blogs und ich sehe mich dazu auch gar nicht im Stande. Wenn du mehr über Tallinn wissen möchtest, besuche die deutsche Seite der Stadt.

Einige kurze Daten zu Tallin möchte ich Dir dennoch mitteilen. Etwa ein Drittel der 1,3 Millionen Esten leben in und um Tallin, circa 430.000 Menschen. Die Altstadt wurde zwischen dem 13. bis 16. Jahrhundert erbaut, die Stadt war eine Hansestadt mit Lübeckischem Recht, d.h. Rechtsprechung der Hanse. Tallinn hat heute noch um seine Altstadt einen Großteil der ehemaligen Stadtmauer und viele der Stadtmauertürme stehen ebenfalls noch. Ein Teil der Tallinner Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Rund um die Altstadt haben sich im Laufe der Jahrhunderte weitere Stadtteile gebildet, je nach Herrscher und Baujahr in diesem oder jenem Stil.

Die Altstadtstraßen sind sehr verwinkelt, mit vielen Hinter- und Innenhöfen. Die Unterstadt wurde früher von Kaufleuten und Handwerkern bevölkert, die Oberstadt auf dem Domberg von den Adligen. Der Domberg ist aufgrund seiner Landschaftsform und durch Bastionen geschützt und lag außerhalb der Stadtmauer. Auf den Domberg gelangten die Bürger früher nur durch ein einziges Tor, was die Abgrenzung von denen da Oben zu denen da Untern noch deutlicher machte. Heute ist das kein Problem mehr, denn wir durften uns oben und unten und rundherum frei bewegen 😊

Nachfolgend Bilder aus der Altstadt Tallinns.

Apotheke am Rathausplatz

Eine zweiflügelige Holztür, mit verschlungenen Schlange geschmückt, mit einer steinernen Treppe, die in die Apotheke führt
Durch diese Tür gelangst Du in das Gebäude der Apotheke am Rathausplatz, 1422 erstmals urkundlich erwähnt. Damals wie heute und ununterbrochen war und ist darin eine Apotheke – und heute auch ein kleines Apothekenmuseum, das den Wandel der Medikamentenzutaten und des Medikamentengebrauchs zeigt
Eine Schlange um ein Gefäß symbolisiert eine Apotheke – darunter Apteekt und die Zahl 1422
Die Außenwerbung der Apotheke
Eine geschnitzte Bank mit einem Löwenkörper als Armlehne. Gusseiserne Säulen tragen das Obergeschoss der Apotheke
Gusseiserne Säulen tragen das Obergeschoss – Löwen sind die Armlehne der Apotheke – eine schöne Schnitzmeisterarbeit
Ein kupferner Destillierapparat und eine hölzerne Ölpresse stehen vor einem Erker
Alte Apothekenausstattung, wie den kupfernen Destillierapparat und eine hölzerne Ölpresse stehen beim Erker
Ein Foto auf einem Bildschirm zeigt ein Foto der Apotheke von 1903
Im kleinen Apothekenmuseum kannst Du mit viel Zeit auch die Geschichte der Apotheke anhand von Aufzeichnungen und Briefen lesen. Hier ein Bild des Rathausplatzes mit Apotheke von 1903

Weitere Eindrücke der unteren Tallinner Altstadt

Ein in die Erde gelassener runder Gedenkstein
Wer an diesem Punkt in Tallinn auf dem Rathausplatz steht und sich ein wenig reckt und streckt und dreht – kann 5 Kirchentürme (-fragmente) der Altstadt entdecken
Das alte Rathaus von Tallinn hat einen hohen Turm links und einen Laubengang im Erdgeschoss
Das alte Rathaus in Tallinn ist ein typisches Hansestadtgebäude mit einem besonders interessanten Turm
Ein Türmchen an einem Haus ist mit Fresken im Aufbau gestaltet
Wunderschöne Jugendstilhäuser gibt es auch in Tallinn – ich muss nur nach oben schauen!
Aneinandergereihte runde Gauben auf einem Schieferdach
Die Gaubengalerie hat mich beeindruckt – der Zimmermann hatte nicht nur viel zu rechnen, sondern auch viel zu konstruieren
Schmiedeeiserne Lampen beleuchten bei Dunkelheit die Altstadt
Schmiedeeiserne Lampen beleuchten bei Dunkelheit die Altstadt
Ein Hausportal mit einer grüngemusterten doppelten Holztür und einem steinernen Portal
Ein unglaublich schöner Hauseingang ziert das Gebäude der Schwarzhäupterbrüderschaft – heutzutage geht es hier zu den Tallinner Kammermusikern
Ein Häuserzeile mit unterschiedlichen Giebelformen und Türmchen teils im Schatten und in der Abendsonne
Diese Häuserzeile gefällt mir sehr gut – vermutlich in der Straße Aia aufgenommen
Ein Holzerker am Haus der Oleigilde
Der Holzerker am Haus der Oleigilde hat in seinem steinernen Sockel einen Rose eingemeißelt – die Rose oberhalb der Tür symbolisierte die Vertraulichkeit der Gespräche im Inneren, die die Gildemitglieder zur Verschwiegenheit verpflichtete
Ein Haus im Jugendstil mit stilisierten Drachen und Figuren auf zwei Simsen
Wunderschöne Details am Haus, die wir beim ersten Vorbeigehen gar nicht gesehen haben
Zwei Figuren stehen oberhalb des Hausportals
Die Figuren sind links König Knut von Dänemark und rechts Martin Luther – die Tallinner wundern sich noch heute, dass die Figuren in der Sowjetzeit nicht zerstört wurden – wie so vieles andere Kirchliche
Unter einer hohen Mauer sind Markisen, darunter Blumenläden mit bunten Blumen
Die Blumen am Blumenmarkt in der Straße Viru leuchtet in der Abendsonne
Die Straße ist mit Pflastersteinen gepflastert, Neben der Straße stehen hohe Altstadthäuser
Die Pflasterstraßen stehen in Tallinn unter Denkmalschutz
Fahnen hängen über einem Portal an einem Eckhaus
Die Aufschrift unter den Fahnen lautet: Telegraaf Post Telefon – 13. Nov. 1918
Durch einen Torbogen sieht man im Hof einige Geschäfte
Zugang zum Meisterhof in der „Vene 6“ – mit Atelier, Kunstladen, Café und Hostel

Domberg oder Oberstadt

In der Oberstadt machen wir mit unserer Gästeführerin einen kurzen Rundgang.

Die Orthodoxe Kirche wurde als Herrschaftssymbol des zaristischen Russlands erbaut
Der Zar setzte den Tallinnern mit der Orthodoxen Alexander Newski Kathedrale ein Machtsymbol auf den Domberg
Die Domkirche St. Marien auf dem Domberg ist die Hauptkirche der evangelischen Christen in Estland
Die Domkirche St. Marien auf dem Domberg ist die Hauptkirche der evangelischen Christen in Estland. Vormals war sie die Kirche der Tallinner Adligen und beherbergt deren Wappen bis heute
Die Plattform in der Kohtu Straße legte bereits den Adligen Tallinns die Stadt zu Füßen, bzw. ließ sie auf Handwerker und Kaufleute herabschauen
Die Patkuli-Plattform legte bereits den Adligen Tallinns die Stadt zu Füßen, bzw. ließ sie auf Handwerker und Kaufleute herabschauen. Du schaust auf die Stadtmauer mit einigen Türmen, die St. Olai-Kirche und den Hafen und vielleicht kannst Du sogar erkennen, dass die Aida mittlerweile im Hafen liegt, aber noch keine Reisenden „ausspucken“ durfte, denn die Stadt ist noch leer
Die Bloggerin sitzt auf der Mauer der Patkuli Platfform
Ich setzte mich mal in Szene auf dem Mäuerchen der Patkuli Plattform
Über viele Treppen geht es hinauf zum Domberg
Der Weg zur Regierung ist beschwerlich – die Esten spüren das anhand der Treppenstufen…
Die Stadtregierung tagt ebenfalls in einem Gebäude auf dem Domberg
In diesem Gebäude werden die Geschicke der Stadt Tallinn geführt

Bäckerei in Tallinns Altstadt

Bei unserer Fototour am Freitagvormittag entdecke ich in der Straße „Nunne 9“ in der Tallinner Altstadt eine Brezel an einem Haus. Von Brezeln wurden wir während unserer Reise so oft verführt – und genau so oft enttäuscht. Nie gab es ungesüßtes, ungemalztes, festes Brot und Brezeln schon gar nicht. Hier aber hatten wir großes Glück. Brezeln gab es zwar keine, aber richtiges Brot, mit Kruste und nicht weich wie ein Daunenkissen. Und Brötchen, sogar mit Körnern! Wir entschieden uns in der Bäckerei Loiri Pagar OU für ein tolles Roggenbauernbrot und eine Auswahl von Brötchen – und hatten viele Tage Freude daran. So einfach kann Glücklichsein funktionieren!

Eine goldene Brezel an einer Eisenstange als Werbung für eine Bäckerei
Die Bäckerei Loiri Pagar wirbt mit einem Brezel für ihr Backwerk. Wieder eine Brezel! Ob sie diesmal hält, was sie verspricht? Deutsche Backkunst in Tallinn??
Bäckereiauslage in einem Schaufenster
Schon im Schaufenster wird anhand der ausgestellten Backwaren einiges versprochen
Das Backwarenangebot wird in Regalen präsentiert
Und wir werden nach Eintritt in die Verkaufsräume nicht enttäuscht. Wir sind ganz geplättet von der Vielzahl des Brot- und Brötchenangebotes – und nix in Plastik eingeschweißt! So kann endlich wieder eine Kruste am Brötchen und Brot entstehen!
Die Kaffeeteilchen in der Auslage erscheinen wie in Deutschland
Ich bin wirklich gerne unterwegs. Ich reise wirklich sehr gern in andere Länder und mag gerne neue Speisen probieren. Aber so eine „deutsche“ Bäckereiauslage nach sieben Wochen Abstinenz, treibt mir die Freudentränen in die Augen und füllt meinen Notfallrucksack der Handtasche mit Köstlichkeiten

Besondere Bilder

Unter dieser Überschrift findest Du Fotos von Tallinn, die ich persönlich irgendwie besonders finde. Besonders, weil sie witzig sind, hohe handwerkliche Kunst aufweisen oder mich sonst irgendwie berührt haben.

Werbeschild einer Brauerei mit der Aufschrift Brewery ōlleklubi
Manchmal kann ich mir Estnisch durch andere Sprachen herleiten – Brewery – englisch = Brauerei und ōlle – norwegisch Öl = Bier und klubi – frei aus dem Deutschen interpretiert = Club – Brauerei Bierclub! Geht doch!
Ein geschmiedeter Türklopfer ist wie ein Löwenkopf geformt
Dieser Türklopfer ist eine wunderschöne Schmiedearbeit
An einem Hausgiebel sind stilisierte Girlanden und ein Wappen mit drei Löwen
Die drei Löwen erinnern mich an Baden-Württemberg
Zwei Kampfflieger fliegen über die Stadt
Am Unabhängigkeitstag zeigen die Franzosen, dass sie als Europäische Flugzeugstaffel den Esten zur Seite stehen
Eine Eintracht Frankfurt Fahne weht am Rathausplatz in Tallinn
Ob die Eintracht in Frankfurt davon Kenntnis hat, dass eine Fanfahne auf ganz repräsentativem Tallinner Gebiet – dem Rathausplatz – weht?
Eine Steinerne Figur mit einem Binokel schaut hinab auf die Straße
Laut der Legende soll ein Nachbar der Nachbarstochter immer hinterhergeschaut haben und bekam dieses Ebenbild auf die gegenüberliegende Gaubensäule gebaut
Dem Gründer des Estnischen Puppentheaters Ferdinand Veike ist ein Denkmal in Form einer Büste an einem Haus gesetzt worden
Dem Gründer des Estnischen Puppentheaters, Ferdinand Veike, wurde das Denkmal am Haus des Puppentheaters gewidmet
Zwei Stoffpuppen sitzen auf Stühlen an einem Bistrotisch vor einem Laden
Das Paar sitzt vor einem Geschäft mit handgefertigten Erzeugnissen
Eingang zur Gaststätte Elevant, Steintreppen und doppelflügelige Tür
Andere Länder, andere Schreibweisen…
Ein Werbeschild an einem Haus mit der Aufschrift Shoppe Old Hanse
2. Teil des andere Länder, andere Schreibweisen – der Pfälzer Schoppe wird mit „sch“ geschrieben, der Shoppe hier nicht – und ich vermute, dass es sich bei diesem Shoppe um ein Schiff handelt…
Ein Pfeffersack hängt am Giebelgalgen eines Hauses
Der rote Peppersack hängt noch am Giebelgalgen des Hauses, das wohl früher als Pfefferlager gedient hat

Parks und Blumenschmuck

In Estland begeistern mich die überall gepflegten Parkanlagen und Blumenrabatten. Selbst im kleinsten Örtchen, gibt es einen mit Blumen geschmückten, gepflegten Bereich, in dem sich die Bevölkerung erholen oder treffen kann. Tallinn toppt das in der Anzahl der Anlagen, aber auch immer sehr gepflegt und ansprechend. Nachfolgend einige Beispiele.

Große eiserne Kübel sind mit Blumen wunderschön bepflanzt
Der Blumenschmuck in der Stadt ist immer ungeheuer gepflegt und in zur Umgebung passenden Kübeln
Zwei Kinder mit einem Regenschirm als Springbrunnenfiguren
Ob Sonne, ob Schnee, ob Regen – die zwei sitzen immer unter dem zu kleinen Regenschirm und werden nass
Eine Rehskulptur steht in einem Park an einem kleinen Wasserfall
Die Legende erzählt, dass der Dänische König (einst auch mal Machthaber im damaligen Reval = heute Tallinn) ein Reh jagte. Als dieses die Klippe des Domberges erreichte, stürzte es sich lieber hinab, als erschossen zu werden. Mit dieser Begebenheit soll der Name Reval = Rehfall entstanden sein.
Eine Singvogelskulptur aus Beton
Ich frage mich, welche Bedeutung diese Vögel haben, die Du überall in Tallinn auf den Straßen sehen kannst?
Große, aus Beton gegossene Singvogelskulpturen
Die Bedeutung: der Vogel als solcher Keine! Sie dienen der Terrorabwehr – z.B. durch einen Lastwagen. Dass Betonsperren auch „schön“ gehen, zeigen diese Vogelskulpturen in Tallinn

Ausgehen

Wir haben einige Einkehrschwünge in Tallinn gemacht. Nachfolgend zeige ich Dir einige kulinarische Besonderheiten.

An einer weiß getünchten Backsteinwand ist eine Leuchtschrift Love Mussels
Ein Meeresfrüchtelokal mal ganz anders – bestellen an der Theke, selbst mit Gläsern und Besteck versorgen, Speisen und Getränke werden gebracht
In einem schwarzen Emailletopf ist ein Muschelgericht
Bernhard isst Muscheln mit Champagner, Fenchel, schwarzem Pfeffer und Pesto – der Geschmack war ungewöhnlich gut
Ein vegetarisches Fladenbrot
Vegetarisch geht auch – Gemüsefladenbrot – ungeheuer lecker gewürzt
Das Interieur in der Champagnerbar ist eher wie in einem bunt zusammengewürfelten Wohnzimmer gehalten
Bunt zusammengewürfelte Einrichtung und Kunst von Familienmitgliedern und Bekannten – die Einrichtung der Champagnerbar
In einer Glasvitrine stehen kleine Marzipanfiguren
In der Straße “Pikk 16“ ist das Café und Museum zum Thema Marzipan in Tallinn
In einer Glasvitrine stehen kleine Marzipanfiguren
Das Marzipan soll in Tallinn erfunden worden sein – als Arzneimittel, dass ein Apothekerlehrling falsch zusammengemischt hat. Über die Hanse und Lübecker Kaufleute kam es erst nach Lübeck…
Ein Riesenrad aus Löffeln konstruiert mit Sammeltassen als Gondeln
Die Gondeln sind Sammeltassen und ein Teil der Konstruktion sind Löffel – charmante Idee des Marzipanzimmers
Neben einer Teigspeise auf einem Teller liegt goldenes Besteck
Wir essen auf dem Markt unsere Tšeburekids mit goldenem Besteck – wie vornehm!
Das Werbeschild eines Weinverkaufs heißt Nudist Winery
Bernhard erkundigt sich, ob man nur nackig einkaufen darf. Gemeint ist aber, einfach Wein – ohne Schnickschnack – schade? Oder eher nicht?

Außerhalb der Altstadt

Außerhalb der Altstadt habe ich wenige Fotos gemacht, die nicht in Besonderes oder Parks und Blumenschmuck bereits abgebildet sind.

An für Tallinns Stadtteil Kalamaja typischen Holzhäusern hängen estnische Flaggen
Am Unabhängigkeitstag sind die alle Häuser in Tallinn beflaggt. Hier im Holzhausviertel Kalamaja
Ein geschmiedetes Tor führt in den Markt mit Ständen
Der Markt in Tallinn ist geschickt in den Bahnhof integriert
Neue Wohngebäude stehen um einen Platz
Diese neuen Wohngebäude sind im Nordwesten von Tallinn direkt an einem Yachthafen errichtet worden

Kadriorg – Katharinental

Am Beginn des Parks treffen wir auf eine bedeutende Tallinner Persönlichkeit.

Die Bloggerin steht neben der Statue von Jaan Poska
Ich versuche mit Jaan Poska ins Gespräch zu kommen. Er war von 1913 bis 1917 Bürgermeister von Tallinn. In den Revolutionsjahren 1917/1918 spielte er eine Schlüsselrolle bei der ersten Unabhängigkeit Estlands, war Gouvernementskommissar der ersten Regierung und später Außenminister
Im Park ist ein Pavillon auf einem Inselchen im See, links davon ein Springbrunnen
Ein See in der Parkanlage Katharinental – Kadriorg
Das Barockschloss Kadriorg in einem Blumengarten
Das Schloss Kadriorg wurde von Peter dem Großen erbaut – zu Ehren seiner Frau Katharina, heute ist ein Kunstmuseum darin
Ein abgestuftes Glasgebäude
In diesem selbst als Kunst bezeichneten Bauwerk ist das Museum der Modernen Kunst – Kumu

Wir hatten übrigens recht mit unserer Annahme. Viele Tallinner waren außerhalb der Stadt, mit Zelt im Wald oder in den Wochenendhäusern an irgendeinem der vielen Seen. Der Autoverkehr war mäßig, die Altstadtstraßen leer und wir hatten zwei ruhige Nächte auf unserem Parkplatz mit Blick zur Ostsee. Tallinn ist wirklich eine Reise wert!

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Chili Garten Metste Talu

Chili Garten Metste Talu

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Wir sind an der Küste nach Estland eingereist. Im englischen Prospekt „Romantische Küste“ ist auf unserem Weg in den Soomaa Nationalpark eine Ziffer eingezeichnet. Hinter der Ziffer verbirgt sich „Garden Collection of Chilli Pepers“. Wir wollen herausfinden, was sich dahinter verbirgt. Da in der Nähe auch ein Fruchtweingut liegt, verbringen wir den Tag kulinarisch.

Fahrt zu Metste Talu

Nach unserem Besuch im Fruchtweingut Allikukivi, leitet uns das Navi auf der A 6 nach Osten und nach wenigen Kilometern nach links, Richtung Kärsu auf eine Schotterstraße. Wir halten an, denn nach unseren lettischen Schotterpistenerlebnissen sind wir erst mal sehr skeptisch. Aber wir wollen zu Metste Talu und der Weg führt über die Schotterstraße. Langsam fährt Bernhard los, aber es ruckelt und scheppert nichts. Die Straße ist eine Straße und keine Piste. Er beschleunigt sogar bis 70 km/h und es rumpelt nichts! Natürlich staubt es, aber unsere Inneneinrichtung hört sich nicht so an, als wollte sie zusammenfallen. Nach einigen leichten Kurven sehen wir bereits das Schild.

Auf einem Schild ist das Logo und der Schriftzug der Romantischen Küste Estlands
Das Schild weist immer auf eine Besonderheit der „Romantischen Küste“ hin

Wir fahren über einen Wiesenweg neben das Haus. Eine junge Frau sitzt hinter dem Haus im Garten an einem Tisch auf dem ein Plastikkorb steht. Eine ältere Frau sitzt neben ihr und hält ein Baby im Arm. Alle schauen auf und ein Mann kommt auf unser Fahrzeug zu.

Kontakt

Metste Talu, Dorf Kärsu, Saarde vald, 86208 Kreis Pärnu, Estland Telefon: +372 512 4698, info@metstetalu.ee, https://www.metstetalu.ee/ Führungen gerne nach Voranmeldung per E-Mail oder Telefon.

Chili – die Idee

Auf unsere Frage, ob wir englisch miteinander reden können, antwortet Tõnu Pärn, das wir deutsch reden können. Er weist in die Runde und stellt die Damen vor. Die Mutter, Vaike Pärn mit dem Enkelkind Jan auf dem Arm und seine Schwester Katrin Pärn-Reiser, die Mutter von Jan und Tom, der später nach dem Mittagschlaf noch hinzukommt. Sie wollten gerade die gelben Chilischoten, die im Korb auf dem Tisch stehen, für die Weiterverarbeitung vorbereiten.

Gelbe Chili Schoten liegen in einem Plastikkorb
Die heutige Ernte an gelben Chili Schoten

Wie kommt man in Estland auf die Idee, Chili zu züchten? Katrin, die ebenso gut deutsch spricht, antwortet: „Alles begann mit einer Wette unseres Vaters.“ Da wir fragend schauen, erzählen sie die Geschichte. Toomas Pärn wettete mit einem Freund, dass er ohne Probleme eine scharfe Chilischote essen kann. Er gewann die Wette und einige Wochen später schenkte ihm dieser Freund Chilisamen. Vaike pflanzte die Samen ein, denn sie hat, nach Aussage ihrer Kinder, einen grünen Daumen. Mit der Zeit schenkten andere Freunde dem Vater ebenfalls Chilisamen, die sie von Reisen in ferne Länder mitbrachten. Das war der Beginn und im Laufe der Zeit füllte sich das erste Gewächshaus und ein weiteres wurde errichtet.

Wir sind am einem Gewächshaus angekommen, das parallel zur Hausfront im Garten steht. Es ist noch neu und in den parkähnlichen Garten eingefügt. Ein Farbenmeer empfängt uns.

Ein langgestrecktes Gewächshaus
Das neueste Gewächshaus birgt auch die schärfsten Schoten
In einem Gewächshaus stehen Chili Pflanzen in Töpfen
Jede Pflanze steht in einem eigenen Topf

Chili und Schärfe

Die Schärfe von Chili (Schreibweise in Estnisch Chilli) wird in Scoville Einheiten gemessen. Der Pharmakologe Wilbur L. Scoville hat diese Scala zur Abschätzung von Schärfe entwickelt. Grundlage der Messung ist das Capsaicin. Das ist das in der getrockneten Frucht enthaltene Alkaloid, das die Schmerzrezeptoren der Schleimhäute reizt und so die Schärfeempfindung auslöst. Die Scala beruht auf dem Verhältnis zwischen Capsaicin und einer Flüssigkeit, meist Wasser, um keine Schärfe mehr festzustellen. Beispiel: 1 ml reines Capsaicins benötigt 16 Mio ml (=16.000 Liter) Wasser (Quelle Wikipedia).

Katrin weist uns darauf hin, dass Zucker viel besser die Schärfe neutralisiert als Milchprodukte oder Wasser. Außerdem sei der Schmerz bei einer zu hohen Portionierung immer nach 15 Minuten vorbei. Immer!

Gleich zu Anfang im Gewächshaus steht die schärfste Sorte, die Metste Talu anbaut. Die Carolina Reaper erreicht eine Schärfe von über 2 Mio Scoville! Aber nicht nur der Genuss der Frucht ist äußerst risikoreich. Die Ernte findet unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen statt, denn die Berührung mit der Frucht und der Pflanze reizt die Haut ungemein. Tõnu benutzt einen Ganzkörperanzug, Handschuhe, Gesichtsmaske und eine Schutzbrille.

Geerntet werden die Chilischoten in den letzten zwei Augustwochen und bei einer zweiten Ernte im Oktober. Die Familie baut nicht nur Züchtungen an, die sie für ihre Produkte verwendet. Auch wilde Sorten, also natürlich wachsende, wie die Cherabita, die in Mexiko in der Natur vorkommt.

Chilipflanzen in verschiedenen Farben und Formen
Chilis wachsen in unterschiedlichen Farben, Formen und Schärfen

Estland hat lange, kalte, dunkle Winter. Frühjahr, Sommer und Herbst sind jeweils kürzer als wir das in Deutschland gewohnt sind. Daher muss das Gewächshaus im Frühling, manchmal sogar im Sommer nachts und im Herbst beheizt werden, immer, wenn die Temperatur unter 12° fällt. Zusätzliches Licht wird im Frühjahr benötigt, wenn die estnischen Tage noch zu kurz für die lichthungrigen Pflanzen sind.

Ein Ofen steht im Gewächshaus mit großem Gebläse
In der Vegetationsperiode muss das Gewächshaus zeitweise geheizt werden
Lampen hängen über den Chilipflanzen
Im Frühjahr müssen die Pflanzen künstlich beleuchtet werden

Mich fasziniert es, wie unterschiedlich die Chilipflanzen in Farbe und Form sind. Außerdem gibt es den Schärfeunterschied nicht nur bei den verschiedenen Pflanzen, sondern sogar pro Strauch. Die Früchte, die an ein und demselben Strauch gepflückt werden, können unterschiedlich scharf sein. Sogar Äste und Blätter der Pflanze geben bei Berührung Schärfe ab. Der Umgang mit den Gewächsen muss somit sehr umsichtig sein.

Gewächshäuser

In diesem Gewächshaus stehen die einzelnen Pflanztöpfen auf unterschiedlichen Etageren und Regalen. Jede Pflanze ist in einem eigenen Töpfchen, da sie individuell Wasser verbrauchen. Jede Pflanze wird sogar einzeln gegossen, nicht, wie man es aus Gärtnereien kennt, mit einem Beriesler oder der Pflanzendusche, die gleichzeitig mehrere Pflanzen gießt.

Auf verschiedenen Ebenen stehen Etageren mit Chilitöpfen
Die Töpfe mit den Pflanzen stehen auf verschiedenen Höhen, so sind sie einfacher zu Gießen
Ein kleine Leiter steht vor den Chilipflanzen
Die Mutter, als die Kleinste der Familie, benötigt zur Pflanzenpflege die Leiter

Die Mutter, Vaike Pärn, ist die Hauptakteurin bei der Pflanzenpflege. Alles was sie in die Erde setzt, gedeiht sehr gut, erklärt Tõnu. Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen normale Paprikaschoten, die für die Produktion des Chilipulvers ebenso benötigt werden. Außerdem produziert Metste Talu Zwiebeln, Kräuter und Kürbisse für den Verkauf und stellt auch Aromen her. Metste ist übrigens der Namen des Platzes, an dem die Familie wohnt und Talu heißt Bauernhof auf estnisch.

Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen Paprikapflanzen
Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen Paprikapflanzen

Mir gefällt das Holzhaus der Familie sehr gut. Tõnu erklärt, dass es 1926/1927 viel kleiner erbaut wurde. Später wurde es ein wenig erweitert und vor 10 Jahren wurde es nochmal verlängert, damit Katrin eine Wohnung im Haus beziehen konnte. Auch hier am Haus zeigt sich der „goldene Daumen“, wie Katrin sagt, der Mutter.

Vor einem gelben Holzhaus ist ein buntes Blumenbeet
Vor dem ältesten Teil des Familienhauses ist ein buntes Blumenbeet

Wir gehen durch eine Baumreihe in Richtung der anderen Gewächshäuser.

Im Garten stehen zwei Gewächshäuser
Im hinteren Teil des Gartens stehen zwei Gewächshäuser

Im Zwischenraum des gepflegten Gartens stehen Heidelbeerpflanzen. Jede Pflanze ist eine andere Sorte und manche auch aus anderen Ländern, erklärt Tõnu.

In einem Garten stehen Heidelbeersträucher
Jeder Heidelbeerstrauch ist eine andere Sorte
An einem Zuchtheidelbeerstrauch sind Heidelbeeren in verschiedenen Reifestadien
Verschiedene Reifestadien sind bei dieser Zuchtheidelbeere am Strauch vertreten

Im ältesten Gewächshaus, das früher für das normale Hausgemüse und Salat erbaut wurde, wachsen heute hauptsächlich Tomaten. Gestern Morgen, vor der Ernte, war noch alles rot, das hätte ein farbenfroheres Bild gegeben, entschuldigt sich Katrin. Mir gefällt die Farbzusammenstellung auch so. Die schöne Holzfarbe der Ständer, das Grün davor und darin, der rostige Ofen, der blaue Himmel – ein stimmiges Bild

In einem Gewächshaus wachsen Tomatenpflanzen
Im alten Gewächshaus werden Tomaten gezogen, die für die Chilisoße benötigt werden

In einem neueren halbrunden Gewächshaus wachsen in der Mitte Kinderchili. Vom Aussehen Chilischoten, aber ohne Schärfe. Allerdings mit mehr Aroma als normale Paprikaschoten. Links und rechts davon wachsen die Habaneros, die bereits um die 300.000 Scoville Grade haben.

In einem Gewächshaus stehen die Chilipflanzen in dichten Reihen
In diesem neuen Gewächshaus stehen die Chilipflanzen in dichten Reihen

An einem Schuppen ist der komplette Giebel mit einer Weinrebe der lettischen Sorte Zilga bewachsen. Diese Rebe hält Temperaturen bis minus 35° aus. Eine russische Weinrebe ohne Namen wächst an anderer Stelle im Garten.

An einer Hausseite mit spitzen Giebel wächst Wein
Zwei verschieden Weinreben wachsen im Garten, dieser am Giebel des Schuppens
Unter Weinblättern hängen Weintrauben, einige davon werden bereits blau
Der Wein gedeiht an der Südseite des Hauses gut, die Trauben werden bereits reif

Produkte von Metste Talu

Wir haben unseren Gartenrundgang beendet. Direkt neben dem Sitzplatz der Familie ist ein alter Brunnen und ich frage Tõnu, ob der noch genutzt wird. Dieser gehe nur 8 m in die Tiefe und wurde früher genutzt. Um den Wasserbedarf der durstigen Chilipflanzen zu decken, wurde vor drei Jahren ein neuer Brunnen gebohrt, der über 40 m in die Tiefe geht. Der wurde je zu ein Drittel von der Familie, der Gemeinde und der EU gezahlt. Wir setzten uns an den Tisch mit den gelben Chilischoten, die Tõnu zur Seite stellt. Sein sehr gutes Deutsch hat er auf der Universität gelernt. Außerdem schaut er bereits seit 30 Jahren deutsche Sendungen im Fernsehen. Katrin war unterdessen im Haus und kommt mit einem Tablett mit den Erzeugnissen zurück.

In einem Korbflechttablett stehen die Produkte von Metste in Gläsern
Katrin bringt uns die Produkte, die auch online verkauft werden

Die estnischen Namen sind für uns wieder langwierig zu lesen, aber doch verständlich. Tšillipulber Klassikaline, Tšillipulber Habanero, Tšillipulber Trinidad Moruga Skorpion und die Soße oder Paste Kreemjas Tšillikaste. Diese wird für 3 € pro Glas verkauft und eignet sich hervorragend zu Fleisch und Käsegerichten. Ein kleiner Bestandteil dieser Soße ist Rotwein.

Zwei Gläser mit Chilipulver in verschiedenen Farbgebungen
Die unterschiedlichen Farben resultieren aus den unterschiedlichen Farben der verwendeten Chilischoten
Zwei Gläser mit Chilipulver in verschiedenen Farbgebungen
Hier sind nicht nur die Farben unterschiedlich, sondern auch die Schärfen

Die Preise von Chilipulver sind in Estland viel günstiger als in Deutschland, betont Katrin. Für ein Glas Tšillipulber Klassikaline verlangen sie 5 €. Das Glas Tšillipulber Habanero kostet 10 € und das Tšillipulber Trinidad Moruga Skorpion kostet 15 €. I

In den letzten Jahren haben sie ihre Produkte auf vielen Märkten in Estland verkauft, aber das ist sehr zeitaufwändig und kostenintensiv. Alle Produkte werden nun online ab Hof verkauft, ebenso Brot und Chilipflanzen bei einem Besuch auf dem Hof.  Andere Hofläden im Umkreis haben die Produkte von Metste Talu auch im Angebot. Katrin weist uns auf das Zeichen für eine landwirtschaftliche Produktion in Estland hin. Über die estnische Flagge ist ein stilisierter Tropfen mit Blättern darin gedruckt.

Das Logo made in Estland ist die Estnische Flagge mit stilisierten Blättern
Wo dieses Logo drauf ist, handelt es sich um ein Produkt aus Estland

Wir kosten auf einem Löffelchen die Paste, die mild ist und doch im „Abgang“ Schärfe zeigt. Ja, die kann ich mir gut auch zur Würze von Soßen und Salaten vorstellen. So kaufen wir einige der Gläser für uns und einige als Mitbringsel. Katrin geht noch mal ins Haus und kommt, mit dem älteren Sohn auf dem Arm, der seinen Mittagschlaf beendet hat, zurück. Sie packt die Chilis, die sie während unseres Rundgangs in eine Schale gepflückt hat, in eine Papiertüte. Diese gibt sie uns als Geschenk mit und auch ein selbstgebackenes Brot.

Auf einem Tisch liegen ein Brot und eine Papiertüte
Katrin schenkt uns ein selbstgebackenes Brot, das auch ab Hof verkauft wird und eine Papiertüte mit Chilischoten
Verschieden Arten und Farben von Chilischoten auf einem Tisch
Der Inhalt der Papiertüte auf unserem Tisch – das werden wohl weitere scharfe Reisewochen

Wir sind baff und überrascht von dieser Geste und bedanken uns sehr. Das Geschwisterpaar hat sich gefreut, mal Deutsch sprechen zu können. Sie haben uns einen interessanten Besuch ermöglicht und waren sehr liebe Gastgeber. Wer sich für besondere Landwirtschaft interessiert ist auf dem Hof herzlich willkommen. Allerdings solltest Du Dich vorher anmelden. Vielen Dank, Katrin und Tõnu, für die interessante Führung und die informativen Erläuterungen.

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Fruchtweingut Allikukivi

Fruchtweingut Allikukivi

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An unserem ersten Tag in Estland ergattern wir eine englische Broschüre der „romantischen Küste Estlands“. Beim Studium während der Fahrt, leite ich Bernhard in Uulu von der A 4 auf die A 6, bis zum Dörfchen Allikikivi. Dort ist ein Fruchtweinmacher zuhause, den wir spontan besuchen.

Anfahrt zum Weingut

Über die A 6 von Westen am Städtchen Kilingi-Nõmme vorbei. Etwas nach der Abzweigung der A 92 geht es nach links ins Weingut.

Adresse

Kooli tee 2, Allikukivi, Saarde vald, Pärnumaa, 86201, Eesti, Tel. +372 525 2800, https://www.allikukivi.ee/
GPS Daten
N 58.15138° E 25.01983°
58°09’05.0“ N 25°01’11.4” E

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 20 Uhr

Ein aus Backstein gebautes zweistöckiges Herrenhaus
Das Herrenhaus ist sehr weitläufig mit einer runden Auffahrt

Weingut Allikukivi

Wir fahren in die Einfahrt und den linken Kreisbogen der Auffahrt hoch zu einem Herrenhaus aus Backstein. Ott Hein wartet bereits auf uns, denn wir haben und per Telefon angekündigt. Er ist der älteste Sohn des Hauses und verantwortlich für die englischsprachigen Führungen. Mir fällt die Karte vor der Eingangstreppe ins Auge.

Auf einer Schiefertafel sind in estnischer Sprache Cocktails aufgeführt
Heute sind Cocktails im Angebot 😊

Ott möchte uns erst einen Teil des acht Hektar großen Grundstücks mit eigenem Park zeigen. Der Deutsche Industrielle Albert Zoefeld hatte auf dem Nachbargrundstück eine Kleiderfabrik erbaut – und für sich das Herrenhaus. Nachdem die Fabrik geschlossen war und das Haus leer stand, nutzte die Gemeinde es als Schule. Die Eltern von Ott, Reili und Roman Hein haben das Grundstück mit Haus vor acht Jahren ersteigert, seit fünf Jahren leben sie hier, statt in der Hauptstadt Tallin.

Die Rückseite des Backsteinherrenhauses mit einer Treppe in den Park
Der Parkausgang des Herrenhauses

Auf der unteren Terrasse des Herrenhauses zum Park finden immer wieder Konzerte und andere Veranstaltungen statt, gerade am letzten Wochenende ein Jazzkonzert. Ein australischer Freund, der zu Besuch und von Beruf Barmann ist, kreierte Cocktails aus den Fruchtweinen, was bei den Gästen ungeheuer gut ankam.

Die Besitzerin des Weingutes Raili Hein
Die Besitzerin des Weingutes Raili Hein im Park Ihres Anwesens

Vor 10 Jahren überlegte Raili Hein, dass sie den Fruchtwein, den die Familie gerne trinkt, auch selbst herstellen könnte. So besuchte sie einen Kurs und begann mit der Herstellung von Fruchtweinen. Sie reichte ihre Weine gleich zu Verkostungen ein und gewann damit immer 2. Preise bei den Hobbywinzern. Von Hauptberuf ist sie in der IT-Branche tätig und kann ihre Arbeit von Allikukivi aus im Homeoffice machen. 1 – 2 Mal im Monat muss sie allerdings nach Tallin, zum Arbeitsplatz. Ott führt uns während seiner Erzählung durch den Park und zeigt uns eine Besonderheit in einem Baum.

Wir biegen links ab und gelangen zum Beerengrundstück, das momentan auf einem Hektar bewirtschaftet wird, aber auf 2 Ha erweitert werden kann. Nach dem Kauf des Hauses begannen sie mit dem Pflanzen von Beerensträuchern verschiedener Sorten.

Viele Sträucher mit Schwarzen Johannisbeeren stehen in einer Reihe
Die Ernte der schwarzen Johannisbeeren steht kurz bevor
In den Sträuchern hängen viele dunkle Johannisbeeren
Die Sträucher hängen voller Beeren
Rhabarberstängel bekommen rotes Laub
Zwar keine Beere wird aber auch für Wein angebaut. Der Rhabarber macht sich farblich bereits für den Herbst schön
Am Strauch hängen viele fast schwarze Aroniabeeren
Die Aroniabeeren sind noch nicht ganz reif

Alle Arbeit im Fruchtweingut war bis zum letzten Jahr Handarbeit. Beim Pflücken hat sich das nicht geändert, im Keller schon. Eine neue Fruchtsorte sollte zukünftig hinzukommen. Im letzten Jahr hat die Familie 35 Kirschbäume angepflanzt, die in diesem Jahr aber alle eingegangen sind. Im Herbst wird ein neuer Versuch mit einer robusteren Sorte unternommen. Bis letztes Jahr wurde in einem Raum des Erdgeschosses der Wein gepresst und gekeltert. Erst vor drei Monaten ist der Weinkeller im Keller des Hauses fertig geworden. Die Probierstube muss noch möbliert und dekoriert werden, bevor die ersten Gäste empfangen werden können.

Ein gefliester Kellerboden mit Backsteinwänden
Die zukünftige Weinprobierstube ist erst vor kurzen fertig renoviert worden

An der mittlerweile elektrischen Weinpresse ist Roman Heim die Ernte von gestern am Pressen.

Ein Mann säubert eine Presse von Beerenrückständen
Roman Hein säubert die Presse von den Rückständen der Stachelbeeren

Wir probieren den Saft, der mir zumindest viel zu sauer ist. In mehreren Räumen stehen die Edelstahlfässer, in denen der Fruchtwein reift.

Zwei Edelstahlfässer stehen in einem Backsteinkeller
Die Fenster im Weinkeller gehen in die Probierstube – so können die Gäste später beim „Reifen“ zuschauen
Verschieden große Edelstahltanks stehen im Weinkeller
Je nach Saft- und Weinmenge werden verschieden große Tanks für die Reife und Lagerung benötigt

Im letzten Jahr wurden 4.000 Liter Fruchtwein hergestellt, in diesem Jahr hofft die Familie auf 10.000 Liter.

Der Gärkeller geht zur Vorderseite des Hauses und ist mit einem Flipchart für das Notieren der Messdaten ausgestattet. Um die drei Wochen gären die Früchte, bevor sie In die Fässer zum Reifen umziehen können.

In Plastikfässern gärt Fruchtwein
Die Fruchtweine sind während des Gärens in ständiger Kontrolle

Wir gehen um die andere Seite des Hauses herum, wo für Gäste eine Toilette ist.

Im Garten, unter einem Baum ist eine Trockentoilette und ein Waschbecken
Im Garten, unter einem Baum ist eine Trockentoilette und ein Waschbecken

In einigen Jahren soll das zweite Stockwerk für Gästezimmer mitgenutzt werden. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg. Wir sind mittlerweile wieder auf der Eingangsterrasse, auf der der Probiertisch für uns gedeckt ist. Vier Weine und einen Likör werden wir versuchen, zur Geschmacksneutralisierung steht Käse bereit.

An einem Holztisch stehen Stühle, darauf Gläser für eine Weinprobe
Auf der Eingangsterrasse ist für unsere Weinprobe gedeckt

Unser erster Wein, ein Rhabarberwein, ist mit dem Saft von Birken verfeinert, was eine gewisse Extrasüße gibt. Ich empfinde den Rhabarbergeschmack dadurch allerdings als zu wenig, denn ich mag ihn lieber kräftiger.

Es folgen die Weine Apfel-Quitte, eine neue Kreation, die mir sehr gut schmeckt, den die Quitte sticht leicht hervor. Ein halbtrockenen Johannisbeerwein verkosten wir danach, der sehr fruchtig schmeckt. Der Himbeerwein schmeckt sehr weich und als wenn eine Himbeere im Mund zergeht. Ott bringt uns zwei Liköre, einen Johannisbeer, der dieses Jahr einen 2. Preis gewonnen hat und ausverkauft ist und einen Erdbeerlikör. Auch er schmeckt sehr fruchtig und ich kann ihn mir gut über einem Eis vorstellen.

Nach der Weinprobe zeigt uns Ott noch den Theatersaal, den Herr Zoefeld im Haus integrieren lies. Die Bühne im hinteren Teil des Raumes wäre heute noch nutzbar.

Ein großer Saal mit Holzfußboden und einer Bühne an der hinteren Wand
Im Herrenhaus Theatersaal, während der Schulnutzung Sporthalle, heute Kinderspielzimmer
Ein großer Saal mit Holzfußboden, Turngeräten und einem Basketballkorb
Das war unverkennbar die Sporthalle – mit dem unvermeidlichen Basketballkorb der Esten

Gegenüber liegt der Verkaufsraum, in dem die Weine und Liköre und einige Ware von regionalen Erzeugern angeboten werden.

An einer Wand mit Dunkelroter Tapete stehen dunkle Regale mit Fruchtweinflaschen
Der Verkaufsraum ist geschmackvoll eingerichtet

Hier steht auch der Zweite Preis Gewinner in einem Regal. Die Liköre haben aller Frauennamen, Hermiine, Adeele und Margaret.

Vier Flaschen Johannisbeerlikör mit Namen Hermine
Der Johannisbeerlikör Hermine hat in diesem Jahr bei einer Messe den 2. Preis gewonnen

Verschiedener Fruchtsaft wird natürlich ebenso hergestellt und in lustig bedruckten Boxen verkauft.

Ein Karton mit Saft hat einen Aufdruck mit einem Hirsch mit Früchten im Geweih
Die Saftbox hat einen witzigen Aufdruck

Die Preisliste ist – wie auch bei Gunta Niedra im Weingut Mazburkas und bei Mārtiņš Sants von Vīna Darītava in Lettland – recht einfach gestrickt. Es gibt nur zwei Preise. Allerdings ist es anders als in der Pfalz bei der Weinprobe. Erstens kostet die Weinprobe 12 € und zweitens kostet sie das auch, wenn Wein gekauft wird.

Auf einer Schiefertafel stehen die Wein- und Likörpreise
Die Preisliste des Fruchtweinguts ist recht einfach

Wir durften ausnahmsweise an einem Montag im Weingut vorbeischauen und danken dafür recht herzlich. Die Weine werden uns an eine interessante Familie erinnern und im nächsten Jahr werden wir die neuen Kreationen von diesem Jahr probieren, wenn wir wieder kommen.  

Golf Club Viesturi bei Riga

Golf Club Viesturi bei Riga

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Wir sind seit unserer Abreise einem sportlichen Hobby nicht nachgekommen, dem Golf spielen. In der Nähe von Riga passte das Wetter und der Preis fürs Greenfee. Wir verbrachten zwei wunderschöne Tage im Golf Club Viesturi. Das Restaurant „the forest café“ sorgte für mehr als eine Überraschung.

Suche nach einem Golfplatz

Bernhard hatte bereits seit unserem Polenaufenthalt immer wieder nach Golfplätzen auf unserer Route Ausschau gehalten. In Litauen ist er einmal fündig geworden, in der Nähe von Kaunas. Aber selbst die Mitarbeiterin des Campinglatzes bekam keine Telefonverbindung und fand heraus, dass er seit zwei Jahren geschlossen ist. Hier in Riga hofften wir auf mehr Glück.

Drei Golfplätze gibt es in der Region Riga. Zwei davon wirken auf mich eher elitär. Der dritte, ein 9-Loch-Golfplatz, hat einen fairen Preis. Die Fahrt zum Golf Club Viesturi ist recht abenteuerlich. Er liegt in Jaunmārupe, südwestlich von Riga, mitten im Wald. Ein kurviger asphaltierter Weg führt dorthin. Ein großzügiger Parkplatz, daneben ein aus Holz gebautes Clubhaus. 1998 wurde der Golfclub eröffnet.

Die GPS Koordinaten des Golfplatzes:
N 56.89841° E 23.87811°
56°53’54.3“ N 23°52’41.2“ E

Öffnungszeiten Büro und Kontaktdaten:
Täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet
Telefonnummer: +371 23 44 43 90 zu erreichen.
http://golfsviesturi.lv/

Preise:
Montag bis Freitag: 9 Loch 20 €, 18 Loch 35 €, ganzer Tag 40 €
Samstag und Sonntag: 9 Loch 25 €, 18 Loch 40 €, ganzer Tag 50 €
Jetons für den Ballautomat: 2 € für 20 Bälle
Ausleihen Trolley für das Bag: keine Kosten

Es ist möglich, erstmal 9-Loch zu spielen und später den Aufpreis für 18 Loch zu zahlen, wenn wir weiterspielen möchten.

Eine Holzveranda führt in das Clubhaus
Über die Holzveranda geht es ins Clubhaus des Golf Club Viesturi

Da wir lange nicht gespielt haben, wollen wir uns auf der Driving Range einschlagen. Der Ballautomat an der Driving Range wird mit Jetons bedient, die wir für 2 € bekommen. Wir sollten lieber mit dem Auto dorthin fahren, es wäre weit. Das Schild „Golfschule“ – so habe ich es aus dem lettischen interpretiert – haben wir bei der Anfahrt gesehen. 50 m zurück und rechts abbiegen, und es geht noch kurviger auf einer schmalen Schotterstraße etwa 400 m durch den Wald.

Über einen schmalen, kurvigen Waldweg führt der Weg zur Driving Range
Wir sind über unser kurzes Wohnmobil mal wieder froh. Die Kurven zur Driving Rangs sind ziemlich eng

Wie immer in Lettland auf einem Parkplatz ist eine Toilette und das Gebäude an der Driving Range ist einladend gestaltet. Der Ballautomat steht davor.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht vor einem Holzhaus auf einem Parkplatz, rechts ist eine große Pfütze
Nach dem starken Regen der letzten Tage ist der Parkplatz eher eine Seelandschaft.
Das Gebäude an der Driving Range bietet Platz für ein überdachtes Picknick
Nach der Driving Range ist ein überdachter Picknickplatz, der sicherlich schon so manche nette Zusammenkunft gesehen hat
Eine Holzüberbauung schützt die Golfer auf der Driving Range vor Regen und Sonne
Die Driving Range ist sehr zweckmäßig und schön angelegt

Wir schlagen uns ein und fahren zurück zum Parkplatz des Clubhauses. Direkt daneben ist das Putting Green, wo wir testen, wie langsam oder schnell das Green ist.

Ein Parkplatz hinter Bäumen
An den Parkplatz anschließend ist direkt das Puttinggreen
Auf dem Pitching Green fährt ein Rasenmäherroboter
Das Pitching Green wird von einem Rasenmäherroboter bearbeitet
Ein roter Rasenmäherroboter fährt über einen Rasen
Wie ein kleiner Sportwagen saust der Rasenmäherroboter über das Grün der Pitchinganlage

Direkt neben dem Putting Green ist der Abschlag des ersten Lochs. Wir freuen uns, dass die Fairways so gut beschrieben sind. Immer wenn wir einen Platz zum ersten Mal spielen, ist es schwierig einzuschätzen, wie man ein Fairway spielen muss. Eine genaue Meterangabe zu Gräben, Bunkern, zu Doglegs oder Bunkern ist wirklich informativ.

Ein Golfer steht an einem Abschlag. Rechts die Infotafel über Das Fairway, rechts Wald
Bernhard steht am ersten Abschlag. Die Fairwaytafeln sind vorbildlich gestaltet und informativ für Golfer, die zum ersten Mal diesen Platz spielen

Wir spielen die sehr gepflegten Fairways und freuen uns über die kleinen Details am „Fairwayrand“. Auch die Hinweise zum nächsten Tee finde ich ungeheuer nett gemacht.

Die Übergänge zum nächsten Abschlag sind mit Holzpfeilen markiert
Viele Holzbauwerke nur zum Anschauen sind auf dem Platz verteilt

Mit fällt auf, dass es bei jedem dritten Fairway eine Blitzschutzhütte gibt. Das ist mir bei den Golfplätzen in Deutschland, die ich bisher gespielt habe, so nicht aufgefallen. Wer in Deutschland von einem Gewitter überrascht wirst, hat meist sehr lange Wege. Wir erfreuen uns am nächsten Holzkunstwerk.

Auf einem Pfosten ist ein Holzstorch
Holzkunst am Golfplatz – diesmal ein Storchennest – leider von Bällen ziemlich malträtiert

Die 25 ha große Anlage ist sehr gepflegt und es macht großen Spaß, die interessant gestalteten Greens zu spielen.

Ein gepflegtes Grün mit einer roten Fahne im Loch des Golfplatzes
Die Grüns sind sehr gepflegt und recht schnell. Kleine „Unebenheiten“ im Grün machen das putten spannend

Es gibt auch einige Herausforderungen in Form von schmalen Fairways, Wassergräben und Roughs. Beim Loch 6 ist eine der Herausforderungen, das der Wald so nah steht, und das Fairway so schmal ist. Und der Damenabschlag ist auf einer „Insel“. Wir spielen beide erst mal in den Wald, schaffen es aber dann doch noch, das Dogleg auf dem Fairway zu spielen.

Die Bloggerin schlägt am Loch 6 ab
Mein Abschlag von einer Insel an Loch 6. Mein Ball ist – als Ball einer guten Ehefrau – Bernhards Ball in den Wald auf der rechten Fairwayseite gefolgt
Eine Tafel erklärt die Vorgaben für Loch 6
Loch sechs geht ein wenig um die Kurve, durch den Wald – den wir natürlich mitbenutzen

Am Ende des Loches sechs, vor Abschlag sieben, gibt es einen Übergang zur Driving Range und eine „Rastmöglichkeit“ für Golfer. Vermutlich werden hier immer wieder Cateringangebote bei Turnieren gemacht?

Ein Pavillon mit Stühlen steht vor Abschlag 7
Vor Abschlag sieben ist ein netter Sitzplatz mit Theke eingerichtet – leider heute nicht besetzt

Die letzten zwei Löcher sind auch interessant zu spielen und die letzte Fahne steht kurz vor der Terrasse des Restaurants „The Forest Café“. Seit einer Hochzeit am Tag vor unserer Anreise, hat das Loch neun eine interessante Installation.

Auf der Wiese vor dem Café ist ein Holzrahmen als Bilderrahmen aufgestellt. Darin ist die Fahne von Loch 9 zu sehen
Eine witzige Idee. Für die Zuschauer ist die Fahne von Loch 9 in einen Bilderrahmen gepackt

Das Clubhaus bietet einen Shop, gepflegte Duschen, sogar eine Sauna pro Umkleideraum und Toiletten. Die Lobby ist ansprechend gestaltet, man kann sich heimisch fühlen.

Sofa und Sessel stehen in der Lobby des Golfplatzes, die Sonne scheint durch die Tür
Die Lobby des Golfplatzes – sehr ansprechend eingerichtet
In einem Raum sind links Spinde und rechts ein Sofa, Sessel und eine Ablage
Der Umkleideraum der Damen – stilvoll eingerichtet

The Forest Café

Kristīne Lazdiņa und Andis Levītis, ein junges Paar mit einer sechsjährigen Tochter, haben erst vor einem halben Jahr das Restaurant im Clubhaus gepachtet. Laut eigener Aussage, wieder zum Leben erweckt. Sie haben zuvor elf Jahre in einem Restaurant in Rigas Altstadt gearbeitet. Mit einem neuen Namen, einem neuen Konzept, neuem Stil, neuem Menü, einem neuen Koch und Servicemitarbeitern möchten sie den Platz für weitere, neue Gäste interessant machen.

Die Terrasse des Holzgebäudes ist ebenfalls aus Holz
Ein Teil der Terrasse des „The Forest Cafe´s“ beim Golf Club Viesturi

Im kalten Winter Lettlands steht der Golfbetrieb bis Ende März still. Das Restaurant kann unterschiedlich bestuhlt werden und verfügt über verschiedene Räume. So startete das „The Forest Café“ mit Familienfeiern, Konferenzen und anderen Veranstaltungen. Anfang April wollte das Paar mit der Restauranteröffnung durchstarten. Allerdings fiel der Termin mit dem Beginn der Corona Vorsichtsmaßnahmen in Lettland zusammen. Da es in Lettland wesentlich weniger Infektionen gibt, verschob sich die Eröffnung nur bis in den Mai.

Öffnungszeiten und Kontaktdaten
Das „The forest café” hat Montag bis Freitag von 11.00 bis 21.00 Uhr, Samstag von 11.00 bis 22.00 Uhr und Sonntag von 11.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und ist unter der Telefonnummer +371 22 33 30 669 zu erreichen, http://www.golfsviesturi.lv/index.php/restorans

Auf einem Tisch steht ein Blumenarrangement aus weißen Rosen, Getränke und ein Brotgruß aus der Küche
Ein Brotgruß aus der Küche – und weil gestern eine Hochzeit gefeiert wurde, auch noch ein schönes Blumenbouquet

Der Koch von Kristīne und Andis variiert neue lettische Küche mit internationalen Spezialitäten. Das italienische Gebäck, zu dem Pesto gereicht wird, schmeckt sehr lecker. Als Hauptspeise bestellt Bernhard Muscheln, ich Lachs.

Auf einem Teller sind gekochte Muscheln angerichtet
Bernhard genießt Muscheln zum Mittagessen – sehr lecker angerichtet
Ein angerichteter Teller mit Lachs und Muscheln
Mein Gericht mit Lachs und Muscheln

Wir entscheiden, bis morgen zu bleiben und das Golfspielen auszukosten. Wir dürfen auf dem Parkplatz mit dem Wohnmobil stehenbleiben über Nacht. Es ist sehr ruhig und der Parkplatz an der Driving Range wäre noch ruhiger.

Bernhard spielt am Nachmittag eine zweite Runde Golf, ich nutze das WiFi um meinen Blog mit Beiträgen und Stellplätzen zu füllen.

Der Innenraum des Cafés hat einen rotgemusterten Teppichboden und Holzpfeiler
Im Innenraum stehen die Blumen der Hochzeit noch zum Abholen bereit
Vor einer Terrasse stehen Liegestühle
Vor dem linken Terrassenteil stehen Liegestühle – ein Platz zum Wohlfühlen

Wir können den Golfplatz wärmstens empfehlen. Das Preis Leistungsverhältnis ist okay, die Lage wunderschön, die Fairways sehr gepflegt und das Restaurant lässt keine Wünsche offen.

Burrata und kleine Tomaten auf einem Gebäck angerichtet
Ich habe mir den Salat mit Burrata bestellt – sehr lecker angerichtet und zubereitet

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Riga

Riga

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Riga, die Hauptstadt Lettlands wollten wir unbedingt besuchen. Riga hat eine lange, auch deutsche Geschichte. Die Hanse und die Gildemeister prägten frühere Zeiten, Richard Wagner komponierte hier anfänglich und Heinz Erhard wuchs hier auf. Wir sind gespannt auf eine alte und junge Stadt und ihre Gebäude.

Anreise nach Riga

Wir fahren nach dem Besuch beim Weingut Mazburkas über die A 10, P 101 und A 9 nach Riga. In Babites Novads machen wir noch einen Kaffeestop bei der Großbäckerei Laci. Hier wird das traditionelle Brot der Letten hergestellt und auch jede Menge süßes Gebäck.

Ein Verkaufsraum einer Bäckerei
Wir kaufen ein Roggenbrot und trinken Kaffee in der Bäckerei Laci

Dann passieren wir dass „Ortsschild“ von Riga und werden vom Navi gut zum Campingplatz am Yachthafen geleitet. Den regnerischen Nachmittag verbringe ich mit Schreiben und Bilder auswählen. Es regnet immer stärker, die ganze Nacht.

In großen Buchstaben steht der Name Riga auf einer Straßenseite in einer Wiese
Na, wer nun nicht weiß, wo er ist….!

Am Morgen hat die Sonne fast alle Wolken weggeputzt und wir machen uns auf in die Stadt. Vom Campingplatz am Yachthafen fahren wir zur Tourist-Information am Schwarzhäupterhaus mit dem Fahrrad.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

Inhalt laden

Oder Du folgst mir und dieser Fahrradtour auf meinem Komoot-Account.

Links das Gebäude der Nationalbibliothek, dass wie eine Welle erbaut ist, rechts die Lettische Flagge
Das linke “Wellen”-Gebäude ist die Nationalbibliothek

Altstadt von Riga

Dieser Blogbeitrag wird mit seinen Bildern sprechen, denn ich bin über Riga zu wenig informiert, als dass ich Dir adäquat von dieser wunderbaren Stadt berichten könnte. Wie immer in Lettland sind viele gepflegte Parks und Grünflächen, diesmal in der Stadt eher weniger Radwege und viel Pflaster auf den Straßen. So versuche ich, Dir meinen Eindruck von einem Teil Rigas per Bildern zu zeigen. Ich fange in der Altstadt an, wo wir ab der Peterskirche um 10 Uhr eine kostenlose Stadtführung (auf Englisch) mitgemacht haben.

Rechts zwei Bürgerhäuser, dahinter die Peterskirche
Die Schwarzhäupterhäuser wurden erst in den 2000er Jahren wieder errichtet
Treppengiebel mit Goldenen Spitzen geschmückt
Details eines Stufengiebels am Schwarzhäupterhaus
Am Kirchengiebel geht der Blick über den vierstöckigen Turm hinauf
Blick hinauf zur Turmspitze der Peterskirche
Der Kirchturm hat mehrere Stockwerke, die von Kupferdächern geschützt sind
Der Kirchturm der Peterskirche ist interessant gebaut
Esel, Hund, Katze und Hahn stehen als bronzene Figuren übereinander
Die Bremer Stadtmusikanten – schaurig schön
Eine Tafel erklärt, warum die Stadtmusikanten aus Bremen auf der Rückseite der Peterskirche stehen
Bremen ist die Partnerstadt Lettlands – das war aber nur ein Grund für die Skulptur
Ein rotgestrichenes Haus hat weiße Absetzungen und gemeißelte Bordüren
Die Bordüren an diesem Haus haben es mir angetan
Eine große Stahlgitarre steht vor einem Gasthaus
Im Haus ist das Rockcafé Rigas
Über einer Kirchentür sind Bordüren mit einem Engelskopf und einer Friedenstaube
Über der Tür einer ehemalige Kirche, die die Sowjetzeit überlebt hat und heute als Jugendzentrum der Kirchengemeinde genutzt wird, sind interessante Steinmetzarbeiten
Ein renovierungsbedürftiger Giebel
Nur noch der Giebel steht – noch sind längst nicht alle Häuser in Rigas Altstadt renoviert oder instandgesetzt
Ein Bronzenes Gürteltier
Das Gürteltier läuft am Rigaer Dom die Treppe hinauf
Der Domturm in Riga hat einen goldenen Hahn obenauf
Der Domturm in Riga hat einen goldenen Hahn obenauf
Metallpfosten mit Löwenköpfen sind durch Ketten verbunden
Diese Löwen schützen das Lettische Parlament
Ein hohes altes Steinhaus mit einem Torbogen
Das Schwedentor ist das einzige erhaltene Stadttor
An einer roten Hauswand ist eine Hausnummer und an der Holztür weitere
Das Haus hat eine Hausnummer und die Tür hat weitere…
Eine Katzenskulptur auf einer Turmspitze eines Hauses
Die Katzen auf den Türmchen sind vom Erbauer zum Spott der Gildemitglieder auf die Türmchen gesetzt worden
In einem Hauswappen ist eine Lyra
Am Haus, in dem Richard Wagener lebte, ist dieses Detail zu finden
Ein aus Backsteinen gemauerter Stufengiebel mit weißen Absetzungen
Ein interessant gestalteter Stufengiebel

Die Markthallen in Riga liegen hinter der Bahnlinie. Wir wollen nichts kaufen, aber schauen.

In einer Markthalle sind mehrere Fischstände
Ein großes Angebot an Fischen und Meerestieren wird in der Markthalle geboten
Mehrere Gebäude sind hintereinander gebaut
Die Gebäude der heutigen Markthallen wurden für die Zeppelinfertigung erbaut

Wir haben eine Adresse für ein Restaurant mit lettischen Speisen. Das stellt sich allerdings als Selbstbedienungskantine heraus. So radeln wir durch den Park Basteikans zum Freiheitsdenkmal und entdecken gleich rechts davor ein tolles Restaurant.

Das Freiheitsdenkmal ist ein sehr hoher Obelisk
Das Freiheitsdenkmal steht im Kronvaldas Park
Der Innenraum eines Restaurants. Bequeme Clubsessel, Holztische, bunte Beleuchtung
Das Restaurant Kolonade, direkt neben dem Freiheitsdenkmal, bietet Ruhe und sehr gutes Essen

Die Adresse lautet: Kolonade, Brīvības laukums 1, Riga, LV – 1050, Latvija, Tel. +371 266 088 82, www.kolonade.lv

Der Innenraum eines Restaurants. Bequeme Clubsessel, Holztische, bunte Beleuchtung. Große Vasen beinhalten Grünpflanzen
Das Restaurant ist geschmackvoll eingerichtet und dekoriert In Lettland gesponnene und gewebte Schafwolldecken dienen nicht nur der Dekoration
Die Bloggerin sitzt vor einem Teller mit Rote Beete Suppe
Bernhard stellt fest, dass ich immer das zum Gericht passende Oberteil anhabe

Auf „unserer Insel“, wo auch der Campingplatz liegt, ist in der Nähe der Brücke die Žanis-Lipke-Gedenkstätte. Žanis Lipke und seine Familien mochten Menschen. Egal wer sie waren, egal was sie machten, allein das sie Mensch waren respektierten sie. Die Familie versteckte im Zweiten Weltkrieg in einer Grube unter ihrer Scheune über 50 Juden vor dem Zugriff der Nazis. Die Gedenkstätte wurde 2009 eröffnet. Die Bauweise ist sehr interessant, denn der Gast bewegt sich fast Ausschließlich im Dunkeln, wo wie die versteckten Juden über Monate lebten.

Ein Holzgebäude mit einer gläsernen Stirnseite und Giebel
Das Gebäude der Žanis-Lipke-Gedenkstätte ist aus Holz und hat nur an der Stirnseite Glasfenster
An einem Holztor sind eine Klingel, eine Gegensprechanlage und die Öffnungszeiten des Museums
Der Eingang in das Museum

Kalnciems-Viertel

In Pārdaugave, dem der Altstadt gegenüberliegenden Stadtteil auf der anderen Seite Seite der Daugava, ist das Kalnciems-Viertel. Hier stehen viele Holzhäuser, die die Holzarchitektur des 19. Jahrhunderts repräsentieren. Einige sind bereits restauriert, andere liegen noch im Dornröschenschlaf. Es gibt immer mehr Förderer, die die historische Atmosphäre des Viertels bewahren möchten. Wir entdecken eine Hof mit mehren Gebäuden, die einen Sportladen mit Werkstätten und Freizeitangebot beherbergen.

In einen gepflasterten Hof ist eine Fahrradwerkstatt und Werkzeug, mit dem der Kunde selbst reparieren kann
Im Hof des Sportgeschäfts Dabnīca sind Fahrradwerkzeuge für Kunden frei zugänglich. Bernhard nutzt die Gunst der Stunde, um sein Fahrrad aufzupumpen
Ein Kletterturm aus Holz steht auf einer Wiese
Auf einer Wiese nebenbei ist ein Kletterturm
Zwei aus Baumstämmen gearbeitete hohe Gesichter stehen auf einer Wiese
Lettische Schnitzkunst mal anders – Kunst beim Kletterturm
Vor einem braunen Holzhaus mit weißen Absetzungen sind verschiedene Essenstände aufgebaut
Eigentlich sind wir wegen der restaurierten Holzhäuser ins Kalnciems-Viertel gefahren. Musik und Essen verlocken uns zum Abendessen
Ein Holzhaus hat unter reine großzügigen Terrasse eine Art Wintergarten
Wein und Café – eine gute Zusammenstellung – aber auch die Bauart des Hauses gefällt mir
In einem Garten steht unter hohen Bäumen ein Holzhaus mit einem runden Erker
Blick über den Zaun – noch ein schönes Haus

Jugendstil in Riga

Etwa ein Drittel des Stadtzentrums von Riga besteht aus Jugendstilhäusern. Wir konzentrieren uns auf die „Hauptstraßen“, die Umgebung der Alberta iela und der Elizabetes iela. Bernhard lässt sich irgendwann zu dem Ausruf verleiten: „Das ist ja schöner wie in Wien am Ring!“ Und das heißt ja was für einen Österreicher! Sehr viele Gebäude sind im August 2020 eingerüstet und werden restauriert. Wir haben das Glück, das einige ArbeiterInnen gerade vor einem beinahe fertigen Haus stehen und uns beim Fotografieren und staunen beobachten. Ein Arbeiter, der wohl Stuckarbeiten restauriert, winkt uns heran und führt uns in ein Treppenhaus. ER versteht weder Deutsch noch Englisch, aber alle Gesten zeigen, wie stolz er auf seine Arbeit ist. Wir loben ihn und die Arbeit seiner KollegInnen mit anderen Gesten, was ihn sichtlich freut.

Ein weißes hohes Haus mit Jugendstilverzierungen
Bordürenschmuck am Haus
Ein Ovales Giebelfenster ist mit Bordüren geschmückt
Ein interessant gestalteter Giebel
Ein helles Jugenstilhaus mit roten länglichen Absetzungen
… und dann der blaue Himmel dazu …
Mit Gold und Stuck gestaltete Decke im Treppenhaus
Bei einem in Renovierung begriffenen Haus führt uns ein Arbeiter ins Treppenhaus und zeigt uns stolz seine Arbeit und die seiner KollegInnen. Hier die Decke des Treppenhauses
Ein freier Raum in einem Treppenhaus
Im ersten Stock des Treppenhauses vereinigen sich die Zugänge der zwei Eingangstüren zu einem großen Raum
Ein renoviertes und ein unrenoviertes Jugenstilhaus stehen nebeneinander
Renoviert in voller Pracht und unrenoviert im Dornröschenschlaf – die Restaurierung kostet
Säulen Türmchen Stuck an einem Jugendstilhaus
Säulen, Türmchen, Stuck, Figuren und Schmiedeeisen – wunderbar kombiniert
Drei Balkone an den Ecken nach oben fotografiert
Reich verzierte Eckbalkone
Ein großes helles Jugendstilhaus mit rotem Dach
Das Haus wirkt nicht so prunkvoll und protzig und hat trotzdem wunderschöne Details
Auf der rechten Straßenseite stehen im Schatten viele Jugendstilhäuser
Die Straße Alberta iela – geballter Jugendstil
Ein Haus mit weißen Verzierungen ist mit blauer Farbe abgesetzt
Ein wunderschönes blau, dass die weißen Verzierungen noch hervorhebt
Über einer rotweißen Fassade erheben sich weiße Türmchen
Der Bildausschnitt kommt mir beinahe maurisch vor
Ein helles Haus mit Türmen und schwarzem Dach und einer goldenen Bordüre
Absetzungen in Gold, Türme … einfach wunderschön
Eine Dachecke ist mit einer Art Gaube gebaut, die aufwendig verziert ist
Allein das Eckzimmer im Giebel – welche Arbeit und Zierde für diesen Raum, der natürlich im Gesamtzusammenhang das Hauskunstwerk abrundet
Ein Oberleitungsbus vor einem Jugendstilhaus
In Lettland fahren in den größeren Städten Oberleitungsbusse. Die Oberleitung versorgt die Busse mit Strom. So fahren sie in der Stadt emissionsfrei

Wir fahren zurück zum Parkplatz und passieren noch einige interessante Dinge.

Goldene Kupplen auf einer Kirche
Die goldenen Kuppeln der Orthodoxen Geburtskathedrale. In der Sowjetzeit wurde die Kirche als Planetarium und Restaurant genutzt

Wir haben das Glück, in dieser Corona Zeit, in den Baltischen Staaten unterwegs zu sein. Hier gibt es nur wenige Fälle von Covid-19. Wir halten Abstand, versuchen, Menschenmengen aus dem Weg zu gehen, waschen Hände – nur Masken tragen wir keine, denn bei weinigen Menschen ist das nicht notwendig. Trotzdem die Pandemie in Lettland zwar Vorsichtsmaßnahmen erfordert, aber keinen Lockdown und obwohl es nur wenige schwerwiegende Krankheitsverläufe gibt, steht in Riga bereits ein Covis-19-Denkmal für die im medizinischen Bereich Tätigen.

Ein Denkmal, wie eine Ärztin gekleidet, mit Mundschutz und Handschuhen
In Riga steht bereits ein Covid-19 Denkmal – zu Ehren der Ärzte und des Pflegepersonals bei der Pandemie
Eine Tafel dankt dem medizinischen Personal weltweit
Diese Tafel steht beim Covid-19-Denkmal

Riga ist eine unglaublich lebhafte Stadt, in der man Wochen mit Staunen verbringen kann. Wir haben, außer der Žanis-Lipke-Gedenkstätte, keine Museen besucht – obwohl die sicherlich auch sehenswert wären. Aber, wir kommen wieder!

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Weingut Mazburkas

Weingut Mazburkas

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Beim Fruchtweinbauern Mārtiņš Sants haben wir eine Broschüre des lettischen Weinverband erhalten. Darin stellen sich einige Weinbaubetriebe in Lettland vor. Das es in Lettland nicht nur Obstweine gibt, sondern auch angenehm schmeckende Traubenweine, können wir bei einer Weinprobe im Winzerbetrieb Mazburkas feststellen.

Anfahrt zum Winzerbetrieb Mazburkas

Es regnet in Strömen und das soll bis morgen so bleiben. Da wir aber weiter wollen, nehmen wir uns die Region Vidzeme, die hochinteressante Städtchen hat, für das nächste Jahr vor. Wir suchen in der Broschüre, die wir vom Fruchtweinbauern Mārtiņš Sants erhalten haben, die Telefonnummer des Weinbaubetrieb Mazburkas heraus. Bevor wir in Roja bei strömendem Regen abfahren, ruft Bernhard dort an und fragt, ob wir für eine Weinprobe kommen dürfen. Ja, das ist machbar. Gunta schickt uns eine Anfahrtsbeschreibung per WhatsApp zu, denn Mazburkas sei schwer zu finden.

Wir fahren über die P 131 die Küste entlang nach Süden bis Turkums. In der Stadt fahren wir weiter in südliche Richtung auf die P 98. Kaum aus dem Städtchen heraus steht links ein hoher Sendemast. Beinahe gegenüber geht ein Weg rechts hinein, bei einem Schild mit der Aufschrift „Engures Novadas“. Dahinter rechts ein Gebäude mit der Werbung „Lady Pizza“. Diesem Weg folgen wir für 500 m. Ein Holzschild mit einem Bottich mit Weinreben leiten uns nach links in den Hof.

GPS und Kontaktdaten
N 56.95815° E 23.17699°
56°56’53.3“ N 23°10’37.2“

Engures novads, Smārdes pagasts
Telefon: +371 29 149 725, E-Mail: ciferite@inbox.lv, eine Website gibt es noch nicht

Ein kleines Holzhaus steht rechts, eine Scheune links, mit offenem Scheunentor, durch das wir eintreten.

Ein Schild hat den Namen des Weinguts aufgedruckt
Am Eingang der neuen Probierscheune werden wir mit dem Namensschild begrüßt

Gunta Niedra begrüßt uns in der neuerbauten Scheune. Später erzählt sie, dass die Weinproben bis Anfang 2019 unter aufgespannten Sonnenschirmen im Freien stattgefunden hätten. Freunde, die sie besuchten, hätten sie auf die Idee mit der Scheune gebracht. Viele Bekannte haben mit geplant und mitgeholfen und in wenigen Wochen war die Probierscheune erstellt, Eine Glasfront nach Südwesten, ansonsten rohe Bretter. Gunta hat sie zweckmäßig und liebevoll eingerichtet und dekoriert. Ich fühle mich herzlich willkommen beim Eintreten. Auf einer Leinwand laufen Bilder des Weinbaubetriebs zu allen Jahreszeiten. Bei einem einmaligen Besuch – noch dazu an einem so regnerischen Tag – bekommt der Gast ansonsten nur eine Momentaufnahme des Geschehens.

Eine Holzscheune ist mit Tischen, Bänken und Dekoration versehen
Die neu errichtete Scheune ist liebevoll eingerichtet und dekoriert

Wein und Schafe

Gunta hat die Weinprobe vorbereitet. Die Flaschen, deren Wein wir kosten werden, stehen hinter kleinen Karaffen, davor die Weingläser. Sie produziert auch Traubensaft, der in pinkfarbenen Fruchtsaftkartons verkauft wird. Ein Tellerchen mit Käse, Johannis- und Heidelbeeren steht ebenfalls bereit.

Auf einem Tisch stehen vier Weinflaschen und ein Fruchtsaftkarton, davor drei Weingläser
Liebevoll hat Gunta die Weinprobe nach unserem Anruf vorbereitet

Gunta hat das Grundstück von ihrer Großmutter vor 15 Jahren überschrieben bekommen. Bereits seit über 200 Jahren wohnt die Familie darauf. Die Ursprungsfamilie hat für das naheliegende Herrenhaus „Bergas“ gearbeitet. Die Musiklehrerin und ihr ebenfalls als Lehrer tätiger Mann überlegten, was sie mit dem Grund anfangen sollten. Gunta liebt Schafe, so war die Entscheidung schnell getroffen. Die Großmutter unterstützte den Plan, denn früher wurden immer schon Schafe gehalten. An einem Sommertag, als die ersten Schafe über die sanft gewellte Landschaft liefen, erinnerte der Anblick Gunta an Landschaften, in denen Weinanbau betrieben wird. So reifte der Plan, es auch damit zu versuchen.

Schafe gehen an einer Terrasse vorbei, dahinter sind Weinreben
Wein und Schafe – das sind die Erwerbsgrundlagen für Mazburkas – und beides geht eine interessante Symbiose ein

Sie unternahm Weinreisen, auch nach Deutschland und erzählte von ihrem Plan. Ein Deutscher Winzer gab ihr Dornfelder, Spätburgunder und Müller-Thurgau aufgepfropft mit. Davon ist heute noch der Dornfelder übrig. Von anfänglich 60 !! Sorten, sind mittlerweile noch 30 zum Experimentieren übrig. Darunter nur uns völlig unbekannte Sorten, wie Superga, Gina, Silva, Litonia und Vorduve. Die Reben kommen heute aus Lettland und Litauen. Teilweise züchtet Gunta sie selbst heran.

Am alten Haus stehen zur Anzucht kleine Weinreben in Blumentöpfen
Gunta züchtet die Weinreben mittlerweile selbst. In kleinen Töpfchen, geschützt vom Haus

Das lettische Klima hat ungeheuer kalte Winter, in denen es bis minus 25° werden kann. Das müssen die Weinstöcke auch vertragen können.

Schnee liegt zwischen den Reihen der Reben
Das Foto habe ich von der Leinwand abfotografiert – die Weinberge im Schnee

Die Vegetationszeit ist kürzer als z.B. in der Pfalz. So blüht der Wein später und die Weinlese findet erst gegen Ende September statt. Ihre 4 ha bewirtschaftet sie zusammen mit ihrem Mann. Die zwei erwachsenen Kinder unterstützen Gunta in arbeitsfreien Zeiten nicht nur praktisch, sondern auch mit vielen Ideen, z.B. im Marketing. Momentan werden Ideen für eine Website gesammelt.

Weinprobe

Wir probieren den ersten Wein, der ungeheuer fruchtig riecht, aber leicht schmeckt. Eine angenehme Säure, ein frischer Wein.

Eine Flasche mit Weißwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Supagas Baltvins sauss steht auf dem ersten Etikett unserer Weinprobe

Von diesem Wein habe ich mir die Rebe nicht gemerkt, nur, dass es eine lettische Rebe ist. Der zweite Wein riecht weniger fruchtig, schmeckt aber fruchtiger als der erste.

Eine Flasche mit Weißwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Varduves Baltvins sauss steht auf dem zweiten Etikett unserer Weinprobe

Dieser Wein ist aus der Traube Litonia, einer späten, süßen, schweren Sorte erzeugt. Die Traube wachse sehr kompakt, die Eimer seien bei der Lese viel schwerer, als bei anderen Sorten, erklärt Gunta.

An der Farbgebung des Rosé ist Gunta noch am Experimentieren. Sie probiert aus, wie lange der Saft auf der Maische liegen muss. Sie ist mit der Farbe noch nicht ganz zufrieden, bemerkt sie. Die Weine werden ökologisch erzeugt, ohne jegliche Chemie im Anbau und in der Weiterverarbeitung.

Eine Flasche mit Roséwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Gunas rozā vīns sauss steht auf dem Etikett der Roséflasche

Der Rotwein ist ein Cuvé aus drei verschiedenen Sorten. Der schmeckt mir total lecker. Die Farbe ist tiefweinrot, geht fast in Richtung Cassisfarbe. Ein leichter, fruchtiger Rotwein, der trotzdem ein gewisses Etwas hat.

Eine Flasche mit Rotwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Sarkansvins Sauss lautet das Etikett

An meinen Beschreibungen merkst Du sicherlich, dass ich gerne Wein trinke, aber keine Weinverkosterin bin, die alle möglichen Geschmacksrichtungen eines Weines beschreiben kann. Mich interessiert noch, was Gunta mit den Schafen macht. Ich frage, ob sie die Wolle an Spinnereien verkauft. Die Rassen Cherolet und Oxfortdown, die sie auf dem Gut haben, dienen der Fleisch- und weniger der Wollerzeugung. Sie schlachten selbst und verkaufen das Schaffleisch vor Ort, ebenso wie die selbst hergestellte Wurst. Leider können wir diese heute nicht probieren, denn nach der letzten Weinmesse, wurde noch nicht wieder geschlachtet. Die Rückenwolle wird an einen Dämmstoffhändler verkauft, denn ökologisches Dämmen funktioniert heute auch mit Schafwolle. Die minderwertige, sehr kurzhaarige Wolle von Bauch und Beinen wird mit den gehäckselten Rebenabschnitten im Herbst untergepflügt. Die Wolle im Boden lockert diesen auf und lässt mehr Feuchtigkeit eindringen und Luft an die Wurzeln. Mittlerweile habe ich den Traubensaft probiert, der mir sehr gut schmeckt.

Der Aufdruck auf dem Traubensaftkarton mit den Erklärungen
Jeder Traubensaftkarton hat einen Erklärungen-Aufdruck mit einem tollen Hintergrundfoto
In einem Weinglas ist Traubensaft eingefüllt
Der Traubensaft ist naturtrüb

Während Gunta mir Antworten auf meine Fragen zu den Schafen gibt, hat Bernhard mit Einverständnis von Gunta eine neue Art der Weinprobe entdeckt.

In einem Eisengestellbett liegt ein Mann und verkostet Wein. Das Bett steht neben einer offenen Terrassentür mit Blick auf die Weinreben
Bernhard prüft, ob die Weinprobe im Liegen bequem ist – als eventuelle Empfehlung für unsere Pfälzer Winzer

Das Bett hat sie im alten Haus der Großmutter gefunden und zur Dekoration in der neuen Probierstube genutzt. Auch der Spiegel, der an der Wand beim Bett hängt, ist eine Fundsache. Eher die Materialien davon, aber das Ergebnis ist sehr schön.

Ein Frau mit langen blonden Haaren spiegelt sich in einem Spiegel, der von vier rohen Brettern umrahmt wird
Ich finde den Spiegel ungeheuer dekorativ – erst recht wenn sich Gunta Niedra darin spiegelt

Die Verkaufsecke ist noch recht klein, denn Flaschenwein wurde in den letzten Jahren noch nicht so viel produziert. Er reichte nur für den Eigenverbrauch und gute Freunde.

In Holzkisten, die als Regal dienen, stehen Weinflaschen. Ein Spinnrad steht als Dekoration daneben, darauf ein offener Koffer, aus dem Plüschschafe schauen
Die Verkaufsecke ist derzeit noch recht klein gehalten

Gunta hat sich weitergebildet und mittlerweile nimmt sie auch mit ihren Weinen an Weinprämierungen teil.

Bilderrahmen mit Urkunden hängen an einer Holzwand
Die ältesten Prämierungen des hergestellten Weins sind von 2017
Bilderrahmen mit Urkunden hängen an einer Holzwand
Die Urkunden und Diplome hängen über der Verkaufsecke

Für je 13 € pro Flasche verkauft Gunta ihren Wein. Wir nehmen von den probierten Sorten jeweils zwei Flaschen mit, vom Rotwein sogar drei. Ich bin mal gespannt, ob die Flaschen es bis in die Pfalz schaffen?

Beim Abschied führt uns Gunta ein wenig herum. Dabei erzählt sie, dass die Enkeltochter des Gutsherren von „Bergas“ die Großmutter mal besuchte. Und als sie sah, dass Gunta Wein anbaut hat sie erstaunt ausgerufen: „Das wollte der Großvater immer machen. Hier an diesen Hügeln Wein anbauen.“ So fühlte sich Gunta nochmals bestärkt, denn sie hat irgendwie eine alte Idee aufgegriffen.

Ein Holzhaus mit Glasfenstern im Giebel, davor eine Wiese mit Pfosten, an denen Hängematten hängen
Im neuen Haus, dass mittlerweile auch renoviert wird, wohnt die Großmutter
Ein Holzhäuschen unter einem Baum, darin ist die Toilette
Noch wird die Toilette wie in alten Zeiten genutzt, wenn auch das Häuschen neu ist
Ein zum Teil ausgehöhlter Holzstamm dient als Waschbecken. An einer Astgabel hängt ein Handtuch
Das Waschbecken ist ein echter Hingucker

Wir verabschieden uns herzlich von Gunta. Wir hatten einem hochinteressanten Vormittag, nicht nur wegen des Weins. Ganz sicherlich werden wir im nächsten Jahr wiederkommen. Dann dürfen wir sogar mit dem Wohnmobil über Nacht am Weingut stehen bleiben. Heute fahren wir weiter nach Riga zum Yachthafen zum Übernachten.

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Lebenswerte Stadt Ventspils

Lebenswerte Stadt Ventspils

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

An der Mündung des Flusses Venta liegt die Stadt Ventspils. In den Jahren nach der Unabhängigkeit hat diese großzügige Parkanlagen geschaffen. Kunst und Kultur wird ebenso gefördert, wie die Ansiedlung innovativer Unternehmen. Freizeit- und Sportanlagen und Spielmöglichkeiten für Kinder wechseln sich in großer Anzahl ab.

Ventspils

Der Name Ventspils hört sich für deutsche Ohren – hauptsächlich, wenn deutsche Zungen ihn aussprechen – komisch an. Aber er bedeutet wohl nur: „Mündung der Venta“. Ich persönlich war von dieser Stadt ungeheuer begeistert. Sie ist sehr großzügig und weitläufig angelegt. Breite Straßen, sehr oft mit ebenen Fahrradwegen und breiten Gehwegen. Sehr viele innerstädtische Parks, alle gepflegt, mit bunten Blumenarrangements, Springbrunnen, Kunstwerken und Blumenskulpturen. Künstliche Wasserläufe, ein großer Stadtpark südlich der Stadt und überall Anlagen für Kinder zum Spielen. Hier mal ein Spielplatz, da unvermittelt paar Trampoline, dort eine Skulptur, die zum Klettern animiert und sogar eine ganzer Park nur für Kinder, Kinderstädtchen genannt. Egal wo wir hinschauten, kein Müll, keine „verwahrloste“ öffentliche Ecke – alles immer ein angenehmer Anblick.

Auch in dieser Stadt sind noch einige alte Häuser zu restaurieren, aber der überwiegende Teil ist bereits instand gesetzt. Ventspils hat eine andere Vergangenheit, als die vom sowjetischen Militär besetzte Stadt Liepāja. Hier in Ventspils konnten die Letten anscheinend mehr ihr Leben gestalten. Die Stadtoberen haben es sich in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht, die Stadt attraktiv für junge Leute zu machen. Sie wirbt dafür, sich mit innovativen Unternehmen in der Stadt niederzulassen und bietet dafür Lebensqualität. Um Dir diese Stadt in allen Details zu beschreiben, alle Besonderheiten zu erklären, müsste ich selbst mehrere Wochen dort geblieben sein – oder sogar dorthin umziehen. Lohnen würde es sich auf jeden Fall.

Kühe in Ventspils

Auf dem Campingplatz hinter der Rezeption steht die erste Kuh der „Kuhparade“ die wir von nahem in Ventspils sehen. 2002 und 2012 wurden Kunst- und Förderprojekte zum Thema „Kuh“ durchgeführt. Als Ergebnis finden sich 27 verschiedene Kühe im Stadtbild.

Eine Kunststoffkuh ist in der Leibmitte auseinandergeschnitten und am Bauch so verlängert, dass Blumen eingepflanzt werden können
Wer sagt denn, dass es nur Stretch-Limousinen geben kann?

Nachdem wir unser Wohnmobil auf dem Campingplatz abgestellt haben, wollen wir kurz die Stadt erkunden. Wir fahren den Hinterausgang des Campingplatzes hinaus und sind gleich im ersten Park. Die Besonderheit hier sind die Anker, die im ganzen Park verteilt sind.

Ein großer Anker mit Kette ist auf einer Grasfläche ausgestellt
Im Strandpark ist eine Anker“ausstellung“ untergebracht, das ist einer der Kleineren

Außerdem gibt es ab dem Küstenfreilichtmuseum direkt neben dem Campingplatz, eine Schmalspurbahn, die entweder durch den Stadtpark oder bis zum Freizeitpark beim Skihügel – ja richtig gelesen, beim Skihügel fährt. Der ist künstlich aufgeschüttet und bietet im Winter eine 100 m Abfahrt an, mit Schlepplift, Skilehrern usw. Wir aber radeln weiter und kommen an einem Seerosenteich vorbei, mit verschiedenfarbigen Seerosen.

Ein Teich mit Seerosen mit weißen, violetten und gelben Seerosen
Trotz Wind und Regen schauen einige Blüten der Seerosen

Zum Strand geht es, wie wir das mittlerweile von Lettland kennen, über eine hölzernen Bohlensteg. Heute ist er mit viele Sand bedeckt, der durch den starken Wind verweht wird.

An einem Strand mit schäumendem Meer steht die Bloggerin von Reisepunsch.de mit ihrem Fahrrad
Heute kann ich mal meine Regenjacke ausführen und versuchen, am Strand zu radeln. Fahrradständer am Strand sind in Lettland obligatorisch

Selbst die Strandschaukel ist vom Sand belagert und bald eingeweht.

Eine hölzerne Hollywoodschaukel steht vor Dünen
Welch ein schöner Platz bei weniger Wind und Regen

Erst im letzten Jahr wurde auf einer Plattform auf den Dünen ein Umriss von Lettland als neuestes Kunstwerk aufgestellt.

Die Umrisse von Lettland sind am Strand auf einer Plattform in Stahl gefasst
Die Umrisse von Lettland vor der stürmischen Ostsee

Wir radeln hinter den Dünen weiter Richtung Hafen, an dem wir von einer Kuh begrüßt werden. Die hats praktisch beim Reisen, ist sie doch selbst ein Koffer.

Eine Kuhskulptur die mit Aufklebern und einem Koffergriff am Rücken wie ein Reisekoffer erscheint
Die Reise- oder Kofferkuh steht am Hafen von Ventspils

Die künstlerische Weiterverwertung von ausrangierten Bojen finden wir noch an weiteren Orten. Hier in Ventspils sind die Bojen am Hafen aufgestellt.

Am Hafenkai stehen die verschiedensten Bojen aufgereiht
Bojenversammlung am Hafen

Es wird immer ungemütlicher und wir fahren zurück zum Campingplatz. Ich muss trotz Regen aber doch noch stehenbleiben, um die heutige (31.07.2020) Temperatur zu dokumentieren.

Ein Thermometer unter einer Uhr zeigt eine Temperatur von 16,9°
In der Pfalz sind es weit über 30° – wir haben das richtige Reiseziel gewählt – obwohl, über 20° dürfte es schon sein!

Den Rest des Tages und den nächsten Tag arbeite ich an Blogartikel und bleibe auf dem Campingplatz. Die Sonne scheint und Bernhard macht Besorgungen.

Einkaufen und Kultur

Bernhard ist fest entschlossen einen Teil des Tages am Strand zu verbringen. Vielleicht findet er ja doch Bernstein? Ich bin erstaunt, dass er bereits nach zwei Stunden zurück kommt.

Die Sonne scheint, das Meer ist noch sehr unruhig und am Strand wenige MenschenDie Sonne scheint, das Meer ist noch sehr unruhig und am Strand wenige Menschen
Der Sonnenschein trügt, denn es geht noch ein kühler Wind. Mal wieder ist der Strand in Lettland wenig besucht

Er macht mit dem Fahrrad eine Einkaufstour in die Stadt und entdeckt weitere Hingucker für die Bürger in einem Park.

Ein Fantasietier auf zwei Beinen mit Elefantenrüsseln und Kugeln davor
Fast könnte man einen Ottifanten sehen… ein wieder anderer Park mit Kunstwerken und schönen Blumenarrangements
Aus kleinen Erhebungen in einem Brunnenbecken sprüht Wassernebel
In diesem Park ist auch dieser Brunnen, der den Namen Sonnenboote trägt. Im Wassernebel fällt die Bootsform der einzelnen Elemente nicht so gut auf

Außer dem Einkauf auf dem Markt in der Nähe des Rathausplatzes hat Bernhard für uns Konzertkarten für den morgigen Samstagabend gekauft. Die Konzerthalle in Ventspils ist nach nur zwei Jahren Bauzeit im Sommer 2019 eröffnet worden. Sie hat das weltweit größte senkrechte Konzertklavier, mit einer Höhe von 4,7 m. Die wurde von dem Deutsch-Letten David Klavins erdacht und gebaut. Die manuelle Konzertorgel mit 3500 Orgelpfeifen ist von der deutschen Orgelbaufirma „Johann Klais Orgelbau GmbH & Co. KG“ erbaut worden. Ein besonderes Haus mit besonderen Musikinstrumenten, ich bin sehr gespannt.

Eine Konzertkarte für ein Konzert in der Konzerthalle in Ventspils
Bernhard hat uns zwei Karten für ein Klavierkonzert gekauft

Lebensqualität am Strand

Der Samstag ist ein wunderschöner Sommertag. Es ist sogar warm, denn der Wind ist endlich weg. So gehen wir bereits vor dem Frühstück an die Ostsee zum Schwimmen. Vorbei an der Ankerparade im Park, über die Gleise der Schmalspurbahn, am Seerosenteich vorbei und über den langen Bohlenweg zum Strand. Am Beginn des Bohlenwegs fährt gerade ein städtischer Mitarbeiter weg. Auf einem Bobcat mit Besenrolle davor und im hinteren Korb Schaufeln und kleine Besen. Er hat den Bohlenweg vom Sand freigeschippt und mit der Maschine gekehrt. Er ist nun auf dem Weg zum nächsten Weg. Das macht so eine „aufgeräumte“ Stadt aus.

Ein Sandstrand mit kleinen Kieselsteinen bedeckt, links Dünen, rechts die Ostsee
So leer war der Strand um 9 Uhr morgens – aber den ganzen Tag über bleibt die Menge der Menschen überschaubar
Eine Frau geht ins Meer zum Schwimmen
Ein erfrischendes Bad am Morgen – der Wind hat etwas nachgelassen und es ist gefühlt wärmer als 20°

Unser Bad haben wir am Hundefreien Strand genommen. Es gibt noch einen Textilfreien Strand, vermutlich auch einen Frauenstrand – immer sauber und gepflegt. Alle ca. 200 m führen Bohlenwege über die Dünen zum Strand. Dort sind immer einfache Umkleidekabinen und Fahrradständer. Hinter der ersten Düne sind meist Sportfelder angelegt, Volleyball oder Badmington, so dass die Spielfelder etwas außerhalb des Windes liegen. Das Strandkonzept ist sehr Besucherfreundlich erstellt.

Lebensqualität in der Stadt

Nach dem Frühstück machen wir eine gemütliche Fahrradtour in die Stadt. Ich möchte noch ein wenig entdecken und auf den Samstagsmarkt wollen wir auch. Gleich in der Nähe des Campingplatzes entdecken wir einen Park.

Eine Tafel am Eingang des Parks erklärt die Spielgeräte und ab welchem Alter sie genutzt werden können
Ein Park nur für Kinder – ungeheuer abwechslungsreich

Der Park „Bērnu pilsētiņa“ „Kinderstädtchen“ begeistert uns sehr. Wir sind mittlerweile Großeltern und wieder an Kinderdingen interessiert. Hauptsächlich an Kinderunterhaltungsdingen, die Kinder herausfordern, sie ihre Grenzen suchen lassen und ihre Motorik stärken. Im Park gibt es die unterschiedlichsten Klettergerüste und Netze, Balanciergerätschaften, Trampoline, Rutschen und so weiter. Natürlich sind in dem Park auch einige Dinge, die Geld kosten, wie z.B. die Elektroautos, mit denen die Kinder in einem „Motodrom“ herumfahren können. Oder diese Reittiere, die absolut tiergerecht sind.

Plüschtiere stehen in einer Reihe, auf denen geritten werden kann
Mit einer hüpfenden (reitenden) Bewegung werden die Reittiere bewegt
Ein Blumenarrangement ergibt drei bunte Enten
Im Park „Bērnu pilsētiņa“ steht das Blumenarrangement mit den drei Entchen

Bei der Weiterfahrt kommen wir von der anderen Seite an der Temperaturanzeige vorbei. Das Bild unterscheidet sich nicht nur in Uhrzeit und der Temperatur, sondern auch in der Farbgestaltung, da die Sonne scheint.

Unter einer Uhr ist eine Temperaturanzeige, die 21,4° anzeigt
Die Temperatur ist zwar nur 5° wärmer als vorgestern, aber der Wind ist weg und die Sonne scheint, so erscheint es viel wärmer

Wir radeln weiter, bis die ersten Stände beginnen und schließen unsere Räder an einem Halteverbotsschild an.

Eine Skulptur, ein Tintenfass mit zwei Federkielen
Das überdimensionierte Tintenfass steht sinnigerweise vor der Hauptbibliothek

An der Bibliothek geht das samstägliche Markttreiben los. Erstmals in Lettland überlegen wir, ob wir unsere Masken aufsetzen sollen. Anfänglich drängen wir uns in einer Menschenmenge durch die erste Standgasse, bevor der Markt sich öffnet. Auf dem Markt gibt es alles, was Mensch für sein Leben und sein Zuhause benötigen könnte. Wir sind hauptsächlich an Nahrung interessiert. An einem Buchstand mit Landkarten und Reiseführern finde ich aber endlich das, was ich seit der Einreise ins Baltikum in Litauen suche. Eine Landkarte – in Buchform – für alle Baltischen Staaten mit dem Maßstab 1:200.000. Die kaufen wir sofort. Heidelbeeren und Pfifferlinge hat Bernhard gestern bereits gekauft, die Stände schauen wir nur an.

Die Heidelbeeren sind sehr groß, als Vergleich dient ein Finger
Der Finger ist als Vergleich für die Größe der Heidelbeeren gedacht
Dosen mit Heidelbeeren und Berge von Pfifferlingen warten am Marktstand auf den Verkauf
Tiefdunkles Blau und leuchtendes Orangegelb beherrschen eine ganze Marktstraße
Pfifferlinge in der Sonne und im Schatten mit den Verkaufspreisen
Da es solche Unmengen von Pfifferlingen zu geben scheint, sind die Preise sensationell

Schon auf dem Platz, wo unsere Fahrräder parken, war eine Bühne aufgebaut, hier auf dem Marktplatz ist die nächste. Eine Bank intoniert schöne jazzige Musik, die Sängerin singt einen internationalen Text, der nur aus zweibuchstabigen Lauten besteht.

Eine Band (Gitarrist, Keyboarder, Drummer und Sängerin) steht auf einer BühneEine Band (Gitarrist, Keyboarder, Drummer und Sängerin) steht auf einer Bühne
Es ist Stadtfest zum 730. Geburtstag von Ventspils. Auch auf dem Markplatz tritt eine Band auf

Am Rande des Marktplatzes sind die Cateringstände aufgebaut. Sie unterscheiden sich im Angebot von den in Deutschland. Eine finde ich besonders ansprechend, kann sie aber, so kurz nach dem Frühstück, noch nicht versuchen.

Eine in Ringen aufgeschnittene Kartoffel steckt auf einem lange Schaschlikspieß Sie wird vor dem Verzehr über dem Feuer gegart
Diese Kartoffelspezialität wird überall angeboten

Ich entdecke ein kleines Detail am Marktbrunnen, der einfach Trinkwasser spendet und keinen Hinweis trägt, dass man es nicht trinken könnte.

Ein kleiner Tierkopf am Marktbrunnen lässt das Wasser aus seinem Maul fließen
Der Hebel am Tierkopf wird bewegt, wenn jemand Wasser am dem Marktbrunnen trinken möchte

Auch an der Kirche am Rathausplatz entdecke ich eine interessante Tafel.

Eine Gedenktafel mit der Aufschrift “ Gott und dem Kaiser gewidmet 1835“
Diese Gedenktafel hängt an der Kirche am Rathausplatz

Wir machen nun eine weitere Runde um die Stadt. Die Radwege sind toll angelegt und markiert, und wenn der Radweg aufhört ist der Fußweg so breit, das alle Platz haben. Andererseits ist wenig Fahrzeugverkehr, so dass das Fahren auf der Straße auch kein Sicherheitsrisiko darstellt. Weit hinter dem Hafen, in der Nähe der Brücke über den Fluss Venta, entdecken wir wieder eine Kuh.

Kreisförmige Blumenrabatten innerhalb gemähten Rasens, im Hintergrund eine Kuh, die aus Blumenpflanzen gestaltet ist
Überall gepflegte Parkanlagen mit wunderschönen, bunten Blumenrabatten – hier sogar mit einer Blumenkuh

In Reņķa dārzs – in Renkis Garten

Wir radeln auf dem Radweg weiter, an einem Flüsschen entlang, dass sich Vidumupite nennt.

In einem kleinen See ist eine Fontäne
Diese Fontäne steigt in einem kleinen See auf

Schon nach kurzer Zeit kommen wir in Reņķa dārzs oder Renkis Garten an. Hier findet ein weiterer Teil des Stadtfestes statt. Eine andere Band tritt auf. Begrüßt werden wir im Park wieder von Kühen – diesmal ganz anderen.

Felsbrocken wurden mit bronzenen Kuhgesichtern mit Hörner versehen und wirken wie eine liegende Kuhherde
Überall Kühe – die aus Felsbrocken finde ich besonders interessant

Der ganze Park steht wieder voll mit interessanter Skulpturen und Kunstwerke. Ich bin ganz angetan von dieser Vielfalt an Kunst.

Ein sehr großes hölzernes Buch hat einige Buchstaben eingeschnitzt, dahinter aus Holz gearbeitete riesige Stadtschlüssel
Die Stadtschlüssel und die Geschichte oder Verfassung der Stadt, im Goldenen Buch
Eine Skulptur eines kaputten Wanderschuhs, auf der Kinder klettern
Der Wanderschuh hat manche Anstrengung geschafft, so wie ihm die Zunge heraushängt. Für Kinder eine weitere Klettermöglichkeit
Eine große Hutskulptur eines blauen Hutes steht in einem Park
Ein großer Wanderhut wird gerade mal nicht von Kindern beklettert
Felsbrocken haben aus Armiereisen Stahlfüße erhalten und rundgedrehte Hörner und sollen Schafe darstellenFelsbrocken haben aus Armiereisen Stahlfüße erhalten und rundgedrehte Hörner und sollen Schafe darstellen
Eine Schafherde aus Steinbrocken steht an einer anderen Stelle des Parks

Wir radeln zurück, denn die Pfifferlinge, die Bernhard gestern gekauft hat, essen wir heute zum verspäteten Mittagessen, bevor wir ins Konzert gehen. Beim Kochen und Essen haben wir lettische Musik zur Unterhaltung, denn auf der Bühne des Museums hinter dem Campingplatz spielen lettische Musiker traditionellere Musik.

Konzertsaal Latvija – Koncertzāle Latvija

Wir radeln zum Konzerthaus, denn wir wollen danach noch etwas durch die Stadt schauen und den Abend beim Stadtfest genießen. Allein das Gebäude ist ein architektonisches Schmuckstück. Neben dem Gebäude sitzt Publikum auf Stühlen und auf der ansteigenden Wiese – aber wir wollen zum Konzert in den Konzertsaal.

Das Konzerthaus ist ein Flachdach Gebäude zum Teil mit Glasfassade
Das Konzerthaus in Ventspils – im Glas spiegeln sich die Gäste des Open-Air-Konzerts

Auch hier gibt es Coronavorschriften. Es bleibt jede 2. Reihe frei, und immer zwei bis drei Plätze zwischen den Zuhörern. Außerdem müssen wir uns mit Name und Telefonnummer in eine Liste eintragen und mit Reihe und Platznummer – so dauert es länger, bis das zugelassene Publikum im Saal sitzt. Wir haben unsere Plätze in der ersten Reihe ganz rechts. Zum Fotografieren ist der Platz ausgezeichnet. Ich versuche, das Klavier zu verstehen.  

Auf einer Empore sind die Klavierhämmer des höchsten vertikalen Klaviers
Das Bild ist leider unscharf. Das sind die Klavierhämmerchen des vertikalen Klaviers
Ein rechteckiger Kasten, der Klangkörper des Klaviers, hängt von der Empore hinab
Der Klangkörper des Klaviers hängt unter der Empore – die Bassseiten sind deutlich zu erkennen
Hinter einer hölzernen Deckenverkleidung schauen Orgelpfeifen hervor
Die Leinwand, auf der wir später das Klavierkonzert anschauen können, verdeckt leider die Orgelpfeifen

Auf einem Foto erkenne ich später, dass oberhalb der Bühne noch ein Empore für zum Beispiel einen Chor ist, aber leider verdeckt die Leinwand diesen Bühnenteil ebenso, wie die Orgel. Die Deckenverkleidung ist ebenfalls geschmackvoll, später spiegelt sich sogar ein Teil des auf die Leinwand projizierten darin.

Hölzerne Bauteile sind als Deckenverkleidung aufgehängt
Ich vermute, dass die hölzerne Decken- und Wandverkleidung positiven Einfluss auf die Akustik hat

Die Türen schließen sich und ich mache noch ein Bild vom Eingang Richtung Bühne.

Die Publikumsreihen im Konzerthaus sind wegen Corona ausgedünnt
Das Publikum sitzt Coronabedingt weit auseinander. Hinten links die Gesamtheit des vertikalen Klaviers

Die Künstlerin klettert über eine steile Treppe zur Empore mit der Klaviertastatur. Drei Kameras übertragen das Bild von der Pianistin am Klavier auf eine Leinwand.

Auf der Leinwand verfolgt das Publikum das Spiel der Pianistin und das Schlagen der Hämmer auf die Saiten
Das Klavierspiel von Hania Rani wird auf die Leinwand übertragen. Wann kann ein Zuschauer einer Pianistin so auf die Finger schauen?

Nach einigen Stücken erzählt die Künstlerin von sich und beginnt mit dem Satz: „Ich weiß gar nicht wohin ich schauen muss, denn ich kann das Publikum von hier aus nicht sehen. Ich war noch nie so hoch über einem Zuschauerraum, ich weiß gar nicht, ob jemand da ist.“ Sie spricht englisch und nach der Übersetzung ins Lettisch braust Beifall auf, der ihr mitteilt, das Publikum da ist.  Und immerhin sitzt sie 10 m über dem Publikum, schätze ich.

Auf der Klavierempore spielt die Pianistin, während das Publikum auf der Leinwand zuschaut
So können wir das Konzert verfolgen. Links auf der Empore sitzt die Pianistin Hania Rani, rechts auf der Leinwand können wir das Spiel genau verfolgen

Wir sind von der Künstlerin, dem Instrument und dem Konzerthaus sehr begeistert, als wir hinaus ins Freie treten. Swingklänge empfangen uns und wir schauen uns um, wo die Musik herkommt. Wir stellen fest, dass sich die rechte Außenwand des Konzerthauses für Open-Air-Konzerte öffnen lässt. (Zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Foto dieser Konzerthausreihe gemacht). So gehen wir gar nicht viel weiter, als bis zur Wiese und hören nun anderer Musik zu.

Auf der Open-Air-Bühne steht ein Orchester, davor sitzen auf Stühlen und auf der Wiese die Zuschauer
Ein Orchester unterhält die Gäste auf der Open-Air-Bühne mit Swing. Hinter der Bestuhlung steigt eine Rasenfläche steil hinauf auf dem weiteres Publikum sitzt. Ich stehe zum Fotografieren auf dem höchsten Punkt

Leider ist das Konzert kurz danach zu Ende und wir flanieren über den wunderschönen Platz vor der Konzerthalle. Uns begegnet der Name „Windau“ hier zum Zweiten mal. Du erinnerst Dich? Genau! Der Herzog mit der Herzogschaft Windau, dessen Denkmal in Kuldiga in rostigem Eisen und in Alu gegossen wurde. Er gründete Kolonien in Gambia und Tobago und dorthin kam man im 17. Jahrhundert nur per Schiff. Die Fregatte “Wallfisch” aus Windau lief 1644 aus, der Springbrunnen „Valzivs“ (der Lettische Namen für Wallfisch) wurde in Ventspils 2016 aufgebaut.

Wie die Masten eines Segelschiff ist der Springbrunnen vor der Konzerthalle gestaltet
Der Springbrunnen Valzivs in der Abendsonne
Rund um den Springbrunnen sind Blumenarrangements mit Buchs kombiniert
Der in Rautenform gepflanzte Buchs wird von der Abendsonne angestrahlt und leuchtet mit den gelben Blumen um die Wette

Ich verspeise nun an einem Stand so eine Kartoffelspirale, sie schmeckt wie ein Zwitter zwischen Pommes und Kartoffelchips und ist an diesem Stand leider etwas zu wenig gewürzt.

Sundowner in Ventspils

Wir haben genug Kultur genossen und sehnen uns nach Ruhe. Die haben wir allerdings am Campingplatz nicht, denn auf der Museumsbühne ist ebenfalls Musik. So machen wir uns auf zum Strand mit zwei Stühlen und unserer kleinen Kühltasche mit Wein. Der Strand ist wieder fast menschenleer – das ist aber nicht nur dem Stadtfest geschuldet. Ich denke, jedem in Lettland lebenden Einwohner stehen ca. 27 cm persönlicher Strand zu, wenn alle gleichzeitig zum Strand gingen. Die lettische Küste ist mit der Rigaer Bucht 530 km lang und Lettland hat 1,92 Millionen Einwohnern, da kann der Strand gar nicht voll werden!

Die Bloggerin von Reisepunsch.de sitzt am Strand mit einem Glas Muskateller und schaut dem Sonnenuntergang zu
Ein Glas Muskateller vom (Achtung Werbung) Weingut Sohn in Frankweiler in der Pfalz und ein Sonnenuntergang über dem Meer – so einfach kann Glück sein

Der Himmel führt das Kulturprogramm weiter, jetzt ist gestaltende Kunst dran. Der Himmelsmaler packt sein volles abendliches Farbspektrum aus.

Die Sonne scheint die Wolken in verschiedenen Orangefarben an
Der Himmel veranstaltet ein Wolkenspektakel und die Sonne strahlt es an
Eine Wolke wirkt wie die zündenden Raketen eines Feuerwerks
Diese „Raketenwolken“ finde ich total interessant – sie geben einen Vorgeschmack auf das Feuerwerk
Ein Fährschiff rechts wird von der untergehenden Sonne auf dem Meer angestrahlt
Die Stenaline läuft vor Sonnenuntergang aus. Sie fährt von Ventspils nach Nynäshamn in Schweden oder nach Rostock oder Travemünde
Die Sonne schiebt sich unter eine Wolke hindurch ins Meer
Die Sonne schaut noch kurz hinter der Wolke hervor, bevor sie ins Meer versinkt

Wir verabschieden uns für heute von der Ostsee und gehen über die Düne zurück. Auf dem höchsten Punkt entdecken wir den Mond, der über dem Wald aufsteigt.

Der Mond geht über einem Wald auf
Die Sonne ist untergegangen, der Vollmond geht auf, im Osten über einem Wald

Noch ist Musik auf der Bühne nebenan, aber ohne Menschentrubel um uns herum genießen wir diese im Wohnmobil noch bis zum Ende. Das wird durch laute Knallerei markiert, denn zum Abschluss gibt es irgendwo in der Stadt ein Feuerwerk.

Ein Feuerwerk ist über Bäumen zu sehen, im Vordergrund die Miethütten des Campingplatzes
Wir können das Feuerwerk besser hören als sehen

Für mich ist Ventspils eine ungeheuer lebenswerte und liebenswerte Stadt. Ich habe mich als Gast sehr wertgeschätzt gefühlt und ich denke, dass es den 38.000 Bürgern ebenso geht. Einen mehrere Tage dauernden Besuch kann ich nur empfehlen. Allein, um alle Kühe und Blumenskulpturen zu entdecken.

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Beim Fruchtweinbauern Vīna Darītava in Aizputes

Beim Fruchtweinbauern Vīna Darītava in Aizputes

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Wer meinen Blog kennt weiß, dass wir Wein schätzen. Um so erstaunter waren wir, als wir in Lettland einige Weinbauern in einer Broschüre entdeckten. Die meisten stellen Fruchtweine her, so wie Mārtiņš Sants. Seinen Weinkeller hat er in Aizpute in einem Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert.

Der Weg zum Fruchtweinwinzer

Vater Sants begann sich Ende der 1990iger Jahre für die Herstellung von Wein zu interessieren. Da ihm das Klima in Lettland für den Weinanbau zu kalt erschien, versuchte er die Weinherstellung mit den verschiedensten Früchten. Interesse am Hobby des Vaters zeigte sein Sohn Mārtiņš von Anfang an. Dann legte sich der erst 13-Jährige Mārtiņš Sants fest. Er erklärte seinem Vater, dass er Fruchtweinhersteller werden würde. Die Antwort des Vaters lautete: „Glaube ja nicht, dass du dann immer berauscht sein kannst!“

Neben der Schule, erarbeitete sich der junge Mann mehr und mehr Fachwissen. Er experimentierte mit seinem Vater mit Früchten, mit der Gärung, mit der Lagerung, mit verschiedenen Fassarten und verfeinerte seine Fruchtweine immer mehr.

Start der Firma in 2010

Im Jahr 2010 gründete Mārtiņš Sants die Firma Vīna Darītava, so wie es heute noch auf jeder Flasche auf seinem Emblem zu sehen ist. Er mietete sich in Aizpute einen Keller in einem Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert. Bereits am Eingang stelle ich fest, das hier Liebe zum Detail vorherrscht.

Der Eingang zum Weinkeller und zur Probierstube führt eine Treppe hinab
Der Eingang zur Fruchtweinkellerei Vīna Darītava
Ein Kerzenhalter, wie ein Bilderrahmen geformt, mit zwei Halterungen und oben links einem Engelskopf
Dieser Kerzenhalter (ohne Kerzen) hängt rechts des Eingangs

Stahltanks, Holzfässer, Abfüllanlagen und weitere Dinge zur Weinherstellung schaffte er nach und nach an. Beim Eintritt in den Keller schaue ich in die verschiedenen Räume, bevor ich die Probierstube erreiche.

In einem Gang lagern rechts Holzfässer und links stehen Regale mit großen Glasflaschen
Der Zugang zur Probierstube führt durch den Gang mit den Holzfässern
Große Edelstahlfässer stehen in einem Kellerraum, rechts hinten Plastikfässer
In den Edelstahltanks reifen die verschiedenen Fruchtweine
In den Glasflaschen im Regal gären Fruchtweine
In den Glasbehältern gärt und blubbert es

Mārtiņš ist bereits im Gespräch mit meinem Mann Bernhard, der sich nicht erst das Gutshaus von außen angeschaut hat.

Der Fruchtweinhersteller Mārtiņš Sants sitzt am Tisch seiner Probierstube. Im Hintergrund die Regale mit Fruchtwein
Mārtiņš Sants sitzt entspannt für ein Foto in seiner Probierstube

Ich möchte die Herren in ihrem Fachsimpeln erst mal nicht stören und schaue mich in der Probierstube um.

Die Preise stehen mit Kreide auf einer Schiefertafel
Die alte Schultafel hat einen neuen Zweck und dient als Preisliste
Die Theke ist aus einer alten Tür hergestellt
Mārtiņš Sants ist nicht nur bei der Weinherstellung ein kreativer Mann. Aus einer alten Tür hat er die Theke gebaut
Ein gusseiserner Ofen
Der Ofen ist mehr Dekoration denn Wärmequelle

Fruchtweine

Als ersten Wein trinke ich einen Rhabarber-Wein. Er schmeckt mir ausgezeichnet. Er ist fruchtig, mit einer gewisse Süße. Ich bin sehr erstaunt, denn er hat weniger Säure, als Rhabarber vermuten lässt.

Eine Flasche mit Rhabarber Fruchtwein
Ein Rhabarberwein mit einem köstlichen Rhabarbergeschmack, mit wenig Säure

Mārtiņš erzählt, dass seine Fruchtweine jedes Jahr anders schmecken. Das liegt an den angelieferten Früchten, den Reifegraden und der Menge, die er verarbeiten kann. Er behandelt die zu verarbeitenden Früchte wie Rohdiamanten. Auch diese erhalten durch die Veredlung, durch den Schliff, erst ihre wahre Schönheit. Und bei den Fruchtweinen ist die Schönheit der Geschmack, den er ihnen entlockt. Nun probiere ich einen Wein mit Cranberry. Auch ein interessanter Geschmack. Bei Traubenweinen weiß ich in etwa, welcher Geschmack mich erwartet. Bei den Fruchtweinen muss ich mich einfach auf den Geschmack einlassen, der mir über die Zunge rinnt. Cranberry ist mild und in gewisser Weise herb. Nicht sehr süß und ich kann die Frucht nicht so gut schmecken. Das kann aber auch daran liegen, dass ich Cranberry, außer im Müsli, als Fruchtgeschmack selbst nicht kenne.

Eine Flasche mit Cranberry Fruchtwein
In dieser Flasche ist Cranberry Fruchtwein

Die von Mārtiņš Sants verarbeiteten Früchte erhält er zum größten Teil aus der Umgebung. Manche Früchte, wie die Aronia Früchte, erhält er aus Russland, denn dort gibt es eine bestimmte Sorte, die sich für Fruchtwein sehr gut eignet. In Deutschland ist Aronia als Apfelbeere bekannt. Oder sollte ich sagen: unbekannt? Ich wüsste nicht, wo ich so einen Strauch schon mal gesehen hätte. Dabei sind die Früchte absolut gesund. Die Apfelbeere ist ein Rosengewächs und optisch mit der Vogelbeere verwandt. Nur die Früchte sind dunkel. Die Beere enthält viele Mineralien und Spurenelemente, wirkt entzündungshemmend und schützt vor oxidativem Stress. Apfelbeere ist also eher Medizin!

Eine Flasche mit Aronia Fruchtwein
Aroniawein – bei uns heißt die Frucht Apfelbeere

Bereits der Vater von Mārtiņš experimentiert gerne mit den Früchten. Der Sohn führt die Experimente fort. Wie schmecken die Früchte je nach Verarbeitung? In welchem Fass? Wie lange gelagert? Er arbeitet ohne Sulfite oder andere chemische Konservierungsstoffe. Die Verarbeitung, vom Anbau über die Ernte, die Saftgewinnung, Weinveredlung, das Abfüllen und Etikettieren ist bei Vīna Darītava Handarbeit.

Liebe zum Detail

Die Fruchtmengen sind meist in nur ausreichender Menge vorhanden, wenn nicht der Frühjahrsfrost eine Obst- oder Beerensorte erfriert. Daher und wegen seiner Philosophie, ein perfektes, gesundes Naturprodukt herzustellen, wird Mārtiņš seine Erzeugnisse nicht über große Supermärkte vermarkten. Seine Weine gibt es per Online Bestellung, in Verkaufsstellen oder vor Ort. Er beteiligt sich an Lebensmittelprämierungen und hat in den letzten Jahren einige Preise für seine Produkte erhalten. Das er die Dinge im Detail liebt, fällt mir in seinem Probierkeller auf.

Die Wechselgeldschale hat einen Weinspruch abgebildet: Du kannst kein Glück kaufen. Aber du kannst Wein kaufen. Und das ist eine ähnliche Sache.
Eine nette Wechselgeldschale mit einem schönen Spruch. Übersetzt ungefähr: Du kannst kein Glück kaufen. Aber Du kannst Wein kaufen. Und das ist eine ähnliche Sache.

Als ich die Wechselgeldschale fotografiere macht der nächste Korken plopp. Ich schaue auf, um zu sehen, welchen Wein wir nun probieren, als ich den Korkenzieher in seiner Hand entdecke.

Ein alter Korkenzieher
Ein ganz besonderer Korkenzieher mit einer ganz besonderen Geschichte

Solch einen Korkenzieher hatte er in Frankreich neu zu einem sehr hohen Preis entdeckt, sich aber nicht leisten können. Zufällig wurde er einige Monate später in Lettland zu einem naheliegenden Kloster gerufen, da die Mönche ebenfalls mit Fruchtwein und Traubenwein Versuche machen wollten. Der alte Priester, mit dem er im Gespräch war, öffnete mit einem „französischen“ Korkenzieher eine Flasche Wein zum Abschluss. Mārtiņš erzählte seine Korkenziehergeschichte aus Frankreich und der Priester verkaufte ihm seinen altgedienten Korkenzieher für einen symbolischen Preis. Seither erfreut sich Mārtiņš bei jedem Flaschenöffnen an diesem Korkenzieher und denkt gleichzeitig an den Priester. Wir probieren nun einen Fruchtwein aus Schwarzer Johannisbeere. Er hat den typischen Geschmack von Cassis. Er kommt mir auch wieder sehr herb über die Zunge, hat aber eine fruchtige Nachsüße.

Eine Flasche mit Schwarze Johannisbeere Fruchtwein
Diese Flasche enthält Fruchtwein aus Schwarzer Johannisbeere

Weinausbau im Fass

In Lettland ist Fruchtweinherstellung in vielen Haushalten Tradition. Die reifen Früchte aus dem Garten mussten im Herbst schnell verarbeitet werden. In fruchtreichen Jahren wurden oft Fruchtweine hergestellt. Das waren ehedem eher vergorene Früchte, ohne Finesse. Mārtiņš hingegen lässt die Weine nicht nur im Stahlfass gären, sondern probiert auch die Lagerung über wenige Tage bis mehrere Wochen in Holzfässern aus. Manche Holzfässer bezieht er gebraucht aus Frankreich, andere aus Italien. Manchmal von Weinbauern, manchmal von Schnapsbrennereien. Eine Charge seiner Fruchtweine musste er allerdings vernichten, denn die Holzfässer hatten einen so starken Schnaps-Eigengeschmack, dass sein Fruchtwein geschmacklich verdorben war. So baute er die Fässer auseinander, schliff die Einzelteile ab und setzte die Fässer wieder zusammen. Der Wein wird bei Vīna Darītava gefiltert und geklärt, bevor er in Flaschen gefüllt wird. Wir probieren zum Abschluss einen Apfelquittenwein.

Eine Flasche mit Schwarze Johannisbeere Fruchtwein
Die Etikettenfarbe weißt schon auf Schwarzen Johannisbeeren Wein hin

Ich liebe Quitten. Wenn möglich koche ich selbst im Herbst Quittengelee ein, obwohl das viele Arbeit ist. Aber ich mag den Geschmack sehr. So tappe ich mit meiner Zunge nicht ganz im Dunkeln, als ich mein Glas ansetze. Allein der Geruch nach reifer Quitte ist berauschend. Wie ein Biss in eine Quittengeleebrot füllt sich mein Gaumen mit dem süßen Geschmack. Auch hier schwingt wieder eine ausgewogene Säure mit, der Wein ist nicht zu süß. Einfach quittig.

Fruchtwein nach Wunschgeschmack

Mārtiņš erzählt von einem Kollegen, der ihn um Rat bat für einen Kunden. Dieser wollte im darauffolgenden Sommer heiraten und aus mehreren Früchten einen Wein haben. Den konnte der Kollege nicht liefern, allein, weil er noch nie mit Früchten experimentiert hatte. Der Kunde hatte auch mitgeteilt, welchen Geschmack er sich vorstellen würde und Mārtiņš nahm die Herausforderung an. Er kreierte einen Hochzeitswein, der ihm selbst nicht schmeckte, aber den Geschmack des Bräutigam genau traf. Wer also ein Jahr im Voraus für einen besonderen Wein planen kann, darf seine Geschmacksrichtung beschreiben und erhält, wenn es gelingt, genau das, was er schmecken möchte. Wir haben unsere Geschmacksrichtungen beim Probieren gefunden, auch wenn wir nicht alle Sorten im Glas hatten. Immerhin haben die Weine um die 12% Alkoholvolumen. Wir entscheiden uns für sechs Fruchtweinflaschen, die wir in unserem Wohnmobilkeller mitnehmen.

Mit Blick auf die Probierweine auf der Theke erkundige ich mich, wie lange der geöffnete Wein trinkbar bleibt. Im Kühlschrank, bzw. kühl gelagert zwei bis vier Tage, aber meist wird er an einem Abend getrunken, erklärt uns Mārtiņš mit einem breiten Grinsen.

In einem Holzgestell stehen die Probierweine
Die Probierweine in einem selbstgebauten Gestell auf der selbstgebauten Theke

Ein innovativer junger Mann

Ich bin von dem jungen Mann, der eine so positive und fröhliche Ausstrahlung hat, sehr begeistert. Das ist einer, der weiß was er will. Innovativ, experimentierfreudig und mit Kollegen vernetzt ist und sich weiterentwickeln möchte. Der sich keinen Konventionen unterwirft, sondern seinen eigenen Weg geht. Im Einklang mit seinen Mitmenschen, der Natur und seiner Heimat Lettland. Einer, der nicht vom großen Geld träumt, sondern von seinem Glück, das er in seiner Berufung findet. So hat ihn auch ein Karikaturist gesehen.

Eine Karikatur zeigt den jungen Fruchtweinbauern um eine Weinflasche geschmiegt
So verliebt in seine(n) Beruf(ung) hat der Karikaturist Mārtiņš Sants gesehen

Mārtiņš erzählt fröhlich und lebendig. Er möchte gerne in anderen Weinbaunationen Erfahrungen mit Wein sammeln, trotzdem er sich monatlich nur wenig Taschengeld gönnt, weil er seine Einkünfte lieber im Betrieb lässt. Mit viel Glück für uns, sehen wir ihn und seine Frau hoffentlich bald in der Pfalz, wenn er Erfahrungen bei unseren befreundeten Winzern im Weinbau sammelt. Ich freue mich auf den Besuch, die Fröhlichkeit und den kulturellen Austausch.

Adresse von Vīna Darītava

Vīna Darītava

Skolas iela 1, Aizpute,
LV-3456, Lettland
Telefon: +371 26 397 949

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Eindrücke von Kaunas

Eindrücke von Kaunas

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Kaunas hat eine uralte Geschichte und ist doch eine junge und moderne Stadt. Ehemals die einzige Hansestadt Litauens, wird sie 2022 Kulturhauptstadt Europas sein. Für die modernistische Architektur von 1919-1940 (Bauhaus) ist sie mit dem europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet worden.

Fahrt in Kaunas Altstadt

Vom außerhalb liegenden Campingplatz, Hotel oder der sonstigen Unterkunft in die Stadtmitte von Kaunas zu kommen ist mit dem öffentlichen Bus recht einfach. Im erweiterten Stadtzentrum fahren „O-Busse“, das sind Oberleitungsbusse, die elektrisch betrieben werden. Die Haltestellendichte ist groß mit aussagekräftigen Fahrplänen, teils mit digitaler Abfahrtsanzeige. Die Fahrkarte kauft man beim Fahrer oder der Fahrerin zum Preis von 1 €, Kinderwagen, Rollstühle, Rollatoren und Fahrräder fahren kostenlos mit. Es gibt sogar USB-Stecker um das Mobiltelefon während der Fahrt zu bezahlen. Tipps zu Litauen im Wohnmobil findest Du hier.

An einer Stange im Bus ist ein USB-Stecker zum Laden von Mobiltelefonen
Standard im Bus – USB-Stecker fürs Mobiltelefon

Verkehrseindrücke von Kaunas mit dem Fahrrad

Wir sind an unserem Ankunftstag von unserem Campingplatz im Westen Kaunas mit dem Bus gefahren und am zweiten Tag mit dem Fahrrad. Teilweise sind die Fahrradwege sehr gut ausgebaut und markiert. Mein Eindruck ist, dass gerade um die größeren Zentren der Ausbau von Fahrradwegen forciert wird. Allerdings sind manche Straßen – auch für Fußgänger und Fahrradfahrer – in einem ziemlich schlechten „Pflaster“-Zustand.

An sehr gepflegten Radwegen stehen hohe eiserne Baumgestelle in deren obere Ringe bunte Blumen gepflanzt sind
Die Fahrradwege sind zum Teil ausgezeichnet und die „Blumenbäume“ begeistern mich sehr
Fahrradständer, die an große Kamerablenden erinnern
Interessante Fahrradständer auf dem Rathausplatz
Eine Fußgängerbrücke über die Memel in Kaunas
Die Fußgänger- und Fahrradbrücke führt von der Memelinsel über die Memel
Eine grobe Pflasterstraße mit tiefen Spurrillen
Diese Straße fordert Fahrradfahrer heraus, tiefergelegte Autos haben keine Chance
Das Straßenpflaster ist ungeheuer wellig
Das Straßenpflaster in der Vilniaus Straße

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

Inhalt laden

Oder Du folgst mir und dieser Fahrradtour auf meinem Komoot-Account.

Gebäude in Kaunas

Kaunas ist die zweitgrößte Stadt Litauens. Die Architektur der Stadt wiederspiegelt die Epochen der vergangenen Jahrhunderte. Wir haben uns vorwiegend in der Altstadt aufgehalten, bzw. entlang der Memel, die auf Litauisch Nemura heißt. Leider haben wir den Fehler einer Radtour an einem Montag zum Kloster Pažaislis gemacht, dass am Kaunas-Meer liegt. Die Klostermauern sind so hoch, dass man nur die Kuppel der Kirche sehen kann. Und Montags ist alles geschlossen. Da es unterwegs zum Teil keine Radwege gibt, mussten wir entlang einer vielbefahrenen Straße radeln.

Eine Kuppel einer Kirche mit je einem Turm links und rechts, hinter einer Mauer
Mehr war vom Kloster nicht zu sehen. Die Kuppel der Kirche „des Besuchs der Heiligen Jungfrau Maria bei Elisabeth“

So haben wir die Zeit in Kaunas leider schlecht genutzt und die meisten Highlights gar nicht gesehen. Nachfolgend einige unserer Gebäudeeindrücke.

Die Stadtansicht der alten Stadt von Kaunas. Im Vordergrund eine Wiese, dahinter ein schmaler Fluss und dahinter von rechts die Reste der Burg und nach links die Türme von Rathaus und der Kirchen
Die Stadtansicht von der Brücke aus. Rechts die Reste der Burg, der „Schwanenhals“ des Rathauses und die Kirchtürme der Altstadt
Vor der Burg steht der Schriftzug Kaunas mit einem Hashtag
Ich habe das Foto auf Instagram gepostet, da der # (Hashtag) schon davor stand …
Das Rathaus in Kaunas wirkt wie eine Kirche, da es einen sehr hohen turm hat
Das Rathaus am Abend – der Turm wird Schwanenhals genannt
Das hölzerne Innentor des Rathauses ist kunstvoll aus Holz und Metall gearbeitet
Das Innentor im Rathaus ist beeindruckend
Ein Backsteinhaus hat als Giebel drei Stufen, die von rechts nach links höher werden
Häuser mit einem “halben Giebel“ sieht man in Kaunas öfter, das hier steht am Rathausplatz
Ein altes Backsteinhaus mit Stufengiebel
Das Perkũnas Haus war vermutlich der Handelssitz der Hansekaufleute in Litauen und hat seinen Namen von einem Donnergott, der in der Wand des Gebäudes gefunden wurde
Zwei Balkone, der linke nicht restauriert, der rechte restauriert
Restaurierung muss sich der Hausbesitzer leisten können…
Ausgrabungen der alten Stadt, die Mauern werden durch Blechdächer geschützt
Ausgrabungen von alten Stadtresten. Das Niveau der Stadt lag deutlich niedriger als die heutigen Bauten, nur etwas über Flusshöhe
Eine gepflasterte Seitenstraße in Kaunas mit hohen Häusern
Blick in eine Seitenstraße
In einem Fenster stehen Tomatenpflanzen
Ein Zimmergarten über der Einkaufsstraße
Ein Springbrunnen mit vielen kleinen Fontänen auf einem Platz ist von einem schwarzen quadratischen Becken eingefasst
Ein Springbrunnen auf der längsten Einkaufsstraße des Baltikums, der Laisvės Avenue
Neue Gebäude mit viel Glas stehen am Ufer der Memel
Hier entstehen moderne Glaspaläste an der Memel, in der Nähe des Einkaufscentrums Akropolis
In einem Einkaufszentrum steht ein richtiges Haus als Geschäft
In der Mall Akropolis stehen auch richtige Häuser, teils im traditionellen Stil, die mir die Dimension eines Einkaufszentrums verdeutlichen

Kirchen in Kaunas

Das Gebiet von Litauen wurde erst im 14. Jahrhundert christianisiert. Laut einer litauischen Informationsschrift sind aber viele „heidnische“  Bräuche in die christlichen Feste Litauens übernommen worden. In Litauen herrscht Religionsfreiheit, wir haben einige Kirchen wegen ihrer Baukunst von außen bestaunt.

Die Jesuitenkirche ist in Pastelltönen gestrichen
Die Jesuitenkirche in Kaunas steht in der Häuserzeile am Rathausplatz, hier im Abendlicht
Eine aus Backstein gebaute Kirche mit einem Kirchturm mit recht flachem Dach
Die Kathedrale Peter und Paul in Kaunas steht in Rathausplatznähe
Hinter einem Kirchturm des Bernhardinerklosters zeichnet das Abendrot orangene Muster in den grauen Wolkenhimmel
Das Abendrot im regengrauen Wolkenhimmel hinter einem Kirchturm des Bernhardinerklosters, nahe der alten Burg
Die Moschee in Kaunas steht in einem Park
Die Moschee in Kaunas, die einzige in Litauen, steht im Ramybės-Park – in Deutschland sind die Moscheen oft genug in einem Industriegebiet angesiedelt
Die orthodoxe Kirche in Kaunas ist wegen Renovierungsarbeiten eingerüstet
Die orthodoxe Kirche in Kaunas ist wegen Renovierungsarbeiten eingerüstet
Details der Fensterumrahmungen und Eingangssäulen
Details der orthodoxen Kirche

Plastiken in Kaunas

Kaunas ist eine Stadt, in der Kunst gelebt wird. Das merkt der Besucher an den Plastiken, die er überall in der Stadt entdecken kann. Wenn er denn aufmerksam um sich schaut. Mich haben viele der Plastiken erfreut und zum Lachen angeregt. Nachfolgend einige Beispiele.

Auf einer Mauer ist eine Bronzeplastik. Ein Dicker Mann mit Schnauzer und sehr dünnen und kurzen Beinen
Das Männlein hockt auf der Mauer der Unterführung der Gertrudstraße
Eine Bronzeplastik ist oben als Kiefernzapfen gestaltet und hat unten zwei Beine mit Fußen in Holzschuhen
Das Zapfenmännlein steht im Park in der Nähe der Burg
Eine Bronzeplastik von einem Priester, der auf einer Bank sitzt mit einem Hund
Dieser Priester sitzt mit seinem Hund vor der Vytautas-Magnus-Kirche
Eine Bronzeplastik von einem Jungen auf einem Kinderfahrrad, der ein Stöckchen in der Hand hält und mit einem kleinen Hund spielt
Die Plastik ist so detailgetreu, auf den ersten Blick möchte ich dem spielenden Jungen ausweichen
Am Kreisel nach der Brücke über den Neris sind stilisierte Reiter als Plastiken aufgestellt
Am Kreisel nach der Brücke über den Neris sind diese Jockeys unterwegs
Eine Ritterskulptur vor neuen modernen Häusern im Hintergrund
Der Ritter Kanklininkas in der Nähe der alten Burg hat im Hintergrund neue Stadtgebäude jenseits des Neris
Der Ritter in der Detailansicht auf seinem Pferd
Nahansicht des Ritters Kanklininkas auf seinem Pferd
Eine Plastik von einer Frau, die liegend über einem Stein schwebt
Die schwebende Frau auf dem Vorplatz der orthodoxen Kirche
Die Statue des ersten litauischen Herrschers Vytautas Magnus
Vytautas Magnus wurde 1429 zum ersten litauischen König gewählt
Das Werbeschild ist künstlerisch mit Ähren und Blättern gestaltet
Kunst als Werbeschild

Graffiti in Kaunas

Die Kunstszene spielgelt von Kaunas spiegelt sich auch in vielen Graffiti an Gebäuden wieder. Ich finde es toll, dass Gebäudeflächen für diesen Kunststil zur Verfügung gestellt werden. So muss kein Graffiti-Künstler in der Illegalität arbeiten. Das heißt allerdings nicht, dass die Sprühfarben-Schmierer, die nur Sachbeschädigung betreiben, nicht auch unterwegs wären…

Auf einem Graffiti klettern drei Jungen mit Schirmmützen über einen Zaun
Die drei Jungs büxen wohl über den Zaun aus…
Ein Graffiti an einem hohen Gebäude sieht aus wie ein hockender Pfeifenraucher
Eines der berühmtesten Graffiti in Kaunas kommt sichtlich in die Jahre
An einem Hausgiebel ist eine Graffiti von einem hockenden Jungen
Ein Junge in Turnschuhen als Graffiti an einem Hausgiebel
Auf einer Hausfassade sind Bilder von Bürgern aufgemalt
Eindrücke vom Leben im Stadtteil Šančiai auf einer Hauswand

Litauische Spezialitäten in Kaunas

Kaunas war unsere erste litauische Stadt, in der wir Restaurants besuchen konnten. Das haben wir gerne gemacht und einige litauische Spezialitäten probiert. Leider haben wir vergessen die „Zeppelinas“ zu fotografieren. Das sind Kartoffelklöße mit Hackfleisch gefüllt. In Zeppelinform gerollt, gekocht und mit einer Specksoße serviert werden. Sehr lecker, aber auch sehr sättigend, da die Portionen sehr groß waren.

Nudelteigtaschen liegen auf einem Teller
Die Chinkali (eigentlich eine georgische Spezialität) werden mit einer Zange serviert
Eine Rote-Beete-Suppe steht vor der Bloggerin
… Suppe passend zum Top …
Buchweizengrütze ist gekocht und mit gebratenem Gemüse gemischt und mit Reibekäse bestreut
Der Buchweizen mit Gemüse schmeckt sehr lecker
Kartoffelpfannkuchen aus rohen Kartoffeln sind mit Hackfleisch gefüllt
Aus rohen Kartoffeln werden diese Pfannkuchen hergestellt, die mit Hackbrät gefüllt sind
Das Brot wird in Butter mit Knoblauch gebraten, Käse wird dazugegeben
Das ist eine litauische Speise zum Bier – „altes“ Brot in Knoblauchbutter gebraten. Der Käse wird noch drüber gestreut und schmilzt darüber
In einer gläsernen Theke liegen Käse in der Auslage
Der Džiugas – Käse stammt der Legende nach von einem Riesen
Eine Torte steht in einer Auslage
So lecker die Torte aussieht – die Creme unter den Walnüssen ist ein Gorgonzolaähnlicher Džiugas-Käse

Kaunas – andere Ereignisse

Neben unseren „thematisch sortierten“ Erlebnissen, hatten wir weitere Eindrücke. Eines davon war im Ramybės Park die Gedenkstätte für litauische Partisanen. Das russische Reich war schon während der Zarenzeit bestrebt, sich Litauen einzuverleiben, was irgendwann auch geschah. Litauen wurde 1918 zum ersten Mal seit 1795 wieder unabhängig, davor war es seit 1569 Teil einer Union mit Polen. Kaunas wurde Hauptstadt Litauens und der erste Präsident, Antanas Smetona 1919 gewählt. Aus der Zeit, die auf diese Unabhängigkeit folgte, gibt es 23 Gebäude, vom Präsidentenpalast bis zum Japanischen Konsulat, die nördlich und nordöstlich der Altstadt gebaut wurden. 1940 wurde Litauen bereits wieder von Russland okkupiert und erst 1990 wieder unabhängig. Gerade 1940 kämpften viele Litauer im Untergrund gegen die Vereinnahmung durch Russland. Den Partisanen wird auf dem alten Friedhof gedacht.

Steinerne Kreuze stehen auf einer Wiese zur Erinnerung an die litauischen Partisanen
Die steinernen Kreuze erinnern an die Partisanen, die gegen die russische Besetzung gekämpft haben

Wir hatten natürlich auch skurrile Erlebnisse und einen Einblick ins Formationsfliegen.

Eine Bank steht im flachen Wasser der Memel
Die Bank wird derzeit von den Kormoranen genutzt
Im letzten Abendrot, in dem ein See leuchtet, fährt ein Wasserskifahrer
Auf dem See beim Campingplatz ist noch ein Wasserskifahrer unterwegs
Drei Flugzeuge im Formationsflug
Drei Flugzeuge im Formationsflug
Die drei Flugzeuge im Formationsflug stoßen Rauch aus
Ob die Flugzeuge für einen „Auftritt“ üben?

Insgesamt waren es zwei interessante Tage in Kaunas. Wer nicht ausgerechnet am Montag in Kaunas ist, kann Museen zu sehr speziellen Themen besuchen und auch viele Galerien, denn Kaunas ist auch eine UNECO Stadt des Designs.

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Flammkuchen auf dem Gasgrill

Flammkuchen auf dem Gasgrill

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Wir lieben die schnelle Küche in unserem Wohnmobil. Dazu gehört auch Flammkuchen, den wir uns in unserem Gasgrill, der einen Deckel hat, draußen vor dem Wohnmobil backen können. Der Teig ist einfach herzustellen, der Belag wird je nach Geschmack und Kühlschrankinhalt gewählt.

Flammkuchen

Das Rezept für meinen Flammkuchen habe ich von meiner jüngeren Tochter erhalten. Auf unserer großen Ostseereise haben wir am Dusia-See in Litauen das Rezept zum ersten mal probiert – und waren gleich begeistert.

Zutaten

Die Zutaten für den Teig:

200 g Mehl
110 ml kaltes Wasser
1 Esslöffel Olivenöl
1 Prise Salz

Zutaten für den Belag:

Klassisch Französisch:

Schmand – auf dem Teig verteilen
Zwiebel gewürfelt – drüberstreuen
Speck gewürfelt – drüberstreuen
Reibekäse – drüberstreuen
Pfeffer – drüberstreuen

Mit Ziegenkäse:

Ziegenfrischkäse – evtl. mit etwas Schmand vermischt – auf dem Teig verteilen
Rosmarin – drüberstreuen
Nach dem Backen entweder mit Honig oder mit karamellisierten Kürbiskernen bestreuen und Rucola toppen

Mit Schafskäse und Tomaten:

Schmand – auf dem Teig verteilen
Zwiebel gewürfelt – drüberstreuen
Schafskäsewürfel – drüberstreuen
Cocktailtomaten halbieren – drüberstreuen
Oliven halbieren – drüberstreuen
Pfeffer – drüberstreuen

… oder, was Dir sonst noch einfällt

In einer Rührschüssel sind die Zutaten für den Flammkuchen, Wasser wird noch hinzugegossen
200 g Mehl, 110 ml kaltes Wasser, 1 Eßl. Olivenöl, eine Prise Salz in eine Schüssel geben
Die Zutaten werden mit einem Löffel verrührt
Ich verrühre die Zutaten kurz mit dem Öllöffel
Der geknetete Flammkuchenteig
Der fertige Teig in der Schüssel, den ich nun halbiere
Eine Teigkugel und ein gezogener Teig liegen auf der Arbeitsfläche
Die eine Teigkugel habe ich bereits mit den Händen etwas flachgedrückt zum Ausrollen
Die Bloggerin rollt den Teig auf der Arbeitsfläche aus
Zum Ausrollen benutze ich unseren Tupper-Saftbehälter

Wir legen den Teig auf eine geölte Alufolie und belegen den Teig diesmal klassisch Französisch und verzieren ihn noch mit einigen Oliven

Fertig belegte Flammkuchen
Die Flammkuchen sind fertig belegt, nun müssen sie noch in den „Ofen“

Backen auf dem Endres Gasgrill

Der Gasgrill ist geschlossen und die Temperaturanzeige steigt
Wir heizen unseren geschlossenen Gasgrill vor auf 250° C
Der rohe Flammkuchen liegt auf dem Gasgrill, der Deckel ist noch offen
Für das Foto schließen wir den Gasgrill nicht sofort, aber sofort danach, ab jetzt kann der Flammkuchen backen
Der fertige Flammkuchen auf dem Gasgrill
Voila, der Flammkuchen ist fertig, guten Appetit!

Nach circa 10 Minuten (immer mal nachschauen) ist der Flammkuchen fertig. Guten Appetit.

Uns reicht für eine Mahlzeit für zwei Personen dieses eine Rezept aus. Wer mehr mag oder Gäste hat, wiederholt die Prozedur.

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Fahrradtour durch Usedoms Norden

Fahrradtour durch Usedoms Norden

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Eine Landschaft zu erleben, bedeutet für mich, mit der Haut in der Landschaft zu sein. Auf langsame Art geht das mit Wandern. Der Fortbewegung, mit der das Auge und Gehirn am besten klarkommt, weil in der Evolution am längsten geübt. Heute entscheiden wir uns für die etwas schnellere Art, für das Fahrradfahren.

Fahrradtour Peenemünde-Krummin-Zinnowitz

Wir fahren von unserem Stellplatz auf der Halbinsel Peenemünde mit den Rädern los. Wir haben auf Komoot diese Fahrradtour geplant, die wir – so in etwa – nachfahren wollen.

Aufzeichnung der Radtour auf Komoot

Die Radtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

Inhalt laden

Oder Du folgst mir und dieser Radtour auf meinem Komoot-Account.

Die Halbinsel Peenemünde

Wir radeln um das Historisch Technische Museum herum und dann auf die Naturerbefläche des Mündungsbereichs des Peenestroms. Eine Tafel erklärt die Besonderheit dieser Küstenlandschaft. Fragmente von Verteidigungsanlagen, die auf anderen Hinweistafeln erklärt werden, stehen in der Landschaft herum. Trotz der militärischen Nutzung im 2. Weltkrieg, konnte sich dieser besondere Naturbereich behaupten. Die Küstendynamik der Ostsee, geprägt durch Winde, Wellen, Strömungen, schiebt Küstensand von Ost nach West und lässt Sandwälle und Nehrungen entstehen.

Blick am Anfang der Radtour zurück zur Halbinsel Peenemünde
Blick am Anfang der Radtour zurück zur Halbinsel Peenemünde
Weiße Kühe auf einer Weide, ein Kälbchen saugt am Euter
Glückliche Rindviecher auf der Weide. Der viele Regen hat das Lila abgewaschen 😊
Reste von Verteidigungsanlagen aus dem 2. Weltkrieg
Reste von Verteidigungsanlagen aus dem 2. Weltkrieg

Der ausgeschilderte Radlweg führt uns über holperige Plattenwege, Wege mit dickem Schotter, manchmal geteerte Fahrradwege und schmale Straßen. Felder und Weiden, offene Flächen und Mischwälder wechseln sich ab. Ebene Flächen aber auch einige Steigungen machen diese Tour sehr interessant. Attraktionen für Familien sind unterwegs ausgeschildert, wir passieren sogar „Dinoland“.

Krummin

Wir erreichen unser erstes Ziel, das Dörfchen Krummin am Krumminer Wiek. Wir steuern die Gaststätte mit Laden „Zur Pferdetränke“ an. Verkauft werden regionale Produkte, gebacken und gekocht wird selbst. Wir kaufen Brot, Käse und sogar Straußensalami, die aus Ahlbeck, südlich des Stettiner Haffs, von einer Straußenfarm kommt. Mit einer Sanddornfassbrause verweilen wir im schönen Garten, der mit vielen Dekoartikeln verziert ist. Sogar ein kleiner Streichelzoo und Minispielplatz für Kinder ist im hinteren Gartenteil. Der ehemalige Stall hinter dem Verkaufsraum ist mit großen Fenstern versehen, ein schöner Wintergarten geworden, der Gäste bei unfreundlichem Wetter beherbergt.

Ein mit Blumen bepflanzter Leiterwagen ist mit einem Schild zum Fahrradparkplatz versehen
Liebevoll gestalteter Hinweis zum Fahrrad-Parkplatz beim Eingang in den Garten des Gasthauses und Verkaufsladens Zur Pferdetränke
Der Eingang zum Bistro und Laden zur Pferdetränke. Der Eingang lässt noch erahnen, dass das Gebäude früher ein Stall war
Der Eingang lässt noch erahnen, dass das Gebäude früher ein Stall war
Ein Tisch und zwei Stühle stehen auf einer Holzterrasse, dahinter sind liebevoll Dekogegenstände auf Leiterregalen drapiert
Mit Liebe zum Detail sind die einzelnen Sitznischen dekoriert
Tische und Stühle mit Sonnenschirmen stehen in einem schön bepflanzten Garten
Mit schönen Pflanzen ist der Garten unterteilt und lädt zum Verweilen ein, links geht es zum Streichelzoo

Über die gepflasterte Dorfstraße fahren wir an der Kirche vorbei ans Dorfende und stellen fest, das der Weg zum Hafen vor der Kirche abgezweigt wäre. So rattern wir wieder die Straße hinab. Das Dörfchen Krummin ist wirklich nicht sehr groß. Die Kirche dagegen ist imposant. Die Erklärung dafür ist recht einfach. Die Kirche wurde bereits 1230 urkundlich erwähnt, als ein Teil eines Zisterzienserinnenklosters. Der Ort Krummin lag an einer mittelalterlichen Handelsstraße und das Kloster war sehr bedeutend. Die Kirche ist der einzig übrig gebliebene Klosterbau auf Usedom.

Die Kirche in Krummin
In der Kirche in Krummin finden im Sommer viele Konzerte statt

Uns fällt ein Haus auf, dass einen ganz besonderen Hausschmuck hat.

Aufgefädelte Steine verzieren ein Haus in Krummin
Aufgefädelte Steine verzieren ein Haus in Krummin

Wir radeln über die gepflasterte Straße zum Naturhafen von Krummin. Jede Menge Boote liegen am Steg. Sogar mehrere Hausboote, die ein- oder zweistöckig als Feriendomiziel vermietet werden. Leider sind sie fest vertäut und ohne Motor, so das sie immer an der gleichen Stelle liegen bleiben. Eine Hafenkneipe mit schönem Blick auf die Boote und den See lädt ein, wir aber haben eine andere kulinarische Einkehr vor.

Der Naturhafen von Krummin
Im Naturhafen von Krummin können auch Hausboote als Ferienwohnungen gemietet werden

Direkt an der Kreuzung zur Kirche liegt das Café „Zur Naschkatze“. Auch hier wird täglich selbst gebacken und gekocht. Der Garten ist in vielen verwinkelten Nischen angelegt, Rosen, Kletterpflanzen und viele Blühpflanzen machen sich in ihrer Schönheit Konkurrenz. Die unterschiedlichste Bestuhlung ist in den Nischen verteilt, so dass jeder Gast einen Lieblingsplatz finden kann.

An dieser Theke versorgen sich die Gäste mit Speisen und Getränken
An dieser Theke versorgen sich die Gäste mit Speisen und Getränken
Ein Innenraum lädt bei schlechtem Wetter zum Verweilen ein
Ein Innenraum lädt bei schlechtem oder kühlem Wetter zum Verweilen ein
Im üppigem Grün des Gartens finden die Gäste Plätze zum Verweilen
Im üppigem Grün des Gartens finden die Gäste Plätze zum Verweilen
Nischen im Garten sind mit unterschiedlichen Sitzmöbeln ausgestattet
Die Nischen im Garten sind mit unterschiedlichen Sitzmöbeln ausgestattet
Im hinteren Gartenteil ist ein Spielplatz für Kleinkinder eingerichtet
Im hinteren Gartenteil ist ein Spielplatz für Kleinkinder eingerichtet
Ein weiser Spruch: Einfach mal was von der To-Do-Liste auf die Was-Solls-Liste setzen
Der Spruch hat mich darin bestärkt, vermehrt Urlaub auf unseren Reisen zu machen…

B Krummin Cafe Zur Naschkatze Selbstbedienungstresen

Nach so vielen schönen Pausen radeln wir weiter. Auf einem betonierten Plattenweg mit Blick auf das Krumminer Wiek an Feldern vorbei. Später erst in Mischwald, dann in Kiefernwald eintauchend, erreichen wir Zinnowitz.

Seebad Zinnowitz

Wir fahren bis zur Seebrücke des Seebades. Trotz Corona ist Usedom von überwiegend deutschen Touristen überlaufen, uns ist es insgesamt zu voll hier. Bei einem Stand im Städtchen kaufen wir Kirschen, die wir mit zum Strand nehmen. Die Fahrräder schließen wir vor der Seebrücke ab. Unter der Seebrücke am Strand sitzend essen wir die Kirschen und schauen dem regen Treiben zu. Der Strand geht anscheinend recht flach ins Wasser über, denn die Menschen gehen weit hinaus, bevor sie schwimmen können.

Der Strand von Zinnowitz ist mit vielen Menschen gefüllt, eine Eisverkäuferin fährt mit einem Golfwagen umher
Eisverkäufer, weißer Sandstrand, Meer und Strandkörbe, der Strand von Zinnowitz bietet Urlaub

Die Seebrücke von Zinnowitz war ursprünglich 350 m lang. Die heutige, die 1993 gebaut wurde, ragt 315 m ins Meer. Wir wandeln über der Ostsee bis ans Ende. Dort ist seit 2006 eine Tauchgondel, die erste ihrer Art, installiert worden. An einem zentralen Pfeiler fährt die als Druckkammer ausgelegte Gondel in die Tiefe. Ist das Wasser zu trüb durch den Plankton, werden 3D-Filme gezeigt.

Eine Tauchgondel am Ende der Seebrücke wartet auf Gäste
Mit der Tauchgondel kann man trocken in die Ostsee eintauchen und unter Wasser Beobachtungen machen
Blick zum Seebad Zinnowitz von der Seebrücke
Von der Seebrücke geht der Blick auf das Seebad Zinnowitz

Wir schließen unsere Räder wieder ab und machen an der öffentlichen Toilette noch Halt. An der Promenade entlang ist ein Streifen für Fahrradfahrer gekennzeichnet, dem wir weiter folgen.

Geschnitzte Holzskulpturen an der Promenade in Zinnowitz
Diese Holzskulpturen sind ein Teil der Promenade in Zinnowitz

Weiße Sandstrände

Nach dem Ort nutzen wir den ausgeschilderten Radweg weiter nach Nordwesten. Immer wieder gehen im Kiefernwald Wege zum Strand ab. Die einzelnen Abschnitte sind mit Buchstaben und Zahlen gekennzeichnet. Wenige Strände sind für FKK oder für Hunde vorgesehen. In Trassenheide halten wir für einen Eiskaffee und schieben dann einige hundert Meter unsere Räder über einen Wanderweg durch tiefgründigen Sand. Der Radweg hätte uns um den Ort geführt, wir wollten aber nahe der Küste bleiben. So entdecken wir große Heidelbeerfelder, an denen wir uns gütlich tun.

Viele Heidelbeeren hängen an den Sträuchern
Soo viele Heidelbeeren an den Sträuchern – so haben wir es überall an der Ostsee gesehen!

Wir passieren Karlshagen, mit tollen Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätzen und fahren auf dem Seitenstreifen der Straße weiter Richtung Peenemünde. Mittlerweile hat die Sonne die Wolken zur Seite gedrängt und wir schließen gegenüber eines Parkplatzes die Räder an einen Baum. Mit unseren Packtaschen, in denen die Badsachen verstaut sind, marschieren wir zum Strand. Uns fallen als erstes die Mülltonnen auf, die in Abständen von ca. 50 m regelmäßig den Strand entlang stehen. Und trotzdem liegt noch Müll herum, hauptsächlich Zigarettenkippen! Wir suchen uns ein Plätzchen und ziehen uns um. Na, mit schnell rein ins Wasser zum Schwimmen, ist nicht. Das Wasser ist familienfreundlich sehr seicht über eine weite Strecke. Als wir bis Mitte Oberschenkel im Wasser sind, laufen wir sogar bergauf und die Knie schauen wieder heraus! Dann aber geht es fix, schnell stehen wir bis über die Gürtellinie in der Ostsee und Schwimmen ist möglich. Aber das Wasser ist doch recht frisch und natürlich verdeckt genau jetzt eine Wolke die Sonne! Das Wolken-verdecken-die-Sonne-Spiel geht immer einher mit frischen Windböen. Unter Wasser bleiben und schwimmen oder zurückwaten? Ich entscheide mich für ersteres und so gewöhnt sich mein Körper an die Wassertemperatur. Ich schwimme zurück und die Sonne kommt wieder hervor. Ich schwimme so lange, bis die Knie beim Schwimmen anstupsen. Herrlich!

Feiner weißer Sand bedeckt den Strand bei Karlshagen
Der Sand am Strand von Karlshagen ist ungemein fein und weich

Einfach daliegen und die Sonne genießen, so stellen wir uns das an manchen unserer Reisetage vor.

Doch noch Regen

Aber noch ist dieser Juli wettertechnisch ein April und dicke Wolken türmen sich vor die Sonne. Da wir den Tag bisher regenfrei verbracht haben, packen wir zusammen und radeln an der Straße entlang zurück zum Wohnmobil. Räder auf den Gepäckträger, Markise rein, Tisch und Stühle verstaut… Kaum ist alles erledigt, kommt ein wenig Niesel gefolgt von einem starken Regenguss. Glück gehabt.

Die Radtour war nicht sehr anstrengend. Unsere vielen Pausen konnten wir alle an interessanten Orten machen. Das war ein toller, ein wunderschöner Tag.

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Greifswald – Usedom – Polnische Grenze

Greifswald – Usedom – Polnische Grenze

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Die Hansestadt Greifswald und die Insel Usedom, ganz im Nordosten Deutschlands, standen auf unserem Reiseplan, bevor wir nach Polen weiterreisen wollen. Trotz Aprilwetter im Juli haben wir einen trockenen Tag für eine Radtour erwischt. Museumsbesuche wechselten sich mit Genuss ab, denn Usedom hat viel zu bieten.

Hansestadt Greifswald

Wir richten uns auf dem Stellplatz in Greifswald am Museumshafen ein. Obwohl drohende Regenwolken über uns hängen, spazieren wir Richtung Stadt. Es ist Sonntag und nicht viel los. Uns begeistern die Häuser um den Marktplatz sehr und der naheliegende Dom St. Nicolai.

Der Dom St. Nicolai in Greifswald ist aus Backsteinen gemauert mit schönen Backsteinverzierungen
Blick hinauf zum Kirchturm des Doms St. Nicolai
Am mit Basalt gepflasterten Marktplatz in Greifswald stehen historische Bürgerhäuser
Um den Marktplatz in Greifswald stehen historische Bürgerhäuser. An manchen sind Tafeln zur Geschichte des Gebäudes angebracht
Am Marktplatz stehen wunderschön restaurierte alte Bürgerhäuser. Links eines mit Treppengiebel, das rot gestrichen ist, rechts ein weißes Haus
Gegenüber der ältesten Häuser steht am Marktplatz dieses Ensemble
Ein Haus mit einem wunderschönen Schmuckgiebel steht am Marktplatz 11 in Greifswald
Das Bürgerhaus, das wohl im 15. Jahrhundert erbaut wurde, beherbergt heute ein Café
Der Stufengiebel des ältesten Hauses in Greifswald ist oben mit Türmchen verziert
Dieses Giebelhaus ist das älteste in Greifswald. Aber auch der älteste Giebel eines bürgerlichen Hauses im südlichen Ostseeraum

Mit den ersten Regentropfen, die sich schnell zu einem Schutt ausarten, kommen wir wieder am Wohnmobil an. Am späten Nachmittag reißt der Himmel endlich auf. Ich beende die Tipperei für meinen Blog und wir gehen zum Alten Hafen, Schiffe gucken. Auf der anderen Seite des Kais sind Liegestühle aufgebaut und wir gönnen uns ein Bier, während wir die Sonne genießen.

Endlich scheint am Abend mal wieder die Sonne, die die Segelschiffe im alten Hafen anstrahlt
Ein wunderschöner Abend im alten Hafen in Greifswald und endlich mal Sonnenschein
Die Sonne senkt sich zum Horizont über dem alten Hafen von Greifswald
Endlich können wir mal wieder die Sonne am Horizont untergehen sehen, statt hinter Wolken

Kloster Eldena und das Dorf Wieck

Direkt östlich von Greifswald ist die Klosterruine eines Franziskanerklosters, die hauptsächlich durch einen Maler berühmt wurde. Caspar David Friedrich, der in Greifswald aufgewachsen ist, hat viele Zeit in den damals von Gras und Gebüsch überwucherten Ruinenresten verbracht. Seine Bilder sind bekannt und hängen in Ausstellungen weltweit.

Auf den Aufstellern, die Erklärungen über das Kloster abgeben, sind schematisch einige seiner Bilder genannt und dargestellt. Im Jahr 1199 gegründet, wurde die Klostergründung 1204 von Papst Innocent III. bestätigt. Erst 1248 wird ein Flecken, Oppidum Gripheswald, erwähnt, aus dem sich später Greifswald entwickelte. Das Kloster diente über mehrere Jahrhunderte als Grablege für pommersche Herzöge und Herzoginnen, Weltliche von Rang und Stand und für Ordensbrüder. Einzig der Wirtschaftshof und die Klosterscheune wurden über alle Jahrhunderte hinweg landwirtschaftlich genutzt. Heute finden in der Scheune Veranstaltungen statt. Ich persönlich finde die Baureste ungemein spannend, denn sie lassen die Baukunst vergangener Jahrhunderte erahnen.

Die kunstvoll aus Backstein gemauerten Gebäudeteile ragen hoch hinauf. Heute stehen in den Ruinen hohe Bäume
Die äußere Begrenzung des Ostflügels ist noch in den Außenmauern erhalten
Einige Säulen aus Backstein gemauert im Ostflügel der Ruine von Eldena
Die Säulen gehörten zum Ostflügel des Franziskanerklosters Eldena
Der Weg zum Ostflügel des ehemaligen Klosters ist mit Spitzbögen gebaut
Von der Kirche zum Ostflügel stehen noch Reste des Klosters
Ein hoher Torbogen, hinter dem ein Baum wächst
Ein Tor zum Baum?
Die Fenster waren kunstvoll mit Rosetten verziert
Backstein und Rosetten – kunstvoll gefertigte Fenster

Über den „Studentenweg“ spazieren wir nach Wieck, einen kleinen Ort am „Dänischen Wiek“. Das Dörfchen begrüßt seine Gäste mit einer besonderen Brücke.

Die Holzklappbrücke in Wieck ist zwar ein technisches Denkmal, wird aber heute noch genutzt
Die Holzklappbrücke in Wieck ist zwar ein technisches Denkmal, wird aber heute noch genutzt
Blick von der Mitte der Holzklappbrücke in den Hafen
Blick von der Mitte der Holzklappbrücke in den Hafen

Wir spazieren über die Brücke und am Kai entlang zum Sperrwerk, dass die Ostsee bei den Herbst- und Winterstürmen vom Dorf fernhält. Einige Holzskulpturen sind an der Promenade errichtet.

Eine Holzskulptur stellt einen Fischer dar
Ein Fischer als Holzskulptur
Holzskulpturen in Wieck tragen Mund-Nasen-Masken
Die Skulpturen machen alles richtig: Abstand halten, Masken tragen, einen tollen Platz im Freien suchen mit stimmungsvoller Beleuchtung der Ostsee durch die Sonne

Sonne, dicke, dunkle Wolken und wieder Sonne, wir haben weiterhin Aprilwetter. Beim Spaziergang durch den historischen Ortskern entdecken wir viele Kleinode, zwei Beispiele im Bild.

Ein Fahrrad, das offensichtlich im Meer gelegen hat, ist mit Muscheln bewachsen
Das Fahrrad wurde aus der Ostsee gefischt – und dient nun als Dekoration
Ein Reedgedecktes Haus mit einem üppig blühenden Garten
So stelle ich mir ein typisch norddeutsches Haus vor – und manchmal finde ich diese Exemplare wirklich

Wir sitzen kaum im Wohnmobil, schon prasselt wieder ein Regenschauer herunter. So fahren wir gemütlich nach Wolgast und über die Brücke auf die Insel Usedom. Wir wollen ganz in den Norden, hinauf nach Peenemünde.

Peenemünde

Wir folgen dem Hinweisschild mit dem Stellplatzzeichen für Wohnmobile und fahren auf den großen Wiesen- Wohnmobilplatz. Wir wählen lange aus, um einen für uns passenden Platz zu finden. Der Wind ist sehr böig und dem wollen wir ein wenig aus dem Weg gehen. So stellen wir uns letztendlich hinter eine Hecke und erfreuen uns an der Sonne, die nun wieder scheint. Zum Mittagessen fahren wir sogar die Markise aus, da die Sonne kurzzeitig richtig brennt.

Ein Hinweisschild zum Übernachtungs- und Gastro-Angebot der Halbinsel Peenemünde
Hinweisschild mit dem Angebot der „Halbinsel Peenemünde“

Wir spazieren zur Hafenbar „zum Dürren Hering“ wo wir von einem interessanten Spruch empfangen werden.

Ein guter Hinweis: Wer Meer hat braucht nicht Mehr
Man lernt doch nie aus! Spruch am Eingang zum Hafenrestaurant

Die Sonne genießen wir in einem Strandkorb, zusammen mit Kaffee und Kuchen. Auf der Halbinsel Peenemünde werden nicht nur Stellplätze für Wohnmobile vermietet, sondern auch Kojen in einem Schiff. Hotelzimmer, Appartements und sogar Ferienhäuser sind außerdem im Angebot des weitläufigen Geländes.

In einem an Land liegenden Schiff werden Kojen vermietet
Wanderer und Radtouristen können die Kojen im Schiff zur Übernachtung nutzen

Ich mache später noch einen Spaziergang, um eine schöne Stelle für mein Sonnenuntergangsfoto zu finden. Lange sitze ich auf einer Bank und beobachte einige Kormorane am Wasser.

Die Peene fließt zum Schluss in das Spandower-Hagener-Wieck, bevor sie in die Ostsee mündet
Ein Kormoran trocknet seine Flügel auf einem hohen Pfosten
Der Kormoran übt für eine Statistenrolle als Pleitegeier

Auf dem Rückweg entdecke ich einige der Blockhäuser, die mir nicht nur als Feriendomizil gut gefallen würden.

Blockhäuser werden als Ferienhaus vermietet
Mehrere dieser Blockhäuser werden als Ferienhaus vermietet

Leider wird es mit meinem Sonnenuntergangsfoto wieder nichts, die Wolken überwiegen. Allerdings bekomme ich ein anderes Wetterereignis vor die Linse.

Ein Regenbogen erhebt sich über Bäumen
Kein Regen aber ein Regenbogen

Peenemünde Museen

Nachdem wir den trockenen Tag für eine Radltour genutzt haben, wollen wir uns vor der Abreise noch einige historische Dinge in Peenemünde anschauen. Unser erster Weg führt auf die gegenüberliegende Seite des Hafens.

U-Boot Peenemünde

Dort liegt ein U-Boot der sowjetischen Armee. Die Juliett U461. Das U-Boot wurde ab Oktober 1961 gebaut und lief im Dezember 1962 vom Stapel. In Einsatz ging das Boot erst 1965 bei der 58. U-Boot-Brigade der Baltischen Rotbannerflotte. 1994 wurde das U-Boot als schwimmendes Museum nach Kopenhagen verkauft und von dort 1998 nach Peenemünde.

Außenansicht des verrostenden U-Boots 461
Das U-Boot rostet still vor sich hin… – gut so, denn so kann es keinen Krieg mehr führen!

Das U-Boot kann besichtigt werden, was wir uns nicht nehmen lassen. Durch einen Eingang geht es über einen Steg und eine steile Leiter hinunter in das Innnere des U-Boots. Ich habe keine Probleme mit Enge oder in geschlossenen Räumen, aber hier wird mir mulmig. Kabel, Rohre, Enge, schlechte Luft, wenig Platz und Vorwärtskommen nur durch kleine runde Luken in den nächsten Abschnitt, das beklemmt mich. Die ganze Atmosphäre wirkt auf mich bedrohlich. Panzer und U-Boote sind Dinge in der Kriegsführung, die ich für die Soldaten am unmenschlichsten empfinde. Unabhängig davon, dass ich militärische Einrichtungen sowieso unmenschlich und völlig unnötig empfinde. Im Frieden miteinander leben, jeden so sein lassen, wie er ist und niemand etwas neiden, ist der erste Schritt zur Entmilitarisierung. Aber solange es immer wieder Menschen gibt, die sich selbst oder ihr Volk auf einen Sockel stellen müssen, ist weltweiter Frieden wohl nicht zu erreichen.

Die Bedingungen für die Besatzung unter Bord waren totale Enge und kaum Privatsphäre. Bis zu 90 Tage konnte das Boot autonom fahren und maximal 800 Stunden tauchen. Richtig sauber halten konnten die Männer sich nicht. Es gab zwar zwei Waschbecken und eine Dusche, aber meist kamen die Männer stinkend und ölverschmiert aus den Luken an Land.

Eine Schaufensterpuppe sitzt auf einer der drei Toiletten im U-Boot
Für 78 bis 82 Mann Besatzung gab es zwei Toiletten im U-Boot und eine auf der Brücke.
Einige der Kojen für die Besatzung – mitten in der laufenden Anlage
Einige der Mannschaftskojen – die umschichtig, je nach Dienst benutzt wurden
Die Küche war sehr klein, es wurde laufend gekocht für die verschiedenen Dienstzeiten der Matrosen
Die Küche war sehr klein, es wurde laufend gekocht, da die Matrosen verschiedene Dienstzeiten und somit Essensbedürfnisse hatten
Das U-Boot von Oben vom Sauerstoffwerk aus
Von oben kann man die Größe des U-Bootes erahnen

Ich bin froh, wieder aus dem Ausgang an die frische Luft zu kommen. Ich empfand den Aufenthalt sehr bedrückend und beklemmend. Gibt es Menschen, die sich freiwillig auf so ein U-Boot melden?

Historisch Technisches Museum Peenemünde

An unserem Abreisetag sind wir kurz nach der Öffnung um 10 Uhr am Historisch-Technisches Museum. Hier wurde die die V4, die „Wunderwaffe“ der Nazis im 2. Weltkrieg entwickelt und bis zur Zerstörung der Produktionsanlagen durch die Engländer 1943 auch gebaut.

Auch an diesem Platz fühle ich mich nicht wohl. Die Umwege, die Technikerfindungen so oft über militärische Nutzung gehen müssen, finde ich so unnötig. Die finanziellen Mittel in die technische Entwicklung ausschließlich für zivile Zwecke zu stecken, wäre doch wesentlich kostengünstiger. Technische Entwicklung im Einklang mit der Natur – der Traum könnte wahr werden, wenn die Ressourcen und finanziellen Mittel zivil und nachhaltig eingesetzt würden.

Wir lesen viel während der Besichtigung. Über die politische Entwicklung hin zu Hitlers Machtergreifung und die Jahre bis zur Befreiung vom Faschismus. Über die Träume von Technikern und Schriftstellern, mit Raketen den Mond zu erreichen. In einem Raum sind Spinde eingebaut, die Namen tragen. Öffnet man die Spindtür, befindet sich dahinter die Geschichte der Person. Ob Techniker, Pilot, Zwangsarbeiter, KZ-Häftling, Soldat – über jeden erfährt man ein wenig. Es ist mal wieder unbegreiflich, wie viele Menschen so unnötig und menschenverachtend für das „3. Reich“ unterjocht, ausgebeutet und ermordet wurden. Ich kann den Besuch in diesem Museum nur empfehlen, er ist für alle Altersgruppen interessant.

Blick von Sauerstoffwerk hinab zur Eisenbahn, Rakete und zum Kesselwagen
Vom Sauerstoffwerk, auf das ich mit dem Aufzug hinauffahre, kann ich auf einige der historisch technischen Gebilde hinabschauen
Die Originalzeichnung auf der Rakete zeigt die halbnackte La Luna im Sichelmond mit einer Rakete im Hintergrund
Das ist die Originalzeichnung auf der Rakete
Die Schachfiguren des Spiels sind aus unterschiedlichen Patronen
Makabre Schachfiguren

Als wir um die Mittagszeit aus dem Museum gehen, steht eine lange Menschenlange am Eingang an. Wie überall in der Coronazeit, dürfen auch auf dieses Gelände nur eine bestimmte Anzahl an Personen.

Umfahrung Stettiner Haff

Zurück am Wohnmobil fahren wir noch zur Entsorgung und machen uns auf den Weg nach Süden. Wir wären gerne noch in das Museum der Illusionen gegangen, aber auch da stehen, mittlerweile wieder im Regenwetter, die Menschen Schlange. So fahren wir über Usedom und mit Umfahrung Anklam weiter nach Ueckermünde und südlich des Stettiner Haffs. Wir wollen nach Ahlbeck, östlich von Eggesin zur Straußenfarm. Wir schaffen es gerade noch, zur Öffnungszeit des Ladens einzukaufen. Straußensteaks kennen wir bereits von anderen Käufen, Straußen-Bratwürste werden neu auf unserem Speiseplan stehen. Wir schauen noch einige Zeit den Straußen und Emus auf ihren Weiden zu, bevor wir weiterfahren nach Rieth, zu einem sehr idyllischen Stellplatz.

Rieth

Mittlerweile ist es wieder trocken und wir stellen unser Wohnmobil auf dem privaten Stellplatz ab. Die Sonne scheint, es lohnt sich Tisch und Stühle auszupacken. Wir genießen draußen die Straußensteaks mit Couscous und Salat und einem Rotwein aus der Weinregion La Conca de Barberà in Spanien, die wir im März besucht haben. Es ist so schön, einen Abend mit Würfeln im Trockenen draußen zu verbringen.

Die Bloggerin steht in der Abendsonne am Steg des Neuwarper Sees
Zwar ist es kühl, doch ich genieße die Abendsonne am Neuwarper See
Die Sonne wird bald hinter den Wolken verschwinden, rechts ist der See
Eine wunderbare Abendstimmung

Morgens lacht die Sonne, so stelle ich mir Sommertage vor. Im Nachbarmobil wird ein kleiner Junge geweckt und nach draußen an den Frühstückstisch getragen. Lautes Gejammer begleitet die Aktion. Der Vater klärt uns auf, dass der Sohnemann noch ein wenig Sonne genießen soll, denn die soll nur bis 10 Uhr scheinen, danach wird es wohl zwei Tage regnen.

Die Bloggerin frühstückt in der Sonne
Wir frühstücken noch in der Sonne, bevor für drei Tage Dauerregen einsetzt

Das er recht behalten wird, merken wir, nachdem wir startklar sind und die ersten Tropfen einsetzen. Erst nur wenige und wir machen im Örtchen Rieth eine Rundfahrt. Am Naturhafen ist sogar ein Wohnmobilstellplatz und ein Hafencamping.

Am Naturhafen von Rieth ist eine weitere Campingmöglichkeit
Paddler, Fahrradtouristen und Camper können den Platz am Naturhafen nutzen
Am Naturhafen in Rieth ist ein Haus mit öffentlichen Toiletten
Öffentliche Toiletten am Naturhafen in Rieth
Ein Wohnmobilstellplatz für 4 Mobile mit Stromanschluss
Sogar ein Wohnmobilstellplatz für 4 Mobile mit Stromanschluss gibt es in Rieth

Sogar ein Schloss wurde in Rieth erbaut. Überhaupt ist Pommern ein sehr schlossreicher Landstrich gewesen. Oder sollte man sagen, dass jeder kleine Herrscher seine Behausung früher „Schloss“ nannte. Und die Behausung eines Herrschers unterschied sich allein durch seine Größe von der Behausung der Bevölkerung. Aber ein Schloss bot auch immer Unterkunft und Arbeitsplätze für Viele und musste von daher schon größer sein. Und zum Glück gab es auch immer Herrscher, die auf äußere Schönheit ihrer Schlösser Wert gelegt haben und Nachfahren, die diese Schönheit erhalten. So haben wir heutigen Reisenden und Besucher immer wieder historische Zeugnisse früherer Baukunst, die wir bestaunen können. Wir passieren das Café in Rieth und einige Angebote für Ferienwohnungen und Pensionszimmer. Wer fernab von Hektik, in absoluter Stille, Urlaub machen möchte, ist in Rieth sehr gut aufgehoben.

Das Café in Rieth hat Mittwoch bis Sonntag geöffnet
Das Café in Rieth hat Mittwoch bis Sonntag geöffnet

Wir fahren Richtung Löcknitz um in einem Supermarkt noch unser Pfandflaschen zurückzugeben. Dann wollen wir weiter nach Polen und in die Baltischen Staaten. Stettin ist unser heutiges Ziel. Ein Schild in Rothenklempenow lässt uns bremsen und nach rechts auf einen Parkplatz abbiegen.

Höfegemeinschaft Pommern

Beim Aussteigen sticht mir als erstes ein Schild ins Auge mit der Aufschrift „Weltacker“. Das Gelände dahinter sieht etwas verwahrlost aus, aber es steht schon auf dem Bearbeitungsplan für nächste Woche, bekommen wir im Shop mitgeteilt.

Ein Hinweisschild zu einem Weltacker. Dieser Acker ist bei der Höfegemeinschaft angelegt
Für mich war dieses Schild ein „Aha“-Erlebnis

Die Höfegemeinschaft Pommern besteht aus drei Betrieben. Der ehemaligen LPG Rothenklempenow und den Höfen Landgut Seegrund und Haffwiesenhof. Das Tierwohl steht bei der Höfegemeinschaft im Vordergrund. Im Flyer der Höfegemeinschaft wird der Betriebsleiter Tobias Keye wie folgt zitiert: „Unser Ziel war und ist eine vielseitige ökologische Landwirtschaft. Dabei binden wir die Menschen der Region ein und verstehen Tier und Natur als Teil einer ausgewogenen Kulturlandschaft.“ Im Hofladen, als Biokiste und Deutschlandweit werden die Produkte vertrieben. Wir kaufen im eigentlich geschlossenen Laden ein, aber da heute Biokisten gepackt und ausgefahren werden, können wir die Gelegenheit nutzen. Brot, Eier und Roastbeef gehen über den Ladentisch. „Unsere Kühe stehen über den Sommer auf dem Riether Werder, einer kleinen Insel. Sie werden mit der Fähre hinübergefahren und haben dort totale Freiheit. Wir schlachten nur Färsen, die dick und glücklich von der Insel zurückkommen“, erklärt uns der Herr, der uns bedient. Gestern Straußenfleisch, heute Rindfleisch aus ökologischem Landbau. Wir sind froh, dass wir es tiefgefroren kaufen und in unser kleines Eisfach geben können. Alle paar Tage mal Fleisch, am besten aus solchen Einkäufen, das finde ich vertretbar. Toll, das Schild entdeckt zu haben, so ganz am „Ende“ von Deutschland, in einer wunderschönen und ruhigen Gegend.

Das Eingangsschild zum Shop der Höfegemeinschaft Pommern
Das Schild verlockte uns zum Anhalten und zum Einkaufen von fair produzierten, regionalen Lebensmitteln

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Kleine Wanderung zum Kreuzberg (Rhön)

Kleine Wanderung zum Kreuzberg (Rhön)

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die Rhön liegt nicht unmittelbar an der Ostsee, aber auf dem Weg dorthin. So starten wir unsere große Sommerreise bis ins Baltikum mit ein paar Tagen Wandern in diesem Drei-Länder-Mittelgebirge. Der Kreuzberg ist unser erstes Ziel, denn dort lockt das leckere Bier der Klosterbrauerei.

Kindheitserinnerungen

Ich war in meiner Kindheit mit meinen Eltern, Bruder und Schwester öfters in der Rhön. Immer für drei Wochen in einer Ferienwohnung auf dem Bauernhof, was ja schon an sich die Attraktion war. Abwechselnd wurde einen Tag gewandert, den anderen Tag waren wir im Schwimmbad oder machten Entdeckungen in den Rhönstädtchen. Besuche bei Verwandten standen ebenfalls auf dem Programm, denn mein Papa ist in der Rhön aufgewachsen. Es waren immer wunderschöne Ferien. Das Wandern war bei uns Kindern nicht immer beliebt, aber die Landschaft, die Tiererlebnisse und das Pflücken und Essen von Heidelbeeren und Himbeeren haben es immer rausgerissen. Sowieso auch das Klettern in den Hainbuchen und auf den Felsen zum Beispiel des Wachtküppels. Als meine Eltern Enkelkinder hatten, haben wir uns mit allen Kindern und Enkeln einige Male in Wildflecken große Ferienhäuser gemietet und dort vier Tage gemeinsam über Fronleichnam verbracht. Und dazu gehörte einfach immer die Wanderung hinauf zum Kreuzberg. Die Enkel hatten mit den Großeltern, den eigenen Eltern, Onkels und Tanten auf dem Heimweg viel Spaß, denn das Klosterbier ist ja nicht alkoholfrei. Diese Erinnerungen möchte ich heute auffrischen und Bernhard daran teilhaben lassen.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Vom Wohnmobilstellplatz Gasthof Roth zum Kreuzberg

Wir haben Hunger, als wir um halb zwei Uhr am Wohnmobilstellplatz des Gasthofes Roth am Kreuzberg ankommen. Leider ist Donnerstags Ruhetag im Gasthof und wir benötigen eine Alternative. So stellen wir das Wohnmobil nur auf die Keile, machen das Gas an für den Kühlschrank, füllen die Anmeldung am Gasthof am Wohnmobilisten-Briefkasten aus und machen uns auf den Weg.

Der Wohnmobilstellplatz beim Gasthaus Roth ist einfach eine Wiese
Die Wiese ist der Wohnmobilstellplatz beim Gasthaus Roth unterm Kreuzberg

Ich weiß, dass ganz in der Nähe die Haflinger Alm ist, die wir als Kinder – schon wegen der Haflinger-Pferde, die dort auf der Weide standen – geliebt haben. Wir marschieren, dem Schild „Gemünderner Hütte“ folgend den steilen Fahrweg hinauf und passieren den Parkplatz für die PKW. Denken wir. Weit gefehlt. Die Bequemwanderer fahren natürlich bis zur Hütte und stauben uns auf der Schotterpiste mächtig ein. Bald schon haben wir einen ersten Blick zum Funkmast des Kreuzbergs.

Über einer bunte Blumenwiese ist der Funkmast des Kreuzbergs und die Skipiste zu erkennen
Der Funkmast des Kreuzbergs und der Schlepplift der Skipiste

Mit schönen Aussichten steigen wir weiter. Aber leider ist die Haflingeralm geschlossen und mit einem Schild Privatgrundstück versehen. Trotzdem gehe ich (verbotenerweise) bis auf die Terrasse und mache ein Foto. Der Heidelstein war, ebenso wie der Kreuzberg, jedes Mal auf der Wanderliste während der Familienferien. Und am Heidelstein gab es immer Heidelbeeren satt!

Von der Terrasse des Haflingershaus blickt man zum Heidelstein
Der Heidelstein ist links zu sehen, der Berg mit dem Funkmast, im Tal Bischofsheim

Das mit dem satt wäre jetzt was. Aber bisher grummelt der Magen noch. Und noch vertrauen wir dem Schild, das unten an der Straße stand: „Gemündener Hütte – geöffnet“ und marschieren weiter. Zur Mittagszeit ist hier viel Fahrzeugverkehr, und kein paralleler Wanderweg, etwas vom Fahrweg entfernt. Nach rechts geht ein Abzweig zum Kreuzberggipfel, der uns jetzt aber nicht lockt. Es ist zur Gemündener Hütte auch nur noch 300 m. Und schon kommt sie in Sicht und aufgespannte Sonnenschirme und Menschen auf der Terrasse lassen uns wissen, dass sie geöffnet ist.

Ein Wanderer geht den Fahrweg zur Gemündener Hütte hinauf
Auf dem stark befahrenen Fahrweg gehend, kommen wir an der Gemündener Hütte an

Vor dem Eingang stehen wir in der Coronaschlange. Erst hier fällt uns auf, dass wir in Bayern sind, hier also wieder andere Corona-Vorschriften gelten als in Hessen, das wir durchquert haben und Rheinland-Pfalz, wo wir herkommen.  Ich vertreibe mir die Wartezeit und fotografiere eine Besonderheit.

Eine aus massivem Holz gefertigte, einem Strandkorb nachempfundene, Sitzgelegenheit
Der Rhönkorb erinnert mich an eine Sitzgelegenheit, an welche wohl? Radfahrer sind echt geschafft, wenn sie die Gemündener Hütte erreichen

Die Anmeldung und Tischverteilung ist sehr gut organisiert. Name und Telefonnummer werden von der Angestellten notiert und wir bekommen den Tisch mit einem Tischplan zugewiesen. Dieser Plan hat auf der Rückseite die Speisekarte. Zusätzlich erhalten wir einen kleinen Papierabschnitt, den wir beim Weggang abgeben sollen, damit die Dauer des Aufenthalts genau notiert werden kann. Wir gehen durch den vorgeschriebenen Eingang und studieren beim Warten den Speiseplan. Bernhard geht weiter zur Theke zur Bestellung und ich durch den Raum zu unserem Tisch auf die Terrasse. Mit unseren Getränken und einem Brummgerät kommt Bernhard an den Tisch und wir genießen die Sonne und die Aussicht über die Ostrhön. Nach kurzer Wartezeit brummt das Gerät und wir können unser Essen an der Theke abholen. Bernhard hatte sich für ein Rhön-Schnitzel entschieden, ich für eine Erbsensuppe. Eine Gruppe Wanderreiten hat mit den Pferden ebenfalls an dieser Hütte zur Mittagsrast Halt gemacht. Während die Reiterinnen und Reiter essen, stehen die Pferde im Wald im Schatten und dösen ein wenig vor sich hin. Nach dem Essen geben wir unser Zettelchen ab und wandern Richtung Kreuzberggipfel. Eine Rastbank steht gleich am Weganfang, hat eine schöne Aussage und am „Tisch“ davor eine Schnitzarbeit mit dem Kloster.

Vor dem Gemündener Haus steht eine Rastbank mit dem Spruch „Die Rhön – einfach erhebend“. Ein Holzklotz davor hat als Schnitzmotiv das Kloster Kreuzberg
Der Spruch der Bank ist einfach nur richtig!

Gleich oberhalb hat sich ein Musiker auf einer Bank niedergelassen. Da muss ich mich doch gleich dazu setzen.

Auf einer Bank sitzt eine geschnitzte Figur mit einer Ziehharmonika und die Bloggerin daneben
Wo Musik ist, da lass Dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder … Diesem Liedanfang habe ich mal vertraut…

Über eine Wiese, biegen nach rechts ab, wo der Weg von der Fahrstraße auf unseren trifft. Weiter wandern wir durch einen schönen Buchenwald wir zum Hochplateau. Die Preiselbeerbüsche haben anscheinend zur Unzeit geblüht, denn es hängen nur wenige kleine Beeren dran. Der riesige Funkmast taucht über uns auf, der mit starken Betonankern fixiert ist. Das kleinere Gipfelkreuz auf 928 m fällt daneben fast nicht auf.

Ein Funkmast und ein Gipfelkreuz stehen auf dem Gipfel des Kreuzbergs
Irgendwie schräg, die Perspektive mit Funkmast und Gipfelkreuz auf dem Kreuzberg

Wir folgen dem Wegweiser nach rechts zum Kloster. Kurz danach kommen die drei Kreuze, das Wahrzeichen des Kreuzbergs, in Sicht. Die Liegestühle, die wir zuerst passieren, interessieren uns an unserem ersten Reisetag aber mehr. Die gute Luft, die Fahrt und das Mittagessen fordern Tribut.

Zwei hölzerne Liegestühle stehen vor den drei Kreuzen des Kreuzbergs
Die Liegestühle haben wir für ein Schläfchen okkupiert. Im Hintergrund die drei Kreuze von Golgota oberhalb des Klosters Kreuzberg, über eine lange Treppe mit Kreuzweg vom Kloster zu erreichen

Eine dicke schwarze Wolke verdeckt die Sonne und es wird empfindlich kalt, davon werden wir wach. Beim Weitergehen entdecke ich die Wasserkuppe, die mit 950 m Höhe nicht nur der höchste Berg der Rhön, sondern auch Hessens ist. In meiner Kindheit waren noch mehr Kuppeln darauf. Aber der eiserne Vorhang ist ja Gott sei Dank gefallen, die militärische Nutzung der Wasserkuppe vorbei und die Überwachung „des Ostens“ nicht mehr notwendig.

Die Wasserkuppe, der höchste Berg der Rhön ist im Hintergrund hinter anderen Berggipfeln
Die Wasserkuppe, der höchste Berg der Rhön, ist hinten in der Mitte noch zu erkennen

Unterhalb der drei Kreuze ist eine Aussichtstafel angebracht, die die Gipfel der Aussicht erklärt. Im Hintergrund ist sogar schemenhaft der Vogelsberg zu erkennen.

Auf einer Tafel wird die Aussicht erklärt
Die Tafel erklärt die Gipfel der zu genießenden Aussicht

Die Treppe führt uns an den Stationen des Kreuzweges vorbei und an einer tollen Lupinenwiese. Ich liebe diese Blumen. Jede einzelne Blüte an den Dolden ist so wunderbar geformt.

Eine Lupinenwiese
Ich liebe Lupinen – sie sind so wunderschön!

Eine besonders dicke Pusteblume fasziniert mich ebenfalls. Leider weiß ich nicht, wie die Blüte ausgesehen haben könnte. Die Schirmchen sind so exakt geformt, die Härchen so filigran…

Eine schöne Pusteblume
Diese Pusteblume ist kein Löwenzahn!

So, nun aber losreißen von den Pflanzen. Eine andere Pflanzenspezialität wartet im Kloster. Gersten-Hopfensaft, auch bekannt als Bier. Im Kloster Kreuzberg wird schon seit 1731 Bier gebraut, da wurde den Mönchen die Braurechte verliehen und es ist sooo lecker und süffig. Auch hier wird der Corona-Einlass zur Gaststätte ähnlich geregelt wie in der Gemündener Hütte.

Das Eingangstor ist mit dem Schriftzug Kloster Kreuzberg versehen
… das Klosterbier ruft….

Ich hole uns zwei Halbe mit Klosterbier. Leider sitzen wir mit unserem Tisch im Schatten. Aber  Coronabedingt können wir den Platz nicht wechseln, da die Tischnummern ja notiert worden sind. An uns vorbei werden Haxen, Schweinsbraten und Obazda getragen – aber wir sind leider satt. Eventuell kommen wir morgen nochmal her? Vom Stellplatz aus sind es nur ein knapper Kilometer bis zum Kloster.

Der Grundstein zum Franziskanerkloster wurde 1681 gelegt. Die Barockkirche ist sehr sehenswert. Der Kreuzberg kam zu seinem Namen, als 1681 ein Stadthauptmann aus Bischofsheim dem Kloster einen Holzspan vom Kreuz Chrisi von einer Pilgerreise mitbrachte und diesen als Reliquie der Klosterkirche zur Verfügung stellte. Zuvor hieß der Berg Eschenberg und noch früher, bei den Germanen, Asenberg

Wir wandern auf dem Wanderweg „Roter Tropfen“ den Berg hinunter. Wieder durch einen schönen Buchenwald, später auch durch Fichtenwald. Diese sind allerdings noch grün. Unterwegs auf unserer Fahrt hierher haben wir viele „rostige“ Fichtenwälder gesehen, die durch Trockenheit und Borkenkäfer abgestorben sind. Ob die Hochrhön um genau die wenigen Grade kühler ist, dass die Fichten überleben? Nach einer Wiese kommen wir nochmal in ein Wäldchen, in dem eine Hainbuche steht.

Eine verzweigte Hainbuche
Ein Kletterbaum meiner Kindheit – eine Hainbuche

Direkt nach dem Wäldchen sehen wir rechts oberhalb von uns den Berggasthof Roth. Kurz danach auch einen Trampelpfad durch die Wiese rechts hinauf zum Stellplatz. Noch lange sitze ich draußen mit meinem Laptop, schreibe und genieße den Blick über die wunderschönen Kuppen der Rhön. Ein schöner Sonnenuntergang rundet unseren ersten Reisetag ab.

Die Sonne geht über einem Rhöngipfel unter
Ein schöner Tag geht mit einem fantastischen Sonnenuntergang geht am Stellplatz über dem Arnsberg (?) zu Ende

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Weinregion La Conca de Barberà

Weinregion La Conca de Barberà

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Peitschender Regen und starke Windböen halten uns von unserer geplanten Wanderung im Naturpark Poblet ab. Aber wir haben ja noch die Weinregion Barberà vor der Wohnmobiltür. So wollen wir unseren regionalen Einkauf tätigen und machen uns auf Entdeckungsreise zu den Winzern.

Naturpark Poblet

Nach meiner gestrigen kurzen Wanderung hier im Naturpark Poblet zur Ruine des Torre del Moro freue ich mich heute auf die Geologische Wanderung Itinerario. Als ich meinen Blog vor dem Frühstück auffrische, erscheint der Himmel im Dämmerlicht wolkenlos. Aber schon kurz danach fallen die ersten Tropfen und kurz darauf wird es richtig ungemütlich. Regen peitscht gegen die Scheiben, das Wohnmobil wackelt in den starken Böen, Blätter sausen draußen vorbei. Upps, im Bad ist das Dachfenster offen – und der Boden nass. Na, macht nix, wische ich nach dem Duschen eh trocken.

Bernhard schaut auf den Wetterbericht. Heute soll es weiter regnen und Windböen über 100 km/h geben. Nein, bei dem Wetter möchte ich weder durch den Wald wandern noch über die ausgesetzten Gipfel marschieren. Also Plan B. Unser Weinvorrat ist zur Neige gegangen und wir wollen in der Umgebung die Winzer, Genossenschaften und Weine entdecken. Auf der CMT im Januar hatten wir am Spanienstand eine „Mapa turistic“ der Costa Daurada mitgenommen. Darin sind Weingüter mit Verkauf eingezeichnet. La Conca de Barberà

Wir befinden uns in der Weinregion La Conca de Barberà. In Vimbodi, nur einige Kilometer von unserem Stellplatz im Naturpark entfernt, soll es einen Weinverkauf geben. So folgen wir der TV 7003 und entdecken das Castell de Riudabella. Das hat leider nur nach Voranmeldung offen, ist dann aber auch ein Restaurant.

Ein hohes Haus seht hinter Olivenbäumen
Castell de Riudabella und die Olivenbäume trotzen dem Sturm und den Besuchern
Gemauerten Weintrauben sind am Eingangstor des Castell de Riudabella
Der Eingang zum Castell ist mit diesen Weintrauben geschmückt

Wir folgen der Straße weiter und parken in Vimbodi am Ortseingang.

Vimbodi

Eine Karte am Parkplatz erklärt die Sehenswürdigkeiten des Örtchens. Wir stellen recht schnell fest, dass es keinen Weinverkauf gibt. Wir spazieren ein wenig herum und entdecken die schmalste Straße der Region. So erklärt es zumindest das nebenbei stehende Schild. Sie wird die Straße der Umarmungen genannt. Denn zwei Menschen können sich in dieser Straße nicht passieren, ohne einander zu umarmen.

Die Bloggerin geht durch eine schmale Gasse
Das ist die schmalste Gasse der Region – und nach oben wird sie immer schmäler

Auf dem Rückweg zum Parkplatz entdecke ich noch einen jahrhundertealten Torbogen. Auf die alte Bausubstanz ist erst vor kurzem ein neues Haus gebaut worden.

Auf einen alten Torbogen wurde ein neues Haus gebaut
Der alte Torbogen mit einer Holz- und Steinkonstruktion ist für den Neubau als statisch sicher erachtet worden

Auf der Weiterfahrt biegen wir auf die TV 7002 Richtung Poblet ab und werden am Flussbett an einer Baustelle umgeleitet. Am 20. Januar 2020 waren in Spanien starke Unwetter mit Überschwemmungen. Diese müssen hier gewütet haben. Das Flüsschen, das sehen wir an den Schäden in weiteren Orten, wurde wohl ein reißender Strom.

Eine Umleitung auf einer Straße, die alte Straße ist von einem Unwetter zerstört
Wieder fahren wir über eine Behelfsstraße. Die Brücke ist vom Unwetter zerstört worden

Wir sind nun wieder am Kloster in Poblet. Das haben wir gestern nicht besucht, weil uns die Dame in der Tourist-Info in Montblanc mitteilte, dass am Sonntag alles geschlossen hat. Wir lernen: nicht auf Informationen vertrauern, sondern selbst ausprobieren.

Monastir de Poblet – Kloster Poblet

Vor dem ersten Tor des Monastir de Poblet ist ein kleiner Wein- und regionale Spezialitäten-Laden, Fet a la Conca. Er ist geöffnet und wir lassen uns beraten. Die typische Rotweintraube ist die Rebe Trebat. Wir kaufen zwei Flaschen und noch Chardonnay und Muskateller. Einer der Weine ist in der Tonamphore gereift. Ein Wein von 2014 ist im Sonderangebot, den wollen wir heute Abend gleich kosten.

Links ein Tor und rechts davon ein Geschäft
Hier werden wir fündig, das Lädchen Fet a la Conca hat geöffnet und bietet regionale Spezialitäten

Durch das Tor hindurch ist gleich links eine großzügige Toilettenanlage und rechts eine Tourist-Info und ein Verkaufsladen mit weiteren regionalen Produkten. Ich durchstöbere die Prospekte und finde einige in Englisch und sogar einen Prospekt auf Deutsch. Eine spanische Faltkarte beschreibt „La Ruta del Trepat“ der Weinregion La Conca. Darin lesen wir, dass alle Weinverkostungen der Kooperativen und Winzer am Sonntag geöffnet haben! Am Montag aber geschlossen! Und nun? Bernhard möchte unbedingt in den Ort Barberà de la Conca fahren und hofft, dass der Plan ein Fehldruck ist. Das Kloster Poblet interessiert uns heute nicht, wir spazieren nur über den Hof, um ein Foto zu machen und entdecken die offene Tür des Weinkellers.

Links eine Glastür, die zur Tourist-Info führt, rechts hinten ein Klostereingang
Rechts geht’s in die Information und weiter hinten ins Kloster Poblet
Links ist das I der Tourist-Info im Hintergrund Regale mit Waren. Der Raum ist von gemauerten Bögen unterteilt
Heute ist die Tourist-Info nicht besetzt, aber wir können uns mit Prospektmaterial eindecken
Die gemauerten Bögen durchziehen den Verkaufsraum, in dem Keramik, Bücher und Wein angeboten werden
Der Verkaufsraum, in dem Keramik, Bücher und Wein angeboten werden ist geschmackvoll eingerichtet
Das Kloster Monastir de Poblet ist ein großer Gebäudekomplex
Eine riesige Anlage, leider heute nicht zugänglich, das Monastir de Poblet
Durch eine offene Tür sind Weinfässer zu sehen
Durch die offene Tür können wir einen Blick in den Weinkeller erhaschen

Espluga de Francoli

Wir folgen der T 700 und fahren nach Espluga de Francoli. Dort wenden wir uns Richtung Tarragona. Vor der Winzergenossenschaft parken Autos und ein Mann kommt mit einer Weinkiste heraus. Na, das sieht doch gut aus! Wir parken und schauen uns im Verkaufsraum um. Bernhard entdeckt die Weine und ich suche andere regionale Erzeugnisse aus. Reis aus dem Ebrodelta, Kräutertee aus den umliegenden Bergen und Nüsse aus der Umgebung. Wie gut, dass der Plan nicht recht hat.

Das Gebäude der Espluga de Francoli
Nicht nur Winzergenossenschaft und Weinverkauf, sondern auch Museum. Das hat leider nur in der Saison geöffnet
In einen gemauerten Torbogen sind Regalbretter für Weine eingefügt
Der Verkaufsraum ist geschmackvoll eingerichtet
Der Verkaufsraum der Winzergenossenschaft in L’Espluga de Francoli mit Regalen und Tischen
Bernhard schaut sich die Weinauswahl an

Wir fahren auf die N 240 und biegen bei der Ausfahrt der C 14 ab Richtung Barberà. Direkt beim Kreisel ist eine Firma mit einem Outletverkauf. Mir kommt der Brand bekannt vor und so halten wir auf dem Parkplatz.

An einem Fabrikgebäude wird der Warenverkauf angepriesen
Wir halten, denn mir kommt der Brand bekannt vor – ich tippe auf Olivenöl – und tippe völlig daneben!
Im Verkaufsraum wird die Ware, Gebäck und Öle, präsentiert
Falsch gedacht – Gebäck wird von Rifacli hergestellt. Da lassen wir uns nicht bitten

Barberà de la Conca

Von der C 14 fahren wir auf die C 241d und kurz danach auf die T 242 nach Barberà de la Conca. Dort soll es zwei Winzergenossenschaften oder Verkaufsstellen geben. Bei der auf der Hauptstraße halten wir an. Aus dem Obergeschoss teilt uns ein Mann mit, dass die Genossenschaften montags geschlossen sind, aber wir auf dem Parkplatz stehen bleiben können. Wir wollen den Ort erkunden und, da es Mittagszeit ist, im örtlichen Lokal essen. Direkt gegenüber der Winzergenossenschaft geht es eine Treppe hinauf und links in den Ort. An einem der ersten Häuser hängt ein altertümliches Leuchtschild mit Estrella Werbung und dem Schriftzug Bar Cooperativa. Bernhard ist bereits am Gebäude vorbei, dass recht ungepflegt und nicht sehr einladend aussieht. Ich rufe ihn zurück, wir gehen durch die Eingangstür an einigem Gerümpel – oder Flohmarktartikeln vorbei – und kehren ein. Wir haben beide ein Déjà-vu denn wir tauchen in einen Gastraum unserer Kindheit ein. Ein großer Saal bildet den Gastraum. Die Theke links, davor gusseiserne Barhocker, die Thekenfront mit spanischen Fließen gekachelt. Links der Theke ein Süßwarenregal. Der Gastraum hat gusseiserne Tischgestellen mit Marmorplatten, ein elektrisches Dartgerät und einen Flipper und den ewig lärmenden Fernseher. (Das gehört nicht zur Erinnerung). Rechts trennt ein Vorhang den Saal ab. Hinter dem Vorhang befindet sich ein Nahversorgerladen. Im Gastraum sitzen an einem Tisch drei Frauen, an einem anderen drei Männer. Ich bin von der Atmosphäre begeistert. Ein Treffpunkt im Ort, in dem die Menschen soziale Kontakte haben, den täglichen Einkaufsbedarf decken und Mittagessen können.

Das Gebäude der Bar der Cooperativa sieht nicht sehr einladend aus
Bernhard war bereits am Eingang vorbei. Ich wollte herausfinden, was es mit der Bar auf sich hat
Die Theke in der Bar der Cooperativa mit Barhockern, davor gusseiserne Tische und Holzstühle
Die Theke ist Vorne mit einem schönen Muster gefliest und mit Barhockern versehen
Der Gastraum ist mit gusseisernen Tischen mit Marmorplatten eingerichtet, einige Leute sitzen an den Tischen
Die Menschen aus dem Ort nutzen die Bar als Treffpunkt
In Regalen sind Waren des täglichen Bedarfs eingeräum
Hinter einem Vorhang ist der „Tante-Emma-Laden“ des Dorfes eingerichtet

Das Tagesmenü kostet 11 € und hat jeweils zwei Gerichte als Auswahl. Wir genießen unser Essen im Flair des Gastraums und beobachten das Geschehen. Leute kommen zum Einkaufen, ein Händler, um die Bestellung für Waren aufzunehmen, Arbeiter zum Mittagessen und Kinder, die ihr Taschengeld in Süßigkeiten im Nahversorgerladen anlegen. Bevor die Gäste gehen, kaufen sie ebenfalls noch im Lädchen ein, die Wirtin ist dort auch die Verkäuferin. Nachfolgend die Bilder unseres Menüs – ungewöhnlich, aber lecker.

Ein Risotto und ein Salat mit Bacalhau stehen auf dem Tisch als Vorspeise
Unsere Vorspeisen nach den Oliven und Brot sind ein Risotto und ein Salat mit Bacalhau
Die Hauptspeisen sind eine Wurst mit weißen Bohnen und ein Entrecote mit Kartoffeln
Die Hauptspeisen sind eine Wurst mit weißen Bohnen und ein Entrecote mit Kartoffeln
Die Nachspeisen, eine Eiscreme und ein Flan
Die Nachspeisen, eine Eiscreme und ein Flan

Gesättigt setzten wir unsere Besichtigungstour des Städtchens fort.

Über einige Stadthäuser schweift der Blick zur Kirche
Der Blick geht von der Tür der Bar der Cooperativa zur Kirche St. Maria
Eine hölzerne Haustür mit Schnitzereien
Eine wunderschön gearbeitete Haustür
Ein Haus aus Bruchsteinen ist das Castello. Eine breite Treppe führt hinauf
Leider ist das Castello geschlossen
Eine Kirche mit Schäden an Putz und Mauerwerk
Die Kirche hat Schäden am Putz und Mauerwerk
Der Eingang zur Kirche ist mit Steinmetzarbeiten reich verziert
Der Kircheneingang ist mit Steinmetzarbeiten sehr schön und aufwendig gestaltet
In einem Gebäude mit einem Turm ist die Weingenossenschaft
Im vorderen Gebäude ist die Bar der Cooperative, im hinteren Gebäude die heute leider geschlossene Winzergenossenschaft

Auf dem Weg zurück zum Naturpark Poblet probieren wir unser Weinglück noch bei der Cooperative von Montblanc.

Das Gebäude der Winzergenossenschaft von Montblanc
Wir parken direkt vor dem Eingang von Clos Montblanc, leider ist auch diese Türe zu, öffnet sich aber nach unserem mutigen Klingeln

Wir wollen nun hoch zum Forsthaus im Naturpark fahren, denn die Sonne scheint und wir wollen noch eine kleine Runde wandern.

Casa Forestal de Castellfolit – Forsthaus von Castellfolit

Wir fahren die geteerte Forststraße hinauf und parken unser Wohnmobil unter hohen Bäumen für die Nacht.
GPS
N 41.33775° E 1.05590° oder
41°20’15.9“N 1°03’21.2“E

Ein gemauertes Haus steht auf einem ebenen Platz im Wald. Das Wohnmobil der Bloggerin steht links daneben. Im Vordergrund das Schild mit dem Namen Casa Forestal de Castellfolit
Wir stehen auch hier am Forsthaus gut – leider ohne jegliches „Netz“

Wohnmobilisten bringen den Übernachtungsbetrieben keine Umsätze, aber den regionalen Produzenten und Bewirtungsbetrieben. So haben wir das heute auch wieder praktiziert. Bevor wir die Einkäufe verstauen, möchte ich Dich an unserem Einkauf teilhaben lassen.

Auf einem Tisch stehen Weinflaschen, Gebäckverpackungen und eine Reispackung
Das sind unsere heutigen regionalen Einkäufe, wobei ich den Tee vergessen habe und wir manche doppelte Weinflaschen im Wohnmobilkeller lagern. Die Weinetiketten sind zum Teil sehr interessant gestaltet

Nationalpark Poblet – Wanderweg 9

Der Wanderweg 9 nennt sich auch „Therapeutischer Waldspaziergang“. Er startet am Forsthaus. Der Spaziergang wird uns gut tun, obwohl wir keinen Therapiebedarf spüren. Aber wir haben Bewegungsdrang.

Die Wanderung habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet.
Ich lasse für Dich die Bilder sprechen:

Ein Schild zeigt nicht nur die Karte der Wanderung, sondern gibt auch Erklärungen auf Spanisch
So schön sind alle Wanderungen in der Region erklärt. Hinweistafel am Anfang der Wanderung „Therapeutische Waldwanderung“
Ein Wanderer sitzt auf einer Rastbank im Wald
Eine der schönen Rastbänke auf dem wunderschönen Wanderweg
Zwischen unbelaubten Bäumen ist eine Steinbrücke zu erkennen
Über die Steinbrücke werden wir gleich wandern
Ein Miniaturwasserfall leitet den Bach über ein felsiges Bachbett weiter
Ein kleiner Wasserfall und wunderschön klares Wasser im felsigen Bachbett
Sonnenstrahlen brechen durch den Wald, in dem ein Wanderweg verläuft
Schmal, mit Steinen durchzogen verläuft der Wanderweg auf dieser beschaulichen Runde
Ein umgestürzter Baum hat die Brücke, die der Wanderer quert, verschont
Der Baum ist so umgefallen, dass er weder Brücke noch Wanderweg zerstört hat
Eine Wanderin geht über eine hölzerne Brücke
Ich gehe über die Brücke beim umgestürzten Baum
Eine Kiefer ist von Efeu eng umschlungen
Der Efeu hat die Kiefer fest umschlungen
Ein Spielplatz vor einem Haus im Wald
Ein Spielplatz mit Quelle beim Forsthaus. Der Picknickplatz ist unterhalb des Parkplatzes

Wir genießen diesen Spaziergang im Wald. Der Frühlingsduft ist noch nicht sehr ausgeprägt, steigt uns an manchen Stellen zaghaft in die Nase. Therapeutischer Waldspaziergang heißt diese Runde. Unterwegs frage ich mich einige Male, ob ein Waldspaziergang nicht immer eine Therapie ist? Frische Luft, von Sauerstoff gefüllt. Düfte, die ständig wechseln. Die unterschiedlichsten Grüntöne und viele bunte Farbtupfer. Eine Vielfalt an Formen, Mustern und Strukturen. Rauschen von Ästen, das säuseln des Windes in Büschen und Gräsern, ein plätschernder Bach, ein Knacken. Junge Bäume, die sich ihren Weg hoch zu den alten Wipfeln bahnen und majestätische Bäume, mit verwitterten Rinden, Narben am Stamm und ausladenden Ästen, die viele Jahrzehnte, manchmal sogar Jahrhunderte bereits an dieser Stelle stehen. Wer achtsam, mit offenen Sinnen für die Umgebung durch einen Wald spaziert, wird seiner Seele wohl immer etwas Gutes tun.

Anders in einer Gruppe, mit der man im Wald unterwegs ist. Da nimmt man diese verschiedenen Sinneseindrücke vielleicht nicht so wahr. Oder ein Aufmerksamer macht andere auf einzelne Sinneseindrücke aufmerksam. Außerdem ist für die Seele das Zusammensein in der Gruppe, der Austausch von Gedanken, Lachen und Gemeinsamkeit erleben die „Therapie“.

Während der Wanderung hat der Wind wieder zugenommen. Als wir am Forsthaus ankommen rauschen starke Böen in den Baumwipfeln. Unser Wohnmobil steht unter hohen, teils sehr alten Bäumen. Der Platz erscheint uns für unser Wohnmobil zu unsicher und wir fahren den Berg hinunter, zum unteren Stellplatz am Picknickplatz.

Área recreativa de la Roca de l’Abella
GPS
N 41.36307° E 1.06113° oder
41°21’47.1“ N 1°03’40.1“ E 

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Tarragona

Tarragona

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Ein sonniger Tag ist besonders gut für einen Stadtbesuch. Gerade Tarragona, mit direkter Meerlage und uraltem Flair, ist an einem warmen Frühlingstag ein Genuss. Viele römischen Ruinen und modernes Stadtleben sind homogen vereint. Leider nahmen wir das aufziehende Unwetter in den schmalen Gassen nicht wahr.

Wohnmobilparkplatz in Tarragona

Mit der Satelliteneinstellung der Navigation sah es ganz leicht aus, einen Parkplatz für unseren Tagesausflug mit Wohnmobil in Tarragona zu finden. Die Realität holt uns schnell ein und wir fahren durch enge Gassen bis zum Hafen. Beim Wenden sehen wir in der Ferne einige Wohnmobile stehen und steuern darauf zu. In der Passeig Marítim de Rafael de Casanova ist ein öffentlicher und kostenloser Parkplatz
GPS
41°06’50.9″N 1°15’59.8″E oder
N 41.114150, E 1.266600

Auf einem Platz stehen Autos und Wohnmobile
Wir haben einen stadtnahen Parkplatz gefunden
Buschwerk im Vordergrund, eine Bucht mit Strand im mittleren Bild. Links am Bildrand der Hafen von Tarragona, nach rechts zieht sich die Stadt hin
Unterhalb des Parkplatzes führt eine Straße mit Unterführung zur Stadt

Unseren kleinen Stadtrundgang habe ich für Dich in Komoot aufgezeichnet.

Wir laufen am Strand entlang, an einer überdachten, gesperrten Fußgängerbrücke vorbei. Auch hier, am Ende der Passeig Marítim de Rafael de Casanova wäre Platz für Wohnmobile.

Unter einer Brücke sind Autos geparkt
Unter dieser Brücke sind die Parkplätze für Wohnmobile hoch genug

Am Ende der Brücke laufen wir rechts die Straße hinauf, die unter der Bahnlinie hindurchführt und gehen zwischen Bahnlinie und Häusern mit schönem Blick auf das Mittelmeer weiter. Die Sonne scheint, es ist warm und wir haben die Jacken im Wohnmobil gelassen. Endlich Frühling, endlich Kurzarmshirts und Sonne auf der Haut. Unser Fußweg endet direkt vor dem Amphitheater und geht in die Treppe über, die zum Park des Amphitheaters führt.

Tarragona Amphitheater

Mit Spielgeräten, Spazierwegen und Grünanlagen lädt der Park zum Verweilen ein. Eine Infotafel klärt uns über die Anlage auf. Der Park bezieht sich in seiner Gestaltung auf die Anlage des Amphitheaters. Die Grünanlage ist in elliptische Zonen unterteilt, die sich wie konzentrische Wellen vom Theater entfernen.

Pflanzen, die in der Römerzeit wuchsen, finden sich in den Beeten wieder. Tafeln an den Beeten erklären, wie die Römer die Pflanzen nutzten. Zum Beispiel früchtetragende Bäume, duftende Pflanzen, Wein und kulinarische und gesundheitliche Kräuter. Andere Zonen erklären Religion und den Umgang mit Toten im Römischen Reich.

Im unteren Park ist der Zugang zum Amphitheater, das im 2. Jahrhundert erbaut wurde. Der Eintritt ist frei, die Tribüne und die Arena dürfen allerdings nicht betreten werden. Die Öffnungszeiten entnimm bitte der aktuellen Website Tarragonas. Hier kannst Du auch einen Audioführer über das Amphitheater anhören.

Das ovale Amphitheater liegt in unmittelbarer Meeresnähe. die steinernen Sitzreihen sind noch relativ gut erhalten
Den oberen Zuschauern bot sich nicht nur Sicht auf das Geschehen in der Arena, sondern auch ein fantastischer Blick aufs Meer

Das Oval misst 109,5 x 86,5 Meter und bot bis zu 14.000 Menschen Platz. In Amphitheatern fanden Gladiatoren- und Raubtierkämpfe und öffentliche Hinrichtungen statt. Bischof Fructuós und seine Diokonate Auguri und Eulogi wurden im Jahr 259 bei lebendigem Leib verbrannt.

Die Bühne des Amphitheaters ist nur noch schwer zu erkennen. Dahinter befindet sich ein weiter Fensterbogen, der den Blick aufs Meer freigibt
Die Bühne ist nur noch rudimentär zu erkennen

Bereits Anfang des 6. Jahrhunderts wurde auf einigen Grundmauern des Theaters eine christliche Kirche, eine westgotische Basilika, erbaut. Anfang des 12. Jahrhunderts, nach der Vertreibung der Mauren, wurde eine neue, romanische, Kirche auf den Grundmauern der alten Kirche errichtet. Sie ist 1154 erstmal als Kirche Santa Maria der Wunder urkundlich erwähnt.

Auf einem Teil des Amphitheaters stehen die Ruinen einer Kirche
Auch von der Kirche Heilige Maria der Wunder sind nur noch Ruinen übrig

Wir spazieren über die Kreuzung Richtung Stadt und ich frage mich, was sich in den hohen Mauern verbergen könnte? Schon gleich naht die Auflösung! Deutsche Schulklassen auf Studienreise stehen mit den ermahnenden Lehrern vor dem ehemaligen Zirkus. Wir schleichen uns vorbei und haben noch etwas Ruhe bei der Besichtigung.

Mediterrane Pflanzen stehen vor zwei Gebäudeteilen der ehemaligen Wagenrennbahn
Die beiden steinernen Gebäude sind Teile der ehemaligen römischen Wagenrennbahn

Im Jahr 70 unserer Zeitrechnung wollte der neue Kaiser Vespasian seine Macht in der spanischen Provinz demonstrieren. Die römische Stadt sollte die Anlage der üblichen römischen Städte bekommen. Große Plätze und Freizeiteinrichtungen, die zum römischen Leben dazu gehörten. Teile der Plätze und Verbindungstreppen werden heute noch genutzt. Der monumentalste römische Zirkus außerhalb Roms, in dem Wagen- und Pferderennen stattfanden, wurde auf zwei Terrassen erbaut. Oberirdisch ist vom Zirkus heute nicht mehr viel erhalten.

Der Gang, der als Sektor Oriental der ehemaligen römischen Wagenrennbahn erhalten geblieben ist
Dieser Gang ist beinahe 2000 Jahre alt – ehrfürchtig erforschen wir die ober- und unterirdische Anlage der Wagenrennbahn

Unterirdisch bekommen wir einen faszinierenden Eindruck von der monumentalen Anlage. Pferde- und Pferdewagenrennen benötigen einiges an Platz. Im sogenannten Provinzforum, mit einer Länge von 325 Metern und einer Breite von 115 Meter, fanden 30.000 Zuschauer Platz. Die Anlage war sehr praktisch durchdacht, um einen effizienten Ablauf der Rennen zu gewährleisten. Das fiel mir besonders bei den „Pferdeboxen“ auf. Die Bauzeit hat nur etwa 15 Jahre gedauert. Wie wieviel Sklaven hier ihr Leben ließen? Andererseits sind die noch intakten Gebäudeteile bereits 2000 Jahre alt, auf den unterirdischen Gängen lastet seit 2000 Jahren Gewicht und heute das Gewicht der modernen mehrstöckigen Häuser! Ich bewundere die konstruktive Bauweise und die Statik der Römer.

Hinter einem Türbogen ist eine Kammer, die bei den Römern als Pferdestall diente
Vom Gang weg gingen einzelne Pferdeställe. Von außen waren diese mit Heu zu versorgen, den Schacht kannst Du im Bild hinten erahnen
Der unterirdischer Gang, verläuft nach wie vor unter den Neubauten des heutigen Tarragona
Einer der unterirdischer Gänge der römischen Wagenrennbahn zieht sich 93 m weit unter die im 19. Jahrhundert erbauten Gebäude der heutigen, modernen Stadt

Bei den Wagenrennen traten zwei oder vier Pferderennwagen gegeneinander an. Das Spektakel war für die Besucher kostenlos und wurde von römischen Reichen gesponsort. Diese unterstützten auch die Rennmannschaften. Sehr viel anders als heute die Formel 1 war ein Wagenrennen damals vermutlich nicht organisiert. Es war ebenso laut, es stank auf andere Art und Weise, es war auch Feinstaub in der Luft und die Leute hatten ebenso wie heute riesigen Spaß, ihren favorisierten Teams zuzujubeln. Auch zum Zirkus kannst du auf der Tarragonaseite Informationen finden.

Vom höchsten Punkt der erhaltenen Zirkusgebäude geht der Blick über die Stadt bis zum Hafen. In den Ruinen des Zirkus sind neue Häuser erbaut
Die Ruinen sind heute Teil der Stadt, die neuen Häuser stehen auf den unterirdischen Gängen.
Vom höchsten Punkt der erhaltenen Zirkusgebäude geht der Blick über die Stadt bis zur Kathedrale, die auf dem höchsten Berg der Stadt liegt
Die Kathedrale liegt auf dem höchsten Hügel der Stadt

Wir biegen nach dem Zirkus das erste Gässchen rechts ab, gehen links und finden uns nach der nächsten Kreuzung in der Carrer Major, der Hauptstraße wieder. Gleich rechts ist die Tourist-Information, wie praktisch. Wir erhalten einen Stadtplan mit Informationen auf Deutsch. Der nette junge Mann kreist die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ein – davon haben wir schon zwei erkundet – und informiert uns sogar über Öffnungszeiten. Dass wir an unserm Tarragonatag ja nichts verpassen, gell!. Herzlichen Dank!

Die Hauptstraße führt direkt auf die Kathedrale hin
Die Tourist-Info ist in der Carrer Major, der Hauptstraße, die direkt zur Kathedrale führt

Wir spazieren auf den Platz „Plaça de Santiago Rossinyol“ von dem es in breiten Stufen zum Vorplatz der Kathedrale weitergeht. Einige der Altstadthäuser am Platz sind mit Arkaden versehen, was mich an Meran oder Salzburg erinnert.

Im Erdgeschoss von Steinhäusern befinden sich Arkaden, die früher Marktstände überdacht haben
Unterhalb der Treppe zur Kathedrale sind Altstadthäuser mit Arkaden versehen, unter denen früher Marktstände vor Regen geschützt wurden

Die Treppe hinauf ist gleich links ein wunderschönes Café, das Café Sha. Die Sonne scheint auf den Außenbereich, ein Geiger im Eingangsportal der Kathedrale spielt schöne Musik – der richtige Platz, um die Seele baumeln zu lassen.

Ein Café ist in einem Altstadthaus eingerichtet. Säulen tragen die überstehenden Obergeschosse. Die Außenbestuhlung ist von einigen Menschen besetzt.
Vor der Kathedralentreppe genießen wir die Sonne und einen Kaffee
Durch einen schmalen Gang, in dem zwei Stühle und ein Tischchen stehen, kann man in die Gaststube eintreten
Aber auch bei Regenwetter ließe es sich im Café Sha aushalten, so liebevoll, wie es gestaltet ist

Wir entschließen uns, die Kathedrale und das Klostergelände nur zu umrunden. Das liegt nur am endlich schönen Wetter und nicht am Eintritt, der erhoben wird. Das Eingangsportal ist sehr beeindruckend und ich entdecke noch eine wunderschöne Steinmetzarbeit neben der Pforte.

Das Eingangsportal der Kathedrale ist mit Heiligenfiguren geschmückt. Eine Rosette thront über dem Spitzbogen
Das Eingangsportal ist ungeheuer mächtig. Heiligenfiguren ziehen sich auf einer Balustrade von der Innenpforte um die Portalecke
Eine Steinmetzarbeit an der Kathedrale zeigt eine biblische Jesusszene
In der wundervollen Steinmetzarbeit rechts des Kathedraleneingangs sind biblische Jesusszenen festgehalten

Die Runde um Kathedrale und Kloster bringt uns zu den Resten der Stadtmauer, die heute in einige Häuser integriert ist. Eine Ecke entzückt mich sehr, weil sie so liebevoll harmonisch für diese Stelle gestaltet ist.

Eine kleiner Eckplatz mit Stadtmauer ist von den Bewohnern liebevoll gestaltet. ein kleiner Brunnen ist mit Motivfliesen verschönert, eine Amphore ist bepflanzt – der ganze Platz wirkt anheimelnd
Wer aufmerksam spaziert, kann sich an solchen wunderschönen Ecken erfreuen

Wenig später treten wir kurz aus der Stadtmauer, um das Portal Roser zu betrachten.

Links der von Römern errichteten Stadtmauer befindet sich ein Eingangstor
Auch das Eingangstor “Roser“ in die von Römern erbaute Stadtmauer ist mit einer Erklärungstafel versehen

Wir spazieren am Maqueta de Tàrraco vorbei und schauen kurz hinein. Im Maßstab 1:500 haben fleißige Hände die römische Stadt im 2. Jahrhundert nachgebaut. Auch das Aquädukt, mit dem die Stadt mit Wasser versorgt wurde. Mir fällt auf, dass die heutige Altstadt um die Kathedrale rund um die ehemalige römische Tempelanlage erbaut wurde. Bei den Römern war das ein eher freier Platz. Die alte römische Stadt wurde hingegen von den nachfolgenden Stadtplanungen nicht für den Stadtneubau genutzt. Aber wahrscheinlich als Steinbruch.

Uns zieht es nun in die modernere Zeit. Vor allem wollen wir heute in der Markthalle Mittagspause machen. Wir spazieren bergab bis zur Rambla Nova, der Prachtstraße und Einkaufsmeile Tarragonas. Heute ist hier außerdem Flohmarkt – gut, dass wir im Wohnmobil keinen Mitnehmeplatz haben!

Flohmarktstände sind in der Rambla Nova aufgebaut
Flohmarktstände sind in der Rambla Nova aufgebaut

In jeder spanischen Stadt gibt es einen überdachten zentralen Markt. Meist eine wunderschöne Halle. Hier in Tarragona ist es nicht anders. Der Hauptmarkt, der Mercado Central wurde ab 1915 von Josep M. Pujol im Stil Moderne erbaut. Wir treten ein und schwelgen, genießen und kaufen für die nächsten Tage regional ein.

Der Zentrale Markt in Tarragona ist in einem Gebäude der Moderne. Große Bögen tragen die Hallenkonstruktion und sind außen in steinernen Bögen zu erkennen
Der Zentrale Markt in Tarragona hat im oberen Teil Marktgeschehen und im Keller einen Supermarkt
Das Hallengebäude ist mit schmiedeeisernen Lampengestellen mit blühenden Geranien schöne dekoriert
Im Jugendstilgebäude des zentralen Marktes ist noch wenig los

Als wir aus dem Marktgebäude wieder herauskommen überwiegen dunkle Wolken am Himmel und es hat merklich abgekühlt. Gut, dass ich ein dünnes Pulloverchen in meiner Umhängetasche habe. So eilen wir am Fòrum Local romà vorbei, dass sowieso geschlossen hat und wenden uns wieder zur Rambla Nova.

In einem umzäunten Innenstadtbereich sind Teile der römischen Stadt ausgegraben, einige Säulen und Gebäudereste
Leider ist die Ausgrabungsstätte geschlossen, aber einige Säulen und Gebäudereste der alten römischen Stadt sind durch den Zaun zu sehen

Auf unserer Todo Liste steht nur noch der Balcó del Mediterrani. Kurz bevor wir den Aussichtspunkt erreichen, entdecke ich das moderne Theater Tarragonas. Es ist geschmackvoll eingepasst.

Das modern Theater Tarragonas ist zwischen zwei Altstadthäuser gebaut
Auch die heutigen Tarragoner suchen Freizeitzerstreuung. Das Theater der Stadt ist einer moderner Bau zwischen zwei Altstadthäusern

Auf dem Balcó del Mediterrani pfeift ein kalter Wind, es hat mindestens um 10 ° gegenüber dem Vormittag abgekühlt. Wir genießen einen kurzen Blick zum Hafen und entdecken unser Wohnmobil auf seinem Parkplatz.

Von einem Aussichtsplatz geht der Blick über den Hafen von Tarragona
Der Balcó del Mediterrani ist ein Aussichtspunkt in Tarragona. Rechts liegt der Bahnhof und der Hafen
Von einem Aussichtsplatz geht der Blick über den Strand bis hin zum Wohnmobilparkplatz der Bloggerin
Vom Balcó del Mediterrani aus können wir sogar bis zum Wohnmobil schauen

Wir spazieren nun von oben kommend durch den Park des Amphitheaters, mit schönem Blick auf den Strand der Wunder, den Badestrand Tarragonas. Kurz vor einem Regenschutt erreichen wir unser Daheim und sind froh über die Wärme, die es nach der Sonneneinstrahlung des Vormittags für uns vorhält.

Ich bin mir sicher, dass ich nach Tarragona wiederkommen werde, um weitere Schönheiten dieser alten Stadt mit geballter Geschichte zu entdecken. Auch in Tarragona ist mir aufgefallen, dass die Stadt ungeheuer barrierefrei gestaltet ist. Überall Rampen, Aufzüge und ebene Platten im Straßenpflaster. Wenn Du Lust hast, ein wenig auf Stöbertour in der Stadt zu gehen, die Website Tarragonas bietet Dir die Möglichkeit.

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