Naturpark Slowinski

Naturpark Slowinski

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Von Kolberg kommend ist unser nächstes Ziel der Naturpark Slowinski, Słowińslo Park Narodowy auf Polnisch. Wir wollen auf den Campingplatz nach Łeba. Dort in der Nähe gibt es die größten Wanderdünen Polens. Wir wollen dort Radtouren machen um uns den Park und die Dünen anzuschauen.

Fahrt zum Nationalpark

Wir fahren aus Kolberg (Koszalin) raus und nehmen die Straße Nummer 6. In Słupsk biegen wir auf die kleiner Straße 213 ab, die uns in den Nationalpark führt. An manchen Bushaltestellen sitzen Menschen mit Einmachgläsern vor sich. Als ich das endlich in meinem Gehirn verarbeitet habe, bleiben wir an einem Stand stehen und kaufen Heidelbeeren und Pfifferlinge, die die Frau und ihre Tochter in den umliegenden Wäldern gesammelt haben. Das Wetter ist noch immer sehr unbeständig, kalt und äußerst windig. Das Wohnmobil schüttelt es im Wind ordentlich durch, Bernhard muss das Lenkrad manchmal mit Kraft festhalten, um geradeaus zu fahren. Unterwegs schmökere ich noch im Reiseführer und stelle fest, dass auch Łeba im Sommer eher überlaufen ist, gerade wegen der Nähe zu den Wanderdünen. Als wir an einer Kreuzung ein Holzschild sehen, auf dem ein Leuchtturm abgebildet ist, bremst Bernhard und wir orientieren uns auf der Landkarte und im Internet. Es muss sich um einen Leuchtturm im Nationalpark handeln. Ein Campinkplatz ist ganz in der Nähe, so biegen wir links ab. Der Campingplatz in Smołdzinski Las liegt direkt an der wenig befahrenen Straße. Wir biegen ein und halten an. Ein Mann eilt zur Rezeption, die in einem neu errichteten Häuschen untergebracht ist. Ja, wir können bleiben, Duschen und Strom ist im Preis inbegriffen, Entsorgung gibt es keine.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht auf einem Wiesengelände, die Bäume biegen sich im Wind
Wir sitzen mit unserem Essen im Windschatten des Wohnmobils, aber richtig schön empfinden wir es nicht

So suchen wir uns einen Platz und parken rückwärts ein, dass unser Wohnmobil uns Windschutz geben kann. Wir haben eine polnische Karte des Nationalparks erhalten und stellen fest, dass die Dimensionen weiter sind, als gedacht. Wir wollen nun mit den Rädern zum Strand, zum Leuchtturm und zu den Dünen, die in der Nähe des Leuchtturms sind, fahren. Die Strecken könnten mit den Rädern befahrbar sein. Wir überlegen, am nächsten Tag mit den Rädern nach Kluki zu fahren, dort gibt es ein Schiffchen über den Jezioro-See nach Łeba und in die Nähe der großen Wanderdünen. Wir werden aufgeklärt, dass das Schiffchen in diesem Jahr nicht fährt – schade…

Fahrradtour im Slowinski Naturpark

Wir fahren die geteerte Straße hinunter und weiter auf einem sandigen Waldweg. Noch ist dieser Weg für Autos freigegeben und ziemlich zerfahren. Nachdem wir den letzten Parkplatz passiert haben, sind gelochte Betonplatten in den Boden eingelassen, über die wir weiter bis zu einer ehemaligen Funkerstelle holpern. Mittlerweile ist ein kleines Bistro darin untergebracht.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachradeln.

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Wir schließen die Räder ab und spazieren an den Strand. Ein lausig kalter Wind bläst und der feine Sand sandstrahlt unsere Füße beinahe. Lust zum Schwimmen bekomme ich bei diesen Witterungsverhältnissen nicht.

Links die stark wellige Ostsee, in der Mitte dick angezogene Menschen und rechts Dünen
Der Wind ist arktisch kalt und alle Menschen dick eingemummelt
Eine angeschwemmte Baumstämme sind zu einer Skulptur zusammengestellt
Strandgutkunst am Strand
Ein Strand mit wenigen Menschen, das Meer braust mit hohen Wellen
Zwar scheint die Sonne und macht ein schönes Licht, aber der Wind ist so kalt und heftig
Die Dünen sind von hohen Kiefern bewachsen
Die Dünen erobern sich den Wald zurück, der allerdings auch bis zur Ostsee reicht

Wir gehen zurück zu den Rädern und folgen der Landkarte erst zurück und dann nach links, Richtung Leuchtturm. Ein gelbes Schild weißt auf irgendwas hin, dass wir allerdings nicht verstehen. Wieder auf Betonholperplatten radeln wir durch einen wunderschönen lichten Kiefernwald, von Moos und Heide überwuchert. Teilweise stehen die Heidelbeeren sehr dicht mit vielen Beeren dran. Aber im Kühlschrank liegen noch die gekauften von der Bushaltestelle, daher pflücken wir keine mehr. Nach einer Rechtskurve geht es steil hinauf.

Bernhards E-Bike musste nach der Donauradtour, nach der 8. Etappe, als wir über das grausig grobe Pflaster von Passau gehoppelt sind, in die Werkstatt. Die Elektrik funktionierte nicht mehr, immer wieder war die Elektrounterstützung weg. Nach der ersten Nachfrage in der Werkstatt nach zwei Wochen, hatte noch niemand nach dem Rad geschaut. Da wir eine Woche später abreisen wollten, bat Bernhard um zügige Reparatur. Zwei Tage vor der Abreise bekam Bernhard Bescheid, dass das eine größere Reparatur würde, da der Fehler erst gesucht werden müsste. Das würde dauern. Nun war guter Rat teuer. Wir entschieden uns, mein E-Bike für Bernhard mitzunehmen, denn mit der Rahmengröße kommt er klar. Mein „altes“ Trekkingbike (ohne E) werden wir für mich auf die Reise mitnehmen. An solchen Aufstiegen, wie nun im Slowinski Naturpark, merke ich, wie sehr ich mich an die elektrische Unterstützung Bergauf bereits gewöhnt habe. Kurz bevor ich oben ankommen, bereits den Leuchtturm im Blick, dreht Bernhard um und ruft: „Hier ist Schluss.“ Als er mich erreicht, erklärt er, dass dort ein Zaun wäre und militärisches Sperrgebiet. Aha, das also hat das gelbe Schild bedeutet.

Ein Zaun mit einem Schild Militärisches Sperrgebiet auf Polnisch
Hätten wir die Schilder an Beginn der Straße lesen können, dann wären wir nicht steil aufwärts geradelt

Wir rumpeln also wieder hinunter, biegen an der Straße links ab und erst die nächste Einfahrt wieder links. Nochmal links und bis zur Treppe, die zum Leuchtturm hinaufführt.

Mehrere Treppen führen hinauf zu einem Leuchtturm aus Backstein, der in hohen Kiefern steht
Der Weg hinauf zum Leuchtturm geht über ziemlich verfallene Stufen

Wir steigen hinauf und besteigen auch den Leuchtturm. Beinahe oben angekommen müssen wir 4 Zloty Eintritt zahlen und steigen die letzte schmale Treppe hinauf in den Sturm. Oben werden wir nur nicht vom Turm gepustet, weil er ein hohes und stabiles Geländer hat. Wir genießen kurz den Rundblick und den Blick hinüber zu den Dünen.

Rundblick vom Leuchtturm – eventuell ist der Sturm sehr laut…

Mittlerweile sind wir ziemlich verfroren und beschließen, nicht mehr zu den Dünen zu fahren, denn wir müssten nach 2 km Sandradeln noch etwa 1,5 Kilometer auf sehr sandigen Wegen bis zu den Dünen laufen. Ich genieße noch die letzten Blicke in den Wald, bevor wir zum Wohnmobil zurück kehren.

Kiefern stehen in grünem Untergrund aus Waldgras, Moos und Heidebüschen
Blick in den Naturpark Smoldzino

Zum Aufwärmen machen wir uns Semmelknödel mit Pfifferlingen, hmmm, wie lecker.  Wir werden morgen von der Ostsee ins Landesinnere fahren, um endlich aus dem Wind zu kommen.

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Stettin und Kolberg

Stettin und Kolberg

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Leider meint Petrus es nicht gut mit uns. Bei der Fahrt hinein nach Polen, in die alte Hansestadt Stettin, hängen dunkle Regenwolken über uns. Wir wollen ein bis zwei Tage in Stettin bleiben, hinauf nach Swinemünde und an der Ostseeküste weiter nach Osten reisen, nach Kolberg.

Stettin

Nach unserem erfreulichen Einkaufserlebnis bei der Höfegemeinschaft Pommern fahren wir endlich wirklich nach Polen. Mein letzter Polenbesuch ist 20 Jahre her. Meine Mutter stammt mit ihrer Familie aus Breslau. Sie hatte immer den Wunsch, Breslau noch einmal zu sehen. Aber ihre frühe Krebserkrankung und ihr Tod mit nur 60 Jahren lies das leider nicht zu. Meine Tante, ihre ältere Schwester, lud die Interessierten aus der Familie zu ihrem 70. Geburtstag, im September 2000 nach Breslau und ins Riesengebirge ein. An dieser Fahrt habe ich teilgenommen. Meine Tante konnte uns damals vieles zeigen. Die Gegend, in der die Familie gewohnt hat und die Schulen, in die die Kinder gingen. Das Schwimmstadion, in dem alle Polomskikinder schwimmen lernten und meine Großtante schlesische Schwimmmeisterin geworden ist und Bademeisterin war. Das moderne Breslau hat das Stadtbild völlig gewandelt, nicht anders, als bei Städten in Deutschland. Im Riesengebirge machten wir eine Wanderung und waren auf der Schneekoppe. Üblicherweise war die Familie im Sommer dort zum Wandern, Beeren und Pilze sammeln und im Winter zum Skifahren…. Aber leider war für die Familie im Januar 1945 Schluss in Schlesien. Mit sehr viel Glück schaffte meine hochschwangere Großmutter mit ihren drei Mädchen die Flucht in den Westen per Bahn. Der älteste Sohn war bereits seit 1941 vermisst…

Wir, heute, im Juli 2020, freuen uns nun auf neue Erfahrungen in unserem direkten Nachbarland Polen. Bitte verzeihe, wenn ich meistens die deutschen Namen der Städte verwende, soweit sie geläufig sind. Die polnischen Wörter (und Ortsnamen) sind mit so viel Konsonanten versehen, dass ich mich zu oft vertippe.

Wir haben uns vor der Anreise einen Parkplatz in Stettin in der Nähe des Schlosses ausgesucht, da dort auch eine Tourist-I ist. Beim ersten Anlauf verpassen wir die Einfahrt und müssen auf der Schnellstraße erst über die Oder und dann die Zufahrt nochmal probieren. Da wir nun wissen, wo unser Abbiegefehler liegt, gelingt uns der zweite Anlauf und wir parken unser Wohnmobil. Da es bereits seit unserem Grenzübertritt regnet, gehen wir von vornherein in Regenjacke und jeder mit einem Knirps bewaffnet los.

In der Tourist-I im Schloss erhalten wir einen sehr ansprechend und gut gestalteten Stadtplan mit englischen und deutschen Erklärungen. Wer den roten Strichen auf dem Asphalt oder Pflaster folgt, kann eine Stadtbesichtigung auf eigene Faust machen und erhält dennoch die Eckdaten der markanten Gebäude und der Geschichte der Stadt.

Stadtrundgang Stettin

Wir wenden uns aus dem Schloss heraustretend nach links, denn es ist Mittagszeit und wir haben Hunger. Im alten Rathaus soll es im Keller eine Gaststätte geben. Da mich das sehr an unseren Besuch im Breslauer Rathauskeller erinnert, möchte ich dort gerne einkehren. So gehen wir „gegen die Richtung“ des Touristenstadtplanes. Das erste Haus, außer dem Schloss, dass wir passieren ist das Loitzenhaus. Die Fassade ist wirklich beeindruckend.

Ein vierstöckiges Haus mit einem Treppenturm
Das Loitzenhaus wurde von der adligen Banker- und Kaufmannsfamilie Loitz 1547 unterhalb des Schlossen von Stettin erbaut

Gleich nebenan ist die interessante Stufenfgiebelfassade des Altstädtischen Rathauses. Diese Schmuckstufengiebel finde es seit meiner Kindheit sehr beeindruckend. Natürlich hängt in meinem Elternhaus ein Bild des Breslauer Rathauses und das hat ja ebenfalls einen imponierenden Stufengiebel. Dieser hier ist durch – ich möchte sagen Fenster – sehr offen gestaltet. Die abwechselnd grün glasierten Backsteine heben die Bauart und die Schönheit hervor.

Ein Stufengiebelaufbau mit Fenstersäulen versehen aus Backstein und glasiertem Backstein
Der Stufengiebel des Altstädtischen Rathauses in Stettin

Mittlerweile regnet es stärker und wir sind froh, in den Rathauskeller einkehren zu können, der außerdem eine Brauerei ist. Ich liebe Brauereien!

Ein Treppeneingang mit Geländer zu einem Gasthaus im Keller. Dahinter das Gebäude aus Backstein
Glasierte Backsteine sind die einzige Gestaltungsvariante im Backstein – und machen so viel her

Das Gewölbe des Kellers haut mich um. Ich bin so fasziniert am Schauen, dass ich Bernhard suchen muss. Er hat mittlerweile einen Tisch für uns zugewiesen bekommen (Corona wegen). So unglaublich, wie diese Statiker vor vielen Jahrhunderten die Gewölbebögen anlegten. Denn darauf musste ja nun ein ganzes Rathaus aufgebaut werden und danach nicht zusammenbrechen!

Die Gewölbedecke ist von den Säulen her mit Rippen versehen und überkreuzt
Mich faszinieren diese alten Gewölbekeller. Sie beeindrucken mich nicht nur wegen der Statik, sondern wegen ihrer schlichten Schönheit
In einem Gewölbekeller mit Kreuzrippengewölbe stehen die Braukessel in Gastraum
Der Keller ist unglaublich schön. Die Braukessel stehen direkt hinter der Theke

Gebraut wird direkt hier im Keller. Das Bier wird auch direkt aus dem Fass dem Gast serviert. Ich habe mich schon seit der Abreise auf Piroggen gefreut und bekomme hier meine ersten. Die spätere Übersetzung für Piroggi ist „Maultasche“ und ja, das kommt dem Gericht entgegen. Auch Ravioli würde passen. Piroggi gibt es in sämtlichen Geschmacksrichtungen, die Du Dir denken kannst. Süß und Sauer, Veggi und mit Fleisch, herzhaft und scharf…

Nach diesem guten Essen hoffen wir darauf, unseren Stadtspaziergang trocken fortsetzen zu können. Anfänglich scheint es so, aber bereits beim roten Rathaus fängt ein erneuter Schutt an.

Ein vierstöckiges Gebäude mit quadratischen Ecktürmen aus Backstein
Das rote Rathaus in Stettin – ein wuchtiges und schönes Gebäude

Wir gehen tapfer weiter, noch zu verschiedenen Kirchen und ehemaligen Hospitälern. Dann kehren wir in eine Einkaufszentrum ein, um uns ein wenig zu trockenen. Es gibt den Spruch: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“ Ich halte den für einfach nur blödsinnig. Ich habe schon die teuersten und besten Goretexjacken gehabt, ich schwitze darunter so sehr, es macht keinen Unterschied, ob ich im Regen ohne Jacke laufe oder eine solche Regenjacke trage – ich bin immer nass. Die Hose ist sowieso nicht geschützt und das Fotografieren macht keine Spaß! Es macht mir überhaupt keine Freude im strömenden Regen eine Stadtbesichtigung zu machen! Ja, ich behaupte: Es gibt schlechtes Wetter!!! So brechen wir unsere Stettinbesichtigung ab! Wir ziehen uns im Wohnmobil erst mal um und hängen die nassen Sachen zum Trocknen auf. Nach einem Blick in die Wetterkarte entscheiden wir, dass wir nicht zur Marina in Stettin zur Übernachtung fahren. Es soll die nächsten zwei Tage weiterhin regnen. Wir werden auch nicht nach Swinemünde und an der Küste entlang fahren. Unser nächstes Ziel wird Kolberg sein. Wir werden uns auf dem Camping Baltic einquartieren. Ich habe dann Zeit, meine Artikel für den Blog zu schreiben und Bilder zu bearbeiten…

Auf der Autobahn bekommen wir per WhatsApp mit, dass die Pfalz (unser Zuhause) unter Hitze und Trockenheit ächzt… wir träumen davon…

Eine verregnete Autobahn
Bei Dauerregen fahren wir nach Kolberg über eine neugebaute Autobahn

Kolberg – Kolobrzeg

Wir quartieren uns auf dem Campingplatz Baltic ein. Ich nutze den Nachmittag und den nächsten Tag, meine Erlebnisse der letzten Tage online zu bringen. Am Abend prasselt kein Regen auf unser Wohnmobildach, so wagen wir einen Spaziergang zum Strand.

An einem Strand verdecken drohende schwarze Wolken die Sonne
Kaum sind wir an der Waldenfels-Schanze vorbei an den Ostseestrand gekommen, drohen wieder schwarze Wolken

Wir marschieren schnell zurück zum Campingplatz und kommen mit den ersten schweren, dicken Tropfen noch trocken heim.

Kolberg – Stadtrundfahrt mit dem Rad

Am nächsten Morgen, bei nur leichtem Regen, macht Bernhard zu Fuß eine Erkundungstour zum Strand und in die Stadt. Ich ärgere mich mit dem lahmen WiFi des Campingplatzes herum, bevor ich meinen Hotspot auf dem Mobiltelefon aktiviere und mein eigenes Datenvolumen nutze. Mit Stadtplänen bestückt kommt Bernhard zurück und mit Obst von einem Straßenverkauf, wie lecker. Morgen soll es trockener sein, so werden wir eine Fahrradtour machen.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich in zwei Komootaufzeichnungen, so kannst Du sie einfach nachfahren.

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Kolberg – vom Campingplatz zum Leuchtturm

Wir radeln den Weg zum Strand hinunter, die Radwege sind gut markiert. Mich begeistern die vielen öffentlichen, meist kostenlosen Toiletten, die an Hauptlaufwegen der Urlauber und den Promenaden aufgestellt sind. Vor der Waldenfelsschanze biegen wir nach links ab und folgen dem Radweg durch den Park – oder besser gesagt Kiefernwald – zur Seebrücke von Kolberg. Hier nun wird uns das Ausmaß dieses Touristenspots erst richtig bewusst. Bereits auf dem Weg zur Waldenfelsschanze haben wir einige „Neppläden“ gesehen, Stände, die überhaupt nur wegen des Tourismus existieren. Hüte, Sandgedöns für Kinder, Nepp und Plunder werden angeboten. Dinge – meist aus Plastik – die keiner wirklich braucht, die nur aus einer Urlaubslaune heraus gekauft werden. Aber was auf der Promenade von Kolberg abgeht, schockiert uns ziemlich. Es ist ähnlich, wie in deutschen Touristikhotspots – Menschenmengen und Nepp und schreckliche Imbissstände. Wir gehen auf die von wenigen Menschen besuchte Seebrücke hinaus, denn die Ostsee ist heute wirklich rau.

Die Seebrücke von Kolberg geht als langer breiter Steg in die Ostsee. Am Ende ist eine doppelstöckige Gastronomie
Der Wind bläst stark und ist auch ziemlich kühl. Die Seebrücke in Kolberg hat am Ende ein gastronomisches Angebot

Am Strand sind, trotz des stürmischen Wetters, einige Badelustige und Sonnenanbeter unterwegs. Die Volleyballfelder dagegen sind verwaist.

Von der Seebrücke ist der Strand mit dem Wald dahinter zu sehen und rechts der Leuchtturm von Kolberg
Blick von der Seebrücke über die windgepeitschte Ostsee zum Leuchtturm
Rechts der Seebrücke in Kolberg sind Menschen am Stran. Windabspannungen schützen die Sonnenanbeter
Den starken Wind versuchen die Strandgäste mit Windabsperrungen von ihrem Platz fern zu halten
Beachvolleyballfelder am weißen Strand von Kolberg
Links der Seebrücke von Kolberg sind diese Beachvolleyballfelder

Wir schieben unsere Räder auf der Promenade bis zum Leuchtturm. Kleine und große Mädchen sitzen brav auf Stühlen und lassen sich in stürmischem Wind bunte oder glitzernde Fäden ins lange Haar flechten. Am Leuchtturm machen wir kurz Halt für ein Foto. Wir werfen auch einen Blick hinunter zum Strand und hinauf in den Himmel, wo ein Drache so gut im Wind steht.

Der Leuchtturm ist 26 m hoch und hat im unteren Teil eine große Terrasse
Erst 1945 wurde dieser 26 m hohe Leuchtturm auf den Ruinen der alten Verteidigungsanlagen erbaut
Ein Drachen fliegt im blauen Himmel vor einer weißen Wolke
Durch den Wind steigen die Drachen schnell hoch hinaus

Kolberg – vom Leuchtturm zum Campingplatz

Wir wollen raus aus dem Trubel, aber wir müssen erst noch am Kai mit den Touristenschiffen vorbei. Unglaublich, mit was Touristen zu locken sind. Ich befürchte beinahe, dass Urlauber irgendwie einen Schalter umlegen, wenn sie in solchen Destinationen sind. Von normal denkenden und handelnden Menschen zu „ich will Spaß Wesen“ mutieren. Und zu Spaß gehört anscheinend, auch das Hirn auszuschalten und auf jede noch so schlechte Werbung und Ware hereinzufallen. Die Schiffe sind reine Motorschiffe, die Segel sind alle nur dekorative Stofflappen – ja, einfach nur Deko. Vielleicht urteile ich hart, aber das ist mein Empfinden.

Ein mit einer Piratenflagge versehenes Schiff hat viele Gäste an Bord
Das “Möchtegern-Piratenschiff” hat nur Ziersegel. Die Tour auf die Ostsee dauert ein bis zwei Stunden
Ein wie ein Wikingerschiff gestaltetes Schiff wartet auf Kunden
Wer möchte, kann auch mit einem Wikingerschiff unterwegs sein

Wir radeln an einem Park vorbei und erleben ein schönes Open-Air-Konzert. Es tut so gut, Künstler ihrem Beruf nachgehen zu sehen! Ich hoffe, dass diese „Park-Konzerte“ auch in Deutschland im Kommen sind!

In einem Park findet ein Freiluftkonzert statt
In Kolberg wird Interessierten Kultur im Park geboten
Trotz Corona ein Konzert – draußen im Park ist es möglich

Wir radeln über die Brücke des Parseta und biegen in einen Yachthafen ab. Der ist ebenso eine ehemalige Stadtverteidigung gewesen.

Eine ehemalige Schanze für die militärische Verteidigung wird als Imbiss genutzt
Die heutige Redouta Bagienna (Schillschanze) am Yachthafen, diente bis 1770 zum Sperren der Durchfahrt im Kriegsfall

Wir fahren mit dem Rad noch bis zu einem weiteren Strand – ein Teil davon ist allerdings militärisch gesperrt. Aber auch dort sind nur Nepp und Imbissbuden, Wind und hohe Wellen. Außerdem kommen bereits wieder schwarze Wolken rein. Wir schauen noch eine kurze Weile den Kitesurfern zu, dann machen wir uns auf den Rückweg in die Stadt.

Der Strand am Park südwestlich von Kolberg ist gut besucht
Auch am Strand in der Nähe des Parks südwestlich von Kolberg schützen sich die Badegäste vor dem Wind
Ein Kitesurfer nutzt die Windverhältnisse für seinen Sport. Die Wellen schäumen an den Strand
Die Wellen und der Wind kommen den Kitesurfer gelegen

Kolberg Stadtmitte

Bernhard hatte bereits die Stadtmitte erkundet bei seinem Spaziergang. Ich hingegen bin ziemlich enttäuscht. Da gab es nach dem 2. Weltkrieg wohl keinen richtigen Stadtplaner. Jeder hat gerade so gebaut, wie ihm das passte. Wir stellen unsere Räder beim Dom ab.

Vor dem Dom in Kolberg steht ein Denkmal. Darauf sind die Zahlen 1000 und 2000 zu sehen und mehrere Päpste
Das Denkmal vor dem Dom wurde zur 1000-Jahr Feier der Erzdiözese Gniezno im Jahr 2000 gestiftet

Bei dem Denkmal ist links der im Jahr 2000 aktive Papst Johannes Paul II. zu sehen. Er war zuvor als polnischer Kardinal zuständig für den Dom in Kolberg. Sein Nachfolger, Benedikt XVI., ist links zu sehen. Die mittleren Figuren stellen Kaiser Otto III., der mit einer Reise aus Rom, kurz vor der ersten Jahrtausendwende, die Erhebung zur Erzdiözese erst ermöglichte und der damalige polnische Herrscher Boleslaw Chrobry. Er wurde später von Otto III. zum ersten polnischen König gekrönt. Ein Bogen mit einer Taube schwebt über den Figuren.

Wir spazieren in die wenig attraktive Innenstadt. Das Rathaus wurde wohl als einziges im Umkreis in der alten Bauweise wieder restauriert.

Das Rathaus in Kolberg hat zwei Flügel, mehrere Türme, ist aus Backstein gebaut und hat ein Kupferdach
Das Rathaus in Kolberg, eines der wenigen „alten“ Gebäude in der Innenstadt

Eine Statue an der Rückseite des Rathauses, an der Kreuzung zur Straße zum Dom, finde ich total schön. Ein Kunstwerk, dass in die Neuzeit versetzt ist.

An der Rückseite des Rathauses ist die Statue einer Touristin aufgestellt, mit Koffer und Mobiltelefon mit Teleskopauslösestick
Na, dass nenne ich mal hochmoderne Statue – auf der Rathausrückseite von Kolberg

Wir sind kaum zurück am Wohnmobil und haben die Fahrräder wieder auf dem Gepäckträger, da prasselt ein richtiger dicker Regenschutt herab. Aber er währt nicht lange und kurze Zeit später scheint wieder die Sonne. Die dunklen Wolken verziehen sich und nur kleine weiße Wölkchen am Himmel bleiben übrig.

Kolberg Wellness und Sundowner

Bernhard hat in einem naheliegenden Hotel zwei Massagen für uns gebucht. So eine Wohltat. Geölt und tiefenentspannt spazieren wir zur Waldenfelsschanze hinunter. Wir wollen einen Sundowner nehmen. Die alten Schanzen in Kolberg wurden bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert als Gaststätten umfunktioniert. Kolberg mit seinen Heilquellen und Solewassern wurde zu dem Zeitpunkt als Kurbad sehr beliebt. Urlauber und Gäste kamen in immer größerer Anzahl und die nötige gastronomische Infrastruktur wurde in die alten Verteidigungsanlagen direkt an der Ostsee eingebaut. Diese bekamen Glasfenster, Wintergärten ähnlich, mit Bestuhlung. Die Verteidigungsmauern wurden etwas abgetragen und zu Terrassen umfunktioniert. Nach dem zweiten Weltkrieg war alles kaputt. Auf den Grundmauern wurden neue Gebäude errichtet.

Wir ergattern auf der oberen Terrasse der Waldenfelsschanze einen Tisch und bestellen einen Mojito und einen Caipirinha. Nach einiger Zeit kommen die Getränke, die allerdings sehr chemisch grün aussehen und eher nach Waldmeistersirup schmecken. Die Sonne senkt sich nur langsam dem Horizont zu. Manchmal versteckt sie sich kurz hinter Wolken. Der Wind ist weiterhin sehr stark und ziemlich kalt. Bernhard geht zurück zum Wohnmobil und holt uns die Daunenjacken (!). Zum Essen bestelle ich mir Piroggi mit Sauerrahmfüllung und Bernhard Tintenfischringe. Dazu passt ein Weißwein. Wir entdecken auf der Karte einen Georgischen Wein, den wir probieren.

Sonnenuntergang in Kolberg

Wir schauen dem Himmelsschauspiel lange zu bevor wir bezahlen und zum Strand hinuntergehen. So ein wunderschöner Abend. Immer tiefer sinkt die Sonne, das Meer sieht immer schwärzer aus.

Ein Mann steht vor der untergehenden Sonne am Meer
So ein stimmungsvoller Sonnenuntergang – der erste seit zwei Wochen….

Aus dem Hafen kommt nochmal das Touristenpiratenschiff auf die Ostsee hinausgefahren. Nun bin ich gespannt, ob ich das Schiff vor der untergehenden Sonne fotografieren kann, denn die Sonne sinkt nun schnell. Eigentlich nicht schneller als vorher, aber je näher sie dem Horizont kommt, um so schneller kommt mir das vor. Aber das Schiff hat eine gute Geschwindigkeit und das Foto gelingt.

Ein Schiff fährt vor dem Sonnenuntergang im Meer
Das Piratenschiff ist im Sonnenuntergang unterwegs

Ziemlich erfroren kommen wir wieder am Wohnmobil an. Ein warmer, lauer Sommerabend würde uns mal richtig guttun. Im Moment fühlen wir uns von den Temperaturen eher wie im April oder Oktober, nicht im Juli. Der nächste Tag soll zumindest Regenfrei sein, wenn auch weiterhin sehr stürmisch. Wir werden weiter fahren zum Slowinski Naturpark, nach Leba. Im Naturpark sind Wanderdünen zu besichtigen.

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