Golf Club Viesturi bei Riga

Golf Club Viesturi bei Riga

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Wir sind seit unserer Abreise einem sportlichen Hobby nicht nachgekommen, dem Golf spielen. In der Nähe von Riga passte das Wetter und der Preis fürs Greenfee. Wir verbrachten zwei wunderschöne Tage im Golf Club Viesturi. Das Restaurant „the forest café“ sorgte für mehr als eine Überraschung.

Suche nach einem Golfplatz

Bernhard hatte bereits seit unserem Polenaufenthalt immer wieder nach Golfplätzen auf unserer Route Ausschau gehalten. In Litauen ist er einmal fündig geworden, in der Nähe von Kaunas. Aber selbst die Mitarbeiterin des Campinglatzes bekam keine Telefonverbindung und fand heraus, dass er seit zwei Jahren geschlossen ist. Hier in Riga hofften wir auf mehr Glück.

Drei Golfplätze gibt es in der Region Riga. Zwei davon wirken auf mich eher elitär. Der dritte, ein 9-Loch-Golfplatz, hat einen fairen Preis. Die Fahrt zum Golf Club Viesturi ist recht abenteuerlich. Er liegt in Jaunmārupe, südwestlich von Riga, mitten im Wald. Ein kurviger asphaltierter Weg führt dorthin. Ein großzügiger Parkplatz, daneben ein aus Holz gebautes Clubhaus. 1998 wurde der Golfclub eröffnet.

Die GPS Koordinaten des Golfplatzes:
N 56.89841° E 23.87811°
56°53’54.3“ N 23°52’41.2“ E

Öffnungszeiten Büro und Kontaktdaten:
Täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet
Telefonnummer: +371 23 44 43 90 zu erreichen.
http://golfsviesturi.lv/

Preise:
Montag bis Freitag: 9 Loch 20 €, 18 Loch 35 €, ganzer Tag 40 €
Samstag und Sonntag: 9 Loch 25 €, 18 Loch 40 €, ganzer Tag 50 €
Jetons für den Ballautomat: 2 € für 20 Bälle
Ausleihen Trolley für das Bag: keine Kosten

Es ist möglich, erstmal 9-Loch zu spielen und später den Aufpreis für 18 Loch zu zahlen, wenn wir weiterspielen möchten.

Eine Holzveranda führt in das Clubhaus
Über die Holzveranda geht es ins Clubhaus des Golf Club Viesturi

Da wir lange nicht gespielt haben, wollen wir uns auf der Driving Range einschlagen. Der Ballautomat an der Driving Range wird mit Jetons bedient, die wir für 2 € bekommen. Wir sollten lieber mit dem Auto dorthin fahren, es wäre weit. Das Schild „Golfschule“ – so habe ich es aus dem lettischen interpretiert – haben wir bei der Anfahrt gesehen. 50 m zurück und rechts abbiegen, und es geht noch kurviger auf einer schmalen Schotterstraße etwa 400 m durch den Wald.

Über einen schmalen, kurvigen Waldweg führt der Weg zur Driving Range
Wir sind über unser kurzes Wohnmobil mal wieder froh. Die Kurven zur Driving Rangs sind ziemlich eng

Wie immer in Lettland auf einem Parkplatz ist eine Toilette und das Gebäude an der Driving Range ist einladend gestaltet. Der Ballautomat steht davor.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht vor einem Holzhaus auf einem Parkplatz, rechts ist eine große Pfütze
Nach dem starken Regen der letzten Tage ist der Parkplatz eher eine Seelandschaft.
Das Gebäude an der Driving Range bietet Platz für ein überdachtes Picknick
Nach der Driving Range ist ein überdachter Picknickplatz, der sicherlich schon so manche nette Zusammenkunft gesehen hat
Eine Holzüberbauung schützt die Golfer auf der Driving Range vor Regen und Sonne
Die Driving Range ist sehr zweckmäßig und schön angelegt

Wir schlagen uns ein und fahren zurück zum Parkplatz des Clubhauses. Direkt daneben ist das Putting Green, wo wir testen, wie langsam oder schnell das Green ist.

Ein Parkplatz hinter Bäumen
An den Parkplatz anschließend ist direkt das Puttinggreen
Auf dem Pitching Green fährt ein Rasenmäherroboter
Das Pitching Green wird von einem Rasenmäherroboter bearbeitet
Ein roter Rasenmäherroboter fährt über einen Rasen
Wie ein kleiner Sportwagen saust der Rasenmäherroboter über das Grün der Pitchinganlage

Direkt neben dem Putting Green ist der Abschlag des ersten Lochs. Wir freuen uns, dass die Fairways so gut beschrieben sind. Immer wenn wir einen Platz zum ersten Mal spielen, ist es schwierig einzuschätzen, wie man ein Fairway spielen muss. Eine genaue Meterangabe zu Gräben, Bunkern, zu Doglegs oder Bunkern ist wirklich informativ.

Ein Golfer steht an einem Abschlag. Rechts die Infotafel über Das Fairway, rechts Wald
Bernhard steht am ersten Abschlag. Die Fairwaytafeln sind vorbildlich gestaltet und informativ für Golfer, die zum ersten Mal diesen Platz spielen

Wir spielen die sehr gepflegten Fairways und freuen uns über die kleinen Details am „Fairwayrand“. Auch die Hinweise zum nächsten Tee finde ich ungeheuer nett gemacht.

Die Übergänge zum nächsten Abschlag sind mit Holzpfeilen markiert
Viele Holzbauwerke nur zum Anschauen sind auf dem Platz verteilt

Mit fällt auf, dass es bei jedem dritten Fairway eine Blitzschutzhütte gibt. Das ist mir bei den Golfplätzen in Deutschland, die ich bisher gespielt habe, so nicht aufgefallen. Wer in Deutschland von einem Gewitter überrascht wirst, hat meist sehr lange Wege. Wir erfreuen uns am nächsten Holzkunstwerk.

Auf einem Pfosten ist ein Holzstorch
Holzkunst am Golfplatz – diesmal ein Storchennest – leider von Bällen ziemlich malträtiert

Die 25 ha große Anlage ist sehr gepflegt und es macht großen Spaß, die interessant gestalteten Greens zu spielen.

Ein gepflegtes Grün mit einer roten Fahne im Loch des Golfplatzes
Die Grüns sind sehr gepflegt und recht schnell. Kleine „Unebenheiten“ im Grün machen das putten spannend

Es gibt auch einige Herausforderungen in Form von schmalen Fairways, Wassergräben und Roughs. Beim Loch 6 ist eine der Herausforderungen, das der Wald so nah steht, und das Fairway so schmal ist. Und der Damenabschlag ist auf einer „Insel“. Wir spielen beide erst mal in den Wald, schaffen es aber dann doch noch, das Dogleg auf dem Fairway zu spielen.

Die Bloggerin schlägt am Loch 6 ab
Mein Abschlag von einer Insel an Loch 6. Mein Ball ist – als Ball einer guten Ehefrau – Bernhards Ball in den Wald auf der rechten Fairwayseite gefolgt
Eine Tafel erklärt die Vorgaben für Loch 6
Loch sechs geht ein wenig um die Kurve, durch den Wald – den wir natürlich mitbenutzen

Am Ende des Loches sechs, vor Abschlag sieben, gibt es einen Übergang zur Driving Range und eine „Rastmöglichkeit“ für Golfer. Vermutlich werden hier immer wieder Cateringangebote bei Turnieren gemacht?

Ein Pavillon mit Stühlen steht vor Abschlag 7
Vor Abschlag sieben ist ein netter Sitzplatz mit Theke eingerichtet – leider heute nicht besetzt

Die letzten zwei Löcher sind auch interessant zu spielen und die letzte Fahne steht kurz vor der Terrasse des Restaurants „The Forest Café“. Seit einer Hochzeit am Tag vor unserer Anreise, hat das Loch neun eine interessante Installation.

Auf der Wiese vor dem Café ist ein Holzrahmen als Bilderrahmen aufgestellt. Darin ist die Fahne von Loch 9 zu sehen
Eine witzige Idee. Für die Zuschauer ist die Fahne von Loch 9 in einen Bilderrahmen gepackt

Das Clubhaus bietet einen Shop, gepflegte Duschen, sogar eine Sauna pro Umkleideraum und Toiletten. Die Lobby ist ansprechend gestaltet, man kann sich heimisch fühlen.

Sofa und Sessel stehen in der Lobby des Golfplatzes, die Sonne scheint durch die Tür
Die Lobby des Golfplatzes – sehr ansprechend eingerichtet
In einem Raum sind links Spinde und rechts ein Sofa, Sessel und eine Ablage
Der Umkleideraum der Damen – stilvoll eingerichtet

The Forest Café

Kristīne Lazdiņa und Andis Levītis, ein junges Paar mit einer sechsjährigen Tochter, haben erst vor einem halben Jahr das Restaurant im Clubhaus gepachtet. Laut eigener Aussage, wieder zum Leben erweckt. Sie haben zuvor elf Jahre in einem Restaurant in Rigas Altstadt gearbeitet. Mit einem neuen Namen, einem neuen Konzept, neuem Stil, neuem Menü, einem neuen Koch und Servicemitarbeitern möchten sie den Platz für weitere, neue Gäste interessant machen.

Die Terrasse des Holzgebäudes ist ebenfalls aus Holz
Ein Teil der Terrasse des „The Forest Cafe´s“ beim Golf Club Viesturi

Im kalten Winter Lettlands steht der Golfbetrieb bis Ende März still. Das Restaurant kann unterschiedlich bestuhlt werden und verfügt über verschiedene Räume. So startete das „The Forest Café“ mit Familienfeiern, Konferenzen und anderen Veranstaltungen. Anfang April wollte das Paar mit der Restauranteröffnung durchstarten. Allerdings fiel der Termin mit dem Beginn der Corona Vorsichtsmaßnahmen in Lettland zusammen. Da es in Lettland wesentlich weniger Infektionen gibt, verschob sich die Eröffnung nur bis in den Mai.

Öffnungszeiten und Kontaktdaten
Das „The forest café” hat Montag bis Freitag von 11.00 bis 21.00 Uhr, Samstag von 11.00 bis 22.00 Uhr und Sonntag von 11.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und ist unter der Telefonnummer +371 22 33 30 669 zu erreichen, http://www.golfsviesturi.lv/index.php/restorans

Auf einem Tisch steht ein Blumenarrangement aus weißen Rosen, Getränke und ein Brotgruß aus der Küche
Ein Brotgruß aus der Küche – und weil gestern eine Hochzeit gefeiert wurde, auch noch ein schönes Blumenbouquet

Der Koch von Kristīne und Andis variiert neue lettische Küche mit internationalen Spezialitäten. Das italienische Gebäck, zu dem Pesto gereicht wird, schmeckt sehr lecker. Als Hauptspeise bestellt Bernhard Muscheln, ich Lachs.

Auf einem Teller sind gekochte Muscheln angerichtet
Bernhard genießt Muscheln zum Mittagessen – sehr lecker angerichtet
Ein angerichteter Teller mit Lachs und Muscheln
Mein Gericht mit Lachs und Muscheln

Wir entscheiden, bis morgen zu bleiben und das Golfspielen auszukosten. Wir dürfen auf dem Parkplatz mit dem Wohnmobil stehenbleiben über Nacht. Es ist sehr ruhig und der Parkplatz an der Driving Range wäre noch ruhiger.

Bernhard spielt am Nachmittag eine zweite Runde Golf, ich nutze das WiFi um meinen Blog mit Beiträgen und Stellplätzen zu füllen.

Der Innenraum des Cafés hat einen rotgemusterten Teppichboden und Holzpfeiler
Im Innenraum stehen die Blumen der Hochzeit noch zum Abholen bereit
Vor einer Terrasse stehen Liegestühle
Vor dem linken Terrassenteil stehen Liegestühle – ein Platz zum Wohlfühlen

Wir können den Golfplatz wärmstens empfehlen. Das Preis Leistungsverhältnis ist okay, die Lage wunderschön, die Fairways sehr gepflegt und das Restaurant lässt keine Wünsche offen.

Burrata und kleine Tomaten auf einem Gebäck angerichtet
Ich habe mir den Salat mit Burrata bestellt – sehr lecker angerichtet und zubereitet

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Riga

Riga

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Riga, die Hauptstadt Lettlands wollten wir unbedingt besuchen. Riga hat eine lange, auch deutsche Geschichte. Die Hanse und die Gildemeister prägten frühere Zeiten, Richard Wagner komponierte hier anfänglich und Heinz Erhard wuchs hier auf. Wir sind gespannt auf eine alte und junge Stadt und ihre Gebäude.

Anreise nach Riga

Wir fahren nach dem Besuch beim Weingut Mazburkas über die A 10, P 101 und A 9 nach Riga. In Babites Novads machen wir noch einen Kaffeestop bei der Großbäckerei Laci. Hier wird das traditionelle Brot der Letten hergestellt und auch jede Menge süßes Gebäck.

Ein Verkaufsraum einer Bäckerei
Wir kaufen ein Roggenbrot und trinken Kaffee in der Bäckerei Laci

Dann passieren wir dass „Ortsschild“ von Riga und werden vom Navi gut zum Campingplatz am Yachthafen geleitet. Den regnerischen Nachmittag verbringe ich mit Schreiben und Bilder auswählen. Es regnet immer stärker, die ganze Nacht.

In großen Buchstaben steht der Name Riga auf einer Straßenseite in einer Wiese
Na, wer nun nicht weiß, wo er ist….!

Am Morgen hat die Sonne fast alle Wolken weggeputzt und wir machen uns auf in die Stadt. Vom Campingplatz am Yachthafen fahren wir zur Tourist-Information am Schwarzhäupterhaus mit dem Fahrrad.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

Inhalt laden

Oder Du folgst mir und dieser Fahrradtour auf meinem Komoot-Account.

Links das Gebäude der Nationalbibliothek, dass wie eine Welle erbaut ist, rechts die Lettische Flagge
Das linke “Wellen”-Gebäude ist die Nationalbibliothek

Altstadt von Riga

Dieser Blogbeitrag wird mit seinen Bildern sprechen, denn ich bin über Riga zu wenig informiert, als dass ich Dir adäquat von dieser wunderbaren Stadt berichten könnte. Wie immer in Lettland sind viele gepflegte Parks und Grünflächen, diesmal in der Stadt eher weniger Radwege und viel Pflaster auf den Straßen. So versuche ich, Dir meinen Eindruck von einem Teil Rigas per Bildern zu zeigen. Ich fange in der Altstadt an, wo wir ab der Peterskirche um 10 Uhr eine kostenlose Stadtführung (auf Englisch) mitgemacht haben.

Rechts zwei Bürgerhäuser, dahinter die Peterskirche
Die Schwarzhäupterhäuser wurden erst in den 2000er Jahren wieder errichtet
Treppengiebel mit Goldenen Spitzen geschmückt
Details eines Stufengiebels am Schwarzhäupterhaus
Am Kirchengiebel geht der Blick über den vierstöckigen Turm hinauf
Blick hinauf zur Turmspitze der Peterskirche
Der Kirchturm hat mehrere Stockwerke, die von Kupferdächern geschützt sind
Der Kirchturm der Peterskirche ist interessant gebaut
Esel, Hund, Katze und Hahn stehen als bronzene Figuren übereinander
Die Bremer Stadtmusikanten – schaurig schön
Eine Tafel erklärt, warum die Stadtmusikanten aus Bremen auf der Rückseite der Peterskirche stehen
Bremen ist die Partnerstadt Lettlands – das war aber nur ein Grund für die Skulptur
Ein rotgestrichenes Haus hat weiße Absetzungen und gemeißelte Bordüren
Die Bordüren an diesem Haus haben es mir angetan
Eine große Stahlgitarre steht vor einem Gasthaus
Im Haus ist das Rockcafé Rigas
Über einer Kirchentür sind Bordüren mit einem Engelskopf und einer Friedenstaube
Über der Tür einer ehemalige Kirche, die die Sowjetzeit überlebt hat und heute als Jugendzentrum der Kirchengemeinde genutzt wird, sind interessante Steinmetzarbeiten
Ein renovierungsbedürftiger Giebel
Nur noch der Giebel steht – noch sind längst nicht alle Häuser in Rigas Altstadt renoviert oder instandgesetzt
Ein Bronzenes Gürteltier
Das Gürteltier läuft am Rigaer Dom die Treppe hinauf
Der Domturm in Riga hat einen goldenen Hahn obenauf
Der Domturm in Riga hat einen goldenen Hahn obenauf
Metallpfosten mit Löwenköpfen sind durch Ketten verbunden
Diese Löwen schützen das Lettische Parlament
Ein hohes altes Steinhaus mit einem Torbogen
Das Schwedentor ist das einzige erhaltene Stadttor
An einer roten Hauswand ist eine Hausnummer und an der Holztür weitere
Das Haus hat eine Hausnummer und die Tür hat weitere…
Eine Katzenskulptur auf einer Turmspitze eines Hauses
Die Katzen auf den Türmchen sind vom Erbauer zum Spott der Gildemitglieder auf die Türmchen gesetzt worden
In einem Hauswappen ist eine Lyra
Am Haus, in dem Richard Wagener lebte, ist dieses Detail zu finden
Ein aus Backsteinen gemauerter Stufengiebel mit weißen Absetzungen
Ein interessant gestalteter Stufengiebel

Die Markthallen in Riga liegen hinter der Bahnlinie. Wir wollen nichts kaufen, aber schauen.

In einer Markthalle sind mehrere Fischstände
Ein großes Angebot an Fischen und Meerestieren wird in der Markthalle geboten
Mehrere Gebäude sind hintereinander gebaut
Die Gebäude der heutigen Markthallen wurden für die Zeppelinfertigung erbaut

Wir haben eine Adresse für ein Restaurant mit lettischen Speisen. Das stellt sich allerdings als Selbstbedienungskantine heraus. So radeln wir durch den Park Basteikans zum Freiheitsdenkmal und entdecken gleich rechts davor ein tolles Restaurant.

Das Freiheitsdenkmal ist ein sehr hoher Obelisk
Das Freiheitsdenkmal steht im Kronvaldas Park
Der Innenraum eines Restaurants. Bequeme Clubsessel, Holztische, bunte Beleuchtung
Das Restaurant Kolonade, direkt neben dem Freiheitsdenkmal, bietet Ruhe und sehr gutes Essen

Die Adresse lautet: Kolonade, Brīvības laukums 1, Riga, LV – 1050, Latvija, Tel. +371 266 088 82, www.kolonade.lv

Der Innenraum eines Restaurants. Bequeme Clubsessel, Holztische, bunte Beleuchtung. Große Vasen beinhalten Grünpflanzen
Das Restaurant ist geschmackvoll eingerichtet und dekoriert In Lettland gesponnene und gewebte Schafwolldecken dienen nicht nur der Dekoration
Die Bloggerin sitzt vor einem Teller mit Rote Beete Suppe
Bernhard stellt fest, dass ich immer das zum Gericht passende Oberteil anhabe

Auf „unserer Insel“, wo auch der Campingplatz liegt, ist in der Nähe der Brücke die Žanis-Lipke-Gedenkstätte. Žanis Lipke und seine Familien mochten Menschen. Egal wer sie waren, egal was sie machten, allein das sie Mensch waren respektierten sie. Die Familie versteckte im Zweiten Weltkrieg in einer Grube unter ihrer Scheune über 50 Juden vor dem Zugriff der Nazis. Die Gedenkstätte wurde 2009 eröffnet. Die Bauweise ist sehr interessant, denn der Gast bewegt sich fast Ausschließlich im Dunkeln, wo wie die versteckten Juden über Monate lebten.

Ein Holzgebäude mit einer gläsernen Stirnseite und Giebel
Das Gebäude der Žanis-Lipke-Gedenkstätte ist aus Holz und hat nur an der Stirnseite Glasfenster
An einem Holztor sind eine Klingel, eine Gegensprechanlage und die Öffnungszeiten des Museums
Der Eingang in das Museum

Kalnciems-Viertel

In Pārdaugave, dem der Altstadt gegenüberliegenden Stadtteil auf der anderen Seite Seite der Daugava, ist das Kalnciems-Viertel. Hier stehen viele Holzhäuser, die die Holzarchitektur des 19. Jahrhunderts repräsentieren. Einige sind bereits restauriert, andere liegen noch im Dornröschenschlaf. Es gibt immer mehr Förderer, die die historische Atmosphäre des Viertels bewahren möchten. Wir entdecken eine Hof mit mehren Gebäuden, die einen Sportladen mit Werkstätten und Freizeitangebot beherbergen.

In einen gepflasterten Hof ist eine Fahrradwerkstatt und Werkzeug, mit dem der Kunde selbst reparieren kann
Im Hof des Sportgeschäfts Dabnīca sind Fahrradwerkzeuge für Kunden frei zugänglich. Bernhard nutzt die Gunst der Stunde, um sein Fahrrad aufzupumpen
Ein Kletterturm aus Holz steht auf einer Wiese
Auf einer Wiese nebenbei ist ein Kletterturm
Zwei aus Baumstämmen gearbeitete hohe Gesichter stehen auf einer Wiese
Lettische Schnitzkunst mal anders – Kunst beim Kletterturm
Vor einem braunen Holzhaus mit weißen Absetzungen sind verschiedene Essenstände aufgebaut
Eigentlich sind wir wegen der restaurierten Holzhäuser ins Kalnciems-Viertel gefahren. Musik und Essen verlocken uns zum Abendessen
Ein Holzhaus hat unter reine großzügigen Terrasse eine Art Wintergarten
Wein und Café – eine gute Zusammenstellung – aber auch die Bauart des Hauses gefällt mir
In einem Garten steht unter hohen Bäumen ein Holzhaus mit einem runden Erker
Blick über den Zaun – noch ein schönes Haus

Jugendstil in Riga

Etwa ein Drittel des Stadtzentrums von Riga besteht aus Jugendstilhäusern. Wir konzentrieren uns auf die „Hauptstraßen“, die Umgebung der Alberta iela und der Elizabetes iela. Bernhard lässt sich irgendwann zu dem Ausruf verleiten: „Das ist ja schöner wie in Wien am Ring!“ Und das heißt ja was für einen Österreicher! Sehr viele Gebäude sind im August 2020 eingerüstet und werden restauriert. Wir haben das Glück, das einige ArbeiterInnen gerade vor einem beinahe fertigen Haus stehen und uns beim Fotografieren und staunen beobachten. Ein Arbeiter, der wohl Stuckarbeiten restauriert, winkt uns heran und führt uns in ein Treppenhaus. ER versteht weder Deutsch noch Englisch, aber alle Gesten zeigen, wie stolz er auf seine Arbeit ist. Wir loben ihn und die Arbeit seiner KollegInnen mit anderen Gesten, was ihn sichtlich freut.

Ein weißes hohes Haus mit Jugendstilverzierungen
Bordürenschmuck am Haus
Ein Ovales Giebelfenster ist mit Bordüren geschmückt
Ein interessant gestalteter Giebel
Ein helles Jugenstilhaus mit roten länglichen Absetzungen
… und dann der blaue Himmel dazu …
Mit Gold und Stuck gestaltete Decke im Treppenhaus
Bei einem in Renovierung begriffenen Haus führt uns ein Arbeiter ins Treppenhaus und zeigt uns stolz seine Arbeit und die seiner KollegInnen. Hier die Decke des Treppenhauses
Ein freier Raum in einem Treppenhaus
Im ersten Stock des Treppenhauses vereinigen sich die Zugänge der zwei Eingangstüren zu einem großen Raum
Ein renoviertes und ein unrenoviertes Jugenstilhaus stehen nebeneinander
Renoviert in voller Pracht und unrenoviert im Dornröschenschlaf – die Restaurierung kostet
Säulen Türmchen Stuck an einem Jugendstilhaus
Säulen, Türmchen, Stuck, Figuren und Schmiedeeisen – wunderbar kombiniert
Drei Balkone an den Ecken nach oben fotografiert
Reich verzierte Eckbalkone
Ein großes helles Jugendstilhaus mit rotem Dach
Das Haus wirkt nicht so prunkvoll und protzig und hat trotzdem wunderschöne Details
Auf der rechten Straßenseite stehen im Schatten viele Jugendstilhäuser
Die Straße Alberta iela – geballter Jugendstil
Ein Haus mit weißen Verzierungen ist mit blauer Farbe abgesetzt
Ein wunderschönes blau, dass die weißen Verzierungen noch hervorhebt
Über einer rotweißen Fassade erheben sich weiße Türmchen
Der Bildausschnitt kommt mir beinahe maurisch vor
Ein helles Haus mit Türmen und schwarzem Dach und einer goldenen Bordüre
Absetzungen in Gold, Türme … einfach wunderschön
Eine Dachecke ist mit einer Art Gaube gebaut, die aufwendig verziert ist
Allein das Eckzimmer im Giebel – welche Arbeit und Zierde für diesen Raum, der natürlich im Gesamtzusammenhang das Hauskunstwerk abrundet
Ein Oberleitungsbus vor einem Jugendstilhaus
In Lettland fahren in den größeren Städten Oberleitungsbusse. Die Oberleitung versorgt die Busse mit Strom. So fahren sie in der Stadt emissionsfrei

Wir fahren zurück zum Parkplatz und passieren noch einige interessante Dinge.

Goldene Kupplen auf einer Kirche
Die goldenen Kuppeln der Orthodoxen Geburtskathedrale. In der Sowjetzeit wurde die Kirche als Planetarium und Restaurant genutzt

Wir haben das Glück, in dieser Corona Zeit, in den Baltischen Staaten unterwegs zu sein. Hier gibt es nur wenige Fälle von Covid-19. Wir halten Abstand, versuchen, Menschenmengen aus dem Weg zu gehen, waschen Hände – nur Masken tragen wir keine, denn bei weinigen Menschen ist das nicht notwendig. Trotzdem die Pandemie in Lettland zwar Vorsichtsmaßnahmen erfordert, aber keinen Lockdown und obwohl es nur wenige schwerwiegende Krankheitsverläufe gibt, steht in Riga bereits ein Covis-19-Denkmal für die im medizinischen Bereich Tätigen.

Ein Denkmal, wie eine Ärztin gekleidet, mit Mundschutz und Handschuhen
In Riga steht bereits ein Covid-19 Denkmal – zu Ehren der Ärzte und des Pflegepersonals bei der Pandemie
Eine Tafel dankt dem medizinischen Personal weltweit
Diese Tafel steht beim Covid-19-Denkmal

Riga ist eine unglaublich lebhafte Stadt, in der man Wochen mit Staunen verbringen kann. Wir haben, außer der Žanis-Lipke-Gedenkstätte, keine Museen besucht – obwohl die sicherlich auch sehenswert wären. Aber, wir kommen wieder!

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Weingut Mazburkas

Weingut Mazburkas

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Beim Fruchtweinbauern Mārtiņš Sants haben wir eine Broschüre des lettischen Weinverband erhalten. Darin stellen sich einige Weinbaubetriebe in Lettland vor. Das es in Lettland nicht nur Obstweine gibt, sondern auch angenehm schmeckende Traubenweine, können wir bei einer Weinprobe im Winzerbetrieb Mazburkas feststellen.

Anfahrt zum Winzerbetrieb Mazburkas

Es regnet in Strömen und das soll bis morgen so bleiben. Da wir aber weiter wollen, nehmen wir uns die Region Vidzeme, die hochinteressante Städtchen hat, für das nächste Jahr vor. Wir suchen in der Broschüre, die wir vom Fruchtweinbauern Mārtiņš Sants erhalten haben, die Telefonnummer des Weinbaubetrieb Mazburkas heraus. Bevor wir in Roja bei strömendem Regen abfahren, ruft Bernhard dort an und fragt, ob wir für eine Weinprobe kommen dürfen. Ja, das ist machbar. Gunta schickt uns eine Anfahrtsbeschreibung per WhatsApp zu, denn Mazburkas sei schwer zu finden.

Wir fahren über die P 131 die Küste entlang nach Süden bis Turkums. In der Stadt fahren wir weiter in südliche Richtung auf die P 98. Kaum aus dem Städtchen heraus steht links ein hoher Sendemast. Beinahe gegenüber geht ein Weg rechts hinein, bei einem Schild mit der Aufschrift „Engures Novadas“. Dahinter rechts ein Gebäude mit der Werbung „Lady Pizza“. Diesem Weg folgen wir für 500 m. Ein Holzschild mit einem Bottich mit Weinreben leiten uns nach links in den Hof.

GPS und Kontaktdaten
N 56.95815° E 23.17699°
56°56’53.3“ N 23°10’37.2“

Engures novads, Smārdes pagasts
Telefon: +371 29 149 725, E-Mail: ciferite@inbox.lv, eine Website gibt es noch nicht

Ein kleines Holzhaus steht rechts, eine Scheune links, mit offenem Scheunentor, durch das wir eintreten.

Ein Schild hat den Namen des Weinguts aufgedruckt
Am Eingang der neuen Probierscheune werden wir mit dem Namensschild begrüßt

Gunta Niedra begrüßt uns in der neuerbauten Scheune. Später erzählt sie, dass die Weinproben bis Anfang 2019 unter aufgespannten Sonnenschirmen im Freien stattgefunden hätten. Freunde, die sie besuchten, hätten sie auf die Idee mit der Scheune gebracht. Viele Bekannte haben mit geplant und mitgeholfen und in wenigen Wochen war die Probierscheune erstellt, Eine Glasfront nach Südwesten, ansonsten rohe Bretter. Gunta hat sie zweckmäßig und liebevoll eingerichtet und dekoriert. Ich fühle mich herzlich willkommen beim Eintreten. Auf einer Leinwand laufen Bilder des Weinbaubetriebs zu allen Jahreszeiten. Bei einem einmaligen Besuch – noch dazu an einem so regnerischen Tag – bekommt der Gast ansonsten nur eine Momentaufnahme des Geschehens.

Eine Holzscheune ist mit Tischen, Bänken und Dekoration versehen
Die neu errichtete Scheune ist liebevoll eingerichtet und dekoriert

Wein und Schafe

Gunta hat die Weinprobe vorbereitet. Die Flaschen, deren Wein wir kosten werden, stehen hinter kleinen Karaffen, davor die Weingläser. Sie produziert auch Traubensaft, der in pinkfarbenen Fruchtsaftkartons verkauft wird. Ein Tellerchen mit Käse, Johannis- und Heidelbeeren steht ebenfalls bereit.

Auf einem Tisch stehen vier Weinflaschen und ein Fruchtsaftkarton, davor drei Weingläser
Liebevoll hat Gunta die Weinprobe nach unserem Anruf vorbereitet

Gunta hat das Grundstück von ihrer Großmutter vor 15 Jahren überschrieben bekommen. Bereits seit über 200 Jahren wohnt die Familie darauf. Die Ursprungsfamilie hat für das naheliegende Herrenhaus „Bergas“ gearbeitet. Die Musiklehrerin und ihr ebenfalls als Lehrer tätiger Mann überlegten, was sie mit dem Grund anfangen sollten. Gunta liebt Schafe, so war die Entscheidung schnell getroffen. Die Großmutter unterstützte den Plan, denn früher wurden immer schon Schafe gehalten. An einem Sommertag, als die ersten Schafe über die sanft gewellte Landschaft liefen, erinnerte der Anblick Gunta an Landschaften, in denen Weinanbau betrieben wird. So reifte der Plan, es auch damit zu versuchen.

Schafe gehen an einer Terrasse vorbei, dahinter sind Weinreben
Wein und Schafe – das sind die Erwerbsgrundlagen für Mazburkas – und beides geht eine interessante Symbiose ein

Sie unternahm Weinreisen, auch nach Deutschland und erzählte von ihrem Plan. Ein Deutscher Winzer gab ihr Dornfelder, Spätburgunder und Müller-Thurgau aufgepfropft mit. Davon ist heute noch der Dornfelder übrig. Von anfänglich 60 !! Sorten, sind mittlerweile noch 30 zum Experimentieren übrig. Darunter nur uns völlig unbekannte Sorten, wie Superga, Gina, Silva, Litonia und Vorduve. Die Reben kommen heute aus Lettland und Litauen. Teilweise züchtet Gunta sie selbst heran.

Am alten Haus stehen zur Anzucht kleine Weinreben in Blumentöpfen
Gunta züchtet die Weinreben mittlerweile selbst. In kleinen Töpfchen, geschützt vom Haus

Das lettische Klima hat ungeheuer kalte Winter, in denen es bis minus 25° werden kann. Das müssen die Weinstöcke auch vertragen können.

Schnee liegt zwischen den Reihen der Reben
Das Foto habe ich von der Leinwand abfotografiert – die Weinberge im Schnee

Die Vegetationszeit ist kürzer als z.B. in der Pfalz. So blüht der Wein später und die Weinlese findet erst gegen Ende September statt. Ihre 4 ha bewirtschaftet sie zusammen mit ihrem Mann. Die zwei erwachsenen Kinder unterstützen Gunta in arbeitsfreien Zeiten nicht nur praktisch, sondern auch mit vielen Ideen, z.B. im Marketing. Momentan werden Ideen für eine Website gesammelt.

Weinprobe

Wir probieren den ersten Wein, der ungeheuer fruchtig riecht, aber leicht schmeckt. Eine angenehme Säure, ein frischer Wein.

Eine Flasche mit Weißwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Supagas Baltvins sauss steht auf dem ersten Etikett unserer Weinprobe

Von diesem Wein habe ich mir die Rebe nicht gemerkt, nur, dass es eine lettische Rebe ist. Der zweite Wein riecht weniger fruchtig, schmeckt aber fruchtiger als der erste.

Eine Flasche mit Weißwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Varduves Baltvins sauss steht auf dem zweiten Etikett unserer Weinprobe

Dieser Wein ist aus der Traube Litonia, einer späten, süßen, schweren Sorte erzeugt. Die Traube wachse sehr kompakt, die Eimer seien bei der Lese viel schwerer, als bei anderen Sorten, erklärt Gunta.

An der Farbgebung des Rosé ist Gunta noch am Experimentieren. Sie probiert aus, wie lange der Saft auf der Maische liegen muss. Sie ist mit der Farbe noch nicht ganz zufrieden, bemerkt sie. Die Weine werden ökologisch erzeugt, ohne jegliche Chemie im Anbau und in der Weiterverarbeitung.

Eine Flasche mit Roséwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Gunas rozā vīns sauss steht auf dem Etikett der Roséflasche

Der Rotwein ist ein Cuvé aus drei verschiedenen Sorten. Der schmeckt mir total lecker. Die Farbe ist tiefweinrot, geht fast in Richtung Cassisfarbe. Ein leichter, fruchtiger Rotwein, der trotzdem ein gewisses Etwas hat.

Eine Flasche mit Rotwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Sarkansvins Sauss lautet das Etikett

An meinen Beschreibungen merkst Du sicherlich, dass ich gerne Wein trinke, aber keine Weinverkosterin bin, die alle möglichen Geschmacksrichtungen eines Weines beschreiben kann. Mich interessiert noch, was Gunta mit den Schafen macht. Ich frage, ob sie die Wolle an Spinnereien verkauft. Die Rassen Cherolet und Oxfortdown, die sie auf dem Gut haben, dienen der Fleisch- und weniger der Wollerzeugung. Sie schlachten selbst und verkaufen das Schaffleisch vor Ort, ebenso wie die selbst hergestellte Wurst. Leider können wir diese heute nicht probieren, denn nach der letzten Weinmesse, wurde noch nicht wieder geschlachtet. Die Rückenwolle wird an einen Dämmstoffhändler verkauft, denn ökologisches Dämmen funktioniert heute auch mit Schafwolle. Die minderwertige, sehr kurzhaarige Wolle von Bauch und Beinen wird mit den gehäckselten Rebenabschnitten im Herbst untergepflügt. Die Wolle im Boden lockert diesen auf und lässt mehr Feuchtigkeit eindringen und Luft an die Wurzeln. Mittlerweile habe ich den Traubensaft probiert, der mir sehr gut schmeckt.

Der Aufdruck auf dem Traubensaftkarton mit den Erklärungen
Jeder Traubensaftkarton hat einen Erklärungen-Aufdruck mit einem tollen Hintergrundfoto
In einem Weinglas ist Traubensaft eingefüllt
Der Traubensaft ist naturtrüb

Während Gunta mir Antworten auf meine Fragen zu den Schafen gibt, hat Bernhard mit Einverständnis von Gunta eine neue Art der Weinprobe entdeckt.

In einem Eisengestellbett liegt ein Mann und verkostet Wein. Das Bett steht neben einer offenen Terrassentür mit Blick auf die Weinreben
Bernhard prüft, ob die Weinprobe im Liegen bequem ist – als eventuelle Empfehlung für unsere Pfälzer Winzer

Das Bett hat sie im alten Haus der Großmutter gefunden und zur Dekoration in der neuen Probierstube genutzt. Auch der Spiegel, der an der Wand beim Bett hängt, ist eine Fundsache. Eher die Materialien davon, aber das Ergebnis ist sehr schön.

Ein Frau mit langen blonden Haaren spiegelt sich in einem Spiegel, der von vier rohen Brettern umrahmt wird
Ich finde den Spiegel ungeheuer dekorativ – erst recht wenn sich Gunta Niedra darin spiegelt

Die Verkaufsecke ist noch recht klein, denn Flaschenwein wurde in den letzten Jahren noch nicht so viel produziert. Er reichte nur für den Eigenverbrauch und gute Freunde.

In Holzkisten, die als Regal dienen, stehen Weinflaschen. Ein Spinnrad steht als Dekoration daneben, darauf ein offener Koffer, aus dem Plüschschafe schauen
Die Verkaufsecke ist derzeit noch recht klein gehalten

Gunta hat sich weitergebildet und mittlerweile nimmt sie auch mit ihren Weinen an Weinprämierungen teil.

Bilderrahmen mit Urkunden hängen an einer Holzwand
Die ältesten Prämierungen des hergestellten Weins sind von 2017
Bilderrahmen mit Urkunden hängen an einer Holzwand
Die Urkunden und Diplome hängen über der Verkaufsecke

Für je 13 € pro Flasche verkauft Gunta ihren Wein. Wir nehmen von den probierten Sorten jeweils zwei Flaschen mit, vom Rotwein sogar drei. Ich bin mal gespannt, ob die Flaschen es bis in die Pfalz schaffen?

Beim Abschied führt uns Gunta ein wenig herum. Dabei erzählt sie, dass die Enkeltochter des Gutsherren von „Bergas“ die Großmutter mal besuchte. Und als sie sah, dass Gunta Wein anbaut hat sie erstaunt ausgerufen: „Das wollte der Großvater immer machen. Hier an diesen Hügeln Wein anbauen.“ So fühlte sich Gunta nochmals bestärkt, denn sie hat irgendwie eine alte Idee aufgegriffen.

Ein Holzhaus mit Glasfenstern im Giebel, davor eine Wiese mit Pfosten, an denen Hängematten hängen
Im neuen Haus, dass mittlerweile auch renoviert wird, wohnt die Großmutter
Ein Holzhäuschen unter einem Baum, darin ist die Toilette
Noch wird die Toilette wie in alten Zeiten genutzt, wenn auch das Häuschen neu ist
Ein zum Teil ausgehöhlter Holzstamm dient als Waschbecken. An einer Astgabel hängt ein Handtuch
Das Waschbecken ist ein echter Hingucker

Wir verabschieden uns herzlich von Gunta. Wir hatten einem hochinteressanten Vormittag, nicht nur wegen des Weins. Ganz sicherlich werden wir im nächsten Jahr wiederkommen. Dann dürfen wir sogar mit dem Wohnmobil über Nacht am Weingut stehen bleiben. Heute fahren wir weiter nach Riga zum Yachthafen zum Übernachten.

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Kap Kolka

Kap Kolka

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Das Kap Kolka liegt in Lettlands Westen, am Übergang von Ostsee in Rigaer Bucht. Fast der gesamte Wasseraustausch zwischen Rigaer Bucht und Ostsee findet über die Meerenge dort statt. Die Strömung ist so stark, das Schwimmen untersagt ist. Unverständlich sind die Parkgebühren am Informationszentrum.

Parken am Kap Kolka

Wir fahren über die Straße P 124 bis zum letzten Kreisel vor dem Kap Kolka. Der ist einfach zu erkennen.

Auf einem Kreisel stehen Runde Kreise mit bunten Fischen darin
Die Fische erinnern mich an unseren Nachbarort, Kleinfischlingen

Ich habe mich über die Fische auf dem Kreisel sehr gefreut, denn in unserer Heimatnachbargemeinde Kleinfischlingen stehen im ganzen Ort bunte Holzfische als Dorfdekoration herum. Auf diesem Kreisel sollen sie jedoch nur darauf hindeuten, dass der Ort Kolka seit Alters her ein Fischerdorf war und ist.

Wir entschließen uns geradeaus zu fahren, zum Infozentrum am Kap Kolka. Ein junger Mann, der auf einem Stuhl unter einem Sonnenschirm sitzt, hält uns an. Er überreicht Bernhard einen selbstgestrickten kleinen Zettel mit einem Stempel und der Uhrzeit, die wir aktuell haben. Wir sollen unser Auto parken und bevor wir fahren, im Infozentrum pro angefangener Parkstunde 3 € zahlen. Wir überlegen: wenn wir nun die Wanderung machen, ggf. den Leuchtturm anschauen und uns eventuell verweilen wollen, dann ist das schlicht sehr teuer. Vom Kreisel ging es doch noch zu einem anderen Parkplatz? Wir wollen erst dort schauen, welcher Preis dort verlangt wird fürs Parken. Wir drehen eine (kostenlose) Runde über den Platz und geben dem jungen Mann den Zettel zurück.

Eine Tafel mit der Parkgebühr pro Fahrzeugkategorie steht in einem Fenster
Die Parkgebühren für den Parkplatz am Infozentrum

Wir fahren 150 m zum Kreisel mit den Fischen zurück und 170 m zum anderen Parkplatz und der kostet nichts! Die Parkscheibe muss eingelegt werden und damit darf man 24 Stunden stehen. Selbst eine Übernachtung mit dem Wohnmobil wäre kein Problem!

Der Parkplatz vom Aussichtsturm aus
Dieser Parkplatz ist kostenfrei – Blick von Aussichtsturm

Wir ziehen unsere Laufschuhe an und verlassen den Parkplatz in entgegengesetzter Richtung zum Aussichtsturm. Dort beginnt der Pine-Trail mit einer Erklärungstafel.

Links steht ein Holzhäuschen, eine Toilette, in der Mitte ein Pfad, rechts eine Umzäunung mit einem Wegweiser nach rechts davor
Am Parkplatz ist immer eine Toilette in Lettland. Hier am Beginn des Pine-Trails

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Wanderung auf dem Nadelbaumweg „Pine-Trail“

Der Weg ist etwa 1,2 km lang und führt in Kurven durch den Nadelwald. Wir wandern immer wieder bergauf und bergab, so wie die Dünen gestaltet sind.

Heidelbeersträucher hängen voller Heidelbeeren
Auch am Kap Kolka hängt der Wald voller reifer Heidelbeeren. Hier finden wir auch unsere ersten Pfifferlinge im Wald (statt auf dem Markt)

Wir wandern auch über die älteste Düne, die von den Nadelbäumen, überwiegend Kiefern, gehalten und befestigt wird. Der Sand hat manche Stämme der hunderte Jahre alten Kiefern bereits über zwei Meter mit Sand bedeckt. Auf dem mageren Boden können nur besondere Arten gedeihen. Unter anderem wächst hier die in Europa sehr seltene Sandnelke (Dianthus arenarius). Zwischen dem Wald und dem Meer liegen Vordünen. Die Dünen direkt am Meer sind den starken Ostseewinden ausgesetzt und verändern sich ständig.

Ein Waldpfad mündet in einer Plattform, im Hintergrund ist die Ostsee zu erkennen
Nach einigem Bergauf, Bergab mündet der Waldweg in einer Plattform mit Aussicht auf die Ostsee

Wer möchte, könnte nun direkt an den Strand gehen, der Pine Trail geht im Wald noch etwas weiter.

Ein Zedernskelett steht in den Dünen
Gerne hätte ich die Zeder über ihre Geschichte interviewt. Leider verstehe ich kein „Zederisch“
An einem verdorrten Ast hängt Moos
Der „Elchbart“ am Zedernast verrät, dass es hier hin und wieder ziemlich feucht ist
Rosa blühendes Heidekraut
Es ist erst Anfang August und die Heide blüht am Kap Kolka
Auf einer Tafel wird die geologische Situation am Kap Kolka erklärt
Beinahe am Ende des Pine Trails im Wald wird auf einer großen Tafel die geologische Bedeutung des Küstenwalds erklärt

Hier am Kap Kolka befinden wir uns mittlerweile im Slītere Nationalpark. Die Küstenlinie dieses Nationalparks ist eine der jüngsten geologischen Formationen in Lettland. Der Untergrund der Ostsee und des Küstenstreifens an dieser Stelle (Litorina), hat eine sehr magere, sandige  Erde. Die Neuanpflanzung von Kiefernwälder zum Schutz und als Barriere zwischen Ostsee, deren Winden und bewirtschaftetem Land, begann erst kurz vor dem ersten Weltkrieg. 1930 noch wurden 11,5 ha Sand als Dünen jährlich verweht, von den 142 ha, die das heutige Schutzgebiet umfasst. Durch die kontinuierliche Aufforstung, gibt es heute keine Wanderdünen im Naturpark mehr. Die Küstenwälder schützen seit Alters her die Landschaft im Hinterland. Das Abholzen der Küstenbäume war 1643 bereits vom Herzog von Kurland verboten worden. Aber Siedlungsbau und Waldbrände hatte große Lücken im Küstenwald hinterlassen. Durch die kontinuierliche Aufforstung ist das Hinterland mittlerweile von den Unbilden der Ostsee und deren Winde wieder gut geschützt und Landverluste durch Verwehung gibt es keine mehr.

Kap Kolka

Schon kurz nach der Tafel erreichen wir den Strand und folgen ihm nach Norden, zum Kap.

Sandstrand links, eine Holzplattform in der Bildmitte und die Ostsee im Hintergrund
An der zweiten Plattform führt der Pine-Trail an den Strand
Auf einem Treibgutast hat sich die Bloggerin am Strand niedergelassen
Die Treibgutbaumwurzel ist ein recht bequemer Strandsitz

Kurz vor dem Kap stehen im Wald interessante Gästebehausungen. Die würde ich gerne mal ausprobieren. Na, vielleicht im nächsten Jahr, trotz Wohnmobil mal „fremdschlafen“.

Beinahe beim Kap Kolka stehen oberhalb des Strandes runde Tonnen als Gästebehausungen. Die der Ostsee zugewandte runde Seite besteht aus Glas
Rechts sind „Gästetonnen“, deren der Ostsee zugewandte runde Seite aus Glas besteht
Beinahe beim Kap Kolka stehen oberhalb des Strandes runde Tonnen als Gästebehausungen. Die der Ostsee zugewandte runde Seite besteht aus Glas
Rechts sind „Gästetonnen“, deren der Ostsee zugewandte runde Seite aus Glas besteht
Der „Boden“ einer Gästetonne ist zu zweidritteln aus Glas – die Gäste können so die Aussicht aufs Meer genießen
Ob bei Sonne, bei stürmischer See oder bei Nacht – die Aussicht im Bett ist sicherlich phänomenal

Ja, und schon sind wir am Kap. Hier endet für uns erst mal die Ostsee, denn wir fahren an den Wassern der Rigaer Bucht weiter. Erst auf den Estnisschen Inseln werden wir wieder an der Ostsee sein.

Auf einer kleinen Felsformation stehen Leute. Links die Ostsee im Hintergrund das Wasser der Rigaer Bucht
Kap Kolka ist heutzutage eine mit Beton unterfütterte Felsenansammlung. Die Ostsee -links- vereinigt sich hier mit dem Wasser der Rigaer Bucht
Die Bloggerin steht auf den Felsen des Kap Kolka
Reisepunsch.de hat das Kap Kolka in Form von meiner Person „erklommen“
Am Strand liegen schwarze Haufen von angeschwemmten Wasserpflanzen
Am Strand der Rigaer Bucht am Kap Kolka liegen wieder schwarze Haufen der stinkenden Algen

Der Strand von der Ostsee – weiß, mit Muscheln und Steinen, aber sauber und dem der Rigaer Bucht – schwarze stinkende Algen und jede Menge Treibgut, ist frappierend. Ich vermute, dass die Strömungen für den Unterschied verantwortlich sind.

Auf einer Tafel wird erklärt, wie sich das Kap in den letzten Hundert Jahren verändert und vom Fleck bewegt hat
Diese Tafel ist beeindruckend. Wie doch die Ostsee und der Wind die Lage des Kap Kolka verändern

Auf der Tafel, die die Veränderung des Kaps erklärt, ist auch der Warnhinweis für Schwimmer. Ich kann mir denken, dass ein kleiner Mensch gegen diese Strömungen machtlos ist, wenn selbst das Kap sich nicht an einer Stelle behaupten kann

Wir passieren auf dem Weg zum Infozentrum einen Pfosten. Kann es sein, dass die Letten bereits 1836 wussten, in welchen Staatsgrenzen sie ihr Land in die Selbstbestimmung führen wollten?

Etwas später kommt eine Interessante Bronzetafel, die meine geografischen Kenntnisse prüft.

Eine Bronzetafel mit den Umrissen Europas und Kal Kolka als geografischer Mittelpunkt
Kap Kolka ist der Geografische Mittelpunkt Europas – wenn Europa bis zum Ural gerechnet wird

Bis wohin geht Europa? Bis zum Ural? Diese Frage hat mich schon bei der Elbrus Besteigung umgetrieben. Der Elbrus gehört ja zu den Seven Summits. Ist also einer der sieben höchsten Gipfeln auf den sieben Kontinenten. Somit ist der Mont Blanc als höchster Berg Europas „raus“, was wiederum die Schweizer ärgert. Und somit ist Kap Kolka in Lettland der geografische Mittelpunkt Europas. Beim Weiterwandern trennt ein Tor den Weg vom Strand – ich kann leider nicht herausfinden, ob es neu oder alt ist.

Drei Steinblöcke sind als Tor in den Sand gestellt, Kiefern wachsen rundherum
Das Tor sieht sehr archaisch aus

Den Weg hinauf passieren wir den Parkplatz des Infozentrums, der so teure Parkgebühren hat. Neben einer Picknickbank stehen einige Infotafeln über die Gegend.

Unter reinem halbrunden Dach sind Infotafeln über die Umgebung angebracht
Die Infotafeln über die Umgebung sind Wettergeschützt

Nun bin ich gespannt auf das Infozentrum. Neben einer öffentlichen Toilette gibt es Prospekte, Souvenirs und Kleinigkeiten zu essen und trinken. Was den hohen Parkplatzpreis rechtfertigt, erschließt sich mir nicht. So wandern wir auf eigene Faust durch den Wald zum Aussichtsturm. Hier finden wir unsere ersten Pfifferlinge im Wald. Bisher haben wir sie immer nur auf dem Markt gefunden. Für einen Frühstückstoast mit Ei und Pfifferlingen reicht die Menge. Der Aussichtsturm ist ziemlich hoch und bietet Aussicht über den endlosen Küstenwald und die Ostsee.

Ein aus Holz konstruierter hoher Aussichtsturm
Der Aussichtsturm ist aus Holz, die Stufen aus Metallgitter

Zurück am Parkplatz und Wohnmobil entdecke ich den Müllcontainer, den ich mit unseren gesammelten Recyclingsbehältern gleich fülle.

Ein Container mit verschiedenfarbigen Öffnungen wird für die Mülltrennung genutzt
Am Parkplatz beim Kap Kolka steht dieser Container für die Mülltrennung. Das finde ich eine gute Variante. Der neue Container kann als Ganzes abgestellt werden und der „gefüllte“ geht als Ganzes zur Entsorgung

Eine interessante Stelle und eine wunderschöne kurze Wanderung, die auch Kindern Spaß machen wird.

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Wanderung um den Pēterezeru – Peter-See

Wanderung um den Pēterezeru – Peter-See

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Der Slītere Nationalpark ist der kleinste der vier lettischen Nationalparks. Er liegt im Nordwestlichen Teil der Region Kurteme. Viele Naturwanderwege an verschiedenen Stellen des Parks zeigen den Besuchern die Besonderheit dieser Landschaft, die sehr unterschiedlich ist. Wir haben uns den Pēterezeru dabas taka ausgewählt.

Anfahrt zur Wanderung am Peter-See

Wir fahren vom Campingplatz in Miķeļtornis über die P 124 nach Norden bis zum Abzweig der P 126 und folgen dieser nach Südwesten in Richtung Dundaga. Bereits nach etwa 5 km weist ein braunes Touristikschild zum Pēterezeru dabas taka. Wir parken unser Wohnmobil. Auch hier wäre es kein Problem mit dem Wohnmobil über Nacht stehen zu bleiben.

Am Parkplatz ist eine große Tafel aufgestellt, die über alle Wanderwege im Slītere Nationalpark informiert. Uns interessiert die des heutigen „Pēterezers Nature Trails“. Ein QR-Code auf der Tafel leitet zu einer Webseite, die weitere Informationen gibt.

Eine Informationstafel erklärt den Wanderweg
Die Informationstafel erklärt nicht nur den Wanderweg, sondern auch Hintergründe

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Einmalige Dünenlandschaft in Europa

Ein schöner Waldweg führt in den Wald, Schilder hängen an den Bäumen.

Holzschilder markieren den Beginn des Wanderwegs
Diese Holzschilder markieren den Beginn des Wanderwegs

Am Anfang führt der Wanderweg parallel zur Straße. Der Weg ist recht eben, denn er verläuft auf der ehemaligen Trasse der „Gauge“-Bahn. Die Schmalspurbahn mit einer Spurbreite von 60 cm wurde während des ersten Weltkrieges im Bezirk Kurzeme gebaut. Die Deutsche Armee nutzte sie für Holztransporte. Ab den 1920er Jahren wurde die Trasse auch für den Personen- und Güterverkehr genutzt und stolz „Kurzeme-Express“ genannt. Die Fahrtzeit für die 70 km Strecke von Mazirbe bis Ventspils betrug sechs Stunden. Ein anderer Strang verband Mazirbe mit Dundaga. 1962 wurde der Eisenbahnverkehr eingestellt. 

Die Landschaft durch die wir wandern, hat sich vor etwa 6000 Jahren gebildet und ist einzigartig in Europa. Der „Petersee“ und der „Ententeich“ sind Überbleibsel der sich zurückziehenden Ostsee. Die Abfolge von Dünen und Tälern, Viga genannt, ist die einzige im Slītere Naturpark. In der Viga von Pēterezers leben Pflanzen und Tiere, die auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen. Hier ist z.B. der Teichfrosch Rana esculenta zu finden, vermutlich eine Kreuzung von Seefrosch und Wasserfrosch. Verschiedene Orchideenarten sind hier heimisch. Das diese Arten hier vorkommen, zeugt von einer hohen Umweltqualität.

Eine pinkfarbene Blüte mit kugelrunden, silbrigen Blütenansätzen
Die Blüte erinnern mich an eine Distel, aber das Blatt am Stängel nicht
Ein violette Blütenrispe
Auch diese Blüte erfreut mich, obwohl ich den Namen nicht kenne
Ein orangebrauner Schmetterling mit schwarzen Flecken auf einer gelben Blüte
Nicht nur dem Schmetterling schmeckt der Nektar, auch zwei Käfer auf der anderen Blüte stärken sich

Während unserer Wanderung ändert sich die Waldlandschaft ständig, in Unterbewuchs und Landschaftsform. Die Wanderung ist zwar kurz, nur 3,5 km, aber hochinteressant.

In sanften Wellen ist der Walduntergrund geformt. Der Kiefernwaldboden ist von Moos und Heidesträuchern bedeckt
Die Dünen sind als sanfte Wellen im Wald wahrnehmbar

Kurz danach werden die „Berge“ höher, die Dünen steiler. Wurzeltreppen erleichtern das Vorwärtskommen, aber manchmal ist der Weg recht steil und, nach dem Regen der letzten Tage, auch glitschig. In den „Tälern“ kann sich Wasser sammeln und bildet andere Biotope als die bisher gesehenen.

Viele Farne stehen als Unterholz im Kiefernwald, ein Bohlenweg führt hindurch
Die Farne erinnern an Urwald. Sie und der Bohlenweg deuten auf hohe Feuchtigkeit hin
Schachtelhalm steht an einer feuchten Stelle im Wald
Ich würde sagen, dass die feuchte Stelle von Schachtelhalm erobert worden ist oder irre ich?

Nach kurzer Weiterwanderung immer steiler bergauf, erreichen wir die höchsten Dünen.

Eine Holztreppe führt über eine von Wald bewachsene Düne
Die Dünen werden durch die Holztreppen geschützt, die viele Wanderer sonst zerstören würden

Nach der Düne ist der Wald wieder anders geartet, denn er nähert sich nun allmählich dem See.

Ein schmaler mit Kiefernadeln bedeckter Pfad führt in Kurven durch den Wald
Der Pfad ist schmal, weich und wunderschön zu gehen
Der Waldboden ist von verschiedengrünfarbigem Moos bedeckt
Hier sieht der Waldboden wieder ganz anders aus

Dann passieren wir wieder eine sumpfige Stelle.

Ein Steg führt über eine sumpfige Stelle im Wald
Feuchte Stellen werden von Holzstegen überspannt

Immer weiter geht es bergab und wir kommen an den Piļu Diķis, den Ententeich.

Eine dunkle kleine Seefläche
Der dunkle See wird Ententeich genannt – auch wenn wir keine Enten sehen

Nun geht es auf einem Bohlenweg weiter durch die Sumpflandschaft, die sich zwischen den beiden Seen gebildet hat. Genau diese Stelle ist so ganz und gar besonders für Amphibien und Pflanzen. Leider kenne ich mich zu wenig damit aus. Aber erfreuen kann ich mich an dem unterschiedlichen Bewuchs.

Ein Bohlenweg führt am Seeufer lange entlang
Der Bohlenweg führt uns lange am Seeufer entlang. So können die Sumpfpflanzen aus der Nähe betrachtet werden
Rote und schwarze Beeren wachsen an einer Pflanze
Diese Beeren wachsen im Sumpf beim Petersee – auch die kenne ich nicht

Der erste Anblick des Petersees ist wunderschön, allein wegen des Bäumchens davor.

Ein abgestorbener schiefer Baum vor einer kleinen Seefläche
Der Blick öffnet sich zum Peter-See
Der Petersee liegt heute sehr still da, rechts steht hohes Schilf
Der Petersee liegt heute sehr still da – Libellen sausen herum, fast zu schnell fürs Auge und erst recht zu schnell zum Fotografieren

Die Libellen schwirren nur so herum, über den See, durch das Schilf, hin und her in einer ziemlich hohen Geschwindigkeit. Ich bewundere die Naturfotografen, die diesen Insekten mit einer Filmkamera zu folgen vermögen. Aber auch wir haben Glück.

Eine Libelle sitzt auf einem Holzgeländer
Eine Libelle hat sich doch mal hingesetzt für das Fotoshooting
Eine Libelle sitzt auf einem Holzgeländ
Eine rötliche Libelle möchte nun auch fotografiert werden

Wir verweilen uns noch am See bevor wir weiterwandern.

Vom See führt eine Treppe über eine Düne wieder hinauf in den Wald
Nach dem See wird über eine Treppe wieder eine Düne erklommen

Immer wieder nehmen wir irgendwo eine Handvoll Heidelbeeren, die mit ihrer blauen Farbe nur so locken. Für professionelle Beerenpflücker ist dieser Wald tabu, ich hoffe, dass eine Handvoll erlaubt ist.

Ein Wanderer spaziert auf einem schmalen Pfad durch den Wald, im Unterholz Beerensträucher
Wir wandern durch den wunderschönen Beerenwald

Der Weg geht nun über sanftere Wellen weiter. Und nun gesellen sich auch Preiselbeeren zum Beerengesträuch dazu. Die herumliegenden hellen Birkenäste, das Weißmoos und das leuchtende rot der Beeren bildet eine wunderschöne Farbkombination.

Ein einem Strauch hängen rote Preiselbeeren, Weißmoos liegt darüber
Die Preiselbeeren sind an manchen Stellen schon reif

Wir werden von den kleinen Pfaden wieder auf einen breiteren Weg geleitet, der uns bald zurück zum Parkplatz führt. Diese Wanderung hat großen Spaß gemacht, denn die Landschaft ist voller Überraschungen, wenn man die Augen offenhält.

Ein Mann mit Rucksack wandert auf einem Waldweg
Der Wanderweg am Petersee ist wunderschön angelegt

Wir fahren weiter zum Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt in Kurzeme und dem Zusammenfluss von Ostsee und Rigaer Bucht.

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Būšnieku See Fahrradtour

Būšnieku See Fahrradtour

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Nördlich von Ventspils liegt der Būšnieku See, der ein Naherholungsgebiet für die Bewohner von Ventspils ist. Die Fahrradtour um den See ist nur 9 km lang und somit auch als Wanderung machbar. Der Wald steht im Sommer und Herbst voll Heidelbeeren, Preiselbeeren und Pfifferlingen, Bade- und Picknickplätze laden zum Verweilen ein.

Naherholungsgebiet Būšnieku See

Der Būšnieku See liegt nördlich von Ventspils und ist von der Ostsee durch eine Düne getrennt. In der Nähe befindet sich das Fischerdorf Staldzene, mit Fischerhäusern aus dem 19. Jahrhundert. Wir fahren auf den Parkplatz beim Badeplatz. Wir sind an diesem Sonntag noch vor der Mittagszeit dort, bevor der Parkplatz zu voll ist. Direkt unterhalb ist eine schöner Badeplatz.

Ein Bohlenweg führt links im Wald zum badeplatz des Sees, Leute laufen am Strand herum
Links führt ein Bohlenweg vom Parkplatz zum Badeplatz am See mit Umkleidemöglichkeit, Dixi-Toilette, Steg, Picknickplätzen und Sandstrand

Während ich fotografiere und die Helme aus dem Schrank hole, hat Bernhard die Fahrräder vom Wohnmobilgepäckträger geholt.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

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Der Radweg um den Būšnieku See

Wir starten im Uhrzeigersinn um den See. Der Radweg ist vom Parkplatz weg asphaltiert und führt, durch einen Grünstreifen getrennt, an der Landstraße entlang. Kurz vor dem „Hirschgarten“ geht der Fahrradweg nach rechts in den Wald. Ich bin aber neugierig, was sich hinter dem braunen touristischen Hinweisschild in wenigen Metern verbirgt, dass nach links führt. Ein Parkplatz mit einem Wildgehege und einer deutschen Hinweistafel!

Auf einer Tafel werden auf Deutsch Hinweise zum Busnieku See gegeben
Diese Hinweistafel auf Deutsch hängt beim Hirschgarten

In einem circa 35 ha großen Gehege leben Edelhirsche und benachbart, auf 1,5 ha, Wildschweine. Besucher können die Tiere von einem 6,5 m hohen Aussichtsturm beobachten, Wie immer steht eine Toilette und Picknickmöglichkeiten am Parkplatz zur Verfügung.

Nun folgen wir dem Radweg im Wald. Uns fallen alle circa 400 m bis 500 m große Tafeln auf. Darauf sind Fitnessübungen gedruckt, die international gut zu verstehen sind. Viele Übungen kenne ich vom Gesundheitswandern. Ich bin vom lettischen Angebot an die Bevölkerung, die Gesundheit durch Fitness und Wohlbefinden zu erhalten, wieder mal begeistert!

Eine Tafel in einem hölzernen Rahmen erklärt eine Fitnessübung
Auf einer Seeseite sind Fitnessübungen erklärt, die während der Wanderung oder Radtour zusätzlich absolviert werden können

Wir radeln auf dem ausgesprochen angenehmen Waldweg weiter. Der Wald erinnert mich mal wieder an Ronja Räubertochter. Manchmal Felsen, Birken, Nadelbäume, Kiefern, das Unterholz aus Farn oder Heidesträuchern, soo schön.

Ein Waldweg wird von einem Fahrradfahrer genutzt
Der Radweg durch den Wald ist in einem perfekten Zustand

Wir passieren den nächsten Parkplatz – prompt ist der Radweg (die Straße) wieder in erbärmlichem Zustand. In der Nähe ist ein Bootsverleih und eine Toilette.

Autos parken auf einem Schotterplatz am Waldrand. Eine Hinweistafel mit den Umrissen des Sees und der Verkehrswege ist aus Holz
In der Nähe des Bootsverleihs ist der Parkplatz mit Toilettenhäuschen und einer Hinweistafel zum See
Links ein Haus, darunter ein Kanal mit einem Steg. Dort werden Ruderboote verliehen
An diesem Haus werden die Ruderboote verliehen, um z.B. auf dem See zu angeln
Ein Holzhäuschen mit einer Tür mit einem Herzchen, eine Toilette
An jedem Parkplatz findet man eine Toilette, die hier am Busnieku-See ist sehr nett gestaltet

Kaum ist der Waldweg mit Pfosten für Autos gesperrt, ist er wieder ein wunderbar zu fahrender Radweg. Auch an diesem See wird eine Aussichtsplattform über einen Bohlenweg erreicht. Topp instandgehalten, der Zuweg ist gepflegt, Mülleimer überall in der Nähe. Ich bemerke nun immer öfter, wie sehr die Letten auf Sauberkeit im öffentlichen Raum achten.

Ein Bohlenweg führt zwischen Schilf zur Aussichtsplattform
Wieder ein perfekter Bohlensteg zur Aussichtsplattform am See
Auf einer Aussichtsplattform stehen zwei Fahrräder und sind Hinweistafeln
Die Infotafeln sind auf Lettisch und Englisch
Der Blick geht über die Schilfspitzen zum See
Blick über den See von der Aussichtsplattform, der Badeplatz ist etwa gegenüber

Vermutlich könnten wir von hier auch zum Badeplatz schwimmen, der See sieht so sauber und klar aus. Wir radeln lieber weiter. Wir umrunden die Nordspitze und kommen an einer Ferienhaussiedlung vorbei. Kleine Wiesenwege gehen immer wieder nach rechts zum See. Ein schöner Ort, um das Wochenende zu verbringen. Etwas später finde ich einen ungeheuer interessanten Pilz im Wald, kurz danach einen weiteren.

Ein aus Holz geschnitzter, weiß und rot angemalter, sehr hoher Fliegenpilz
Ein sehr großer Fliegenpilz im Wald
Ein aus Holz geschnitzter Steinpilz
Ein Steinpilz aus der Gattung Holzpilz

Bernhard ist schon weitergefahren und ich überhole einen etwa 8-jährigen Jungen, der unglücklich sein Fahrrad eher als Laufrad benutzt. Ich fahre langsamer und verstehe sein Problem. Anscheinend ist er gestürzt und sein Lenker hat sich verdreht. Ihm ist nichts passiert, aber er weiß nicht, wie er geradeaus fahren soll. Ich richte seinen Lenker, kann aber die Schraube nicht festziehen, da Bernhard am Fahrrad die Werkzeugtasche hat. Da bräuchte man mal einen Opa…. Aber da kommt er schon zurück geradelt, gleichzeitig mit dem Papa des Buben. Bernhard hat mich vermisst und der Papa seinen Sohn. Werkzeug hat der Papa keines – aber Bernhard kann den Lenker richten. Mit glücklichem Grinsen fährt der Junge davon. Wir verweilen an der Stelle, denn neben den Heidelbeeren sind auch die Preiselbeeren bereits am Reifen.

An einem Strauch sind blaue Heidelbeeren
Die Heidelbeeren hängen in großen Mengen im Wald. An den sich bereits rötlich färbenden Blättern ist zu erkennen, dass der Heidelbeerherbst nicht mehr weit ist
Preiselbeeren, beinahe reif, wachsen am Strauch
Die Preiselbeeren sind an sonnigen Stellen Anfang August schon beinahe reif

Wir passieren noch eine Frau, die Pfifferlinge sammelt. Große Stofftaschen hängen bereits voller Pilze an ihrem Lenker. Die Ware wird sie auf irgendeinem Markt verkaufen. Ja, um ein Zubrot zu verdienen ist jetzt die richtige Zeit. Der Wald bietet die Voraussetzungen dazu. Als wir am Parkplatz ankommen, ist der bereits überfüllt. Es ist Sonntag, nach 14 Uhr. Da kommen die Letten raus aus der Stadt, an den Strand, an die Badeseen und zu den interessanten Spots. Wir machen Platz für die Einheimischen, die mit ihren Kindern den Badesee genießen wollen. Er ist ja ideal für Kinder. Das Ufer geht allmählich in den See über und hat einen Sandstrand. Der See ist insgesamt sehr lange sehr flach und das Wasser hat wieder Trinkwasserqualität.

Sicherlich könnten wir auf diesem Parkplatz auch Übernachten. Nur, der Sonntag eignet sich nicht gut dafür, denn die Wochenenderholenden sind bis spät am Abend am Badeplatz, grillen, machen Picknick und genießen selbst den Abend. Ich möchte noch den Ventspils-Blogbeitrag schreiben, so machen wir und uns auf den Weg nach Norden. In Miķeļtornis wollen wir unser Quartier für die Nacht auf dem Campingplatz nehmen.

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Lebenswerte Stadt Ventspils

Lebenswerte Stadt Ventspils

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An der Mündung des Flusses Venta liegt die Stadt Ventspils. In den Jahren nach der Unabhängigkeit hat diese großzügige Parkanlagen geschaffen. Kunst und Kultur wird ebenso gefördert, wie die Ansiedlung innovativer Unternehmen. Freizeit- und Sportanlagen und Spielmöglichkeiten für Kinder wechseln sich in großer Anzahl ab.

Ventspils

Der Name Ventspils hört sich für deutsche Ohren – hauptsächlich, wenn deutsche Zungen ihn aussprechen – komisch an. Aber er bedeutet wohl nur: „Mündung der Venta“. Ich persönlich war von dieser Stadt ungeheuer begeistert. Sie ist sehr großzügig und weitläufig angelegt. Breite Straßen, sehr oft mit ebenen Fahrradwegen und breiten Gehwegen. Sehr viele innerstädtische Parks, alle gepflegt, mit bunten Blumenarrangements, Springbrunnen, Kunstwerken und Blumenskulpturen. Künstliche Wasserläufe, ein großer Stadtpark südlich der Stadt und überall Anlagen für Kinder zum Spielen. Hier mal ein Spielplatz, da unvermittelt paar Trampoline, dort eine Skulptur, die zum Klettern animiert und sogar eine ganzer Park nur für Kinder, Kinderstädtchen genannt. Egal wo wir hinschauten, kein Müll, keine „verwahrloste“ öffentliche Ecke – alles immer ein angenehmer Anblick.

Auch in dieser Stadt sind noch einige alte Häuser zu restaurieren, aber der überwiegende Teil ist bereits instand gesetzt. Ventspils hat eine andere Vergangenheit, als die vom sowjetischen Militär besetzte Stadt Liepāja. Hier in Ventspils konnten die Letten anscheinend mehr ihr Leben gestalten. Die Stadtoberen haben es sich in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht, die Stadt attraktiv für junge Leute zu machen. Sie wirbt dafür, sich mit innovativen Unternehmen in der Stadt niederzulassen und bietet dafür Lebensqualität. Um Dir diese Stadt in allen Details zu beschreiben, alle Besonderheiten zu erklären, müsste ich selbst mehrere Wochen dort geblieben sein – oder sogar dorthin umziehen. Lohnen würde es sich auf jeden Fall.

Kühe in Ventspils

Auf dem Campingplatz hinter der Rezeption steht die erste Kuh der „Kuhparade“ die wir von nahem in Ventspils sehen. 2002 und 2012 wurden Kunst- und Förderprojekte zum Thema „Kuh“ durchgeführt. Als Ergebnis finden sich 27 verschiedene Kühe im Stadtbild.

Eine Kunststoffkuh ist in der Leibmitte auseinandergeschnitten und am Bauch so verlängert, dass Blumen eingepflanzt werden können
Wer sagt denn, dass es nur Stretch-Limousinen geben kann?

Nachdem wir unser Wohnmobil auf dem Campingplatz abgestellt haben, wollen wir kurz die Stadt erkunden. Wir fahren den Hinterausgang des Campingplatzes hinaus und sind gleich im ersten Park. Die Besonderheit hier sind die Anker, die im ganzen Park verteilt sind.

Ein großer Anker mit Kette ist auf einer Grasfläche ausgestellt
Im Strandpark ist eine Anker“ausstellung“ untergebracht, das ist einer der Kleineren

Außerdem gibt es ab dem Küstenfreilichtmuseum direkt neben dem Campingplatz, eine Schmalspurbahn, die entweder durch den Stadtpark oder bis zum Freizeitpark beim Skihügel – ja richtig gelesen, beim Skihügel fährt. Der ist künstlich aufgeschüttet und bietet im Winter eine 100 m Abfahrt an, mit Schlepplift, Skilehrern usw. Wir aber radeln weiter und kommen an einem Seerosenteich vorbei, mit verschiedenfarbigen Seerosen.

Ein Teich mit Seerosen mit weißen, violetten und gelben Seerosen
Trotz Wind und Regen schauen einige Blüten der Seerosen

Zum Strand geht es, wie wir das mittlerweile von Lettland kennen, über eine hölzernen Bohlensteg. Heute ist er mit viele Sand bedeckt, der durch den starken Wind verweht wird.

An einem Strand mit schäumendem Meer steht die Bloggerin von Reisepunsch.de mit ihrem Fahrrad
Heute kann ich mal meine Regenjacke ausführen und versuchen, am Strand zu radeln. Fahrradständer am Strand sind in Lettland obligatorisch

Selbst die Strandschaukel ist vom Sand belagert und bald eingeweht.

Eine hölzerne Hollywoodschaukel steht vor Dünen
Welch ein schöner Platz bei weniger Wind und Regen

Erst im letzten Jahr wurde auf einer Plattform auf den Dünen ein Umriss von Lettland als neuestes Kunstwerk aufgestellt.

Die Umrisse von Lettland sind am Strand auf einer Plattform in Stahl gefasst
Die Umrisse von Lettland vor der stürmischen Ostsee

Wir radeln hinter den Dünen weiter Richtung Hafen, an dem wir von einer Kuh begrüßt werden. Die hats praktisch beim Reisen, ist sie doch selbst ein Koffer.

Eine Kuhskulptur die mit Aufklebern und einem Koffergriff am Rücken wie ein Reisekoffer erscheint
Die Reise- oder Kofferkuh steht am Hafen von Ventspils

Die künstlerische Weiterverwertung von ausrangierten Bojen finden wir noch an weiteren Orten. Hier in Ventspils sind die Bojen am Hafen aufgestellt.

Am Hafenkai stehen die verschiedensten Bojen aufgereiht
Bojenversammlung am Hafen

Es wird immer ungemütlicher und wir fahren zurück zum Campingplatz. Ich muss trotz Regen aber doch noch stehenbleiben, um die heutige (31.07.2020) Temperatur zu dokumentieren.

Ein Thermometer unter einer Uhr zeigt eine Temperatur von 16,9°
In der Pfalz sind es weit über 30° – wir haben das richtige Reiseziel gewählt – obwohl, über 20° dürfte es schon sein!

Den Rest des Tages und den nächsten Tag arbeite ich an Blogartikel und bleibe auf dem Campingplatz. Die Sonne scheint und Bernhard macht Besorgungen.

Einkaufen und Kultur

Bernhard ist fest entschlossen einen Teil des Tages am Strand zu verbringen. Vielleicht findet er ja doch Bernstein? Ich bin erstaunt, dass er bereits nach zwei Stunden zurück kommt.

Die Sonne scheint, das Meer ist noch sehr unruhig und am Strand wenige MenschenDie Sonne scheint, das Meer ist noch sehr unruhig und am Strand wenige Menschen
Der Sonnenschein trügt, denn es geht noch ein kühler Wind. Mal wieder ist der Strand in Lettland wenig besucht

Er macht mit dem Fahrrad eine Einkaufstour in die Stadt und entdeckt weitere Hingucker für die Bürger in einem Park.

Ein Fantasietier auf zwei Beinen mit Elefantenrüsseln und Kugeln davor
Fast könnte man einen Ottifanten sehen… ein wieder anderer Park mit Kunstwerken und schönen Blumenarrangements
Aus kleinen Erhebungen in einem Brunnenbecken sprüht Wassernebel
In diesem Park ist auch dieser Brunnen, der den Namen Sonnenboote trägt. Im Wassernebel fällt die Bootsform der einzelnen Elemente nicht so gut auf

Außer dem Einkauf auf dem Markt in der Nähe des Rathausplatzes hat Bernhard für uns Konzertkarten für den morgigen Samstagabend gekauft. Die Konzerthalle in Ventspils ist nach nur zwei Jahren Bauzeit im Sommer 2019 eröffnet worden. Sie hat das weltweit größte senkrechte Konzertklavier, mit einer Höhe von 4,7 m. Die wurde von dem Deutsch-Letten David Klavins erdacht und gebaut. Die manuelle Konzertorgel mit 3500 Orgelpfeifen ist von der deutschen Orgelbaufirma „Johann Klais Orgelbau GmbH & Co. KG“ erbaut worden. Ein besonderes Haus mit besonderen Musikinstrumenten, ich bin sehr gespannt.

Eine Konzertkarte für ein Konzert in der Konzerthalle in Ventspils
Bernhard hat uns zwei Karten für ein Klavierkonzert gekauft

Lebensqualität am Strand

Der Samstag ist ein wunderschöner Sommertag. Es ist sogar warm, denn der Wind ist endlich weg. So gehen wir bereits vor dem Frühstück an die Ostsee zum Schwimmen. Vorbei an der Ankerparade im Park, über die Gleise der Schmalspurbahn, am Seerosenteich vorbei und über den langen Bohlenweg zum Strand. Am Beginn des Bohlenwegs fährt gerade ein städtischer Mitarbeiter weg. Auf einem Bobcat mit Besenrolle davor und im hinteren Korb Schaufeln und kleine Besen. Er hat den Bohlenweg vom Sand freigeschippt und mit der Maschine gekehrt. Er ist nun auf dem Weg zum nächsten Weg. Das macht so eine „aufgeräumte“ Stadt aus.

Ein Sandstrand mit kleinen Kieselsteinen bedeckt, links Dünen, rechts die Ostsee
So leer war der Strand um 9 Uhr morgens – aber den ganzen Tag über bleibt die Menge der Menschen überschaubar
Eine Frau geht ins Meer zum Schwimmen
Ein erfrischendes Bad am Morgen – der Wind hat etwas nachgelassen und es ist gefühlt wärmer als 20°

Unser Bad haben wir am Hundefreien Strand genommen. Es gibt noch einen Textilfreien Strand, vermutlich auch einen Frauenstrand – immer sauber und gepflegt. Alle ca. 200 m führen Bohlenwege über die Dünen zum Strand. Dort sind immer einfache Umkleidekabinen und Fahrradständer. Hinter der ersten Düne sind meist Sportfelder angelegt, Volleyball oder Badmington, so dass die Spielfelder etwas außerhalb des Windes liegen. Das Strandkonzept ist sehr Besucherfreundlich erstellt.

Lebensqualität in der Stadt

Nach dem Frühstück machen wir eine gemütliche Fahrradtour in die Stadt. Ich möchte noch ein wenig entdecken und auf den Samstagsmarkt wollen wir auch. Gleich in der Nähe des Campingplatzes entdecken wir einen Park.

Eine Tafel am Eingang des Parks erklärt die Spielgeräte und ab welchem Alter sie genutzt werden können
Ein Park nur für Kinder – ungeheuer abwechslungsreich

Der Park „Bērnu pilsētiņa“ „Kinderstädtchen“ begeistert uns sehr. Wir sind mittlerweile Großeltern und wieder an Kinderdingen interessiert. Hauptsächlich an Kinderunterhaltungsdingen, die Kinder herausfordern, sie ihre Grenzen suchen lassen und ihre Motorik stärken. Im Park gibt es die unterschiedlichsten Klettergerüste und Netze, Balanciergerätschaften, Trampoline, Rutschen und so weiter. Natürlich sind in dem Park auch einige Dinge, die Geld kosten, wie z.B. die Elektroautos, mit denen die Kinder in einem „Motodrom“ herumfahren können. Oder diese Reittiere, die absolut tiergerecht sind.

Plüschtiere stehen in einer Reihe, auf denen geritten werden kann
Mit einer hüpfenden (reitenden) Bewegung werden die Reittiere bewegt
Ein Blumenarrangement ergibt drei bunte Enten
Im Park „Bērnu pilsētiņa“ steht das Blumenarrangement mit den drei Entchen

Bei der Weiterfahrt kommen wir von der anderen Seite an der Temperaturanzeige vorbei. Das Bild unterscheidet sich nicht nur in Uhrzeit und der Temperatur, sondern auch in der Farbgestaltung, da die Sonne scheint.

Unter einer Uhr ist eine Temperaturanzeige, die 21,4° anzeigt
Die Temperatur ist zwar nur 5° wärmer als vorgestern, aber der Wind ist weg und die Sonne scheint, so erscheint es viel wärmer

Wir radeln weiter, bis die ersten Stände beginnen und schließen unsere Räder an einem Halteverbotsschild an.

Eine Skulptur, ein Tintenfass mit zwei Federkielen
Das überdimensionierte Tintenfass steht sinnigerweise vor der Hauptbibliothek

An der Bibliothek geht das samstägliche Markttreiben los. Erstmals in Lettland überlegen wir, ob wir unsere Masken aufsetzen sollen. Anfänglich drängen wir uns in einer Menschenmenge durch die erste Standgasse, bevor der Markt sich öffnet. Auf dem Markt gibt es alles, was Mensch für sein Leben und sein Zuhause benötigen könnte. Wir sind hauptsächlich an Nahrung interessiert. An einem Buchstand mit Landkarten und Reiseführern finde ich aber endlich das, was ich seit der Einreise ins Baltikum in Litauen suche. Eine Landkarte – in Buchform – für alle Baltischen Staaten mit dem Maßstab 1:200.000. Die kaufen wir sofort. Heidelbeeren und Pfifferlinge hat Bernhard gestern bereits gekauft, die Stände schauen wir nur an.

Die Heidelbeeren sind sehr groß, als Vergleich dient ein Finger
Der Finger ist als Vergleich für die Größe der Heidelbeeren gedacht
Dosen mit Heidelbeeren und Berge von Pfifferlingen warten am Marktstand auf den Verkauf
Tiefdunkles Blau und leuchtendes Orangegelb beherrschen eine ganze Marktstraße
Pfifferlinge in der Sonne und im Schatten mit den Verkaufspreisen
Da es solche Unmengen von Pfifferlingen zu geben scheint, sind die Preise sensationell

Schon auf dem Platz, wo unsere Fahrräder parken, war eine Bühne aufgebaut, hier auf dem Marktplatz ist die nächste. Eine Bank intoniert schöne jazzige Musik, die Sängerin singt einen internationalen Text, der nur aus zweibuchstabigen Lauten besteht.

Eine Band (Gitarrist, Keyboarder, Drummer und Sängerin) steht auf einer BühneEine Band (Gitarrist, Keyboarder, Drummer und Sängerin) steht auf einer Bühne
Es ist Stadtfest zum 730. Geburtstag von Ventspils. Auch auf dem Markplatz tritt eine Band auf

Am Rande des Marktplatzes sind die Cateringstände aufgebaut. Sie unterscheiden sich im Angebot von den in Deutschland. Eine finde ich besonders ansprechend, kann sie aber, so kurz nach dem Frühstück, noch nicht versuchen.

Eine in Ringen aufgeschnittene Kartoffel steckt auf einem lange Schaschlikspieß Sie wird vor dem Verzehr über dem Feuer gegart
Diese Kartoffelspezialität wird überall angeboten

Ich entdecke ein kleines Detail am Marktbrunnen, der einfach Trinkwasser spendet und keinen Hinweis trägt, dass man es nicht trinken könnte.

Ein kleiner Tierkopf am Marktbrunnen lässt das Wasser aus seinem Maul fließen
Der Hebel am Tierkopf wird bewegt, wenn jemand Wasser am dem Marktbrunnen trinken möchte

Auch an der Kirche am Rathausplatz entdecke ich eine interessante Tafel.

Eine Gedenktafel mit der Aufschrift “ Gott und dem Kaiser gewidmet 1835“
Diese Gedenktafel hängt an der Kirche am Rathausplatz

Wir machen nun eine weitere Runde um die Stadt. Die Radwege sind toll angelegt und markiert, und wenn der Radweg aufhört ist der Fußweg so breit, das alle Platz haben. Andererseits ist wenig Fahrzeugverkehr, so dass das Fahren auf der Straße auch kein Sicherheitsrisiko darstellt. Weit hinter dem Hafen, in der Nähe der Brücke über den Fluss Venta, entdecken wir wieder eine Kuh.

Kreisförmige Blumenrabatten innerhalb gemähten Rasens, im Hintergrund eine Kuh, die aus Blumenpflanzen gestaltet ist
Überall gepflegte Parkanlagen mit wunderschönen, bunten Blumenrabatten – hier sogar mit einer Blumenkuh

In Reņķa dārzs – in Renkis Garten

Wir radeln auf dem Radweg weiter, an einem Flüsschen entlang, dass sich Vidumupite nennt.

In einem kleinen See ist eine Fontäne
Diese Fontäne steigt in einem kleinen See auf

Schon nach kurzer Zeit kommen wir in Reņķa dārzs oder Renkis Garten an. Hier findet ein weiterer Teil des Stadtfestes statt. Eine andere Band tritt auf. Begrüßt werden wir im Park wieder von Kühen – diesmal ganz anderen.

Felsbrocken wurden mit bronzenen Kuhgesichtern mit Hörner versehen und wirken wie eine liegende Kuhherde
Überall Kühe – die aus Felsbrocken finde ich besonders interessant

Der ganze Park steht wieder voll mit interessanter Skulpturen und Kunstwerke. Ich bin ganz angetan von dieser Vielfalt an Kunst.

Ein sehr großes hölzernes Buch hat einige Buchstaben eingeschnitzt, dahinter aus Holz gearbeitete riesige Stadtschlüssel
Die Stadtschlüssel und die Geschichte oder Verfassung der Stadt, im Goldenen Buch
Eine Skulptur eines kaputten Wanderschuhs, auf der Kinder klettern
Der Wanderschuh hat manche Anstrengung geschafft, so wie ihm die Zunge heraushängt. Für Kinder eine weitere Klettermöglichkeit
Eine große Hutskulptur eines blauen Hutes steht in einem Park
Ein großer Wanderhut wird gerade mal nicht von Kindern beklettert
Felsbrocken haben aus Armiereisen Stahlfüße erhalten und rundgedrehte Hörner und sollen Schafe darstellenFelsbrocken haben aus Armiereisen Stahlfüße erhalten und rundgedrehte Hörner und sollen Schafe darstellen
Eine Schafherde aus Steinbrocken steht an einer anderen Stelle des Parks

Wir radeln zurück, denn die Pfifferlinge, die Bernhard gestern gekauft hat, essen wir heute zum verspäteten Mittagessen, bevor wir ins Konzert gehen. Beim Kochen und Essen haben wir lettische Musik zur Unterhaltung, denn auf der Bühne des Museums hinter dem Campingplatz spielen lettische Musiker traditionellere Musik.

Konzertsaal Latvija – Koncertzāle Latvija

Wir radeln zum Konzerthaus, denn wir wollen danach noch etwas durch die Stadt schauen und den Abend beim Stadtfest genießen. Allein das Gebäude ist ein architektonisches Schmuckstück. Neben dem Gebäude sitzt Publikum auf Stühlen und auf der ansteigenden Wiese – aber wir wollen zum Konzert in den Konzertsaal.

Das Konzerthaus ist ein Flachdach Gebäude zum Teil mit Glasfassade
Das Konzerthaus in Ventspils – im Glas spiegeln sich die Gäste des Open-Air-Konzerts

Auch hier gibt es Coronavorschriften. Es bleibt jede 2. Reihe frei, und immer zwei bis drei Plätze zwischen den Zuhörern. Außerdem müssen wir uns mit Name und Telefonnummer in eine Liste eintragen und mit Reihe und Platznummer – so dauert es länger, bis das zugelassene Publikum im Saal sitzt. Wir haben unsere Plätze in der ersten Reihe ganz rechts. Zum Fotografieren ist der Platz ausgezeichnet. Ich versuche, das Klavier zu verstehen.  

Auf einer Empore sind die Klavierhämmer des höchsten vertikalen Klaviers
Das Bild ist leider unscharf. Das sind die Klavierhämmerchen des vertikalen Klaviers
Ein rechteckiger Kasten, der Klangkörper des Klaviers, hängt von der Empore hinab
Der Klangkörper des Klaviers hängt unter der Empore – die Bassseiten sind deutlich zu erkennen
Hinter einer hölzernen Deckenverkleidung schauen Orgelpfeifen hervor
Die Leinwand, auf der wir später das Klavierkonzert anschauen können, verdeckt leider die Orgelpfeifen

Auf einem Foto erkenne ich später, dass oberhalb der Bühne noch ein Empore für zum Beispiel einen Chor ist, aber leider verdeckt die Leinwand diesen Bühnenteil ebenso, wie die Orgel. Die Deckenverkleidung ist ebenfalls geschmackvoll, später spiegelt sich sogar ein Teil des auf die Leinwand projizierten darin.

Hölzerne Bauteile sind als Deckenverkleidung aufgehängt
Ich vermute, dass die hölzerne Decken- und Wandverkleidung positiven Einfluss auf die Akustik hat

Die Türen schließen sich und ich mache noch ein Bild vom Eingang Richtung Bühne.

Die Publikumsreihen im Konzerthaus sind wegen Corona ausgedünnt
Das Publikum sitzt Coronabedingt weit auseinander. Hinten links die Gesamtheit des vertikalen Klaviers

Die Künstlerin klettert über eine steile Treppe zur Empore mit der Klaviertastatur. Drei Kameras übertragen das Bild von der Pianistin am Klavier auf eine Leinwand.

Auf der Leinwand verfolgt das Publikum das Spiel der Pianistin und das Schlagen der Hämmer auf die Saiten
Das Klavierspiel von Hania Rani wird auf die Leinwand übertragen. Wann kann ein Zuschauer einer Pianistin so auf die Finger schauen?

Nach einigen Stücken erzählt die Künstlerin von sich und beginnt mit dem Satz: „Ich weiß gar nicht wohin ich schauen muss, denn ich kann das Publikum von hier aus nicht sehen. Ich war noch nie so hoch über einem Zuschauerraum, ich weiß gar nicht, ob jemand da ist.“ Sie spricht englisch und nach der Übersetzung ins Lettisch braust Beifall auf, der ihr mitteilt, das Publikum da ist.  Und immerhin sitzt sie 10 m über dem Publikum, schätze ich.

Auf der Klavierempore spielt die Pianistin, während das Publikum auf der Leinwand zuschaut
So können wir das Konzert verfolgen. Links auf der Empore sitzt die Pianistin Hania Rani, rechts auf der Leinwand können wir das Spiel genau verfolgen

Wir sind von der Künstlerin, dem Instrument und dem Konzerthaus sehr begeistert, als wir hinaus ins Freie treten. Swingklänge empfangen uns und wir schauen uns um, wo die Musik herkommt. Wir stellen fest, dass sich die rechte Außenwand des Konzerthauses für Open-Air-Konzerte öffnen lässt. (Zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Foto dieser Konzerthausreihe gemacht). So gehen wir gar nicht viel weiter, als bis zur Wiese und hören nun anderer Musik zu.

Auf der Open-Air-Bühne steht ein Orchester, davor sitzen auf Stühlen und auf der Wiese die Zuschauer
Ein Orchester unterhält die Gäste auf der Open-Air-Bühne mit Swing. Hinter der Bestuhlung steigt eine Rasenfläche steil hinauf auf dem weiteres Publikum sitzt. Ich stehe zum Fotografieren auf dem höchsten Punkt

Leider ist das Konzert kurz danach zu Ende und wir flanieren über den wunderschönen Platz vor der Konzerthalle. Uns begegnet der Name „Windau“ hier zum Zweiten mal. Du erinnerst Dich? Genau! Der Herzog mit der Herzogschaft Windau, dessen Denkmal in Kuldiga in rostigem Eisen und in Alu gegossen wurde. Er gründete Kolonien in Gambia und Tobago und dorthin kam man im 17. Jahrhundert nur per Schiff. Die Fregatte “Wallfisch” aus Windau lief 1644 aus, der Springbrunnen „Valzivs“ (der Lettische Namen für Wallfisch) wurde in Ventspils 2016 aufgebaut.

Wie die Masten eines Segelschiff ist der Springbrunnen vor der Konzerthalle gestaltet
Der Springbrunnen Valzivs in der Abendsonne
Rund um den Springbrunnen sind Blumenarrangements mit Buchs kombiniert
Der in Rautenform gepflanzte Buchs wird von der Abendsonne angestrahlt und leuchtet mit den gelben Blumen um die Wette

Ich verspeise nun an einem Stand so eine Kartoffelspirale, sie schmeckt wie ein Zwitter zwischen Pommes und Kartoffelchips und ist an diesem Stand leider etwas zu wenig gewürzt.

Sundowner in Ventspils

Wir haben genug Kultur genossen und sehnen uns nach Ruhe. Die haben wir allerdings am Campingplatz nicht, denn auf der Museumsbühne ist ebenfalls Musik. So machen wir uns auf zum Strand mit zwei Stühlen und unserer kleinen Kühltasche mit Wein. Der Strand ist wieder fast menschenleer – das ist aber nicht nur dem Stadtfest geschuldet. Ich denke, jedem in Lettland lebenden Einwohner stehen ca. 27 cm persönlicher Strand zu, wenn alle gleichzeitig zum Strand gingen. Die lettische Küste ist mit der Rigaer Bucht 530 km lang und Lettland hat 1,92 Millionen Einwohnern, da kann der Strand gar nicht voll werden!

Die Bloggerin von Reisepunsch.de sitzt am Strand mit einem Glas Muskateller und schaut dem Sonnenuntergang zu
Ein Glas Muskateller vom (Achtung Werbung) Weingut Sohn in Frankweiler in der Pfalz und ein Sonnenuntergang über dem Meer – so einfach kann Glück sein

Der Himmel führt das Kulturprogramm weiter, jetzt ist gestaltende Kunst dran. Der Himmelsmaler packt sein volles abendliches Farbspektrum aus.

Die Sonne scheint die Wolken in verschiedenen Orangefarben an
Der Himmel veranstaltet ein Wolkenspektakel und die Sonne strahlt es an
Eine Wolke wirkt wie die zündenden Raketen eines Feuerwerks
Diese „Raketenwolken“ finde ich total interessant – sie geben einen Vorgeschmack auf das Feuerwerk
Ein Fährschiff rechts wird von der untergehenden Sonne auf dem Meer angestrahlt
Die Stenaline läuft vor Sonnenuntergang aus. Sie fährt von Ventspils nach Nynäshamn in Schweden oder nach Rostock oder Travemünde
Die Sonne schiebt sich unter eine Wolke hindurch ins Meer
Die Sonne schaut noch kurz hinter der Wolke hervor, bevor sie ins Meer versinkt

Wir verabschieden uns für heute von der Ostsee und gehen über die Düne zurück. Auf dem höchsten Punkt entdecken wir den Mond, der über dem Wald aufsteigt.

Der Mond geht über einem Wald auf
Die Sonne ist untergegangen, der Vollmond geht auf, im Osten über einem Wald

Noch ist Musik auf der Bühne nebenan, aber ohne Menschentrubel um uns herum genießen wir diese im Wohnmobil noch bis zum Ende. Das wird durch laute Knallerei markiert, denn zum Abschluss gibt es irgendwo in der Stadt ein Feuerwerk.

Ein Feuerwerk ist über Bäumen zu sehen, im Vordergrund die Miethütten des Campingplatzes
Wir können das Feuerwerk besser hören als sehen

Für mich ist Ventspils eine ungeheuer lebenswerte und liebenswerte Stadt. Ich habe mich als Gast sehr wertgeschätzt gefühlt und ich denke, dass es den 38.000 Bürgern ebenso geht. Einen mehrere Tage dauernden Besuch kann ich nur empfehlen. Allein, um alle Kühe und Blumenskulpturen zu entdecken.

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Jūrkalne und die Steilküste

Jūrkalne und die Steilküste

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Die Steilküste der Ostsee bei Jūrkalne soll ein besonderer Ort in Lettland sein. Bei unserem Aufenthalt lernen wir sie gut kennen und können das bestätigen. In den zwei Tagen auf dem Campingplatz Zaki bietet das Wetter so ziemlich alle Jahreszeiten und eine große Abendshow.

Fahrt an die Steilküste

Wir flüchten am Morgen nach einer fast schlaflosen Nacht aus Kuldiga. Die nächste Nacht wollen wir an einem ruhigen Ort verbringen. Da ich auch Wäsche waschen muss, wählen wir den Campingplatz „Kemping Zaki“ als Ziel.

Wir fahren über die P 119, eine Asphaltstraße. Wir haben von unserem Weinbauern in Aizpute erfahren, dass die Gegend um Alsunga eine besondere Geschichte hat. Daher wollen wir dort einen Stopp machen. 1372 wurde die Burg Alswangen oder Alschwangen vom Deutschen Orden angelegt. 1623 trat der Gutsherr Graf Johann Ulrich von Schwering wegen seiner Hochzeit mit einer Polin zum Katholizismus über, in einer ansonsten reformierten Gegend. Seine Untertanen mussten nach damalig geltendem Recht ebenfalls konvertieren. Die katholischen Gläubigen sonderten sich von den umliegenden reformierten Gemeinden ab und bildeten die Suiti genannte Volksgruppe. Heute gehören nur noch knapp 3.000 Einwohner dieser Minderheit an. Die alten Frauen bewahren die Sitten, Bräuche und Trachten, die sie auch heute noch tragen. In einem Zentrum sollen die Trachten ausgestellt sein. Dort wird in einem Café das traditionelle Essen der Bewohner, darunter auch „richtiges“ Brot, verkauft. Wir hoffen, dort frühstücken zu können. Leider sind wir zu früh, das Café öffnet erst um 11 Uhr und wir fahren unverrichteter Dinge in Richtung Ortsausgang.

Eine Frau in einer bunten Tracht läuft die Straße entlang
Wir fahren kurz danach an der Frau vorbei, die fröhlich winkt. Sie trägt eine Suiti-Tracht

Nach diesem schönen Erlebnis biegen wir an der Kreuzung in Jūrkalne auf die P 111 nach Norden ab und folgen dem Schild „Kemping Zaki“ kurz danach nach links in den Wald. Nach einigen Sanddurchfahrten erreichen wir unser Ziel. Wir dürfen den Platz selbst wählen, nur, vorne an der Aussicht, sollten wir uns nicht hinstellen. Da der Sturm bläst suchen wir einen windgeschützten Platz, den wir direkt neben dem Spielplatz, sogar von Natur aus eben, finden.

Ein Wohnmobil steht auf einer Wiese, die Markise ist ausgefahren. Ein Fahrrad steht davor, im Hintergrund ist die Ostsee unterhalb der Wiese zu sehen
Unser Platz auf „Kemping Zaki“ ist windgeschützt mit Blick aufs Meer

Ich kann sogar Wäsche waschen, obwohl die Waschmaschine in den Privaträumen der Campingplatzbetreuerin steht. Üblicherweise wäscht sie dort die Wäsche, die in den Vermietungshütten anfällt. Sie bietet mir auch den Trockner an. Da ab und zu Regentropfen fallen, nehme ich das Angebot für einige Wäschestücke an.

Auf einer Wäscheleine unter eine Markise hängt am Wohnmobil gewaschene Wäsche
Ich habe große Wäsche, die im Wind schnell trocknet

Kaum ist die Wäsche trocken, legt sich der Wind. Die Ostsee liegt so zahm da, als wüsste sie gar nicht, wie Wellen machen geht.

Von der Steilküste geht der Blick hinunter zum hellen Sandstrand
Der Blick nach Norden vom Aussichtsbänkchen des Campingplatzes
Von der Steilküste geht der Blick hinunter zum hellen Sandstrand, oberhalb ist ein Wald
Der Blick nach Süden vom Aussichtsbänkchen des Campingplatzes, die Skelette von Bäumen sind deutlich zu erkennen
Die Ostsee unterhalb der Steilküste liegt ganz ruhig da
Die Ostsee ist heute ausgesprochen ruhig, wir genießen ein langes Bad mit sanften Wellen

Wir spazieren mit unseren Badesachen an der Küste entlang nach Norden. Ab und zu nehmen wir ein erfrischendes Bad. Immer wieder treffen wir auf Kunstwerke.

Aus verschiedenfarbigen Steinen sind Kreise ineinander gelegt
Ein unbekannte Künstlerin oder Künstler hat diese Strandkunst geschaffen

Zurück am Wohnmobil kochen wir. Nach dem Essen widme ich mich meinem Blog, sitze draußen unter der Markise am Laptop. Ein Familie kommt mit Fahrrädern am Campingplatz an. Die Erwachsenen haben Packtaschen am Fahrrad. Ein Anhänger hängt an einem Fahrrad, aus dem ein Mädchen aussteigt. Die größere Tochter, die ich auf etwa acht schätze, fährt mit eigenem Fahrrad und hat ebenfalls Packtaschen am Gepäckträger eingehängt. Ganz kurze Zeit später sind alle in Badekleidung und gehen hinunter zur Ostsee.

Am Spätnachmittag gehen wir auch wieder hinunter zum Baden, die Ostsee ist heute ein Traum. Am Wohnmobil angekommen sehen wir über dem Wald im Osten dunkle aufgetürmte Wolken. Na, dann ist ja der Sommertag wieder vorbei, denke ich. Kurz danach höre ich Donner in der Ferne. Okay, Gewitter. Und mein Hirn schaltet sofort an meine Schwedentour mit meiner Tochter um, bei der wir eine Gewitternacht Mutterseelenallein im Zelt am See Lelång verbracht haben. Ich spaziere auf dem Weg zur Toilette zu der Familie, die mittlerweile mit Zeltaufbau fertig ist und gerade das Abendbrot verstaut. Ich biete ihnen an, falls es zu heftig wird mit dem Gewitter, es bei uns im Wohnmobil auszusitzen. Gerne, antworten sie, und das Bernhard sie eben bereits auch eingeladen hat. Er kommt gerade vom Aussichtsbänkchen zurück und sagt, dass ich mir die Gewitterstimmung unbedingt anschauen müsste.

Rechts über der Ostsee der Widerschein des Sonnenuntergangs, links dicke Regenwolken über der Steilküste
Das Gewitter kommt über die Steilküste schnell näher, der Sonnenuntergang fällt ins Wasser

Mit den ersten Regentropfen klopft es an der Wohnmobiltür und die Erfurter Familie betritt, nach eigener Aussage, zum ersten Mal, ein Wohnmobil. Ich finde Filzstifte und Papier für die Mädchen, denen so nicht langweilig wird. Wir servieren den Eltern aus der Pfalz Wein vom Weingut Sohn und selbstgemachten Holundersirup als Schorle für die Mädchen. Wir erfahren, dass sie schon viele Jahre mit dem Rad reisen und bereits früher in Lettland waren. Die große, achtjährige Tochter fährt seit zwei Jahren selbst. Die jüngere Tochter, mit ihren beinahe vier Jahren fährt im Anhänger mit. Die Tagesstrecken liegen höchstens bei 40 Kilometern. Sie lieben die Nächte gemeinsam im Zelt und freuen sich, dass sie autark unterwegs sein können, mit eigener Muskelkraft. Das Gewitter mit Regenprasseln spielt die Hintergrundmusik zu unseren Gesprächen. Erst sehr spät verabschieden wir uns von einem sehr unterhaltsamen, schönen Abend.

Die Regenwolken sind nun rechts, aber noch am regnen, die Sonne ist als kleiner Punkt über dem Meer zu erkennen
Noch im Regen nimmt Bernhard doch noch den Sonnenuntergang auf

Kleine Radtour nach Jūrkalne

Die ganze Nacht gab es immer wieder Regenschauer und am Morgen hat wieder der Wind eingesetzt. Wir fahren am späten Vormittag mit dem Rad in den Ort Jūrkalne. Die Erfurter Familie ist bereits früher aufgebrochen.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

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Oder Du folgst mir und dieser Fahrradtour auf meinem Komoot-Account.

Wir fahren über die Zufahrtsstraße zur Hauptstraße und folgen ihr wenige hundert Meter. Dann geht links der Straße ein schöner Waldweg bis zum Ort. Wir wollen ihn erkunden und machen so einige Schlenker und Kringel. Auch wollen wir einige Lebensmittel kaufen, aber erst vor der Rückfahrt. Wir biegen an einer Kreuzung nach rechts ab und werden freundlich begrüßt.

Am Ortseingang von Jūrkalne steht eine Figur, die die Reisenden willkommen heißt
Diese Figur heißt und in Jūrkalne willkommen

Bei einem Zebrastreifen ist ein Schild mit einem Pfeil nach rechts zu einem Restaurant. Da wir heute nicht kochen wollen, prüfen wir, ob es geöffnet hat und zu welcher Zeit gekocht wird. Von 12 bis 22 Uhr gibt es Essen, so werden wir nach unserer Erkundungstour und dem Einkauf hier einkehren.

In einem Holzhaus ist ein Hotel und Restaurant
Im Restaurant Pilsberġu krogs haben wir ein wohlschmeckendes Essen in einem schönen Ambiente genossen

Wir radeln Richtung Steilküste und entdecken ein Freizeitgelände und an dessen Ende einen Parkplatz.

Auf einer großen Wiese steht ein rundes Gebäude, mit einem welligen Dach
Auf einem großen Freizeitgelände steht dieses interessante Gebäude
Eine aus Baumstämmen gebaute doppelstöckige Laube mit Sitzplätzen oben und unten
Dieser rustikale Aussichtsturm mit einem lauschigen Sitzplatz im „Erdgeschoss“ steht ebenfalls auf dem Freizeitgelände
Neben eine Aussichtsplateau führt eine Holztreppe hinunter zum Strand
Nach dem Parkplatz geht es über einen Waldweg bis zum Rand der Steilküste. Über die hölzerne Treppe geht es hinunter zum Strand

Vom Parkplatz hinauf zum Ort fahren wir am Friedhof entlang und erreichen den Laden. Von Bettwäsche über Windeln, täglichem Nahrungsbedarf über Dekorationsgegenstände führt der Laden alles.

Ein Holzhaus mit einem Ladengeschäft, zwei Fahrräder parken davor
Wir kaufen im einzigen Laden von Jūrkalne ein

Hinter dem Haus ist ein weiteres Freizeitgelände für Erwachsene und Kinder

Auf einer Wiese stehen Fitnessgeräte für Erwachsene
Hinter dem Einkaufsladen sind auf einer Wiese die Fitnessgeräte für Erwachsene aufgestellt

In allen lettischen Gemeinden, die wir näher kennen gelernt haben, gibt es immer gepflegte Freizeiteinrichtungen. Die Parkanlagen sind mit vielen Blumen bepflanzt und ebenfalls sehr sauber und gepflegt. Nach einem guten Essen im Restaurant radeln wir zurück zum Campingplatz.

Steilküstenschwund

Am Nachmittag spazieren wir ein wenig am Strand entlang nach Süden. Die Füße werden vom Wind ziemlich sandgestrahlt und die Wellen donnern an den Strand. Überall am Strand liegen Gerippe von den Bäumen, die bereits die Steilküste hinabgefallen sind.

Hohe Wellen kommen auf den Strand über dem eine Steilküste mit Bäumen aufragt
Heute bläst der Wind wieder kräftig und die Ostsee ist rau

Im Gegensatz zu Portugal ist an der Ostsee nicht Muschelsammeln, sondern Steinesammeln ein Volkssport. Ich beschränke mich aufs Betrachten und Fotografieren, denn wir haben im Wohnmobil ein zulässiges Gesamtgewicht, dass wir nicht überschreiten wollen…

Ein roter Stein im Sand mit verschiedenfarbigen Einschlüssen
Einer der schönen Steine mit vielen Einschlüssen, den ich am Strand lasse (ein Foto wiegt weniger!)

Wenig später finde ich ein Stillleben, dass ich sowieso nur als Foto mitnehmen kann.

Ein wie ein Augapfel geformter Stein liegt auf schwarzweißem Sand
Diese Künstlerin war die Natur

An einer Stelle, als der Wind wieder zunimmt, betrachte ich den Sand, der von der Steilküste abgetragen wird. Er wird beim runterrieseln einfach nach oben weg geweht.

Ein Regenschauer, der über die Ostsee auf uns zukommt, treibt uns zurück zum Wohnmobil und wir verbringen den stürmischen, immer kälter werden Abend darin. Wir haben die Ostsee hier so zahm erlebt und doch auch gesehen, wie die Steilküste von den Winden stark zerzaust wird. Wer nach Lettland kommt, sollte einen Besuch an der Steilküste bei Jūrkalne nicht versäumen.

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Beim Fruchtweinbauern Vīna Darītava in Aizputes

Beim Fruchtweinbauern Vīna Darītava in Aizputes

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Wer meinen Blog kennt weiß, dass wir Wein schätzen. Um so erstaunter waren wir, als wir in Lettland einige Weinbauern in einer Broschüre entdeckten. Die meisten stellen Fruchtweine her, so wie Mārtiņš Sants. Seinen Weinkeller hat er in Aizpute in einem Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert.

Der Weg zum Fruchtweinwinzer

Vater Sants begann sich Ende der 1990iger Jahre für die Herstellung von Wein zu interessieren. Da ihm das Klima in Lettland für den Weinanbau zu kalt erschien, versuchte er die Weinherstellung mit den verschiedensten Früchten. Interesse am Hobby des Vaters zeigte sein Sohn Mārtiņš von Anfang an. Dann legte sich der erst 13-Jährige Mārtiņš Sants fest. Er erklärte seinem Vater, dass er Fruchtweinhersteller werden würde. Die Antwort des Vaters lautete: „Glaube ja nicht, dass du dann immer berauscht sein kannst!“

Neben der Schule, erarbeitete sich der junge Mann mehr und mehr Fachwissen. Er experimentierte mit seinem Vater mit Früchten, mit der Gärung, mit der Lagerung, mit verschiedenen Fassarten und verfeinerte seine Fruchtweine immer mehr.

Start der Firma in 2010

Im Jahr 2010 gründete Mārtiņš Sants die Firma Vīna Darītava, so wie es heute noch auf jeder Flasche auf seinem Emblem zu sehen ist. Er mietete sich in Aizpute einen Keller in einem Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert. Bereits am Eingang stelle ich fest, das hier Liebe zum Detail vorherrscht.

Der Eingang zum Weinkeller und zur Probierstube führt eine Treppe hinab
Der Eingang zur Fruchtweinkellerei Vīna Darītava
Ein Kerzenhalter, wie ein Bilderrahmen geformt, mit zwei Halterungen und oben links einem Engelskopf
Dieser Kerzenhalter (ohne Kerzen) hängt rechts des Eingangs

Stahltanks, Holzfässer, Abfüllanlagen und weitere Dinge zur Weinherstellung schaffte er nach und nach an. Beim Eintritt in den Keller schaue ich in die verschiedenen Räume, bevor ich die Probierstube erreiche.

In einem Gang lagern rechts Holzfässer und links stehen Regale mit großen Glasflaschen
Der Zugang zur Probierstube führt durch den Gang mit den Holzfässern
Große Edelstahlfässer stehen in einem Kellerraum, rechts hinten Plastikfässer
In den Edelstahltanks reifen die verschiedenen Fruchtweine
In den Glasflaschen im Regal gären Fruchtweine
In den Glasbehältern gärt und blubbert es

Mārtiņš ist bereits im Gespräch mit meinem Mann Bernhard, der sich nicht erst das Gutshaus von außen angeschaut hat.

Der Fruchtweinhersteller Mārtiņš Sants sitzt am Tisch seiner Probierstube. Im Hintergrund die Regale mit Fruchtwein
Mārtiņš Sants sitzt entspannt für ein Foto in seiner Probierstube

Ich möchte die Herren in ihrem Fachsimpeln erst mal nicht stören und schaue mich in der Probierstube um.

Die Preise stehen mit Kreide auf einer Schiefertafel
Die alte Schultafel hat einen neuen Zweck und dient als Preisliste
Die Theke ist aus einer alten Tür hergestellt
Mārtiņš Sants ist nicht nur bei der Weinherstellung ein kreativer Mann. Aus einer alten Tür hat er die Theke gebaut
Ein gusseiserner Ofen
Der Ofen ist mehr Dekoration denn Wärmequelle

Fruchtweine

Als ersten Wein trinke ich einen Rhabarber-Wein. Er schmeckt mir ausgezeichnet. Er ist fruchtig, mit einer gewisse Süße. Ich bin sehr erstaunt, denn er hat weniger Säure, als Rhabarber vermuten lässt.

Eine Flasche mit Rhabarber Fruchtwein
Ein Rhabarberwein mit einem köstlichen Rhabarbergeschmack, mit wenig Säure

Mārtiņš erzählt, dass seine Fruchtweine jedes Jahr anders schmecken. Das liegt an den angelieferten Früchten, den Reifegraden und der Menge, die er verarbeiten kann. Er behandelt die zu verarbeitenden Früchte wie Rohdiamanten. Auch diese erhalten durch die Veredlung, durch den Schliff, erst ihre wahre Schönheit. Und bei den Fruchtweinen ist die Schönheit der Geschmack, den er ihnen entlockt. Nun probiere ich einen Wein mit Cranberry. Auch ein interessanter Geschmack. Bei Traubenweinen weiß ich in etwa, welcher Geschmack mich erwartet. Bei den Fruchtweinen muss ich mich einfach auf den Geschmack einlassen, der mir über die Zunge rinnt. Cranberry ist mild und in gewisser Weise herb. Nicht sehr süß und ich kann die Frucht nicht so gut schmecken. Das kann aber auch daran liegen, dass ich Cranberry, außer im Müsli, als Fruchtgeschmack selbst nicht kenne.

Eine Flasche mit Cranberry Fruchtwein
In dieser Flasche ist Cranberry Fruchtwein

Die von Mārtiņš Sants verarbeiteten Früchte erhält er zum größten Teil aus der Umgebung. Manche Früchte, wie die Aronia Früchte, erhält er aus Russland, denn dort gibt es eine bestimmte Sorte, die sich für Fruchtwein sehr gut eignet. In Deutschland ist Aronia als Apfelbeere bekannt. Oder sollte ich sagen: unbekannt? Ich wüsste nicht, wo ich so einen Strauch schon mal gesehen hätte. Dabei sind die Früchte absolut gesund. Die Apfelbeere ist ein Rosengewächs und optisch mit der Vogelbeere verwandt. Nur die Früchte sind dunkel. Die Beere enthält viele Mineralien und Spurenelemente, wirkt entzündungshemmend und schützt vor oxidativem Stress. Apfelbeere ist also eher Medizin!

Eine Flasche mit Aronia Fruchtwein
Aroniawein – bei uns heißt die Frucht Apfelbeere

Bereits der Vater von Mārtiņš experimentiert gerne mit den Früchten. Der Sohn führt die Experimente fort. Wie schmecken die Früchte je nach Verarbeitung? In welchem Fass? Wie lange gelagert? Er arbeitet ohne Sulfite oder andere chemische Konservierungsstoffe. Die Verarbeitung, vom Anbau über die Ernte, die Saftgewinnung, Weinveredlung, das Abfüllen und Etikettieren ist bei Vīna Darītava Handarbeit.

Liebe zum Detail

Die Fruchtmengen sind meist in nur ausreichender Menge vorhanden, wenn nicht der Frühjahrsfrost eine Obst- oder Beerensorte erfriert. Daher und wegen seiner Philosophie, ein perfektes, gesundes Naturprodukt herzustellen, wird Mārtiņš seine Erzeugnisse nicht über große Supermärkte vermarkten. Seine Weine gibt es per Online Bestellung, in Verkaufsstellen oder vor Ort. Er beteiligt sich an Lebensmittelprämierungen und hat in den letzten Jahren einige Preise für seine Produkte erhalten. Das er die Dinge im Detail liebt, fällt mir in seinem Probierkeller auf.

Die Wechselgeldschale hat einen Weinspruch abgebildet: Du kannst kein Glück kaufen. Aber du kannst Wein kaufen. Und das ist eine ähnliche Sache.
Eine nette Wechselgeldschale mit einem schönen Spruch. Übersetzt ungefähr: Du kannst kein Glück kaufen. Aber Du kannst Wein kaufen. Und das ist eine ähnliche Sache.

Als ich die Wechselgeldschale fotografiere macht der nächste Korken plopp. Ich schaue auf, um zu sehen, welchen Wein wir nun probieren, als ich den Korkenzieher in seiner Hand entdecke.

Ein alter Korkenzieher
Ein ganz besonderer Korkenzieher mit einer ganz besonderen Geschichte

Solch einen Korkenzieher hatte er in Frankreich neu zu einem sehr hohen Preis entdeckt, sich aber nicht leisten können. Zufällig wurde er einige Monate später in Lettland zu einem naheliegenden Kloster gerufen, da die Mönche ebenfalls mit Fruchtwein und Traubenwein Versuche machen wollten. Der alte Priester, mit dem er im Gespräch war, öffnete mit einem „französischen“ Korkenzieher eine Flasche Wein zum Abschluss. Mārtiņš erzählte seine Korkenziehergeschichte aus Frankreich und der Priester verkaufte ihm seinen altgedienten Korkenzieher für einen symbolischen Preis. Seither erfreut sich Mārtiņš bei jedem Flaschenöffnen an diesem Korkenzieher und denkt gleichzeitig an den Priester. Wir probieren nun einen Fruchtwein aus Schwarzer Johannisbeere. Er hat den typischen Geschmack von Cassis. Er kommt mir auch wieder sehr herb über die Zunge, hat aber eine fruchtige Nachsüße.

Eine Flasche mit Schwarze Johannisbeere Fruchtwein
Diese Flasche enthält Fruchtwein aus Schwarzer Johannisbeere

Weinausbau im Fass

In Lettland ist Fruchtweinherstellung in vielen Haushalten Tradition. Die reifen Früchte aus dem Garten mussten im Herbst schnell verarbeitet werden. In fruchtreichen Jahren wurden oft Fruchtweine hergestellt. Das waren ehedem eher vergorene Früchte, ohne Finesse. Mārtiņš hingegen lässt die Weine nicht nur im Stahlfass gären, sondern probiert auch die Lagerung über wenige Tage bis mehrere Wochen in Holzfässern aus. Manche Holzfässer bezieht er gebraucht aus Frankreich, andere aus Italien. Manchmal von Weinbauern, manchmal von Schnapsbrennereien. Eine Charge seiner Fruchtweine musste er allerdings vernichten, denn die Holzfässer hatten einen so starken Schnaps-Eigengeschmack, dass sein Fruchtwein geschmacklich verdorben war. So baute er die Fässer auseinander, schliff die Einzelteile ab und setzte die Fässer wieder zusammen. Der Wein wird bei Vīna Darītava gefiltert und geklärt, bevor er in Flaschen gefüllt wird. Wir probieren zum Abschluss einen Apfelquittenwein.

Eine Flasche mit Schwarze Johannisbeere Fruchtwein
Die Etikettenfarbe weißt schon auf Schwarzen Johannisbeeren Wein hin

Ich liebe Quitten. Wenn möglich koche ich selbst im Herbst Quittengelee ein, obwohl das viele Arbeit ist. Aber ich mag den Geschmack sehr. So tappe ich mit meiner Zunge nicht ganz im Dunkeln, als ich mein Glas ansetze. Allein der Geruch nach reifer Quitte ist berauschend. Wie ein Biss in eine Quittengeleebrot füllt sich mein Gaumen mit dem süßen Geschmack. Auch hier schwingt wieder eine ausgewogene Säure mit, der Wein ist nicht zu süß. Einfach quittig.

Fruchtwein nach Wunschgeschmack

Mārtiņš erzählt von einem Kollegen, der ihn um Rat bat für einen Kunden. Dieser wollte im darauffolgenden Sommer heiraten und aus mehreren Früchten einen Wein haben. Den konnte der Kollege nicht liefern, allein, weil er noch nie mit Früchten experimentiert hatte. Der Kunde hatte auch mitgeteilt, welchen Geschmack er sich vorstellen würde und Mārtiņš nahm die Herausforderung an. Er kreierte einen Hochzeitswein, der ihm selbst nicht schmeckte, aber den Geschmack des Bräutigam genau traf. Wer also ein Jahr im Voraus für einen besonderen Wein planen kann, darf seine Geschmacksrichtung beschreiben und erhält, wenn es gelingt, genau das, was er schmecken möchte. Wir haben unsere Geschmacksrichtungen beim Probieren gefunden, auch wenn wir nicht alle Sorten im Glas hatten. Immerhin haben die Weine um die 12% Alkoholvolumen. Wir entscheiden uns für sechs Fruchtweinflaschen, die wir in unserem Wohnmobilkeller mitnehmen.

Mit Blick auf die Probierweine auf der Theke erkundige ich mich, wie lange der geöffnete Wein trinkbar bleibt. Im Kühlschrank, bzw. kühl gelagert zwei bis vier Tage, aber meist wird er an einem Abend getrunken, erklärt uns Mārtiņš mit einem breiten Grinsen.

In einem Holzgestell stehen die Probierweine
Die Probierweine in einem selbstgebauten Gestell auf der selbstgebauten Theke

Ein innovativer junger Mann

Ich bin von dem jungen Mann, der eine so positive und fröhliche Ausstrahlung hat, sehr begeistert. Das ist einer, der weiß was er will. Innovativ, experimentierfreudig und mit Kollegen vernetzt ist und sich weiterentwickeln möchte. Der sich keinen Konventionen unterwirft, sondern seinen eigenen Weg geht. Im Einklang mit seinen Mitmenschen, der Natur und seiner Heimat Lettland. Einer, der nicht vom großen Geld träumt, sondern von seinem Glück, das er in seiner Berufung findet. So hat ihn auch ein Karikaturist gesehen.

Eine Karikatur zeigt den jungen Fruchtweinbauern um eine Weinflasche geschmiegt
So verliebt in seine(n) Beruf(ung) hat der Karikaturist Mārtiņš Sants gesehen

Mārtiņš erzählt fröhlich und lebendig. Er möchte gerne in anderen Weinbaunationen Erfahrungen mit Wein sammeln, trotzdem er sich monatlich nur wenig Taschengeld gönnt, weil er seine Einkünfte lieber im Betrieb lässt. Mit viel Glück für uns, sehen wir ihn und seine Frau hoffentlich bald in der Pfalz, wenn er Erfahrungen bei unseren befreundeten Winzern im Weinbau sammelt. Ich freue mich auf den Besuch, die Fröhlichkeit und den kulturellen Austausch.

Adresse von Vīna Darītava

Vīna Darītava

Skolas iela 1, Aizpute,
LV-3456, Lettland
Telefon: +371 26 397 949

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Aizpute und Kuldiga

Aizpute und Kuldiga

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Von Liepāja an der Ostsee wenden wir uns ins Landesinnere, leicht nach Nordosten. Wir haben von einem Weinbauern in Aizpute gehört, den wir aufsuchen möchten. Die Weiterfahrt soll uns nach Kuldiga bringen. Einer Stadt, die gleich zwei Superlativen zu bieten hat und für uns eine unruhige Nacht.

Fahrt nach Aizpute

Wir haben auf der Fahrt zum Pape Naturpark bereits schlechte Erfahrungen mit den lettischen Schotterstraßen gemacht. Daher fahren wir von Liepāja mit einem leichten Umweg, aber über Asphaltstraßen, auf der A 9 und der P 112, nach Aizpute. Das Gutshaus, in dem Mārtiņš Sants sein Weingut Vīna Darītava betreibt, finden wir auf Anhieb. Bernhard sucht gleich den Weinkeller auf, ich schaue mich erst in der ersten Etage des Gutshauses um, die auch die Tourist-Info beherbergt.

Ein Haus ist zum Teil in einen Raum gebaut. Davor stehen alte Haushaltsgeräte und Werkzeuge, wie eine Wäschemangel und ein Webrahmen
Der Vorraum in der Touristinfo in Aizpute ist mit alten Haushaltsgeräten und Werkzeugen gestaltet, hier die Ausrüstung für die „große Wäsche“
Ein Haus ist zum Teil in einen Raum gebaut. Davor stehen alte Haushaltsgeräte und Werkzeuge, wie verschiedene kleine Schaufeln und ein Butterfass
Hier weiß ich den Gerätschaftszweck am besten beim Butterfass

Als ich im Keller ankomme, sind die Herren bereits im Fachgespräch und ich schaue mich nur um. Die Geschichte unseres Besuchs und über Mārtiņš Sants und sein Weingut Vīna Darītava, habe ich in einem Extra-Beitrag auf meinen Blog gestellt.

In einem Gang lagern rechts Holzfässer und links stehen Regale mit großen Glasflaschen
Der Zugang zur Probierstube führt durch den Gang mit den Holzfässern

Wir kochen uns im Wohnmobil noch ein schnelles Essen und verdauen die Weinprobe bei einem Mittagschläfchen. Mit immer blauer werdendem Himmel fahren wir über die P 112 weiter nach Kuldiga.

Kuldiga

In der Krasta iela 8 ist ein Parkplatz in Kuldiga in einer lettischen Tourismusbroschüre als Stellplatz für Wohnmobile eingezeichnet. Wir finden den Platz, auf dem bereits ein weiteres Wohnmobil steht. Er liegt direkt über dem Fluss Venta, ruhig, am Rande einer Wohnsiedlung. So ein schöner Platz. Da bleiben wir über Nacht, beschließen wir.

Mit den Rädern fahren wir zur Touristinfo, die nur noch kurz, bis 17 Uhr geöffnet hat. Wir finden einen Stadtplan und einen Umgebungsplan auf Deutsch und erhalten die Auskunft, dass heute, es ist immer noch Montag, alle zu besichtigenden Gebäude geschlossen sind. Schade! Zum Glück ist die Tourist-Info im Alten Rathaus, da haben wir wenigstens dieses anschauen können. Draußen, neben der zweiten Rathaustreppe sitzt ein Herr an einem Kaffeetisch. Ich setzte mich dazu, denn ich möchte von dem Herrn ein wenig mehr über seine Heimatstadt Kuldiga erfahren.

Eine Bronzeskulptur des Schauspielers Evalds Valters sitzt an einem Kaffeehaustisch vor dem alten Rathaus von Kuldiga
Ich knüpfe eine sehr einseitige Unterhaltung mit dem aus Kuldiga stammenden Schauspieler Evalds Valters vor dem alten Rathaus von Kuldiga an

Da ich keine Auskunft in diesem Interview erhalte, machen wir uns mit den Rädern auf eine Stadterkundungstour. In der Fußgängerzone, die in der Straße Liepājas iela angelegt ist, finden wir eine interessante, immer auf andere Art wiederkehrende Dekoration.

Eine überdimensionierte Brille als Dekoration in einer Straße hat statt Gläsern glänzende Fische im Rahmen aufgehängt
In Kuldiga findet man im Stadtzentrum mehrere dieser Dekorationsbrillen, hier das Modell mit Fischen
Eine überdimensionierte Brille als Dekoration in einer Straße hat statt Gläsern Vögel im Rahmen aufgehängt
Das nächste Modell hat Vögel als Motiv

Ich entdecke ein altes Holzhaus mit einem interessanten Terrassenanbau. Die Stützen der Terrasse sind wohl auf einem abgerissenen Gebäudeteil aufgestellt worden. Bei genauerem hinschauen stelle ich fest, dass ein Gasthaus dort ansässig ist.

An ein altes Holzhaus wurde eine Außenterrasse für ein Wirtshaus angebaut
Die Wirtshausterrasse wurde an das alte Holzhaus angebaut – ich finde das spannend gebaut

Der Blick in eine Seitenstraße zeigt uns wieder das ewig wellige Pflaster, dass wir bereits aus Litauen kennen und die Art des Häuserbaus in Lettland in den vergangenen Jahrzehnten.

In einer Seitenstraße stehen aneinandergebaute Einfamilienhäuser
Die Bauweise der Häuser in der Seitenstraße ist immer ähnlich, die Baustoffe sind entweder Backstein oder Holz

Rechts im Park des (heute geschlossenen) Museums sind einige Schnitzkunstarbeiten zu sehen. Mir hat es die Mutter mit ihrem Kind besonders angetan.

In einem Blumenbeet steht eine Holzkulptur einer Mutter, die ihr Baba in die Höhe hält
Ein Kunstwerk im Garten des Museums in Kuldiga – Mutterfreuden, taufe ich die Skulptur

Kurz vor dem Blumenmarkt treffen wir auf ein interessantes Kunstwerk mit einer bemerkenswerten Geschichte. Oder besser gesagt, der abgebildete Herr hat eine besondere Geschichte.

Herzog Jakob von Kurland brachte den Bürgern seiner Herzogschaft, die damals noch Windau hieß und heute Kuldiga heißt, Arbeit und Wohlstand. Er siedelte Fabriken und Werkstätten, unter anderem für Schiffsbau, an und brachte den Handel und die Kultur in Schwung. Außerdem gründete er Kolonien in Gambia und Tobago. Sein Denkmal in der Liepājas iela am Blumenmarkt zeigt Vergangenheit und Zukunft. Das Kunstwerk wird „Raumobjekt Teleport“ genannt und stammt vom Bildhauer Gļebs Panteļējevs und dem Architekt Andris Veidremanis. Vielleicht will es andeuten, dass der Herzog früher Wohlstand durch seine Zukunftsvisionen in die Stadt gebracht hat?

In einer aufrechtstehenden rostigen Metallplatte ist die Rückseite eines durchschreitenden Mannes zu sehen
Herzog Jakob von Kurland schreitet durch eine rostige Gusseisenwand – das verdeutlicht die Vergangenheit des 17. Jahrhunderts
In einer aufrechtstehenden Aluminiumplatte ist die Vorderseite eines durchschreitenden Mannes zu sehen
Herzog Jakob von Kurland schreitet durch die Aluminiumplatte der Neuzeit in die Zukunft

Wir radeln rechts um die Kurve und wieder rechts zu einem Park. Hier halten wir uns wieder eher rechts und kommen oberhalb des Flusses Venta zurück auf eine Straße. Wir setzen uns auf eine Gasthausterrasse und genießen den Ausblick über den Fluss und die zwei Superlativen, die Kuldiga zu bieten hat. Als erste Superlative ist der Fluss Venta hier bei einer kleinen Felsstufe so breit, dass er tatsächlich den breitesten Wasserfall Europas bildet. Noch heute springen die Lachse bei ihrer Laichwanderung über die Felsstufe hinauf, um zu ihren Laichgebieten am Oberlauf zu kommen. Herzog Jakob war ja ein sehr innovativer Herrscher. Er erfand Fischfangeinrichtungen, um einige der Lachse beim Flug fangen zu können. Damals nannten die Bewohner das Windau Rummel, heute trägt das Spektakel den Namen Ventas Rumba.

Am Fluss Venta ist der breiteste Wasserfall Europas, mit einer Länge von 249 m. Er fällt allerdings nur etwa 2,5 bis 4,5 hinab
Am Fluss Venta ist der breiteste Wasserfall Europas, mit einer Länge von 249 m. Er fällt allerdings nur etwa 2,5 bis 4,5 hinab

Gleich dahinter hat die Stadt eine von Bürgern schon früher genutzte Badestelle zu einem Strandbad umgebaut, das von den Kuldiger Bürgern und ihren Gästen gern genutzt wird.

In einer Verbreiterung des Flusses ist ein Strandbad eingerichtet
Hinter dem Wasserfall ist ein Strandbad eingerichtet, das an dem sonnigen Tag gern genutzt wird

Etwa 100 m flussabwärts wurde 1874 eine Ziegelgewölbebrücke erbaut. Das ist die zweite Superlative in Kuldiga. Die Brücke stammt aus der Zeit, als Lettland vom russischen Zaren regiert wurde. Daher ist die Brücke nach den Bestimmungen für Verkehrswege des zaristischen Russland erbaut worden. Sie ist 500 Fuß lang und 36 Fuß breit. Die Bestimmung war so ausgelegt, dass zwei Kutschen gut aneinander vorbeikommen konnten. Für die Neuzeit ist diese Bestimmung immer noch nützlich. Denn zwei moderne Benzinkutschen können einander heute ebenso auf der Brücke bequem passieren. Diese Brücke ist außerdem die einzige, heute noch genutzte, Ziegelgewölbebrücke Europas. Die Alten konnten noch stabil bauen, schießt es mir bei der Recherche durch den Kopf. Ich denke dabei an unsere Stahlbetonbrücken in Deutschland, die nach bereits 40 Jahren so marode sind, dass sie manchmal nicht mal mehr saniert werden können.

Eine Ziegelgewölbebrücke überspannt den Fluss Venta
Eine der längsten Ziegelgewölbebrücken Europas führt in Kuldiga über den Fluss Venta

Lange sitzen wir noch oberhalb des Flusses, bevor wir über die Brücke zurück zu unserem Wohnmobil fahren. Morgen werden wir uns noch einige, der dann offenen, interessanten Gebäude in Kuldiga, anschauen. Heute fahren wir nur noch an einer Artgallery vorbei, die einen interessanten Gast auf dem Schornstein hat. Ob der auch der Stadt Glück bringen soll, so, wie der Schornsteinfeger in Klaipėda?

Auf dem Kamin beim Turm eines Hauses steht die Skulptur eines nackten Mannes
Ein nackter Mann steht auf dem Kamin einer Artgallery

Eine unruhige Nacht

Wir ziehen uns recht bald ins Wohnmobil zurück, denn die Stechmücken fallen oberhalb des Flusses in Scharen über uns her. Wir lassen also Türen und Fenster offen, machen unsere Mückengitter zu und haben somit die laue Abendluft im Wohnmobil, aber nicht die Plagegeister. Wir haben heute einen Spieleabend vor. Ich habe gestern mehrmals gewonnen und bin Bernhard in unserer „ewigen Ostsee-Spielestatistik“ ziemlich auf den Pelz gerückt. Nach nur wenigen Runden fahren zwei PKW auf den Parkplatz. Junge Männer steigen aus, lehnen sich an ihre Autos, rauchen eine Zigarette nach der anderen und reden miteinander. Etwas später kommen weitere Autos, die sich weiter hinten auf den Parkplatz stellen. Wieder das gleiche Schema, aber diesmal mit lauter Musik. Die ersten zwei Autos fahren, die Herren müssen das mit aufheulenden Motoren machen. Kaum hört man das Dröhnen nicht mehr, kommen zwei andere Fahrzeuge. Diesmal steigen Damen aus, mit einer anderen lauten Musik und vermutlich auch anderen Zigaretten. Wir überlegen, ob die Letten zuhause nicht rauchen dürfen, weil sie dazu auf einen Parkplatz fahren? So geht es abwechselnd weiter. Immer zwei Fahrzeuge, immer zwei gleichgeschlechtliche Menschen, Musik, rauchen und nach etwa einer halben Stunde Wechsel. Als es gegen 23 Uhr geht, wir machen uns mittlerweile bettfertig, ändert sich das Muster. Erstens ist es nun noch lauter und zweitens fahren die Fahrzeuge längst nicht mehr weg. Und dann kommen noch zwei Autos, diesmal mit je vier Personen unterschiedlichen Geschlechts. Jetzt könntest Du auf die Idee kommen, dass ich die ganze Zeit am Fenster des Wohnmobils gestanden hätte, weil ich das so genau weiß. Nein, im Gegenteil, ich habe bei unserem Spiel sogar so oft gewonnen, dass ich nun führe. Die Stimmen konnten wir hören und unterscheiden und die vorbeifahrenden Autos sehen. Aber jetzt wird eine richtige Party draußen gefeiert. Mit Alkohol, Joints werden gedreht und die schrillen Stimmen von Männlein und Weiblein deuten für mich darauf hin, dass es bisher nicht bei Alkohol und Joints geblieben ist. An Nachtruhe für uns ist nicht zu denken! Bernhard zieht sich wieder an und geht nach draußen. Er erklärt, dass wir gerne schlafen würden und es schön sein würde, wenn es nun leiser werden könnte. Ich höre im Inneren des Wohnmobils nur die Stimmlagen. Die von Bernhard ist freundlich, die von den jungen Menschen ebenso. Ein kurzes Palaver auf Lettisch, dann knallen viele Autotüren und die Fahrzeuge entfernen sich. Der Spuk ist vorbei! Ruhe und Friede herrscht!

Als wir kurz vorm Einschlafen sind, hören wir drei Fahrzeuge mit aufheulenden Motoren auf den Parkplatz kommen. Laute dröhnende Musik mit viel Bass und die Musik übertönende Stimmen, die aus den Fahrzeugen quellen. Bernhard schaut aus der Tür, aber das sind junge Männer, die in ihrer ganzen Ausstrahlung suggerieren, dass sie auf Krawall gebürstet sind. So geht er erst gar nicht vor die Tür und unsere Nachtruhe ist bis etwa drei Uhr in der Früh keine mehr.

Als wir am Morgen schlaftrunken aufwachen, gerädert von der Nacht, wollen wir nur noch weg. Unsere Aufmerksamkeit für die historischen Begebenheiten in Kuldiga, in den zu besichtigenden Gebäuden, wäre bei Null. Wir wollen an den Strand, ans Meer, auf einen Campingplatz, auf dem nachts Ruhe und Friede herrscht. In Jūrkalne werden wir fündig.

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Liepāja in Lettland

Liepāja in Lettland

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Die Stadt Liepāja liegt im Südwesten Lettlands. Sie ist die Stadt der Linden, des Meeres und der Winde. Die Stadt des Bernsteins und die lettische Hauptstadt der Musik. Eine alte Kurstadt mit vielen neuen Parkanlagen, um Bewohnern und Besuchern ein lebenswertes Umfeld zu schaffen.

Liepāja am Sonntagnachmittag

Wir kommen am Sonntag Nachmittag in Liepāja an. Wir haben einen sonnigen Tag am leeren Strand irgendwo zwischen Pape und Liepāja verbracht. Als sich am frühen Nachmittag der Strand mit Einheimischen füllte, sind wir aufgebrochen. Wir nehmen auf dem auf dem Stadtplan verzeichneten Wohnmobilstellplatz Quartier. Der ist absolut nicht empfehlenswert. Er liegt zwar in Strandnähe, aber für 15 € Übernachtungspreis für zwei Personen und Wohnmobil erwarte ich mehr. Das weiche Sandwiesengelände fordert ein schwereres Fahrzeug sehr heraus. Die Aussicht auf eine Bauruine ist sehr unschön. Die eine Dusche hat sehr brackiges Wasser, das stinkend aus der Leitung kommt und es steht nur eine Toilette zur Verfügung. Wir benötigen weder Dusche noch WC, aber wir sollen für diese Dinge zahlen, auch wenn sie nicht nutzbar sind, das finde ich nicht in Ordnung.

Neben einer Bauruine ist eine ebene Fläche mit Wohnmobilen
Der Ausblick am Stellplatz ist nicht berauschend, einige Türen im Flachbau links, führen einmal zur Dusche und einmal zur Toilette, die anderen Türen sind abgeschlossen

Zu Fuß spazieren wir zuerst an den Strand. Liepāja ist berühmt für seinen feinen weißen Sandstrand, der sich kilometerweit hinzieht. Die Russen haben den Sand aus Liepāja in einer Sanduhrenfabrik ohne weitere Behandlung benutzt, so fein ist er. Aber heute ist das anders. Durch die Stürme der letzten Tage sind abgestorbene Algen an den Strand gespült worden. Bagger stehen herum, die wohl am Samstag angefangen haben, die stinkenden braunen Haufen zu beseitigen. Wir passieren Fahrradständer am Eingang zum Strand, die wir in der gesamten Stadt immer wieder treffen.

Die Fahrradständer in Liepāja sind wie Hochräder gestaltet
Eine witzige Idee für Fahrradständer. In Liepāja sind alle Fahrradständer so gestaltet

Wir spazieren nur ein wenig den Strand in südliche Richtung und biegen dann zum Denkmal für die verunglückten Seefahrer und Fischer ab.

Auf einem weißen Sockel steht eine weibliche Granitfigur, die aufs Meer hinausschaut
Die weibliche Figur schaut auf das Meer hinaus. Das Denkmal für verunglückte Seefahrer und Fischer steht im nördlichen Teil des Parks, am Übergang zum Strand

Nun sind wir bereits in einem Teil des Parks, der die Stadt südlich des Tirdniecības kanāls von der Ostsee trennt. Der Kanal ist der Abfluss des Liepāja Sees, den wir morgen besuchen wollen. Die Parkanlage zieht sich 3 km nach Süden und ist unterschiedlichen Themen gewidmet. Wir gehen nach Osten, Richtung Stadt. Gemächlich, die wunderschönen Rabatten betrachtend spazieren wir weiter bis zu den ersten Häusern..

Der Parkweg ist schön angelegt. Links und rechts Kieswege, in der Mitte Blumenrabatten
Der Park zieht sich über 3 km am Strand entlang und ist sehr ansprechend angelegt und äußerst gepflegt

Wir spazieren das Kūrmājas Prospekt hinunter. Auf der rechten Straßenseite treffen wir auf einige Bronzeskulpturen, die die Stadthymne von Liepāja verdeutlichen sollen. Das Grundmotiv der Hymne handelt von der Stadt, in der der Wind geboren wird. Die Liedzeilen sind auf den folgenden Skulpturen immer in irgendeiner Form mit abgebildet.

Eine Bronzeskulptur klettert auf einen Strommast
Die Skulptur klettert scheinbar auf einen Strommast
Im Schatten von Bäumen steht eine Skulptur – ein Wirtshaustisch mit Bierhumpen und einem Vesperbrett darauf
Die Skulptur steht für einen solch sonnigen Spätnachmittag im kühlen Baumschatten
Ein stilisierter Baum mit Vogelnest und in den Ästen eine Liedzeile
Selbst in der stilisierten Linde haben sich die Zeilen der Stadthymne verfangen
Eine bronzene Skulptur, eine Bank, mit Buchstaben in der Rückenlehne, rechts ein aufgeschlagenes Buch in der Mitte ein Mann mit einer Axt
Auch diese Bank mit dem Zimmermann oder Holzfäller hat wohl eine Bedeutung in der Stadtgeschichte

Wir biegen nach rechts ab und gehen die Graudu iela entlang Richtung Tourist-Info. Liepāja war eine aufstrebende Industriestadt, nachdem 1876 eine Bahnlinie von der Stadt bis in die heutige Ukraine, nach Romny eröffnet wurde. Ende des 19. Jahrhunderts war Liepāja ein Zentrum des Jugendstilbaus in Lettland. Heute noch gibt es über 70 Jugendstielhäuser, Steinhäuser sowie reich geschnitzte und verzierte Holzhäuser. Leider manche in einem sehr schlechten Zustand, da in der Sowjetzeit, die in Liepāja nur die Militärstadt sah, keinen Wert auf die Erhaltung dieser Bauwerke gelegt wurde.

In einem Pfeiler eines Hauses ist ein Rabe gemeißelt
Ein Detail eines Jugendstilhauses, das auch schon bessere, renoviertere Zeiten gesehen hat

Die Stadt ist wie ausgestorben, nur wenige Leute begegnen uns am späten Sonntagnachmittag. Kein Wunder, denke ich, sie sind ja nun alle am Strand und in der Umgebung in der Natur unterwegs. Zu recht, an diesem endlich mal warmen, freundlichen Sommertag. Ein Haus, dass bereits viele Jahrhunderte auf dem Buckel hat, steht in einem Nebensträßchen. Ich bin völlig von der Holzblockbauweise angetan.

Ein langgestrecktes Holzblockhaus mit roten Ziegeln gedeckt
In der Nähe der Tourist-Info steht dieses wunderschöne Holzblockhaus

Nachdem wir nun wissen, ab wann wir uns am Montagmorgen mit Informationsmaterial über die Weiterreise eindecken können, wenden wir uns zur Promenade am Hafen. Dem weiteren Namen der Stadt, den als Bernsteinmetropole, begegnen wir in der Konzerthalle. Wie ein großer runder Bernstein liegt sie in der Nähe des Hafens. Leider ist sie nur von Gruppen zu besichtigen und ein Konzert findet leider auch nicht statt.

Die Konzerthalle ich Rund geformt und mit Bernsteinfarbenen Glasplatten verkleidet
Die Konzerthalle in Liepāja wird „Großer Bernstein“ genannt – zu recht!

Gleich nebenan steht ein Geschenk der Bürger an die Stadt Liepāja. 50 Liter Bernstein wurden von sammelfreudigen Bürgern gespendet, um eine Bernsteinuhr zu gestalten.

In einem Glasbehälter ist eine wie eine Sanduhr geformte Bernsteinuhr
Die Bernsteinuhr rieselt leider nicht wie eine Sanduhr

Wir wollen nun noch gerne irgendwo zum Abendessen einkehren und spazieren die Promenade entlang. Im Stadtplan, den wir bereits in der Touristinfo in Rucava, im Süden Lettlands, nach der Einreise, mitgenommen haben, sind die Lokale mit violetten Zahlen eingezeichnet. Leider sind zwei davon an der Promenade nicht mehr existent. Wir biegen ab in die Friča Brīvzemnieka iela. Dort ist gleich links ein altes Holzgebäude, das uns mit Karibikmusik in den Innenraum lockt. Wir gehen durch das Gebäude durch, in den Garten oder Hinterhof, den verschiedene Speiseanbieter nutzen. Hier essen wir in einem interessanten Ambiente zu Abend, bevor wir zurück zu unserem Wohnmobil gehen.

In einem Innenhof stehen unterschiedliche Bestuhlungen, im Vordergrund bunt gestrichene Sitzmöbel
Die bunten Stühle im Vordergrund gehören zu einer anderen Gastronomie, als die Hängematten
In eine Truhe, die an der Vorderseite geöffnet wurde, ist eine Truhe eingebaut
Ein Truhensofa – eine geniale Idee

Fahrradtour durch Liepāja

Wir machen unser Wohnmobil abreisefertig, können es aber bis zum Mittag noch stehen lassen. Wir wollen die Stadt noch mit dem Rad erkunden und auch zum Liepāja See fahren. Außerdem wollen wir, bevor wir weiterfahren, auf dem Markt einkaufen. So wird die Tour ein wenig von Hin- und Her geprägt.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Oder Du folgst mir und dieser Fahrradtour auf meinem Komoot-Account.

Fahrt durch den Stadtpark zum See

Vom Stellplatz aus erreichen wir bald den Fahrradweg, der durch den Stadtpakr führt und mal auf andere Weise markiert ist.

Die Markierung für den Fahrradweg ist aus Metall und alle 50 m in den Weg eingelassen
Die Fahrradwegmarkierung ist nicht aufgemalt, sondern aus Metall

Der Park ist weitläufig, führt an Sportstätten vorbei und immer wieder gibt es Bohlenwege nach rechts, die über die Dünen an den Strand führen. Die Rastbänke sind wohl bei einem Designwettbewerb entstanden, nachfolgend zwei Beispiele.

ABU Eine interessant gestaltete Rastbank, An den äußeren Enden sehr breit und in der Mitte sehr schmal, steht an einem Fahrradweg
Bernhard probiert die Bequemlichkeit der interessant geformten Rastbank aus
Eine Bank, die von Holzstücken wie ein Kreis umfangen wird
Liegen oder Sitzen, das ist hier die Frage

Irgendwann biegen wir nach links ab, denn nun müssen wir einfach nur nach Osten, um zum See zu kommen. Wir fahren durch beschauliche Wohngebiete, mit vielen Einfamilienhäusern in Holzbauweise. An den See müssen wir uns durch einige Hochhausbauten vorbeischlängeln und sehen dann den Beobachtungsturm aus dem See ragen. Am Beginn des Bohlenweg schließen wir die Räder an den witzigen Fahrradständern an.

Ein Bohlenweg führt in ein Sumpfgelände. Die Fahrräder müssen vor dem Weg abgestellt werden, da ein Verbotsschild darauf hinweist
Wir parken die Räder, denn den Weg zum Turm müssen wir zu Fuß gehen
Eine Infotafel erklärt die Nutzungsmöglichkeiten des Sees
Auf der Karte sehen wir, dass wir zum stadtnahsten Aussichtsturm geradelt sind
Über einige Grünpflanzen hinweg ist der See mit Inseln zu sehen
Der Blick geht weit über den Liepāja See, der auch einige Inselchen hat
Über ein grünes sumpfiges Wiesenstück geht der Blick zu einer Hochhaussiedlung
Die Hochhaussiedlung liegt direkt am Liepājas Ezers, am Liepāja-See

Mit einigen Schlenkern fahren wir zurück in die Stadt und versuchen, uns nach Nordwesten zu halten. Dabei passieren wir ein Gebäude mit einem Graffiti.

Auf einer Hauswand ist das Bildnis eines Dirigenten aufgesprayt. Der Kopf ist allerdings eine Trompete
Ein hochinteressantes Graffiti – in Liepāja werden die lettischen Musiker nicht nur durch Graffiti, sondern auch durch eine Ruhmesallee verehrt

Mit weiteren Orientierungsschlenkern radeln wir zur Tourist-Information. Dort erfahren wir, dass alle interessanten Gebäude am heutigen Montag geschlossen sind. Auch die Dreifaltigkeitskathedrale mit der größten Orgel der Welt. Wie schade! Denn die Kirche hat noch mehr Besonderheiten zu bieten, wie Bleiglasfenster, die nach Zeichnungen von Albrecht-Dürer gestaltet wurden und sie verfügt über den größten Altar in Lettland.

In einem dreistöckigen neueren Gebäude befindet sich die Tourist-Info, rechts davon ein Backsteingebäude
Im neueren Flachdachgebäude ist im Erdgeschoss die Tourist-Info, im wunderschönen Backsteingebäude daneben ein Hotel

In der Nähe der Tourist-Info ist der Rosenplatz, der auch Treffpunkt für die täglich stattfindenden Stadtführungen ist. In Liepāja hat sich in den letzten hundert Jahren immer wieder die Geschichte gewendet. Beständig ist aber den Liepājaern der Rosenplatz geblieben.

Ein rotgepflasterter Weg führt zu einem Rondell mit Rosen
Über alle Epochen war der Rosenplatz immer der Rosenplatz und ein Treffpunkt der Bewohner

Gleich gegenüber ist die Universität, vor deren Hauptgebäude ein beeindruckendes Blumenarangement steht. Überhaupt ist die Stadt an allen Stellen mit vielen Blumen geschmückt.

Ein Metallgestell in Form eines Schmetterlings ist mit Blumen bepflanzt
Dieser Blumenschmetterling steht vor der Universität in Liepāja

Abschließend wollen wir noch im Markt einkaufen. Liepāja hat eine der schönsten Markthallen Europas, steht im Prospekt der Stadt. Im Jahr 1910 wurde das Jugendstilgebäude eröffnet. Der Architekt Ludwig William Meville musste diese Markthalle zwischen drei Kirchen bauen und hatte somit keine leichte Aufgabe. Das Dach wurde – damals eine sehr innovative Idee – in einem nach innen versetzten Teil angehoben. Hohe Fenster, die Licht in das Innere lassen, wurden in das höhere Dach des Gebäudes eingefügt.  

Marktstände vor einer Markthalle
Über die Marktstände hinweg ist das Gebäude der Peter-Markthalle zu erkennen
Auf einem Markttisch liegen Früchte aufgehäuft
Früchte über Früchte – da können wir nicht vorbei gehen
Das Gebäude der Peter-Markthalle mit dem Westeingang
Die Peter-Markthalle im Abendlicht am Sonntagabend. 1910 wurde sie eröffnet
Der Innenraum der Markthalle ist aus Stahlträgern und Holz. Im Dach gibt es große Oberlichter
Innenansicht der Peter-Markthalle

Ich finde das Gebäude zwar auch schön, in seiner klaren Gliederung und mit seinen Kuppelchen über den Eingängen. Allerdings kommt diese Markthalle auf meiner europäischen Markthallenskala nicht unter die ersten 10.

Wir radeln zurück zum Wohnmobil und machen uns auf den Weg ins Landesinnere. Die nächsten Stationen sind Aizpute und Kuldiga.

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Naturpark Pape Lettland

Naturpark Pape Lettland

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Gleich im Süden Lettlands an der Ostsee ist der Naturpark Pape. Ein kleiner Campingplatz direkt hinter einer Düne, viel Ostsee, wenig Menschen und ein schöner Strand laden zum Verweilen ein. Im Naturpark soll es um den Moorsee einen Fahrradweg geben. Diese Informationen erhalten wir in der Tourist-Info in Rucava.

Einreise nach Lettland

Wir fahren von Klaipėda in Litauen nach Norden. Gerne wollen wir noch die litauischen Küstenstädtchen erkunden. In Palanga herrscht reges Touristenaufkommen. In Scharen schieben sich die Urlauber die Straßen hinunter. Wir wollen uns auch im Baltikum, das von Corona nur wenig heimgesucht ist, weiterhin von Menschenmassen fernhalten. Als es auch noch zu regnen anfängt, entscheiden wir, weiter nach Lettland zu fahren. Dort ist das Wetter zwar auch nicht besser. Aber im Naturpark Pape sind weniger Menschen unterwegs, weil der Naturpark keine touristischen Attraktionen bietet. Der Regen wird immer stärker und so wird mein „Grenzbild“ ein verregnetes.

Das Grenzschild von Latvia – Lettland im Regen aufgenommen
Bei strömendem Regen passieren wir die Grenze zu Lettland

Wir fahren nach der Grenze erst rechts ins Städtchen Rucave ab, da dort eine gut sortierte Tourist-Information ist, die außerdem von 9 bis 18 Uhr geöffnet hat. Wir finden mithilfe der Mitarbeiterin viel nützliches Material zu Lettland, meist auf Englisch, einiges aber auch in Deutsch. So können wir nun den heutigen Regennachmittag mit weiteren Ideensuchereien für unseren Lettlandaufenthalt nutzen. Wir fahren zur Straße A 11 zurück, überqueren sie und landen nach etwa 100 m Asphalt auf einer katastrophalen Schotterstraße oder Gravelroad. Hier war schon lange kein Instandsetzungsfahrzeug mehr unterwegs. Unsere Wohnmobileinrichtung ächzt mit dem Klappern der Schrankinhalte um die Wette. Wir haben an unserem Karmann Ontario 580 weder eine Luftfederung noch eine Einzelradaufhängung. Wir haben hinten eine starre Achse mit Stoßdämpfern, fertig. Fährt das eine Rad durch ein Loch, hebts das Rad auf der anderen Seite in die Höhe, das knallt dann wieder auf die Straße oder eben in ein eigenes Loch, usw. Bernhard fährt ganz langsam. Wir wissen beide, dass wir eine Wellblechpiste am besten mit 60 km/h fahren sollten, dann sind die Wellen am wenigsten zu spüren. Aber als Bernhard das probiert, hört es sich in unserem Wohnraum an, als würde er auseinandergebaut. Da wir noch lange mit unserem Mobil unterwegs sein wollen, fährt Bernhard langsam und der Autoaufbau jammert weniger.

Eine sandige Zufahrtsstraße, der Scheibenwischer der Frontscheibe wischt den Regen weg
Bei Regen staubt die Straße nicht, leider kommen die Wellen der Sandpiste auf dem Bild nicht richtig zur Geltung

Der Campingplatz Pũķarags ist ziemlich leer und wir suchen uns einen windgeschützten Platz. An einem Zaun, hinter dem Bäume stehen, direkt bei der Ostseedüne, werden wir fündig. In einer Regenpause fährt Bernhard schnell das Wohnmobil auf die Keile und steckt den Strom an und schon kommt der nächste Schutt.

Durch eine mit Regentropfen besetzte Scheibe ist eine Düne hinter einem Zaun zu erkennen
Durch die regennasse Scheibe kann ich die Düne, das Umkleidehäuschen und sogar einen Spaziergänger mit Schirm erkennen

Fahrradtour im Naturpark Pape

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne hervor, kaum ein Wölkchen ist am Himmel. So wollen wir nach dem Frühstück eine Radtour rund um den Pape Ezers, den Moorsee im Naturpark, machen. In der Beschreibung steht, dass der Weg ca. 36 km lang und mit dem Fahrrad möglich ist. Wir sind schlechte Wege mit dem Rad ja mittlerweile gewöhnt und freuen uns, den sonnigen Tag auf dem Fahrrad zu verbringen.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

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Oder Du folgst mir und dieser Fahrradtour auf meinem Komoot-Account.

Weiße Pferde und Ur-Rinder

Wir fahren am Campingplatz nach links, also auf der Schotterstraße, auf der wir zum Campingplatz gefahren sind, weiter. Wenig später öffnet sich rechts die Landschaft, der Wald tritt zurück und mit Büschen bestandenes Weideland ist zu sehen. Schmale Pfade gehen immer wieder zu einem Holzzaun, der etwas weiter weg, parallel zur Straße verläuft. Hier sollen wilde Pferde und Ur-Rinder weiden. Wir schauen angestrengt, können aber weder die eine noch die andere Spezies erkennen. Rund um den See gab es früher nie Wald, denn es weidete dort immer schon Großwild. Als alle Tiere vertrieben bzw. erschossen waren, breitete sich der Wald aus. Mit dem heutigen Beweidungsprojekt soll die Landschaft mit der Zeit in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Da wir keine Tiere sehen, erfreuen wir uns an der ausgezeichneten, kunstvoll gearbeiteten Beschilderung.

Ein Fahrrad steht an einer Kreuzung, Wegweiser zeigen in verschiedene Richtungen
Die Wegweiser im Naturpark Pape sind meist aus Holz geschnitzt

Wenig später halten wir uns an einer Gabelung rechts und dann nochmal rechts und folgen einem kurvigen Bohlenweg zum Aussichtsturm über den See. Ich bekomme schon die erste Kurve nicht und kippe nach links vom Bohlenweg. Ich falle weich in Moos und Pflanzen und bleibe sogar trocken, da der Untergrund noch nicht sumpfig ist. Ich schließe zu Bernhard auf, der bereits am Aussichtsturm ist und gerade ein Gefecht mit durstigen Bremsen und Moskitos führt. Oje, in der Beschreibung stand ausdrücklich, dass man sich gegen Stechinsekten schützen soll. Wir haben zwar beide lange Hosen an und ziehen nun die Jacken, trotz der Wärme, über. Aber das Insektenspray, dass mit seinem für Insekten unattraktiven Geruch die Insekten von uns fernhalten soll, liegt im Wohnmobil. Wie blöd! So steigen wir schnell auf den Turm und sind von der Aussicht etwas enttäuscht. Kein See zu sehen, aber viele Baumwipfel. Ist ja auch mal schön! Selbst der Bohlenweg ist fast nicht zu erkennen.

Vom Aussichtsturm geht der Blick über Baumwipfel
Außer Baumwipfeln und Wolken ist nicht zu sehen
Im Wald ist der Bohlenweg fast nicht erkennbar
Über den versteckten Bohlenweg gelangt man zum Aussichtsturm
Ein Holzkonstruktion mit Holztreppe ist der Aussichtsturm
Der Aussichtsturm ist komplett aus Holz gebaut

Ich bewundere beim Hinuntergehen die Holzkonstruktion des Turms und fahre – diesmal ohne Sturz – die Kurven bis zum sandigen Waldweg zurück. Wir müssen uns mit der Komoot-Landkarte orientieren und fahren nach rechts weiter. Der Weg ist ganz okay, wenn auch der Sand recht weich ist. Ein Schild, das Autos die Durchfahrt verbietet, steht an der nächsten Kreuzung an unserem Weg. Da sich die Autofahrer nicht daran halten, wird das Weiterkommen für uns zum ersten mal schwierig. Der Sand ist über knöchelhoch tiefgründig und sehr fein und weich. Eher wie Staub. Wir schieben eine Weile, dann geht es wieder ganz gut zu fahren und wir steigen auf. Es hupt und zwei SUV fahren mit hoher Geschwindigkeit den Weg entlang. Eingestaubt und mit wieder zerfahrenem Weg bleiben wir zurück. Also schieben wir weiter bis zu einer Lichtung. Dort ist Moos auf dem Sand und wir können bis zum Seezugang wieder radeln.

In braunem Moorwasser liegt links ein Ruderboot, zwischen den Bäumen ist ein schmaler Seedurchlass zum großen See
Das ist der einzige Seezugang, den wir passieren

Nun geht der Weg ziemlich weit wieder sandig weiter, wieder von Autos kaputt gefahren, die laut Beschilderung dort gar nicht fahren dürften. Endlich wird der Weg fester und wir können wieder ein Stück fahren. Eine Erklärungstafel lässt mich bald wieder anhalten.

Eine Tafel erklärt auf Englisch die Zusammenhänge von Wald, Feuer und Regeneration
Die Tafel erklärt die Regeration von Nadelwäldern nach Waldbränden

Das nächste Waldstück wird im Unterholz von Weißmoos dominiert, das mag ich persönlich sehr. Fast wie beschneit sieht der Boden aus.

Der Waldboden ist von Weißmoos bedeckt
Weißmoos bedeckt den Waldboden an vielen Stellen

Wir machen wieder einen Schlenker und der Weg wird endgültig besser. Bernhard freut sich und meint, er wills ja nicht beschreien, aber wenn der Weg so bleiben würde….

Ein Radfahrer fährt auf einem sandigen Waldweg
Einer der schönen Streckenabschnitte mit fahrbarem Weg

Aus dem Wald herauskommend passieren wir einen Rastplatz auf einer großen Lichtung. Da uns bei jedem Stopp blutsaugende Insekten umschwirren, nehmen wir Abstand von einer Pause.

Ein Tisch mit zwei Bänken steht auf einer Lichtung
Den Rastplatz passieren wir zweimal – Bernhard verschwindet gerade rechts im dichten Wald

Während ich noch fotografiere, verschwindet Bernhard schon wieder im Wald. Der Weg ist nun nicht mehr sandig, sondern ein dichter Wiesenweg, auf dem es sich gut fahren lässt. Aber auch nur kurz, dann flucht es vor mir. Ein dünnerer überwachsener Baum liegt quer, unsichtbar und Bernhards Vorderrad ist einfach daran weggerutscht. Beim abstützen ist er in ein Sumpfloch getreten. Okay, also langsam und vorsichtig fahren und gut schauen. Der nächste Baum ist unübersehbar.

Der Wiesenweg ist von unsichtbaren Löchern geziert, eine umgestürzte Fichte erschwert das Weiterkommen
Der Wiesenweg sieht gut fahrbar aus. Es verbergen sich Sumpflöcher darin und eine umgestürzte Fichte zwingt Bernhard zum Absteigen

Als wir beinahe alle 10 m einen anderen Baum als Hindernis haben, manchmal kommen wir drumherum, manchmal heben wir die Fahrräder drüber, einmal müssen wir selbst mehr klettern als drübersteigen, halten wir kurz zum Verschnaufen und Beratschlagen an.

Ein Radfahrer hebt ein Fahrrad über einen umgestürzten Baum
Das war der letzte von unzähligen Bäumen, über den wir die Fahrräder heben mussten

Sofort steht wieder eine Wolke Blutsauger um uns. Wir entscheiden uns für geordneten Rückzug. Mittlerweile kennen wir die Hindernisse und sind bald am Rastplatz zurück. Hier halten wir uns nun rechts. Im Komoot erkenne ich dort Wege, die nach Westen, zur Strandstraße führen und hoffe, das die fahrbarer sind, als die Wege bis zum Rastplatz. Wir radeln noch über einen Hügel und biegen später, schon mit Meeresrauschen von rechts im Ohr, wieder nach links zum Campingplatz ab. Bei einer späteren Begegnung mit anderen Reisenden wurde uns berichtet, dass der Weg vor fünf Jahren tatsächlich noch von Tourenrädern umfahren werden konnte und keine Bäume quer über den Weg lagen.

Sonniger, leerer Strand

Da der Tag so sonnig ist, habe ich mir als Alternativprogramm zum Fahrradfahren Wäschewaschen vorgenommen. Gleich an der Rezeption halte ich an und erfrage, wo die Waschmaschine steht und ob ich Coins oder Münzen benötige. Bezahlen müsste ich bei der Rezeption und würde einen Schlüssel ausgehändigt bekommen für den Waschraum. Der Preis pro Maschine sei 15 €, mir würde sie aber nur 10 € berechnen. Ich bin perplex, denn ich wollte die Waschmaschine ja nicht kaufen. So blase ich meinen Wäschetag ab und teile ihr mit, dass mir das zu teuer sei. Bisher hat es, egal in welchem Land, nie mehr als 4 € pro Maschine gekostet.

Auf einer Wiese hinter Büschen stehen Wohnmobile
Unser Stellplatz vom Strandweg aus gesehen, am Ende des Campingplatzes

Alternativ machen wir einen Spaziergang am Strand. Wir haben ihn beinahe ganz für uns. Einige Camper trotzen dem Wind am Strand hinter Windabweisern und Strandmuscheln. Noch ist es stürmisch, die Wellen schäumen an den Strand, wirbeln Steine umeinander. Wir bücken uns immer wieder, weil wir meinen, einen Bernstein zu entdecken. Statt dessen finden wir viele farblich interessante Steine, die wir allerdings nicht mitnehmen. Wir spazieren bis zum Leuchtturm und verweilen uns kurz an einem eventuell „alten Steg“.

Rechts ein Eisengestell als Leuchtturm, links davon weißer Sandstrand
Der Leuchtturm von Papes mit dem beinahe menschenleeren Strand
Die Holzreste eines alten Stegs ragen aus dem vom Meer umspülten Strand
Das war wohl ein alter Steg?
Das Meer und der Sand haben die Holzstümpfe des Stegs geschliffen
Das Meer und der Sand haben die Holzstümpfe des Stegs geschliffen

Der Weg zurück zum Campingplatz, den Strand hinauf nach Norden, folgen wir dem beschilderten Baltic Coast Way, der bis Estland meist am Strand entlang führt. Wir werden unterwegs auf unserer Weiterreise immer wieder auf ihn treffen.

Am Abend gehen wir mit unseren Stühlen und einem guten Wein, vom Weingut Sohn in Frankweiler in der Pfalz, wieder an den Strand. Heute können wir endlich mal wieder einen Sonnenuntergang genießen. Keine drohenden Wolken, kein bedeckter Himmel, kein Regen – einfach ein schöner Abend.

Die Bloggerin sitzt bei Sonnenuntergang auf einem Stuhl mit zwei Weingläsern
Ich halte Bernhards Glas, während er fotografiert
Die Sonne steht kurz vor dem Horizont beim Sonnenuntergang. Die Wellen leuchten teilweise golden, die Wolken haben verschiedene Grautöne
So ein wahnsinnig schöner Abend mit so unterschiedlichen Farbspielen
Himmel und Wellen sind beinahe schwarz, nur die Sonne leuchtet in verschiedenen Orangetönen
Ein unglaubliches Farbspektakel bevor es ganz dunkel wird

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