Newsletter September 2020

Newsletter September 2020

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Hallo,
Den August starteten wir in Ventspils in Lettland. Dort war am ersten Augustwochenende nicht nur Stadtfest. sondern im Koncertzāle Latvija auch ein Klavierkonzert der polnischen Pianistin Hania Rani. Im Konzertsaal steht ein 4,7 m hohes vertikales Klavier, die Pianistin saß an der Klaviertastatur 10 m über dem Publikum. Ein unglaubliches Erlebnis.

Ventspils

Wie die Masten eines Segelschiff ist der Springbrunnen vor der Konzerthalle gestaltet
Der Springbrunnen Valzivs in der Abendsonne

Außer dem Stadtfest mit vielen Bühnen, war im Koncertzāle Latvija auch ein Klavierkonzert der polnischen Pianistin Hania Rani. Der Konzertsaal hat ein 4,7 m hohes vertikales Klavier. Die Pianistin saß an der Klaviertastatur 10 m über dem Publikum. Ein unglaubliches Erlebnis. Beitrag lesen


Busnieku-See

Ein aus Holz geschnitzter, weiß und rot angemalter, sehr hoher Fliegenpilz
Ein sehr großer Fliegenpilz im Wald

Auf unserem Weiterweg nach Norden haben wir an einem Sonntagvormittag eine Radtour um den Busnieku See gemacht. Ein Badeplatz lockt am Sonntag viele Besucher und wir fahren weiter, wieder an die Ostsee zu einem besonderen Campingplatz, der Yoga- und Meditationskurse anbietet. Weiterlesen


Slītere Nationalpark

Der Slītere Nationalpark liegt an der livländischen Küste oben im Nordwesten in der Region Kurzeme. Er hat 14 verschiedene Wanderwege, von denen wir auf zwei unterwegs waren.

Ein orangebrauner Schmetterling mit schwarzen Flecken auf einer gelben Blüte
Nicht nur dem Schmetterling schmeckt der Nektar, auch zwei Käfer auf der anderen Blüte stärken sich

Pēterezeru dabas taka

Die Dünenlandschaft, in die der „Peter-See“ eingebettet ist, ist einmalig in Europa. Viele Pflanzen und Tiere, die auf der roten Liste der aussterbenden Arten stehen, haben hier noch eine gesunde Umwelt und somit Heimat.
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Die Bloggerin steht auf den Felsen des Kap Kolka
Reisepunsch.de hat das Kap Kolka in Form von meiner Person „erklommen“

Kap Kolka

Am Kap Kolka, dem nordwestlichste Punkt unserer Reise, treffen sich die Ostsee und die Rigaer Bucht. Die immerwährende Veränderung des Kaps und die Natur, die auf dem „Pine Trail“ entdeckt werden kann, sind auf informativen Tafeln erklärt. Weiterlesen


Weingut Mazburkas

In Holzkisten, die als Regal dienen, stehen Weinflaschen. Ein Spinnrad steht als Dekoration daneben, darauf ein offener Koffer, aus dem Plüschschafe schauen
Die Verkaufsecke ist derzeit noch recht klein gehalten

Ein Weingut in Lettland – der Besuch ist für Wahlpfälzer ein direktes Muss. Gunta Niedra, die gutes Deutsch spricht, erzählt uns von der Geschichte und Idee des Weingutes – und natürlich probieren wir ihren Wein. Weiterlesen


Riga

Säulen Türmchen Stuck an einem Jugendstilhaus
Säulen, Türmchen, Stuck, Figuren und Schmiedeeisen – wunderbar kombiniert

Die lettische Hauptstadt, in der laut Aussage des Gästeführers der Altstadtführung, wenige Letten aber viele Ausländer leben, ist ein Muss auf unserer Reise ins Baltikum. Wir haben in zwei Tagen einen Eindruck gewonnen. Unser Standort war der Stellplatz am Yachthafen, mit einem tollen Blick über den Fluss Daugava zur Stadt. Weiterlesen


Golf Club Viesturi und Restaurant “The Forest Café”

Ein Pavillon mit Stühlen steht vor Abschlag 7
Vor Abschlag sieben ist ein netter Sitzplatz mit Theke eingerichtet – leider heute nicht besetzt

Wir sind seit unserer Abreise einer unserer sportlichen Aktivitäten nicht nachgekommen. Dem Golfspielen. In Riga, beim Golf Club Viesturi, haben wir das nachgeholt. Der erst im Winter 2020 von einem jungen Paar wiedereröffnete Restaurant, bot uns leckere Speisen. Weiterlesen


Besondere Estnische Erzeugnisse

An unserem ersten Tag in Estland haben wir eine Broschüre über die Romantische Estnische Küste gefunden. Darin waren in der näheren Umgebung zwei regionale landwirtschaftliche Produzenten, die wir gleich besucht haben.

Ein aus Backstein gebautes zweistöckiges Herrenhaus
Das Herrenhaus ist sehr weitläufig mit einer runden Auffahrt

Fruchtweingut Allikukivi

Das Fruchtweingut Allikukivi ist im ehemaligen Herrenhaus eines Deutschen Industriellen. Erst seit fünf Jahren wird an dieser Stelle Wein produziert, den wir probieren konnten.
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Verschieden Arten und Farben von Chilischoten auf einem Tisch
Der Inhalt der Papiertüte auf unserem Tisch – das werden wohl weitere scharfe Reisewochen

Chili Garten Metste Talu

Wir hätten mit allem gerechnet in Estland, aber nicht mit einer Chilifarm. Eine Führung in Deutsch erklärte uns die unterschiedlichen Pflanzen und Schärfegrade.
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Wanderungen in Nationalsparks

Wir haben alle Estnischen Nationalparks besucht und sind überall gewandert oder Radgefahren. Hier nur zwei Beispiele:

Die Bloggerin badet in einem Moorsee
Das Wasser ist durch die vergangen Sonnentage angenehm warm und „weich“ – ein absoluter Genuss, dieses Morgenbad

Sooma Nationalpark

Der Soomaa Nationalpark war unser erster in Estland. Wir sind von der Anlage der Wanderwege, den Beschilderungen, den Einrichtungen an den Parkplätzen ungeheuer beeindruckt. Weiterlesen

Die Bloggerin steht am Haugjärv
Ich versuche am Ahnejärv die wirklich großen, fast goldenen Libellen zu fotografieren – aber die fliegen zu schnell für mich

Alutaguse Nationalpark

Der Alutaguse Nationalpark wurde erst 2018 gegründet. Eine interessante Wanderung in einem Renaturierten Moor, dass von Dünen durchzogen wird, faszinierte uns.
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Tartu – älteste Stadt im Baltikum

Die Bloggerin sitzt zwischen Bronzestaturen von Oscar Wilde und Eduard Vilde auf einer Bank
Diese Skulpturen sitzen vor dem Café Wilde und wurden von der Bildhauerin Tiiu Kirsipuu erschaffen. Der englische Schriftsteller Oscar Wilde und der estnische Schriftsteller Eduard Vilde sind heute meine Banknachbarn. Frau Kirsipuu gestaltete eine Begegnung der zwei Herren, wie sie im Jahr 1892 hätte stattfinden können. Und ich setzte mich im Jahr 2020 dazu

Tartu ist Estlands zweitgrößte Stadt. Im Baltikum ist sie die älteste Stadt und hat die älteste Universität. 20% der heutigen Bevölkerung sind Studenten. Weiterlesen


Museenbesuche

Eine Mammutkuh mit Kälbchen steht vor einem Tundra Bild
Die Mammutkuh mit Kälbchen begrüßt die Besucher in der Eiszeitenwelt

Nördlich von Tartu haben wir an einem Regentag das Eiszeitmuseum besucht. Ein interaktives, sehr interessant gestaltetes Museum. Weiterlesen


Alle Fahrradtouren und Wanderungen, die ich in Komoot aufgezeichnet habe, findest Du in meinem Komoot-Account

Wohnmobilstell- und Campingplätze

Tisch und Sessel stehen am See, ein Grill neben dem Wohnmobil
Bereit zum Abendessen an einem wunderschönen Platz

Die von uns im August genutzten Wohnmobilstellplätze und Campingplätze habe ich unter Praktisches, Wohnmobilstellplätze beschrieben.

Vorschau September 2020

Wir sind mittlerweile im Süden Estlands. Unsere Reise führt uns nun durch unseren letzten estnischen Nationalpark nach Lettland. Dort stehen einige Nationalparks auf dem Programm bevor wir nach Litauen und danach nach Polen einreisen. Falls es Corona-Bedingt möglich ist, wollen wir nach Breslau, der Heimatstadt meiner Mutter fahren. Über Görlitz und Dresden werden wir den Weg zurück in die Pfalz finden. Ende September wollen wir zuhause sein.

Auf Reisepunsch.de stelle ich meine Beiträge online, wenn Internetverbindung möglich ist. Tagesaktuell informiert bist Du auf meinem Instagram-Account.

Ich wünsche Dir nun viel Spaß beim Schmökern und Stöbern auf Reisepunsch.de.

Bleib gesund und genieße Dein Leben.

Tartu

Tartu

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Die Universitätsstadt Tartu ist die zweitgrößte Stadt in Estland. Und obwohl sie eine der ältesten Städte im Baltikum ist, ist sie eine junge Stadt. Das spiegelt sich in den Gebäuden, Museen und Parks wieder. Sie ist Einkaufsstadt für die Landbevölkerung und hat ein besonderes Innovationszentrum.

Wellness in Tartu

Für Tartu hatten wir uns den Campingplatz am „Hafen“ ausgesucht. Da es an unserem Ankunftstag regnete und für den nächsten Tag ebenfalls Regen angesagt war, hatten wir im V-Spa Massagetermine ausgemacht. V-Spa ist im Einkaufszentrum in der Riia 2, im oberen Stockwerk, es hat ein Schwimmbad und unterschiedliche Saunen. Perfekt für einen Regentag. An unserem SPA-Tag schien jedoch unerwartet die Sonne. So haben wir uns am Vormittag für einen etwas verkürzten Stadtbummel entschieden und sind um 14.30 Uhr „nur“ zur Massage gegangen. Den Rest des Tages verbrachten wir beim Festival im Aparaaditehas.

Alte Stadt Tartu

Die Stadt Tartu wurde im Jahr 1030 erstmals urkundlich als Tharbatas erwähnt und ist daher eine der ältesten Städte im Baltikum. Der Großfürst von Kiew zerstörte die von vermutlich finno-ugrischen Einwohnern errichtete Holzfestung. Daher kannst Du davon ausgehen, dass diese Siedlungsstelle schon länger bewohnt war. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die neue Burg vom deutschen Schwertbrüderorden erobert, der die Christianisierung im Baltikum vorantreiben wollte. In der Deutschen und später Schwedischen Zeit hieß die Stadt Dorpat, in der russischen Zeit Jurjew. Auch Tartu war ehemals eine Hansestadt, wie wohl alle größeren und älteren Städte im Baltikum.

In Tartu – damals noch Dorpat – wurde der Friede von Dorpat am 2. Februar 1920 zwischen Estland und Sowjetrussland unterzeichnet. Darin wurde Estland Unabhängigkeit „auf alle Zeiten“ zuerkannt. Aber „alle Zeiten“ währte nicht lange, denn bereits 1941 hatten die Russen Estland wieder in die Sowjetunion einverleibt.

Tartu heute

Heute sind etwa ein Fünftel der knapp 100.000 Einwohner Tartus Studenten. Davon etwa 10 % ausländische Gaststudenten. Das merkt man der Stadt auch an. Viele junge Leute, viele Startups, junge Geschäfte und Lokale, ein offenes und fröhliches Miteinander. Wir haben uns bei der Tourist-Info im Rathaus einen Stadtplan auf Deutsch aushändigen lassen, mit dem wir eigenständig zwei unterschiedliche Stadtrundgänge hätten machen können. Wir kombinieren diese ein wenig und lassen auch vieles aus. Um Tartu richtig zu erleben solltest Du Dir ruhig eine Woche oder mehr Zeit nehmen. Weitere Infos zur Stadt findest Du hier. Nachfolgend einige Eindrücke als Bilderfolge, wie Du es von meinen Beiträgen von z.B. Tallin und Riga bereits gewohnt bist.

Die Markthalle ist ein einstöckiges hohes, rechteckiges Gebäude mit bunten Glasfenstern und einen Dacherhöhung
Die Markthalle ist ein architektonisch nicht sehr ansprechendes Gebäude
Das Innere Dach der Markthalle von Tartu. Glasfenster bilden eine Art Galerie
Die Markthalle sieht im Inneren nicht viel attraktiver aus als außen
Über eine Kreuzung ist eine Einkaufsmall zu sehen
Gegenüber der Markthalle sind drei verschiedene Einkaufsmalls. Diese hier wirkt wie eine Häuserzeile. Ganz rechts oben ist das V-Spa
Über eine Straße sind gläserne Gebäude zu sehen
Die Mall gegenüber ist ein großer Glaskomplex
Eine breite, rot gepflasterte Straße mit Blumenständen auf der gegenüberliegenden Seite
In der Küüni, die von der Riia in die Altstadt führt, ist der Blumenmarkt unter freiem Himmel angesiedelt
Vor dem rosa gestrichenen Rathaus ist ein Springbrunnen mit einem küssenden Paar unter einem Regenschirm
Das Rathaus von Tartu. Seit 1998 zieren die küssenden Studenten den Springbrunnen davor. Der Hashtag weist darauf hin, das Tartu 2024 Europäische Kulturhauptstadt sein wird
Der gepflasterte Rathausplatz wird links und rechts von hohen Gebäuden eingerahmt. In der Mitte stehen Tische und Stähle von Lokalen
Der Rathausplatz zieht sich bis zum Emajōgi (Emafluss) hinunter
Ein Gebäude hat Bordürenelemente des Jugendstils um die Fenster
Auch in Tartu am Rathausplatz sind Gebäude aus der Jugendstilzeit
Ein Gebäude ist auf der linken Seite etwas abgesackt und steht schief
An der Kreuzung zur Straße Kompanii steht das Schiefe Haus von Tartu. Das Fundament der hier rechten Hausseite steht auf der alten Stadtmauer, die linke Seite auf Holzpfosten, die im Laufe der Jahre nachgegeben haben
Blick zum Rathaus über den Rathausplatz mit seinen hohen Gebäuden links und rechts
Von der Fußgänger – Bogenbrücke geht der Blick zum Rathaus, in dem links die Tourist-I untergebracht ist
Eine öffentliche Toilette ist in einem runden Bauwerk untergebracht
In Tartu gibt es immer wieder diese kostenlosen öffentlichen Toiletten, meist in der Nähe der vielen Parks. Sauber und mit Toilettenpapier versehen!
Ein renoviertes altes Haus und ein unrenoviertes altes Haus in der Straße Lai
Die Straße Lai war ehemals die Straße, in der die Adligen ihre Häuser erbaut haben. Auch heute noch wunderschöne Bauwerke, aber nicht jeder kann die Unterhaltung und die Renovierung der Gebäude bezahlen – wie schade
Die Bloggerin sitzt zwischen Bronzestaturen von Oscar Wilde und Eduard Vilde auf einer Bank
Diese Skulpturen sitzen vor dem Café Wilde und wurden von der Bildhauerin Tiiu Kirsipuu erschaffen. Der englische Schriftsteller Oscar Wilde und der estnische Schriftsteller Eduard Vilde sind heute meine Banknachbarn. Frau Kirsipuu gestaltete eine Begegnung der zwei Herren, wie sie im Jahr 1892 hätte stattfinden können. Und ich setzte mich im Jahr 2020 dazu
Die Kirchturmspitze der katholischen Kirche ist aus Metallstäben gebaut – rechts davon der zunehmende Mond
Die Kirchturmspitze der Tartuer katholischen Kirche ist sehr interessant gebaut – rechts der zunehmende Mond
Ein rundes Appartementhaus hat eine Art Schneckenhausspitze
Das Appartementhaus hat eine weitere interessante Spitze, die in der Abendsonne rosa leuchtet

Universität Tartu

Tartu ist die älteste Universitätsstadt des Baltikums. An den unterschiedlichsten Orten wurde seither gelehrt, an einigen der Gebäude sind wir auf unserem Rundgang vorbei gekommen.

Ein zweistöckiges Gebäude mit großen Gauben im Giebel und einer Steintreppe
In diesem Gebäude in der Straße Jaani befand sich von 1642 bis 1656 die Universität Tartu, die vom Schwedenkönig Gustav Adolph gegründet wurde (Academia Gustaviana)
Ein Werbeschild für eine Kneipe, die Drinkgeld heißt
Trotz des Namens gibt es den „Alkoholclub“ bereits seit 1924 – gleich neben dem Hauptgebäude der Universität
Ein langgestrecktes Gebäude mit einer breiten Haupttreppe und vielen Säulen
1809 wurde das Hauptgebäude der Universität nach einem Entwurf von J. W. Krause in Tartu eingeweiht. Heute werden darin „nur“ die wichtigen Ereignisse im Studienjahr in der Aula begangen. Diese Aula ist der schönste Saal im Empirestil in ganz Estland. Wegen seiner hervorragenden Akustik wird er auch als Konzertsaal und für Konferenzen genutzt. Im Erdgeschoss ist das Kunstmuseum der Universität, das als ältestes Museum in Estland gilt, denn seit 1803 werden dort Kunstschätze gesammelt und ausgestellt
An einer Giebelseite eines Hauses sind Fenster aufgemalt, aus denen Menschen herausschauen
Das Gemälde an der Hauswand eines Nachbargebäudes der Universität in der Jakobi-Straße ist von A. Madisson mit den Bildern von Professoren bemalt – eine charmante Idee
Ein Backsteingiebelseite eines Hauses ist mit einem Bild des Universitätsgebäudes bemalt
Das von Bock´sche Haus diente fünf Jahre als Universität – die Räume wurden vom Obersten M. J. von Bock kostenlos überlassen. Heute ziert die eine Giebelseite ein Gemälde der Universität und des Universitätsplatzes, das nach einem Stich von L. Höflinger von 1860, gefertigt wurde

Tartuer Betonkunst  

In Tallinn hatten wir die Betonvögel als Betonsperren kennengelernt, die einen Terroranschlag mit einem Fahrzeug verhindern sollen. Auch in Tartu stehen überall an Straßen und Plätzen diese Betonsperren, aber in verschiedenen Motiven, hier einige Beispiele:

Vogelköpfe aus Beton dienen als Straßensperre
Dieses Modell Straßensperre ist ein Vogelkopf
Holzschuhe aus Beton dienen als Straßensperre
Hier stehen Betonholzschuhe als Straßensperren herum
Schildkröten aus Beton dienen als Straßensperre
Die Schriftsteller Wilde werden von Schildkröten aus Beton geschützt

Aparaaditehas

Eine alte Motorenfabrik ist seit 2014 das Kreativzentrum Aparaaditehas in Tartu. Die Fabrik war in der Straße Kastani, südwestlich der Altstadt, angesiedelt. In dem verschachtelten Gebäudekomplex und Innenhof haben sich bildende Künstler, Kreativschulen, Start-Ups, produzierendes Gewerbe und Restaurants angesiedelt. Wir hatten das Glück, dass während unseres Besuchs das zweite Aparaaditehas-Festival stattfand. Im Deutschen würden wir die Veranstaltung eher als „Tag der offenen Tür“ bezeichnen. Ich habe es am Nachmittag leider nicht geschafft, alle Kreativen zu besuchen. Die Vielzahl der Künstler, Designer, Schulen, Produzenten von Taschen, Schmuck, Kleidung, der Upcycler und Shops hat mich sehr beeindruckt. So sehr, dass ich nur wenige Fotos gemacht habe – was ich sehr schade finde, erst recht für Dich. Mit einem Plan und auf den Boden gemalten und geklebten Pfeilen wurden die Besucher durch die Gebäude, Aufgänge und Flure geführt – und ich habe mich erstens trotzdem verlaufen und zweitens daher nicht alles gesehen.

Mein erster Weg führt zu Glara Gymnastics. Ein junges Startup mit Shop für Gymnastikbekleidung und -bedarf und einer Gymnastikschule. Seit ihrem fünften Lebensjahr betreiben die Zwillingsschwestern rhythmische Gymnastik. Gold, Silber und Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften waren das Ergebnis, außerdem waren sie Schiedsrichterinnen bei Gymnastik-Wettbewerben. Heute sind sie Trainerinnen. Sie lebten über 10 Jahre in Kanada, bevor sie nach Estland zurückkehrten. Im Aparaaditehas haben sie ihren Traum vom eigenen Studio und Shop und einer eigenen Produktlinie für Gymnastikbekleidung – die sie selbst herstellen – geschaffen. Ich bewundere Menschen, die ihren Traum leben und wünsche den beiden Schwestern alles Gute für die Zukunft.

Ich komme an einer Schule für Musik, Gesang und Volkstanz, vorbei. Estnische Musik und estnische Tänze haben bei den Esten einen wesentlich höheren Stellenwert als Volkslieder und Volkstänze in Deutschland, wobei das regional unterschiedlich in Deutschland ist.

Die nächste Schule ist eine Handglockenschule, die Arsis Kellade Kool. Diese Art der Musik habe ich in den USA kennen gelernt. Meine Tochter war dort ein Jahr als Au Pair, und in ihrer Kirchengemeinde, in der sie im Chor gesungen hat, wurden die Gottesdienste mit den Handglocken begleitet. Auch in Estland kommt die Idee aus den USA, seit etwa 20 Jahren werden Handglocken in Estland gespielt. Die Schule hat derzeit 100 Schüler, die auch auf Konzerten auftreten. Im kleinen Video kannst Du erkennen, wie Handglocken gespielt werden. Ich habe absichtlich keine Gesichter in das Video gedreht, um den Datenschutz der jungen Menschen zu wahren.

Das Eingangsschild der Glockenschule
Arsis Kellade Kool – Käsikellade Ansamblid – übersetzt: Arsis Glocken Schule – Handglocken Ensemble
Handglocken zum Musizieren liegen auf mit Stoff bezogenen Tischen
Die Handglocken und Noten liegen für die Schülerinnen und Schüler schon bereit
Ein mit rotem Samt ausgeschlagener Koffer, in den die Handglocken nach Tonart sortiert werden
Die Handglocken haben bestimmte Tonarten und im Koffer einen ganz bestimmten Platz


Ich lerne den Künstler Edgar Tedressaar kennen, der in seinem Atelier seine Gäste empfängt. Er hat bereits international ausgestellt.

Der Künstler Edgar Tedresaare sitzt links seiner Stoffkunstwerke
Der Maler Edgar Tedresaar fertigt in seinem Atelier auch Bilder mit verschiedenen Stoffarten, die mit unterschiedlichen Farben (z.B. Ruß) bearbeitet werden.

Im nächsten Studio wird die Marke „Kuul“ produziert. Hauptfarben der Kleidung sind schwarz und weiß, die Stoffe sind aus ökologischem Anbau. Auch Landschaftsfotos werden auf die Jacken gedruckt.

Ich besuche noch eine Designerin, die aus allen möglichen gebrauchten Materialien Kleidung und Taschen herstellt. Die nächste Stoffdesignerin stellt Kleidung, hauptsächlich Jacken und Mäntel, aus Wollstoff her. Die Schafe grasen in Estland und der Stoff wird ebenfalls in Estland produziert.

Im Erdgeschoss der verzweigten Gebäude haben sich mehrere Restaurants angesiedelt, die völlig unterschiedliche Genüsse auf Teller und in Gläser bringen. Wir lassen den Abend im Hof ausklingen, wo ein Tischtennisturnier und ein Wettbewerb von Skateboardern stattfinden.

Museen und Tommeberg

Tartu hat eine unglaubliche Dichte an Museen, insgesamt 20 Stück. Unter anderem das Estnische Nationalmuseum, das erst 2016 in einem neuen Gebäude eröffnet wurde, das estnische Sport- und Olympiamuseum, ein Museum des Stadtbürgers und das Wissenschaftszentrum Ahhaa. Das ist das größte Zentrum im Baltikum, in dem spielerisch Wissenschaft und Technologie ausprobiert werden kann.

Auf dem Toomeberg war ursprünglich die Festung und später der Dom. Heute ist dort eine Sternwarte , die Engels- und die Teufelsbrücke und viele andere Sehenswürdigkeiten und Denkmäler. Diese Entdeckungen heben wir uns für unsere nächste Reise nach Tartu auf. Wir haben nur einen Spaziergang im Südosten des Toomeberg gemacht, als wir vom Abendessen im Pulverturmkeller zum Campingplatz gegangen sind.

Ein hoher aus Backsteinen gemauerter Raum mit Holztischen und Bänken und einer Theke im Hintergrund
Der Püsirohukelder – Pulverturmkeller ist eine Biergaststätte mit tollem Ambiente und köstlichen Speisen

Wir werden Tartu auf jeden Fall noch einmal besuchen. Spätestens 2014, wenn sie Kulturhauptstadt Europas ist!

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Jääaja Keskus – Eiszeitwelt

Jääaja Keskus – Eiszeitwelt

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Nördlich von Tartu, am See Saadjärve, im Örtchen Äksi ist ein ungemein interessantes Museum angesiedelt. Es befasst sich mit der Entwicklung unserer Erde bis in die Zukunft, den Erdzeitaltern und der Eiszeit, als die Erde fast bis zum Äquator mit Eis bedeckt war. Die Estnische Landschaft im Laufe der Zeit spielt natürlich auch eine Rolle. 

Jääja Keskus – Anfahrt

Das Museum liegt im Dörfchen Äksi am Saasjärv, etwa 16 km nördlich von Tartu. Ausgebaute Radwege laden zu einem Ausflug mit dem Fahrrad von Tartu ein. Öffentliche Busse verbinden die Stadt ebenfalls mit dem Museum. Wir sind mit dem Wohnmobil angereist, über die Straße 39 und fahren in Lähte mit der braunen Beschilderung Jääaja Keskus nach Äksi im Tartu vald und in die Saadjärve 27/22. Die GPS Koordinaten: N 58.52598° E 26.67675° oder 58°31’33.5″ N 26°40’36.3″ E.

Vor dem Eingang des Museums begrüßt uns eine bekannte Figur. Der Film Ice Age hat dem breiten Publikum die Eiszeit bekannt gemacht. Der Kampf der Tiere ums Überleben wird in den Filmen sehr spaßig dargestellt. Letztendlich sind die damals lebenden Tieren aber ausgestorben.  

Die Figur Sid aus Ice Age aus Holz geschnitzt
Sid aus Ice Age begrüßt die Besucher vor dem Museum

Da Museum ist in drei Ebenen aufgebaut. Im Erdgeschoss geht es um die Entstehung der Erde und die Entwicklung der Kontinente. Im ersten Geschoss wird die Eiszeit behandelt. Und im zweiten Stock um die Zukunft der Erde. Wie wir Menschen in die Erdentwicklung eingreifen und was wir mit dem Klimawandel zu tun haben.

Entstehung der Erde und Kontinente

Das Gebäude ist um ein zentrales Atrium gebaut, in der eine ausgestorbene Spezies im Mittelpunkt und andere am Rand stehen.

Eine Mammutkuh mit Kälbchen steht vor einem Tundra Bild
Die Mammutkuh mit Kälbchen begrüßt die Besucher in der Eiszeitenwelt
Ein Säbelzahntiger und ein Hirsch
Der Hirsch hat ein ungeheuer ausladendes Geweih und der Säbelzahntiger schaut recht grimmig. Kein Wunder, weiß er doch, dass er bald aussterben wird

Das Museum ist verständlich aufgebaut und sehr kindgerecht. Immer wieder wirst Du aufgefordert in Interaktion zu treten. An anderen Stellen ist eine Veranschaulichung des Erklärten in Filmen in einem ruhigeren Rückzugsbereich möglich. In Estnisch, Englisch und Russisch werden die Exponate erklärt. Beginnend mit der Entstehung der Erde, der Entwicklung zu der Erde, die wir heute kennen. Einst ein Hitzeball, über viele Jahrmillionen die Abkühlung, wesentlich später die Entstehung von Wasser und einer Landmasse. Auf allen Karten ist der Ort Äksi, wo das Museum beheimatet ist, deutlich eingezeichnet, aber auch New York und Sidney.

Eine Erdkugel mit der Lage der Kontinente vor 250 Mio Jahren
Eine Erdkugel mit der Lage der Kontinente vor 250 Mio Jahren in estnischer Schreibweise.

Die Landmasse der Erde verschiebt sich nach wie vor. Die Kontinente haben derzeit die uns bekannte Lage gefunden und wir Menschen unterscheiden in fünf Kontinente. Aber diese Wanderung, die Bewegung der Kontinente ist noch lange nicht abgeschlossen, wie ein Blick in die Zukunft zeigt.

Eine Erdkugel mit der Lage der Kontinente in 250 Mio Jahren
Eine Erdkugel mit der Lage der Kontinente, wie sie in 250 Mio Jahren wahrscheinlich sein wird…

Als Resultat der heutigen wissenschaftliche Erkenntnisse der Kontinentenwanderung ist dieses Bild zu verstehen. Afrika wird Europa berühren, Australien wird sich mit Asien vereinigen. Der Atlantische Ozean wird nicht mehr sein und Amerika wächst mit Afrika zusammen. In den nächsten etwa 250 Mio Jahren wird sich ein neuer Superkontinent, Pangea Ultima, bilden.

Weiter geht es mit der Entwicklung der Menschen zu den Wesen, wie wir heute sind. Der als Urmensch in Ostafrika gefundene „Homo habilis“ ist nach einem Entwicklungsprozess der Hominiden über 15 Mio Jahre erst vor circa 2 Mio Jahren entstanden. Erst in den letzten etwa 100.000 Jahren hat der Mensch angefangen, sich die „Erde untertan zu machen“. Im Museum kann man in nachgebauten Höhlen das Schutzbedürfnis der Menschen vor Wetter, Tieren und feindlichen Artgenossen nachspüren. Aber auch, das diese Menschen kreativ waren. In der Herstellung von Gerätschaften und Waffen und in der Kunst.

Eine Ausstellungsfläche ist wie eine Höhle gestaltet
Im Fernsehen in der „Höhle“ kann der Besucher ein Höhlenleben anschauen, wie es vermutlich früher stattgefunden hatte
Eine Höhle ist mit Tierzeichnungen bemalt
In der Höhle sind sogar Zeichnungen von Tieren zu sehen

In einem nächsten „Bild“ sind Tiere zu sehen, die sich auch in Höhlen zurückziehen. Heutzutage wissen wir, das Tiere für Gefahr eine stärkere Empfindung haben, viel eher wissen, wenn etwas nicht stimmt und sie bedroht, vor dem sie fliehen müssen.

Verschiedene Wildtiere ziehen sich in eine Höhle zurück
Ob sich die Wildtiere zu Beginn der Eiszeit versuchten, in Höhlen zurück zu ziehen?

Die Eiszeit und Estland

Die Geologie Estlands wurde bereits im Erdgeschoss behandelt. Im ersten Stock wird auf die Landschaftsformung eingegangen. Die Vergletscherung durch die verschiedenen Eiszeiten – es gab sogar mal eine Eiszeit, bei der das Eisschild der Erde fast bis zum Äquator ging – hat die Oberflächen der Kontinente mit geformt. Die letzte Eiszeit mit ihren riesigen Eispanzern und Gletschern hat Felsen gesprengt und vor sich hergeschoben auf ihrem „Fluss“. Auch beim Schmelzen der Gletscher hat diese Entwicklung angehalten. So wird erklärt, wie Gletscherrillen heute noch in der Landschaft zu erkennen sind, warum es an manchen Stellen so viele Seen gibt und Hebungen und Senken. Nahezu am Ende des ersten Stockes wird auf die estnische Heimat eingegangen. Estland liegt bereits im sogenannten Tundragürtel. Viele der Tiere, die wir sonst nur in Skandinavien und Russland vermuten, sind auch hier beheimatet. Die Winter in Estland können bis zu minus 40° kalt werden und viel Schnee haben. Allerdings war in den letzten beiden Wintern die Temperatur selten unter Null und es hat überwiegend geregnet. Der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar.

Tiere, die im Winter ihre Farbe ändern, stehen in einem kleinen Schneefeld in einer Tundra
Eine Tundralandschaft mit schmelzendem Schnee und die heute darin vorkommenden Tieren. Rentier, Schneehuhn, Schneehase, Schneeeule und Schneefuchs
Ein Elch steht in einer Vitrine
Wieder begegnen wir nur einem ausgestopften Elch in einer Vitrine und nicht in der estnischen Natur

Aber unsere in Deutschland bekannten Waldtiere sind hier natürlich auch beheimatet. Ein Fuchs ist vor uns bei der Anfahrt zum Parkplatz mit wehender Rute über die Straße gerannt. Die hier ausgestellten Tiere sind leider nicht mehr so lebendig. Ganz charmant finde ich eine Vitrine, in der Vögel ausgestellt sind. Wenn Du auf das Knöpfchen an der Scheibe drückst, dann lässt der Vogel seinen Gesang hören. So lassen sich Stimme und dazu passender Vogel wunderbar lernen.

In einer Virtrine sind ausgestopfte Tiere, Biber, Marder und Fuchs
In der Vitrine kann man die Größenverhältnisse von Biber, Fuchs und Marder erkennen

Zukunft der Erde

Welchen Anteil wir Menschen am derzeitigen Zustand der Erde haben, wird im zweiten Stock erläutert. Unsere Ausbeutung der Erde, Abbau von Bodenschätzen, Zerstörung der Wälder und der ursprünglichen Landschaft und ihres Bewuchses, Verschmutzung der Luft und das Zerstören des Schutzschilds der Erde. Wie wir in den natürlichen Wandel eingreifen und somit Dinge beschleunigen oder anders ablaufen lassen. Und natürlich, was wir tun können, um dem Einhalt zu gebieten oder zumindest, den Klimawandel zu verlangsamen.

Am Beispiel Estlands, mit etwa 1,3 Mio Einwohnern wird der Klimakiller Verkehr erläutert. Hier gibt es etwa 450.000 zugelassene Fahrzeuge, von denen nur rund 140.000 viel genutzt werden. Trotzdem fahren die Esten jährlich so viel Auto, dass die Strecke 120.000 mal um den Äquator reicht. Wie kann da ein Wandel, ein Bewusstseinswandel einsetzen? Nebenan ist ein Supermarktregal mit viel Plastikverpackung aufgebaut und es wird darauf hingewiesen, wie wir dem entgegenwirken können. Auch diese Abteilung ist kindgerecht aufgebaut, wobei ich es persönlich wichtiger finde, dass wir Erwachsenen endlich umdenken und durch unser Kaufverhalten die Abläufe ändern. Meiner Meinung nach ist aber hauptsächlich die Politik gefordert (die Volksvertreter), die den Lobbyisten, den Machthungrigen und Großgeldverdienern Einhalt gebieten, konstruktive Lösungen aufzeigen und die Umsetzung steuern müssen.

Zum Abschluss ein Bild von Tieren, die es wohl ziemlich bald nicht mehr geben wird, wenn wir nicht endlich richtig aktiv für eine Verlangsamen oder den Stopp des Klimawandels werden. 

Ein Pinguin links, der Strich des Äquators in der Mitte und ein Eisbär rechts
Zwei, die sich nie begegnen werden. Der Pinguin vom Südpol und der Eisbär vom Nordpol

Der Besuch war lohnend und hoch interessant. In den estnischen Sommerferien werden vom Museum Exkursionen in die Landschaft, zu eiszeitlichen Landschaftsmerkmalen angeboten. Dann kann man im ans Gebäude grenzenden Saadjärv (Saadsee) auch schwimmen und den nahen Grill- und Picknickplatz nutzen.

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Nationalpark Alataguse – Wanderung Kurtna

Nationalpark Alataguse – Wanderung Kurtna

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Der Alutaguse Nationalpark ist unser vorletzter in Estland, den wir besuchen werden. Er ist auch der „jüngste“ Nationalpark Estlands und wurde 2018 erst eingerichtet. Die Landschaft wird durch Moor und Sumpf geprägt und im Norden durch den Abbau von Ölschiefer. Das Moor wurde über viele Jahrhunderte von den Menschen genutzt, die Renaturierung ist in vollem Gange.

Lage des Nationalparks

Der Nationalpark Alutaguse liegt im Nordosten Estlands und grenzt an Russland. Die Stadt Jōhvi bildet die nördliche Grenze des Nationalparks. Südlich und westlich der Stadt liegen die Abbaugebiete für Ölschiefer. Hohe Abraumhalden türmen sich in der Landschaft auf. Für die Weiterverarbeitung des Ölschiefers, der auf bis zu 530 ° Celsius erhitzt wird, benötigte es viel Energie. Diese lieferte der Torf des Moorgebiets südlich der Stadt. Seit Errichtung des Nationalparks, wird der Rückbau und die Renaturierung der Moorlandschaft vorangetrieben. Einige der alten Abbau-Anlagen sehen wir bei unserer Wanderung.

Der überwiegende Bevölkerungsanteil in dieser Gegend sind Russen. Teils, da sie in der Ölschieferverarbeitung arbeiten. Aber ein hoher Prozentsatz sind sogenannte Altgläubige. Im 17. Jahrhundert erwirkte die russisch-orthodoxe Kirche einige Reformen, die von den Altgläubigen nicht anerkannt wurden. Sie wurden daher mit Gewalt, Folter und Tod bedroht und flüchteten in die Gegend nördlich des Peipsi Sees in Estland und nach Polen. Daher ist diese estnische Gegend von der Kultur dieser Glaubensgemeinschaft geprägt.

Wir haben uns im Alutaguse Nationalpark die Wanderung Kurtna ausgesucht, die uns in eine Landschaft mit der höchsten Seendichte in Estland führt, was dem Moorabbau geschuldet ist.

Aufzeichnung der Wandertour auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Wanderung entlang der Seen

Am Parkplatz ist – wie bei allen Wanderungen in Nationalparks in Estland – eine Infotafel aufgestellt. Die Wanderung und die Landschaft ist auf Estnisch beschrieben, eine kleine Erläuterung auf Englisch ist auch vorhanden. Sogar einen QR-Code könnte man herunterladen. Ich habe zwischen meine Bilder der Wanderung nur einige kurze Textzeilen eingefügt – so kannst Du mit den Bildern in die Natur „eintauchen“.

Auf einer Tafel ist der Wegverlauf der Wanderung abgebildet
Wir haben von dem Wegverlauf die untere Runde der Acht vor

Wir folgen der Beschilderung einen sehr sandigen Pfad entlang zum ersten See – auf Estnisch Järv. Wir dachten eigentlich, jetzt, nachdem wir von der Ostsee Abschied genommen haben, wäre das Sandwandern vorbei. Aber falsch gedacht, noch sind wir auf uralten Dünen unterwegs, wie wir unterwegs lernen werden. Nach etwa 150 m ist ein Toilettenhäuschen. Zwar – wie immer – nur eine Trockentoilette, aber wieder sauber und mit Toilettenpapier versehen.

Eine Holzhütte mit Toiletten steht rechts eines Waldweges
Wie immer bei RMK Wanderungen vorbildlich – zwischen Parkplatz und Grillplatz eine Toilette

Schon gleich darauf kommen wir an den Nōmmejärv, mit Infotafel, Mülleimern und einem kleinen Sandstrand.

An einem Seeufer stehen Grills und Picknickgelegenheiten
Am Seeufer des Nōmmejärv ist ein Picknick- und Grillplatz

Die Markierungen leiten und nach Norden, erst am Ostrand des Sees entlang und dann nach Westen.

Eine Brücke führt über einen Bachlauf im Wald
Die Brücke führt uns über den Ablauf des Nōmmejärv und geht als Bohlenweg weiter
Ein moorigbrauner Fluss
Von den ehemaligen Nutzungen des Moores steht noch ein Betonbecken im Flüsschen
Ein Bohlenweg führt durch lichten Wald
Der Bohlenweg führt über die sumpfigen Stellen. Hasendraht auf den Bohlen verhindert das Ausrutschen des Wanderers bei Nässe

Der Wald ist ein bunter Mischwald, mit Bäumen und Pflanzen, die auf dem feuchten Moor- und Sumpfuntergrund zurechtkommen.

Auf einer kleinen Lichtung stehen Unmengen grauer Pilze
Die Pilze haben wohl eine Versammlung – oder wachsen sie eher deswegen, weil es nun endlich mal zwei Tage Niederschlag gegeben hat?

Ich bin erstaunt über die Tafel am Nordufer des Nōmmejärv. Nach jedem Gehkilometer steht eine solche Tafel, denn der Fernwanderweg läuft einige Kilometer parallel zu unserem Wanderweg.

Ein Wanderschild für den Fernwanderweg
Am nördlichen Ufer des Nōmmejärv ist der Entfernungswegweiser für den Fernwanderweg von Penijōe nach Kauksi mit einer Gesamtlänge von 615 km

Das der Sommer in Estland sich dem Ende zuneigt, merken wir hauptsächlich daran, dass die Beerensträucher voller Heidel- und Preiselbeeren hängen und ihre Blätter rot färben. Und dass nur noch sehr wenige Blumen blühen.

Eine violette Blüte
Jetzt im Herbst blühen nur wenige Pflanzen, so wie diese hier, deren Name ich nicht kenne

Nach einem kurzen Schlenker erreichen wir den nächsten See und beim Umrunden finden wir eine Libelle, die sich vom wilden Hin- und Herfliegen ausruhen muss.

Ein See mit einem Sandstrand und einer Schilfinsel
Der Mustjärv hat einen flachen Sandstrand
Eine dunkle Libelle hält sich an einem Grashalm fest
Diese dunkle schillernde Libelle hat sich hingesetzt um fotografiert zu werden

Wenige Schritte von der Libelle entfernt steht eine Blume im hohen Gras.

Eine weiße Blüte über dem Gras
Diese weiße Blüte ist wunderschön gezeichnet – der Name ist mir leider nicht bekannt

Der nächste See ist schnell erreicht, denn der Mustjärv ist sehr klein. Am Ufer finde ich die nächste Blühpflanze.

Am anderen Seeufer steht ein Haus
Am anderen Ufer des Niinsaarejärv steht ein Haus
Eine violette Blüte mit einer gelben Lippe
Komplementärfarben an einer Blüte – wie schön – leider kenne ich die Pflanze nicht

Alle Seen wurden ehemals durch Gräben entwässert, um Torf abstechen zu können. Die Wanderwegbauer haben diese Gräben gangbar gemacht.

In einem ehemaligen Entwässerungsgraben lieben Baumstämme, um Wanderern das Queren zu ermöglichen
Die ehemaligen Entwässerungsgräben des Moores wurden am Wanderweg mit Baumstämmen „aufgefüllt“ um die Querung zu erleichtern

Dünenlandschaft

Wir gehen nun immer bergauf. Eine uralte Düne aus alter erdgeschichtlicher Zeit bewirkt das. Oben auf der Höhe ist der Wald völlig anders gestaltet als bisher.

Eine bemooste Birke im Farnwald, dazwischen der Weg
Die bemooste Birke, der Farnwald, die Landschaft hat sich während der Tour mal wieder gewandelt
An einem Baum sind blaue und grün weiße Striche als Markierung
Hier schlängelt sich der Weg als schmaler Pfad steil bergab. Die Wandermarkierungen sind am Baum deutlich zu erkennen

Nach dem Bergab, dass sich länger auf schmalem Pfad hinschlängelt, erreichen wir den kleinsten See. An einem Baum oberhalb des Sees sucht jemand Nahrung.

Ein See liegt in der Sonne, Birken stehen am Rand
Der Laugasjärv ist der nächste See, den die Route passiert
Ein Buntsprecht hämmert an einem Baum
Der Buntsprecht lässt sich durch sein Klopfen lokalisieren

Schon gleich erreichen wir die nächste Düne, die uns, die wir mitten im Wald wandern, nur auffällt, weil wir bergauf gehen müssen.

Ein Wanderer geht einen Pfad im Wald bergauf
Wieder führt uns der Wanderpfad auf eine uralte Düne hinauf

Von der Düne hinab schauen wir auf einen See, der gleich zwei Namen trägt. Wir berühren ihn nur an seinem Südende, denn unser Weg biegt hier nach Osten ab.

Ein See liegt unterhalb eines Fichtenwalds
Den Suurjärv erreicht man bergab über ein steiles Ufer. Er zieht sich weit nach hinten und wird dabei immer breiter

Beerenpflücker

Wir gehen nun auf bequemen breiten Waldwegen weiter und queren die Schotterstraße, die zu den vereinzelt liegenden Häusern führt. Wir beginnen an einer Stelle unsere Dosen mit reifen Preiselbeeren zu füllen. Da uns die Stelle nicht sehr ergiebig erscheint, gehen wir weiter. Nur, danach finden wir keine weitere Stelle mehr, denn heute sind viele Fahrzeuge unterwegs und die Beerensammler im Wald aktiv. Ein Foto von Beerenpflückern aus den 1920er Jahren ist sogar im Begleitheft des Nationalparks abgedruckt. Somit ist das eine alte Tradition. Schön, dass die heute noch gelebt wird. Wieder geht unser Weg zu einem Seeufer hinab.

Wir ändern die Wegrichtung nun nach Süden und sind bereits wieder auf dem Weg zum Wohnmobil.

Auf einem See schwimmen einige Enten
Auf dem Haugjärv schwimmen einige Enten – die ersten Wasservögel auf den Seen, die wir erblicken

Nach dem Haugjärv sind wir vom  Beeren suchen – und nicht finden – so abgelenkt, dass wir den falschen Weg erwischen und uns durch den Wald nach links wieder zum Weg zurück arbeiten. Aber die Beerensucher waren schon überall, nichts mehr zu finden. Aber der Särgjärv liegt wunderschön vor uns und ist mit Seerosen gespickt.

Die Bloggerin steht am Haugjärv
Ich versuche am Särgjärv die wirklich großen, fast goldenen Libellen zu fotografieren – aber die fliegen zu schnell für mich
Im mit Seerosen gespickten See spiegeln sich die Wolken und der Wald
Über dem Wald am Särgjärv türmen sich dicke Wattewolken auf

Wir wandern am breiten Konsu-Kanal entlang bis zur Schotterstraße, der wir noch 600 m bis zum Parkplatz nach Süden folgen müssen. In den vorbeifahrenden Autos sehen wir die Körbe mit Preiselbeeren und strahlende Gesichter.

Das war eine interessante Wanderung. Wie immer war die Beschilderung, die Markierung und die Wegführung sehr gut angelegt. Teils mit Rindenmulch und teils mit Bohlenwegen, die die empfindliche Natur des sich wieder etablierenden Moores vor den harten Tritten der Wanderer schützen. Normale Waldwege und Heidewald befinden sich zwischen den Moor- und Dünenstellen. Eine abwechslungsreiche, eine schöne Wanderung, die ich Dir gerne empfehle – auch die etwas weitere Runde, bei der Du noch drei weitere Seen passierst.

Kloster Kuremäe

Auf unserer Fahrt zum Peipsi Järv, der siebenmal größer ist als der Bodensee, halten wir noch kurz am Nonnenkloster Kuremäe. Heute allerdings sind im Kirchenraum viele Menschen mit Saubermachen beschäftigt, so das wir von einer Innenbesichtigung der Kirche Abstand nehmen müssen. Einige wenige Eindrücke von Außen anhand der nachfolgenden Bilder kann ich Dir aber geben.

Ein Torhaus mit einem Zwiebelturm
Das Tor des Nonnenklosters ist von einer hohen Mauer umgeben. Das Torhaus hat ein sehr steiles Dach mit einem kleinen Zweibeltürmchen
Hinter einem mit roten Blüten bepflanzen Rondell erhebt sich ein hohes Torhaus
Das Tor des Klosters von Innen
Der Grundriss der Kirche ist quadratisch, mit einem Vorbau
Der Grundriss der Kirche ist quadratisch, mit einem Vorbau für die Eingangstüren
Ein Beet mit kleinen Buchspflanzen, die Name und Erbauungsjahr des Klosters preisgeben
Das Kloster Kuremäe wurde 1891 gegründet

Ein schöner Abschluss des Wandertages war der, wenn auch nur kurze, Besuch an den Klostergebäuden dennoch.

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Tallinn

Tallinn

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Tallinn, die Hauptstadt Estlands – einigen noch als Reval bekannt – ist eine alte und auch moderne Stadt, in der jeder Besucher etwas für sich Interessantes findet. Wir haben alle Museen ausgelassen und uns nur für Gebäude, Parks und Kulinarik interessiert. Unterwegs waren wir zu Fuß und per Fahrrad.

Tallinn

Wir haben uns für den Euro-Parkplatz in der Kalasadama 8 in Tallinn für unser Wohnmobil entschieden, der nur 400 m von der Altstadt direkt an der Ostsee liegt. Die Stadthalle, Linnahall genannt, liegt in der Nähe. Der Parkplatz ist auf der Abrissfläche eines Industrie- oder Hafengebäudes entstanden und wartet auf neue Bebauung. Der Parkautomat funktionierte aber nicht. Nachdem Bernhard die Servicenummer gewählt hat, ist 10 min. später ein Servicetechniker da und wir können unseren Parkschein für 48 Std. für 4 € ziehen. Uns ist das lieber, als einen Strafzettel zu riskieren. Wir hatten in Norwegen damals ein sehr teures Erlebnis.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht auf einem Schotter-Wiesengelände, dahinter eine Mauer
Wir stehen an der Mauer einer Ruine auf dem Parkplatz am Kalasadama
Die Aida liegt vor Anker
Ein Aida-Kreuzfahrtschiff liegt vor Anker und darf anfänglich nicht am Hafen anlegen. Für uns ein Glück, denn in „normalen Jahren“ sind täglich bis zu 10.000 Kreuzfahrttouristen in der Stadt unterwegs
Hinter dem Parkplatz erhebt sich eine wuchtige Arena
Du schaust über den Parkplatz zur Linnahall, einer Multifunktionshalle. Sie wurde für die olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau erbaut, die Segelwettbewerbe fanden damals in Tallinn statt. Heute wird über die Weiternutzung gestritten – das sieht man dem Bauwerk deutlich an!

Wir haben uns entschieden, den 20. August, Tag der Unabhängigkeit der Esten, in Tallinn zu verbringen. Wir hoffen darauf, dass die Stadt recht leer sein wird, weil die Tallinner das gute Wetter und den Brückentag nutzen werden, um außerhalb der Stadt die Natur zu genießen. Ja, wir sind im Baltikum auch vorsichtig wegen des Corona-Virus.

Unseren ersten Abend in Tallinn verbringen wir mit einem Spaziergang an der Dicken Margarete (einem Stadtturm) vorbei, durch die unteren Altstadtstraßen zum Muschelrestaurant „Love Mussels“. Nach einem vorzüglichen Abendessen spazieren wir durch die Altstadt zurück. In der „Champagner Bar“ nehmen wir noch einen Absacker auf dem Weg zum Wohnmobil.

Den Feiertag der Esten nutzen wir für eine Fahrradtour zur Tourist-Info.

Ein Gebäude hinter Bäumen mit der Aufschrift Tourist-I
Die Tourist-Info ist in der Niguliste, etwa 50 m vom Rathausplatz entfernt und etwas unter Linden versteckt

Dort erwischen wir eine exklusive deutschsprachige Stadtführung zu Fuß. Später fahren wir mit dem Rad weiter zum Markt, in den Stadtteil Kalamaja, zum Neubaugebiet im Yachthafen und über das Wasserflugzeugmuseum zurück zum Wohnmobil. Am Spätnachmittag fahren wir mit dem Rad zum Stadtteil, Park und Schloss Kadriorg und genießen den Park, bevor wir am Tallinstrand entlang zurück zum Wohnmobil fahren. Diese Touren habe ich in Komoot aufgezeichnet.

Den Freitagvormittag nutzen wir zum Fotografieren und Einkaufen auf dem Markt. Und wir machten eine Entdeckung, die uns ungemein glücklich machte und dass über die nächsten Tage!

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrrad- und Spaziertour Altstadt – Kalamaja kannst Du hier auf meinem Komoot-Account nacherleben:

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Die Fahrrad- und Spaziertour Kadriorg kannst Du hier auf meinem Komoot-Account nacherleben:

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Altstadt Tallinn

Ich möchte Dir mit diesem Blogbeitrag einige Eindrücke von Tallinn geben. Die Stadt hat eine so ausufernde Geschichte und so viele unterschiedliche Sehenswürdigkeiten. All das zu erläutern sprengt den Rahmen eines Blogs und ich sehe mich dazu auch gar nicht im Stande. Wenn du mehr über Tallinn wissen möchtest, besuche die deutsche Seite der Stadt.

Einige kurze Daten zu Tallin möchte ich Dir dennoch mitteilen. Etwa ein Drittel der 1,3 Millionen Esten leben in und um Tallin, circa 430.000 Menschen. Die Altstadt wurde zwischen dem 13. bis 16. Jahrhundert erbaut, die Stadt war eine Hansestadt mit Lübeckischem Recht, d.h. Rechtsprechung der Hanse. Tallinn hat heute noch um seine Altstadt einen Großteil der ehemaligen Stadtmauer und viele der Stadtmauertürme stehen ebenfalls noch. Ein Teil der Tallinner Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Rund um die Altstadt haben sich im Laufe der Jahrhunderte weitere Stadtteile gebildet, je nach Herrscher und Baujahr in diesem oder jenem Stil.

Die Altstadtstraßen sind sehr verwinkelt, mit vielen Hinter- und Innenhöfen. Die Unterstadt wurde früher von Kaufleuten und Handwerkern bevölkert, die Oberstadt auf dem Domberg von den Adligen. Der Domberg ist aufgrund seiner Landschaftsform und durch Bastionen geschützt und lag außerhalb der Stadtmauer. Auf den Domberg gelangten die Bürger früher nur durch ein einziges Tor, was die Abgrenzung von denen da Oben zu denen da Untern noch deutlicher machte. Heute ist das kein Problem mehr, denn wir durften uns oben und unten und rundherum frei bewegen 😊

Nachfolgend Bilder aus der Altstadt Tallinns.

Apotheke am Rathausplatz

Eine zweiflügelige Holztür, mit verschlungenen Schlange geschmückt, mit einer steinernen Treppe, die in die Apotheke führt
Durch diese Tür gelangst Du in das Gebäude der Apotheke am Rathausplatz, 1422 erstmals urkundlich erwähnt. Damals wie heute und ununterbrochen war und ist darin eine Apotheke – und heute auch ein kleines Apothekenmuseum, das den Wandel der Medikamentenzutaten und des Medikamentengebrauchs zeigt
Eine Schlange um ein Gefäß symbolisiert eine Apotheke – darunter Apteekt und die Zahl 1422
Die Außenwerbung der Apotheke
Eine geschnitzte Bank mit einem Löwenkörper als Armlehne. Gusseiserne Säulen tragen das Obergeschoss der Apotheke
Gusseiserne Säulen tragen das Obergeschoss – Löwen sind die Armlehne der Apotheke – eine schöne Schnitzmeisterarbeit
Ein kupferner Destillierapparat und eine hölzerne Ölpresse stehen vor einem Erker
Alte Apothekenausstattung, wie den kupfernen Destillierapparat und eine hölzerne Ölpresse stehen beim Erker
Ein Foto auf einem Bildschirm zeigt ein Foto der Apotheke von 1903
Im kleinen Apothekenmuseum kannst Du mit viel Zeit auch die Geschichte der Apotheke anhand von Aufzeichnungen und Briefen lesen. Hier ein Bild des Rathausplatzes mit Apotheke von 1903

Weitere Eindrücke der unteren Tallinner Altstadt

Ein in die Erde gelassener runder Gedenkstein
Wer an diesem Punkt in Tallinn auf dem Rathausplatz steht und sich ein wenig reckt und streckt und dreht – kann 5 Kirchentürme (-fragmente) der Altstadt entdecken
Das alte Rathaus von Tallinn hat einen hohen Turm links und einen Laubengang im Erdgeschoss
Das alte Rathaus in Tallinn ist ein typisches Hansestadtgebäude mit einem besonders interessanten Turm
Ein Türmchen an einem Haus ist mit Fresken im Aufbau gestaltet
Wunderschöne Jugendstilhäuser gibt es auch in Tallinn – ich muss nur nach oben schauen!
Aneinandergereihte runde Gauben auf einem Schieferdach
Die Gaubengalerie hat mich beeindruckt – der Zimmermann hatte nicht nur viel zu rechnen, sondern auch viel zu konstruieren
Schmiedeeiserne Lampen beleuchten bei Dunkelheit die Altstadt
Schmiedeeiserne Lampen beleuchten bei Dunkelheit die Altstadt
Ein Hausportal mit einer grüngemusterten doppelten Holztür und einem steinernen Portal
Ein unglaublich schöner Hauseingang ziert das Gebäude der Schwarzhäupterbrüderschaft – heutzutage geht es hier zu den Tallinner Kammermusikern
Ein Häuserzeile mit unterschiedlichen Giebelformen und Türmchen teils im Schatten und in der Abendsonne
Diese Häuserzeile gefällt mir sehr gut – vermutlich in der Straße Aia aufgenommen
Ein Holzerker am Haus der Oleigilde
Der Holzerker am Haus der Oleigilde hat in seinem steinernen Sockel einen Rose eingemeißelt – die Rose oberhalb der Tür symbolisierte die Vertraulichkeit der Gespräche im Inneren, die die Gildemitglieder zur Verschwiegenheit verpflichtete
Ein Haus im Jugendstil mit stilisierten Drachen und Figuren auf zwei Simsen
Wunderschöne Details am Haus, die wir beim ersten Vorbeigehen gar nicht gesehen haben
Zwei Figuren stehen oberhalb des Hausportals
Die Figuren sind links König Knut von Dänemark und rechts Martin Luther – die Tallinner wundern sich noch heute, dass die Figuren in der Sowjetzeit nicht zerstört wurden – wie so vieles andere Kirchliche
Unter einer hohen Mauer sind Markisen, darunter Blumenläden mit bunten Blumen
Die Blumen am Blumenmarkt in der Straße Viru leuchtet in der Abendsonne
Die Straße ist mit Pflastersteinen gepflastert, Neben der Straße stehen hohe Altstadthäuser
Die Pflasterstraßen stehen in Tallinn unter Denkmalschutz
Fahnen hängen über einem Portal an einem Eckhaus
Die Aufschrift unter den Fahnen lautet: Telegraaf Post Telefon – 13. Nov. 1918
Durch einen Torbogen sieht man im Hof einige Geschäfte
Zugang zum Meisterhof in der „Vene 6“ – mit Atelier, Kunstladen, Café und Hostel

Domberg oder Oberstadt

In der Oberstadt machen wir mit unserer Gästeführerin einen kurzen Rundgang.

Die Orthodoxe Kirche wurde als Herrschaftssymbol des zaristischen Russlands erbaut
Der Zar setzte den Tallinnern mit der Orthodoxen Alexander Newski Kathedrale ein Machtsymbol auf den Domberg
Die Domkirche St. Marien auf dem Domberg ist die Hauptkirche der evangelischen Christen in Estland
Die Domkirche St. Marien auf dem Domberg ist die Hauptkirche der evangelischen Christen in Estland. Vormals war sie die Kirche der Tallinner Adligen und beherbergt deren Wappen bis heute
Die Plattform in der Kohtu Straße legte bereits den Adligen Tallinns die Stadt zu Füßen, bzw. ließ sie auf Handwerker und Kaufleute herabschauen
Die Patkuli-Plattform legte bereits den Adligen Tallinns die Stadt zu Füßen, bzw. ließ sie auf Handwerker und Kaufleute herabschauen. Du schaust auf die Stadtmauer mit einigen Türmen, die St. Olai-Kirche und den Hafen und vielleicht kannst Du sogar erkennen, dass die Aida mittlerweile im Hafen liegt, aber noch keine Reisenden „ausspucken“ durfte, denn die Stadt ist noch leer
Die Bloggerin sitzt auf der Mauer der Patkuli Platfform
Ich setzte mich mal in Szene auf dem Mäuerchen der Patkuli Plattform
Über viele Treppen geht es hinauf zum Domberg
Der Weg zur Regierung ist beschwerlich – die Esten spüren das anhand der Treppenstufen…
Die Stadtregierung tagt ebenfalls in einem Gebäude auf dem Domberg
In diesem Gebäude werden die Geschicke der Stadt Tallinn geführt

Bäckerei in Tallinns Altstadt

Bei unserer Fototour am Freitagvormittag entdecke ich in der Straße „Nunne 9“ in der Tallinner Altstadt eine Brezel an einem Haus. Von Brezeln wurden wir während unserer Reise so oft verführt – und genau so oft enttäuscht. Nie gab es ungesüßtes, ungemalztes, festes Brot und Brezeln schon gar nicht. Hier aber hatten wir großes Glück. Brezeln gab es zwar keine, aber richtiges Brot, mit Kruste und nicht weich wie ein Daunenkissen. Und Brötchen, sogar mit Körnern! Wir entschieden uns in der Bäckerei Loiri Pagar OU für ein tolles Roggenbauernbrot und eine Auswahl von Brötchen – und hatten viele Tage Freude daran. So einfach kann Glücklichsein funktionieren!

Eine goldene Brezel an einer Eisenstange als Werbung für eine Bäckerei
Die Bäckerei Loiri Pagar wirbt mit einem Brezel für ihr Backwerk. Wieder eine Brezel! Ob sie diesmal hält, was sie verspricht? Deutsche Backkunst in Tallinn??
Bäckereiauslage in einem Schaufenster
Schon im Schaufenster wird anhand der ausgestellten Backwaren einiges versprochen
Das Backwarenangebot wird in Regalen präsentiert
Und wir werden nach Eintritt in die Verkaufsräume nicht enttäuscht. Wir sind ganz geplättet von der Vielzahl des Brot- und Brötchenangebotes – und nix in Plastik eingeschweißt! So kann endlich wieder eine Kruste am Brötchen und Brot entstehen!
Die Kaffeeteilchen in der Auslage erscheinen wie in Deutschland
Ich bin wirklich gerne unterwegs. Ich reise wirklich sehr gern in andere Länder und mag gerne neue Speisen probieren. Aber so eine „deutsche“ Bäckereiauslage nach sieben Wochen Abstinenz, treibt mir die Freudentränen in die Augen und füllt meinen Notfallrucksack der Handtasche mit Köstlichkeiten

Besondere Bilder

Unter dieser Überschrift findest Du Fotos von Tallinn, die ich persönlich irgendwie besonders finde. Besonders, weil sie witzig sind, hohe handwerkliche Kunst aufweisen oder mich sonst irgendwie berührt haben.

Werbeschild einer Brauerei mit der Aufschrift Brewery ōlleklubi
Manchmal kann ich mir Estnisch durch andere Sprachen herleiten – Brewery – englisch = Brauerei und ōlle – norwegisch Öl = Bier und klubi – frei aus dem Deutschen interpretiert = Club – Brauerei Bierclub! Geht doch!
Ein geschmiedeter Türklopfer ist wie ein Löwenkopf geformt
Dieser Türklopfer ist eine wunderschöne Schmiedearbeit
An einem Hausgiebel sind stilisierte Girlanden und ein Wappen mit drei Löwen
Die drei Löwen erinnern mich an Baden-Württemberg
Zwei Kampfflieger fliegen über die Stadt
Am Unabhängigkeitstag zeigen die Franzosen, dass sie als Europäische Flugzeugstaffel den Esten zur Seite stehen
Eine Eintracht Frankfurt Fahne weht am Rathausplatz in Tallinn
Ob die Eintracht in Frankfurt davon Kenntnis hat, dass eine Fanfahne auf ganz repräsentativem Tallinner Gebiet – dem Rathausplatz – weht?
Eine Steinerne Figur mit einem Binokel schaut hinab auf die Straße
Laut der Legende soll ein Nachbar der Nachbarstochter immer hinterhergeschaut haben und bekam dieses Ebenbild auf die gegenüberliegende Gaubensäule gebaut
Dem Gründer des Estnischen Puppentheaters Ferdinand Veike ist ein Denkmal in Form einer Büste an einem Haus gesetzt worden
Dem Gründer des Estnischen Puppentheaters, Ferdinand Veike, wurde das Denkmal am Haus des Puppentheaters gewidmet
Zwei Stoffpuppen sitzen auf Stühlen an einem Bistrotisch vor einem Laden
Das Paar sitzt vor einem Geschäft mit handgefertigten Erzeugnissen
Eingang zur Gaststätte Elevant, Steintreppen und doppelflügelige Tür
Andere Länder, andere Schreibweisen…
Ein Werbeschild an einem Haus mit der Aufschrift Shoppe Old Hanse
2. Teil des andere Länder, andere Schreibweisen – der Pfälzer Schoppe wird mit „sch“ geschrieben, der Shoppe hier nicht – und ich vermute, dass es sich bei diesem Shoppe um ein Schiff handelt…
Ein Pfeffersack hängt am Giebelgalgen eines Hauses
Der rote Peppersack hängt noch am Giebelgalgen des Hauses, das wohl früher als Pfefferlager gedient hat

Parks und Blumenschmuck

In Estland begeistern mich die überall gepflegten Parkanlagen und Blumenrabatten. Selbst im kleinsten Örtchen, gibt es einen mit Blumen geschmückten, gepflegten Bereich, in dem sich die Bevölkerung erholen oder treffen kann. Tallinn toppt das in der Anzahl der Anlagen, aber auch immer sehr gepflegt und ansprechend. Nachfolgend einige Beispiele.

Große eiserne Kübel sind mit Blumen wunderschön bepflanzt
Der Blumenschmuck in der Stadt ist immer ungeheuer gepflegt und in zur Umgebung passenden Kübeln
Zwei Kinder mit einem Regenschirm als Springbrunnenfiguren
Ob Sonne, ob Schnee, ob Regen – die zwei sitzen immer unter dem zu kleinen Regenschirm und werden nass
Eine Rehskulptur steht in einem Park an einem kleinen Wasserfall
Die Legende erzählt, dass der Dänische König (einst auch mal Machthaber im damaligen Reval = heute Tallinn) ein Reh jagte. Als dieses die Klippe des Domberges erreichte, stürzte es sich lieber hinab, als erschossen zu werden. Mit dieser Begebenheit soll der Name Reval = Rehfall entstanden sein.
Eine Singvogelskulptur aus Beton
Ich frage mich, welche Bedeutung diese Vögel haben, die Du überall in Tallinn auf den Straßen sehen kannst?
Große, aus Beton gegossene Singvogelskulpturen
Die Bedeutung: der Vogel als solcher Keine! Sie dienen der Terrorabwehr – z.B. durch einen Lastwagen. Dass Betonsperren auch „schön“ gehen, zeigen diese Vogelskulpturen in Tallinn

Ausgehen

Wir haben einige Einkehrschwünge in Tallinn gemacht. Nachfolgend zeige ich Dir einige kulinarische Besonderheiten.

An einer weiß getünchten Backsteinwand ist eine Leuchtschrift Love Mussels
Ein Meeresfrüchtelokal mal ganz anders – bestellen an der Theke, selbst mit Gläsern und Besteck versorgen, Speisen und Getränke werden gebracht
In einem schwarzen Emailletopf ist ein Muschelgericht
Bernhard isst Muscheln mit Champagner, Fenchel, schwarzem Pfeffer und Pesto – der Geschmack war ungewöhnlich gut
Ein vegetarisches Fladenbrot
Vegetarisch geht auch – Gemüsefladenbrot – ungeheuer lecker gewürzt
Das Interieur in der Champagnerbar ist eher wie in einem bunt zusammengewürfelten Wohnzimmer gehalten
Bunt zusammengewürfelte Einrichtung und Kunst von Familienmitgliedern und Bekannten – die Einrichtung der Champagnerbar
In einer Glasvitrine stehen kleine Marzipanfiguren
In der Straße “Pikk 16“ ist das Café und Museum zum Thema Marzipan in Tallinn
In einer Glasvitrine stehen kleine Marzipanfiguren
Das Marzipan soll in Tallinn erfunden worden sein – als Arzneimittel, dass ein Apothekerlehrling falsch zusammengemischt hat. Über die Hanse und Lübecker Kaufleute kam es erst nach Lübeck…
Ein Riesenrad aus Löffeln konstruiert mit Sammeltassen als Gondeln
Die Gondeln sind Sammeltassen und ein Teil der Konstruktion sind Löffel – charmante Idee des Marzipanzimmers
Neben einer Teigspeise auf einem Teller liegt goldenes Besteck
Wir essen auf dem Markt unsere Tšeburekids mit goldenem Besteck – wie vornehm!
Das Werbeschild eines Weinverkaufs heißt Nudist Winery
Bernhard erkundigt sich, ob man nur nackig einkaufen darf. Gemeint ist aber, einfach Wein – ohne Schnickschnack – schade? Oder eher nicht?

Außerhalb der Altstadt

Außerhalb der Altstadt habe ich wenige Fotos gemacht, die nicht in Besonderes oder Parks und Blumenschmuck bereits abgebildet sind.

An für Tallinns Stadtteil Kalamaja typischen Holzhäusern hängen estnische Flaggen
Am Unabhängigkeitstag sind die alle Häuser in Tallinn beflaggt. Hier im Holzhausviertel Kalamaja
Ein geschmiedetes Tor führt in den Markt mit Ständen
Der Markt in Tallinn ist geschickt in den Bahnhof integriert
Neue Wohngebäude stehen um einen Platz
Diese neuen Wohngebäude sind im Nordwesten von Tallinn direkt an einem Yachthafen errichtet worden

Kadriorg – Katharinental

Am Beginn des Parks treffen wir auf eine bedeutende Tallinner Persönlichkeit.

Die Bloggerin steht neben der Statue von Jaan Poska
Ich versuche mit Jaan Poska ins Gespräch zu kommen. Er war von 1913 bis 1917 Bürgermeister von Tallinn. In den Revolutionsjahren 1917/1918 spielte er eine Schlüsselrolle bei der ersten Unabhängigkeit Estlands, war Gouvernementskommissar der ersten Regierung und später Außenminister
Im Park ist ein Pavillon auf einem Inselchen im See, links davon ein Springbrunnen
Ein See in der Parkanlage Katharinental – Kadriorg
Das Barockschloss Kadriorg in einem Blumengarten
Das Schloss Kadriorg wurde von Peter dem Großen erbaut – zu Ehren seiner Frau Katharina, heute ist ein Kunstmuseum darin
Ein abgestuftes Glasgebäude
In diesem selbst als Kunst bezeichneten Bauwerk ist das Museum der Modernen Kunst – Kumu

Wir hatten übrigens recht mit unserer Annahme. Viele Tallinner waren außerhalb der Stadt, mit Zelt im Wald oder in den Wochenendhäusern an irgendeinem der vielen Seen. Der Autoverkehr war mäßig, die Altstadtstraßen leer und wir hatten zwei ruhige Nächte auf unserem Parkplatz mit Blick zur Ostsee. Tallinn ist wirklich eine Reise wert!

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Soomaa Nationalpark

Soomaa Nationalpark

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Der Soomaa Nationalpark liegt im Südwesten Estlands. Der übersetzte Name Soomaa bedeutet Sumpfland, Moorland. Wir wollen dort einige Wanderungen machen und diese besondere Landschaft genießen. Im Naturparkzentrum informieren wir uns und erhalten deutsche Beschreibungen und Wanderkarten.

Nationalpark Soomaa

Da der Name Soomaa Sumpf bedeutet, ist es nicht verwunderlich, dass ein großer Teil des Gebietes „unsicheren“ Boden hat. So steht es in einer Beschreibung des Nationalsparks. Das Gebiet des1993 gegründeten Nationalparks umfasst 396 m². In Teilen davon wohnen Menschen und bewirtschaften die Landschaft. Der größte Teil ist aber unbewohnt und die Natur in den Hochmooren ist intakt. Das besondere an Soomaa ist die sogenannte fünfte Jahreszeit. Im Frühjahr, nach der Schneeschmelze stehen 175 km² unter Wasser. Das höchste Hochwasser sei langem war im Mai 2011, wie Du später auf den Bildern beim Ingatsi-Wanderweg sehen kannst. Tõnu von Metste Talu hatte uns erzählt, dass die Landwirte früher Kräne in den Ställen hatte, um die Kühe während der Überflutung im oberen Stockwerks des Stalles unterzubringen. Die Landschaft ist vielfältig und beeindruckend. Auwälder, Moor- und Talsohlewälder, Au- und Gehölzwiesen wechseln sich ab. An den nasstesten Stellen sind Moorkolke oder auch Moorseen. Die Gegend ist von der Forstverwaltung mit Wanderwegen versehen, um den Menschen den Lebensraum Moor und was damit zusammenhängt näher zu bringen. Viele Pflanzen- und Tierarten die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, sind hier heimisch. So hoffen wir auf schöne Entdeckungen.

Das Naturparkzentrum Soomaa

Wir fahren vom Chili-Garten Metste Talu zur Hauptstraße mit der Nummer 92 und folgen ihr bis Köpu, Dort biegen wir mit der Beschilderung Nationalparkzentrum nach links ab und fahren auf der wunderbar gewalzten Schotterstraße bis zu einem Abzweig, an dem es nach rechts noch über einen schlechteren Schotterweg etwa 400 m zum Nationalparkzentrum geht. Der Parkplatz ist auch ein Offizieller RMK Parkplatz der Forstverwaltung, der Übernachtungen erlaubt. Wir sind noch rechtzeitig dran, das Naturparkzentrum hat noch geöffnet.

Ein Haus steht hinter Bäumen
Das Nationalparkzentrum des Soomaa Nationalparks

Im Zentrum werden Seminare angeboten, Mitarbeiter geschult, Schulklassen betreut und Touristen wie wir beraten. Meris, eine junge Frau, gibt uns kompetent Auskunft. Sie rät uns von der Benutzung einer Straße mit unserem Wohnmobil ab, da sie in sehr schlechtem Zustand sei. Da wir nach den Wanderungen in Richtung Pärnu weiterwollen, wählen wir mit ihrer Hilfe drei Wanderungen aus. Die Biberwanderung direkt am Nationalparkzentrum. Eventuell könnten wir die Biberfamilie heute in der Dämmerung auch an ihrem Bau beobachten. Morgen könnten wir den Ingatsi Wanderweg machen, da gäbe es die Möglichkeit, in einem Moorsee zu schwimmen. Wir sollten bis zum hinteren Parkplatz fahren, das wäre mit dem Wohnmobil kein Problem. Wenn wir sehr früh morgen losgingen, könnten wir vielleicht Elche sehen. Derzeit ist es sehr heiß, so dass sich diese tagsüber tief in die Wälder zurückziehen. Auf dem Weg nach Pärnu könnten wir auch noch den Riisa Wanderweg machen, der an den Fluss Navesti jögi führt. Wir danken für die Fürsorge und schauen uns im Treppenhaus noch die Bilder der großen Überschwemmungen 2010 und 2011 an.

Die Wanderungen beschreibe ich Dir hauptsächlich mit Bildern und deren Bildunterschriften.

Biberpfad – Kop Rarada

Der 1,8 km lange Biberpfad führt durch verschiedene Waldtypen. Druch dunklen Fichtenwald, lichten Farn-Bilkenwald und nassen Bruchwald hin zum Mardu Bach, wo sich eine Biberfamilie angesiedelt hat. Interessante Naturobjekte sind mit Tafeln unterwegs erklärt.

Aufzeichnung der Wanderung Biberpfad auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Oder Du folgst mir und dieser Wanderung auf meinem Komoot-Account.

Hier beginnt der Biberpfad, ein Holztorbogen mit einem Steg dahinter
Durch das Tor geht es zur Toilette und zum Biberpfad
Am Anfang des Pfades ist eine geschmitzte Holzfigur eines Biebers vor einem Toilettenhäuschen
Der Biber zeigt Wanderern, wo die Toilette ist, die an keinem Parkplatz oder Wanderwegbeginn in Estland fehlt
Eine Tafel erklärt mit Bildern den Wanderweg Riisa
Am Wanderweg Riisa erklärt eine mit Bildern illustrierte Tafel den Wanderweg
Auf einer Tafel ist der Pflanzenname aufgedruckt
Entlang des Wanderpfads sind Tafeln mit den Pflanzennamen aufgestellt
Auf einer Tafel ist der Pflanzenname aufgedruckt
Wer möchte, kann nicht nur Pflanzennamen sondern auch estnisch lernen
Auf einem mit Hackspänen bedeckten Wanderpfad wachsen Pilze
Die Pilze lassen sich nicht davon beirren, dass der Wanderweg mit Hackspänen bestreut ist
Ein dunkler Bach fließt durch einen Fichtenwald
Anfänglich führt der Wanderweg durch den Fichtenwald, durch den der Mardu Bach fließt
Ein Steg führt über einen Bach, rechts und links stehen Birken
Der Steg führt uns wieder über den Mardu Bach, allerdings im Birkenwald
In einem breiten Bach liegen Stämme uns Äste übereinander für einen Biberbau
Die Biberfamilie hat ihren den Bau quer zum Bach errichtet. Auch in der Abenddämmerung lassen sie sich nicht blicken
Eine Tafel erklärt den Aufbau einer Biberburg
Auf der Tafel in der Nähe des Biberbaus wird der Aufbau erklärt und dass die Hauptfeinde der Biber der Wolf und der Luchs sind. Der Hauptfeind „Mensch“ wird leider nicht erwähnt
Zwischen Baumästen hindurch ist der Bach und der Biberbau zu erahnen
Beim Weitergehen höre ich Geräusche vom Biberbau, den ich durch Äste sogar erspähen kann – aber leider ist das nur ein Enterich, der sich über irgendetwas erzürnt
Am Bachufer sind Birken vom Biber gefällt worden
Am Bachufer sind die Birken zu erkennen, die die Biber gefällt haben. Hinter dem Wald geht die Sonne bereits unter
Durch die Bäume ist die untergehende Sonne zu sehen
Ab und zu blendet mich die untergehende Sonne wie ein Scheinwerfer durch die Bäume – sogar ein Foto klappt
Auf einer Tafel wird erklärt, welche Nahrung der Elch zu sich nimmt
An den Bäumen, die in der Nähe der Tafel stehen, ist zu erkennen, das Elche junge Baumtriebe der Zweige im Frühjahr konsumieren

Mit der letzten Dämmerung treten wir aus dem Wald heraus und genießen eine völlig stille Nacht in der Einsamkeit in unserem Wohnmobil.

Ingatsi Wanderweg – Ingatsi Ōpperada

Der Ingatsi Wanderweg ist 3,6 km lang. Er beginnt in einem Bruchwald bevor er einen Moorhang hochsteigt zu einem Aussichtsturm. Der steht am Beginn des Kuresoo Hochmoors, in dem ein offenes Alpen-Rasenbinsen- und Schwingrasen-Hochmoor vorherrscht. In der Beschreibung steht außerdem: Im Unterwald des Hochmoors wachsen mehrere Zwergsträucher, unter anderem auch der für ostestnische Hochmoore typische Torfgränke. Das Netz von Gewässern formt Schlenken, hunderte von Moorkolken und Moortrichtern, kleine unterirdische Bäche und Bäche, die das Wasser aus dem Moor herausführen. Zu Zeiten des Vogelzugs, meisten sim Herbst, sind die großen, offenen Gebiete und Moorkolkflächen gute Rastplätze für Tausende von durchziehenden Gänsen.

Aufzeichnung der Ingatsi Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Über einem mit Büschen bestandenen Fluss steigt der Frühnebel auf
Wir sind sehr früh unterwegs und die Nacht war kalt. So steigt der Nebel über dem Fluss bei der Anfahrt auf
An der Einstiegsstelle für Kanus am Parkplatz geht die Sonne hinter den Bäumen auf
An der Einstiegsstelle für Kanus am Parkplatz geht die Sonne hinter den Bäumen auf
Ein Wohnmobil am Parkplatz, dahinter eine Toilette
An jedem Parkplatz ist eine Toilette! Hier der erste Parkplatz für den Ingatsi Wanderweg
Ein Steg geht über eine feuchte Stelle, an einem Baumstamm sind Markierungen
Über feuchte Stellen ist immer ein Bohlenweg gebaut. Die Markierungen links an der Birke zeigen die Hochwasser an, die der Sumpf im Frühjahr und Herbst haben kann. Das höchste wurde im Mai 2011 gemessen
Die Bloggerin läuft auf einem mit Hackschnitzel bestreuten Wanderweg
Der Wanderweg ist im Wald mit Hackschnitzel bestreut
Ein Fliegenpilz steht im Wald
Der Fliegenpilz sieht wie aus dem Lehrbuch aus
Am Waldrand steht ein Aussichtsturm
Nachdem wir aus dem Bruchwald hinausgetreten sind, steht der Aussichtsturm am Rande des Kuresoo Hochmoores vor uns
Vom Aussichtsturm geht der Blick weit über das Moor hinweg, die Bloggerin geht auf einem Steg, der durch das Moor führt
Ein Steg führt durch das Moor und zu den Moorkolken
Ein Schmetterling sitzt auf einem Holzbrett
Der Schmetterling sonnt sich auf einem Brett des Bohlenweges
Ein Spinnennetz zwischen Grashalmen gespannt, ist von Tau benetzt
Die unterschiedlichen Farben im Moor faszinieren mich. Eine Spinne sammelt den Morgentau in ihrem Netz
Ein dunkler Moorsee, in dem sich Wolken und Himmel spiegeln
Wir passieren mehrere Moorkolke oder Moorseen, in denen sich der Morgenhimmel spiegelt
In einem Moorsee spielen sich die dahinter stehenden Bäume
Die klare Stimmung am Morgen, der ruhige Moorsee und die Spiegelung der Bäume, einfach nur schön
In einem Moorsee spielen sich die dahinter stehenden Bäume
Der gleiche See von der anderen Seite mit Blick zum Wald – eine ganz andere Stimmung
Ein Geländer auf einer Plattform mit einer Öffnung zum Einsteigen in den See
Plattformen mit Bänken stehen an manchen Kolken. Dort ist immer eine Öffnung im Geländer mit einer Holzleiter, um im Moorsee baden zu gehen
Die Bloggerin badet in einem Moorsee
Das Wasser ist durch die vergangen Sonnentage angenehm warm und „weich“ – ein absoluter Genuss, dieses Morgenbad
Unter grünen Blättern sitzt ein grüner Frosch
Wieder zurück im Wald hüpft dieser Frosch über den Weg und „versteckt“ sich in beinahe der Bildmitte
Rote Beeren hängen an Sträuchern
Im Wald wachsen auch diese roten Beeren, die ich leider nicht kenne
Auf einer Tafel wird der Wanderweg und seine Besonderheiten auf Bildern erklärt
Wir kommen am eigentlichen Parkplatz des Wanderwegs an, mit der Tafel, die den Wanderweg wieder Bildreich „erklärt“

Am zweiten Prakplatz angekommen wandern wir etwa 500 m auf der Schotterstraße zu unserem Wohnmobil zurück. Wir Duschen und Frühstücken, bevor wir zum Riisa Wanderweg weiterfahren. Leider waren wir zwar früh, aber der Elch war schon im Wald oder hatte heute keine Lust auf Touristen.

Riisa Wanderweg – Riisa Ōpperada

Der Riisa Wanderweg ist 4,8 km lang und auch wieder ein Lehrpfad. Tafeln über Pflanzen, Tiere oder Zusammenhänge im Moor stehen in der Landschaft oder auf Plattformen. Er führt durch das malerische Riisa Moor und durch die Wälder des Navesti Flusses.

Autos stehen auf einem Parkplatz hinter einem Holzzaun
Der Wanderweg Riisa ist der einzige im Soomaa Nationalpark, der an einer Hauptstraße beginnt. Entsprechend gut ist er von Wanderern frequentiert

In der Wanderwegbeschreibung heißt es: Die Entstehung aller heutigen estnischen Moore begann nach der letzten Eiszeit. Das Riisa-Hochmoor wird allein von Regenwasser gespeist. Die Torfschicht des Hochmoores wächst langsam in die Höhe. Der Wasserspiegel des Hochmoores liegt über dem der umliegenden Gebiete, weswegen Bäche immer aus dem Moor heraus fließen. Den stilen Hochmoorrand nennt man Hochmoorhang. In größeren Hochmooren verteilt sich das Wasser auf kleinere Kleinstgewässer, Moorkolke , die zusammen mit Bulten und Schlenkern die charakteristische Landschaft des Hochmoores ausmachen. Die Pflanzen- und Tierwelt des Hochmoores ist artenarm.

Aufzeichnung der Riisa Wanderung auf Komoot

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Ein hölzernes Toilettenhäuschen steht im Wald
Am Beginn des Wanderwegs ist wie immer in Estland eine Toilette
Eine Pflanzentafel steht im Bewuchs
Anfänglich ist der Riisa Wanderweg auch ein Pflanzenlehrpfad. Zahlreiche Tafeln sind aufgestellt
Der Bohlenweg führt durch niedriges Nadelgehölz
Am Beginn der Wanderung steht am Riisa Naturpfad noch niedriges Nadelgehölz
Ein Wanderweg mit Hackschnitzeln bestreut führt durch einen Nadelwald
Nach kurzer Zeit folgt ein Weg durch den Nadelwald. Die Wege im Soomaa Naturpark sind meist mit Hackschnitzel ausgestreut
Eine Brücke führt über eine manchmal feuchte Vertiefung und geht in einem Bohlenweg über
Da das Gebiet des Soomaa Nationalparks im Frühjahr und Herbst oft überschwemmt ist, sind an manchen, jetzt trockenen Stellen, Brücken. Diese hier geht in einen Bohlenweg über, der uns weiter durch den Wald leitet
Zwei umgestürzte Bäume liegen auf dem Waldboden, die Baumscheiben stehen in die Höhe
Wie flach die Fichten wurzeln ist hier an den Baumscheiben deutlich zu erkennen
Ein Fluss liegt von Gras umgeben in seinem Bett
Der Wanderweg führt uns zum Flüsschen Navesti jögi und einem Picknickplatz. Der Navesti ist einer der wassereichsten Flüsse Estlands und mündet am Ende seines 100 km Flusslaufes in den Pärnu Fluss
Zwei Bohlenwege kreuzen sich vor einer Terrasse an einem See
Als wir aus dem Wald herauswandern und ins Moor kommen, führen manchmal Abzweigungen um einen See
Eine hölzerne Plattform an einem See mit einem Badeeinstieg
Bei dieser Plattform ist eine Bank mit einem Badeeinstieg in den See
Im dunklen Moorwasser steigen Blasen auf, die sich teils auch im grünen Bewuchs fortsetzen
Das das Moor gesund ist zeigt es an dieser Stelle, auch wenn ich das Blubbern eher nicht so mag
Eine blaue Libelle hält sich an einem Grashalm fest
Die blaue Libelle lässt sich an einem Grashalm sehr gut fotografieren
Vor einem Moorsee steht Sumpfgras und blühende Heide
Mit aufmerksamen Augen sehe ich viele Kleinigkeiten, wie die blühende Heide vor dem dunklen Moorsee
Eine blühende weiße Seerose auf einem Moorsee
Mittlerweile steht die Sonne hoch und wärmt, die Seerosen blühen auf und machen weiße Klekse auf die dunklen Seen
Der Moorsee liegt ganz ruhig da, eine Wolke spiegelt sich darin
Die Moorseen liegen beinahe ohne Wellen da, die Wolke spiegelt sich mit nur wenigen Kräuseln
Eine Eidechse klettert von einem Holzbrett
Sogar eine Eidechse sonnt sich auf einem Holzbrett des Bohlenweges und klettert rasch ins Gras der Umgebung, als wir kommen
Blühende Heide und Rostbraunes Moos
Die blühende Heide und das rotbraune Moos deuten darauf hin, dass die Natur schon langsam in den Herbstmodus übergeht
Eine Libelle sitzt auf einem Brett eines Bohlenstegs
Diese Libelle sonnt sich auf dem Bohlenweg
Auf der blühenden Heide sitzt ein kleiner blauer Schmetterling
Der blaue kleine Schmetterling ließ sich nur sehr schwer mit der Kamera einfangen
Ein im verwelken begriffenes Seerosenblatt formt in gelbes Herz
Ein Herzgruß im See – is des net schee – versuchtes Südhessisch, damit es sich reimt
Ein hölzerner Aussichtsturm erhebt sich in der Ferne im Moor
Etwa nach zweidrittel der Wanderung steht der Aussichtsturm
Auf einer Plattform steht eine Bank und eine Tafel, die einige Pflanzen erklärt
Immer wieder passieren wir Plattformen mit Bänken, auf denen sich die Natur genießen lässt. An manchen sind auch Erklärungstafeln installiert
Der Blick vom Aussichtsturm geht über die Moorlandschaft mit dem Bohlenweg
Mein Blick vom Aussichtsturm geht hinüber zum Wald, hinter dem der Parkplatz liegt
Zwei blaue Libellen paaren sich und halten sich dabei an einem Grashalm fest
Beinahe am Ende des Weges entdecke ich noch diese zwei Libellen bei der Paarung
Ein großer Baum ist in eine Plattform integriert und wirft Schatten auf eine Rastbank
Die Rastbank bietet sogar immer einen Schattenplatz. Liebevoll ist der Baumstamm in die Plattform integriert

Meine Meinung zum Soomaa Nationalpark

Der Park ist fantastisch angelegt. Die Parkplätze, die Toiletten und die Wege sind super gepflegt. Mülltonnen stehen überall und werden genutzt. Die Erklärungen sind schlüssig, auch wenn man weder estnisch noch englisch versteht. Die Mitarbeiter helfen gerne und im Naturparkzentrum gibt es neben kompetenten Auskünften auch jede Menge Prospekte und Karten in vielen Sprachen. Ich danke den Verantwortlichen und Mitarbeitern ganz herzlich für die Mühe und Arbeit, die sie in den Park und seine Einrichtungen stecken.

Wir haben die Wanderungen im Soomaa Nationalpark sehr genossen. Am Beginn aller Wanderwege und an anderen Plätzen sind Parkplätze eingerichtet. Immer mit Toilette, sehr oft mit Picknickbänken. Einige haben Wasserstellen und Lagerfeuerplätze und alle sind offen für Übernachtungen. Viele Esten verbringen in den Nationalparks ihre Ferien oder längere Auszeiten, mit Zelt oder Wohnwagen oder Wohnmobil. Unsere Forstverwaltungen könnten von der touristischen Organisation noch einige Dinge lernen. Gerade die Bio-Trenntoiletten, die an jedem Parkplatz aufgestellt und immer sauber sind, mit Toilettenpapier versehen, verhindern, dass rund um die Parkplätze Taschentuchfetzen und „Schei..haufen“ herumliegen und unschön die Natur verschandeln, bzw. einfach zum Himmel stinken.

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Chili Garten Metste Talu

Chili Garten Metste Talu

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Wir sind an der Küste nach Estland eingereist. Im englischen Prospekt „Romantische Küste“ ist auf unserem Weg in den Soomaa Nationalpark eine Ziffer eingezeichnet. Hinter der Ziffer verbirgt sich „Garden Collection of Chilli Pepers“. Wir wollen herausfinden, was sich dahinter verbirgt. Da in der Nähe auch ein Fruchtweingut liegt, verbringen wir den Tag kulinarisch.

Fahrt zu Metste Talu

Nach unserem Besuch im Fruchtweingut Allikukivi, leitet uns das Navi auf der A 6 nach Osten und nach wenigen Kilometern nach links, Richtung Kärsu auf eine Schotterstraße. Wir halten an, denn nach unseren lettischen Schotterpistenerlebnissen sind wir erst mal sehr skeptisch. Aber wir wollen zu Metste Talu und der Weg führt über die Schotterstraße. Langsam fährt Bernhard los, aber es ruckelt und scheppert nichts. Die Straße ist eine Straße und keine Piste. Er beschleunigt sogar bis 70 km/h und es rumpelt nichts! Natürlich staubt es, aber unsere Inneneinrichtung hört sich nicht so an, als wollte sie zusammenfallen. Nach einigen leichten Kurven sehen wir bereits das Schild.

Auf einem Schild ist das Logo und der Schriftzug der Romantischen Küste Estlands
Das Schild weist immer auf eine Besonderheit der „Romantischen Küste“ hin

Wir fahren über einen Wiesenweg neben das Haus. Eine junge Frau sitzt hinter dem Haus im Garten an einem Tisch auf dem ein Plastikkorb steht. Eine ältere Frau sitzt neben ihr und hält ein Baby im Arm. Alle schauen auf und ein Mann kommt auf unser Fahrzeug zu.

Kontakt

Metste Talu, Dorf Kärsu, Saarde vald, 86208 Kreis Pärnu, Estland Telefon: +372 512 4698, info@metstetalu.ee, https://www.metstetalu.ee/ Führungen gerne nach Voranmeldung per E-Mail oder Telefon.

Chili – die Idee

Auf unsere Frage, ob wir englisch miteinander reden können, antwortet Tõnu Pärn, das wir deutsch reden können. Er weist in die Runde und stellt die Damen vor. Die Mutter, Vaike Pärn mit dem Enkelkind Jan auf dem Arm und seine Schwester Katrin Pärn-Reiser, die Mutter von Jan und Tom, der später nach dem Mittagschlaf noch hinzukommt. Sie wollten gerade die gelben Chilischoten, die im Korb auf dem Tisch stehen, für die Weiterverarbeitung vorbereiten.

Gelbe Chili Schoten liegen in einem Plastikkorb
Die heutige Ernte an gelben Chili Schoten

Wie kommt man in Estland auf die Idee, Chili zu züchten? Katrin, die ebenso gut deutsch spricht, antwortet: „Alles begann mit einer Wette unseres Vaters.“ Da wir fragend schauen, erzählen sie die Geschichte. Toomas Pärn wettete mit einem Freund, dass er ohne Probleme eine scharfe Chilischote essen kann. Er gewann die Wette und einige Wochen später schenkte ihm dieser Freund Chilisamen. Vaike pflanzte die Samen ein, denn sie hat, nach Aussage ihrer Kinder, einen grünen Daumen. Mit der Zeit schenkten andere Freunde dem Vater ebenfalls Chilisamen, die sie von Reisen in ferne Länder mitbrachten. Das war der Beginn und im Laufe der Zeit füllte sich das erste Gewächshaus und ein weiteres wurde errichtet.

Wir sind am einem Gewächshaus angekommen, das parallel zur Hausfront im Garten steht. Es ist noch neu und in den parkähnlichen Garten eingefügt. Ein Farbenmeer empfängt uns.

Ein langgestrecktes Gewächshaus
Das neueste Gewächshaus birgt auch die schärfsten Schoten
In einem Gewächshaus stehen Chili Pflanzen in Töpfen
Jede Pflanze steht in einem eigenen Topf

Chili und Schärfe

Die Schärfe von Chili (Schreibweise in Estnisch Chilli) wird in Scoville Einheiten gemessen. Der Pharmakologe Wilbur L. Scoville hat diese Scala zur Abschätzung von Schärfe entwickelt. Grundlage der Messung ist das Capsaicin. Das ist das in der getrockneten Frucht enthaltene Alkaloid, das die Schmerzrezeptoren der Schleimhäute reizt und so die Schärfeempfindung auslöst. Die Scala beruht auf dem Verhältnis zwischen Capsaicin und einer Flüssigkeit, meist Wasser, um keine Schärfe mehr festzustellen. Beispiel: 1 ml reines Capsaicins benötigt 16 Mio ml (=16.000 Liter) Wasser (Quelle Wikipedia).

Katrin weist uns darauf hin, dass Zucker viel besser die Schärfe neutralisiert als Milchprodukte oder Wasser. Außerdem sei der Schmerz bei einer zu hohen Portionierung immer nach 15 Minuten vorbei. Immer!

Gleich zu Anfang im Gewächshaus steht die schärfste Sorte, die Metste Talu anbaut. Die Carolina Reaper erreicht eine Schärfe von über 2 Mio Scoville! Aber nicht nur der Genuss der Frucht ist äußerst risikoreich. Die Ernte findet unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen statt, denn die Berührung mit der Frucht und der Pflanze reizt die Haut ungemein. Tõnu benutzt einen Ganzkörperanzug, Handschuhe, Gesichtsmaske und eine Schutzbrille.

Geerntet werden die Chilischoten in den letzten zwei Augustwochen und bei einer zweiten Ernte im Oktober. Die Familie baut nicht nur Züchtungen an, die sie für ihre Produkte verwendet. Auch wilde Sorten, also natürlich wachsende, wie die Cherabita, die in Mexiko in der Natur vorkommt.

Chilipflanzen in verschiedenen Farben und Formen
Chilis wachsen in unterschiedlichen Farben, Formen und Schärfen

Estland hat lange, kalte, dunkle Winter. Frühjahr, Sommer und Herbst sind jeweils kürzer als wir das in Deutschland gewohnt sind. Daher muss das Gewächshaus im Frühling, manchmal sogar im Sommer nachts und im Herbst beheizt werden, immer, wenn die Temperatur unter 12° fällt. Zusätzliches Licht wird im Frühjahr benötigt, wenn die estnischen Tage noch zu kurz für die lichthungrigen Pflanzen sind.

Ein Ofen steht im Gewächshaus mit großem Gebläse
In der Vegetationsperiode muss das Gewächshaus zeitweise geheizt werden
Lampen hängen über den Chilipflanzen
Im Frühjahr müssen die Pflanzen künstlich beleuchtet werden

Mich fasziniert es, wie unterschiedlich die Chilipflanzen in Farbe und Form sind. Außerdem gibt es den Schärfeunterschied nicht nur bei den verschiedenen Pflanzen, sondern sogar pro Strauch. Die Früchte, die an ein und demselben Strauch gepflückt werden, können unterschiedlich scharf sein. Sogar Äste und Blätter der Pflanze geben bei Berührung Schärfe ab. Der Umgang mit den Gewächsen muss somit sehr umsichtig sein.

Gewächshäuser

In diesem Gewächshaus stehen die einzelnen Pflanztöpfen auf unterschiedlichen Etageren und Regalen. Jede Pflanze ist in einem eigenen Töpfchen, da sie individuell Wasser verbrauchen. Jede Pflanze wird sogar einzeln gegossen, nicht, wie man es aus Gärtnereien kennt, mit einem Beriesler oder der Pflanzendusche, die gleichzeitig mehrere Pflanzen gießt.

Auf verschiedenen Ebenen stehen Etageren mit Chilitöpfen
Die Töpfe mit den Pflanzen stehen auf verschiedenen Höhen, so sind sie einfacher zu Gießen
Ein kleine Leiter steht vor den Chilipflanzen
Die Mutter, als die Kleinste der Familie, benötigt zur Pflanzenpflege die Leiter

Die Mutter, Vaike Pärn, ist die Hauptakteurin bei der Pflanzenpflege. Alles was sie in die Erde setzt, gedeiht sehr gut, erklärt Tõnu. Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen normale Paprikaschoten, die für die Produktion des Chilipulvers ebenso benötigt werden. Außerdem produziert Metste Talu Zwiebeln, Kräuter und Kürbisse für den Verkauf und stellt auch Aromen her. Metste ist übrigens der Namen des Platzes, an dem die Familie wohnt und Talu heißt Bauernhof auf estnisch.

Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen Paprikapflanzen
Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen Paprikapflanzen

Mir gefällt das Holzhaus der Familie sehr gut. Tõnu erklärt, dass es 1926/1927 viel kleiner erbaut wurde. Später wurde es ein wenig erweitert und vor 10 Jahren wurde es nochmal verlängert, damit Katrin eine Wohnung im Haus beziehen konnte. Auch hier am Haus zeigt sich der „goldene Daumen“, wie Katrin sagt, der Mutter.

Vor einem gelben Holzhaus ist ein buntes Blumenbeet
Vor dem ältesten Teil des Familienhauses ist ein buntes Blumenbeet

Wir gehen durch eine Baumreihe in Richtung der anderen Gewächshäuser.

Im Garten stehen zwei Gewächshäuser
Im hinteren Teil des Gartens stehen zwei Gewächshäuser

Im Zwischenraum des gepflegten Gartens stehen Heidelbeerpflanzen. Jede Pflanze ist eine andere Sorte und manche auch aus anderen Ländern, erklärt Tõnu.

In einem Garten stehen Heidelbeersträucher
Jeder Heidelbeerstrauch ist eine andere Sorte
An einem Zuchtheidelbeerstrauch sind Heidelbeeren in verschiedenen Reifestadien
Verschiedene Reifestadien sind bei dieser Zuchtheidelbeere am Strauch vertreten

Im ältesten Gewächshaus, das früher für das normale Hausgemüse und Salat erbaut wurde, wachsen heute hauptsächlich Tomaten. Gestern Morgen, vor der Ernte, war noch alles rot, das hätte ein farbenfroheres Bild gegeben, entschuldigt sich Katrin. Mir gefällt die Farbzusammenstellung auch so. Die schöne Holzfarbe der Ständer, das Grün davor und darin, der rostige Ofen, der blaue Himmel – ein stimmiges Bild

In einem Gewächshaus wachsen Tomatenpflanzen
Im alten Gewächshaus werden Tomaten gezogen, die für die Chilisoße benötigt werden

In einem neueren halbrunden Gewächshaus wachsen in der Mitte Kinderchili. Vom Aussehen Chilischoten, aber ohne Schärfe. Allerdings mit mehr Aroma als normale Paprikaschoten. Links und rechts davon wachsen die Habaneros, die bereits um die 300.000 Scoville Grade haben.

In einem Gewächshaus stehen die Chilipflanzen in dichten Reihen
In diesem neuen Gewächshaus stehen die Chilipflanzen in dichten Reihen

An einem Schuppen ist der komplette Giebel mit einer Weinrebe der lettischen Sorte Zilga bewachsen. Diese Rebe hält Temperaturen bis minus 35° aus. Eine russische Weinrebe ohne Namen wächst an anderer Stelle im Garten.

An einer Hausseite mit spitzen Giebel wächst Wein
Zwei verschieden Weinreben wachsen im Garten, dieser am Giebel des Schuppens
Unter Weinblättern hängen Weintrauben, einige davon werden bereits blau
Der Wein gedeiht an der Südseite des Hauses gut, die Trauben werden bereits reif

Produkte von Metste Talu

Wir haben unseren Gartenrundgang beendet. Direkt neben dem Sitzplatz der Familie ist ein alter Brunnen und ich frage Tõnu, ob der noch genutzt wird. Dieser gehe nur 8 m in die Tiefe und wurde früher genutzt. Um den Wasserbedarf der durstigen Chilipflanzen zu decken, wurde vor drei Jahren ein neuer Brunnen gebohrt, der über 40 m in die Tiefe geht. Der wurde je zu ein Drittel von der Familie, der Gemeinde und der EU gezahlt. Wir setzten uns an den Tisch mit den gelben Chilischoten, die Tõnu zur Seite stellt. Sein sehr gutes Deutsch hat er auf der Universität gelernt. Außerdem schaut er bereits seit 30 Jahren deutsche Sendungen im Fernsehen. Katrin war unterdessen im Haus und kommt mit einem Tablett mit den Erzeugnissen zurück.

In einem Korbflechttablett stehen die Produkte von Metste in Gläsern
Katrin bringt uns die Produkte, die auch online verkauft werden

Die estnischen Namen sind für uns wieder langwierig zu lesen, aber doch verständlich. Tšillipulber Klassikaline, Tšillipulber Habanero, Tšillipulber Trinidad Moruga Skorpion und die Soße oder Paste Kreemjas Tšillikaste. Diese wird für 3 € pro Glas verkauft und eignet sich hervorragend zu Fleisch und Käsegerichten. Ein kleiner Bestandteil dieser Soße ist Rotwein.

Zwei Gläser mit Chilipulver in verschiedenen Farbgebungen
Die unterschiedlichen Farben resultieren aus den unterschiedlichen Farben der verwendeten Chilischoten
Zwei Gläser mit Chilipulver in verschiedenen Farbgebungen
Hier sind nicht nur die Farben unterschiedlich, sondern auch die Schärfen

Die Preise von Chilipulver sind in Estland viel günstiger als in Deutschland, betont Katrin. Für ein Glas Tšillipulber Klassikaline verlangen sie 5 €. Das Glas Tšillipulber Habanero kostet 10 € und das Tšillipulber Trinidad Moruga Skorpion kostet 15 €. I

In den letzten Jahren haben sie ihre Produkte auf vielen Märkten in Estland verkauft, aber das ist sehr zeitaufwändig und kostenintensiv. Alle Produkte werden nun online ab Hof verkauft, ebenso Brot und Chilipflanzen bei einem Besuch auf dem Hof.  Andere Hofläden im Umkreis haben die Produkte von Metste Talu auch im Angebot. Katrin weist uns auf das Zeichen für eine landwirtschaftliche Produktion in Estland hin. Über die estnische Flagge ist ein stilisierter Tropfen mit Blättern darin gedruckt.

Das Logo made in Estland ist die Estnische Flagge mit stilisierten Blättern
Wo dieses Logo drauf ist, handelt es sich um ein Produkt aus Estland

Wir kosten auf einem Löffelchen die Paste, die mild ist und doch im „Abgang“ Schärfe zeigt. Ja, die kann ich mir gut auch zur Würze von Soßen und Salaten vorstellen. So kaufen wir einige der Gläser für uns und einige als Mitbringsel. Katrin geht noch mal ins Haus und kommt, mit dem älteren Sohn auf dem Arm, der seinen Mittagschlaf beendet hat, zurück. Sie packt die Chilis, die sie während unseres Rundgangs in eine Schale gepflückt hat, in eine Papiertüte. Diese gibt sie uns als Geschenk mit und auch ein selbstgebackenes Brot.

Auf einem Tisch liegen ein Brot und eine Papiertüte
Katrin schenkt uns ein selbstgebackenes Brot, das auch ab Hof verkauft wird und eine Papiertüte mit Chilischoten
Verschieden Arten und Farben von Chilischoten auf einem Tisch
Der Inhalt der Papiertüte auf unserem Tisch – das werden wohl weitere scharfe Reisewochen

Wir sind baff und überrascht von dieser Geste und bedanken uns sehr. Das Geschwisterpaar hat sich gefreut, mal Deutsch sprechen zu können. Sie haben uns einen interessanten Besuch ermöglicht und waren sehr liebe Gastgeber. Wer sich für besondere Landwirtschaft interessiert ist auf dem Hof herzlich willkommen. Allerdings solltest Du Dich vorher anmelden. Vielen Dank, Katrin und Tõnu, für die interessante Führung und die informativen Erläuterungen.

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Fruchtweingut Allikukivi

Fruchtweingut Allikukivi

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An unserem ersten Tag in Estland ergattern wir eine englische Broschüre der „romantischen Küste Estlands“. Beim Studium während der Fahrt, leite ich Bernhard in Uulu von der A 4 auf die A 6, bis zum Dörfchen Allikikivi. Dort ist ein Fruchtweinmacher zuhause, den wir spontan besuchen.

Anfahrt zum Weingut

Über die A 6 von Westen am Städtchen Kilingi-Nõmme vorbei. Etwas nach der Abzweigung der A 92 geht es nach links ins Weingut.

Adresse

Kooli tee 2, Allikukivi, Saarde vald, Pärnumaa, 86201, Eesti, Tel. +372 525 2800, https://www.allikukivi.ee/
GPS Daten
N 58.15138° E 25.01983°
58°09’05.0“ N 25°01’11.4” E

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 20 Uhr

Ein aus Backstein gebautes zweistöckiges Herrenhaus
Das Herrenhaus ist sehr weitläufig mit einer runden Auffahrt

Weingut Allikukivi

Wir fahren in die Einfahrt und den linken Kreisbogen der Auffahrt hoch zu einem Herrenhaus aus Backstein. Ott Hein wartet bereits auf uns, denn wir haben und per Telefon angekündigt. Er ist der älteste Sohn des Hauses und verantwortlich für die englischsprachigen Führungen. Mir fällt die Karte vor der Eingangstreppe ins Auge.

Auf einer Schiefertafel sind in estnischer Sprache Cocktails aufgeführt
Heute sind Cocktails im Angebot 😊

Ott möchte uns erst einen Teil des acht Hektar großen Grundstücks mit eigenem Park zeigen. Der Deutsche Industrielle Albert Zoefeld hatte auf dem Nachbargrundstück eine Kleiderfabrik erbaut – und für sich das Herrenhaus. Nachdem die Fabrik geschlossen war und das Haus leer stand, nutzte die Gemeinde es als Schule. Die Eltern von Ott, Reili und Roman Hein haben das Grundstück mit Haus vor acht Jahren ersteigert, seit fünf Jahren leben sie hier, statt in der Hauptstadt Tallin.

Die Rückseite des Backsteinherrenhauses mit einer Treppe in den Park
Der Parkausgang des Herrenhauses

Auf der unteren Terrasse des Herrenhauses zum Park finden immer wieder Konzerte und andere Veranstaltungen statt, gerade am letzten Wochenende ein Jazzkonzert. Ein australischer Freund, der zu Besuch und von Beruf Barmann ist, kreierte Cocktails aus den Fruchtweinen, was bei den Gästen ungeheuer gut ankam.

Die Besitzerin des Weingutes Raili Hein
Die Besitzerin des Weingutes Raili Hein im Park Ihres Anwesens

Vor 10 Jahren überlegte Raili Hein, dass sie den Fruchtwein, den die Familie gerne trinkt, auch selbst herstellen könnte. So besuchte sie einen Kurs und begann mit der Herstellung von Fruchtweinen. Sie reichte ihre Weine gleich zu Verkostungen ein und gewann damit immer 2. Preise bei den Hobbywinzern. Von Hauptberuf ist sie in der IT-Branche tätig und kann ihre Arbeit von Allikukivi aus im Homeoffice machen. 1 – 2 Mal im Monat muss sie allerdings nach Tallin, zum Arbeitsplatz. Ott führt uns während seiner Erzählung durch den Park und zeigt uns eine Besonderheit in einem Baum.

Wir biegen links ab und gelangen zum Beerengrundstück, das momentan auf einem Hektar bewirtschaftet wird, aber auf 2 Ha erweitert werden kann. Nach dem Kauf des Hauses begannen sie mit dem Pflanzen von Beerensträuchern verschiedener Sorten.

Viele Sträucher mit Schwarzen Johannisbeeren stehen in einer Reihe
Die Ernte der schwarzen Johannisbeeren steht kurz bevor
In den Sträuchern hängen viele dunkle Johannisbeeren
Die Sträucher hängen voller Beeren
Rhabarberstängel bekommen rotes Laub
Zwar keine Beere wird aber auch für Wein angebaut. Der Rhabarber macht sich farblich bereits für den Herbst schön
Am Strauch hängen viele fast schwarze Aroniabeeren
Die Aroniabeeren sind noch nicht ganz reif

Alle Arbeit im Fruchtweingut war bis zum letzten Jahr Handarbeit. Beim Pflücken hat sich das nicht geändert, im Keller schon. Eine neue Fruchtsorte sollte zukünftig hinzukommen. Im letzten Jahr hat die Familie 35 Kirschbäume angepflanzt, die in diesem Jahr aber alle eingegangen sind. Im Herbst wird ein neuer Versuch mit einer robusteren Sorte unternommen. Bis letztes Jahr wurde in einem Raum des Erdgeschosses der Wein gepresst und gekeltert. Erst vor drei Monaten ist der Weinkeller im Keller des Hauses fertig geworden. Die Probierstube muss noch möbliert und dekoriert werden, bevor die ersten Gäste empfangen werden können.

Ein gefliester Kellerboden mit Backsteinwänden
Die zukünftige Weinprobierstube ist erst vor kurzen fertig renoviert worden

An der mittlerweile elektrischen Weinpresse ist Roman Heim die Ernte von gestern am Pressen.

Ein Mann säubert eine Presse von Beerenrückständen
Roman Hein säubert die Presse von den Rückständen der Stachelbeeren

Wir probieren den Saft, der mir zumindest viel zu sauer ist. In mehreren Räumen stehen die Edelstahlfässer, in denen der Fruchtwein reift.

Zwei Edelstahlfässer stehen in einem Backsteinkeller
Die Fenster im Weinkeller gehen in die Probierstube – so können die Gäste später beim „Reifen“ zuschauen
Verschieden große Edelstahltanks stehen im Weinkeller
Je nach Saft- und Weinmenge werden verschieden große Tanks für die Reife und Lagerung benötigt

Im letzten Jahr wurden 4.000 Liter Fruchtwein hergestellt, in diesem Jahr hofft die Familie auf 10.000 Liter.

Der Gärkeller geht zur Vorderseite des Hauses und ist mit einem Flipchart für das Notieren der Messdaten ausgestattet. Um die drei Wochen gären die Früchte, bevor sie In die Fässer zum Reifen umziehen können.

In Plastikfässern gärt Fruchtwein
Die Fruchtweine sind während des Gärens in ständiger Kontrolle

Wir gehen um die andere Seite des Hauses herum, wo für Gäste eine Toilette ist.

Im Garten, unter einem Baum ist eine Trockentoilette und ein Waschbecken
Im Garten, unter einem Baum ist eine Trockentoilette und ein Waschbecken

In einigen Jahren soll das zweite Stockwerk für Gästezimmer mitgenutzt werden. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg. Wir sind mittlerweile wieder auf der Eingangsterrasse, auf der der Probiertisch für uns gedeckt ist. Vier Weine und einen Likör werden wir versuchen, zur Geschmacksneutralisierung steht Käse bereit.

An einem Holztisch stehen Stühle, darauf Gläser für eine Weinprobe
Auf der Eingangsterrasse ist für unsere Weinprobe gedeckt

Unser erster Wein, ein Rhabarberwein, ist mit dem Saft von Birken verfeinert, was eine gewisse Extrasüße gibt. Ich empfinde den Rhabarbergeschmack dadurch allerdings als zu wenig, denn ich mag ihn lieber kräftiger.

Es folgen die Weine Apfel-Quitte, eine neue Kreation, die mir sehr gut schmeckt, den die Quitte sticht leicht hervor. Ein halbtrockenen Johannisbeerwein verkosten wir danach, der sehr fruchtig schmeckt. Der Himbeerwein schmeckt sehr weich und als wenn eine Himbeere im Mund zergeht. Ott bringt uns zwei Liköre, einen Johannisbeer, der dieses Jahr einen 2. Preis gewonnen hat und ausverkauft ist und einen Erdbeerlikör. Auch er schmeckt sehr fruchtig und ich kann ihn mir gut über einem Eis vorstellen.

Nach der Weinprobe zeigt uns Ott noch den Theatersaal, den Herr Zoefeld im Haus integrieren lies. Die Bühne im hinteren Teil des Raumes wäre heute noch nutzbar.

Ein großer Saal mit Holzfußboden und einer Bühne an der hinteren Wand
Im Herrenhaus Theatersaal, während der Schulnutzung Sporthalle, heute Kinderspielzimmer
Ein großer Saal mit Holzfußboden, Turngeräten und einem Basketballkorb
Das war unverkennbar die Sporthalle – mit dem unvermeidlichen Basketballkorb der Esten

Gegenüber liegt der Verkaufsraum, in dem die Weine und Liköre und einige Ware von regionalen Erzeugern angeboten werden.

An einer Wand mit Dunkelroter Tapete stehen dunkle Regale mit Fruchtweinflaschen
Der Verkaufsraum ist geschmackvoll eingerichtet

Hier steht auch der Zweite Preis Gewinner in einem Regal. Die Liköre haben aller Frauennamen, Hermiine, Adeele und Margaret.

Vier Flaschen Johannisbeerlikör mit Namen Hermine
Der Johannisbeerlikör Hermine hat in diesem Jahr bei einer Messe den 2. Preis gewonnen

Verschiedener Fruchtsaft wird natürlich ebenso hergestellt und in lustig bedruckten Boxen verkauft.

Ein Karton mit Saft hat einen Aufdruck mit einem Hirsch mit Früchten im Geweih
Die Saftbox hat einen witzigen Aufdruck

Die Preisliste ist – wie auch bei Gunta Niedra im Weingut Mazburkas und bei Mārtiņš Sants von Vīna Darītava in Lettland – recht einfach gestrickt. Es gibt nur zwei Preise. Allerdings ist es anders als in der Pfalz bei der Weinprobe. Erstens kostet die Weinprobe 12 € und zweitens kostet sie das auch, wenn Wein gekauft wird.

Auf einer Schiefertafel stehen die Wein- und Likörpreise
Die Preisliste des Fruchtweinguts ist recht einfach

Wir durften ausnahmsweise an einem Montag im Weingut vorbeischauen und danken dafür recht herzlich. Die Weine werden uns an eine interessante Familie erinnern und im nächsten Jahr werden wir die neuen Kreationen von diesem Jahr probieren, wenn wir wieder kommen.  

Golf Club Viesturi bei Riga

Golf Club Viesturi bei Riga

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Wir sind seit unserer Abreise einem sportlichen Hobby nicht nachgekommen, dem Golf spielen. In der Nähe von Riga passte das Wetter und der Preis fürs Greenfee. Wir verbrachten zwei wunderschöne Tage im Golf Club Viesturi. Das Restaurant „the forest café“ sorgte für mehr als eine Überraschung.

Suche nach einem Golfplatz

Bernhard hatte bereits seit unserem Polenaufenthalt immer wieder nach Golfplätzen auf unserer Route Ausschau gehalten. In Litauen ist er einmal fündig geworden, in der Nähe von Kaunas. Aber selbst die Mitarbeiterin des Campinglatzes bekam keine Telefonverbindung und fand heraus, dass er seit zwei Jahren geschlossen ist. Hier in Riga hofften wir auf mehr Glück.

Drei Golfplätze gibt es in der Region Riga. Zwei davon wirken auf mich eher elitär. Der dritte, ein 9-Loch-Golfplatz, hat einen fairen Preis. Die Fahrt zum Golf Club Viesturi ist recht abenteuerlich. Er liegt in Jaunmārupe, südwestlich von Riga, mitten im Wald. Ein kurviger asphaltierter Weg führt dorthin. Ein großzügiger Parkplatz, daneben ein aus Holz gebautes Clubhaus. 1998 wurde der Golfclub eröffnet.

Die GPS Koordinaten des Golfplatzes:
N 56.89841° E 23.87811°
56°53’54.3“ N 23°52’41.2“ E

Öffnungszeiten Büro und Kontaktdaten:
Täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet
Telefonnummer: +371 23 44 43 90 zu erreichen.
http://golfsviesturi.lv/

Preise:
Montag bis Freitag: 9 Loch 20 €, 18 Loch 35 €, ganzer Tag 40 €
Samstag und Sonntag: 9 Loch 25 €, 18 Loch 40 €, ganzer Tag 50 €
Jetons für den Ballautomat: 2 € für 20 Bälle
Ausleihen Trolley für das Bag: keine Kosten

Es ist möglich, erstmal 9-Loch zu spielen und später den Aufpreis für 18 Loch zu zahlen, wenn wir weiterspielen möchten.

Eine Holzveranda führt in das Clubhaus
Über die Holzveranda geht es ins Clubhaus des Golf Club Viesturi

Da wir lange nicht gespielt haben, wollen wir uns auf der Driving Range einschlagen. Der Ballautomat an der Driving Range wird mit Jetons bedient, die wir für 2 € bekommen. Wir sollten lieber mit dem Auto dorthin fahren, es wäre weit. Das Schild „Golfschule“ – so habe ich es aus dem lettischen interpretiert – haben wir bei der Anfahrt gesehen. 50 m zurück und rechts abbiegen, und es geht noch kurviger auf einer schmalen Schotterstraße etwa 400 m durch den Wald.

Über einen schmalen, kurvigen Waldweg führt der Weg zur Driving Range
Wir sind über unser kurzes Wohnmobil mal wieder froh. Die Kurven zur Driving Rangs sind ziemlich eng

Wie immer in Lettland auf einem Parkplatz ist eine Toilette und das Gebäude an der Driving Range ist einladend gestaltet. Der Ballautomat steht davor.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht vor einem Holzhaus auf einem Parkplatz, rechts ist eine große Pfütze
Nach dem starken Regen der letzten Tage ist der Parkplatz eher eine Seelandschaft.
Das Gebäude an der Driving Range bietet Platz für ein überdachtes Picknick
Nach der Driving Range ist ein überdachter Picknickplatz, der sicherlich schon so manche nette Zusammenkunft gesehen hat
Eine Holzüberbauung schützt die Golfer auf der Driving Range vor Regen und Sonne
Die Driving Range ist sehr zweckmäßig und schön angelegt

Wir schlagen uns ein und fahren zurück zum Parkplatz des Clubhauses. Direkt daneben ist das Putting Green, wo wir testen, wie langsam oder schnell das Green ist.

Ein Parkplatz hinter Bäumen
An den Parkplatz anschließend ist direkt das Puttinggreen
Auf dem Pitching Green fährt ein Rasenmäherroboter
Das Pitching Green wird von einem Rasenmäherroboter bearbeitet
Ein roter Rasenmäherroboter fährt über einen Rasen
Wie ein kleiner Sportwagen saust der Rasenmäherroboter über das Grün der Pitchinganlage

Direkt neben dem Putting Green ist der Abschlag des ersten Lochs. Wir freuen uns, dass die Fairways so gut beschrieben sind. Immer wenn wir einen Platz zum ersten Mal spielen, ist es schwierig einzuschätzen, wie man ein Fairway spielen muss. Eine genaue Meterangabe zu Gräben, Bunkern, zu Doglegs oder Bunkern ist wirklich informativ.

Ein Golfer steht an einem Abschlag. Rechts die Infotafel über Das Fairway, rechts Wald
Bernhard steht am ersten Abschlag. Die Fairwaytafeln sind vorbildlich gestaltet und informativ für Golfer, die zum ersten Mal diesen Platz spielen

Wir spielen die sehr gepflegten Fairways und freuen uns über die kleinen Details am „Fairwayrand“. Auch die Hinweise zum nächsten Tee finde ich ungeheuer nett gemacht.

Die Übergänge zum nächsten Abschlag sind mit Holzpfeilen markiert
Viele Holzbauwerke nur zum Anschauen sind auf dem Platz verteilt

Mit fällt auf, dass es bei jedem dritten Fairway eine Blitzschutzhütte gibt. Das ist mir bei den Golfplätzen in Deutschland, die ich bisher gespielt habe, so nicht aufgefallen. Wer in Deutschland von einem Gewitter überrascht wirst, hat meist sehr lange Wege. Wir erfreuen uns am nächsten Holzkunstwerk.

Auf einem Pfosten ist ein Holzstorch
Holzkunst am Golfplatz – diesmal ein Storchennest – leider von Bällen ziemlich malträtiert

Die 25 ha große Anlage ist sehr gepflegt und es macht großen Spaß, die interessant gestalteten Greens zu spielen.

Ein gepflegtes Grün mit einer roten Fahne im Loch des Golfplatzes
Die Grüns sind sehr gepflegt und recht schnell. Kleine „Unebenheiten“ im Grün machen das putten spannend

Es gibt auch einige Herausforderungen in Form von schmalen Fairways, Wassergräben und Roughs. Beim Loch 6 ist eine der Herausforderungen, das der Wald so nah steht, und das Fairway so schmal ist. Und der Damenabschlag ist auf einer „Insel“. Wir spielen beide erst mal in den Wald, schaffen es aber dann doch noch, das Dogleg auf dem Fairway zu spielen.

Die Bloggerin schlägt am Loch 6 ab
Mein Abschlag von einer Insel an Loch 6. Mein Ball ist – als Ball einer guten Ehefrau – Bernhards Ball in den Wald auf der rechten Fairwayseite gefolgt
Eine Tafel erklärt die Vorgaben für Loch 6
Loch sechs geht ein wenig um die Kurve, durch den Wald – den wir natürlich mitbenutzen

Am Ende des Loches sechs, vor Abschlag sieben, gibt es einen Übergang zur Driving Range und eine „Rastmöglichkeit“ für Golfer. Vermutlich werden hier immer wieder Cateringangebote bei Turnieren gemacht?

Ein Pavillon mit Stühlen steht vor Abschlag 7
Vor Abschlag sieben ist ein netter Sitzplatz mit Theke eingerichtet – leider heute nicht besetzt

Die letzten zwei Löcher sind auch interessant zu spielen und die letzte Fahne steht kurz vor der Terrasse des Restaurants „The Forest Café“. Seit einer Hochzeit am Tag vor unserer Anreise, hat das Loch neun eine interessante Installation.

Auf der Wiese vor dem Café ist ein Holzrahmen als Bilderrahmen aufgestellt. Darin ist die Fahne von Loch 9 zu sehen
Eine witzige Idee. Für die Zuschauer ist die Fahne von Loch 9 in einen Bilderrahmen gepackt

Das Clubhaus bietet einen Shop, gepflegte Duschen, sogar eine Sauna pro Umkleideraum und Toiletten. Die Lobby ist ansprechend gestaltet, man kann sich heimisch fühlen.

Sofa und Sessel stehen in der Lobby des Golfplatzes, die Sonne scheint durch die Tür
Die Lobby des Golfplatzes – sehr ansprechend eingerichtet
In einem Raum sind links Spinde und rechts ein Sofa, Sessel und eine Ablage
Der Umkleideraum der Damen – stilvoll eingerichtet

The Forest Café

Kristīne Lazdiņa und Andis Levītis, ein junges Paar mit einer sechsjährigen Tochter, haben erst vor einem halben Jahr das Restaurant im Clubhaus gepachtet. Laut eigener Aussage, wieder zum Leben erweckt. Sie haben zuvor elf Jahre in einem Restaurant in Rigas Altstadt gearbeitet. Mit einem neuen Namen, einem neuen Konzept, neuem Stil, neuem Menü, einem neuen Koch und Servicemitarbeitern möchten sie den Platz für weitere, neue Gäste interessant machen.

Die Terrasse des Holzgebäudes ist ebenfalls aus Holz
Ein Teil der Terrasse des „The Forest Cafe´s“ beim Golf Club Viesturi

Im kalten Winter Lettlands steht der Golfbetrieb bis Ende März still. Das Restaurant kann unterschiedlich bestuhlt werden und verfügt über verschiedene Räume. So startete das „The Forest Café“ mit Familienfeiern, Konferenzen und anderen Veranstaltungen. Anfang April wollte das Paar mit der Restauranteröffnung durchstarten. Allerdings fiel der Termin mit dem Beginn der Corona Vorsichtsmaßnahmen in Lettland zusammen. Da es in Lettland wesentlich weniger Infektionen gibt, verschob sich die Eröffnung nur bis in den Mai.

Öffnungszeiten und Kontaktdaten
Das „The forest café” hat Montag bis Freitag von 11.00 bis 21.00 Uhr, Samstag von 11.00 bis 22.00 Uhr und Sonntag von 11.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und ist unter der Telefonnummer +371 22 33 30 669 zu erreichen, http://www.golfsviesturi.lv/index.php/restorans

Auf einem Tisch steht ein Blumenarrangement aus weißen Rosen, Getränke und ein Brotgruß aus der Küche
Ein Brotgruß aus der Küche – und weil gestern eine Hochzeit gefeiert wurde, auch noch ein schönes Blumenbouquet

Der Koch von Kristīne und Andis variiert neue lettische Küche mit internationalen Spezialitäten. Das italienische Gebäck, zu dem Pesto gereicht wird, schmeckt sehr lecker. Als Hauptspeise bestellt Bernhard Muscheln, ich Lachs.

Auf einem Teller sind gekochte Muscheln angerichtet
Bernhard genießt Muscheln zum Mittagessen – sehr lecker angerichtet
Ein angerichteter Teller mit Lachs und Muscheln
Mein Gericht mit Lachs und Muscheln

Wir entscheiden, bis morgen zu bleiben und das Golfspielen auszukosten. Wir dürfen auf dem Parkplatz mit dem Wohnmobil stehenbleiben über Nacht. Es ist sehr ruhig und der Parkplatz an der Driving Range wäre noch ruhiger.

Bernhard spielt am Nachmittag eine zweite Runde Golf, ich nutze das WiFi um meinen Blog mit Beiträgen und Stellplätzen zu füllen.

Der Innenraum des Cafés hat einen rotgemusterten Teppichboden und Holzpfeiler
Im Innenraum stehen die Blumen der Hochzeit noch zum Abholen bereit
Vor einer Terrasse stehen Liegestühle
Vor dem linken Terrassenteil stehen Liegestühle – ein Platz zum Wohlfühlen

Wir können den Golfplatz wärmstens empfehlen. Das Preis Leistungsverhältnis ist okay, die Lage wunderschön, die Fairways sehr gepflegt und das Restaurant lässt keine Wünsche offen.

Burrata und kleine Tomaten auf einem Gebäck angerichtet
Ich habe mir den Salat mit Burrata bestellt – sehr lecker angerichtet und zubereitet

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Riga

Riga

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Riga, die Hauptstadt Lettlands wollten wir unbedingt besuchen. Riga hat eine lange, auch deutsche Geschichte. Die Hanse und die Gildemeister prägten frühere Zeiten, Richard Wagner komponierte hier anfänglich und Heinz Erhard wuchs hier auf. Wir sind gespannt auf eine alte und junge Stadt und ihre Gebäude.

Anreise nach Riga

Wir fahren nach dem Besuch beim Weingut Mazburkas über die A 10, P 101 und A 9 nach Riga. In Babites Novads machen wir noch einen Kaffeestop bei der Großbäckerei Laci. Hier wird das traditionelle Brot der Letten hergestellt und auch jede Menge süßes Gebäck.

Ein Verkaufsraum einer Bäckerei
Wir kaufen ein Roggenbrot und trinken Kaffee in der Bäckerei Laci

Dann passieren wir dass „Ortsschild“ von Riga und werden vom Navi gut zum Campingplatz am Yachthafen geleitet. Den regnerischen Nachmittag verbringe ich mit Schreiben und Bilder auswählen. Es regnet immer stärker, die ganze Nacht.

In großen Buchstaben steht der Name Riga auf einer Straßenseite in einer Wiese
Na, wer nun nicht weiß, wo er ist….!

Am Morgen hat die Sonne fast alle Wolken weggeputzt und wir machen uns auf in die Stadt. Vom Campingplatz am Yachthafen fahren wir zur Tourist-Information am Schwarzhäupterhaus mit dem Fahrrad.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

Inhalt laden

Oder Du folgst mir und dieser Fahrradtour auf meinem Komoot-Account.

Links das Gebäude der Nationalbibliothek, dass wie eine Welle erbaut ist, rechts die Lettische Flagge
Das linke “Wellen”-Gebäude ist die Nationalbibliothek

Altstadt von Riga

Dieser Blogbeitrag wird mit seinen Bildern sprechen, denn ich bin über Riga zu wenig informiert, als dass ich Dir adäquat von dieser wunderbaren Stadt berichten könnte. Wie immer in Lettland sind viele gepflegte Parks und Grünflächen, diesmal in der Stadt eher weniger Radwege und viel Pflaster auf den Straßen. So versuche ich, Dir meinen Eindruck von einem Teil Rigas per Bildern zu zeigen. Ich fange in der Altstadt an, wo wir ab der Peterskirche um 10 Uhr eine kostenlose Stadtführung (auf Englisch) mitgemacht haben.

Rechts zwei Bürgerhäuser, dahinter die Peterskirche
Die Schwarzhäupterhäuser wurden erst in den 2000er Jahren wieder errichtet
Treppengiebel mit Goldenen Spitzen geschmückt
Details eines Stufengiebels am Schwarzhäupterhaus
Am Kirchengiebel geht der Blick über den vierstöckigen Turm hinauf
Blick hinauf zur Turmspitze der Peterskirche
Der Kirchturm hat mehrere Stockwerke, die von Kupferdächern geschützt sind
Der Kirchturm der Peterskirche ist interessant gebaut
Esel, Hund, Katze und Hahn stehen als bronzene Figuren übereinander
Die Bremer Stadtmusikanten – schaurig schön
Eine Tafel erklärt, warum die Stadtmusikanten aus Bremen auf der Rückseite der Peterskirche stehen
Bremen ist die Partnerstadt Lettlands – das war aber nur ein Grund für die Skulptur
Ein rotgestrichenes Haus hat weiße Absetzungen und gemeißelte Bordüren
Die Bordüren an diesem Haus haben es mir angetan
Eine große Stahlgitarre steht vor einem Gasthaus
Im Haus ist das Rockcafé Rigas
Über einer Kirchentür sind Bordüren mit einem Engelskopf und einer Friedenstaube
Über der Tür einer ehemalige Kirche, die die Sowjetzeit überlebt hat und heute als Jugendzentrum der Kirchengemeinde genutzt wird, sind interessante Steinmetzarbeiten
Ein renovierungsbedürftiger Giebel
Nur noch der Giebel steht – noch sind längst nicht alle Häuser in Rigas Altstadt renoviert oder instandgesetzt
Ein Bronzenes Gürteltier
Das Gürteltier läuft am Rigaer Dom die Treppe hinauf
Der Domturm in Riga hat einen goldenen Hahn obenauf
Der Domturm in Riga hat einen goldenen Hahn obenauf
Metallpfosten mit Löwenköpfen sind durch Ketten verbunden
Diese Löwen schützen das Lettische Parlament
Ein hohes altes Steinhaus mit einem Torbogen
Das Schwedentor ist das einzige erhaltene Stadttor
An einer roten Hauswand ist eine Hausnummer und an der Holztür weitere
Das Haus hat eine Hausnummer und die Tür hat weitere…
Eine Katzenskulptur auf einer Turmspitze eines Hauses
Die Katzen auf den Türmchen sind vom Erbauer zum Spott der Gildemitglieder auf die Türmchen gesetzt worden
In einem Hauswappen ist eine Lyra
Am Haus, in dem Richard Wagener lebte, ist dieses Detail zu finden
Ein aus Backsteinen gemauerter Stufengiebel mit weißen Absetzungen
Ein interessant gestalteter Stufengiebel

Die Markthallen in Riga liegen hinter der Bahnlinie. Wir wollen nichts kaufen, aber schauen.

In einer Markthalle sind mehrere Fischstände
Ein großes Angebot an Fischen und Meerestieren wird in der Markthalle geboten
Mehrere Gebäude sind hintereinander gebaut
Die Gebäude der heutigen Markthallen wurden für die Zeppelinfertigung erbaut

Wir haben eine Adresse für ein Restaurant mit lettischen Speisen. Das stellt sich allerdings als Selbstbedienungskantine heraus. So radeln wir durch den Park Basteikans zum Freiheitsdenkmal und entdecken gleich rechts davor ein tolles Restaurant.

Das Freiheitsdenkmal ist ein sehr hoher Obelisk
Das Freiheitsdenkmal steht im Kronvaldas Park
Der Innenraum eines Restaurants. Bequeme Clubsessel, Holztische, bunte Beleuchtung
Das Restaurant Kolonade, direkt neben dem Freiheitsdenkmal, bietet Ruhe und sehr gutes Essen

Die Adresse lautet: Kolonade, Brīvības laukums 1, Riga, LV – 1050, Latvija, Tel. +371 266 088 82, www.kolonade.lv

Der Innenraum eines Restaurants. Bequeme Clubsessel, Holztische, bunte Beleuchtung. Große Vasen beinhalten Grünpflanzen
Das Restaurant ist geschmackvoll eingerichtet und dekoriert In Lettland gesponnene und gewebte Schafwolldecken dienen nicht nur der Dekoration
Die Bloggerin sitzt vor einem Teller mit Rote Beete Suppe
Bernhard stellt fest, dass ich immer das zum Gericht passende Oberteil anhabe

Auf „unserer Insel“, wo auch der Campingplatz liegt, ist in der Nähe der Brücke die Žanis-Lipke-Gedenkstätte. Žanis Lipke und seine Familien mochten Menschen. Egal wer sie waren, egal was sie machten, allein das sie Mensch waren respektierten sie. Die Familie versteckte im Zweiten Weltkrieg in einer Grube unter ihrer Scheune über 50 Juden vor dem Zugriff der Nazis. Die Gedenkstätte wurde 2009 eröffnet. Die Bauweise ist sehr interessant, denn der Gast bewegt sich fast Ausschließlich im Dunkeln, wo wie die versteckten Juden über Monate lebten.

Ein Holzgebäude mit einer gläsernen Stirnseite und Giebel
Das Gebäude der Žanis-Lipke-Gedenkstätte ist aus Holz und hat nur an der Stirnseite Glasfenster
An einem Holztor sind eine Klingel, eine Gegensprechanlage und die Öffnungszeiten des Museums
Der Eingang in das Museum

Kalnciems-Viertel

In Pārdaugave, dem der Altstadt gegenüberliegenden Stadtteil auf der anderen Seite Seite der Daugava, ist das Kalnciems-Viertel. Hier stehen viele Holzhäuser, die die Holzarchitektur des 19. Jahrhunderts repräsentieren. Einige sind bereits restauriert, andere liegen noch im Dornröschenschlaf. Es gibt immer mehr Förderer, die die historische Atmosphäre des Viertels bewahren möchten. Wir entdecken eine Hof mit mehren Gebäuden, die einen Sportladen mit Werkstätten und Freizeitangebot beherbergen.

In einen gepflasterten Hof ist eine Fahrradwerkstatt und Werkzeug, mit dem der Kunde selbst reparieren kann
Im Hof des Sportgeschäfts Dabnīca sind Fahrradwerkzeuge für Kunden frei zugänglich. Bernhard nutzt die Gunst der Stunde, um sein Fahrrad aufzupumpen
Ein Kletterturm aus Holz steht auf einer Wiese
Auf einer Wiese nebenbei ist ein Kletterturm
Zwei aus Baumstämmen gearbeitete hohe Gesichter stehen auf einer Wiese
Lettische Schnitzkunst mal anders – Kunst beim Kletterturm
Vor einem braunen Holzhaus mit weißen Absetzungen sind verschiedene Essenstände aufgebaut
Eigentlich sind wir wegen der restaurierten Holzhäuser ins Kalnciems-Viertel gefahren. Musik und Essen verlocken uns zum Abendessen
Ein Holzhaus hat unter reine großzügigen Terrasse eine Art Wintergarten
Wein und Café – eine gute Zusammenstellung – aber auch die Bauart des Hauses gefällt mir
In einem Garten steht unter hohen Bäumen ein Holzhaus mit einem runden Erker
Blick über den Zaun – noch ein schönes Haus

Jugendstil in Riga

Etwa ein Drittel des Stadtzentrums von Riga besteht aus Jugendstilhäusern. Wir konzentrieren uns auf die „Hauptstraßen“, die Umgebung der Alberta iela und der Elizabetes iela. Bernhard lässt sich irgendwann zu dem Ausruf verleiten: „Das ist ja schöner wie in Wien am Ring!“ Und das heißt ja was für einen Österreicher! Sehr viele Gebäude sind im August 2020 eingerüstet und werden restauriert. Wir haben das Glück, das einige ArbeiterInnen gerade vor einem beinahe fertigen Haus stehen und uns beim Fotografieren und staunen beobachten. Ein Arbeiter, der wohl Stuckarbeiten restauriert, winkt uns heran und führt uns in ein Treppenhaus. ER versteht weder Deutsch noch Englisch, aber alle Gesten zeigen, wie stolz er auf seine Arbeit ist. Wir loben ihn und die Arbeit seiner KollegInnen mit anderen Gesten, was ihn sichtlich freut.

Ein weißes hohes Haus mit Jugendstilverzierungen
Bordürenschmuck am Haus
Ein Ovales Giebelfenster ist mit Bordüren geschmückt
Ein interessant gestalteter Giebel
Ein helles Jugenstilhaus mit roten länglichen Absetzungen
… und dann der blaue Himmel dazu …
Mit Gold und Stuck gestaltete Decke im Treppenhaus
Bei einem in Renovierung begriffenen Haus führt uns ein Arbeiter ins Treppenhaus und zeigt uns stolz seine Arbeit und die seiner KollegInnen. Hier die Decke des Treppenhauses
Ein freier Raum in einem Treppenhaus
Im ersten Stock des Treppenhauses vereinigen sich die Zugänge der zwei Eingangstüren zu einem großen Raum
Ein renoviertes und ein unrenoviertes Jugenstilhaus stehen nebeneinander
Renoviert in voller Pracht und unrenoviert im Dornröschenschlaf – die Restaurierung kostet
Säulen Türmchen Stuck an einem Jugendstilhaus
Säulen, Türmchen, Stuck, Figuren und Schmiedeeisen – wunderbar kombiniert
Drei Balkone an den Ecken nach oben fotografiert
Reich verzierte Eckbalkone
Ein großes helles Jugendstilhaus mit rotem Dach
Das Haus wirkt nicht so prunkvoll und protzig und hat trotzdem wunderschöne Details
Auf der rechten Straßenseite stehen im Schatten viele Jugendstilhäuser
Die Straße Alberta iela – geballter Jugendstil
Ein Haus mit weißen Verzierungen ist mit blauer Farbe abgesetzt
Ein wunderschönes blau, dass die weißen Verzierungen noch hervorhebt
Über einer rotweißen Fassade erheben sich weiße Türmchen
Der Bildausschnitt kommt mir beinahe maurisch vor
Ein helles Haus mit Türmen und schwarzem Dach und einer goldenen Bordüre
Absetzungen in Gold, Türme … einfach wunderschön
Eine Dachecke ist mit einer Art Gaube gebaut, die aufwendig verziert ist
Allein das Eckzimmer im Giebel – welche Arbeit und Zierde für diesen Raum, der natürlich im Gesamtzusammenhang das Hauskunstwerk abrundet
Ein Oberleitungsbus vor einem Jugendstilhaus
In Lettland fahren in den größeren Städten Oberleitungsbusse. Die Oberleitung versorgt die Busse mit Strom. So fahren sie in der Stadt emissionsfrei

Wir fahren zurück zum Parkplatz und passieren noch einige interessante Dinge.

Goldene Kupplen auf einer Kirche
Die goldenen Kuppeln der Orthodoxen Geburtskathedrale. In der Sowjetzeit wurde die Kirche als Planetarium und Restaurant genutzt

Wir haben das Glück, in dieser Corona Zeit, in den Baltischen Staaten unterwegs zu sein. Hier gibt es nur wenige Fälle von Covid-19. Wir halten Abstand, versuchen, Menschenmengen aus dem Weg zu gehen, waschen Hände – nur Masken tragen wir keine, denn bei weinigen Menschen ist das nicht notwendig. Trotzdem die Pandemie in Lettland zwar Vorsichtsmaßnahmen erfordert, aber keinen Lockdown und obwohl es nur wenige schwerwiegende Krankheitsverläufe gibt, steht in Riga bereits ein Covis-19-Denkmal für die im medizinischen Bereich Tätigen.

Ein Denkmal, wie eine Ärztin gekleidet, mit Mundschutz und Handschuhen
In Riga steht bereits ein Covid-19 Denkmal – zu Ehren der Ärzte und des Pflegepersonals bei der Pandemie
Eine Tafel dankt dem medizinischen Personal weltweit
Diese Tafel steht beim Covid-19-Denkmal

Riga ist eine unglaublich lebhafte Stadt, in der man Wochen mit Staunen verbringen kann. Wir haben, außer der Žanis-Lipke-Gedenkstätte, keine Museen besucht – obwohl die sicherlich auch sehenswert wären. Aber, wir kommen wieder!

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Weingut Mazburkas

Weingut Mazburkas

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Beim Fruchtweinbauern Mārtiņš Sants haben wir eine Broschüre des lettischen Weinverband erhalten. Darin stellen sich einige Weinbaubetriebe in Lettland vor. Das es in Lettland nicht nur Obstweine gibt, sondern auch angenehm schmeckende Traubenweine, können wir bei einer Weinprobe im Winzerbetrieb Mazburkas feststellen.

Anfahrt zum Winzerbetrieb Mazburkas

Es regnet in Strömen und das soll bis morgen so bleiben. Da wir aber weiter wollen, nehmen wir uns die Region Vidzeme, die hochinteressante Städtchen hat, für das nächste Jahr vor. Wir suchen in der Broschüre, die wir vom Fruchtweinbauern Mārtiņš Sants erhalten haben, die Telefonnummer des Weinbaubetrieb Mazburkas heraus. Bevor wir in Roja bei strömendem Regen abfahren, ruft Bernhard dort an und fragt, ob wir für eine Weinprobe kommen dürfen. Ja, das ist machbar. Gunta schickt uns eine Anfahrtsbeschreibung per WhatsApp zu, denn Mazburkas sei schwer zu finden.

Wir fahren über die P 131 die Küste entlang nach Süden bis Turkums. In der Stadt fahren wir weiter in südliche Richtung auf die P 98. Kaum aus dem Städtchen heraus steht links ein hoher Sendemast. Beinahe gegenüber geht ein Weg rechts hinein, bei einem Schild mit der Aufschrift „Engures Novadas“. Dahinter rechts ein Gebäude mit der Werbung „Lady Pizza“. Diesem Weg folgen wir für 500 m. Ein Holzschild mit einem Bottich mit Weinreben leiten uns nach links in den Hof.

GPS und Kontaktdaten
N 56.95815° E 23.17699°
56°56’53.3“ N 23°10’37.2“

Engures novads, Smārdes pagasts
Telefon: +371 29 149 725, E-Mail: ciferite@inbox.lv, eine Website gibt es noch nicht

Ein kleines Holzhaus steht rechts, eine Scheune links, mit offenem Scheunentor, durch das wir eintreten.

Ein Schild hat den Namen des Weinguts aufgedruckt
Am Eingang der neuen Probierscheune werden wir mit dem Namensschild begrüßt

Gunta Niedra begrüßt uns in der neuerbauten Scheune. Später erzählt sie, dass die Weinproben bis Anfang 2019 unter aufgespannten Sonnenschirmen im Freien stattgefunden hätten. Freunde, die sie besuchten, hätten sie auf die Idee mit der Scheune gebracht. Viele Bekannte haben mit geplant und mitgeholfen und in wenigen Wochen war die Probierscheune erstellt, Eine Glasfront nach Südwesten, ansonsten rohe Bretter. Gunta hat sie zweckmäßig und liebevoll eingerichtet und dekoriert. Ich fühle mich herzlich willkommen beim Eintreten. Auf einer Leinwand laufen Bilder des Weinbaubetriebs zu allen Jahreszeiten. Bei einem einmaligen Besuch – noch dazu an einem so regnerischen Tag – bekommt der Gast ansonsten nur eine Momentaufnahme des Geschehens.

Eine Holzscheune ist mit Tischen, Bänken und Dekoration versehen
Die neu errichtete Scheune ist liebevoll eingerichtet und dekoriert

Wein und Schafe

Gunta hat die Weinprobe vorbereitet. Die Flaschen, deren Wein wir kosten werden, stehen hinter kleinen Karaffen, davor die Weingläser. Sie produziert auch Traubensaft, der in pinkfarbenen Fruchtsaftkartons verkauft wird. Ein Tellerchen mit Käse, Johannis- und Heidelbeeren steht ebenfalls bereit.

Auf einem Tisch stehen vier Weinflaschen und ein Fruchtsaftkarton, davor drei Weingläser
Liebevoll hat Gunta die Weinprobe nach unserem Anruf vorbereitet

Gunta hat das Grundstück von ihrer Großmutter vor 15 Jahren überschrieben bekommen. Bereits seit über 200 Jahren wohnt die Familie darauf. Die Ursprungsfamilie hat für das naheliegende Herrenhaus „Bergas“ gearbeitet. Die Musiklehrerin und ihr ebenfalls als Lehrer tätiger Mann überlegten, was sie mit dem Grund anfangen sollten. Gunta liebt Schafe, so war die Entscheidung schnell getroffen. Die Großmutter unterstützte den Plan, denn früher wurden immer schon Schafe gehalten. An einem Sommertag, als die ersten Schafe über die sanft gewellte Landschaft liefen, erinnerte der Anblick Gunta an Landschaften, in denen Weinanbau betrieben wird. So reifte der Plan, es auch damit zu versuchen.

Schafe gehen an einer Terrasse vorbei, dahinter sind Weinreben
Wein und Schafe – das sind die Erwerbsgrundlagen für Mazburkas – und beides geht eine interessante Symbiose ein

Sie unternahm Weinreisen, auch nach Deutschland und erzählte von ihrem Plan. Ein Deutscher Winzer gab ihr Dornfelder, Spätburgunder und Müller-Thurgau aufgepfropft mit. Davon ist heute noch der Dornfelder übrig. Von anfänglich 60 !! Sorten, sind mittlerweile noch 30 zum Experimentieren übrig. Darunter nur uns völlig unbekannte Sorten, wie Superga, Gina, Silva, Litonia und Vorduve. Die Reben kommen heute aus Lettland und Litauen. Teilweise züchtet Gunta sie selbst heran.

Am alten Haus stehen zur Anzucht kleine Weinreben in Blumentöpfen
Gunta züchtet die Weinreben mittlerweile selbst. In kleinen Töpfchen, geschützt vom Haus

Das lettische Klima hat ungeheuer kalte Winter, in denen es bis minus 25° werden kann. Das müssen die Weinstöcke auch vertragen können.

Schnee liegt zwischen den Reihen der Reben
Das Foto habe ich von der Leinwand abfotografiert – die Weinberge im Schnee

Die Vegetationszeit ist kürzer als z.B. in der Pfalz. So blüht der Wein später und die Weinlese findet erst gegen Ende September statt. Ihre 4 ha bewirtschaftet sie zusammen mit ihrem Mann. Die zwei erwachsenen Kinder unterstützen Gunta in arbeitsfreien Zeiten nicht nur praktisch, sondern auch mit vielen Ideen, z.B. im Marketing. Momentan werden Ideen für eine Website gesammelt.

Weinprobe

Wir probieren den ersten Wein, der ungeheuer fruchtig riecht, aber leicht schmeckt. Eine angenehme Säure, ein frischer Wein.

Eine Flasche mit Weißwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Supagas Baltvins sauss steht auf dem ersten Etikett unserer Weinprobe

Von diesem Wein habe ich mir die Rebe nicht gemerkt, nur, dass es eine lettische Rebe ist. Der zweite Wein riecht weniger fruchtig, schmeckt aber fruchtiger als der erste.

Eine Flasche mit Weißwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Varduves Baltvins sauss steht auf dem zweiten Etikett unserer Weinprobe

Dieser Wein ist aus der Traube Litonia, einer späten, süßen, schweren Sorte erzeugt. Die Traube wachse sehr kompakt, die Eimer seien bei der Lese viel schwerer, als bei anderen Sorten, erklärt Gunta.

An der Farbgebung des Rosé ist Gunta noch am Experimentieren. Sie probiert aus, wie lange der Saft auf der Maische liegen muss. Sie ist mit der Farbe noch nicht ganz zufrieden, bemerkt sie. Die Weine werden ökologisch erzeugt, ohne jegliche Chemie im Anbau und in der Weiterverarbeitung.

Eine Flasche mit Roséwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Gunas rozā vīns sauss steht auf dem Etikett der Roséflasche

Der Rotwein ist ein Cuvé aus drei verschiedenen Sorten. Der schmeckt mir total lecker. Die Farbe ist tiefweinrot, geht fast in Richtung Cassisfarbe. Ein leichter, fruchtiger Rotwein, der trotzdem ein gewisses Etwas hat.

Eine Flasche mit Rotwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Sarkansvins Sauss lautet das Etikett

An meinen Beschreibungen merkst Du sicherlich, dass ich gerne Wein trinke, aber keine Weinverkosterin bin, die alle möglichen Geschmacksrichtungen eines Weines beschreiben kann. Mich interessiert noch, was Gunta mit den Schafen macht. Ich frage, ob sie die Wolle an Spinnereien verkauft. Die Rassen Cherolet und Oxfortdown, die sie auf dem Gut haben, dienen der Fleisch- und weniger der Wollerzeugung. Sie schlachten selbst und verkaufen das Schaffleisch vor Ort, ebenso wie die selbst hergestellte Wurst. Leider können wir diese heute nicht probieren, denn nach der letzten Weinmesse, wurde noch nicht wieder geschlachtet. Die Rückenwolle wird an einen Dämmstoffhändler verkauft, denn ökologisches Dämmen funktioniert heute auch mit Schafwolle. Die minderwertige, sehr kurzhaarige Wolle von Bauch und Beinen wird mit den gehäckselten Rebenabschnitten im Herbst untergepflügt. Die Wolle im Boden lockert diesen auf und lässt mehr Feuchtigkeit eindringen und Luft an die Wurzeln. Mittlerweile habe ich den Traubensaft probiert, der mir sehr gut schmeckt.

Der Aufdruck auf dem Traubensaftkarton mit den Erklärungen
Jeder Traubensaftkarton hat einen Erklärungen-Aufdruck mit einem tollen Hintergrundfoto
In einem Weinglas ist Traubensaft eingefüllt
Der Traubensaft ist naturtrüb

Während Gunta mir Antworten auf meine Fragen zu den Schafen gibt, hat Bernhard mit Einverständnis von Gunta eine neue Art der Weinprobe entdeckt.

In einem Eisengestellbett liegt ein Mann und verkostet Wein. Das Bett steht neben einer offenen Terrassentür mit Blick auf die Weinreben
Bernhard prüft, ob die Weinprobe im Liegen bequem ist – als eventuelle Empfehlung für unsere Pfälzer Winzer

Das Bett hat sie im alten Haus der Großmutter gefunden und zur Dekoration in der neuen Probierstube genutzt. Auch der Spiegel, der an der Wand beim Bett hängt, ist eine Fundsache. Eher die Materialien davon, aber das Ergebnis ist sehr schön.

Ein Frau mit langen blonden Haaren spiegelt sich in einem Spiegel, der von vier rohen Brettern umrahmt wird
Ich finde den Spiegel ungeheuer dekorativ – erst recht wenn sich Gunta Niedra darin spiegelt

Die Verkaufsecke ist noch recht klein, denn Flaschenwein wurde in den letzten Jahren noch nicht so viel produziert. Er reichte nur für den Eigenverbrauch und gute Freunde.

In Holzkisten, die als Regal dienen, stehen Weinflaschen. Ein Spinnrad steht als Dekoration daneben, darauf ein offener Koffer, aus dem Plüschschafe schauen
Die Verkaufsecke ist derzeit noch recht klein gehalten

Gunta hat sich weitergebildet und mittlerweile nimmt sie auch mit ihren Weinen an Weinprämierungen teil.

Bilderrahmen mit Urkunden hängen an einer Holzwand
Die ältesten Prämierungen des hergestellten Weins sind von 2017
Bilderrahmen mit Urkunden hängen an einer Holzwand
Die Urkunden und Diplome hängen über der Verkaufsecke

Für je 13 € pro Flasche verkauft Gunta ihren Wein. Wir nehmen von den probierten Sorten jeweils zwei Flaschen mit, vom Rotwein sogar drei. Ich bin mal gespannt, ob die Flaschen es bis in die Pfalz schaffen?

Beim Abschied führt uns Gunta ein wenig herum. Dabei erzählt sie, dass die Enkeltochter des Gutsherren von „Bergas“ die Großmutter mal besuchte. Und als sie sah, dass Gunta Wein anbaut hat sie erstaunt ausgerufen: „Das wollte der Großvater immer machen. Hier an diesen Hügeln Wein anbauen.“ So fühlte sich Gunta nochmals bestärkt, denn sie hat irgendwie eine alte Idee aufgegriffen.

Ein Holzhaus mit Glasfenstern im Giebel, davor eine Wiese mit Pfosten, an denen Hängematten hängen
Im neuen Haus, dass mittlerweile auch renoviert wird, wohnt die Großmutter
Ein Holzhäuschen unter einem Baum, darin ist die Toilette
Noch wird die Toilette wie in alten Zeiten genutzt, wenn auch das Häuschen neu ist
Ein zum Teil ausgehöhlter Holzstamm dient als Waschbecken. An einer Astgabel hängt ein Handtuch
Das Waschbecken ist ein echter Hingucker

Wir verabschieden uns herzlich von Gunta. Wir hatten einem hochinteressanten Vormittag, nicht nur wegen des Weins. Ganz sicherlich werden wir im nächsten Jahr wiederkommen. Dann dürfen wir sogar mit dem Wohnmobil über Nacht am Weingut stehen bleiben. Heute fahren wir weiter nach Riga zum Yachthafen zum Übernachten.

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Kap Kolka

Kap Kolka

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Das Kap Kolka liegt in Lettlands Westen, am Übergang von Ostsee in Rigaer Bucht. Fast der gesamte Wasseraustausch zwischen Rigaer Bucht und Ostsee findet über die Meerenge dort statt. Die Strömung ist so stark, das Schwimmen untersagt ist. Unverständlich sind die Parkgebühren am Informationszentrum.

Parken am Kap Kolka

Wir fahren über die Straße P 124 bis zum letzten Kreisel vor dem Kap Kolka. Der ist einfach zu erkennen.

Auf einem Kreisel stehen Runde Kreise mit bunten Fischen darin
Die Fische erinnern mich an unseren Nachbarort, Kleinfischlingen

Ich habe mich über die Fische auf dem Kreisel sehr gefreut, denn in unserer Heimatnachbargemeinde Kleinfischlingen stehen im ganzen Ort bunte Holzfische als Dorfdekoration herum. Auf diesem Kreisel sollen sie jedoch nur darauf hindeuten, dass der Ort Kolka seit Alters her ein Fischerdorf war und ist.

Wir entschließen uns geradeaus zu fahren, zum Infozentrum am Kap Kolka. Ein junger Mann, der auf einem Stuhl unter einem Sonnenschirm sitzt, hält uns an. Er überreicht Bernhard einen selbstgestrickten kleinen Zettel mit einem Stempel und der Uhrzeit, die wir aktuell haben. Wir sollen unser Auto parken und bevor wir fahren, im Infozentrum pro angefangener Parkstunde 3 € zahlen. Wir überlegen: wenn wir nun die Wanderung machen, ggf. den Leuchtturm anschauen und uns eventuell verweilen wollen, dann ist das schlicht sehr teuer. Vom Kreisel ging es doch noch zu einem anderen Parkplatz? Wir wollen erst dort schauen, welcher Preis dort verlangt wird fürs Parken. Wir drehen eine (kostenlose) Runde über den Platz und geben dem jungen Mann den Zettel zurück.

Eine Tafel mit der Parkgebühr pro Fahrzeugkategorie steht in einem Fenster
Die Parkgebühren für den Parkplatz am Infozentrum

Wir fahren 150 m zum Kreisel mit den Fischen zurück und 170 m zum anderen Parkplatz und der kostet nichts! Die Parkscheibe muss eingelegt werden und damit darf man 24 Stunden stehen. Selbst eine Übernachtung mit dem Wohnmobil wäre kein Problem!

Der Parkplatz vom Aussichtsturm aus
Dieser Parkplatz ist kostenfrei – Blick von Aussichtsturm

Wir ziehen unsere Laufschuhe an und verlassen den Parkplatz in entgegengesetzter Richtung zum Aussichtsturm. Dort beginnt der Pine-Trail mit einer Erklärungstafel.

Links steht ein Holzhäuschen, eine Toilette, in der Mitte ein Pfad, rechts eine Umzäunung mit einem Wegweiser nach rechts davor
Am Parkplatz ist immer eine Toilette in Lettland. Hier am Beginn des Pine-Trails

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Wanderung auf dem Nadelbaumweg „Pine-Trail“

Der Weg ist etwa 1,2 km lang und führt in Kurven durch den Nadelwald. Wir wandern immer wieder bergauf und bergab, so wie die Dünen gestaltet sind.

Heidelbeersträucher hängen voller Heidelbeeren
Auch am Kap Kolka hängt der Wald voller reifer Heidelbeeren. Hier finden wir auch unsere ersten Pfifferlinge im Wald (statt auf dem Markt)

Wir wandern auch über die älteste Düne, die von den Nadelbäumen, überwiegend Kiefern, gehalten und befestigt wird. Der Sand hat manche Stämme der hunderte Jahre alten Kiefern bereits über zwei Meter mit Sand bedeckt. Auf dem mageren Boden können nur besondere Arten gedeihen. Unter anderem wächst hier die in Europa sehr seltene Sandnelke (Dianthus arenarius). Zwischen dem Wald und dem Meer liegen Vordünen. Die Dünen direkt am Meer sind den starken Ostseewinden ausgesetzt und verändern sich ständig.

Ein Waldpfad mündet in einer Plattform, im Hintergrund ist die Ostsee zu erkennen
Nach einigem Bergauf, Bergab mündet der Waldweg in einer Plattform mit Aussicht auf die Ostsee

Wer möchte, könnte nun direkt an den Strand gehen, der Pine Trail geht im Wald noch etwas weiter.

Ein Zedernskelett steht in den Dünen
Gerne hätte ich die Zeder über ihre Geschichte interviewt. Leider verstehe ich kein „Zederisch“
An einem verdorrten Ast hängt Moos
Der „Elchbart“ am Zedernast verrät, dass es hier hin und wieder ziemlich feucht ist
Rosa blühendes Heidekraut
Es ist erst Anfang August und die Heide blüht am Kap Kolka
Auf einer Tafel wird die geologische Situation am Kap Kolka erklärt
Beinahe am Ende des Pine Trails im Wald wird auf einer großen Tafel die geologische Bedeutung des Küstenwalds erklärt

Hier am Kap Kolka befinden wir uns mittlerweile im Slītere Nationalpark. Die Küstenlinie dieses Nationalparks ist eine der jüngsten geologischen Formationen in Lettland. Der Untergrund der Ostsee und des Küstenstreifens an dieser Stelle (Litorina), hat eine sehr magere, sandige  Erde. Die Neuanpflanzung von Kiefernwälder zum Schutz und als Barriere zwischen Ostsee, deren Winden und bewirtschaftetem Land, begann erst kurz vor dem ersten Weltkrieg. 1930 noch wurden 11,5 ha Sand als Dünen jährlich verweht, von den 142 ha, die das heutige Schutzgebiet umfasst. Durch die kontinuierliche Aufforstung, gibt es heute keine Wanderdünen im Naturpark mehr. Die Küstenwälder schützen seit Alters her die Landschaft im Hinterland. Das Abholzen der Küstenbäume war 1643 bereits vom Herzog von Kurland verboten worden. Aber Siedlungsbau und Waldbrände hatte große Lücken im Küstenwald hinterlassen. Durch die kontinuierliche Aufforstung ist das Hinterland mittlerweile von den Unbilden der Ostsee und deren Winde wieder gut geschützt und Landverluste durch Verwehung gibt es keine mehr.

Kap Kolka

Schon kurz nach der Tafel erreichen wir den Strand und folgen ihm nach Norden, zum Kap.

Sandstrand links, eine Holzplattform in der Bildmitte und die Ostsee im Hintergrund
An der zweiten Plattform führt der Pine-Trail an den Strand
Auf einem Treibgutast hat sich die Bloggerin am Strand niedergelassen
Die Treibgutbaumwurzel ist ein recht bequemer Strandsitz

Kurz vor dem Kap stehen im Wald interessante Gästebehausungen. Die würde ich gerne mal ausprobieren. Na, vielleicht im nächsten Jahr, trotz Wohnmobil mal „fremdschlafen“.

Beinahe beim Kap Kolka stehen oberhalb des Strandes runde Tonnen als Gästebehausungen. Die der Ostsee zugewandte runde Seite besteht aus Glas
Rechts sind „Gästetonnen“, deren der Ostsee zugewandte runde Seite aus Glas besteht
Beinahe beim Kap Kolka stehen oberhalb des Strandes runde Tonnen als Gästebehausungen. Die der Ostsee zugewandte runde Seite besteht aus Glas
Rechts sind „Gästetonnen“, deren der Ostsee zugewandte runde Seite aus Glas besteht
Der „Boden“ einer Gästetonne ist zu zweidritteln aus Glas – die Gäste können so die Aussicht aufs Meer genießen
Ob bei Sonne, bei stürmischer See oder bei Nacht – die Aussicht im Bett ist sicherlich phänomenal

Ja, und schon sind wir am Kap. Hier endet für uns erst mal die Ostsee, denn wir fahren an den Wassern der Rigaer Bucht weiter. Erst auf den Estnisschen Inseln werden wir wieder an der Ostsee sein.

Auf einer kleinen Felsformation stehen Leute. Links die Ostsee im Hintergrund das Wasser der Rigaer Bucht
Kap Kolka ist heutzutage eine mit Beton unterfütterte Felsenansammlung. Die Ostsee -links- vereinigt sich hier mit dem Wasser der Rigaer Bucht
Die Bloggerin steht auf den Felsen des Kap Kolka
Reisepunsch.de hat das Kap Kolka in Form von meiner Person „erklommen“
Am Strand liegen schwarze Haufen von angeschwemmten Wasserpflanzen
Am Strand der Rigaer Bucht am Kap Kolka liegen wieder schwarze Haufen der stinkenden Algen

Der Strand von der Ostsee – weiß, mit Muscheln und Steinen, aber sauber und dem der Rigaer Bucht – schwarze stinkende Algen und jede Menge Treibgut, ist frappierend. Ich vermute, dass die Strömungen für den Unterschied verantwortlich sind.

Auf einer Tafel wird erklärt, wie sich das Kap in den letzten Hundert Jahren verändert und vom Fleck bewegt hat
Diese Tafel ist beeindruckend. Wie doch die Ostsee und der Wind die Lage des Kap Kolka verändern

Auf der Tafel, die die Veränderung des Kaps erklärt, ist auch der Warnhinweis für Schwimmer. Ich kann mir denken, dass ein kleiner Mensch gegen diese Strömungen machtlos ist, wenn selbst das Kap sich nicht an einer Stelle behaupten kann

Wir passieren auf dem Weg zum Infozentrum einen Pfosten. Kann es sein, dass die Letten bereits 1836 wussten, in welchen Staatsgrenzen sie ihr Land in die Selbstbestimmung führen wollten?

Etwas später kommt eine Interessante Bronzetafel, die meine geografischen Kenntnisse prüft.

Eine Bronzetafel mit den Umrissen Europas und Kal Kolka als geografischer Mittelpunkt
Kap Kolka ist der Geografische Mittelpunkt Europas – wenn Europa bis zum Ural gerechnet wird

Bis wohin geht Europa? Bis zum Ural? Diese Frage hat mich schon bei der Elbrus Besteigung umgetrieben. Der Elbrus gehört ja zu den Seven Summits. Ist also einer der sieben höchsten Gipfeln auf den sieben Kontinenten. Somit ist der Mont Blanc als höchster Berg Europas „raus“, was wiederum die Schweizer ärgert. Und somit ist Kap Kolka in Lettland der geografische Mittelpunkt Europas. Beim Weiterwandern trennt ein Tor den Weg vom Strand – ich kann leider nicht herausfinden, ob es neu oder alt ist.

Drei Steinblöcke sind als Tor in den Sand gestellt, Kiefern wachsen rundherum
Das Tor sieht sehr archaisch aus

Den Weg hinauf passieren wir den Parkplatz des Infozentrums, der so teure Parkgebühren hat. Neben einer Picknickbank stehen einige Infotafeln über die Gegend.

Unter reinem halbrunden Dach sind Infotafeln über die Umgebung angebracht
Die Infotafeln über die Umgebung sind Wettergeschützt

Nun bin ich gespannt auf das Infozentrum. Neben einer öffentlichen Toilette gibt es Prospekte, Souvenirs und Kleinigkeiten zu essen und trinken. Was den hohen Parkplatzpreis rechtfertigt, erschließt sich mir nicht. So wandern wir auf eigene Faust durch den Wald zum Aussichtsturm. Hier finden wir unsere ersten Pfifferlinge im Wald. Bisher haben wir sie immer nur auf dem Markt gefunden. Für einen Frühstückstoast mit Ei und Pfifferlingen reicht die Menge. Der Aussichtsturm ist ziemlich hoch und bietet Aussicht über den endlosen Küstenwald und die Ostsee.

Ein aus Holz konstruierter hoher Aussichtsturm
Der Aussichtsturm ist aus Holz, die Stufen aus Metallgitter

Zurück am Parkplatz und Wohnmobil entdecke ich den Müllcontainer, den ich mit unseren gesammelten Recyclingsbehältern gleich fülle.

Ein Container mit verschiedenfarbigen Öffnungen wird für die Mülltrennung genutzt
Am Parkplatz beim Kap Kolka steht dieser Container für die Mülltrennung. Das finde ich eine gute Variante. Der neue Container kann als Ganzes abgestellt werden und der „gefüllte“ geht als Ganzes zur Entsorgung

Eine interessante Stelle und eine wunderschöne kurze Wanderung, die auch Kindern Spaß machen wird.

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Wanderung um den Pēterezeru – Peter-See

Wanderung um den Pēterezeru – Peter-See

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Der Slītere Nationalpark ist der kleinste der vier lettischen Nationalparks. Er liegt im Nordwestlichen Teil der Region Kurteme. Viele Naturwanderwege an verschiedenen Stellen des Parks zeigen den Besuchern die Besonderheit dieser Landschaft, die sehr unterschiedlich ist. Wir haben uns den Pēterezeru dabas taka ausgewählt.

Anfahrt zur Wanderung am Peter-See

Wir fahren vom Campingplatz in Miķeļtornis über die P 124 nach Norden bis zum Abzweig der P 126 und folgen dieser nach Südwesten in Richtung Dundaga. Bereits nach etwa 5 km weist ein braunes Touristikschild zum Pēterezeru dabas taka. Wir parken unser Wohnmobil. Auch hier wäre es kein Problem mit dem Wohnmobil über Nacht stehen zu bleiben.

Am Parkplatz ist eine große Tafel aufgestellt, die über alle Wanderwege im Slītere Nationalpark informiert. Uns interessiert die des heutigen „Pēterezers Nature Trails“. Ein QR-Code auf der Tafel leitet zu einer Webseite, die weitere Informationen gibt.

Eine Informationstafel erklärt den Wanderweg
Die Informationstafel erklärt nicht nur den Wanderweg, sondern auch Hintergründe

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

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Einmalige Dünenlandschaft in Europa

Ein schöner Waldweg führt in den Wald, Schilder hängen an den Bäumen.

Holzschilder markieren den Beginn des Wanderwegs
Diese Holzschilder markieren den Beginn des Wanderwegs

Am Anfang führt der Wanderweg parallel zur Straße. Der Weg ist recht eben, denn er verläuft auf der ehemaligen Trasse der „Gauge“-Bahn. Die Schmalspurbahn mit einer Spurbreite von 60 cm wurde während des ersten Weltkrieges im Bezirk Kurzeme gebaut. Die Deutsche Armee nutzte sie für Holztransporte. Ab den 1920er Jahren wurde die Trasse auch für den Personen- und Güterverkehr genutzt und stolz „Kurzeme-Express“ genannt. Die Fahrtzeit für die 70 km Strecke von Mazirbe bis Ventspils betrug sechs Stunden. Ein anderer Strang verband Mazirbe mit Dundaga. 1962 wurde der Eisenbahnverkehr eingestellt. 

Die Landschaft durch die wir wandern, hat sich vor etwa 6000 Jahren gebildet und ist einzigartig in Europa. Der „Petersee“ und der „Ententeich“ sind Überbleibsel der sich zurückziehenden Ostsee. Die Abfolge von Dünen und Tälern, Viga genannt, ist die einzige im Slītere Naturpark. In der Viga von Pēterezers leben Pflanzen und Tiere, die auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen. Hier ist z.B. der Teichfrosch Rana esculenta zu finden, vermutlich eine Kreuzung von Seefrosch und Wasserfrosch. Verschiedene Orchideenarten sind hier heimisch. Das diese Arten hier vorkommen, zeugt von einer hohen Umweltqualität.

Eine pinkfarbene Blüte mit kugelrunden, silbrigen Blütenansätzen
Die Blüte erinnern mich an eine Distel, aber das Blatt am Stängel nicht
Ein violette Blütenrispe
Auch diese Blüte erfreut mich, obwohl ich den Namen nicht kenne
Ein orangebrauner Schmetterling mit schwarzen Flecken auf einer gelben Blüte
Nicht nur dem Schmetterling schmeckt der Nektar, auch zwei Käfer auf der anderen Blüte stärken sich

Während unserer Wanderung ändert sich die Waldlandschaft ständig, in Unterbewuchs und Landschaftsform. Die Wanderung ist zwar kurz, nur 3,5 km, aber hochinteressant.

In sanften Wellen ist der Walduntergrund geformt. Der Kiefernwaldboden ist von Moos und Heidesträuchern bedeckt
Die Dünen sind als sanfte Wellen im Wald wahrnehmbar

Kurz danach werden die „Berge“ höher, die Dünen steiler. Wurzeltreppen erleichtern das Vorwärtskommen, aber manchmal ist der Weg recht steil und, nach dem Regen der letzten Tage, auch glitschig. In den „Tälern“ kann sich Wasser sammeln und bildet andere Biotope als die bisher gesehenen.

Viele Farne stehen als Unterholz im Kiefernwald, ein Bohlenweg führt hindurch
Die Farne erinnern an Urwald. Sie und der Bohlenweg deuten auf hohe Feuchtigkeit hin
Schachtelhalm steht an einer feuchten Stelle im Wald
Ich würde sagen, dass die feuchte Stelle von Schachtelhalm erobert worden ist oder irre ich?

Nach kurzer Weiterwanderung immer steiler bergauf, erreichen wir die höchsten Dünen.

Eine Holztreppe führt über eine von Wald bewachsene Düne
Die Dünen werden durch die Holztreppen geschützt, die viele Wanderer sonst zerstören würden

Nach der Düne ist der Wald wieder anders geartet, denn er nähert sich nun allmählich dem See.

Ein schmaler mit Kiefernadeln bedeckter Pfad führt in Kurven durch den Wald
Der Pfad ist schmal, weich und wunderschön zu gehen
Der Waldboden ist von verschiedengrünfarbigem Moos bedeckt
Hier sieht der Waldboden wieder ganz anders aus

Dann passieren wir wieder eine sumpfige Stelle.

Ein Steg führt über eine sumpfige Stelle im Wald
Feuchte Stellen werden von Holzstegen überspannt

Immer weiter geht es bergab und wir kommen an den Piļu Diķis, den Ententeich.

Eine dunkle kleine Seefläche
Der dunkle See wird Ententeich genannt – auch wenn wir keine Enten sehen

Nun geht es auf einem Bohlenweg weiter durch die Sumpflandschaft, die sich zwischen den beiden Seen gebildet hat. Genau diese Stelle ist so ganz und gar besonders für Amphibien und Pflanzen. Leider kenne ich mich zu wenig damit aus. Aber erfreuen kann ich mich an dem unterschiedlichen Bewuchs.

Ein Bohlenweg führt am Seeufer lange entlang
Der Bohlenweg führt uns lange am Seeufer entlang. So können die Sumpfpflanzen aus der Nähe betrachtet werden
Rote und schwarze Beeren wachsen an einer Pflanze
Diese Beeren wachsen im Sumpf beim Petersee – auch die kenne ich nicht

Der erste Anblick des Petersees ist wunderschön, allein wegen des Bäumchens davor.

Ein abgestorbener schiefer Baum vor einer kleinen Seefläche
Der Blick öffnet sich zum Peter-See
Der Petersee liegt heute sehr still da, rechts steht hohes Schilf
Der Petersee liegt heute sehr still da – Libellen sausen herum, fast zu schnell fürs Auge und erst recht zu schnell zum Fotografieren

Die Libellen schwirren nur so herum, über den See, durch das Schilf, hin und her in einer ziemlich hohen Geschwindigkeit. Ich bewundere die Naturfotografen, die diesen Insekten mit einer Filmkamera zu folgen vermögen. Aber auch wir haben Glück.

Eine Libelle sitzt auf einem Holzgeländer
Eine Libelle hat sich doch mal hingesetzt für das Fotoshooting
Eine Libelle sitzt auf einem Holzgeländ
Eine rötliche Libelle möchte nun auch fotografiert werden

Wir verweilen uns noch am See bevor wir weiterwandern.

Vom See führt eine Treppe über eine Düne wieder hinauf in den Wald
Nach dem See wird über eine Treppe wieder eine Düne erklommen

Immer wieder nehmen wir irgendwo eine Handvoll Heidelbeeren, die mit ihrer blauen Farbe nur so locken. Für professionelle Beerenpflücker ist dieser Wald tabu, ich hoffe, dass eine Handvoll erlaubt ist.

Ein Wanderer spaziert auf einem schmalen Pfad durch den Wald, im Unterholz Beerensträucher
Wir wandern durch den wunderschönen Beerenwald

Der Weg geht nun über sanftere Wellen weiter. Und nun gesellen sich auch Preiselbeeren zum Beerengesträuch dazu. Die herumliegenden hellen Birkenäste, das Weißmoos und das leuchtende rot der Beeren bildet eine wunderschöne Farbkombination.

Ein einem Strauch hängen rote Preiselbeeren, Weißmoos liegt darüber
Die Preiselbeeren sind an manchen Stellen schon reif

Wir werden von den kleinen Pfaden wieder auf einen breiteren Weg geleitet, der uns bald zurück zum Parkplatz führt. Diese Wanderung hat großen Spaß gemacht, denn die Landschaft ist voller Überraschungen, wenn man die Augen offenhält.

Ein Mann mit Rucksack wandert auf einem Waldweg
Der Wanderweg am Petersee ist wunderschön angelegt

Wir fahren weiter zum Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt in Kurzeme und dem Zusammenfluss von Ostsee und Rigaer Bucht.

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Būšnieku See Fahrradtour

Būšnieku See Fahrradtour

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Nördlich von Ventspils liegt der Būšnieku See, der ein Naherholungsgebiet für die Bewohner von Ventspils ist. Die Fahrradtour um den See ist nur 9 km lang und somit auch als Wanderung machbar. Der Wald steht im Sommer und Herbst voll Heidelbeeren, Preiselbeeren und Pfifferlingen, Bade- und Picknickplätze laden zum Verweilen ein.

Naherholungsgebiet Būšnieku See

Der Būšnieku See liegt nördlich von Ventspils und ist von der Ostsee durch eine Düne getrennt. In der Nähe befindet sich das Fischerdorf Staldzene, mit Fischerhäusern aus dem 19. Jahrhundert. Wir fahren auf den Parkplatz beim Badeplatz. Wir sind an diesem Sonntag noch vor der Mittagszeit dort, bevor der Parkplatz zu voll ist. Direkt unterhalb ist eine schöner Badeplatz.

Ein Bohlenweg führt links im Wald zum badeplatz des Sees, Leute laufen am Strand herum
Links führt ein Bohlenweg vom Parkplatz zum Badeplatz am See mit Umkleidemöglichkeit, Dixi-Toilette, Steg, Picknickplätzen und Sandstrand

Während ich fotografiere und die Helme aus dem Schrank hole, hat Bernhard die Fahrräder vom Wohnmobilgepäckträger geholt.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

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Der Radweg um den Būšnieku See

Wir starten im Uhrzeigersinn um den See. Der Radweg ist vom Parkplatz weg asphaltiert und führt, durch einen Grünstreifen getrennt, an der Landstraße entlang. Kurz vor dem „Hirschgarten“ geht der Fahrradweg nach rechts in den Wald. Ich bin aber neugierig, was sich hinter dem braunen touristischen Hinweisschild in wenigen Metern verbirgt, dass nach links führt. Ein Parkplatz mit einem Wildgehege und einer deutschen Hinweistafel!

Auf einer Tafel werden auf Deutsch Hinweise zum Busnieku See gegeben
Diese Hinweistafel auf Deutsch hängt beim Hirschgarten

In einem circa 35 ha großen Gehege leben Edelhirsche und benachbart, auf 1,5 ha, Wildschweine. Besucher können die Tiere von einem 6,5 m hohen Aussichtsturm beobachten, Wie immer steht eine Toilette und Picknickmöglichkeiten am Parkplatz zur Verfügung.

Nun folgen wir dem Radweg im Wald. Uns fallen alle circa 400 m bis 500 m große Tafeln auf. Darauf sind Fitnessübungen gedruckt, die international gut zu verstehen sind. Viele Übungen kenne ich vom Gesundheitswandern. Ich bin vom lettischen Angebot an die Bevölkerung, die Gesundheit durch Fitness und Wohlbefinden zu erhalten, wieder mal begeistert!

Eine Tafel in einem hölzernen Rahmen erklärt eine Fitnessübung
Auf einer Seeseite sind Fitnessübungen erklärt, die während der Wanderung oder Radtour zusätzlich absolviert werden können

Wir radeln auf dem ausgesprochen angenehmen Waldweg weiter. Der Wald erinnert mich mal wieder an Ronja Räubertochter. Manchmal Felsen, Birken, Nadelbäume, Kiefern, das Unterholz aus Farn oder Heidesträuchern, soo schön.

Ein Waldweg wird von einem Fahrradfahrer genutzt
Der Radweg durch den Wald ist in einem perfekten Zustand

Wir passieren den nächsten Parkplatz – prompt ist der Radweg (die Straße) wieder in erbärmlichem Zustand. In der Nähe ist ein Bootsverleih und eine Toilette.

Autos parken auf einem Schotterplatz am Waldrand. Eine Hinweistafel mit den Umrissen des Sees und der Verkehrswege ist aus Holz
In der Nähe des Bootsverleihs ist der Parkplatz mit Toilettenhäuschen und einer Hinweistafel zum See
Links ein Haus, darunter ein Kanal mit einem Steg. Dort werden Ruderboote verliehen
An diesem Haus werden die Ruderboote verliehen, um z.B. auf dem See zu angeln
Ein Holzhäuschen mit einer Tür mit einem Herzchen, eine Toilette
An jedem Parkplatz findet man eine Toilette, die hier am Busnieku-See ist sehr nett gestaltet

Kaum ist der Waldweg mit Pfosten für Autos gesperrt, ist er wieder ein wunderbar zu fahrender Radweg. Auch an diesem See wird eine Aussichtsplattform über einen Bohlenweg erreicht. Topp instandgehalten, der Zuweg ist gepflegt, Mülleimer überall in der Nähe. Ich bemerke nun immer öfter, wie sehr die Letten auf Sauberkeit im öffentlichen Raum achten.

Ein Bohlenweg führt zwischen Schilf zur Aussichtsplattform
Wieder ein perfekter Bohlensteg zur Aussichtsplattform am See
Auf einer Aussichtsplattform stehen zwei Fahrräder und sind Hinweistafeln
Die Infotafeln sind auf Lettisch und Englisch
Der Blick geht über die Schilfspitzen zum See
Blick über den See von der Aussichtsplattform, der Badeplatz ist etwa gegenüber

Vermutlich könnten wir von hier auch zum Badeplatz schwimmen, der See sieht so sauber und klar aus. Wir radeln lieber weiter. Wir umrunden die Nordspitze und kommen an einer Ferienhaussiedlung vorbei. Kleine Wiesenwege gehen immer wieder nach rechts zum See. Ein schöner Ort, um das Wochenende zu verbringen. Etwas später finde ich einen ungeheuer interessanten Pilz im Wald, kurz danach einen weiteren.

Ein aus Holz geschnitzter, weiß und rot angemalter, sehr hoher Fliegenpilz
Ein sehr großer Fliegenpilz im Wald
Ein aus Holz geschnitzter Steinpilz
Ein Steinpilz aus der Gattung Holzpilz

Bernhard ist schon weitergefahren und ich überhole einen etwa 8-jährigen Jungen, der unglücklich sein Fahrrad eher als Laufrad benutzt. Ich fahre langsamer und verstehe sein Problem. Anscheinend ist er gestürzt und sein Lenker hat sich verdreht. Ihm ist nichts passiert, aber er weiß nicht, wie er geradeaus fahren soll. Ich richte seinen Lenker, kann aber die Schraube nicht festziehen, da Bernhard am Fahrrad die Werkzeugtasche hat. Da bräuchte man mal einen Opa…. Aber da kommt er schon zurück geradelt, gleichzeitig mit dem Papa des Buben. Bernhard hat mich vermisst und der Papa seinen Sohn. Werkzeug hat der Papa keines – aber Bernhard kann den Lenker richten. Mit glücklichem Grinsen fährt der Junge davon. Wir verweilen an der Stelle, denn neben den Heidelbeeren sind auch die Preiselbeeren bereits am Reifen.

An einem Strauch sind blaue Heidelbeeren
Die Heidelbeeren hängen in großen Mengen im Wald. An den sich bereits rötlich färbenden Blättern ist zu erkennen, dass der Heidelbeerherbst nicht mehr weit ist
Preiselbeeren, beinahe reif, wachsen am Strauch
Die Preiselbeeren sind an sonnigen Stellen Anfang August schon beinahe reif

Wir passieren noch eine Frau, die Pfifferlinge sammelt. Große Stofftaschen hängen bereits voller Pilze an ihrem Lenker. Die Ware wird sie auf irgendeinem Markt verkaufen. Ja, um ein Zubrot zu verdienen ist jetzt die richtige Zeit. Der Wald bietet die Voraussetzungen dazu. Als wir am Parkplatz ankommen, ist der bereits überfüllt. Es ist Sonntag, nach 14 Uhr. Da kommen die Letten raus aus der Stadt, an den Strand, an die Badeseen und zu den interessanten Spots. Wir machen Platz für die Einheimischen, die mit ihren Kindern den Badesee genießen wollen. Er ist ja ideal für Kinder. Das Ufer geht allmählich in den See über und hat einen Sandstrand. Der See ist insgesamt sehr lange sehr flach und das Wasser hat wieder Trinkwasserqualität.

Sicherlich könnten wir auf diesem Parkplatz auch Übernachten. Nur, der Sonntag eignet sich nicht gut dafür, denn die Wochenenderholenden sind bis spät am Abend am Badeplatz, grillen, machen Picknick und genießen selbst den Abend. Ich möchte noch den Ventspils-Blogbeitrag schreiben, so machen wir und uns auf den Weg nach Norden. In Miķeļtornis wollen wir unser Quartier für die Nacht auf dem Campingplatz nehmen.

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Newsletter August 2020

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Hallo,
wir sind auf Tour. Unsere Ostseereise hat uns bisher an die deutsche Ostsee, nach Polen und Litauen und Lettland geführt. In Deutschland und Polen waren an der Ostsee so viele Urlauber unterwegs, dass wir lieber ins Landesinnere ausgewichen sind. Auch haben wir somit den Teil Russlands umfahren, der im Baltikum liegt.


Segeltörn auf der Wismarer Bucht

Ein Crewmitglied löst das Tau, mit dem das Focksegel bei Nichtgebrauch zusammengehalten wird
Das Focksegel wird gelöst, damit es aufgezogen werden kann

In Wismar haben wir uns kurzentschlossen für eine Fahrt auf einem Zweimastgaffelschoner, der Atalanta, angemeldet. Das Schiff wird von einem Verein und Ehrenamtlern, die Menschen von der traditionellen Seefahrt begeistern wollen, betrieben.


Stettin und Kolberg

In einem Gewölbekeller mit Kreuzrippengewölbe stehen die Braukessel in Gastraum
Der Keller ist unglaublich schön. Die Braukessel stehen direkt hinter der Theke

Nach einigen Tagen auf Usedom mit Fahrradtour, sind wir nach Polen eingereist. Wegen Corona dachten wir, dass es Kontrollen geben könnte, aber wir konnten uns im offenen Europa frei bewegen. Leider hatten wir für Stettin einen totalen Regentag erwischt. Trotz Schirm und Regenjacke machte die Stadtbesichtigung irgendwann keinen Spaß mehr. (Campingplatz Kolberg)


Polen Naturpark Slowinski

Links die stark wellige Ostsee, in der Mitte dick angezogene Menschen und rechts Dünen
Der Wind ist arktisch kalt und alle Menschen dick eingemummelt

Im Polnischen Naturpark Slowinski an der Ostseeküste waren wir mit dem Rad unterwegs und haben die Aussicht von einem Leuchtturm genossen. (Campingplatz Smolzinski Las)


Litauen – Dusia See

Menschen gehen im flachen Seewasser in der Abendsonne spazieren
Wasserwandern mal anders interpretiert

Nach unserer Einreise nach Litauen haben wir einige Tage am Dusia See verbracht. Mit Radfahren, den See genießen, der Trinkwasserqualität hat, und Flammkuchen in unserem Grill backen. (Campingplatz Dusia-See) Tipps für Litauen


Kaunas und Kurische Nehrung

Kaunas

Der Ritter in der Detailansicht auf seinem Pferd
Nahansicht des Ritters Kanklininkas auf seinem Pferd

Kaunas haben wir mit dem Rad erobert. Leider am Montag, als alle Museen geschlossen hatten. Wir sind an dem sonnigen Tag bis zum Kaunas-Meer, einem Stausee geradelt. Den Ritter Kanklininkas haben wir jedoch an der Burg getroffen. (Campingplatz Kaunas)

Kurische Nehrung

Die Bloggerin und ihr Mann stehen im Sand der Toten Düne, im Hintergrund die Ostsee
Wir haben das Foto an südafrikanische Freunde geschickt und behauptet, wir wären in Namibia… Im Hintergrund die Ostsee

Von Klaipėda sind wir mit dem Schiff Benas zur Kurischen Nehrung gefahren, die Fahrräder auf dem Dach des Schiffs! Trotz 90% Regenwahrscheinlichkeit sind wir bei schönstem Sonnenschein über den litauischen Teil der Halbinsel geradelt. (Campingplatz Klaipėda)


Am Ostseestrand in Lettland

Naturpark Pape

Ein Radfahrer hebt ein Fahrrad über einen umgestürzten Baum
Das war der letzte von unzähligen Bäumen, über den wir die Fahrräder heben mussten

Gleich hinter der Lettischen Grenze liegt an der Ostsee der Naturpark Pape. Er ist wegen des Papesees, einem Sumpfgebiet mit See, entstanden. Wir wollten eine Fahrradtour rundherum machen, stießen aber an unsere Grenzen und die unserer Fahrräder. Da der Campingplatz direkt hinter einer Düne liegt, war der Weg ins Wasser nicht weit. (Pape Campingplatz)

Steilküste bei Jūrkalne

Rechts über der Ostsee der Widerschein des Sonnenuntergangs, links dicke Regenwolken über der Steilküste
Das Gewitter kommt über die Steilküste schnell näher, der Sonnenuntergang fällt ins Wasser

An der Steilküste bei Jūrkalne haben wir – bis auf Schnee – alle Wetterlagen erlebt, in nur zwei Tagen. Wie unterschiedlich die Ostsee sein kann, schäumend bei Sturm und glatt wie ein Spiegel. Während des Gewitters hatten wir eine „Fahrradfamilie“ aus Erfurt im Wohnmobil zu Gast. Das war ein schöner Abend! (Campingplatz Jūrkalne)


Außerdem waren wir in Liepāja, einer Küstenstadt, die die Zeit als sowjetische Militärstadt noch nicht ganz weggesteckt hat, und in Aizpute und Kuldiga, netten Städtchen etwas im Landesinneren. Wobei Kuldiga mit zwei Superlativen aufwartet!


Vīna Darītava Mārtiņš Sants

Der Fruchtweinhersteller Mārtiņš Sants sitzt am Tisch seiner Probierstube. Im Hintergrund die Regale mit Fruchtwein
Mārtiņš Sants sitzt entspannt für ein Foto in seiner Probierstube

In Aizpute haben wir den Jungen Fruchtweinwinzer Mārtiņš Sants besucht und eine informative und lustige Zeit verbracht. Natürlich sind in unserem Wohnmobilkeller auch einige seiner Erzeugnisse eingelagert.


Alle Fahrradtouren, die ich in Komoot aufgezeichnet habe, findest Du in meinem Komoot-Account.

Wohnmobilstell- und Campingplätze

Ein Wohnmobil steht auf einer Wiese, die Markise ist ausgefahren. Ein Fahrrad steht davor, im Hintergrund ist die Ostsee unterhalb der Wiese zu sehen
Unser Platz auf „Kemping Zaki“ ist windgeschützt mit Blick aufs Meer

Die von uns im Juli genutzten Wohnmobilstellplätze und Campingplätze habe ich unter Praktisches, Wohnmobilstellplätze beschrieben.

Vorschau August 2020

Wir haben den Übergang in den August in Ventspils verbracht. Ein wunderschönes Küstenstädtchen in Lettland, etwas unterhalb des Kap Kolka, dem nördlichsten Punkt im Westen Lettlands, bevor die Rigaer Bucht sich im Osten öffnet. Wir bleiben an der Ostseeküste, mit kleinen Abstechern ins Inland bis wir in Estland an die Russische Grenze stoßen. Der Rückweg wird durch die Baltischen Staaten im Inland führen, einen Plan dafür gibt es aber noch nicht.

Wir haben das Glück, dass in den Baltischen Staaten wenige Menschen leben und wir viel in der Natur sind. Es gibt wegen des Corona-Virus Vorsichtsmaßnahmen, aber keine Maskenpflicht. Wir bemühen uns, uns von Menschenansammlungen fern zu halten und halten sowieso Abstand.

Auf Reisepunsch.de stelle ich meine Beiträge online, wenn Internetverbindung möglich ist. Tagesaktuell informiert bist Du auf meinem Instagram-Account.

Ich wünsche Dir nun viel Spaß beim Schmökern und Stöbern auf Reisepunsch.de. Bleib gesund und genieße Dein Leben,

Lebenswerte Stadt Ventspils

Lebenswerte Stadt Ventspils

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

An der Mündung des Flusses Venta liegt die Stadt Ventspils. In den Jahren nach der Unabhängigkeit hat diese großzügige Parkanlagen geschaffen. Kunst und Kultur wird ebenso gefördert, wie die Ansiedlung innovativer Unternehmen. Freizeit- und Sportanlagen und Spielmöglichkeiten für Kinder wechseln sich in großer Anzahl ab.

Ventspils

Der Name Ventspils hört sich für deutsche Ohren – hauptsächlich, wenn deutsche Zungen ihn aussprechen – komisch an. Aber er bedeutet wohl nur: „Mündung der Venta“. Ich persönlich war von dieser Stadt ungeheuer begeistert. Sie ist sehr großzügig und weitläufig angelegt. Breite Straßen, sehr oft mit ebenen Fahrradwegen und breiten Gehwegen. Sehr viele innerstädtische Parks, alle gepflegt, mit bunten Blumenarrangements, Springbrunnen, Kunstwerken und Blumenskulpturen. Künstliche Wasserläufe, ein großer Stadtpark südlich der Stadt und überall Anlagen für Kinder zum Spielen. Hier mal ein Spielplatz, da unvermittelt paar Trampoline, dort eine Skulptur, die zum Klettern animiert und sogar eine ganzer Park nur für Kinder, Kinderstädtchen genannt. Egal wo wir hinschauten, kein Müll, keine „verwahrloste“ öffentliche Ecke – alles immer ein angenehmer Anblick.

Auch in dieser Stadt sind noch einige alte Häuser zu restaurieren, aber der überwiegende Teil ist bereits instand gesetzt. Ventspils hat eine andere Vergangenheit, als die vom sowjetischen Militär besetzte Stadt Liepāja. Hier in Ventspils konnten die Letten anscheinend mehr ihr Leben gestalten. Die Stadtoberen haben es sich in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht, die Stadt attraktiv für junge Leute zu machen. Sie wirbt dafür, sich mit innovativen Unternehmen in der Stadt niederzulassen und bietet dafür Lebensqualität. Um Dir diese Stadt in allen Details zu beschreiben, alle Besonderheiten zu erklären, müsste ich selbst mehrere Wochen dort geblieben sein – oder sogar dorthin umziehen. Lohnen würde es sich auf jeden Fall.

Kühe in Ventspils

Auf dem Campingplatz hinter der Rezeption steht die erste Kuh der „Kuhparade“ die wir von nahem in Ventspils sehen. 2002 und 2012 wurden Kunst- und Förderprojekte zum Thema „Kuh“ durchgeführt. Als Ergebnis finden sich 27 verschiedene Kühe im Stadtbild.

Eine Kunststoffkuh ist in der Leibmitte auseinandergeschnitten und am Bauch so verlängert, dass Blumen eingepflanzt werden können
Wer sagt denn, dass es nur Stretch-Limousinen geben kann?

Nachdem wir unser Wohnmobil auf dem Campingplatz abgestellt haben, wollen wir kurz die Stadt erkunden. Wir fahren den Hinterausgang des Campingplatzes hinaus und sind gleich im ersten Park. Die Besonderheit hier sind die Anker, die im ganzen Park verteilt sind.

Ein großer Anker mit Kette ist auf einer Grasfläche ausgestellt
Im Strandpark ist eine Anker“ausstellung“ untergebracht, das ist einer der Kleineren

Außerdem gibt es ab dem Küstenfreilichtmuseum direkt neben dem Campingplatz, eine Schmalspurbahn, die entweder durch den Stadtpark oder bis zum Freizeitpark beim Skihügel – ja richtig gelesen, beim Skihügel fährt. Der ist künstlich aufgeschüttet und bietet im Winter eine 100 m Abfahrt an, mit Schlepplift, Skilehrern usw. Wir aber radeln weiter und kommen an einem Seerosenteich vorbei, mit verschiedenfarbigen Seerosen.

Ein Teich mit Seerosen mit weißen, violetten und gelben Seerosen
Trotz Wind und Regen schauen einige Blüten der Seerosen

Zum Strand geht es, wie wir das mittlerweile von Lettland kennen, über eine hölzernen Bohlensteg. Heute ist er mit viele Sand bedeckt, der durch den starken Wind verweht wird.

An einem Strand mit schäumendem Meer steht die Bloggerin von Reisepunsch.de mit ihrem Fahrrad
Heute kann ich mal meine Regenjacke ausführen und versuchen, am Strand zu radeln. Fahrradständer am Strand sind in Lettland obligatorisch

Selbst die Strandschaukel ist vom Sand belagert und bald eingeweht.

Eine hölzerne Hollywoodschaukel steht vor Dünen
Welch ein schöner Platz bei weniger Wind und Regen

Erst im letzten Jahr wurde auf einer Plattform auf den Dünen ein Umriss von Lettland als neuestes Kunstwerk aufgestellt.

Die Umrisse von Lettland sind am Strand auf einer Plattform in Stahl gefasst
Die Umrisse von Lettland vor der stürmischen Ostsee

Wir radeln hinter den Dünen weiter Richtung Hafen, an dem wir von einer Kuh begrüßt werden. Die hats praktisch beim Reisen, ist sie doch selbst ein Koffer.

Eine Kuhskulptur die mit Aufklebern und einem Koffergriff am Rücken wie ein Reisekoffer erscheint
Die Reise- oder Kofferkuh steht am Hafen von Ventspils

Die künstlerische Weiterverwertung von ausrangierten Bojen finden wir noch an weiteren Orten. Hier in Ventspils sind die Bojen am Hafen aufgestellt.

Am Hafenkai stehen die verschiedensten Bojen aufgereiht
Bojenversammlung am Hafen

Es wird immer ungemütlicher und wir fahren zurück zum Campingplatz. Ich muss trotz Regen aber doch noch stehenbleiben, um die heutige (31.07.2020) Temperatur zu dokumentieren.

Ein Thermometer unter einer Uhr zeigt eine Temperatur von 16,9°
In der Pfalz sind es weit über 30° – wir haben das richtige Reiseziel gewählt – obwohl, über 20° dürfte es schon sein!

Den Rest des Tages und den nächsten Tag arbeite ich an Blogartikel und bleibe auf dem Campingplatz. Die Sonne scheint und Bernhard macht Besorgungen.

Einkaufen und Kultur

Bernhard ist fest entschlossen einen Teil des Tages am Strand zu verbringen. Vielleicht findet er ja doch Bernstein? Ich bin erstaunt, dass er bereits nach zwei Stunden zurück kommt.

Die Sonne scheint, das Meer ist noch sehr unruhig und am Strand wenige MenschenDie Sonne scheint, das Meer ist noch sehr unruhig und am Strand wenige Menschen
Der Sonnenschein trügt, denn es geht noch ein kühler Wind. Mal wieder ist der Strand in Lettland wenig besucht

Er macht mit dem Fahrrad eine Einkaufstour in die Stadt und entdeckt weitere Hingucker für die Bürger in einem Park.

Ein Fantasietier auf zwei Beinen mit Elefantenrüsseln und Kugeln davor
Fast könnte man einen Ottifanten sehen… ein wieder anderer Park mit Kunstwerken und schönen Blumenarrangements
Aus kleinen Erhebungen in einem Brunnenbecken sprüht Wassernebel
In diesem Park ist auch dieser Brunnen, der den Namen Sonnenboote trägt. Im Wassernebel fällt die Bootsform der einzelnen Elemente nicht so gut auf

Außer dem Einkauf auf dem Markt in der Nähe des Rathausplatzes hat Bernhard für uns Konzertkarten für den morgigen Samstagabend gekauft. Die Konzerthalle in Ventspils ist nach nur zwei Jahren Bauzeit im Sommer 2019 eröffnet worden. Sie hat das weltweit größte senkrechte Konzertklavier, mit einer Höhe von 4,7 m. Die wurde von dem Deutsch-Letten David Klavins erdacht und gebaut. Die manuelle Konzertorgel mit 3500 Orgelpfeifen ist von der deutschen Orgelbaufirma „Johann Klais Orgelbau GmbH & Co. KG“ erbaut worden. Ein besonderes Haus mit besonderen Musikinstrumenten, ich bin sehr gespannt.

Eine Konzertkarte für ein Konzert in der Konzerthalle in Ventspils
Bernhard hat uns zwei Karten für ein Klavierkonzert gekauft

Lebensqualität am Strand

Der Samstag ist ein wunderschöner Sommertag. Es ist sogar warm, denn der Wind ist endlich weg. So gehen wir bereits vor dem Frühstück an die Ostsee zum Schwimmen. Vorbei an der Ankerparade im Park, über die Gleise der Schmalspurbahn, am Seerosenteich vorbei und über den langen Bohlenweg zum Strand. Am Beginn des Bohlenwegs fährt gerade ein städtischer Mitarbeiter weg. Auf einem Bobcat mit Besenrolle davor und im hinteren Korb Schaufeln und kleine Besen. Er hat den Bohlenweg vom Sand freigeschippt und mit der Maschine gekehrt. Er ist nun auf dem Weg zum nächsten Weg. Das macht so eine „aufgeräumte“ Stadt aus.

Ein Sandstrand mit kleinen Kieselsteinen bedeckt, links Dünen, rechts die Ostsee
So leer war der Strand um 9 Uhr morgens – aber den ganzen Tag über bleibt die Menge der Menschen überschaubar
Eine Frau geht ins Meer zum Schwimmen
Ein erfrischendes Bad am Morgen – der Wind hat etwas nachgelassen und es ist gefühlt wärmer als 20°

Unser Bad haben wir am Hundefreien Strand genommen. Es gibt noch einen Textilfreien Strand, vermutlich auch einen Frauenstrand – immer sauber und gepflegt. Alle ca. 200 m führen Bohlenwege über die Dünen zum Strand. Dort sind immer einfache Umkleidekabinen und Fahrradständer. Hinter der ersten Düne sind meist Sportfelder angelegt, Volleyball oder Badmington, so dass die Spielfelder etwas außerhalb des Windes liegen. Das Strandkonzept ist sehr Besucherfreundlich erstellt.

Lebensqualität in der Stadt

Nach dem Frühstück machen wir eine gemütliche Fahrradtour in die Stadt. Ich möchte noch ein wenig entdecken und auf den Samstagsmarkt wollen wir auch. Gleich in der Nähe des Campingplatzes entdecken wir einen Park.

Eine Tafel am Eingang des Parks erklärt die Spielgeräte und ab welchem Alter sie genutzt werden können
Ein Park nur für Kinder – ungeheuer abwechslungsreich

Der Park „Bērnu pilsētiņa“ „Kinderstädtchen“ begeistert uns sehr. Wir sind mittlerweile Großeltern und wieder an Kinderdingen interessiert. Hauptsächlich an Kinderunterhaltungsdingen, die Kinder herausfordern, sie ihre Grenzen suchen lassen und ihre Motorik stärken. Im Park gibt es die unterschiedlichsten Klettergerüste und Netze, Balanciergerätschaften, Trampoline, Rutschen und so weiter. Natürlich sind in dem Park auch einige Dinge, die Geld kosten, wie z.B. die Elektroautos, mit denen die Kinder in einem „Motodrom“ herumfahren können. Oder diese Reittiere, die absolut tiergerecht sind.

Plüschtiere stehen in einer Reihe, auf denen geritten werden kann
Mit einer hüpfenden (reitenden) Bewegung werden die Reittiere bewegt
Ein Blumenarrangement ergibt drei bunte Enten
Im Park „Bērnu pilsētiņa“ steht das Blumenarrangement mit den drei Entchen

Bei der Weiterfahrt kommen wir von der anderen Seite an der Temperaturanzeige vorbei. Das Bild unterscheidet sich nicht nur in Uhrzeit und der Temperatur, sondern auch in der Farbgestaltung, da die Sonne scheint.

Unter einer Uhr ist eine Temperaturanzeige, die 21,4° anzeigt
Die Temperatur ist zwar nur 5° wärmer als vorgestern, aber der Wind ist weg und die Sonne scheint, so erscheint es viel wärmer

Wir radeln weiter, bis die ersten Stände beginnen und schließen unsere Räder an einem Halteverbotsschild an.

Eine Skulptur, ein Tintenfass mit zwei Federkielen
Das überdimensionierte Tintenfass steht sinnigerweise vor der Hauptbibliothek

An der Bibliothek geht das samstägliche Markttreiben los. Erstmals in Lettland überlegen wir, ob wir unsere Masken aufsetzen sollen. Anfänglich drängen wir uns in einer Menschenmenge durch die erste Standgasse, bevor der Markt sich öffnet. Auf dem Markt gibt es alles, was Mensch für sein Leben und sein Zuhause benötigen könnte. Wir sind hauptsächlich an Nahrung interessiert. An einem Buchstand mit Landkarten und Reiseführern finde ich aber endlich das, was ich seit der Einreise ins Baltikum in Litauen suche. Eine Landkarte – in Buchform – für alle Baltischen Staaten mit dem Maßstab 1:200.000. Die kaufen wir sofort. Heidelbeeren und Pfifferlinge hat Bernhard gestern bereits gekauft, die Stände schauen wir nur an.

Die Heidelbeeren sind sehr groß, als Vergleich dient ein Finger
Der Finger ist als Vergleich für die Größe der Heidelbeeren gedacht
Dosen mit Heidelbeeren und Berge von Pfifferlingen warten am Marktstand auf den Verkauf
Tiefdunkles Blau und leuchtendes Orangegelb beherrschen eine ganze Marktstraße
Pfifferlinge in der Sonne und im Schatten mit den Verkaufspreisen
Da es solche Unmengen von Pfifferlingen zu geben scheint, sind die Preise sensationell

Schon auf dem Platz, wo unsere Fahrräder parken, war eine Bühne aufgebaut, hier auf dem Marktplatz ist die nächste. Eine Bank intoniert schöne jazzige Musik, die Sängerin singt einen internationalen Text, der nur aus zweibuchstabigen Lauten besteht.

Eine Band (Gitarrist, Keyboarder, Drummer und Sängerin) steht auf einer BühneEine Band (Gitarrist, Keyboarder, Drummer und Sängerin) steht auf einer Bühne
Es ist Stadtfest zum 730. Geburtstag von Ventspils. Auch auf dem Markplatz tritt eine Band auf

Am Rande des Marktplatzes sind die Cateringstände aufgebaut. Sie unterscheiden sich im Angebot von den in Deutschland. Eine finde ich besonders ansprechend, kann sie aber, so kurz nach dem Frühstück, noch nicht versuchen.

Eine in Ringen aufgeschnittene Kartoffel steckt auf einem lange Schaschlikspieß Sie wird vor dem Verzehr über dem Feuer gegart
Diese Kartoffelspezialität wird überall angeboten

Ich entdecke ein kleines Detail am Marktbrunnen, der einfach Trinkwasser spendet und keinen Hinweis trägt, dass man es nicht trinken könnte.

Ein kleiner Tierkopf am Marktbrunnen lässt das Wasser aus seinem Maul fließen
Der Hebel am Tierkopf wird bewegt, wenn jemand Wasser am dem Marktbrunnen trinken möchte

Auch an der Kirche am Rathausplatz entdecke ich eine interessante Tafel.

Eine Gedenktafel mit der Aufschrift “ Gott und dem Kaiser gewidmet 1835“
Diese Gedenktafel hängt an der Kirche am Rathausplatz

Wir machen nun eine weitere Runde um die Stadt. Die Radwege sind toll angelegt und markiert, und wenn der Radweg aufhört ist der Fußweg so breit, das alle Platz haben. Andererseits ist wenig Fahrzeugverkehr, so dass das Fahren auf der Straße auch kein Sicherheitsrisiko darstellt. Weit hinter dem Hafen, in der Nähe der Brücke über den Fluss Venta, entdecken wir wieder eine Kuh.

Kreisförmige Blumenrabatten innerhalb gemähten Rasens, im Hintergrund eine Kuh, die aus Blumenpflanzen gestaltet ist
Überall gepflegte Parkanlagen mit wunderschönen, bunten Blumenrabatten – hier sogar mit einer Blumenkuh

In Reņķa dārzs – in Renkis Garten

Wir radeln auf dem Radweg weiter, an einem Flüsschen entlang, dass sich Vidumupite nennt.

In einem kleinen See ist eine Fontäne
Diese Fontäne steigt in einem kleinen See auf

Schon nach kurzer Zeit kommen wir in Reņķa dārzs oder Renkis Garten an. Hier findet ein weiterer Teil des Stadtfestes statt. Eine andere Band tritt auf. Begrüßt werden wir im Park wieder von Kühen – diesmal ganz anderen.

Felsbrocken wurden mit bronzenen Kuhgesichtern mit Hörner versehen und wirken wie eine liegende Kuhherde
Überall Kühe – die aus Felsbrocken finde ich besonders interessant

Der ganze Park steht wieder voll mit interessanter Skulpturen und Kunstwerke. Ich bin ganz angetan von dieser Vielfalt an Kunst.

Ein sehr großes hölzernes Buch hat einige Buchstaben eingeschnitzt, dahinter aus Holz gearbeitete riesige Stadtschlüssel
Die Stadtschlüssel und die Geschichte oder Verfassung der Stadt, im Goldenen Buch
Eine Skulptur eines kaputten Wanderschuhs, auf der Kinder klettern
Der Wanderschuh hat manche Anstrengung geschafft, so wie ihm die Zunge heraushängt. Für Kinder eine weitere Klettermöglichkeit
Eine große Hutskulptur eines blauen Hutes steht in einem Park
Ein großer Wanderhut wird gerade mal nicht von Kindern beklettert
Felsbrocken haben aus Armiereisen Stahlfüße erhalten und rundgedrehte Hörner und sollen Schafe darstellenFelsbrocken haben aus Armiereisen Stahlfüße erhalten und rundgedrehte Hörner und sollen Schafe darstellen
Eine Schafherde aus Steinbrocken steht an einer anderen Stelle des Parks

Wir radeln zurück, denn die Pfifferlinge, die Bernhard gestern gekauft hat, essen wir heute zum verspäteten Mittagessen, bevor wir ins Konzert gehen. Beim Kochen und Essen haben wir lettische Musik zur Unterhaltung, denn auf der Bühne des Museums hinter dem Campingplatz spielen lettische Musiker traditionellere Musik.

Konzertsaal Latvija – Koncertzāle Latvija

Wir radeln zum Konzerthaus, denn wir wollen danach noch etwas durch die Stadt schauen und den Abend beim Stadtfest genießen. Allein das Gebäude ist ein architektonisches Schmuckstück. Neben dem Gebäude sitzt Publikum auf Stühlen und auf der ansteigenden Wiese – aber wir wollen zum Konzert in den Konzertsaal.

Das Konzerthaus ist ein Flachdach Gebäude zum Teil mit Glasfassade
Das Konzerthaus in Ventspils – im Glas spiegeln sich die Gäste des Open-Air-Konzerts

Auch hier gibt es Coronavorschriften. Es bleibt jede 2. Reihe frei, und immer zwei bis drei Plätze zwischen den Zuhörern. Außerdem müssen wir uns mit Name und Telefonnummer in eine Liste eintragen und mit Reihe und Platznummer – so dauert es länger, bis das zugelassene Publikum im Saal sitzt. Wir haben unsere Plätze in der ersten Reihe ganz rechts. Zum Fotografieren ist der Platz ausgezeichnet. Ich versuche, das Klavier zu verstehen.  

Auf einer Empore sind die Klavierhämmer des höchsten vertikalen Klaviers
Das Bild ist leider unscharf. Das sind die Klavierhämmerchen des vertikalen Klaviers
Ein rechteckiger Kasten, der Klangkörper des Klaviers, hängt von der Empore hinab
Der Klangkörper des Klaviers hängt unter der Empore – die Bassseiten sind deutlich zu erkennen
Hinter einer hölzernen Deckenverkleidung schauen Orgelpfeifen hervor
Die Leinwand, auf der wir später das Klavierkonzert anschauen können, verdeckt leider die Orgelpfeifen

Auf einem Foto erkenne ich später, dass oberhalb der Bühne noch ein Empore für zum Beispiel einen Chor ist, aber leider verdeckt die Leinwand diesen Bühnenteil ebenso, wie die Orgel. Die Deckenverkleidung ist ebenfalls geschmackvoll, später spiegelt sich sogar ein Teil des auf die Leinwand projizierten darin.

Hölzerne Bauteile sind als Deckenverkleidung aufgehängt
Ich vermute, dass die hölzerne Decken- und Wandverkleidung positiven Einfluss auf die Akustik hat

Die Türen schließen sich und ich mache noch ein Bild vom Eingang Richtung Bühne.

Die Publikumsreihen im Konzerthaus sind wegen Corona ausgedünnt
Das Publikum sitzt Coronabedingt weit auseinander. Hinten links die Gesamtheit des vertikalen Klaviers

Die Künstlerin klettert über eine steile Treppe zur Empore mit der Klaviertastatur. Drei Kameras übertragen das Bild von der Pianistin am Klavier auf eine Leinwand.

Auf der Leinwand verfolgt das Publikum das Spiel der Pianistin und das Schlagen der Hämmer auf die Saiten
Das Klavierspiel von Hania Rani wird auf die Leinwand übertragen. Wann kann ein Zuschauer einer Pianistin so auf die Finger schauen?

Nach einigen Stücken erzählt die Künstlerin von sich und beginnt mit dem Satz: „Ich weiß gar nicht wohin ich schauen muss, denn ich kann das Publikum von hier aus nicht sehen. Ich war noch nie so hoch über einem Zuschauerraum, ich weiß gar nicht, ob jemand da ist.“ Sie spricht englisch und nach der Übersetzung ins Lettisch braust Beifall auf, der ihr mitteilt, das Publikum da ist.  Und immerhin sitzt sie 10 m über dem Publikum, schätze ich.

Auf der Klavierempore spielt die Pianistin, während das Publikum auf der Leinwand zuschaut
So können wir das Konzert verfolgen. Links auf der Empore sitzt die Pianistin Hania Rani, rechts auf der Leinwand können wir das Spiel genau verfolgen

Wir sind von der Künstlerin, dem Instrument und dem Konzerthaus sehr begeistert, als wir hinaus ins Freie treten. Swingklänge empfangen uns und wir schauen uns um, wo die Musik herkommt. Wir stellen fest, dass sich die rechte Außenwand des Konzerthauses für Open-Air-Konzerte öffnen lässt. (Zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Foto dieser Konzerthausreihe gemacht). So gehen wir gar nicht viel weiter, als bis zur Wiese und hören nun anderer Musik zu.

Auf der Open-Air-Bühne steht ein Orchester, davor sitzen auf Stühlen und auf der Wiese die Zuschauer
Ein Orchester unterhält die Gäste auf der Open-Air-Bühne mit Swing. Hinter der Bestuhlung steigt eine Rasenfläche steil hinauf auf dem weiteres Publikum sitzt. Ich stehe zum Fotografieren auf dem höchsten Punkt

Leider ist das Konzert kurz danach zu Ende und wir flanieren über den wunderschönen Platz vor der Konzerthalle. Uns begegnet der Name „Windau“ hier zum Zweiten mal. Du erinnerst Dich? Genau! Der Herzog mit der Herzogschaft Windau, dessen Denkmal in Kuldiga in rostigem Eisen und in Alu gegossen wurde. Er gründete Kolonien in Gambia und Tobago und dorthin kam man im 17. Jahrhundert nur per Schiff. Die Fregatte “Wallfisch” aus Windau lief 1644 aus, der Springbrunnen „Valzivs“ (der Lettische Namen für Wallfisch) wurde in Ventspils 2016 aufgebaut.

Wie die Masten eines Segelschiff ist der Springbrunnen vor der Konzerthalle gestaltet
Der Springbrunnen Valzivs in der Abendsonne
Rund um den Springbrunnen sind Blumenarrangements mit Buchs kombiniert
Der in Rautenform gepflanzte Buchs wird von der Abendsonne angestrahlt und leuchtet mit den gelben Blumen um die Wette

Ich verspeise nun an einem Stand so eine Kartoffelspirale, sie schmeckt wie ein Zwitter zwischen Pommes und Kartoffelchips und ist an diesem Stand leider etwas zu wenig gewürzt.

Sundowner in Ventspils

Wir haben genug Kultur genossen und sehnen uns nach Ruhe. Die haben wir allerdings am Campingplatz nicht, denn auf der Museumsbühne ist ebenfalls Musik. So machen wir uns auf zum Strand mit zwei Stühlen und unserer kleinen Kühltasche mit Wein. Der Strand ist wieder fast menschenleer – das ist aber nicht nur dem Stadtfest geschuldet. Ich denke, jedem in Lettland lebenden Einwohner stehen ca. 27 cm persönlicher Strand zu, wenn alle gleichzeitig zum Strand gingen. Die lettische Küste ist mit der Rigaer Bucht 530 km lang und Lettland hat 1,92 Millionen Einwohnern, da kann der Strand gar nicht voll werden!

Die Bloggerin von Reisepunsch.de sitzt am Strand mit einem Glas Muskateller und schaut dem Sonnenuntergang zu
Ein Glas Muskateller vom (Achtung Werbung) Weingut Sohn in Frankweiler in der Pfalz und ein Sonnenuntergang über dem Meer – so einfach kann Glück sein

Der Himmel führt das Kulturprogramm weiter, jetzt ist gestaltende Kunst dran. Der Himmelsmaler packt sein volles abendliches Farbspektrum aus.

Die Sonne scheint die Wolken in verschiedenen Orangefarben an
Der Himmel veranstaltet ein Wolkenspektakel und die Sonne strahlt es an
Eine Wolke wirkt wie die zündenden Raketen eines Feuerwerks
Diese „Raketenwolken“ finde ich total interessant – sie geben einen Vorgeschmack auf das Feuerwerk
Ein Fährschiff rechts wird von der untergehenden Sonne auf dem Meer angestrahlt
Die Stenaline läuft vor Sonnenuntergang aus. Sie fährt von Ventspils nach Nynäshamn in Schweden oder nach Rostock oder Travemünde
Die Sonne schiebt sich unter eine Wolke hindurch ins Meer
Die Sonne schaut noch kurz hinter der Wolke hervor, bevor sie ins Meer versinkt

Wir verabschieden uns für heute von der Ostsee und gehen über die Düne zurück. Auf dem höchsten Punkt entdecken wir den Mond, der über dem Wald aufsteigt.

Der Mond geht über einem Wald auf
Die Sonne ist untergegangen, der Vollmond geht auf, im Osten über einem Wald

Noch ist Musik auf der Bühne nebenan, aber ohne Menschentrubel um uns herum genießen wir diese im Wohnmobil noch bis zum Ende. Das wird durch laute Knallerei markiert, denn zum Abschluss gibt es irgendwo in der Stadt ein Feuerwerk.

Ein Feuerwerk ist über Bäumen zu sehen, im Vordergrund die Miethütten des Campingplatzes
Wir können das Feuerwerk besser hören als sehen

Für mich ist Ventspils eine ungeheuer lebenswerte und liebenswerte Stadt. Ich habe mich als Gast sehr wertgeschätzt gefühlt und ich denke, dass es den 38.000 Bürgern ebenso geht. Einen mehrere Tage dauernden Besuch kann ich nur empfehlen. Allein, um alle Kühe und Blumenskulpturen zu entdecken.

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