Newsletter Oktober 2020

Newsletter Oktober 2020

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Hallo,
leider verlief unsere Baltikumreise im Abschluss nicht so, wie wir es geplant hatten. Anfang September bekam ich ein Augenproblem, Bernhards Knöchel schmerzte ungemein und so beschlossen wir, auf geradem Weg schnellstmöglich nach Hause zu fahren.

Nach Ankommen zuhause und einigen Arztbesuchen habe ich die schönen Septembersommertage für den Beginn einer Fernwanderung genutzt. Ich habe drei Etappen des Nibelungensteigs gewandert, von Zwingenberg nach Erbach-Bullau.

Über einen kleinen Teil geht der Blick über sanfte Hügel bis zum Melibokus
Vom Hofgut Hohenstein geht der Blick zurück zum Melibokus

Nibelungensteig 1. Etappe

Nach Anreise mit Bus und Bahn bin ich von Zwingenberg bis nach Schlierbach, unterhalb von Lindenfels gewandert. Der Odenwald zeigte sich von seiner schönsten Seite, eine tolle Wanderung. Doch lies selbst.


Der Blick geht aus einem Wald über die Stadt Lindenfels mit Stadtturm und Burganlage
Vom Insektenpfad aus habe ich einen schönen Blick zurück nach Lindenfels und nach Osten

Nibelungensteig 2. Etappe

Der zweite Nibelungentag war zwar weniger weit, aber dennoch anstrengend. Ich habe die Höhenmeter im Odenwald unterschätzt. Viel Spaß beim Lesen des Blogbeitrags.


Mit 10 aus Ziegelsteinen erbauten Bögen überspannt das Himbächel Viadukt das Tal
Mit 10 aus Ziegelsteinen erbauten Bögen überspannt das Himbächel Viadukt das Tal

Nibelungensteig 3. Etappe

Am dritten Wandertag habe ich mir per Post meine Trekkingausrüstung nach Hause geschickt, denn meine Kondition und das Rucksackgewicht passen nicht zusammen. Trotzdem war das der vorläufig letzte Wandertag auf dem Nibelungensteig. Aber im Oktober setze ich die Wanderung fort. Weiterlesen…


Der langgezogene Untersberg ist bis zur Hälfte herunter beschneit
So schön der Untersberg an diesem Sonntag auch aussieht, eine Überschreitung ist mir bei diesen Verhältnissen zu gefährlich

Stadtwandern in Salzburg

Ende des Monats waren wir mal wieder in Salzburg zu Familien- und Freundesbesuchen. Während des Besuches wollte ich eigentlich die Untersbergüberschreitung machen. Da aber am Tag vor meiner Wanderung der Untersberg in Septemberschnee versank, erschien mir die Tour zu gefährlich. So habe ich Stadtwanderung gemacht, von denen eine bereits online steht. Hellbrunn war mein Ziel.


Alle Fahrradtouren und Wanderungen, die ich in Komoot aufgezeichnet habe, findest Du in meinem Komoot-Account.

Auf meinem YouTube Kanal stelle ich immer wieder mal neue Videos ein, viel Spaß beim Schauen!


Tisch und Sessel stehen am See, ein Grill neben dem Wohnmobil
Bereit zum Abendessen an einem wunderschönen Platz

Wohnmobil- und Campingplätze

Die von uns genutzten Wohnmobilstellplätze und Campingplätze habe ich unter Praktisches, Wohnmobilstellplätze beschrieben.


Oktober 2020

Im Oktober plane ich private Besuche in der Nähe von Hannover. Eventuell ergibt sich die Aufzeichnung einer Wanderung dabei. Dann möchte ich die restlichen Etappen auf dem Nibelungensteig wandern. Mit besserer Kondition 😊 Vielleicht sind auch noch einige Ausflüge in der Pfalz drin?

Auf Reisepunsch.de stelle ich meine Beiträge online, wenn Internetverbindung möglich ist. Tagesaktuell informiert bist Du auf meinem Instagram-Account.

Ich wünsche Dir nun viel Spaß beim Schmökern und Stöbern auf Reisepunsch.de.

Bleib gesund und genieße Dein Leben.

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Stadtwanderung nach Hellbrunn

Stadtwanderung nach Hellbrunn

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Salzburg verleitet nicht nur zu einem Kulturbesuch, sondern auch zum Wandern. Salzburg liegt im Grünen, an der Salzach und zwischen Bergen. Die Wanderung beginnt direkt in der Altstadt. Bereits kurze Wege führen in Anwohnerstraßen, in Parks, Randbezirke, über Wiesen und Felder. Oder bergauf durch Wald mit schönen Stadtansichten oder Aussichten in die umliegende Gebirgswelt.

Planänderung

Eigentlich habe ich während meines Salzburgbesuchs im September eine Überschreitung des Untersberg geplant. Drei Tage wollte ich mir Zeit lassen. Montag Aufstieg über den Dopplersteig zum Zeppezauerhaus, Dienstag die Überschreitung mit einigen Gipfeln zum Stöhrhaus und Mittwoch Abstieg nach Bischofswiesen oder Berchtesgaden und Rückfahrt nach Salzburg. Bereits bei unserer Anreise Donnerstags regnet es und es bleibt zwei weitere Tage regnerisch. Da es auch noch kalt wird, schneit es in den höheren Lagen. Der Sonntag ist ein strahlend schöner Tag mit reiner Luft und grandioser Fernsicht. Ab Montag, dem geplanten Beginn meiner Überschreitung, regnet es wieder. Aber den Überschreitungsplan habe ich bereits in die Schublade gelegt, denn der Untersberg ist voller Schnee.

Der langgezogene Untersberg ist bis zur Hälfte herunter beschneit
So schön der Untersberg an diesem Sonntag auch aussieht, eine Überschreitung ist mir bei diesen Verhältnissen zu gefährlich

So ändere ich meine Pläne und mache am nächsten morgens regenfreiesten Tag eine Wanderung vom Haus der Natur zum Schloss und Berg Hellbrunn und zurück.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Die Wanderung beginnt in der Altstadt

Ich beginne meine Wanderung am Haus der Natur in der Salzburger Altstadt. Das ist in der Nähe des Hanusch Platzes, einem Bus-Verkehrsknotenpunkt, und somit verkehrsgünstig gelegen. Außerdem ist das Haus der Natur und Technik eines der Museen in Salzburg, das unseren alltäglichen Umgang mit Natur, Umwelt, Technik und Physik verständlich vermittelt. Jeder kann mitmachen, ausprobieren und Zusammenhänge verstehen.

Eine Glastür ist der Eingang zum Haus der Natur und Technik in Salzburg
Der verglaste Eingang des Hauses der Natur und Technik mit den Öffnungszeiten. Täglich von 9 bis 17 Uhr, außer am 25.12.

Ich spaziere auf der wohl bekanntesten Salzburger Straße, der Getreidegasse, durch die Altstadt. Sie ist die Einkaufsstraße schlechthin. Mich faszinieren die Häuser mit ihrer gewaltigen Wucht aber mehr als Shoppen. Bei vielen gibt es einen Durchschlupf, einen Gang, der die Altstadtplätze und -straßen untereinander verbindet. Die sogenannten Durchhäusern machen die Dimension dieser Gebäude anschaulich.

Alte vier- bis fünfstöckige Häuser stehen eng aneinander gebaut in der Straße
In der Getreidegasse ist morgens Anlieferverkehr. Die Werbeschilder sind alle schmiedeeisern und ohne Leuchtreklame

Ich spaziere am Beginn der Judengasse nicht geradeaus, sondern rechts über den alten Markt und biege an dessen Ende nach links ab.

Auf einem Platz stehen Verkaufsstände mit Schirmen, links ist eine alte sechsstöckige Häuserzeile
Der alte Markt in Salzburg hat meist einige Verkaufsstände

Schon befinde ich mich auf dem Residenzplatz mit seinem schönen Brunnen. Auf dem Platz sollte im Moment eigentlich der Ruperti-Kirtag stattfinden. Aber er ist wegen Corona abgesagt.

Ein großer Platz mit einem Springbrunnen links und im Hintergrund der Seitenansicht des Doms
Vom Residenzplatz wirkt der Dom mit seinem Natursteinmauerwerk eher „gewöhnlich“

Einige Schritte weiter spaziere ich über den Mozartplatz. Die Tourist-Info ist aus meinem Blickwinkel links, das Salzburger Museum rechts des Platzes.

Das Mozartdenkmal ist links, der Gaisberg im Hintergrund
Das Mozartdenkmal steht zentral auf dem Mozartplatz. Der Gaisberg bildet den Hintergrund

Ich spaziere heute durch die Pfeifergasse bis zum ersten Platz mit einem wunderschönen Brunnen.

Ein Junge mit einer Flöte und Vögeln aus Bronze steht als Figur auf einem Brunnensockel
Der Papagenobrunnen am Papagenoplatz über den die Pfeifergasse führt

Weiter geht es rechts bis zur Kaigasse, über den Kajetanplatz und die Schanzlgasse bis beinahe zur Petersbrunner Straße. Kurz vor der Straßenkreuzung biege ich rechts ab, gehe einige Meter durch den kleinen Park, in dem mich ein Kleinod links zum Fotografieren verlockt.

Eine bronzene Entenmama mit zwei Küken speit Wasser in einen Brunnen
Die meisten Trinkwasserbrunnen in Salzburg sind wunderschön gearbeitet

Die Petersbrunner Straße rechts bis zur Kreuzung der Erzabt-Klotz-Straße und geradeaus in die Akademiestraße. Ab nun bin ich ohne Straßenverkehr unterwegs und kann Ruhe und Natur genießen. Vor dem Sportplatz biege ich rechts auf den Freisaalweg und nun muss ich eigentlich nur noch die Richtung halten und hauptsächlich umherschauen beim Wandern.

Durch Felder und Wiesen

Im Vordergrund eine Wiese und eine Wetterstation darauf, im Hintergrund der Untersberg mit Schnee und in Wolkenfetzen
Ich bin noch früh genug, um einen Blick auf den Untersberg zu erhaschen, der sich bereits wieder in Wolken hüllt und den ganzen Tag nicht zu sehen sein wird

Auf dem Weg nach Hellbrunn passiere ich viele Schlösschen in unterschiedlichen Bauweisen. Schloss Freisaal wirkt auf mich, als wäre es unbewohnt. Eine Scheibe im Obergeschoss ist eingeschlagen, Wildkräuter wachsen im Hof – schade. Das wäre ein toller Ort um ein „Wohnen mit Freunden“ zu realisieren, aber dazu fehlt mir der Lottogewinn.

Hinter Bäumen steht ein kleines Schlösschen im Wasser
Schloss Freisaal steht in einem länglichen See. Das Bild habe ich am sonnigen Sonntag aufgenommen

Nach der nächsten Straßenquerung befinde ich mich bereits auf der Hellbrunner Allee, die beinahe schnurgerade bis zum Schloss Hellbrunn führt. Die Allee erweitert sich bei Siedlungen parkähnlich, meist bietet sie aber freien Blick in die Umgebung. So umwandere ich die Festung Hohensalzburg, mit immer wieder anderen Anblicken auf den Festungsberg und die Burg.

Eine Kiesweg in einer Alle, rechts davon eine Wiese, rechts hinten ein Gebirge in Wolken
Die Hellbrunner Allee ist an vielen Stellen ein Kiesweg, der relativ gerade zwischen den alten Bäumen nach Hellbrunn führt

Spätestens hier wundere ich mich jedes Mal, dass ich eigentlich mitten im Stadtgebiet Salzburg bin. Die ländliche Umgebung, nur vereinzelt Häuser in Siedlungen, so richtig städtisch ist es, bis auf die gute Busanbindung an den Straßenkreuzungen, nicht. Das Schloss Frohnburg steht zum Glück nicht leer. Im vorderen Gebäude sind im Obergeschoss alle Fenster geöffnet und ich bleibe stehen, um zu lauschen.

Eine gelbgestrichenen Mauer wird von einem alten Haus überragt
Das Schloss Frohnburg wird vom Mozarteum genutzt. Ich komme in den Genuss eines Klavierkonzerts, das gerade geübt wird

Die bewirtschafteten Felder links und rechts der Hellbrunner Allee, gehören zu mehreren Bauernhöfen, die auch heute noch im Stadtgebiet beheimatet sind.

Hinter einer Wiese mit Sonnenblumen sind Kühe auf einer Weide, rechts davon ein Bauernhaus
In der Nähe von Schloss Hellbrunn ist noch ein aktiver Milchbauer. Ein Milchautomat liefert 24 Stunden täglich frische Milch für Kaufwillige

Park Hellbrunn

An der Fürstenstraße spaziere ich über den Parkplatz, fotografiere den Eingang zum Schloss gehe hindurch und halte mich zuerst links in den Park.

Zwei gleichgebaute Häuser flankieren die Einfahrt mit Zufahrt zum Schloss Hellbrunn
Die gleichgebauten Häuser bilden den Eingang zum Schloss Hellbrunn
In einem Haus ist die öffentliche Toilette untergebracht
Nach dem Eingang gleich links und wieder links – dort ist eine der kostenlosen öffentlichen Toiletten auf dem Schlossgelände
Ein Lageplan von Park und Schloss Hellbrunn
Anhand des Übersichtsplans kannst Du Dir die Highlights für Deinen Besuch heraussuchen

Ich erspähe hinter einer Nadelholzhecke bunte Blüten und mache einen Abstecher dorthin zu einem wunderschönen Dahlienbeet. Mich faszinieren diese Blumen, die es in so vielen Farben und Wuchsformen gibt.

Ein Beet mit verschiedenen Dahliensorten
Hinter einer Baumgruppe entdecke ich das Dahlienbeet, an dem ich mich lange mit Schauen verweile
Eine Dahlie, innen Gelb und an den Blütenblätterspitzen rosa
An Dahlien gefallen mir die unterschiedlichen Blütenformen und vor allem die Farben
Eine Hummel sammelt Nektar auf einer offenen Dahlie
Die Blüte sieht schon etwas verwaschen aus, nach dem langen Regen. Das stört die Hummel aber nicht, solange der Nektar Nahrung verspricht

Beim Spaziergang durch den Park Hellbrunn ist vielerlei zu entdecken. Ich lasse mir Zeit beim Schauen.

Zwei steinerne Paarfiguren stehen im Park
Im Park sind an vielen Stellen Figuren aufgestellt
Das Laub an den Parkbäumen beginnt sich zu färben
Das der Herbst kommt zeigt die Färbung der Bäume – wie schön

Berg Hellbrunn

Noch nie war ich auf dem Berg Hellbrunn. Das will ich heute nachholen und wandere im Park auf breitem Weg weiter. Erst nach Osten, dann Süden und wieder nach Westen, so verschaffe ich mir schöne Ein- und Ausblicke. Am Berg angekommen geht es mit Beschilderung steil bergauf.

Ein Wegweiser zeigt den Waldweg hinauf zum Steintheater
Der Wegweiser führt mich weiter hinauf zum Steintheater

Ich genieße den Wald, die Luft, die nach dem nächtlichen Regen so frisch riecht. Durch ein Felsentor gelange ich in den Zuschauerraum des Steinernen Theaters. Die natürliche Felsgrotte selbst ist nicht von Menschen bearbeitet. Aber darüber und rundherum sind die Felswände behauen und geformt worden. Auch hinter der Bühne haben die Nutzer den Raum nach ihrem Bedürfnis gestaltet. Das ist ein toller Platz für Aufführungen in der Corona Krise, überlege ich.

Eine Tafel besagt, dass die erste Theateraufführung 1617 im Steinernen Theater stattfand
Das es bereits 1617 die erste Aufführung im Steinernen Theater gab, überrascht mich sehr
Eine natürliche hohe Felsgrotte ist von Menschen zu einer Bühne erweitert worden
Ein Jogger, der unterwegs eine Thai Chi Einheit einlegt, ist auf der Bühne aktiv
In der rückwärtigen Felsgrotte sind die Öffnungen zur Bühne zu sehen
Die Rückseite der Bühne lässt erkennen, welch vielfältigen Zugänge es zur Bühne gibt

Ich steige hinter der Bühne weiter hinauf und folge dem Abzweig zum Watzmannblick. Das ist mein ausgesprochener Lieblingsberg. Seine Form, seine Wucht, sein „Familienleben“, seine Schwierigkeit. Das Vielfältige ist es, was mich am Watzmann begeistert. Auch bei seiner Überschreitung, die ich vor vielen Jahren gemacht habe.

Auf einer grünen Tafel ist das Alpenpanorama mit Gipfeln aufgedruckt
Die Tafel erklärt die sichtbaren Berge (wenn sie zu sehen wären), der rote Pfeil markiert, den hinten liegenden Watzmann
Über einen Herbstwald und ein Tal sind dahinter die wolkenverhangenen Berge
Mein Ausblick war ein anderer – und doch so schön! Nur der Watzmann ist völlig in den Wolken versteckt

Längs über den Berg Hellbrunn spaziere ich zum Volkskundemuseum. Das hat vom 28. März bis 1. November täglich geöffnet, von 10 bis 17 Uhr.

Das Gebäude des Volkskundemuseums ist zweistöckig, gelb gestrichen und liegt im Wald
Das Volkskundemuseum ist nur nach einem anstrengenden Spaziergang zu besichtigen

Vor dem Volkskundemuseum folge ich einem Wegweiser zum Aussichtspunkt Stadt. Unter mir Schloss Hellbrunn und der Park, kann ich den Weg zur Stadt, den Kapuziner-, Festungs- und Mönchsberg gut überblicken. Aber auch das kommende Wetter.

Von einem Aussichtspunkt liegt links unten Schloss Hellbrunn mit Park und hinten rechts die Festung Hohensalzburg
Bei meinem Ausblick auf Schloss und Park Hellbrunn kann ich den Regen von links über den Mönchsberg Richtung Festung Hohensalzburg und Kapuzinerberg ziehen sehen

Zoo Hellbrunn

So mache ich mich an den steilen Abstieg. In einer Kurve sticht mir ein animalischer Geruch in die Nase. Ich befinde mich hier oberhalb des Zoos Hellbrunn und sogar oberhalb der Wildkatzengehege. Leider spaziert gerade keine am oberen Zaun herum. Ich mache einen kleinen Abstecher zum Zooeingang, links davon ist das Alpengehege.

Eine Mauer links hinter der auf einem Felsen ein Steinbock steht, rechts der Weg, der zum Haus mit den Zootickets führt
Am Zooeingang begrüßt mich ein Steinbock
Ein Steinbock steht auf einem Felsen
Der Steinbock kann in seinem Element, den Felsen, leben, wenn auch nur in einem Gehege

Ich spaziere zum Park Hellbrunn zurück, einen Eingang in den Park ziert eine interessante Skulptur.

Ein aufrecht stehender Hirsch in römischer Legionärskleidung steht auf einem Torborgen
Dieser römische Legionärshirsch steht auf einem Eingangstorbogen in den Park

Der Park Hellbrunn erinnert mich an einen englischer Park. Er ist weitläufig angelegt, an manchen Stellen geometrisch und mit Wasserbecken. Dazwischen immer wieder Anpflanzungen zu einem bestimmten Thema.

Eine Holzbank steht unter einem Baum, in der Bildmitte der künstliche Teich und im Hintergrund das gelbe Schloss Hellbrunn
Der Nieselregen verzaubert das Bild mit einem dünnen Schleier
Ein künstlich angelegter Teich mit Blumenrabatten, die darauf zulaufen und Einhornskulpturen rechts und links
Die Einhörner vor dem künstlichen Teich Wasserparterre. Im Winter steht dort der beleuchtete Engel

Schloss Hellbrunn

Da der Nieselregen mittlerweile in Salzburger Schnürlregen übergegangen ist, freue ich mich auf die Mittagsrast im Parkcafé in Hellbrunn.

Der Eingang zum Parkcafé steht offen, Regentropfen fallen auf die Außenbestuhlung
Die Gartenbestuhlung des Parkcafés lockt, doch der Regen treibt mich in den Innenraum
In einer Schale liegen verschiedene Salatarten mit Samen
Der Avokadosalat schmeckt so himmlisch, wie er aussieht

Der Regen wird so schnell nicht aufhören! So spanne ich erneut meinen Schirm auf und gehe durch den Hof des Schlosses Hellbrunn in Richtung Straße. Dabei passiere ich die Infotafeln zu den Wasserspielen des Schlosses. Heute wäre der richtige Tag um sie zu besuchen, denn ich bin relativ wasserfest angezogen. Aber ich habe sie bereits an einem heißen Sommertag besucht und damals die Abkühlung genossen. Im Winter lockt mich immer wieder der Hellbrunner Adventszauber in Schloss und Park Hellbrunn, den ich bereits bei meinem Bericht über Salzburg im Advent beschrieben habe.

Eine Tafel und Fotos erklären die Besonderheiten der Wasserspiele von Schloss Hellbrunn
Die Infos zu den Wasserspielen sind in der Nähe des Ticketverkaufs

Kurz überlege ich, ob ich wegen des Dauerregens mit dem Bus zurückfahren soll. Da ich noch über den Kommunalfriedhof und am Almkanal entlang zum Mönchsberg wandern möchte, entscheide ich mich dagegen.

Die Bushaltestelle an der Straße beim Schloss Hellbrunn
Diese Bushaltestelle kann zur Rückfahrt in die Stadt genutzt werden

Kommunalfriedhof

Leider sind auf dem Rückweg einige Wege mit einem Schild „Privat“ versehen und so muss ich für kurze Zeit an der Morzger Straße entlang marschieren. Schnell biege ich wieder nach Westen in ein Wohngebiet ab und gehe weiter nach Norden und über den Kommunalfriedhof. Stadtwandern hat den Nachteil, dass immer Menschen unterwegs sind und das „Kleine Geschäft“ hinter einem Busch schwierig möglich ist. Am Kommunalfriedhof kenne ich allerdings zwei Toiletten, um meinem dringenden Bedürfnis nachzugehen. Dann genieße ich die Stille dieser Ruhestätte.

Auf dem Salzburger Kommunalfriedhof ist eine Skulptur Namens Engel der Vergessenen, die an die vergessenen Toten erinnert, die keine Trauernden mehr haben
Auf dem Salzburger Kommunalfriedhof ist eine Skulptur Namens Engel der Vergessenen, die an die vergessenen Toten erinnert, die keine Trauernden mehr haben. Die Blumen und Kränze von Urnenbeisetzungen werden dort abgelegt

Salzburger Almkanal

Ein kleiner Schlenker nach dem Südwestausgang des Friedhofs bringt mich zum Almkanal. Die Geschichte des Kanals reicht bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das Domkapitel und das Kloster St. Peter begannen mit einem Wasserleitungsstollen durch den Mönchsberg. Ihre Gebäude, Betriebe und Mühlen in der Stadt sollten vom Riedenburgerbach versorgt werden. Schon 20 Jahre später wurde ein Kanal durch das Leopoldskroner Moos angelegt, da der Wasserbedarf höher war, als der Riedenburgerbach decken konnte. Der Rosittenbach speiste diesen Kanal, die Schwankungen der Wassermenge waren aber unkalkulierbar und störten die Abläufe und Versorgung mit Wasser. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde der Kanal bis zur Königseeache (im Volksmund Albe genannt) verlängert. Damit war eine gleichmäßige und ausreichende Wasserzufuhr geschaffen. So entstand zuerst der Name Albenkanal, der sich später in Almkanal änderte. Ich vermute mal, dass noch heute die Wassermühle in St. Peter davon angetrieben wird. Sie wird zum Getreidemahlen für die leckeren Backwaren der St. Peter Bäckerei benutzt.

Unter einer Weide fließt grünliches Wasser in einem Kanal, im Hintergrund Häuser
Der Almkanal fließt mit grünlichen Wassern Richtung Salzburg
Links der Almkanal, rechts davon ein schmaler Fußpfad, rechts davon Holzpaletten mit Kürbissen im Hintergrund die Festung Salzburg
Am Almkanal (links) werden Kürbisse verkauft, der Herbst hält Einzug. Im Hintergrund die Festung

Mönchsberg

Kurz vor dem Mönchsberg, an der Kreuzung zum Otto-Kokoschka-Weg, studiere ich eine Tafel mit den Wegen über den Mönchsberg. Ich möchte im Osten den Mönchsberg überschreiten bis zum Haus der Moderne, mit Aussicht auf die Altstadt. Von dort mit dem Mönchsbergaufzug in die Stadt fahren, und am Spielzeugmuseum vorbei die paar Schritte zum Haus der Natur und Technik gehen. Diesen Plan kann ich aber leider nicht ausführen, stelle ich oberhalb des Toscaniniplatzes fest.

Auf einem Berg liegt links ein Haus mit Turm, das Haus der Moderne, Museum für Moderne Kunst und rechts schaut die Kuppel der Universitätskirche über eine Mauer
Nach dem ersten Mönchsberggipfel sehe ich mein Ziel, das Haus der Moderne, das Kunstmuseum für Moderne Kunst, links oben, auf einem anderen Teil des Mönchsbergs stehen. Rechts schaut die Kuppel der Kollegienkirche über die Mauer
Über regennasse Dächer ragen die weißen Domtürme heraus
Über die Gebäude der Erzabtei St. Peter hinweg ragen Domtürme und Kuppel in den verregneten Himmel
Ein Bauzaun mit Verbotsschild versperrt den Weg
Mein Weg zum Haus der Moderne ist leider gesperrt, er wird saniert

Leider war auf der Tafel am Otto-Kokoschka-Weg kein Hinweis auf die Sperrung, sonst hätte ich den Weg über den westlichen Mönchsberg gewählt. So entschließe ich mich, in die Stadt abzusteigen. Als ich die Treppen hinuntergewandert bin, entdecke ich das Schild mit der Umleitung.

Ein großes Schild weist auf die Sperrung der Clemens-Holzmeister-Stiege hin
Das Schild steht unten am Ende der Treppe beim Toscanininplatz

Wanderabschluss in der Altstadt

Beim Schild Toscaniniplatz fällt mir das versteckte Kunstwerk in den Felsen ein, das ich bereits in meinem Blogbeitrag über die Adventsmärkte in Salzburg beschrieben habe.

In einer Mauernische steht eine Skulptur einer Frau in einem roten Kleid
Die Frau im Fels (des Toscaniniplatzes) ist das Pendant zum Mann auf der Kugel (Sphaera) auf dem Kapitelplatz

Beide Kunstwerke sind von Stepfan Balkenhol erschaffen und gehören zur Sammlung Würth. Weil beide Figuren so alltäglich aussehen, dem Betrachter mit ihrer Kleidung irgendwie bekannt vorkommen, lassen sie dem Kunstsinnigen aufgrund ihrer Standorte und Präsentation Interpretationsspielraum

Der Regen plätschert weiter und ich mache den Ausklang meiner Wanderung im Café Fürst. Der Konditormeister Paul Fürst erfand hier Ende des 19. Jahrhunderts die Original Salzburger Mozartkugel, die nur in silbernen Papier mit dem Fürst Aufdruck auch Original ist!

Schaufenster und die Eingangstür zum Café Fürst nehmen beinahe die ganze Hausbreite ein
Der Eingang zum Café Fürst, auch der zartrosa Hausanstrich machen das Regenwetter nicht schöner
Ein Stück Trüffelrahmtorte und Kaffee stehen auf einem Kaffeehaustisch
Konditorkunst in Form einer Trüffelrahmtorte auf dem Teller und ein frischgebrühter Kaffee, eine Möglichkeit von Glück

Über den Universitätsplatz und das Durchhaus mit dem Bosnastandl geht es zurück zum Haus der Natur, wo ich meine Wanderung abschließe.

Fazit der Salzburger Stadtwanderung

Salzburg bietet mehr als Shopping, hervorragende Gastronomie und vielfältiges Kulturerlebnis. Die Natur rund um Salzburg lässt sich hervorragend zu Fuß erwandern oder mit dem Fahrrad erkunden. Der Vorteil der Stadtwanderung ist, dass Du jederzeit abbrechen könntest, da das öffentliche Personennahverkehrsnetz in Salzburg ausgezeichnet ist und Du problemlos zum Ausgangspunkt zurück kommst.

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Nibelungensteig Etappe 3 – Gassbachtal – Erbach-Bullau

Nibelungensteig Etappe 3 – Gassbachtal – Erbach-Bullau

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Die offizielle 3. Etappe des Nibelungensteigs führt von Grasellenbach nach Erbach-Bullau. Landschaftlich wunderschön, über immer andere Odenwaldhöhen. Spannende Aussichten und kulturhistorische Besonderheiten säumen die beinahe 30 Entfernungskilometer. Für mich ist das der Entscheidungstag.

Das Trekkinggepäck muss nach Hause

Auch an diesem Morgen erwache ich mit weniger „Körperschmerzen“ als ich es gestern Abend vermutet hätte. Da ich seit frühester Kindheit Sport gemacht habe, kann mein Körper schnell auf „Belastung“ umstellen und sich anscheinend immer noch schnell regenerieren. Der Körper schon – aber nicht die Füße! Die tun weh. Die Fußsohlen hauptsächlich. Das kenne ich überhaupt nicht!

Das Frühstück muss ich um 8 Uhr einnehmen, da wegen Corona nur eine begrenzte Anzahl Menschen im Frühstücksraum des Hotels und Cafés Gassbachtal sein dürfen. Es gibt ein Buffet, an dem man sein Frühstück zusammenstellen kann. Die Brötchen werden in einem Körbchen an den Tisch gebracht, ebenso ein Frühstücksei. Den Kaffee kann ich am Automaten selbst drücken.

In kleinen Weck-Gläsern sind die unterschiedlichsten Müslisorten, Nüsse und Samen in kleinen Portionen verpackt, ebenso verschiedene Yoghurts. Ich stelle mir ein leckeres Müsli zusammen, nehme mir Frischmilch in einer kleinen Flasche dazu und noch einen mit Frischhaltefolie versiegelten Teller mit Käse. Nach dem Müsli kann ich nur noch eines der Brötchen essen. Auf die zwei anderen lege ich mir den Käse und wickele sie in die Frischhaltefolie ein, die um die Käseteller war. So habe ich eine kleine Vesper um die Mittagszeit.

Ich habe meinen Rucksack bereits umgepackt. In eine Stofftasche habe ich den Schlafsack und die Müslischale mit Müsli gestopft, oben im Rucksack habe ich Zelt und Schlafmatte, um sie im Paketshop schnell entnehmen zu können. In Grasellenbach gibt es ein Drogerie mit einem DHL-Shop, ich hoffe, dort ein Paket nach Hause aufgeben zu können.

Ich wandere in den frischen Morgen hinaus. Die Sonne wird heute nochmal alle Sommerkraft entfalten, aber im Moment ist es gut, das ich den dünnen Langarmpullover von Devold trage. Meine Füße müssen den Schmerz erst weglaufen. Als ich an der Drogerie ankomme, laufe ich schon runder. In ein DHL-Packset „L“ passen meine drei Dinge gut hinein und das Zurücksenden kostet mich 7,41 € und das Packset 2,42 €. So günstig hätte ich mir die Lasterleichterung nicht vorgestellt!

Ein gelbes Postpaket steht auf einer Waage, die 4.570 kg anzeigt
Meine Trekkingausrüstung passt in das Postpaket und ich wandere mit über 4,5 kg weniger Gepäck weiter

Ich kaufe mir auch noch Tape von Hansaplast, um das Blasenpflaster zu verkleben. Gestern hatte es sich in den Socken gelaufen, dass soll heute nicht wieder passieren. Und dann geht es richtig los mit meiner 3. Etappe auf dem Nibelungensteig. Heute bereits um kurz nach 9 Uhr. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

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Siegfriedbrunnen in Grasellenbach

Ich bin froh über meine Entscheidung und kann nun wesentlich leichter weiterwandern. Ohne Trekkinggepäck habe ich nicht nur weniger zu tragen. Ich habe es auch bequemer, weil ich in Pensionen schlafe und kein Zelt auf- und abbauen muss. Bei den langen Etappen ist das auch immer ein „Zeitfresser“. Obwohl ich sehr gerne im Zelt schlafe und mir das ursprüngliche, das nur mit mir sein, das draußen schlafen, unmittelbar in der Natur sein, auch sehr gut tut.

Der Weg führt aus Grasellenbach hinaus und ich studiere gerade eine altertümliche Tafel, die auf den Siegfriedbrunnen hinweist, als eine geführte Gruppe Mountainbiker an mir vorbeifährt. Alles Männer, alle älter als ich. Ich strecke meinen Daumen raus, da sie offensichtlich auch zum Siegfriedbrunnen fahren, aber ich ernte nur Gelächter und lustige Sprüche, die ich erwidere. So ein erfrischendes Geplänkel finde ich schön und noch beschwingter steige ich durch die Äcker in Richtung Wald.

Im Vordergrund ein umgepflügter Acker, dahinter ein Dorf, dahinter ein Wald und auf dem Berg Windräder
Der Blick geht über Grasellenbach und rechts den Kahlberg mit seinen Windrädern

Nun geht es wieder in schönen Mischwald, der im Schatten noch recht kühl ist. Die Tafeln am Wegrand erzählen in chronologischer Reihenfolge die Sage der Nibelungen.

Ein Waldweg in einem Mischwald
Der Weg zum Siegfriedbrunnen führt durch Mischwald bergauf

Wieder muss ich genau aufpassen, denn der Weg zum Siegfriedbrunnen geht plötzlich auf einem schmalen Wurzelweg nach rechts weiter. Die Mountainbiker verlassen die Quelle bereits wieder, so habe ich sie für mich.

Ein Gedenkstein mit einem Kreuz im Wald, links davon einige Steine mit einer Quelle
Links aus der Siegfriedquelle tröpfelt es in diesem trockenen Sommer nur, rechts der Gedenkstein mit einer Inschrift

„Do der herre Sifrid ob dem brunnen tranch,
er schoß in durch das chruze das von den wunden spranch
das blut von dem herzen vast an du Hagenen mat.
So großer missewende ein held nu nimmer begat“

Zitat auf dem Stein

Rund um die Quelle stehen Tafeln, die die Geschichte weiter erzählen. Kriemhild, die Schwester des Burgunderkönigs Gunter und Frau des Nibelungenkönigs Siegfried, hatte sich mit ihrer Schwägerin Brunhild überworfen, die sich gedemütigt fühlte und auf Rache sann. Hagen von Tronje war ein treuer Vasall seiner Herrin Brunhild und wollte ihre Rache ausführen. Er erfuhr von Kriemhild, die ihm seit ihren Kindertagen vertraute, die verletzliche Stelle Siegfrieds und erklärte ihr, dass sie die Stelle auf dem Gewand von Siegfried kennzeichnen solle. So könne er Siegfried im Kampf besser schützen. Als beide bei der Jagd an dieser (oder einer anderen Stelle) im Odenwald tranken, stieß Hagen Siegfried den Speer in die gekennzeichnete, verwundbare Stelle. Eine Tragik, die später ihre Fortsetzung fand, aber das musst Du selbst lesen, wenn Du unterwegs bist. Aber auch bei diesem Streit ging es nur um Liebe und Hass, Treue und Mord, Macht und Magie, Eitelkeit und Eifersucht und kostete viele Menschenleben. Irgendwie habe ich das Gefühl, das Menschen aus der Geschichte doch keine Rückschlüsse auf ihr Leben ziehen können?

Ich verklebe auf einer Bank sitzend noch meine Füße. Das Blasenpflaster fixiere ich damit und eine druckempfindliche Stelle am rechten Fuß schütze ich so – meine ich…

Mein Wanderweg zieht sich nun wieder bergauf durch den schönen Wald und gewährt mir manchmal einen Ausblick.

Auf einer Waldhöhe sind im Hintergrund andere Bergrücken zu sehen
Auf den Odenwaldhöhen habe ich selten Ausblick. Hier schaue ich nach Norden, im Dunst ist der Spessart zu erkennen

Nach langem Bergauf bin ich auf der Höhe, die sogar eine Picknickgelegenheit bietet. Da mein Frühstück aber erst kurz zurückliegt, nehme ich das Angebot nicht an. Allerdings verrät mir der Name, dass das Gebirge bei der Aussicht zuvor doch der Spessart gewesen sein muss.

Eine Rastbank mit Tisch seht in einem Wald, an einem Baum hängt ein Holzschild mit Spessartkopf
Auf dem Spessartkopf mit 547 m Höhe ist eine Picknickbank

Rote Wasser von Olfen

Nun geht es wieder hinab und ich erreiche das Hochmoor oberhalb von Olfen. Es nennt sich „die Roten Wasser von Olfen“, Braunalgen sorgen für diesen Namen. Allerdings ist das Moor in diesem langen, heißen und trockenen Sommer 2020 ausgetrocknet.

Ein Weg im Hochmoor mit Heidegewächsen links und rechts
Dieser Weg ist total schädlich für das Moor, aber die Obere Naturschutzbehörde aus Darmstadt leitet Wanderer auf diesem wilden Weg durch das Moor

Auf einem Schild vor der Umleitung, werden Wanderer darauf hingewiesen, dass sie aufpassen sollen, im Moor nichts zu zerstören. Man soll auf dem Weg bleiben (der allerdings gesperrt ist) oder den als Umleitung gekennzeichneten Weg benutzen. Dieser Umleitungs-Weg hat aber das Moor vom Waldrand mittlerweile völlig getrennt und zerstört. Im Baltikum haben wir viele Hochmoore durchwandert, aber immer waren Bohlenwege angelegt, die einen minimalen Eingriff in den Untergrund darstellen, weil die Besucher darauf „geleitet“ werden und das Moor mit seinen Rändern intakt bleibt. Nachlesen kannst Du das zum Beispiel bei meinem Blogbeitrag über den Soomaa Nationalpark in Estland.

Die Umleitung ist ausgeschildert durch das Moor
Die Umleitung ist am Waldrand ausgeschildert, völlig ohne Wegebau. Da ich dieses Bild mache, weil mich diese Ignoranz der Oberen Naturschutzbehörde so ärgert, achte ich nicht auf meine Markierung und gehe prompt in die falsche Richtung
Der Blick geht über ein trockenes Hochmoor mit unterschiedlichen Moosfarben
Die “Roten Wasser von Olfen“ sind ein Hochmoor, das im Sommer 2020 völlig ausgetrocknet ist

Allerdings hätte ich den Blick über das Moor verpasst, wenn ich nicht  falsch abgebogen wäre.

Ein Bohlenweg führt durch einen Teil des Hochmoores, links und rechts Gräser
An dieser Stelle ist auch ein Bohlenweg im Moor, von dem ich mich zusätzlich habe ablenken lassen. Der Nibelungensteig biegt bei den „Umleitung“-Schildern links ab, wer rechts 50 m hinunter geht, hat diesen Ausblick auf das Moor

Als ich merke, dass ich mal wieder falsch laufe, gehe ich zurück und suche die letzte Markierung. Nun geht es bergauf und um die Kurve zu einem schönen Blick über ein Tal.

Der Wald öffnet sich und ins Tal hinunter liegen Wiesen und versteckt hinter Bäumen Häuser
Der Ort Olfen liegt versteckt hinter Bäumen im Tal

Weiter geht es hinauf zu einer Straße, die ich queren muss. An dieser Stelle steht wieder eine kulturhistorische Besonderheit.

Ein leerer Bildstock auf einer kleinen Anhöhe
Das Olfer Bild ist ein heute leerer Bildstock an einer Straßenkreuzung. In früheren Jahrhunderten haben die Kirchgänger von Olfen, die nach Güttersbach zum Gottesdienst gingen, hier Rast gemacht. Seine für den Odenwald ungewöhnlich Höhe von 3 m macht den Bildstock so besonders

Gütterbach und Hüttenthal

Ich wandere weiter in leichten Wellen bergauf und bergab durch dichten Wald und als ich aus dem Wald herauskomme habe ich erstens einen schönen Blick und werde zweitens von Kühen begrüßt.

Kühe stehen auf einer Weide, im Tal das Dörfchen Güttersbach und auf der bewaldeten Höhe dahinter Windräder
Der Ausblick oberhalb von Güttersbach

Der Nibelungensteig führt durch den gesamten (kleinen) Ort. In der Nähe der Kirche ist ein Brunnen, der im Gewölbekeller des heutigen Pfarrhauses entspringt. Vermutet wird, das iroschottische Mönche an dieser Quelle, der früher Heilkräfte nachgesagt wurden, die erste Kirche bauten. Noch heute ist Güttersbach ein Heilkurort mit Spa-Hotels. Sogar das kleine Freischwimmbad hat am 19.09.2020 noch geöffnet.

Nach dem Ort geht es mal wieder auf Asphalt steil bergauf bis zum Wald, in dem der Weg in einen Schotterweg übergeht. Ich entdecke wieder Tafeln, diesmal von einem Vogelkundlichen Lehrpfad, die mir schöne Hinweise auch über die Landschaft geben. Wie zum Beispiel beim nachfolgenden Bild.

Ein Fichtenwald
Oberhalb von Güttersbach komme ich an einem Fichtenhain mit einer Erklärungstafel vorbei. Der Wald wurde 1909 gepflanzt, 3 Jahre bevor die Titanic unterging

Weitere Erklärungstafeln folgen entlang des schönen Waldwegs, der auch immer mal wieder Ausblicke in die Umgebung gewährt, weiter hinunter Richtung Hüttenthal. Auch dieser Ort hat einen „Lindelbrunnen“, also eine Stelle, an der Hagen von Tronje Siegfried erschlagen haben soll. Der Ort ist mit den Eisenschmelzen entstanden und wurde 1366 erstmal urkundlich erwähnt. Heutzutage ist Hüttenthal wegen seiner Molkerei bekannt. Die ehemalige Genossenschaftsmolkerei ist mittlerweile in Familienbesitz und die kleinste Molkerei Südhessens. Sie bezieht ihre Milch von 19 Bauernhöfen in unmittelbarer Umgebung. Das ist mal wirklich regional!

Eine Werbetafel weißt auf die Molkerei Hüttenthal hin
Die Werbetafel der Molkerei ist nicht zu übersehen

Viele Familien mit Kindern sind auf dem schönen Spielgelände unterwegs, sitzen auf einer übergroßen Bank zum Picknick oder im Milchgarten. Da am Laden sehr viele Menschen anstehen, mache ich hier keine Mittagspause, sondern wandere weiter. Von meinen beinahe 30 km heute, habe ich erst etwas über 12 zurück gelegt. Wieder geht es bergauf, auf Teer und Schotter, bis ich mit schöner Aussicht an einem Waldrand entlang laufe.

Eine geschwungene Liegerastbank steht im Wald oberhalb eines Weges
Hätte ich gewusst, was mich am Marbachstausee erwartet, hätte ich diese schattige Rastbank benutzt

Die Aussicht geht über das Tal bis zur Staumauer des Marbachstausees.

Über Baumwipfel hinweg ist die Staumauer des Marbachstausees zu erkennen
Über Baumwipfel hinweg ist die Staumauer des Marbachstausees im Tal zu erkennen

Marbachstausee

In großen Serpentinen führt mich der Wanderweg hinunter zum See, der als Hochwasserschutz von 1978 bis 1982 erbaut wurde. Mittlerweile freue ich mich auf eine Rast. Eine Pause vom Gehen, mal Sitzen, Essen und Trinken und Ausruhen. Leider ist die Wiese mit Picknickbänken mit Bauzäunen abgesperrt! So ist keine Rast möglich. Wie ärgerlich!

Eine Picknickbank steht links eines Bauzauns, rechts des Bauzauns verläuft der Wanderweg
Ich kann an einer Stelle durch die Absperrung, um mich endlich mal zu setzen, auszuruhen und meine Brötchen zu essen

Viele Spaziergänger schauen mich verwundert an. Ich komme mir vor wie im Zoo, ‚bitte nicht füttern‘, denke ich mir still. Obwohl es nicht still ist, denn Motorradfahrer dröhnen mit ihren Maschinen auf der gegenüberliegenden Straße dahin. Aber mir tut die Pause sehr gut. Erholt mache ich mich auf die zweite Hälfte meines heutigen Weges. Als ich an der Staumauer ankomme, erhalte ich die Hinweise, die mir, als Wanderer am anderen Seeende ankommend, gefehlt haben.

An einem Bauzaun hängen unterschiedliche Warnhinweise
Am für mich „Ende“ des Sees, bei der Staumauer ist ein Bauzaun mit vielen Warnhinweisen

Da der Marbachstausee in diesem Jahr Blaualgen hat, wurde das „Badegelände“ gesperrt. Aber warum alle Rastbänke auch eingezäunt worden sind? Wegen Corona, wird mir auf das Fragen bei der DLRG erklärt. Aber verstehen kann ich das nicht, gerade als müder Wanderer auf einem Fernwanderweg nicht.

Ich habe bereits gesehen, das der Nibelungensteig einen mir unverständlichen Haken links vor Ebersberg macht. Vermutlich wird so die Straßenkreuzung weiträumig umgangen? Der Verkehrslärm begleitet mich insgesamt etwa 8 km, so lange wird der „Steig“ in Straßennähe geführt. Heute am Samstag ist natürlich erst recht viel Verkehr. Ich stelle beim Bergaufgehen an einer Kreuzung fest, dass mir mal wieder meine Markierung fehlt. Bei einem Blick auf Komoot stelle ich fest, das der Weg, auf dem ich gehe, wieder in den Nibelungensteig mündet. Da war ich wohl mal wieder mit „auf den Boden schauen um dicken Schotterbrocken auszuweichen“ beschäftigt und habe den klitzekleinen Pfeil nach links unter einer Markierung verpasst. Ich mache an der Einmündung ein Foto bergauf.

Ein geschotterter Waldweg führt aus bergauf den Bäumen hinaus auf ein Feld
Von dort oben wäre ich eigentlich gekommen, wenn ich den Abzweig nicht verpasst hätte. So habe ich etwa 500 m „abgekürzt“

Ich hätte also einen noch weiteren Umweg mit noch mehr Höhenmetern gehabt, wenn ich auf dem Nibelungensteig gewandert wäre. Ich finde meine „Abkürzung“ nicht schlimm, verpasst habe ich wahrscheinlich nichts. Nun geht es steil hinab nach Ebersberg und an der B 45 entlang. Motorradfahrer brausen auch hier vorbei. Ich bin selbst früher Motorrad gefahren, aber ich habe immer darauf geachtet, leise zu fahren. Die meisten Motorradfahrer schalten zu spät einen Gang höher, fahren hochtourig und machen daher solchen Lärm. Oder haben Drosselklappen ausgebaut, um Krach zu machen. Anwohner möchte ich hier nicht sein! Ich freue mich auf einen Kaffee im Ort. Aber die einzige Möglichkeit ist von Motorradfahrern okkupiert, die dicht an dicht auf Bänken sitzen. Da möchte ich nicht anhalten. Picknickbänke auf einer Wiese sind wegen Corona gesperrt und an so einer Stelle sitzen die Leute eng beieinander?!

Himbächel Viadukt

Wieder geht es lange auf Dorfstraßen bergauf und auf einem Schotterweg in südliche Richtung. Immer noch begleitet mich der Verkehrslärm, dann geht es endlich bergab. Vor mit sehe ich das Himbächel Viadukt. Unter diesem biege ich nach links in ein endlich wieder ruhiges Tal, in dem der Himbachel fließt.

Mit 10 aus Ziegelsteinen erbauten Bögen überspannt das Himbächel Viadukt das Tal
Mit 10 aus Ziegelsteinen erbauten Bögen überspannt das Himbächel Viadukt das Tal

Das eingleisiges Viadukt wird noch heute von der Odenwaldbahn zwischen Erbach und Hetzbach, genutzt, die über das Tal des Himbachel führt. Die Brücke entwarf der Ingenieur Justus Kramer für die Hessische Ludwigsbahn. Die Bauzeit erstreckte sich von Mai 1880 bis November 1881. (Ich will nicht unken, aber eine Bauzeit für eine Brücke von nur 19 Monaten und dann kann man 140 Jahre später immer noch mit Zügen darüber fahren, ist bei unseren heutigen „modernen“ Brücken undenkbar!) Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wollten Pioniere der Wehrmacht die Brücke sprengen, doch einige Dorfbewohner entfernten die Sprengladungen an den zwei mittleren Pfeilern, als die Soldaten Richtung Erbach abmarschierten.

Die Brücke war zu ihrer Zeit eine herausragende Ingenieurleistung und die bedeutendste Eisenbahnbrücke Hessens. Heute ist sie ein Kulturdenkmal, steht unter Denkmalschutz und ist von der Bundesingenieurkammer und der Ingenieurkammer Hessen als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet.

Verschlungenes Bergauf

Nun geht es nur noch hinauf. Beinahe sechs Kilometer stetig leicht bergauf. Dabei macht der Nibelungensteig ein interessantes Muster. In der Landkarte ist mir das schon aufgefallen, es sieht ein wenig nach „Malen nach Zahlen“ aus und bildet den Kopf und Oberkörper eine Rehkitzes. Ich erinnere mich wieder an meine Nordic-Walking-Bewegungen und laufe fast schon meditativ den geschotterten Forstweg hoch. Immer wieder wechsele ich von der einen zur anderen Seite, immer von der Seite weg, die gerade sehr abfallend, schräg ist. Manchmal, wenn keine großen Schotterbrocken in der grasigen Mitte liegen, gehe ich dort. Ich werde dreimal von Fahrzeugen überholt. Forstbesitzer wohl, die sich ihren vertrocknenden Wald anschauen.

In einem Wald liegt ein kleiner Teich, der von Entengrütze bedeckt ist
Hier muss eine sehr feuchte Waldstelle sein, denn der kleine Teich mit Entengrütze existiert noch

Bei Entengrütze denke ich an Alfred Jokocus Kwak und die Kinderoper von Herman van Veen. So singe ich mehrere Lieder vor mich hin, während ich weiterwandere. Wenn ich gleichmäßig weiterlaufe spüre ich die Schmerzen in den Füßen nicht so sehr, die mein Wandervergnügen immer mehr überschatten.

Unter einem Baum hervor geht der Blick über Wiesen auf eine gegenüberliegende Höhe mit Windrädern
In einer Kurve ergibt sich wieder ein schöner Ausblick nach Westen

Im Wald links von mir liegen plötzlich viele Buntsandsteinbroken. Bei einem Blick auf meine Komoot Aufzeichnung sehe ich, dass etwas später ein Abzweig kommt, im schmalen Weg nach links hat ein anderer Komoot-Nutzer mal ein Foto gemacht. Da ich weiß, dass das Ebersberger Felsenmeer vor mir liegt, schaue ich aufmerksam auf die Markierungen. Ich hätte mich wieder verlaufen, denn nur ein klitzekleiner Pfeil nach links unter der Markierung führt in einen unscheinbaren, kleinen Waldweg.

Im Buchenwald liegen bemooste Buntsandsteinbrocken
Die Felsbrocken deuten darauf hin, dass ich bald am Ebersberger Felsenmeer bin

Auf einem wunderschönen Waldpfad geht es durch immer mehr Felsen weiter bergauf.

Viele Felsenbrocken sind übereinander getürmt und von Bäumen bestanden
Der Wanderweg führt mich durch die malerischen Felsen des Ebersberger Felsenmeeres. Eine schöne Abwechslung nach dem langen eintönigen Aufstieg über den Forstweg

Endlich geht es, wenn auch sanft, auf einem von Tannennadeln bedeckten Weg bergab. Nun kann es nicht mehr weit sein bis Bullau. Der Ort ist zwar offizielles Etappenziel, aber der Nibelungensteig führt laut Karte und Beschreibung trotzdem etwa eine Kilometer entfernt daran vorbei. Ich bin gespannt, ob es einen beschilderten Abzweig gibt. Während dieser Überlegungen treffe ich in der Nähe einer Kreuzung auf einen Hund und gehe nur langsam weiter und auf ihn zu. Die Besitzer sind bereits da und leinen den Collie an, der noch recht jung ist. Beim Gespräch raten sie mir, an dieser Stelle nach links abzubiegen, wenn ich nach Bullau wolle. Der normale Weg würde mich in der Sonne und an der Straße entlang führen, der andere Weg dagegen wäre schattig. Da das laut Karte kein Umweg ist, folge ich dem Vorschlag.

Ein sandiger Waldweg, an dem gefällte Bäume liegen
Hundebesitzer haben mir diesen Weg nach Bullau empfohlen, da ich hier länger im Schatten gehen kann. Der Bodenbelag aus Sand deutet darauf hin, dass dieser Bergrücken aus Sandstein besteht

Das ich in der Nähe eines Ortes kurz vor der Abendessenszeit bin, wird durch die Anwesenheit vieler Hundebesitzer bestätigt. Lange gehe ich geradeaus, dann rechts und trete an einer Wegkreuzung aus dem Wald. Welch schöne und hauptsächlich weite Aussicht.

Lange Schatten des Waldes liegen über einem Feld. Links von der Sonne beschienene Bäume und rechts im Hintergrund ein Bergrücken
Der nächste Hundebesitzer erklärt mir, als wir aus dem Wald heraustreten, dass der Höhenzug rechts im Hintergrund schon die „Badischen Höhen“ seien. Links unterhalb der Bäume versteckt sich das Dörfchen Bullau, mein Tagesziel

Bullau und die Entscheidung

Ein Schlenker nach links, wieder nach rechts und an Kuhweiden vorbei geht es leicht bergab. Kälbchen und Kühe stehen zusammen auf der Weide, welche glückliche Familienbande. Später erfahre ich, dass die Muttertierhaltung zu meiner Pension Schumbert gehört. Ich komme in den Ort, gehe weiter bergab und muss nur noch wenig bergauf in den Schöllenbacher Weg wandern, bevor ich die Pension mit Gasthaus Schumbert erreiche.

Es ist bereits kurz vor 18 Uhr  und das Gartenlokal „Unter den Linden“ erst seit kurzem geöffnet. Herr Schumbert zeigt mir mein Zimmer, Abendessen bekomme ich bis 21 Uhr, erklärt er. Na, so lange werde ich nicht warten. Nach dem Duschen inspiziere ich meine Füße und stelle fest, dass ich mir eine Riesenblase unter dem rechten Ballen gelaufen habe, die sich bis zwischen den großen und den angrenzenden Zeh hinzieht. Das Tape, das den Fuß schützen sollte, hat wohl die Zehenfreiheit begrenzt und die haben aneinander gerieben! Und die Blase ist bereits offen. Ich verpflastere die Stelle mit zwei Blasenpflastern und humpele zum Essen. Ich fühle mich im Gastraum angenommen. Das Wirtspaar Schumbert hat Herz und Zunge auf dem rechten Fleck. Sie sind fürsorglich, ohne aufdringlich zu sein. Ich bestelle mein kleines Abendessen und dazu noch einen besonderen Nachtisch.

Auf einem Teller sind kleine Marillenknödel mit einem Eis angerichtet und mit Schokoladen- und Cranberrysoße verziert
Mein Nachtisch, leckere Marillenknödel mit einem Eis angerichtet und mit Schokoladen- und Cranberrysoße verziert

Als ich wieder im Zimmer bin, rufe ich meinen Mann an und frage, ob er nicht am nächsten Tag einen Ausflug in den Odenwald machen möchte. Zum Glück sagt er ja! Mit meinen wehen Füßen ist eine Weiterwanderung völliger Unsinn. Ich muss mich so aufs Gehen an sich konzentrieren. Auf die Beschaffenheit des Weges, dem dicken Schotter und groben Unebenheiten ausweichen. Ich empfinde ein solches Wandern nicht als Genuss. Auch habe ich mir die Etappen in zu weite Entfernungen eingeteilt. Ich bin ziemlich schlapp, körperlich erschöpft. Ich werde mich zuhause erholen und im Oktober die Wanderung fortsetzen – mit besserer Kondition und Wanderschuhen.

Fazit 3. Etappe

Auch hier empfehle ich Wanderern aus entfernten Regionen, die Etappe zu teilen. Beispielsweise in Güttersbach mit Wellness zu übernachten? Für mich war die Etappe mit meiner wenigen Kondition zu lange, ähnlich wie die erste Etappe. Mein Hauptproblem waren aber meine Füße, ebenso wie auf der zweiten Etappe. Trotzdem ich nun weniger Last hatte, da ich meine Trekkingausrüstung nach Hause geschickt habe, hat sich an meinem Schuhwerk nichts geändert. So habe ich meine Entscheidung getroffen. Ich werde die Wanderung hier unterbrechen. Meine Füße zuhause heilen lassen und mit weniger Gepäck und meinen Wanderschuhen in einigen Wochen wiederkehren. Und dann die Etappen genießen. Auch, weil ich sie kürzer einteile. Da soll mal einer sagen, im „Alter“ wäre man nicht lernfähig! Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Ein Kurzes Video mit meinen Eindrücken der dritten Etappe findest Du auf meinem YouTube-Kanal.

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Eindrücke von der dritten Etappe auf dem Nibelungensteig

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Nibelungensteig Etappe 2 – Schlierbach – Gassbachtal

Nibelungensteig Etappe 2 – Schlierbach – Gassbachtal

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Im Odenwaldstädtchen Lindenfels beginnt die zweite Etappe des Nibelungensteigs. Seit 2010 ist sie Drachenstadt, was ursächlich mit der Nibelungensage zusammenhängt. Wieder geht die Wanderung über die Höhenzüge und Gipfel von Odenwaldbergen, bis sie in Grasellenbach, dem Ort, wo sich alles um Siegfried dreht, zum Abschluss kommt.

Der Morgen nach der Überanstrengung

Ich fühle mich am Morgen nach der anstrengenden ersten Etappe zwar zerschlagen, aber besser, als ich es gestern Abend erwartet habe. Ich hatte in der Nacht Krämpfe in den Beinen und hoffe darauf, dass es in Lindenfels eine Apotheke gibt, in der ich „Sofort-Magnesium“ kaufen kann. Aber erst mal werde ich frühstücken! Ich bekomme an der Rezeption des Terrassencamping Schlierbach einen Kaffee und heißes Wasser für mein Müsli. Während meines Frühstücks kommt die Sonne über den Berg und trocknet mein Zelt. Durch die Bewegung beim Packen und Stopfen des Rucksacks funktionieren meine Muskeln runder als direkt nach dem Aufstehen. Ich verabschiede mich von der zuvorkommend freundlichen Crew des Campingplatzes und laufe gegen halb 10 Uhr los.

Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Lindenfels

Die Markierung des Nibelungensteigs führt mich links um den Berg herum, durch ein schmales Bachtälchen.

Links ein Bach mit etwas Wasser, rechts davon ein Waldweg und wieder rechts wachsen Bäume einen Hang hinauf
Der Bach führt sogar noch etwas Wasser

Dann geht es bergauf, denn Lindenfels liegt auf einem Berg. Ich komme am Sportplatz vorbei und gehe einen sehr steilen Weg hinauf bis zu einer Straße. An der Mauer gegenüber ist ein Schild „Umleitung“ des Nibelungensteigs. Bevor ich der folge, drehe ich mich um, um die Aussicht zu genießen.

Von einer steilen Ortschaft geht der Blick auf den gegenüberliegenden Berg
Mein Blick geht nach dem Aufstieg aus Schlierbach in Lindenfels zurück zum Krehberg. Hier kannst Du erkennen, wie weit gestern der Weg ins Tal doch noch war, denn Schlierbach liegt links unten (um die Ecke) im Tal. Links an der Mauer ein Umleitungsschild für den Nibelungensteig

Ich wandere um eine Kurve bis zur nächsten Kreuzung, mit wieder einem Umleitungsschild. Das schickt mich mit einer 270° Kehre nach rechts, von der Stadt weg. Allerdings erspähe ich geradeaus, am Ende der Straße eine Apotheke im Städtchen. So folge ich der Umleitung nicht und hoffe, in Lindenfels irgendwo beim Stadtbummel die Markierung wieder zu finden. In der Apotheke bekomme ich, was ich möchte. Ich verweile mich noch kurz an der Hauptstraße, bevor ich der Burgstraße in die Altstadt folge.

Vier aufeinandergetürmte Steine bilden einen Brunnen
Der Brunnen steht bei der Apotheke. Die Straße gegenüber führt zur Burg. Allerdings ist an dieser Straßenkreuzung, über die der Nibelungensteig nach Westen führt, kein Wegweiser aufgestellt

Tatsächlich sehe ich beim Einbiegen in die Burgstraße nicht mal die Markierung mit dem N, da ich so mit dem Betrachten der Häuser beschäftigt bin. Ich komme an einen Platz mit der ersten Ansicht der Burg.

Über eine Wiese sieht man hinten einen Teil der Lindenfelser Burg, davor die Katholische Kirche
Mein Blick geht über das Flachdach des Kurhauses mit einem Drachen darauf zur Ruine der Burg. Rechts ist die kleine Katholische Kirche

Zuerst möchte ich das Bergauf hinter mich bringen und steige weiter zur Burg. Im Alten Rathaus rechts ist das Stadtmuseum untergebracht. Über die Mauer links der gepflasterten Straße kann ich in den Kurgarten schauen.

Ein Steingebäude hinter einer Steinmauer, das schmiedeeiserne Tor steht offen
Im alten Rathaus ist das Stadtmuseum von Lindenfels, allerdings nur am Wochenende geöffnet
Ein dicker Felsbrocken liegt in einem Park, ein silberner Drache daneben
Der 50 bis 80 Tonnen schwere Granitfelsbrocken löste sich am 25. November 2009 aus dem Bergrücken der Lindenfelser Burg. Auf seinem Weg legte er zwei Mauern nieder, hinterließ eine Schneise der Verwüstung und rutschte in den Kurgarten, wo er im feuchten Boden liegen blieb. 2010, als Lindenfels sich mit dem Projekt „Drachenstadt“ befasste, erhielt der Stein seinen Namen und den silbernen Begleiter

Direkt hinter dem ersten Burgtor ist wieder eine Begebenheit der Nibelungensage mit Skulpturen nachgestellt.

Eine Skulptur stellt Siegfried im Kampf mit dem Drachen Fafnir dar
Der Nibelungensage nach tötete Siegfried den Drachen Fafnir. Nach seinem Bad im Blut des Drachens war er unverwundbar. Nur eine Stelle an der rechten Schulter, an der ein Lindenblatt während des Bades klebte, blieb eine verwundbare Stelle, die ihm später zum Verhängnis wurde

Die Burg „Sliburc“ wird 1080 erstmals urkundlich erwähnt. Erbauer war vermutlich Pfalzgraf Konrad von Staufen, der Halbbruder von Kaiser Barbarossa. Als ersterwähnte Burg war sie Zentrum kurpfälzischer Politik im Odenwald. Ab dem 14. Jahrhundert wird die Stadtmauer um Lindenfels errichtet und die Burg in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausgebaut und in keinem der vielen Kriege zerstört. Das wir heute dennoch nur eine Ruine besichtigen können liegt daran, dass die unbewohnte Burg ab dem 18. Jahrhundert als Steinbruch zum Hausbau der Bewohner Lindenfels diente. Erst Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich der historischen Bedeutung und begann mit ersten Erhaltungsmaßnahmen.

Nach meinem Besuch auf der Burg gehe ich zur Kreuzung am Kurhaus zurück. Auf dessen Flachdach auch ein Drache wohnt. In ganz Lindenfels sind bunte Drachen „versteckt“. Das hat den Hintergrund, dass Lindenfels beim hessischen Landeswettbewerb „Ab in die Mitte 2010“ als Landessieger hervorging mit dem Projekt: „Lindenfels – Die Drachenstadt“.

Ein Fachwerkgebäude beherbergt das Drachenmuseum
Das Haus wurde 1727 von Baur de Betaz erbaut. Heute ist das Drachenmuseum darin untergebracht. Samstags, Sonntags und an Feiertage hat es seine Türen von 14 bis 18 Uhr geöffnet

Ich sehe nun wieder meine Markierung, der ich die Straße hinunter folge, an der Betzenkammer, dem ehemaligen Verlies vorbei. Nun liegt das Fürther Tor vor mir, auch hier wieder das charakteristische N für den Nibelungensteig.

Durch das Fürther Tor hindurch sieht man auf die evangelische Kirche
Das Fürther Tor gibt beim Blick zurück den Blick auf die evangelische Kirche frei

So wandere ich der Markierung folgend weiter und wundere mich über die Richtung, in die ich unterwegs bin. Nach einer Rechtskurve im Wald sind weißrote Absperrbänder und wieder ein Umleitungsschild.

Umleitungsschilder und Absperrungen im Wald
Die Schilder und Absperrungen unterhalb der Burg verwirren mich. Ich bewege mich nach Westen, was nicht sein kann, aber eventuell musste die Umleitung mit einem Umweg angelegt werden?, überlege ich

Ich wandere weiter und erkenne, dass ich beinahe wieder am ersten Umleitungsschild angekommen bin. Hä? (Hessisch für „Wie bitte?“) Wo, bitte, geht es nach Osten?? Ich gehe also, wieder unterhalb der Burg, zurück zum Fürther Tor, am Drachenmuseum vorbei. Und jetzt, beim Bergaufgehen, entdecke ich an der Mauer des Kurhauses die Schilder, die meiner Meinung nach an einen Wegweiser-Schilderpfosten gehören. Diese Schilder zeigen aber den Weg nach Zwingenberg und da möchte ich nicht hin.

Das Kurhaus liegt an einer gepflasterten Gasse und hat einen Drachen auf dem Flachdach
An dieser Stelle übersehe ich beim ersten Vorbeilaufen die Schilder in Hüfthöhe an einer Wand. Der Drache auf dem Dach und das die Gasse hinunterliegende Drachenmuseum lenken mich zu sehr ab. Ob ein Wegweiser das verhindert hätte?

Ich schaue mich auf dem Platz um und entdecke an einer Hauswand jenseits des Platzes „meine“ Schilder in Richtung Grasellenbach. Wie blöd! Wäre am ersten Umleitungsschild zusätzlich der Wegverlauf der Umleitung aufgedruckt, könnten sich Wanderer besser orientieren, die Umleitung „verstehen“. Wüssten sie, dass sie quasi durch den „Hintereingang“ in das schöne Städtchen geführt werden. Später, beim Schreiben des Blogs und einer Nachrecherche, finde ich auf der Webseite des Nibelungenlandes eine Seite „Aktuelles“ unter dem Nibelungensteig. Da finde ich die Informationen, die ich gebraucht hätte. Nur, unterwegs im Odenwald hatte ich sehr oft überhaupt kein Netz. Eventuell hätte ich die „Aktuelle Information“ so aktuell gar nicht auf mein Mobiltelefon bekommen?

Die Glocke der evangelischen Kirche läutet zur Mittagszeit, uff, schon wieder so spät! So wandere ich die Burggasse wieder hinunter zur Hauptstraße, an der die Apotheke liegt. Hier gibt es auch keinen Wegweiser-Schilderpfosten. Lange suche ich im Umkreis nach der Markierung, die mich weiterführt, aus Lindenfels hinaus. Endlich, rechts versetzt über die Hauptstraße, an einem Betonsträßchen, das gegenüberliegend bergauf führt, klebt sie an einem Straßenschildpfosten. Das Sträßchen bringt mich zu einem Pfad, der mit einer Überraschung aufwartet.  

Eine Tafel informiert die Besucher über den Insektenpfad
Der Nibelungensteig folgt dem südlichen Teil des Insektenpfades, mit vielen interessanten Informationen
Der Blick geht aus einem Wald über die Stadt Lindenfels mit Stadtturm und Burganlage
Vom Insektenpfad aus habe ich einen schönen Blick zurück nach Lindenfels und nach Osten

Ein Bienenbär steht am Ende des Insektenpfades, den ich freundlich grüße. Es geht noch weiter hinauf bis zu einer Erklärungstafel. Hier auf der Höhe, Köpfchen genannt, hat eine kleinere „Gegenburg“ gestanden, die vermutlich Anfang des 13. Jh., als Lindenberg badisch war, von den Wittelsbachern errichtet worden ist. Nach weiteren Schotterwegen wechselt der Weguntergrund, was ich sehr begrüße.

Ein schmaler Wiesenweg führt durch lichten Wald
Ich bin überaus froh, mal einen so schönen, schmalen Wiesenweg zu gehen

Einkehr leider nicht möglich

Die Stürme und die Trockenheit haben überall im Wald ihre Spuren hinterlassen und bald muss ich mich bücken, um weiter zu kommen.

Ein umgestürzter Baum bildet ein Tor, unter dem die Wanderer hindurch gehen
Der Pfad geht in den Wald und ich muss unter dem umgestürzten Baum durch das natürliche Tor hindurchwandern

Aus dem Wald heraustretend, wandere ich erst auf einem Schotterweg, dann auf Asphalt hinunter zum Gumpener Kreuz. Auf dieser Passhöhe treffen die Bundesstraßen 38 (Darmstadt-Weinheim) und 47 von Worms und Bensheim aufeinander.

Eine Straßenkreuzung liegt unterhalb des geschotterten Wanderweges
Das Gasthaus am Gumpener Kreuz gibt es nicht mehr. Mein Weg führte mich vom gegenüberliegenden Berg zu dieser Straßenkreuzung hinab und den Forstschotterweg steil hinauf

Der Schotterweg geht direkt steil immer nur geradeaus bergauf. Im Wald ändert sich wenig, nur das welke Blätter auf dem Forstweg liegen und es Schatten gibt. Links im Wald fällt mir ein Sandstein auf.

Ein alter Buntsandstein-Grenzstein steht im Wald
Der Buntsandstein markiert die Grenze zwischen dem hessischen Erbach und der Churpfalz, die über Jahrhunderte hier verlief. Der Nibelungensteig folgt dem Grenzweg in der Folge

Der Grenzweg führt ohne Kurve immer steil bergauf, ohne eine Möglichkeit, sich mal sitzend auszuruhen. Als ich schon denke, bald auf gefühlten 3.000 Höhenmetern zu sein, kommt endlich eine ziemlich morsche Rastbank, die den höchsten Punkt markiert. Hier begegnen mir Wanderer, die mir die nächste gastronomische Enttäuschung bescheren. Sie wissen, dass es in Weschnitz auch keine Gaststätte mehr gibt! Wie schade! Aber ich habe vorgesorgt und habe Studentenfutter dabei. Ich verschnaufe Nüsse kauend auf der Bank und genieße Ruhe, Frieden und Vogelgezwitscher. Meine Füße schmerzen in meinen leichten Trekkingschuhen mit den dünnen Sohlen. Ich entschließe mich, die Schuhe zu wechseln und die Trekkingsandalen anzuziehen. Die haben eine dickere und festere Sohle, können dem Schotter mehr Widerstand bieten. Etwas leichter geht es nun auf der Höhe dahin und ich erfreue mich an dem wunderschönen Wald, durch den ich wandere.

Ein Buchenwald mit hohen, silbrig glänzenden Stämmen
Die Buchenwälder des Odenwalds begleiten mich über weite Teile auf dem Nibelungensteig. Sie strahlen majestätische Ruhe aus, die auf den Wanderer übergeht

Am Ende des Waldes biegt der Weg leicht nach rechts ab. Ich habe den Wald rechts und Wiesen links von mir. Ich entdecke in der Wiese eine hellviolette Blume und erfreue mich an der Aussicht.

Eine hellviolette Herbstzeitlose, der Herbstkrokus, auf einer Wiese
Aus dem Wald tretend finde ich oberhalb von Weschnitz die erste Herbstzeitlose – die Vorboten des Herbstes, auch wenn der Tag noch so sommerwarm ist
Über sanft abfallende Wiese liegen Häuser im Tal und Wald auf einem Berg dahinter
Wieder so ein unbeschreiblich schöner Ausblick, hier Richtung Weschnitz. Aber auch hier muss ich ganz runter ins Tal und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinauf

Etwas näher an Weschnitz herankommend, kann ich auf die gegenüberliegende Höhe schauen, die ich heute noch überwinden muss.

Vier Windräder stehen auf dem bewaldeten Berg über Weschnitz
Der Asphaltweg bringt mich in den Ort hinab, dann gegenüber eher Richtung linkem Windrad etwas hinauf zur Walburgiskapelle, die auf halber Höhe zwischen den zwei linken Windrädern steht

Die Wirtschaft in Weschnitz ist tatsächlich geschlossen und ich marschiere zur Bushaltestelle, da das Wartehäuschen eine Rastbank hat. Mir tun die Fußsohlen furchtbar weh, meine Beine sind erschöpft. Ich habe mir mit dem Trekkinggepäck zu viel Gewicht für meine Kondition aufgeladen. Wenn ich heute Nacht wieder Beinkrämpfe bekomme? Im Zelt kann ich mich nicht mal eben aufstellen und den Krampf rausdrücken. Ich muss erst umständlich (mit Krampf) aus dem Zelt – das will ich heute Nacht nicht noch mal haben. Ich fasse den Entschluss, dass ich nicht in Hammelbach auf den Zeltplatz gehen werde. Ich recherchiere im Übernachtungsverzeichnis des Nibelungensteigs und entschließe mich, bis Grasellenbach weiter zu gehen. Nach einem kurzen Anruf habe ich ein Zimmer im Hotel und Café Gassbachtal gebucht. Nur muss ich bis 17.30 Uhr dort sein, wenn ich im Hotel zu Abend essen möchte. Na dann, nix wie los. Die ersten Schritte schmerzen immer höllisch, dann geht es besser. Aber wieder geht es bergauf und der Weg wird für kurze Zeit so, wie ich es am liebsten mag.

Eine Holzbrücke im Wald führt über einen schmalen Bach
Die Brücke über den Osterbach, der schmale Waldweg dazu, lässt mich endlich mal wieder an einen „Steig“ glauben. Der Osterbach, der mit dieser Brücke überquert wird, vereinigt sich später mit dem Mergbach und bildet die Gersprenz

Kulturdenkmal und Energiewende

Der Weg wir wieder ein Waldforstweg, ein Parkplatz liegt links und ich erreiche den Friedhof des Ortes Weschnitz, der unterhalb der Walburgiskapelle liegt.

Holzkreuze stehen auf dem Friedhof in Weschnitz statt Grabsteine
Auf dem Friedhof in Weschnitz wird an die Verstorbenen mit Holzkreuzen erinnert

Durch eine Schneise marschiere ich über Treppen nun auf die Walburgiskapelle zu, die oben auf dem – welch einfallsreicher Namen – Kapellenberg liegt. Es wird davon ausgegangen, dass der Ort schon in vorchristlicher Zeit ein Heiliger Ort war. Der Name bezieht sich auf die Schwester des Missionars Bonifatius, die ihren Bruder im 8. Jahrhundert aus England nach Deutschland begleitete. Die Grabplatte soll ein heilkräftiges Öl absondern, wird erzählt.

Über einer steile Steintreppe thront eine steinerne Kapelle
Die Walburgiskapelle ist über eine steile Treppe zu erreichen

Die Kapelle ist von März bis November an Samstagen und Sonntagen geöffnet. Von Dezember bis Februar nur an Sonntagen. Von Juni bis Oktober finden an jedem ersten Samstag im Monat um 18.30 Uhr heilige Messen statt.

Der Bergvorsprung hat zwar einen eigenen Namen, ist aber nicht der höchste Gipfel. So muss ich den nächsten Berg, den Kahlberg, besteigen. Auf dessen Rücken sind Windräder aufgestellt, die ein Teil der Energiewende sind. Ich höre das Surren des Windrades erst, als ich schon ziemlich nahe bin. Ich gehe unter dem Windrad hindurch und folge der Markierung nach rechts, immer auf dem asphaltierten Bergrücken weiter. So wandere ich an zwei weiteren Windrädern vorbei.

Ein Windrad steht auf einem Hügel im Wald, ein Forstweg geht daran vorbei
Der Wanderweg führt durch den Windpark auf dem Kahlberg. Vor Eisschlag muss ich mich an diesem schönen Sommertag nicht fürchten

Nach dem letzten Windrad dauert er noch eine Weile, bis aus der Asphaltstraße ein Pfad wird, der mich steil bergab führt. Er holt noch weit nach Westen aus, bevor er nach Südosten schwenkt. Vorbei an Heidelbeersträuchern und Heidekraut, so liebe ich den Wald und es erinnert mich an unsere Baltikumreise, wo der Wald meistens so aussieht. Vor einer Wiesenlichtung steht ein Wegweiser.

Ein Wegweiser mit vielen Wanderschildern
Die Wegweiser im Odenwald sind vorbildlich angelegt

Der Wegweiser gibt mir die unterschiedlichsten Informationen. Nach Hammelbach hätte ich heute noch 1,5 km bis zum Campingplatz. Morgen müsste ich die wieder zu diesem Punkt zurück gehen, ist gleich 3 km mehr. Heute habe ich noch 3 km auf dem Nibelungensteig, ich könnte aber auch in 2,5 km am Ziel sein. Beim Weiterwandern verstehe ich den Schlenker, den der Nibelungensteig macht, auch nicht, denn es ist nichts Spektakuläres, unbedingt Sehenswertes, an dem ich vorbeikomme.

Ein Haus am Waldrand mit der Aufschrift Café Bauer
Das Café Bauer bietet leckere Kuchen und kleine Schmankerl. Ich gehe vorbei, denn mein Hotel und das Abendessen sind nicht mehr weit

Der Weg führt mich rechts hinauf am Café vorbei, dann biegt er links ab und später wieder links und mündet in den Kunstpfad. Einige Kunstwerke mit interessanten Titeln stehen am Wegesrand – ich bin zu erschöpft, um die Kunst zu genießen. Eine wunderschöne Kneippanlage ist rechts am Waldrand.

Gemauerte Becken bilden die Kneippanlage im Wald
Auch heute passiere ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit die Kneippanlage nur

Meine Füße mögen nicht mehr laufen. Immer wieder bleibe ich stehen, überprüfe meine Haltung von Kopf bis Fuß und bemühe mich, keine Schonhaltung einzunehmen und nicht zu humpeln. Die Stöcke unterstützen mein Fortkommen und ich gehe mit Nordic-Walking-Bewegungen vorwärts. Ein kleiner Teich links und dahinter ein Tor, ein Kunstwerk – ja, hier mache ich noch ein paar Extra-Meter für ein Foto.

Durch einen Kunstbogen aus Sandstein und Metall ist hinter einer Wiese ein Haus zu sehen
Mein Hotel habe ich durch einen Bogen eines Kunstwerkes fotografiert

Auf der Hotel- oder Caféterrasse sitzen einige Menschen vor lecker aussehenden Kuchenstücken. Ich ziehe meine Mund-Nasen-Maske an und betrete den Verkaufsraum, mit der Rezeption im hinteren Bereich. Meine Unterkunft entpuppt sich als das mehrfach ausgezeichnete Nibelungencafé. Die Konditorenerzeugnisse tragen so klingende Namen wie: Brunhilds Sahnekuppel, Kriemhilds Früchtetraum, die majestätische König Alberich- oder Drachenbluttorte. Oh, ich freue mich schon auf meinen Nachtisch!

Die Wirtin zeigt mir den Treppenaufgang zum Zimmer und betont, dass es auch einen Aufzug gebe, als sie mein entgeistertes Gesicht sieht. Sie weist mich auch nochmal darauf hin, dass ich nur bis 17.30 Uhr ein Abendessen bestellen kann. Mittlerweile ist es 17.10 Uhr. Ich fahre tatsächlich mit dem Aufzug in den ersten Stock und bringe meinen Rucksack in mein Einzelzimmer. Ich stoppe die Komoot-Aufzeichnung und stecke mein Mobiltelefon an den Strom, bevor ich hinunter gehe. Ich bestelle Linsensuppe und ein alkoholfreies Bier und als Nachtisch eine Hessentorte. Ich, als Hessin, muss die probieren!

Nach dem Abendessen gehe ich direkt  aufs Zimmer. Das Blasenpflaster hat sich in den Socken gearbeitet! Ich dusche ausführlich und betrachte meine wehen Füße. Wie dämlich kann man sein, die Wanderschuhe zuhause zu lassen? Wieder frage ich mich das. Und wieder kommt die Antwort: den Weinsteig konnte ich mit diesen leichten Barfuß-Trekkingschuhen von Joe Nimble laufen und da war es kein Problem! Ich verklebe die Blase neu und lege mich hin. Am Mobiltelefon mache ich die YouTube Filme der ersten und zweiten Etappe fertig und veröffentliche sie, bevor ich mich schlafen lege. Ich werde am Morgen entscheiden, ob ich weitergehe oder die Wanderung unterbreche.

Fazit der 2. Etappe

Mit um die 17 km – ohne Umwege – und um die 700 Höhenmetern im Aufstieg ist die Etappe moderat zu gehen. Durch langes Schlafen am Morgen, Zeltabbau und packen bin ich ziemlich spät losgekommen. Da ich mir das Städtchen Lindenfels ausführlich angeschaut habe, bin ich dort erst nach 12 Uhr losgelaufen. Auch diese Etappe hat hauptsächlich festen Weguntergrund in Form von Asphalt und Schotter-Forstwegen. Unterwegs ist viel zu schauen und zu entdecken, landschaftlich und kulturell. Mir haben an schönen Stellen und in den langen Aufstiegen Bänke zum Ausruhen gefehlt. Die gibt es meist nur in unmittelbarer Nähe von Ortschaften, nicht an den langen Strecken dazwischen. Leider gibt es auch keine Einkehrmöglichkeit unterwegs (außer mit Umwegen), daher sollte eine Vesper im Rucksack sein. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

Mein Video mit Eindrücken der zweiten Etappe findest Du auf YouTube.

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Nibelungensteig Etappe 1 – Zwingenberg – Schlierbach

Nibelungensteig Etappe 1 – Zwingenberg – Schlierbach

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Ich habe Lust zu Wandern. Einen Fernwanderweg. Möglichst mit Zelt. Der Nibelungensteig steht seit einigen Jahren auf meiner Wanderagenda. In sechs, statt in sieben Etappen möchte ich auf dem zertifizierten Fernwanderweg von Zwingenberg an der Bergstraße über den Odenwald nach Freudenberg am Main wandern. So der Plan.

Planung der Wanderung

Ein Wanderweg, der mir seit Jahren im Wanderherz herumspukt, ist der Nibelungensteig. Er wurde 2008 eröffnet und ist seit 2010 ein zertifizierter Qualitätsweg Wanderbares Deutschland. Die Webseite des Nibelungenlands gibt sehr detaillierte Informationen. So kann ich meine Etappen und Übernachtungsplätze sehr schnell planen. Am Wegrand liegen einige gut ausgestattete Campingplätze. So entschließe ich mich, mein kleines Vaude-Zelt „Refuge“, meine Matte und meinen warmen Schlafsack mitzunehmen. Nur eine Nacht werde ich in einer Pension schlafen. Aus ökologischen Gründen reise ich mit Bus und Bahn an und ab. Dienstags plane ich die Wanderung und Donnerstags geht es bereits los.

Der Nibelungensteig ist eine sportliche Herausforderung. Er führt über die Höhen des Odenwald. Während der über 130 km werden über 4.000 Höhenmeter erstiegen und natürlich wieder abgestiegen. Gleich am Anfang fordert der Melibokus heraus. Er thront über Zwingenberg und ist mit 517 Komma 4 m über Normalnull der höchste Berg an der hessischen Bergstraße.

Mein Marschgepäck

Da das Wetter ohne Regen und tagsüber über 20° warm sein wird, werde ich auf meine Wanderstiefel verzichten. Statt dessen laufe ich in meinen Barfußschuhen von Joe Nimbel. Die haben sich auf dem Weinsteig in der Pfalz bestens bewährt. Mein Steildachzelt von Vaude, meine Ridge-Rest-Matte und mein Hochleistungsschlafsack von Valandre wiegen zusammen knapp 2 kg. Da ich alle Dinge im Rucksack haben möchte, entscheide ich mich für die schwerere Therm-a-Rest-Matte, denn die Rigde-Rest-Matte müsste ich außen dran befestigen. Die Bundeswehrtasse nehme ich als Kochtopf mit, gefüllt mit Beuteln mit Müsli, Milchpulver und Kaffeepulver. Am Campingplatz werde ich in den vorhandenen Küchen mein Frühstück zubereiten. Eine lange „Zip“-Wanderhose von Maul für die kühlen Abende, 1 Ersatz-T-Shirt von Eisbreaker, 1x Ersatzsocken von Falke, 4 Unterhosen, 1 dünner Langarmpullover von Devold, 1 Windstopperjacke von Salewa, 2 Buff, 1 Sonnenhut, 1 Waschbeutel mit Trekkinghandtuch, 1 Schlafanzug bestehend aus langer Wollunterhose von Engel und einem Wolloberteil von Icebreaker, 1 Erste-Hilfe-Beutel, 1 Paar Trekkingstöcke, 2 Trinkflaschen mit insgesamt 1,5 l, 1 Laptop, 1 Powerbank, 1 Mobiltelefon, Stecker und Kabel, Sonnencreme und Blasenpflaster. Gesamtgewicht 14,4 kg ohne Wasser. Wie ich gepackt habe, kannst Du Dir bei YouTube anschauen.

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Aufzeichnung der Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Oder Du folgst mir und dieser Wanderung auf meinem Komoot-Account.

Start in Zwingenberg

In Zwingenberg werde ich am Bahnhof von einem lieben Bekannten erwartet. Mit Johannes Fischer vom Busunternehmen „Der Zwingenberger“ war ich über Jahre beruflich verbunden. Sein Unternehmen bietet unter anderem barrierefreie Reisen an. Die Busse haben Einstiegslifte, die Menschen die steilen Bustreppen ersparen. Rollifahrer können so auch in den Bus einsteigen und entweder auf Bussitze umgesetzt oder in ihrem Rolli sicher angeschnallt werden. Rollisportvereine gehören u.a. zu seinen Kunden. Ich habe mit meinen Senioren wunderbare Reisen unternommen, manchmal hatten wir 4-5 Rollstühle und über 20 Rollatoren dabei. Trotz körperlicher Einschränkungen unterwegs zu sein, war mit unserem  „Entschleunigten Reisen“ ohne Überforderung möglich. Von den Erlebnissen haben meine, unsere Gäste lange erzählt und gezehrt.

Die Bloggerin von Reisepunsch und der Busunternehmer „Der Zwingenberger“ posieren für ein Selfie
Ein Selfie mit dem Busunternehmer „Der Zwingenberger“ und der Bloggerin von Reisepunsch

Wegen der Corona-Krise ist sein komplettes Sommergeschäft geplatzt, in dem er das Geld für das ganze Jahr verdient hätte. Sein hauptsächliches Reiseklientel zählt zu den besonders gefährdeten Personen, so ist eine Planung für 2021 nur schwer möglich. So wenige Busunternehmen bieten hochbetagten Gästen noch die Möglichkeit zu reisen. Nur wenige Busunternehmer haben überhaupt einen Lift im Bus. Und die Erfahrung, die Johannes Fischer und seine Fahrer über die Jahre gerade mit Rollstuhlfahrern und Senioren gesammelt haben, haben nur wenige Reisebusunternehmen. Es wäre so ungeheuer schade, wenn „Der Zwingenberger“ und das Reisen von Hochbetagten und Rollstuhlfahrern mit Corona keine Zukunft mehr hätte. Ich wünsche Johannes, der zur Zeit als LKW Fahrer einen Arbeitsplatz gefunden hat, das Allerbeste und einen Fortbestand des Unternehmens.

Ein Wanderwegweiser mit Aufschriften
Der Nibelungensteig ist ab dem Bahnhof ausgeschildert

Johannes macht mit mir eine kleine Stadtführung aus erster Hand, ist er doch seit seiner Geburt hier verwurzelt. So erklärt er mir, dass außerhalb der Stadtmauer die Scheunen (im hessischen Scheuer genannt) lagen, wohl wegen der Brandgefahr, die z.B. von gelagertem Heu ausgeht. In den letzten hundert Jahren wurden diese zu Wohnhäusern umgebaut und die Gasse weißt mit ihrem Namen noch auf den Ursprung hin.

Eine Fachwerkhausstraße, im Hintergrund ein hoher Mittelgebirgsgipfel mit einem Sendemast
Über der Scheuergasse mit ihren Fachwerkhäusern thront der Melibokus, der von Zwingenberg aus zuerst bewältigt werden muss.

Am Ende der Scheuergasse, momentan in der Baustelle der B3, der Bergstraße, steht eine Skulptur.

Eine Bronzefigur eines Mannes mit einem angeleinten Schaf
Dem Buchdrucker und Herausgeber des Bergsträßer Boten, Max Teichmann, ist mit einer Bronzefigur ein Denkmal gesetzt. Das Schaf ist die „Bezahlung“ eines Kunden.

Gegenüber ist die Bäckerei Germann, in dem Du den ersten Stempel in Deinen Wanderpass bekommen kannst und Johannes und ich einen Kaffee trinken. Vom  Stadtrundgang zeige ich Dir hier nur einige der Besonderheiten des 7000 Einwohner zählenden Städtchens.

Links die Stadtmauer mit aufgebauten Häusern, rechts ein Spazierweg
Wir beginnen den Altstadtrundgang mit dem Spaziergang entlang der Stadtmauer
Eine aus mehreren Teilen bestehende Skulptur, mit Masken und Speeren steht vor dem ehemaligen Amtsgericht
Leider gibt es keinen Hinweis an der Skulptur, ob sie bereits etwas mit der Nibelungensage zu tun hat, oder mit dem ehemaligen Amtsgericht dahinter
Über den Fachwerkhäuser auf dem mit Bäumen bestandenen Marktplatz steht die Bergkirche
Über den Marktplatz hinweg schaue ich hinauf zur Bergkirche
Rampen und Stufen führen zur Bogentür des alten Rathauses mit einem Glockenturm
Das alte Rathaus hat einen Turm mit einem Glockenspiel
Das alten Schloss hat einen gemauerten Wohnturm, mit einem Fachwerkanbau
Im alten Schloss befindet sich heute Rathaus und Bürgerbüro
Ein Sandsteinsockel hat ein Löwenmaul, aus dem Wasser in einen Brunnenschale läuft
Der Löwenbrunnen auf dem Löwenplatz trägt das Wappen von Zwingenberg, den hessischen Löwen mit drei Wasserlilien
Von der Ummauerung der Bergkirche geht der Blick über die Dächer der Altstadt in die Rheinebene
Die Bergkirche ist ein Aussichtspunkt mit Blick in die Rheinebene. Wer da nicht an das Göttliche glaubt, wenn er die Kirche besucht??
Ein alter Stadtturm ist hinter einer Grünanlage mit Sitzgelegenheiten
Vor dem einzig erhaltenen Stadtturm, Aul genannt, ist ein Treffpunkt in der Grünanlage
Eine Skulptur aus einem rostigen N und Edelstahlfiguren die Kriemhild und Siegfried darstellen
Der Beginn des Nibelungensteigs ist seit Sommer 2020 mit dieser Skulptur gekennzeichnet

Rechts im Bild ist ein Trinkwasserbrunnen, in dem die Trinkflasche nochmal aufgefüllt werden könnte. Links daneben eine Landkarte mit einem Überblick über die Gesamtlänge und Etappen des Nibelungensteigs und darunter der Wegweiser hinauf zum Melibokus.

Die Vorsitzende des Förderkreises „Kunst und Kultur Zwingenberg“, die Künstlerin Ulrike Fried-Heufel, hat die Skulptur entworfen, das vom Metallbauer Rudolf Müller umgesetzt wurde. Auf einem rostroten „N“ aus Cortenstahl sind die aus Edelstahl gefertigten Silhouetten von Siegfried und Kriemhild, den Hauptfiguren der Nibelungensage aufgebracht. Diese beiden und andere Figuren und Begebenheiten der Nibelungensage werden mich auf der gesamten Wanderung begleiten.

Melibokus, erster Odenwaldgipfel auf dem Nibelungensteig

„Wenn Du erst mal am Steinbruch bist, hast Du das Steilste hinter Dir,“ verabschiedet mich Johannes. Äußerst fröhlich gestimmt mache ich mich auf den Weg. Besser gesagt, die Asphaltstraße hinauf.

Der ehemalige Steinbruch ist an manchen Abbruchkanten bereits mit Gebüsch bewachsen
Der ehemalige Steinbruch ist erreicht, nun geht es nach rechts um die Kurve etwas weniger steil weiter
Weinreben hängen voll mit reifen Trauben
Bergsträßer Wein wird auf etwa 450 ha angebaut. Die Zwingenberger Einzellagen „Alte Burg“ und „Steingeröll“ sind in die Großlage Auerbacher Rott integriert

Ich verweile mich noch beim Schauen in die Ebene. nach Süden nach Bensheim, Heppenheim und Weinheim, fast bis Heidelberg. Über Mannheim, Ludwigshafen und Frankental rüber zur Pfalz, die im Dunst nur zu erahnen ist. So wunderschön ist die Aussicht, dass ich wegträume, meinen Gedanken nachhänge. Nun muss ich mich sputen. Es ist bereits halb 12 und es liegen noch über 25 km vor mir, und etliche Höhenmeter!

Einige Felssteine schauen aus dem Waldboden, Buchen wachsen darauf
Der Gipfelaufbau des Melibokus ist recht felsig
Ein schmaler Pfad im Buchenwald wird schon von welken Blättern teils verdeckt
Es ist zwar Herbst, aber die welken Blätter sind dem trockenen Sommer geschuldet

An der höchsten Stelle des Weges angekommen, folge ich nicht meiner Markierung nach rechts, sondern gehe erst nach links. Zum Gipfel des Melibokus mit seinem Turm, um die Aussicht in die Rheinebene nach Westen, Süden und Norden ein letztes Mal zu genießen..

Ein runder Ruinenturm erhebt sich aus herbstfarbenem Wald, dahinter die Häuser von Hähnlein
Direkt rechts unter mir ist das Hähnleiner Schloss mit dem Ort (Alsbach)-Hähnlein
Über die Absprungschanze der Gleitschirmflieger geht der Blick nach Rheinhessen und in den Taunus
Über die Absprungschanze der Gleitschirmflieger geht der Blick nach Rheinhessen (eher links) und in den Taunus (mittig im Dunst)
Ein Turm vom Fuß bis in den Himmel fotografiert, Der Turm hat ein überkragendes Dach und eine Beschilderung am Turm
Der Turm ist wegen Corona nicht begehbar – aber er hätte sowieso am Donnerstag geschlossen, schade

Mit meiner Markierung, dem roten „N“ auf weißem Grund,  geht es nun nur leicht bergab und dann auf der Höhe, in leichten Wellen und schönen Aussichten weiter.

Über die hügelige Landschaft mit abgemähten Wiesen geht der Blick zu weit hinten liegenden Bergkuppen
Die Höhen im Hintergrund liegen in denn nächsten Tagen auf meinem Weg

Ohlyturm und Felsenmeer

Kurz nachdem ich wieder im Wald bin, taucht der Ohlyturm vor mir auf. Mein Magen knurrt, in der Nähe des Ohlyturms war früher eine Gaststätte, erinnere ich mich.

Ein aus Granit erbauter Steinturm steht in einem Buchenwald
Der 1900/1901 erbaute Turm aus Latertaler Granit ist nach dem Darmstädter Bürgermeister Albrecht Ohly benannt. Leider ist der 27m hohe Turm nicht zugänglich. Er würde einen Ausblick nach Westen auf Donnersberg und Pfalz ermöglichen, nach Norden über die Skyline von Frankfurt in den Taunus und zum Katzenbuckel im Südosten

Leider ist die Gaststätte erst ab 17 Uhr geöffnet. Um diese Uhrzeit möchte ich eigentlich schon am Ziel sein. Ich tauche ab ins Felsenmeer, das ich schon seit meiner Kindheit immer wieder besucht habe.

Ein als Säule behauener Stein liegt auf dem Waldboden
Im 4. Jahrhundert n. Chr. haben die Römer diese Säule bearbeitet. Es gibt zwar Erklärungen, wie diese Werkstücke von der Höhe zu den Bauwerken, irgendwo am Rhein geschafft wurden – für mich ist das dennoch immer wieder eine technische Meisterleistung und ein Wunder
Das Felsenmeer zieht sich mit seinen Felsblöcken von der Ebene hinauf
Wie oft ich hier als Kind und später mit meinen Kindern bereits herumgeklettert bin? Heute wandere ich nur durch das Felsenmeer hindurch
ABU Eine Erklärungstafel beschreibt die Entstehung des Felsenmeeres
Ich bin beeindruckt von der Tafel, die die Entstehung des Felsenmeeres sehr verständlich erklärt

Seit einigen Jahren informiert am Fuß des Felsenmeers ein Info-Zentrum über den Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, die Gemeinde Lautertal und das Felsenmeer.

Das Informationszentrum ist außen mit Holz und Steinplatten der Region verkleidet
Das Felsenmeer-Informationszentrum ist Mittwoch bis Freitag von 13.00-17.00 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.00-17.00 Uhr geöffnet

Ich esse in der naheliegenden Gaststätte zu (Nach-)Mittag und wandere weiter in die Ortsmitte.

Auf einem Platz steht eine Skulptur, die Hagen von Tronje aus der Nibelungensage darstellt
In Reichenbach steht an der vielbefahrenen Kreuzung die Skulptur „Grimmiger Kämpe Hagen“ und im Hintergrund der Pranger der Gemeinde. Er ist heute zum Glück nicht mehr in Gebrauch

Hagen von Tronje war ein Edelmann. Dem Burgunderkönig Gunter, der in Worms residierte, war er treuer Vasall. In der Nibelungensage spielt er eine tragische Rolle, da er aus Ehrerbietung seiner Herrin gegenüber den Mord an Siegfried begeht.

In Reichenbach muss ich des Öfteren meine Markierung suchen. Beim Weg aus Reichenbach hinauf zum Hohenstein verlaufe ich mich und erreiche mit einem kleinen Umweg den Hohenstein. An manchen Stellen würde ich mir auf dem Nibelungensteig hüfthohe Pfosten wünschen, die ich schlechter übersehen würde, als die kleinen Aufkleber an den runden Straßenschilderpfosten. Mir fällt unterwegs auch immer wieder auf, dass zwar vor einer Kreuzung Markierungen mit Miniaturpfeilen die Richtung nach der Kreuzung anzeigen, aber direkt nach dem Abzweig keine Markierung angebracht ist. Andere Wandermarkierungen dagegen schon. Nur die des Nibelungensteigs ist manchmal 50 bis 100 m später erst an einem Baum angebracht. Manchmal verdeckt von Blättern. Das finde ich sehr verwirrend.

Hohenstein und Ausblicke

Kletterer machen sich fertig um an den Felsen des Hohenstein zu klettern
Eine Gruppe von Übungsleitern und Kindern zieht sich am Hohenstein die Gurte an um zu Klettern. Hier bin ich vor vielen Jahren mal eine Siebener-Route im Nachstieg geklettert 😉
Holzstapel stehen am Rande einer Birkenallee
Der Weg geht durch eine Birkenallee, mit wohltuend sandigem Untergrund, weiter zum Hofgut Hohenstein
Über einen kleinen Teil geht der Blick über sanfte Hügel bis zum Melibokus
Vom Hofgut Hohenstein geht der Blick zurück zum Melibokus

Nun geht es wieder bergauf, hinauf zum Knodener Kopf. Da ich weiß, dass ich auch noch über den Krehberg muss, versuche ich, das Tempo zu beschleunigen. Da ich aber mit zu wenig Kondition unterwegs bin, ist das schwierig. Anders formuliert, ich habe zu viel Gepäck für meine schlechte Kondition, denn diese Etappe des Nibelungensteigs ist mit 27 km sehr weit und mit 1.140 m im Aufstieg und 980 m im Abstieg außerdem Kräftezehrend.

Ein geschotterter Forstweg schlängelt sich durch den Wald
Über 50% des Nibelungensteigs gehen über solche Forstwege, also auf hartem Untergrund. Meist kleiner Schotter, manchmal richtig Großschottrig, teilweise von Fahrzeugen sehr rund gefahren. Dieser Weg führt mich hinauf zum Knodener Kopf

Meine leichten Trekkingschuhe haben sich auf dem Weinsteig in der Pfalz bewährt, der meist über Waldpfade führt, die nachfedern. Der harte Untergrund von etwa 80% des Nibelungensteigs, bestehend aus Schotterforstwege, Asphalt und, aufgrund der Trockenheit harten Waldwegen, sind für meine Füße in den leichten Trekkingschuhen leider der Horror. Für den Nibelungensteig wären Bergwanderschuhe die richtige Wahl gewesen. Aber die stehen zuhause, seufz!

In den Aufstiegen stehen selten Rastbänke, es gibt keine Baumstämme oder Felsen, auf denen ich mich mal ausruhen könnte. Erst auf dem felsigen und bewaldeten Gipfel des Knodener Kopfes laden mich einige Felsen zu einer kurzen Rast ein.

Einige Alpakas weiden auf einer Wiese
Kurz vor Schannenbach stehen einige Alpakas auf einer Weide. Leider bin ich kein Alpakaflüsterer, sonst würde ich mich von einem weitertragen lassen…
Über eine vertrocknete Wiese geht der Blick in die Ferne bis in die Pfalz. Die Sonne steht bereits kurz über dem Horizont
Der Dunst hat sich etwas gelegt. So kann ich von Schannenbach aus bei einem Blick nach Westen die Pfalz in der Ferne erahnen

Bald geht die Sonne unter und ich bin noch nicht am Ziel

Mittlerweile ist es 18 Uhr. Ich rufe beim Campingplatz an, bis wann ich spätestens kommen muss, um einen Platz zugewiesen zu bekommen. Alternativ scheint es nämlich in Schannenbach einen Gasthof und eine Pension zu geben…. Ich kann jederzeit kommen, ist die Antwort. Nun denn, auf zum letzten Abschnitt heute. Ich packe all mein mentales Können aus, um mich für die letzten vier, fünf Kilometern zu motivieren. Und es geht nochmal hinauf, denn einer der höchsten Berge des Odenwalds, der Krehberg, muss noch überwunden werden. An seinem östlichen Fuß liegt Schlierbach und der Campingplatz. Nach langem Anstieg erreiche ich eine Rasthütte.

Eine Rasthütte aus Holz steht auf Felsen im Wald
Die Rasthütte Mathildenruh steht beinahe auf dem Gipfel des Krehbergs, mit 576 m Höhe

Gegenüber der Hütte geht es nun lange und teils ziemlich steil bergab, immer weiter ins Tal. Aber auch das geht bei mir heute nicht mehr leichtfüßig, sondern quälend langsam. Ich denke beim Hinabschleichen an Hape Kerkeling und sein Buch: „Ich bin dann mal weg“. Darin beschreibt er die ersten Tage seiner Wanderung auf dem Jakobsweg so, wie ich meine erste Etappe heute erlebe. Als ich das Buch las, durchtrainiert und konditionsstark, konnte ich seine Erschöpfungsbeschreibung nicht nachvollziehen. Heute schon und so entschuldige ich mich bei Hape. Ich habe mich einfach überschätzt! Wir haben während unserer langen Baltikum Reise in diesem Corona Sommer zwar einige Wanderungen und Radtouren gemacht. Aber zum Konditionsaufbau für den Nibelungensteig hat das bei Weitem nicht gereicht. Und einen schweren Rucksack habe ich zum letzten Mal im Mai, bei meiner Trekkingtour mit meinem Neffen getragen, und das ist vier Monate her. Trotzdem freue ich mich am Anblick der Aussicht an der nächsten Rasthütte.

Der Blick geht nach Osten über die Höhen der nächsten Etappen
Von der Rasthütte Elisabethruhe habe ich einen Ausblick nach Osten über die Höhen der nächsten Etappen des Nibelungensteigs

Auf einem ausgewaschenen Pfad, der knochentrocken und hart ist und sehr steil bergab führt, und üblicherweise zu meinen Lieblingsbergabgehwegen zählen würde, quäle ich mich immer weiter ins Tal. Endlich öffnet sich der Blick kurz auf den Ort. Kurze Zeit später passiere ich die Kneippanlage in Schlierbach.

Auf Terrassen stehen auf einem Campingplatz Wohnwagen
Mein Tagesziel ist endlich in Sicht. Der Terrassen-Camping-Platz in Schlierbach, darüber die Burg Lindenfels, links Häuser des Städtchen Lindenfels
Eine Kneippanlage mit Wassertretbecken in einem Waldstück
Wäre es nicht so spät und das Wassertretbecken nicht so veralgt, wäre die Kneippanlage eine Wohltat für meine Füße

Endlich am Campingplatz

Ich klingele den Besitzer, Ralf Bauer, aus seinem wohlverdienten Feierabend, als ich um 19.40 Uhr endlich am Campingplatz ankomme. Er ist nett und zuvorkommend und verhilft mir zuerst zu einem Bier, einem Flens, was aber nicht recht „ploppen“ will beim Aufmachen. Nachdem ich den Meldezettel ausgefüllt habe, fragt er, ob ich einen Hammer für die Heringe dabei habe, denn der Boden sei sehr trocken. „Nee, einen Hammer hammer nich“, antworte ich grinsend. Er reicht mir einen dicken Fäustel und gibt mir einen weichen Wiesenplatz in nähest möglicher Nähe zum Sanitärgebäude. Ich buckle meinen Rucksack ein letztes Mal, nehme den Hammer, meine Bierflasche und noch eine zweite, und humpele über den Weg zu meinem Platz.

Das Zelt ist direkt zuoberst im Rucksack und schnell aus der Hülle. Ich lege es aus, große Tür Richtung Toilette, und spanne die vier Ecken mit den Heringen ab. Nun hämmere ich zwei Heringe etwa einen Meter von den beiden Eingängen in den Boden. Ich schiebe erst am flacheren Zeltende einen Trekkingstock mit seinem Handgriff in die Dachspitze und spanne diese dann am eingeschlagenen Hering ab. Ich richte mich langsam auf, den mein Körper schmerzt, und nehme den nächsten Stock, mit dem ich am „Haupteingang“ das gleiche mache. Ich spanne die Zeltseiten noch ab und mit wenigen Handgriffen ist die Matte im Zelt, Ventil aufgedreht, Schlafsack drauf, Rucksack rein, und die Dinge so sortiert, wie ich sie in den nächsten Minuten benötige.

Ein Steilwandzelt steht in der Abenddämmerung
Im letzten Licht stelle ich mein Zelt auf, leider ist das Bild verwackelt. Doch Du kannst erkennen, dass meine Trekkingstöcke das Zeltgestänge bilden

Waschbeutel in die Hand und meinen Wollschlafanzug, Teva-Sandalen an die Füße und ab in die Dusche. Ich lasse lange das Wasser laufen. Auf Füße und Beine abwechselnd heiß und kalt. Ich reibe Oberschenkel und Waden und die Schultern noch mit Franzbrandwein ein und wasche mir danach gründlich die Hände, putze die Zähne und humpele Richtung Zelt. Im Sitzen schaue ich meine Fußsohlen an. Die linke hat unter dem Ballen eine dicke Blase! Na bravo! Ich hole ein Blasenpflaster aus meinem erste Hilfe Päckchen, reibe es warm und mache dasselbe mit meinem Fuß. Vorsichtig klebe ich das Pflaster gründlich auf und drücke es am Rand gut fest. Ich ziehe meine dünnen Baumwollsocken darüber, damit ich es nicht in den Schlafsack strampele. So, alles soweit erledigt! Zeit für mein zweites Flens. Sollte doch möglich sein, es mit einem Plopp zu öffnen! Aber: sieh selbst…

Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Und das habe ich nach dem ersten Schreck getan. Ich habe ungeheuer schlecht geschlafen in dieser Nacht. Mein Körper war zu erschöpft, Krämpfe in den Beinen haben mich geplagt. Irgendwann bin ich doch eingeschlafen und erst gegen 8 Uhr am nächsten Tag aufgewacht.

Eine Kurzfassung der ersten Etappe kannst Du auf meinem YouTube-Kanal anschauen.

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Mein Fazit meiner ersten Etappe

Mit Wanderschuhen und leichterem Rucksack wäre die Etappe für mich wesentlich weniger anstrengend gewesen. Für Wanderer, die die Gegend überhaupt nicht kennen, ist diese Etappe zu lange. In Zwingenberg lohnt der Stadtrundgang, auf den Gipfeln die Aussicht und das Felsenmeer sollte kletternd erforscht werden. Wer die Gegend kennen lernen möchte, sollte aus meiner 1. Etappe seine erste und zweite Etappe machen. In Reichenbach gibt es unterschiedliche Unterkünfte. So lässt sich die Wanderung, mit ihren vielfältigen Erlebnis-Angeboten unterwegs, mit Genuss erleben. Und Genuss am Natur- und Kulturerlebnis sollte die Hauptmotivation einer solchen Fernwanderung sein. Ausführliche Informationen zum Nibelungensteig und zum Nibelungenland findest Du hier.

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Hallo,
Den August starteten wir in Ventspils in Lettland. Dort war am ersten Augustwochenende nicht nur Stadtfest. sondern im Koncertzāle Latvija auch ein Klavierkonzert der polnischen Pianistin Hania Rani. Im Konzertsaal steht ein 4,7 m hohes vertikales Klavier, die Pianistin saß an der Klaviertastatur 10 m über dem Publikum. Ein unglaubliches Erlebnis.

Ventspils

Wie die Masten eines Segelschiff ist der Springbrunnen vor der Konzerthalle gestaltet
Der Springbrunnen Valzivs in der Abendsonne

Außer dem Stadtfest mit vielen Bühnen, war im Koncertzāle Latvija auch ein Klavierkonzert der polnischen Pianistin Hania Rani. Der Konzertsaal hat ein 4,7 m hohes vertikales Klavier. Die Pianistin saß an der Klaviertastatur 10 m über dem Publikum. Ein unglaubliches Erlebnis. Beitrag lesen


Busnieku-See

Ein aus Holz geschnitzter, weiß und rot angemalter, sehr hoher Fliegenpilz
Ein sehr großer Fliegenpilz im Wald

Auf unserem Weiterweg nach Norden haben wir an einem Sonntagvormittag eine Radtour um den Busnieku See gemacht. Ein Badeplatz lockt am Sonntag viele Besucher und wir fahren weiter, wieder an die Ostsee zu einem besonderen Campingplatz, der Yoga- und Meditationskurse anbietet. Weiterlesen


Slītere Nationalpark

Der Slītere Nationalpark liegt an der livländischen Küste oben im Nordwesten in der Region Kurzeme. Er hat 14 verschiedene Wanderwege, von denen wir auf zwei unterwegs waren.

Ein orangebrauner Schmetterling mit schwarzen Flecken auf einer gelben Blüte
Nicht nur dem Schmetterling schmeckt der Nektar, auch zwei Käfer auf der anderen Blüte stärken sich

Pēterezeru dabas taka

Die Dünenlandschaft, in die der „Peter-See“ eingebettet ist, ist einmalig in Europa. Viele Pflanzen und Tiere, die auf der roten Liste der aussterbenden Arten stehen, haben hier noch eine gesunde Umwelt und somit Heimat.
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Die Bloggerin steht auf den Felsen des Kap Kolka
Reisepunsch.de hat das Kap Kolka in Form von meiner Person „erklommen“

Kap Kolka

Am Kap Kolka, dem nordwestlichste Punkt unserer Reise, treffen sich die Ostsee und die Rigaer Bucht. Die immerwährende Veränderung des Kaps und die Natur, die auf dem „Pine Trail“ entdeckt werden kann, sind auf informativen Tafeln erklärt. Weiterlesen


Weingut Mazburkas

In Holzkisten, die als Regal dienen, stehen Weinflaschen. Ein Spinnrad steht als Dekoration daneben, darauf ein offener Koffer, aus dem Plüschschafe schauen
Die Verkaufsecke ist derzeit noch recht klein gehalten

Ein Weingut in Lettland – der Besuch ist für Wahlpfälzer ein direktes Muss. Gunta Niedra, die gutes Deutsch spricht, erzählt uns von der Geschichte und Idee des Weingutes – und natürlich probieren wir ihren Wein. Weiterlesen


Riga

Säulen Türmchen Stuck an einem Jugendstilhaus
Säulen, Türmchen, Stuck, Figuren und Schmiedeeisen – wunderbar kombiniert

Die lettische Hauptstadt, in der laut Aussage des Gästeführers der Altstadtführung, wenige Letten aber viele Ausländer leben, ist ein Muss auf unserer Reise ins Baltikum. Wir haben in zwei Tagen einen Eindruck gewonnen. Unser Standort war der Stellplatz am Yachthafen, mit einem tollen Blick über den Fluss Daugava zur Stadt. Weiterlesen


Golf Club Viesturi und Restaurant “The Forest Café”

Ein Pavillon mit Stühlen steht vor Abschlag 7
Vor Abschlag sieben ist ein netter Sitzplatz mit Theke eingerichtet – leider heute nicht besetzt

Wir sind seit unserer Abreise einer unserer sportlichen Aktivitäten nicht nachgekommen. Dem Golfspielen. In Riga, beim Golf Club Viesturi, haben wir das nachgeholt. Der erst im Winter 2020 von einem jungen Paar wiedereröffnete Restaurant, bot uns leckere Speisen. Weiterlesen


Besondere Estnische Erzeugnisse

An unserem ersten Tag in Estland haben wir eine Broschüre über die Romantische Estnische Küste gefunden. Darin waren in der näheren Umgebung zwei regionale landwirtschaftliche Produzenten, die wir gleich besucht haben.

Ein aus Backstein gebautes zweistöckiges Herrenhaus
Das Herrenhaus ist sehr weitläufig mit einer runden Auffahrt

Fruchtweingut Allikukivi

Das Fruchtweingut Allikukivi ist im ehemaligen Herrenhaus eines Deutschen Industriellen. Erst seit fünf Jahren wird an dieser Stelle Wein produziert, den wir probieren konnten.
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Verschieden Arten und Farben von Chilischoten auf einem Tisch
Der Inhalt der Papiertüte auf unserem Tisch – das werden wohl weitere scharfe Reisewochen

Chili Garten Metste Talu

Wir hätten mit allem gerechnet in Estland, aber nicht mit einer Chilifarm. Eine Führung in Deutsch erklärte uns die unterschiedlichen Pflanzen und Schärfegrade.
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Wanderungen in Nationalsparks

Wir haben alle Estnischen Nationalparks besucht und sind überall gewandert oder Radgefahren. Hier nur zwei Beispiele:

Die Bloggerin badet in einem Moorsee
Das Wasser ist durch die vergangen Sonnentage angenehm warm und „weich“ – ein absoluter Genuss, dieses Morgenbad

Sooma Nationalpark

Der Soomaa Nationalpark war unser erster in Estland. Wir sind von der Anlage der Wanderwege, den Beschilderungen, den Einrichtungen an den Parkplätzen ungeheuer beeindruckt. Weiterlesen

Die Bloggerin steht am Haugjärv
Ich versuche am Ahnejärv die wirklich großen, fast goldenen Libellen zu fotografieren – aber die fliegen zu schnell für mich

Alutaguse Nationalpark

Der Alutaguse Nationalpark wurde erst 2018 gegründet. Eine interessante Wanderung in einem Renaturierten Moor, dass von Dünen durchzogen wird, faszinierte uns.
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Tartu – älteste Stadt im Baltikum

Die Bloggerin sitzt zwischen Bronzestaturen von Oscar Wilde und Eduard Vilde auf einer Bank
Diese Skulpturen sitzen vor dem Café Wilde und wurden von der Bildhauerin Tiiu Kirsipuu erschaffen. Der englische Schriftsteller Oscar Wilde und der estnische Schriftsteller Eduard Vilde sind heute meine Banknachbarn. Frau Kirsipuu gestaltete eine Begegnung der zwei Herren, wie sie im Jahr 1892 hätte stattfinden können. Und ich setzte mich im Jahr 2020 dazu

Tartu ist Estlands zweitgrößte Stadt. Im Baltikum ist sie die älteste Stadt und hat die älteste Universität. 20% der heutigen Bevölkerung sind Studenten. Weiterlesen


Museenbesuche

Eine Mammutkuh mit Kälbchen steht vor einem Tundra Bild
Die Mammutkuh mit Kälbchen begrüßt die Besucher in der Eiszeitenwelt

Nördlich von Tartu haben wir an einem Regentag das Eiszeitmuseum besucht. Ein interaktives, sehr interessant gestaltetes Museum. Weiterlesen


Alle Fahrradtouren und Wanderungen, die ich in Komoot aufgezeichnet habe, findest Du in meinem Komoot-Account

Wohnmobilstell- und Campingplätze

Tisch und Sessel stehen am See, ein Grill neben dem Wohnmobil
Bereit zum Abendessen an einem wunderschönen Platz

Die von uns im August genutzten Wohnmobilstellplätze und Campingplätze habe ich unter Praktisches, Wohnmobilstellplätze beschrieben.

Vorschau September 2020

Wir sind mittlerweile im Süden Estlands. Unsere Reise führt uns nun durch unseren letzten estnischen Nationalpark nach Lettland. Dort stehen einige Nationalparks auf dem Programm bevor wir nach Litauen und danach nach Polen einreisen. Falls es Corona-Bedingt möglich ist, wollen wir nach Breslau, der Heimatstadt meiner Mutter fahren. Über Görlitz und Dresden werden wir den Weg zurück in die Pfalz finden. Ende September wollen wir zuhause sein.

Auf Reisepunsch.de stelle ich meine Beiträge online, wenn Internetverbindung möglich ist. Tagesaktuell informiert bist Du auf meinem Instagram-Account.

Ich wünsche Dir nun viel Spaß beim Schmökern und Stöbern auf Reisepunsch.de.

Bleib gesund und genieße Dein Leben.

Tartu

Tartu

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Die Universitätsstadt Tartu ist die zweitgrößte Stadt in Estland. Und obwohl sie eine der ältesten Städte im Baltikum ist, ist sie eine junge Stadt. Das spiegelt sich in den Gebäuden, Museen und Parks wieder. Sie ist Einkaufsstadt für die Landbevölkerung und hat ein besonderes Innovationszentrum.

Wellness in Tartu

Für Tartu hatten wir uns den Campingplatz am „Hafen“ ausgesucht. Da es an unserem Ankunftstag regnete und für den nächsten Tag ebenfalls Regen angesagt war, hatten wir im V-Spa Massagetermine ausgemacht. V-Spa ist im Einkaufszentrum in der Riia 2, im oberen Stockwerk, es hat ein Schwimmbad und unterschiedliche Saunen. Perfekt für einen Regentag. An unserem SPA-Tag schien jedoch unerwartet die Sonne. So haben wir uns am Vormittag für einen etwas verkürzten Stadtbummel entschieden und sind um 14.30 Uhr „nur“ zur Massage gegangen. Den Rest des Tages verbrachten wir beim Festival im Aparaaditehas.

Alte Stadt Tartu

Die Stadt Tartu wurde im Jahr 1030 erstmals urkundlich als Tharbatas erwähnt und ist daher eine der ältesten Städte im Baltikum. Der Großfürst von Kiew zerstörte die von vermutlich finno-ugrischen Einwohnern errichtete Holzfestung. Daher kannst Du davon ausgehen, dass diese Siedlungsstelle schon länger bewohnt war. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die neue Burg vom deutschen Schwertbrüderorden erobert, der die Christianisierung im Baltikum vorantreiben wollte. In der Deutschen und später Schwedischen Zeit hieß die Stadt Dorpat, in der russischen Zeit Jurjew. Auch Tartu war ehemals eine Hansestadt, wie wohl alle größeren und älteren Städte im Baltikum.

In Tartu – damals noch Dorpat – wurde der Friede von Dorpat am 2. Februar 1920 zwischen Estland und Sowjetrussland unterzeichnet. Darin wurde Estland Unabhängigkeit „auf alle Zeiten“ zuerkannt. Aber „alle Zeiten“ währte nicht lange, denn bereits 1941 hatten die Russen Estland wieder in die Sowjetunion einverleibt.

Tartu heute

Heute sind etwa ein Fünftel der knapp 100.000 Einwohner Tartus Studenten. Davon etwa 10 % ausländische Gaststudenten. Das merkt man der Stadt auch an. Viele junge Leute, viele Startups, junge Geschäfte und Lokale, ein offenes und fröhliches Miteinander. Wir haben uns bei der Tourist-Info im Rathaus einen Stadtplan auf Deutsch aushändigen lassen, mit dem wir eigenständig zwei unterschiedliche Stadtrundgänge hätten machen können. Wir kombinieren diese ein wenig und lassen auch vieles aus. Um Tartu richtig zu erleben solltest Du Dir ruhig eine Woche oder mehr Zeit nehmen. Weitere Infos zur Stadt findest Du hier. Nachfolgend einige Eindrücke als Bilderfolge, wie Du es von meinen Beiträgen von z.B. Tallin und Riga bereits gewohnt bist.

Die Markthalle ist ein einstöckiges hohes, rechteckiges Gebäude mit bunten Glasfenstern und einen Dacherhöhung
Die Markthalle ist ein architektonisch nicht sehr ansprechendes Gebäude
Das Innere Dach der Markthalle von Tartu. Glasfenster bilden eine Art Galerie
Die Markthalle sieht im Inneren nicht viel attraktiver aus als außen
Über eine Kreuzung ist eine Einkaufsmall zu sehen
Gegenüber der Markthalle sind drei verschiedene Einkaufsmalls. Diese hier wirkt wie eine Häuserzeile. Ganz rechts oben ist das V-Spa
Über eine Straße sind gläserne Gebäude zu sehen
Die Mall gegenüber ist ein großer Glaskomplex
Eine breite, rot gepflasterte Straße mit Blumenständen auf der gegenüberliegenden Seite
In der Küüni, die von der Riia in die Altstadt führt, ist der Blumenmarkt unter freiem Himmel angesiedelt
Vor dem rosa gestrichenen Rathaus ist ein Springbrunnen mit einem küssenden Paar unter einem Regenschirm
Das Rathaus von Tartu. Seit 1998 zieren die küssenden Studenten den Springbrunnen davor. Der Hashtag weist darauf hin, das Tartu 2024 Europäische Kulturhauptstadt sein wird
Der gepflasterte Rathausplatz wird links und rechts von hohen Gebäuden eingerahmt. In der Mitte stehen Tische und Stähle von Lokalen
Der Rathausplatz zieht sich bis zum Emajōgi (Emafluss) hinunter
Ein Gebäude hat Bordürenelemente des Jugendstils um die Fenster
Auch in Tartu am Rathausplatz sind Gebäude aus der Jugendstilzeit
Ein Gebäude ist auf der linken Seite etwas abgesackt und steht schief
An der Kreuzung zur Straße Kompanii steht das Schiefe Haus von Tartu. Das Fundament der hier rechten Hausseite steht auf der alten Stadtmauer, die linke Seite auf Holzpfosten, die im Laufe der Jahre nachgegeben haben
Blick zum Rathaus über den Rathausplatz mit seinen hohen Gebäuden links und rechts
Von der Fußgänger – Bogenbrücke geht der Blick zum Rathaus, in dem links die Tourist-I untergebracht ist
Eine öffentliche Toilette ist in einem runden Bauwerk untergebracht
In Tartu gibt es immer wieder diese kostenlosen öffentlichen Toiletten, meist in der Nähe der vielen Parks. Sauber und mit Toilettenpapier versehen!
Ein renoviertes altes Haus und ein unrenoviertes altes Haus in der Straße Lai
Die Straße Lai war ehemals die Straße, in der die Adligen ihre Häuser erbaut haben. Auch heute noch wunderschöne Bauwerke, aber nicht jeder kann die Unterhaltung und die Renovierung der Gebäude bezahlen – wie schade
Die Bloggerin sitzt zwischen Bronzestaturen von Oscar Wilde und Eduard Vilde auf einer Bank
Diese Skulpturen sitzen vor dem Café Wilde und wurden von der Bildhauerin Tiiu Kirsipuu erschaffen. Der englische Schriftsteller Oscar Wilde und der estnische Schriftsteller Eduard Vilde sind heute meine Banknachbarn. Frau Kirsipuu gestaltete eine Begegnung der zwei Herren, wie sie im Jahr 1892 hätte stattfinden können. Und ich setzte mich im Jahr 2020 dazu
Die Kirchturmspitze der katholischen Kirche ist aus Metallstäben gebaut – rechts davon der zunehmende Mond
Die Kirchturmspitze der Tartuer katholischen Kirche ist sehr interessant gebaut – rechts der zunehmende Mond
Ein rundes Appartementhaus hat eine Art Schneckenhausspitze
Das Appartementhaus hat eine weitere interessante Spitze, die in der Abendsonne rosa leuchtet

Universität Tartu

Tartu ist die älteste Universitätsstadt des Baltikums. An den unterschiedlichsten Orten wurde seither gelehrt, an einigen der Gebäude sind wir auf unserem Rundgang vorbei gekommen.

Ein zweistöckiges Gebäude mit großen Gauben im Giebel und einer Steintreppe
In diesem Gebäude in der Straße Jaani befand sich von 1642 bis 1656 die Universität Tartu, die vom Schwedenkönig Gustav Adolph gegründet wurde (Academia Gustaviana)
Ein Werbeschild für eine Kneipe, die Drinkgeld heißt
Trotz des Namens gibt es den „Alkoholclub“ bereits seit 1924 – gleich neben dem Hauptgebäude der Universität
Ein langgestrecktes Gebäude mit einer breiten Haupttreppe und vielen Säulen
1809 wurde das Hauptgebäude der Universität nach einem Entwurf von J. W. Krause in Tartu eingeweiht. Heute werden darin „nur“ die wichtigen Ereignisse im Studienjahr in der Aula begangen. Diese Aula ist der schönste Saal im Empirestil in ganz Estland. Wegen seiner hervorragenden Akustik wird er auch als Konzertsaal und für Konferenzen genutzt. Im Erdgeschoss ist das Kunstmuseum der Universität, das als ältestes Museum in Estland gilt, denn seit 1803 werden dort Kunstschätze gesammelt und ausgestellt
An einer Giebelseite eines Hauses sind Fenster aufgemalt, aus denen Menschen herausschauen
Das Gemälde an der Hauswand eines Nachbargebäudes der Universität in der Jakobi-Straße ist von A. Madisson mit den Bildern von Professoren bemalt – eine charmante Idee
Ein Backsteingiebelseite eines Hauses ist mit einem Bild des Universitätsgebäudes bemalt
Das von Bock´sche Haus diente fünf Jahre als Universität – die Räume wurden vom Obersten M. J. von Bock kostenlos überlassen. Heute ziert die eine Giebelseite ein Gemälde der Universität und des Universitätsplatzes, das nach einem Stich von L. Höflinger von 1860, gefertigt wurde

Tartuer Betonkunst  

In Tallinn hatten wir die Betonvögel als Betonsperren kennengelernt, die einen Terroranschlag mit einem Fahrzeug verhindern sollen. Auch in Tartu stehen überall an Straßen und Plätzen diese Betonsperren, aber in verschiedenen Motiven, hier einige Beispiele:

Vogelköpfe aus Beton dienen als Straßensperre
Dieses Modell Straßensperre ist ein Vogelkopf
Holzschuhe aus Beton dienen als Straßensperre
Hier stehen Betonholzschuhe als Straßensperren herum
Schildkröten aus Beton dienen als Straßensperre
Die Schriftsteller Wilde werden von Schildkröten aus Beton geschützt

Aparaaditehas

Eine alte Motorenfabrik ist seit 2014 das Kreativzentrum Aparaaditehas in Tartu. Die Fabrik war in der Straße Kastani, südwestlich der Altstadt, angesiedelt. In dem verschachtelten Gebäudekomplex und Innenhof haben sich bildende Künstler, Kreativschulen, Start-Ups, produzierendes Gewerbe und Restaurants angesiedelt. Wir hatten das Glück, dass während unseres Besuchs das zweite Aparaaditehas-Festival stattfand. Im Deutschen würden wir die Veranstaltung eher als „Tag der offenen Tür“ bezeichnen. Ich habe es am Nachmittag leider nicht geschafft, alle Kreativen zu besuchen. Die Vielzahl der Künstler, Designer, Schulen, Produzenten von Taschen, Schmuck, Kleidung, der Upcycler und Shops hat mich sehr beeindruckt. So sehr, dass ich nur wenige Fotos gemacht habe – was ich sehr schade finde, erst recht für Dich. Mit einem Plan und auf den Boden gemalten und geklebten Pfeilen wurden die Besucher durch die Gebäude, Aufgänge und Flure geführt – und ich habe mich erstens trotzdem verlaufen und zweitens daher nicht alles gesehen.

Mein erster Weg führt zu Glara Gymnastics. Ein junges Startup mit Shop für Gymnastikbekleidung und -bedarf und einer Gymnastikschule. Seit ihrem fünften Lebensjahr betreiben die Zwillingsschwestern rhythmische Gymnastik. Gold, Silber und Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften waren das Ergebnis, außerdem waren sie Schiedsrichterinnen bei Gymnastik-Wettbewerben. Heute sind sie Trainerinnen. Sie lebten über 10 Jahre in Kanada, bevor sie nach Estland zurückkehrten. Im Aparaaditehas haben sie ihren Traum vom eigenen Studio und Shop und einer eigenen Produktlinie für Gymnastikbekleidung – die sie selbst herstellen – geschaffen. Ich bewundere Menschen, die ihren Traum leben und wünsche den beiden Schwestern alles Gute für die Zukunft.

Ich komme an einer Schule für Musik, Gesang und Volkstanz, vorbei. Estnische Musik und estnische Tänze haben bei den Esten einen wesentlich höheren Stellenwert als Volkslieder und Volkstänze in Deutschland, wobei das regional unterschiedlich in Deutschland ist.

Die nächste Schule ist eine Handglockenschule, die Arsis Kellade Kool. Diese Art der Musik habe ich in den USA kennen gelernt. Meine Tochter war dort ein Jahr als Au Pair, und in ihrer Kirchengemeinde, in der sie im Chor gesungen hat, wurden die Gottesdienste mit den Handglocken begleitet. Auch in Estland kommt die Idee aus den USA, seit etwa 20 Jahren werden Handglocken in Estland gespielt. Die Schule hat derzeit 100 Schüler, die auch auf Konzerten auftreten. Im kleinen Video kannst Du erkennen, wie Handglocken gespielt werden. Ich habe absichtlich keine Gesichter in das Video gedreht, um den Datenschutz der jungen Menschen zu wahren.

Das Eingangsschild der Glockenschule
Arsis Kellade Kool – Käsikellade Ansamblid – übersetzt: Arsis Glocken Schule – Handglocken Ensemble
Handglocken zum Musizieren liegen auf mit Stoff bezogenen Tischen
Die Handglocken und Noten liegen für die Schülerinnen und Schüler schon bereit
Ein mit rotem Samt ausgeschlagener Koffer, in den die Handglocken nach Tonart sortiert werden
Die Handglocken haben bestimmte Tonarten und im Koffer einen ganz bestimmten Platz


Ich lerne den Künstler Edgar Tedressaar kennen, der in seinem Atelier seine Gäste empfängt. Er hat bereits international ausgestellt.

Der Künstler Edgar Tedresaare sitzt links seiner Stoffkunstwerke
Der Maler Edgar Tedresaar fertigt in seinem Atelier auch Bilder mit verschiedenen Stoffarten, die mit unterschiedlichen Farben (z.B. Ruß) bearbeitet werden.

Im nächsten Studio wird die Marke „Kuul“ produziert. Hauptfarben der Kleidung sind schwarz und weiß, die Stoffe sind aus ökologischem Anbau. Auch Landschaftsfotos werden auf die Jacken gedruckt.

Ich besuche noch eine Designerin, die aus allen möglichen gebrauchten Materialien Kleidung und Taschen herstellt. Die nächste Stoffdesignerin stellt Kleidung, hauptsächlich Jacken und Mäntel, aus Wollstoff her. Die Schafe grasen in Estland und der Stoff wird ebenfalls in Estland produziert.

Im Erdgeschoss der verzweigten Gebäude haben sich mehrere Restaurants angesiedelt, die völlig unterschiedliche Genüsse auf Teller und in Gläser bringen. Wir lassen den Abend im Hof ausklingen, wo ein Tischtennisturnier und ein Wettbewerb von Skateboardern stattfinden.

Museen und Tommeberg

Tartu hat eine unglaubliche Dichte an Museen, insgesamt 20 Stück. Unter anderem das Estnische Nationalmuseum, das erst 2016 in einem neuen Gebäude eröffnet wurde, das estnische Sport- und Olympiamuseum, ein Museum des Stadtbürgers und das Wissenschaftszentrum Ahhaa. Das ist das größte Zentrum im Baltikum, in dem spielerisch Wissenschaft und Technologie ausprobiert werden kann.

Auf dem Toomeberg war ursprünglich die Festung und später der Dom. Heute ist dort eine Sternwarte , die Engels- und die Teufelsbrücke und viele andere Sehenswürdigkeiten und Denkmäler. Diese Entdeckungen heben wir uns für unsere nächste Reise nach Tartu auf. Wir haben nur einen Spaziergang im Südosten des Toomeberg gemacht, als wir vom Abendessen im Pulverturmkeller zum Campingplatz gegangen sind.

Ein hoher aus Backsteinen gemauerter Raum mit Holztischen und Bänken und einer Theke im Hintergrund
Der Püsirohukelder – Pulverturmkeller ist eine Biergaststätte mit tollem Ambiente und köstlichen Speisen

Wir werden Tartu auf jeden Fall noch einmal besuchen. Spätestens 2014, wenn sie Kulturhauptstadt Europas ist!

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Jääaja Keskus – Eiszeitwelt

Jääaja Keskus – Eiszeitwelt

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Nördlich von Tartu, am See Saadjärve, im Örtchen Äksi ist ein ungemein interessantes Museum angesiedelt. Es befasst sich mit der Entwicklung unserer Erde bis in die Zukunft, den Erdzeitaltern und der Eiszeit, als die Erde fast bis zum Äquator mit Eis bedeckt war. Die Estnische Landschaft im Laufe der Zeit spielt natürlich auch eine Rolle. 

Jääja Keskus – Anfahrt

Das Museum liegt im Dörfchen Äksi am Saasjärv, etwa 16 km nördlich von Tartu. Ausgebaute Radwege laden zu einem Ausflug mit dem Fahrrad von Tartu ein. Öffentliche Busse verbinden die Stadt ebenfalls mit dem Museum. Wir sind mit dem Wohnmobil angereist, über die Straße 39 und fahren in Lähte mit der braunen Beschilderung Jääaja Keskus nach Äksi im Tartu vald und in die Saadjärve 27/22. Die GPS Koordinaten: N 58.52598° E 26.67675° oder 58°31’33.5″ N 26°40’36.3″ E.

Vor dem Eingang des Museums begrüßt uns eine bekannte Figur. Der Film Ice Age hat dem breiten Publikum die Eiszeit bekannt gemacht. Der Kampf der Tiere ums Überleben wird in den Filmen sehr spaßig dargestellt. Letztendlich sind die damals lebenden Tieren aber ausgestorben.  

Die Figur Sid aus Ice Age aus Holz geschnitzt
Sid aus Ice Age begrüßt die Besucher vor dem Museum

Da Museum ist in drei Ebenen aufgebaut. Im Erdgeschoss geht es um die Entstehung der Erde und die Entwicklung der Kontinente. Im ersten Geschoss wird die Eiszeit behandelt. Und im zweiten Stock um die Zukunft der Erde. Wie wir Menschen in die Erdentwicklung eingreifen und was wir mit dem Klimawandel zu tun haben.

Entstehung der Erde und Kontinente

Das Gebäude ist um ein zentrales Atrium gebaut, in der eine ausgestorbene Spezies im Mittelpunkt und andere am Rand stehen.

Eine Mammutkuh mit Kälbchen steht vor einem Tundra Bild
Die Mammutkuh mit Kälbchen begrüßt die Besucher in der Eiszeitenwelt
Ein Säbelzahntiger und ein Hirsch
Der Hirsch hat ein ungeheuer ausladendes Geweih und der Säbelzahntiger schaut recht grimmig. Kein Wunder, weiß er doch, dass er bald aussterben wird

Das Museum ist verständlich aufgebaut und sehr kindgerecht. Immer wieder wirst Du aufgefordert in Interaktion zu treten. An anderen Stellen ist eine Veranschaulichung des Erklärten in Filmen in einem ruhigeren Rückzugsbereich möglich. In Estnisch, Englisch und Russisch werden die Exponate erklärt. Beginnend mit der Entstehung der Erde, der Entwicklung zu der Erde, die wir heute kennen. Einst ein Hitzeball, über viele Jahrmillionen die Abkühlung, wesentlich später die Entstehung von Wasser und einer Landmasse. Auf allen Karten ist der Ort Äksi, wo das Museum beheimatet ist, deutlich eingezeichnet, aber auch New York und Sidney.

Eine Erdkugel mit der Lage der Kontinente vor 250 Mio Jahren
Eine Erdkugel mit der Lage der Kontinente vor 250 Mio Jahren in estnischer Schreibweise.

Die Landmasse der Erde verschiebt sich nach wie vor. Die Kontinente haben derzeit die uns bekannte Lage gefunden und wir Menschen unterscheiden in fünf Kontinente. Aber diese Wanderung, die Bewegung der Kontinente ist noch lange nicht abgeschlossen, wie ein Blick in die Zukunft zeigt.

Eine Erdkugel mit der Lage der Kontinente in 250 Mio Jahren
Eine Erdkugel mit der Lage der Kontinente, wie sie in 250 Mio Jahren wahrscheinlich sein wird…

Als Resultat der heutigen wissenschaftliche Erkenntnisse der Kontinentenwanderung ist dieses Bild zu verstehen. Afrika wird Europa berühren, Australien wird sich mit Asien vereinigen. Der Atlantische Ozean wird nicht mehr sein und Amerika wächst mit Afrika zusammen. In den nächsten etwa 250 Mio Jahren wird sich ein neuer Superkontinent, Pangea Ultima, bilden.

Weiter geht es mit der Entwicklung der Menschen zu den Wesen, wie wir heute sind. Der als Urmensch in Ostafrika gefundene „Homo habilis“ ist nach einem Entwicklungsprozess der Hominiden über 15 Mio Jahre erst vor circa 2 Mio Jahren entstanden. Erst in den letzten etwa 100.000 Jahren hat der Mensch angefangen, sich die „Erde untertan zu machen“. Im Museum kann man in nachgebauten Höhlen das Schutzbedürfnis der Menschen vor Wetter, Tieren und feindlichen Artgenossen nachspüren. Aber auch, das diese Menschen kreativ waren. In der Herstellung von Gerätschaften und Waffen und in der Kunst.

Eine Ausstellungsfläche ist wie eine Höhle gestaltet
Im Fernsehen in der „Höhle“ kann der Besucher ein Höhlenleben anschauen, wie es vermutlich früher stattgefunden hatte
Eine Höhle ist mit Tierzeichnungen bemalt
In der Höhle sind sogar Zeichnungen von Tieren zu sehen

In einem nächsten „Bild“ sind Tiere zu sehen, die sich auch in Höhlen zurückziehen. Heutzutage wissen wir, das Tiere für Gefahr eine stärkere Empfindung haben, viel eher wissen, wenn etwas nicht stimmt und sie bedroht, vor dem sie fliehen müssen.

Verschiedene Wildtiere ziehen sich in eine Höhle zurück
Ob sich die Wildtiere zu Beginn der Eiszeit versuchten, in Höhlen zurück zu ziehen?

Die Eiszeit und Estland

Die Geologie Estlands wurde bereits im Erdgeschoss behandelt. Im ersten Stock wird auf die Landschaftsformung eingegangen. Die Vergletscherung durch die verschiedenen Eiszeiten – es gab sogar mal eine Eiszeit, bei der das Eisschild der Erde fast bis zum Äquator ging – hat die Oberflächen der Kontinente mit geformt. Die letzte Eiszeit mit ihren riesigen Eispanzern und Gletschern hat Felsen gesprengt und vor sich hergeschoben auf ihrem „Fluss“. Auch beim Schmelzen der Gletscher hat diese Entwicklung angehalten. So wird erklärt, wie Gletscherrillen heute noch in der Landschaft zu erkennen sind, warum es an manchen Stellen so viele Seen gibt und Hebungen und Senken. Nahezu am Ende des ersten Stockes wird auf die estnische Heimat eingegangen. Estland liegt bereits im sogenannten Tundragürtel. Viele der Tiere, die wir sonst nur in Skandinavien und Russland vermuten, sind auch hier beheimatet. Die Winter in Estland können bis zu minus 40° kalt werden und viel Schnee haben. Allerdings war in den letzten beiden Wintern die Temperatur selten unter Null und es hat überwiegend geregnet. Der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar.

Tiere, die im Winter ihre Farbe ändern, stehen in einem kleinen Schneefeld in einer Tundra
Eine Tundralandschaft mit schmelzendem Schnee und die heute darin vorkommenden Tieren. Rentier, Schneehuhn, Schneehase, Schneeeule und Schneefuchs
Ein Elch steht in einer Vitrine
Wieder begegnen wir nur einem ausgestopften Elch in einer Vitrine und nicht in der estnischen Natur

Aber unsere in Deutschland bekannten Waldtiere sind hier natürlich auch beheimatet. Ein Fuchs ist vor uns bei der Anfahrt zum Parkplatz mit wehender Rute über die Straße gerannt. Die hier ausgestellten Tiere sind leider nicht mehr so lebendig. Ganz charmant finde ich eine Vitrine, in der Vögel ausgestellt sind. Wenn Du auf das Knöpfchen an der Scheibe drückst, dann lässt der Vogel seinen Gesang hören. So lassen sich Stimme und dazu passender Vogel wunderbar lernen.

In einer Virtrine sind ausgestopfte Tiere, Biber, Marder und Fuchs
In der Vitrine kann man die Größenverhältnisse von Biber, Fuchs und Marder erkennen

Zukunft der Erde

Welchen Anteil wir Menschen am derzeitigen Zustand der Erde haben, wird im zweiten Stock erläutert. Unsere Ausbeutung der Erde, Abbau von Bodenschätzen, Zerstörung der Wälder und der ursprünglichen Landschaft und ihres Bewuchses, Verschmutzung der Luft und das Zerstören des Schutzschilds der Erde. Wie wir in den natürlichen Wandel eingreifen und somit Dinge beschleunigen oder anders ablaufen lassen. Und natürlich, was wir tun können, um dem Einhalt zu gebieten oder zumindest, den Klimawandel zu verlangsamen.

Am Beispiel Estlands, mit etwa 1,3 Mio Einwohnern wird der Klimakiller Verkehr erläutert. Hier gibt es etwa 450.000 zugelassene Fahrzeuge, von denen nur rund 140.000 viel genutzt werden. Trotzdem fahren die Esten jährlich so viel Auto, dass die Strecke 120.000 mal um den Äquator reicht. Wie kann da ein Wandel, ein Bewusstseinswandel einsetzen? Nebenan ist ein Supermarktregal mit viel Plastikverpackung aufgebaut und es wird darauf hingewiesen, wie wir dem entgegenwirken können. Auch diese Abteilung ist kindgerecht aufgebaut, wobei ich es persönlich wichtiger finde, dass wir Erwachsenen endlich umdenken und durch unser Kaufverhalten die Abläufe ändern. Meiner Meinung nach ist aber hauptsächlich die Politik gefordert (die Volksvertreter), die den Lobbyisten, den Machthungrigen und Großgeldverdienern Einhalt gebieten, konstruktive Lösungen aufzeigen und die Umsetzung steuern müssen.

Zum Abschluss ein Bild von Tieren, die es wohl ziemlich bald nicht mehr geben wird, wenn wir nicht endlich richtig aktiv für eine Verlangsamen oder den Stopp des Klimawandels werden. 

Ein Pinguin links, der Strich des Äquators in der Mitte und ein Eisbär rechts
Zwei, die sich nie begegnen werden. Der Pinguin vom Südpol und der Eisbär vom Nordpol

Der Besuch war lohnend und hoch interessant. In den estnischen Sommerferien werden vom Museum Exkursionen in die Landschaft, zu eiszeitlichen Landschaftsmerkmalen angeboten. Dann kann man im ans Gebäude grenzenden Saadjärv (Saadsee) auch schwimmen und den nahen Grill- und Picknickplatz nutzen.

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Nationalpark Alataguse – Wanderung Kurtna

Nationalpark Alataguse – Wanderung Kurtna

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Der Alutaguse Nationalpark ist unser vorletzter in Estland, den wir besuchen werden. Er ist auch der „jüngste“ Nationalpark Estlands und wurde 2018 erst eingerichtet. Die Landschaft wird durch Moor und Sumpf geprägt und im Norden durch den Abbau von Ölschiefer. Das Moor wurde über viele Jahrhunderte von den Menschen genutzt, die Renaturierung ist in vollem Gange.

Lage des Nationalparks

Der Nationalpark Alutaguse liegt im Nordosten Estlands und grenzt an Russland. Die Stadt Jōhvi bildet die nördliche Grenze des Nationalparks. Südlich und westlich der Stadt liegen die Abbaugebiete für Ölschiefer. Hohe Abraumhalden türmen sich in der Landschaft auf. Für die Weiterverarbeitung des Ölschiefers, der auf bis zu 530 ° Celsius erhitzt wird, benötigte es viel Energie. Diese lieferte der Torf des Moorgebiets südlich der Stadt. Seit Errichtung des Nationalparks, wird der Rückbau und die Renaturierung der Moorlandschaft vorangetrieben. Einige der alten Abbau-Anlagen sehen wir bei unserer Wanderung.

Der überwiegende Bevölkerungsanteil in dieser Gegend sind Russen. Teils, da sie in der Ölschieferverarbeitung arbeiten. Aber ein hoher Prozentsatz sind sogenannte Altgläubige. Im 17. Jahrhundert erwirkte die russisch-orthodoxe Kirche einige Reformen, die von den Altgläubigen nicht anerkannt wurden. Sie wurden daher mit Gewalt, Folter und Tod bedroht und flüchteten in die Gegend nördlich des Peipsi Sees in Estland und nach Polen. Daher ist diese estnische Gegend von der Kultur dieser Glaubensgemeinschaft geprägt.

Wir haben uns im Alutaguse Nationalpark die Wanderung Kurtna ausgesucht, die uns in eine Landschaft mit der höchsten Seendichte in Estland führt, was dem Moorabbau geschuldet ist.

Aufzeichnung der Wandertour auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Wanderung entlang der Seen

Am Parkplatz ist – wie bei allen Wanderungen in Nationalparks in Estland – eine Infotafel aufgestellt. Die Wanderung und die Landschaft ist auf Estnisch beschrieben, eine kleine Erläuterung auf Englisch ist auch vorhanden. Sogar einen QR-Code könnte man herunterladen. Ich habe zwischen meine Bilder der Wanderung nur einige kurze Textzeilen eingefügt – so kannst Du mit den Bildern in die Natur „eintauchen“.

Auf einer Tafel ist der Wegverlauf der Wanderung abgebildet
Wir haben von dem Wegverlauf die untere Runde der Acht vor

Wir folgen der Beschilderung einen sehr sandigen Pfad entlang zum ersten See – auf Estnisch Järv. Wir dachten eigentlich, jetzt, nachdem wir von der Ostsee Abschied genommen haben, wäre das Sandwandern vorbei. Aber falsch gedacht, noch sind wir auf uralten Dünen unterwegs, wie wir unterwegs lernen werden. Nach etwa 150 m ist ein Toilettenhäuschen. Zwar – wie immer – nur eine Trockentoilette, aber wieder sauber und mit Toilettenpapier versehen.

Eine Holzhütte mit Toiletten steht rechts eines Waldweges
Wie immer bei RMK Wanderungen vorbildlich – zwischen Parkplatz und Grillplatz eine Toilette

Schon gleich darauf kommen wir an den Nōmmejärv, mit Infotafel, Mülleimern und einem kleinen Sandstrand.

An einem Seeufer stehen Grills und Picknickgelegenheiten
Am Seeufer des Nōmmejärv ist ein Picknick- und Grillplatz

Die Markierungen leiten und nach Norden, erst am Ostrand des Sees entlang und dann nach Westen.

Eine Brücke führt über einen Bachlauf im Wald
Die Brücke führt uns über den Ablauf des Nōmmejärv und geht als Bohlenweg weiter
Ein moorigbrauner Fluss
Von den ehemaligen Nutzungen des Moores steht noch ein Betonbecken im Flüsschen
Ein Bohlenweg führt durch lichten Wald
Der Bohlenweg führt über die sumpfigen Stellen. Hasendraht auf den Bohlen verhindert das Ausrutschen des Wanderers bei Nässe

Der Wald ist ein bunter Mischwald, mit Bäumen und Pflanzen, die auf dem feuchten Moor- und Sumpfuntergrund zurechtkommen.

Auf einer kleinen Lichtung stehen Unmengen grauer Pilze
Die Pilze haben wohl eine Versammlung – oder wachsen sie eher deswegen, weil es nun endlich mal zwei Tage Niederschlag gegeben hat?

Ich bin erstaunt über die Tafel am Nordufer des Nōmmejärv. Nach jedem Gehkilometer steht eine solche Tafel, denn der Fernwanderweg läuft einige Kilometer parallel zu unserem Wanderweg.

Ein Wanderschild für den Fernwanderweg
Am nördlichen Ufer des Nōmmejärv ist der Entfernungswegweiser für den Fernwanderweg von Penijōe nach Kauksi mit einer Gesamtlänge von 615 km

Das der Sommer in Estland sich dem Ende zuneigt, merken wir hauptsächlich daran, dass die Beerensträucher voller Heidel- und Preiselbeeren hängen und ihre Blätter rot färben. Und dass nur noch sehr wenige Blumen blühen.

Eine violette Blüte
Jetzt im Herbst blühen nur wenige Pflanzen, so wie diese hier, deren Name ich nicht kenne

Nach einem kurzen Schlenker erreichen wir den nächsten See und beim Umrunden finden wir eine Libelle, die sich vom wilden Hin- und Herfliegen ausruhen muss.

Ein See mit einem Sandstrand und einer Schilfinsel
Der Mustjärv hat einen flachen Sandstrand
Eine dunkle Libelle hält sich an einem Grashalm fest
Diese dunkle schillernde Libelle hat sich hingesetzt um fotografiert zu werden

Wenige Schritte von der Libelle entfernt steht eine Blume im hohen Gras.

Eine weiße Blüte über dem Gras
Diese weiße Blüte ist wunderschön gezeichnet – der Name ist mir leider nicht bekannt

Der nächste See ist schnell erreicht, denn der Mustjärv ist sehr klein. Am Ufer finde ich die nächste Blühpflanze.

Am anderen Seeufer steht ein Haus
Am anderen Ufer des Niinsaarejärv steht ein Haus
Eine violette Blüte mit einer gelben Lippe
Komplementärfarben an einer Blüte – wie schön – leider kenne ich die Pflanze nicht

Alle Seen wurden ehemals durch Gräben entwässert, um Torf abstechen zu können. Die Wanderwegbauer haben diese Gräben gangbar gemacht.

In einem ehemaligen Entwässerungsgraben lieben Baumstämme, um Wanderern das Queren zu ermöglichen
Die ehemaligen Entwässerungsgräben des Moores wurden am Wanderweg mit Baumstämmen „aufgefüllt“ um die Querung zu erleichtern

Dünenlandschaft

Wir gehen nun immer bergauf. Eine uralte Düne aus alter erdgeschichtlicher Zeit bewirkt das. Oben auf der Höhe ist der Wald völlig anders gestaltet als bisher.

Eine bemooste Birke im Farnwald, dazwischen der Weg
Die bemooste Birke, der Farnwald, die Landschaft hat sich während der Tour mal wieder gewandelt
An einem Baum sind blaue und grün weiße Striche als Markierung
Hier schlängelt sich der Weg als schmaler Pfad steil bergab. Die Wandermarkierungen sind am Baum deutlich zu erkennen

Nach dem Bergab, dass sich länger auf schmalem Pfad hinschlängelt, erreichen wir den kleinsten See. An einem Baum oberhalb des Sees sucht jemand Nahrung.

Ein See liegt in der Sonne, Birken stehen am Rand
Der Laugasjärv ist der nächste See, den die Route passiert
Ein Buntsprecht hämmert an einem Baum
Der Buntsprecht lässt sich durch sein Klopfen lokalisieren

Schon gleich erreichen wir die nächste Düne, die uns, die wir mitten im Wald wandern, nur auffällt, weil wir bergauf gehen müssen.

Ein Wanderer geht einen Pfad im Wald bergauf
Wieder führt uns der Wanderpfad auf eine uralte Düne hinauf

Von der Düne hinab schauen wir auf einen See, der gleich zwei Namen trägt. Wir berühren ihn nur an seinem Südende, denn unser Weg biegt hier nach Osten ab.

Ein See liegt unterhalb eines Fichtenwalds
Den Suurjärv erreicht man bergab über ein steiles Ufer. Er zieht sich weit nach hinten und wird dabei immer breiter

Beerenpflücker

Wir gehen nun auf bequemen breiten Waldwegen weiter und queren die Schotterstraße, die zu den vereinzelt liegenden Häusern führt. Wir beginnen an einer Stelle unsere Dosen mit reifen Preiselbeeren zu füllen. Da uns die Stelle nicht sehr ergiebig erscheint, gehen wir weiter. Nur, danach finden wir keine weitere Stelle mehr, denn heute sind viele Fahrzeuge unterwegs und die Beerensammler im Wald aktiv. Ein Foto von Beerenpflückern aus den 1920er Jahren ist sogar im Begleitheft des Nationalparks abgedruckt. Somit ist das eine alte Tradition. Schön, dass die heute noch gelebt wird. Wieder geht unser Weg zu einem Seeufer hinab.

Wir ändern die Wegrichtung nun nach Süden und sind bereits wieder auf dem Weg zum Wohnmobil.

Auf einem See schwimmen einige Enten
Auf dem Haugjärv schwimmen einige Enten – die ersten Wasservögel auf den Seen, die wir erblicken

Nach dem Haugjärv sind wir vom  Beeren suchen – und nicht finden – so abgelenkt, dass wir den falschen Weg erwischen und uns durch den Wald nach links wieder zum Weg zurück arbeiten. Aber die Beerensucher waren schon überall, nichts mehr zu finden. Aber der Särgjärv liegt wunderschön vor uns und ist mit Seerosen gespickt.

Die Bloggerin steht am Haugjärv
Ich versuche am Särgjärv die wirklich großen, fast goldenen Libellen zu fotografieren – aber die fliegen zu schnell für mich
Im mit Seerosen gespickten See spiegeln sich die Wolken und der Wald
Über dem Wald am Särgjärv türmen sich dicke Wattewolken auf

Wir wandern am breiten Konsu-Kanal entlang bis zur Schotterstraße, der wir noch 600 m bis zum Parkplatz nach Süden folgen müssen. In den vorbeifahrenden Autos sehen wir die Körbe mit Preiselbeeren und strahlende Gesichter.

Das war eine interessante Wanderung. Wie immer war die Beschilderung, die Markierung und die Wegführung sehr gut angelegt. Teils mit Rindenmulch und teils mit Bohlenwegen, die die empfindliche Natur des sich wieder etablierenden Moores vor den harten Tritten der Wanderer schützen. Normale Waldwege und Heidewald befinden sich zwischen den Moor- und Dünenstellen. Eine abwechslungsreiche, eine schöne Wanderung, die ich Dir gerne empfehle – auch die etwas weitere Runde, bei der Du noch drei weitere Seen passierst.

Kloster Kuremäe

Auf unserer Fahrt zum Peipsi Järv, der siebenmal größer ist als der Bodensee, halten wir noch kurz am Nonnenkloster Kuremäe. Heute allerdings sind im Kirchenraum viele Menschen mit Saubermachen beschäftigt, so das wir von einer Innenbesichtigung der Kirche Abstand nehmen müssen. Einige wenige Eindrücke von Außen anhand der nachfolgenden Bilder kann ich Dir aber geben.

Ein Torhaus mit einem Zwiebelturm
Das Tor des Nonnenklosters ist von einer hohen Mauer umgeben. Das Torhaus hat ein sehr steiles Dach mit einem kleinen Zweibeltürmchen
Hinter einem mit roten Blüten bepflanzen Rondell erhebt sich ein hohes Torhaus
Das Tor des Klosters von Innen
Der Grundriss der Kirche ist quadratisch, mit einem Vorbau
Der Grundriss der Kirche ist quadratisch, mit einem Vorbau für die Eingangstüren
Ein Beet mit kleinen Buchspflanzen, die Name und Erbauungsjahr des Klosters preisgeben
Das Kloster Kuremäe wurde 1891 gegründet

Ein schöner Abschluss des Wandertages war der, wenn auch nur kurze, Besuch an den Klostergebäuden dennoch.

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Tallinn

Tallinn

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Tallinn, die Hauptstadt Estlands – einigen noch als Reval bekannt – ist eine alte und auch moderne Stadt, in der jeder Besucher etwas für sich Interessantes findet. Wir haben alle Museen ausgelassen und uns nur für Gebäude, Parks und Kulinarik interessiert. Unterwegs waren wir zu Fuß und per Fahrrad.

Tallinn

Wir haben uns für den Euro-Parkplatz in der Kalasadama 8 in Tallinn für unser Wohnmobil entschieden, der nur 400 m von der Altstadt direkt an der Ostsee liegt. Die Stadthalle, Linnahall genannt, liegt in der Nähe. Der Parkplatz ist auf der Abrissfläche eines Industrie- oder Hafengebäudes entstanden und wartet auf neue Bebauung. Der Parkautomat funktionierte aber nicht. Nachdem Bernhard die Servicenummer gewählt hat, ist 10 min. später ein Servicetechniker da und wir können unseren Parkschein für 48 Std. für 4 € ziehen. Uns ist das lieber, als einen Strafzettel zu riskieren. Wir hatten in Norwegen damals ein sehr teures Erlebnis.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht auf einem Schotter-Wiesengelände, dahinter eine Mauer
Wir stehen an der Mauer einer Ruine auf dem Parkplatz am Kalasadama
Die Aida liegt vor Anker
Ein Aida-Kreuzfahrtschiff liegt vor Anker und darf anfänglich nicht am Hafen anlegen. Für uns ein Glück, denn in „normalen Jahren“ sind täglich bis zu 10.000 Kreuzfahrttouristen in der Stadt unterwegs
Hinter dem Parkplatz erhebt sich eine wuchtige Arena
Du schaust über den Parkplatz zur Linnahall, einer Multifunktionshalle. Sie wurde für die olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau erbaut, die Segelwettbewerbe fanden damals in Tallinn statt. Heute wird über die Weiternutzung gestritten – das sieht man dem Bauwerk deutlich an!

Wir haben uns entschieden, den 20. August, Tag der Unabhängigkeit der Esten, in Tallinn zu verbringen. Wir hoffen darauf, dass die Stadt recht leer sein wird, weil die Tallinner das gute Wetter und den Brückentag nutzen werden, um außerhalb der Stadt die Natur zu genießen. Ja, wir sind im Baltikum auch vorsichtig wegen des Corona-Virus.

Unseren ersten Abend in Tallinn verbringen wir mit einem Spaziergang an der Dicken Margarete (einem Stadtturm) vorbei, durch die unteren Altstadtstraßen zum Muschelrestaurant „Love Mussels“. Nach einem vorzüglichen Abendessen spazieren wir durch die Altstadt zurück. In der „Champagner Bar“ nehmen wir noch einen Absacker auf dem Weg zum Wohnmobil.

Den Feiertag der Esten nutzen wir für eine Fahrradtour zur Tourist-Info.

Ein Gebäude hinter Bäumen mit der Aufschrift Tourist-I
Die Tourist-Info ist in der Niguliste, etwa 50 m vom Rathausplatz entfernt und etwas unter Linden versteckt

Dort erwischen wir eine exklusive deutschsprachige Stadtführung zu Fuß. Später fahren wir mit dem Rad weiter zum Markt, in den Stadtteil Kalamaja, zum Neubaugebiet im Yachthafen und über das Wasserflugzeugmuseum zurück zum Wohnmobil. Am Spätnachmittag fahren wir mit dem Rad zum Stadtteil, Park und Schloss Kadriorg und genießen den Park, bevor wir am Tallinstrand entlang zurück zum Wohnmobil fahren. Diese Touren habe ich in Komoot aufgezeichnet.

Den Freitagvormittag nutzen wir zum Fotografieren und Einkaufen auf dem Markt. Und wir machten eine Entdeckung, die uns ungemein glücklich machte und dass über die nächsten Tage!

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrrad- und Spaziertour Altstadt – Kalamaja kannst Du hier auf meinem Komoot-Account nacherleben:

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Die Fahrrad- und Spaziertour Kadriorg kannst Du hier auf meinem Komoot-Account nacherleben:

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Altstadt Tallinn

Ich möchte Dir mit diesem Blogbeitrag einige Eindrücke von Tallinn geben. Die Stadt hat eine so ausufernde Geschichte und so viele unterschiedliche Sehenswürdigkeiten. All das zu erläutern sprengt den Rahmen eines Blogs und ich sehe mich dazu auch gar nicht im Stande. Wenn du mehr über Tallinn wissen möchtest, besuche die deutsche Seite der Stadt.

Einige kurze Daten zu Tallin möchte ich Dir dennoch mitteilen. Etwa ein Drittel der 1,3 Millionen Esten leben in und um Tallin, circa 430.000 Menschen. Die Altstadt wurde zwischen dem 13. bis 16. Jahrhundert erbaut, die Stadt war eine Hansestadt mit Lübeckischem Recht, d.h. Rechtsprechung der Hanse. Tallinn hat heute noch um seine Altstadt einen Großteil der ehemaligen Stadtmauer und viele der Stadtmauertürme stehen ebenfalls noch. Ein Teil der Tallinner Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Rund um die Altstadt haben sich im Laufe der Jahrhunderte weitere Stadtteile gebildet, je nach Herrscher und Baujahr in diesem oder jenem Stil.

Die Altstadtstraßen sind sehr verwinkelt, mit vielen Hinter- und Innenhöfen. Die Unterstadt wurde früher von Kaufleuten und Handwerkern bevölkert, die Oberstadt auf dem Domberg von den Adligen. Der Domberg ist aufgrund seiner Landschaftsform und durch Bastionen geschützt und lag außerhalb der Stadtmauer. Auf den Domberg gelangten die Bürger früher nur durch ein einziges Tor, was die Abgrenzung von denen da Oben zu denen da Untern noch deutlicher machte. Heute ist das kein Problem mehr, denn wir durften uns oben und unten und rundherum frei bewegen 😊

Nachfolgend Bilder aus der Altstadt Tallinns.

Apotheke am Rathausplatz

Eine zweiflügelige Holztür, mit verschlungenen Schlange geschmückt, mit einer steinernen Treppe, die in die Apotheke führt
Durch diese Tür gelangst Du in das Gebäude der Apotheke am Rathausplatz, 1422 erstmals urkundlich erwähnt. Damals wie heute und ununterbrochen war und ist darin eine Apotheke – und heute auch ein kleines Apothekenmuseum, das den Wandel der Medikamentenzutaten und des Medikamentengebrauchs zeigt
Eine Schlange um ein Gefäß symbolisiert eine Apotheke – darunter Apteekt und die Zahl 1422
Die Außenwerbung der Apotheke
Eine geschnitzte Bank mit einem Löwenkörper als Armlehne. Gusseiserne Säulen tragen das Obergeschoss der Apotheke
Gusseiserne Säulen tragen das Obergeschoss – Löwen sind die Armlehne der Apotheke – eine schöne Schnitzmeisterarbeit
Ein kupferner Destillierapparat und eine hölzerne Ölpresse stehen vor einem Erker
Alte Apothekenausstattung, wie den kupfernen Destillierapparat und eine hölzerne Ölpresse stehen beim Erker
Ein Foto auf einem Bildschirm zeigt ein Foto der Apotheke von 1903
Im kleinen Apothekenmuseum kannst Du mit viel Zeit auch die Geschichte der Apotheke anhand von Aufzeichnungen und Briefen lesen. Hier ein Bild des Rathausplatzes mit Apotheke von 1903

Weitere Eindrücke der unteren Tallinner Altstadt

Ein in die Erde gelassener runder Gedenkstein
Wer an diesem Punkt in Tallinn auf dem Rathausplatz steht und sich ein wenig reckt und streckt und dreht – kann 5 Kirchentürme (-fragmente) der Altstadt entdecken
Das alte Rathaus von Tallinn hat einen hohen Turm links und einen Laubengang im Erdgeschoss
Das alte Rathaus in Tallinn ist ein typisches Hansestadtgebäude mit einem besonders interessanten Turm
Ein Türmchen an einem Haus ist mit Fresken im Aufbau gestaltet
Wunderschöne Jugendstilhäuser gibt es auch in Tallinn – ich muss nur nach oben schauen!
Aneinandergereihte runde Gauben auf einem Schieferdach
Die Gaubengalerie hat mich beeindruckt – der Zimmermann hatte nicht nur viel zu rechnen, sondern auch viel zu konstruieren
Schmiedeeiserne Lampen beleuchten bei Dunkelheit die Altstadt
Schmiedeeiserne Lampen beleuchten bei Dunkelheit die Altstadt
Ein Hausportal mit einer grüngemusterten doppelten Holztür und einem steinernen Portal
Ein unglaublich schöner Hauseingang ziert das Gebäude der Schwarzhäupterbrüderschaft – heutzutage geht es hier zu den Tallinner Kammermusikern
Ein Häuserzeile mit unterschiedlichen Giebelformen und Türmchen teils im Schatten und in der Abendsonne
Diese Häuserzeile gefällt mir sehr gut – vermutlich in der Straße Aia aufgenommen
Ein Holzerker am Haus der Oleigilde
Der Holzerker am Haus der Oleigilde hat in seinem steinernen Sockel einen Rose eingemeißelt – die Rose oberhalb der Tür symbolisierte die Vertraulichkeit der Gespräche im Inneren, die die Gildemitglieder zur Verschwiegenheit verpflichtete
Ein Haus im Jugendstil mit stilisierten Drachen und Figuren auf zwei Simsen
Wunderschöne Details am Haus, die wir beim ersten Vorbeigehen gar nicht gesehen haben
Zwei Figuren stehen oberhalb des Hausportals
Die Figuren sind links König Knut von Dänemark und rechts Martin Luther – die Tallinner wundern sich noch heute, dass die Figuren in der Sowjetzeit nicht zerstört wurden – wie so vieles andere Kirchliche
Unter einer hohen Mauer sind Markisen, darunter Blumenläden mit bunten Blumen
Die Blumen am Blumenmarkt in der Straße Viru leuchtet in der Abendsonne
Die Straße ist mit Pflastersteinen gepflastert, Neben der Straße stehen hohe Altstadthäuser
Die Pflasterstraßen stehen in Tallinn unter Denkmalschutz
Fahnen hängen über einem Portal an einem Eckhaus
Die Aufschrift unter den Fahnen lautet: Telegraaf Post Telefon – 13. Nov. 1918
Durch einen Torbogen sieht man im Hof einige Geschäfte
Zugang zum Meisterhof in der „Vene 6“ – mit Atelier, Kunstladen, Café und Hostel

Domberg oder Oberstadt

In der Oberstadt machen wir mit unserer Gästeführerin einen kurzen Rundgang.

Die Orthodoxe Kirche wurde als Herrschaftssymbol des zaristischen Russlands erbaut
Der Zar setzte den Tallinnern mit der Orthodoxen Alexander Newski Kathedrale ein Machtsymbol auf den Domberg
Die Domkirche St. Marien auf dem Domberg ist die Hauptkirche der evangelischen Christen in Estland
Die Domkirche St. Marien auf dem Domberg ist die Hauptkirche der evangelischen Christen in Estland. Vormals war sie die Kirche der Tallinner Adligen und beherbergt deren Wappen bis heute
Die Plattform in der Kohtu Straße legte bereits den Adligen Tallinns die Stadt zu Füßen, bzw. ließ sie auf Handwerker und Kaufleute herabschauen
Die Patkuli-Plattform legte bereits den Adligen Tallinns die Stadt zu Füßen, bzw. ließ sie auf Handwerker und Kaufleute herabschauen. Du schaust auf die Stadtmauer mit einigen Türmen, die St. Olai-Kirche und den Hafen und vielleicht kannst Du sogar erkennen, dass die Aida mittlerweile im Hafen liegt, aber noch keine Reisenden „ausspucken“ durfte, denn die Stadt ist noch leer
Die Bloggerin sitzt auf der Mauer der Patkuli Platfform
Ich setzte mich mal in Szene auf dem Mäuerchen der Patkuli Plattform
Über viele Treppen geht es hinauf zum Domberg
Der Weg zur Regierung ist beschwerlich – die Esten spüren das anhand der Treppenstufen…
Die Stadtregierung tagt ebenfalls in einem Gebäude auf dem Domberg
In diesem Gebäude werden die Geschicke der Stadt Tallinn geführt

Bäckerei in Tallinns Altstadt

Bei unserer Fototour am Freitagvormittag entdecke ich in der Straße „Nunne 9“ in der Tallinner Altstadt eine Brezel an einem Haus. Von Brezeln wurden wir während unserer Reise so oft verführt – und genau so oft enttäuscht. Nie gab es ungesüßtes, ungemalztes, festes Brot und Brezeln schon gar nicht. Hier aber hatten wir großes Glück. Brezeln gab es zwar keine, aber richtiges Brot, mit Kruste und nicht weich wie ein Daunenkissen. Und Brötchen, sogar mit Körnern! Wir entschieden uns in der Bäckerei Loiri Pagar OU für ein tolles Roggenbauernbrot und eine Auswahl von Brötchen – und hatten viele Tage Freude daran. So einfach kann Glücklichsein funktionieren!

Eine goldene Brezel an einer Eisenstange als Werbung für eine Bäckerei
Die Bäckerei Loiri Pagar wirbt mit einem Brezel für ihr Backwerk. Wieder eine Brezel! Ob sie diesmal hält, was sie verspricht? Deutsche Backkunst in Tallinn??
Bäckereiauslage in einem Schaufenster
Schon im Schaufenster wird anhand der ausgestellten Backwaren einiges versprochen
Das Backwarenangebot wird in Regalen präsentiert
Und wir werden nach Eintritt in die Verkaufsräume nicht enttäuscht. Wir sind ganz geplättet von der Vielzahl des Brot- und Brötchenangebotes – und nix in Plastik eingeschweißt! So kann endlich wieder eine Kruste am Brötchen und Brot entstehen!
Die Kaffeeteilchen in der Auslage erscheinen wie in Deutschland
Ich bin wirklich gerne unterwegs. Ich reise wirklich sehr gern in andere Länder und mag gerne neue Speisen probieren. Aber so eine „deutsche“ Bäckereiauslage nach sieben Wochen Abstinenz, treibt mir die Freudentränen in die Augen und füllt meinen Notfallrucksack der Handtasche mit Köstlichkeiten

Besondere Bilder

Unter dieser Überschrift findest Du Fotos von Tallinn, die ich persönlich irgendwie besonders finde. Besonders, weil sie witzig sind, hohe handwerkliche Kunst aufweisen oder mich sonst irgendwie berührt haben.

Werbeschild einer Brauerei mit der Aufschrift Brewery ōlleklubi
Manchmal kann ich mir Estnisch durch andere Sprachen herleiten – Brewery – englisch = Brauerei und ōlle – norwegisch Öl = Bier und klubi – frei aus dem Deutschen interpretiert = Club – Brauerei Bierclub! Geht doch!
Ein geschmiedeter Türklopfer ist wie ein Löwenkopf geformt
Dieser Türklopfer ist eine wunderschöne Schmiedearbeit
An einem Hausgiebel sind stilisierte Girlanden und ein Wappen mit drei Löwen
Die drei Löwen erinnern mich an Baden-Württemberg
Zwei Kampfflieger fliegen über die Stadt
Am Unabhängigkeitstag zeigen die Franzosen, dass sie als Europäische Flugzeugstaffel den Esten zur Seite stehen
Eine Eintracht Frankfurt Fahne weht am Rathausplatz in Tallinn
Ob die Eintracht in Frankfurt davon Kenntnis hat, dass eine Fanfahne auf ganz repräsentativem Tallinner Gebiet – dem Rathausplatz – weht?
Eine Steinerne Figur mit einem Binokel schaut hinab auf die Straße
Laut der Legende soll ein Nachbar der Nachbarstochter immer hinterhergeschaut haben und bekam dieses Ebenbild auf die gegenüberliegende Gaubensäule gebaut
Dem Gründer des Estnischen Puppentheaters Ferdinand Veike ist ein Denkmal in Form einer Büste an einem Haus gesetzt worden
Dem Gründer des Estnischen Puppentheaters, Ferdinand Veike, wurde das Denkmal am Haus des Puppentheaters gewidmet
Zwei Stoffpuppen sitzen auf Stühlen an einem Bistrotisch vor einem Laden
Das Paar sitzt vor einem Geschäft mit handgefertigten Erzeugnissen
Eingang zur Gaststätte Elevant, Steintreppen und doppelflügelige Tür
Andere Länder, andere Schreibweisen…
Ein Werbeschild an einem Haus mit der Aufschrift Shoppe Old Hanse
2. Teil des andere Länder, andere Schreibweisen – der Pfälzer Schoppe wird mit „sch“ geschrieben, der Shoppe hier nicht – und ich vermute, dass es sich bei diesem Shoppe um ein Schiff handelt…
Ein Pfeffersack hängt am Giebelgalgen eines Hauses
Der rote Peppersack hängt noch am Giebelgalgen des Hauses, das wohl früher als Pfefferlager gedient hat

Parks und Blumenschmuck

In Estland begeistern mich die überall gepflegten Parkanlagen und Blumenrabatten. Selbst im kleinsten Örtchen, gibt es einen mit Blumen geschmückten, gepflegten Bereich, in dem sich die Bevölkerung erholen oder treffen kann. Tallinn toppt das in der Anzahl der Anlagen, aber auch immer sehr gepflegt und ansprechend. Nachfolgend einige Beispiele.

Große eiserne Kübel sind mit Blumen wunderschön bepflanzt
Der Blumenschmuck in der Stadt ist immer ungeheuer gepflegt und in zur Umgebung passenden Kübeln
Zwei Kinder mit einem Regenschirm als Springbrunnenfiguren
Ob Sonne, ob Schnee, ob Regen – die zwei sitzen immer unter dem zu kleinen Regenschirm und werden nass
Eine Rehskulptur steht in einem Park an einem kleinen Wasserfall
Die Legende erzählt, dass der Dänische König (einst auch mal Machthaber im damaligen Reval = heute Tallinn) ein Reh jagte. Als dieses die Klippe des Domberges erreichte, stürzte es sich lieber hinab, als erschossen zu werden. Mit dieser Begebenheit soll der Name Reval = Rehfall entstanden sein.
Eine Singvogelskulptur aus Beton
Ich frage mich, welche Bedeutung diese Vögel haben, die Du überall in Tallinn auf den Straßen sehen kannst?
Große, aus Beton gegossene Singvogelskulpturen
Die Bedeutung: der Vogel als solcher Keine! Sie dienen der Terrorabwehr – z.B. durch einen Lastwagen. Dass Betonsperren auch „schön“ gehen, zeigen diese Vogelskulpturen in Tallinn

Ausgehen

Wir haben einige Einkehrschwünge in Tallinn gemacht. Nachfolgend zeige ich Dir einige kulinarische Besonderheiten.

An einer weiß getünchten Backsteinwand ist eine Leuchtschrift Love Mussels
Ein Meeresfrüchtelokal mal ganz anders – bestellen an der Theke, selbst mit Gläsern und Besteck versorgen, Speisen und Getränke werden gebracht
In einem schwarzen Emailletopf ist ein Muschelgericht
Bernhard isst Muscheln mit Champagner, Fenchel, schwarzem Pfeffer und Pesto – der Geschmack war ungewöhnlich gut
Ein vegetarisches Fladenbrot
Vegetarisch geht auch – Gemüsefladenbrot – ungeheuer lecker gewürzt
Das Interieur in der Champagnerbar ist eher wie in einem bunt zusammengewürfelten Wohnzimmer gehalten
Bunt zusammengewürfelte Einrichtung und Kunst von Familienmitgliedern und Bekannten – die Einrichtung der Champagnerbar
In einer Glasvitrine stehen kleine Marzipanfiguren
In der Straße “Pikk 16“ ist das Café und Museum zum Thema Marzipan in Tallinn
In einer Glasvitrine stehen kleine Marzipanfiguren
Das Marzipan soll in Tallinn erfunden worden sein – als Arzneimittel, dass ein Apothekerlehrling falsch zusammengemischt hat. Über die Hanse und Lübecker Kaufleute kam es erst nach Lübeck…
Ein Riesenrad aus Löffeln konstruiert mit Sammeltassen als Gondeln
Die Gondeln sind Sammeltassen und ein Teil der Konstruktion sind Löffel – charmante Idee des Marzipanzimmers
Neben einer Teigspeise auf einem Teller liegt goldenes Besteck
Wir essen auf dem Markt unsere Tšeburekids mit goldenem Besteck – wie vornehm!
Das Werbeschild eines Weinverkaufs heißt Nudist Winery
Bernhard erkundigt sich, ob man nur nackig einkaufen darf. Gemeint ist aber, einfach Wein – ohne Schnickschnack – schade? Oder eher nicht?

Außerhalb der Altstadt

Außerhalb der Altstadt habe ich wenige Fotos gemacht, die nicht in Besonderes oder Parks und Blumenschmuck bereits abgebildet sind.

An für Tallinns Stadtteil Kalamaja typischen Holzhäusern hängen estnische Flaggen
Am Unabhängigkeitstag sind die alle Häuser in Tallinn beflaggt. Hier im Holzhausviertel Kalamaja
Ein geschmiedetes Tor führt in den Markt mit Ständen
Der Markt in Tallinn ist geschickt in den Bahnhof integriert
Neue Wohngebäude stehen um einen Platz
Diese neuen Wohngebäude sind im Nordwesten von Tallinn direkt an einem Yachthafen errichtet worden

Kadriorg – Katharinental

Am Beginn des Parks treffen wir auf eine bedeutende Tallinner Persönlichkeit.

Die Bloggerin steht neben der Statue von Jaan Poska
Ich versuche mit Jaan Poska ins Gespräch zu kommen. Er war von 1913 bis 1917 Bürgermeister von Tallinn. In den Revolutionsjahren 1917/1918 spielte er eine Schlüsselrolle bei der ersten Unabhängigkeit Estlands, war Gouvernementskommissar der ersten Regierung und später Außenminister
Im Park ist ein Pavillon auf einem Inselchen im See, links davon ein Springbrunnen
Ein See in der Parkanlage Katharinental – Kadriorg
Das Barockschloss Kadriorg in einem Blumengarten
Das Schloss Kadriorg wurde von Peter dem Großen erbaut – zu Ehren seiner Frau Katharina, heute ist ein Kunstmuseum darin
Ein abgestuftes Glasgebäude
In diesem selbst als Kunst bezeichneten Bauwerk ist das Museum der Modernen Kunst – Kumu

Wir hatten übrigens recht mit unserer Annahme. Viele Tallinner waren außerhalb der Stadt, mit Zelt im Wald oder in den Wochenendhäusern an irgendeinem der vielen Seen. Der Autoverkehr war mäßig, die Altstadtstraßen leer und wir hatten zwei ruhige Nächte auf unserem Parkplatz mit Blick zur Ostsee. Tallinn ist wirklich eine Reise wert!

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Soomaa Nationalpark

Soomaa Nationalpark

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Der Soomaa Nationalpark liegt im Südwesten Estlands. Der übersetzte Name Soomaa bedeutet Sumpfland, Moorland. Wir wollen dort einige Wanderungen machen und diese besondere Landschaft genießen. Im Naturparkzentrum informieren wir uns und erhalten deutsche Beschreibungen und Wanderkarten.

Nationalpark Soomaa

Da der Name Soomaa Sumpf bedeutet, ist es nicht verwunderlich, dass ein großer Teil des Gebietes „unsicheren“ Boden hat. So steht es in einer Beschreibung des Nationalsparks. Das Gebiet des1993 gegründeten Nationalparks umfasst 396 m². In Teilen davon wohnen Menschen und bewirtschaften die Landschaft. Der größte Teil ist aber unbewohnt und die Natur in den Hochmooren ist intakt. Das besondere an Soomaa ist die sogenannte fünfte Jahreszeit. Im Frühjahr, nach der Schneeschmelze stehen 175 km² unter Wasser. Das höchste Hochwasser sei langem war im Mai 2011, wie Du später auf den Bildern beim Ingatsi-Wanderweg sehen kannst. Tõnu von Metste Talu hatte uns erzählt, dass die Landwirte früher Kräne in den Ställen hatte, um die Kühe während der Überflutung im oberen Stockwerks des Stalles unterzubringen. Die Landschaft ist vielfältig und beeindruckend. Auwälder, Moor- und Talsohlewälder, Au- und Gehölzwiesen wechseln sich ab. An den nasstesten Stellen sind Moorkolke oder auch Moorseen. Die Gegend ist von der Forstverwaltung mit Wanderwegen versehen, um den Menschen den Lebensraum Moor und was damit zusammenhängt näher zu bringen. Viele Pflanzen- und Tierarten die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, sind hier heimisch. So hoffen wir auf schöne Entdeckungen.

Das Naturparkzentrum Soomaa

Wir fahren vom Chili-Garten Metste Talu zur Hauptstraße mit der Nummer 92 und folgen ihr bis Köpu, Dort biegen wir mit der Beschilderung Nationalparkzentrum nach links ab und fahren auf der wunderbar gewalzten Schotterstraße bis zu einem Abzweig, an dem es nach rechts noch über einen schlechteren Schotterweg etwa 400 m zum Nationalparkzentrum geht. Der Parkplatz ist auch ein Offizieller RMK Parkplatz der Forstverwaltung, der Übernachtungen erlaubt. Wir sind noch rechtzeitig dran, das Naturparkzentrum hat noch geöffnet.

Ein Haus steht hinter Bäumen
Das Nationalparkzentrum des Soomaa Nationalparks

Im Zentrum werden Seminare angeboten, Mitarbeiter geschult, Schulklassen betreut und Touristen wie wir beraten. Meris, eine junge Frau, gibt uns kompetent Auskunft. Sie rät uns von der Benutzung einer Straße mit unserem Wohnmobil ab, da sie in sehr schlechtem Zustand sei. Da wir nach den Wanderungen in Richtung Pärnu weiterwollen, wählen wir mit ihrer Hilfe drei Wanderungen aus. Die Biberwanderung direkt am Nationalparkzentrum. Eventuell könnten wir die Biberfamilie heute in der Dämmerung auch an ihrem Bau beobachten. Morgen könnten wir den Ingatsi Wanderweg machen, da gäbe es die Möglichkeit, in einem Moorsee zu schwimmen. Wir sollten bis zum hinteren Parkplatz fahren, das wäre mit dem Wohnmobil kein Problem. Wenn wir sehr früh morgen losgingen, könnten wir vielleicht Elche sehen. Derzeit ist es sehr heiß, so dass sich diese tagsüber tief in die Wälder zurückziehen. Auf dem Weg nach Pärnu könnten wir auch noch den Riisa Wanderweg machen, der an den Fluss Navesti jögi führt. Wir danken für die Fürsorge und schauen uns im Treppenhaus noch die Bilder der großen Überschwemmungen 2010 und 2011 an.

Die Wanderungen beschreibe ich Dir hauptsächlich mit Bildern und deren Bildunterschriften.

Biberpfad – Kop Rarada

Der 1,8 km lange Biberpfad führt durch verschiedene Waldtypen. Druch dunklen Fichtenwald, lichten Farn-Bilkenwald und nassen Bruchwald hin zum Mardu Bach, wo sich eine Biberfamilie angesiedelt hat. Interessante Naturobjekte sind mit Tafeln unterwegs erklärt.

Aufzeichnung der Wanderung Biberpfad auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Hier beginnt der Biberpfad, ein Holztorbogen mit einem Steg dahinter
Durch das Tor geht es zur Toilette und zum Biberpfad
Am Anfang des Pfades ist eine geschmitzte Holzfigur eines Biebers vor einem Toilettenhäuschen
Der Biber zeigt Wanderern, wo die Toilette ist, die an keinem Parkplatz oder Wanderwegbeginn in Estland fehlt
Eine Tafel erklärt mit Bildern den Wanderweg Riisa
Am Wanderweg Riisa erklärt eine mit Bildern illustrierte Tafel den Wanderweg
Auf einer Tafel ist der Pflanzenname aufgedruckt
Entlang des Wanderpfads sind Tafeln mit den Pflanzennamen aufgestellt
Auf einer Tafel ist der Pflanzenname aufgedruckt
Wer möchte, kann nicht nur Pflanzennamen sondern auch estnisch lernen
Auf einem mit Hackspänen bedeckten Wanderpfad wachsen Pilze
Die Pilze lassen sich nicht davon beirren, dass der Wanderweg mit Hackspänen bestreut ist
Ein dunkler Bach fließt durch einen Fichtenwald
Anfänglich führt der Wanderweg durch den Fichtenwald, durch den der Mardu Bach fließt
Ein Steg führt über einen Bach, rechts und links stehen Birken
Der Steg führt uns wieder über den Mardu Bach, allerdings im Birkenwald
In einem breiten Bach liegen Stämme uns Äste übereinander für einen Biberbau
Die Biberfamilie hat ihren den Bau quer zum Bach errichtet. Auch in der Abenddämmerung lassen sie sich nicht blicken
Eine Tafel erklärt den Aufbau einer Biberburg
Auf der Tafel in der Nähe des Biberbaus wird der Aufbau erklärt und dass die Hauptfeinde der Biber der Wolf und der Luchs sind. Der Hauptfeind „Mensch“ wird leider nicht erwähnt
Zwischen Baumästen hindurch ist der Bach und der Biberbau zu erahnen
Beim Weitergehen höre ich Geräusche vom Biberbau, den ich durch Äste sogar erspähen kann – aber leider ist das nur ein Enterich, der sich über irgendetwas erzürnt
Am Bachufer sind Birken vom Biber gefällt worden
Am Bachufer sind die Birken zu erkennen, die die Biber gefällt haben. Hinter dem Wald geht die Sonne bereits unter
Durch die Bäume ist die untergehende Sonne zu sehen
Ab und zu blendet mich die untergehende Sonne wie ein Scheinwerfer durch die Bäume – sogar ein Foto klappt
Auf einer Tafel wird erklärt, welche Nahrung der Elch zu sich nimmt
An den Bäumen, die in der Nähe der Tafel stehen, ist zu erkennen, das Elche junge Baumtriebe der Zweige im Frühjahr konsumieren

Mit der letzten Dämmerung treten wir aus dem Wald heraus und genießen eine völlig stille Nacht in der Einsamkeit in unserem Wohnmobil.

Ingatsi Wanderweg – Ingatsi Ōpperada

Der Ingatsi Wanderweg ist 3,6 km lang. Er beginnt in einem Bruchwald bevor er einen Moorhang hochsteigt zu einem Aussichtsturm. Der steht am Beginn des Kuresoo Hochmoors, in dem ein offenes Alpen-Rasenbinsen- und Schwingrasen-Hochmoor vorherrscht. In der Beschreibung steht außerdem: Im Unterwald des Hochmoors wachsen mehrere Zwergsträucher, unter anderem auch der für ostestnische Hochmoore typische Torfgränke. Das Netz von Gewässern formt Schlenken, hunderte von Moorkolken und Moortrichtern, kleine unterirdische Bäche und Bäche, die das Wasser aus dem Moor herausführen. Zu Zeiten des Vogelzugs, meisten sim Herbst, sind die großen, offenen Gebiete und Moorkolkflächen gute Rastplätze für Tausende von durchziehenden Gänsen.

Aufzeichnung der Ingatsi Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Über einem mit Büschen bestandenen Fluss steigt der Frühnebel auf
Wir sind sehr früh unterwegs und die Nacht war kalt. So steigt der Nebel über dem Fluss bei der Anfahrt auf
An der Einstiegsstelle für Kanus am Parkplatz geht die Sonne hinter den Bäumen auf
An der Einstiegsstelle für Kanus am Parkplatz geht die Sonne hinter den Bäumen auf
Ein Wohnmobil am Parkplatz, dahinter eine Toilette
An jedem Parkplatz ist eine Toilette! Hier der erste Parkplatz für den Ingatsi Wanderweg
Ein Steg geht über eine feuchte Stelle, an einem Baumstamm sind Markierungen
Über feuchte Stellen ist immer ein Bohlenweg gebaut. Die Markierungen links an der Birke zeigen die Hochwasser an, die der Sumpf im Frühjahr und Herbst haben kann. Das höchste wurde im Mai 2011 gemessen
Die Bloggerin läuft auf einem mit Hackschnitzel bestreuten Wanderweg
Der Wanderweg ist im Wald mit Hackschnitzel bestreut
Ein Fliegenpilz steht im Wald
Der Fliegenpilz sieht wie aus dem Lehrbuch aus
Am Waldrand steht ein Aussichtsturm
Nachdem wir aus dem Bruchwald hinausgetreten sind, steht der Aussichtsturm am Rande des Kuresoo Hochmoores vor uns
Vom Aussichtsturm geht der Blick weit über das Moor hinweg, die Bloggerin geht auf einem Steg, der durch das Moor führt
Ein Steg führt durch das Moor und zu den Moorkolken
Ein Schmetterling sitzt auf einem Holzbrett
Der Schmetterling sonnt sich auf einem Brett des Bohlenweges
Ein Spinnennetz zwischen Grashalmen gespannt, ist von Tau benetzt
Die unterschiedlichen Farben im Moor faszinieren mich. Eine Spinne sammelt den Morgentau in ihrem Netz
Ein dunkler Moorsee, in dem sich Wolken und Himmel spiegeln
Wir passieren mehrere Moorkolke oder Moorseen, in denen sich der Morgenhimmel spiegelt
In einem Moorsee spielen sich die dahinter stehenden Bäume
Die klare Stimmung am Morgen, der ruhige Moorsee und die Spiegelung der Bäume, einfach nur schön
In einem Moorsee spielen sich die dahinter stehenden Bäume
Der gleiche See von der anderen Seite mit Blick zum Wald – eine ganz andere Stimmung
Ein Geländer auf einer Plattform mit einer Öffnung zum Einsteigen in den See
Plattformen mit Bänken stehen an manchen Kolken. Dort ist immer eine Öffnung im Geländer mit einer Holzleiter, um im Moorsee baden zu gehen
Die Bloggerin badet in einem Moorsee
Das Wasser ist durch die vergangen Sonnentage angenehm warm und „weich“ – ein absoluter Genuss, dieses Morgenbad
Unter grünen Blättern sitzt ein grüner Frosch
Wieder zurück im Wald hüpft dieser Frosch über den Weg und „versteckt“ sich in beinahe der Bildmitte
Rote Beeren hängen an Sträuchern
Im Wald wachsen auch diese roten Beeren, die ich leider nicht kenne
Auf einer Tafel wird der Wanderweg und seine Besonderheiten auf Bildern erklärt
Wir kommen am eigentlichen Parkplatz des Wanderwegs an, mit der Tafel, die den Wanderweg wieder Bildreich „erklärt“

Am zweiten Prakplatz angekommen wandern wir etwa 500 m auf der Schotterstraße zu unserem Wohnmobil zurück. Wir Duschen und Frühstücken, bevor wir zum Riisa Wanderweg weiterfahren. Leider waren wir zwar früh, aber der Elch war schon im Wald oder hatte heute keine Lust auf Touristen.

Riisa Wanderweg – Riisa Ōpperada

Der Riisa Wanderweg ist 4,8 km lang und auch wieder ein Lehrpfad. Tafeln über Pflanzen, Tiere oder Zusammenhänge im Moor stehen in der Landschaft oder auf Plattformen. Er führt durch das malerische Riisa Moor und durch die Wälder des Navesti Flusses.

Autos stehen auf einem Parkplatz hinter einem Holzzaun
Der Wanderweg Riisa ist der einzige im Soomaa Nationalpark, der an einer Hauptstraße beginnt. Entsprechend gut ist er von Wanderern frequentiert

In der Wanderwegbeschreibung heißt es: Die Entstehung aller heutigen estnischen Moore begann nach der letzten Eiszeit. Das Riisa-Hochmoor wird allein von Regenwasser gespeist. Die Torfschicht des Hochmoores wächst langsam in die Höhe. Der Wasserspiegel des Hochmoores liegt über dem der umliegenden Gebiete, weswegen Bäche immer aus dem Moor heraus fließen. Den stilen Hochmoorrand nennt man Hochmoorhang. In größeren Hochmooren verteilt sich das Wasser auf kleinere Kleinstgewässer, Moorkolke , die zusammen mit Bulten und Schlenkern die charakteristische Landschaft des Hochmoores ausmachen. Die Pflanzen- und Tierwelt des Hochmoores ist artenarm.

Aufzeichnung der Riisa Wanderung auf Komoot

Die Wanderung habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachwandern.

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Oder Du folgst mir und dieser Wanderung auf meinem Komoot-Account.

Ein hölzernes Toilettenhäuschen steht im Wald
Am Beginn des Wanderwegs ist wie immer in Estland eine Toilette
Eine Pflanzentafel steht im Bewuchs
Anfänglich ist der Riisa Wanderweg auch ein Pflanzenlehrpfad. Zahlreiche Tafeln sind aufgestellt
Der Bohlenweg führt durch niedriges Nadelgehölz
Am Beginn der Wanderung steht am Riisa Naturpfad noch niedriges Nadelgehölz
Ein Wanderweg mit Hackschnitzeln bestreut führt durch einen Nadelwald
Nach kurzer Zeit folgt ein Weg durch den Nadelwald. Die Wege im Soomaa Naturpark sind meist mit Hackschnitzel ausgestreut
Eine Brücke führt über eine manchmal feuchte Vertiefung und geht in einem Bohlenweg über
Da das Gebiet des Soomaa Nationalparks im Frühjahr und Herbst oft überschwemmt ist, sind an manchen, jetzt trockenen Stellen, Brücken. Diese hier geht in einen Bohlenweg über, der uns weiter durch den Wald leitet
Zwei umgestürzte Bäume liegen auf dem Waldboden, die Baumscheiben stehen in die Höhe
Wie flach die Fichten wurzeln ist hier an den Baumscheiben deutlich zu erkennen
Ein Fluss liegt von Gras umgeben in seinem Bett
Der Wanderweg führt uns zum Flüsschen Navesti jögi und einem Picknickplatz. Der Navesti ist einer der wassereichsten Flüsse Estlands und mündet am Ende seines 100 km Flusslaufes in den Pärnu Fluss
Zwei Bohlenwege kreuzen sich vor einer Terrasse an einem See
Als wir aus dem Wald herauswandern und ins Moor kommen, führen manchmal Abzweigungen um einen See
Eine hölzerne Plattform an einem See mit einem Badeeinstieg
Bei dieser Plattform ist eine Bank mit einem Badeeinstieg in den See
Im dunklen Moorwasser steigen Blasen auf, die sich teils auch im grünen Bewuchs fortsetzen
Das das Moor gesund ist zeigt es an dieser Stelle, auch wenn ich das Blubbern eher nicht so mag
Eine blaue Libelle hält sich an einem Grashalm fest
Die blaue Libelle lässt sich an einem Grashalm sehr gut fotografieren
Vor einem Moorsee steht Sumpfgras und blühende Heide
Mit aufmerksamen Augen sehe ich viele Kleinigkeiten, wie die blühende Heide vor dem dunklen Moorsee
Eine blühende weiße Seerose auf einem Moorsee
Mittlerweile steht die Sonne hoch und wärmt, die Seerosen blühen auf und machen weiße Klekse auf die dunklen Seen
Der Moorsee liegt ganz ruhig da, eine Wolke spiegelt sich darin
Die Moorseen liegen beinahe ohne Wellen da, die Wolke spiegelt sich mit nur wenigen Kräuseln
Eine Eidechse klettert von einem Holzbrett
Sogar eine Eidechse sonnt sich auf einem Holzbrett des Bohlenweges und klettert rasch ins Gras der Umgebung, als wir kommen
Blühende Heide und Rostbraunes Moos
Die blühende Heide und das rotbraune Moos deuten darauf hin, dass die Natur schon langsam in den Herbstmodus übergeht
Eine Libelle sitzt auf einem Brett eines Bohlenstegs
Diese Libelle sonnt sich auf dem Bohlenweg
Auf der blühenden Heide sitzt ein kleiner blauer Schmetterling
Der blaue kleine Schmetterling ließ sich nur sehr schwer mit der Kamera einfangen
Ein im verwelken begriffenes Seerosenblatt formt in gelbes Herz
Ein Herzgruß im See – is des net schee – versuchtes Südhessisch, damit es sich reimt
Ein hölzerner Aussichtsturm erhebt sich in der Ferne im Moor
Etwa nach zweidrittel der Wanderung steht der Aussichtsturm
Auf einer Plattform steht eine Bank und eine Tafel, die einige Pflanzen erklärt
Immer wieder passieren wir Plattformen mit Bänken, auf denen sich die Natur genießen lässt. An manchen sind auch Erklärungstafeln installiert
Der Blick vom Aussichtsturm geht über die Moorlandschaft mit dem Bohlenweg
Mein Blick vom Aussichtsturm geht hinüber zum Wald, hinter dem der Parkplatz liegt
Zwei blaue Libellen paaren sich und halten sich dabei an einem Grashalm fest
Beinahe am Ende des Weges entdecke ich noch diese zwei Libellen bei der Paarung
Ein großer Baum ist in eine Plattform integriert und wirft Schatten auf eine Rastbank
Die Rastbank bietet sogar immer einen Schattenplatz. Liebevoll ist der Baumstamm in die Plattform integriert

Meine Meinung zum Soomaa Nationalpark

Der Park ist fantastisch angelegt. Die Parkplätze, die Toiletten und die Wege sind super gepflegt. Mülltonnen stehen überall und werden genutzt. Die Erklärungen sind schlüssig, auch wenn man weder estnisch noch englisch versteht. Die Mitarbeiter helfen gerne und im Naturparkzentrum gibt es neben kompetenten Auskünften auch jede Menge Prospekte und Karten in vielen Sprachen. Ich danke den Verantwortlichen und Mitarbeitern ganz herzlich für die Mühe und Arbeit, die sie in den Park und seine Einrichtungen stecken.

Wir haben die Wanderungen im Soomaa Nationalpark sehr genossen. Am Beginn aller Wanderwege und an anderen Plätzen sind Parkplätze eingerichtet. Immer mit Toilette, sehr oft mit Picknickbänken. Einige haben Wasserstellen und Lagerfeuerplätze und alle sind offen für Übernachtungen. Viele Esten verbringen in den Nationalparks ihre Ferien oder längere Auszeiten, mit Zelt oder Wohnwagen oder Wohnmobil. Unsere Forstverwaltungen könnten von der touristischen Organisation noch einige Dinge lernen. Gerade die Bio-Trenntoiletten, die an jedem Parkplatz aufgestellt und immer sauber sind, mit Toilettenpapier versehen, verhindern, dass rund um die Parkplätze Taschentuchfetzen und „Schei..haufen“ herumliegen und unschön die Natur verschandeln, bzw. einfach zum Himmel stinken.

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Chili Garten Metste Talu

Chili Garten Metste Talu

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Wir sind an der Küste nach Estland eingereist. Im englischen Prospekt „Romantische Küste“ ist auf unserem Weg in den Soomaa Nationalpark eine Ziffer eingezeichnet. Hinter der Ziffer verbirgt sich „Garden Collection of Chilli Pepers“. Wir wollen herausfinden, was sich dahinter verbirgt. Da in der Nähe auch ein Fruchtweingut liegt, verbringen wir den Tag kulinarisch.

Fahrt zu Metste Talu

Nach unserem Besuch im Fruchtweingut Allikukivi, leitet uns das Navi auf der A 6 nach Osten und nach wenigen Kilometern nach links, Richtung Kärsu auf eine Schotterstraße. Wir halten an, denn nach unseren lettischen Schotterpistenerlebnissen sind wir erst mal sehr skeptisch. Aber wir wollen zu Metste Talu und der Weg führt über die Schotterstraße. Langsam fährt Bernhard los, aber es ruckelt und scheppert nichts. Die Straße ist eine Straße und keine Piste. Er beschleunigt sogar bis 70 km/h und es rumpelt nichts! Natürlich staubt es, aber unsere Inneneinrichtung hört sich nicht so an, als wollte sie zusammenfallen. Nach einigen leichten Kurven sehen wir bereits das Schild.

Auf einem Schild ist das Logo und der Schriftzug der Romantischen Küste Estlands
Das Schild weist immer auf eine Besonderheit der „Romantischen Küste“ hin

Wir fahren über einen Wiesenweg neben das Haus. Eine junge Frau sitzt hinter dem Haus im Garten an einem Tisch auf dem ein Plastikkorb steht. Eine ältere Frau sitzt neben ihr und hält ein Baby im Arm. Alle schauen auf und ein Mann kommt auf unser Fahrzeug zu.

Kontakt

Metste Talu, Dorf Kärsu, Saarde vald, 86208 Kreis Pärnu, Estland Telefon: +372 512 4698, info@metstetalu.ee, https://www.metstetalu.ee/ Führungen gerne nach Voranmeldung per E-Mail oder Telefon.

Chili – die Idee

Auf unsere Frage, ob wir englisch miteinander reden können, antwortet Tõnu Pärn, das wir deutsch reden können. Er weist in die Runde und stellt die Damen vor. Die Mutter, Vaike Pärn mit dem Enkelkind Jan auf dem Arm und seine Schwester Katrin Pärn-Reiser, die Mutter von Jan und Tom, der später nach dem Mittagschlaf noch hinzukommt. Sie wollten gerade die gelben Chilischoten, die im Korb auf dem Tisch stehen, für die Weiterverarbeitung vorbereiten.

Gelbe Chili Schoten liegen in einem Plastikkorb
Die heutige Ernte an gelben Chili Schoten

Wie kommt man in Estland auf die Idee, Chili zu züchten? Katrin, die ebenso gut deutsch spricht, antwortet: „Alles begann mit einer Wette unseres Vaters.“ Da wir fragend schauen, erzählen sie die Geschichte. Toomas Pärn wettete mit einem Freund, dass er ohne Probleme eine scharfe Chilischote essen kann. Er gewann die Wette und einige Wochen später schenkte ihm dieser Freund Chilisamen. Vaike pflanzte die Samen ein, denn sie hat, nach Aussage ihrer Kinder, einen grünen Daumen. Mit der Zeit schenkten andere Freunde dem Vater ebenfalls Chilisamen, die sie von Reisen in ferne Länder mitbrachten. Das war der Beginn und im Laufe der Zeit füllte sich das erste Gewächshaus und ein weiteres wurde errichtet.

Wir sind am einem Gewächshaus angekommen, das parallel zur Hausfront im Garten steht. Es ist noch neu und in den parkähnlichen Garten eingefügt. Ein Farbenmeer empfängt uns.

Ein langgestrecktes Gewächshaus
Das neueste Gewächshaus birgt auch die schärfsten Schoten
In einem Gewächshaus stehen Chili Pflanzen in Töpfen
Jede Pflanze steht in einem eigenen Topf

Chili und Schärfe

Die Schärfe von Chili (Schreibweise in Estnisch Chilli) wird in Scoville Einheiten gemessen. Der Pharmakologe Wilbur L. Scoville hat diese Scala zur Abschätzung von Schärfe entwickelt. Grundlage der Messung ist das Capsaicin. Das ist das in der getrockneten Frucht enthaltene Alkaloid, das die Schmerzrezeptoren der Schleimhäute reizt und so die Schärfeempfindung auslöst. Die Scala beruht auf dem Verhältnis zwischen Capsaicin und einer Flüssigkeit, meist Wasser, um keine Schärfe mehr festzustellen. Beispiel: 1 ml reines Capsaicins benötigt 16 Mio ml (=16.000 Liter) Wasser (Quelle Wikipedia).

Katrin weist uns darauf hin, dass Zucker viel besser die Schärfe neutralisiert als Milchprodukte oder Wasser. Außerdem sei der Schmerz bei einer zu hohen Portionierung immer nach 15 Minuten vorbei. Immer!

Gleich zu Anfang im Gewächshaus steht die schärfste Sorte, die Metste Talu anbaut. Die Carolina Reaper erreicht eine Schärfe von über 2 Mio Scoville! Aber nicht nur der Genuss der Frucht ist äußerst risikoreich. Die Ernte findet unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen statt, denn die Berührung mit der Frucht und der Pflanze reizt die Haut ungemein. Tõnu benutzt einen Ganzkörperanzug, Handschuhe, Gesichtsmaske und eine Schutzbrille.

Geerntet werden die Chilischoten in den letzten zwei Augustwochen und bei einer zweiten Ernte im Oktober. Die Familie baut nicht nur Züchtungen an, die sie für ihre Produkte verwendet. Auch wilde Sorten, also natürlich wachsende, wie die Cherabita, die in Mexiko in der Natur vorkommt.

Chilipflanzen in verschiedenen Farben und Formen
Chilis wachsen in unterschiedlichen Farben, Formen und Schärfen

Estland hat lange, kalte, dunkle Winter. Frühjahr, Sommer und Herbst sind jeweils kürzer als wir das in Deutschland gewohnt sind. Daher muss das Gewächshaus im Frühling, manchmal sogar im Sommer nachts und im Herbst beheizt werden, immer, wenn die Temperatur unter 12° fällt. Zusätzliches Licht wird im Frühjahr benötigt, wenn die estnischen Tage noch zu kurz für die lichthungrigen Pflanzen sind.

Ein Ofen steht im Gewächshaus mit großem Gebläse
In der Vegetationsperiode muss das Gewächshaus zeitweise geheizt werden
Lampen hängen über den Chilipflanzen
Im Frühjahr müssen die Pflanzen künstlich beleuchtet werden

Mich fasziniert es, wie unterschiedlich die Chilipflanzen in Farbe und Form sind. Außerdem gibt es den Schärfeunterschied nicht nur bei den verschiedenen Pflanzen, sondern sogar pro Strauch. Die Früchte, die an ein und demselben Strauch gepflückt werden, können unterschiedlich scharf sein. Sogar Äste und Blätter der Pflanze geben bei Berührung Schärfe ab. Der Umgang mit den Gewächsen muss somit sehr umsichtig sein.

Gewächshäuser

In diesem Gewächshaus stehen die einzelnen Pflanztöpfen auf unterschiedlichen Etageren und Regalen. Jede Pflanze ist in einem eigenen Töpfchen, da sie individuell Wasser verbrauchen. Jede Pflanze wird sogar einzeln gegossen, nicht, wie man es aus Gärtnereien kennt, mit einem Beriesler oder der Pflanzendusche, die gleichzeitig mehrere Pflanzen gießt.

Auf verschiedenen Ebenen stehen Etageren mit Chilitöpfen
Die Töpfe mit den Pflanzen stehen auf verschiedenen Höhen, so sind sie einfacher zu Gießen
Ein kleine Leiter steht vor den Chilipflanzen
Die Mutter, als die Kleinste der Familie, benötigt zur Pflanzenpflege die Leiter

Die Mutter, Vaike Pärn, ist die Hauptakteurin bei der Pflanzenpflege. Alles was sie in die Erde setzt, gedeiht sehr gut, erklärt Tõnu. Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen normale Paprikaschoten, die für die Produktion des Chilipulvers ebenso benötigt werden. Außerdem produziert Metste Talu Zwiebeln, Kräuter und Kürbisse für den Verkauf und stellt auch Aromen her. Metste ist übrigens der Namen des Platzes, an dem die Familie wohnt und Talu heißt Bauernhof auf estnisch.

Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen Paprikapflanzen
Im hinteren Teil des Gewächshauses stehen Paprikapflanzen

Mir gefällt das Holzhaus der Familie sehr gut. Tõnu erklärt, dass es 1926/1927 viel kleiner erbaut wurde. Später wurde es ein wenig erweitert und vor 10 Jahren wurde es nochmal verlängert, damit Katrin eine Wohnung im Haus beziehen konnte. Auch hier am Haus zeigt sich der „goldene Daumen“, wie Katrin sagt, der Mutter.

Vor einem gelben Holzhaus ist ein buntes Blumenbeet
Vor dem ältesten Teil des Familienhauses ist ein buntes Blumenbeet

Wir gehen durch eine Baumreihe in Richtung der anderen Gewächshäuser.

Im Garten stehen zwei Gewächshäuser
Im hinteren Teil des Gartens stehen zwei Gewächshäuser

Im Zwischenraum des gepflegten Gartens stehen Heidelbeerpflanzen. Jede Pflanze ist eine andere Sorte und manche auch aus anderen Ländern, erklärt Tõnu.

In einem Garten stehen Heidelbeersträucher
Jeder Heidelbeerstrauch ist eine andere Sorte
An einem Zuchtheidelbeerstrauch sind Heidelbeeren in verschiedenen Reifestadien
Verschiedene Reifestadien sind bei dieser Zuchtheidelbeere am Strauch vertreten

Im ältesten Gewächshaus, das früher für das normale Hausgemüse und Salat erbaut wurde, wachsen heute hauptsächlich Tomaten. Gestern Morgen, vor der Ernte, war noch alles rot, das hätte ein farbenfroheres Bild gegeben, entschuldigt sich Katrin. Mir gefällt die Farbzusammenstellung auch so. Die schöne Holzfarbe der Ständer, das Grün davor und darin, der rostige Ofen, der blaue Himmel – ein stimmiges Bild

In einem Gewächshaus wachsen Tomatenpflanzen
Im alten Gewächshaus werden Tomaten gezogen, die für die Chilisoße benötigt werden

In einem neueren halbrunden Gewächshaus wachsen in der Mitte Kinderchili. Vom Aussehen Chilischoten, aber ohne Schärfe. Allerdings mit mehr Aroma als normale Paprikaschoten. Links und rechts davon wachsen die Habaneros, die bereits um die 300.000 Scoville Grade haben.

In einem Gewächshaus stehen die Chilipflanzen in dichten Reihen
In diesem neuen Gewächshaus stehen die Chilipflanzen in dichten Reihen

An einem Schuppen ist der komplette Giebel mit einer Weinrebe der lettischen Sorte Zilga bewachsen. Diese Rebe hält Temperaturen bis minus 35° aus. Eine russische Weinrebe ohne Namen wächst an anderer Stelle im Garten.

An einer Hausseite mit spitzen Giebel wächst Wein
Zwei verschieden Weinreben wachsen im Garten, dieser am Giebel des Schuppens
Unter Weinblättern hängen Weintrauben, einige davon werden bereits blau
Der Wein gedeiht an der Südseite des Hauses gut, die Trauben werden bereits reif

Produkte von Metste Talu

Wir haben unseren Gartenrundgang beendet. Direkt neben dem Sitzplatz der Familie ist ein alter Brunnen und ich frage Tõnu, ob der noch genutzt wird. Dieser gehe nur 8 m in die Tiefe und wurde früher genutzt. Um den Wasserbedarf der durstigen Chilipflanzen zu decken, wurde vor drei Jahren ein neuer Brunnen gebohrt, der über 40 m in die Tiefe geht. Der wurde je zu ein Drittel von der Familie, der Gemeinde und der EU gezahlt. Wir setzten uns an den Tisch mit den gelben Chilischoten, die Tõnu zur Seite stellt. Sein sehr gutes Deutsch hat er auf der Universität gelernt. Außerdem schaut er bereits seit 30 Jahren deutsche Sendungen im Fernsehen. Katrin war unterdessen im Haus und kommt mit einem Tablett mit den Erzeugnissen zurück.

In einem Korbflechttablett stehen die Produkte von Metste in Gläsern
Katrin bringt uns die Produkte, die auch online verkauft werden

Die estnischen Namen sind für uns wieder langwierig zu lesen, aber doch verständlich. Tšillipulber Klassikaline, Tšillipulber Habanero, Tšillipulber Trinidad Moruga Skorpion und die Soße oder Paste Kreemjas Tšillikaste. Diese wird für 3 € pro Glas verkauft und eignet sich hervorragend zu Fleisch und Käsegerichten. Ein kleiner Bestandteil dieser Soße ist Rotwein.

Zwei Gläser mit Chilipulver in verschiedenen Farbgebungen
Die unterschiedlichen Farben resultieren aus den unterschiedlichen Farben der verwendeten Chilischoten
Zwei Gläser mit Chilipulver in verschiedenen Farbgebungen
Hier sind nicht nur die Farben unterschiedlich, sondern auch die Schärfen

Die Preise von Chilipulver sind in Estland viel günstiger als in Deutschland, betont Katrin. Für ein Glas Tšillipulber Klassikaline verlangen sie 5 €. Das Glas Tšillipulber Habanero kostet 10 € und das Tšillipulber Trinidad Moruga Skorpion kostet 15 €. I

In den letzten Jahren haben sie ihre Produkte auf vielen Märkten in Estland verkauft, aber das ist sehr zeitaufwändig und kostenintensiv. Alle Produkte werden nun online ab Hof verkauft, ebenso Brot und Chilipflanzen bei einem Besuch auf dem Hof.  Andere Hofläden im Umkreis haben die Produkte von Metste Talu auch im Angebot. Katrin weist uns auf das Zeichen für eine landwirtschaftliche Produktion in Estland hin. Über die estnische Flagge ist ein stilisierter Tropfen mit Blättern darin gedruckt.

Das Logo made in Estland ist die Estnische Flagge mit stilisierten Blättern
Wo dieses Logo drauf ist, handelt es sich um ein Produkt aus Estland

Wir kosten auf einem Löffelchen die Paste, die mild ist und doch im „Abgang“ Schärfe zeigt. Ja, die kann ich mir gut auch zur Würze von Soßen und Salaten vorstellen. So kaufen wir einige der Gläser für uns und einige als Mitbringsel. Katrin geht noch mal ins Haus und kommt, mit dem älteren Sohn auf dem Arm, der seinen Mittagschlaf beendet hat, zurück. Sie packt die Chilis, die sie während unseres Rundgangs in eine Schale gepflückt hat, in eine Papiertüte. Diese gibt sie uns als Geschenk mit und auch ein selbstgebackenes Brot.

Auf einem Tisch liegen ein Brot und eine Papiertüte
Katrin schenkt uns ein selbstgebackenes Brot, das auch ab Hof verkauft wird und eine Papiertüte mit Chilischoten
Verschieden Arten und Farben von Chilischoten auf einem Tisch
Der Inhalt der Papiertüte auf unserem Tisch – das werden wohl weitere scharfe Reisewochen

Wir sind baff und überrascht von dieser Geste und bedanken uns sehr. Das Geschwisterpaar hat sich gefreut, mal Deutsch sprechen zu können. Sie haben uns einen interessanten Besuch ermöglicht und waren sehr liebe Gastgeber. Wer sich für besondere Landwirtschaft interessiert ist auf dem Hof herzlich willkommen. Allerdings solltest Du Dich vorher anmelden. Vielen Dank, Katrin und Tõnu, für die interessante Führung und die informativen Erläuterungen.

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Fruchtweingut Allikukivi

Fruchtweingut Allikukivi

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An unserem ersten Tag in Estland ergattern wir eine englische Broschüre der „romantischen Küste Estlands“. Beim Studium während der Fahrt, leite ich Bernhard in Uulu von der A 4 auf die A 6, bis zum Dörfchen Allikikivi. Dort ist ein Fruchtweinmacher zuhause, den wir spontan besuchen.

Anfahrt zum Weingut

Über die A 6 von Westen am Städtchen Kilingi-Nõmme vorbei. Etwas nach der Abzweigung der A 92 geht es nach links ins Weingut.

Adresse

Kooli tee 2, Allikukivi, Saarde vald, Pärnumaa, 86201, Eesti, Tel. +372 525 2800, https://www.allikukivi.ee/
GPS Daten
N 58.15138° E 25.01983°
58°09’05.0“ N 25°01’11.4” E

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 20 Uhr

Ein aus Backstein gebautes zweistöckiges Herrenhaus
Das Herrenhaus ist sehr weitläufig mit einer runden Auffahrt

Weingut Allikukivi

Wir fahren in die Einfahrt und den linken Kreisbogen der Auffahrt hoch zu einem Herrenhaus aus Backstein. Ott Hein wartet bereits auf uns, denn wir haben und per Telefon angekündigt. Er ist der älteste Sohn des Hauses und verantwortlich für die englischsprachigen Führungen. Mir fällt die Karte vor der Eingangstreppe ins Auge.

Auf einer Schiefertafel sind in estnischer Sprache Cocktails aufgeführt
Heute sind Cocktails im Angebot 😊

Ott möchte uns erst einen Teil des acht Hektar großen Grundstücks mit eigenem Park zeigen. Der Deutsche Industrielle Albert Zoefeld hatte auf dem Nachbargrundstück eine Kleiderfabrik erbaut – und für sich das Herrenhaus. Nachdem die Fabrik geschlossen war und das Haus leer stand, nutzte die Gemeinde es als Schule. Die Eltern von Ott, Reili und Roman Hein haben das Grundstück mit Haus vor acht Jahren ersteigert, seit fünf Jahren leben sie hier, statt in der Hauptstadt Tallin.

Die Rückseite des Backsteinherrenhauses mit einer Treppe in den Park
Der Parkausgang des Herrenhauses

Auf der unteren Terrasse des Herrenhauses zum Park finden immer wieder Konzerte und andere Veranstaltungen statt, gerade am letzten Wochenende ein Jazzkonzert. Ein australischer Freund, der zu Besuch und von Beruf Barmann ist, kreierte Cocktails aus den Fruchtweinen, was bei den Gästen ungeheuer gut ankam.

Die Besitzerin des Weingutes Raili Hein
Die Besitzerin des Weingutes Raili Hein im Park Ihres Anwesens

Vor 10 Jahren überlegte Raili Hein, dass sie den Fruchtwein, den die Familie gerne trinkt, auch selbst herstellen könnte. So besuchte sie einen Kurs und begann mit der Herstellung von Fruchtweinen. Sie reichte ihre Weine gleich zu Verkostungen ein und gewann damit immer 2. Preise bei den Hobbywinzern. Von Hauptberuf ist sie in der IT-Branche tätig und kann ihre Arbeit von Allikukivi aus im Homeoffice machen. 1 – 2 Mal im Monat muss sie allerdings nach Tallin, zum Arbeitsplatz. Ott führt uns während seiner Erzählung durch den Park und zeigt uns eine Besonderheit in einem Baum.

Wir biegen links ab und gelangen zum Beerengrundstück, das momentan auf einem Hektar bewirtschaftet wird, aber auf 2 Ha erweitert werden kann. Nach dem Kauf des Hauses begannen sie mit dem Pflanzen von Beerensträuchern verschiedener Sorten.

Viele Sträucher mit Schwarzen Johannisbeeren stehen in einer Reihe
Die Ernte der schwarzen Johannisbeeren steht kurz bevor
In den Sträuchern hängen viele dunkle Johannisbeeren
Die Sträucher hängen voller Beeren
Rhabarberstängel bekommen rotes Laub
Zwar keine Beere wird aber auch für Wein angebaut. Der Rhabarber macht sich farblich bereits für den Herbst schön
Am Strauch hängen viele fast schwarze Aroniabeeren
Die Aroniabeeren sind noch nicht ganz reif

Alle Arbeit im Fruchtweingut war bis zum letzten Jahr Handarbeit. Beim Pflücken hat sich das nicht geändert, im Keller schon. Eine neue Fruchtsorte sollte zukünftig hinzukommen. Im letzten Jahr hat die Familie 35 Kirschbäume angepflanzt, die in diesem Jahr aber alle eingegangen sind. Im Herbst wird ein neuer Versuch mit einer robusteren Sorte unternommen. Bis letztes Jahr wurde in einem Raum des Erdgeschosses der Wein gepresst und gekeltert. Erst vor drei Monaten ist der Weinkeller im Keller des Hauses fertig geworden. Die Probierstube muss noch möbliert und dekoriert werden, bevor die ersten Gäste empfangen werden können.

Ein gefliester Kellerboden mit Backsteinwänden
Die zukünftige Weinprobierstube ist erst vor kurzen fertig renoviert worden

An der mittlerweile elektrischen Weinpresse ist Roman Heim die Ernte von gestern am Pressen.

Ein Mann säubert eine Presse von Beerenrückständen
Roman Hein säubert die Presse von den Rückständen der Stachelbeeren

Wir probieren den Saft, der mir zumindest viel zu sauer ist. In mehreren Räumen stehen die Edelstahlfässer, in denen der Fruchtwein reift.

Zwei Edelstahlfässer stehen in einem Backsteinkeller
Die Fenster im Weinkeller gehen in die Probierstube – so können die Gäste später beim „Reifen“ zuschauen
Verschieden große Edelstahltanks stehen im Weinkeller
Je nach Saft- und Weinmenge werden verschieden große Tanks für die Reife und Lagerung benötigt

Im letzten Jahr wurden 4.000 Liter Fruchtwein hergestellt, in diesem Jahr hofft die Familie auf 10.000 Liter.

Der Gärkeller geht zur Vorderseite des Hauses und ist mit einem Flipchart für das Notieren der Messdaten ausgestattet. Um die drei Wochen gären die Früchte, bevor sie In die Fässer zum Reifen umziehen können.

In Plastikfässern gärt Fruchtwein
Die Fruchtweine sind während des Gärens in ständiger Kontrolle

Wir gehen um die andere Seite des Hauses herum, wo für Gäste eine Toilette ist.

Im Garten, unter einem Baum ist eine Trockentoilette und ein Waschbecken
Im Garten, unter einem Baum ist eine Trockentoilette und ein Waschbecken

In einigen Jahren soll das zweite Stockwerk für Gästezimmer mitgenutzt werden. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg. Wir sind mittlerweile wieder auf der Eingangsterrasse, auf der der Probiertisch für uns gedeckt ist. Vier Weine und einen Likör werden wir versuchen, zur Geschmacksneutralisierung steht Käse bereit.

An einem Holztisch stehen Stühle, darauf Gläser für eine Weinprobe
Auf der Eingangsterrasse ist für unsere Weinprobe gedeckt

Unser erster Wein, ein Rhabarberwein, ist mit dem Saft von Birken verfeinert, was eine gewisse Extrasüße gibt. Ich empfinde den Rhabarbergeschmack dadurch allerdings als zu wenig, denn ich mag ihn lieber kräftiger.

Es folgen die Weine Apfel-Quitte, eine neue Kreation, die mir sehr gut schmeckt, den die Quitte sticht leicht hervor. Ein halbtrockenen Johannisbeerwein verkosten wir danach, der sehr fruchtig schmeckt. Der Himbeerwein schmeckt sehr weich und als wenn eine Himbeere im Mund zergeht. Ott bringt uns zwei Liköre, einen Johannisbeer, der dieses Jahr einen 2. Preis gewonnen hat und ausverkauft ist und einen Erdbeerlikör. Auch er schmeckt sehr fruchtig und ich kann ihn mir gut über einem Eis vorstellen.

Nach der Weinprobe zeigt uns Ott noch den Theatersaal, den Herr Zoefeld im Haus integrieren lies. Die Bühne im hinteren Teil des Raumes wäre heute noch nutzbar.

Ein großer Saal mit Holzfußboden und einer Bühne an der hinteren Wand
Im Herrenhaus Theatersaal, während der Schulnutzung Sporthalle, heute Kinderspielzimmer
Ein großer Saal mit Holzfußboden, Turngeräten und einem Basketballkorb
Das war unverkennbar die Sporthalle – mit dem unvermeidlichen Basketballkorb der Esten

Gegenüber liegt der Verkaufsraum, in dem die Weine und Liköre und einige Ware von regionalen Erzeugern angeboten werden.

An einer Wand mit Dunkelroter Tapete stehen dunkle Regale mit Fruchtweinflaschen
Der Verkaufsraum ist geschmackvoll eingerichtet

Hier steht auch der Zweite Preis Gewinner in einem Regal. Die Liköre haben aller Frauennamen, Hermiine, Adeele und Margaret.

Vier Flaschen Johannisbeerlikör mit Namen Hermine
Der Johannisbeerlikör Hermine hat in diesem Jahr bei einer Messe den 2. Preis gewonnen

Verschiedener Fruchtsaft wird natürlich ebenso hergestellt und in lustig bedruckten Boxen verkauft.

Ein Karton mit Saft hat einen Aufdruck mit einem Hirsch mit Früchten im Geweih
Die Saftbox hat einen witzigen Aufdruck

Die Preisliste ist – wie auch bei Gunta Niedra im Weingut Mazburkas und bei Mārtiņš Sants von Vīna Darītava in Lettland – recht einfach gestrickt. Es gibt nur zwei Preise. Allerdings ist es anders als in der Pfalz bei der Weinprobe. Erstens kostet die Weinprobe 12 € und zweitens kostet sie das auch, wenn Wein gekauft wird.

Auf einer Schiefertafel stehen die Wein- und Likörpreise
Die Preisliste des Fruchtweinguts ist recht einfach

Wir durften ausnahmsweise an einem Montag im Weingut vorbeischauen und danken dafür recht herzlich. Die Weine werden uns an eine interessante Familie erinnern und im nächsten Jahr werden wir die neuen Kreationen von diesem Jahr probieren, wenn wir wieder kommen.  

Golf Club Viesturi bei Riga

Golf Club Viesturi bei Riga

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Wir sind seit unserer Abreise einem sportlichen Hobby nicht nachgekommen, dem Golf spielen. In der Nähe von Riga passte das Wetter und der Preis fürs Greenfee. Wir verbrachten zwei wunderschöne Tage im Golf Club Viesturi. Das Restaurant „the forest café“ sorgte für mehr als eine Überraschung.

Suche nach einem Golfplatz

Bernhard hatte bereits seit unserem Polenaufenthalt immer wieder nach Golfplätzen auf unserer Route Ausschau gehalten. In Litauen ist er einmal fündig geworden, in der Nähe von Kaunas. Aber selbst die Mitarbeiterin des Campinglatzes bekam keine Telefonverbindung und fand heraus, dass er seit zwei Jahren geschlossen ist. Hier in Riga hofften wir auf mehr Glück.

Drei Golfplätze gibt es in der Region Riga. Zwei davon wirken auf mich eher elitär. Der dritte, ein 9-Loch-Golfplatz, hat einen fairen Preis. Die Fahrt zum Golf Club Viesturi ist recht abenteuerlich. Er liegt in Jaunmārupe, südwestlich von Riga, mitten im Wald. Ein kurviger asphaltierter Weg führt dorthin. Ein großzügiger Parkplatz, daneben ein aus Holz gebautes Clubhaus. 1998 wurde der Golfclub eröffnet.

Die GPS Koordinaten des Golfplatzes:
N 56.89841° E 23.87811°
56°53’54.3“ N 23°52’41.2“ E

Öffnungszeiten Büro und Kontaktdaten:
Täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet
Telefonnummer: +371 23 44 43 90 zu erreichen.
http://golfsviesturi.lv/

Preise:
Montag bis Freitag: 9 Loch 20 €, 18 Loch 35 €, ganzer Tag 40 €
Samstag und Sonntag: 9 Loch 25 €, 18 Loch 40 €, ganzer Tag 50 €
Jetons für den Ballautomat: 2 € für 20 Bälle
Ausleihen Trolley für das Bag: keine Kosten

Es ist möglich, erstmal 9-Loch zu spielen und später den Aufpreis für 18 Loch zu zahlen, wenn wir weiterspielen möchten.

Eine Holzveranda führt in das Clubhaus
Über die Holzveranda geht es ins Clubhaus des Golf Club Viesturi

Da wir lange nicht gespielt haben, wollen wir uns auf der Driving Range einschlagen. Der Ballautomat an der Driving Range wird mit Jetons bedient, die wir für 2 € bekommen. Wir sollten lieber mit dem Auto dorthin fahren, es wäre weit. Das Schild „Golfschule“ – so habe ich es aus dem lettischen interpretiert – haben wir bei der Anfahrt gesehen. 50 m zurück und rechts abbiegen, und es geht noch kurviger auf einer schmalen Schotterstraße etwa 400 m durch den Wald.

Über einen schmalen, kurvigen Waldweg führt der Weg zur Driving Range
Wir sind über unser kurzes Wohnmobil mal wieder froh. Die Kurven zur Driving Rangs sind ziemlich eng

Wie immer in Lettland auf einem Parkplatz ist eine Toilette und das Gebäude an der Driving Range ist einladend gestaltet. Der Ballautomat steht davor.

Das Wohnmobil der Bloggerin steht vor einem Holzhaus auf einem Parkplatz, rechts ist eine große Pfütze
Nach dem starken Regen der letzten Tage ist der Parkplatz eher eine Seelandschaft.
Das Gebäude an der Driving Range bietet Platz für ein überdachtes Picknick
Nach der Driving Range ist ein überdachter Picknickplatz, der sicherlich schon so manche nette Zusammenkunft gesehen hat
Eine Holzüberbauung schützt die Golfer auf der Driving Range vor Regen und Sonne
Die Driving Range ist sehr zweckmäßig und schön angelegt

Wir schlagen uns ein und fahren zurück zum Parkplatz des Clubhauses. Direkt daneben ist das Putting Green, wo wir testen, wie langsam oder schnell das Green ist.

Ein Parkplatz hinter Bäumen
An den Parkplatz anschließend ist direkt das Puttinggreen
Auf dem Pitching Green fährt ein Rasenmäherroboter
Das Pitching Green wird von einem Rasenmäherroboter bearbeitet
Ein roter Rasenmäherroboter fährt über einen Rasen
Wie ein kleiner Sportwagen saust der Rasenmäherroboter über das Grün der Pitchinganlage

Direkt neben dem Putting Green ist der Abschlag des ersten Lochs. Wir freuen uns, dass die Fairways so gut beschrieben sind. Immer wenn wir einen Platz zum ersten Mal spielen, ist es schwierig einzuschätzen, wie man ein Fairway spielen muss. Eine genaue Meterangabe zu Gräben, Bunkern, zu Doglegs oder Bunkern ist wirklich informativ.

Ein Golfer steht an einem Abschlag. Rechts die Infotafel über Das Fairway, rechts Wald
Bernhard steht am ersten Abschlag. Die Fairwaytafeln sind vorbildlich gestaltet und informativ für Golfer, die zum ersten Mal diesen Platz spielen

Wir spielen die sehr gepflegten Fairways und freuen uns über die kleinen Details am „Fairwayrand“. Auch die Hinweise zum nächsten Tee finde ich ungeheuer nett gemacht.

Die Übergänge zum nächsten Abschlag sind mit Holzpfeilen markiert
Viele Holzbauwerke nur zum Anschauen sind auf dem Platz verteilt

Mit fällt auf, dass es bei jedem dritten Fairway eine Blitzschutzhütte gibt. Das ist mir bei den Golfplätzen in Deutschland, die ich bisher gespielt habe, so nicht aufgefallen. Wer in Deutschland von einem Gewitter überrascht wirst, hat meist sehr lange Wege. Wir erfreuen uns am nächsten Holzkunstwerk.

Auf einem Pfosten ist ein Holzstorch
Holzkunst am Golfplatz – diesmal ein Storchennest – leider von Bällen ziemlich malträtiert

Die 25 ha große Anlage ist sehr gepflegt und es macht großen Spaß, die interessant gestalteten Greens zu spielen.

Ein gepflegtes Grün mit einer roten Fahne im Loch des Golfplatzes
Die Grüns sind sehr gepflegt und recht schnell. Kleine „Unebenheiten“ im Grün machen das putten spannend

Es gibt auch einige Herausforderungen in Form von schmalen Fairways, Wassergräben und Roughs. Beim Loch 6 ist eine der Herausforderungen, das der Wald so nah steht, und das Fairway so schmal ist. Und der Damenabschlag ist auf einer „Insel“. Wir spielen beide erst mal in den Wald, schaffen es aber dann doch noch, das Dogleg auf dem Fairway zu spielen.

Die Bloggerin schlägt am Loch 6 ab
Mein Abschlag von einer Insel an Loch 6. Mein Ball ist – als Ball einer guten Ehefrau – Bernhards Ball in den Wald auf der rechten Fairwayseite gefolgt
Eine Tafel erklärt die Vorgaben für Loch 6
Loch sechs geht ein wenig um die Kurve, durch den Wald – den wir natürlich mitbenutzen

Am Ende des Loches sechs, vor Abschlag sieben, gibt es einen Übergang zur Driving Range und eine „Rastmöglichkeit“ für Golfer. Vermutlich werden hier immer wieder Cateringangebote bei Turnieren gemacht?

Ein Pavillon mit Stühlen steht vor Abschlag 7
Vor Abschlag sieben ist ein netter Sitzplatz mit Theke eingerichtet – leider heute nicht besetzt

Die letzten zwei Löcher sind auch interessant zu spielen und die letzte Fahne steht kurz vor der Terrasse des Restaurants „The Forest Café“. Seit einer Hochzeit am Tag vor unserer Anreise, hat das Loch neun eine interessante Installation.

Auf der Wiese vor dem Café ist ein Holzrahmen als Bilderrahmen aufgestellt. Darin ist die Fahne von Loch 9 zu sehen
Eine witzige Idee. Für die Zuschauer ist die Fahne von Loch 9 in einen Bilderrahmen gepackt

Das Clubhaus bietet einen Shop, gepflegte Duschen, sogar eine Sauna pro Umkleideraum und Toiletten. Die Lobby ist ansprechend gestaltet, man kann sich heimisch fühlen.

Sofa und Sessel stehen in der Lobby des Golfplatzes, die Sonne scheint durch die Tür
Die Lobby des Golfplatzes – sehr ansprechend eingerichtet
In einem Raum sind links Spinde und rechts ein Sofa, Sessel und eine Ablage
Der Umkleideraum der Damen – stilvoll eingerichtet

The Forest Café

Kristīne Lazdiņa und Andis Levītis, ein junges Paar mit einer sechsjährigen Tochter, haben erst vor einem halben Jahr das Restaurant im Clubhaus gepachtet. Laut eigener Aussage, wieder zum Leben erweckt. Sie haben zuvor elf Jahre in einem Restaurant in Rigas Altstadt gearbeitet. Mit einem neuen Namen, einem neuen Konzept, neuem Stil, neuem Menü, einem neuen Koch und Servicemitarbeitern möchten sie den Platz für weitere, neue Gäste interessant machen.

Die Terrasse des Holzgebäudes ist ebenfalls aus Holz
Ein Teil der Terrasse des „The Forest Cafe´s“ beim Golf Club Viesturi

Im kalten Winter Lettlands steht der Golfbetrieb bis Ende März still. Das Restaurant kann unterschiedlich bestuhlt werden und verfügt über verschiedene Räume. So startete das „The Forest Café“ mit Familienfeiern, Konferenzen und anderen Veranstaltungen. Anfang April wollte das Paar mit der Restauranteröffnung durchstarten. Allerdings fiel der Termin mit dem Beginn der Corona Vorsichtsmaßnahmen in Lettland zusammen. Da es in Lettland wesentlich weniger Infektionen gibt, verschob sich die Eröffnung nur bis in den Mai.

Öffnungszeiten und Kontaktdaten
Das „The forest café” hat Montag bis Freitag von 11.00 bis 21.00 Uhr, Samstag von 11.00 bis 22.00 Uhr und Sonntag von 11.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und ist unter der Telefonnummer +371 22 33 30 669 zu erreichen, http://www.golfsviesturi.lv/index.php/restorans

Auf einem Tisch steht ein Blumenarrangement aus weißen Rosen, Getränke und ein Brotgruß aus der Küche
Ein Brotgruß aus der Küche – und weil gestern eine Hochzeit gefeiert wurde, auch noch ein schönes Blumenbouquet

Der Koch von Kristīne und Andis variiert neue lettische Küche mit internationalen Spezialitäten. Das italienische Gebäck, zu dem Pesto gereicht wird, schmeckt sehr lecker. Als Hauptspeise bestellt Bernhard Muscheln, ich Lachs.

Auf einem Teller sind gekochte Muscheln angerichtet
Bernhard genießt Muscheln zum Mittagessen – sehr lecker angerichtet
Ein angerichteter Teller mit Lachs und Muscheln
Mein Gericht mit Lachs und Muscheln

Wir entscheiden, bis morgen zu bleiben und das Golfspielen auszukosten. Wir dürfen auf dem Parkplatz mit dem Wohnmobil stehenbleiben über Nacht. Es ist sehr ruhig und der Parkplatz an der Driving Range wäre noch ruhiger.

Bernhard spielt am Nachmittag eine zweite Runde Golf, ich nutze das WiFi um meinen Blog mit Beiträgen und Stellplätzen zu füllen.

Der Innenraum des Cafés hat einen rotgemusterten Teppichboden und Holzpfeiler
Im Innenraum stehen die Blumen der Hochzeit noch zum Abholen bereit
Vor einer Terrasse stehen Liegestühle
Vor dem linken Terrassenteil stehen Liegestühle – ein Platz zum Wohlfühlen

Wir können den Golfplatz wärmstens empfehlen. Das Preis Leistungsverhältnis ist okay, die Lage wunderschön, die Fairways sehr gepflegt und das Restaurant lässt keine Wünsche offen.

Burrata und kleine Tomaten auf einem Gebäck angerichtet
Ich habe mir den Salat mit Burrata bestellt – sehr lecker angerichtet und zubereitet

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Riga

Riga

Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Riga, die Hauptstadt Lettlands wollten wir unbedingt besuchen. Riga hat eine lange, auch deutsche Geschichte. Die Hanse und die Gildemeister prägten frühere Zeiten, Richard Wagner komponierte hier anfänglich und Heinz Erhard wuchs hier auf. Wir sind gespannt auf eine alte und junge Stadt und ihre Gebäude.

Anreise nach Riga

Wir fahren nach dem Besuch beim Weingut Mazburkas über die A 10, P 101 und A 9 nach Riga. In Babites Novads machen wir noch einen Kaffeestop bei der Großbäckerei Laci. Hier wird das traditionelle Brot der Letten hergestellt und auch jede Menge süßes Gebäck.

Ein Verkaufsraum einer Bäckerei
Wir kaufen ein Roggenbrot und trinken Kaffee in der Bäckerei Laci

Dann passieren wir dass „Ortsschild“ von Riga und werden vom Navi gut zum Campingplatz am Yachthafen geleitet. Den regnerischen Nachmittag verbringe ich mit Schreiben und Bilder auswählen. Es regnet immer stärker, die ganze Nacht.

In großen Buchstaben steht der Name Riga auf einer Straßenseite in einer Wiese
Na, wer nun nicht weiß, wo er ist….!

Am Morgen hat die Sonne fast alle Wolken weggeputzt und wir machen uns auf in die Stadt. Vom Campingplatz am Yachthafen fahren wir zur Tourist-Information am Schwarzhäupterhaus mit dem Fahrrad.

Aufzeichnung der Fahrradtour auf Komoot

Die Fahrradtour habe ich auf Komoot aufgezeichnet, so kannst Du sie einfach nachfahren.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

Inhalt laden

Oder Du folgst mir und dieser Fahrradtour auf meinem Komoot-Account.

Links das Gebäude der Nationalbibliothek, dass wie eine Welle erbaut ist, rechts die Lettische Flagge
Das linke “Wellen”-Gebäude ist die Nationalbibliothek

Altstadt von Riga

Dieser Blogbeitrag wird mit seinen Bildern sprechen, denn ich bin über Riga zu wenig informiert, als dass ich Dir adäquat von dieser wunderbaren Stadt berichten könnte. Wie immer in Lettland sind viele gepflegte Parks und Grünflächen, diesmal in der Stadt eher weniger Radwege und viel Pflaster auf den Straßen. So versuche ich, Dir meinen Eindruck von einem Teil Rigas per Bildern zu zeigen. Ich fange in der Altstadt an, wo wir ab der Peterskirche um 10 Uhr eine kostenlose Stadtführung (auf Englisch) mitgemacht haben.

Rechts zwei Bürgerhäuser, dahinter die Peterskirche
Die Schwarzhäupterhäuser wurden erst in den 2000er Jahren wieder errichtet
Treppengiebel mit Goldenen Spitzen geschmückt
Details eines Stufengiebels am Schwarzhäupterhaus
Am Kirchengiebel geht der Blick über den vierstöckigen Turm hinauf
Blick hinauf zur Turmspitze der Peterskirche
Der Kirchturm hat mehrere Stockwerke, die von Kupferdächern geschützt sind
Der Kirchturm der Peterskirche ist interessant gebaut
Esel, Hund, Katze und Hahn stehen als bronzene Figuren übereinander
Die Bremer Stadtmusikanten – schaurig schön
Eine Tafel erklärt, warum die Stadtmusikanten aus Bremen auf der Rückseite der Peterskirche stehen
Bremen ist die Partnerstadt Lettlands – das war aber nur ein Grund für die Skulptur
Ein rotgestrichenes Haus hat weiße Absetzungen und gemeißelte Bordüren
Die Bordüren an diesem Haus haben es mir angetan
Eine große Stahlgitarre steht vor einem Gasthaus
Im Haus ist das Rockcafé Rigas
Über einer Kirchentür sind Bordüren mit einem Engelskopf und einer Friedenstaube
Über der Tür einer ehemalige Kirche, die die Sowjetzeit überlebt hat und heute als Jugendzentrum der Kirchengemeinde genutzt wird, sind interessante Steinmetzarbeiten
Ein renovierungsbedürftiger Giebel
Nur noch der Giebel steht – noch sind längst nicht alle Häuser in Rigas Altstadt renoviert oder instandgesetzt
Ein Bronzenes Gürteltier
Das Gürteltier läuft am Rigaer Dom die Treppe hinauf
Der Domturm in Riga hat einen goldenen Hahn obenauf
Der Domturm in Riga hat einen goldenen Hahn obenauf
Metallpfosten mit Löwenköpfen sind durch Ketten verbunden
Diese Löwen schützen das Lettische Parlament
Ein hohes altes Steinhaus mit einem Torbogen
Das Schwedentor ist das einzige erhaltene Stadttor
An einer roten Hauswand ist eine Hausnummer und an der Holztür weitere
Das Haus hat eine Hausnummer und die Tür hat weitere…
Eine Katzenskulptur auf einer Turmspitze eines Hauses
Die Katzen auf den Türmchen sind vom Erbauer zum Spott der Gildemitglieder auf die Türmchen gesetzt worden
In einem Hauswappen ist eine Lyra
Am Haus, in dem Richard Wagener lebte, ist dieses Detail zu finden
Ein aus Backsteinen gemauerter Stufengiebel mit weißen Absetzungen
Ein interessant gestalteter Stufengiebel

Die Markthallen in Riga liegen hinter der Bahnlinie. Wir wollen nichts kaufen, aber schauen.

In einer Markthalle sind mehrere Fischstände
Ein großes Angebot an Fischen und Meerestieren wird in der Markthalle geboten
Mehrere Gebäude sind hintereinander gebaut
Die Gebäude der heutigen Markthallen wurden für die Zeppelinfertigung erbaut

Wir haben eine Adresse für ein Restaurant mit lettischen Speisen. Das stellt sich allerdings als Selbstbedienungskantine heraus. So radeln wir durch den Park Basteikans zum Freiheitsdenkmal und entdecken gleich rechts davor ein tolles Restaurant.

Das Freiheitsdenkmal ist ein sehr hoher Obelisk
Das Freiheitsdenkmal steht im Kronvaldas Park
Der Innenraum eines Restaurants. Bequeme Clubsessel, Holztische, bunte Beleuchtung
Das Restaurant Kolonade, direkt neben dem Freiheitsdenkmal, bietet Ruhe und sehr gutes Essen

Die Adresse lautet: Kolonade, Brīvības laukums 1, Riga, LV – 1050, Latvija, Tel. +371 266 088 82, www.kolonade.lv

Der Innenraum eines Restaurants. Bequeme Clubsessel, Holztische, bunte Beleuchtung. Große Vasen beinhalten Grünpflanzen
Das Restaurant ist geschmackvoll eingerichtet und dekoriert In Lettland gesponnene und gewebte Schafwolldecken dienen nicht nur der Dekoration
Die Bloggerin sitzt vor einem Teller mit Rote Beete Suppe
Bernhard stellt fest, dass ich immer das zum Gericht passende Oberteil anhabe

Auf „unserer Insel“, wo auch der Campingplatz liegt, ist in der Nähe der Brücke die Žanis-Lipke-Gedenkstätte. Žanis Lipke und seine Familien mochten Menschen. Egal wer sie waren, egal was sie machten, allein das sie Mensch waren respektierten sie. Die Familie versteckte im Zweiten Weltkrieg in einer Grube unter ihrer Scheune über 50 Juden vor dem Zugriff der Nazis. Die Gedenkstätte wurde 2009 eröffnet. Die Bauweise ist sehr interessant, denn der Gast bewegt sich fast Ausschließlich im Dunkeln, wo wie die versteckten Juden über Monate lebten.

Ein Holzgebäude mit einer gläsernen Stirnseite und Giebel
Das Gebäude der Žanis-Lipke-Gedenkstätte ist aus Holz und hat nur an der Stirnseite Glasfenster
An einem Holztor sind eine Klingel, eine Gegensprechanlage und die Öffnungszeiten des Museums
Der Eingang in das Museum

Kalnciems-Viertel

In Pārdaugave, dem der Altstadt gegenüberliegenden Stadtteil auf der anderen Seite Seite der Daugava, ist das Kalnciems-Viertel. Hier stehen viele Holzhäuser, die die Holzarchitektur des 19. Jahrhunderts repräsentieren. Einige sind bereits restauriert, andere liegen noch im Dornröschenschlaf. Es gibt immer mehr Förderer, die die historische Atmosphäre des Viertels bewahren möchten. Wir entdecken eine Hof mit mehren Gebäuden, die einen Sportladen mit Werkstätten und Freizeitangebot beherbergen.

In einen gepflasterten Hof ist eine Fahrradwerkstatt und Werkzeug, mit dem der Kunde selbst reparieren kann
Im Hof des Sportgeschäfts Dabnīca sind Fahrradwerkzeuge für Kunden frei zugänglich. Bernhard nutzt die Gunst der Stunde, um sein Fahrrad aufzupumpen
Ein Kletterturm aus Holz steht auf einer Wiese
Auf einer Wiese nebenbei ist ein Kletterturm
Zwei aus Baumstämmen gearbeitete hohe Gesichter stehen auf einer Wiese
Lettische Schnitzkunst mal anders – Kunst beim Kletterturm
Vor einem braunen Holzhaus mit weißen Absetzungen sind verschiedene Essenstände aufgebaut
Eigentlich sind wir wegen der restaurierten Holzhäuser ins Kalnciems-Viertel gefahren. Musik und Essen verlocken uns zum Abendessen
Ein Holzhaus hat unter reine großzügigen Terrasse eine Art Wintergarten
Wein und Café – eine gute Zusammenstellung – aber auch die Bauart des Hauses gefällt mir
In einem Garten steht unter hohen Bäumen ein Holzhaus mit einem runden Erker
Blick über den Zaun – noch ein schönes Haus

Jugendstil in Riga

Etwa ein Drittel des Stadtzentrums von Riga besteht aus Jugendstilhäusern. Wir konzentrieren uns auf die „Hauptstraßen“, die Umgebung der Alberta iela und der Elizabetes iela. Bernhard lässt sich irgendwann zu dem Ausruf verleiten: „Das ist ja schöner wie in Wien am Ring!“ Und das heißt ja was für einen Österreicher! Sehr viele Gebäude sind im August 2020 eingerüstet und werden restauriert. Wir haben das Glück, das einige ArbeiterInnen gerade vor einem beinahe fertigen Haus stehen und uns beim Fotografieren und staunen beobachten. Ein Arbeiter, der wohl Stuckarbeiten restauriert, winkt uns heran und führt uns in ein Treppenhaus. ER versteht weder Deutsch noch Englisch, aber alle Gesten zeigen, wie stolz er auf seine Arbeit ist. Wir loben ihn und die Arbeit seiner KollegInnen mit anderen Gesten, was ihn sichtlich freut.

Ein weißes hohes Haus mit Jugendstilverzierungen
Bordürenschmuck am Haus
Ein Ovales Giebelfenster ist mit Bordüren geschmückt
Ein interessant gestalteter Giebel
Ein helles Jugenstilhaus mit roten länglichen Absetzungen
… und dann der blaue Himmel dazu …
Mit Gold und Stuck gestaltete Decke im Treppenhaus
Bei einem in Renovierung begriffenen Haus führt uns ein Arbeiter ins Treppenhaus und zeigt uns stolz seine Arbeit und die seiner KollegInnen. Hier die Decke des Treppenhauses
Ein freier Raum in einem Treppenhaus
Im ersten Stock des Treppenhauses vereinigen sich die Zugänge der zwei Eingangstüren zu einem großen Raum
Ein renoviertes und ein unrenoviertes Jugenstilhaus stehen nebeneinander
Renoviert in voller Pracht und unrenoviert im Dornröschenschlaf – die Restaurierung kostet
Säulen Türmchen Stuck an einem Jugendstilhaus
Säulen, Türmchen, Stuck, Figuren und Schmiedeeisen – wunderbar kombiniert
Drei Balkone an den Ecken nach oben fotografiert
Reich verzierte Eckbalkone
Ein großes helles Jugendstilhaus mit rotem Dach
Das Haus wirkt nicht so prunkvoll und protzig und hat trotzdem wunderschöne Details
Auf der rechten Straßenseite stehen im Schatten viele Jugendstilhäuser
Die Straße Alberta iela – geballter Jugendstil
Ein Haus mit weißen Verzierungen ist mit blauer Farbe abgesetzt
Ein wunderschönes blau, dass die weißen Verzierungen noch hervorhebt
Über einer rotweißen Fassade erheben sich weiße Türmchen
Der Bildausschnitt kommt mir beinahe maurisch vor
Ein helles Haus mit Türmen und schwarzem Dach und einer goldenen Bordüre
Absetzungen in Gold, Türme … einfach wunderschön
Eine Dachecke ist mit einer Art Gaube gebaut, die aufwendig verziert ist
Allein das Eckzimmer im Giebel – welche Arbeit und Zierde für diesen Raum, der natürlich im Gesamtzusammenhang das Hauskunstwerk abrundet
Ein Oberleitungsbus vor einem Jugendstilhaus
In Lettland fahren in den größeren Städten Oberleitungsbusse. Die Oberleitung versorgt die Busse mit Strom. So fahren sie in der Stadt emissionsfrei

Wir fahren zurück zum Parkplatz und passieren noch einige interessante Dinge.

Goldene Kupplen auf einer Kirche
Die goldenen Kuppeln der Orthodoxen Geburtskathedrale. In der Sowjetzeit wurde die Kirche als Planetarium und Restaurant genutzt

Wir haben das Glück, in dieser Corona Zeit, in den Baltischen Staaten unterwegs zu sein. Hier gibt es nur wenige Fälle von Covid-19. Wir halten Abstand, versuchen, Menschenmengen aus dem Weg zu gehen, waschen Hände – nur Masken tragen wir keine, denn bei weinigen Menschen ist das nicht notwendig. Trotzdem die Pandemie in Lettland zwar Vorsichtsmaßnahmen erfordert, aber keinen Lockdown und obwohl es nur wenige schwerwiegende Krankheitsverläufe gibt, steht in Riga bereits ein Covis-19-Denkmal für die im medizinischen Bereich Tätigen.

Ein Denkmal, wie eine Ärztin gekleidet, mit Mundschutz und Handschuhen
In Riga steht bereits ein Covid-19 Denkmal – zu Ehren der Ärzte und des Pflegepersonals bei der Pandemie
Eine Tafel dankt dem medizinischen Personal weltweit
Diese Tafel steht beim Covid-19-Denkmal

Riga ist eine unglaublich lebhafte Stadt, in der man Wochen mit Staunen verbringen kann. Wir haben, außer der Žanis-Lipke-Gedenkstätte, keine Museen besucht – obwohl die sicherlich auch sehenswert wären. Aber, wir kommen wieder!

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Weingut Mazburkas

Weingut Mazburkas

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Beim Fruchtweinbauern Mārtiņš Sants haben wir eine Broschüre des lettischen Weinverband erhalten. Darin stellen sich einige Weinbaubetriebe in Lettland vor. Das es in Lettland nicht nur Obstweine gibt, sondern auch angenehm schmeckende Traubenweine, können wir bei einer Weinprobe im Winzerbetrieb Mazburkas feststellen.

Anfahrt zum Winzerbetrieb Mazburkas

Es regnet in Strömen und das soll bis morgen so bleiben. Da wir aber weiter wollen, nehmen wir uns die Region Vidzeme, die hochinteressante Städtchen hat, für das nächste Jahr vor. Wir suchen in der Broschüre, die wir vom Fruchtweinbauern Mārtiņš Sants erhalten haben, die Telefonnummer des Weinbaubetrieb Mazburkas heraus. Bevor wir in Roja bei strömendem Regen abfahren, ruft Bernhard dort an und fragt, ob wir für eine Weinprobe kommen dürfen. Ja, das ist machbar. Gunta schickt uns eine Anfahrtsbeschreibung per WhatsApp zu, denn Mazburkas sei schwer zu finden.

Wir fahren über die P 131 die Küste entlang nach Süden bis Turkums. In der Stadt fahren wir weiter in südliche Richtung auf die P 98. Kaum aus dem Städtchen heraus steht links ein hoher Sendemast. Beinahe gegenüber geht ein Weg rechts hinein, bei einem Schild mit der Aufschrift „Engures Novadas“. Dahinter rechts ein Gebäude mit der Werbung „Lady Pizza“. Diesem Weg folgen wir für 500 m. Ein Holzschild mit einem Bottich mit Weinreben leiten uns nach links in den Hof.

GPS und Kontaktdaten
N 56.95815° E 23.17699°
56°56’53.3“ N 23°10’37.2“

Engures novads, Smārdes pagasts
Telefon: +371 29 149 725, E-Mail: ciferite@inbox.lv, eine Website gibt es noch nicht

Ein kleines Holzhaus steht rechts, eine Scheune links, mit offenem Scheunentor, durch das wir eintreten.

Ein Schild hat den Namen des Weinguts aufgedruckt
Am Eingang der neuen Probierscheune werden wir mit dem Namensschild begrüßt

Gunta Niedra begrüßt uns in der neuerbauten Scheune. Später erzählt sie, dass die Weinproben bis Anfang 2019 unter aufgespannten Sonnenschirmen im Freien stattgefunden hätten. Freunde, die sie besuchten, hätten sie auf die Idee mit der Scheune gebracht. Viele Bekannte haben mit geplant und mitgeholfen und in wenigen Wochen war die Probierscheune erstellt, Eine Glasfront nach Südwesten, ansonsten rohe Bretter. Gunta hat sie zweckmäßig und liebevoll eingerichtet und dekoriert. Ich fühle mich herzlich willkommen beim Eintreten. Auf einer Leinwand laufen Bilder des Weinbaubetriebs zu allen Jahreszeiten. Bei einem einmaligen Besuch – noch dazu an einem so regnerischen Tag – bekommt der Gast ansonsten nur eine Momentaufnahme des Geschehens.

Eine Holzscheune ist mit Tischen, Bänken und Dekoration versehen
Die neu errichtete Scheune ist liebevoll eingerichtet und dekoriert

Wein und Schafe

Gunta hat die Weinprobe vorbereitet. Die Flaschen, deren Wein wir kosten werden, stehen hinter kleinen Karaffen, davor die Weingläser. Sie produziert auch Traubensaft, der in pinkfarbenen Fruchtsaftkartons verkauft wird. Ein Tellerchen mit Käse, Johannis- und Heidelbeeren steht ebenfalls bereit.

Auf einem Tisch stehen vier Weinflaschen und ein Fruchtsaftkarton, davor drei Weingläser
Liebevoll hat Gunta die Weinprobe nach unserem Anruf vorbereitet

Gunta hat das Grundstück von ihrer Großmutter vor 15 Jahren überschrieben bekommen. Bereits seit über 200 Jahren wohnt die Familie darauf. Die Ursprungsfamilie hat für das naheliegende Herrenhaus „Bergas“ gearbeitet. Die Musiklehrerin und ihr ebenfalls als Lehrer tätiger Mann überlegten, was sie mit dem Grund anfangen sollten. Gunta liebt Schafe, so war die Entscheidung schnell getroffen. Die Großmutter unterstützte den Plan, denn früher wurden immer schon Schafe gehalten. An einem Sommertag, als die ersten Schafe über die sanft gewellte Landschaft liefen, erinnerte der Anblick Gunta an Landschaften, in denen Weinanbau betrieben wird. So reifte der Plan, es auch damit zu versuchen.

Schafe gehen an einer Terrasse vorbei, dahinter sind Weinreben
Wein und Schafe – das sind die Erwerbsgrundlagen für Mazburkas – und beides geht eine interessante Symbiose ein

Sie unternahm Weinreisen, auch nach Deutschland und erzählte von ihrem Plan. Ein Deutscher Winzer gab ihr Dornfelder, Spätburgunder und Müller-Thurgau aufgepfropft mit. Davon ist heute noch der Dornfelder übrig. Von anfänglich 60 !! Sorten, sind mittlerweile noch 30 zum Experimentieren übrig. Darunter nur uns völlig unbekannte Sorten, wie Superga, Gina, Silva, Litonia und Vorduve. Die Reben kommen heute aus Lettland und Litauen. Teilweise züchtet Gunta sie selbst heran.

Am alten Haus stehen zur Anzucht kleine Weinreben in Blumentöpfen
Gunta züchtet die Weinreben mittlerweile selbst. In kleinen Töpfchen, geschützt vom Haus

Das lettische Klima hat ungeheuer kalte Winter, in denen es bis minus 25° werden kann. Das müssen die Weinstöcke auch vertragen können.

Schnee liegt zwischen den Reihen der Reben
Das Foto habe ich von der Leinwand abfotografiert – die Weinberge im Schnee

Die Vegetationszeit ist kürzer als z.B. in der Pfalz. So blüht der Wein später und die Weinlese findet erst gegen Ende September statt. Ihre 4 ha bewirtschaftet sie zusammen mit ihrem Mann. Die zwei erwachsenen Kinder unterstützen Gunta in arbeitsfreien Zeiten nicht nur praktisch, sondern auch mit vielen Ideen, z.B. im Marketing. Momentan werden Ideen für eine Website gesammelt.

Weinprobe

Wir probieren den ersten Wein, der ungeheuer fruchtig riecht, aber leicht schmeckt. Eine angenehme Säure, ein frischer Wein.

Eine Flasche mit Weißwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Supagas Baltvins sauss steht auf dem ersten Etikett unserer Weinprobe

Von diesem Wein habe ich mir die Rebe nicht gemerkt, nur, dass es eine lettische Rebe ist. Der zweite Wein riecht weniger fruchtig, schmeckt aber fruchtiger als der erste.

Eine Flasche mit Weißwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Varduves Baltvins sauss steht auf dem zweiten Etikett unserer Weinprobe

Dieser Wein ist aus der Traube Litonia, einer späten, süßen, schweren Sorte erzeugt. Die Traube wachse sehr kompakt, die Eimer seien bei der Lese viel schwerer, als bei anderen Sorten, erklärt Gunta.

An der Farbgebung des Rosé ist Gunta noch am Experimentieren. Sie probiert aus, wie lange der Saft auf der Maische liegen muss. Sie ist mit der Farbe noch nicht ganz zufrieden, bemerkt sie. Die Weine werden ökologisch erzeugt, ohne jegliche Chemie im Anbau und in der Weiterverarbeitung.

Eine Flasche mit Roséwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Gunas rozā vīns sauss steht auf dem Etikett der Roséflasche

Der Rotwein ist ein Cuvé aus drei verschiedenen Sorten. Der schmeckt mir total lecker. Die Farbe ist tiefweinrot, geht fast in Richtung Cassisfarbe. Ein leichter, fruchtiger Rotwein, der trotzdem ein gewisses Etwas hat.

Eine Flasche mit Rotwein, auf dem Etikett sind Schafe abgebildet
Sarkansvins Sauss lautet das Etikett

An meinen Beschreibungen merkst Du sicherlich, dass ich gerne Wein trinke, aber keine Weinverkosterin bin, die alle möglichen Geschmacksrichtungen eines Weines beschreiben kann. Mich interessiert noch, was Gunta mit den Schafen macht. Ich frage, ob sie die Wolle an Spinnereien verkauft. Die Rassen Cherolet und Oxfortdown, die sie auf dem Gut haben, dienen der Fleisch- und weniger der Wollerzeugung. Sie schlachten selbst und verkaufen das Schaffleisch vor Ort, ebenso wie die selbst hergestellte Wurst. Leider können wir diese heute nicht probieren, denn nach der letzten Weinmesse, wurde noch nicht wieder geschlachtet. Die Rückenwolle wird an einen Dämmstoffhändler verkauft, denn ökologisches Dämmen funktioniert heute auch mit Schafwolle. Die minderwertige, sehr kurzhaarige Wolle von Bauch und Beinen wird mit den gehäckselten Rebenabschnitten im Herbst untergepflügt. Die Wolle im Boden lockert diesen auf und lässt mehr Feuchtigkeit eindringen und Luft an die Wurzeln. Mittlerweile habe ich den Traubensaft probiert, der mir sehr gut schmeckt.

Der Aufdruck auf dem Traubensaftkarton mit den Erklärungen
Jeder Traubensaftkarton hat einen Erklärungen-Aufdruck mit einem tollen Hintergrundfoto
In einem Weinglas ist Traubensaft eingefüllt
Der Traubensaft ist naturtrüb

Während Gunta mir Antworten auf meine Fragen zu den Schafen gibt, hat Bernhard mit Einverständnis von Gunta eine neue Art der Weinprobe entdeckt.

In einem Eisengestellbett liegt ein Mann und verkostet Wein. Das Bett steht neben einer offenen Terrassentür mit Blick auf die Weinreben
Bernhard prüft, ob die Weinprobe im Liegen bequem ist – als eventuelle Empfehlung für unsere Pfälzer Winzer

Das Bett hat sie im alten Haus der Großmutter gefunden und zur Dekoration in der neuen Probierstube genutzt. Auch der Spiegel, der an der Wand beim Bett hängt, ist eine Fundsache. Eher die Materialien davon, aber das Ergebnis ist sehr schön.

Ein Frau mit langen blonden Haaren spiegelt sich in einem Spiegel, der von vier rohen Brettern umrahmt wird
Ich finde den Spiegel ungeheuer dekorativ – erst recht wenn sich Gunta Niedra darin spiegelt

Die Verkaufsecke ist noch recht klein, denn Flaschenwein wurde in den letzten Jahren noch nicht so viel produziert. Er reichte nur für den Eigenverbrauch und gute Freunde.

In Holzkisten, die als Regal dienen, stehen Weinflaschen. Ein Spinnrad steht als Dekoration daneben, darauf ein offener Koffer, aus dem Plüschschafe schauen
Die Verkaufsecke ist derzeit noch recht klein gehalten

Gunta hat sich weitergebildet und mittlerweile nimmt sie auch mit ihren Weinen an Weinprämierungen teil.

Bilderrahmen mit Urkunden hängen an einer Holzwand
Die ältesten Prämierungen des hergestellten Weins sind von 2017
Bilderrahmen mit Urkunden hängen an einer Holzwand
Die Urkunden und Diplome hängen über der Verkaufsecke

Für je 13 € pro Flasche verkauft Gunta ihren Wein. Wir nehmen von den probierten Sorten jeweils zwei Flaschen mit, vom Rotwein sogar drei. Ich bin mal gespannt, ob die Flaschen es bis in die Pfalz schaffen?

Beim Abschied führt uns Gunta ein wenig herum. Dabei erzählt sie, dass die Enkeltochter des Gutsherren von „Bergas“ die Großmutter mal besuchte. Und als sie sah, dass Gunta Wein anbaut hat sie erstaunt ausgerufen: „Das wollte der Großvater immer machen. Hier an diesen Hügeln Wein anbauen.“ So fühlte sich Gunta nochmals bestärkt, denn sie hat irgendwie eine alte Idee aufgegriffen.

Ein Holzhaus mit Glasfenstern im Giebel, davor eine Wiese mit Pfosten, an denen Hängematten hängen
Im neuen Haus, dass mittlerweile auch renoviert wird, wohnt die Großmutter
Ein Holzhäuschen unter einem Baum, darin ist die Toilette
Noch wird die Toilette wie in alten Zeiten genutzt, wenn auch das Häuschen neu ist
Ein zum Teil ausgehöhlter Holzstamm dient als Waschbecken. An einer Astgabel hängt ein Handtuch
Das Waschbecken ist ein echter Hingucker

Wir verabschieden uns herzlich von Gunta. Wir hatten einem hochinteressanten Vormittag, nicht nur wegen des Weins. Ganz sicherlich werden wir im nächsten Jahr wiederkommen. Dann dürfen wir sogar mit dem Wohnmobil über Nacht am Weingut stehen bleiben. Heute fahren wir weiter nach Riga zum Yachthafen zum Übernachten.

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