Dieser Blogbeitrag kann unbezahlte Werbung enthalten. Auf meinen Bildern und Videos trage ich Kleidung und Ausrüstung, deren Brands sichtbar sein können. Ich beschreibe Destinationen namentlich, sonst kann ich nicht über sie berichten. Wer mir Werbung bezahlt, entnimm bitte unter Zusammenarbeit.

Eine große Motorradtour sollte es sein mit vielen kindgerechten Attraktionen. Bei meiner Tochter waren Astrid-Lindgren-Bücher top angesagt. Die Wikinger hatte sie in einer anderen Buchreihe entdeckt. Und die Protagonisten der Bücher lebten in Dänemark und Schweden – somit war das Ziel klar.

Das Auto vor ihr sortiert sich auf der Linksabbiegerspur ein, sie selbst bleibt auf der Rechtsabbiegerspur. Ein kurzer Seitenblick, von links ist frei, also gibt sie Gas. Rumms, der Linksabbieger hat es sich jetzt doch anders überlegt und Lotti beim rechts abbiegen gerammt. Zum Glück fahren die Autos nicht schnell und haben dicke Gummistoßstangen rundum, es passiert also nichts.

„Jetzt musst du nur noch ein Kindermotorrad kaufen, dann kann ich selbst fahren, Mama“, ruft sie glücklich, als sie mit ihrem Legoland-Führerschein angerannt kommt. Kann ich aber nicht und so muss sie während unserer großen Dänemark-Schweden-Motorradtour bei mir als Sozia mitfahren.

Ein Kind sitzt in einem roten Elektroauto und fährt einen Parcours
Die Fahrprüfung macht große Freude im Legoland

Dänemark liegt eigentlich nicht auf dem direkten Weg nach Schweden, denn durch die verschiedenen Fährverbindungen ist die Anfahrtszeit recht kurz geworden. Aber ich hatte seit zwei Jahren den Besuch von Legoland in Billund versprochen und wir planten daher die Anreise durch Dänemark. Wir hatten bei der Anreise zwei etwa vierstündige Autobahnetappen. Wir hatten über diese „langweiligen“ Etappen gesprochen, Lotti war die Notwendigkeit des langen Stillsitzens klar. Wir haben uns unterwegs Geschichten von Astrid Lindgren erzählt, gesungen und gerechnet. Die Nachmittage verbrachten wir bei Freundinnen mit Kindern, die praktischerweise bei Hannover und bei Flensburg wohnen. Spielen, bewegen, lachen, toben – der richtige Ausgleich für die Achtjährige.

Ein Motorrad steht an einer Tankstelle. Im Vordergrund sitzt ein Mädchen an einem Tisch und packt ein Eis aus. Halme liegen auf dem Tisch davor.
In den Tankpausen unterwegs gab es natürlich ein Eis!

Legoland Billund

Ich mag eigentlich keine Freizeitparks, aber das Legoland in Billund ist faszinierend. Überall, teils unverhofft, stehen Gebäude, Tiere oder Menschen aus Legosteinen. Stadt- oder Landschaftsteile, Flughafen, Bahnhof, Schleusenanlagen und Häfen sind aufgebaut und in Bewegung. Schiffe fahren und schleusen, LKW transportieren Waren, auf einer Ölplattform wird gearbeitet und Züge halten an Bahnhöfen.

Steinböcke und Geier aus Legosteinen gebaut in einer Alpenlandschaft
Die Tiere sind aus Legosteinen

Selbst die Fahrattraktionen sind in die Legowelt integriert. Kann man sich vorstellen, dass bei einigen der Gebilde bis zu 4,5 Mio. Legosteinen verbaut sind? Wir trennen uns abends nur schwer von der Legowelt, aber wir sind bei Freunden auf Langeland angemeldet und müssen noch zwei Stunden fahren.

Wikinger live – nicht nur im Bilderbuch

Unsere nächste Tagesetappe führt uns nur über die Ostküste von Fünen bis zum wunderschön gelegenen Campingplatz von Nyborg. Trotzdem das Meer mit herrlichem Sandstrand lockt, fahren wir nach dem Zeltaufbau ohne Gepäck zur Schiffsetzung nach Ladby, unserer dritten Wikingerstätte. In der Nähe von Schleswig haben wir schon das Museum Haithabu besucht. Die ausgestellten Fundstücke, die die Lebensgewohnheiten der Wikinger veranschaulichen, stammen aus der teilweise ausgegrabenen Handelsstadt aus der Zeit um 900 bis 1100 n. Chr. An der dänischen Nordseeküste, nahe dem schönen Städtchen Ribe ist ein Freilichtmuseum, in dem „Berufswikinger“ den Besuchern das Leben der damaligen Zeit vorführen. Derzeit wird dort mit alten Handwerksmethoden der Stadtkern aus dem Jahre 825 n. Chr. neu errichtet. Lotti half mit, indem sie Holznägel für die Häuser herstellte, die, ganz ohne Eisen, nur aus Holz, Leder, Gras und Schilf gebaut werden. Bei einem Wikingerjungen, der Fladenbrot backte, stärkten wir uns.

Ein Kind schlägt einen kleinen Holzscheid mit einem großen Holzhammer durch ein Metallring und stellt so einen Holznagel her
Die Holznägel werden für den Hausbau benötigt
Ein Junge backt kleine Brotfladen am offenen Feuer, wir dürfen probieren
Ein Junge backt kleine Brotfladen am offenen Feuer, wir dürfen probieren

Hier in Ladby, in der Nähe von Kerteminde, wurde ein altes Schiffsgrab entdeckt und so konserviert, dass man es heute besichtigen kann. Wir haben Glück und erleben eine Ferienfreizeit, die sich mit dem Thema Wikinger beschäftigt. Die verkleideten Kinder und Betreuer, versuchen das Leben von damals nachzuspielen. Die Mädchen spinnen, weben oder sammeln Kräuter, die Jungen schärfen Schwerte oder schauen dem Schmied zu. Auf einem Wiesengelände folgt Kampfausbildung, mit der anschließenden Versorgung von „Verletzten“ und das ist spannend anzuschauen.

Eine Frau in Kleidung der Wikinger gestikuliert mit einem Mann. Kinder in Wikingerkleidung stehen herum, auf dem Boden liegt eine Trage
Die Kinder und Betreuer spielen das Leben der Wikinger nach

Begrenztes Gepäck und trotzdem alles mit

Eine gelbe Strndmuschel steht an einem Sandstrand
Die Strandmuschel schützt vor dem Wind und spendet Schatten

Den Rest des Tages verbringt Lotti in Sichtweite des Zeltes am Strand. Ich habe große Wäsche, denn der Campingplatz ist mit Waschmaschine ausgestattet und unsere Wäschevorräte fast verbraucht.

Unser gepacktes Motorrad mit Sitzplatz für Zwei

Gepäck auf dem Motorrad

Auf dem Motorrad haben wir ja nur begrenzte Mitnahmemöglichkeiten für alle auf der Reise benötigten Dinge: In dem großen Gepäcksack sind das Zelt und die Therm-a-Rest-Matten, die Strandmatten und die Strandmuschel (zugegeben ein Luxusartikel bei unserem Packvolumen), ein Armeeponcho für vielfältige Aufgaben (Tarp, Sitzunterlage, Regenschutz, Motorradgarage etc.), ein Brändi-Grill (ein, an einem in die Erde gerammten Stab befestigter, höhenverstellbarer Rost), ein „Anti-Plattfuß-Spray“ für eine schnelle Reifenreparatur, Lottis Wanderschuhe und Spielrucksack, mit Mandala-Malkarten, Walkman und Kassetten, Lesebuch und Sandspielzeug. Die Schlafsäcke, -anzüge und kleinen Kopfkissen sind in den blauen Packsäcken, die Lotti umgeben. Die Küchentaschen beinhalten den Benzinkocher, Topfset, Pfanne, Teller, Bestecke, Gewürze, Öl, Bouillon, 110 g Beutel mit Basmatireis, Haferflocken, „Allradbecher“ (spezielle Gefäße, in denen man auch kochen kann), Wassersack, Milchpulver, Müsli, usw. Die Schwierigkeit ist, beim Einkaufen unterwegs die Vorräte mit entsprechend kleinen Mengen wieder aufzufüllen. In den schwarzen Ortlieb-Packtaschen sind die Kleidung, T-Shirts, Vliesjacken und Hosen, Unterwäsche und Socken, je eine lange Hose und ein Sweat-Shirt, die erste Hilfe-, Arznei und Kulturbeutel, Handtücher, Seile und Klammern, Filmmaterial und die Motorradersatzteile sowie Öl und Kettenspray untergebracht. Im Tankrucksack sind die Regen- und Fotoausrüstung, Ersatzhandschuhe und die Trinkflaschen. Hinter Lotti steht ein Rucksack, in dem tagsüber eventuell benötigte Dinge (wie Schwimmsachen), die Teva-Sandalen und Wertsachen sind, den wir bei einer Besichtigung oder einem Einkauf einfach mitnehmen. Meine Tipps habe ich für Dich auf einer eigenen Seite zusammengestellt und als Download. Lese auch meinen Artikel zum Thema Mit Kindern Motorrad Touren machen.

Als die Wäsche auf der Leine flattert, gehe ich zu Lotti an den Strand. Ich stürze mich in die kühlen Fluten der Ostsee, der Wellengang ist mäßig, die Erfrischung maximal. Lotti ist zu wasserscheu. Nur ihre Füße, bis Mitte Waden und der Po in der Hocke dürfen das kühle Meer spüren. Wir bauen noch eine tolle Sandburg. Während der Dekorationsarbeiten von Lotti, genieße ich die Aussicht auf die Storebæltbrücke, über die wir morgen nach Seeland fahren. In der Mitte werden wir 60 m über dem Meer sein!

Storebæltbrücke im Abendlicht – das wird eine spannende Überfahrt
Storebæltbrücke im Abendlicht – das wird eine spannende Überfahrt

Diese Fahrt genießen wir am nächsten Tag mit Tempo 60 da nur wenig Verkehr ist. Wider Erwarten ist es fast windstill und wir bedauern, dass kein Ozeanriese unter der Brücke durchfährt. Heute ist noch mal „Wikingertag“ und wir besuchen die Trelleborg bei Slagelse. Von diesen Burgen wurden, wahrscheinlich unter König Harald Blauzahn, einige errichtet. Der hohe, kreisrunde Außenwall war innen symmetrisch in 4 x 4  Häuser eingeteilt, darin konnten etwa 500 Menschen geschützt leben. Das Museum hierzu ist etwa 300 m davon entfernt. Auf dem Gelände dazwischen findet jedes Jahr ein großer Wikingermarkt statt, der gerade von „Hobbywikingern“ aufgebaut wird. Alle möglichen Händler errichten ihre wunderschönen Leinenzelte die teils mit Ornamenten bemalt sind. Hier kann man Pfeil und Bogen erwerben, dort ein neues Gewand, oder die unerlässlichen Tunika-Schließen aus Silber und anderen Schmuck. Plötzlich schreckt uns Kampfeslärm, zwei gestandene Wikinger messen ihre Kräfte mit Schwertern und Schilden. Auch ein Baby, dass im Schatten eines Zeltes auf einem kuscheligen Schaffell schlief, fängt nun an zu schreien und die Männer werden von der Mutter ohne Waffe vertrieben.

Zwei Männer, die Wikinger darstellen, stehen sich mit gezückten Schwertern gegenüber
Die Freizeitwikinger üben mit echten Schwertern

Nachmittags fahren wir nach Roskilde und besuchen dort das Schiffsmuseum, um auch die seefahrerische Seite des Wikingerlebens zu studieren. Es ist schon erstaunlich, mit welchen Booten sie bis nach Neufundland und ins Schwarze Meer kamen. In einem halben Handelsschiff darf Lotti probesitzen ehe es zur Fähre nach Helsingør geht.

Zwei Wikingerboote im Hafen von Roskilde
Zwei Wikingerboote im Hafen von Roskilde

Überfahrt nach Schweden

Wir werden gleich auf die Fähre gewunken. Ich fahre mit unsicherem Gefühl auf das Schiff. Es ist für mich das erste Mal mit Motorrad, ich bin mir unsicher, ob wir es irgendwie festzurren müssen. Es kümmert sich keiner um uns und schon geht die Bugklappe zu. Da der Seitenständer der Honda CB 450 S nur unter Belastung die Maschine hält, kann schon ein leichtes Wackeln der Fähre das Motorrad umkippen lassen, ich will also zumindest auf dem Hauptständer parken. Mitsamt dem Gepäck bekomme ich das aber nicht mehr hin, ein freundlicher Herr hilft jedoch. Ehe wir uns recht besinnen, sind wir schon in Schweden, denn die Überfahrt dauert nur 15 Minuten!

Was für ein Knöpfchen muss ich drücken, um Benzin aus dem Zapfhahn herauszulocken? Entnervt gehe ich zur Kasse und frage auf englisch nach. Ach so, Kassa bedeutet Barzahlung oder, falls möglich, mit Scheckkarte, die anderen Zapfhähne sind für Tankkarteninhaber oder für Geldscheine. Andere Länder, andere Sitten, aber jetzt wissen wir es. Vor dieser Reise haben wir uns ein Sprechfunkgerät für unsere Motorradhelme zugelegt und können uns so während des Fahrens die Arbeit teilen. Ich halte Lotti auf dem Laufenden, wohin die Reise gehen soll, sie sucht dann bei den Abzweigungen die Schilder und weist mir die Richtung, sie hält nach den Campingplätzen Ausschau und ab sofort an den Tankstellen nach den richtigen Zapfsäulen. Wenn wir an Ampeln halten müssen, kann ich entspannen, denn Lotti sagt mir, wenn es grün wird. Auch wenn ich selbst schaue, fahre ich erst nach Lottis Information los, sonst fühlt sie sich nicht ernst genommen. Diese Aufgaben sind deshalb wichtig, da sie dann nicht „nur“ hinten draufsitzt, sondern ebenfalls Verantwortung hat. Sie dirigiert mich nach etwa 30 km auf unseren ersten schwedischen Campingplatz. Heute machen wir uns nur ein dünnes Süppchen und essen Brot dazu. Bei schönem Sonnenuntergang schreiben wir Postkarten und spielen “Mensch-Ärgere-Dich-Nicht”. Erst mit der Dämmerung um 22.30 Uhr krabbeln wir müde in unsere Schlafsäcke.

Postkarten-Schwedenidylle

Kurz vor Kristianstad finden wir den richtigen Abzweig nach Österlöv, dort aber leider nicht das kleine Motorradmuseum. Wir haben uns für heute den Campingplatz Galaxen nordöstlich von Vilshult ausgesucht. Kleine Sträßchen führen uns durch eine „Mama-Muh oder Petterson-Landschaft“. Wälder, von Seen durchbrochen, zwischendrin kleine, rote Bauernhöfe mit Kuhweiden, die mit Felsbrocken übersät sind. Der Zeltplatz liegt an einem wunderschönen See, in dem sich die Hitze herrlich ertragen lässt. Lotti lernt einen älteren Herrn kennen, der sie mit zum Angeln nimmt, zum Abendessen gibt es aber doch Reistopf mit Hackfleisch, da die Fische lieber weiter leben wollen.

Ein Mann rudert im Abendlicht ein Boot auf einem See. Ein kleines Mädchen sitzt im Bug.
Lottis erster Angelausflug auf dem See Galaxen

Blekinge

Wir folgen am nächsten Tag einer Straßenbeschreibung aus der Blekinge-Broschüre: „Von Halahult folgen Sie dem Kulturvägen, einer romantischen Naturstraße, nach Süden. Auf dieser Fahrt können Sie nachvollziehen, was Selma Lagerlöff mit ihrem Begriff „die drei Stufen“, mit denen sie die Provinz Blekinge beschreibt, in ihrem Buch „Nils Holgersson“ meint.“ Diese Naturstraße ginge bei uns höchstens unter „guter Wanderweg“ in die Landkarten ein. Das Schottersträsschen, in der Mitte der Fahrspur grasbewachsen, schlängelt sich ganz unbedarft durch schönsten Mischwald. Als ich anhalte, um zu fotografieren, ist Lotti nach meinem Ausruf „Hier gibt’s jede Menge Heidelbeeren!“ so schnell vom Motorrad, wie sonst auf der ganzen Reise nicht.

Ein Kind sitzt links von einem Motorrad auf dem Waldboden. Um es herum stehen viele Heidelbeersträucher, von denen das Kind genascht hat.
Die Heidelbeeren sind fast kirschgroß und die Lippen trotz Sommerhitze blau

Mit blauen Lippen, trotz Sommerhitze, steigen wir auf zur idyllischen Weiterfahrt. Den Abend verbringen wir am Strand von Ekenäs bei Ronneby, das Wasser der Ostsee wäscht die Heidelbeertatoos davon.

Auf einem Felsen sind zwischen 1500-500 v. Chr. alltägliche Begebenheiten eingraviert worden, die mit roter Farbe nachgezeichnet sind
Wir machen einen Abstecher nach Torhamnslandet, wo Felszeichnungen aus der Zeit um 1500-500 v. Chr. zu bewundern sind.

Småland

Nach der Grenze zu Småland lassen wir uns Zeit zum Schauen und steuern über eine Landstraße mit wenig Verkehr. „Da  steht eine braune Kuh im Wald, Mama“, Lotti deutet nach rechts. Erst nachdem wir ein „Elchwarnschild“ passiert haben realisieren wir, dass sie vielleicht einen Elch gesehen hat. Das irgendwo Leute leben müssen, merkt man nur an den Ortsschildern, aber vor und hinter den Ortschildern sieht der Wald gleich aus.

Briefkästen sind vor einem Busch angebracht
Manchmal sieht man Briefkästen am Straßenrand stehen, vermutlich gibt es dann auch Bewohner…

Begeisterung erweckt bei Lotti der Ortsname Yxnanäs, da sie die Buchstaben Y und X bisher zwar gelernt, aber noch nicht oft gebraucht hat. Der See in Linneryd bietet für den Rest des Tag alles, was wir brauchen. Sonne, Sand, Wasser, Campingplatz und die leider schlechteste Minigolf-Bahn der Welt. Bretter mit Dachpappe benagelt bilden den Parcours, der sicherlich schon etliche Jahre auf den „Buckeln“ hat.

Växjö – Abenteuer Physik im Experimentierhaus

Vorsichtig zieht Lotti die Drähte auseinander und erzeugt eine Riesenseifenblase, die etwa 5 m hoch ist! Später hebt sie sich mit Hebelkraft selbst in die Höhe! Der Besuch des Xperiment Huset in Växjö lohnt sich, da Physik ganz nebenbei „begriffen“ wird, eine deutsche Anleitung der Versuche wird ganz selbstverständlich ausgehändigt.

Auf einer Empore steht ein Kind und zieht Drähte auseinander, die nach unten verlaufen. Zwischen diesen Drähten ist Seifenlauge. Wenn das Kind hin die Lauge Pustet, entsteht eine Riesenseifenblase
Zwischen zwei Drähten bildet sich eine Seifenblase, in die Lotti reinpustet
Ein Kind zeiht mit einem großen Ring Seifenlauge hoch über sich
Lotti zieht die Seifenwand weit nach oben

Astrid-Lindgrens-World

Die 150 km nach Vimmerby sind nach so viel Gelehrsamen die reinste Entspannung. Die Strecke führt uns durch eine Landschaft, die Astrid Lindgren in ihren Büchern so treffend beschreibt. Seit Februar haben wir nur noch ihre Bücher gelesen: Bullerbü, Pippi, Karlsson vom Dach, Lotta aus der Krachmacherstraße, Madita und Michel. In Vimmerby in „Astrid-Lindgrens-Värld“ wollen wir in die Geschichten eintauchen. Im Freiluftpark werden einige der Geschichten über die Sommermonate von Schauspielern in Szene gestellt.

Gleich am Anfang sind wir in der Krachmacherstraße und entdecken Lottas und Tante Bergs Haus. Mit viel Getöse kommt uns ein Mann in blauer Latzhose entgegen, Karlsson, der mal eben einen „Rundflug“ macht, um zu gucken, wieviel Leute heute kommen. Wir folgen ihm in die Stockholmer Straßenzeile bis in sein Häuschen auf dem Dach, das durch eine Rutschbahn verlassen werden muß und landen in der Nähe von Pippis „Nicht-den-Boden-berühren-Parcours“. Dort steht ein Schild das Erwachsenen ausdrücklich erlaubt, den Parcours zu benutzen. Trotzdem bin ich die einzige Mama, die hinter ihrem Kind herturnt.

Während unserer Reise lesen wir das Ronja-Räubertochter-Buch und interessieren uns am meisten für die „Mattisborgen“ im Mattiswald. Ja, da ist sie, sogar mit Höllenschlund.

Mattis schaut nach den Borkaräubern aus, Räuberhauptmann Borka und sein Sohn Birk schleichen sich von der Seite an
Mattis schaut nach den Borkaräubern aus, Räuberhauptmann Borka und sein Sohn Birk schleichen sich von der Seite an

Trotzdem die Schauspieler nur schwedisch reden, können wir der Handlung folgen. Lovis und Ronja, Birk, Mattis, Glatzen-Peer und Knutas kann Lotti später „anfassen“ und mit Ronja sogar ein wenig deutsch reden.

Die Figur Glatzen Peer geht über den Platz
Glatzen-Peer ist unverkennbar
Matthis, der Räuberhauptmann redet mit Lotti
Mattis unterhält sich mit Lotti – so eine Ehre, dass macht sie ganz schüchtern
Ronja Räubertochter und Lotti sitzen auf einer Bank
Mit Ronja kann Lotti auf Deutsch reden und ist ungemein stolz

In der Pause des Stückes auf der Mattisborgen gehen wir nach „Bullerbü“. Auf dem Weg dorthin treten unverhofft Kling und Klang, die Polizisten aus der Pippi-Geschichte, aus dem Wald und erschrecken uns.

Die Polizisten Kling und Klang erschrecken ein Kind auf einem Weg
Die Polizisten Kling und Klang erschrecken uns

Bei der Fortsetzung der Ronja-Geschichte, sind dicke schwarze Wolken und Donnergrollen über uns und wir versuchen rennend, die Astrid-Lindgren-Ausstellung, eines der wenigen festen Häuser des Geländes, zu erreichen, aber auf halbem Weg erwischt uns der Wolkenbruch. Platschnaß, von vielen weinenden Kindern umringt erleben wir im Haus ein schweres Gewitter. Aber wir nutzen die Zeit, um durch die Ausstellung zu gehen und Leben und Werk der Schriftstellerin kennenzulernen. Die Sonne lacht plötzlich wieder, und wir entschließen uns, noch das „Heckenrosental“ zu besichtigen. Dort auf der Bühne sind alle Schauspieler versammelt und singen die Lieder, die in den Filmen vorkommen. Teils sind die Melodien unseren deutschen „Übersetzungen“ ähnlich, teils können wir nur an den Figuren erkennen, welche Geschichten besungen werden.

Eine Zeichnung von Pipi auf dem Kleinen Onkel. Durch ein Loch am Kopf können Menschen Pipi das eigene Gesicht leihen
Lotti leiht Pippi ihr Gesicht

Die Filmschauplätze sind keine Kulissen

Am Vormittag besuchen wir das „richtige Bullerbü“, das Örtchen Sevedstorp. Außer dem Bullerbyn-Express, einer Pferdekutsche mit der es sich Lotti nicht nehmen lässt zu fahren, gibt es noch eine geheimnisvolle Scheune, in der Kinder mit Eltern verschwinden, aber nur Eltern wieder herauskommen. Lotti und ich wollen das Rätsel lösen. Von einer etwa 3 m hohen Empore können die Kinder ins duftende, weiche Heu springen und erst wenn sie genug haben, an der Rückseite der Scheune wieder herauskommen.

Die drei Häuser in Bullerbü sehen aus wie die im Film – sie sind ja auch die Häuser aus dem Film
Die drei Häuser in Bullerbü sehen aus wie die im Film – sie sind ja auch die Häuser aus dem Film
Vom Heuboden springen macht Riesenspaß

Auf unserer Weiterfahrt liegt noch Gibberyd, wo der Katthulthof steht, in dem die Michel-Filme gedreht wurden. Lotti möchte am liebsten im Tischlerschuppen bleiben, denn sie schnitzt so gerne.

Obwohl sie nichts ausgefressen hat, lässt Lotti es sich nicht nehmen, im Holzschuppen von Michel Platz zu nehmen
Obwohl sie nichts ausgefressen hat, lässt Lotti es sich nicht nehmen, im Holzschuppen von Michel Platz zu nehmen

Wir haben aber für heute Gränna als Etappenziel und so folgen wir mal diesem, mal jenem Sträßchen, irgendwie Richtung Westnordwest. Die schmalen Straßen sind teilweise aus Schotter, auf denen ich mich mit dem Fahren immer noch schwer tue. Ich habe immer das Gefühl, im nächsten Moment rutscht die Maschine weg. Theoretisch kann das mit gleichmäßiger Geschwindigkeit nicht passieren, aber Motorradtheorie und meine Psyche passen irgendwie nicht zusammen!

Die Stadt Gränna ist durch die Witwe Amalia Eriksson bekannt geworden, die im vorigen Jahrhundert anfing Polkagris, herrlich schmeckende Zuckerstangen, herzustellen.

Viele Arbeitsschritte sind notwendig, bis Zuckerstangen spiralförmig rot-weiß sind

Auch der Ballonfahrer Salomon August Andrée, der 1897 versuchte den Nordpol mit dem Ballon zu erreichen, stammt aus dieser Stadt am Vätternsee. Am Abend kochen wir in der 4-Sterne Küche des Campingplatzes Kartoffeln mit Rührei und Spinat und genießen danach einen tollen Sonnenuntergang.

Fahrradtour auf Visingsö

Herrgott, da ist ja keine Bremse am Lenker, bis ich mich auf die Rücktrittsbremse besinne, ist es schon zu spät, ich pralle gegen Lottis Leihfahrrad und wir behalten blaue Flecken als Souvenir. Hier auf der Insel Visingsö, die wir als Fußgänger mit der Fähre von Gränna aus erreicht haben, spielt Lotti den ganzen Tag, ihr Fahrrad wäre ein Motorrad. So kommen wir durch Eichenwälder, die 1830 gepflanzt wurden um die Marine mit Bauholz zu versorgen, flott voran. Die Kumlaby-Kirche ist innen mit schönen Wandmalereien versehen und wir genießen den Ausblick, nachdem wir die Stufen des engen Kirchturmes erklommen haben. Vom Braheschloss ist nach einem Brand 1718 bis auf den Südflügel nichts mehr übriggeblieben, aber dessen Ruine lässt die Großartigkeit der Anlage erahnen.

Der Kirchturm der Kumlaby-Kirche kann bestiegen werden
Der Kirchturm der Kumlaby-Kirche kann bestiegen werden
Ein Kind fährt auf einem Fahrrad einen Kiesweg durch eine Alle entlang
Lotti genießt die eigene Fortbewegung

Wir erreichen den Göta-Kanal bei Motala, der uns mit einer Hebebrücke, die uns zum Anhalten zwingt, begrüßt. Die Straße klappt hoch und wir können die obersten Wimpel des durchfahrenden Ausflugsschiffes sehen.

Der Fahrdamm links öffnet sich bereits
Die Fahrbahnen derr Brücke sind vollständig geöffnet. Die Wimpel eines Ausflugsdampfers sind noch zu sehen
Die Wimpel des Ausflugsdampfers sind noch zu sehen

Ansonsten ist die viel befahrene Straße 50 um den Vätternsee, der dreieinhalbmal so groß ist wie der Bodensee, nach Norden sehr langweilig. Spannend wird es erst wieder nach Askersund, als wir einem schmalen, buckligen Asphaltstreifen südwestlich zum Tiveden Nationalpark folgen. Über eine Schotterstraße erreichen wir den See Fagertärn, aber die roten Seerosen, die ihn so berühmt gemacht haben, sind schon zugegangen. Schade!

Wanderung im Tived-Urwald

Den heutigen Sonntag verbringen wir auf einer eindrucksvollen Wanderung durch den Urwald des Tived. In der Tourist Info haben wir eine kleine Routenbeschreibung erhalten. Der Pfad, den man nicht verlassen sollte, ist total verwunschen. Von bunten Moosen und Flechten umgeben führt er über Felsplatten und große Geröllbrocken, vorbei an Baumriesen und auf Stegen über moorigen Untergrund.

Eine typisch schwedische Waldlandschaft mit Nadelbäumen, Felsen und viel Moos
Wir erwarten jeden Moment einen Rumpelwicht der uns fragt „was tust du?“
Mutter und Tochter stehen auf einem Felsen, Heidekraut und Nadelwald sind im Hintergrund zu sehen
Gut ausgerüstet zur Wanderung im Tived-Urwald

Vänersee

Ein kleines Faltblatt belehrt uns über die zu sehenden Besonderheiten. Auf der Rückfahrt stellen wir fest, dass unser Sprechgerät einen Wackelkontakt hat, den wir reparieren müssen. Aber am nächsten Morgen ist die Anlage tot und nicht zu reparieren. Wir vermissen auf der Weiterfahrt die Gespräche und Spiele und meine Nieren müssen unter Lottis Schlägen, wenn sie auf sich aufmerksam machen will, leiden. Weder in Kristinehamn, wo wir die 15 m hohe Picasso-Skulptur bestaunen, noch in Karlstad ist Ersatz für das kaputte Teil zu bekommen. Frustriert, da wir den Tag mit der Suche nach Motorradzubehörläden verplempert haben, fahren wir weiter bis Åmål. Der Campingplatz zieht sich über einen Hügel und wir schlagen unser Zelt mit Blick auf den Vänernsee auf. Beim Abendessen hören wir ein Tuckern auf dem See. Es rührt von einer schwimmenden Terrasse her, die mit einem Außenbordmotor angetrieben wird, auf der zwei Männer in Gartenstühlen vor einem Grill sitzen. Unglaublich, hat uns da der Sandmann einen Streich gespielt und die Traumbilder vor dem Einschlafen geschickt? Aber nach Entwicklung der Fotos bestätigt sich das Gesehene.

Eine Terrasse mit Personen, Picknicktisch und Grill schwimmt, von einem Außenbordmotor angetrieben, auf einem See
Wir trauen unseren Augen nicht – eine schwimmende Terrasse

Morgens besuchen wir das Ronja-Museum, in dem der Aufwand der Dreharbeiten des Filmes durch Fotos veranschaulicht wird. Teile der Requisiten, die Modelle der Mattisburg und auch „Steine“ der im Sörknatten-Nationalpark extra für den Film errichteten Burg sind ausgestellt. 

Abenteuer beim Paddeln

„Lotti paddel links, links!“ Warum um alles in der Welt dreht sich dieses Boot denn nicht nach rechts? Der See Lelång hat an dieser Stelle eine Breite von 2 km, es stürmt, die Wellen kommen von schräg rechts vorne. Nichts zu machen, wir driften nach links ab und paddeln, gezwungen von der Strömung, zurück. Nach einer Stunde Schinderei landen wir wieder an unserem Schlafplatz, einer mit Kiefern bestandenen felsigen Halbinsel, auf dem wir die Nacht im Gewitter verbracht haben. Wir versuchen es nochmals und paddeln nah an der Küstenlinie entlang und erreichen einen Steg, oberhalb dessen einige Häuser stehen. Wir schaffen es nach mehreren Anläufen, das über 5 m lange Aluminiumboot aus dem See zu ziehen und schleppen das Gepäck auf die Anhöhe. Dort bietet uns ein Herr seine Hilfe an und zieht auf der vom Regen sumpfigen, mit Schafskötteln übersäten Wiese das Boot auf dem Bootswagen hinauf. Übers Handy informieren wir den Bootsverleiher, der nach einer halben Stunde in einem heftigen Regenschauer ankommt. Nein, es hat nichts mit mangelnder Erfahrung zu tun, wenn man bei so einem Wetter nicht weiterpaddelt, bestätigt er mir, sondern die auf dem See Gebliebenen handeln unklug. Und wir hatten uns die drei Tage beim Paddeln so schön vorgestellt.

Eine Aluminiumkanu liegt am Seeufer der aus Felsen besteht. ein Kind hält das Kanu fest
Unsere Ortlieb-Packtaschen sind wasser- und staubdicht – super geeignet für die Paddeltour!

Dalsland

Statt dessen gönnen wir uns zwei Tage Rast in Laxsjöns Friluftsgård, wo Lotti die 30 Tage jüngere, fast 8-Jährige Bettina kennenlernt. Sie sind sich sehr ähnlich und daher für zwei Tage ein unzertrennliches Team. Bettina schaut uns, als das Motorrad fertig gepackt ist, ungläubig beim Anziehen zu. Über unsere Radlerhosen ziehen wir die Motorradhosen, dann stehen wir weder beim An- noch Ausziehen in Unterhosen da. Dann folgen die Stiefel, das Halstuch, der Nierengurt, die Jacke der Helm und die Handschuhe. Auf dieser Reise wurden wir oft angeglotzt, was Lotti sehr gestört hat, aber diesmal nervt es nicht. Ein letztes Winken, wir sind wieder auf dem Weg.

Ein Kind schaut zu, wie die Autorin und ihre tochter das Motorrad und sich selbst fahrbereit machen und die vielen Kleidungsstücke anziehen.
Bettina kann nicht fassen, was wir trotz der Sommerhitze anziehen

Håverud

Die Schlucht vor Håverud wird von fünf verschiedenen Verkehrswegen auf fünf verschiedenen Ebenen überquert. Wir stehen 50 m über den Stromschnellen des Upperud Flusses (1), auf der Straßenbrücke (2), über die wir eben den Parkplatz erreicht haben. Etwa 15 m unter uns verläuft die Eisenbahnbrücke (3), unterhalb kreuzt das Aquädukt (4) des Dalslandkanals, gefolgt von drei Schleusen, die Stromschnellen. Diese Fahrrinne aus Stahl wird seit 1868 von Schiffen benutzt. Zuunterst quert eine Fußgängerbrücke (5) den Upperud.

In Haverud sind fünf Brücken für verschiedene Verkehrsmittel übereinander angebracht.
Vier Brücken übereinander – auf der Straßenbrücke stehe ich beim fotografieren

Die Atmosphäre lädt zum Bleiben ein und als Hamfri, ein Dampfschiff, tutet, schaut mich Lotti bittend an. Wir fahren zum kleinen Hafen und erfahren, dass in einer halben Stunde das Dampfschiff für heute zum letzten Mal ablegt. Ja, ein Zeltplatz sei gleich dort drüben am See. Wir fahren schnell hin und bauen in Windeseile alles auf. Mittlerweile sind die Abläufe nach Ankunft klar. Packsack runter, Zelt heraus, Stangen einstecken und aufstellen – das machen wir im Team. Innenzelt einhängen und Schlafplätze einrichten, sind Lottis Aufgaben, während ich die restlichen Taschen abpacke und im großzügen Vorzelt verstaue. Motorrad auf den Hauptständer stellen, Benzinhahn zu, abschließen. Schnell noch raus aus den Klamotten und umziehen, Trinkflaschen in den Rucksack und schon laufen wir fröhlich zum Anleger.

Das Motorrad steht halb abgepackt rechts. Ein Kind steckt Zeltstangen zusammen und das Zelt, das platt auf dem Boden liegt, aufzubauen
Wenn wir fix sind, sind wir in 20 Minuten ausgepackt und aufgebaut
Humfri ist die Verballhornung des Namens Humphry (Bogard), wegen des Dampfschiffs im Film „Africa Queen“

Das Schiffchen liegt noch, und der Kessel wird vom Kapitän mit Holzscheiten gefüttert. Sind nun alle eingestiegen und haben die Dampfmaschine bewundert? Ja, dann geht die Fahrt los.

Eine Dampfmaschine ist auf einem Schiff als Antriebsmotor eingebaut. Eine Kiste mit kleinen Holzscheiten steht daneben, der Käitän stochert gerade den Ofen der Maschine an.
Die blankpolierte Dampfmaschine verträgt nur kleine Holzscheite

Gleichmäßig tuckernd erreichen wir Upperud und wandern entlang der Landstraße zurück. An der unteren Schleuse liegt ein Kanu, in das gerade Eltern mit ihren drei kleinen Töchtern einsteigen. Jetzt haben wir mal etwas zu glotzen. Sie haben Gepäck für drei Wochen mit und es trotzdem gemütlich, versichern die Mädchen.

Zu den Drehorten von Ronja Räubertochter

Unseren heutigen Ausflug machen wir ohne Gepäck, so sparen wir uns auch Ab- und Aufbau. Die Dalsländische Landschaft ist meines Erachtens in Südschweden die spektakulärste, von tollen Felsformationen zerklüftet, unendlich viele Seen und farbenfrohe Wiesen zwischen den Wäldern, unterbrochen von roten Häusertupfen. Über Schotterstraßen, die ohne das Gepäck leichter zu bewältigen sind, erreichen wir den Sörknatten Nationalpark und tauschen mal wieder Wanderschuhe gegen Motorradstiefel. Hier versuchen wir die Stellen herauszufinden, die als Filmkulisse für Ronja Räubertochter gewirkt haben.

Von diesem See starten die Wildtruden in der Gewitternacht – oder etwa nicht? 

Wir steigen hinauf auf die Felsen und versucehn herauszufinden, wo die Mattisborgen gestanden hat. Wir versuchen uns zu erinnern, wie der Blick aus dem Burgfenster ausgesehen hat und vergleichen diese Bilder mit dem Ausblick. Und, war das hier nicht die Stelle, wo Ronja dem verletzten Pferd mit dem Weißmoos das Blut gestillt hat? Nach einer Mittagsrast locken uns die Felszeichnungen von Högsbyn am Nachmittag. Dort wurden unter anderem Salto rückwärts springende Figuren und jede Menge Füße eingeritzt.

Ein Felsen mit Felszeichungen ist in eine Wiese eingebettet
Die Bilder zu interpretieren macht Spaß

Anschließend folgen wir bewusst zum zweiten Mal der schmalen Straße nach Håverud, denn die Geländeform wurde beim Straßenbau bewahrt. Steile Gefälle und Steigungen mit urplötzlichen, teils 120° Kurven und Buckel, die an Achterbahn erinnern, wechseln in rasanter Folge. Fast könnte ich zum Spaß nochmals umdrehen, aber die Sozia streikt, genug gesessen!

Auf der Fahrt an die Westküste wird es so kalt, dass ich die Vliesjacken und warmen Handschuhe rauskrame. Die Festung Bohus in Kungälv begrüßt uns mit Sturm, der uns bei der Besichtigung beinahe von den Zinnen weht.

Trutzig steht die Feste Bohus in Küstennähe
Trutzig steht die Feste Bohus in Küstennähe

Bis Åså wird es etwas wärmer, dort auf dem Campingplatz bekommen wir den Platz, den die Motorradfahrer lieben, denn er ist nur steil bergauf, über Felsen, Geröll und Sand zu erreichen. Ich gebe Gas, das Motorrad schlingert erst vorwärts dann plötzlich nur noch rückwärts. Irgendwas habe ich falsch gemacht, zu wenig Gas oder Kupplung gezogen. Als wir zum Stillstand kommen, ist uns bloß das Herz in die Hose gerutscht, aber die vollgepackte Maschine nicht umgekippt. Das passiert erst später, als sie geparkt auf dem Hauptständer parallel zu einem leichten Abhang steht und der Sand unter der Last einfach nachgibt! Von da an weiß ich, dass ich mein Motorrad nicht alleine hochheben kann, denn ausprobieren konnte ich es noch nie. Der Bremshebel ist geknickt, aber noch funktionstüchtig.

Am Abend ist die Stimmung am Strand mit dicken Regenwolken, durch die Sonnenstrahlen brechen, gespenstisch, ja fast bedrohlich. Am nächsten Morgen jedoch treibt uns die warme Sonne aus dem Zelt. Gestern abend habe ich meinen Brötchenteig mit Hefe angesetzt, er hat in einer Schüssel mit Deckel in meinem Schlafsack die „warme“ Nacht verbracht und ist nun ausgiebig gegangen. Ich forme die Brötchen, die ich in ganz wenig Öl in der Pfanne auf unserem Brändigrill backe – mit etwas Abstand zur Flamme des Benzinkochers.

Ein Mädchen hockt an einer Kochstelle und betrachtet die Brötchen, die in der Pfanne backen. Links steht das Zelt, Kochutensilien und Packtaschen
Frische Brötchen zum Frühstück – sooo lecker!

Heute ist richtiges Strandwetter und das möchte ich bei Schloss Tjolöholm genießen, im Reiseführer als, wie ein englischer Herrensitz wirkend beschrieben. Aber Lotti hat keine Lust auf Schloss, so fahren wir über die landschaftlich reizlose, verkehrsreiche E 6 weiter bis Falkenberg. Kleine Küstenstraßen führen uns zu Haverdals Strand, aber die bis zu 12 m hohen Dünen im Naturreservat locken Lotti auch nicht, sie will nur Sand buddeln und plantschen.

Ein bild zeigt Füße im Meer, von oben herunter fotografiert. Die Gischt umspielt die Füße
Beim planschen sind wir gut – und beim Füße im Meer versinken lassen erst recht
Lotti springt über den Höllenschlund am Strand

Landskrona in Brasilien?

Gegen Ende Juli findet der Karneval „Rio de Landskrona“ statt, eine Veranstaltung, die mit den Abbildungen von Salsa-Tänzerinnen wirbt. So fahren wir voller Erwartungen auf der eng an die Küste geschmiegten, schmalen Straße in die Festungsstadt. Im Zentrum sind etliche Verkaufsstände und ein lärmender Rummelplatz aufgebaut. Auf einem Karussell entdeckt Lotti eine Harley und fährt stolz ihre Runden.

Ein Kind sitzt auf einem Karusell, auf einer Harley und dreht fröhlich Runden
Endlich selbst Motorrad „fahren“

Um dem Lärm zu entfliehen besuchen wir das Museum und tauchen in die örtliche Geschichte ein. Eine Sonderausstellung ist einer Tochter der Stadt, Nell Walden, gewidmet, einer avantgardistischen Künstlerin, die Anfang des 20. Jahrhunderts lebte. Nun ist später Nachmittag und von „Rio“ und Salsa keine Spur zu sehen. So verlagern wir unsere Hoffnungen auf die Eröffnungsfeier in der Zitadelle, einer der besterhaltenen Befestigungsanlagen in Skandinavien. Tatsächlich wird dort eine dunkelhäutige Schöne mit dem Boot „Kristian III“ über den, uns von der „Bühne“ trennenden, Wallgraben gerudert und das ortsansässige Blasorchester intoniert dazu Sambarhythmen.

In einem Boot sitzt eine Frau in einem Sambatanzkostüm, ein Mann rudert das Boot über den See
Die Tänzerin wird zum Schauplatz gerudert
Eine Blaskapelle spielt auf ihren Instrumenten, eine Sambatänzerin in einem knappen weißen Köstum tanz dazu
Die Blaskapelle intoniert den Samba

Nach einigem Redenschwingen tritt, für den Veranstalter selbst überraschend, noch kurz die Sambaschule auf und dann verläuft sich die Zuschauermenge. Das war alles!?

Mädchen in Sambakostümen tanzen vor einer Burgmauer zur Musik
Mit viel Spaß und tollen Kostümen versucht die Gruppe Stimmung zu machen

Morgens beim Zeltabbau entdecke ich direkt unter Lottis Bett Maulwurfsgänge und drei Haufen, die er während wir schliefen gegraben hat. Sie hatte mich deswegen nachts geweckt, aber ich glaubte ihr nicht!

In einem Zelt ist Gras zu sehen und direkt an der Grasnarbe deutlich die Gräben, die eine Mauswurf nachts gegraben hat
Der Maulwurf empfand Lottis Matte als Erdboden und hat seinen Gang direkt darunter gegraben

Skåne

Auf dem Weg nach Trelleborg durchqueren wir Skåne nun gemütlich, passieren die malerischen Städtchen der überwiegend durch Ackerbau geprägten Provinz, die sich in prächtigster Sommerstimmung präsentiert. In der Hafenstadt knüpfen wir an unsere Reiseanfänge an und besichtigen die „Trelleborg” die der Stadt ja den Namen gab. Hier wurde ein Viertel des Burgkreises inmitten eines Wohngebietes rekonstruiert und das Gelände davor mit den damals in der Landschaft üblichen Pflanzen rekultiviert. Ein großes, den Langhäusern nachempfundenes Zelt aus Eichenbalken und Leinenbahnen runden die Stimmung ab.

Eine Wikingerburg, die Trelleborg. Der Eingang ist von starken aufrechtstehenden Baumstämmen gesichert. Darunter ist ein Erdwall. Zwischen den Baumstämmen ist ein Torhaus aus Holz, darunter konnte der Eingang von Fußgängern und Wagen benutzt werden
Der Eingang zur Trelleborg war gut gesichert
Die Rückseite des Eingangtores. Über dem starken Tor ist ein Haus aufgesetzt, vermutlich ein Wächterhaus. der Erdwall erhebt sich langsam aus dem umschlossenen Kreis, so dass die Krieger leicht zur Verteidigung auf den Wall hinauflaufen konnten
Ob das ein Unterstand für die Wächter gewesen ist?
Ein aus handgewebter Leinwand aufgestelltes Zelt ist wie ein Wikingisches Häuptlingshaus geformt. Starke Holzbalken sind schräg in die Erde gerammt, um die Leinwand zu spannen
Das Leinwandzelt ist wie ein Häuptlingshaus geformt

Einen Ausflug nach Ystad über die idyllische Küstenstraße machen wir an unserem letzten „Schwedentag“. Nach einem Stadtbummel gehen wir dort an den Strand, welcher, im Gegensatz zu Trelleborgs, sehr sauber ist. Bei Sonnenaufgang sind wir schon beim Zeltabbau, denn nun geht es auf die Fähre, die uns über Rostock und endlose Autobahnen, nach insgesamt 4500 km wieder nach Hause bringt.

Die Autorin und ihrre Tochter stehen bei ihrem gepackten Motorrad. Im Hintergrund ist die Fähre zu sehen, die sie wieder nach Hause bringen wird
Ein letztes Foto von uns und unserem treuen Motorrad vor der Fähre

Du möchtest über das Erscheinen neuer Beiträge, Tipps und Infos informiert werden? Abonniere meinen Newsletter, der Anfang jeden Monats erscheint.