Interrailtour, April/Mai 1987

AbfahrtAnfang 1987 machte ich mir mit Karen, die gerade mal 3 war, Gedanken über ein Urlaubsziel, denn wir wollten, bevor ich im Juni eine neue Arbeitsstelle anfing, noch 3 – 4 Wochen Urlaub machen.

Karen entschied sich fürs "große Meer und die hohen Berge". Ich wollte gerne mal wieder unterwegs sein, aber wir hatten nicht viel Geld. So kam ich auf die Idee, eine Interrailtour zu machen, da ich noch unter 26 Jahren alt war und Karen eben erst 3. Ich fuhr zum damals noch günstigen, europaweit, auch auf Fähren und "Sonderbahnen" geltenden Interrailticket-Preis, Karen musste für die Beförderung noch gar nicht zahlen und da sie mit in meinem Bett schlief, war sie bei den meisten Unterkünften auch kostenlos.

Ich schaffte mir das dicke Kursbuch Europa an und einen "Billig-Unterwegs" Interrail-Reiseführer und machte mich an die Planung. Da wir auf kürzestem Weg aus Deutschland "rausmussten", denn innerhalb Deutschlands bezahlte ich 50% des regulären Fahrpreises, war unser erstes Ziel Paris. Dort blieben wir nur eine Nacht und somit zwei volle Tage. Der Trick zum billig unterwegs sein bestand auch darin, möglichst nachts zu reisen, um Hotelkosten zu sparen. Weiter ging es über Marseille und Monaco nach Rom, wo wir ab Ostermontag für zwei Tage blieben. Die nächste Verbindung brachte uns nach Brindisi und in einem 8 m³ "großen", fensterlosen Kabuff fuhren wir mit der Fähre weiter nach Patras. Wieder mit dem Zug, mit Licht und "Fluchtmöglichkeit" im Ernstfall reisten wir nach Athen. Schon im Zug wurden Flugblätter der billigsten "Youth-Hostels" verteilt, in einem davon stiegen wir ab. Ab Piräus fuhren wir am nächsten Morgen nach Milos, einer Kykladeninsel.

Internationalen Freunde

Dort machten wir nun eine Woche "Urlaub", wanderten, besichtigten Sehenswürdigkeiten und bauten Burgen über Burgen am Strand. Zum schwimmen war es leider zu kalt, denn es war einer der kältesten 1. Mai Tage seit langem auf der Insel. Hier auf Milos lernten wir unter anderem auch David kennen, der uns später zu sich nach Australien einlud. Zurück in Athen besichtigten wir noch das griechische Nationalmuseum, bevor wir mit der Zugverbindung Athen-Venedig zwei Tage durch ganz Jugoslawien reisten. Teils in Fußgängergeschwindigkeit. In Venecia-Mestre stiegen wir innerhalb von 4 Minuten um in den Zug nach Milano, von wo es weiter zur Räthischen Eisenbahn nach Tirano ging. Die Fahrt über den Bernina war atemberaubend, immer in Kreisen schraubt sich die Bahnstrecke den Berg hoch. Unsere teuerste Übernachtung hatten wir in Sankt Moritz, von wo aus ich einen Bekannten in der Nähe von Zürich anrief. Er holte uns in Siebenen ab und wir verbrachten noch fünf Tage in seinem Haus in Innerthal, bevor wir über Basel die Heimreise nach Darmstadt antraten.

Die Reise, die sich in Kurzform sehr stressig anhört, war aber eine Bereicherung für uns beide. Ich hatte die Route grob geplant und mich unterwegs immer wieder neu über die Weiterreise zum nächsten Ziel entschieden. Ich hatte durch die Bahnreise viel Zeit, mit Karen zu spielen und in dem Alter sind die Kids sowieso sehr wissbegierig und interessiert an Allem. Karen ist auch kein scheues Kind, sie freundete sich immer schnell an, ob Hotelier, Katze, toter Maikäfer oder Schalterbeamte, sie war immer fröhlich und gesprächig. Wenn Sie müde war, war es im Zug sowieso kein Problem, ansonsten fanden wir immer irgendwo ein stilles Örtchen, wo sie ihr Mittagsschläfchen machen konnte.

Ihre Wünsche hatten sich erfüllt, denn die Hohen Berge hatte sie gesehen, war sogar auf einem mit der Gondelbahn und wir haben dort eine Rundwanderung gemacht. Das große Meer hatte sie auch gesehen und sogar befahren.

Eine ausführliche Beschreibung der Tour folgt in Etappen.

© Anne-Bärbel Engelhart