Australien – West und Nullarbor-Plain bis Melbourne

Beim Schafetreiben in eine neue Weide

Bei unserer Interrail-Tour im April/Mai 1987 lernten Karen und ich auf der Kykladen-Insel Milos einen Australier kennen. Ein älterer Herr, der uns in Milos und später in Athen viel Interessantes zeigte und erklärte, zu dem wir eine Freundschaft aufbauten. Daraus wurde nach der Rückkehr in die jeweiligen Heimatländer eine Brieffreundschaft (im Vor-Email-Zeitalter!) und aus diesen folgte eine Einladung von ihm und seiner Frau zu einem Besuch in Australien.

Nach langen Planungen und (finanziellen) Überlegungen reiste ich mit Karen am 29.September 1989 über Dubai, Bangkok, Jakarta und Bali nach Perth. So feierten wir Karens 6. Geburtstag schon in Australien, bei David und June.

unser Bus und Wohnung

Wir lebten einen Monat in ihrem Haus, unternahmen verschiedene Fahrten mit ihnen, unter anderem nach Coolgardie und Kalgoorlie bei dem mir die Dimension des Landes langsam bewusst wurde. Ich baute einen Kleinbus innen ein wenig um und am 1. November fuhren wir auf eigene Faust mit unserem "Toyota Hiace Longbase" los – Richtung Nord. Ich fuhr bewusst durchs Farmland und entlang der "Wildblütenstrecke", die ich in einem touristischen Hinweis der Gegend gefunden hatte.

beim Schafetreiben mit dem Motorrad

Nach nur 345 km hatten wir eine Motorpanne mit Totalschaden. Ein Aboriginie schleppte uns ins nächste Städtchen, nach Perenjori, wo wir für zwei Wochen bei einer Familie unterkamen, denn solange dauerte die Beschaffung und der Einbau des neuen Motors. Auch in dieser Familie hatten wir tolle Erlebnisse, wurden ins städtische und Familienleben voll eingebunden. Karen lernte dort unter den gleichaltrigen Kindern endlich Englisch, ging sogar in den ortsansässigen Kindergarten. Mitte November war es bei unserer Reisegeschwindigkeit nicht mehr ratsam bis in die Kimberleys zu fahren. So bogen wir in Meekatharra nach links (Westen) ab, denn wir wollten durchs "Outback" nach Carnarvon ans Meer fahren. Eine Übernachtung in der Nähe einer Station – einer Schaffarm – hatten wir eingeplant, also fragten wir bei dem Stationer, Jack, nach, ob wir irgendwo in der Nähe des Hauses mit unserem Bus stehen könnten. Wir durften und blieben insgesamt 16 Tage dort. Ich half im Haushalt und bei der Farmarbeit, beim Schafe treiben mit dem Motorrad, dem Scheren der Schafe und dem Tröge reinigen auf den Weiden. Karen war immer dabei oder genoss die Natur und das ungebundene Leben. Mit Jack unternahmen wir den Ausflug zum wirklich allergrößten Monolithen der Welt, dem Mount Augustus, der nur ungefähr 100 km nördlich von Errabiddy-Station liegt.

Outback, wie ich es liebe

Nach einem Abstecher nach Coral-Bay, und dem Weg wieder nach Süden, immer am Meer entlang, über Monkey-Mia und den Murchison-River, bei dem uns die Farbe grün der Vegetation so gut tat, liefen wir kurz vor Weihnachten wieder in Perth ein. Wir besuchten David und June, lebten ein paar Tage bei Jack, der zur Wollversteigerung nach Perth gekommen war, in seinem Flat und danach bei deutsch-italienischen Freunden, die wir auf dem Markt in Fremantle kennen gelernt hatten. Am 1.1.1990 kam mein damaliger Freund und mittlerweile Ex-Mann Bruno nachgereist und wir machten uns auf nach Süden. Die Landschaft Südwestaustraliens ist atemberaubend schön, hat eine gemäßigteres Klima als der Norden und wunderbare Natur.

Wegweiser

Um aber nach Geelong bei Melbourne, zu Brunos Verwandtschaft zu kommen, mussten wir ab Norseman den Nullarbor-Plain durchqueren – "nur" über 1300 km bis Adelaide, mit nur wenigen Raststätten unterwegs! Wir hatten mehrere, davon eine sehr spektakuläre Reifenpannen und fast kein Geld mehr, als wir endlich in Adelaide ankamen – die Überweisung von Deutschland hatte nicht geklappt. Aber in der Zivilisation konnten wir wieder telefonieren und eine neue Anweisung veranlassen. Wir überlegten, ob wir noch zum Ayers Rock "rauffahren" sollten, entschieden uns aber für die weiterhin gemütlichere Gangart und die Erlebnisse mit den Menschen unterwegs. So feierten wir in Hahndorf irgendeinen Anniversary, mit Festumzug und Volksbelustigung mit, bei dem ich beim "Heuballenweitwerfen" unter den Frauen den 2. Preis, eine gläserne italienische Vase, gewann. Nach dem Barossa-Valley und dem Great-Ocean-Highway mit den 12 Aposteln, die wir bei Regen und Sturm passierten kamen wir nach über 3 aufregenden Wochen bei der Verwandtschaft an. Dort knüpften wir wiederum Freundschaften und Karen ging in den Kindergarten, der außer ihr noch ein Kind aus Japan, aus Hiroshima, als Gast hatte. Wir machten noch verschiedene kleinere Touren und feierten 3 Geburtstage, unter anderem meinen endlich mal im Sommer, aber bei nur 20ฐ und Regen – schade. Mitte Februar flog Bruno mit Karen wieder zurück, denn sie wollte zu Hause Fassnacht nicht verpassen und ich für mit dem Bus zurück nach Perth, zu Angela und David. Mit deren Bekannten schaute ich mir noch die Pinnacles an, ehe auch ich wieder nach Hause und zur Arbeit musste.

Eine ausführliche Beschreibung dieser Reise folgt in Etappen.

© Anne-Bไrbel Engelhart